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B978-3-437-58052-9.00001-3

10.1016/B978-3-437-58052-9.00001-3

978-3-437-58052-9

Abb. 1.1

[L106]

Exokrine und endokrine SekretionSekretionexokrineSekretionendokrine

Abb. 1.2

[L107]

Sekretion von Hormonen. a Übliche Hormonsekretion. b Parakrine Hormonwirkung.

Abb. 1.3

[L190]

Hormonproduzierende Organe und Gewebe

Abb. 1.4

[L157]

Vergleich der chemischen Strukturen von Steran, Cholesterin und ÖstrogenSteranCholesterinÖstrogene

Abb. 1.5

[L190]

Prinzip des Second Messenger. Das Hormon aktiviert den Rezeptor, der aktivierte Rezeptor seinerseits den Second Messenger.

Endokrine Organe und die von ihnen produzierten HormoneReleasing-HormoneInhibiting-HormoneSomatostatinadrenokortikotropes Hormon (ACTH)CorticotropinACTH (adrenokortikotropes Hormon)Hypophysenvorderlappen (HVL)HormoneHypothalamusHormoneHypophysenhinterlappen (HHL)Hormonethyreoideastimulierendes Hormon (TSH)TSH (thyreoideastimulierendes Hormon)ThyreotropinFSH (follikelstimulierendes Hormon)LH s. luteinisierendes Hormonluteinisierendes Hormon (LH) Somatotropinsomatotropes Hormon (STH)STH (somatotropes Hormon)ProlaktinHypohysenzwischenlappenHormone Melanotropinmelanozytenstimulierendes Hormon (MSH)MSH (melanozytenstimulierendes Hormon) VasopressinOxytocinADH (antidiuretisches Hormon)MelatoninEpiphyseHormoneZirbeldrüseHormone CalcitoninSchilddrüseHormoneT4 (Tetraiodthyronin, Thyroxin);T4T3 (Triiodthyronin);T3Triiodthyronin (T3)ParathormonCalcitoninParathyrinNebenschilddrüsenHormoneGlukokortikoideAndrogene Dehydroepiandrosteron (DHEA)AldosteronDHEA (Dehydroepiandrosteron)Nebennierenrinde (NNR);NebennierenrindeHormoneAdrenalinNoradrenalinKatecholamineNebennierenmarkHormoneInsulinGlukagonSomatostatinPankreasHormoneÖstradiolProgesteronOvarienHormoneHodenHormoneTestosteronÖstrogenePlazenta humanes Choriongonadotropin (hCG)hCG (humanes Choriongonadotropin)ProgesteronChoriongonadotropin, humanes (hCG)atriales natriuretisches Hormon (ANH)Atriopeptinbrain natriuretic peptide (BNP)BNP (brain natriuretic peptide)Thymus, HormoneHerz, Hormone;HerzThymosinThymopeptinCholecystokininSekretinMotilinSomatostatinGastrin Glukose-abhängiges insulinotropes Peptid (GIP)PYY (Peptid YY)Peptid YY (PYY)GhrelinLeptinD-HormonErythropoetinMagen-Darm-Trakt, HormoneFettgewebeHormoneGLP-1 (Glucagon-like Peptide 1);GLP Glukose-abhängiges insulinotropes Peptid (GIP)GIP (Glukose-abhängiges insulinotropes Peptid)Niere, HormoneThyroxin (T4)T4 (Tetraiodthyronin, Thyroxin);T4antidiuretisches Hormon (ADH)Adiuretin (ADH, antidiuretisches Hormon)

Tab. 1.1
Endokrines Organ Produzierte Hormone Abkürzung
Hypothalamus Releasing-Hormone wie z.B. TRH, Inhibiting-Hormone (Somatostatin u.a.) TRH, CRH
Hypophysenvorderlappen (= HVL, Adenohypophyse) adrenokortikotropes Hormon (= Corticotropin) ACTH
thyreoideastimulierendes Hormon (= Thyreotropin) TSH
luteinisierendes Hormon LH
follikelstimulierendes Hormon FSH
somatotropes Hormon (= Somatotropin) STH
Prolaktin
Hypophysenzwischenlappen melanozytenstimulierendes Hormon (= Melanotropin) MSH
Hypophysenhinterlappen (= HHL, Neurohypophyse) antidiuretisches Hormon (= Vasopressin), Oxytocin ADH
Epiphyse (Zirbeldrüse) Melatonin
Schilddrüse Thyroxin (T4), Triiodthyronin (T3), Calcitonin T4, T3
Nebenschilddrüse Parathormon (Parathyrin), Calcitonin PTH
Nebennierenrinde (NNR) Aldosteron, Glukokortikoide, Androgene (Dehydroepiandrosteron) DHEA
Nebennierenmark (NNM) Adrenalin, Noradrenalin (= Katecholamine)
Pankreas Insulin, Glukagon, Somatostatin
Ovar Östradiol, Progesteron
Hoden Testosteron
Plazenta Östrogene, Progesteron, humanes Choriongonadotropin HCG
Herz (Vorhöfe) atriales natriuretisches Hormon (= Atriopeptin) ANH
Herz (Kammern) „brain natriuretic peptide“ BNP
Thymus Thymosin, Thymopoetin
Leber Thrombopoetin, Beteiligung an RAAS und D-Hormon
Magen-Darm-Trakt Gastrin, Cholecystokinin, Sekretin, Motilin, „glucagon-like peptide-1“, Glukose-abhängiges insulinotropes Peptid, Peptid YY, Ghrelin, Somatostatin GLP-1, GIP, PYY
Fettgewebe z.B. Leptin
Niere D-Hormon, Erythropoetin Epo

Einleitung

  • 1.1

    Im Dienst des Gesamtorganismus1

  • 1.2

    Grundlagen des Hormonsystems2

Im Dienst des Gesamtorganismus

Nervensystem
Der menschliche NervensystemKörper besteht aus einer Vielzahl spezialisierter Zellen und Gewebe, die grundsätzlich dem gesamten Organismus, seinen Bedürfnissen und seiner Integrität dienen. Damit nun beispielsweise der einzelne Muskel weiß, wann er sich im Dienste des Gesamtorganismus wie lange und wie stark zu kontrahieren hat, braucht er klare Anweisungen übergeordneter Zentren. Diese räumlich vom Muskel getrennten Gewebeeinheiten benötigen Verbindungswege zum Befehlsempfänger, damit die Anweisungen vernommen und ausgeführt werden können. Die Befehlszentralen sitzen in Gehirn und Rückenmark. Die Übermittlung erfolgt durch Nerven, die vom Steuerungsorgan aus eine durchgehende Verbindung zum Muskel aufgebaut haben.
Damit die zerebralen Zentren jederzeit die Kontrolle und Übersicht behalten und feinste Abstufungen vornehmen können, bedürfen sie einer ununterbrochenen Rückmeldung dessen, was das Erfolgsorgan gerade vollbracht hat. Zusätzlich benötigen und erhalten sie Informationen über die genaue Zusammensetzung der Umwelt, Informations- und BefehlsübermittlungNervensystemdamit sie auf jede mögliche Situation, die den Organismus gefährden könnte oder seinem Fortbestand im Wege stünde, angepasst und mit ausreichender Geschwindigkeit zu reagieren vermögen. Alle diese Informationen aus der Umwelt werden durch die Sinnesorgane und die sensiblen Rezeptoren u.a. in Haut, Muskulatur, Sehnen und Gelenken aufgenommen. Weitergeleitet werden sie ebenfalls über Nervenfasern, die sich in der Peripherie des Körpers mit den benachbarten motorischen Nervenfasern zu dicken Nervenfaserbündeln zusammenschließen, um dann tief im Gewebe und gut geschützt zur Wirbelsäule zu laufen. Hier gehen die einzelnen Nervenfasern wieder getrennte Wege.
Die Übertragung der Befehle von der zerebralen Zentrale über die langen Nervenfasern zur Körperperipherie und zurück erfolgt mit unglaublicher Geschwindigkeit (bis zu 120 m/s bzw. 1,2 m in 10 ms) scheinbar elektrisch in der Art eines fließenden elektrischen Stroms. Dieses Wunderwerk einschließlich der synaptischen Verbindungen wird im Fach Neurologie dargestellt.
Das animale (= motorische + sensible) NervensystemNervensystemanimales vermittelt also die Umwelt samt der Antwort hierauf. Sofern diese Umwelt Höchstleistungen irgendeiner Art verlangt, wird diese Höchstleistung auch erbracht, wenn das einzelne Organ dazu in der Lage ist. Dies ist üblicherweise dann der Fall, wenn es optimal mit allem versorgt ist, was es für seine Arbeit benötigt – also in erster Linie mit Nährstoffen und Sauerstoff. Nährstoffe und Sauerstoff werden über das Blut zu jedem Organ transportiert. Wäre nun jedes einzelne Organ des Organismus ständig auf Höchstleistungen programmiert – auch unter weitgehenden Ruhebedingungen wie z.B. im Schlaf – so müssten Herz, Lunge und jene Organe des Körpers, die die Nährstoffe für den restlichen Organismus aufbereiten, ständig an ihre Leistungsgrenze gehen. Dies ergäbe allerdings nicht den geringsten Sinn. Eine Folge bestünde im vorzeitigen Verschleiß dieser Organe, ihrer vorzeitigen Alterung und damit auch dem vorzeitigen Tod des Gesamtorganismus. Dementsprechend arbeiten die einzelnen Organe nur gerade so viel, wie dies notwendig ist, und sie legen genau in dem Moment an Arbeitstempo zu, in dem dies gefordert wird und sinnvoll ist. Die Informationen hierzu liefert primär nicht mehr das animale (somatische) Nervensystem, sondern weitere Systeme wie das vegetative (= autonome) NervensystemNervensystemvegetatives und das HormonsystemHormonsystem.

Hinweis des Autors

Die Steuerung der aktuellen Leistung der Organe im Sinne des Gesamtorganismus geschieht eventuell auch über KörpermeridianeMeridianeKörpermeridiane und weitere Informationsträger, die im Einzelnen noch wenig verstanden werden. So gibt es nicht nur einen regen Informationsfluss zwischen den einzelnen Zellen eines Organs, sondern möglicherweise auch zwischen denen verschiedener Organe, der nicht auf nervale Leitungen oder spezifische Rezeptoren z.B. für Zytokine angewiesen ist. Zu denken ist hierbei u.a. an die sog. BiophotonenBiophotonen des Fritz-Albert Popp.

Genau genommen lässt sich keines der Informations- oder Leitungssysteme von anderen hinsichtlich seiner Wirkungen wirklich trennen. Alle sind sie miteinander verbunden und ergänzen sich gegenseitig: Eine Verletzung an einer Körperstelle, die wir momentan nicht im Auge haben, bewirkt über die Meldung an Rückenmark und Gehirn ein sofortiges Zurückziehen des z.B. betroffenen Fingers. Diese Meldung erreicht praktisch gleichzeitig auch die Muskeln des Auges und weitere Sinnesorgane sowie das Vegetativum, dem die Gefahr übermittelt wird und welches nun umgehend seinen Teil zum Schutz des Organismus beiträgt. Es aktiviert Organe wie Herz oder Haut, aber auch z.B. das Nebennierenmark, sodass nun eine Kaskade weiterer Reaktionen in Gang gesetzt wird bis hin zur Aktivierung von Leber (Glukoseausschüttung) und Lunge (verstärkte Atmung). Es werden also zusätzliche Reserven an Sauerstoff und Nährstoffen ins Blut gebracht für den Fall, dass eine sofortige Flucht oder eine tatkräftige Abwehr nötig werden könnten. Große Anteile des Gehirns werden „hellwach“ und bereit, sofort weitere Schritte zu überdenken und anzuordnen. Somatisches und vegetatives Nervensystem arbeiten also kaum jemals völlig getrennt voneinander. Sie überdecken vielmehr ein unterschiedliches Spektrum und ergänzen sich, wobei einmal mehr das eine und bei nächster Gelegenheit mehr das andere im Einsatz ist.
Funktion der Hormone
Das endokrine Systemendokrines System dient genauso wie die beiden Nervensysteme der Informations- und Befehlsübermittlung. Es übeHormonermittelt seine Informationen und Befehle Informations- und Befehlsübermittlungendokrines Systemaber nicht über schnelle Systeme wie die Nervenbahnen ans Erfolgsorgan, sondern durch chemische Stoffe, die Hormone, über den Blutweg, und ist daher erheblich langsamer. Die Nachrichtenübermittlung im Nervensystem ist eine Angelegenheit von wenigen Millisekunden. Die Übermittlung der hormonellen Nachrichten dauert Minuten bis Stunden. Das ErfolgsorganErfolgsorgan eines motorischen Nervs antwortet auf den Reiz umgehend innerhalb weniger Millisekunden. Das vegetative Nervensystem benötigt Sekunden bis Minuten. Beim hormonellen System dauert es zumindest Minuten, manchmal aber auch Tage oder Wochen, bis das Erfolgsorgan sichtbare Effekte zeigt.

Merke

Das endokrine System dient überwiegend der Steuerung langfristiger Prozesse wie Wachstum, Fortpflanzung und Homöostase des Wasser-, Elektrolyt- und Energiehaushalts.

Abgesehen hiervon arbeitet es jedoch genauso wenig autonom wie die Nervensysteme. Die oben angesprochene Verletzung aktiviert das autonome, das vegetative und gleichzeitig auch das hormonelle System. Die Nervensysteme beginnen umgehend mit Flucht oder Abwehr, das hormonelle stellt einige Minuten später deren Funktion durch seine Tätigkeit sicher – z.B. durch Erhöhung des Blutzuckerspiegels. Auch in das System der Fortpflanzung sind die Sexualhormone genauso eingebettet wie das Vegetativum oder die sensiblen und motorischen Nerven.
Die deutlichste Überschneidung der Systeme erkennt man am Nebennierenmark, welches als Hormon genau den Stoff ausschüttet (Noradrenalin), der wenige Sekunden zuvor auch als Überträgerstoff des sympathischen Nervensystems im Einsatz war.

Merke

Auch wenn Nerven und endokrines System getrennt in ihren Wirkungen besprochen werden, so darf man die gegenseitige Beeinflussung und Abhängigkeit doch nie aus den Augen verlieren. Ähnliches gilt sogar für das Immunsystem, das weder von den Hormonen noch von den Nervensystemen wirklich getrennt ist und eben auch nur scheinbar selbstständig arbeitet.

Grundlagen des Hormonsystems

Definitionen
Endokrinologie Endokrinologieist die Lehre von Sekretioninnereder inneren Sekretion (endo = innen, eigen; krinein = absondern, ausschütten; Logos = Lehre). Die Hormone werden von den endokrinen Organen also selbst produziert und ins Blut sezerniert (abgegeben). Anders als bei den exokrinen Drüsen, die ihr Sekret über eigene Ausführungsgänge nach außen, auf die Oberfläche der Haut (z.B. Schweißdrüsen) oder in Körperhöhlen (z.B. Schleimdrüsen) sezernieren, gibt es bei den endokrinen, Hormone produzierenden Drüsen keine Ausführungsgänge (Abb. 1.1). Die Drüsenepithelien der endokrinen Organe geben ihr Sekret vielmehr direkt ins vorbeiströmende Blut.
Der Vollständigkeit halber sei angefügt, dass es auch Hormone wie z.B. das ubiquitär anzutreffende Somatostatin Somatostatingibt, die eine Hormonwirkungenparakrinesog. parakrine Wirkung entfalten – also eine Wirkung direkt neben (para) den sezernierenden Zellen (Abb. 1.2). Solche Hormone gelangen nicht in nennenswerten Mengen ins Blut. So hemmt z.B. das Somatostatin der Bauchspeicheldrüse direkt „nebenan“ die Insulin und Glukagon produzierenden Zellen. Im Hypothalamus gehört Somatostatin zu den sog. Inhibiting-HormonenInhibiting-Hormone, indem es „nebenan“, in der Hypophyse, die Produktion weiterer Hormone vermindert.
Die wesentlichen endokrinen Organeendokrine Organe (Abb. 1.3, Tab. 1.1) sindendokrine Drüsen
  • Schilddrüse,

  • Nebenschilddrüse,

  • Nebennierenrinde,

  • Nebennierenmark,

  • Bauchspeicheldrüse,

  • Eierstöcke,

  • Hoden

sowie als übergeordnete, steuernde Organe
  • Hypothalamus, Hypothalamus

  • Hypophyse undHypophyse

  • Zirbeldrüse (Epiphyse). ZirbeldrüseEpiphyse

Auch die PlazentaPlazenta der schwangeren Frau gehört zu den endokrinen Drüsen. Darüber hinaus gibt es in nahezu allen Organen eine Unzahl einzelner Zellen, die ebenfalls Hormone produzieren. So gilt der Darm als größtes, hormonproduzierendes Organ überhaupt, das Hormone wie u.a. Gastrin, Sekretin, CCK oder Motilin ans Blut abgibt. Diese Hormone werden im Fach Verdauungssystem besprochen.
Man könnte die endokrine Funktion der menschlichen Organe und Strukturen danach unterscheiden, ob dies ihrer ausschließlichen Aufgabe entspricht, ob es andererseits zumindest noch einen Schwerpunkt ihrer Funktionen darstellt, oder ob schließlich das produzierte Hormon mit der eigentlichen Organfunktion gar nichts zu tun hat. Eigentliche endokrine Drüsen ohne weitere Funktion stellen Hypophyse, Schild- und Nebenschilddrüse sowie die Nebenniere dar. Beim Pankreas oder den Gonaden beider Geschlechter steht die Hormonproduktion gleichberechtigt neben weiteren Funktionen ganz im Vordergrund oder sie ist von großer Bedeutung für die Funktionsfähigkeit des jeweiligen Organs, wie dies z.B. für den Verdauungstrakt zu gelten hat. Dagegen könnten die Zellen, die in der Niere das Hormon Erythropoetin produzieren, auch zu einem beinahe beliebigen weiteren Organ gehören, ohne dass sich an der eigentlichen Nierenfunktion etwas ändern würde. Entsprechendes gilt für das Osteocalcin des Knochens, das seine Hormonwirkungen z.B. an Pankreas und Fettgewebe entfaltet.
Chemische Hormonstrukturen
Die biochemische Struktur der atriales natriuretisches Peptid (ANP)HormoneHormonebiochemische Struktur gehört ausnahmslos den folgenden 3 (eigentlich „2½“) Klassen an:
  • SteroidhormoneSteroidhormone (steranähnliche Hormone) leiten sich von der ringförmigen Struktur (sog. Sterangerüst) des Cholesterins ab und werden in den betreffenden Organen auch chemisch daraus hergestellt (Abb. 1.4). Hierzu gehören die Hormone der NNR, der Gonaden und das D-Hormon, dessen Vorstufe in der Haut gebildet wird.

  • Bei PeptidhormonenPeptidhormone sind wenige (= Oligopeptide) bis zahlreiche (= Polypeptide) Aminosäuren zu Peptiden zusammengeknüpft. Die weit überwiegende Mehrzahl aller Hormone gehört dieser Gruppe an.

  • Nicht mehr von einem ganzen Peptid, sondern nur noch von der einzelnen Aminosäure TyrosinTyrosin entstammen schließlich die Hormone der Schilddrüse und des Nebennierenmarks.

Hinweis Prüfung

Der Begriff des „Steroidhormons“ und seine Zuordnung zu NNR, Gonaden und Haut mit ihrer in der Summe äußerst geringen Zahl an Hormonen (3 + 3 + 1) ist prinzipiell prüfungsrelevant. Aus diesem Grund sollte man sich bei der Besprechung dieser Organe an den Zusammenhang erinnern und auch einen Blick auf die Abb. 1.4 riskieren.

Vermittlung der Hormonwirkungen
HormoneHormonwirkungen binden, wie die nervalen Überträgerstoffe auch, an spezifische Rezeptoren, HormoneRezeptorendieRezeptorenHormone in den Zellmembranen ihrer Erfolgsorgane sitzen. Sie lösen hier allerdings kein Aktionspotenzial aus. Vielmehr werden sie allein oder gemeinsam mit ihren Rezeptormolekülen in die Zelle geschleust und induzieren dort üblicherweise die Neubildung verschiedener Moleküle.
Teilweise lösen sie auch, ohne selbst in die Zelle zu gelangen, an den Rezeptoren der Zellmembranen eine Veränderung aus, woraufhin diese nun weitere Moleküle mit der Weiterleitung des hormonellen Befehls beauftragen. Derartige, von einem Hormon beauftragte Vermittlermoleküle nennt man Second Messenger, Second Messengeralso „zweiten Boten“ (Abb. 1.5). Am häufigsten ist dies cAMP (Cyclo-AMP bzw. Cyclo-Adenosinmonophosphat). cAMP

Hinweis Prüfung

Die genaue Kenntnis dieser insgesamt recht komplexen Vorgänge ist für den angehenden Heilpraktiker nicht von Bedeutung.

Man könnte jedoch beachten, dass die Steroidhormone grundsätzlich selbst, also ohne Einschaltung eines „zweiten Boten“, in den Zellkern weiterdiffundieren und dort die Herstellung von biochemisch wirksamen Substanzen veranlassen, während die PeptidhormonePeptidhormone ihre Aufgaben über Rezeptoren der Zellmembran unter Einschaltung eines „Second Messenger“ wie cAMP erfüllen. Auch hinsichtlich einer weiteren Eigenschaft lassen sich die beiden Hormongruppen unterscheidenHormoneGruppen: Peptidhormone werden auf Vorrat produziert und in den endokrinen Zellen gespeichert. Sie liegen, verpackt in kleine Vesikel, nahe der Zellmembran und können dadurch bei Bedarf umgehend sezerniert werden. Dagegen werden SteroidhormoneSteroidhormone nicht gespeichert, müssen also jeweils auf Anforderung produziert und im direkten Anschluss sezerniert werden. Ihr Serumspiegel steigt dadurch langsamer an.

Merke

Dadurch, dass die Hormone nur über biochemische Molekülveränderungen bzw. primär über die Neubildung biochemischer Substanzen wirken, nachdem sie noch dazu auf dem „umständlichen“ Blutweg erst einmal zum Erfolgsorgan gelangen müssen, wird verständlich, dass es sich bei den Hormonwirkungen um vergleichsweise langsame Prozesse handeln muss.

Selektivität von Hormonwirkungen
Hormone gelangen im HormonwirkungenSelektivitätAnschluss an ihre Sekretion auf dem Blutweg zu sämtlichen Organen und Geweben des Organismus. Demzufolge können sie prinzipiell an allen Zellen des Körpers Wirkungen entfalten. Dies gilt auch tatsächlich für Hormone wie z.B. das Pankreashormon Insulin oder das Schilddrüsenhormon Thyroxin. Andere Hormone wie ACTH oder TSH entfalten ihre Wirkungen dagegen ausschließlich in Organen wie der Nebennierenrinde (ACTH) oder der Schilddrüse (TSH). Der Grund dafür, dass sämtliche Hormone zwar überallhin gelangen, dann jedoch teilweise nur in einzelnen Organen Wirkungen entfalten, liegt an der Rezeptorausstattung der Körperzellen. Zellen, an denen einzelne Hormone keine sinnvolle Wirkung entfalten würden, besitzen für solche Hormone von vornherein keine Rezeptoren. So gibt es z.B. für das Hormon ACTH ausschließlich in Zellmembranen der Nebennierenrinde Andockstellen, während die entsprechenden für Insulin an nahezu jeder Körperzelle vorhanden sind.

Exkurs

Dieser Mechanismus gilt für sämtliche Systeme. Die Zytokine (Botenstoffe) des Immunsystems überbringen ihre Nachrichten nur an Zellen, an denen dies eine sinnvolle Reaktion bewirkt und die genau deswegen über spezifische Rezeptoren in der Zellmembran verfügen. Spurenelemente wie Zink oder Kupfer binden exakt an jene Enzyme, die ohne diese Bindung nicht wirksam wären. Nerven sind ausschließlich mit Strukturen verschaltet, die dies für ihre Funktion benötigen. Zellen bauen genau zu dem Zeitpunkt verstärkt Rezeptoren für z.B. Vitamine oder das Transporteisen Transferrin in ihre Membranen ein, wenn dieser Bedarf entsteht.

Hormonstörungen
HormonstörungenDie Über- oder Unterfunktion der endokrinen Organe mit entsprechendem Überangebot oder Mangel an Hormonen hat immer Auswirkungen auf den Organismus. Teilweise entstehen schwere Störungen wie Diabetes mellitus, Sterilität oder Zwergwuchs bis hin zu lebensbedrohenden Zuständen bei Ausfall oder massiver Überproduktion einer Hormondrüse. Daneben ist die Mehrzahl der Hormondrüsen untereinander vernetzt und beeinflusst sich gegenseitig.
Steuerung endokriner Drüsen
Vor allem die zerebralen Zentrenendokrine DrüsenSteuerung Hypothalamus und Hypophyse besitzen eine gewisse Oberhoheit HypothalamusHypophyseund Befehlsgewalt über die peripheren Drüsen. Sie erhalten über einen Regelkreis auf dem Blutweg Rückmeldungen über die aktuelle Situation der weiteren endokrinen Organe sowie den Gesamtzustand des Organismus mit seinen aktuellen Bedürfnissen und steuern so sehr gezielt die periphere Hormonproduktion. Während sämtliche endokrinen Drüsen in ihrer Hormonproduktion zumindest mit einzelnen weiteren Hormonen oder sonstigen Faktoren rückgekoppelt sind und in ihrer Aktivität beeinflusst werden, gilt vor allem für den Hypothalamus, dass er zusätzlich Informationen verarbeitet, die aus einer Vielzahl körpereigener wie auch aus der Umwelt stammender Ereignisse herrührt. Selbst kleine Stimmungsschwankungen oder z.B. ein Kältegefühl werden registriert und in hormonelle Befehle übersetzt (Kap. 6.1.2).
Hormone, die nicht in den eigentlichen endokrinen Organen wie z.B. Schilddrüse, Nebenniere oder Gonaden entstehen, sondern in Strukturen wie u.a. Darmtrakt, Herz oder Niere, die überwiegend andersgeartete Funktionen besitzen, werden nicht in diesem Band, sondern bei den entsprechenden Fächern wie im Fach Verdauungssystem, Fach Herz-Kreislauf-System oder im Fach Immunologie besprochen, das Erythropoetin der Niere im Fach Hämatologie.

Zusammenfassung

  • Bei den hormonproduzierenden Organen handelt es sich um endokrine Drüsen, die ihre chemischen Botenstoffe, die Hormone, ohne Drüsenausführungsgänge direkt ins Blut abgeben.

  • Die Hormone gelangen auf dem Blutweg in den gesamten Organismus und damit auch zu „ihren“ Organen, werden dort durch spezifische Rezeptoren in den Zellmembranen erkannt und steuern nun bestimmte Vorgänge in diesen Zellen und Geweben. Gewebe ohne Rezeptoren für das jeweilige Hormon werden von demselben nicht beeinflusst.

  • Hormone bestehen entweder aus dem Abkömmling einer einzelnen Aminosäure (Tyrosin), aus einer Kette von Aminosäuren (Peptide) oder aus Abkömmlingen des Cholesterins (Steroidhormone).

  • Steuerung und erkennbarer Wirkungseintritt erfolgen weit langsamer als bei den beiden Nervensystemen. Beeinflusst bzw. in Gang gesetzt werden vorwiegend langfristige Prozesse. Ungeachtet dessen besteht eine sehr enge Verzahnung zwischen sämtlichen Steuerungssystemen des Körpers einschließlich des Immunsystems.

  • Endokrine Organe, endokrine Drüsen, endogene Drüsen, Hormondrüsen sowie hormonproduzierende Drüsen sind synonyme Begriffe, die wahllos benutzt werden können. Mit endokrinem System meint man die Gesamtheit der endogenen Drüsen und der hormonproduzierenden Einzelzellen – z.B. in Magen-Darm-Trakt, Thymus, Niere oder Vorhöfen des Herzens.

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