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B978-3-437-58052-9.00012-8

10.1016/B978-3-437-58052-9.00012-8

978-3-437-58052-9

Abb. 12.1

[L157]

Vitamine und Enzyme

Abb. 12.2

[L253]

Strukturformel des Vitamin B1

Abb. 12.3

[L253]

β-Carotin und seine Spaltung und Umwandlung in Vitamin A (Retinol)

Abb. 12.4

[L253]

Vitamin A beim Sehvorgang

Abb. 12.5

[L253]

Strukturformel des Vitamin C

Abb. 12.6

[L253]

Strukturformel des Vitamin E

Einteilung der Vitamine

Tab. 12.1
Fettlösliche Vitamine Wasserlösliche Vitamine
  • Vitamin E

  • Vitamin D

  • Vitamin K

  • Vitamin A (+ Carotin)

  • Vitamin C

  • sämtliche Vitamine der B-Reihe

Daten wichtiger Vitamine Vitamine;VitaminZfettlöslicheVitamin DVitamin AVitamin E;VitaminEVitamin B1Vitamin B6Vitamin CVitamine;VitaminZwasserlösliche

Tab. 12.2
Vitamin Tagesdosis Wichtige Funktionen Typische Mangelerkrankung
Fettlösliche Vitamine
Vitamin E 10–20 mg
  • antioxidativer Faktor

Vitamin D 20 µg
  • Regulierung des Calcium-, Magnesium- und Phosphathaushalts

  • stimuliert das Immunsystem

  • besitzt eine Vielzahl weiterer Wirkungen

  • Rachitis

  • Osteomalazie

  • bei niedrigen Serumspiegeln deutliche Zunahme von u.a. MS und etlichen Krebserkrankungen

Vitamin A 1 mg
  • Mitwirkung beim Sehvorgang

  • Wachstumsförderung

  • zahlreiche weitere Wirkungen, u.a. auf das Immunsystem

  • Blendempfindlichkeit, Nachtblindheit

  • Xerophthalmie

  • Wachstumsstörungen

  • kindliche Fehlbildungen

Wasserlösliche Vitamine
Vitamin B1 1,2 mg (♂) bzw. 1,0 mg (♀)
  • oxidativer Abbau

  • Abbau/Umwandlung von Kohlenhydraten

  • Beriberi

  • Wernicke-Enzephalopathie

Vitamin B6 2 mg
  • Abbau/Umwandlung von Aminosäuren

  • Anämie

Vitamin C 100 mg
  • antioxidativer Faktor

  • Cofaktor bei der Kollagenbildung

  • Schutz vor Arteriosklerose und Krebs

  • Skorbut

Vitamine

  • 12.1

    Einleitung199

  • 12.2

    Vitamin B1201

  • 12.3

    Vitamin A202

  • 12.4

    Vitamin C205

  • 12.5

    Vitamin E206

Einleitung

Der Begriff des VitaminsVitamine;VitaminZ leitet sich von Vita = Leben und Amin = NH2 ab. Es handelt sich also um lebensnotwendige (essenzielle) Stoffe, die in ihrem chemischen Gerüst ein Stickstoffatom tragen, wie man früher angenommen hatte.
Bedeutung
Die Hauptfunktion der meisten Vitamine besteht darin, dass sie als sog. CoenzymeCoenzymeVitamineVitamine;VitaminZCoenzyme an die Vorstufen von Enzymen (= Apoenzyme) gebunden werden und dass die Wirkung des Enzyms (= Holoenzyms) erst durch diese Bindung zustande kommt (Abb. 12.1). Teilweise müssen, um die Enzymwirkung zu erreichen, noch Ionen wie Magnesium oder Zink zusätzlich gebunden sein. Einzelne Vitamine besitzen darüber hinaus, teilweise auch ausschließlich, weitere Wirkungen, die sie für den Stoffwechsel unentbehrlich machen.
Grundsätzlich dienen Vitamine, ähnlich den Hormonen und Enzymen zur Steuerung des Stoffwechsels bzw. vor allem als „Bio-Katalysatoren“. Bio-KatalysatorenDie Mehrzahl dieser Katalysatoren wird in ihrer Funktion nicht verbraucht, steht also auch noch für nachfolgende Reaktionen zur Verfügung. Aus diesem Grunde müssen nur die geringen Mengen, die abgebaut und ausgeschieden werden, über die Nahrung ersetzt werden. Die diesbezügliche Größenordnung der täglichen Zufuhr liegt im Bereich weniger Milligramm, bei manchen Vitaminen (B12, Folsäure, D und K) sogar im Bereich von Mikrogramm (= 1-millionster Teil eines Gramms). Andererseits ist die regelmäßige Zufuhr, wie gering die benötigten Mengen auch immer sein mögen, unabdingbar, weil andernfalls Krankheiten entstehen. Ein vollständiges Fehlen eines einzigen Vitamins ist durch die gegenseitige Abhängigkeit des Stoffwechsels mit dem Leben nicht vereinbar.
Regelmäßige Zufuhr
Die meisten VitamineVitamine;VitaminZZufuhr müssen regelmäßig zugeführt werden, weil sie im Körper nicht bzw. nicht ausreichend gespeichert werden. Andere wie die Vitamine A und B12 werden auf Jahre hinaus (in der Leber) gespeichert, sodass Engpässe in der Nahrungszufuhr lange kompensiert werden können. Die Menge der benötigten Vitamine ist abhängig von Alter, Geschlecht, Körpergewicht und besonderen Umständen wie Rauchen, Alkoholabusus, Stress, Schwangerschaft usw. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) veröffentlichten Zahlen sind deshalb Durchschnittswerte, die im Einzelfall angepasst werden müssen. Diese Zahlen verändern sich allerdings auch von Zeit zu Zeit je nach den aktuellen medizinischen Erkenntnissen.

Hinweis des Autors

Ganz pauschal ist zu den angegeben Werten zu sagen, dass sie eher an der Untergrenze einer wünschenswerten Zufuhr liegen – gerade ausreichend, um keinen erkennbaren Mangel entstehen zu lassen. So wurde beispielsweise die Empfehlung für Vitamin C vor einigen Jahren von 75 mg auf 100 mg/Tag angehoben. Wer aber die aktuellen Studien zu diesem Vitamin oder auch die Eigensynthese im Tierreich kennt und an die von der Evolution geschaffene Transportkapazität für Vitamin C allein im terminalen Ileum denkt (5 g/Tag!), der wird seine Empfehlung in Gramm und nicht in Milligramm ausdrücken.

Einteilung und Namensgebung
Die Namensgebung der VitamineVitamine;VitaminZEinteilung/Namensgebung ist historisch bedingt. Während sie allesamt Eigennamen tragen, wird der größere Teil von ihnen zusätzlich mit Buchstaben belegt. Teilweise ist die Benennung mit Buchstaben („Vitamin X“) geläufiger, manchmal wird der Eigenname bevorzugt. Die B-Vitamine wurden in der Reihenfolge ihrer Entdeckung durchnummeriert. So wurde das zuerst isolierte ThiaminThiamin zum Vitamin B1.
Manchmal werden einzelne Vitamine, Nahrungsfaktoren ohne Vitaminzugehörigkeit oder sogar im Stoffwechsel selbst entstehende Faktoren mit Namen bedacht, die wie beim Vitamin B15 historisch korrekt sein mochten, aber längst nicht mehr im Gebrauch sind, oder zwar noch verwendet werden, aber eher Phantasiebezeichnungen darstellen. Das B-Vitamin Biotin wird hier manchmal als „Vitamin H“ bezeichnet, das Coenzym Q (Ubichinon) ohne Vitaminzugehörigkeit als „Vitamin Q“, essenzielle Fettsäuren als „Vitamin F“, Bioflavonoide als „Vitamin P“. Die folgende Auflistung sollte auch aus diesem Grunde zur Kenntnis genommen werden.

Merke

Auflistung der Vitamine

  • Vitamin A (Retinol)

  • Provitamin A (Carotin)

  • B-Vitamine:

    • Thiamin (Vitamin B1)

    • Riboflavin (Vitamin B2)

    • Pyridoxin (Vitamin B6)

    • Cobalamin (Vitamin B12)

    • Folsäure

    • Nicotinamid bzw. Niacin

    • Pantothensäure

    • Biotin

  • Vitamin C (Ascorbinsäure)

  • Vitamin D (Cholecalciferol = Colecalciferol)

  • Vitamin E (Tocopherol)

  • Vitamin K (Phyllochinon, Menadion)

Vitamine;VitaminZwasserlöslicheVitamine;VitaminZfettlöslicheMan kann die Vitamine ganz grob in die beiden Gruppen der fettlöslichen und der wasserlöslichen Vitamine einteilen (Tab. 12.1, Tab. 12.2). Fettlösliche Vitamine stellen mangels einer ausreichenden Zahl an polaren Gruppen Fette dar. Zu ihrer Absorption im Dünndarm bedarf es wie bei den Nahrungsfetten (Triglyceride und Cholesterin) der Gallensäuren. Sie sollten daher zum Essen substituiert werden, weil die Gallenflüssigkeit im Wesentlichen nur während einer Nahrungsaufnahme ausreichend in den Darm ausgeschieden wird. Wasserlösliche Vitamine werden dagegen durch eigene Carrier-Systeme und ohne Bedarf an Galle resorbiert, sodass die Substitution beliebig erfolgen kann.

Merke

Für die Gruppe der fettlöslichen Vitamine (E, D, K und A) eignet sich als Merkhilfe der Begriff „EDEKA“. Alle anderen sind wasserlöslich.

Vitamin D wird beim Calcium-Stoffwechsel (Kap. 7.2.3) besprochen, die Vitamine Folsäure, B12 und K im Fach Hämatologie, B6 im Fach Chemie/Biochemie.

Hinweis Prüfung

Auf eine Besprechung der Vitamine Pantothensäure, Riboflavin, Niacin, Biotin usw. wird trotz deren Bedeutung für den Stoffwechsel verzichtet, weil sie nicht prüfungsrelevant sind und weil dies zu einer weiteren Überfrachtung des Lernenden führen würde. Außerdem gibt es hier kaum jemals Mangelsituationen und eine zusätzliche Substitution bietet in der Regel keine erkennbaren Vorteile. Die fehlende Prüfungsrelevanz gilt allerdings auch für die nachfolgend besprochenen Vitamine C und E, doch besteht hier gerade in naturheilkundlich ausgerichteten Therapieformen ein großer Bedarf an Wissen um ihre Einsatzmöglichkeiten.

Zusammenfassung

Vitamine

  • Definition: essenzielle Substanzen, die im Organismus vielfältige Funktionen übernehmen

  • Einteilung in fett- („EDEKA“) und wasserlösliche Vitamine (B und C)

  • dienen der Steuerung des Stoffwechsels, u.a. als Bio-Katalysatoren

  • Hypovitaminosen sind bei unzureichender Zufuhr bei allen Vitaminen möglich, Hypervitaminosen nur in Einzelfällen (vor allem bei Vitamin A).

Vitamin B1

Grundlagen
Tagesbedarf
Die tägliche ZufuhrVitamin B1 Thiaminsollte beim Mann etwa 1,2 mg, und bei der Frau 1,0 mg betragen (Tab. 12.2).
Nahrungsquellen
Vitamin B1 (Abb. 12.2) ist reichlich in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Fleisch, Hefe, Kartoffeln und Nüssen enthalten. In geschältem Reis fehlt das Vitamin, sodass es bei Menschen, die sich hauptsächlich hiervon ernähren, zu Mangelerscheinungen kommen kann. Dabei entstehen Mangelsituationen relativ schnell innerhalb weniger Wochen, weil das Vitamin im Organismus kaum gespeichert wird.
Vitaminwirkungen
Thiamin ist wesentlich für Decarboxylierungen, letztendlich also für den oxidativen Abbau, aus dem der tierische Organismus seine Energie bezieht. Eine weitere wesentliche Rolle spielt Thiamin im Kohlenhydratstoffwechsel, also beim Abbau und bei Umwandlungen der einzelnen Zuckermoleküle. Eine erhöhte Aufnahme von Kohlenhydraten erfordert deswegen auch eine gesteigerte Thiaminzufuhr. Schließlich scheint dem Vitamin auch eine noch nicht identifizierte Bedeutung bei der peripheren Nervenleitung zuzukommen.
Vitaminmangel
Regelrechte Mangelzustände an B-Vitaminen wie ThiaminThiaminMangelVitamin B1Mangel u.a. sind in den westlichen Ländern selten – abgesehen von alkoholkranken Menschen. Durch die erhöhten Umsatzraten ist der Bedarf auch bei malignen Erkrankungen erhöht.
Krankheitsentstehung
Bei AlkoholikernAlkoholabusus/AlkoholismusVitamin-B1-Mangel bestehen häufig Mangelzustände vor allem hinsichtlich der Vitamine C, B1, B6, B12 und Folsäure. Hierfür gibt es mehrere Gründe: Zum einen nehmen die Betroffenen einen Großteil der erforderlichen Energie in Form von Alkohol anstatt vitaminhaltiger Nahrungsmittel zu sich. Zusätzlich werden für die oxidative Metabolisierung des Ethanols in der Leber etliche Vitamine und Spurenelemente benötigt, sodass der Bedarf erhöht ist. Schließlich ist aber gerade auch beim Thiamin bekannt, dass Alkohol sowohl die Resorption im Dünndarm hemmt als auch die Umwandlung des Thiamins in seine aktive Form Thiamindiphosphat.
Symptomatik
Die wesentlichen Folgen des Thiaminmangels bestehen in den beiden Erkrankungen Beriberi und der Wernicke-Enzephalopathie. Bei einer milden Unterversorgung kommt es zu Symptomen wie Müdigkeit und Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Appetitlosigkeit.
Beriberi
Die Erkrankung ist durchBeriberi Herzinsuffizienz mit Tachykardie, Ödeme, Schmerzen, Parästhesien und Nervenlähmungen mit Areflexie gekennzeichnet. An der Muskulatur kommt es zu Atrophien. Daneben bestehen Übelkeit und allgemeine Müdigkeit. Eine lebensbedrohliche Herzinsuffizienz entsteht vor allem auch bei einem Mangel im Säuglingsalter.
Wernicke-Enzephalopathie
Bei der Wernicke-EnzephalopathieWernicke-Enzephalopathie kommt es zu punktförmigen zerebralen Einblutungen und Wucherungen der Gefäßendothelien ohne begleitende Entzündung. Die Folgen bestehen in Augenmuskellähmungen, Übelkeit, Kleinhirnschädigungen mit zerebellarer Ataxie, Areflexie und Gedächtnisverlust oder Bewusstseinsstörungen. Manchmal kommt es zur Hyperthermie.

Merke

Während Beriberi grundsätzlich bei lang anhaltendem Thiaminmangel auftritt, entsteht die Wernicke-Enzephalopathie fast ausschließlich beim Alkoholabusus, bedarf demnach sozusagen der zusätzlichen toxischen Wirkung des Alkohols auf die Nervensubstanz.

Therapie
Die Therapie ist mit den üblichen Vitaminpräparaten möglich und sollte bei alkoholkranken Menschen grundsätzlich durchgeführt werden. Eine Hypervitaminose bei hoher pharmazeutischer Substitution ist nicht bekannt. Bei einer Malabsorption – u.a. bei der Zöliakie – kann das Vitamin parenteral appliziert werden, idealerweise nur s.c. oder i.m., weil die intravenöse Gabe ein geringes Risiko für einen anaphylaktischen Schock beinhaltet. Dies dürfte auf die Begleitstoffe in den Zubereitungen zurückzuführen sein.

Merke

Abgesehen von einer nachgewiesenen Malabsorption im proximalen Dünndarm bietet die parenterale Gabe von Vitaminen grundsätzlich keinerlei Vorteile gegenüber der oralen Zufuhr, weil sämtliche Vitamine hervorragend resorbiert werden. Als einzige Ausnahme darf die s.c.- oder i.m.-Substitution von Vitamin B12 beiVitamin B12 Personen mit spezifischen Erkrankungen von Magen (Gastritis Typ A) oder terminalem Ileum (z.B. Morbus Crohn) gelten. Therapeuten, die ihren Patienten Vitamin-Infusionen anbieten, haben entweder die Medizin nicht ansatzweise verstanden und/oder sie legen Wert auf zusätzliche Einnahmen.

Vitamin A

Grundlagen
Das eigentliche Vitamin AVitamin A ist (chemisch) das Retinol, RetinolRetinalein Alkohol, doch sind auch seine Oxidationsprodukte Retinal (Aldehyd) oder RetinsäureRetinsäure biologisch aktiv, sodass die Gruppe meist zusammengefasst wird. Vitamin A ist ein „halbes Carotinoid“, welches im tierischen Körper (vor allem in Dünndarmmukosa und Leber) durch Spaltung seiner Vorläufermoleküle (Carotinoide)Carotinoide entsteht (Abb. 12.3), soweit es nicht bereits aus tierischen Quellen oder pharmazeutisch als fertiges Vitamin in den Körper gelangt. Vitamin A gelangt über die Lymphe, in Chylomikronen integriert, ins Blut, und mit den Chylomikronen-Remnants zur Leber. Dies gilt prinzipiell auch für die Carotinoide. In der Leber werden etwa 90 % des eigentlichen Vitamins gespeichert und, ganz nach Bedarf, auch wieder aus diesem Speicher freigesetzt und hauptsächlich als Retinol ans Blut abgegeben. Der Transport zu den verschiedenen Geweben erfolgt in Bindung an spezifische, von der Leber synthetisierte Proteine. Überwiegend in dieser Bindung wird es von den Zielzellen aufgenommen. Außerdem verhindert der Vitamin-Protein-Komplex die Filtration in den Primärharn und damit den Verlust des Vitamins über die Niere.
Tagesbedarf
Der empfohlene Tagesbedarf (Vitamin A) liegt bei 1 mg (Tab. 12.2). Der Gesamtgehalt des Körpers (bevorzugt der Leber) beträgt bei einer ausgewogenen Ernährungssituation 300–700 mg. Dies bedeutet, dass im Rahmen von Fehlernährungen Mangelerscheinungen frühestens nach 1 Jahr zu erwarten sind. Zur Überprüfung einer ausreichenden Versorgung wird üblicherweise der Serumspiegel von Retinol Retinolherangezogen. Als ausreichend werden 30–100 µg/dl angesehen.
Nahrungsquellen
Vitamin A gibt es in seinen verschiedenen Molekülabwandlungen nur bei Tieren einschließlich des Menschen, während seine Vorstufen (Provitamine) β-Carotin und nahe verwandte Stoffe (Carotinoide) ausschließlich in Pflanzen enthalten sind.
Tierische Quellen sind vor allem Leber und Fisch, in geringerem Umfang auch Milch, Butter oder Eigelb. Den höchsten Gehalt weisen die Lebern von Fischen, Robben oder Eisbären auf.
CarotinoideCarotinoide, von denen inzwischen nicht weniger als 650 (!) bekannt sind, finden sich in (dunkelgrünen) Gemüsen, Früchten, Wurzeln und Blättern, wobei sie infolge minimaler Molekülabweichungen unterschiedlichste Farben verursachen: Tomaten werden rot gefärbt, Zucchini grün, Karotten gelb und der Kürbis orange. Nur etwa 50 der 650 bekannten Carotinoide sind im eigentlichen Sinn ProvitamineProvitamine und können in Vitamin A umgewandelt werden. Dabei besitzt β-CarotinCarotin;β-Carotin;Carotin die höchste Umwandlungsrate. Andere wie LuteinLutein, ZeaxanthinZeaxanthin oder LycopinLycopin stellen dagegen keine Provitamine dar, sondern besitzen eigene, von der definierten Vitamin-A-Funktion abweichende Eigenschaften, z.B. an den Augen.
Wichtig ist, dass die Carotinoide aus rohem Gemüse deutlich schlechter resorbiert werden als aus gegartem. Ölige Zusätze verbessern die Aufnahme, weil sich die Provitamine darin lösen und so besser in die Mizellen integriert werden. Zinkmangel behindert die Mobilisierung von Vitamin AZinkmangelVitamin A aus seinem Leberdepot. Alkoholabusus hat ungünstige Auswirkungen auf den Sehvorgang, weil Ethanol für seine Oxidation zu Acetaldehyd dasselbe Enzym (Alkoholdehydrogenase) benötigt wie Retinol bei seiner Oxidation zu Retinal und so u.a. am Auge in Konkurrenz zur Vitaminbildung tritt. Da dieses Enzym zinkabhängig ist, wirkt sich ein Zinkmangel auch hierbei ungünstig aus.
Vitaminwirkungen
Die wohl wichtigsten Carotinoide tragen Eigennamen und sind hinsichtlich ihrer Wirkungen inzwischen gut definiert:
  • Das β-CarotinCarotin;β-Carotin;Carotin (in Karotten, Mangos, Papayas, Aprikosen, Spinat und gelbem Paprika) ist nicht nur die wichtigste Vorstufe des eigentlichen Vitamin A, sondern besitzt zusätzliche antioxidative Eigenschaften („Radikalenfänger“). In die Haut eingelagert besitzt es eine Schutzwirkung, indem es über sein mesomeres System aus Doppelbindungen die UV-Strahlung der Sonne absorbiert und damit unschädlich macht.

  • LycopinLycopin (Tomate, rosa Grapefruits, Aprikose, Papaya, Melone) mindert – abgesehen von seinen antioxidativen Eigenschaften – auch das Risiko von Krebserkrankungen. Dies wurde u.a. in einer großen Studie für den Prostatakrebs nachgewiesen.

  • LuteinLutein und ZeaxanthinZeaxanthin (grünes Gemüse wie Spinat, Sellerie, Brokkoli und Grünkohl) stellen Schutzsubstanzen für die Augen dar. Durch Pigmentation der Macula filtern sie schädigende Sonnenstrahlen und schützen vor einer Makuladegeneration. MakuladegenerationSie vermögen Kontrastempfindlichkeit und Sehschärfe zu erhöhen. Für den eigentlichen Sehvorgang sind sie dagegen ohne Bedeutung, da sie nicht in Vitamin A umgewandelt werden.

Man kann davon ausgehen, dass die Carotinoide in ihrer Gesamtheit unverzichtbare Nahrungsbestandteile darstellen, sodass ausreichend Gemüse und Früchte in den Speiseplan integriert werden sollten. Dabei ist zu beachten, dass das Lutein des grünen Gemüses relativ hitzeempfindlich ist, weshalb z.B. Kohl oder Spinat möglichst kurz gegart werden sollten. Lycopin und β-Carotin sind dagegen vergleichsweise resistent gegenüber Hitze.
Wesentlich ist, dass sich der Organismus aus der Quelle der Carotinoide ganz nach seinen aktuellen Bedürfnissen bedienen kann. Was er nicht benötigt, das wird auch nicht gespalten, während aufgenommenes Vitamin A nicht in seine Vorstufe zurückverwandelt wird und hierdurch auch toxisch werden kann, wenn seine Zufuhr eine gewisse Menge überschreitet. Dies ist bei den Carotinoiden nicht möglich: Was aktuell nicht gebraucht wird, das wird u.a. in der Haut gespeichert, verleiht ihr eine gelb-bräunliche Färbung und schützt sie vor Oxidation und pathologischen Veränderungen von Strukturen in der Folge der UV-Strahlen der Sonne. Die Carotinoide können also sowohl einem Sonnenbrand als auch der polymorphen LichtdermatoseLichtdermatose („Sonnenallergie“)Sonnenallergie als auch der Entstehung von Hautkrebs (Malignes Melanom, Basaliom, Spinaliom) vorbeugen. Dies gilt in erster Linie für β-Carotin, das in hohen Dosen sogar erfolgreich bei der Xeroderma pigmentosumXeroderma pigmentosum, β-Carotin eingesetzt wird.
Die antioxidative Wirkung AntioxidanzienVitamin AVitamin Aantioxidative Wirkungeinschließlich des Schutzes der Haut ist vor allem eine Eigenschaft der Carotinoide, während das Vitamin A eine ganze Reihe anders gearteter Wirkungen im Organismus entfaltet. Ganz zuvorderst steht hierbei seine Mitwirkung beim Sehvorgang, daneben aber auch seine wachstumsfördernden und epithelregulierenden Eigenschaften. Dabei werden seine verschiedenen Wirkungen überwiegend von unterschiedlich oxidierten Vitamin-Molekülen wahrgenommen. Beim Sehvorgang besitzt Vitamin A als RetinalRetinalSehvorgangSehvorgang, Retinal vor allem Bedeutung für das Dämmerungssehen, also für die Anpassung an geringe Lichtstärken und veränderte Wellenlängen, indem es als Bestandteil der Stäbchen der Netzhaut die nun vorherrschenden Lichtstrahlen aufnimmt (Abb. 12.4). Hierbei wird es in seiner chemischen Struktur verändert (Rhodopsin ↔ Opsin).RhodopsinOpsin Die Regeneration erfolgt enzymatisch bei vollständiger Dunkelheit, bevorzugt also im Schlaf (Fach Sinnesorgane). Dagegen besitzt Vitamin A in der Form der Retinsäure Retinsäureessenzielle Wirkungen bei der Zellteilung, Reifung und Differenzierung der Gewebe und spielt als Retinol eine Rolle bei der Fortpflanzung (u.a. bei der Spermatogenese und Testosteronproduktion). Zusätzlich stimulieren die Vitamine bedeutende Anteile des Immunsystems, ImmunsystemVitamin Au.a. die Phagozytoseaktivität, die Killerzellen und die Funktion der T-Zellen.
Vitaminmangel
Krankheitsentstehung
Ursachen eines Vitamin AMangelausgeprägten Mangels an Vitamin A sind in den westlichen Ländern hauptsächlich zu sehen in Störungen der Fettresorption, wie sie bei Gallenwegsverschlüssen, Morbus Crohn, Sprue/Zöliakie, Pankreasinsuffizienz, Kurzdarmsyndrom oder Leberzirrhose auftreten können. Auch ein ausgeprägter Mangel an Carotinoiden in der Nahrung kann zum Vitamin-A-Mangel führen. Dies ist in einem Teil der Entwicklungsländer immer noch regelmäßig zu beobachten und trägt dort zur hohen Sterblichkeit bei. Insgesamt gilt der Mangel an Vitamin A als weltweit häufigster Vitaminmangelzustand.
Symptomatik
  • Ein Vitamin-A-Mangel macht sich zunächst in einer erhöhten Blendempfindlichkeit der Augen und einer Störung des Sehens in der Dämmerung bis hin zurNachtblindheit, Vitamin-A-MangelBlendempfindlichkeit, Vitamin-A-Mangel Nachtblindheit bemerkbar, bevor bei länger bestehendem Mangel weitere Symptome erscheinen. In unterernährten Regionen der Welt erleiden etwa 10 % der Schwangeren eine Nachtblindheit in der 2. Schwangerschaftshälfte, verbunden mit allgemein erhöhter Sterblichkeit.

  • An Haut und Schleimhäuten findet man Verhornungsstörungen. An der Hornhaut des Auges entstehen Erweichungen (Keratomalazie)Keratomalazie, Vitamin-A-Mangel, die über Narbenbildungen im Endstadium bis zur Erblindung führen können. Weltweit sind mehr als 250.000 Kinder pro Jahr davon betroffen. Die Oberhaut wird trocken und infektionsanfällig, am Darm entsteht eine Neigung zu Durchfallerkrankungen, an den Atemwegen zu rezidivierenden Infekten. Selbst die Sterblichkeit an Infektionskrankheiten wie Masern oder Malaria ist deutlich erhöht, was möglicherweise gerade in der 3. Welt zur hohen Sterblichkeit im Kindesalter beiträgt. Zumindest wurde die Kindersterblichkeit in den Regionen, in denen eine Supplementierung mit dem Vitamin erfolgte, um bis zu einem Drittel gesenkt.

  • Vitamin A ist an der Ausbildung von Rezeptoren beteiligt, an denen Hormone wie LH, Somatotropin oder der sog. epidermale Wachstumsfaktor andocken, bevor sie ihre Wirkungen entfalten können. Ein Mangel an Vitamin A führt demzufolge bei Kindern und Jugendlichen zu Störungen des Wachstums, vor allem zu denjenigen der Knochen.

  • Im Erwachsenenalter kann es bei beiden Geschlechtern zur Infertilität Infertilität, Vitamin-A-MangelMissbildungen, Vitamin-A-Mangelkommen.

  • Mangel in der Schwangerschaft kann zu Missbildungen des Kindes führen.

  • Im Vergleich mit den gut definierten Auswirkungen eines Vitamin-A-Mangels sind für die Carotinoide keine spezifischen Mangelsymptome bekannt. In epidemiologischen Studien wurde lediglich allgemein eine erhöhte Inzidenz an Krebserkrankungen gefunden. Lycopin soll spezifisch in der Prävention des Prostatakarzinoms eine Bedeutung besitzen, Lutein und Zeaxanthin als Schutzfaktoren vor der Makuladegeneration.

Therapie
Abgesehen von den in den westlichen Ländern seltenen Mangelzuständen erfolgt eine Therapie mit Vitamin A oder seinen Abkömmlingen Retinsäure bzw. Tretinoin hauptsächlich bei Erkrankungen der Haut. Hierzu zählen die Acne vulgaris, die Rosazea und teilweise auch die Psoriasis. Wie bereits erwähnt werden sie teilweise auch bei malignen Erkrankungen eingesetzt.
Nebenwirkungen
Vitamin A (nicht die Carotinoide)Vitamin ANebenwirkungen/Toxizität gehört zu den wenigen Vitaminen, bei denen es zu Hypervitaminosen und damit zu akuten oder chronischen pathologischen Symptomen kommen kann. Als akut toxisch gelten beim Erwachsenen die Aufnahme von 150 mg und beim Kind 100 mg. Die chronische Toxizität wird beim Erwachsenen ab einer Zufuhr von 15 mg/Tag angenommen, beim Kind mit etwa 6 mg.
  • Akute Symptome bestehen in starken Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, also Zeichen eines gesteigerten Hirndrucks – bei Säuglingen bis zur Vorwölbung der Fontanellen

  • Chronische Vergiftungserscheinungen zeigen als wesentliche Symptome Schlaflosigkeit, trockene Haut mit Pruritus, Haarausfall, Osteomalazie und Knochenschmerzen sowie Störungen von Leber (bis hin zur Zirrhose) und Augen.

  • In der Schwangerschaft kann die Hypervitaminose genauso wie ein Vitamin-A-Mangel zu Fehlbildungen des Kindes führen!

  • Vergiftungserscheinungen treten, eventuell in abgeschwächter Form, auch bei den Vitaminabkömmlingen auf, die zur Therapie bei Hautkrankheiten eingesetzt werden (Retinsäure als Tretinoin bzw. Isotretinoin). Bei betroffenen Frauen ist deshalb für die Zeit der Behandlung und bis zu 1 Jahr danach ein absoluter Kontrazeptionsschutz anzuraten. Dabei sind die Wirkungen der Retinsäure auf die Haut und die Missbildungsrate beim Embryo als Einheit anzusehen: In hoher Dosierung verkehrt sich die essenzielle Wirkung der Retinsäure auf Zellteilung und -reifung ins Gegenteil. Die Hemmung der Zellteilungsrate an der Haut unter Minderung der Talgdrüsenproduktion entspricht dem erwünschten therapeutischen Effekt bei der Acne vulgaris. Die Substanzen werden aufgrund ihrer Beeinflussung der Teilung und Differenzierung von Zellen sogar bei malignen Erkrankungen erfolgreich eingesetzt, u.a. bei Formen der Leukämie.

Nebenwirkungen können aus der erhöhten Zufuhr von Carotinoiden nicht entstehen. Hieraus folgt, dass man eine therapeutische Zufuhr immer in der Form des Carotins und nicht in derjenigen des Vitamin A durchführen sollte. Allerdings existiert eine Studie, nach der bei täglichen Dosen von mehr als 20 mg Carotin bei Rauchern das Risiko für das Bronchialkarzinom gesteigert sein soll. Dies widerspricht zwar einer ganzen Reihe älterer Studien, wird jedoch längst als unumstößliche Tatsache angesehen. Interessanterweise gilt der Zusammenhang aus Sicht der „Experten“ nur für die pharmakologische Substitution, nicht für eine erhöhte Zufuhr aus Lebensmitteln. Wenn man weiß, wie eine Vielzahl von Studien zustande kommt, kann man das angebliche Ergebnis glauben, man muss aber nicht. Jedenfalls wurde es nie überprüft und verifiziert.

Vitamin C

Grundlagen
Die meisten Tiere können Vitamin C (Ascorbinsäure, Abb. 12.5) ausAscorbinsäureVitamin C Glukose selbst synthetisieren, wodurch es hier nicht den Status eines Vitamins besitzt. Im Wesentlichen sind neben dem Menschen nur Affen und Meerschweinchen nicht mehr dazu in der Lage, weshalb bei ihnen eine Zufuhr über die Nahrung unumgänglich ist. Der Mensch hat also im Verlauf der Evolution eines der Enzyme für die Vitaminsynthese verloren. Entsprechendes gilt auch in Bezug auf die Purine, die von den meisten Tieren in kleinste Einheiten zerlegt werden können. Indem der Mensch das ursprüngliche Zwischenprodukt Harnsäure durch Enzymverlust nicht mehr weiter zerlegen kann, wird die Harnsäure nun zum Endprodukt, das ausgeschieden werden muss und mangels Löslichkeit evtl. Probleme bereitet.
Der Gesamtbestand des menschlichen Organismus wird auf 3–4 g geschätzt, wobei es hier keine bevorzugten Speicherorgane zu geben scheint. Erste Mangelerscheinungen treten frühestens nach 1 Monat Vitamin-C-freier Ernährung auf.
Tagesbedarf
Ascorbinsäure besitzt eine besonders herausragende Bedeutung für den Stoffwechsel. Dies zeigt sich alleine schon in dem Umstand, dass die aktive und spezifische Resorption im terminalen Ileum (entsprechend B12) für eine Kapazität von 5 g/Tag ausgelegt ist, womit die Reserven für sämtliche weiteren Vitamine weit überschritten werden. Auch im proximalen Dünndarm ist eine aktive Resorption möglich, die allerdings nicht die Kapazität des Ileums erreicht. Im Vergleich zu diesen Resorptionskapazitäten ist die empfohlene Tagesdosis mit 100 mg (Schwangere, Neugeborene und Raucher bis zu 200 mg) relativ niedrig (Tab. 12.2). Nun hat die DGE durch eingehende Recherchen bis zum Jahr 2015 erkannt, dass Männer im Durchschnitt ein höheres Körpergewicht aufweisen als Frauen, sodass die empfohlene Tagesdosis nunmehr 95 mg für Frauen und 110 mg für Männer beträgt.

Hinweis des Autors

Im krassen Gegensatz zu den Vorkehrungen der Evolution liegt die schulmedizinisch (DGE) empfohlene Tagesdosis bei gerade mal 95–110 mg. Die Eigensynthese im Tierreich geht sehr weit darüber hinaus, wie man an deren Serumspiegeln erkennen kann. Sofern man nun die ungezählten, durch Studien untermauerten Zusammenhänge zwischen Vitamin-C-Serumspiegel und den häufigsten Todesursachen der westlichen Welt einschließlich der Auswirkungen aufs ImmunsystemImmunsystemVitamin C in Beziehung zu den evolutionären Vorgaben setzt, bleibt eigentlich nur die allgemeine Empfehlung, die Vorgaben der DGE direkt nach der Prüfung durch sinnvollere Empfehlungen zu ersetzen – beispielsweise durch 500–1.000 mg/Tag in der Form retardierter Tabletten, sofern die Nahrung nicht große Mengen an naturbelassener pflanzlicher Kost (Obst und Gemüse) beinhaltet. Frauen dürfen gerne auch 13–47 mg weniger zuführen, wenn ihnen danach ist.

Nahrungsquellen
Enthalten ist Vitamin C ganz allgemein in pflanzlicher Nahrung, wobei manche Früchte und Gemüse einen besonders hohen Gehalt aufweisen (Sanddorn, Acerola-Kirsche, Paprika, Zitronen usw.). Der Gehalt in tierischer Nahrung ist weit geringer, wobei hinzukommt, dass das Vitamin, entsprechend der Folsäure, besonders hitzeempfindlich ist und beim Kochen oder Braten zumindest teilweise zerstört wird.

Hinweis des Autors

Es ist im Übrigen ein (weit verbreiteter) Irrtum, zu glauben, Vitamin C oder irgendein anderes Vitamin sei in seiner natürlichen Form „gesünder“ oder „wertvoller“ als in der Form einer medikamentösen Substitution. Die Vitamine selbst sind vollkommen identisch und können vom Körper keinesfalls als „natürlich“ oder „künstlich“ auseinander gehalten werden. Was an einer natürlichen Kost tatsächlich sehr viel wertvoller ist, das sind die zusätzlichen Begleitstoffe, die in Tabletten, je nach ihrer Zusammensetzung, fehlen.

Vitaminwirkungen
Vitamin C gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen. Während Vitamin E seine antioxidative Wirkung in Bindung an Membranlipide oder an Lipide des Plasmas (z.B. LDL-Cholesterin) entfaltet (Kap. 12.5), ist die Ascorbinsäure der wesentlicheAntioxidanzienVitamin C antioxidative Faktor Vitamin Cantioxidative Wirkungder wässrigen Phasen des Organismus. Sie vermag einzelne Elektronen, z.B. aus Radikalen, aufzunehmen und unschädlich zu machen. Diese Schutzwirkung entfaltet das Vitamin auch in Nahrungsmitteln, sodass die häufig zu beobachtende Vitaminisierung von Lebensmitteln durchaus einen Sinn hat. Die Bedeutung beim Unschädlichmachen von Radikalen und weiteren Oxidantien ist eher unspezifisch, umfasst also sämtliche diesbezüglichen Schädigungsfaktoren. Die Vitaminwirkung geht aber weit darüber hinaus:
  • Vitamin C ist wesentlicher Cofaktor bei der Bildung des KollagensKollagenbildung, Vitamin C (Oxidation von Prolin zu Hydroxyprolin), in der Atmungskette, bei der Aktivierung der Folsäure, bei der Biosynthese der Steroidhormone (u.a. Sexualhormone und Cortisol) und des Noradrenalins, beim Abbau von Medikamenten, Alkohol und einzelnen Aminosäuren. Im proximalen Dünndarm fördert es die Resorption von Eisen.

  • Ascorbinsäure schützt vor der Bildung (krebserzeugender) Nitrosamine. Nitrosamine, Vitamin CVitamin CNitrosamineDarüber hinaus scheint ganz pauschal die Entstehung von Karzinomen umso wahrscheinlicher, je niedriger die Ascorbinsäurespiegel liegen, und umso unwahrscheinlicher, je höher sie sich befinden. Nachgewiesen wurde dies u.a. für die Karzinome des Kolons und der Cervix uteri.

  • Eine besondere Bedeutung besitzt das Vitamin für verschiedene Zellen und Vorgänge des Immunsystems ImmunsystemVitamin Csowie hinsichtlich eines Schutzes der Arterienwände und weiterer Gewebe. Daraus resultiert u.a. ein deutlich geringeres Risiko für arteriosklerotische Veränderungen und deren Folgen wie z.B. Herzinfarkt und Schlaganfall. Dies wurde durch zahlreiche international durchgeführte Studien der zurückliegenden Jahrzehnte nachgewiesen – zuletzt in einer groß angelegten dänischen Studie an 100.000 Personen (veröffentlicht 2015), bei denen die Teilnehmer mit den höchsten Vitamin-C-Serumspiegeln die niedrigste Rate an diesen wichtigsten Folgekrankheiten der Arteriosklerose aufwiesen.

Merke

Vitamin C verringert in hohen Dosen ganz erheblich das ArterioskleroseArterioskleroseVitamin C- und wahrscheinlich auch das Krebsrisiko.

Hinweis des Autors

Hinsichtlich des Immunsystems ImmunsystemVitamin Cscheint in den vergangenen Jahren ein allmähliches Umdenken in der Medizin stattgefunden zu haben. Studien, die belegen, dass hohe Ascorbinsäuredosen eine Erkältungskrankheit abzukürzen vermögen bzw. sogar vor Erkältungskrankheiten schützen, wenn die Einnahme rechtzeitig erfolgte, werden inzwischen wenigstens von Teilen der Medizin zur Kenntnis genommen. Gemeinsam mit Vitamin E aktiviert Ascorbinsäure die Aktivität der Phagozyten und erhöht die Spiegel der Immunglobuline G und der Interleukine IL-1 und TNF-α. Ein kleiner Teil dieser Studien wurden mit einem Kombinationspräparat der beiden Vitamine (Evina®) durchgeführt.

Vitaminmangel
Symptomatik
Bei den Gefäßen Vitamin CMangelmuss zwischen einem absoluten und einem relativen Vitaminmangel unterschieden werden:
  • Ein relativer Mangel macht die Gefäßwände (und weitere Gewebe) empfindlicher gegenüber der zerstörerischen Wirkung von Radikalen (beispielsweise aus dem Zigarettenrauch). Ganz besonders gilt dies, wenn gleichzeitig auch noch ein relativer Mangel an Vitamin E zu verzeichnen ist.

  • Der absolute Mangel führt über einen zunehmenden Kollagenmangel mit entsprechender Brüchigkeit der Gefäßwände zu Einblutungen in Haut, Gelenke und weitere Gewebe. Es entsteht der Skorbut. SkorbutSkorbut als Erkrankung der Seefahrer früherer Jahrhunderte wird auch heute noch in städtischen Armenvierteln oder sporadisch bei massiver Fehlernährung gesehen. Neben den Einblutungen kommt es zu Wundheilungsstörungen, Zahnfleischentzündungen mit Zahnverlust, Haarausfall und Depressionen, im Terminalstadium auch zu Fieber und Ödemen. Die Anämie aufgrund der Blutverluste kann normochrom, aber auch hyperchrom infolge der unzureichenden Folsäureaktivierung, für die Vitamin C benötigt wird, in Erscheinung treten. Die Krankheit kann tödlich verlaufen.

Therapie
Hohe Dosen des Vitamins, die auf einmal verabreicht werden, gehen zum Großteil über die Niere verloren. Aus diesem Grunde sind Ascorbinsäure-Infusionen sinnlos! Es empfiehlt sich von daher bei therapeutischen Substitutionen, die Gesamtdosis oral über den Tag zu verteilen oder auf Retard-Präparate auszuweichen.
Vitamin C ist in der Form von Pulver oder Brausetabletten in Apotheken und Drogeriemärkten außerordentlich preiswert zu erhalten. Da dieses Vitamin hier in vollkommen reiner Form enthalten ist, lohnt sich eine Substitution mit den ebenfalls erhältlichen, vergleichsweise teuren Nahrungsergänzungsmitteln (Acerolakirsche u.a.) keineswegs.
Nebenwirkungen
Die Kapazität des aktiven Transports im terminalen Ileum, zum Teil bereits im proximalen Dünndarm, liegt bei 5 g/Tag. Orale Dosen, die über diese 5 g hinausgehen, werden demnach nicht resorbiert und sorgen im schlimmsten Fall für eineosmotische Diarrhö, Vitamin CDiarrhö, osmotische osmotische Diarrhö.
Da das Vitamin eine Säure darstellt und in der Niere mit anderen Säuren um die Ausscheidung konkurriert, kann sich bei prädisponierten, an Enzymdefekten leidenden Personen eine Anhäufung solcher Säuren ergeben, woraus sehr selten auch einmal Oxalatsteine in der Niere Vitamin COxalatsteineOxalatsteine, Vitamin Centstehen können. Zusätzlich werden geringe Mengen des Vitamins direkt in Oxalsäure umgewandelt. Eine bestehende Hyperurikämie kann durch sehr hohe Dosen verstärkt werden.

Hinweis des Autors

Ascorbinsäure ist vollkommen frei von Nebenwirkungen, auch wenn die vorherrschende Medizin nicht müde wird, dem Laien das Gegenteil weiszumachen. In der Literatur erscheint als Einzelfall ein Greis, der nach 80 g (!) Ascorbinsäure intravenös (!) an Nierenversagen verstorben ist.

Vitamin E

Grundlagen
Entsprechend dem Vitamin A existieren auch vonVitamin E;VitaminETocopherol Vitamin E (Tocopherol, Abb. 12.6) mehrere chemische Abwandlungen. Die wirksamste stellt das α-Tocopherol dar.
Tagesbedarf
Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 10–20 mg (Tab. 12.2). Der Gesamtbestand des Organismus wird auf 2–4 g geschätzt. Die Angabe erfolgt häufig noch in Internationalen Einheiten (IE). Dabei entsprechen 10 mg des Vitamins 15 IE.
Nahrungsquellen und Resorption
Gebildet werden die E-Vitamine ausschließlich von Pflanzen. Besonders hoch konzentriert ist es in pflanzlichen Ölen und in Weizenkeimlingen.
Für die Resorption des fettlöslichen Vitamins sind Gallensäuren notwendig. Es wird in die Chylomikronen eingebunden und über die Lymphe direkt ins Blut abgegeben. Hier bindet es u.a. an die Lipoproteine und wird über den Blutweg auf alle Gewebe des Körpers verteilt und auch überall gespeichert, besonders reichlich allerdings im Fettgewebe und in der Leber. Die Speicherung ist dabei so effektiv, dass Mangelzustände erst nach Monaten eines Nahrungsmangels eintreten können.
Vitaminwirkungen
Tocopherol gehört zu den wenigen Vitaminen, die wahrscheinlich keine Coenzymfunktion besitzen und von daher für den eigentlichen Stoffwechsel keine wesentliche Bedeutung haben. Seine Hauptfunktion besteht in der AntioxidanzienVitamin EVitamin E;VitaminEantioxidative Wirkungantioxidativen Wirkung, mit der es z.B. Radikale abfängt und dadurch zelluläre Bestandteile und Strukturen schützt. Diese Schutzwirkung erstreckt sich auch auf Enzyme der Atmungskette, auf Hormone und andere Vitamine. Bekannt ist vor allem die Interaktion mit Vitamin C – die beiden Vitamine scheinen sich gegenseitig zu schützen und zu regenerieren. Zumindest ist der Vitamin-E-Bedarf bei Anwesenheit hoher Vitamin-C-Spiegel deutlich verringert. Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch ihre gegenseitige Ergänzung: Während sich das wasserlösliche Vitamin C in den wässrigen Phasen aufhält und hier seine Funktionen ausübt, wird Vitamin E in Membranen eingebunden und verhindert deren Oxidation.

Pathologie

Die Einbindung des Vitamins in die lipophilen Anteile des Organismus betrifft auch die Lipoproteine. Man geht heute davon aus, dass vor allem die Oxidation der Lipoproteine (LDL) die Entstehung der Arteriosklerose begünstigt. Im Umkehrschluss könnte man annehmen, dass eine Arteriosklerose desto sicherer verhindert oder hinausgezögert werden kann, je höher der Gehalt der Lipoproteine an Vitamin E ist.

Tatsächlich gibt es Studien, die diesen Schutz belegen. Hierbei werden dann allerdings nicht die schulmedizinisch als ausreichend angesehenen Tagesdosen (s.o.), sondern vielmehr zumindest 400 mg täglich zugeführt. Die schützende Wirkung lässt sich durch Kombination mit Vitamin C (mindestens 1.000 mg/Tag) nochmals deutlich steigern. So sinkt durch diese Kombination die Letalität bei KHK-Patienten um mehr als 50 %.

Die Kombination aus Lipidavit® (enthält Vitamin E, Lecithin und Knoblauch), Vitamin C und Magnesium, ergänzt durch einzelne weitere Faktoren wie Selen und Omega-3-Fettsäuren, ist nicht nur frei von Nebenwirkungen, sondern erscheint im Hinblick auf die Verhütung oder sogar Behandlung einer vorbestehenden Arteriosklerose als ideale Ergänzung der schulmedizinischen Therapie, in leichteren Fällen auch als vollwertiger Ersatz.

Weitere Wirkungen des Vitamins sind:
  • Senkung der Cholesterinspiegel im Serum (in hoher Dosierung): Dies gilt besonders für eine Kombination aus Vitamin E, Knoblauch und Lecithin, während die Einzelkomponenten keine deutliche Wirkung zeigten. Die Abnahme der LDL-Spiegel war, dieser Studie zufolge, besonders ausgeprägt bei Patienten mit zuvor besonders hohen Cholesterinspiegeln (bis zu 15 % Rückgang).

  • Minderung der Nebenwirkungen bei zytostatischer Therapie oder Strahlentherapie

  • verminderte Bildung von Nitrosaminen und weiteren Oxidationsprodukten (in Kombination mit Vitamin C)

  • wesentliche Wirkungen auf das Immunsystem (in Kombination mit Vitamin C, Kap. 12.4)

Vitaminmangel
Symptomatik
Regelrechte Mangelerscheinungen an Vitamin EVitamin E;VitaminEMangel sind nur bei Patienten zu erwarten, deren Fettverdauung gestört ist. In diesen Fällen kommt es durch nervale Rückenmarkschädigungen zu Gangstörungen, Paresen und Areflexie. Die Lebensdauer der Erythrozyten ist vermindert. Beim Mann kann eine Infertilität entstehen.
Therapie
Hier gilt das, was zur Substitution mit Vitamin C gesagt wurde (Kap. 12.4): Die Präparate sind in Apotheken und vor allem Drogeriemärkten außerordentlich preiswert zu erhalten.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen nach akuter Überdosierung von Vitamin E können in Kopfschmerzen oder Übelkeit bestehen.

Hinweis des Autors

Weitere Nebenwirkungen, selbst bei langfristiger hoher Dosierung, scheint es nicht zu geben, auch wenn 2005 eine Metaanalyse publiziert wurde, die etwas anderes weismachen wollte. Extremdosen sollten trotzdem vorsichtshalber vermieden werden.

Vitamin E besitzt in geringem Umfang günstige Wirkungen bei einer gesteigerten Gerinnung. Dadurch sind allerdings bei Marcumar®-Patienten Wechselwirkungen zu beachten, indem Vitamin E bei langfristiger, hoher Dosierung die Marcumar®-WirkungMarcumar®-Wirkung, Vitamin E verstärkt, demnach also Blutungen begünstigen könnte. Andererseits wird die Blutgerinnung marcumarisierter Patienten ohnehin engmaschig kontrolliert (Quickwert bzw. INR, Fach Hämatologie), sodass die Dosierung angepasst werden kann. Zusätzlich kann Vitamin E einen Teil der Gefäßwandschäden, die durch den funktionellen Vitamin-K-Mangel entstehen, verhindern. Der Mangel an Osteocalcin (Fach Bewegungsapparat), der aus dem funktionellen Vitamin-K-Mangel bei der Knochenbildung resultiert, kann jedoch durch Vitamin E nicht ausgeglichen werden.

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