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B978-3-437-58042-0.00011-6

10.1016/B978-3-437-58042-0.00011-6

978-3-437-58042-0

Abb. 11.1

[L106]

a Versuch nach Weber. b Versuch nach Rinne.

Abb. 11.2

[T522]

Frenzel-Brille

Abb. 11.3

[L106]

NystagmusNystagmus bei Rotation auf einem Drehstuhl. Nach dem Andrehen kommt es erst zu kompensatorischen langsamen Augenbewegungen gegen die Drehrichtung und schnellen Augenrückholbewegungen in Drehrichtung. Bei anhaltender Rotation geht der Nystagmus aufgrund der Rückstellung der Cupula zurück. Nach dem Abbremsen tritt ein spiegelbildlicher postrotatorischer NystagmusNystagmuspostrotatorischer auf, da die Cupula in Gegenrichtung ausgelenkt wird. Dieser zeitliche Verlauf spiegelt das Erregungsverhalten der Bogengangsafferenzen wider.

Sinnesorgane Ohr - Untersuchung

  • 11.1

    Hörorgan211

    • 11.1.1

      Ohrspiegelung211

    • 11.1.2

      Audiometrie211

  • 11.2

    Gleichgewichtsorgan213

    • 11.2.1

      Gleichgewichtsprüfung213

    • 11.2.2

      Nystagmus213

Hörorgan

HörorganUntersuchungDie akute Entzündung von Mittelohr und/oder äußerem Ohr ist besonders im Kindesalter eine häufige Begleiterscheinung viraler oder bakterieller Infektionen. Chronische Infektionen des äußeren Gehörgangs, primär oder sekundär durch Pilze kompliziert, treten eher im Erwachsenenalter auf, während das Mittelohr nur selten betroffen ist.
Anlass der Untersuchungen des Innenohrs ist üblicherweise eine erkennbare oder vermutete Hörminderung. Weitere Indikationen bestehen in einem neu aufgetretenen Tinnitus, als arbeitsrechtliche Maßnahme oder im Säuglingsalter bei Verdacht auf angeborene Hörstörungen.
Während die Untersuchung des äußeren sowie eine erste grobe Diagnostik des Mittelohrs bei einiger Übung auch dem Heilpraktiker problemlos gelingen sollten, stellt die genauere Überprüfung von Paukenhöhle und v. a. Innenohr eine Domäne des HNO-Arztes dar. Diese Untersuchungen sollen deshalb lediglich in ihren Grundzügen kurz erörtert werden.

Ohrspiegelung

OhrenspiegelungFür die Untersuchung von Gehörgang und Trommelfell eignet sich ein einfaches OtoskopOtoskop, u. a. von Heine. Es dient mit seiner integrierten Lupe als (relativ) preiswertes Universalgerät für die Untersuchung von Ohr, Rachen, Vestibulum nasi, Pupillenreflexen und Hautveränderungen. Für die Untersuchung von Ohren und Naseneingang gibt es als Zubehör Einmalspekula (Ohrtrichter) unterschiedlicher Größen, die wenig kosten und Reinigungsarbeiten ersparen. Dem Autor haben sich diejenigen mit schmaler Spitze (ca. 2,5 mm) besonders bewährt, weil sie für Kinderohren geeignet sind, aber auch problemlos beim Erwachsenen bzw. für das Vestibulum nasi benutzt werden können. Man erspart sich damit das Vorrätighalten unterschiedlicher Größen und erweitert gleichzeitig die Untersuchungsmöglichkeiten im Hinblick auf einen sehr engen Gehörgang bzw. auf eine Teilverlegung durch Cerumen.
Der gewundene Verlauf des Gehörgangs erfordert, ihn zunächst zu begradigen, um das Trommelfell einsehen zu können. Hierfür zieht man bei der Untersuchung eines Kindes die Ohrmuschel nach hinten, und beim Erwachsenen nach hinten oben. Der Ohrtrichter wird zunächst unter Sicht auf die Öffnung des Gehörgangs gelegt. Anschließend wird das Otoskop gerade gestellt, sodass der Blick nun durch das mikroskopisch vergrößernde Glas auf den Lichtkegel bzw. das angestrahlte Gewebe fällt, während die andere Hand über den Zug an der Ohrmuschel den Gehörgang begradigt. Nun kann durch vorsichtiges, nicht zu tiefes Einführen des Ohrtrichters die Wandung des Gehörgangs und schließlich das TrommelfellTrommelfellUntersuchung inspiziert werden. Erkennbar wird das gesunde Trommelfell, bei unauffälligem Mittelohr, am hellen, dreieckigen Lichtreflex im vorderen unteren Bereich der perlmuttartig schimmernden Membrana tympanicaMembrana tympanica (Abb. 9.3). Auch dann, wenn man zunächst nur unterschiedliche Wandanteile des Gehörgangs zu Gesicht bekommt, sollte man den Ohrtrichter nicht einfach weiter nach innen schieben – schon deshalb, weil man dabei Schmerzen und eventuell auch Hustenreiz oder Übelkeit verursacht. Es genügt in aller Regel, durch wechselnd starken Zug an der Ohrmuschel in Verbindung mit kleinen Kippbewegungen des Otoskops nach freier Sicht auf das Trommelfell zu suchen.

Audiometrie

AudiometrieDie Audiometrie dient dem Nachweis einer Schwerhörigkeit, kann aber mit ihren verschiedenen Methoden auch Hinweise zur Ursache eines Hörverlustes liefern. Es lassen sich subjektive Methoden, die der Mitarbeit des Patienten bedürfen, von objektiven Verfahren abgrenzen, die aufwändiger sind, dafür aber auch bei Patienten eingesetzt werden können, die zur Mitarbeit nicht in der Lage sind (z. B. Säuglinge). Die am einfachsten durchführbaren und deshalb am häufigsten eingesetzten subjektiven Verfahren sind die Schwellenaudiometrie und die Untersuchungen nach Weber und Rinne.
Schwellenaudiometrie
SchwellenaudiometrieBei dieser Untersuchung wird über Kopfhörer nacheinander die Luftleitung, OhrLuftleitung beider Ohren überprüft. Der Patient erhält Töne unterschiedlichster Frequenzen (meist von 125 Hz bis 8 kHz) in jeweils ansteigender Lautstärke. Die erhaltenen Hörschwellen werden anschließend in Beziehung zum altersgemäßen Durchschnittswert gesunder Ohren gesetzt.
Ergänzt werden kann die Untersuchung durch die Überprüfung der KnochenleitungKnochenleitung. Dabei wird dann anstelle des Kopfhörers ein Tongeber auf das Mastoid aufgesetzt.
Weber-Rinne-Versuch
Weber-Rinne-VersuchFür den Versuch benötigt man lediglich eine einfache Stimmgabel (Schwingung 440 Hz), die man auf dem knöchernen Schädel des Patienten aufsetzt. Mit dieser schnell durchführbaren Methode lassen sich SchallleitungsstörungenSchallleitungsstörungen gut von SchallempfindungsstörungenInnenohrschädigungInnenohrschäden Innenohrschädigung, Schallempfindungsstörungenabgrenzen. Während sich die Untersuchung nach Weber der Knochenleitung bedient, erfolgt beim Versuch nach Rinne ein Vergleich zwischen Luft- und Knochenleitung.
Weber-Versuch
Weber-VersuchDer Fuß einer schwingenden Stimmgabel wird auf die Mitte des Schädels aufgesetzt. Der Ton erreicht das Innenohr dadurch hauptsächlich über die KnochenleitungWeber-VersuchKnochenleitung von Schädeldach und Felsenbeinpyramide. Vom Gesunden wird der Klang auf beiden Ohren als gleich laut empfunden (Abb. 11.a).
Bei einer Schädigung des Mittelohrs (Schallleitungsstörung) MittelohrschädigungSchallleitungsstörungenempfindet der Patient den Ton auf der erkrankten Seite lauter,Schallleitungsstörungen glaubt also, der Ton käme von dieser Seite. Ursache hierfür ist zum einen, dass das Hörorgan seine Sensibilität erhöht, wenn es über die Paukenhöhle zunehmend weniger Informationen erhält, und zum anderen, dass bei einer Schallleitungsstörung nicht nur der Transport zum Innenohr, sondern auch der Abfluss gestört ist, sodass die über den Knochen ankommende Hörinformation deutlicher erhalten bleibt.
Bei einer Innenohrschädigung (Schallempfindungsstörung) Innenohrschädigung, SchallempfindungsstörungenSchallempfindungsstörungenhört der Patient den Ton auf der gesunden Seite, was einfach zu interpretieren ist: Ein geschädigtes Hörorgan wird weder über die Luft- noch über die Knochenleitung ausreichend erregt.
Zu beachten ist, dass der Ton nicht einfach auf einer Seite verstärkt wahrgenommen wird. Das Gehirn interpretiert vielmehr die Hörinformation als Richtungshören. RichtungshörenDer Patient lateralisiert also den Ton zielgerichtet auf die Seite der lauteren Wahrnehmung.

Merke

Weber-Versuch

Untersuchung ausschließlich auf der Basis der Knochenleitung
  • Innenohrschädigung: Tonempfindung auf der gesunden Seite

  • Schallleitungsstörung: Tonempfindung auf der erkrankten Seite

Rinne-Versuch
Der Fuß derRinne-Versuch Stimmgabel wird bei diesem Versuch auf das Mastoid gesetzt (Abb. 11.1b). Das Innenohr wird hauptsächlich über KnochenleitungKnochenleitung erreicht. Sobald der Patient den Ton nicht mehr hört, gibt er ein Zeichen und der Untersucher hält die noch schwingende Stimmgabel nun vor das Ohr des Patienten. Der Gesunde hört den Ton nun wieder, weil Luftleitung, OhrLuftleitung sehr viel effektiver ist als Knochenleitung (um ca. 40 dB). Dies gilt jedoch auch bei einer Schädigung des Innenohrs, weil auch dabei die Intensität der ankommenden Schallwellen erhöht ist, sodass die Hörschwelle des geschädigten Hörorgans nun eventuell wieder erreicht wird. Dagegen ist der Ton für einen Patienten mit Schallleitungsstörungen beim Umsetzen der Stimmgabel vom Mastoid vor das Ohr nicht mehr hörbar.

Merke

Rinne-Versuch

Untersuchung, die sich die unterschiedliche Effektivität von Knochen- und Luftleitung zunutze macht
  • SchallempfindungsstörungenRinne-VersuchInnenohrschädigung: Der Ton wird über Luftleitung wieder vernehmbar (Rinne positiv). Das gilt allerdings auch für die Prüfung beim Gesunden.

  • SchallleitungsstörungenRinne-VersuchSchallleitungsstörung: Der Ton ist auch über Luftleitung nicht hörbar (Rinne negativ).

Ohne apparative Zusatzdiagnostik kann allein aus Weber oder Rinne nicht eindeutig zwischen den vorliegenden Störungen unterschieden werden. Es sind also für eine erste Hinweisdiagnose stets beide Untersuchungen in Kombination durchzuführen.

Gleichgewichtsorgan

Gleichgewichtsprüfung

GleichgewichtsprüfungGleichgewichtsorganUntersuchungDie Untersuchung des Gleichgewichtsorgans ist die Domäne von HNO-Arzt bzw. Neurologen und spielt im medizinischen Alltag von Allgemeinarzt und erst recht Heilpraktiker keine Rolle. Sie soll deshalb nur kurz zusammengefasst werden, um die prinzipiellen Möglichkeiten aufzuzeigen. Gleichgewichtsprüfungen erfolgen in erster Linie bei Patienten mit SchwindelAnamneseSchwindelanamnese und sollen Hinweise liefern, ob das Symptom dem Vestibularorgan zuzuordnen ist und ob eine vorliegende Störung peripher oder zentral verursacht wird. Die Differenzialdiagnose des Schwindels wird im Fach Leitsymptome erörtert.
Mögliche Versuche zur Untersuchung des Gleichgewichts sind:
  • Beim Romberg-VersuchRomberg-Versuch lässt man den Patienten im Stehen mit geschlossenen, parallel ausgerichteten Füßen die Augen schließen und kontrolliert, ob er dabei ins Schwanken gerät (→ Standataxie).Standataxie

  • Beim Unterberger-Tretversuch Unterberger-Tretversuchtritt der Patient mit geschlossenen Augen 50-mal (etwa 1 min lang) auf der Stelle. Die Arme können nach vorne ausgestreckt werden. Es sollte keine einzelne Licht- oder Geräuschquelle als Orientierungshilfe vorhanden sein, die das Ergebnis verfälschen könnte. Ergibt sich dabei eine Drehbewegung von > 45°, gilt dies als pathologisch. Kleinere Abweichungen um vielleicht 10 oder 20° sind durchaus physiologisch.

  • Beim Geradeausgehen, Romberg-VersuchGeradeausgehen mit geschlossenen Augen wird die Abweichung von der Geraden oder eine evtl. bestehende Fallneigung geprüft.

Nystagmus

Die wichtigste Untersuchung zur Überprüfung des Vestibularorgans besteht in unterschiedlichen Methoden der Nystagmusprüfung. Ein wichtiges Hilfsinstrument zur schnellen Erkennung des Nystagmus bei den verschiedenen Prüfungen stellt die Frenzel-Brille dar, die dem Patienten aufgesetzt wird NystagmusprüfungFrenzel-BrilleNystagmus (Abb. 11.2). Dabei handelt es sich um eine Brille mit lupenartig vergrößernden Gläsern und Lämpchen in der Fassung, die das (vergrößerte) Patientenauge beleuchten und damit in seinen Reaktionen besser erkennbar machen. Durch die Gläser mit ihren 15 Dioptrien wird gleichzeitig eine Fixation der Patientenaugen auf einen Gegenstand verhindert, die den Nystagmus hemmen würde.
Die Registrierung und Dokumentation des Nystagmus ist auch ohne direkte Beobachtung auf elektrophysiologischem Weg möglich. Dafür werden Elektroden auf den Schläfen des Patienten angelegt, mit denen die Potenzialverschiebungen der Augenbewegungen zwischen Kornea und Retina gemessen werden.
Der Facharzt überprüft nun auf dem Drehstuhl, bei verschiedenen Lagerungen oder auch Kopfbewegungen des Patienten die physiologische oder pathologische Reaktion der Augenbewegungen – zusätzlich auch thermisch, indem er unterschiedlich warmes Wasser in die Gehörgänge einbringt. Die Prüfung auf dem Drehstuhl entspricht einer Situation, bei der der Proband aus dem fahrenden Zug blickt. Dies wird auf der Abb. 11.3 dargestellt und beschrieben.
Bei der thermischen Überprüfung wird der GehörgangGehörgangthermische Untersuchung des Probanden zunächst mit Wasser oberhalb 40–42 °C gespült, in einem zweiten Durchgang mit Wasser von etwa 25–30 °C. Die unterschiedlichen Temperaturen übertragen sich auf den horizontalen (lateralen) Bogengang, der vergleichsweise nahe hinter dem Trommelfell verläuft. Wärme lässt die Endolymphe nach oben steigen, Kälte lässt sie absinken, sodass sich gegenläufige Bewegungen und damit auch ein Nystagmus in Gegenrichtung ergeben. Dabei gilt, dass der Nystagmus im physiologischen Fall in Richtung der Erwärmung weist, während die schnelle Rückholbewegung bei der Kaltspülung in die Gegenrichtung erfolgt.
Merkhilfe: Der Nystagmus liebt die Wärme.
Die thermische Prüfung funktioniert auch in der Schwerelosigkeit, weshalb manchmal gemutmaßt wird, dass nicht die Wärmeübertragung auf den horizontalen Bogengang mit entsprechender Flüssigkeitsbewegung, sondern andere Faktoren ursächlich sein müssten. Die Frage ist, was die Bogengänge mit der Schwerkraft zu tun haben sollen. Außerdem ergeben die Temperaturänderungen gegenüber der Ausgangstemperatur (Körpertemperatur) im Weltraum dieselben Relativbewegungen der Endolymphe.

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