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B978-3-437-58785-6.00024-7

10.1016/B978-3-437-58785-6.00024-7

978-3-437-58785-6

Abb. 24.2

[L190]

Verschiedene Altersverläufe (verändert nach Nikolaus und Zahn). Linie 1: Stark beschleunigter Altersprozess nach dem 6. Lebensjahr bei der Progerie (vorzeitige Alterung). Linie 2: Risikofaktoren (Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Nikotin) führen ebenfalls zu einer schnelleren Alterung. Nach einem Akutereignis (z. B. Schlaganfall) kann durch therapeutische Intervention eine Besserung der Lebenserwartung und der Lebensqualität erreicht werden (gestrichelte Linie). Linie 3: Rasche Funktionsbeeinträchtigung, wie sie für Demenzkranke typisch ist. Es folgt eine mehrjährige Phase der Behinderung und Pflegeabhängigkeit. Linie 4: „Normales Altern“. Bis ins hohe Alter bestehen nur leichte Beeinträchtigungen. Die Phase von Behinderung und Pflegeabhängigkeit ist auf wenige Monate beschränkt (durch medizinische Therapien oft erheblich verlängert). Linie 5: Idealtypischer Verlauf des Alterns („In hohem Alter auf der Parkbank friedlich eingeschlafen“).

Abb. 24.3

[W193]

Der Altersaufbau der deutschen Bevölkerung von 1910 bis 2060 (geschätzt)

Abb. 24.4

[L190]

Veränderungen der Atemvolumina während des Lebens. Bei Kindern und Jugendlichen steigt v. a. die Vitalkapazität stark an. Ab dem Erwachsenenalter nimmt die Totalkapazität durch Elastizitätsverminderung sowohl des Thorax als auch der Lunge ab und gleichzeitig das Residualvolumen zu. Dadurch sinkt die Vitalkapazität.

Alter

Abb. 24.1

[L275]

Übersicht über physiologische Veränderungen und häufige Erkrankungen im Alter

Lernziele

Kenntnisse über Veränderungen der Organfunktionen und häufige Erkrankungen im Senium.

Allgemeines

Alter$Altern ist ein natürlicher Prozess, der mit körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen einhergeht. Diese Veränderungen sind irreversibel, universal, lassen sich nicht verhindern und münden im biologischen Tod. Alterungsprozesse laufen sehr unterschiedlich ab, sie sind nicht automatisch mit Krankheit gekoppelt, die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen steigt jedoch.

Definitionen, die an das Alter gebunden sind:

  • Klimakterium$Klimakterium mit Prämenopause, Menopause$Prämenopause$Menopause und Postmenopause$Postmenopause

  • Senium$Senium mit der Unterteilung in ältere, alte, hochbetagte und langlebige Menschen

AlterAltern ist ein Prozess, der nicht genau definiert ist. Nichtsdestotrotz können einige Kriterien hervorgehoben werden, die mit dem Prozess untrennbar verbunden sind. Es ist ein natürlicher Vorgang, der mit körperlichen, psychischen und sozialen Veränderungen einhergeht. Diese sind irreversibel und beginnen mit dem Zeitpunkt der Geburt. Einige Forscher gehen davon aus, dass die Veränderungen bereits zum Zeitpunkt der Zeugung in Gang kommen. Diese Prozesse sind universal, sie betreffen alle höheren Lebewesen, nicht nur den Menschen, und sind durch die genetische Determinierung nicht zu verhindern und enden mit dem biologischen Tod. Sie gehen mit einer verminderten Anpassungsfähigkeit des Individuums an wechselnde Bedingungen einher. Gleichzeitig muss betont werden, dass Altern nicht unbedingt an eine Gebrechlichkeit oder Krankheit gekoppelt ist. Die Wahrscheinlichkeit von Erkrankungen steigt jedoch mit zunehmendem Alter.
Alterungsprozesse verlaufen sehr unterschiedlich (Abb. 24.2), das biologische Alter muss dabei nicht mit dem kalendarischen Altern übereinstimmen. Das kalendarische oder biografische Alter ist das Alter, das mit Zahlen erfasst wird, z. B. 48 Jahre. Das biologische Alter gibt Auskunft über Fitness, Belastbarkeit und aktuellen Gesundheitszustand, wobei eine genaue Messung nicht möglich ist. Ein Mensch mit 82 Jahren kann durchaus gesünder und belastbarer sein als ein gebrechlicher, immobiler Mensch mit 68 Jahren. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die das Altern und die Gesundheit bzw. Krankheitswahrscheinlichkeit beeinflussen. Dazu zählen z. B. der Lebensstil und Gesundheitsverhalten, die individuelle Lebenssituation, soziale Ungleichheit, pflegerische und medizinische Versorgung und auch gesellschaftliche Aspekte. Mit diesen Prozessen befasst sich die GerontologieGerontologie (Alternsforschung). Diese Disziplin untersucht und beschreibt die Gesetzmäßigkeiten des Alternsprozesses.
Die GeriatrieGeriatrie beschäftigt sich mit der Gesundheit im Alter und den präventiven, klinischen, rehabilitativen und sozialen Aspekten von Krankheiten. Das Ziel ist die maximal mögliche Wiederherstellung an körperlicher und psychischer Gesundheit, Vitalität sowie Selbstständigkeit.

ABBILDUNG 24.2

Definitionen, die im Zusammenhang mit dem Altern verwendet werden:
  • Das KlimakteriumKlimakterium (Wechseljahre)Wechseljahre stellt eine Lebensphase bei Frauen zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr dar. Es besteht aus 3 Phasen:

    • PrämenopausePrämenopause: Ist durch nachlassende Ovarialfunktion gekennzeichnet, besonders im Hinblick auf die Progesteronbildung. Kennzeichen sind u. a. unregelmäßige Monatsblutungen mit zunehmenden anovulatorischen Zyklen, prämenstruelle Symptome wie Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen. Die Prämenopause tritt ca. 4–5 Jahre vor der Menopause auf und in der Regel nach dem 40. Lebensjahr.

    • MenopauseMenopause: Zeitpunkt der letzten Regelblutung.

    • PostmenopausePostmenopause: Zeitpunkt ab 1 Jahr nach der Menopause. Diese Periode ist durch einen Hormonabfall (Östrogen und Progesteron) gekennzeichnet, der mit genitaler Involution, dauerhafter Sterilität, aber auch Abnahme der Hautstraffheit, Trockenheit der Schleimhäute, Osteoporose und Vermännlichungserscheinungen einhergeht.

  • KlimakteriumpraecoxClimacterium praecox: Eintritt ins Klimakterium vor dem 40. Lebensjahr.

  • SeniumSenium (Alter): Uneinheitlich definiert und willkürlich auf einen Zeitraum, meist zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr gelegt, was mit der Berentung der meisten Menschen zusammenfällt. Es kann weiterhin unterteilt werden in:

    • Ältere Menschen: bis zum 75. Lebensjahr

    • Alte Menschen: zwischen dem 75. und 90. Lebensjahr

    • Hochbetagte oder sehr alte Menschen: zwischen dem 90. und 100. Lebensjahr

    • Langlebige: Menschen, die älter als 100 Jahre alt sind

Alternstheorien

Es existiert eine Vielzahl an Alternstheorien,$Alternstheorien die unterschiedliche Aspekte beleuchten (soziale, psychologische, biologische). Keine der Theorien erfasst all die komplexen Prozesse, die im Alter auftreten.

Es lassen sich unzählige AlternstheorienAlternstheorien nennen, die unterschiedliche Aspekte des Alterns im Fokus haben. Dazu zählen u. a. biologische, psychologische und soziale Theorien, je nachdem, worauf der Fokus gerichtet ist.
Soziale bzw. sozialpsychologische Theorien
Sie beleuchten die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um ein subjektiv zufriedenstellendes Erleben des Alters zu haben. Bei all den Betrachtungen spielen zwischenmenschliche Beziehungen und Bindungen eine wichtige Rolle. Eine der Theorien, die Aktivitätstheorie,Aktivitätstheorie geht davon aus, dass es enge Verknüpfungen zwischen Lebenszufriedenheit und der Intensivität und Intimität der sozialen Kontakte, sowohl inner- als auch außerfamiliär, gibt. Beeinflussend bzw. einschränkend kann sich dabei die Pensionierung, der Verlust nahestehenden Menschen, die Auflösung der Großfamilie, ein möglicher Wohnwechsel in ein Alten- und/oder Pflegeheim auswirken. Kompensatorisch müssen Ersatzaktivitäten, z. B. in Form von Hobbys oder Freundschaften, in den Vordergrund treten, um Verluste auszugleichen und das Aktivitätsbedürfnis zu befriedigen. Mit anderen Worten: Die Theorie vertritt die Auffassung, dass der Mensch dann glücklich und zufrieden ist, wenn er gebraucht wird und eine Aufgabe hat. Die Aktivitätstheorie gilt als eine bedeutende Theorie. Weitgehend unberücksichtigt bleiben individuelle Wünsche nach der Intensität sozialer Kontakte, die von Mensch zu Mensch stark variieren.
Psychologische Alternstheorien
Diese Theorien untersuchen den Prozess des Alterns unter den Aspekten des Verhaltens und Erlebens in Hinsicht auf z. B. Denkleistungen, Motivation oder Befindlichkeit. Eine Theorie, das DefizitmodellDefizitmodell nach Wechsler, Lehmann und Botwinick, geht davon aus, dass das Altern ein Prozess ist, bei dem der Verlust bzw. Abbau von intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten dominieren. Diese Theorie ist in weiten Teilen revidiert worden. Im Zuge der Revision sind auch die Begriffe der fluiden und kristallinen Intelligenz entwickelt worden. Die fluide IntelligenzIntelligenzfluide (Mechanik der Intelligenz) umfasst Prozesse, die an abstraktes und komplexes Denken gekoppelt sind und für deren Lösung synaptische Knüpfungen benötigt werden. Die kristalline IntelligenzIntelligenzkristalline (Pragmatik der Intelligenz) ist an Faktenwissen gekoppelt, das sich ein Mensch im Laufe des Lebens aneignet und zueinander in Beziehung setzt oder unter kulturellen Aspekten modifiziert. Weiterhin ist diese Art der Intelligenz an die unschätzbaren Werte der Lebenserfahrung gekoppelt. Soziale Kompetenzen werden ebenfalls unter der kristallinen Intelligenz zusammengefasst. Untersuchung zufolge zeigen ältere Menschen einen Rückgang der fluiden Intelligenz, die kristalline Intelligenz bleibt konstant hoch oder nimmt sogar zu.
Eine andere Theorie, die kognitive Alterstheorie,kognitive Alterstheorie befasst sich mit dem subjektiven Erleben und der subjektiven Interpretation des Alterungsprozesses. Im Vordergrund steht nicht so sehr der objektive Befund, z. B. eine Erkrankung, sondern die subjektive Beurteilung des Gesundheitszustands. Das wiederum hat Konsequenzen im Verhalten. Jemand, der eine oder mehrere Erkrankungen hat, aber sich glücklich, vital, angenommen und gesund fühlt, die Gegebenheiten für sich also insgesamt positiv bewertet, profitiert sicher in der Gesamtkonstellation im Hinblick auf das innerseelisches Erleben und auf das der Umwelt.
Biologische Alternstheorien
Biologische Alternstheorien befassen sich v. a. mit den biologischen Ursachen und v. a. den körperlichen Begleiterscheinungen des Alterns und können in endogene und exogene Theorien eingeteilt werden.
Endogene Theorien
Die endogenen Theorien (Altern durch genetische Mitgift) postulieren, dass das Altern, aber auch die Entwicklung und Fortpflanzung durch bestimmte Gene (Gerontogene)Gerontogene gesteuert bzw. mitgesteuert werden (Gegenregulationstheorie).
Die Telomeren-TheorieTelomeren-Theorie (Telomere = Chromosomenenden) besagt, dass die Anzahl der Zellteilungen begrenzt ist und durch die Telomerenlänge definiert ist. Die Länge der Telomeren verkürzt sich bei jeder Zellteilung, weil diese Enden nicht repliziert werden. Hat ein Telomer eine kritische Länge erreicht, teilt sich die Zelle nicht weiter. Mithilfe des Enzyms Telomerase können Telomere wieder länger werden; sie sind allerdings nur in Keimbahnzellen und Embryonalzellen aktiv, danach inaktiv. Unter pathologischen Umständen ist das Enzym auch in Tumorzellen aktiv, was eine ungebremste Teilung der Zellen erklärt.
Exogene Theorien
Die wichtigste Theorie ist die Theorie der freien Radikale.freie Radikale Freie Radikale, v. a. Sauerstoffradikale, sind äußerst reagible Teilchen, die v. a. mit Membranen, DNA und Enzymen reagieren und diese zerstören. Freie Radikale können durch Einflüsse der Umwelt, z. B. Strahlenbelastung, Alkohol, Rauchen, Umweltgifte und einige Medikamente entstehen. Sie entstehen aber auch durch endogene Prozesse wie Entzündungsreaktionen, Stress oder übermäßige körperliche Belastungen. Die Zellen verfügen zwar über neutralisierende, antioxidative Enzyme wie z. B. Glutathion-Peroxidase, Katalasen oder Superoxid-Dismutasen, aber die Konzentration dieser Enzyme nimmt im Laufe des Lebens ab, sodass die Zelle anfälliger wird. Die Annahme, dass die Zufuhr von Antioxidanzien, z. B. Vitamin C und E, lebensverlängernde Wirkungen hat, ist bis dato nicht bewiesen.
Am ehesten ist davon auszugehen, dass eine Wechselwirkung zwischen endogenen und exogenen Faktoren (Theorien) besteht und dass sich beide Anteile vermutlich gegenseitig beeinflussen.

Demografische Aspekte

demografische AspekteDie durchschnittliche LebenserwartungLebenserwartung ist seit 1900 bei beiden Geschlechtern enorm gestiegen. Um 1900 hat sie im Durchschnitt bei Männern 45 Jahre betragen, bei Frauen 48 Jahre. Heute kann die durchschnittliche Lebenserwartung bei Männern mit 77 Jahren und bei Frauen mit 82 Jahren angegeben werden, Tendenz steigend.
Die steigende Lebenserwartung kann durch bessere Lebensumstände erklärt werden, u. a. durch bessere Ernährung, komfortablere Wohnsituation, Sicherheit am Arbeitsplatz, bessere medizinische Versorgung, Abnahme der Säuglings- und Kindersterblichkeit, weniger Infektionskrankheiten und Seuchen. Gleichzeitig geht die Geburtenrate zurück, sodass der Altersaufbau der deutschen Bevölkerung deutliche Änderungen erfährt (Abb. 24.3); die Anzahl der älteren und alten Menschen steigt stetig und wird vermutlich (bei gleichbleibenden Bedingungen) um ca. 2060 ein Pilzform annehmen. Die gedachte Entwicklung kann zahlreiche Probleme mit sich bringen, u. a. Herausforderungen im Pflegesystem, Wirtschafts- und Finanzsektor.

ABBILDUNG 24.3

Physiologische Veränderungen im Alter

Psychische und soziale Veränderungen

Das Alter ist durch psychosoziale Veränderungen$Alterpsychosoziale Veränderungen gekennzeichnet, u. a. Berentung, Zunahme der Erkrankungswahrscheinlichkeit, Tod nahe stehender Menschen.

Alterpsychosoziale VeränderungenNeben körperlichen Veränderungen treten im Alter psychische und soziale Veränderungen auf. Das Alter ist in der Regel mit vielen Life Events vergesellschaftet, die ein hohes Maß an Adaptationsfähigkeit abverlangen. Zum einen ist das Alter mit einer Berentung verbunden, was häufig eine Neustrukturierung des Lebens verlangt, sowohl vom betroffenen Menschen selbst als auch vom Partner bzw. den Familienangehörigen. Zum anderen steigt die Wahrscheinlichkeit der körperlichen Erkrankungen, die sich häufig einschränkend auf den Alltag auswirken. Sie können eine psychische und soziale Belastung darstellen, in Abhängigkeit von der subjektiven Bewertung, Persönlichkeitsstruktur und der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Ferner steigt die Wahrscheinlichkeit, mit der Endlichkeit des menschlichen Daseins konfrontiert zu werden, sei es durch den Tod von Angehörigen, Freunden oder Bekannten. Die Hauptgefahr liegt in der Isolation des Menschen, z. B. durch einen Verlust eines geliebten Menschen oder durch körperliche Erkrankung, die zur Immobilität zwingt. All diese Gegebenheiten können den Alterungsprozess beschleunigen.

Körperliche Veränderungen und häufige Erkrankungen im Alter

Im Alter$Alterkörperliche Veränderungen$AlterKrankheiten treten biologische Veränderungen auf, die sich auf alle Organe und Organsysteme erstecken und mit Leistungsabnahme verbunden sind. Die häufigsten Erkrankungen des Alters sind:

  • Hypertonie

  • Diabetes mellitus

  • Apoplex

  • Arthrose

  • Herzerkrankungen

  • Chronische Bronchitis

  • Demenz

  • Augenleiden

  • Tumorerkrankungen

Alterkörperliche VeränderungenAlterKrankheitenDie körperlichen Veränderungen sind an eine Leistungsabnahme der Organe und Gewebe gekoppelt. Sie betreffen DNA, Zellen, Gewebe, Organe und den Gesamtorganismus. Die Fehler während der DNA-Replikation und Zellteilung nehmen zu, die Transkriptionsrate nimmt ab und damit die Eiweißsynthese der Zelle. Das hat eine Volumenabnahme der Zelle zur Folge, also eine Zellatrophie. Aus der Zellatrophie ergibt sich die Gewebe- und Organatrophie und damit Atrophie des Gesamtorganismus. In allen Organen nehmen der Wassergehalt ab und der Fettgehalt zu. Das Bindegewebe wird stärker quervernetzt, woraus eine gewisse Starrheit der Gewebe resultiert.
Zu den wichtigsten Erkrankungen (organ- und organsystemübergreifend) zählen:
  • Hypertonie

  • Diabetes mellitus

  • Apoplex

  • Arthrose

  • Herzerkrankungen (KHK, Herzinsuffizienz)

  • Chronische Bronchitis

  • Demenz

  • Augenerkrankungen (Makuladegeneration, Katarakt, Glaukom)

  • Tumorerkrankungen

Kardiovaskuläres System
kardiovaskuläres System Alter

Die $Alterkardiovasuläres SystemVeränderungen am Herzen und Gefäßen gehen durch Vermehrung der Bindegewebsanteile mit Elastizitätseinbußen einher, die durch kardiovaskuläre Risikofaktoren (v. a. Nikotinabusus, Diabetes mellitus, Dyslipoproteinämie, arterielle Hypertonie) beschleunigt werden. Die wichtigsten Erkrankungen sind:

  • Arterielle Hypertonie

  • KHK

  • pAVK

  • Apoplex

  • Mesenteriale Ischämie

  • Orthostase-Reaktion

Die Alterkardiovaskuläres Systemphysiologischen Veränderungen im Alter treten am Herzen und an den Gefäßen auf. Das Herzgewicht nimmt jenseits des 30. Lebensjahres durch Vermehrung der Muskelmasse zu. Gleichzeitig kommt es zur Verfestigung des Herzgewebes durch Zunahme der Bindegewebsanteile: Dies wiederum wirkt sich ungünstig auf die diastolische Funktion aus und führt zur verminderten Ventrikelfüllung. Die Herzleistung nimmt insgesamt gesehen ab. Am Erregungsleitungssystem nimmt die Zahl der Zellen am Sinus-Knoten durch bindegewebigen Umbau ab. Die maximale Herzfrequenz reduziert sich verglichen mit einem jungen Herzen und beträgt im Schnitt 150/Minute. Das Risiko einer ektopen Reizbildung nimmt zu, was sich in Form von Herzrhythmusstörungen manifestieren kann. Die Anpassung der Herzfrequenz an wechselnde Bedürfnisse des Körpers nimmt ab, sodass z. B. ein Herzfrequenzanstieg unter Belastung wesentlich träger erfolgt. Die Herzklappen verdicken und verlieren an Elastizität, was eine Öffnungs- und/oder Schließproblematik nach sich ziehen kann. Die Arterien, besonders die Aorta und die großen Arterien, büßen an Elastizität ein, was zur reduzierten Windkesselfunktion und zum Anstieg des peripheren Widerstands führt. Diese Tatsachen wiederum begünstigen eine arterielle Hypertonie. Die Kreislaufreflexe laufen langsamer ab, die besonders bei Lagewechsel zum Tragen kommen. Die verzögert ablaufende sympathisch-vasokonstriktorische Reaktion an den Gefäßen, die den peripheren Widerstand erhöhen soll, führt zu einem passageren reduzierten Volumenauswurf aus dem Herzen und damit zu einer kurzzeitigen Minderversorgung des Gehirns, was sich als Schwindel oder eine Synkope manifestieren kann. Beschleunigt werden diese Veränderungen durch die kardiovaskulären Risikofaktoren, wie Nikotinabusus, Diabetes mellitus, Dyslipoproteinämie und arterielle Hypertonie. Zu beachten ist, dass die Hypertonie zum einen die Veränderungen fördert, aber auch ein Produkt der Veränderungen ist.
Zu den häufigen kardiovaskulären Erkrankungen, die bei alten Menschen gehäuft auftreten, zählen:
  • Koronare Herzkrankheit: unterschiedliche Manifestationen, v. a. Angina pectoris, Herzinfarkt, Rhythmusstörungen, Herzinsuffizienz (6.4.8)

  • Hypertonie: kann als häufigste Begleiterscheinung des Alters gesehen werden (7.7.1)

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK): Belastungsschmerzen (Claudicatio intermittens), Ruheschmerzen, Gangränbildung (7.4.2)

  • Apoplex: Hemiparese, Verlust kognitiver Fähigkeiten und Ausbildung bleibender Behinderungen (19.3.8)

  • Mesenteriale Ischämie bis hin zum Mesenterialinfarkt: plötzliche, starke Bauchschmerzen, Darmnekrose und Ileussymptomatik (7.4.2)

  • Orthostase-Reaktion: Schwindel oder Synkopen durch verlangsamt ablaufende vasokonstriktorische Reaktionen an den Gefäßen (7.3.3)

Atemtrakt
Atemsystem Alter

Die $AlterAtemtraktVeränderungen am Atemtrakt gehen v. a. mit reduzierter mukoziliärer Clearance und Abnahme der Total- und Vitalkapazität einher. Beschleunigt werden die Prozesse durch Nikotinabusus. Häufigste Krankheiten:

  • Akute, chronische Bronchitis und COPD

  • Emphysembildung

  • OSAS

  • Bronchiektasen

  • Pneumonie

  • Tbc-Reaktivierung

Die AlterAtemtraktphysiologischen Veränderungen betreffen den luftleitenden und luftaustauschenden Apparat. Im Bereich der Nasenschleimhaut reduziert sich zum einen die Durchblutung, zum anderen atrophiert die Schleimhaut, was eine Trockenheit und Abnahme der mukoziliären Clearance nach sich zieht. Der Bronchialtrakt erfährt ebenfalls einen Verlust an Kinozilien, was ebenfalls die mukoziliäre Clearance reduziert. Die Total- und Vitalkapazität nimmt stetig ab, das Residualvolumen nimmt zu; bis zum 80. Lebensjahr verliert der Mensch ca. 30 % der Vitalkapazität (Abb. 24.4). Die Elastizität der Alveolen nimmt ab, was wiederum zur verminderten Sauerstoffsättigung des Bluts führt und damit zur verminderten Sauerstoffversorgung des Gesamtorganismus. Diese Tatsache führt zum Leistungsabfall der einzelnen Organe. Stärkere Abfälle der Sauerstoffsättigung bzw. der -partialdrücke führen zur Konstriktion der Pulmonalgefäße. Die Konstriktion führt zur Druckerhöhung im Pulmonalkreislauf und erhöhten Belastung des rechten Herzens. Die Brustkorbbeweglichkeit ist reduziert, was eine erschwerte Ventilation nach sich zieht. Die physiologischen Veränderungen des Respirationstrakts werden maßgeblich durch Noxenexposition beschleunigt, v. a. durch langjährigen Nikotinkonsum, Exposition gegenüber Stäuben, Dämpfen, Gasen oder organischen Partikeln, die zu irreversiblen Schäden im bronchopulmonalen System führen.

ABBILDUNG 24.4

Zu den pulmonalen Erkrankungen, die bei alten Menschen gehäuft auftreten, zählen:
  • Akute, chronische Bronchitis und COPD: Husten, Auswurf, ggf. Dyspnoe und reduziertes Allgemeinbefinden (8.5.4, 8.5.5)

  • Emphysembildung: Ruhedyspnoe, Zyanose, Fassthorax und respiratorische Insuffizienz (8.5.8)

  • Bronchiektasen: Ausbildung hoher Sputummengen (dreischichtiges Sputum) und rezidivierende Exazerbationen (8.5.7)

  • OSAS: nächtliche Apnoephasen, Schnarchen und Tagesmüdigkeit (8.5.3)

  • Pneumonie: Fieber, eitriges Sputum, Zyanose, Dyspnoe (8.5.10)

  • Tuberkulose-Reaktivierung: aus einem Primäraffekt durch nachlassen der Immunitätslage (22.7.1)

  • Bronchialkarzinom: Husten, blutiges Sputum, Dyspnoe, Zyanose und B-Symptome (8.5.14)

Verdauungstrakt
Verdauungstrakt Alter

Die Veränderungen im Verdauungstrakt$AlterVerdauungstrakt gehen zum einen mit verlangsamter Motilität zum anderen mit Schleimhautatrophie einher, die zur reduzierten Verdauungs- und Resorptionsleistung führen. Häufige Erkrankungen sind:

  • Karies, Parodontitis

  • Schluckstörungen

  • Obstipation, Blähungen

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

  • Mangelernährung

  • Divertikulose

  • Polypenbildung

  • Kolonkarzinom

  • Reduzierte Leber- und Pankreasfunktion

Die AlterVerdauungstraktphysiologischen Veränderungen betreffen den gesamten Verdauungsapparat. In der Mundhöhle kann die Atrophie des Zahnhalteapparats, der mit Zahnverlust einhergeht, erwähnt werden. Schlecht sitzende Prothesen oder fehlende Prothesen führen zur Kauunfähigkeit und damit zur Reduktion der Nahrungsmittelpalette. Die Speichelsekretion ist vermindert, was das Kauen und Schlucken deutlich erschwert. Im Ösophagus lassen sich wesentlich häufiger Motilitätsstörungen diagnostizieren, was Schluckschwierigkeiten verursacht. Die Magenmotilität ist ebenfalls reduziert. Ferner kann im Alter eine Schleimhautatrophie festgestellt werden, die mit einer verminderten Produktion des Magensaftes und damit einer verringerten Verdauung der Lebensmittel einhergeht. Die Resorption im Dünndarm ist reduziert und betrifft v. a. Vitamin B1, B12, Folsäure, Kalzium und Vitamin D, was Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen fördern kann. Die Darmperistaltik ist verlangsamt, was in Kombination mit vermindertem Durstgefühl und verringerter Trinkmenge, faserarmer Ernährung und möglicherweise Koerkrankungen, die sich ebenfalls negativ auf die Darmperistaltik auswirken, zu Obstipation und Folgeerkrankungen führt.
Zu den Erkrankungen des Verdauungstrakts, die bei alten Menschen gehäuft auftreten, zählen:
  • Karies, Parodontitis: Karies wird durch verminderte Speichelsekretion gefördert, die physiologisch im Alter ist. Der Mangel an Speichel kann durch Einnahme bestimmter Medikamente, u. a. Antidepressiva, Diuretika oder Antihypertensiva, verstärkt werden.

  • Schluckstörungen: Globusgefühl durch reduzierte Ösophagusmotilität.

  • Magenulzera: Epigastrische Schmerzen und Blutverlust (9.5.3).

  • Blähungen, Obstipation: Durch Abnahme der Darmperistaltik und Verdauungsschwäche.

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (9.6.3).

  • Mangelernährung: Führt zur Reduktion der Muskelmasse (Sarkopenie), insbesondere bei Patienten in Krankenhäusern und Pflegeheimen.

  • Divertikelbildung: Mit dem Risiko der Divertikulitis mit v. a. linksseitigen Unterbauchschmerzen, Fieber und Stuhlunregelmäßigkeiten (9.6.9).

  • Polypenbildung und Auftreten von Kolonkarzinomen (9.6.7, 9.6.10).

  • Reduzierte Leber- und Pankreasfunktion: Verdauungsschwäche, verlangsamter Metabolismus auch von Medikamenten und Alkohol.

Endokrines System
endokrines System Alter

Die Veränderungen im endokrinen System$Alterendokrines System betreffen v. a. die Wachstums-, Schilddrüsen-, Sexualhormone und das Insulin. Die häufigsten Erkrankungen sind:

  • Osteoporose

  • Diabetes mellitus

  • Hypothyreose

  • Sexualhormonmangel

Die Alterendokrines Systemphysiologischen Veränderungen im Bereich des endokrinen Systems betreffen v. a. Wachstumshormone, Melatonin, Insulin, Schilddrüsen- und Sexualhormone. Bei Frauen beginnt das langsame Versiegen der Sexualhormone mit dem Eintritt ins Klimakterium. In dieser Übergangszeit nimmt die Bildung der Eizellen ab, bis sie vollständig zum Erliegen kommt. Das Klimakterium wird von der Menopause abgelöst, der letzten regulären Monatsblutung, die im Schnitt um das 52. Lebensjahr eintritt. Das Klimakterium ist häufig mit Symptomen assoziiert, u. a. Schweißattacken, affektiven Verstimmungen, Schlafstörungen, körperliche Schwäche oder Libidoverlust. Durch den Östrogenmangel steigt das Risiko der Koerkrankungen, z. B. Osteoporose, Schwindel und Migräne. Bei Männern treten klimakterische Veränderungen ebenfalls auf, im Durchschnitt ab dem 40.–45. Lebensjahr und können sich ebenfalls mit affektiven Verstimmungen, körperlicher Schwäche, Schweißausbrüchen und Potenzproblemen äußern. Im Laufe der Zeit nehmen die Qualität und Menge des Ejakulats ab, die sexuelle Aktivität ebenfalls.
Die Veränderungen im Glukosestoffwechsel gehen mit einer abnehmenden Glukosetoleranz und gleichzeitig verminderten Insulinausschüttung einher. Die Wahrscheinlichkeit einer diabetischen Stoffwechsellage steigt. Die verminderte Synthese und Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen begünstigt die Entstehung der Hypothyreose.
Zu den häufigen Erkrankungen, die mit einer reduzierten endokrinen Funktion einhergehen, zählen:
  • Osteoporose: Abnahme der Körpergröße, Ausbildung eines Rundrückens mit dem Tannenbaumphänomen und dem Risiko von Spontanfrakturen (14.9.3)

  • Sexualhormonmangel: bei Frauen Uterus- und Vaginalatrophie, erhöhtes Risiko der Infektionen und reduzierte Sexualfunktion; bei Männern reduzierte Spermatogenese und Sexualfunktion

  • Diabetes mellitus: langsamer Beginn mit Harnwegsinfekten, Juckreiz, Mykosen, Furunkeln, Langzeitschäden durch Makro- und Mikroangiopathie (14.7)

  • Hypothyreose: Müdigkeit, Schwäche, depressive Störungen, Verlangsamung, Verlust kognitiver Fähigkeiten, trockene Haut und Haare, Interesselosigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme (14.5.3)

Niere und Urogenitaltrakt
Niere Alter Urogenitaltrakt Alter

Die $AlterNiere$AlterUrogenitaltraktVeränderungen betreffen die Niere im Sinne einer Parenchymreduktion und damit verbundenen Leistungseinbußen. Im Bereich des Genitaltrakts dominieren die Veränderungen, die sich aus der reduzierten Sexualhormonlage ergeben. Wichtige Erkrankungen:

  • Niereninsuffizienz

  • Steinbildung

  • Prostatahyperplasie

  • Prostatakarzinom

  • Inkontinenz

Die AlterNiereAlterUrogenitaltraktwichtigsten physiologischen Veränderungen an der Niere betreffen die Parenchymreduktion, die durch Sklerose der Glomeruli und Untergang der Nephrone zustande kommt. Die glomeruläre Filtrationsrate ist deutlich reduziert und beträgt bei einem 80-jährigen Menschen nur noch die Hälfte der durchschnittlichen Rate eines gesunden Menschen mit 20 Jahren. Gleichzeitig sinkt die Konzentrationsfähigkeit des Urins. Der renale Plasmafluss ist ebenfalls vermindert. Die Regulation des Wasser- und Elektrolythaushalts ist durch verminderte Reninausschüttung und langsamer ablaufende Reaktionen im RAAS verzögert. Die Gefahr der Dehydrierung oder Überwässerung und/oder Elektrolytentgleisungen steigt. Begünstigend wirkt sich die mangelnde Ansprechbarkeit der Neurohypophyse auf osmotische Reize aus, was mit einem reduzierten Durstgefühl einhergeht und einer mangelnder Ausschüttung von ADH.
Die Veränderungen im Genitaltrakt sind durch Abnahme der Konzentration der Sexualhormone gekennzeichnet. Ferner nimmt das Fassungsvermögen der Harnblase ab, gleichzeitig auch die Spannkraft und Elastizität des Sphinkters und des Blasenbodens, die Folge ist eine häufigere Harnentleerung.
Zu den häufigen Erkrankungen der Niere und des Urogenitaltrakts zählen:
  • Niereninsuffizienz: Anstieg der harnpflichtigen Substanzen, Hypertonie, renale Anämie, Osteopathie, Ödeme (15.4.3)

  • Steinbildung in der Niere und ableitenden Harnwegen: kolikartige Schmerzen und Hämaturie beim Steinabgang, Niereninsuffizienz durch Verlegung der ableitenden Harnwege oder asymptomatische Verläufe (15.5.4)

  • Prostatahyperplasie: Veränderung des Harnstrahls, Nykturie, Restharnmenge, permanenter Harndrang, rezidivierende Zystitiden (17.4.3)

  • Prostatakarzinom: frühzeitige ossäre Metastasierung, B-Symptome und Symptome der Prostatahyperplasie (17.4.4)

  • Inkontinenz: unwillkürlicher Urinabgang beim Lachen, Niesen, Pressen und erhöhtes Risiko für Harnwegsinfektionen (15.5.5)

Sinnesorgane
Sinnesorgane

Die Veränderungen im Bereich der Sinnesorgane$AlterSinnesorgane betreffen v. a. die Reduktion der Sinneszellen. Häufige Erkrankungen:

  • Katarakt

  • Makuladegeneration

  • Altersschwerhörigkeit

  • Glaukom

Die physiologischen AlterSinnesorganeVeränderungen der Sinnesorgane beziehen sich auf eine Reduktion der Tastrezeptoren und damit Abnahme des Tastsinns sowie eine numerische und funktionelle Reduktion der Geruchs- und Geschmacksknospen mit der Folge von Geruchs- und Geschmacksempfindungsstörungen. Die Veränderungen am Auge betreffen v. a. die Linse, die an Dicke und Volumen zunimmt und an Elastizität abnimmt, was eine Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) nach sich zieht. Daneben treten Trübungen an der Hornhaut auf. Am Ohr degenerieren die Sinneszellen des Corti-Organs, was eine Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) hervorruft. Zunächst geht die Empfindlichkeit gegenüber den hohen Frequenzen verloren, später auch gegenüber den Frequenzen des Sprachbereichs. In der Summe ergibt sich eine reduzierte Wahrnehmungsfähigkeit.
Zu den häufigen Erkrankungen der Sinnesorgane beim alten Menschen zählen:
  • Katarakt: Blendungsgefühl, hell-dunkel Adaptationsstörungen, Sehverschlechterung bis hin zum Visusverlust (20.4.8)

  • Makuladegeneration: zunehmender Visusverlust (20.4.11)

  • Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis): Verlust der Hörfähigkeit, besonders des Sprachbereichs (20.5.4)

  • Glaukom: akute starke Bulbusschmerzen, Kopfschmerzen, grüne Ringen um Lichtquellen, Übelkeit, Erbrechen, Sehverlust (20.4.12)

Nervensystem
Nervensystem Alter

Die Veränderungen des Nervensystems$AlterNervensystem beziehen sich auf Abnahme des Gehirngewichts, reduzierte Schlafzeiten und häufig eine Reduktion von Aufmerksamkeit und Reaktionszeit. Häufige Erkrankungen sind:

  • Morbus Parkinson

  • Demenz

  • Depression

Die physiologischen AlterNervensystemVeränderungen am Nervensystem gehen mit einer Abnahme des Gehirngewichts und Atrophie besonders des Frontallappens einher (wobei Quantität und Qualität nicht zwangsläufig linear zueinander sind und auch nicht gleichgesetzt werden dürfen). Die Durchblutung und der Stoffwechsel bleiben sehr lange erhalten, erst nach dem 80. Lebensjahr sind beide Funktionen vermindert. Das Schlafverhalten ändert sich im Sinne einer Verkürzung der Schlafdauer und der Tiefschlafphasen. Aufmerksamkeit, Konzentration, Koordinationsvermögen und Reaktionszeiten sind meist reduziert. Die Intelligenzveränderungen im Sinne von Einbußen treten sehr spät auf, erst ab dem 80. Lebensjahr. Dabei nimmt die fluide Intelligenz ab, während die kristalline Intelligenz stabil hoch bleibt bzw. sich weiterentwickelt (24.1.1).
Zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems beim alten Menschen zählen:
  • Morbus Parkinson: Rigor, Tremor, Akinese, Masken-, Salbengesicht, kleinschrittiger Gang, Mikrografie, leise monotone Stimme, Obstipation (19.3.12)

  • Demenz: Störung der Merkfähigkeit, Orientierung, Konzentration, schleichender Beginn, Verlust kognitiver Fähigkeiten (21.2.4)

  • Depressionen: Niedergeschlagenheit und Affektarmut, Antriebsarmut, reduziertes Selbstwertgefühl, somatisches Syndrom (21.2.1)

Bewegungsapparat
Bewegungsapparat Alter

Die Veränderungen am Bewegungsapparat$AlterBewegungsapparat betreffen Muskulatur, Sehnen, Knochen und Knorpel im Sinne einer Elastizitäts- und Masseneinbuße. Wichtige Erkrankungen sind:

  • Kraftlosigkeit

  • Arthrose

  • Osteoporose

Die physiologischen AlterBewegungsapparatVeränderungen am Bewegungsapparat betreffen Muskulatur, Sehnen, Knochen und den Knorpel. Die Muskelmasse nimmt ab, was mit einer Abnahme der Kraft und Beweglichkeit einhergeht. Die Sehnenelastizität ist ebenfalls eingeschränkt. Die Knochenmasse nimmt ab; es entsteht eine Osteoporose, die mit einer Frakturneigung vergesellschaftet ist. Die Muskel- und Knochenabbauprozesse sind beim weiblichen Geschlecht stärker ausgeprägt. Die Knorpelatrophie führt zur Arthroseentwicklung, die bei etwa 80 % der Menschen jenseits des 60. Lebensjahres nachweisbar ist. Die Arthrose muss aber nicht in jedem Fall symptomatisch sein.
Zu den häufigsten Erkrankungen bzw. Zuständen des Bewegungsapparats beim alten Menschen zählen:
  • Kraftlosigkeit: mitbedingt durch Muskelabbau; Folge können rezidivierende Stürze sein, die wiederum eine Immobilität nach sich ziehen

  • Arthrose: Anlauf-, Belastungs- und Ruheschmerzen (5.3.2)

  • Osteoporose: Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Frakturen, „Tannenbaumphänomen“, „Witwenbuckel“ (14.9.3)

Haut
Haut Alter

Die Veränderungen der Haut$AlterHaut erstrecken sich auf eine Hautatrophie und reduzierte Funktion der Hautanhangsgebilde. Häufige Erkrankungen sind:

  • Wundheilungsstörungen

  • Basaliome

  • Pilzinfektionen

  • Dekubitus

Die $AlterHautphysiologischen Veränderungen betreffen die Haut und die Hautanhangsgebilde. Die Hautveränderungen sind auf einen Verlust des kollagenen Gewebes, eine Hautatrophie im Bereich der Epidermis und Subkutis sowie eine Faltenbildung durch Verminderung des Elastinanteils der Haut zurückzuführen. Gleichzeitig nimmt die Menge des Lipofuszinpigments in der Zelle zu. An den Hautanhangsgebilden treten die Veränderungen als trockene Haut durch verminderte Talgdrüsenproduktion, Grauwerden der Haare und Reduktion der Haardichte auf.
Zu den häufigsten Erkrankungen der Haut und der Hautanhangsgebilde des alten Menschen zählen:
  • Wundheilungsstörungen: Treten als chronische Wunden in Erscheinung (25.2.6).

  • Tumorbildung: Vor allem Auftreten von Basaliomen (18.10.1).

  • Pilzinfektionen mit Dermatophyten und/oder Candida-Pilzen: Entzündliche Rötung, Schmerzhaftigkeit, Juckreiz (18.3.7).

  • Dekubitus: Gewebeschädigung, die durch einen chronischen, lokalen Druck und eine Minderdurchblutung des Gewebes entsteht. Hauptrisikostellen sind Fersen, Knöchel, Kreuzbein, Bereich über den Dornfortsätzen, Schulterblätter und Ellenbogen. Die Symptome reichen je nach Schweregrad von einer Rötung über eine Schädigung der oberflächlichen Hautschichten bis hin zur tiefen, ausgedehnten Nekrosen in den tiefen Gewebeschichten (25.3.4).

Blut- und Immunsystem
Blut Alter Immunsystem Alter

Bei den Veränderungen des Blut-$AlterBlut und Immunsystems$AlterImmunsystem stehen eine verminderte Bildung der Blut- und Immunzellen mit der Folge einer Infektanfälligkeit im Vordergrund.

Die AlterBlutAlterImmunsystemphysiologischen Veränderungen des Blut- und Immunsystems sind v. a. durch die Atrophie des Knochenmarks und des Lymphgewebes gekennzeichnet. Die Bildung der Blut- und Immunzellen ist vermindert, die Funktion der T-Zellen reduziert. Daraus resultiert eine relative Immuninsuffizienz, die zur Infektanfälligkeit führt und die Tumorentstehung begünstigt. Die Viskosität des Bluts nimmt zu, was die Thrombosebildung begünstigt.

Medikamentöse Therapie im Alter

AlterMedikamenteNebenwirkungen oder MedikamenteAlterWechselwirkungen von Pharmaka können eigenständige Erkrankungen produzieren oder vorhandene Komorbiditäten verstärken. So kann z. B. die Einnahme von Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer), Sedativa, Alkohol, Diuretika oder Antiparkinsonmittel eine orthostatische Hypotonie fördern und Sturzereignisse nach sich ziehen. Eine regelmäßige Einnahme von NSAR, etwa wegen arthrotischer Gelenkbeschwerden, kann zur Niereninsuffizienz führen und eine Herzinsuffizienz verschlechtern. Ältere Patienten reagieren empfindlicher auf z. B. Benzodiazepine oder Neuroleptika; die Folgen können als verlängerte Sedierung oder auch Verwirrtheitszustände in Erscheinung treten. Paradoxe Reaktionen mit gegenteiligen Effekten werden z. B. bei Coffein-Präparaten oder Barbituraten beobachtet (28.1.3). Pharmaka, die für ältere Menschen ungeeignet sind, können der Priscus-Liste entnommen werden (www.priscus.net).

Lernzielkontrolle

  • Welche körperlichen und psychischen Veränderungen erfährt ein Mensch im Alter?

  • Welche häufigen Erkrankungen treten im Alter auf?

Nützliche Links

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