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B978-3-437-58072-7.00006-3

10.1016/B978-3-437-58072-7.00006-3

978-3-437-58072-7

Abb. 6.1

[L190]

Rektale Palpation der Prostata

Abb. 6.2

[L157]

Prinzip der Katheterisierung (a) und Beispiele für Katheter (b)

Andrologie - Untersuchung

  • 6.1

    Anamnese123

  • 6.2

    Inspektion und Palpation123

    • 6.2.1

      Penis123

    • 6.2.2

      Hoden123

    • 6.2.3

      Prostata und Samenbläschen124

    • 6.2.4

      Lymphknoten124

  • 6.3

    Apparative Diagnostik124

Hinweis Prüfung

Die andrologische Anamneseandrologische AnamneseAnamneseandrologische und Untersuchung wird im Folgenden ohne sexuelle Fehlfunktionen dargestellt, weil hierfür spezifisches Fachwissen zugrunde liegen sollte. Dies allerdings ist vom angehenden Heilpraktiker weder zu erwarten noch ist es erforderlich oder prüfungsrelevant.

Anamnese

Wie allgemein üblich, stehen die subjektiv empfundenen Beschwerden im Vordergrund. Schmerzen sollten unter Einschluss sämtlicher möglicher Ausstrahlungen erfragt werden, nach ihrem Charakter, ihrer Ausprägung und möglichen Abhängigkeit z. B. von der Miktion. Ein Kolikschmerz hat andere Bezüge als ein dumpfer Dauerschmerz, ein sich langsam entwickelnder Schmerz ist anders einzuordnen als ein hochakutes dramatisches Ereignis. Beispielsweise wird der Kapseldehnungsschmerz einer Nephritis als dumpfer, tiefsitzender Schmerz im Nierenlager empfunden, während eine Ureterkolik die typische an- und abschwellende Symptomatik im Ureterverlauf zeigt, je nach Lage des Steins oder Blutkoagels evtl. mit Ausstrahlung in Leiste oder Skrotum. Der sich subakut entwickelnde Schmerz der Orchitis oder Epididymitis kann anamnestisch von der meist hochakuten Hodentorsion abgegrenzt werden, während z. B. ein Hodentumor über lange Zeit überhaupt keine Schmerzen verursacht.
Als weiteres urologisches Leitsymptom sind die MiktionMiktion und ihre Störungen anzusehen, einschließlich einer möglichen Nykturie. Die akute Prostatitis zeigt mit Dysurie, Harndrang und PollakisuriePollakisurieProstatitis eine der Zystitis vergleichbare Symptomatik, einschließlich der häufig vorhandenen Unterbauchschmerzen. Eine erste Abgrenzung gelingt durch die zusätzliche Schmerzausstrahlung in Hoden und v.a. Dammregion. Eine erschwerte Miktion, v.a. beim älteren Patienten, die mit abgeschwächtem Harnstrahl, Nachträufeln und Nykturie einhergeht, lässt an eine benigne Prostatahyperplasie, im ungünstigsten Fall an ein Prostatakarzinom denken.
Die MakrohämaturieMakrohämaturie stellt ein weiteres anamnestisches Leitsymptom dar. Bei begleitenden kolikartigen Schmerzen im Ureterverlauf ist sie leicht einzuordnen. Dasselbe gilt bei vorhandener Dysurie und Pollakisurie bzw. Schmerzen im Nierenlager, Fieber und Krankheitsgefühl. Dagegen ist die schmerzlose Hämaturie zunächst und so lange karzinomverdächtig, bis eine andere Ursache nachgewiesen ist.

Inspektion und Palpation

Penis

Die Inspektion PenisUntersuchungerfasst neben Fehlbildungen v.a. entzündliche und tumorverdächtige Bezirke. Zur Inspektion von Glans penisGlans penisInspektion und HarnröhrenmündungHarnröhrenmündung, Inspektion sollte die Vorhaut zurückgeschoben werden.

Merke

Bei entzündlichen Veränderungen oder z. B. einem eitrigen Fluor aus der Harnröhre hat nach § 24 IfSG eine weitere diagnostische Abklärung zu unterbleiben, weil von einer sexuell übertragenen Krankheit ausgegangen werden muss. Der Patient ist in diesen Fällen an den Arzt zu verweisen.

Hoden

Wegen der Empfindlichkeit Hoden, Untersuchungdes Hodens hat die Palpation mit besonderer Behutsamkeit zu erfolgen. Man achtet neben der Größe des Organs (ca. 20 ml) auf die Konsistenz, auf umschriebene Veränderungen und besondere Druckschmerzhaftigkeit. HodentumorenHodentumorenPalpation tasten sich üblicherweise derb und knotig, ohne besonderen Druckschmerz.
Der Nebenhoden ist von der Konsistenz her deutlich weicher und weniger druckempfindlich – abgesehen von der EpididymitisEpididymitisPalpationNebenhoden, Untersuchung. Der Schmerz der Entzündung lässt beim Anheben von Hoden und Nebenhoden nach, während er z. B. bei der Hodentorsion eher nochmals verstärkt wird (Prehn-Zeichen). Prehn-Zeichen
Bei der SkrotalhernieSkrotalhernie tastet sich der zusätzliche Skrotalinhalt neben Hoden und Nebenhoden. Auskultatorisch sind evtl. Darmgeräusche zu hören. Die Untersuchung beim Verdacht auf LeistenhernienLeistenbruchUntersuchung wird im Fach Verdauungssystem beschrieben.
Eine VarikozeleVarikozele des Plexus pampiniformis kann im Verlauf des Samenstrangs zwischen Hoden und äußerem Leistenring erkannt werden. Wegen des Abflusses der linken V. testicularis in die V. renalis befindet sie sich meist auf der linken Seite.
Die Hydrocele testisHydroceletestis tastet sich als prall-elastische Geschwulst. Sie wird am sichersten in der Diaphanoskopie erkannt. Darunter versteht man das Durchleuchten des Skrotums mit einer Taschenlampe bzw. dem Otoskop, wobei der Lichtstrahl durchscheinend ist und evtl. rot aufleuchtet. Auch die seltenen Zysten des Nebenhodens zeigen eine positive DiaphanoskopieDiaphanoskopieHydrozeleHydrozeleDiaphanoskopie.

Prostata und Samenbläschen

Die Palpation Prostaglandinsynthesehemmer, Niereninsuffizienz, chronischeUntersuchungSamenbläschendrüsenUntersuchungerfolgt von rektal entweder in Steinschnittlage, in Seitenlage mit angewinkelten Beinen oder am stehenden, nach vorne gebeugten Patienten (Abb. 6.1). Über den behandschuhten, untersuchenden Zeigefinger wird zusätzlich ein Fingerling gestülpt und ein Gleitmittel (z. B. Vaseline) aufgetragen. Das Eindringen lässt sich durch Pressen des Patienten erleichtern.
Nach Austasten der Ampulle zum Ausschluss eines distalen rektalen Tumors wird die Prostata (Vorsteherdrüse)UntersuchungProstata palpiert und auf Größe, Konsistenz und Druckschmerzhaftigkeit beurteilt. Umschriebene Verhärtungen oder Konsistenzverschiebungen zwischen den beiden Lappen sind tumorverdächtig. Schmerzhaftigkeit weist auf eine Prostatitis hin. Hier tastet sich die Prostata auch meist weich und nachgiebig, während das unveränderte Organ eine prall-elastische Konsistenz aufweist.
Die Bläschendrüsen am dorsalen Oberrand der Prostata können wegen ihrer weichen Konsistenz üblicherweise nicht getastet werden. Werden sie tastbar, sind sie vergrößert und sollten durch Zusatzuntersuchungen abgeklärt werden.

Lymphknoten

Die inguinalen LymphknotenLymphknoten, inguinale lassen sich in der Leiste als derbe, wenige Millimeter große, gut verschiebliche Knötchen palpieren. Sind sie vergrößert, eventuell druckschmerzhaft oder vielleicht miteinander verbacken, ist am Bein und im äußeren Genitalbereich nach der Ursache zu fahnden.
Im Bereich der unteren Extremität stehen entzündliche Veränderungen wie ein Erysipel sowie Tumoren wie z. B. ein malignes Melanom im Vordergrund. Von den Genitalorganen werden vor allem Penis und die Skrotalhaut in die Leiste drainiert. Bei der Bubonenpest sowie einzelnen sexuell übertragenen Erkrankungen wie z. B. Lymphogranuloma inguinale oder Ulcus molle können die Leistenlymphknoten eitrig einschmelzen – mit der Gefahr eines nachfolgenden Lymphödems der unteren Extremität.

Apparative Diagnostik

Die wichtigste Untersuchungsmethode besteht in der Sonographie, mit der sämtliche Unterbauchorgane beider Geschlechter ohne Schmerzen und ohne Risiken beurteilt werden können. Lediglich bei der Fragestellung vergrößerter Lymphknoten im Beckenbereich hat die Methode ihre Grenzen. Dabei wird die Ultraschalluntersuchung der Prostata bevorzugt von rektal, die Untersuchung der weiblichen Adnexe transvaginal vorgenommen.
CT und MRT, zur Abklärung der Wirbelsäule evtl. auch die einfache Röntgenaufnahme, dienen auch im Beckenbereich weitergehenden Fragestellungen. Beim Verdacht auf ein Karzinom der Prostata erfolgt die Gewinnung von Gewebeproben gezielt und ultraschallgeführt von rektal.
Die HarnuntersuchungHarnuntersuchung beim Verdacht auf Prostatitis mit der Dreigläserprobe wurde bereits besprochen (Kap. 3.3.4). Die Gewinnung des Urins bei Zystitis bzw. Pyelonephritis kann über einen EinmalkatheterEinmalkatheter erfolgen (Abb. 6.2). Da hierbei die Gefahr der Keimeinschleppung droht, bleibt die Methode üblicherweise der Entlastung eines akuten Harnstaus vorbehalten. Für diesen Einsatzzweck genügt ein relativ dünner Katheter der Größe 12, während als Verweilkatheter dickere Chargen gewählt werden, die zusätzlich mittels Ballon in ihrer Position fixiert werden müssen. Man kann zur Gewinnung von Harnblasenurin, Gewinnungsuprapubische PunktionBlasenurin auch die sterile suprapubische Punktion wählen, falls der Mittelstrahlurin aus irgendwelchen Gründen nicht in Frage kommt.

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