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B978-3-437-58102-1.00001-1

10.1016/B978-3-437-58102-1.00001-1

978-3-437-58102-1

Abb. 1.1

[L238]

Dreischichtiger Aufbau der Haut: E = Epidermis, D = Dermis (Corium), K = Kutis, SK = Subkutis (Hypodermis)

Abb. 1.2

[M375]

Schichten der Epidermis. Die Epidermis besteht aus den Schichten Stratum basale (über der Basalmembran), Stratum spinosum, Stratum granulosum, Stratum lucidum (nur in dickeren Hautschichten) und Stratum corneum (an der Hautoberfläche).

Abb. 1.3

[L238]

Melanozyt im Stratum basale. 1 = Epidermis, 2 = Dermis, 3 = Zelle im Stratum spinosum, 4 = Melanozyt, 5 = Basalmembran, 6 = Makrophage

Abb. 1.4

[L107]

Merkel-Zellen liegen im Stratum basale und können Druck, der von außen auf die Haut einwirkt, in eine Nervenerregung umwandeln.

Abb. 1.5

[M375]

Hautschichten in der Hohlhand. Das bindegewebige Corium ist durch die Papillen des Stratum papillare mit der Epidermis verzahnt, das tiefer gelegene, sehr derbfaserige Stratum reticulare der Dermis enthält an seiner Grenze zur Subkutis die Hauptmasse der Drüsen und Blutgefäße.

Abb. 1.6

[L238]

Subkutis mit septierten Fettläppchen; 1 = Epidermis, 2 = Dermis, 3 = Subkutis, 4 = Coriumpapillen, 5 = Subkutispapillen, 6 = Bindegewebssepten, 7 = Fettläppchen mit Fettzellen, 8 = Faszie

Abb. 1.7

[L238]

Haartypen; 1 = Lanugohaar, 2 = Vellushaar, 3 = Terminalhaar

Abb. 1.8

[L238]

Haar und Haarfollikel; 1 = Haarschaft, 2 = Haarwurzel, 3 = Haarbulbus, 4 = Haarpapille, 5 = epitheliale Wurzelscheide, 6 = bindegewebige Wurzelscheide (Haarbalg), 7 = Epidermis, 8 = Talgdrüse, 9 = M. arrector pili

Abb. 1.9

[M375]

Cuticula am Terminalhaar. Die Ränder der verhornten Zellen sind z.T. etwas angegriffen.

Abb. 1.10

[L238]

Haarzyklus; A = Anagenphase (1 = Haarpapille, 2 = Haarbulbus, 3 = Haarbalgmuskel, 4 = Talgdrüse); B = Katagenphase mit Follikelverkürzung und Wachstumsstopp (5 = Follikelregression); C = Telogenphase mit weiterer Rückbildung des unteren Follikelabschnitts (6 = Kolbenhaar); D = neue Anagenphase mit Rekonstitution des Follikels

Abb. 1.11

[L238]

Talgdrüsen; 1 = Terminalhaar mit Talgdrüse, 2 = Handfläche ohne Talgdrüsen, 3 = frei mündende Talgdrüse

Abb. 1.12

[S010-2-16]

Schweißdrüsen: 1 Haarschaft, 2 Haartrichter, 3 Haarwurzel, 4 Haarzwiebel, 5 Talgdrüse, 6 M. arrector pili (glatter Muskel, sympathisch innerviert), 7 ekkrine Schweißdrüse mit 8 Mündung ihres Ausführungsgangs an der Hautoberfläche, 9 apokrine Schweißdrüse mit 10 Mündung ihres Ausführungsgangs in den Haartrichter

Abb. 1.13

[L238]

Längsschnitt durch den Nagel; 1 = Nagelwall, 2 = Nagelhäutchen (Cuticula), 3 = Nagelplatte, 4 = Matrix, 5 = Nagelbett, 6 = Hyponychium, 7 = Lunula (sichtbarer Teil der Matrix)

Abb. 1.14

[L106]

Mechanorezeptoren der behaarten und unbehaarten Haut

Abb. 1.15

[L107]

Vater-Pacini-Körperchen (Schema)

Abb. 1.16

[L238]

Arterielle Versorgung; 1 = Epidermis, 2 = Corium, 3 = Subkutis, 4 = Arterie, 5 = tiefer Gefäßplexus, 6 = oberflächlicher Gefäßplexus, 7 = Arteriolen und Kapillaren des Stratum papillare

Abb. 1.17

[L238]

Venöser Abfluss; 1 = Epidermis, 2 = Corium, 3 = Subkutis, 4 = Muskulatur, 5 = Kapillaren, 6 = oberflächlicher Plexus, 7 = tiefer Plexus, 8 = subkutane (epifasziale) Stammvene, 9 = Faszie, 10 = Perforansvenen, 11 = tiefe subfasziale Vene, 12 = Venenklappen

Schichten der Epidermis

Tab. 1.1
Schicht Kennzeichen
Stratum corneum, Hornschicht
  • stark abgeflachte, kernlose Zellen, an der Oberfläche in Hornlamellen umgewandelt

  • keine Zellorganellen

Stratum lucidum, Glanzschicht
  • nur in dickeren Hautschichten

  • Lichtbrechung durch Keratinvorstufen

Stratum granulosum, Körnerzellschicht
  • 2–4 Lagen flacher Zellen

  • Granula („Körner“) aus Keratohyalin

  • Zellorganellen und Zellkerne lösen sich auf

  • eingelagerte Fette

Stratum spinosum, Stachelzellschicht
  • 3–8 Zellreihen, nach außen hin abflachend

  • Interzellularbrücken (Desmosomen)

  • enthält auch Langerhans-Zellen

Stratum basale, Basalzellschicht
  • einreihige Schicht zylindrischer Zellen

  • Neubildung der Epidermis

  • enthält auch Melanozyten und Merkel-Zellen

Ekkrine und apokrine Schweißdrüsen im Vergleich

Tab. 1.2
Kriterium Ekkrine Schweißdrüsen Apokrine Schweißdrüsen
Verteilung gesamte Körperoberfläche außer z.B. Lippen den Terminalhaaren zugeordnet (Kopfhaut, Achselhöhlen, perigenital, perianal, Mamillen, äußerer Gehörgang)
Lage in der Haut Corium an der Grenze zur Subkutis Subkutis
Größe kleiner, unverzweigt größer, verzweigt
Schweiß sauer (pH 5–6) alkalisch, mit Duftstoffen angereichert
Schweißabgabe Sekretion Abschnürung des oberen Zellanteils

Anatomie

  • 1.1

    Aufbau der Haut1

    • 1.1.1

      Epidermis (Oberhaut)1

    • 1.1.2

      Corium (Lederhaut, Dermis)4

    • 1.1.3

      Subkutis (Unterhaut)5

  • 1.2

    Hautanhangsgebilde5

    • 1.2.1

      Haare5

    • 1.2.2

      Talgdrüsen7

    • 1.2.3

      Schweißdrüsen8

    • 1.2.4

      Nägel9

  • 1.3

    Hautrezeptoren10

    • 1.3.1

      Mechanorezeptoren10

    • 1.3.2

      Thermorezeptoren11

    • 1.3.3

      Schmerzrezeptoren11

    • 1.3.4

      Juckreizrezeptoren11

  • 1.4

    Blutgefäße12

    • 1.4.1

      Arterien12

    • 1.4.2

      Venen12

    • 1.4.3

      Änderungen der Durchblutung12

  • 1.5

    Schleimhaut13

Einführung

Die Dermatologie kann als überwiegend ungeliebtes Stiefkind der Medizin bezeichnet werden. Ungeachtet dessen besitzt sie für den Alltag des Therapeuten insofern eine eminente Bedeutung, als ein beachtlicher Anteil der Patienten gerade mit dermatologischen Problemen in den Praxen erscheint und entsprechende Anforderungen an die Kompetenz des Therapeuten stellt.

Die Haut (Derma) umkleidet die gesamte Oberfläche des Körpers und dient damit u.a. dessen Schutz vor der Umwelt. Ihr Aufbau ist prinzipiell in allen Körperregionen identisch – lediglich ihre Dicke sowie die Art und Anzahl der sog. Anhangsgebilde schwanken. Die Gesamtfläche beträgt beim Erwachsenen rund 1,7 m2, das Gewicht liegt bei etwa 5–8 kg. Damit gilt die Haut als größtes und schwerstes Organ des menschlichen Körpers.

Aufbau der Haut

Die HautHautAufbau besteht aus den drei Schichten Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Corium bzw. Dermis) und Unterhaut (Subkutis bzw. Hypodermis), wobei die beiden äußersten Schichten Epidermis und Corium auch zur Kutis zusammengefasst werden (Abb. 1.1). In diesem Sinne kann man die Haut also auch in Kutis (die eigentliche Haut) und Subkutis (die Schicht unterhalb der Haut = Fettgewebe) unterteilen.

Epidermis (Oberhaut)

Schichten der Epidermis
Die EpidermisEpidermisOberhaut besteht aus einem mehrschichtigen, verhornenden PlattenepithelPlattenepithel. Ihr Durchmesser schwankt zwischen 0,04 mm (40 µm) an den Augenlidern und 1,5 mm an Handflächen und Fußsohlen. In Abhängigkeit von ihrer Dicke lässt sie sich in 4–5 abgrenzbare Schichten (Stratum) unterteilen (Abb. 1.2, Tab. 1.1). Die Epidermis enthält keine Blutgefäße, sondern wird aus den Gefäßen des Corium durch Diffusion ernährt.
Stratum basale (Basalzellschicht)
Auf der BasalmembranBasalzellschichtBasalmembran (zwischen Epidermis und Corium) sitzt als innerste Schicht das StratumStratumbasale basale. Es besteht aus einer einreihigen Schicht zylindrischer Zellen, von denen die EpidermisNeubildungNeubildung der Epidermis ausgeht: Die Zellen teilen sich in zwei Tochterzellen, von denen die eine in der Basalzellschicht verbleibt und die andere in die folgende Schicht des Stratum spinosum abgegeben wird. Von hier aus wird diese zweite Tochterzelle unter ständig fortschreitender Degeneration immer weiter in Richtung Hautoberfläche geschoben, bis sie dort schließlich verhornt und als Schuppe abgestoßen wird. Die ZellwanderungZellwanderung von der ersten Zellteilung im Stratum basale bis zur Abstoßung an der Oberfläche dauert 28 Tage, 14 Tage für die Durchwanderung der Epidermisschichten bis zum Stratum corneumStratumcorneum und weitere 14 Tage, bis die entstehenden Hornschuppen in dieser Schicht zur Hautoberfläche gelangen und schließlich abschilfern.
Das Stratum basale wird auch als StratumStratumgerminativum germinativum (KeimschichtKeimschicht) bezeichnet. Teilweise wird auch das nachfolgende Stratum spinosum noch zur Keimschicht hinzugerechnet, obwohl dort keine erwähnenswerten Zellteilungen mehr stattfinden.

Pathologie

Dadurch, dass sich jeweils nur wenige Basalzellen gleichzeitig teilen (etwa 0,4 %), erneuert sich die Epidermis langsam und unmerklich. Erhöht sich aber die Mitoserate aufgrund pathologischer Umstände, entsteht auf der Hautoberfläche eine sichtbare SchuppungSchuppung. Schuppende Hautkrankheitenschuppende Hautkrankheiten gehen also immer mit einer erhöhten Zellteilungsrate einher.

Die Basalzellen sind über Zellfortsätze an der Basalmembran und im darunter befindlichen Corium befestigt. Eine Störung dieser Verankerung mit Eindringen von Blut oder Plasma zwischen Epidermis und Corium bzw. auch in tiefere Schichten des Corium bezeichnet man als subepidermale BlaseBlasen.

Stratum spinosum (Stachelzellschicht)
Das sich an die Basalzellschicht anschließendeStachelzellschicht StratumStratumspinosum spinosum setzt sich aus 3–8 Zellreihen zusammen, welche von innen nach außen immer mehr abflachen. Sie sind durch zahlreiche Interzellularbrücken (Desmosomen) Desmosomenmiteinander verbunden, die dieser Schicht ihr „stacheliges“ Aussehen geben. Angeblich wird dieser Eindruck dadurch verstärkt, dass die Zellen bei der Aufbereitung für die Mikroskopie schrumpfen. Fädige Strukturen in den Stachelzellen festigen in Verbindung mit den Desmosomen den Zusammenhalt der Schicht.

Pathologie

Die pathologische Verbreiterung des Stratum spinosum bezeichnet man als AkanthoseAkanthose, die Auflösung der Desmosomen zwischen den Stachelzellen als AkantholyseAkantholyse (Akantha = Spina = Stachel, Dorn). Es entstehen flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, also intraepidermale BlaseBlasenn. Besonders typisch sind diese Blasen (> 0,5 cm) bzw. Bläschen (< 0,5 cm) für Erkrankungen durch HerpesHerpesviren-Viren.

Stratum granulosum (Körnerzellschicht)
Die dritte Schicht, das Stratum granulosum, Körnerzellschichtbesteht aus 2–4 Lagen flacher Zellen und enthält ihrem Namen entsprechend reichlich GranulaGranula („Körner“) aus KeratohyalinKeratohyalin,Stratumgranulosum einer Vorstufe des Keratins. Die Zellorganellen sind reduziert, die Zellkerne beginnen sich aufzulösen. Die Zellen selbst sind damit bereits degeneriert. Im Raum zwischen aneinandergrenzenden Zellen sind FetteFett(e) eingelagert, teilweise bis in die oberflächliche Hornschicht hinein. Die Epidermis stellt dadurch eine dichte Barriere für Wasser und hydrophile (wasserlösliche) Stoffe dar.
Stratum lucidum (Glanzschicht)
In dem sehr dünnen Stratum lucidum GlanzschichtStratumlucidumsind die Zellkerne bereits weitgehend verschwunden. Diese Schicht ist nur in dickeren Hautschichten, z.B. an Handflächen und Fußsohlen abzugrenzen. Das Keratohyalin ist noch weiter in Richtung Keratin umgewandelt und besitzt lichtbrechende Eigenschaften – es glänzt.
Stratum corneum (Hornschicht)
Die oberflächlichste Schicht, das Stratum corneumHornschicht, besteht zunächst noch aus sehr stark abgeflachten, kernlosen Zellen, deren oberste Lagen schließlich zu geschichteten Hornlamellen umgewandelt sind. Sie Stratumcorneumenthalten keinerlei Zellorganellen Keratinmehr, sondern bestehen nur noch aus Keratin (Horn), einem sehr widerstandsfähigen, schwefelreichen (= Aminosäure Cystein) Protein. Die Hornschicht ist an verschiedenen Körperstellen – auch abhängig von äußeren Einflüssen – unterschiedlich dick. Anhaltender Druck auf eine umschriebene Lokalisation erhöht dort die Mitoserate der Basalzellschicht, sodass auch das daraus hervorgehende Stratum corneum dicker werden muss.

Hinweis Prüfung

Im Allgemeinen ist die Hornschicht zwischen 10 und 300 µm dick (1 µm = 1 Mikrometer = 0,001 mm). Besonders dünn ist sie an Glans penis und Klitoris (Prüfungsfrage!) sowie an den Augenlidern, besonders dick an Hohlhand, Fußsohlen und weiteren, stark beanspruchten Hautpartien.

Weitere Zellen der Epidermis
Eingestreut zwischen die zylindrischenEpidermisZellen Zellen des Stratum basale befinden sich weitere Zellen mit vollkommen anderen Aufgaben: Melanozyten und Merkel-Zellen (Merkel-Tastscheiben). Überwiegend im Stratum spinosum findet man die Langerhans-Zellen.
Melanozyten
MelanozytenMelanozyten sind große rundliche Zellen, die einzeln zwischen den Basalzellen liegen und zahlreiche Zytoplasmafortsätze (ähnlich den Dendriten der Nervenzellen, Fach Neurologie) zwischen die Basalzellen und Stachelzellen schieben (Abb. 1.3). In den Melanozyten befindet sich das Pigment MelaninMelanin, welches von hier aus an die Nachbarzellen, teilweise auch zwischen dieselben abgegeben wird.
Melanin schützt die Haut vor den UV-Strahlen der Sonne und verleiht ihr gleichzeitig, je nach der gebildeten Menge, eine hell- bis dunkelbraune Tönung. Melanozyten stellen etwa 5–10 % der Zellen in der Basalzellschicht.
Merkel-Zellen
Bei den Merkel-ZellenMerkel-Zellen handelt es sich um kleine, flache Zellen im Stratum basale, die auf Druck reagieren (Rezeptoren, Kap. 1.3) und diesen Druck an freie Nervenenden weitergeben, die im Corium liegen und direkt an der Unterseite der Merkel-Zellen enden (Abb. 1.4). Teilweise liegen die Zellen in Gruppen beieinander, versorgt von einer gemeinsamen sensiblen Nervenfaser, und werden dann Merkel-TastscheibenMerkel-Tastscheiben genannt. Merkel-Zellen sind insgesamt deutlich seltener als Melanozyten. In größerem Umfang findet man sie dort, wo es auf eine besonders feine Tastempfindung ankommt, z.B. an den Fingerbeeren.
Langerhans-Zellen
Langerhans-ZellenLangerhans-Zellen gehören zu den (stationären) Makrophagen (Fresszellen) des Immunsystems und schützen dieMakrophagen Haut vor eingedrungenen Erregern. Sie finden sich v.a. im Stratum spinosum, doch bleiben sie mobil. Auch sie schieben ähnlich den Melanozyten Zellfortsätze zwischen die benachbarten Zellen, mit denen sie ihre Umgebung abtasten, um Fremdmaterial wie z.B. eingedrungene Bakterien aufzuspüren.

Corium (Lederhaut, Dermis)

Schichten der Lederhaut
Das CoriumCoriumLederhautDermis besteht aus den beiden Schichten Stratum papillare und Stratum reticulare. Es ist mit 0,5–2 mm etwa so dick wie die Epidermis, wenn man einmal von der besonders feinen Epidermis z.B. der Augenlider absieht. Teilweise kann man die genaue Dicke des Corium aber nur schätzen, weil das Stratum reticulare fließend in die Subkutis übergeht. Besonders dick (bis zu 3 mm) und widerstandsfähig ist das Corium des Rückens, weshalb es beim Tier bevorzugt zur Gewinnung des Leders verwendet wird. Das Corium enthält zahlreiche Blut- und Lymphgefäße, Nerven, Haarfollikelrezeptoren und Tastkörperchen sowie einen Teil der Hautanhangsgebilde – v.a. Haarwurzeln, Talgdrüsen und ekkrine Schweißdrüsen (Kap. 1.2).
Stratum papillare (Papillenschicht)
Das StratumStratumpapillarePapillenschicht papillare liegt unter der Epidermis und ist mit dieser wellenförmig „verzahnt“. Diese Wellen formen bis an die Oberfläche der Haut sichtbare Erhebungen und Einziehungen, sodass sie hier ein Muster von Rillen und Feldern bilden, das u.a. an den Fingerbeeren bei jedem Menschen immer etwas anders aussieht (Fingerabdrücke). FingerabdruckDies gilt sogar für eineiige Zwillinge. Den Zusammenhalt zwischen Epidermis und Corium gewährleisten fädige Strukturen, welche in der Basalmembran verankert sind.
Das Stratum papillare besteht aus Bindegewebe mit lockerer Einlagerung von Kollagenfaserbündeln, welche durch ihre rhomboide Anordnung eine Art Scherengitter bilden. Dadurch wird die Dehnbarkeit der Haut gewährleistet. Sobald die kollagenen Fasern parallel zueinander ausgerichtet sind, ist die Grenze der Dehnbarkeit erreicht. Zusätzliche elastische Fasern im Stratum papillareelastische Fasern, Stratum papillare sorgen für das glatte Anliegen der Haut und ihre Elastizität nach Dehnung.

Pathologie

In einer NarbeNarben(bildung) sind die Kollagenfasern vermehrt und von vornherein parallel gepackt, sodass hier keine wesentliche Dehnbarkeit gegeben ist.

Stratum reticulare (Netzschicht)
Von ähnlichem Aufbau, durch vermehrte Einlagerung von Kollagen aber derber und widerstandsfähiger, zeigt sich das tiefer liegende NetzschichtStratumStratumreticulare reticulare (Abb. 1.5). Es bildet den Hauptanteil der Dermis, während sich das Stratum papillare auf den Bereich der Papillen beschränkt.

Subkutis (Unterhaut)

Die SubkutisSubkutisUnterhaut (HypodermisHypodermis; sub = hypo = unterhalb) ist die tiefste Hautschicht. Ihr Durchmesser liegt üblicherweise nicht mehr im Millimeterbereich, wie dies bei den beiden Schichten der Kutis der Fall war, sondern beträgt – v.a. bei adipösen Menschen am Bauch – bis zu mehrere Zentimeter. Sie besteht überwiegend aus FettläppchenFettläppchen (Abb. 1.6) – also Zellgruppen, septiert und abgegrenzt durch schmale Bindegewebsschichten. Das FettFett(e) dient z.B. in den Fußsohlen als polsterförmige Schutzschicht, wirkt thermisch isolierend und steht als Depotfett „für schlechte Zeiten” zur Verfügung – v.a. an Bauchdecken, Gesäß, DepotfettOberschenkeln und Mammae. Genauer besprochen werden Fettgewebe und Fettstoffwechsel im Fach Stoffwechsel und Endokrinologie.
In der Subkutis befinden sich die Wurzeln der Terminalhaare (Kap. 1.2.1), die Duftdrüsen (= apokrine Schweißdrüsen, Kap. 1.2.3), die Vater-Pacini-LamellenkörperchenVater-Pacini-(Lamellen-)Körperchen (Kap. 1.3.1), die oberflächlichen Arterien und Venenstämme und die größeren Lymphgefäße.

Pathologie

Pathologische Erweiterungen der subkutanen Venenstämme zeigen sich v.a. am Bein als „KrampfadernKrampfadern“ (Varizen), Varizendie durch die wenigen Millimeter von Corium und Epidermis hindurchscheinen.

Hautanhangsgebilde

Zu den HautanhangsgebildenHautanhangsgebilde zählen alle Strukturen, die entweder selbst an der Oberfläche der Haut sichtbar werden oder aber Sekrete nach dorthin absondern, also Haare (Kap. 1.2.1), Nägel (Kap. 1.2.4), Talg- (Kap. 1.2.2), Schweiß- und Duftdrüsen (Kap. 1.2.3):

Merke

Hautanhangsgebilde

  • Haare

  • Nägel

  • Talgdrüsen

  • ekkrine Schweißdrüsen

  • apokrine Schweißdrüsen (Duftdrüsen)

Haare

Bei den HaareHaaren unterscheidet man (Abb. 1.7):
  • die LanugohaareLanugohaare des Feten und teilweise auch noch Neugeborenen (v.a. im Schulterbereich)

  • die feinen, flaumartigen KörperhaareKörperhaare der Kinder und Erwachsenen (= VellushaareVellushaare)

  • die dickeren und stärker pigmentierten TerminalhaareTerminalhaare an Kopf (einschließlich Naseneingang und Gehörgang), Achselhöhlen, Brust und Genitalien, die überwiegend im Rahmen der Pubertät entstehen

Lediglich Handflächen und Fußsohlen sowie die Haut der Leiste sind vollständig frei von Haaren. Insgesamt befinden sich auf der Körperoberfläche eines Erwachsenen etwa 400.000 Haare, wovon rund 100.000 auf den Kopf entfallen.
Bildung und Aufbau des Haars
Das Epithel, aus dem die Haare entstehen, kann man sich als umschriebene Einstülpung der Epidermis ins darunter liegende Corium bzw. – bei den Terminalhaaren – bis in die Subkutis hinein vorstellen. Diese bis zur Subkutis reichende „Epidermiseinstülpung“ wird als HaarfollikelHaarfollikel bezeichnet. So, wie die Epidermis durch Teilung ihrer Basalzellen und zunehmende Verhornung der Tochterzellen auf ihrem Weg an die Oberfläche die Hornschicht bildet, so entsteht aus dem Follikelepithel das Haar. Die Schuppen der Hornschicht und die Haare (und Nägel) sind also von sehr ähnlicher Zusammensetzung (KeratinKeratinHaare) und weitgehend frei von Zellen oder Zellorganellen.
Der schräg durch die drei Hautschichten verlaufende, nicht sichtbare Teil des Haars wird als HaarwurzelHaarwurzel bezeichnet (Abb. 1.8). Dieser Teil verdickt sich an seinem subkutanen bzw. dermalen Ende (Vellushaare) zur HaarzwiebelHaarzwiebel (Haarbulbus). In die Haarzwiebel stülpt sich zapfenförmig ein gut durchblutetes Bindegewebe (HaarpapilleHaarpapille), von dem aus die wesentliche Versorgung mit Nährstoffen erfolgt. Auch das eigentliche Haarwachstum findet aus der Haarzwiebel heraus statt. Die Haarwurzel wird allseits von einer Scheide (Haarfollikel) aus Epithel (Wurzelscheide) und Bindegewebe (HaarbalgHaarbalgHaarbalg) umgeben, die das Haar auf seinem Weg durch die drei Hautschichten weiter verdickt.
Das, was auf nahezu der gesamten Körperoberfläche als Haare zu erkennen ist, ist der Keratinfaden, der als Fortsetzung der Haarwurzel nun als HaarschaftHaarschaft bezeichnet wird. Sein Durchmesser liegt bei 10–100 µm (0,01–0,1 mm) und entspricht damit der durchschnittlichen Dicke des Stratum corneum, wenn man von besonders dicken Hautschichten einmal absieht. Außen ist der Haarschaft von der CuticulaCuticula bedeckt, einer dünnen Schicht aus flachen Hornschuppen, die sich wie Dachziegel überdecken (Abb. 1.9). Unter der Cuticula liegt die dickere Rinde aus verhornten Zellen bzw. Hornlamellen und ganz innen das dünne Mark. Im untersten Anteil der Haarwurzel enthalten diese Schichten noch degenerierte Zellen, die dann auf dem Weg in Richtung Hautoberfläche zugrunde gehen.
Haarfarbe
Entsprechend der Epidermis (Kap. 1.1.1) enthält auch das Epithel der Haarfollikel MelanozytenMelanozytenHaarfarbe, besonders umfangreich im Bereich der Haarzwiebel. Art und Menge des gebildeten MelaninMelanins, und damit die Farbe von Haaren und Haut, sind genetisch festgelegt. Mit zunehmendem Alter versiegt die Melaninproduktion allmählich, sodass die Haare ergrauen. Ursache ist die zunehmende Anhäufung oxidierender Substanzen wie Wasserstoffperoxid H2O2 in den Melanozyten, die nicht mehr in physiologischem Umfang unschädlich gemacht werden können. Wird gar kein Melanin mehr gebildet, sind die Haare weiß. Beteiligt sind hieran eventuell auch Einschlüsse kleinster Luftbläschen.

Pathologie

Ein Ergrauen „über Nacht“ ist nicht möglich, wohl aber innerhalb einiger Wochen nach Schicksalsschlägen. Dabei fallen bevorzugt die pigmentierten Haare aus, während die nachwachsenden durch eine Melanozytensuppression kaum noch Melanin enthalten.

Begleitstrukturen
An jedem Haarfollikel ist ein kleiner glatter Muskel befestigt, der Musculus arrector piliM. arrector pili (= „Aufrichter des Haars“). Er ist sympathisch innerviert und reagiert u.a. auf Angst oder Kälte mit einer Kontraktion, wodurch sich die Haare aufrichten („zu Berge stehen“). Teilweise verläuft er auch über die jedem Haar zugeordnete Talgdrüse, sodass bei seiner Kontraktion die Drüse komprimiert wird und einen Teil ihres Talgs in den Haarfollikel abgibt.
Neben den Talgdrüsen (s.u.) münden an den Haaren des Kopfes, der Axillen, der Mamillen sowie der Schambehaarung – also an allen Terminalhaaren – zusätzlich noch die Ausführungsgänge der apokrinen SchweißdrüseSchweißdrüsenapokrinen (Duftdrüsen) in die dermalen Haarfollikel.Duftdrüsen
Haarwachstum
Die Kopfhaare HaareWachstumwachsen nicht kontinuierlich, sondern zyklisch mit einer Gesamtdauer von etwa 7 Jahren:
  • AnagenphaseAnagenphaseWachstumsphase, Haare (A in Abb. 1.10): Die Anagen- oder Wachstumsphase dauert etwa 6½ Jahre. In dieser Zeit wächst das Haar rund 0,36 mm/Tag, entsprechend 13 cm im Jahr. 80–90 % der Haare befinden sich in der Wachstumsphase.

  • KatagenphaseKatagenphase (B in Abb. 1.10): In dieser kurz dauernden Phase (wenige Wochen) bildet sich die Haarzwiebel zurück und löst sich von der Papille ab.

  • TelogenphaseTelogenphase (C in Abb. 1.10): Diese Ruhephase dauert 3–6 Monate und endet mit dem Ausfall des Haars. In ihr befinden sich 10–20 % der Haare.

6,5 (Jahre) × 13 (cm/Jahr) ergeben als Gesamtlänge noch nicht einmal 100 cm. Die etwa 100.000 Kopfhaare des Menschen können also auch bei der besten Pflege und Ernährung nicht wesentlich länger als 100 cm werden – abgesehen von den sehr seltenen Störungen, bei denen die Anagenphase ein wenig verlängert oder die Wachstumsgeschwindigkeit etwas gesteigert ist. Rapunzel ist also tatsächlich nur ein Märchen, Rapunzel wohnte im Erdgeschoss!
Der physiologische HaarausfallHaarausfall, physiologischer beträgt ca. 50–100 Haare/Tag. Aus Stammzellen im Bereich der erhaltenen Papille entsteht nach einer Ruhephase ein neues Haar, das den vorhandenen Kanal zur Hautoberfläche für sein Wachstum benutzt (D in Abb. 1.10).

Merke

Haarzyklus

  • Wachstumsphase (Anagenphase): ca. 6½ Jahre

  • Rückbildungsphase (Katagenphase): wenige Wochen

  • Ruhephase (Telogenphase): 3–6 Monate, endet mit dem Ausfall des Haars

Talgdrüsen

Die TalgdrüsenTalgdrüsen befinden sich im Corium. Ihre Ausführungsgänge münden überwiegend in die Haarfollikel, selten auch als frei mündende Drüsen direkt an die Hautoberfläche (Außenseite der Lippen, Wangen, Nase, Glans penis und kleine Schamlippen). An Handflächen und Fußsohlen fehlen sie vollständig (Abb. 1.11). Besonders zahlreich sind Talgdrüsen im Gesicht, an den Terminalhaaren der Kopfhaut und in der Mitte von Brust und Rücken, weshalb die Haut hier oftmals fettiger erscheint und z.B. auch besonders empfänglich ist für Akne, eine Erkrankung der Talgdrüsen.
Talgdrüsen sind holokrine DrüseDrüsen, holokrinen (holos = ganz), d.h., ihr fettiges Sekret, der Talg (Sebum), entsteht durch vollständige Umwandlung zugrunde gehender Epithelzellen (Fach Basiswissen). Der Talg bildet eine fettende Schutzschicht auf Haut und Haaren. Wo die Talgdrüsen fehlen, wird die Haut schneller ausgelaugt. Von „Waschfrauenhänden“ sprach man in früheren Zeiten, als die Frauen noch für die Wäsche zuständig und Waschmaschinen noch nicht erfunden waren.
Talgproduktion
Beim Kind sind TalgdrüsenTalgproduktion noch klein und wenig aktiv, weshalb Kinderhaut einer besonderen Pflege bedarf. Die Drüsen wachsen dann v.a. in der Pubertät, da sie durch Androgene wie Testosteron zu Wachstum und Mehrsekretion stimuliert werden. Dies gilt ganz besonders für die Talgdrüsen der Terminalhaare sowie im Gesicht, an Brust und Rücken.
Die Aktivität der Talgdrüsen ist stimulierbar. Wer seine Haare durch tägliches Waschen ohne rückfettende Zusätze ihres Schutzfilms beraubt, darf sich über eine gesteigerte Aktivität der Talgdrüsen nicht wundern. Die Haare werden umso schneller nachfetten. Auch durch die Umgebungstemperaturen wird die Aktivität der Talgdrüsen beeinflusst: In der Kälte wird weniger Talg produziert. Die Haut trocknet deshalb im Winter besonders schnell aus. Dafür wird die Akne im Allgemeinen besser (allerdings auch unter Sonnenbestrahlung im Sommer).
Anlagebedingt produzieren manche Menschen besonders wenig Talg und haben deshalb eine sehr trockene Haut (Sebostase = „die Fettung steht“)Sebostase. Dies gilt besonders für Atopiker wegen der veränderten Zusammensetzung ihres Hautfetts (z.B. Mangel an γ-Linolensäure). Andere leiden unter einerSeborrhöSeborrhö Seborrhö („das Fett fließt“).
Cerumen
CerumenDas CerumenCerumen (OhrschmalzOhrschmalz) des äußeren Gehörgangs ist ein Produkt der Talgdrüsen dieses Bereichs. Daneben enthält es ein etwas modifiziertes Sekret aus apokrinen Schweißdrüsen (Ceruminaldrüsen) uCeruminaldrüsennd abgeschilferte Zellen bzw. Hornschuppen, einzelne abgestoßene SchweißdrüsenapokrineHaare sowie Staub und Schmutzpartikel aus der Umwelt. Der Sinn des Cerumens besteht in der Reinigung des Gehörgangs vom Trommelfell nach außen sowie in einer Schutzfunktion. Es besitzt trotz des (alkalischen) apokrinen Schweißes eine bakterienhemmende Wirkung, weil u.a. Lysozym und weitere antibakteriell wirksame Peptide enthalten sind. Der (angeblich) unangenehme Geruch bzw. der zumindest äußerst bittere Geschmack soll Insekten fernhalten.

Pathologie

Eine anlagebedingt besonders umfangreiche Cerumenproduktion, eine festere Konsistenz (ebenfalls angeboren) oder Abflussstörungen bei zu engem Gehörgang können zu Schallleitungsstörungen bis hin zur Schwerhörigkeit führen (Cerumen obturans).Cerumenobturans, SchallleitungsstörungenSchallleitungsstörungen, Cerumen obturans Selbst zunächst weiches Cerumen trocknet mit der Zeit ein. In diesen Fällen kann der Gehörgang durch Ausspülen mit warmem Wasser oder, z.B. bei Trommelfelldefekten, instrumentell bzw. durch Absaugen gereinigt werden. Wattestäbchen sind für diesen Einsatzzweck ungeeignet – allein schon deshalb, weil man damit einen Teil des Cerumens eher nach innen schiebt und verfestigt. Sie können jedoch, mit aller Vorsicht, sehr gut zum Trocknen des Gehörgangs nach dem Ausspülen verwendet werden.

Hinweis des Autors

Das Ausspülen des Gehörgangs mit Wasser ist aufgrund offizieller Empfehlungen ziemlich aus der Mode gekommen. Bevorzugt wird die instrumentelle, mechanische Reinigung durch den HNO-Arzt; ersatzweise wird abgesaugt. In beiden Fällen verbleiben Reste, die nach entsprechender Verfestigung z.B. Juckreiz verursachen können. Teilweise wird tatsächlich empfohlen, nur noch den Cerumenanteil, der im Bereich der Ohrmuschel erscheint, mit einem Lappen abzuwischen. Vielleicht, weil es besser aussieht? Mit in dieser Empfehlung enthalten ist allerdings eine Schwerhörigkeit nach dem Duschen oder Schwimmen, weil das Cerumen dabei aufquillt (sofern der Patient bis dahin überhaupt noch etwas hörte).

Genau genommen spricht überhaupt nichts gegen einen warmen, kräftigen Wasserstrahl, z.B. Haarewaschen, sofern das Trommelfell intakt ist. Dies muss in Zweifelsfällen, z.B. erinnerlichen Otitiden, abgeklärt werden. Wegen der Windungen des Gehörgangs gelangt der Strahl beim Erwachsenen nicht bis zum Trommelfell (wohl aber das Wasser selbst), sodass dieses auch nicht geschädigt werden kann. Der Reinigungseffekt ist wesentlich besser als bei der mechanischen Variante, weil damit zumindest bei regelmäßiger Anwendung auch tiefer sitzende Verfestigungen des Cerumens erfasst und gelöst werden. Ständige Termine beim HNO-Arzt entfallen, ebenso die möglichen Reizungen des Gehörgangs. Die Angst vor einem „zu sauberen“ Gehörgang ist unbegründet, weil zum einen die Gehörgangsdrüsen ohnehin bald einen neuen, aber eben weder störenden noch gar obturierenden Fettfilm aufgebaut haben und weil andererseits Schmutzpartikel und abgeschilferte Zellen mitentfernt wurden, sodass Cerumenschichten im zeitlichen Zusammenhang gar nicht benötigt werden. Die Vorgabe des Belassens eines Cerumenrestes ist sinnfrei. Andernfalls müssten die ungezählten Menschen, die grundsätzlich und anlagebedingt anlässlich einer jeden Spiegelung des Trommelfells erneut mit perfekt freien und reizlosen Gehörgängen in der Praxis erscheinen, an einem neu zu definierenden „Syndrom des sauberen Gehörgangs“ Syndromdes sauberen Gehörgangsleiden. Zu den Symptomen dieses Bildes gehören dann beispielsweise fehlender Juckreiz, nicht auffindbare Entzündungsreize und ein übermäßig gut funktionierendes Hörorgan.

Schweißdrüsen

Man unterscheidet zwei Arten von SchweißdrüsenSchweißdrüsen, die ekkrinen und die apokrinen (Fach Basiswissen). Während die ekkrinen Schweißdrüsen v.a. der Wärmeregulation dienen, enthalten die apokrinen Drüsen Duftstoffe, die u.a. für die Kommunikation bzw. Anlockung zwischen den Geschlechtern Bedeutung besitzen. Sie werden deshalb auch als Duftdrüsen bezeichnet. Die Duftdrüsen im Bereich der Mamille erfüllen zusätzlich die Funktion, dem Säugling „den Weg zu weisen“.
Ekkrine Schweißdrüsen
Die kleinen ekkrinen (merokrinen) SchweißdrüseSchweißdrüsenekkrineSchweißdrüsenmerokrinen finden sich in der gesamten Körperhaut (Ausnahme z.B. die Lippen) – besonders reichlich an Stirn, gesamtem Thorax, Handflächen und Fußsohlen. Sie liegen am Übergang von der Leder- zur Unterhaut, überwiegend noch im Corium, und sind im Gegensatz zu den apokrinen Drüsen unverzweigt (Abb. 1.12, Tab. 1.2).

Merke

Handflächen und Fußsohlen sind gut mit Schweißdrüsen versorgt, enthalten aber weder Haare noch Talgdrüsen!

Ekkrine Schweißdrüsen sezernieren einen schwach Schweißsaurersauren Schweiß (pH 5–6) durch gewundene Ausführungsgänge an die Körperoberfläche. Die Epidermis passiert der Schweiß überwiegend nicht durch eine Verlängerung des Ausführungsgangs, sondern durch aufgeweitete Interzellularspalten. Der Anfangsteil der Drüsen ist knäuelartig zusammengerollt. Das Drüsenepithel besteht aus ein bis wenigen Epithelzellschichten. Die einzelne Drüsenzelle sezerniert den Schweiß, geht also bei seiner Produktion nicht wie die Talgdrüsenzelle zugrunde. Die Körperhaut enthält insgesamt etwa 2–3 Millionen ekkrine Schweißdrüsen, also auch entsprechend viele Poren an der Oberfläche.

Hinweis des Autors

Diese Poren stehen ausschließlich für die Sekretion des Schweißes und nicht für eine irgendwie geartete „Hautatmung“ zur Verfügung, von der Laien häufig ausgehen. Da die Diffusionsgrenze von Sauerstoff in soliden Geweben wie dem Plattenepithel der Oberhaut bei 0,1 mm (maximal 0,2 mm) liegt, kommt auch eine „Atmung“ über weitere Hautanteile nicht in Frage, abgesehen (theoretisch) von der extrem dünnen Epidermis der Augenlider. Sollte jemand (im Film) in Gold eingegossen werden und daran tatsächlich versterben, ist er nicht an einer „abhanden gekommenen Hautatmung“ erstickt, sondern aufgrund fehlender Verdunstungskälte (Kap. 2.2.2) der Überhitzung zum Opfer gefallen. Natürlich sind dabei auch die Tätigkeit von Zwerchfell und Atemhilfsmuskulatur und damit die Lungenfunktion stark eingeschränkt, weil eine nennenswerte Hebung von Bauchdecken und Thorax nicht mehr möglich ist.

Geatmet wird also ganz unverändert mit der Lunge und nicht durch die Löcher der Haut!

Apokrine Schweißdrüsen
Die apokrinen Schweißdrüsen Schweißdrüsenapokrine(DuftdrüsenDuftdrüsen) sind deutlich größer (mehrere mm) als die ekkrinen (< 0,5 mm). Sie befinden sich nur in ganz bestimmten Hautregionen, v.a. in der behaarten Kopfhaut, den Achselhöhlen, perigenital, perianal, im Bereich der Mamillen (Brustwarzen) und im äußeren Gehörgang – also mit Ausnahme des Naseneingangs überall dort, wo sich Terminalhaare befinden. Dabei liegt ihr Drüsenknäuel in der Subkutis und ist verzweigt (Abb. 1.12, Tab. 1.2).

Hinweis Prüfung

Auch die weibliche BrustdrüseBrustdrüse, weibliche ist eine apokrine Drüse und gehört damit definitionsgemäß zu den Hautanhangsgebilden (Prüfungsfrage).

Duftdrüsen geben ihren Schweiß ab, indem sie den oberen Zellanteil mit dem dort angereicherten Sekret abschnüren (apokrinein = abschnüren). Sie münden oberhalb der Talgdrüsen in die Haarfollikel – im Gegensatz zu den ekkrinen Schweißdrüsen, die ihr Sekret ja direkt an die Hautoberfläche führen. Der SchweißSchweißPheromonePheromone, Schweiß ist alkalisch und mit Duftstoffen (Pheromonen) angereichert (Duftdrüsen), die in der Tierwelt der Anlockung während der Brunft dienen.SchweißPheromone

Pathologie

Der alkalische pH-Wert begünstigt das Angehen einer bakteriellen Infektion wie z.B. beim axillären Schweißdrüsenabszess, Schweißdrüsenabszessbei welchem die Bakterien (überwiegend Staphylokokken) durch den Haarfollikel in den Ausführungsgang der Drüse eindringen und in der Subkutis Abszesse bilden. Allerdings finden sich im apokrinen Schweiß auch antibakteriell wirksame Substanzen, sodass Abszessbildungen trotz des immunologisch ungünstigen pH-Wertes nicht allzu häufig sind.

Im Gegensatz hierzu benötigen der ekkrine Schweiß oder auch beispielsweise Urin keine antibakteriell wirksamen Zusätze, da letzterer mit einem physiologischen pH-Wert von 4,5–6,5 grundsätzlich sauer und damit immunologisch wirksam ist. Wird er durch extrem einseitige Ernährung oder aufgrund allgegenwärtiger Übersäuerungsmythen pharmakologisch alkalisiert, begünstigt dies aufsteigende Harnwegsinfektionen (Fach Urologie).

Nägel

Der NagelNagel/Nägel;Nagel bietet den Spitzen von Fingern und Zehen Schutz, gleichzeitig aber auch ein Widerlager sowohl für den Tastsinn der Fingerbeeren als auch für die Greiffunktion der Finger. Daneben dient er als „Werkzeug“.
Aufbau
Der Nagel (Abb. 1.13) besteht aus der Nagelplatte (Unguis, Onychium). Begleitende StrukturenUnguis Onychiumsind das Nagelbett, dem die Platte aufliegt und von dessen Wurzel (Matrix) sie gebildet wird, sowie die NagelfalzeParonychium (Paronychium).
Die NagelplatteNagelplatte (= Stratum corneum des Nagelbetts) besteht aus dem Protein Keratin, welches neben Schwefel auch relativ viel Selen, Calcium und Kalium enthält. Sie ist an den Fingern etwa 0,3–0,5 mm dick, an den Zehen nochmals dicker. Damit handelt es sich bei der Nagelplatte um das dickste und widerstandsfähigste Stratum corneum des menschlichen Körpers, abgesehen von pathologischen Veränderungen wie Clavi (Hühneraugen) oder manchen Schwielenbildungen, die zwar nicht härter, aber nochmals dicker sein können.
Falze sind Umschlagsfalten. Als NagelfalzNagelfalze bezeichnet man die Hauttaschen bzw. -falten, in die der Nagel proximal und an beiden Seiten eingelassen ist. Die seitlichen Falze dienen der Führung und Schienung. Der proximale Nagelfalz wird auch NageltascheNageltasche genannt. Der die proximale Nagelplatte überdachende Anteil der Nageltasche heißt Nagelwall, im vordersten Anteil CuticulaCuticula (Nagelhäutchen).Nagelhäutchen

Pathologie

Seitliche Nagelfalze bekommen häufig an den Großzehen eine besondere Bedeutung, wenn die Nagelplatten im vorderen Bereich einwachsen und Entzündungen verursachen. Es entsteht die ParonychieParonychie.

Das NagelbettNagelbett besteht aus Epidermis mit nachfolgendem Corium. In seiner Längsrichtung sind die Papillen besonders hervorgehoben und bilden ausgeprägtere Leisten und Rinnen als in der Haut. Diese Längsrinnen sind, individuell etwas unterschiedlich, auch in der Nagelplatte noch zu erkennen, haben also im Gegensatz zu Querrinnen grundsätzlich als physiologisch zu gelten. Auch die Epidermis des Nagelbetts ist dicker als üblich und geht auf der gesamten Fläche direkt in ihr Stratum corneum, die Nagelplatte über.
Nagelwachstum
Das proximale Ende desNagel/Nägel;NagelWachstum Nagelbetts, die NagelmatrixNagelmatrix, reicht noch 3–6 mm unter den proximalen Nagelwall und bewirkt den Hauptanteil der Nagelbildung. Sie ist durch den vermehrten Keratinanteil ihrer verdickten Epidermis bzw. deren Stratum lucidum auch farblich verändert, was an ihrem distalen Anteil, der den Nagelwall bzw. die Cuticula etwas überragt, gut zu sehen ist: Es entsteht die halbmondförmige, weißliche LunulaLunula (= Halbmond, von Luna = Mond) am hinteren Ende des Nagels. Der gesamte Rest des Nagelbetts trägt nur wenig zum Nagelwachstum bei, verdickt aber die Nagelplatte doch weiter, so wie sie von proximal nach distal auf ihm entlanggeschoben wird. Es ergibt sich damit eine Parallele zum Haarwachstum, das hauptsächlich im Bereich der Haarzwiebel erfolgt und vom restlichen Haarfollikel lediglich vervollständigt wird.
Das Wachstum beträgt an denFingernägel, Wachstum Fingernägeln 0,12 mm/Tag (= ⅓ des Haarwachstums!), an den Zehennägeln weniger, weil diese dicker sind. Bei älteren Menschen werden sämtliche Nägel zunehmend dicker, sodass sie allein schon deswegen langsamer wachsen. Insgesamt dauert es rund 3–4 Monate, bis ein Nagel nach einer Nagelextraktion vollständig von der Basis bis zum freien Rand gewachsen ist. Bei alten Menschen kann es auch ein halbes Jahr dauern. Die Durchblutung der Hände hat Auswirkungen auf das Nagelwachstum – beim Rechtshänder wachsen die Nägel der rechten Hand schneller.

Pathologie

Durch das zeitlich gut definierte Längenwachstum des Nagels von knapp 1 mm/Woche lassen sich sichtbare Nagel/Nägel;NagelSchädigungSchädigungen an den Nägeln, z.B. Querfurchen durch vorübergehende Wachstumsstörungen, zeitlich auch viele Wochen später gut mit einem zurückliegenden pathologischen Ereignis in Beziehung setzen.

Hautrezeptoren

In der Rezeptoren, HautHautrezeptorenHaut gibt es Mechano-, Schmerz-, Juckreiz- und Temperaturrezeptoren. Grundsätzlich handelt es sich dabei um die Endigungen sensibler Nerven, die entweder
  • frei im Gewebe liegen

  • oder von einer Bindegewebskapsel umgeben sind

  • oder Kontakt zu spezialisierten Zellen (z.B. Merkel-Zellen) bzw. Geweben (z.B. Haarfollikel) aufnehmen.

Auf stimulierende Reize antworten sie mit in Richtung Wirbelsäule (zum Spinalganglion) weitergeleiteten Aktionspotenzialen.

Mechanorezeptoren

MechanorezeptorenMechanorezeptoren (Abb. 1.14) reagieren auf Berührung, Druck, Vibration oder Kitzel:
  • Merkel-ZellenMerkel-Zellen: Sie liegen im Stratum basale (Kap. 1.1.1) und vermitteln als Druckrezeptoren v.a. die feineDruckrezeptoren Tastempfindung der Hände (und Lippen), also die sog. OberflächensensibilitätOberflächensensibilität. In der behaarten Haut liegen die Zellen meist in Gruppen Merkel-Tastscheibenbeieinander (Merkel-Tastscheiben). Da diese Tastscheiben mit einer geringeren Zellzahl eine größere Fläche abdecken, sich dabei aber ebenfalls nur eines einzelnen sensiblen Nervs für die Meldung ans ZNS bedienen, ist ihre Auflösung weit weniger genau als diejenige einzeln liegender Merkel-Zellen. Zusätzlich weisen die Tastscheiben eine größere Entfernung voneinander auf als die Merkel-Zellen z.B. der Fingerbeeren, die dicht an dicht stehen. Dadurch bedingt erreicht ihr gesamtes Abbildungsvermögen, ihre räumliche Diskrimination, räumliche Diskriminationnicht ansatzweise die extrem feine Auflösung von Fingerbeeren und Lippen.

  • Meissner-TastkörperchenMeissner-(Tast-)körperchen: Sie finden sich in den Papillen des Stratum papillare, direkt unterhalb der Basalzellschicht, und reagieren auf BerührungBerührungsempfindung. Es gibt sie nur in der unbehaarten Haut, also überwiegend an Handflächen und Fußsohlen (und Lippen).

  • HaarfollikelrezeptorenHaarfollikelrezeptoren: Im tieferen Corium befinden sich diese freien Nervenenden. Sie sind um die Haarfollikel geschlungen und reagieren auf leichte Bewegungen des Haars mit der Empfindung des KitzelKitzelempfindungs, während sie stärkere Reize als BerührungBerührungsempfindung melden. Sie kommen naturgemäß in der unbehaarten Haut nicht vor. Kitzel wird ansonsten überwiegend durch freie Nervenendungen in der Epidermis übertragen.

  • Vater-Pacini-KörperchenVater-Pacini-(Lamellen-)Körperchen: Für TiefensensibilitätTiefensensibilität, also stärkere Drücke, und Vibrationsempfinden Vibrationsempfindenzuständig sind die im Vergleich mit den übrigen Mechanorezeptoren riesigen (bis zu 2 mm) Vater-Pacini-Lamellenkörperchen der Subkutis (Abb. 1.15). Sie finden sich daneben auch in Muskeln, Sehnen, Gelenkkapseln und Periost der Knochen.

  • Ruffini-KörperchenRuffini-Körperchen: Sie liegen im Stratum reticulare des Corium, seltener auch in der Subkutis, und reagieren auf Druck bzw. überwiegend auf Dehnung. In Gelenkkapseln finden sich als etwas abweichende Strukturen Ruffini-RezeptorenRuffini-Rezeptoren, die hier die Stellung der Gelenke registrieren und damit für die zerebrale Abbildung von Lage und Bewegung der Extremitäten von Bedeutung sind. Ergänzt werden sie in dieser Funktion durch die Vater-Pacini-Körperchen.

  • Krause-EndkolbenKrause-Endkolben: Diese ovalen Körperchen befinden sich überwiegend in den Schleimhäuten von Mundhöhle, Genitale und Mastdarm. Sie werden der DruckempfindungDruckempfindung zugeordnet, während man sie in früheren Jahren zusätzlich als KälterezeptorenKälterezeptoren angesehen hatte.

Thermorezeptoren

ThermorezeptorenThermorezeptoren übertragen die Empfindungen von entweder WärmeWärmeempfindung oder KälteKaltempfindung. Es handelt sich um freie Nervenenden, die als Rezeptoren für die Warmempfindung im oberen Corium (nahe der Basalmembran) und als Rezeptoren für die Kaltempfindung in der Epidermis liegen. Mit Ausnahme der Areale um die Gesichtsöffnungen gibt es mehr Kalt- als Warmrezeptoren.

Schmerzrezeptoren

SchmerzrezeptorenSchmerzrezeptoren sind freie Nervenenden in allen Hautschichten.

Pathologie

Überwiegend die Schmerzrezeptoren der Epidermis werden von den Viren der GürtelroseGürtelrose (Herpes zosterHerpes Zoster) als Schiene benutzt, um von den sensiblen Spinalganglien aus in ein (Haut-)Dermatom zu gelangen. Dies erklärt die zumeist große Schmerzhaftigkeit der Gürtelrose.

Juckreizrezeptoren

In früheren Jahren nahm man an, dassJuckreizrezeptoren JuckreizJuckreiz Pruritus(Pruritus) ebenfalls über die Schmerzrezeptoren übertragen wird. Erst in den Nullerjahren hat man freie Nervenenden identifiziert, die in der Epidermis sowie im oberen Corium liegen und spezifisch für die Übertragung des Juckreizes zuständig sind. Die genauen Zusammenhänge sind immer noch nicht bekannt, doch scheinen überwiegend eine Freisetzung von HistaminHistaminJuckreiz aus den Mastzellen des Corium und die Austrocknung der Epidermis für die Auslösung eines Pruritus verantwortlich zu sein. Histamin führt an den Juckreizrezeptoren zu Pruritus, während es an den Schmerzrezeptoren tiefer liegender Gewebe (Subkutis) Schmerzen verursacht. Die vielfältigen Ursachen des Juckreizes werden im Fach Leitsymptome erörtert.

Blutgefäße

Arterien

Die größeren Arterien Blutgefäße(und Venen)Arterien verlaufen in der Subkutis. Von hier aus verzweigen sich kleinere Arterien senkrecht in Richtung Körperoberfläche, um dann im tiefen Corium ein parallel zur Körperoberfläche liegendes Gefäßnetz zu bilden. Von hier steigen wiederum einzelne Arterien senkrecht auf und bilden im oberen Corium ein zweites Gefäßnetz, das ebenfalls parallel zur Hautoberfläche verläuft (Abb. 1.16). Erst aus diesem oberen Gefäßplexus verzweigen sich schließlich die Arteriolen und Kapillaren zu den einzelnen Papillen und gehen hier in die Venolen über. Die Epidermis ist nicht durchblutet, sondern wird aus den papillären Kapillaren durch Diffusion ernährt.

Venen

Die VenenVenen (Abb. 1.17) verlaufen im Wesentlichen bei ihren Arterien und sind zumeist (wie allgemein üblich) deutlich dicker als dieselben, sodass sie für das Auge besser erkennbar werden.

Änderungen der Durchblutung

In beiden Durchblutung, HautHautDurchblutungGefäßnetzen der Dermis finden sich arteriovenöse Anastomosen, die sympathisch innerviert sind und sich an der Thermoregulation derThermoregulation Haut beteiligen. Die Arteriolen können hier durch Kältereize oder sonstige Sympathikusaktivierungen vollständig verschlossen werden, wodurch das Blut noch vor dem nachfolgenden Kapillarbett direkt auf die venöse Seite des Kreislaufs umgeleitet wird. Die entstehende Ischämie eröffnet die betroffenen Arteriolen allerdings jeweils für eine ausreichend lange Zeit, bevor Gewebeschäden entstehen können.
Kaliberschwankungen der beiden Gefäßnetze im oberen und tiefen Corium beeinflussen die HautfarbeHautfarbe. Bei ihrer Erweiterung mit entsprechend gesteigerter Durchblutung erscheint die Haut rot (und warm); es kommt zum ErythemErythem. Der sympathische Verschluss der Arteriolen macht die Haut blass und kalt. Gleichzeitig wird sie durch sympathische Stimulation der Schweißdrüsen feucht. Eine übermäßige Aktivierung des Sympathikus gleich welcher Ursache kann also u.a. an der „kaltschweißigen Haut“ erkannt kaltschweißige HautHautkaltschweißigewerden. Dieser Zusammenhang gilt absolut und kennt keine Differenzialdiagnose, sodass man lediglich noch danach zu suchen hat, warum der Sympathikus gewissermaßen am Anschlag ist.

Zusammenfassung

Epidermis

  • Schichten: Stratum basale, Stratum spinosum, Stratum granulosum, (Stratum lucidum), Stratum corneum

  • Mechanorezeptoren: Merkel-Zellen und -Tastscheiben (behaarte Haut)

  • Sensible Rezeptoren: freie Nervenenden für Schmerz, Kitzel, Kaltempfindung und Juckreiz

  • Gefäße: Ernährung aus dem Stratum papillare durch Diffusion

  • Hautanhangsgebilde: Nägel, Haarschäfte, Poren der ekkrinen Schweißdrüsen

  • Funktion: Barriere gegenüber Mikroorganismen, mechanischen und chemisch-physikalischen Noxen (z.B. UV-Strahlung) sowie gegenüber einem Flüssigkeitsaustausch mit der Umgebung (einschließlich Wasserverlust). In den basalen Anteilen (Stratum germinativum) wird bei Sonneneinstrahlung Vitamin D gebildet (Fach Stoffwechsel und Endokrinologie).

Lederhaut

  • Schichten: Stratum papillare (zugelastisch), Stratum reticulare (sehr fest); bei der Frau etwas dünner als beim Mann

  • Mechanorezeptoren: Meissner-Tastkörperchen (unbehaarte Haut) oder Haarfollikelrezeptoren für Berührung und Kitzel, Ruffini-Körperchen (Druck, Dehnung), Krause-Endkolben an den Schleimhäuten (Druck)

  • Sensible Rezeptoren: freie Nervenenden für Schmerz, Warmempfindung und Juckreiz (Stratum papillare)

  • Gefäße: tiefer und oberflächlicher Gefäßplexus, Lymphgefäße

  • Hautanhangsgebilde: ekkrine Schweißdrüsen, Talgdrüsen, Haarwurzeln

  • Funktion: mechanische Stabilisierung der Körperoberfläche, Sinnesorgan, Thermoregulation (Durchblutung, Schweiß)

Subkutis

  • Schichten: von Bindegewebe umgebene Fettläppchen ohne weitere Schichtung – bei der Frau größer als beim Mann

  • Mechanorezeptoren: Vater-Pacini-Körperchen für Vibration und Tiefensensibilität

  • Sensible Rezeptoren: freie Nervenenden für die Schmerzempfindung

  • Gefäße: große zu- und abführende Gefäße, reichlich ausgebildetes Kapillarnetz, Lymphgefäße

  • Hautanhangsgebilde: Haarwurzeln (Terminalhaare), apokrine Schweißdrüsen

  • Funktion: thermische Isolierung, mechanische Polsterung, Nahrungsreserve für Wochen bis Monate (je nach persönlicher Vorsorge)

Schleimhaut

Auch die SchleimhäuteSchleimhaut/-häute stehen über die Luft, die Nahrung oder weitere Medien (Flüssigkeiten, genitale Kontakte) in Berührung mit der Außenwelt. Was ihnen im Allgemeinen fehlt, ist die mögliche mechanisch-schädigende Komponente im Bereich der Oberhaut. Dafür haben sie zumeist physiologische oder pathologische Stoffe an ihren Oberflächen zu transportieren (Nahrung, mit der Atemluft eingedrungene Fremdkörper, Flüssigkeiten). Sie kleiden also Körperhöhlungen aus, die mit der Außenwelt in Kontakt stehen, aber durch mehr oder weniger verschließbare Öffnungen keinen direkten, mechanisch schädigenden Einflüssen unterworfen sind: Atemwege, Nasen-Rachen-Raum, Magen-Darm-Trakt, Mittelohr, Auge und Urogenitalsystem.
Die mechanisch sowie vor Austrocknung schützende Komponente der Epidermis besteht aus zahlreichen Zelllagen und aus der Hornschicht. Diese ist auf den Schleimhäuten nicht erforderlich und nicht vorhanden (Ausnahme: vordere ⅔ der Zungenoberseite). Dafür besitzen sie Drüsen wie die Schleim- oder SpeicheldrüsenSpeicheldrüsen und Zellen wie die BecherzellenBecherzellen, die sie durch Abgabe schleimiger Sekrete an ihre Oberfläche gleitfähig und feucht halten (Schleimhaut). Der Aufbau der Schleimhaut ist ansonsten demjenigen der Epidermis recht ähnlich. Unter einem Epithelgewebe befindet sich eine Bindegewebsschicht sowie, anstelle der Subkutis, eine Muskelschicht.
Das OberflächenepithelOberflächenepithel besteht dort aus mehreren Schichten, wo noch ein eingeschränkter mechanischer Schutz erforderlich ist wie z.B. in der Mundhöhle, in der Vagina oder am Anus. Fällt diese mechanisch beanspruchende Komponente völlig weg wie u.a. im gesamten Magen-Darm-Trakt ab dem Magen, so besteht das Oberflächenepithel nur noch aus einer einzigen Zellschicht. Hier nehmen die Zellen darüber hinaus aufgrund spezieller Aufgaben eine andere Form an und werden zylindrisch oder hochprismatisch, während z.B. das einschichtige Epithel von Peritoneum (Bauchfell), Pleura (Lungenhaut) oder Perikard (Herzbeutel) aus flachen Zellen besteht.
Eine Sonderform stellt das ÜbergangsepithelÜbergangsepithel von Nierenbecken, Ureter, Harnblase und Anfangsteil der Urethra dar, weil hier umfangreiche Lumenänderungen dieser Hohlorgane ausgeglichen werden müssen (Fach Basiswissen, Fach Urologie).
Die Bindegewebsschicht Bindegewebeunterhalb des Oberflächenepithels heißt bei der Schleimhaut nicht Corium bzw. Lederhaut, sondern Lamina propriaLamina propria; sie ist deutlich weicher und lockerer als das Corium, weil sie keine mechanisch-stabilisierende Funktion besitzt.
Die wärmeisolierende, mechanisch schützende, Unebenheiten ausgleichende Fettschicht der Subkutis ist auf den Schleimhäuten nicht erforderlich und wird durch eine sehr dünne Muskelschicht (Muscularis mucosaeMuscularis mucosae) ersetzt.
Insgesamt besteht die Schleimhaut (Mukosa)Mukosa also entsprechend der Oberhaut aus drei Schichten, deren einzelne Bestandteile sich den veränderten Bedingungen angepasst und andere Benennungen erhalten haben: Auf das ein- oder mehrschichtige, nicht verhornende Oberflächenepithel folgt das Bindegewebe der Lamina propria und abschließend die dünne Muscularis mucosae.

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