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B978-3-437-58092-5.00003-9

10.1016/B978-3-437-58092-5.00003-9

978-3-437-58092-5

Abb. 3.1

[L157]

Verschaltungen zwischen Dermatom bzw. MyotomMyotome, inneren Organen und sensiblen sowie sympathischen Nerven

Abb. 3.2

[G122]

MuskelspindelMuskelspindel mit Afferenzen und Efferenzen

Abb. 3.3

[K306]

Kibler-Hautfalte zum Auffinden von BlockadenBlockadenKibler-Hautfalte

Chirotherapie

  • 3.1

    Theoretische Grundlagen121

    • 3.1.1

      Historisches121

    • 3.1.2

      Aufgaben der Chirotherapie122

    • 3.1.3

      Folgen von Gelenkblockaden122

    • 3.1.4

      Abgrenzung gegenüber Arthrosen124

    • 3.1.5

      Wirbelsäulengelenke124

    • 3.1.6

      Radikuläre und pseudoradikuläre Syndrome124

    • 3.1.7

      Blockaden der Wirbelsäule125

    • 3.1.8

      Folgen von Manipulationen126

  • 3.2

    Chirodiagnostik126

    • 3.2.1

      Hautfaltentechnik127

    • 3.2.2

      Weitere Untersuchungsmöglichkeiten127

  • 3.3

    Indikationen und Kontraindikationen128

    • 3.3.1

      Absolute Kontraindikationen128

    • 3.3.2

      Relative Kontraindikationen128

    • 3.3.3

      Ursachen von Blockaden und ihren Rezidiven128

  • 3.4

    Blockaden der Wirbelsäule und ihre Folgen129

    • 3.4.1

      C1 (Atlas)129

    • 3.4.2

      C2 (Axis)130

    • 3.4.3

      C4130

    • 3.4.4

      C5–C7130

    • 3.4.5

      Weitere Auswirkungen von HWS-Blockaden130

    • 3.4.6

      Th1131

    • 3.4.7

      Th3131

    • 3.4.8

      Th6131

    • 3.4.9

      Th9 und Th11131

    • 3.4.10

      L2 und L4132

    • 3.4.11

      CT3, CT5 und CT7132

    • 3.4.12

      Iliosakralgelenk132

    • 3.4.13

      Sternoklavikulargelenk132

Hinweis Prüfung

Die Chirotherapie bzw. Chiropraktik gehört nicht zu den für den angehenden Heilpraktiker prüfungsrelevanten Fächern.

ChirotherapieDie folgenden Ausführungen erheben deshalb auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Angestrebt wird ein gewisses Grundverständnis für diese ungemein wertvolle Therapieform, ergänzt durch Hinweise auf alltägliche, besonders häufige Krankheitssymptome, die überwiegend oder ausschließlich durch Blockaden der Wirbelsäule verursacht werden. Sofern diese Zusammenhänge übersehen werden, gibt es dafür keine alternative Heilmethode. Auf eine Beschreibung der Therapie wird an dieser Stelle trotzdem verzichtet: Niemand erlernt chirotherapeutische Manipulationen ohne „lebendes Modell“ und ohne Unterweisung und Kontrolle durch einen erfahrenen Chirotherapeuten.

Chirotherapie bedeutet, aus dem Griechischen übersetzt, eine Therapie, die mit den Händen ausgeführt wird (Cheir, cheiros = Hand). Synonym wird auch das Wort Chiropraktik benutzt, das in den USA entstand. Parallel entwickelte sich in den USA die verwandte Therapieform der Osteopathie. International bezeichnet man diese Therapien zumeist als manuelle Medizin, wobei manuelle MedizinManus im Lateinischen ebenfalls Hand bedeutet. Neuerdings ist es üblich, die weichen Techniken der MobilisationMobilisation, die z. B. auch von Physiotherapeuten durchgeführt werden, als manuelle Therapie zu bezeichnen, während die ImpulstechnikenImpulstechniken der ManipulationManipulation Ärzten und Heilpraktikern vorbehalten bleiben und eher mit den Begriffen Chirotherapie oder Chiropraktik belegt werden.

Theoretische Grundlagen

Historisches

Die Chirotherapie ist eine sehr alte Heilkunst, die zu allen Zeiten und bei den verschiedensten Völkern eingesetzt wurde – dokumentiert bereits im Jahre 3.000 v. Chr. Überall gab es Kundige, die in der Lage waren, durch Handgriffe Beschwerden an Wirbelsäule und Gliedmaßen zu lindern oder zu beseitigen.
Auf eine breitere Basis gestellt wurde die Heilmethode dann vor gut 100 Jahren, als in den USA zwei unterschiedliche Schulen entstanden: 1894 gründete der amerikanische Arzt StillStill eine Schule, als Vorreiter einer ganzen Reihe spezialisierter, staatlich anerkannter Universitäten, deren Absolventen den Titel eines Doktors der Osteopathie erhielten. Nur ein Jahr später entstand dann durch den kanado-amerikanischen Gemischtwarenhändler Palmer die erste Schule der Chiropraktik.
In Deutschland wurde die Methode erst nach dem 2. Weltkrieg allmählich publik, als sich zunehmend Chiropraktiker und OsteopathieOsteopathen nach dem Heilpraktikergesetz niederließen. Erst hierdurch wurden vereinzelt auch Ärzte auf die enormen Möglichkeiten dieser Therapieform aufmerksam. 1953 wurden unabhängig voneinander zwei große ärztliche Gesellschaften gegründet, die sich 1966 zur Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin zusammenschlossen. Auf eine wissenschaftliche Basis gestellt wurde die Methode im deutschsprachigen Raum in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hauptsächlich durch Tilscher und Eder. Seit den 90er-Jahren gehört die Chirotherapie zu den Pflichtfächern der deutschen Orthopäden.

Aufgaben der Chirotherapie

ChirotherapieAufgabenDie Aufgabe der Chirotherapie besteht in erster Linie darin, ein blockiertes Gelenk als solches zu erkennen und durch eine gezielte Manipulation zu deblockieren, d. h. ihm seinen ursprünglichen und physiologischen Bewegungsspielraum wiederzugeben. Ist dies nicht möglich, wird durch die Mobilisation versucht, dieses Ziel wenigstens annähernd zu erreichen.
GelenkblockadenBlockierung bedeutet Bewegungseinschränkung, BlockierungBewegungseinschränkung. BlockadenDas Gelenk ist in sich verdreht bzw. verkantet und kann so nicht mehr seinen gesamten Freiraum nutzen. Aus der im Idealfall gleichmäßigen Druckverteilung zwischen den artikulierenden Gelenkflächen mit gleichmäßig breitem Gelenkspalt entsteht eine (geringfügige, im Röntgenbild nicht erkennbare) Achsabweichung mit punktueller Druckerhöhung, die auch als wesentliche Ursache einer Arthrose anzusehen ist. Tatsächlich ist ein chronisch blockiertes Gelenk ganz abgesehen von dem Beschwerdebild, das es verursachen kann, geradezu prädestiniert, arthrotisch zu degenerieren.

Merke

Die Störung des Gelenkspiels, bezogen auf die Blockierung, ist stets als funktionell und reversibel anzusehen, beinhaltet also keinerlei anatomisch fassbare Veränderungen. Sie hat demnach auch nichts mit einer Subluxation zu tun, von der man früher ausging.

Man könnte diese Störung der freien Gleitvorgänge in einem Gelenk mit dem Klemmen einer alten Holzschublade vergleichen, die oft in einer Richtung noch gut verschiebbar ist, während sie beim Bewegen in die andere Richtung zunehmend schwerer geht, bis sie festsitzt. Entsprechend hat auch ein blockiertes Gelenk eine freie Richtung, die unbehinderte und schmerzfreie Bewegungen zulässt, und eine oder mehrere gesperrte Richtungen, die nur noch einen Teil der ursprünglichen Bewegung erlauben und ab einem gewissen Bewegungsausmaß auch zunehmend Schmerzen bereiten.

Merke

Die chirotherapeutische Manipulation erfolgt ausnahmslos in die freie Richtung.

Folgen von Gelenkblockaden

Ein von seiner Umgebung isoliertes und unabhängiges Gelenk gibt es nicht. Jede seiner Strukturen wie auch diejenigen seiner Umgebung sind mit Nerven und Rezeptoren ausgestattet, die bereits die geringste Fehlstellung weitermelden und damit eine Antwort auf der Ebene des zugehörigen Segments in Rückenmark oder sogar Gehirn induzieren.
Rezeptoren befinden sich in den Sehnen und Muskeln, die das entsprechende Gelenk bewegen, ebenso wie in den zugehörigen DermatomenDermatome von Haut und Unterhaut (Abb. 3.1). In der Synovialmembran der Gelenkkapseln finden sich zahlreiche Nervenfaserenden. Dasselbe gilt für zahlreiche Bänder und weitere Strukturen, z. B. auch für die Längsbänder oder Zwischenwirbelscheiben der Wirbelsäule, die Fehlstellungen der Wirbelkörper zueinander, mechanische Irritationen oder Schmerzen weiterleiten.
Eine, wenn auch geringe AchsenfehlstellungAchsenfehlstellungenGelenkblockadenGelenkblockadenAchsenfehlstellung in einem blockierten Gelenk bewirkt eine Störung im Gleichgewicht der Agonisten zu ihren Antagonisten. Der eine Muskel ist in der neuen Mittenstellung des Gelenks etwas länger als zuvor – er ist überdehnt. Der Antagonist ist verkürzt. Gleichzeitig findet in jedem gedehnten Muskel eine darauf folgende Kontraktion statt. Dies kann man sich folgendermaßen vorstellen: Die Dehnung eines Muskels führt zu einer Erregung seiner Muskel-, eventuell auch Sehnenspindeln (den Propriozeptoren),Propriozeptoren die dies umgehend über Nerven, die ins Hinterhorn des Rückenmarks eintreten, weitermelden. Auch die NozizeptorenNozizeptoren der Gelenkumgebung projizieren ins Hinterhorn. Hier erfolgt eine Umschaltung auf drei verschiedenen Wegen (Abb. 3.1):
  • Der 1. Weg führt über das Seitenhorn zu sympathischen (vegetativen) Nervenzellen, die diese Impulse an Blutgefäße und innere Organe weiterleiten und demnach hier zu Störungen bzw. Veränderungen führen können. Durchblutungsstörungen durch Engstellung der Arteriolen betreffen auch das perikapilläre Bindegewebe, sodass in den beteiligten Dermatomen nicht nur Temperaturminderung, BlockierungenTemperaturminderungen, sondern auch Gewebeverquellungen, BlockierungenVerquellungen des Gewebes getastet werden können, verstärkt durch die an der Schmerzauslösung beteiligten Mediatoren wie Prostaglandine und Kinine. Über den Grenzstrang des Sympathikus wird das zunächst lokale Geschehen sehr viel breiter abgebildet und bezieht weitere Dermatome, Myotome sowie innere Organe mit ein.

  • Der 2. Weg führt über die Vorderseitenstrangbahn direkt zu Hirnstamm (mit Thalamus und limbischem System) und Großhirn, informiert dort also über das periphere Geschehen bzw. löst bei stärkeren Reizen oder bei einer Summation aus mehreren Reizen Schmerzen aus.

  • Der 3. Weg schließlich führt über das motorische Vorderhorn direkt zu den Muskelfasern des gedehnten Muskels und bringt dieselben zur Kontraktion. Ein Muskeleigenreflex verläuft auf diesem Weg. Wenn hierbei durch einen Schlag auf die Ansatz- oder Ursprungssehne dieselbe mitsamt ihrem Muskel abrupt überdehnt wird, folgt über das motorische Vorderhorn postwendend der Befehl an diesen Muskel, sich zu kontrahieren. Wir erkennen dies dann an der entstehenden ReflexzuckungReflexzuckungen, chronische (Abb. 3.2). Der nächste Schlag mit dem Gummihammer bewirkt die nächste Kontraktion usw. Die chronische Überdehnung eines Muskels führt also gewissermaßen zu „chronischen Reflexzuckungen“ geringeren Ausmaßes, genauer zu einer chronischen TonussteigerungTonussteigerung (Verhärtung bzw. Verquellung = MyogeloseMyogelose) dieses Muskels.

Es führt also jede Blockierung eines Gelenks zur Kontraktion und damit auch palpatorisch erkennbaren Myogelose eines oder mehrerer zugehöriger Muskeln. Je nach Intensität und Dauer, mit der Propriozeptoren und Nozizeptoren ihre Salven zum Hinterhorn des Rückenmarks feuern, bleibt der ans Großhirn weitergeleitete Schmerz gerade noch unterschwellig oder er wird wahrgenommen, und bleiben die Auswirkungen auf innere Organe noch aus oder eben nicht mehr. Darüber hinaus bleibt auch der Dauerzug eines kontrahierten Muskels an seinen Sehnen oft nicht ohne Folgen – es kommt zur SehnenreizungSehnenreizung (Tendinitis)Tendinitis bzw. Reizung des Sehneninsertionsbereichs (Periostitis)Periostitis oder auch der zugehörigen Sehnenscheiden (Tendovaginitis)Tendovaginitis oder Schleimbeutel (Bursitis).BursitisSehnenscheidenentzündungSchleimbeutelentzündung

Abgrenzung gegenüber Arthrosen

ArthroseAbgrenzung zur GelenkblockadeEin GelenkblockadenAbgrenzung zu Arthrosenblockiertes Gelenk hat an seinem Gelenkknorpel und subchondralen Knochen keine gleichmäßige Druckverteilung mehr. Es ist punktuell überlastet. Damit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Entstehung einer späteren Arthrose erfüllt.
Ist erst einmal eine Arthrose aus diesem oder einem anderen Grund entstanden, findet man durch die resultierende Destruktion und Fehlstellung der Gelenke dieselben Gesetzmäßigkeiten hinsichtlich der Auswirkung auf einen Hypertonus (Verspannung) einzelner Muskeln und weiteren Folgen bis hin zur Störung innerer Organe, wie man dies bei reinen Blockaden beobachtet. Die Unterscheidung gelingt durch die Untersuchung des Gelenks, das bei einer Arthrose immer pathologisch verändert ist. Hingegen ist bei der Gelenkblockade nicht das Gelenk verändert, sondern lediglich seine Funktion gestört.
Selbstverständlich ist eine Arthrose keine Indikation für eine chirotherapeutische Manipulation. Das betroffene Gelenk ist allerdings im Rahmen einer Krankengymnastik einer chirotherapeutischen Mobilisation zugänglich, die z. B. aus einer Traktion unter gleichzeitiger Durchbewegung bestehen kann. Nur hierbei darf dann auch einmal vorsichtig in die gesperrte Richtung gearbeitet werden. Es ist durch derartige Techniken z. B. möglich, die besonders empfindlichen und leicht schrumpfenden Gelenkkapseln an Schulter und teilweise auch Hüfte wieder so aufzudehnen, dass deren zusätzliche Spannung auf das entsprechende Gelenk wesentlich vermindert und ein Teil des Schmerzes beseitigt sowie seine Beweglichkeit gebessert wird. Gleichzeitig bessert sich dabei auch die Gleitfähigkeit der Gelenkflächen. Man kann dem Patienten damit manchmal eine drohende Operation ersparen oder zumindest weit hinausschieben.
Natürlich kann auch ein arthrotisch verändertes Gelenk zusätzlich blockieren. Zumeist wird es sogar blockiert, also verkantet sein, sonst hätte es nicht arthrotisch zu werden brauchen. In diesem Fall kann die chirotherapeutische Manipulation, soweit sie mit aller Vorsicht noch durchführbar ist, den Teil des Schmerzes nehmen, der blockierungsbedingt ist, und gleichzeitig den weiteren Fortgang der Arthrose mindern bzw. beenden.

Wirbelsäulengelenke

WirbelsäulengelenkeBlockadenAn der WirbelsäuleBlockadenWirbelsäulengelenke gibt es zwei unterschiedliche Gelenke: Zum einen die IntervertebralgelenkeBlockadenIntervertebralgelenke zwischen den Wirbelbögen zweier benachbarter Wirbel und zum anderen im BWS-Bereich die Gelenke zwischen Wirbelkörper bzw. Wirbelbogen und zugehöriger Rippe. Beide Gelenkarten können blockieren. Die Auswirkungen sind häufig weit größer und auch sehr viel komplexer und unübersichtlicher als bei peripheren Blockaden.

Merke

Die Gelenke der Wirbelsäule blockieren nicht in gleicher Häufigkeit.

Besonders häufig betroffen sind die folgenden Gelenke:
  • Intervertebralgelenke C1, C2, C4, C5, C6, Th1, Th3, Th6, Th9, Th11, L2 und L4

  • Rippenwirbelgelenke, BlockadenRippenwirbelgelenke (Kostotransversal- bzw. Kostovertebralgelenke) CT1, CT3, CT5 und CT7KostovertebralgelenkBlockadenKostotransversalgelenk(e)Blockaden

  • Außergewöhnlich häufig, beinahe regelhaft betroffen sind dieKreuz-Darmbein-GelenkBlockade Kreuzdarmbeingelenke (= Iliosakralgelenke = ISG) sowie deutlich seltener auchISG-BlockadeIliosakralgelenkBlockade s. ISG-Blockade die SternoklavikulargelenkBlockadeSternoklavikulargelenke,SternoklavikulargelenkBlockade an denen der gesamte Schultergürtel angehängt ist.

Nur diese Gelenke werden in ihren Auswirkungen besprochen. Die restlichen blockieren eher selten und/oder haben in ihren Auswirkungen keine vergleichbare Bedeutung.
Jedes der benannten Gelenke hat eine „eigene Geschichte“. Jedes verursacht Symptome und Beschwerden nicht nur an Ort und Stelle, sondern auch weitab davon. Innere Organe werden in teilweise erheblichem Ausmaß in ihren Funktionen gestört oder scheinen in anderen Fällen durch dorthin ausstrahlende Schmerzen betroffen. Viele Organstörungen können nur aus der genauen Kenntnis dieser Fernwirkungen blockierter Wirbelsäulengelenke heraus verstanden und zugeordnet werden. Es ist immer wieder von Neuem beglückend, wie teilweise seit Jahren bestehende und die Lebensqualität des Patienten beeinträchtigende Beschwerden mittels korrekter Zuordnung zu einem bestimmten Gelenk und nachfolgender manualtherapeutischer Manipulation innerhalb von Sekunden zum Verschwinden gebracht werden können.

Radikuläre und pseudoradikuläre Syndrome

Man unterscheidet an Stamm und Extremitäten grundsätzlich zwischen radikulären und pseudoradikulären Syndromen. Radix heißt Wurzel.
Das radikuläre Syndrom radikuläres Syndromresultiert aus einer Irritation der Nervenwurzel,Nervenwurzelirritation also des peripheren Nerven an seinem Austritt aus dem Wirbelkanal am Foramen intervertebrale. Es findet sich demgemäß eine Störung im Verlauf eines definierten peripheren Nerven. Umschriebene Störungen eines definierten Nervensegments resultieren im Allgemeinen aus einer entzündlichen oder mechanischen Schädigung des zugehörigen Rückenmarksnerven, seiner zerebral liegenden Nervenzellen oder auch der motorischen Nervenzellen im Vorderhorn bzw. deren Fortsätzen (Axone), die dann z. B. durch einen Bandscheibenvorfallradikuläres SyndromBandscheibenvorfall im Bereich des Foramen intervertebrale mechanisch geschädigt werden. Zu einem radikulären Schmerz gehören also nicht nur eine segmentale Zuordnung zu einem bestimmten Nerven und dessen Ausbreitungsgebiet einschließlich des zugehörigen Dermatoms, sondern häufig auch motorische und/oder sensible Ausfallerscheinungen – zumindest bei längerem Bestehen der mechanischen oder entzündlichen Noxe (verursachenden Schädigung).
Demgegenüber ist ein pseudoradikuläres Syndrom pseudoradikuläres Syndromscheinbar keineswegs so klar definiert und zuordnungsfähig, da das Geschehen nicht einem bestimmten Nerven, sondern den Gesamtstrukturen eines Gelenks samt seiner weiteren Umgebung, den vegetativen Verschaltungen sowie dem zugehörigen Meridian zugerechnet werden muss. Es hat also nur scheinbar mit einer Nervenirritation zu tun, lässt sich aber niemals genau dem Ausbreitungsgebiet eines definierten Nerven zuordnen, da es mit einem solchen eben nichts zu tun hat. Dementsprechend gibt es hier auch keine sensiblen oder motorischen Ausfallserscheinungen. Ein pseudoradikuläres Syndrom ist also das Ergebnis einer oder mehrerer Gelenkblockaden und damit prädestiniert für eine Behandlung durch die Chirotherapie.
Als Beispiel seien die Reizung des Ischiasnervs und die Blockade eines Iliosakralgelenks einander gegenübergestellt.
Ischialgie versus ISG-Blockade
IschialgieIliosakralgelenkBlockade s. ISG-BlockadeDieISG-Blockade mechanische Reizung des Ischiasnerven bei seinem Durchtritt durch das Foramen intervertebrale infolge eines Bandscheibenvorfalls bewirkt einen durchgängigen Schmerz in allen oder einem Teil derjenigen Strukturen, die von dem Nerven versorgt werden, also mit Ausstrahlung zumeist bis in den Fuß. Gleichzeitig können je nach Ausprägung des Vorfalls auch sensible Anteile des Ischiasnervs geschädigt werden, worauf wiederum nur in dem versorgten Gebiet oder in Teilen hiervon Sensibilitätsstörungen auftreten, die durch eine neurologische Untersuchung nachweisbar werden. Dasselbe gilt für motorische Defekte einschließlich einer erkennbaren Seitendifferenz der Reflexe am Bein.
Positiv ist auch das Zeichen nach Lasègue,Lasègue-ZeichenIschialgieIschialgieLasègue-Zeichen bei dessen Prüfung das aus dem Liegen passiv zunehmend im Hüftgelenk gebeugte Bein dadurch Schmerzen bereitet, dass die Irritation des Nerven im Bereich des Zwischenwirbellochs weiter zunimmt. Bereits Husten oder Niesen, also eine Erschütterung des Körpers oder auch Betätigung der Bauchpresse genügen häufig, um den Schmerz eines Bandscheibenvorfalls zu verstärken.

Merke

Die Irritation des IschiasnervsIschiasnerv, Irritation verursacht Störungen exakt in dem Bereich, die von den einzelnen Nervenfasern, aus denen er zusammengesetzt ist, motorisch und/oder sensibel versorgt werden. Typisch für eine solche radikuläre Störung ist die Schmerzzunahme bei Belastung und deren Nachlassen in der Ruhe.

Bei einer Gelenkblockade mit ihrer punktuellen Überlastung wird dagegen der Schmerz im allgemeinen durch Bewegung gebessert, weil das „Verhaken“ der Gelenkflächen hierbei nicht mehr so ausgeprägt ist wie in der Ruhe. Typisch für die Blockade des ISG ist der im Liegen oder nach längerem Sitzen auftretende Schmerz, der nach einigen Minuten der Bewegung wieder nachlässt. Die betroffenen Patienten berichten häufig von nächtlichen oder frühmorgendlichen Rückenschmerzen, die sie aus dem Bett treiben und zum Umhergehen zwingen, woraufhin es dann für die nächsten Stunden wieder leichter wird. Das erinnert an die Symptomatik des Bechterew-Patienten, bei dem die Iliosakralgelenke nicht blockiert, sondern entzündet sind. Die Abgrenzung erfolgt durch das Zeichen nach Mennell sowie das Röntgenbild, auf dem die SakroileitisSakroiliitisMennell-ZeichenMennell-ZeichenSakroiliitis erkennbar wird, nicht jedoch die Blockade.
Der auftretende Schmerz ist niemals so scharf umschrieben wie beim Nervenschmerz, sondern eher diffus auf größere Bereiche verteilt. Er zieht auch niemals bis in den Unterschenkel oder gar Fuß, sondern ist auf die Bereiche Rücken, Gesäß, evtl. Leiste und Oberschenkel begrenzt.
Das Zeichen nach Lasègue ist Lasègue-ZeichenISG-Blockadenegativ. Es kann hierbei lediglich bei stärkerer Beugung zu einer geringen Schmerzverstärkung kommen, die durch Gelenkreizungen, Bewegungen in die gesperrte Richtung oder auch Anspannungen bereits hypertoner Muskeln ausgelöst wird und nicht mit dem massiven Nervenschmerz einer Wurzelirritation verwechselt werden kann. Die Bauchpresse verursacht keine Verschlimmerung. Es gibt keine Störungen der Sensibilität oder der Motorik, also z. B. Reflexdifferenzen zwischen rechter und linker Seite wie beim fortgeschrittenen Bandscheibenvorfall.

Blockaden der Wirbelsäule

WirbelsäuleBlockadenDie BlockadeBlockadenWirbelsäuleIntervertebralgelenkeBlockadenKostotransversalgelenk(e)Blockaden eines peripheren Gelenks stellt ein komplexes Geschehen dar, in das verschiedene Strukturen einschließlich der Rezeptoren und freien Nervenendungen in Haut und Gelenkkapsel eingebunden sind. Bei Blockaden der intervertebralen und kostotransversalen Gelenke nimmt die Komplexität noch weiter zu – oftmals in einem Ausmaß, dass es zunächst schwierig erscheint, den Überblick zu behalten:
Einzelne Nerven versorgen nicht nur ein einziges Gelenk, sondern auch benachbarte. Ebenso wird ein einzelnes Gelenk oder auch ein umschriebenes Hautsegment (Dermatom) von verschiedenen Nerven aus benachbarten Segmenten zumindest teilweise mitversorgt. Des Weiteren beeinflusst zum einen die Psyche über das limbische System und zum anderen die Formatio reticularis des Hirnstamms über die γ-Neurone, mittels derer die Aktivität der Spindeln von Muskeln und Sehnen reguliert werden, das Geschehen. Zusätzlich darf man nie außer Acht lassen, dass eineSkoliose skoliotische Fehlhaltung, z. B. als Schonhaltung aufgrund umschriebener Schmerzen in einem Wirbelsäulensegment oder (häufiger) in der Folge eines BeckenschiefstandsBeckenschiefstand, eine kompensatorische Gegenschwingung eines weiteren Wirbelsäulensegments nach sich zieht. Auch dort werden sich demnach muskuläre Dysbalancen mit Verspannungen und möglichen Schmerzen einstellen. Immerhin wird man aber im Rahmen der Diagnostik zumeist dort die ausgeprägtesten Myogelosen tasten, wo auch die wesentliche Ursache besteht.
Die Wirbelsäule ist grundsätzlich als Einheit aufzufassen. So induziert z. B. die Blockade des 2. Halswirbels links fast regelmäßig eine Blockade des 2. Lendenwirbels rechts und umgekehrt. Wenn man dies übersieht und sich nur mit der Blockade von C2 befasst, wird man keine dauerhafte Heilung erreichen können.
Schließlich sind auch die Gelenke der Wirbelsäule in Meridiane WirbelsäulengelenkeMeridianeMeridiane, Wirbelsäulengelenkeeingebettet, die völlig unabhängig von den Nervenbahnen verlaufen, also nichts mit denselben zu tun haben. Über einen solchen Meridian kann ein blockiertes Gelenk fern von seinem Ort Beschwerden und Störungen verursachen. So sehr diese Meridiane die Diagnostik scheinbar zusätzlich erschweren, so hilfreich sind sie andererseits, wenn man ihren Verlauf gelernt hat und dadurch über Organstörungen, die ursächlich ohne Wissen um die Zusammenhänge nicht erklärbar wären, direkt zu einem Wirbelsäulensegment geführt wird, das die scheinbare oder tatsächliche Organstörung ausgelöst hat.
Abschließend sei darauf hingewiesen, dass das Gehirn über hemmende Bahnen selbst bestimmt, welche Information, also z. B. welchen Schmerz es wahrnehmen möchte. Viele Reize bleiben dadurch unterschwellig. Die Blockade bzw. Störung ist vorhanden, gelangt aber nicht ins Bewusstsein. Niemand ist jemals ganz frei von einzelnen Gelenkblockaden in Wirbelsäule und peripheren Gelenken. Trotzdem fühlt sich die Mehrheit zumeist wohl und beschwerdefrei. Erst wenn sich zu diesen unterschwelligen Reizen weitere gesellen, also eine sog. zeitliche oder örtliche Bahnung erfolgt, wird dies als Schmerz oder Verspannung registriert.

Folgen von Manipulationen

ManipulationFolgenEs ist möglich, dass die chirotherapeutische Deblockierung einzelner Gelenke dazu führt, dass danach Schmerzen in einem anderen Segment entstehen, das zuvor scheinbar gar nicht betroffen war. Der Patient sieht dies dann als Folge der Chirotherapie und meint vielleicht, der Therapeut hätte ihm hier Gelenke blockiert, die bis dahin frei gewesen waren.
Dies ist allerdings nicht der Fall, bei korrekter Technik auch gar nicht möglich. Es ist vielmehr so, dass die Normalisierung in einem Segment, das zuvor gestört war, dazu führen kann, dass das labile Gleichgewicht aus Schwingung und Gegenschwingung, das in seiner Weitermeldung bis dahin gerade noch unterschwellig geblieben war, nun ins Bewusstsein tritt, indem die Schwingung vorübergehend nicht mehr durch ihre Gegenschwingung ausgeglichen werden kann.

Merke

Es sollte stets versucht werden, dem Patienten nicht nur am Ort des im Vordergrund stehenden Geschehens die Gelenke zu deblockieren, sondern auch in dessen weiterer Umgebung – bei ausreichender Zeit natürlich am besten am ganzen Körper.

Manchmal wird von Gegnern der Chirotherapie (in der Regel von solchen, welche die Methode gar nicht kennen) behauptet, chirotherapeutische Manipulationen würden zum „Ausleiern“ der Gelenke bzw. ihrer Bandstrukturen führen. Denkbar ist dies tatsächlich in Fällen, bei denen ein und dieselben Gelenke ständig manipuliert werden, wie man dies bei Menschen sehen kann, die gewissermaßen im Stundentakt ihre Fingergelenke knacksen lassen. Der zugehörige Bandapparat kann dabei sicherlich auch einmal zunehmend überdehnt werden, sodass eine straffe Schienung und Führung des Gelenks nicht mehr gegeben ist. Dies würde dann der Situation bei einem hypermobilen Gelenk entsprechen.
Übliche chirotherapeutische Maßnahmen erfolgen allerdings nicht im Stundentakt, sondern in Abständen von zumindest Tagen, Wochen oder Monaten. Die Kräfte, die hierbei auf ein Gelenk einwirken, entsprechen üblichen Alltagssituationen. Der anatomisch mögliche Bewegungsumfang eines Gelenks wird niemals überschritten, zumeist noch nicht einmal annähernd ausgeschöpft, wofür beweisend auch die fehlende Schmerzhaftigkeit der Manipulation stehen kann. Insofern, und auch hinsichtlich der nun in 50 Jahren gesammelten Erfahrungen und Daten allein im europäischen Raum, kann dieser Einwand als unbegründet angesehen werden.

Chirodiagnostik

ChirodiagnostikDie Untersuchung vor der Durchführung einer chirotherapeutischen Manipulation umfasst zunächst einmal all das, was man auch ohne eine solche Manipulation durchführen würde – also nach der Anamnese die körperliche Inspektion am (teil)entkleideten Patienten, die Palpation schmerzhafter Strukturen, das Wahrnehmen von Schwellungen oder Entzündungen, die Beurteilung des Ausmaßes der aktiven und passiven Beweglichkeit mit dem automatischen Vergleich zum Normalen sowie für eine endgültige Diagnose erforderliche Zusatzuntersuchungen wie Labor und Röntgenaufnahmen.
Röntgenaufnahmen werden in jedem Lehrbuch wie in allen Kursen und Seminaren als notwendig vor jeglicher Chirotherapie dargestellt. In der üblichen Praxis hält sich nur niemand an diese Empfehlung, weil sie absolut nicht durchführbar wäre. Es ist unmöglich, in der täglichen Praxisroutine jeden Patienten zum Röntgen zu schicken, um ihn dann die Tage, die er auf den entsprechenden Termin wartet, unversorgt zu lassen bzw. so lange mit Tabletten oder Spritzen zu behandeln. Außer den Orthopäden macht das also keiner. Umso wichtiger wird es aber dadurch, um Zwischenfällen vorzubeugen, dass die Kontraindikationen zur Chirotherapie sehr genau beachtet werden, dass man sorgfältig untersucht und dass man schließlich auch nur Techniken anwendet, die einen Schaden am Patienten von vornherein ausschließen.
Wer in bester Absicht dem Patienten ins Kreuz springt und damit neben der Deblockierung von 3 Gelenken auch noch 2 Wirbelkörper bricht, der hat etwas falsch gemacht. Wer aber nach ausreichend gründlicher Anamnese und Untersuchung mit schonender Technik arbeitet und die Kontraindikationen zuvor auch noch beachtet hat, der kann eigentlich gar nichts mehr falsch machen und er wird auch kaum jemals einen erwähnenswerten Zwischenfall erleben.

Merke

Wichtig ist, das richtige Maß zwischen zu großer Vorsicht und Ängstlichkeit sowie einem unbedarften und respektlosen „Angriff“ auf den Rücken des Patienten zu finden. Dieses Maß findet sich üblicherweise im Rahmen wachsender Erfahrung.

Hautfaltentechnik

Hautfaltentechnik, ChirodiagnostikDie eigentliche ChirodiagnostikChirodiagnostikHautfaltentechnik benutzt zusätzliche Techniken, die über das sonst übliche Maß hinausgehen bzw. dieselben ergänzen. Die zunächst für Unerfahrene wichtigste zusätzliche Untersuchungsmethode besteht in dem Abheben der sog. Kibler-Hautfalten. Kibler-HautfalteHierbei hebt man am entspannten, auf dem Bauch liegenden Patienten mit Daumen und Zeige- oder Mittelfinger beider Hände beiderseits der Wirbelsäule horizontale Hautfalten ab und beurteilt deren Konsistenz durch vorsichtiges Rollen zwischen den Fingern (Abb. 3.3). Bei einer Blockade in diesem Segment erscheint das Gewebe derb und verquollen; es lässt sich nur schlecht von seiner Unterlage abheben und der Patient wird eine mehr oder weniger große BlockadenSchmerzhaftigkeitSchmerzhaftigkeit beklagen. Ohne Blockade im jeweiligen Bereich ist das Gewebe dagegen zart und weich und lässt sich zwischen den Fingern rollen, ohne dem Patienten Schmerzen zu bereiten.
Im eigentlichen Sinn ist eine Kibler-Falte ein abgehobener Hautanteil, der in seiner Mitte eine quere, also horizontal verlaufende Einkerbung zeigt, indem die Haut hier an ihrer Unterlage „klebt“ und nicht mit abgehoben werden kann. Dieselben Hautfalten lassen sich auch im Verlauf der Körpermeridiane abheben und beurteilen. Dort besteht dann allerdings das Problem, dass man damit den Meridian mitsamt seiner Störung insgesamt erfasst, also den Ort der Blockade „eingekreist“, aber häufig noch nicht exakt definiert hat.
Zur Erkennung von Wirbelsäulenblockaden werden also am entspannt liegenden Patienten, mit Beginn bei Th1 und segmental nach kaudal fortgeführt, beidseits der Wirbelsäule horizontale Hautfalten abgehoben und in ihrer Konsistenz beurteilt. Zentrale Einsenkungen in diesen Falten stehen beweisend für eine Blockade des betroffenen Segments auf der Seite dieser Falte. Die Zuordnung kann millimetergenau erfolgen, indem die zentrale Einsenkung exakt zum betroffenen Gelenk hinführt. Auffallend ist häufig auch eine spürbare Abkühlung der Haut im betroffenen Segment, verursacht durch die Verschaltung mit dem Sympathikus. Diese Abkühlung wird direkt nach erfolgter Deblockierung von einer reaktiven Hyperämie abgelöst, die von zahlreichen Patienten bemerkt und als angenehm empfunden wird.

Merke

Im Bereich der LWS lassen sich wegen der derben Fascia thoracolumbalis keine zentralen Einstülpungen der Hautfalten mehr erhalten. Hier muss also allein aus dem Tonus des Gewebes auf eine Blockade rückgeschlossen werden.

Weitere Untersuchungsmöglichkeiten

ChirotherapieUntersuchungenEine weitere chirodiagnostische Technik besteht darin, das passive Bewegungsausmaß Bewegungsausmaßpassiveseines Gelenks in die verschiedenen Richtungen hin zu prüfen und dabei die jeweilige Zu- oder Abnahme umschriebener MyogeloseBeurteilungMyogelosen ebenso zu beurteilen wie den zu- oder abnehmenden Schmerz, den dies beim Patienten evtl. hervorruft. Man erhält damit auch gleichzeitig den sicheren Hinweis auf die gesperrte bzw. freie Richtung, den man – zumindest an HWS und LWS – ohnehin für die sich anschließende Manipulation benötigt. Wichtig ist bei dieser Untersuchung auch die Beurteilung des Endanschlags eines Gelenks in der jeweils vorgegebenen Bewegungsrichtung – also das Gefühl, das bei diesem Endanschlag entsteht. Ist es bei freiem Gelenkspiel federnd-elastisch, kann man von einem ungestörten Gelenk ausgehen. Ist der Anschlag dagegen „hart“ und unnachgiebig, liegt eine Blockade vor, soweit das Gelenk nicht arthrotisch verändert ist.
Beim Überprüfen der passiven Beweglichkeit lässt sich, sofern eine Blockade in diesem Segment besteht, auch die zu- oder abnehmende Spannung der sog. TriggerpunkteTriggerpunkte beurteilen, umschriebener fingerkuppengroßer Bereiche von Weichteilen bzw. Muskeln, die jeweils bestimmten Gelenken zugeordnet werden können. Bei einer Bewegung in die gesperrte Richtung wird der Tonus dieser Triggerpunkte zunehmen, bei Bewegung in die freie Richtung dagegen abnehmen.
Des Weiteren kann mit dieser Untersuchungstechnik erkannt werden, ob in einem Segment eine Hyper- oder Hypomobilität vorliegt, ob also das passive Gelenkspiel im Bereich des normalen Ausmaßes liegt oder deutlich darüber hinausgeht bzw. dasselbe nicht erreicht. Eine HypermobilitätHypermobilität gilt als relative Kontraindikation für die manuelle Therapie und sollte in jedem Fall mit muskelaufbauenden gymnastischen Übungen nachbehandelt werden, um die betroffenen Gelenke zu stabilisieren. Eine HypomobilitätHypomobilität erschwert die Chirotherapie und macht sie manchmal auch unmöglich.
Im Zuge wachsender Erfahrung und Sensibilität für das zu beurteilende Gewebe wird man die Hautfaltentechnik lediglich noch dazu benutzen, Meridianverläufe zu beurteilen, um bei deren palpatorisch erkennbaren Störung, und im Verein mit der üblicherweise typischen Anamnese, auf das verursachende Gelenk rückzuschließen. In diesem Stadium ist das Erkennen paravertebraler, umschriebener Myogelosen vollkommen hinreichend für die Diagnostik. Palpation der myogelotischen Verhärtung und direkt anschließende Deblockierung des zugehörigen Gelenks bilden dann eine zeitliche Einheit, die über eine einzige Minute kaum hinauszugehen braucht. Auf diese Weise wird es für den Erfahrenen möglich, die Ganzkörperbehandlung eines Patienten (einschließlich HWS, Armen und Beinen) in einem Zeitraum von 15–20 Minuten und mit sehr zufriedenstellendem Ergebnis durchzuführen.

Indikationen und Kontraindikationen

Merke

Die einzige Indikation ChirotherapieIndikationenzur chirotherapeutischen Manipulation ist die Blockade eines Gelenks.BlockadenChirotherapie

Kontraindikationen lassen sich in relative und absolute unterteilen.

Das Gebot, dass die Chirotherapie nicht weh tun darf, ist stets zu beachten. Es schützt im gleichen Maße auch davor, dem Patienten körperlichen Schaden zuzufügen.

Absolute Kontraindikationen

ChirotherapieKontraindikationenAbsolute Kontraindikationen sind:
  • Tumoren bzw. Tumormetastasen im Bereich der angestrebten Manipulation. Ein Patient mit einem bekannten Tumor, der wie z. B. das Prostatakarzinom oder das Mammakarzinom häufig in die Wirbelsäule metastasiert, darf so lange nicht chirotherapeutisch behandelt werden, bis durch ein Röntgenbild die Tumorfreiheit des Bezirks seiner Blockade nachgewiesen ist.

  • akute Entzündungen

  • fortgeschrittene OsteoporoseOsteoporoseChirotherapie, Kontraindikation

  • Bandscheibenvorfall mitBandscheibenvorfallChirotherapie, Kontraindikation Kompression von Nervenwurzeln

  • Spondylolisthesis Spondylolisthesis Chirotherapie, Kontraindikation

  • Zustand nach einem Trauma – z. B. mit subluxierten Gelenken

  • HWS-Schleudertrauma, HWS-Schleudertrauma, Chirotherapie, Kontraindikationbei dem über Wochen nach dem Ereignis keinesfalls manipuliert werden darf, selbst wenn das Röntgenbild keinen pathologischen Befund ergeben hatte

  • Fehlen einer freien Richtung und damit auch einer schmerzlos möglichen Manipulation; in diesen Fällen muss bis zur Besserung des Zustands und so lange konservativ behandelt werden, bis später eine freie Richtung gefunden werden kann.

Relative Kontraindikationen

ChirotherapieKontraindikationenRelative Kontraindikationen gibt es wenige. Neben der Hypermobilität HypermobilitätChirotherapie, Kontraindikationist dies z. B. die Ängstlichkeit eines Patienten, also das mangelnde Vertrauen in den Therapeuten oder in die Methode. Ein solcher Patient wird auch kaum die Lockerheit in seinen Geweben erreichen, die man für eine schmerzfreie Manipulation benötigt.
Eine relative Kontraindikation könnte auch in der noch mangelnden Erfahrung des Therapeuten liegen bei Grenzfällen wie einer mäßigen Osteoporose, nicht ganz zweifelsfreier Diagnostik oder z. B. an der HWS, wenn sich hier ein Wirbel nicht sozusagen fast von alleine lösen lässt.
Zu erwähnen ist weiterhin das arthrotisch veränderte Gelenk mit zusätzlicher Blockade, das einer Manipulation häufig nicht mehr zugängig ist, wohl aber der chirotherapeutischen Mobilisation.

Hinweis des Autors

Eine relative bis absolute Kontraindikation stellt nach den Erfahrungen des Autors auch die geopathische Belastung einesgeopathische BelastungChirotherapie, Kontraindikation Patienten dar, also der meist nächtliche Aufenthalt auf Wasserader bzw. Benkerstreifen. Hier sitzen die Blockaden in der Regel so fest, dass sie höchstens noch, falls überhaupt, mit erhöhtem Kraftaufwand zu lösen sind, sodass man dann sehr schnell in Bereiche kommt, wo doch Schmerzen entstehen würden. Daneben ist die Therapie in diesen Fällen ohnehin „für die Katz“, weil 1–2 Nächte später schon wieder alles beim Alten ist. Man kann allein aus der Untersuchung und (versuchten) Chirotherapie die geopathische Belastung eines Patienten mit großer Zuverlässigkeit ersehen. Der Autor besteht in solchen Fällen zunächst auf einer Schlafplatzsanierung, mit Wiederholung der Therapie 3–4 Wochen später. Der Mehrzahl der Patienten fällt auf, wie spielerisch leicht sich nun plötzlich zuvor unlösbare Blockaden lösen lassen. Bei mangelnder Bereitschaft oder Offenheit für diese Dinge beim Patienten muss auf konservative Methoden ausgewichen werden (Spritzen bzw. Tabletten, Wärmeanwendungen, Massagen, Akupunktur usw.). Dies hat dann allerdings häufig nichts mehr mit Heilung, sondern nur noch mit Symptomlinderung zu tun. Zusätzlich sind Rezidive bzw. erneute Exazerbationen vorprogrammiert.

Ursachen von Blockaden und ihren Rezidiven

GelenkblockadenUrsachenBlockadenUrsachenWird ein Patient nach erfolgreich durchgeführter Chirotherapie jeweils nur vorübergehend beschwerdefrei, ist er entweder geopathisch belastet und dies wurde vom Therapeuten nicht bemerkt, oder es bestehen HypermobilitätenHypermobilitätBlockaden oder man hat vergessen, dass der Mensch, zumindest aber seine Wirbelsäule, eine Einheit darstellt, die entsprechend umfassend zu therapieren ist. Eventuell aber ist er in seinem Alltag auch Belastungen ausgesetzt, die über sein physiologisches Maß, z. B. seine muskuläre Stabilität hinausgehen.
Daneben handelt es sich bei den Störungen in der Folge von Gelenkblockaden um keine Einbahnstraßen: Genauso, wie eine Blockade eine Organstörung vorzutäuschen vermag, kann eine tatsächlich vorhandene Organstörung die zum Segment gehörende Blockade hervorrufen. Zum Beispiel verursacht die Blockade des 6. Brustwirbels Magenbeschwerden, die mit der Deblockierung von Th6 augenblicklich verschwinden. Ein chronisches Magenleiden (von der Gastritis bis hin zum Magenkarzinom) wird aber auch umgekehrt eine Th6-BlockadeTh6-Blockade zur Folge haben, die nach erfolgreicher Chirotherapie sehr schnell wiederkehren wird.

Merke

Rezidivierende BlockadenBlockadenrezidivierende sollten stets daran denken lassen, nach einem organischen Geschehen im Segment zu suchen, im Beispiel der Th6-Blockade also mittels Untersuchung bis hin zur Gastroskopie.

Findet man für rezidivierende Blockierungen keine offensichtliche Ursache, so ist spätestens dann eine umfassende Anamnese BlockadenAnamneseanzuschließen, die auch die Schlafposition des Patienten beinhaltet. Der Autor ist beispielsweise noch niemals einem Bauchschläfer ohne Dauerblockaden begegnet. Dasselbe gilt für Menschen, die ohne oder mit sehr flachem oder sehr dickem Kopfkissen schlafen. Auch durchgelegene Matratzen oder Roste führen zu Blockaden, ebenso wie das teilweise noch beliebte Brett als Rost-Ersatz.
Das einseitige Tragen schwerer Taschen, unphysiologisches Bücken, Drehbewegungen unter Einbeziehung der LWS, Sitzpositionen im Auto mit zu flach eingestellter Rückenlehne und/oder zu weitem Abstand zum Lenkrad sind weitere Ursachen rezidivierender Blockaden. Dies gilt auch für unphysiologisches Sitzen am Tisch, vor dem Fernseher oder am PC. In vielen Fällen ist es sinnvoll, mit geeigneten Methoden die Haltemuskulatur aufzutrainieren und ganz allgemein ein besseres Körpergefühl anzustreben.

Blockaden der Wirbelsäule und ihre Folgen

BlockadenWirbelsäuleWirbelsäuleBlockadenErarbeitet wurde die Mehrzahl der vorgestellten Zusammenhänge in langjähriger praktischer Tätigkeit von Dr. med. Josef Brand, Brand, Joseffortgeführt und gelehrt von Dr. med. Lothar Fechter bzw. neuerdings seiner Schülerin/Nachfolgerin Gina Stumpf (Stumpf & Fechter, 26789 Leer). Ihre Arbeit kann nicht hoch genug eingeschätzt und gewürdigt werden. Für den Autor bildete sie, als Ergänzung zur schulmedizinisch gelehrten Chirotherapie, die Basis einer 20-jährigen chirotherapeutischen Tätigkeit. Aus Sicht des Autors ist eine Chirotherapie auf der Basis dieser Kenntnisse für die Routine der täglichen Praxisarbeit unverzichtbar – dies selbstverständlich auf dem Boden solider medizinischer Kenntnisse. Sie trägt entscheidend dazu bei, dass man auch vor schweren und scheinbar hoffnungslosen Erkrankungen der Patienten nicht kapitulieren muss. Darüber hinaus geht sie auf eine Weise mitten hinein ins ursächliche Geschehen, dass bei ihrer Anwendung andere, durchaus wertvolle Methoden wie die Akupunktur zumindest zum Teil überflüssig werden, weil dieselben ihre Wirkungen mehr in der Peripherie entfalten. Wir heilen aber nicht durch eine Behandlung in der Peripherie, sondern durch das Erkennen und direkte Angehen der Ursachen der Krankheiten.
Es handelt sich im Folgenden um die hinsichtlich häufiger funktioneller Organstörungen wichtigsten Blockaden. Da ihre Wirkungen weder an der Universität noch in der Klinik noch während der üblichen Ausbildung zum chirotherapeutisch tätigen Arzt oder Heilpraktiker gelehrt und gelernt werden, bedeutet ihre Kenntnis und spätere Umsetzung in die eigene chirotherapeutische Arbeit ein mächtiges Instrument, die vielfältigsten Symptome der Patienten ursächlich zu erkennen und zu heilen.

C1 (Atlas)

BlockadenAtlasAtlasblockadeDer Atlas herrscht über die Wirbelsäule genau so, wie er gewissermaßen auf ihr thront. Zahlreiche Symptome bis hin zu lebensentstellenden Erkrankungen gehen auf sein Konto. Es gibt chirotherapeutische Richtungen, die sich in der Meinung, alles andere werde sich sozusagen von alleine regeln, ausschließlich mit dem obersten Halswirbel beschäftigen. Der Autor kann diese Meinung aus seiner eigenen Erfahrung heraus in ihrer Absolutheit nicht teilen. Zumindest ist in jedem Fall noch das Becken geradezustellen, weil die Atlasblockade andernfalls rezidiviert. Es ist aber hinsichtlich der überragenden Bedeutung dieses Wirbels zu bedenken, dass die Atlasregion zahlreiche Verbindungen und Quervernetzungen zu den vielfältigsten Zentren unterhält – u. a. zum gesamten Hirnstamm von der Medulla bis zum Thalamus einschließlich der dort befindlichen vegetativen Zentren, zu einzelnen Augenmuskeln (Abduzenskerne), zur A. vertebralis, zur Formatio reticularis mit dem sog. Gammasystem und damit zur Regulierung des gesamten Muskeltonus und schließlich zum Gleichgewichtsorgan im Innenohr und den Vestibulariskernen. Ein Teil der Auswirkungen auf Strukturen von Innenohr und Hirnstamm (einschließlich Schwindel und Tinnitus) kann daraus abgeleitet werden, dass Atlasfehlstellungen zur reflektorischen Minderdurchblutung der A. vertebralis mit ihren Folgegefäßen führen.
Eine Blockade oder auch Instabilität – als Hypermobilität bzw. nach einem Trauma mit Schädigung des zugehörigen Bandapparates – kann konsekutiv Auswirkungen auf all diese Strukturen unterhalten, bis hin zu Impulsen an Atem-, Kreislauf- oder Brechzentrum. Damit dominieren die Kopfgelenke in dem angesprochenen Sinn tatsächlich auch das Achsenorgan, die Wirbelsäule.
Die Atlasblockade kann wie jede Blockade vollständig ohne Beschwerden bestehen. Häufig aber bewirkt sie ein Gefühl von Schwäche und Unsicherheit oder auch ein Gefühl der Unwirklichkeit – so als ob man bei allen Verrichtungen des täglichen Lebens „neben sich stehe“ und zuschaue, ohne dies näher definieren zu können. Man fühlt sich zwischen Wachsein und Traum, wobei es hier in Richtung Albtraum geht, weil dieser Zustand als sehr belastend empfunden werden kann. In milderen Fällen erfährt man nach der Deblockierung vom Patienten, dass er plötzlich sehr viel klarer denken könne – als ob nun irgendein imaginärer Schleier weggezogen sei.
Der Atlas verursacht Schwindelgefühle bis hin zu schwersten Schwindelattacken, bei denen ein Gehen unmöglich wird. Begleitend kann Übelkeit bis hin zum Erbrechen bestehen. TinnitusAtlasblockadeTinnitus (Ohrgeräusch) und Hörsturz, AtlasblockadeHörsturz werden durch seine Irritation verursacht oder mitverursacht. Eher selten findet man hierfür andere Ursachen wie arteriosklerotische oder hypotone Durchblutungsstörungen, Entzündungen oder Tumoren im Bereich des Innenohrs.
Das Globusgefühl, der sog. Globus hystericus, Globus hystericusalso ein Engegefühl oder Kloß im Bereich des Kehlkopfs, der ständig zum Räuspern zwingt und manchmal sogar das Gefühl vermittelt, von einer imaginären Hand regelrecht gewürgt zu werden, werden durch ihn verursacht, evtl. im Verein mit C2 und/oder C4 (Zungenbeinmuskeln). Auch hier findet man nur selten andere Ursachen wie etwa eine Vergrößerung der Schilddrüse (Struma). Das Symptom ist zumeist in der großen psychosomatischen Schublade der Medizin abgelegt.
Schließlich verursacht er, wie jeder andere Halswirbel auch, KopfschmerzenAtlasblockadeKopfschmerzen, die von nuchal nach vorne ziehen können bis in den Bereich des Auges oder sogar Jochbeins.

Merke

Die wesentlichen Symptome, die ausschließlich oder überwiegend durch Atlasblockaden hervorgerufen werden, sind:

  • Schwäche, Unsicherheit, Gefühl der Unwirklichkeit

  • Schwindel, Übelkeit mit Erbrechen

  • Tinnitus bis hin zum Hörsturz

  • Globus hystericus

  • Kopfschmerzen bis hin zur MigräneMigräne

  • Durchblutungsstörung der A. vertebralis mit Beeinträchtigung des Denkvermögens, auch wenn diese subjektive Empfindung von der anatomischen bzw. neurologischen Situation nicht gedeckt wird

  • Beeinflussung von Atmung, Kreislauf sowie gesamtem Muskeltonus

Achtung

Atlasblockaden sind nach den Erfahrungen des Autors, im vollständigen Einklang mit den grundlegenden Arbeiten von Josef Brand, die weit überwiegende bzw. nahezu ausschließliche Ursache eines Tinnitus der jeweils betroffenen Seite, soweit er nicht vorübergehend im Rahmen einer Hochdruckkrise, eines grippalen Infekts mit Zuschwellen der Ohrtrompeten oder (als Rarität) eines Akustikusneurinoms (Vestibularisschwannom, Fach Sinnesorgane) entstanden ist.

Die Besonderheit bei diesem Symptom besteht darin, dass man die zugrunde liegende Blockade möglichst bald nach dem Auftreten der Ohrgeräusche lösen sollte, um dieselben zuverlässig zu beheben. Während der Autor keine weitere Blockade kennt, deren Auswirkungen nicht auch noch nach jahrelangem Bestand beseitigt werden könnten – meist als Sekundenphänomen im direkten Anschluss an die chirotherapeutische Maßnahme –, kann es beim Tinnitus bereits nach wenigen Wochen oder Monaten passieren, dass die Deblockierung der Kopfgelenke die Symptomatik lediglich bessert, aber nicht mehr vollständig beseitigt. Der Tinnitus hat sich sozusagen verselbstständigt. Die Behandlung eines Tinnitus duldet demnach grundsätzlich keinen Aufschub!

C2 (Axis)

BlockadenAxisAxisblockadeEine Atlasblockade ruft in den allermeisten Fällen eine Blockade des kontralateralen Axis hervor, nicht so selten auch desjenigen derselben Seite. Die Auswirkungen sind deshalb oft nicht gut von denen des Atlas zu trennen.
Er ist beteiligt an TinnitusAxisblockadeTinnitus und Globus hystericusGlobus, kann dieselben auch einmal alleine auslösen. Die Otalgie, AxisblockadeOtalgie, der Schmerz im Bereich des Außenohrs, bei dem an den Strukturen des Ohrs nichts Pathologisches zu finden ist, kann durch ihn verursacht werden, des Weiteren KopfschmerzenAxisblockadeKopfschmerzen von nuchal wie bei allen anderen Halswirbeln und immer auch eine Rotationsbehinderung in die gesperrte Richtung. Dabei ist die gesperrte Richtung zumeist die Seite der Blockade.

C4

BlockadenC4Seine C4-BlockadeBlockade verursacht vor allem SingultusC4-BlockadeSingultus (Schluckauf), daneben KopfschmerzenC4-BlockadeKopfschmerzen, Beteiligung am Schulter-Arm-Syndrom (PHS) und Parästhesien wie C5–C7. Die C4-BlockadeParästhesienC4-Blockade dürfte die mit weitem Abstand häufigste Schulter-Arm-SyndromC4-BlockadeUrsache des chronisch rezidivierenden Singultus sein. Ursache ist die Innervation des Zwerchfells (N. phrenicus) aus diesem Segment, mit möglicher reflektorischer Störung bei der Blockade.

C5–C7

BlockadenC5–C7Parästhesien in Schulter und Arm bis in die Finger der Hand, nahezu ausschließlich in der Ruhe, also ParästhesienC5–C7-Blockadez. B. nach dem Erwachen aus dem Schlaf. Eine Verstärkung dieser Symptomatik in der Ruhe ist hier besonders typisch und wichtig zur Abgrenzung anderer Krankheiten wie eines lokal an der Handwurzel verursachten Karpaltunnelsyndroms. Die überwiegende Mehrzahl der Karpaltunnelsyndrome wird nicht durch die allgemein angeschuldigte Kompression des N. medianus, sondern durch HWS-Blockaden verursacht.
Es sei daran erinnert, dass in der Bewegung des Gelenks und seiner Peripherie die Wirkung der Blockade mit unphysiologischer Druckverteilung im Gelenk und den Auswirkungen auf Nachbarstrukturen, Vegetativum und Meridian abgeschwächt, „verwischt“, also überwiegend nicht mehr bemerkt wird. Es ist dies ein überragendes Unterscheidungsmerkmal zu den jeweiligen echten Organstörungen z. B. des Herzens, bei der Sakroileitis oder eben auch beim Karpaltunnelsyndrom und sollte während der Anamnese stets sehr genau nachgefragt werden. Gerade die Brachialgia paraesthetica nocturna, die als „ach so beweisend“ für die Kompression des Karpaltunnels steht, sollte auf dieser Basis konsequent zu Ende gedacht werden.
C6 und C5 sind auch als Auslöser der überwiegenden Mehrzahl der TennisellenbogenTennis- und GolferellenbogenGolferellenbogen (Epicondylitis radialis et ulnaris humeri) anzusehen und in aller Regel am Bild des Periarthropathia humeroscapularisSchulter-Arm-Syndroms (PHS) Schulter-Arm-Syndrommitbeteiligt. Deutlich seltener liegen diesen Syndromen tatsächliche muskuläre Über- bzw. Fehlbelastungen zugrunde.

Weitere Auswirkungen von HWS-Blockaden

HWS-BlockadenBlockadenHWSSämtliche Halswirbel, v. a. aber C2–C4 können Zahnschmerzen vortäuschen bzw. eine Trigeminusneuralgie, HWS-BlockadenTrigeminusneuralgie auslösen. Die MigräneHWS-BlockadenMigräne wird häufig, möglicherweise in > 50 % der Fälle durch HWS-Blockaden verursacht oder begünstigt. Manchmal gelingt es, einen Migräneanfall durch Deblockierung der oberen HWS zu beenden. Bevorzugt sollte die Therapie jedoch im schmerzfreien Intervall durchgeführt werden. Noch gesetzmäßiger als bei der Migräne, wo man eine Reihe weiterer Ursachen wie u.a. Meridianstörungen Meridianstörungen(v.a. Störung des Blasenmeridians bei chronischer Adnexitis, eventuell begleitet von Ovarialzysten und als hormonelle Migräne fehlgedeutet) finden kann, liegt dem Spannungskopfschmerz eine Summation mehrerer HWS-Blockaden zugrunde.
Das Anschwellen der Nasenschleimhäute, die chronische Rhinitis, kann durch Blockaden v. a. der oberen Halswirbel zumindest mitverursacht werden, weil dort Verschaltungen zum vegetativen Nervensystem bestehen (Sympathikus). Derselbe Mechanismus liegt der trockenen Mundschleimhaut zugrunde, die typischerweise nachts bzw. in Ruhe am stärksten empfunden wird – also dann, wenn die Blockade am stärksten ausgeprägt ist.
Angefügt werden soll, dass die Summation der Blockaden mehrerer Halswirbel eine reflektorische Minderdurchblutung der A. vertebralis zur Folge hat – in jedem Fall und besonders ausgeprägt dann, wenn die Kopfgelenke beteiligt sind. Dies dürfte eine Mitursache verschiedener Erkrankungen wie Sehstörungen, Hörstörungen bis hin zu Tinnitus oder Hörsturz, Konzentrationsstörungen usw. darstellen – möglicherweise (nach einzelnen Meinungen) auch eines Schlaganfalls im Ausbreitungsgebiet der A. basilaris.

Th1

BlockadenTh1, Th3, Th6, Th9, Th11Hinsichtlich Th1-Blockadeder ParästhesienTh1-BlockadeParästhesien gilt das, was zu C5–C7 ausgeführt wurde. Der Plexus brachialis rekrutiert sich aus nervalen Anteilen von C5–Th1. Aus demselben Grund ist er mitbeteiligt an der Periarthritis humeroscapularis Periarthropathia humeroscapularis(PHS), wobei er z. B. die häufigen und sehr schmerzhaften Verspannungen am medialen oberen Schulterblattwinkel (Angulus superior) verursacht. Beteiligt sind hieran allerdings auch die 4 oberen Halswirbel (über den M. levator scapulae).

Th3

Herzneurose
HerzneuroseBlockadenTh1, Th3, Th6, Th9, Th11Th3 iTh3-Blockadest einer der beiden großen „Herzwirbel“ (gemeinsam mit Th6) und kann verantwortlich sein fürHerzwirbel
  • Druck- und/oder Engegefühl und/oder Schmerzen im Bereich des Herzens, teilweise entsprechend der „echten“ KHK mit Ausstrahlung in den linken Oberarm

  • Tachykardie (Herzrasen) ganz plötzlich aus der Ruhe heraus, besonders häufig nach dem Hinlegen

  • ArrhythmienTh3-BlockadeArrhythmien wie bei ernsthaften Herzerkrankungen

Der Wirbel strahlt nicht nur in den Bereich des Thorax über bzw. etwas oberhalb des Herzens (etwa der Bereich der 4. Rippe in der MCL), falls er linksseitig blockiert ist, sondern auch in den Bereich der Herzkranzgefäße, wo er Spasmen auslösen kann (sog. Prinzmetal-Angina, für die schulmedizinisch keine Ursache bekannt ist).Prinzmetal-Angina Arrhythmien, präkordiale Schmerzen und nächtliche Tachykardien können in wechselndem Umfang gemeinsam oder getrennt voneinander bestehen, chronisch andauernd oder lediglich sporadisch rezidivierend. In jedem Fall sind sie mit zum Teil erheblichen Ängsten verbunden und nicht so ganz selten landen die Betroffenen vorübergehend auf der Intensivstation. Üblicherweise ist im EKG dieser Patienten absolut nichts Pathologisches zu finden und auch die kardiologischen Serumparameter sind selbstverständlich vollkommen unauffällig, sodass man hier von der Herzneurose spricht und die betroffenen Patienten in der großen psychosomatischen Schublade der Medizin ablegt (Fach Herz-Kreislauf-System).
Mastodynie
Eine zweite große Wirkung geht von einem blockierten 3. Brustwirbel aus, die Mastodynie der Frau. Th3 verursacht eine tastbare Verhärtung der Brustdrüse sowie der Pektoralismuskulatur der betroffenen Seite mit begleitender Schmerzhaftigkeit, teilweise sogar extremer Berührungsempfindlichkeit. Man bekommt dann manchmal zu hören, der Partner dürfe sie schon lange nicht mehr „anfassen“. Oft tritt eine zyklusabhängige Besserung oder Verschlimmerung ein; niemals aber wird diese Form der Mastodynie durch den Zyklus, also hormonell verursacht.
Die Blockade von Th3 ist der mit weitem Abstand häufigste Anlass für die Durchführung einer Mammographie bei unklarer Mastodynie. Man kann den betroffenen Frauen also mit der Chirotherapie eine derart unnötige Strahlenbelastung ersparen – ganz zu schweigen von den Ängsten, die gerade mit diesen Schmerzen verbunden sein können.

Th6

BlockadenTh1, Th3, Th6, Th9, Th11Th6Th6-Blockade ist Herzwirbelder zweite große „Herzwirbel“ – mit einer etwas anderen Lokalisation des nach ventral ausstrahlenden Schmerzes als bei Th3-Blockaden (3 Segmente tiefer), aber ähnlichen Auswirkungen einschließlich Tachykardien und ArrhythmienTh6-BlockadeArrhythmien. Auffallend ist, dass der drückende oder stechende Schmerz der Th3-Blockade meist umschrieben im Bereich der MCL empfunden wird, während der „Herzschmerz“ von Th6 von den Patienten häufig als Ausstrahlung angegeben wird, mit dem Finger interkostal nachgezeichnet vom angenommenen kardialen Ursprung aus nach dorsal.
Auch Th6 hat eine weitere bedeutende Wirkung, die im Praxisalltag häufig ist und über Jahre Probleme bereiten kann. Es ist dies seine Ausstrahlung ins Epigastrium bzw. in den Magen: Die Patienten fangen mit Genuss und Appetit an zu essen und legen dann nach wenigen Bissen die Gabel aus der Hand, weil es anfängt zu drücken bzw. der Appetit bereits gestillt scheint. Sie haben das Gefühl, der Magen arbeite nicht, befördere die Nahrung nicht weiter. Sehr häufig fällt der Ausspruch vom Gefühl eines „Steins im Magen“, der immer wegweisend für Th6 ist.
Nicht ganz so selten ist eine chronische Gastritis oder ein Magenulkus, Th6-BlockadeMagenulkus mit einer Th6-Blockade kombiniert, wobei dann die Symptome beider Erkrankungen geschildert werden. Auch bei der Untersuchung findet man in diesen Fällen die typische Druckschmerzhaftigkeit des Epigastriums kombiniert mit der Th6-Blockade. Es ist dies ein Hinweis darauf, dass eben jede Ausstrahlung eines Wirbels zum entsprechenden Organ auch einmal den umgekehrten Weg nehmen kann: Die chronische Gastritis induziert die Blockade „ihres Wirbels“ Th6.

Th9 und Th11

BlockadenTh1, Th3, Th6, Th9, Th11BlockadenTh1, Th3, Th6, Th9, Th11Th9-BlockadeTh11-BlockadeDie beiden Wirbel verursachen SeitenstechenSeitenstechen beim Dauerlauf – als einzige dem Autor bekannte Blockaden, die ihre Symptome vornehmlich unter Belastung auslösen.
An Blockaden dieser Wirbel ist auch bei Patienten mit sog. labiler Hypertonie zu denken, also einem Blutdruck, der mal erhöht und dannHypertonie, labile, Th9-/Th11-Blockade wieder normal zu messen ist, demnach medikamentös praktisch nie richtig eingestellt werden kann: Th9 und Th11 haben Verbindung zu den Nebennieren, die offenbar über unterschiedlich hohe Hormonsekretionen (v. a. Aldosteron) diese Blutdruckschwankungen induzieren.

L2 und L4

BlockadenL2, L4BlockadenL2, L4L2-BlockadeL4-BlockadeNeben der lokalen LumbalgieLumbalgie sind auch Ausstrahlungen in den Unterbauch möglich, doch sollte man dies nicht dankbar als Ersatz für übersehene Veränderungen z.B. im Bereich der Adnexe zur Hand nehmen. Ein einfacher Hinweis mag davor schützen: Eine Dysmenorrhö lässt sich niemals irgendwelchen LWS-Blockaden zuordnen.

CT3, CT5 und CT7

BlockadenCT3, CT5, CT7BlockadenCT3, CT5, CT7BlockadenCT3, CT5, CT7Die 5. Rippe ist die mit weitem Abstand häufigste Ursache für den akuten oder chronischen SchläfenkopfschmerzCT3-, CT5- und CT7-BlockadeSchläfenkopfschmerzCT3-, CT5- und CT7-Blockade einschließlich der rezidivierenden MigräneCT3-, CT5- und CT7-BlockadeMigräne in diesem Bereich. Daneben erzeugt sie muskuläre Verspannungen (direkt paravertebral) der gesamten Wirbelsäule entlang sowie von nuchal (lateral des Nackenbandes) bis in den Bereich des Jochbeins.
Die 3. und 7. Rippe lösen ebenfalls paravertebrale Verspannungen aus – lateral der 5. Rippe. Die 3. Rippe zieht bis in den Bereich des N. ischiadicus und führt dort eventuell zu „Ischiasbeschwerden“, IschiasschmerzCT3-, CT5- und CT7-Blockadeallerdings ohne Ausstrahlung ins Bein.
Alle 3 Rippen sind an der PHS beteiligt, indem sie Verspannungen am oberen Trapeziusrand zwischen Hals und Akromion verursachen. Dabei werden die medialen Verspannungen verursacht von der 5. Rippe, die lateralen von der 3. Rippe und diejenige zwischen beiden von der 7. Rippe. Zur Diagnostik wird ausnahmsweise nicht die Haut über dem Trapezius benutzt, sozusagen als Kibler-Falte; vielmehr sollte der obere Muskelrand selbst palpatorisch und im Seitenvergleich hinsichtlich seiner Konsistenz beurteilt werden. Auf der Seite der Blockade erscheint der Muskel derb verquollen und für den Patienten schmerzhaft.

Iliosakralgelenk

BlockadenIliosakralgelenkGerade das ISGISG-BlockadeIliosakralgelenkBlockade s. ISG-Blockade findet sich im Praxisalltag ungemein häufig blockiert. Im Allgemeinen resultiert hieraus eine Beckenschiefstellung BeckenschiefstandISG-Blockadeoder sogar Beckenverwringung, ISG-BlockadeBeckenverwringung (> 2 cm), die zumeist eine scheinbare Beinlängendifferenz sowie eine funktionelle SkolioseISG-BlockadeSkoliose mit SkolioseISG-Blockadesich bringt. BeinlängendifferenzISG-BlockadeIn der Folge der verdrehten Beinachsen findet man dann bei Kindern und Jugendlichen die Chondropathia patellae und bei Erwachsenen eine (vorzeitige) Gonarthrose oder CoxarthroseChondropathia patellaeISG-BlockadeGonarthroseISG-BlockadeCoxarthroseISG-Blockade.
Der Blockierungsschmerz des ISG wird vom Patienten häufig als IschiasschmerzISG-BlockadeIschiasschmerz beschrieben, weil er in Gesäß und Oberschenkel ausstrahlen kann. Die Lokalisation dieser Ausstrahlung entspricht aber keiner echten Ischialgie einschließlich deren zumeist ununterbrochenem Verlauf bis in den Fuß, sondern verläuft mehr dorsolateral in den Oberschenkel und hört spätestens am Knie auf. Ein weiteres wesentliches Unterscheidungsmerkmal besteht darin, dass sich eine echte Ischialgie unter Belastung verschlimmert, während die ISG-Symptomatik überhaupt nur in Ruhe auftritt, also v. a. nach längerem Liegen oder Sitzen, um nach einigen Minuten der Bewegung vollständig abzuklingen, sofern nicht ein zusätzlicher Reizzustand besteht. Auch das Zeichen nach Lasègue ist negativ.
Da das ISG im Verlauf des Blasenmeridians liegt, verursacht es Verspannungen der Nackenmuskulatur. Ein NackenschmerzNackenschmerzen, ISG-Blockade kann also auch einmal lediglich oder überwiegend ISG-bedingt sein.

Merke

Es sei daran erinnert, dass eine scheinbare Beinlängendifferenz, ausgelöst durch eine ISG-Blockade, keinesfalls durch einen Schuhausgleich „ausgeglichen“ werden darf, weil dann zwar die Wirbelsäule wieder einigermaßen im Lot steht, andererseits jedoch das Geschehen im Bereich von ISG und den Gelenken der Beine (verdrehte Achsen mit punktuellen Überlastungen) endgültig zementiert würde. Zu allem Überfluss beteiligen sich neben den Orthopäden zunehmend auch Kinderärzte an derlei „Ausgleichen“ bei ihren kleinen Patienten.

Sternoklavikulargelenk

BlockadenSternoklavikulargelenkDasSternoklavikulargelenkBlockade einzige Gelenk, das Thorax und Schultergürtel miteinander verbindet, ist nicht sehr anfällig für Blockierungen. Falls doch, so bedeutet dies eine Störung des Nierenmeridians, der hier zum Abschluss seines Weges vom Os metatarsale III endet.
Es resultieren teilweise krampfartige Schmerzen im rechten oder linken Oberbauch sowie im Bereich des McBurney-Punktes, die mit einer Appendizitis verwechselt werden können. Am dorsalen Unterschenkel bestehen Schmerzen, die eventuell gleichzeitig vorhandenen Krampfadern zugeschoben werden. Übliche reizlose Varizen schmerzen allerdings nicht. Im Fußgewölbe entstehen Schmerzen nach längeren Wanderungen, doch darf dieser Zusammenhang nicht dazu führen, eine aus gegebenem Anlass heraus entstandene Marschfraktur (Ermüdungsbruch) zu übersehen bzw. dieselbe nicht diagnostisch auszuschließen, wenn der Zusammenhang möglich scheint.
Gerade Schmerzen im rechten oder linken Oberbauch bereiten diagnostisch größte Probleme, sofern man sie nicht fassbaren Veränderungen wie Gallesteinen (rechts) oder einer Gastritis (links) zuordnen kann. Gallesteine, die reizlos in der Gallenblase herumkullern, verursachen allerdings keinerlei Symptome, auch nicht unspezifische wie Druck oder Völlegefühl, wie manche Autoren zu glauben scheinen, sodass dann der Oberbauchschmerz in Unkenntnis der eigentlichen Zusammenhänge dankbar den Steinen zugeschoben wird.

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