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B978-3-437-58072-7.00007-5

10.1016/B978-3-437-58072-7.00007-5

978-3-437-58072-7

Abb. 7.1

[S007-22]

Tunica vaginalis zwischen Hoden und Skrotum

Abb. 7.2

[L157]

a Funikulozele. b Hydrozele. 1 = Peritoneum parietale (→ Periorchium), 2 = Skrotalhaut, 3 = Samenstrang, 4 = weitgehend geschlossener Processus vaginalis, 5 = Flüssigkeit im Bereich des Samenstrangs (Funikulozele), 6 = Epiorchium, 7 = Hydrozele

Abb. 7.3

[S007-22]

Rechter Plexus pampiniformis neben dem Samenstrang

Abb. 7.4

[E397]

Varikozele links

Abb. 7.5

[E508]

Candida-Balanitis bei einem Diabetiker

Abb. 7.6

[E428]

Balanitis bei Morbus Reiter

Abb. 7.7

[E748]

Peniskarzinom

Abb. 7.8

[E664]

Morbus Bowen

Andrologie - Krankheitsbilder

  • 7.1

    Prostatahyperplasie127

  • 7.2

    Prostatitis129

  • 7.3

    Prostatakarzinom131

  • 7.4

    Hodentorsion133

  • 7.5

    Hydrocele testis134

  • 7.6

    Varikozele136

  • 7.7

    Orchitis137

  • 7.8

    Epididymitis138

  • 7.9

    Hodentumoren139

  • 7.10

    Balanitis139

  • 7.11

    Peniskarzinom141

Prostatahyperplasie

Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine „physiologische Erkrankung“ des alternden Mannes. Während sie bei Prostatahyperplasie, benigne (BPH)Männern unter 30 praktisch nie zu sehen ist, sind von den 50-Jährigen bereits ein Drittel und bei über 80-jährigen Männern so gut wie alle betroffen (> 90 %). Das Organ ist also v.a. in der zweiten Lebenshälfte einem mehr oder weniger kontinuierlichen Wachstum unterworfen, weshalb auch die daraus hervorgehende Symptomatik mit steigendem Lebensalter immer weiter zunimmt. Allerdings müssen die Größe der Prostata und die entstehenden Symptome nicht unbedingt zueinander passen. Man orientiert sich deshalb teilweise weniger an der (histologischen) Diagnose „Zellvermehrung mit Volumenzunahme der Prostata“, sondern mehr an den Symptomen der Betroffenen und spricht synonym zur BPH vom benignen ProstatasyndromProstatasyndrom, benignes (BPS) (BPS).
Krankheitsentstehung
Das ProstatagewebeAndrogeneProstatahyperplasie, benigne (BPH) vermehrt sich unter dem Prostatahyperplasie, benigne (BPH)TestosteronEinfluss von TestosteronTestosteronTestosteron. Kastraten entwickelten grundsätzlich keine BPH (BPS). Das Hormon wird in der Prostata in seine wesentliche DihydrotestosteronWirkform DihydrotestosteronDihydrotestosteron (DHT) umgewandelt. Besonders betroffen vom hormonellen Wachstumsstimulus ist das Stroma der Drüse in der direkten Nachbarschaft zur Urethra, während die peripheren Anteile der Drüse unbeeinflusst bleiben. Eine weitere Rolle spielen nicht näher definierte familiäre Faktoren, indem männliche Angehörige von frühzeitig Betroffenen häufiger bzw. ebenfalls früher als im Durchschnitt der Bevölkerung eine BPH entwickeln.
In Bezug auf die entstehende Symptomatik (BPS) ist neben der erreichten Größe des Organs (BPH) auch das Zusammenspiel zwischen Harnblase und Prostata einschließlich irritativer Komponenten von Bedeutung. So spielen neben der Größenzunahme der Prostata mit Kompression der Urethra auch die im Alter individuell unterschiedlich nachlassende Funktion von Nerven und M. detrusor eine Rolle.
Symptomatik
Die entstehenden Symptome lassen sich in obstruktive und irritative unterscheiden, wobei die irritativen meist am Anfang stehen:
  • irritative Symptome:

    • unvermittelt einsetzender Harndrang

    • PollakisuriePollakisurieProstatahyperplasie, benigne (BPH)

    • Nykturie

  • obstruktive Symptome:

    • erschwertes Wasserlassen mit verzögertem Beginn, abgeschwächtem Harnstrahl und verlängerter Dauer der Miktion

    • inkomplette Entleerung mit Restharngefühl RestharnProstatahyperplasie, benigne (BPH)und eventuell Nachträufeln

Komplikationen
Manchmal (selten) kommt es ohne deutliche vorangehende Beschwerden zur Überlaufblase (Überlaufinkontinenz). Die beständige Restharnbildung ermöglicht das WachstumÜberlaufblaseProstatahyperplasie, benigne (BPH)ÜberlaufinkontinenzProstatahyperplasie, benigne (BPH) von Bakterien, woraus teilweise rezidivierende Harnwegsinfekte resultieren. Das zunehmende Volumen des RestharnsHarnwegsinfekterezidivierende bezieht im weiteren Verlauf auch die Ureteren mit ein, sodass ein Rückstau inHydronephrose, BPH Nierenbecken und Kelche (Hydronephrose)Hydronephrose, BPH bis hin zur Niereninsuffizienz entstehen kann. Aus NiereninsuffizienzProstatahyperplasie, benigne (BPH)demselben Grund kommt es zur Steinbildung NierensteineProstatahyperplasie, benigne (BPH)mit Schmerzen und einer Hämaturie. Die Hypertrophie der Detrusormuskulatur führt zur sog. Balkenblase. Balkenblase, BPHDie Namensgebung resultiert aus dem optischen Aspekt, weil die Hypertrophie etwas ungleichmäßig Teile der Trabekel stärker betrifft als andere. Zusätzlich entstehen Divertikel der Blasenwand mit weiterer Schwächung ihrer Funktion.
Als schwerwiegendste Komplikation gilt der akute Harnverhalt, der als dringender Notfall anzusehen ist und umgehend mittels Urethrakatheter entlastet werden muss, weil sich daraus ein Nierenversagen entwickeln kann. Die Katheterisierung gelingt mit einer kleinen Charge (z. B. Größe 12) in den meisten Fällen. Andernfalls wird vom Notarzt oder in der Klinik ein suprapubischer Katheter gelegt. Erkennbar wird der akute Harnverhalt an der entstandenen „Riesenblase“, abgesehen von Anamnese und entstehenden Schmerzen also an der symmetrischen Auftreibung des Unterbauchs, die bis zum Nabel reichen kann. Bei älteren, eventuell bereits dementen Patienten kann anstelle geäußerter Beschwerden auch lediglich eine zunehmende Unruhe oder eine Appetitlosigkeit im Vordergrund stehen, sodass erst im Rahmen einer gewissenhaften körperlichen Untersuchung der Zusammenhang deutlich wird. Das kann man andererseits in diesem Lebensabschnitt auch pauschalieren, weil zahllose Grunderkrankungen, von der Appendizitis bis hin zum Herzinfarkt, ohne deutliche Symptome verlaufen können.
Diagnostik
Die Anamnese sollte neben dProstatahyperplasie, benigne (BPH)Diagnostiken Beschwerden des Patienten auch Begleiterkrankungen, vorausgehende Operationen und aktuelle Medikamente umfassen. Von Bedeutung ist das Ausmaß der bestehenden Nykturie. Wesentlich ist auch die subjektive Einschätzung des Patienten in Bezug auf eine Einschränkung seiner Lebensqualität. Vor allem für die Anamnese des Urologen steht inzwischen ein standardisierter Fragebogen zur Verfügung.
Die digitale rektale Palpation derProstatahyperplasie, benigne (BPH)Palpation, digitale, rektale Prostata lässt die Größe des Organs annähernd erkennen. Sicherer kann dies im Ultraschall beurteilt werden. Dies gilt auch in Bezug auf die Konsistenz, wo v.a. palpatorisch verhärtete Bereiche karzinomverdächtig sind. Zusätzlich kann im Ultraschall der im Anschluss an die Miktion verbleibende Restharn RestharnProstatahyperplasie, benigne (BPH)recht genau gemessen werden. Prostatahyperplasie, benigne (BPH)Urinuntersuchung
Obligatorisch ist eine Urinuntersuchung v.a. mit der Fragestellung einer Hämaturie oder eines Harnwegsinfekts.
Aus dem SerumPSA s. prostataspezifisches Antigen wird das prostataspezifische Antigen (PSA) bestimmt, Prostatahyperplasie, benigne (BPH)prostataspezifisches Antigen (PSA)wobei eine mäßige prostataspezifisches Antigen (PSA)Prostatahyperplasie, benigne (BPH)Erhöhung durch die BPH, entzündliche Veränderungen oder einen Harnverhalt bedingt sein können, ein Karzinom jedoch nicht ausschließen. Mäßig erhöhte PSA-Serumspiegel sind also vieldeutig und bedürfen der weiteren Abklärung. Die Nierenfunktion kann an der Höhe des Kreatinin-Serumspiegels abgelesen werden.
Weitergehende Untersuchungen des Urologen bestehen neben der transrektalen Sonographie u. a. in der Uroflowmetrie UroflowmetrieProstatahyperplasie, benigne (BPH)Uroflowmetriemit Messung des Harnstrahls, bei der zwischen der BPH und einer erschwerten Miktion als Folge einer Harnröhrenstriktur unterschieden werden kann.
Therapie
Die Therapie ist abhängigProstatahyperplasie, benigne (BPH)Therapie von den Symptomen und zu erwartenden Komplikationen, besonders aber auch vom Leidensdruck des Patienten. In aller Regel lässt sich die Symptomatik medikamentös deutlich bessern und die letztendlich drohende Operation damit um Jahre hinausschieben oder ganz verhindern. Zur Verfügung stehen pflanzliche, rezeptfreie neben stärker wirksamen, chemisch definierten und verschreibungspflichtigen Medikamenten. Begleitend sollte der Patient die abendliche Trinkmenge reduzieren. Mehrfachmiktionen im Abstand von wenigen Minuten können die Blasenfunktion verbessern und die infektiöse und staubedingte Gefährdung der Niere vermindern, weil die Restharnmenge damit reduziert wird. Besonders hilfreich im Hinblick auf zusätzliche Stunden ungestörten Schlafs sind sie natürlich vor dem Zubettgehen. Mehrfachmiktionen (als Zweifach- oder Dreifachmiktionen) nutzen den bei einer fortgeschrittenen BPH oft gegebenen Umstand, dass bei gefüllter Blase und akut einsetzendem Harndrang die Urinmenge der nachfolgenden Miktion relativ gering sein kann. Jedoch entsteht häufig wenige Minuten später erneut ein gewisser (sehr milder) Harndrang, der dann jedoch meist zur Entleerung größerer Urinmengen genutzt werden kann als direkt davor. Der Plexus der Blasenwand vermag dadurch im Idealfall ein neues Ausgangsniveau bei geringeren Restharnmengen einzustellen.
Phytopharmaka
Pflanzliche Medikamente Prostatahyperplasie, benigne (BPH)Phytopharmakamit nachgewiesener Wirksamkeit:
  • Extrakte aus Brennnesselwurzeln (z. B. Natuprosta® Uno)

  • Extrakte aus der Sägepalmenfrucht (z. B. Talso®, Prostagutt® Uno)

  • Extrakte aus Kürbiskernen bzw. Kürbiskernöl

  • Kombinationen aus z. B. Brennnesselwurzel und Sägepalmen (Prostagutt® forte) bzw. Sägepalmen und Kürbissamen (z. B. Granufink Prosta®)

Die wirksamen Inhaltsstoffe stellen die PhytosterolePhytosterole dar, also pflanzliche (Phyto-)Steroide. Trotz subjektiver Abnahme der Beschwerden ist zumeist keine Abnahme der Prostatagröße messbar.
α-Blocker
Zu dieser Medikamentenklasseα-Blocker, BPH;Blocker gehört u. a.TamsulosinProstatahyperplasie, benigne (BPH)Tamsulosin Tamsulosin, das von rund 20 Firmen als Generikum angeboten wird. Die Substanzen führen zu einer Blockade der Rezeptoren an Blasenhals und Muskelzellen des Prostatastromas. Die Erschlaffung der Muskulatur vermindert den Widerstand bei der Miktion. Im Gegensatz zu Finasterid entsteht keine deutliche Reduktion des Prostatavolumens.
Die Blockade von α-Rezeptoren an arteriellen Blutgefäßen führt zu ihrer Erweiterung und damit zum Blutdruckabfall mit Schwindel und Kopfschmerzen. Bei Patienten mit Hypotonie ist also Vorsicht geboten, während diese Nebenwirkung bei älteren, hypertonen Patienten hilfreich sein kann. Die Erschlaffung der Blasenhalsmuskulatur kann zur retrograden Ejakulation führen.
Finasterid
Finasterid, BPHFinasterid (Proscar® und Generika) .Finasterid, BPHProstatahyperplasie, benigne (BPH)Finasteridgehört zu den Inhibitoren der 5α-Reduktase, hemmt also die Umwandlung des Testosteron in die eigentliche Wirkform Dihydrotestosteron (DHT). Im Ergebnis führt der Androgenentzug zur Abnahme der Prostatagröße und zur verminderten Sekretion der Drüse. Die spür- und messbare Wirkung setzt erst im Verlauf etlicher Wochen oder Monate ein.
Als nicht so seltene Nebenwirkung kommt es neben einer verminderten Menge an Ejakulat bei einzelnen Patienten zur verminderten Libido bis hin zur Impotenz. Extrem selten entsteht eine Gynäkomastie. Finasterid kann das PSA senken und damit eine falsche Sicherheit vortäuschen.

Merke

Laut einzelner Studien sind Kombinationstherapien, z. B. aus Finasterid und α-Blockern, den Einzeltherapien überlegen. Das kann aus den unterschiedlichen Angriffspunkten der Präparate ohnehin abgeleitet werden.

Fexapotid triflutat
Mit Fexapotid triflutat .Fexapotid triflutat, BPHProstatahyperplasie, benigne (BPH)Fexapotid triflutatwurde 2016 eine ganz neue Therapieoption auf den Markt gebracht. Es handelt sich um ein Protein, das unter Ultraschallkontrolle in die besonders betroffene periurethrale Zone der Prostata gespritzt wird. In den dortigen Zellen induziert es in der Folge eine Apoptose, sodass die hyperplastischen Zellansammlungen zugrunde gehen – wie immer bei den physiologischen Apoptose-Vorgängen ohne deutliche Entzündungszeichen. Nach bisherigen Studien ist die positive Wirkung auf Harnfluss und Beschwerdebild demjenigen von Finasterid zumindest ebenbürtig, wobei zusätzlich dessen Nebenwirkungen entfallen. Die Injektion muss lediglich in Abständen von etwa 3,5 Jahren wiederholt werden. Selbst das Prostatakarzinom scheint bei den behandelten Patienten seltener aufzutreten als üblich. Sollten sich bei breiterem Einsatz des neuen Verfahrens alle bisherigen Erkenntnisse bestätigen lassen, wäre mit Fexapotid triflutat wohl ein neuer Therapiestandard geboren.
Operative Verfahren
Sind die konservativen .TUR (transurethrale Resektion)Prostatahyperplasie, benigne (BPH)Prostatahyperplasie, benigne (BPH)TUR (transurethrale Resektion)Maßnahmen ausgereizt und besteht bereits ein Stadium III der BPH mit großen Restharnmengen, Steinbildungen, rezidivierenden Infektionen, Hydronephrose oder auch Harnverhalt, gilt seit etlichen Jahrzehnten die transurethrale Resektiontransurethrale Resektion s. TUR (TUR) der Prostata als operativer Standard. Immerhin wurde das Verfahren zunehmend so verfeinert, dass die Risiken z. B. hinsichtlich nachfolgender Harninkontinenz, Stenosen der Urethra oder Impotenz auf wenige Prozent begrenzt werden konnten. Die Operation erfolgt durch die Harnröhre mittels einer Drahtschlinge, durch die ein elektrischer Strom fließt. Die verwendete Spülflüssigkeit ist hypoton und kann bei einer verstärkten Einschwemmung über die Wundfläche zur hypotonen Hyperhydratation mit Hyponatriämie führen.
Resektionen mittels Laser sind ebenfalls im Gebrauch, worunter deutlich weniger Blutverluste entstehen. Auch die Notwendigkeit für eine hypotone Spülflüssigkeit mit ihren Risiken entfällt. Als hinsichtlich ihrer Effektivität mit der klassischen TUR vergleichbar, gleichzeitig jedoch schonender gelten thermische Verfahren, bei denen das Gewebe transurethral z. B. über Mikrowellen erhitzt wird. Sie werden teilweise auch ambulant angewendet.

Zusammenfassung

Benigne Prostatahyperplasie (BPH, BPS)

Androgenvermittelte Zellvermehrung der Prostata (Hyperplasie) der 2. Lebenshälfte

Ursachen

  • Stimulation durch Androgene

  • familiäre Häufungen

  • im Alter nachlassende Funktionen des M. detrusor und der nervalen Versorgung

Symptome

  • irritativ: plötzlicher Harndrang, Pollakisurie, Nykturie

  • obstruktiv: verzögerter Miktionsbeginn, abgeschwächter Harnstrahl mit verlängerter Miktionsdauer, Restharngefühl und Nachträufeln

Diagnostik

  • rektale Palpation

  • Ultraschall (Darstellung der Prostata, Messung des Restharns)

  • Urinstatus

  • Bestimmung des PSA

Therapie

  • Reduzierung der abendlichen Trinkmenge

  • Mehrfachmiktionen

  • Phytotherapie: Brennnesselwurzel, Sägepalmenfrucht, Kürbiskerne

  • chemisch definiert (verschreibungspflichtig): α-Blocker, Finasterid

  • Fexapotid triflutat als möglicher künftiger Therapiestandard

  • operativ: TUR mit Drahtschlinge oder Laser, thermisch mit Mikrowellen

Prostatitis

Krankheitsentstehung
Die Entzündung derProstatitis Prostata kann akut oder chronisch auftreten, wobei die chronischen Formen üblicherweise aus den akuten hervorgehen. Beide Formen sind deutlich seltener als die Infektion der weiblichen Adnexe; allerdings gibt es keine statistischen Angaben zur Häufigkeit. Man rechnet mit mindestens 2 % aktuell Betroffener und etwa 10 % der Männer, die zumindest einmal im Leben darunter leiden. In einem Teil der Fälle findet man als Ursache eine bakterielle Infektion, doch gibt es angeblich auch abakterielle Formen – zumindest schmerzhaft-entzündliche Formen, bei denen keine Bakterien oder andere Erreger nachweisbar werden. Zusätzlich kennt man entzündliche Formen mit oder ohne bakteriellen Nachweis, die für den Betroffenen vollkommen ohne Symptome verlaufen und deshalb eher zufällig, z. B. bei der Abklärung eines erhöhten PSA-Serumspiegels, diagnostiziert werden. Entsprechend Zystitis und Pyelonephritis gelangen die Erreger üblicherweise durch Aszension aus der Urethra in das Gewebe, doch ist theoretisch auch eine hämatogene Besiedelung möglich.
Aktuelle Einteilung entzündlicher Prostataerkrankungen:
  • akute (meist bakterielle) Prostatitis: eventuell Nachweis der Bakterien

  • chronische bakterielle Prostatitis: Nachweis der Bakterien

  • sog. Schmerzsyndrom des Beckens mit oder ohne Prostatitis: kein Erregernachweis, aber evtl. Leukozyten in der Dreigläserprobe

  • asymptomatische Prostatitis: Leukozyten, entzündliche Veränderungen in der Biopsie

Entsprechend den Verhältnissen bei der Zystitis wird bei positivem Erregernachweis weit überwiegend Escherichia coliEscherichia coliProstatitis gefunden, deutlich seltener z. B. Neisserien (→ Gonorrhö), Anaerobier oder auch einmal Trichomonaden.

Merke

Nach offizieller Lesart gilt die Mehrzahl der Prostatitiden als abakteriell verursacht. Dazu gibt es dann wie in derlei Fällen üblich etliche, teils abenteuerliche Interpretationsversuche.

Symptomatik
Die Symptome gleichen zunächst mit Dysurie bzw. Algurie, PollakisuriePollakisurieProstatitis, Nykturie und Unterbauchschmerzen AlgurieProstatitisdenjenigen der Zystitis. Nicht dazu passt, dass eine Zystitis bei jüngeren Männern, jedenfalls in der ersten Lebenshälfte, eine Rarität darstellt, die auf die Ursache der Beschwerden aufmerksam machen sollte. Zusätzlich entsteht bei der akuten Prostatitis Fieber, zum Teil > 39 °C, das für eine reine Zystitis zumindest ungewöhnlich ist.
Daneben strahlen die Schmerzen häufig in die Dammregion oder in Leiste und Hoden. Bedingt durch die unmittelbare Nachbarschaft entstehen nicht so selten auch Schmerzen bei der Defäkation. Selten kommt es bei massiver entzündlicher Schwellung des Organs zum Harnverhalt.
Diagnostik
Bei der rektalen Palpation findet sich die Prostata ödematös vergrößert, weich und druckschmerzhaft. Im Serum können die Entzündungsparameter positiv werden, auch das PSA ist erhöht. Aus der DreigläserprobeDreigläserprobe oder dem Ejakulat versucht man den Erreger zu isolieren. Man kann die Drei- auch zur sog. Viergläserprobe Viergläserprobeerweitern, indem der Tropfen Prostataexprimat, der nach der Prostatamassage an der Mündung der Urethra erscheint, isoliert untersucht wird. In unklaren Fällen, bei fehlendem Erregernachweis und unklarer Sonographie, werden ergänzende Untersuchungen bis hin zur Biopsie vorgenommen.

Hinweis des Autors

Entsprechend der Situation bei der Frau (chronische Adnexitis, Dysmenorrhö, Reizblase, Sterilität; Fach Gynäkologie) wird auch beim Mann eine gezielte Suche nach ChlamydienChlamydienProstatitis und MykoplasmenMykoplasmenProstatitis, z. B. mittels PCR-Diagnostik, in aller Regel unterlassen. Stattdessen spricht man der Einfachheit halber vom „sterilen Urin bzw. Prostataexprimat“ und vergisst dabei, dass diese Bakterien weder im Mikroskop zu sehen sind, noch auf der Agarplatte wachsen, noch Nitrat verstoffwechseln (Uricult®). Bei gewissenhafter Suche könnten Chlamydien zumindest in der Biopsie als Einschlusskörperchen in befallenen Zellen erkannt oder vermutet werden. Ganz besonders jedoch dürfte eines der modernen Amplifikations- bzw. Hybridisierungsverfahren aus einem gewissenhaft durchgeführten Abstrich der distalen Urethra in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine sichere Diagnose erlauben.

Therapie
Beim Nachweis von Bakterien wirdProstatitisAntibiotika antibiotisch behandelt, bei der akuten Form meist erfolgreich, bei der chronischen Prostatitis in aller Regel ohne, jedenfalls ohne anhaltenden Erfolg. Dies gilt erst recht bei fehlendem Erregernachweis, wo antibiotische Therapien von NSAR wie Diclofenac oder z. B. Tranquilizern bzw. Psychopharmaka begleitet oder abgelöst werden, weil der Therapeut keinen somatischen Zugang zum „Schmerzsyndrom des BeckensSchmerzsyndrom des Beckens findet, doch weist bereits die Hilflosigkeit dieser Diagnose auf die Ohnmacht der diagnostischen und therapeutischen Versuche.
Acetylcystein zurProstatitisAcetylcysteinProstatitisQuercetinQuercetinAcetylcystein, Prostatitis Verflüssigung der Mucoproteine des Prostatasekrets kann wirksam sein. Dies gilt auch für das Flavonoid Quercetin, ein Radikalenfänger, der in zahlreichen Früchten (sozusagen einschließlich Rotwein) und Gemüsen enthalten ist. Teilweise werden Pollenextrakte versucht.

Hinweis des Autors

Entsprechend den Infektionen der Frau kann eine chronische, z. B. durch Chlamydien verursachte ProstatitisProstatitisNosodentherapie mit einiger Zuverlässigkeit nur durch eine gezielte, testgestützte Nosodentherapie ausgeheilt werden (Fach Pharmakologie). Antibiotische Therapien bleiben, von kurzfristigen Erfolgen abgesehen, wirkungslos. Begleitend für die Restitutio des Gewebes von Bedeutung sind orale Enzyme, Homöopathie und eine Substitution z. B. mitZinkProstatitisVitamin C (Ascorbinsäure)ProstatitisAscorbinsäure (Vitamin C)Prostatitis Zink und Ascorbinsäure. Die Partnerin darf nicht vergessen werden.

Zusammenfassung

Prostatitis

Akute oder chronische bakterielle Entzündung der Prostata

Ursachen

  • bei positivem Erregernachweis überwiegend Escherichia coli

  • Erreger häufig nicht auffindbar („Schmerzsyndrom des Beckens“)

Symptome

  • Symptome der Zystitis

  • Fieber

  • eventuell Schmerzen in Unterbauch, Dammregion, Leiste, Hoden und bei der Defäkation

Diagnostik

  • Palpation

  • Drei- bzw. Viergläserprobe

  • Untersuchung des Ejakulats

  • Sonographie

  • bei Bedarf Biopsie

  • im Idealfall mikrobiologische Abklärung mittels PCR (Chlamydien, Mykoplasmen)

Therapie

  • Antibiotika – möglichst nach Resistenzbestimmung

  • begleitend NSAR (Diclofenac, Ibuprofen)

  • Naturstoffe wie Quercetin oder Pollenextrakte, Acetylcystein zur Sekretolyse

Prostatakarzinom

Das ProstatakarzinomProstatakarzinom stellt die mit weitem Abstand häufigste maligne Erkrankung des Mannes dar – vor den Karzinomen des Dickdarms, der Lunge und der Harnblase. Die absolute Zahl an Neuerkrankungen entspricht dabei in Deutschland mit etwa 64.000 Fällen/Jahr (Stand 2012) annähernd der Anzahl weiblicher Mammakarzinome (70.000/Jahr). Damit entwickelt mindestens jeder 10. Mann ein Prostatakarzinom und jede 8.–9. Frau ein Karzinom der Mamma. Anders ausgedrückt: Annähernd jeder 3. Krebs der Frau (30 %) ist ein Mammakarzinom, jeder 4. Krebs des Mannes (25 %) ein Prostatakarzinom. In Asien (Japan, China) ist das Prostatakarzinom deutlich seltener als in Europa, bei weißen und v.a. schwarzen US-Amerikanern nochmals häufiger.
Bei Autopsien alter (> 70 Jahre), bis zu ihrem Tod urologisch nicht diagnostizierter Männer findet man etwa in jedem zweiten Fall ein zumindest mikroskopisch nachweisbares Karzinom der Prostata, wodurch diese maligne Erkrankung einen beinahe „physiologischen Aspekt“ erhält.
Krankheitsentstehung
Eindeutige Ursachen sind nicht erkennbar, doch werden inzwischen begünstigende Faktoren definiert. Dazu gehören in rund 10 % der Fälle familiäre bzw. genetische Faktoren, also familiäre Häufungen bzw. chromosomale Veränderungen u. a. auf Chromosom 1 oder auf dem X-Chromosom.
Prostatakarzinome sind nahezu ausschließlich (98 %) Adenokarzinome, die ihren Ausgang vom Drüsenepithel des Organs nehmen. Dementsprechend und analog zur BPH ist auch die Entstehung des Karzinoms androgenabhängig. AndrogeneProstatakarzinomZum Beispiel kann im Tierversuch durch Hormongaben ein Prostatakarzinom induziert werden. Andersherum entwickelten Kastraten weder eine BPH noch ein Prostatakarzinom.
In die USA ausgewanderte Japaner nähern sich mit ihrer Inzidenz derjenigen ihres Gastlandes an. Dies bedeutet, dass Umweltfaktoren oder Essgewohnheiten beteiligt sein sollten. Ganz im Vordergrund stehen dabei nach bisheriger Studienlage zwei Faktoren: Rotes Fleisch begünstigt die Entstehung des Karzinoms in ähnlichem Umfang wie diejenige des Dickdarmkarzinoms. Vitamin D bzw.ProstatakarzinomVitamin D (Cholecalciferol)Vitamin D (Cholecalciferol), ProstatakarzinomCholecalciferol (Vitamin D), Prostatakarzinom vermehrte Sonneneinstrahlung stellt den bisher eindeutigsten Schutzfaktor dar. Dementsprechend gibt es sowohl in Europa als auch in Nordamerika ein Nord-Süd-Gefälle, wobei die schwarze Bevölkerung Amerikas analog zur geringen Vitamin-D-Synthese ihrer Haut das größte Risiko überhaupt trägt. Interessant ist in diesem Zusammenhang das Risiko, das von anhaltend erhöhten Calciumaufnahmen ausgeht (> 2 g Calcium/Tag), weil die resultierenden Serumspiegel die D-Hormon-Synthese supprimieren.
Symptomatik
Prostatakarzinome wachsen außerordentlich langsam über Jahrzehnte. Ein Großteil wird eher zufällig anlässlich einer TUR oder bei der Autopsie entdeckt, teilweise aber auch im Rahmen der üblichen Vorsorgeuntersuchungen. Solange sie ohne Metastasierung auf das Organ beschränkt bleiben, verursachen sie üblicherweise keinerlei Symptome, wie bei Karzinomen üblich auch keine Schmerzen.
Zur Metastasierung kommt es erst bei größeren Tumoren. Dabei erfolgt die zunächst stattfindende lymphogene Metastasierung in Lymphknoten des Beckens, die nachfolgende hämatogene weit überwiegend in das Skelett. Hier wird die Wirbelsäule mit Beginn in der LWS bevorzugt; zumeist erst nachfolgend erscheinen Metastasen in Becken, proximalem Femur, Rippen und Sternum und eher selten in inneren Organen wie Lunge oder Leber.

Exkurs

Bei den häufigen ProstatakarzinomLWS-MetastasenLWS-Metastasen wird oft ein unmittelbarer Bezug zur Nachbarschaft mit dem Karzinom hergestellt – ganz so, als ob dieser naive Gedanke irgendeine Art von medizinischer Logik enthielte. Aber wie sollte das möglich sein? Das Blut der Prostata gelangt venös über V. iliaca interna und Hohlvene zur Lunge und wird anschließend vom linken Ventrikel in den gesamten Organismus verteilt. Die Lymphe des Organs gelangt in die Lymphknoten des Beckens und, falls dieselben durchbrochen werden, in Lymphknoten entlang der großen Gefäße. Lymphbahnen sind jedoch Einbahnstraßen, ohne jede Verbindung zu Wirbelsäule oder sonstigen Strukturen. Sollten tatsächlich sämtliche zwischengeschalteten Lymphknoten durchbrochen werden, was angesichts ihrer Vielzahl nahezu ausgeschlossen ist, landen die lymphogenen Metastasen über den Ductus thoracicus ebenfalls im Blut (rein theoretisch!).

Der Zusammenhang ist also ein anderer: Die Knochen der Wirbelsäule sind einschließlich des enthaltenen Marks gut durchblutet, die größten Knochen (LWS, Sakrum) erhalten das meiste Blut und besitzen damit auch das relativ größte Risiko. Und weil die im hämatogenen Umlauf befindlichen malignen Zellen eine besondere Affinität zu den Endothelien knöcherner Strukturen aufweisen, besiedeln sie eben den Knochen.

Merke

Ein wichtiger Hinweis auf ein ProstatakarzinomProstatakarzinomKreuzschmerzen beim älteren Patienten ergibt sich aus unbestimmten, tief sitzenden Kreuzschmerzen.

Das Karzinom wächst weit überwiegend (90 %) in der peripheren Zone der Prostata, sodass erst in fortgeschrittenen Stadien Symptome der BPS entstehen. Dies bedeutet gleichzeitig, dass sowohl bei Rückenschmerzen als auch bei der BPS eines älteren Patienten zunächst eine ausreichend genaue urologische Diagnostik erfolgen sollte, bevor man Medikamente wie Brennnesselwurzel o.Ä. verordnet. Eher selten macht sich das Karzinom durch eine Hämaturie oder Blasenentleerungsstörungen bemerkbar.
Diagnostik
Rektale Palpation
Die rektale PalpationProstatakarzinomPalpation, rektale im Rahmen der ab einem Alter von 45 Jahren empfohlenen Vorsorgeuntersuchung vermag einen Teil der Karzinome zu erkennen oder zumindest Hinweise zu liefern. Das Karzinom tastet sich deutlich derber als die Umgebung – zunächst als umschriebene Verhärtung; später kann die ganze Prostata eine derbe oder harte, höckerige Oberfläche aufweisen. Teilweise ist auch nur die Tastqualität der beiden Prostatalappen etwas unterschiedlich.

Merke

Die rektale Palpation im Rahmen der alljährlichen Vorsorgeuntersuchung, empfohlen für Männer ab 45 Jahren, dient sowohl der Früherkennung des Rektum- als auch derjenigen des Prostatakarzinoms. Sie sollte möglichst durch Bestimmung des PSA ergänzt werden, auch wenn dieselbe von den Kassen immer noch nicht übernommen wird. Die StuhluntersuchungStuhluntersuchung auf okkultes Blut ist erst ab dem 50. Lebensjahr obligatorisch.

Prostataspezifisches Antigen (PSA)
Das PSA, eine Proteinase Prostatakarzinomprostataspezifisches Antigen (PSA)prostataspezifisches Antigen (PSA)Prostatakarzinomder Drüsenzellen, gilt als guter Tumormarker, weil es ausschließlich in der Prostata entsteht. Ganz besonders gilt dies für die Nachsorge nach Operation des Karzinoms, wobei ein erneuter Anstieg mit großer Zuverlässigkeit ein lokales Rezidiv oder das Wachstum von Metastasen anzeigt.
Weniger gut geeignet ist es für die Prophylaxe, weil mäßige Erhöhungen falsch positive wie auch falsch negative Hinweise liefern können. Zum Beispiel verursacht auch eine Prostatitis oder die BPH mäßige Erhöhungen, während andererseits selbst bei noch normalen Serumspiegeln bereits ein Karzinom wachsen kann. Ein PSA-Wert im Normbereich kann also eine recht trügerische Sicherheit vermitteln. Als obere Normgrenze, abhängig vom Alter und bestehender BPH, gilt ein Wert von 4 µg/l Serum (4 ng/ml). Erst Werte deutlich oberhalb 10 µg/l weisen weitgehend sicher auf ein Karzinom. Grenzwertige Serumwerte sollten Anlass für eine genauere Diagnostik sein, zumindest für eine Sonographie.
Sonographie
Die modernen hochauflösendenProstatakarzinomSonographie Ultraschallgeräte liefern durch die dünne Wand des Rektums hindurch ein exaktes Abbild der Prostata. Allerdings können die umschriebenen, echoarmen Bereiche auch u. a. durch Entzündungen oder Zysten verursacht werden. Man ergänzt deshalb die Sonographie grundsätzlich durch Feinnadel-Biopsien verdächtiger Bereiche.
Knochenszintigraphie
Die wichtigste Untersuchung zum Nachweis oder Ausschluss von Metastasen bei nachgewiesenem ProstatakarzinomProstatakarzinomKnochenszintigraphie/MRT besteht nicht in einer radiologischen Diagnostik, sondern in der KnochenszintigraphieKnochenszintigraphie. Man benutzt dafür geringe Mengen radioaktiv markierter Substanzen wie z. B. Technetiumphosphat, die sich in ihrer Affinität zum Knochengewebe dort anreichern, wo aktive Prozesse wie Entzündungen, Heilungsvorgänge nach Frakturen oder eben maligne Umbauvorgänge stattfinden. Diese Herde lassen sich mit der Gammakamera darstellen.
MRT
Vergrößerte Lymphknoten, z. B. im Beckenbereich, findet man am ehesten mit der Kernspintomographie.
Therapie
Bei sehr kleinen Karzinomen, die z. B. anlässlich einer TUR entdeckt wurden, wird zumindest bei älteren Männern lediglich beobachtet, weil aufgrund des langsamen Tumorwachstums die Wahrscheinlichkeit, dass die Patienten daran versterben werden, minimal ist. Man bezeichnet dies als aktives Beobachten, weil die Kontrolluntersuchungen häufiger und intensiver, z. B. mit wiederholten Biopsien durchgeführt werden.
Bei größeren Tumoren oder bei jüngeren Männern steht (noch) die Operation im Vordergrund, zumeist als radikale Prostatektomie.ProstatakarzinomProstatektomie unter Mitentfernung der Samenblasen und der regionären Lymphknoten. Anschließend entsteht aufgrund nervaler Schädigungen nahezu ausnahmslos eine erektile Dysfunktion, nicht so selten auch eine Inkontinenz oder eine narbige Verengung der Urethra.
Die gut wirksame Bestrahlung (inzwischen auch mittels Protonen) wird entweder alternativ zur Operation oder, abhängig vom Stadium, zusätzlich angewendet. Interessant ist eine Weiterentwicklung der Radiotherapie in der Art, dass man Prostata und Rektum durch „Abstandshalter“ (z. B. Hyaluronsäure, die man in diesen Raum injiziert) so weit voneinander entfernt, dass die sonst unvermeidliche Schädigung von Darmstrukturen durch die Bestrahlung weitgehend vermieden werden kann. Eine für umschriebene Karzinome gut wirksame Therapie besteht in der sog. Brachytherapie.ProstatakarzinomBrachytherapie Dabei werden strahlende Implantate („Seeds“), die den Tumor zerstören, jedoch die weitere Umgebung schonen, unter Ultraschallkontrolle im Tumorgewebe platziert.
Bei fortgeschrittenen Karzinomen, in jedem Fall auch bei Metastasenbildung, behandelt man mit AntiandrogenenProstatakarzinomAntiandrogene (früher auch durch Kastration), weil Antiandrogene, Prostatakarzinomder weit überwiegende Teil der Karzinome und ihrer Metastasen androgenabhängig wächst. Die wichtigsten Nebenwirkungen bestehen in einer erektilen Dysfunktion, Osteoporose und der möglichen Entwicklung einer GynäkomastieGynäkomastiedurch Antiandrogene.
Relativ neu ist ein Verfahren, bei dem man (von rektal) durch intensive, auf den Tumor fokussierte Ultraschallwellen das Gewebe so weit erhitzt, dass das Karzinom zerstört wird. Die Ergebnisse scheinen sehr überzeugend zu sein, bei vergleichsweise geringen Nebenwirkungen.
Die vor allem palliativ eingesetzte Chemotherapie wurde ProstatakarzinomChemo-/Immuntherapiein den letzten Jahren zunehmend wirksamer, wobei so ganz allmählich auch die moderne Immuntherapie angekommen ist.
Prognose
Beim Fehlen von Metastasen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung beträgt die Heilungsrate nahezu 100 %. Beim Vorliegen von Metastasen dient die Therapie zur palliativen Verlängerung des Lebens, zumeist um wenige Jahre. Insgesamt versterben in Deutschland derzeit rund 12.600 Männer/Jahr am Prostatakarzinom. Dies sind knapp 20 % der diagnostizierten Neuerkrankungen/Jahr. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei > 90 %. Noch günstiger wird die Prognose, wenn man berücksichtigt, dass in der Autopsie bei mehr als jedem Zweiten > 80 Jahre ein Karzinom der Prostata nachweisbar ist.

Zusammenfassung

Prostatakarzinom

Häufigstes Malignom des Mannes mit 64.000 Neuerkrankungen/Jahr

Ursachen bzw. begünstigende Faktoren

  • genetische Faktoren (familiäre Häufungen)

  • Androgenstimulation

  • rotes Fleisch

  • Vitamin-D-Mangel

  • evtl. die Adipositas

Symptome

  • keine Frühsymptome

  • evtl. Kreuzschmerzen als Erstsymptom

  • weitere Wirbelsäulenmetastasen bis hin zum Querschnittssyndrom

  • evtl. Symptome der BPS mit Blasenentleerungsstörungen

Diagnostik

  • rektale Palpation (Verhärtungen)

  • Ultraschall mit Feinnadelbiopsie

  • PSA – v.a. auch in der Nachsorge

  • Knochenszintigraphie zur Erkennung von Fernmetastasen

  • CT, MRT

Therapie

  • bei kleineren Karzinomen älterer Männer „aktives Beobachten“

  • ansonsten Prostatektomie unter Mitnahme regionärer Lymphknoten; Komplikationen der radikalen Prostatektomie: Harninkontinenz, Impotenz (erektile Dysfunktion)

  • isoliert oder ergänzend Bestrahlung, z. B. als Brachytherapie

  • evtl. zukünftig lokale Hitzeerzeugung über fokussierte Ultraschallwellen

  • palliative Chemotherapie

  • Hormontherapie (Antiandrogene) in jedem Fall einer Metastasierung

Hodentorsion

Die HodentorsionHodentorsion betrifft in der Regel Pubertierende zwischen dem 12. und 16. Lebensjahr oder Säuglinge bzw. Neugeborene. Es handelt sich um eine meist mehrfache Drehung von Hoden und Samenstrang um ihre Längsachse. In der Folge kommt es bei zu spät einsetzender Therapie durch Abklemmen der Gefäße zum ischämischen Infarkt und damit zum Verlust des Hodens. Der kontralaterale Hoden kann, nachfolgend oder auch gleichzeitig, ebenfalls betroffen sein.
Krankheitsentstehung
Wesentliche Ursache ist eine abnorme Beweglichkeit der Strukturen – entweder durch mangelhafte Befestigung des Hodens am Skrotum (fehlendes Gubernaculum bzw. Lig. testis als EntwicklungsanomalieGubernaculum testis, fehlendes) oder durch zu große Lockerheit der peritonealen Umschlagsfalte zwischen Epi- und Periorchium (Tunica vaginalisTunicavaginalis). Häufig beginnt die Torsion deshalb nach heftigen Bewegungen beispielsweise beim Sport, in jedem zweiten Fall allerdings während des nächtlichen Schlafs.
Symptomatik
Die Hodentorsion stellt in aller Regel ein hochakutes, äußerst schmerzhaftes Ereignis dar, das Hoden und Leiste betrifft. Begleitet wird sie meist von Zeichen des PeritonismusPeritonismus mit Übelkeit und Erbrechen. Nur sehr selten entwickelt sie sich allmählich im Verlauf von Stunden. Die Aufwicklung des Hodens mit Verkürzung der zuführenden Strukturen führt zum HodenhochstandHodenhochstandHodentorsion und in der Folge wegen des venösen Rückstaus zum SkrotalödemSkrotalödem.
Diagnostik
Beim Anheben des ohnehin schon äußerst druckempfindlichen Hodens wird der Schmerz im Gegensatz zur Epididymitis eher nochmals verstärkt (negatives Zeichen nach Prehn). Im Doppler-Ultraschall erkennt man die Durchblutungsstörung. HodentorsionPrehn-ZeichenDer Cremasterreflex ist auf der betroffenen Seite nicht mehr auslösbar.
Therapie
Die Detorsion („Entdrehung“) muss innerhalb von 4–5 Stunden erfolgen, wenn man den Hoden mit einiger Sicherheit erhalten möchte. Dies kann versuchsweise manuell erfolgen, da die Längsdrehung meist in typischer Richtung erfolgt, doch ist der Hoden in jedem Fall nachfolgend operativ zu fixieren (Orchidopexie), um HodentorsionOrchidopexieein Rezidiv zu verhindern. Da die Fehlanlage beide Hoden betrifft, wird der kontralaterale Hoden in der gleichen Sitzung befestigt.

Zusammenfassung

Hodentorsion

Aufwicklung von Hoden und Samenstrang um die Längsachse; betroffen sind mehrheitlich Pubertierende oder Neugeborene.

Ursache

  • übermäßige Lockerheit der Strukturen, meist als Entwicklungsanomalie (fehlende Bandbefestigung)

Symptome

  • hochakute heftige Schmerzen

  • Übelkeit mit Erbrechen

Diagnostik

  • massiver Druckschmerz

  • Hodenhochstand

  • negatives Prehn-Zeichen (keine Erleichterung beim Anheben des Hodens)

  • Skrotalödem

  • Ischämie im Doppler-Ultraschall

  • fehlender Cremasterreflex

Therapie

  • evtl. Versuch der manuellen Detorsion

  • (nachfolgend) operative Orchidopexie unter Einschluss der Gegenseite

Hydrocele testis

Unter einerHydrozele Hydrocele testisHydroceletestis (Wasserbruch; Hydor = Wasser, Cele = Bruch) versteht man eine WasserbruchAnsammlung von seröser, eventuell entzündlicher Flüssigkeit im Processus vaginalis bzw. in der Tunica vaginalis. Besteht die Flüssigkeit aus Blut, spricht man von der HämatozeleHämatozele; ist sie eitrig, entsteht sprachlich die PyelozelePyelozele.
Krankheitsentstehung
Der Hoden führt bei seiner fetalen Wanderschaft aus der Bauchhöhle durch den Leistenkanal ins Skrotum die Hüllen der Bauchhöhle (Peritoneum = Bauchfell; Fach Verdauungssystem) mit sich. Während Hoden und Nebenhoden den Überzug aus viszeralem Peritoneum als EpiorchiumEpiorchium beibehalten, kleidet das ehemalige Peritoneum parietale (Periorchium) Periorchiumdas Skrotum innen aus. Zwischen den beiden Blättern verbleibt ein spaltförmiger Raum (Tunica vaginalis) (Abb. 7.1). Wie bei den Peritonealblättern Tunicavaginalisder Bauchhöhle sind auch die Skrotalblätter angefeuchtet, sodass die Strukturen ohne Reibung aneinander entlanggleiten können.
Der ursprüngliche Verbindungsgang zwischen Bauchhöhle und Tunica vaginalis (Processus vaginalisProcessus vaginalis) im Bereich des Samenstrangs des Leistenkanals ist meist bereits bei der Geburt verschlossen, spätestens aber bis zum Ende des 1. Lebensjahres. Bleibt der Processus vaginalis offen, kann sich durch die Lücke im Leistenkanal eine (angeborene) indirekte LeistenhernieLeistenbruch entwickeln (Fach Verdauungssystem). Ist der Processus nur teilweise obliteriert, gelangt seröse Flüssigkeit in die Tunica vaginalis (= Hydrocele testis). Eventuell jedoch sammelt sich auch lediglich in umschriebenen, offen bleibenden Anteilen des Processus Flüssigkeit. Es kommt dann zur Hydrocele funiculi spermaticiHydrocelefuniculi spermatici (= FunikulozeleFunikulozele; Abb. 7.2a), einem Wasserbruch im Bereich des Samenstrangs. Man schätzt den Anteil unter den männlichen Neugeborenen, die von einer der beiden Formen betroffen sind, auf 5–10 %.
Von der angeborenen (primären), meist nur einseitig auftretenden HydrozeleHydrozele (Abb. 7.2b) sind also diejenigen Jungen betroffen, deren Processus vaginalis zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht oder nicht ausreichend verschlossen ist. Sie entsteht demnach mehrheitlich bei einem verspätet stattfindenden Deszensus des Hodens bzw. bei Frühgeborenen. Dabei kann man davon ausgehen, dass die verbleibende, sehr kleine Öffnung im Processus vaginalis zwar den Durchtritt von Flüssigkeit aus der Bauchhöhle zur Tunica vaginalis erlaubt, nicht jedoch den Durchtritt von Darmanteilen. Die Hydrozele stellt damit gewissermaßen eine Art „Minimalvariante“ bzw. Vorstufe des indirekten Leistenbruchs dar. Nicht definiert ist, warum die geringe Flüssigkeitssekretion des Bauchfellepithels, die lediglich der Anfeuchtung der intraabdominellen Oberflächen dient, nun zu einer Flüssigkeitsansammlung von mehreren Millilitern führt.

Exkurs

Bei Mädchen kommt es außerordentlich selten zu einem Pendant der primären Hydrozele, wenn beim Durchtritt des Mutterbands (Lig. teres uteri) eine kleine Öffnung verbleibt. Die Flüssigkeitsansammlung entsteht dann meist in der Leiste und wird als „weibliche Hydrozele“ bzw. als Nuck-Zyste bezeichnet.Nuck-ZysteHydrozeleweibliche

Sekundäre Hydrozelen entstehen nicht über den Processus vaginalis, sondern aus einer entzündlichen Ursache der direkten Nachbarschaft (Orchitis, Epididymitis). OOrchitisHydrozeleEpididymitisHydrozeleHodentorsionHydrozeleLeistenbruchSkrotalhernieHydrozeleder die Flüssigkeitsansammlung entwickelt sich aus einem stumpfen Trauma. Im Rahmen einer Hodentorsion bzw. einer inkarzerierten Leisten- oder Skrotalhernie wird aus dem venösen Rückstau seröse Flüssigkeit abgepresst. Schließlich kann auch ein Hodentumor Flüssigkeit in die Tunica vaginalis sezernieren.
Symptomatik
Die übliche, sich allmählich entwickelnde Hydrozele verursacht keine Schmerzen und wird lediglich an der Skrotalschwellung erkennbar. In den seltenen, sich hochakut entwickelnden Fällen können sich durch die Überdehnung des Skrotums Schmerzen entwickeln. Bleibt der Processus vaginalis zumindest teilweise offen, ist es möglich, dass sich die Hydrozele der Tunica vaginalis beim stehenden Patienten vergrößert, während sie im Liegen kleiner wird oder verschwindet, weil die Flüssigkeit in die Bauchhöhle abfließen kann.
Handelt es sich um eine traumatisch entstandene Hämatozele oder eine infektiös entstandene Pyelozele, entstehen Beschwerden entsprechend der Ursache.
Diagnostik
Ausreichend große Hydrozelen tasten sich prall-elastisch und schmerzlos. In diesen Fällen können häufig Hoden und Nebenhoden palpatorisch nicht mehr klar abgegrenzt werden, sodass erst im nachfolgenden Ultraschall die Ursache der Schwellung erkennbar wird. Die Funikulozele Funikulozeletastet sich als zystischer Tumor im Bereich des Samenstrangs zwischen (Neben-)Hoden und Leiste.
In der DiaphanoskopieHydrozeleDiaphanoskopie DiaphanoskopieHydrozelemit Otoskop oder Taschenlampe, am besten im abgedunkelten Raum, leuchtet der flüssige Skrotalinhalt homogen gelb-rötlich, während das Licht bei soliden Strukturen wie einem Tumor kaum durchscheint.
Differenzialdiagnostisch kann die Auskultation hilfreich sein, weil bei einer Skrotalhernie Darmgeräusche vernehmbar werden können, während dies bei der Hydrozele naturgemäß nicht möglich ist.
Therapie
Die primäre (angeborene) Hydrozele bildet sich häufig innerhalb des ersten Lebensjahres durch Verschluss des Processus vaginalis von alleine zurück. Man kann also bei kleineren Hydrozelen mit geringem Risiko für die Entwicklung eines Leistenbruchs zunächst abwarten. Andernfalls wird operiert. Bei der sekundären Hydrozele wird die Ursache therapiert. Ist dieselbe abgeheilt, resorbiert sich die Flüssigkeit von selbst.

Zusammenfassung

Hydrozele

Flüssigkeitsansammlung in der Tunica vaginalis oder im Processus vaginalis (Funikulozele)

Ursachen

  • Offenbleiben des Processus vaginalis (angeboren = primäre Form)

  • sekundär bei Orchitis, Epididymitis, Traumen, Hodentumoren, Hodentorsion und inkarzerierten Hernien

Symptome

  • schmerzlose Schwellung des Skrotalraums (primäre Form)

Diagnostik

  • positive Diaphanoskopie

  • Sonographie zur Beurteilung von Hoden und Nebenhoden bzw. weiteren Ursachen sekundärer Hydrozelen

  • Auskultation (Darmgeräusche?) zur Abgrenzung einer Skrotalhernie

Therapie

  • bei primären Hydrozelen abwartendes Verhalten oder operativer Verschluss des Processus vaginalis, Behandlung einer sekundären Verursachung

Varikozele

Krankheitsentstehung
VarikozelenVarikozele (Zele = Bruch) sind Varizen (Krampfadern) des Venengeflechts (= Plexuspampiniformis, VarizenPlexus pampiniformis;Abb. 7.3), welches das Blut aus Hoden und Nebenhoden ableitet und den Samenstrang begleitet. Entsprechend den Varizen anderer Lokalisation besteht die wesentliche Ursache in venösen Abflussstörungen und/oder defekten Venenklappen. Betroffen sind mehrheitlich junge Männer ab der Pubertät, doch kommen Varikozelen auch einmal im Kindesalter oder erst in fortgeschrittenen Lebensabschnitten vor.
Das venöse Blut des rechten Hodens sammelt sich in die V. testicularis und mündet schließlich spitzwinklig in die untere Hohlvene. Dabei kommt es kaum jemals zu Abflussbehinderungen. Dagegen mündet die linke V. testicularis rechtwinklig in die linke V. renalis, woraus erschwerte Abflussbedingungen resultieren. Außerdem bestehen hier relativ häufig Klappeninsuffizienzen der V. testicularis (idiopathisch ohne erkennbare Ursachen) oder ein Stau in der Nierenvene, die zwischen Aorta und A. mesenterica superior (Fach Herz-Kreislauf-System) eingeklemmt bzw. gequetscht werden kann. Man spricht vom Nussknacker-PhänomenNussknacker-Syndrom bzw. -Syndrom. Die Abflussbehinderung führt dazu, dass angeblich bis zu 30 % der Männer von einer Varikozele betroffen sind.
Raumforderungen (z. B. Tumoren) im Abflussgebiet der Vv. testiculares oder Thrombosierungen des Plexus pampiniformis können auch auf der rechten Seite zur Varikozele führen.

Merke

Varikozelen entstehen überwiegend (> 80 % der Fälle) isoliert auf der linken Seite. In etwa 15 % der Fälle findet man sie beidseits und nur bei rund 5 % isoliert auf der rechten Seite.

Symptomatik
Der Patient empfindet ein Schweregefühl des Skrotums, eventuell begleitet von einer erkennbaren Schwellung hauptsächlich im Stehen (Abb. 7.4). Schmerzen bestehen überwiegend nicht. Infolge der Mangelversorgung kann sich das Volumen des zugehörigen Hodens mit der Zeit verkleinern.
Diagnostik
Da der venöse Stau hauptsächlich im Stehen auftritt, muss die Untersuchung am stehenden Patienten erfolgen, bei Bedarf unter Druckerhöhung im Bauchraum (Valsalva-Manöver). VarikozeleValsalva-ManöverBei massivem Befund ergibt sich dabei palpatorisch der Eindruck eines „Sackes voller Würmer“. Bei der anschließenden Untersuchung am liegenden Patienten ist die primäre (idiopathische) Varikozele meist nicht mehr nachweisbar, weil die Varizen leergelaufen sind. Beim Verdacht auf Anomalien der abführenden Venen werden sie in der PhlebographieVarikozelePhlebographie/Sonographie dargestellt. Auch die Sonographie kann zur Diagnose führen.
Beim erstmaligen Auftreten in der zweiten Lebenshälfte sollte die Ursache penibel abgeklärt werden, weil diese sekundären Formen nicht so selten durch einen abdominellen Tumor verursacht werden.
Therapie
Die Therapie hat bei jungen Männern vor allem unter dem Aspekt zu erfolgen, dass infolge der staubedingten Überwärmung und Minderdurchblutung des Hodens die Fertilität eingeschränkt sein kann. Angeblich findet man als Ursache männlicher Infertilität in bis zu einem Drittel der Fälle eine Varikozele. Außerdem können Nebennierenhormone retrograd den Hoden erreichen, weil die Vv. suprarenales zumindest teilweise in die Nierenvene münden.
Entsprechend der Varizenbehandlung z. B. der Beine erfolgt die Therapie durch Sklerosierung (Verödung) oder operative Ligatur der insuffizienten Venen.

Hinweis des Autors

Die Häufigkeit der Varikozelen als Ursache angeschuldigter männlicher Infertilität darf angezweifelt werden. Oft genug kann man bei infertilen Paaren, bei denen die Ursache laut diagnostischer Abklärung beim Mann liegen soll, bei der Partnerin eine chlamydienbedingte Adnexitis mit verschlossenen Tuben diagnostizieren, die nach Ausheilung eine Schwangerschaft ermöglicht, obwohl der Partner immer noch derselbe ist (Fach Gynäkologie).

Zusammenfassung

Varikozele

Varizen des Plexus pampiniformis an Samenstrang, Hoden und Nebenhoden

Ursachen

  • Abflussstörung in die linke Nierenvene, u.a. infolge des Nussknacker-Syndroms

  • Klappeninsuffizienz der V. testicularis

  • sekundäre Formen:

    • Raumforderung (z. B. Tumor)

    • Thrombenbildung des Plexus pampiniformis

Symptome und Komplikationen

  • Schweregefühl

  • erkennbare Schwellung der betroffenen Skrotalseite und ausgeprägte Venenzeichnung

  • allmähliche Verkleinerung des Hodens als Folge der Ischämie

  • Infertilität als mögliche oder angeschuldigte Komplikation

Diagnostik

  • Untersuchung am stehenden Patienten – falls nicht problemlos erkennbar unter Valsalva-Manöver (→ „Sack voller Würmer“)

  • Primäre Varikozelen entleeren sich im Liegen.

  • Sonographie

Therapie

  • Sklerosierung

  • operative Ligatur (Abbinden)

Orchitis

Krankheitsentstehung
Die Entzündung Orchitisdes Hodens kann sich primär oder fortgeleitet aus einer Epididymitis entwickeln. Virale Entzündungen entstehen üblicherweise aus einer Virämie, bakterielle meist fortgeleitet aus dem Nebenhoden. Die häufigste Form ist, ab der Pubertät, die Mumps-OrchitisMumps-Orchitis. Zusammengefasst findet man als übliche Ursachen:
  • virale Infektion: Folge einer Virämie u.a. durch Mumpsviren (häufigste Form), Coxsackieviren, Epstein-Barr-Virus als Komplikation einer infektiösen Mononukleose, begleitend bei Varizellen und Influenza

  • bakteriell im Rahmen einer Bakteriämie bzw. Sepsis oder (meistens!) fortgeleitet aus einer Epididymitis

Symptomatik
In der Regel begleitend zu einer bereits bestehenden viralen (Mumps, Mononukleose) oder bakteriellen Erkrankung kommt es abrupt zu einer entzündlichen Schwellung und heftigen Schmerzen, die entlang dem Samenstrang in die Leiste oder in den Rücken ausstrahlen können. In einem Teil der Fälle (10–20 %) sind beide Hoden betroffen. Das oft sehr hohe Fieber entwickelt sich oder ist entsprechend der Grunderkrankung bereits vorhanden. In der Regel besteht ein schweres Krankheitsgefühl.
Bei beidseitigem Befall besteht als wesentliche Komplikation die Gefahr einer nachfolgenden Sterilität.
Diagnostik
Der betroffene Hoden ist angeschwollen und außerordentlich druckschmerzhaft. Die Skrotalhaut ist entzündlich gerötet. Teilweise kommt es zur Hydrozele oder Pyelozele. Als Abgrenzung gegenüber der ebenfalls hochakut beginnenden Hodentorsion kann das Prehn-Zeichen dienen: Das Anheben des Hodens führt bei einer Orchitis oder Epididymitis zum Nachlassen des Schmerzes (= positives Prehn-Zeichen),OrchitisPrehn-Zeichen während er bei der Hodentorsion eher noch weiter zunimmt. Außerdem fehlt bei der Hodentorsion, zumindest in frühen Stadien, die Temperaturerhöhung und es finden sich keine vorausgehenden Krankheitssymptome. Dafür kommt es hier durch peritoneale Reizung zu Übelkeit mit Erbrechen.
Virale Ursachen (v.a. Mumps- oder Coxsackieviren) lassen sich über ihre Antikörper definieren. In der Harndiagnostik besteht bei einer bakteriellen Ursache eine ausgeprägte LeukozyturieLeukozyturieOrchitis. Teilweise kann der Erreger (z. B. Gonokokken, Escherichia coli oder Proteus) isoliert werden, sofern es sich nicht um Chlamydien oder Mykoplasmen handelt.
Im Ultraschall lässt sich nicht nur die entzündliche Veränderung einschließlich einer Hydrozele nachweisen, sondern auch die mögliche Einschmelzung des Gewebes unter Abszessbildung.
Therapie
Bakterielle Formen werden, möglichst nach Resistenzbestimmung, unter Bettruhe antibiotisch behandelt. Begleitend gibt man Antiphlogistika wie Ibuprofen oder, in besonders massiven Fällen, Glukokortikoide. Der Hoden wird hochgelagert und mit kalten Umschlägen versorgt. Abszessbildungen müssen drainiert werden. Teilweise bleibt dann nur noch die Semikastration.
Virale Formen werden symptomatisch therapiert. In ausgeprägten Fällen kann über Passivimpfungen oder α-Interferon eine Besserung versucht werden. Besonders wichtig ist dies aufgrund einer drohenden Infertilität bei der beidseitigen Mumps-Orchitis.

Zusammenfassung

Orchitis

Entzündung des Hodens

Ursachen

  • viral über eine Virämie (häufigste Form ab der Pubertät: Mumps-Orchitis)

  • bakteriell über eine Bakteriämie oder (häufiger) fortgeleitet aus einer Epididymitis

Symptome

  • Symptome der Grunderkrankung

  • hochakute Schwellung unter heftigen Schmerzen

  • evtl. Hydrozele

  • hohes Fieber

  • Krankheitsgefühl

Diagnostik

  • positives Prehn-Zeichen zur Abgrenzung gegenüber der Hodentorsion

  • Urin- und Serumdiagnostik

  • Ultraschall

Therapie

  • unspezifisch bei viralen Entzündungen

  • antibiotisch bei bakteriellen Formen

  • Bettruhe

  • Antiphlogistika

  • Hochlagerung und Kühlung des Hodens

Epididymitis

Die Entzündung des EpididymitisNebenhodens (Epididymis) entsteht ab der Pubertät, im Kindesalter höchstens einmal bei Fehlanlagen, z. B. mit resultierenden Harnabflussbehinderungen.
Krankheitsentstehung
In aller Regel wird die Entzündung bakteriell verursacht – meist aufsteigend aus einer Urethritis oder Prostatitis, z. B. im Rahmen einer Gonorrhö oder einer Katheterisierung. Eher selten entsteht sie hämatogen aus einer Bakteriämie. Als häufigste Ursache gelten bei jungen Männern Chlamydien; in der 2. Lebenshälfte findet man vor allem gramnegative Keime wie Escherichia coli, Proteus oder Pseudomonas.
Symptomatik
Im Vordergrund steht die akut beginnende, lokale, sehr schmerzhafte Schwellung unter Rötung und Überwärmung der Skrotalhaut. Die Schmerzen können in Leiste und Unterbauch ausstrahlen. Das begleitende Fieber ist meist weniger ausgeprägt als bei der Orchitis, kann aber auch auf 40 °C steigen. Entsprechendes gilt für das begleitende Krankheitsgefühl. Bei einem allmählichen Beginn ist vor allem an eine Tuberkulose von Hoden bzw. Nebenhoden zu denken. Aufgrund der Aszension der Keime besteht meist gleichzeitig eine Dysurie und PollakisuriePollakisurieEpididymitis.
Diagnostik
Bei der Palpation tastet sich der Nebenhoden verdickt und druckschmerzhaft. Beim Anheben des Skrotums werden die Schmerzen leichter (positives Prehn-Zeichen).EpididymitisPrehn-Zeichen Die genauere Abgrenzung kann im Ultraschall erfolgen. Hier erkennt man auch eine begleitende Hydrozele oder ein Übergreifen auf den Hoden.
Entsprechend der Orchitis kann der Urinstatus Aufschluss über den verursachenden Erreger liefern. Begleitend besteht eine LeukozyturieLeukozyturieEpididymitis.
Therapie
Bei den üblichen bakteriellen Formen gibt man Antibiotika. Ist in der Urinkultur kein Erreger nachweisbar, sollte das wirksame Spektrum unbedingt Chlamydien und Mykoplasmen mit einschließen. Entsprechend der Orchitis erfolgt neben der einzuhaltenden Bettruhe die Ruhigstellung des Nebenhodens unter Hochlagerung und Kühlung. Begleitend wirken Antiphlogistika sowohl der Entzündung als auch den Schmerzen entgegen. Wichtig ist, die Therapie so rechtzeitig und effektiv zu beginnen, dass die Entzündung nicht auf den Hoden übergreift.

Zusammenfassung

Epididymitis

Entzündung des Nebenhodens

Ursachen

  • aus Urethra oder Prostata aufsteigende bakterielle Infektion

  • häufigste Keime: Chlamydien und Escherichia coli

Symptome

  • akute, in Leiste und Unterbauch ausstrahlende Schmerzen

  • Schwellung und Rötung des Skrotums

  • Fieber, Krankheitsgefühl

Diagnostik

  • tastbare, schmerzhafte Schwellung des Nebenhodens

  • positives Prehn-Zeichen

  • Urinstatus (Bakterien, Leukozyturie)

Therapie

  • Bettruhe

  • Kühlung und Hochlagerung des Skrotums

  • Antibiotika, Antiphlogistika (z. B. Ibuprofen)

Hodentumoren

Maligne Tumoren des HodensHodentumoren betreffen in Deutschland 4.000 Männer/Jahr (Stand 2012). Sie liegen damit in der Krebsstatistik an 15. Stelle. Man findet vereinzelt Tumoren wie das RhabdomyosarkomRhabdomyosarkom, Hoden, das aus dem M. cremaster entsteht, oder LeydigzelltumorenLeydigzell-Tumoren, die teilweise Östrogene produzieren und dann zur Gynäkomastie GynäkomastieHodentumorenführen. Mit weitem Abstand am häufigsten aber entstehen maligne Hodentumoren aus den Keimzellen; sie werden deshalb als Seminome bezeichnet. Seminome
Krankheitsentstehung
Beim Seminom geht man davon aus, dass es nicht aus maligne entarteten, zunächst normalen Spermatogonien entsteht, sondern dass sich die betroffenen Zellen aus Vorstadien entwickeln, die bereits beim Neugeborenen angelegt sind und ab der Pubertät als Resultat hypophysärer Hormone ihr invasives Wachstum beginnen. Von daher wird verständlich, dass es sich um einen Krebs junger Männer handeln muss.

Merke

Hodenkrebs betrifft weit überwiegend junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Er stellt hier die häufigste Krebserkrankung überhaupt dar.

Als Risikofaktor für die Entstehung von Seminomen gilt der HodenhochstandSeminomMaldescensus testisMaldescensus testis, Seminom. Das Risiko bleibt auch nach operativer Verlagerung ins Skrotum erhalten und betrifft zusätzlich den kontralateralen, normal deszendierten Hoden. Man kann deshalb davon ausgehen, dass der Hoden nicht entartet, weil er nicht deszendiert ist, sondern dass der Maldescensus vor allem Hoden mit entsprechender Anlage betrifft. Nicht näher definierte familiäre Faktoren scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen.
Symptomatik
Im Vordergrund steht die Vergrößerung des betroffenen Hodens mit subjektiv empfundenem Schweregefühl. Schmerzen bestehen so gut wie nie. Beim seltenen Leydigzelltumor könnte eine GynäkomastieGynäkomastieHodentumoren das Erstsymptom darstellen.
Diagnostik
Der Hoden tastet sich vergrößert und sehr derb, ohne wesentlichen Druckschmerz. Für diese Konstellation existiert keine Differenzialdiagnose. Im Gegensatz zur Hydrozele ist die Diaphanoskopie mit der Taschenlampe negativ. Über Ultraschall, Röntgen und CT werden Hoden, Bauchraum und u. a. auch die Lunge untersucht, um keine Metastasen zu übersehen.
Therapie
Mittel der Wahl ist die EntfernungSemikastration HodentumorenSemikastrationdes Hodens (Semikastration). Befallene retroperitoneale Lymphknoten werden entfernt, in Zweifelsfällen auch bestrahlt, weil Seminome einschließlich ihrer Metastasen sehr strahlensensibel sind. Bei inoperablen hämatogenen Fernmetastasen wird eine Chemotherapie versucht.
Insgesamt ist die Prognose mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 95 % außergewöhnlich gut, weil die Tumoren aufgrund ihrer frühen Erkennbarkeit in aller Regel noch vor einer beginnenden Metastasierung entfernt werden.

Zusammenfassung

Hodentumoren

Häufigstes Malignom junger Männer

Ursachen

  • ab der Pubertät durch LH/FSH stimulierte, bereits bei der Geburt angelegte maligne Vorstadien

  • Maldescensus testis

  • familiäre Faktoren

Symptome

  • keine Schmerzen

  • Schweregefühl durch Vergrößerung des Hodens

  • Gynäkomastie bei Leydigzelltumoren (selten)

Diagnostik

  • Hoden palpatorisch derb und schmerzfrei vergrößert

  • negative Diaphanoskopie

  • Sonographie, CT

Therapie

  • Semikastration

  • Bestrahlung, bei Bedarf palliative Chemotherapie

  • insgesamt hervorragende Prognose

Balanitis

Unter BalanitisBalanitis versteht man die Entzündung der Glans penis (Balanos = Eichel). In der Regel sind sowohl das innere Blatt der Vorhaut als auch die distale Urethra mitbetroffen, sodass es neben den lokalen Beschwerden auch zur Dysurie kommt.
Krankheitsentstehung
Von mechanischen Irritationen abgesehen kommen als Erreger vor allem Bakterien (z. B. Chlamydien, Mykoplasmen, Gonokokken, Ureaplasmen u. a.) in Frage. Die Ansteckung erfolgt in aller Regel beim Geschlechtsverkehr. Überwiegend bei lokalen oder systemischen Immunschwächen einschließlich Diabetes mellitus findet man nicht so selten Pilze (v.a. Candida albicans). Auch Trichomonas vaginalis als Vertreter der Protozoen ist ursächlich möglich.
Symptomatik
Glans penis und evtl. das innere Preputialblatt sind flächig oder fleckig gerötet, teilweise auch von Erosionen durchsetzt. Neben den lokalen Schmerzen besteht manchmal Juckreiz sowie bei Beteiligung der Urethra eine Dysurie. Bei einem Candidabefall sieht man evtl. weiße Beläge (Abb. 7.5).
Sonderformen
Als Autoimmunreaktion vor allem bei jungen Männern mit dem HLA-Gen B 27 findet man nicht so selten im Anschluss an Infektionen des Darms oder Urogenitaltrakts, oft aber auch ohne erkennbaren Zusammenhang, die Symptomen-Trias aus Konjunktivitis, Oligoarthritis und UrethritisUrethritisBalanitis, evtl. mit begleitender Balanitis (Abb. 7.6), die in dieser Konstellation als Morbus ReiterReiter-Syndrom, Balanitis bezeichnet wird. Die infektiöse Ursache ist unklar. Man hat u. a. ChlamydienChlamydienBalanitis und Yersinien im Verdacht, doch entsteht der Morbus Reiter besonders häufig auch begleitend zu einem Morbus Bechterew, sodass die infektiöse Ursache beider Autoimmunkrankheiten möglicherweise dieselbe ist.
Weitere Sonderformen einer Balanitis bestehen in einer möglichen Beteiligung der Glans penis bei der PsoriasisPsoriasis, Balanitis, in Formen mit rezidivierender Ausbildung von AphthenAphthen, Balanitis, evtl. unter Beteiligung der Mundschleimhaut, oder in allergischen Manifestationen z. B. gegenüber lokalen Anwendungen der Partnerin.
Diagnostik
Über lokale Abstriche und eine Urindiagnostik (erste Harnportion!) versucht man den Erreger zu finden.
Therapie
Behandelt wird in Abhängigkeit von der Ursache mit antibiotischen oder antimykotischen Salben, bei Beteiligung der Urethra eventuell auch in oraler Form. Besonders wichtig ist eine möglichst perfekte Hygiene. Die Partnerin sollte parallel untersucht und therapiert werden.

Merke

Es ist zu beachten, dass die Keime der Balanitis regelhaft sexuell übertragen werden, wenn man von Sonderformen wie einer Psoriasis oder einem Morbus Reiter absieht. Für den Heilpraktiker gilt deshalb ein Behandlungsverbot nach § 24 IfSG.

Zusammenfassung

Balanitis

Entzündung der Glans penis, meist unter Beteiligung des inneren Preputialblatts als Balanoposthitis, teilweise auch unter Einschluss der Urethra

Ursachen

  • mechanische Irritationen

  • Infektionen durch Bakterien, Pilze und Trichomonaden

  • allergische Manifestationen

  • Beteiligung bei einem Morbus Reiter, einer Psoriasis

  • ätiologisch unklare aphthöse Formen

Symptome

  • umschriebene oder flächige Rötungen

  • teilweise Erosionen oder sogar Ulzera (Syphilis)

  • bei Candidabeteiligung evtl. weißliche Beläge

Diagnostik

  • lokale Abstriche

  • Urinstatus

Therapie

  • lokale antibiotische oder antimykotische Externa

  • perfekte Hygiene

  • bei sexueller Genese Behandlungsverbot nach § 24 IfSG

Peniskarzinom

Karzinome des PenisPeniskarzinom sind selten. Am ehesten entstehen sie im fortgeschrittenen Lebensalter (> 60 Jahre).
Krankheitsentstehung
Als wesentlicher Risikofaktor gilt die PhimosePhimosePeniskarzinom wegen der daraus folgenden hygienischen Mängel mit unzureichender Entfernung des Smegmas und rezidivierenden Irritationen bzw. Entzündungen der Eichel (Balanitis). Auch die Infektion mit HPV-VirenHPV-Viren, Peniskarzinom (v.a. Typ 6 und 11) begünstigen mit ihren spitzen Kondylomen die Entstehung – entsprechend dem Zervixkarzinom der Frau. Wahrscheinlich bilden HPV-Viren die eigentliche Ursache, während die Phimose lediglich zu einem leichteren Angehen der Infektion beiträgt.
Peniskarzinome nehmen ihren Ausgang vom mehrschichtigen, wenig verhornten Plattenepithel der Glans penis und sind dementsprechend nahezu immer Plattenepithelkarzinome (Abb. 7.7). Nur sehr selten entstehen weitere Malignome wie z. B. Basaliome, maligne Melanome oder Adenokarzinome. Teilweise sieht man Vorstadien wie z. B. den Morbus BowenBowen-Syndrom, Peniskarzinom, bei dem sich das Wachstum noch auf die Epidermis beschränkt (Abb. 7.8).
Symptomatik
Wie bei Karzinomen üblich entstehen lokal zumindest in frühen Stadien keine Schmerzen. Leichte Irritationen oder auch ein Juckreiz sind möglich.
Oberflächlich wachsende Plattenepithelkarzinome metastasieren selten bzw. spät, am ehesten in die inguinalen Lymphknoten. Erst beim weiteren, invasiven Wachstum steigt das Risiko für Lymphknotenmetastasen im Beckenbereich bzw. für hämatogene Fernmetastasen.
Therapie
Die Therapie erfolgt durch Operation (Penis-Teilamputation) und evtl. Bestrahlung. Die Leistenlymphknoten müssen intraoperativ auf einen Befall kontrolliert werden. Chemotherapien sind beim (metastasierten) Peniskarzinom weitgehend wirkungslos.

Zusammenfassung

Peniskarzinom

Seltenes Karzinom des fortgeschrittenen Lebensalters, meist als Plattenepithelkarzinom

Begünstigende Faktoren

  • rezidivierende Balanitiden

  • Phimose

  • mangelhafte Hygiene

  • Infektionen mit humanen Papilloma-Viren (HPV) als wahrscheinliche Hauptursache

Symptome

  • schmerzloses lokales Wachstum

  • geringe Metastasierungstendenz

Therapie

  • Penis-Teilamputation unter Kontrolle der inguinalen Lymphknoten

  • evtl. Bestrahlung

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