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B978-3-437-58785-6.00005-3

10.1016/B978-3-437-58785-6.00005-3

978-3-437-58785-6

Abb. 5.2

[R285]

Funktionen des Skelettsystems

Abb. 5.3

[L190]

Aufbau eines langen Röhrenknochens. Links: Teilweise längs geöffnet. Rechts oben: Vergrößerter Abschnitt mit Knochenmarkhöhle. Rechts unten: Schematischer Schnitt durch den Hüftkopf des Oberschenkelknochens. Die Knochenbälkchen sind in den Richtungen der Hauptbelastungsachsen angeordnet.

Abb. 5.4

[L190]

Aufbau eines Lamellenknochens. Außen liegt die in zylinderförmigen Osteonen angeordnete Kortikalis, innen die schwammartige Spongiosa. Blutgefäße durchstoßen in radiär verlaufenden Volkmann-Kanälen den Knochen und treffen auf die Harvers-Kanäle, in denen sich die Blutgefäße weiterverzweigen, um das Gewebe zu versorgen.

Abb. 5.5

[L190]

Ablauf der chondralen Ossifikation

Abb. 5.6

[S007-1-23]

Bandhaft (Syndesmose): Verbindung der Knochen durch Bindegewebe am Beispiel der Schädelnähte

Abb. 5.7

[S007-1-23]

Knorpelhaft (Synchondrose): Verbindung der Knochen durch Knorpelgewebe am Beispiel der Symphyse

Abb. 5.8

[S007-1-23]

Knochenhaft (Synostose): die Knochen sind miteinander verschmolzen (Kreuzbein)

Abb. 5.9

[S007-1-23]

Längsschnitt durch eine Diarthrose

Abb. 5.10

[L190]

Gelenkarten

Abb. 5.11

[L190]

Schädel in der Vorder- und Seitenansicht. Die farbige Unterlegung macht deutlich, aus wie vielen verschiedenen Knochen der menschliche Schädel zusammengesetzt ist.

Abb. 5.12

[L190]

Innere Schädelbasis nach Entfernung der Schädelkalotte und des Gehirns (Ansicht von oben)

Abb. 5.13

[L190]

Schädelnähte und Fontanellen beim Säugling

Abb. 5.14

[S007-1-23]

Aufbau der Wirbelsäule. a Ansicht von ventral. b Ansicht von dorsal. c Ansicht von links.

Abb. 5.15

[L190]

Atlas (erster Halswirbel) und Axis (zweiter Halswirbel) in Normalstellung (links) und bei rotiertem Kopf (rechts)

Abb. 5.16

[L190]

Hals-, Brust- und Lendenwirbel im Vergleich; links: Ansicht von oben; rechts: Ansicht von der Seite

Abb. 5.17

[L190]

Kreuzbein und Steißbein

Abb. 5.18

[S007-1-23]

Lumbale Bandscheibe (Ansicht von kranial)

Abb. 5.19

[L190]

Brustkorb in der Vorderansicht (knöcherne und knorpelige Anteile). Links: mit Darstellung des knöchernen Schultergürtels. Rechts: mit Darstellung des Zwerchfells und der Durchtrittsstellen für die großen Gefäße, Brustbein und Rippen abgeschnitten.

Abb. 5.20

[L190]

Übersicht über die Knochen der oberen Extremität. Links: Ansicht von vorne. Rechts: Ansicht von hinten.

Abb. 5.21

[L190]

Schultergelenk mit Verlauf der Sehnen des M. biceps brachii (Ansicht von vorn)

Abb. 5.22

[L190]

Das Handskelett u. a. mit den Fingergelenken und den Handwurzelknochen (Ansicht von palmar)

Abb. 5.23

[L190]

Knöchernes Becken mit Kreuzbein und Hüftbeinen in der Ansicht schräg von vorne. Darmbein, Sitzbein und Schambein bilden zusammen die Hüftgelenkpfanne.

Abb. 5.24

[L190]

Rechter Oberschenkelknochen (Femur). Links: Ansicht von vorn. Rechts: Ansicht von hinten.

Abb. 5.25

[L190]

Tibia und Fibula (Ansicht von vorne)

Abb. 5.26

[L190]

Fußskelett von oben und von medial. Der Pfeil zeigt das Längsgewölbe des gesunden Fußes.

Abb. 5.27

[L190]

Kniegelenk von der Seite mit angrenzender Muskulatur, Fettkörper und Schleimbeuteln

Abb. 5.28

[L190]

Rechtes Kniegelenk in Beugestellung (Ansicht von vorne). Bei dieser Ansicht sind die Kreuzbänder am besten darstellbar.

Abb. 5.29

[L190]

Rechtes Kniegelenk in Streckstellung (Ansicht von hinten)

Abb. 5.30

[L190]

Blick auf das geöffnete rechte Kniegelenk von oben. Die beiden Kreuzbänder verlaufen diagonal überkreuzt durch das Kniegelenk.

Abb. 5.31

[S007-1-23]

Muskeltypen. Mikroskopisch besitzen Skelettmuskeln eine Querstreifung und lassen sich nach ihrer Kontur einteilen. a Einköpfige, parallelfaserige Muskeln. b Zweiköpfige, parallelfaserige Muskeln. c Zweibäuchige, parallelfaserige Muskeln. d Mehrköpfige, flache Muskeln. e Durch Zwischensehnen unterteilte mehrbäuchige Muskeln. f Einfach gefiederte Muskeln. g Mehrfach gefiederte Muskeln.

Abb. 5.32

[L190]

Mimische Muskulatur. Rechte Gesichtshälfte: oberflächliche Schicht. Linke Gesichtshälfte: tiefere Schicht.

Abb. 5.33

[L190]

Kaumuskulatur. Oben oberflächliche, unten tiefe Schicht, außerdem der M. orbicularis oris als Teil der mimischen Muskulatur.

Abb. 5.34

[L190]

Vordere Halsmuskulatur (auf der rechten Seite Platysma entfernt). Die oberen Zungenbeinmuskeln (vom Zungenbein zur Schädelbasis und Unterkiefer) bilden den Mundboden mit und unterstützen die Mundöffnung, Kau- und Schluckbewegungen. Die unteren Zungenbeinmuskeln zu Kehlkopf und Brustbein unterstützen v. a. das Schlucken.

Abb. 5.35

[L190]

Muskeln der rechten Schulter und des rechten Oberarmes (Ansicht von dorsolateral)

Abb. 5.36

[L190]

Unterarmmuskulatur (Ansicht von vorne)

Abb. 5.37

[L190]

Muskulatur der vorderen Rumpfwand. Durch Abtragen der oberflächlichen Sehnenplatte und des M. pectoralis major erkennt man auf der linken Körperseite M. rectus abdominis, M. obliquus internus abdominis und M. pectoralis minor. Der unter dem M. obliquus internus abdominis liegende M. transversus abdominis ist nicht sichtbar.

Abb. 5.38

[L190]

Hintere Schultergürtel- und Schultermuskulatur und oberflächliche Rückenmuskulatur rechts, links die tiefe Schicht.

Abb. 5.39

[L190]

Autochthone Rückenmuskulatur. Sie gliedert sich in 2 Muskelgruppen: den medialen Trakt (links) und den lateralen Trakt (rechts). Über die autochthone Rückenmuskulatur legen sich M. serratus posterior superior und M. serratus posterior inferior. Sie ziehen von der Wirbelsäule zu den Rippen; beide gehören zu den Atemhilfsmuskeln.

Abb. 5.40

[L190]

Innere (an der inneren Beckenwand entspringende) Hüftmuskulatur, Beuger im Hüftgelenk. Der M. iliopsoas besteht aus 2 Anteilen: dem M. iliacus und dem M. psoas. Sie vereinigen sich und ziehen unter dem Leistenband hindurch zum Femur.

Abb. 5.41

[L190]

Äußere (an der äußeren Beckenwand entspringende) Hüftmuskulatur (Ansicht von der Seite). Der M. gluteus maximus ist entfernt.

Abb. 5.42

[L190]

(links) Hüft- und Beinmuskulatur (Ansicht von lateral)

Abb. 5.43

[L190]

(rechts) Hüft- und Beinmuskulatur (Ansicht von medial)

Abb. 5.44

[L190]

Unterschenkelmuskulatur (Ansicht von vorne)

Abb. 5.45

[R285]

Entwicklung der Gelenkschädigung bei Arthrose [nach Otte, Söder und Aigner]. Im Stadium I kommt es zu oberflächlichen Knorpeleinrissen, die sich in den Stadien II und III vertiefen, wobei durch Ausbrechen von Knorpelstücken größere Defekte entstehen. Die subchondrale Knorpelplatte wird freigelegt. Einerseits kommt es zum Knochenabbau, andererseits zur Verdickung und Sklerosierung des subchondralen Knochens. Durch Mikrotraumen und Mikronekrosen entstehen subchondrale Pseudozysten im Knochen, die von verdichtetem Knochen umgeben sind (Stadium IV). Im Randbereich der Gelenke findet man durch metaplastische Knochen- und Knorpelbildung verursachte Knochenvorsprünge und Knochenzacken (Os teophyten).

Abb. 5.46

[R285]

Arthrose des Kniegelenks. Unregelmäßige Struktur und partielle Destruktion des Gelenkknorpels sowie Osteophyten (Pfeile).

Abb. 5.47

[L106]

Fixierte Kyphose bei Morbus Scheuermann. Bei fixiertem Rundrücken lässt sich auch beim Aufrichten aus der Inklination oder bei der Reklination die Kyphose nicht ausgleichen. Meist gleicht sie sich teilweise aus (teilfixierter Rundrücken).

Abb. 5.48

[M614]

Idiopathische Skoliose bei einem 16-jährigen Mädchen. a Beckentiefstand rechts, rechts Taillendreieck größer als links, seitendifferente Höhe der Schulterblätter. Das Lot vom 7. Halswirbel fällt rechts neben die Analfalte und deutet damit die statische Dekompensation infolge Verlagerung des Rumpfs nach rechts hin. b Sichtbarer Rippenbuckel im Vorbeugetest. c Sichtbarer Rippenbuckel und S-förmige Verkrümmung der Wirbelsäule.

Abb. 5.49

[M614]

Osteochondrosis dissecans. Typische Lokalisation am medialen Kondylus des Kniegelenks. a Der knöcherne Anteil des Dissekats ist verdichtet, das Mausbett sklerosiert (Pfeile). b Dissekat (Pfeil) in der Gelenkspiegelung.

Abb. 5.50

[M114]

Morbus Bechterew im fortgeschrittenen Stadium. Der Rumpf ist stark vorgebeugt, die Wirbelsäule knöchern fixiert.

Abb. 5.51

[G597]

Hände bei rheumatoider Arthritis. Deutlich sichtbar sind die symmetrischen Auftreibungen der Grundgelenke, die Abknickung der Finger II–V zur Kleinfingerseite (Ulnardeviation) und an den Fingern III–V der linken Hand eine Schwanenhalsdeformität mit Streckkontraktur in den Mittelgelenken und dezent angedeuteter Beugekontraktur in den Endgelenken der Finger II–III. Die livide Rötung über den Grund- und Endgelenken ist am ehesten auf eine Begleitvaskulitis zurückzuführen.

Abb. 5.52

[L157]

Tender Points bei Fibromyalgie

Bewegungsapparat

Abb. 5.1

[L275]

Übersicht über die Erkrankungen des Bewegungsapparats. Diese können in orthopädische und rheumatische Erkrankungen eingeteilt werden. Die orthopädischen Erkrankungen können wiederum in degenerative Erkrankungen, Reifungsstörungen und Neubildungen untergliedert werden. Degenerative Erkrankungen betreffen v. a. die Wirbelsäule und die untere Extremität und sind durch funktionelle und morphologische Veränderungen der betroffenen Strukturen (v. a. Gelenke und Knochen) gekennzeichnet. Rheumatische Erkrankungen können kleine und große Gelenke betreffen, ferner Sehnenscheiden, Muskeln und Gefäße. Sie sind durch entzündliche Vorgänge charakterisiert.

Anatomie

Lernziele

  • Benennung der Eigenschaften und der Funktion von Knochen.

  • Kenntnisse über die Regulation der Knochenbildung und Knochenumbauprozesse.

  • Beschreibung des Gelenkaufbaus und Unterscheidung zwischen echten und unechten Gelenken. Benennung der Hilfseinrichtungen von Gelenken mit Beispielangaben und deren Funktion. Unterscheidung zwischen ein-, zwei- und dreiachsigen Gelenken.

  • Benennung der Knochen des Körpers.

  • Kenntnisse über die Lage und Funktion folgender Muskeln:

    • Rotatorenmanschette

    • M. biceps brachii

    • M. triceps brachii

    • M. brachioradialis

    • M. pectoralis major und M. pectoralis minor

    • M. sternocleidomastoideus

    • M. trapezius

    • Autochthone Rückenmuskulatur

    • Bauchmuskulatur

    • Mm. glutei maximus, medius und minimus

    • M. quadriceps femoris

    • M. gastrocnemius

  • Fähigkeit zur systematischen Untersuchung von Wirbelsäule und Knie.

Allgemeines

Einteilung des Bewegungsapparates:$Bewegungsapparat

  • Anatomisch: Achsen- und Anhangsskelett

  • Funktionell: aktiver und passiver Bewegungsapparat

Der Bewegungsapparat kann nach anatomischen Gesichtspunkten eingeteilt werden in:
  • AchsenskelettAchsenskelett: Wirbelsäule und Becken

  • AnhangsskelettAnhangsskelett: Kopf, Brustkorb, obere und untere Extremitäten

Ferner kann der Bewegungsapparat nach funktionellen Gesichtspunkten eingeteilt werden in:
  • Aktiven Bewegungsapparat: besteht aus quergestreifter Muskulatur, zuständig für die aktive Bewegung

  • Passiven Bewegungsapparat: besteht aus dem Skelett mit den Gelenkverbindungen, fungiert als Stütz- und Stabilitätsfaktor

Aufgaben der Knochen
KnochenAufgabenDie Knochen fungieren primär als Stützgerüst des Körpers (Abb. 5.2). Sie übernehmen eine Schutzfunktion für wichtige Organe, z. B. schützen die Schädelknochen das Gehirn, der Brustkorb die Lungen und das Herz, die Wirbelsäule das Rückenmark. Sie stellen ein wichtiges Reservoir für Kalzium und Phosphat dar, wobei die Regulation durch Hormone (5.1.5) erfolgt. Ferner findet im spongiösen Anteil der Knochen, v. a. in den Wirbelkörpern, platten Knochen und Epiphysen der langen Knochen, die Blutzellbildung statt. Schlussendlich finden sich an Knochen Ansatzpunkte für Muskeln und Bänder.

ABBILDUNG 5.2

Aufgaben der Knochen:$KnochenAufgaben

  • Stütz- und Schutzfunktion

  • Kalziumreservoir

  • Blutbildung

  • Ansatzpunkt für Sehnen und Bänder

Eigenschaften der Knochen
KnochenEigenschaftenDie Knochen sind durch eine ausgeprägte Druck- und Zugfestigkeit gekennzeichnet. Die Knochensubstanz ist im menschlichen Organismus die härteste Substanz nach dem Zahnschmelz. Gleichzeitig zeigt das Knochengewebe eine geringe Biegsamkeit, sodass eine maximale Stabilität erreicht werden kann. Der Stoffwechsel des Knochengewebes ist ausgesprochen rege und von permanenten An- und Abbau- sowie Remodellierungsprozessen begleitet, um den Knochen an wechselnde Belastungen anzupassen.

Eigenschaften der Knochen:$KnochenEigenschaften

  • Hohe Druck- und Zugfestigkeit

  • Geringe Biegsamkeit

  • Reger Stoffwechsel

Makroskopischer Aufbau eines Röhrenknochens

Aufbau eines Röhrenknochens: $Knochen Aufbau $Röhrenknochen

  • Epiphysen:$Epiphyse verdickte Enden

  • Epiphysenfuge$Epiphysenfuge (Metaphyse): Wachstumszone

  • Diaphyse:$Diaphyse Röhrenartiger Abschnitt mit zentraler Markhöhle

  • Periost:$Periost zuständig für nutritive und regenerative Funktionen

Am Röhrenknochen lassen sich folgende Abschnitte unterscheiden (Abb. 5.3):
  • RöhrenknochenKnochenAufbauEpiphyseEpiphyse: Verdicktes Ende langer Knochen, das an der Oberfläche mit Knorpel überzogen ist und gelenkig mit einer anderen artikulierenden (gelenkbildenden) Fläche verbunden ist.

  • EpiphysenfugeEpiphysenfuge (Wachstumsfuge, Metaphyse):Metaphyse Übergangsbereich zwischen Diaphyse und Epiphyse. Sie besteht im Wachstumsalter aus Knorpelgewebe und stellt den Bereich des Längenwachstums. Nach dem Abschluss des Längenwachstums ist dieser Bereich verknöchert.

  • DiaphyseDiaphyse (Knochenschaft): Röhrenartiger Abschnitt mit zentraler Markhöhle, der durch die Epiphysenfuge von der Epiphyse getrennt ist.

  • PeriostPeriost (Knochenhaut): Umkleidet den Knochen außer die Gelenkflächen. Es besteht aus 2 Blättern: dem inneren Blatt, das Stammzellen beinhaltet, ausgesprochen reich innerviert ist und die Blutversorgung trägt, und dem äußeren Blatt, das aus kollagenen Fasern besteht und der Verankerung am Knochen dient. Die Stammzellen des inneren Blatts sind bei einer Frakturheilung aktiv. Sie wandern ins betroffene Gebiet aus, proliferieren und bilden neues Knochengewebe.

ABBILDUNG 5.3

Knochentypen

Knochentypen: $Knochen Typen

  • Röhrenknochen, u. a. Humerus

  • Kurze Knochen, u. a. Handwurzelknochen

  • Platte Knochen, u. a. Skapula

  • Lufthaltige Knochen, u. a. Maxilla

  • Sesambeine, u. a. Patella

KnochenTypenMan unterscheidet nach ihrer makroskopischen Form folgende Knochentypen:
  • Röhrenknochen (lange Knochen): z. B. Oberarmknochen (Humerus), Oberschenkelknochen (Femur)

  • Kurze, unregelmäßige Knochen: z. B. Fuß- und Handwurzelknochen

  • Platte (flache) Knochen: z. B. Schulterblatt (Skapula), Brustbein (Sternum), Becken (Pelvis), Rippen (Costae), Knochen des Schädeldachs

  • Lufthaltige (pneumatisierte) Knochen: z. B. Oberkiefer (Maxilla), Stirnbein (Os frontale), Siebbein (Os ethmoidale)

  • SesambeineSesambein sind Knochen, die vollständig in einer Sehne eingelagert sind, z. B. die Patella

Mikroskopischer Aufbau eines Knochens

$Knochen Aufbau Mikroskopischer Aufbau:

  • Substantia compacta:$Substantia compacta dicke Schicht, die aus Osteonen besteht; zentral verläuft der Harvers-Kanal, der Blutgefäße führt

  • Substantia spongiosa:$Substantia spongiosa aus dünnen Knochenbälkchen bestehendes Gitterwerk; beinhaltet das rote Knochenmark

  • Markraum:$Markraum Hohlraum, der bei Kindern mit rotem Mark gefüllt ist, bei Erwachsenen mit Fett

KnochenAufbauDer Knochen des Erwachsenen ist ein Lamellenknochen. Er besteht aus folgenden Anteilen (Abb. 5.4):
  • Kortikaler Knochenanteil (Substantia Substantiacorticaliscorticalis): Er liegt dem Periost an. Im Bereich der Diaphyse ist diese Schicht besonders dick und wird auch kompakter Knochenanteil (Substantia Substantiacompactacompacta) genannt. Dieser Anteil besteht aus konzentrisch aufgebauten Knochengewebssäulen, die als Osteone Osteonbezeichnet werden und die Baueinheiten des Knochens bilden. Der Raum zwischen den Osteonen wird als Schaltlamelle bezeichnet. Mittig im Osteon findet sich ein Kanalsystem (Harvers-Kanal),Harvers-Kanal der Blutgefäße führt. Die verbindenden Gefäße zwischen den Harvers-Kanälen werden Volkmann-Kanäle genannt. Im Knochengewebe sind OsteozytenOsteozyten eingebaut, die mit ihren Ausläufern untereinander verbunden sind. OsteoblastenOsteoblasten und OsteoklastenOsteoklasten bauen unentwegt den Knochen um (3.2.4).

  • Spongiöser Knochenanteil (Substantia Substantiaspongiosaspongiosa): Dieser stellt ein dreidimensionales Gitterwerk dar, das aus dünnen Knochenbälkchen besteht und ein schwammartiges Aussehen besitzt. Zwischen den Knochenbälkchen befindet sich das rote Knochenmark, in dem die korpuskulären Blutbestandteile gebildet werden. Die Lücken zwischen den Knochenbälkchen tragen zur Gewichtsreduktion bei. Diese sind so angeordnet, dass sie die größtmögliche Stabilität und Druckbelastung garantieren.

  • MarkraumMarkraum: Er enthält im Bereich der Diaphysen beim Erwachsenen gelbes Mark. Im Kindesalter ist er mit rotem Knochenmark gefüllt. Nach Abschluss des Wachstums werden in den Röhrenknochen keine Blutzellen mehr gebildet. Die Zellen werden durch Fettgewebe ersetzt.

ABBILDUNG 5.4

Knochenbildung

Die Knochenbildung$Knochenbildung kann in chondrale, indirekte (enchondrale Ossifikation$Ossifikation dient dem Längenwachstum, perichondrale Ossifikation dem Dickenwachstum) und desmale, direkte Verknöcherung eingeteilt werden.

Die KnochenbildungKnochenbildung dient dem Wachstum und der Reparatur von Brüchen (Frakturen). Man unterscheidet:
  • Chondrale OssifikationOssifikationchondrale (indirekte Verknöcherung; Abb. 5.5): Bei der enchondralen OssifikationOssifikationenchondrale wird zuerst ein Knorpelmodell des Knochens gebildet, das im Anschluss, ausgehend von Ossifikationskernen, die mitten in der Knorpelsubstanz eingebettet sind, verknöchert. Zunächst wird ein Geflechtknochen gebildet, der dann in Lamellenknochen umgebaut wird. Das enchondrale Knochenwachstum findet bis zum 16.–22. Lebensjahr in den Epiphysenfugen statt und bedingt das Längenwachstum. Das Dickenwachstum geht vom Periost aus und wird perichondrale OssifikationOssifikationperichondrale genannt.

  • Desmale OssifikationOssifikationdesmale (direkte Verknöcherung): Hier bauen Osteoblasten, ausgehend von Verknöcherungsinseln, direkt neuen Knochen auf. Diese Art der Verknöcherung findet sich an den Knochen des Schädeldachs und am Schlüsselbein.

  • Frakturheilung: Kapitel 25

Regulation der Knochenbildung und des Knochenumbaus

Knochenbildung Knochenumbau

$KnochenumbauKnochenbildung$Knochenbildung und -umbau werden hauptsächlich hormonell, v. a. über Geschlechtshormone, Vitamin D, Wachstumsfaktoren und Parathormon reguliert. Ferner wird die Knochendichte von körperlicher Aktivität und/oder Immobilität mitbestimmt.

Der Stoffwechsel des Knochengewebes ist intensiv. Es finden permanent Umbauvorgänge statt, die das Gewebe an wechselnde Belastungsbedingungen anpassen. Im Wesentlichen wird die Zusammensetzung und Struktur des Knochens durch hormonelle Einflüsse und Belastung bzw. Minderbelastung des Knochens gesteuert.
Hormonelle Einflüsse
Die wichtigsten Hormone, die den Knochenstoffwechsel (v. a. den Kalzium-Phosphat-Haushalt) regulieren, sind:
  • Parathormon:Parathormon Übt eine abbauende Wirkung aus. Es wird in den Epithelkörperchen gebildet und führt zur Erhöhung des Serumkalziums v. a. über verstärkte Aufnahme aus dem Darm, Mobilisierung und Freisetzung von Kalzium aus den Knochen, Stimulierung der Vitamin-D3-Bildung und Senkung des Phosphatspiegels über eine verstärkte Ausscheidung über die Niere.

  • Vitamin D3:VitaminD3 Wird entweder mit der Nahrung zugeführt oder im menschlichen Organismus aus Cholesterin hergestellt. Es fördert die Kalzium- und Phosphataufnahme aus dem Darm sowie die Knochenmineralisation.

  • Kalzitonin:Kalzitonin Stammt aus den C-Zellen der Schilddrüse und senkt den Kalziumspiegel v. a. durch Hemmung der Osteoklasten und gleichzeitige Stimulierung der Knochenanbauprozesse.

Ferner werden die Knochendichte bzw. Knochenstoffwechsel und Knochenwachstum über Östrogene, Testosteron, Kortisol, Somatotropin und Schilddrüsenhormone reguliert. Dabei besitzen Sexualhormone (Östrogene und Testosteron), Somatotropin, Schilddrüsenhormone (innerhalb des physiologischen Bereichs) und körperliche Belastung eine aufbauende (anabole) Wirkung. Kortisol, Mangel an Sexualhormonen, Immobilisation und Nährstoffmangel, v. a. Kalzium, Magnesium und Vitamin C, wirken sich katabol (knochenabbauend) aus.
Knochenumbauvorgänge können im Labor durch Bestimmung von Kalzium, Phosphat, Parathormon und der alkalischen Phosphatasealkalische Phosphatase (AP) (mit-)beurteilt werden. Die AP ist ein Enzym, das sich im Wesentlichen in den Gallenwegen und im Knochen findet. Am Knochengewebe ist es ein Parameter, der die Osteoblasten-Aktivität und die Knochenneubildung widerspiegelt. Erkrankungen, die mit einer verstärkten Knochenneubildung einhergehen, z. B. Morbus Paget, Rachitis, Osteomalazie, Plasmozytom, führen zur Erhöhung der AP. Diese Krankheiten gehen mit starken Umbau- und Abbauprozessen, aber eben auch mit verstärktem Knochenaufbau einher. Krankheiten, bei denen primär der Knochenabbau erfolgt, z. B. bei der Osteoporose, führen – wenn überhaupt – zur einen dezenten Erhöhung.
Körperliche Belastung
Osteoblasten und Osteoklasten werden in Abhängigkeit vom Ausmaß der Bewegung aktiviert oder inaktiviert. Osteoblasten werden v. a. unter Druck und Dehnung aktiviert und bauen Knochensubstanz auf. Dauer- und Überbelastungen werden als schädlich angesehen. Sie führen zu Umbauprozessen, die Ermüdungsbrüche nach sich ziehen können. Osteoklasten werden bei Fehlen von Druck und Dehnung, also bei körperlicher Inaktivität in ihrer Funktion verstärkt. Es kommt zur Abnahme der Knochendichte.

Gelenke

Unechte Gelenke

Unechte Gelenke$Gelenkunechtes besitzen im Gelenkspalt eine Füllmasse, die Bewegungsmöglichkeit ist gering bis aufgehoben. Je nach Füllmasse unterscheidet man:

  • Bandhaften$Bandhaft (Syndesmosen)$Syndesmose

  • Knorpelhaften$Knorpelhaft (Synchondrosen)$Synchondrose

  • Knochenhaften$Knochenhaft (Synostosen)$Synostose

GelenkGelenkunechtesUnechte Gelenke Synarthrose(Synarthrosen), auch Fugen oder Haften genannt, verbinden 2 Knochen miteinander, wobei der Gelenkspalt mit einer Füllmasse ausgekleidet ist. Die Bewegung zwischen den artikulierenden Flächen ist gering. Je nach Art des Füllgewebes unterscheidet man:
  • SyndesmoseSyndesmosen(Bandhaften) Bandhaft (Abb. 5.6): Das Füllmaterial besteht aus derbem, faserreichem Bindegewebe. Syndesmosen finden sich z. B. an den Schädelnähten (Suturen) oder an der Membrana interossea antebrachii, die als Verbindungsmembran zwischen Speiche und Elle (Radius und Ulna) fungiert.

  • SynchondroseSynchondrosen Knorpelhaft(Knorpelhaften) (Abb. 5.7): Das Füllmaterial besteht aus hyalinem Knorpel, z. B. an den knorpeligen Anteilen der Rippen, oder aus Faserknorpel, z. B. an der Symphyse.

  • SynostoseSynostosen (KnochenhaftKnochenhaften) (Abb. 5.8): Das Füllmaterial besteht aus Knochensubstanz und findet sich z. B. am Kreuzbein (Os sacrum) oder Becken.

ABBILDUNG 5.6

ABBILDUNG 5.7

ABBILDUNG 5.8

Echte Gelenke

Echte Gelenke$Gelenkechtes bestehen aus zwei artikulierenden Flächen (Kopf und Pfanne) mit Knorpelauskleidung und einem Gelenkspalt mit Gelenkschmiere. Umhüllt wird das Gelenk von einer Gelenkkapsel. Diese gliedert sich in die äußere Membrana fibrosa und die innere Membrana synovialis, die Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) bildet.

Echte Gelenke können Gelenklippen (Oberflächenvergrößerung), Disci und Menisci (Ausgleich unebener Gelenkflächen), Schleimbeutel (Pufferstruktur) und Bänder (Stabilität) beinhalten.

GelenkechtesEchte Gelenke (Diarthrosen)Diarthrose verbinden 2 (oder mehrere) Knochen unter Bildung eines Gelenkspalts. Die Beweglichkeit der angrenzenden Knochen ist deutlich größer. Echte GelenkAufbauGelenke bestehen aus (Abb. 5.9):
  • Zwei artikulierenden Flächen meist als Gelenkkopf und Gelenkpfanne, die mit hyalinem Knorpel überzogen sind. Der Knorpel ist nicht innerviert (mit Nerven versorgt) und auch nicht vaskularisiert (mit Blutgefäßen versorgt), die Ernährung des Knorpels erfolgt durch Diffusion aus der Synovialflüssigkeit.

  • Gelenkspalt, der zwischen den beiden artikulierenden Flächen liegt.

  • Gelenkkapsel, die das Gelenk von allen Seiten umschließt und einen Binnenraum, die Gelenkhöhle (Cavitas articularis) bildet.

  • Gelenkschmiere (Synovia, Synovialflüssigkeit), die sich innerhalb der Gelenkkapsel in der Gelenkhöhle befindet.

ABBILDUNG 5.9

Die Gelenkkapsel (Capsula articularis) umschließt das Gelenk und besteht aus der derben Membrana fibrosa, die als Fortsetzung des Periosts das Gelenk überzieht, und der innen liegenden Membrana synovialis, die Einstülpungen bildet (Plicae synoviales). Die spezialisierten Bindegewebszellen der Membrana synovialis produzieren und resorbieren die Synovialflüssigkeit. Sie dient als Transportmedium zur Ernährung des Knorpels und reduziert als Gleitmittel die Reibung der Gelenkflächen. Die Gelenkschmiere (Synovia) beinhaltet Wasser, wenige Proteine, Glukose und Hyaluronsäure.
Eine Sonderform der echten Gelenke ist die AmphiarthroseAmphiarthrose (straffes Gelenk). Sie besitzt eine straffe Kapsel und starke, kurze Bänder, die nur eine minimale Bewegung erlauben. Gelegentlich werden Amphiarthrosen auch funktionelle Haften genannt, z. B. das Iliosakralgelenk oder kleine Gelenke der Handwurzel.
Hilfseinrichtungen der Gelenke
Je nach Lage und Beanspruchung verfügen Gelenke über verschiedene Hilfseinrichtungen:
  • GelenkHilfseinrichtungenGelenklippen: bestehen aus Faserknorpel und vergrößern eine kleine Pfanne und somit die Gelenkflächen, z. B. am Schultergelenk

  • Disci und Menisci: bestehen aus Faserknorpel, gleichen unebene Gelenkflächen aus und dienen als zusätzlicher Puffer, z. B. am Kniegelenk oder als Bandscheiben

  • Schleimbeutel: Pufferstrukturen an druckbelasteten Stellen, z. B. am Knie-, Sprung- oder Schultergelenk

  • Bänder: dienen der Stabilisierung eines Gelenks, z. B. am Kniegelenk

Gelenkarten

  • $Gelenk Achsen Einachsige Gelenke:

    • Scharniergelenk$Scharniergelenk (Kniegelenk)

    • Rad-/Zapfengelenk$Radgelenk$Zapfengelenk (Atlantoaxialgelenk)

GelenkArtenEchte GelenkeGelenkAchsen werden nach der Form und Bewegungsmöglichkeit der Gelenke eingeteilt in (Abb. 5.10):
  • Einachsige Gelenke: sie erlauben eine Bewegung in nur eine Richtung

    • Scharniergelenk:Scharniergelenk z. B. Ellenbogen-, Knie-, oberes Sprunggelenk

    • Rad- bzw.Radgelenk Zapfengelenk:Zapfengelenk z. B. Atlantoaxialgelenk

  • Zweiachsige Gelenke: sie erlauben eine Bewegung in 2 Richtungen

  • Zweiachsige Gelenke:

    • Eigelenk $Eigelenk (Handgelenk)

    • Sattelgelenk $Sattelgelenk (Daumengrundgelenk)

    • Planes Gelenk$Gelenkplanes (Mittelfußgelenk)

  • Eigelenk:Eigelenk z. B. Hand-, Atlantookzipitalgelenk

    • Sattelgelenk:Sattelgelenk z. B. Daumengrundgelenk

    • Planes (flaches) Gelenk:Gelenkplanes z. B. Zwischenwirbelgelenke, Hand- und Fußwurzelgelenke

  • Dreiachsige Gelenke: sie erlauben eine Bewegung in 3 unterschiedliche Richtungen

  • Dreiachsige Gelenke:

    • Kugelgelenk$Kugelgelenk (Schultergelenk)

    • Nussgelenk$Nussgelenk (Hüftgelenk)

    • Kugelgelenk:Kugelgelenk z. B. Schultergelenk

    • Nussgelenk:Nussgelenk z. B. Hüftgelenk, verfügt über eine flächenmäßig stark ausgeprägte Pfanne und starke Gelenkbänder, sodass Bewegungen in den 3 Achsen eingeschränkt sind

ABBILDUNG 5.10

Knochen des menschlichen Körpers

Schädelknochen

$SchädelknochenKnochen des Gesichtsschädels:$Gesichtsschädel

  • Oberkiefer (Maxilla)

  • Unterkiefer (Mandibula)

  • Jochbein (Os zygomaticum)

  • Nasenbein (Os nasale)

  • Tränenbein (Os lacrimale)

  • Gaumenbein (Os palatinum)

  • Pflugscharbein (Vomer)

  • Siebbein (Os ethmoidale)

  • Zungenbein (Os hyoideum)

SchädelknochenKnochenDer Schädel dient u. a. dem Schutz des Gehirns, gibt dem Gesicht eine Form und stellt den Eingang in den Atemtrakt und Verdauungstrakt dar. Der Schädel (Abb. 5.11) wird unterteilt in:
  • GesichtsschädelGesichtsschädel (Viszerokranium):Viszerokranium Entspricht dem knöchernen Teil des Gesichts und der Höhlen. Die Knochen des Gesichtsschädels sind:

    • OberkieferOberkiefer (Maxilla):Maxilla unpaarig angelegt, beherbergt die Kieferhöhlen, trägt die obere Zahnreihe und bildet durch das Formen maxillare den Durchdritt für den N. maxillaris (V2)

    • UnterkieferUnterkiefer Mandibula(Mandibula): unpaarig angelegt, durch das Kiefergelenk einzig beweglicher Knochen am Schädel, trägt die untere Zahnreihe und bildet durch das Foramen mentale den Durchtritt für den N. mandibularis (V3)

    • JochbeinJochbein (Os zygomaticum): Oszygomaticum paarig angelegt

    • NasenbeinNasenbein (Os nasale): Osnasale paarig angelegt, von den Seiten ragen in das Naseninnere die Nasenmuscheln (Conchae nasales) hinein

    • TränenbeinTränenbein (Os lacrimale): Oslacrimale paarig angelegt

    • GaumenbeinGaumenbein (Os palatinum): Ospalatinum paarig angelegt

    • PflugscharbeinPflugscharbein (Vomer): unpaarig angelegt

    • VomerSiebbeinSiebbein (Os ethmoidale): Osethmoidalebeherbergt die Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales), die pneumatisiert sind und zu den Nasennebenhöhlen zählen; sie sind paarig angelegt

    • ZungenbeinZungenbein (Os hyoideum): Oshyoideum unpaarig angelegt, dient u. a. der Befestigung des Kehlkopfs und der Zunge

  • HirnschädelHirnschädel (Neurokranium):Neurokranium Bildet das Schädeldach.Schädeldach (Kalotte) und die SchädelbasisSchädelbasis Die Schädelbasis enthält eine Vielzahl von Löchern und Spalten für den Durchtritt von Nerven und Gefäßen. Blickt man von oben auf den geöffneten Schädel, dem das Gehirn entnommen wurde, erkennt man an der Schädelbasis die vordere, mittlere und hintere SchädelgrubeSchädelgrube (Abb. 5.12). Die vordere Schädelgrube liegt oberhalb der Augenhöhle (Orbita). Dort finden sich Anteile des Frontallappens (Stirnlappens) und des Riechhirns. Die mittlere Schädelgrube wird vom Keilbein und den beiden Felsenbeinen gebildet. Dort finden sich große Teile des Schläfenlappens. Das Keilbein bildet zentral den Türkensattel, in dem die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) ihren Platz findet. Die hintere Schädelgrube wird aus Teilen des Felsenbeins und dem Hinterhauptbein gebildet und beherbergt das Kleinhirn. Die Knochen des Hirnschädels sind:

Knochen des Hirnschädels:$Hirnschädel

  • Stirnbein (Os frontale)

  • Scheitelbein (Os parietale)

  • Schläfenbein (Os temporale)

  • Keilbein (Os sphenoidale)

  • Hinterhauptbein (Os occipitale)

  • StirnbeinStirnbein (Os frontale): Osfrontale bildet die Stirn, beherbergt die Stirnbeinhöhlen und bilden durch das Foramen supraorbitale den Durchtritt für den N. ophthalmicus (V1)

    • ScheitelbeinScheitelbein (Os parietale): Osparietale paarig angelegt, bildet große Anteile des Schädeldachs

    • SchläfenbeinSchläfenbein (Os temporale): Ostemporale paarig angelegt, bildet den größten Teil der mittleren Schädelgrube; kann eingeteilt werden in:

      • Schläfenbeinschuppe

      • Felsenbein mit dem Innenohr

      • Pars tympanica mit dem Mittelohr

    • KeilbeinKeilbein (Os sphenoidale): Ossphenoidale zentraler Knochen der Schädelbasis, der den Türkensattel bildet

    • HinterhauptsbeinHinterhauptbein (Os occipitale): Osoccipitale artikuliert mit dem 1. Halswirbel

Schädelnähte

Schädelnähte: $Schädelnähte

  • Kranznaht:$Kranznaht zwischen Stirnbein und Scheitelbein

  • Pfeilnaht:$Pfeilnaht zwischen beiden Scheitelbeinen

  • Lambdanaht:$Lambdanaht zwischen Scheitelbeinen und Hinterhauptbein

  • Stirnnaht:$Stirnnaht zwischen beiden Stirnbeinen

Fontanellen$Fontanelle sind Knochenlücken, die im Säuglingsalter offen sind und sich bis zum 2. Lebensjahr schließen. Die größte ist die vordere Fontanelle. Sie liegt zwischen Stirn- und Scheitelbeinen und ist rautenförmig.

SchädelnähteSuturenDie Knochen des Schädels werden durch Schädelnähte (Suturae) zusammengehalten, die aus Bandhaften bestehen (Abb. 5.13). Durch die Nähte bleibt eine gewisse Beweglichkeit der Schädelknochen auch beim Erwachsenen erhalten. Beim Geburtsvorgang gewährleisten sie neben den Fontanellen und den weichen Knochen die Verformbarkeit des Schädels für den Durchtritt durch den Geburtskanal. Die Verformbarkeit der Nähte ermöglicht auch das Wachstum des Gehirns. Sie verknöchern im Erwachsenenalter.
Die wichtigsten Schädelnähte sind:
  • KranznahtKranznaht (Suturacoronalis): Suturacoronalis zwischen Stirnbein und Scheitelbein

  • PfeilnahtPfeilnaht (Sutura Suturasagittalissagittalis): zwischen beiden Scheitelbeinen

  • LambdanahtLambdanaht (Sutura Suturalambdoidealambdoidea): zwischen den Scheitelbeinen und dem Hinterhauptbein

  • StirnnahtStirnnaht (Sutura Suturafrontalisfrontalis): zwischen beiden Stirnbeinen

ABBILDUNG 5.11

ABBILDUNG 5.12

ABBILDUNG 5.13

Fontanellen
FontanellenDer Schädel des Neugeborenen hat 6 Fontanellen (Knochenlücken), die sich meist bis zum 2. Lebensjahr schließen (Abb. 5.13):
  • Große Fontanelle (Fonticulus anterior, vordere Fontanelle): sie ist rautenförmig und liegt zwischen den Stirn- und Scheitelbeinen

  • Kleine Fontanelle (Fonticulus posterior, hintere Fontanelle): sie ist dreieckig und liegt zwischen den Scheitelbeinen und dem Hinterhauptbein

  • Vordere Seitenfontanellen (Fonticulus sphenoidalis): sie liegt beiderseits zwischen Scheitelbein, Keilbein und Stirnbein

  • Hintere Seitenfontanellen (Fonticulus mastoideus): sie liegt beiderseits zwischen Hinterhauptbein, Scheitelbein und Mastoid

ACHTUNG

Achtung

Die Fontanellen sind beim Säugling noch sehr weich. Eine eingesunkene große Fontanelle deutet auf eine Exsikkose, z. B. bei Durchfall oder Fieber, hin, eine vorgewölbte z. B. auf eine Meningitis. Veränderungen der Morphologie bei Säuglingen besitzen eine Alarmqualität und verlangen nach sofortiger Vorstellung beim Kinderarzt.

Wirbelsäule

Die Wirbelsäule$Wirbelsäule besteht aus:

  • 7 Halswirbeln

  • 12 Brustwirbeln

  • 5 Lendenwirbeln

  • 5 Kreuzwirbeln, meist zum Os sacrum verschmolzen

  • 4–5 Steißwirbeln, zum Steißbein verschmolzen

Von der Seite betrachtet bildet die Wirbelsäule Krümmungen: im Hals- und Lendenbereich eine Lordose,$Lordose im Brust- und Sakralbereich eine Kyphose.$Kyphose

WirbelsäuleDie WirbelsäuleWirbelsäule (Columnavertebralis) Columna vertebralis (Abb. 5.14) gehört zum Achsenskelett, schützt das Rückenmark, trägt den Kopf und bildet in der Embryonalphase eine Leitschiene für das Wachstum des Kindes.

ABBILDUNG 5.14

Die Wirbelsäule besteht aus:
  • 7 Halswirbeln (Vertebrae cervicales): die Halswirbel 1–6 verfügen zu beiden Seiten über ein Querfortsatzloch für die A. und V. vertebralis

  • 12 Brustwirbeln (Vertebrae thoracicae)

  • 5 Lendenwirbeln (Vertebrae lumbales)

  • 5 Kreuzwirbeln: meist zur Kreuzbeinplatte bzw. zum KreuzbeinKreuzbein (Os sacrum)Ossacrum verschmolzen

  • 4–5 Steißwirbeln: nicht klar abgrenzbar, zum SteißbeinSteißbein (Os coccygis)Oscoccygis verschmolzen

Die Wirbelsäule hat von der Seite gesehen eine S-Form (Abb. 5.14c). Diese Form macht sie biegsam und kann Stoßeinwirkungen elastisch federnd abfangen. Sie kommt durch die nach vorn konvexen (Hals-, Lendenlordose) und nach vorn konkaven (Brust-, Kreuzkyphose) Biegungen der Wirbelsäule zustande.
Die Wirbel, abgesehen von Atlas (1. Halswirbel) und Axis (2. Halswirbel), sind alle ähnlich aufgebaut. Die Wirbelkörper im Bereich der Halswirbelsäule sind noch klein und zart; sie nehmen von oben nach unten an Dicke und Größe zu.

Ein Wirbel$Wirbel besteht aus:

  • Wirbelkörper (außer dem Atlas): Dicke und Größe nehmen von oben nach unten zu

  • Wirbelbogen

  • Wirbelloch

  • Querfortsätze

  • Dornfortsatz

Ein WirbelAufbauWirbel (Abb. 5.16) besteht aus:
  • Wirbelkörper (Corpus vertebrae): ventral gelegen

  • Wirbelbogen (Arcus vertebrae): dorsal gelegen, trägt den Dorn- und Querfortsatz

  • Wirbelloch (Foramen vertebrale): bilden in der Gesamtheit der Wirbel den Spinalkanal und schützen das Rückenmark

  • Querfortsätzen (Procc. transversi): lateral gelegen, dienen als Ansatz für Muskeln

  • Dornfortsatz (Proc. spinosus): dorsal gelegen, über die Haut tastbar und Ansatzpunkt für Muskeln

Zwischen den Wirbeln am Übergang vom Wirbelkörper zum Wirbelbogen entstehen die ZwischenwirbellöcherZwischenwirbellöcher (Foramina intervertebralia), die den Austritt der Spinalnerven ermöglichen. Die Wirbel sind untereinander über je 2 Gelenke (Intervertebralgelenke, Facettengelenke) nach oben und unten mit den benachbarten Wirbelkörpern verbunden. Die Wirbelsäule ist vorne und hinten über das Lig. longitudinale anterius (vorderes Längsband, mit den Wirbelkörpern verwachsen) und das Lig. longitudinale posterius (hinteres Längsband, mit den Bandscheiben verwachsen) stabilisiert.
Besonderheiten der Wirbel
Wirbel Besonderheiten Halswirbelsäule
Der 1. Halswirbel (Atlas)Atlas besitzt keinen Wirbelkörper und ist gelenkig mit dem Schädel und dem 2 Halswirbel (Axis)Axis verbunden. Der Axis besitzt einen kleinen Wirbelkörper, aus dem ein Vorsprung herausragt (Dens axis), der mit dem Atlas ein Radgelenk ausbildet (Abb. 5.15).

ABBILDUNG 5.15

Besonderheiten der Wirbel: $Wirbel Besonderheiten

  • Atlas: besitzt keinen Wirbelkörper

  • Axis: besitzt am Wirbelkörper einen Zahn, der mit dem Atlas ein Radgelenk bildet

  • Querfortsätze der Halswirbel 1–6: haben Öffnungen für den Durchtritt der Vertebralgefäße

  • Brustwirbel: verbinden sich gelenkig mit den Rippen

  • Lendenwirbel: besitzen kräftig ausgeprägte Wirbelkörper

  • Kreuzwirbel: sind zum Kreuzbein verschmolzen

  • Steißwirbel: sind zum Steißbein verschmolzen

Die Halswirbel 1–6 besitzen in den Querfortsätzen Foramina transversaria. Durch diese Öffnungen zieht die A. vertebralis zum Kopf. Dornfortsätze finden sich bei den Wirbeln C2–C7, wobei der Dornfortsatz des 7. Halswirbels deutlich hervorspringt, weswegen er auch die Bezeichnung Vertebra prominens trägt (Abb. 5.16).

ABBILDUNG 5.16

Brustwirbelsäule
Die Wirbelkörper und Querfortsätze der Wirbelbögen tragen Gelenkflächen für die Rippen (Art. costovertebralis und Art. costotransversalis) (Abb. 5.16).
Lendenwirbelsäule
Die Querfortsätze sind lang und werden auch als Procc. costales bezeichnet (rudimentäre Rippen). Die Dornfortsätze sind gerade nach dorsal ausgerichtet (Abb. 5.16).
KreuzbeinKreuzbein (Os sacrum)
Das Kreuzbein besteht aus 5 Wirbeln, die zu einem keilförmigen Knochen synostosiert sind. Das Kreuzbein bildet den hinteren Beckenring (Abb. 5.17). Es bildet mit dem Hüftbein das Iliosakralgelenk (ISG), das kaum beweglich ist. Der Kreuzbeinkanal (Canalis sacralis) ist eine Fortführung des Spinalkanals, der nach unten hin offen ist und als Hiatus sacralis bezeichnet wird. Die paarigen Kreuzbeinlöcher (Foramina sacralia) entsprechen den Zwischenwirbellöchern in den oberen Bereichen der Wirbelsäule.
SteißbeinSteißbein (Os coccygis)
Das Steißbein besteht aus 4–5 Wirbeln, die durch Synostosen und Synchondrosen zu einem Knochen verschmolzen sind (Abb. 5.17).

ABBILDUNG 5.17

Aufbau und Funktion der Bandscheiben

Bandscheiben$Bandscheibe bestehen aus einem festen Anulus fibrosus und dem gallertartigen Nucleus pulposus. Sie befinden sich zwischen den Wirbeln, außer zwischen Atlas und Axis.

BandscheibeZwischen den Wirbelkörpern sind Bandscheiben (Disci Discus intervertebralisintervertebrales) eingelagert, deren Dicke von oben nach unten zunimmt. Zwischen Okziput und Atlas sowie Atlas und Axis befindet sich keine Bandscheibe. Die Bandscheiben werden durch Längsbänder (Ligg. longitudinalia anterius und posterius) zwischen den Wirbelkörpern gehalten. Sie bestehen aus 2 bindegewebigen Schichten (Abb. 5.18):
  • Anulus Anulus fibrosusfibrosus: Außenring aus Faserknorpel und derben kollagenen Fasern, die konzentrisch aufgebaut sind und für Stabilität sorgen

  • Nucleus Nucleus pulposuspulposus: Gallertkern, der bei Belastung den Druck verteilt und bei Entspannung wieder die ursprüngliche Form annehmen kann

ABBILDUNG 5.18

Brustkorb

Der Brustkorb$Brustkorb besteht aus 12 Rippe npaaren$Rippe und dem Brustbein.$Brustbein Nach hinten sind die Rippen mit den Brustwirbeln gelenkig verbunden. Die Rippen werden in 7 echte, 3 unechte und 2 freie Rippenpaare unterteilt.

Zwischen den Rippen finden sich die Interkostalräume,$Interkostalraum die mit (Atemhilfs-)Muskulatur gefüllt sind.

Der Brustkorb umschließt thorakale Organe und ist durch das Zwerchfell vom Bauchraum getrennt.

Der BrustkorbBrustkorb (Thorax) Thoraxwird von den RippenRippe (CostaCostae) gebildet, die nach vorne mit dem BrustbeinBrustbein (Sternum)Sternum gelenkig verbunden sind (Abb. 5.19). Nach hinten sind die Rippen mit den 12 Brustwirbelkörpern über je 2 Gelenke verbunden. Der Thorax umschließt und schützt wichtige Organe, v. a. Herz, Lungen, Speiseröhre, Blut- und Lymphgefäße und Nerven.
Der Brustkorb hat 2 Öffnungen:
  • Obere BrustkorböffnungBrustkorböffnung Thoraxapertur(Thoraxapertur): Sie wird von der 1. Rippe, dem Handgriff des Sternums und dem 1. Brustwirbelkörper gebildet.

  • Untere Brustkorböffnung: Sie wird von der 10.–12. Rippe, dem Rippenbogen, dem Schwertfortsatz des Sternums und dem 12. Brustwirbelkörper gebildet und ist durch das Zwerchfell verschlossen. Damit trennt sie die Brust- von der Bauchhöhle.

ABBILDUNG 5.19

Rippen
Die Rippe12 Rippenpaare (Abb. 5.19) unterteilen sich von kranial nach kaudal in:
  • 7 echte Rippen (Costae verae): Rippen I–VII

  • 3 falsche Rippen (Costae spuriae): Rippen VIII–X, wobei der Knorpelanteil verschmolzen ist und

  • 2 freie Rippen (Costae fluctuantes): Rippen XI und XII, ohne Kontakt zum Sternum

Die Rippen bestehen aus einem knöchernen Anteil und einem knorpeligen Anteil, der am Sternum ansetzt und den vorderen Teil der Rippen bildet. Die Rippen 8, 9 und 10 beteiligen sich am Aufbau des Rippenbogens. Bis auf die freien Rippen artikulieren alle Rippenpaare mit dem Sternum. Am unteren Ende des Sternums bilden die zusammenlaufenden Rippen von beiden Seiten den epigastrischen Winkel. Dieser Winkel kann sehr spitz sein, z. B. bei asthenischen (schlanken und hochgewachsenen) Menschen, oder sehr breit, z. B. bei adipösen Menschen oder Menschen mit einem Lungenemphysem.
Am Unterrand der Rippen finden sich von oben nach unten folgende Strukturen:
  • Vene

  • Arterie

  • Nerv

Den Raum zwischen den Rippen nennt man InterkostalraumInterkostalraum (ICR). Dort befindet sich die Interkostalmuskulatur. Sie gehört zur Atemhilfsmuskulatur.

MERKE

Merke

Der 1. Interkostalraum befindet sich unmittelbar unter der Klavikula, wo auch die 1. Rippe liegt. Durch Abzählen der Interkostalräume findet man u. a. die Herzklappenauskultationspunkte, die Lokalisation des Herzspitzenstoßes und die korrekte Platzierung der EKG-Elektroden.

Brustbein
Das Brustbein (Sternum)Brustbein Sternumdient als Ansatzstelle für den knorpeligen Anteil der Rippen. Es besteht aus (Abb. 5.19):
  • Handgriff (Manubrium sterni): liegt kranial und bildet eine gelenkige Verbindung zu den Schlüsselbeinen (Sternoklavikulargelenk)

  • Brustbeinkörper (Corpus sterni): liegt zwischen Handgriff und Schwertfortsatz und trägt Gelenkflächen für die Rippen 3–7

  • Schwertfortsatz (Proc. xiphoideus): liegt kaudal und dient als Ansatz für Brust- und Bauchwandmuskeln

Obere Extremität

Die obere Extremität$obere Extremität besteht aus dem Schultergürtel$Schultergürtel (Schlüsselbein [Klavikula] und Schulterblatt [Skapula]) und der freien Extremität mit

  • Oberarmknochen$Oberarm (Humerus),

  • Unterarmknochen:$Unterarm Speiche (Radius) und Elle (Ulna),

  • Handwurzelknochen:$Handwurzelknochen Kahnbein, Mondbein, Dreiecksbein, Erbsenbein, großes Vieleckbein, kleines Vieleckbein, Kopfbein, Hakenbein,

  • Mittelhandknochen$Mittelhandknochen und

  • Fingerknochen. $Fingerknochen

Die obere Extremität gliedert sich in Schultergürtel und freie Extremität (Abb. 5.20).

ABBILDUNG 5.20

Schultergürtel
SchultergürtelDer Schultergürtel besteht aus dem SchlüsselbeinSchlüsselbein (Clavicula)Klavikula und dem SchulterblattSchulterblatt (Scapula).Scapula Er stellt eine Verbindung von Arm und Rumpf dar und grenzt den Hals von der Brust ab.
Die Klavikula ist als schwach S-förmiger Knochen gelenkig mit dem Sternum über das Sternoklavikulargelenk und mit der Schulterhöhe Schulterhöhe(Acromion)Acromion über das Akromioklavikulargelenk verbunden.
Das Schulterblatt ist ein dreieckiger platter Knochen, der muskulär fixiert ist. Unterteilt wird das Schulterblatt im oberen Drittel durch die Schultergräte (Spina scapulae), die am lateralen Ende das AkromionAkromions bildet. Es liegt oberhalb des Schultergelenks. Ober- und unterhalb der Spina scapulae finden sich Einsenkungen (Fossa supraspinata und Fossa infraspinata), die mit Muskulatur gefüllt sind. Ventral des Akromions liegt der Rabenschnabelfortsatz (Proc. coracoideus).Processuscoracoideus Das Schultergelenk dient als Ansatz für sehr viele Muskeln.
Freie obere Extremität
Das SchultergelenkSchultergelenk (bestehend aus Skapula und Humeruskopf; Abb. 5.21) verbindet den Rumpf mit der oberen Extremität. Die freie obere Extremität besteht aus:
  • OberarmOberarm: Der Oberarmknochen (Humerus)Humerus ist proximal gelenkig mit dem Schulterblatt (Scapula) und distal mit Radius und Ulna im Ellenbogengelenk verbunden. Das Ellenbogengelenk setzt sich aus 3 Gelenken zusammen, die innerhalb einer Kapsel liegen:

    • Humeroradialgelenk (zwischen Oberarmknochen und Speiche)

    • Humeroulnargelenk (zwischen Oberarmknochen und Elle)

    • Proximales Radioulnargelenk (zwischen Speiche und Elle) für die Drehung der Hand im Sinne der Pronation und Supination

  • UnterarmUnterarm: Besteht aus Elle (Ulna)Elle Ulnaund SpeicheSpeiche (Radius).Radius Die Ulna findet sich auf der Kleinfingerseite und wird am distalen Ende dünner, da sie v. a. der Verbindung zum Humerus dient. Der Radius ist distal verstärkt, um bestmöglich die Verbindung zum Handgelenk herzustellen. Ulna und Radius sind distal über das distale Radioulnargelenk verbunden.

  • Hand (Manus)HandManus (Abb. 5.22): Besteht aus HandwurzelknochenHandwurzelknochen (Carpus), Mittelhandknochen (Metacarpus) und FingerFingern (Phalangen).Phalangen Die Handwurzelknochen sind in 2 Reihen angeordnet:

    • Proximale Reihe: Kahnbein (Os scaphoideum), Mondbein (Os lunatum), Dreiecksbein (Os triquetrum), Erbsenbein (Os pisiforme)

    • Distale Reihe: großes Vieleckbein (Os trapezium), kleines Vieleckbein (Os trapezoideum), Kopfbein (Os capitatum), Hakenbein (Os hamatum)

ABBILDUNG 5.21

ABBILDUNG 5.22

Gelenke der Hand
Die gelenkige Verbindung zwischen den Unterarmknochen und der proximalen Reihe der Handwurzelknochen wird als proximales HandgelenkHandgelenkproximales bezeichnet und ist ein Eigelenk. Es erlaubt eine Bewegungsmöglichkeit in 2 Achsen (Palmarflexion und Dorsalextension sowie Ulnar- und Radialabduktion). Zwischen proximaler und distaler Reihe der Handwurzelknochen findet sich das distale HandgelenkHandgelenkdistales, das als verzahntes Scharniergelenk kaum Beweglichkeit (Streckung und Beugung) erlaubt.
Die gelenkige Verbindung zwischen Handwurzelknochen und dem Daumen ist ein Sattelgelenk, zwischen den übrigen Gliedern sind die Gelenke mit Bändern versehen, sodass keine Beweglichkeit möglich ist.
Die Gelenke der Finger können in FingergrundgelenkeFingergrundgelenk (Metakarpophalangealgelenke), zwischen Mittelhandknochen und Fingerglied gelegen, proximale (PIP) und distale (DIP) InterphalangealgelenkeInterphalangealgelenk differenziert werden. Der Daumen besitzt lediglich ein Fingergrund- und ein distales Interphalangealgelenk. Die Grundgelenke der Finger II–V (Zeige-, Mittel-, Ring- und kleiner Finger) sind anatomisch Kugelgelenke, wobei die Beweglichkeit durch Bänder eingeschränkt ist. Alle anderen Interphalangealgelenke und das Daumengrundgelenk sind Scharniergelenke.
Untere Extremität

Die untere Extremität$untere Extremität besteht aus:

  • Beckenring:$Beckenring setzt sich zusammen aus 2 Hüftbeinen (Darmbein, Sitzbein und Schambein; miteinander synostosiert), die nach hinten über das Kreuzbein und nach vorne über die Symphyse verbunden sind

  • Freie untere Extremität mit:

    • Oberschenkelknochen$Oberschenkel (Femur)

    • Schienbein$Schienbein (Tibia) und Wadenbein$Wadenbein (Fibula)

    • Fußwurzelknochen:$Fußwurzelknochen Sprungbein, Fersenbein, Kahnbein, 3 Keilbeine, Würfelbein

    • Mittelfußknochen $Mittelfußknochen

    • Zehen $Zehen

Die untere Extremität besteht aus dem Beckenring und der freien unteren Extremität.
Becken
Das BeckenBecken (Pelvis)Pelvis bildet die Verbindung zwischen Rumpf und Bein. Es ist auf jeder Seite aus 3 Knochen zusammengesetzt, die das Hüftbein (Os coxae) bilden und miteinander synostosiert sind (Abb. 5.23). Hinten ist es über das Kreuzbein miteinander verbunden.
Im Einzelnen besteht das Becken aus:
  • Den beiden Hüftbeinen (Ossa coxae), die sich wiederum aus folgenden Knochen zusammensetzen:

    • DarmbeinDarmbein (Os ilium) Osilium mit den wichtigen Strukturen Spinae iliacae anteriores superior und inferior (vorderer oberer und unterer Darmbeinstachel), Spinae iliacae posteriores superior und inferior (hinterer oberer und unterer Darmbeinstachel) und Crista iliaca (Darmbeinkamm)

    • SchambeinSchambein (Os pubis) Ospubis

    • SitzbeinSitzbein (Os ischii) Osischii

  • Kreuzbein (Os sacrum)

Der Beckenring wird vorne durch die SymphyseSymphyse und hinten durch die beiden Kreuzbein-Darmbein-Kreuzbein-Darmbein-GelenkGelenke (Iliosakralgelenke)Iliosakralgelenk geschlossen.
Das Becken kann eingeteilt werden in:
  • Großes BeckengroßesBecken: Bereich oberhalb der Linea terminalis (Linea terminalis verläuft als gedachte Linie vom Promontorium zur Symphyse)

  • Kleines BeckenkleinesBecken: unterhalb der Linea terminalis, z. B. Sitz von Harnblase, Uterus

Das weibliche Becken ist etwas niedriger, der Eingang ist quer oval und breiter als das männliche Becken. Der kürzeste Durchmesser ist in der Verbindungslinie zwischen der Symphyse (Innenseite) und dem Promontorium (Innenseite) und wird als Conjugata vera bezeichnet. Die Strecke beträgt, 11–11,5 cm und ist in der Geburtshilfe wichtig.

ABBILDUNG 5.23

Hüftgelenk

Das Hüftgelenk$Hüftgelenk ist ein Nussgelenk. Die Gelenkpfanne wird aus den 3 Beckenknochen gebildet und Azetabulum$Acetabulum genannt. Der Femurkopf bildet den Gelenkkopf.

HüftgelenkDas Hüftgelenk (Art. coxae) verbindet das Becken mit der unteren Extremität. Die Gelenkpfanne wird aus Anteilen der 3 Knochen des Beckens gebildet und AzetabulumAzetabulum genannt (Abb. 5.23). Der Femurkopf ragt in die Pfanne hinein und wird durch straffe Bänder gehalten. Anatomisch ist das Hüftgelenk ein Kugelgelenk. Durch den straffen Bandapparat reduziert sich die Beweglichkeit, sodass es auch als Nussgelenk bezeichnet werden kann.
Freie untere Extremität
Die untere Extremität besteht aus:
  • OberschenkelOberschenkel: Der Oberschenkelknochen (Femur) Femurist der längste und kräftigste Knochen des Skeletts (Abb. 5.24). Der Oberschenkelhals ist in einem Winkel (Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel, CCD-Winkel) bei Erwachsenen von ca. 125° nach oben innen abgewinkelt. Bei Kindern beträgt der Winkel meist knapp 140°, im Alter ca. 115°. Das Femur ist mit dem Becken über das Hüftgelenk verbunden.

ABBILDUNG 5.24

  • UnterschenkelUnterschenkel: Besteht aus SchienbeinSchienbein (Tibia) Tibiaund WadenbeinWadenbein (Fibula) (Abb. 5.25).Fibula Die Tibia ist weitaus kräftiger als die Fibula. Sie trägt praktisch die gesamte Körperlast.

  • Fuß (Pes):Fuß Besteht aus FußwurzelknochenFußwurzelknochen (Tarsus), MittelfußknochenMittelfußknochen (Metatarsus)Metatarsus und ZehenZehen (Phalangen)Phalangen (Abb. 5.26). Zu den Fußwurzelknochen zählen:

    • Sprungbein (Talus)Talus

    • Fersenbein (Calcaneus)Calcaneus

    • Kahnbein (Os naviculare)

    • 3 Keilbeine (Ossa cuneiformia)

    • Würfelbein (Os cuboideum)

Die Mittelfußknochen verbinden die Fußwurzelknochen mit den Zehen. Die Grundgelenke sind anatomisch gesehen Kugelgelenke, die übrigen (distalen und proximalen Interphalangealgelenke) sind Scharniergelenke. Die Beweglichkeit der Glieder, verglichen mit der der oberen Extremität, ist stark eingeschränkt.
Das Fußskelett wird von zahlreichen Muskeln, Sehnen und Bändern begleitet, die an der Ausbildung des Längs- und Quergewölbes beteiligt sind. Das LängsgewölbeLängsgewölbe ist an der Innenseite des Fußes stark ausgeprägt (Abb. 5.26). Das QuergewölbeQuergewölbe zieht bogenförmig zwischen den medialen und lateralen Anteilen der Fußwurzel- und Mittelfußknochen. Beide Gewölbe führen dazu, dass das Körpergewicht nicht von der gesamten Fußfläche getragen wird, sondern auf 3 Punkte konzentriert wird: die Ferse, den Groß- und Kleinzehenballen.

ABBILDUNG 5.25

ABBILDUNG 5.26

Kniegelenk

Das Kniegelenk$Kniegelenk ist ein Drehscharniergelenk, das das Femur und Tibia verbindet. Die $MeniskusMenisci (Innen- und Außenmeniskus) gleichen die Gelenkflächen aus und federn Stöße ab.

Kreuzbänder$Kreuzband stabilisieren das Gelenk nach vorne und hinten, die Seitenbänder$Seitenband zu den Seiten hin. Fettkörper und Schleimbeutel reduzieren Reibungskräfte.

Die Patella$Patella (Sesambein) zieht über das Gelenk und wirkt als Umlenkstelle.

Das KnieKniegelenk (Art. genus) verbindet das Femur mit der Tibia. Die Gelenkfläche wird von den Kondylen (Gelenkknorren) der beiden Knochen gebildet. Die Fibula ist an der Gelenkbildung nicht beteiligt (Abb. 5.27). Es ist ein Drehscharniergelenk, wobei eine geringfüge Drehung nur im gebeugten Zustand möglich ist. Die artikulierenden Flächen sind nicht ganz eben. Als Ausgleich für die leicht ungleichen Gelenkflächen im Kniegelenk sind die Meniskusbeiden Menisci zwischen den artikulierenden Knochen eingelagert (Abb. 5.28, Abb. 5.29, Abb. 5.30). Der Innenmeniskus ist halbmondförmig, der Außenmeniskus nahezu geschlossen und nur am Rand mit der Gelenkkapsel verwachsen (Abb. 5.30). Weitere Aufgabe der faserknorpeligen Scheiben ist die Stoßdämpfung.
Die Kreuzbandbeiden Kreuzbänder (vorderes und hinteres Kreuzband) stabilisieren das Knie in der Bewegung nach vorne und hinten (Abb. 5.28, Abb. 5.29). Seitlich wird das Kniegelenk durch das mediale und laterale SeitenbandSeitenband fixiert. Die Bänder lagern sich an die äußere Gelenkkapsel an. Vor dem Gelenk findet sich ein Fettkörper, der Reibungskräfte am Knochen bei den Bewegungen reduziert. An besonderen Reibungspunkten finden sich Schleimbeutel, die ein reibungsloses Gleiten der Sehnen erlauben. Sie werden als Recessus suprapatellaris, Bursa praepatellaris und Bursa infrapatellaris bezeichnet (Abb. 5.27).
Die annähernd dreieckige PatellaPatella (Kniescheibe)Kniescheibe ist als größtes Sesambein des Menschen in die Sehne des M. quadriceps femoris eingelagert (Abb. 5.27). Funktionell dient sie als Hypomochlion (Umlenkstelle). Ihre Vorderfläche ist aufgeraut, ihre Rückseite mit Knorpel überzogen. Bei gestrecktem Knie ist die Patella verschieblich. Bei insuffizienter Verankerung durch die Quadrizepssehne bzw. das Lig. patellae kann die Kniescheibe nach medial oder lateral luxieren.

ABBILDUNG 5.27

ABBILDUNG 5.28

ABBILDUNG 5.29

ABBILDUNG 5.30

Sprunggelenke

Das obere Sprunggelenk$Sprunggelenkoberes wird von der Malleolengabel und der Sprungbeinrolle gebildet (Plantarflexion und Dorsalextension möglich).

Das untere Sprunggelenk$Sprunggelenkunteres wird von Sprungbein, Fersenbein und Kahnbein gebildet (Pronation und Supination möglich).

SprunggelenkoberesDer Außenknöchel der Fibula bildet zusammen mit dem Innenknöchel der Tibia die Malleolengabel (Knöchelgabel). Diese bildet mit der Trochlea tali (Sprungbeinrolle) das obere Sprunggelenk (OSG, Art. talocruralis). Per definitionem ist das obere Sprunggelenk ein Scharniergelenk, in dem die Bewegungen der Plantarflexion und Dorsalextension möglich sind.
Das untere SprunggelenkSprunggelenkunteres (USG, Art. talocalcaneonavicularis) schließt 2 Gelenkabschnitte ein: das Gelenk zwischen Sprungbein (Talus) und Fersenbein (Calcaneus) sowie das Gelenk zwischen Sprungbein (Talus) und Kahnbein (Os naviculare). Die Sprunggelenke ermöglichen die Abrollbewegungen des Fußes. Per definitionem ist das untere Sprunggelenk ein Scharniergelenk (mit schräger Achse), in dem die Bewegungen Supination und Pronation möglich sind.

Wichtige Muskeln des menschlichen Körpers

MuskelEin Skelettmuskel besteht aus einer Muskelansatzsehne, einer Muskelursprungssehne und einem Muskelbauch der den eigentlichen Muskel bildet. Die meisten Muskeln haben ihren Ansatz und Ursprung am Knochenapparat. Der UrsprungUrsprung des Muskels liegt meist am Knochen, der weniger beweglich ist. Der AnsatzAnsatz des Muskels befindet sich am Knochen, der beweglicher ist. Muskeln, die Bewegungen gemeinsam ausüben, heißen Synergisten bzw. Agonisten. Antagonisten sind die Gegenspieler der Agonisten.
Einige Muskeln besitzen eine Umlenkstelle im Bereich der Sehne. Diese Umlenkstelle nennt man HypomochlionHypomochlion (kleiner Hebel). Ein Hypomochlion verändert die Richtung des Muskelzugs, wobei die Zugrichtung des Muskels nur von der wirksamen Endstrecke der Sehnen bestimmt wird (dem Teil, der hinter dem Hypomochlion liegt).
Die Benennung der Muskeln orientiert sich an der Funktion, dem Aussehen oder der Lage. Muskeln können – je nach Lokalisation und Aufgabe – unterschiedlich aussehen: Sie können mehrere Bäuche haben, durch Zwischensehnen unterteilt oder gefiedert sein (Abb. 5.31).
Zur mikroskopischen Anatomie 3.2.5
Gesichts- und Kaumuskulatur

Die mimische Muskulatur$Muskulaturmimische wird vom N. facialis innerviert.

Wichtige Kaumuskeln$Kaumuskeln sind der M. masseter$Musculusmasseter (Masseter) und der M. temporalis$Musculustemporalis (Schläfenmuskel). Sie werden vom N. trigeminus innerviert.

Die mimische MuskulaturMuskulaturmimische (Abb. 5.32) setzt sich aus zahlreichen Muskeln zusammen, die für die Bewegungen des Gesichts zuständig sind. Die einzelnen Muskeln sind für den Heilpraktiker von nachrangiger Bedeutung. Die Innervation erfolgt über den N. facialis (VII).
Die KaumuskulaturKaumuskulatur (Abb. 5.33) besteht auf jeder Seite aus 4 Muskeln: M. temporalisMusculustemporalis (Schläfenmuskel), M. masseterMusculusmasseter (Masseter), Mm. pterygoidei medialis et lateralis (innerer und äußerer Flügelmuskel). Die Innervation erfolgt über den N. trigeminus (V).

ABBILDUNG 5.32

ABBILDUNG 5.33

Halsmuskulatur

Halsmuskeln: $Halsmuskeln

  • M. sternocleidomastoideus$Musculussternocleidomastoideus (Kopfnicker): wendet den Kopf zur Gegenseite, neigt ihn zur gleichen Seite

  • M. trapezius$Musculustrapezius (Kapuzenmuskel): hebt oder senkt die Schulter je nach Anteil oder zieht sie nach hinten

  • Mm. scaleni$Musculiscaleni (Treppenmuskeln): Atemhilfsmuskeln

Die HalsmuskulaturHalsmuskulatur kann in die oberflächliche und tiefe Muskulatur eingeteilt werden (Abb. 5.34, Abb. 5.38).
Oberflächliche Halsmuskulatur
Zu den wichtigsten oberflächlichen Halsmuskeln zählen:
  • Platysma:Platysma Dünner, platter Muskel, der direkt unterhalb der Haut liegt. Er öffnet den Mund und zieht die Kieferwinkel herab. Der Ansatz liegt in der Haut, im Bereich der 2. Rippe, der Ursprung an der Mandibula.

  • M. sternocleidomastoideusMusculussternocleidomastoideus (Kopfnicker, großer Kopfwender): Wendet den Kopf zur Gegenseite und neigt den Kopf zur gleichen Seite. Der Ansatz liegt am Proc. mastoideus, der Ursprung an der Klavikula und am Sternum. Er wird vom N. accessorius (XI) innerviert.

  • M. trapeziusMusculustrapezius (Kapuzenmuskel, Trapezmuskel): Bildet die oberste Schicht der Nacken- und Rückenmuskulatur im oberen Bereich. Er besteht aus 3 Teilen: Pars descendens (zieht die Schulter nach oben), Pars transversa (zieht die Schulter nach hinten) und Pars ascendens (senkt die Schulter). Die Pars descendens setzt am lateralen Drittel der Klavikula an, der Ursprung findet sich am Okziput, die Pars transversa setzt am Akromion an, der Ursprung an den Dornfortsätzen der Wirbel C7–Th3. Die Pars ascendens setzt an der Spina scapulae an, der Ursprung findet sich an den Dornfortsätzen der Wirbel Th3–Th12. Er wird vom N. accessorius (XI) innerviert.

Tiefe Halsmuskulatur
Die tiefe Muskulatur besteht aus zahlreichen Muskeln. Die wichtigsten sind:
  • Mm. scaleniMusculiscaleni (Treppenmuskeln): Atemhilfsmuskeln. Sie ziehen die 1. und 2. Rippe nach kranial und neigen den Kopf zur gleichen Seite. Die Muskeln haben ihren Ursprung an den Querfortsätzen von C1–C7, die Ansätze finden sich an der 1. und 2. Rippe.

  • M. levator scapulae$Musculuslevator scapulae (Schulterblattheber): Zieht die Skapula nach oben und innen, dreht und beugt den Kopf (bei fixierten Schulter). Er verläuft von den Querfortsätzen C1–C4 (Ursprung) zum oberen, medialen Pol der Skapula (Ansatz).

ABBILDUNG 5.34

Schultermuskulatur

Schultermuskulatur:$Schultermuskulatur die Rotatorenmanschette$Rotatorenmanschette umfasst das Schultergelenk und besteht aus 4 Muskeln:

  • M. supraspinatus$Musculussupraspinatus (Obergrätenmuskel): Abduktion des Armes und Außenrotation

  • M. infraspinatus$Musculusinfraspinatus (Untergrätenmuskel): Außenrotation des Armes

  • M. teres minor$Musculusteres minor (kleiner runder Muskel): Außenrotation des Armes

  • M. subscapularis$Musculussubscapularis (Unterschulterblattmuskel): Innenrotation des Armes

Die SchultermuskulaturSchultermuskulatur besteht aus (Abb. 5.35):
  • M. deltoideusMusculusdeltoideus (Deltamuskel): Bedeckt als oberste muskuläre Schicht das Schultergelenk und besteht aus 3 Anteilen: Pars clavicularis (Anteversion, Innenrotation, Adduktion), Pars acromialis (Abduktion des Armes bis zur Horizontalen) und Pars spinalis (Retroversion, Außenrotation, Adduktion). Er setzt am oberen Pol des Humerus an, die Ursprünge sind das äußere Ende der Klavikula, das Akromion und der Unterrand der Spina scapulae.

  • M. supraspinatusMusculussupraspinatus (Obergrätenmuskel): Setzt am Tuberculum majus des Humerus an, der Ursprung liegt in der Fossa supraspinata. Er abduziert den Arm und ist ein schwacher Außenrotator.

  • M. infraspinatusMusculusinfraspinatus (Untergrätenmuskel): Setzt am Tuberculum minus des Humerus an, der Ursprung liegt in der Fossa infraspinata. Er ist der stärkste Außenrotator.

  • M. teres minorMusculusteres minor (kleiner runder Muskel): Setzt am Tuberculum majus des Humerus an, der Ursprung liegt am lateralen Rand der Skapula. Er ist ein schwacher Außenrorator und Adduktor.

  • M. subscapularis$Musculussubscapularis (Unterschulterblattmuskel): Setzt am Tuberculum minus des Humerus an, der Ursprung liegt in der Fossa subscapularis. Er ist für die Innenrotation des Arms zuständig.

Die RotatorenmanschetteRotatorenmanschette (Muskel-Sehnen-Kappe) setzt sich aus 4 Muskel zusammen, die das Schultergelenk umfassen: M. supraspinatus, M. infraspinatus, M. teres minor und M. subscapularis.

ABBILDUNG 5.35

Muskulatur obere Extremität

Wichtige Muskeln$Muskelnobere Extremität der oberen Extremität:

  • M. biceps brachii$Musculusbiceps brachii (Bizeps): Beuger im Ellenbogengelenk

  • M. triceps brachii$Musculustriceps brachii (Trizeps): Strecker im Ellenbogengelenk

  • M. brachialis$Musculusbrachialis (Oberarmmuskel): wichtigster Beuger im Ellenbogengelenk

  • M. brachioradialis$Musculusbrachioradialis (Oberarmspeichenmuskel): Beuger im Ellenbogengelenk

Zu den wichtigsten MuskelnMuskelnobere Extremität des Ober- und Unterarms gehören (Abb. 5.35, Abb. 5.36):
  • M. biceps brachiiMusculusbiceps brachii (Bizeps): Besteht aus 2 Köpfen und zieht über 2 Gelenke, das Schulter- und das Ellenbogengelenk. Der Ansatz findet sich im oberen Radiusbereich, die Ursprünge liegen am Proc. coracoideus und oberhalb der Gelenkpfanne der Skapula. Er ist zuständig für die Anteversion und Abduktion des Oberarms (bis zur Horizontalen), Beugung im Ellenbogengelenk, Supination des Unterarms und Innenrotation im Schultergelenk. Die Kenntnis über die Lage der Sehne ist wichtig für die Prüfung des Bizepssehnenreflexes.

  • M. triceps brachiiMusculustriceps brachii (Trizeps): Besteht aus 3 Köpfen und ist ein starker Strecker im Ellenbogengelenk. Der Ansatz findet sich am Olekranon der Ulna, die Ursprünge am Humerus und unterhalb der Gelenkpfanne der Skapula. Die Kenntnis über die Lage der Sehne ist wichtig für die Prüfung des Trizepssehnenreflexes.

  • M. brachialisMusculusbrachialis (Oberarmmuskel): Wichtigster Beuger im Ellenbogengelenk. Der Ursprung liegt am Humerus, der Ansatz am proximalen Ende der Ulna.

  • M. brachioradialisMusculusbrachioradialis (Oberarmspeichenmuskel): Wichtiger Beuger im Ellenbogengelenk, der an der Supination und Pronation beteiligt ist. Der Ursprung liegt am distalen Ende des Humerus, der Ansatz am distalen Ende des Radius. Die Kenntnis über die Lage der Sehne ist wichtig für die Prüfung des Brachioradialisreflexes.

Die Muskeln des Unterarms können grob in Flexoren (Beuger) und Extensoren (Strecker) eingeteilt werden, wobei Bezeichnung und Verlauf der einzelnen Muskeln von nachrangiger Bedeutung sind. Die Flexoren sind an der Palmarseite lokalisiert, die Extensoren an der Radial- und Dorsalseite (Abb. 5.36). Viele der Muskeln ziehen über das Handgelenk bis zu den Fingern, sodass sie nicht nur das Handgelenk, sondern auch die Finger je nach Funktion beugen und strecken. Zahlreiche Flexoren und Extensoren verlaufen durch Führungskanäle. An der Dorsalseite wird die Vorrichtung Retinaculum extensorum genannt, an der Palmarseite Retinaculum flexorum oder Lig. carpi transversum (Karpaltunnel).Karpaltunnel Im Karpaltunnel findet sich neben den Sehnen der Flexoren auch der N. medianus.

ABBILDUNG 5.36

Brustmuskulatur
Brustmuskulatur

Wichtige Brustmuskeln$Brustmuskeln:

  • M. pectoralis major$Musculuspectoralis major (großer Brustmuskel): Adduktion und Innenrotation des Armes

  • M. pectoralis minor$Musculuspectoralis minor (kleiner Brustmuskel): fixiert und senkt das Schulterblatt

  • M. serratus anterior$Musculusserratus anterior (vorderer Sägezahnmuskel): fixiert das Schulterblatt

  • Mm. intercostales externi$Musculiintercostales externi und $Musculiintercostales interniinterni (äußere und innere Zwischenrippenmuskeln): unterstützen die In- und Exspiration

Alle diese Muskeln sind wichtige Atemhilfsmuskeln.

Zu den wichtigsten Brustmuskeln zählen (Abb. 5.37):
  • M. pectoralis majorMusculuspectoralis major (großer Brustmuskel): Besteht aus 3 Anteilen. Er setzt im oberen Drittel des Humerus an, die Ursprünge finden sich an der Klavikula, am Brustbein und an der Rektusscheide. Er ist an der Adduktion und Innenrotation des Arms beteiligt und ein wichtiger Atemhilfsmuskel.

  • M. pectoralis minorMusculuspectoralis minor (kleiner Brustmuskel): Setzt am Proc. coracoideus an, der Ursprung findet sich an den Rippen 3–5. Er fixiert und senkt das Schulterblatt und ist ein wichtiger Atemhilfsmuskel.

  • M. serratus anteriorMusculusserratus anterior (vorderer Sägezahnmuskel): Besteht aus 3 Anteilen und ist bei trainierten Menschen an den sägezahnartigen Muskelwülsten im Thoraxbereich zu sehen. Er fixiert das Schulterblatt am Thorax und zieht es nach lateral. Bei aufgestützten Armen wirkt er als Rippenheber und ist ein wichtiger Atemhilfsmuskel.

  • Mm. intercostales externiMusculiintercostales externi und Musculiintercostales interniinterni (äußere und innere Zwischenrippenmuskeln): Sie befinden sich in Interkostalräumen und gehören zu den Atemhilfsmuskeln. Die Mm. intercostales externi heben die Rippen und unterstützen die Inspiration, die Mm. intercostales interni ziehen die Rippen zusammen und unterstützen die Exspiration (8.2.3).

ABBILDUNG 5.37

Bauchmuskulatur
Bauchmuskulatur

Bauchmuskulatur: $Bauchmuskulatur

  • M. obliquus externus abdominis$Musculusobliquus externus abdominis (äußerer schräger Bauchmuskel): dreht den Rumpf zur Gegenseite, neigt ihn zur gleichen Seite

  • M. obliquus internus abdominis$Musculusobliquus internus abdominis (innerer schräger Bauchmuskel): dreht den Rumpf zur gleichen Seite

  • M. transversus abdominis$Musculustransversus abdominis (querer Bauchmuskel): verkleinert den Bauchraum

  • M. rectus abdominis$Musculusrectus abdominis (gerader Bauchmuskel): beugt den Rumpf

Alle diese Muskeln dienen der Bauchpresse.

Die Bauchmuskulatur setzt sich zusammen aus (Abb. 5.37):
  • M. obliquus externus abdominisMusculusobliquus externus abdominis (äußerer schräger Bauchmuskel): Setzt an der Linea alba an, der Ursprung befindet sich an der Außenseite der Rippen 5–12. Er ist für die Drehung des Rumpfes zur Gegenseite und der Neigung des Rumpfes zur gleichen Seite zuständig und hilft bei der Bauchpresse.

  • M. obliquus internus abdominisMusculusobliquus internus abdominis (innerer schräger Bauchmuskel): Setzt an der Linea alba an, der Ursprung befindet sich an der Fascia thoracolumbalis, der Crista iliaca und Spina iliaca anterior superior. Er dreht den Rumpf zur gleichen Seite und hilft bei der Bauchpresse.

  • M. transversus abdominisMusculustransversus abdominis (querer Bauchmuskel): Setzt an der Rektusscheide an, die Ursprünge liegen an der 7.–12. Rippe, Fascia thoracolumbalis und Crista iliaca. Er verkleinert den Bauchraum und hilft bei der Bauchpresse.

  • M. rectus abdominisMusculusrectus abdominis (gerader Bauchmuskel): Setzt an der Symphyse an, der Ursprung liegt am Proc. xiphoideus und an den sternumnahen Rippen 5–7. Er beugt den Rumpf, senkt die Rippen und hilft bei der Bauchpresse.

Rückenmuskulatur
RückenmuskulaturDie Rückenmuskulatur kann in eine oberflächliche und tiefe (autochthone) Muskulatur eingeteilt werden.
Oberflächliche Muskulatur

Wichtige Muskeln der oberflächlichen Rückenmuskulatur$Rückenmuskulatur sind:

  • M. trapezius$Musculustrapezius (Kapuzenmuskel)

  • M. levator scapulae$Musculuslevator scapulae (Schulterblattheber)

  • M. latissimus dorsi$Musculuslatissimus dorsi (großer Rückenmuskel): Adduktion, Innenrotation und Retroversion des Arms

Wichtige Muskeln der oberflächlichen Rückenmuskulatur sind (Abb. 5.38):
  • M. trapeziusMusculustrapezius (Kapuzenmuskel): oberflächliche Halsmuskulatur

  • M. latissimus dorsiMusculuslatissimus dorsi (großer Rückenmuskel): Besteht aus 4 Anteilen und zieht vom Arm bzw. Rücken bis zum Becken. Es setzt am proximalen Ende des Humerus an, die Ursprünge sind der untere Pol des Schulterblatts, Dornfortsätze der Wirbel Th7–Th12 und L1–L5, 10.–12. Rippe sowie Crista iliaca. Er ermöglicht eine Adduktion, Innenrotation und Retroversion des Arms.

  • M. levator scapulaeMusculuslevator scapulae (Schulterblattheber): oberflächliche Halsmuskulatur

ABBILDUNG 5.38

Tiefe Muskulatur

Die tiefe Rückenmuskulatur wird auch als autochthone Rückenmuskulatur$Rückenmuskulaturautochthone (M. erector spinae)$Musculuserector spinae bezeichnet. Sie streckt die Wirbelsäule und ermöglicht den aufrechten Gang.

Die autochthone (an Ort und Stelle verblieben) RückenmuskulaturRückenmuskulaturautochthone (Abb. 5.39) ist in der Embryonalzeit neben der Wirbelsäule angelegt worden und hat im Laufe der Entwicklung die Lokalisation nicht verändert. Die Muskulatur wird in einen lateralen und medialen Trakt eingeteilt, wobei die genaue Zuordnung von Autor zu Autor variiert und auch für den Heilpraktiker nicht von essenzieller Bedeutung ist. Die Muskulatur setzt sich aus sehr vielen Muskelzügen zusammen, die unterschiedliche Verläufe zeigen, u. a. von Dornfortsatz zu Dornfortsatz, vom Querfortsatz eines Wirbels zum benachbarten Dornfortsatz des benachbarten Wirbels oder weiter entfernter Wirbel und andersherum von Querfortsatz zu Querfortsatz. In der Gesamtheit wird diese Muskulatur M. erector spinaeMusculuserector spinae genannt: Sie streckt die Wirbelsäule und ermöglicht den aufrechten Gang.

ABBILDUNG 5.39

Beckenmuskulatur
Beckenmuskulatur

Wichtige Beckenmuskeln$Beckenmuskeln:

  • M. iliopsoas$Musculusiliopsoas (großer Lendenmuskel): stärkster Beuger im Hüftgelenk

  • M. gluteus maximus$Musculusgluteus maximus (großer Gesäßmuskel): Strecker im Hüftgelenk

  • Mm. glutei medius$Musculusgluteus medius und minimus$Musculusgluteus minimus (mittlerer und kleiner Gesäßmuskel): Abduktion im Hüftgelenk, Stabilisierung des Beckens im Einbeinstand

Wichtige Muskeln der Beckenmuskulatur sind (Abb. 5.40, Abb. 5.41):
  • M. iliopsoasMusculusiliopsoas (großer Lendenmuskel): Besteht aus der Vereinigung des M. psoas major und M. iliacus. Der M. psoas major hat seinen Ursprung am Wirbelkörper der Wirbel Th12–L5, verläuft im Retroperitoneum nach kaudal zum Becken, der M. iliacus in der Fossa iliaca. Nach Vereinigung setzen beide Muskeln am Trochanter minor an. Der M. iliopsoas ist der stärkste Beuger im Hüftgelenk und für die Anteversion des Schwungbeins beim Gehen zuständig.

  • M. gluteus maximusMusculusgluteus maximus (großer Gesäßmuskel): Er ist der größte Muskel des Gesäßes und bedeckt Teile des M. gluteus medius und die anderen Gesäßmuskeln. Dieser Muskel setzt am Femur an, der Ursprung findet sich an der Hinterfläche des Kreuzbeins und Steißbeins. Er ist der stärkste Strecker im Hüftgelenk, außerdem ist er an der Außenrotation beteiligt.

  • M. gluteus mediusMusculusgluteus medius (mittlerer Gesäßmuskel): Der Ursprung findet sich am Darmbein, der Ansatz am Trochanter major. Er ist ein starker Abduktor und zusammen mit dem M. gluteus minimus stabilisiert er das Becken im Einbeinstand. Bei einer einseitigen Läsion (auf der Standbeinseite) sinkt das Becken an der Spielbeinseite ab. Dieses Phänomen wird Trendelenburg-Zeichen genannt.

  • M. gluteus minimusMusculusgluteus minimus (kleiner Gesäßmuskel): Ansatz, Ursprung und Funktion entsprechen denen des M. gluteus medius. Gluteale intramuskuläre Injektionen werden in den M. gluteus medius und minimus appliziert.

ABBILDUNG 5.40

ABBILDUNG 5.41

Wichtige Muskeln$Muskelnuntere Extremität der unteren Extremität:

  • M. quadriceps femoris$Musculusquadriceps femoris (vierköpfiger Oberschenkelmuskel): Streckung im Kniegelenk, M. rectus femoris auch Beugung im Hüftgelenk

  • M. sartorius$Musculussartorius (Schneidermuskel): Beugung im Hüftgelenk, Innenrotation im Kniegelenk

  • M. gracilis$Musculusgracilis (schlanker Muskel): Adduktor im Hüftgelenk, Beuger und Innenrotator im Kniegelenk

  • Mm. adductores:$Musculusadductor Adduktoren des Oberschenkels

  • M. biceps femoris$Musculusbiceps femoris (Schenkelbeuger): Beuger im Kniegelenk, Außenrotator von Oberschenkel und Kniegelenk

  • M. semimembranosus$Musculussemimembranosus (halbmembranöser Muskel): starker Beuger im Kniegelenk

  • M. semitendinosus$Musculussemitendinosus (Halbsehnenmuskel): Strecker im Hüftgelenk, Beuger im Kniegelenk

  • M. gastrocnemius$Musculusgastrocnemius (zweibäuchiger Wadenmuskel): Beuger im Kniegelenk, Plantarflektor und Supinator des Fußes

  • M. tibialis anterior$Musculustibialis anterior (vorderer Schienbeinmuskel): Dorsalflexion und Supination des Fußes

Muskulatur der unteren Extremität
Zu den wichtigsten MuskelnMuskelnuntere Extremität des Ober- und des Unterschenkels zählen (Abb. 5.42, Abb. 5.43, Abb. 5.44):
  • M. quadriceps femorisMusculusquadriceps femoris (vierköpfiger Oberschenkelmuskel): Besteht aus 4 Köpfen: M. rectus femoris, M. vastus medialis, M. vastus intermediusMusculusrectus femorisMusculusvastus medialisMusculusvastus intermedius und M. vastus lateralisMusculusvastus lateralis. Diese 4 Muskeln besitzen eine gemeinsame Endsehne, die Patellarsehne, die an der Tuberositas tibiae ansetzt. Die Ursprünge sind u. a. auf das Azetabulum, Spina iliaca anterior superior und Trochanter major verteilt. Dieser Muskel ist ein Strecker im Kniegelenk. Der M. rectus femoris ist auch an der Beugung in der Hüfte beteiligt, wegen des Ursprungs am Azetabulum und der Spina iliaca anterior superior.

  • M. sartoriusMusculussartorius (Schneidermuskel): Ist der längste Muskel des Menschen und verläuft quer über den Oberschenkel von der Spina iliaca anterior superior (Ursprung) bis zur medialen Tibiafläche. Er ist an der Beugung im Hüftgelenk sowie Abduktion und Rotation des Oberschenkels beteiligt. Im Kniegelenk wirkt er als Innenrotator.

  • M. gracilisMusculusgracilis (schlanker Muskel): Er setzt am medialen Tibiarand an, der Ursprung findet sich an der Symphyse. Er wirkt als Adduktor im Hüftgelenk, als Beuger und Innenrotator im Kniegelenk.

  • Mm. adductores longus, magnus, brevis:Musculusadductor Diese Muskeln setzten alle an der Linea aspera des Femurs an, die Ursprünge sind das Schambein und der Sitzbeinhöcker. Sie fungieren als Adduktoren des Oberschenkels.

  • M. biceps femorisMusculusbiceps femoris (Schenkelbeuger): Zweiköpfiger Muskel, der am Fibulakopf ansetzt. Ursprünge sind der Sitzbeinhöcker und die Linea aspera des Femurs. Er fungiert als Beuger im Kniegelenk, Außenrotator von Oberschenkel und Kniegelenk und leichter Strecker im Hüftgelenk.

  • M. semimembranosusMusculussemimembranosus (halbmembranöser Muskel): Er setzt am medialen Kondylus der Tibia an, der Ursprung ist am Sitzbeinhöcker. Er ist ein starker Beuger im Kniegelenk, im Hüftgelenk ist er an der Streckung und Adduktion beteiligt.

  • M. semitendinosusMusculussemitendinosus (Halbsehnenmuskel): Er setzt an der medialen Fläche der Tibia an, der Ursprung ist am Sitzbeinhöcker. Er streckt im Hüftgelenk, beugt im Kniegelenk und rotiert im gebeugten Kniegelenk nach innen.

  • M. gastrocnemiusMusculusgastrocnemius (zweibäuchiger Wadenmuskel): Wird zusammen mit dem M. soleus auch als M. triceps surae bezeichnet. Der Ansatz findet sich über der Achillessehne am Fersenbeinhöcker. Der Ursprung liegt am medialen und lateralen Kondylus des Femurs. Er ist ein Beuger im Kniegelenk sowie ein Plantarflektor und Supinator des Fußes.

  • M. tibialis anteriorMusculustibialis anterior (vorderer Schienbeinmuskel): Setzt am 1. Mittelfußknochen an, der Ursprung findet sich am lateralen Kondylus der Tibia. Er ist für die Dorsalflexion und Supination des Fußes zuständig.

ABBILDUNG 5.42

ABBILDUNG 5.43

ABBILDUNG 5.44

Untersuchung

Untersuchung der Wirbelsäule

Wirbelsäule Untersuchung Wirbelsäule Untersuchung

ACHTUNG

Achtung

Ausschluss eines Notfalls:

  • Plötzliche starke Schmerzen im Wirbelsäulenbereich

  • Fraktur (Kapitel 25)

  • Neurologische Ausfallserscheinungen, z. B. durch Frakturen

  • Entzündliche Prozesse am Kniegelenk

  • Inspektion: u. a. Symmetrie des Rumpfes, Schulter- und Beckenstand, Kopfhaltung, Wirbelsäulenverkrümmung

  • Palpation: Dornfortsätze, paravertebrale Muskulatur

  • Perkussion: Dornfortsätze

  • Funktionsprüfung:

    • Neutral-Null-Methode

    • Schober-Zeichen

    • Ott-Zeichen

    • Kinn-Jugulum-Abstand

    • Wand-Okzipitum-Abstand

Inspektion
InspektionWirbelsäuleBei der Inspektion werden folgende Merkmale beurteilt:
  • Alter, Gewicht und Konstitution des Patienten

  • Fuß- und Beinachsen bzw. Abweichungen

  • Symmetrie des Rumpfes

  • Statik der Wirbelsäule, Veränderungen der physiologischen Wirbelsäulenkrümmungen

  • Kopfhaltung

  • Schulter- und Beckenstand

  • Gangart

Palpation
PalpationWirbelsäuleBei der Palpation werden die Dornfortsätze und die paravertebrale Muskulatur untersucht, die unter physiologischen Umständen schmerzlos und die Muskulatur weich zu tasten ist.
  • Dornfortsätze: druckschmerzhaft bei degenerativen, entzündlichen und tumorösen Prozessen

  • Paravertebrale Muskulatur: Verhärtungen im Rahmen einer Schonhaltung oder bei Myogelosen (Muskelhartspann)

  • Stauchungsschmerzen: bei entzündlichen, degenerativen oder tumorösen Prozessen

Perkussion
PerkussionWirbelsäuleBei der Perkussion werden die Dornfortsätze beklopft. Sie sind empfindlich bei degenerativen, entzündlichen und tumorösen Prozessen.
Funktionsprüfung
FunktionsprüfungWirbelsäuleBei der Funktionsprüfung werden die Bewegungsausmaße nach der Neutral-Null-Methode beurteilt und Funktionstests durchgeführt, v. a. Schober- und Ott-Zeichen, Finger-Boden-Abstand, Kinn-Jugulum-Abstand, Okziput-Wand-Abstand.
  • Neutral-Null-Methode:Neutral-Null-Methode Damit wird der Bewegungsumfang eines Gelenks festgehalten. Die Neutralstellung aller Gelenke ist als aufrechter Stand mit herabhängenden Armen und nach vorne gedrehten Daumen zu verstehen. Bei der Protokollierung werden immer 3 Zahlen festgehalten. Bei normaler Gelenkfunktion wird die 0 zwischen die beiden Ziffern für die Anfangs- und Endstellung gesetzt, weil Gelenke über die 0 Stellung hinaus in 2 Richtungen bewegt werden. Weiterhin ist es wichtig festzuhalten, mit welcher Bewegung man beginnt.

    • Im Ellenbogengelenk kann ein Proband eine Beugung/Flexion von 150° machen und eine Streckung/Extension von 5°. Dokumentiert wird dieser Bewegungsumfang: FLEX./EXT. 150°/0°/5° oder EXT./FLEX. 5°/0°/150°.

    • Kann ein Gelenk nur in eine Richtung bewegt werden, steht die 0 entweder am Anfang oder am Ende, je nachdem, mit welcher Bewegung man beginnt.

    • Wenn ein Patient eine Beugekontraktur im Ellenbogengelenk von 10° hat, aber das Gelenk bis 150° beugen kann, so dokumentiert man: FLEX./EXT. 150°/10°/0° oder EXT./FLEX. 0°/10°/150°.

  • Schober-Zeichen:Schober-Zeichen Test zur Beurteilung der Dehnungsfähigkeit der LWS. Beim aufrecht stehenden Patienten zunächst den Dornfortsatz von S1 markieren, 10 cm nach kranial messen und diesen Punkt ebenfalls markieren. Im Anschluss beugt sich der Patient maximal nach vorne. Die zuvor markierte Strecke sollte sich um ca. 5 cm vergrößert haben. Die Dehnungsfähigkeit ist z. B. beim Morbus Bechterew eingeschränkt.

  • Ott-Zeichen:Ott-Zeichen Test zur Beurteilung der Dehnungsfähigkeit der BWS. Beim aufrecht stehenden Patienten zunächst den Dornfortsatz von C7 markieren, 30 cm nach kaudal messen und diesen Punkt ebenfalls markieren. Im Anschluss beugt sich der Patient maximal nach vorne. Die zuvor markierte Strecke sollte sich um 3–5 cm vergrößert haben.

  • Finger-Boden-Abstand:Finger-Boden-Abstand Bei normaler Beweglichkeit von BWS, LWS und HWS 0 cm. Vergrößert bei Morbus Bechterew, Bandscheibenaffektionen und Spondylosen.

  • Kinn-Jugulum-Abstand:Kinn-Jugulum-Abstand Bei normaler Beweglichkeit von BWS, LWS und HWS 0 cm. Vergrößert bei HWS-Beteiligung bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Bechterew oder rheumatoider Arthritis.

  • Okziput-Wand-Abstand:Okziput-Wand-Abstand Bei normaler Beweglichkeit von BWS, LWS und HWS 0 cm. Vergrößert bei HWS-Beteiligung im Rahmen von chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Bechterew oder rheumatoider Arthritis.

Untersuchung des Knies

Untersuchung Knie Knie Untersuchung

  • Inspektion: Hautfarbe, Gelenkkontur, Schwellung

  • Palpation: Kniekehle (mögliche Bakerzyste), „tanzende Patella“

  • Funktionsprüfung

    • Neutral-Null-Methode

    • Böhlen-Zeichen

    • Steinmann I und II

    • Payr-Zeichen

    • Schubladenphänomen

Inspektion
InspektionKnieBei der Inspektion werden folgende Merkmale beurteilt:
  • KnieUntersuchungAlter, Gewicht und Konstitution des Patienten

  • Hautfarbe

  • Gelenkkontur

  • Schwellung

  • Fuß- und Beinachsen bzw. Abweichungen

  • Beckenstand

  • Gangart

Palpation
PalpationKnieBei der Palpation werden mögliche Gelenkergüsse beurteilt:
  • Kniekehle: mögliche Bakerzyste

  • „Tanzende Patella“ als Hinweis auf einen Kniegelenkerguss

Funktionsprüfung
FunktionsprüfungKnieBei der Funktionsprüfung werden die Bewegungsausmaße nach der Neutral-Null-Methode beurteilt und Funktionstests durchgeführt, v. a. Böhler-Zeichen, Steinmann I und II, Payr-Zeichen, vorderes und hinteres Schubladenphänomen.
  • Beweglichkeit nach Neutral-Null-Methode

  • Böhler-ZeichenBöhler-Zeichen (Varus- oder Valgusstress): Ab- oder Adduktionsschmerz des Kniegelenks als Hinweis auf einen Außen- oder Innenmeniskusschaden

  • Steinmann I:Steinmann I Schmerzen am inneren bzw. äußeren Gelenkspalt bei ruckartiger Außenrotation des um 30° gebeugten Kniegelenks bei Innen- bzw. Außenmeniskusschäden

  • Steinmann Steinmann IIII: von vorne nach hinten wandernder Druckschmerzpunkt bei zunehmender Beugung des Kniegelenks aus einer Streckung heraus bei Meniskusläsion

  • Payr-Zeichen:Payr-Zeichen Schmerzen am inneren Gelenkspalt bei Varusstress (O-Bein-Stellung) im Schneidersitz als Hinweis auf Innenmeniskusschäden

  • Vorderes und hinteres SchubladenphänomenSchubladenphänomen: Prüfung des vorderen und hinteren Kreuzbands in 90°-Beugestellung und bei fixiertem Fuß; abnorme Beweglichkeit nach vorne als Hinweis auf eine Vorderbandruptur, abnorme Beweglichkeit nach hinten auf eine Hinterbandruptur

Apparative Untersuchung
Knie apparative Untersuchung apparative Untersuchung Knie

Wichtige apparative Untersuchungen:$apparative UntersuchungKnie

  • Röntgen: wichtigstes Verfahren zur Diagnostik von v. a. Frakturen oder Veränderungen von Knochenaufbau und -struktur

  • CT: Darstellung der Strukturen in einer Schichtaufnahme durch Verwendung von Röntgenstrahlen

  • MRT: Darstellung der Strukturen in einer Schichtaufnahme, gute Weichteilauflösung, keine Strahlenbelastung

Neben der Anamnese und körperlicher Untersuchung nehmen apparative Untersuchungen im orthopädischen Sektor eine wichtige Rolle ein. Zu den wichtigsten apparativen Möglichkeiten zählen vor allem die Röntgen-Untersuchung, gefolgt von der Computertomografie und Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT).
Röntgen
RöntgenDie konventionelle Röntgen-Diagnostik ist das wichtigste Verfahren zur Diagnostik von v. a. Frakturen oder Veränderungen von Knochenaufbau und Knochenstruktur. Die Ursachen der Veränderungen lassen sich jedoch aus dem Bild nicht ablesen.
Bei dieser Untersuchung werden Röntgenstrahlen verwendet, wobei der Strahlengang in eine Richtung geht. Dabei entsteht sozusagen ein Summenbild, weil sich Strukturen, die anatomisch hintereinander stehen (liegen), auf dem Bild überlagern. Weil unterschiedliche Gewebe unterschiedlich viel Strahlen absorbieren, ergeben sich Bilder, die weitgehend voneinander getrennt werden können. Luft absorbiert keine Strahlen, deswegen erscheinen lufthaltige Organe und Strukturen schwarz. Fett absorbiert verschwindend geringe Menge an Strahlen. Die Strukturen erscheinen ebenfalls schwarz. Wasser absorbiert etwas mehr Strahlen, sodass eine Abgrenzung zu luft- und fetthaltigen Strukturen möglich ist. Knochen absorbiert sehr viel Strahlung; diese Strukturen können am besten beurteilt werden. Knorpelstrukturen (Gelenkflächen, Bandscheiben) können hingegen im Röntgenbild nicht beurteilt werden. Sichtbar ist der Gelenkspalt, der weiter als der anatomische Gelenkspalt erscheint. Wichtig ist es, eine Röntgenaufnahme in 2 Ebenen anzufertigen.
Eine Besonderheit in der Terminologie ist die Benennung der Schwarz-Weiß-Schattierungen. In der Röntgendiagnostik wird die Schwarzfärbung als Aufhellung bezeichnet, die Weiß- bzw. Hellfärbung als Verschattung. Bei der Interpretation der Bilder sind die Seiten vertauscht. Sie werden so angeschaut, als würde man den Patienten vor sich stehen haben.
Computertomografie
Computertomografies. CTDie Computertomografie bedient sich ebenfalls der Röntgenstrahlen. Der Unterschied zum Röntgen ist der, dass hier Strukturen, die hintereinander liegen, dargestellt werden können. Der Körper wird in Querschnittsbildern (inzwischen mit der High Resolution CTCT in einer Schichtdicke von 1–2 mm) dargestellt (Schichtaufnahmen). Organe und Strukturen können durch unterschiedliche Graustufen gut voneinander abgegrenzt werden.
Indikationen sind u. a. intrakraniale Blutungen, Beckenverletzungen oder Tumorstaging. Die Strahlendosis ist höher als bei der konventionellen Röntgenuntersuchung.
Magnet-Resonanz-Tomografie
Magnet-Resonanz-Tomografies. MRTDie Magnet-Resonanz-Tomografie bedient sich eines starken Magnetfelds und Hochfrequenzimpulsen. Der Vorteil der MRTMRT ist die gute Weichteilauflösung, sodass Gelenkknorpel, Sehnen, Ergüsse und Muskelveränderungen, aber auch Gehirnsubstanz sehr gut beurteilt werden können. Die Nachteile sind meist eine längere Untersuchungsdauer, Lärmbelastung (bis zu 110 dB) und für einige (klaustrophobe) Patienten unkomfortable Untersuchungsbedingungen durch die Enge der Röhre. Weiterhin sind Herzschrittmacher, (magnetische) Metallteile, z. B. als Prothesen, Clips, ein Hindernis. Die betroffenen Patienten dürfen der MRT-Untersuchung nicht unterzogen werden. Die Kosten der MRT sind ebenfalls höher als bei anderen bildgebenden Verfahren, z. B. Röntgen oder CT.

Lernzielkontrolle

  • Beschreiben Sie den Aufbau eines Röhrenknochens!

  • Beschreiben Sie die Eigenschaften und Funktion der Knochen!

  • Welche Hormone sind an der Regulation der Knochenbildung und Knochenumbauprozessen beteiligt? Welche anderen Einflüsse wirken sich fördernd auf den Knochenaufbau aus?

  • Woraus besteht ein echtes Gelenk? Was ist der Unterschied zu unechten Gelenken?

  • Welche Arten der Gelenke sind Ihnen bekannt? Nennen Sie jeweils ein Beispiel!

  • Welche Zusatzeinrichtungen können Gelenke besitzen? Welche Funktionen erfüllen sie?

  • Benennen Sie die Knochen des Schädels!

  • Welche Funktion haben die Schädelnähte und Fontanellen? Wann schließen sie sich?

  • Benennen Sie die einzelnen Abschnitte der Wirbelsäule und deren Funktion! Welche anatomischen Veränderungen zeigen die Wirbel von kranial nach kaudal?

  • Wie ist eine Bandscheibe aufgebaut und welche Funktion hat sie?

  • Benennen Sie die knöchernen Bestandteile des Thorax sowie der oberen und unteren Extremität!

  • Wie ist das Kniegelenk aufgebaut? Über welche Zusatzeinrichtungen verfügt es?

  • Benennen Sie die Funktion folgender Muskeln:

    • M. sternocleidomastoideus

    • M. trapezius

    • M. biceps brachii, M. triceps brachii, M. brachialis, M. brachioradialis

    • Mm. pectorales major und minor

    • Bauchmuskulatur

    • Autochthone Rückenmuskulatur

    • Glutealmuskulatur

    • M. quadriceps femoris, M. biceps femoris

    • M. gastrocnemius

  • Welche Muskeln bilden die Rotatorenmanschette und was ist deren Funktion?

  • Wie untersuchen Sie die Wirbelsäule?

  • Wie untersuchen Sie das Knie?

Orthopädische Erkrankungen des Bewegungsapparats

Lernziele

  • Kenntnisse über die Pathogenese und Symptome der Arthrose.

  • Unterscheidung der Symptome der Lumbago und der Ischialgie.

  • Kenntnisse über die klinischen Zeichen der Skoliose.

  • Benennung der Symptome und Therapie bei der Hüftgelenkdysplasie.

  • Kenntnisse über Erkrankungen, die das Auftreten der Dupuytren-Kontraktur begünstigen.

  • Kenntnisse über die häufigen Lokalisationen und Symptome von Osteosarkomen.

  • Benennung der Tumorarten, die gehäuft auf dem hämatogenen Wege Knochenmetastasen verursachen.

  • Kenntnisse über die Symptome des Morbus Bechterew und Fähigkeit zur Abgrenzung zu anderen rheumatischen Erkrankungen.

  • Kenntnisse über die Ursachen und Symptome der reaktiven Arthritis und des Reiter-Syndroms.

  • Kenntnisse über die Symptome der rheumatoiden Arthritis.

  • Kenntnisse über die Symptome der Polymyalgia rheumatica.

  • Kenntnisse über die Symptome der Fibromyalgie.

  • Benennung von Ursachen für Rückenschmerzen, Knieschwellung und Gelenkschmerzen.

Allgemeines

Allgemeine Leitsymptome der orthopädischen Erkrankungen$orthopädische Erkrankungen sind Gelenk-, Knochen- und Weichteilschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Schwellungen.

Morgensteifigkeit, Ruhe- und Nachtschmerzen sprechen für ein Entzündungsgeschehen, Anlauf- und Belastungsschmerzen für degeneratives Geschehen.

Orthopädische Erkrankungenorthopädische Erkrankungen umfassen angeborene und erworbene Erkrankungen des Binde- und Stützgewebes. Das wichtigste Leitsymptom ist der Schmerz, der abhängig von der Art der Erkrankung und dem Ort des pathologischen Geschehens unterschiedliche Lokalisation, Intensität, Tagesschwankungen, Ausstrahlung und verschiedene verbessernde und verschlechternde Faktoren zeigt. Die Lokalisation des Schmerzes entspricht häufig den anatomischen Strukturen, die am Schmerzpunkt oder in der nächsten Umgebung liegen. In vielen Fällen werden die Schmerzen etwas weiter weg vom Geschehen wahrgenommen, z. B. bei Erkrankungen der Hüfte als Knieschmerzen, was als Projektionsschmerz bezeichnet wird. Bei Erkrankungen der Wirbelsäule und Reizung der Spinalnerven entsteht ein fortgeleiteter Schmerz, der u. U. bis zum Endstromgebiet (bis zur großen Zehe) wahrgenommen wird. Schmerzen, die in Ruhe und nachts auftreten bzw. in der Intensität stärker werden, sprechen eher für ein entzündliches Geschehen, z. B. bei rheumatoider Arthritis. Begleitet werden die Gelenkschmerzen von einer ausgeprägten Steifigkeit. Degenerative Gelenkerkrankungen (und auch entzündliche Reizungen der Sehnen und Muskeln) sind durch Anlauf- und Belastungsschmerzen und eine Schmerzabnahme unter Ruhebedingungen charakterisiert.
Ein anderes wichtiges Leitsymptom ist die Bewegungseinschränkung, die beim chronischen Verlauf zur Schrumpfung von Sehnen, Muskeln und Bändern (Kontrakturen) führen und die Bewegungseinschränkung verstärken kann.
Darüber hinaus sind Gelenkschwellungen ein wichtiges Symptom. Sie können akut oder chronisch sein und sind v. a. auf eine Ergussbildung, z. B. nach einem Trauma, eine Verhärtung der Gelenkkapsel durch chronische entzündliche Prozesse oder entzündliche Weichteilschwellung bei akuten entzündlichen Gelenkerkrankungen zurückzuführen.

Arthrose

  • $ArthroseDegenerative Veränderungen eines Gelenks mit schmerzhafter Funktionseinschränkung

  • Betrifft v. a. Gelenke der unteren Extremität

  • Begünstigende Faktoren: u. a. Traumata, Entzündungen, Fehlstellungen, Übergewicht

Definition
ArthroseBei der Arthrose handelt es sich um die degenerative Veränderung eines Gelenks mit schmerzhafter Funktionseinschränkung.
Pathogenese
Die Entwicklung der Arthrose geht langsam vonstatten (Abb. 5.45). Am Anfang steht der Elastizitätsverlust des Knorpels, u. a. durch Abnahme des Wassergehalts und Ernährungsstörungen des Knorpels im Vordergrund, der mit einer Höhenabnahme des Knorpelgewebes und einer Gelenkspaltverschmälerung einhergeht. Parallel treten Risse in der Knorpelmatrix auf, die zu einer Aktivierung von Proteasen (knorpelabbauenden Enzymen) führen.
Im weiteren Verlauf kommt es v. a. bei mechanisch bedingten Arthrosen zu einer subchondralen Sklerosierung mit OsteophytenOsteophytenbildung (Knochenvorsprünge) (Abb. 5.46). Die subchondrale Sklerosierung ist durch einen verstärkten Knochenanbau unter dem Knorpel in dem Bereich gekennzeichnet, wo die Druckbelastung am stärksten ist. Die Osteophyten entstehen ebenfalls in den Bereichen, wo die Druckbelastung am stärksten ist und imponieren als Höcker oder Sporne, welche die Gelenkfläche vergrößern (und damit den Druck auf eine größere Fläche übertragen). Die zeitgleich entstehende Zystenbildung erfolgt im Knorpel-Knochen-Übergang und ist mit lokaler Knochengewebsatrophie verbunden.
Durch diese Vorgänge wird das Gelenk deformiert. Die Knorpelfläche wird zunehmend kleiner und auch der Gelenkspalt immer schmäler, bis Knochenenden aufeinander reiben, was mit Krepitation (Knochenreiben) und Dauerschmerzen einhergeht.
Begünstigende Faktoren für die Entstehung einer Arthrose sind Achsenfehlstellungen, die zur lokalen Mehrbelastung des Gelenkknorpels führen, z. B. O- oder X-Beine, ferner Adipositas, vorangegangene Verletzungen und Entzündungen. Das Alter spielt ebenfalls eine Rolle; einige Autoren gehen sogar davon aus, dass jeder Mensch im Alter eine Arthrose entwickelt, vorausgesetzt er erlebt sie. Die Arthrose betrifft v. a. Gelenke der unteren Extremität als GonarthroseGonarthrose (Kniegelenkarthrose) und KoxarthroseKoxarthrose (Hüftgelenkarthrose).

ABBILDUNG 5.45

ABBILDUNG 5.46

Einteilung
  • Primäre Form: ohne erkennbare Risikofaktoren mit meist symmetrischer Beteiligung der kleinen Gelenke; Manifestation als Bouchard-ArthroseBouchard-Arthrose mit Befall der Fingermittelgelenke und Heberden-ArthroseHeberden-Arthrose mit Befall der Fingerendgelenke

  • Sekundäre Formen: mit Risikofaktoren wie Trauma, vorangegangene Entzündung, Fehlstellung, Übergewicht

Symptome
  • Frühes Stadium: Typische Symptome sind ein Anlaufschmerz, der unter leichter und kontinuierlicher Belastung zunächst besser wird, Ermüdungs- und Belastungsschmerzen bei stärkeren Belastungen, Projektionsschmerzen (in benachbarte Regionen oder Gelenke), Schonhaltung und Steifigkeitsgefühl. Die Schonhaltung führt meist zur Mehrbelastung anderer Gelenke, das Risiko der arthrotischen Veränderung ist sehr hoch. Darüber hinaus kann die Schonhaltung zu Muskelkontrakturen führen, welche die Beweglichkeit weiter einschränken.

$Arthrose Symptome Leitsymptome:

  • Frühes Stadium: Anlauf, Ermüdungs-, Belastungsschmerz

  • Spätes Stadium: Dauerschmerz, nächtlicher Schmerz, Muskelschmerzen

Begleitsymptome:

  • Muskelverspannungen

  • Schonhaltung

  • Projektionsschmerzen

  • Kontrakturen

  • Spätes Stadium: Charakteristisch sind Dauer-, Muskel-, nächtliche Schmerzen und Muskelverspannungen mit Bildung von Kontrakturen. Ferner tritt eine Instabilität der Gelenke auf. Gelenkversteifung und -verdickung sind typische Begleiterscheinungen. Bei völligem Abrieb der Gelenkflächen tritt eine Krepitation (Knochenreiben) auf, wobei die gut innervierten periostalen Häute aneinander reiben, was starke Dauerschmerzen verursacht.

In beiden Stadien sind entzündliche Begleitreaktionen möglich, die z. B. durch verstärkten Knorpelabrieb nach stärkerer körperlicher Belastung auftreten. Dieser Zustand wird als aktivierte ArthroseArthroseaktivierte bezeichnet. Er geht mit Ergussbildung, lokalen Entzündungszeichen des betroffenen Gelenks und Zunahme der Symptome einher.
Differenzialdiagnosen
  • Arthritis: typisch sind Ruhe- und nächtliche Schmerzen sowie lokale und meist auch systemische Entzündungszeichen

  • Bei Beteiligung der Wirbelsäule:

    • Osteoporose: schleichende Symptome mit Kyphosierung der BWS, Abnahme der Körperhöhe, Tannenbaumphänomen, erhöhter Frakturneigung

    • Knochenmetastasen: häufig lokalisierte Schmerzen, Symptome des Primärtumors, Allgemeinsymptome, B-Symptome

Diagnostik
  • Inspektion: Muskelatrophie, Fehlhaltung, bei aktivierter Arthrose lokale Entzündungszeichen

  • Palpation: Schmerzhaftigkeit über dem betroffenen Areal

  • Bewegungsumfang: nach Neutral-Null-Methode eingeschränkt

  • Labor: i. d. R. unauffällig

Therapie
  • Allgemeinmaßnahmen:

$Arthrose Therapie Therapie:

  • Allgemeinmaßnahmen:

    • Gewichtsabnahme

    • Regelmäßige gelenkschonende Bewegung, z. B. Schwimmen

    • Warmhalten der betroffenen Gelenke

    • Weiches, angepasstes Schuhwerk

  • Physiotherapie

  • NSAR

  • Operation

    • Gewichtsabnahme bei Adipositas reduziert die Belastung der Gelenke

    • Regelmäßige Bewegung zur Kräftigung der Muskulatur, z. B. Schwimmen, aber Vermeidung von Sportarten mit starker Gelenkbelastung wie Tennis oder Squash

    • Warmhalten der betroffenen Gelenke

    • Weiches, angepasstes Schuhwerk mit Puffersohlen

  • Physiotherapie

  • Medikamentöse Therapie mit NSAR, ggf. Glukokortikoiden

  • Operation mit prothetischer Versorgung

Lumbago

Lumbago

$LumbagoPlötzliche starke Schmerzen im Lumbalbereich ohne radikuläre Ausstrahlung, am häufigsten durch ein Verhebetrauma

Definition
Syn. Lumbalgie, LumbalgieHexenschussHexenschuss“. Plötzliche starke Schmerzen im Lumbalbereich treten ohne radikuläre Ausstrahlung, d. h. ohne Bezug zu Segmenten (Dermatomen), auf.
Ursachen
  • Am häufigsten Verhebetrauma bzw. plötzliche Rumpfdrehung mit Reizung der Intervertebralgelenke (Facettengelenke)

  • Degenerative Erkrankungen der LWS

  • Muskelhartspann (Myogelosen) im lumbalen Bereich

  • Schonhaltung

Symptome
  • Einseitige oder beidseitige starke, tiefe und bohrende lumbale Schmerzen, die meist ins Sakrum und die Gesäßregion ausstrahlen, seltener bis zur Kniekehle (pseudoradikuläre pseudoradikuläre SchmerzenSchmerzen = ausstrahlende Schmerzen, die keiner Nervenwurzel zuzuordnen sind)

$Lumbago Symptome Symptome:

  • Einseitige oder beidseitige starke, tiefe und bohrende pseudoradikluläre Schmerzen

  • Ohne neurologisches Defizit

  • Fehlen von neurologischen Symptomen (kein dermatombezogener Sensibilitätsverlust, kein motorischer Ausfall, Eigenreflexe erhalten)

Differenzialdiagnosen
  • Ischialgie: plötzliche, starke radikuläre Schmerzen und neurologisches Defizit, z. B. Sensibilitätsausfall im Dermatom, Reflexabschwächung, Ausfall der Kennmuskeln, positive Meningendehnungszeichen

  • Osteoporose: schleichende Symptome mit Kyphosierung der BWS, Abnahme der Körperhöhe, Tannenbaumphänomen, erhöhter Frakturneigung

  • Metastasenbildung: häufig lokalisierte Schmerzen, Symptome des Primärtumors, Allgemeinsymptome, B-Symptome

Therapie

$Lumbago Therapie Therapie:

  • Stufenbettlagerung

  • Physiotherapeutische und/oder chiropraktische Maßnahmen

  • Wärme

  • Analgetika, Antiphlogistika, Muskelrelaxanzien

Im akuten Stadium:
  • Physiotherapeutische und/oder chiropraktische Maßnahmen

  • Wärme, Stufenbettlagerung

  • Medikamentöse Therapie mit Analgetika, Antiphlogistika, Muskelrelaxanzien, ggf. Glukokortikoiden

Im symptomfreien Stadium:
  • Bei Adipositas empfiehlt sich langfristig Gewichtsreduktion

  • Regelmäßige Bewegung

  • Physiotherapie

Ischialgie

  • $IschialgieSakrale Schmerzen mit Projektion in das Bein durch Irritation der Spinalwurzel

  • Ursachen: Verhebetraumen, Bandscheibenvorfall, Spinalkanalstenose

Definition
IschialgieKreuzschmerzen mit Ausstrahlung in das Bein, die durch eine Kompression oder Irritation der Spinalwurzel verursacht werden.
Ursachen
  • Plötzliche Rumpfdrehungen, Verhebetrauma

  • Bandscheibenvorfall (19.3.20)

  • Spinalkanalstenose: Verengung des Spinalkanals durch degenerative Vorgänge mit Kompression der Spinalnerven

Symptome
  • Radikuläre radikuläre SchmerzenSchmerzen: scharfe, stechende Schmerzen, die ins Bein ausstrahlen; sie sind durch Schädigung der Nervenwurzel verursacht

$Ischialgie Symptome Symptome:

  • Radikuläre Schmerzen, die ins Bein, über die Kniekehle ausstrahlen

  • Neurologisches Defizit

  • Positive Meningendehnungszeichen

  • Verstärkung der Symptome unter Pressen, Niesen, Husten

  • Neurologische Ausfälle: Sensibilitätsverlust im Dermatom, Ausfall von Kennmuskeln, abgeschwächte bzw. erloschene Eigenreflexe

  • Schonhaltung, Ausbildung von Myogelosen (Muskelhartspann)

  • Positive Meningendehnungszeichen: Brudzinski-, Bragard- und Kernig-Zeichen positiv

Differenzialdiagnosen
Lumbalgie: pseudoradikuläre Schmerzen ohne neurologisches Defizit.
Komplikationen
Kauda-Syndrom (19.3.21)
Therapie
  • Notfall → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.12.11)

  • Konservative Therapie: im akuten Stadium Bettruhe, Analgetika, Muskelrelaxanzien; nach Schmerzreduktion Physiotherapie und Stärkung der Muskulatur

  • Operative Therapie mit Entlastung der betroffenen Nervenwurzel

Morbus Scheuermann

  • $Morbus ScheuermannWirbelkörperreifungsstörung im Jugendalter mit Ausbildung von Keilwirbeln („Lehrlingsrücken“), meist an der BWS

  • Röntgenbild: Schmorl-Knötchen

Definition und Epidemiologie
Morbus ScheuermannDer Morbus Scheuermann ist eine Wirbelkörperreifungsstörung mit Ausbildung von Keilwirbeln.Keilwirbel Er macht sich besonders im Bereich der BWS bemerkbar.
Die Erkrankung betrifft Jugendliche zwischen 8 und 14 Jahren, zeigt eine Knabenwendigkeit und sistiert mit dem Wachstumsstopp.
Pathogenese
Die ventralen Wirbelkörperabschnitte (meist der BWS, seltener der oberen LWS) wachsen langsamer als die dorsalen, was die Keilwirbelbildung erklärt. Zusätzlich weisen die Deckplatten ein inhomogenes Gewebe auf, das Einsenkungen in den Wirbelkörper bilden kann mit einer Hernienbildung der Bandscheibe. Pathologische Veränderungen bleiben auch nach dem Wachstumsstopp bestehen und bilden später vorzeitige arthrotische Veränderungen und eine fixierte Kyphose mit der Unfähigkeit, die BWS zu strecken (Abb. 5.47).
Symptome
  • In der Regel keine akuten Beschwerden, Kinder und Jugendliche werden meist auf Begehren der Eltern wegen „Haltungsschäden“ vorgestellt

$Morbus Scheuermann Symptome Symptome:

  • Im Entwicklungsalter bis auf Haltungsschäden wenig Symptome

  • Im reifen Alter fixierte Kyphose und Rückenschmerzen

  • Erwachsenenalter: fixierte Kyphose, arthrotische Veränderungen, persistierende Rückenschmerzen

Differenzialdiagnosen
Morbus Bechterew: tief sitzende nächtliche Kreuzschmerzen, Morgensteifigkeit der Gelenke, Beteiligung extraartikulärer Organe, z. B. als Iritis.
Röntgen
Schmorl-Knötchen:Schmorl-Knötchen Bandscheibeneinbrüche in Deckplatten der Wirbelkörper.

ABBILDUNG 5.47

Therapie
  • Regelmäßige Physiotherapie mit „Haltungsschule“ im Wachstumsalter zur Druckentlastung der BWS

  • Im Erwachsenenalter regelmäßige Übungen zur Stärkung des muskulären Apparats

Skoliose

  • $SkolioseSeitverbiegung und Rotation der Wirbelsäule

  • Häufigste orthopädische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter

Definition und Epidemiologie
SkolioseBei der Skoliose bestehen eine Seitverbiegung von der Längsachse und eine Rotation der Wirbelsäule mit begleitender Strukturveränderung der Wirbelkörper.
Dabei handelt es sich um die häufigste orthopädische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. 90 % der Skoliosen treten idiopathisch auf und betreffen mehr Mädchen als Jungen.
Symptome
  • Abhängig von der Ausprägung der Skoliose: von asymptomatischen Verläufen bis zu eingeschränkter Organfunktion (betroffen sind dann meist die Lunge und das Herz im Sinnes eines Cor pulmonale)

$Skoliose Symptome Symptome:

  • Rippenbuckel, besonders im Vorbeugetest sichtbar

  • Lumbalwulst bei Skoliosen im Lumbalbereich

  • Unterschiedliches Niveau von Schultern und Taillendreieck

Die Symptome sind von der Ausprägung der Skoliose abhängig.

  • Unterschiedliches Niveau von Schultern und Taillendreieck (Abb. 5.48a)

  • Rippenbuckel, der bei geringer Ausprägung im Vorbeugetest oder bei starker Ausprägung bereits in aufrechter Haltung sichtbar wird (Abb. 5.48b, Abb. 5.48c)

  • Lumbalwulst bei Skoliosen im Lumbalbereich

  • Im reifen Alter Rückenschmerzen, Muskelverspannungen, Neuralgien, vorzeitige arthrotische Veränderung der Facettengelenke

ABBILDUNG 5.48

Therapie
  • Krankengymnastik

$Skoliose Therapie Therapie:

  • Konservativ: Physiotherapie, Korsettanlage

  • Operativ

  • Korsettbehandlung

  • Operative Therapie

Osteochondrosis dissecans

  • $Osteochondrosis dissecansAblösung eines Knorpel-Knochenfragments, meist nach einem Trauma, v. a. am Kniegelenk

  • Hohes Arthroserisiko

Definition
Osteochondrosis dissecansDie Osteochondrosis dissecans ist eine aseptische, degenerative Knochen-Knorpel-Erkrankung, die eine Ablösung eines Gelenkflächenfragments zur Folge hat. Sie kann an jedem Gelenk auftreten und in jedem Alter, im Wachstumsalter aber bevorzugt am Kniegelenk. Sie ist meist Folge eines Traumas.
Symptome
  • Einklemmungserscheinungen durch das Fragment, das als freier Gelenkkörper innerhalb der Gelenkhöhle (Gelenkmaus) wirkt (Abb. 5.49)

$Osteochondrosis dissecans Symptome Symptome:

  • Belastungsabhängige Schmerzen

  • Einklemmungssymptome

  • Belastungsabhängige Schmerzen

  • Früharthrose durch Traumatisierung des Knorpels

Therapie
  • Meidung von kniebelastenden Sportarten, u. a. Skifahren

  • Physiotherapie mit dem Ziel der Kräftigung der Muskulatur

  • Medikamentös in frühen Stadien mit z. B. NSAR

  • Operativ in fortgeschrittenen Stadien mit Refixation des Fragments

ABBILDUNG 5.49

Hüftgelenksdysplasie

  • $HüftgelenksdysplasieVerknöcherungsstörung am Pfannenerker mit Luxationsneigung

  • Mädchen häufiger betroffen als Jungen

Definition und Epidemiologie
Die HüftgelenksdysplasieHüftgelenksdysplasie ist eine Störung der Verknöcherung am Pfannenerker mit der Komplikation der Hüftluxation. Bei der Geburt sind die Hüftpfannen flach und steil und nicht in der Lage, den Oberschenkelkopf zu halten.
Mädchen sind häufiger betroffen als Knaben. Die Ursachen sind weitgehend unklar, vermutet werden u. a. genetische Faktoren, Lageanomalien im Uterus und Mehrlingsschwangerschaften.
Symptome
  • Auffällig ist die Faltenasymmetrie am Gesäß, gleichzeitig wird das betroffene Beinchen kaum bewegt und wirkt kürzer

$Hüftgelenksdysplasie Symptome Symptome:

  • Faltenasymmetrie am Gesäß

  • Abspreizhemmung der Beine

  • Abspreizbehinderung der Beinchen beim Wickeln

  • Schnappen der Hüftgelenke

  • Bei älteren, nicht behandelten Kindern watschelnder Gang und Entwicklung einer Früharthrose

Therapie
  • Konservativ mit Spreizhose (individuell angepasst) oder Pavlik-Bandage (selten Gipsbehandlung)

$HüftgelenksdysplasieTherapieTherapie: Spreizhose

  • Operativ

Dupuytren-Kontraktur

  • $Dupuytren-KontrakturVerhärtung und Schrumpfung der Palmaraponeurose unbekannter Genese

  • Gehäuftes Auftreten bei Lebererkrankungen und Diabetes

  • Männer häufiger betroffen als Frauen

Definition und Epidemiologie
Die Dupuytren-KontrakturDupuytren-Kontraktur (palmare Fibromatose) ist ein Krankheitsbild, das sich aus einer Verhärtung und Schrumpfung der Palmaraponeurose ergibt.
Männer (> 50. Lebensjahr) sind häufiger betroffen als Frauen.
Pathogenese
Die Ursache ist unbekannt. Eine familiäre Häufung kann festgestellt werden. Patienten mit bekanntem Leberleiden, Diabetes mellitus und Epilepsie sind häufiger betroffen.
Im Frühstadium entwickeln sich derbe Knötchen in der Hohlhand, besonders an den Fingern IV und V (Ring- und kleiner Finger), die mit der Zeit größer werden und als bindegewebige Stränge zu sehen sind. Im späten Stadium ist die Fingerbeweglichkeit, v. a. die Streckung, deutlich eingeschränkt. Verletzungen innerhalb der Hohlhand beschleunigen den Krankheitsprozess.
Symptome
  • Betroffen sind die Finger II–V (am häufigsten der Ringfinger und der kleine Finger), aber nicht der Daumen, weil die Sehnen der Daumenmuskulatur nicht in der Palmaraponeurose liegen

$Dupuytren-Kontraktur Symptome Symptome:

  • Schmerzlose Knötchenbildung in der Hohlhand, v. a. an den Fingern IV und V

  • Beugekontraktur

  • Beginn mit einer Knötchenbildung im Bereich der Hohlhand

  • Später Beugekontraktur der Finger mit der Unfähigkeit, die Hand zu strecken

  • Keine sensiblen Störungen oder Schmerzhaftigkeit

Therapie

$Dupuytren-KontrakturTherapieTherapie: Operation

Operative Verfahren.

Spondylolisthesis

Spondylolisthesis

  • $SpondylolisthesisWirbelgleiten durch vorangegangene Spondylolyse

  • Reklinierende Übungen begünstigen die Erkrankung

Definition
Die Spondylolisthesis ist ein Wirbelgleiten, das zu einer Ventralverschiebung des kranialen Segments führt. Voraussetzung für eine Spondylolisthesis ist die Spondylolyse (durch Brüche am Wirbelbogen oder angeborene Ursachen), die sich meist bilateral ereignet, bevorzugt am Bogen L5.
Risikofaktoren
Sportarten, die mit reklinierenden Übungen einhergehen: Turnen, Speerwerfen, Delphinschwimmen.
Symptome
  • Uncharakteristische Rückenschmerzen, besonders im Lumbalbereich

$Spondylolisthesis Symptome Symptome:

  • Rückenschmerzen (radikulär und pseudoradikulär)

  • Hohlkreuzbildung

  • Radikuläre Schmerzen

  • Gelegentlich auch neurologische Ausfälle durch Irritation der Nervenwurzel

  • Hohlkreuzbildung

Therapie
Konservativ mit Ruhigstellung oder operativ.

Morbus Perthes

Morbus Perthes

$Morbus PerthesLangwierige kindliche Erkrankung, die durch Vaskularisationsanomalien zur Hüftkopfnekrose führt

Definition und Epidemiologie
Syn. juvenile Hüftkopfnekrosejuvenile Hüftkopfnekrose. Der Morbus Perthes ist eine aseptische Osteochondrose der Femurkopfepiphyse. In der Regel handelt es sich um eine einseitige Erkrankung, in ca. 15 % der Fälle sind beide Seiten betroffen.
Betroffen sind v. a. Jungen zwischen dem 5. und 7. Lebensjahr. Die Dauer der Erkrankung liegt zwischen Monaten und Jahren, in Abhängigkeit von der Ausprägung der Nekrosen.
Pathogenese

Komplikationen:

  • Bildung von Inkongruenzen während der Heilungsphase

  • Hohes Arthroserisiko

Die Hüftkopfnekrose ist auf eine Durchblutungsstörung zurückzuführen, wobei die auslösenden Ursachen unbekannt sind. Vermutet werden Fehlanlagen des versorgenden Blutgefäßsystems bzw. hormonelle Dysbalancen.
In den Anfangsstadien ist eine verzögerte bzw. ausbleibende Kopfkernentwicklung feststellbar, später eine Nekrose. In den Folgestadien stehen (Re-)Modellierungsprozesse im Vordergrund, die dann in die Reparationsphase und Ausheilung übergehen. Der Femurkopf ist während dieser Prozesse nur bedingt belastbar. Die Güte der Ausheilung wird an der Kongruenz der Gelenkflächen gemessen. Häufig ist der Kopf nach abgelaufener Erkrankung zu groß und zu flach, was wiederum das Risiko der Hüftgelenkarthrose erhöht.
Symptome
  • Bei geringer Nekroseausprägung bestehen wenig bis gar keine Symptome, die Diagnose ist dann eine Zufallsdiagnose.

$Morbus Perthes Symptome Symptome:

  • Hinken

  • Knieschmerzen (Projektionsschmerzen)

  • Im Vordergrund stehen die Symptome Hinken und Knieschmerzen, die variabel sein können. Die Knieschmerzen sind als Projektionsschmerzen zu werten. Hüftschmerzen sind selten.

  • Bei der Untersuchung zeigt sich eine eingeschränkte Beweglichkeit im Hüftgelenk, v. a. bei Abduktion und Rotation. Pathologisches Viererzeichen: Den Patienten auffordern, das Bein bei einer Beugestellung von ca. 45° im Hüft- und 90° im Kniegelenk so zu abduzieren, dass die Außenseite des Knies im Liegen (nahezu) die Unterlage der Untersucherliege berührt. Unter physiologischen Bedingungen ergibt sich die Gestalt einer liegenden 4. Beim Morbus Perthes kann das betroffene Bein nicht richtig abduziert und nach außen rotiert werden, sodass das Knie nicht in der Waagrechten, sondern weit über dem Körperniveau liegt. Im Seitenvergleich prüfen.

Differenzialdiagnosen
  • Coxitis fugax (Hüftschnupfen): nichtinfektiöse Entzündung des Hüftgelenks; tritt meist bei Kindern 1–2 Wochen nach einem Infekt der oberen Atemwege auf

  • Trauma: wegweisend sind anamnestische Angaben

  • Bakterielle Koxitis: im Vordergrund stehen Fieber, lokale Entzündungszeichen und eine starke Bewegungseinschränkung des Hüftgelenks

  • Epiphyseolysis capitis femoris: Ablösung der Epiphyse vom Femurkopf; betroffen sind meist Jungen zwischen dem 9. und 15. Lebensjahr; häufig sind die Kinder übergewichtig

Therapie
  • Körperliche Schonung bzw. Belastungseinschränkung

  • Sportarten wie z. B. Turnen vermeiden, Schwimmen ist gelenkschonender

  • Physiotherapie

  • Tragen von Schienen zur Entlastung des Gelenks

  • Gegebenenfalls operative Anpassung von Pfanne und Kopf

Osteosarkom

  • $OsteosarkomSeltener primärer Knochentumor, der meist von der Metaphyse ausgeht

  • Betrifft junge Menschen zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr

  • Häufig an den langen Röhrenknochen, seltener an der Wirbelsäule

Definition
OsteosarkomDas Osteosarkom ist ein seltener primärer Knochentumor, der meist von der Metaphyse ausgeht. Es betrifft junge Menschen zwischen dem 10. und dem 30. Lebensjahr. Häufig ist es in den langen Röhrenknochen, seltener in der Wirbelsäule lokalisiert.
Symptome
  • Typisch sind Knochenschmerzen, die als Belastungs- und Ruheschmerzen auftreten und meist im Tumorbereich oder in der direkten Nachbarschaft lokalisiert sind

$Osteosarkom Symptome Leitsymptome:

  • Knochenschmerzen

  • Schwellung

  • Pathologische Frakturen

  • Labor: AP ↑

Begleitsymptome:

  • Bei Lokalisation an der Wirbelsäule neurologische Ausfälle

  • Metastasierung v. a. in die Lungen

  • B-Symptome

  • Auch Projektionsschmerzen möglich

  • Zunehmende Schwellung über dem betroffenen Bereich

  • Bei Wachstum in Gelenknähe Gelenkergüsse, die durch Infiltrationsprozesse bedingt sind

  • Allgemeines Krankheitsgefühl, Leistungsknick

  • Pathologische Frakturen durch infiltrative Zerstörung der Knochensubstanz

  • Bei kniegelenksnaher Lokalisation (häufigste Lokalisation) Knieschmerzen, wobei Fehldiagnosen möglich sind

  • Bei Lokalisation an der Wirbelsäule neurologische Ausfälle durch Kompression des Rückenmarks oder der Spinalnerven

  • Frühzeitige Metastasierung meist in die Lungen

  • B-Symptome

  • Labor: AP ↑

Differenzialdiagnosen
  • Trauma oder Überlastung, z. B. durch sportliche Aktivitäten

  • Kniegelenkserkrankungen, z. B. reaktive Arthritis, Begleitarthritis bei viralen Infekten

Therapie
  • Operative Resektion, u. U. je nach Ausdehnung und Lokalisation des Tumors auch als Amputation der Gliedmaße

$Osteosarkom Therapie Therapie:

  • Operation

  • Radiochemotherapie

  • Radiochemotherapie

MERKE

Merke

Ein anderer Knochentumor, der Kinder und Jugendliche betrifft, ist das hochmaligne Ewing-Ewing-SarkomSarkom. Hauptlokalisation sind die Diaphysen der unteren Extremität, Becken und Rippen.

Knochenmetastasen

$KnochenmetastasenTreten bevorzugt an Wirbelkörpern, Becken, Sakrum und Röhrenknochen v. a. beim Bronchial-, Mamma- und Prostatakarzinom auf.

Definition
KnochenmetastasenSekundäre maligne Tumoren des Knochens, die durch Metastasierung aus entarteten Zellen eines Primärtumors entstehen. Sie finden sich bevorzugt an Wirbelkörpern, Beckenknochen, Sakrum und Röhrenknochen.
Vorkommen
Knochenmetastasen entstehen durch hämatogene Metastasierung und können osteoplastisch (mit Knochenanbau) oder osteoklastisch/osteolytisch (mit Knochenabbau) sein. Bei folgenden Primärtumoren kommen sie am häufigsten vor:
  • Bronchialkarzinom (osteoklastisch)

  • Mammakarzinom (osteoklastisch oder osteoplastisch)

  • Prostatakarzinom (osteoplastisch)

  • Nierenzellkarzinom (osteolytisch)

Symptome
  • Symptome der Grundkrankheit

  • Knochenschmerzen, meist lokalisierte Belastungs- und Ruheschmerzen

  • Pathologische Frakturen durch Zerstörung der Knochenstruktur

  • Bei Lokalisation in der Wirbelsäule neurologische Ausfälle durch Kompression der Spinalnerven

MERKE

Merke

Das Prostatakarzinom kann sich mit Symptomen der Knochenmetastasierung bemerkbar machen, bevor die Symptome des Primärtumors in Erscheinung treten.

Rheumatische Erkrankungen

Arthritis

ArthritisEine Arthritis ist eine Gelenkentzündung, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen ist. Sie kann ein Gelenk (Monarthritis), einige wenige (Oligarthritis) oder zahlreiche Gelenke betreffen (Polyarthritis). Der Verlauf kann akut, chronisch oder rezidivierend sein, die Erkrankung kann vollständig ausheilen oder eine Funktionseinschränkung hinterlassen.
Die wichtigsten Ursachen sind:
  • Bakterielle Arthritis

  • Virale Arthritis

  • Immunologische Arthritis, z. B. bei rheumatischem Fiebers, rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew

Morbus Bechterew

  • $Morbus BechterewChronisch-entzündliche Erkrankung des Skeletts, die primär Iliosakralgelenke und Wirbelsäule, aber auch große Gelenke betrifft

  • Deutliche Tendenz zur Versteifung und Fibrose

  • Meist junge Männer vor dem 40. Lebensjahr betroffen

  • Familiäre Häufung gibt Hinweis auf genetische Komponente (HLA-B27 positiv)

Definition und Epidemiologie
Morbus BechterewSyn. Spondylitis Spondylitis ankylosansankylosans. Der Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Skeletts, die primär die Iliosakralgelenke und die Wirbelsäule, aber auch die großen Gelenke betrifft.
Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Der Beginn der Erkrankung liegt im jungen Erwachsenen- und Jugendalter, seltener im Kindesalter.
Pathogenese
Die Pathogenese der Erkrankung ist unklar. Die familiäre Häufung gibt Hinweis auf eine genetische Komponente (positives HLA-B27). Die Erkrankung beginnt im jungen Erwachsenen- oder schon im Jugendalter, häufig mit Kreuzschmerzen oder Schmerzen peripherer Gelenke, gelegentlich auch mit einer Iritis. Das Zentrum der Entzündung findet sich typischerweise im Iliosakralgelenk und wandert nach kranial. Die Folgen der Entzündung sind eine Versteifung der Iliosakralgelenke (Ankylose) und eine Versteifung der Wirbelsäulengelenke typischerweise in kyphotischer Haltung. Dabei kommt es zur Bildung von Syndesmophyten (Wirbelspangen), die zum Verlust der Wirbelsäulenmobilität führen. Die Beteiligung der BWS-Segmente führt zur eingeschränkten Atemexkursion.
Symptome
  • Schleichender Beginn mit nächtlicher und frühmorgendlicher Steifheit

$Morbus Bechterew Symptome Leitsymptome:

  • Schleichender Beginn mit nächtlicher und frühmorgendlicher Steifheit

  • Tief sitzende, nächtliche Rückenschmerzen (im Sakrumbereich) mit Ausstrahlung in Gesäß und Oberschenkel

  • Arthritis der großer Gelenke und Fersenschmerzen

  • Im Verlauf zunehmende Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule mit Kyphosierung und Versteifung (im Röntgen als Bambusstabwirbelsäule sichtbar)

  • Iritis

Begleitsymptome:

  • Reduzierte Atemexkursionen

  • Selten Organbeteiligung (Lungenfibrose, Aortitis)

  • Tief sitzende Rückenschmerzen im Sakrumbereich durch Beteiligung des ISG, mit Ausstrahlung in Gesäß und Oberschenkel, die durch Bewegung gebessert werden

  • Schmerzmaximum meist nach Mitternacht, die Schmerzen treiben Patienten aus dem Bett

  • Arthritische Schmerzen der großen Gelenke, häufig der Kniegelenke, aber auch Sprung- oder Schultergelenke

  • Fersenschmerzen

  • Achillessehnenansatzschmerzen

  • Im Verlauf zunehmende Bewegungseinschränkung der Wirbelsäule mit Ausbildung einer fixierten Kyphose und Versteifung (Abb. 5.50)

  • Reduzierte Atemexkursionen durch die Beteiligung der BWS

  • Rezidivierende Episoden einer Iritis mit starken Schmerzen und ggf. Visuseinschränkung

  • Organbeteiligung, u. a. als Lungenfibrose oder Aortitis, selten, aber möglich

Differenzialdiagnosen
  • Psoriasis-ArthritisPsoriasis-Arthritis: Eine Beteiligung des ISG ist möglich, aber ohne Versteifungstendenz. Die Gelenkbeteiligung erstreckt sich meist auf kleine Gelenke mit Befall im Strahl (Grund-, Mittel- und Endgelenk) unter Bildung eines „Wurstfingers“ oder einer „Wurstzehe“, seltener auf große Gelenke im Sinne einer Oligoarthritis. Eine silbrig-weiße Schuppung mit Hautentzündung an den Streckseiten der Extremitäten kann außerdem auftreten.

  • Reaktive Arthritis (inklusive Reiter-Syndrom): Zweiterkrankung nach Infektionen des Gastrointestinaltrakts oder des Urogenitaltrakts. Bei einer reaktiven Arthritis sind die Gelenke betroffen, wenn eine Konjunktivitis hinzutritt, kann von einem Reiter-Syndrom gesprochen werden (5.4.3).

  • Enteropathische ArthritisArthritisenteropathische (bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa): Eine Beteiligung des ISG (ohne Versteifungstendenz) und der peripheren Gelenke ist möglich. Typisch sind die gastrointestinalen Symptome wie blutige oder schleimig-eitrige Durchfälle oder ein Malassimilationssyndrom.

Diagnostik
  • Untersuchung:

Diagnostik:

  • Schober- und Ott-Zeichen pathologisch

  • Schüttelschmerzen

  • Finger-Boden-, Kinn-Jugulum-, Okziput-Wand-Abstand vergrößert

  • Labor: BSG ↑, CRP ↑, HLA-B27 positiv (in ca. 90 %), RF negativ

  • Pathologisches Schober- und Ott-Zeichen

    • Finger-Boden-Abstand vergrößert

    • Kinn-Jugulum-Abstand vergrößert

    • Okziput-Wand-Abstand vergrößert

    • Schüttelschmerz

    • Verminderte Atemexkursion

  • Röntgen: am ISG verwaschener Gelenkspalt, an der Wirbelsäule Knochenspangen, degenerative Veränderungen an Wirbelgelenken, in den späten Stadien Nachweis der Bambusstabwirbelsäule, die durch Verkalkung des Bandapparats der Wirbelsäule entsteht und in der sich die Lücken der Zwischenwirbelscheiben nicht abgrenzen lassen

  • Labor:

    • BSG ↑, CRP ↑

    • HLA-HLA-B27B27 positiv (in ca. 90 %)

    • Rheumafaktor negativ

ABBILDUNG 5.50

Therapie
  • Atemtraining, zur Erhaltung der Beweglichkeit der BWS und Verbesserung der Lungenventilation

$Morbus Bechterew Therapie Therapie:

  • Atemtraining

  • Regelmäßige Physiotherapie, physikalische Therapie

  • Medikamentöse Therapie (NSAR, Basistherapeutika, im Schub Glukokortikoide)

  • Physikalische Therapie als z. B. Wärme- und/oder Kältebehandlung, Massagen, Wassertherapie

  • Regelmäßige Physiotherapie, die zwar die Einsteifung nicht verhindern, aber im Auftreten verzögern kann

  • Medikamentöse Therapie: NSAR, Basistherapeutika, im Schub Glukokortikoide

Prognose
Die Prognose ist sehr variabel. Der Verlauf erfolgt meist in Schüben, wobei die Erkrankung auch in jedem Stadium stehen bleiben kann. Maßgeblich für die Erhaltung der Bewegungsfähigkeit ist die regelmäßige körperliche Bewegung.

MERKE

Merke

Morbus Bechterew, Morbus Reiter (5.4.3), Psoriasis-Arthritis und enteropathische Arthritiden (z. B. bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) werden zu den seronegativen seronegative SpondylarthritisSpondylarthritiden gezählt. Allen Erkrankungen gemeinsam ist das Fehlen des positiven Rheumafaktors („seronegativ“) im Blut. Alle Erkrankungen können entzündliche ISG-Affektionen zeigen, wobei beim Morbus Bechterew eine Versteifungstendenz vorhanden ist.

Reaktive Arthritis und Morbus Reiter

reaktive Arthritis Arthritis reaktive

$reaktive ArthritisEntzündliche Gelenkerkrankung, die als Zweiterkrankung nach bakteriellen Infektionen des Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakts auftreten kann

Definition
Morbus ReiterSyn. postinfektiöse ArthritisArthritispostinfektiöse. Die reaktive Arthritis und der Morbus Reiter sind entzündliche Gelenkerkrankung, die als Zweiterkrankung nach bakteriellen Infektionen im Gastrointestinal- oder Urogenitaltrakt auftreten. Die Erkrankung heilt in den meisten Fällen aus, bei einem kleinen Teil entwickelt sich eine Chronifizierung.
Pathogenese
Die Erkrankung ist an eine Persistenz bestimmter Bakterien gebunden, v. a. Chlamydien und Yersinien, die eine Entzündung induzieren und unterhalten. Je nach Auslöser werden unterschieden:
  • Posturethritische Form: durch v. a. Gonokokken, Ureaplasmen, Mykoplasmen und Chlamydien hervorgerufen

  • Postenteritische Form: nach Erkrankungen, die durch v. a. Yersinien, Salmonellen und Campylobacter jejuni verursacht wurden

Symptome
  • Reaktive Arthritis: solitäre Beteiligung der Gelenke im Sinne einer Arthritis; sie betrifft die Gelenke der unteren Extremität, eine wandernde Verlaufsform (wechselnde Beteiligung der Gelenke) ist möglich. Symptome der Urethritis (Harnröhrenentzündung) oder Enteritis (Darmentzündung), Konjunktivitis (Entzündung der Bindehaut) oder Iritis (Entzündung der Regenbogenhaut) finden sich nicht.

$reaktive Arthritis Symptome Leitsymptome:

  • Reaktive-Arthritis: Arthritis ohne andere Organmanifestationen

  • Reiter-Trias:$Reiter-Trias Arthritis, Urethritis, Konjunktivitis oder Iritis

Begleitsymptome:

  • Hauterscheinungen u. a. als Balanitis circinata, polymorphe Hauterscheinungen an Handflächen und Fußsohlen (Reiter-Tetrade)

  • Fieber

  • Schmerzen an Sehnenansätzen

  • Entzündung des ISG

  • Reiter-Trias:Reiter-Trias bei Auftreten von Arthritis, Urethritis, Konjunktivitis oder Iritis

  • Reiter-Tetrade: zusätzlich fakultativ Hauterscheinungen u. a. als Balanitis circinata (Entzündung der Eichel), polymorphe Hauterscheinungen an Handflächen und Fußsohlen

  • Fieber

  • Allgemeine Krankheitssymptome

  • Schmerzen an Sehnenansätzen

  • Entzündungssymptome des Iliosakralgelenks mit Kreuzschmerzen, aber ohne Einsteifungstendenz

Labor
  • BSG ↑, CRP ↑

Labor: BSG ↑, CRP ↑, HLA-B27 positiv (in ca. 80 %), RF und ANA negativ

  • HLA-B27 positiv (in ca. 80 %)

  • Rheumafaktor negativ

  • ANA negativ

Differenzialdiagnosen
  • Morbus Bechterew: Beteiligung des ISG mit Versteifungstendenz und Fibrosierung, Augensymptome als Iritis (5.4.2)

  • Psoriasis-Arthritis: Eine Beteiligung des ISG ist möglich, aber ohne Versteifungstendenz. Die Gelenkbeteiligung erstreckt sich meist auf kleine Gelenke mit Befall im Strahl (Grund-, Mittel- und Endgelenk) unter Bildung eines „Wurstfingers“ oder einer „Wurstzehe“, seltener auf große Gelenke im Sinne einer Oligoarthritis. Eine silbrig-weiße Schuppung mit Hautentzündung an den Streckseiten der Extremitäten kann außerdem auftreten.

  • Enteropathische Arthritis (bei Morbus Crohn, Colitis ulcerosa): Eine Beteiligung des ISG (ohne Versteifungstendenz) und der peripheren Gelenke ist möglich. Typisch sind die gastrointestinalen Symptome wie blutige oder schleimig-eitrige Durchfälle oder ein Malassimilationssyndrom.

Therapie
  • Sanierung potenziell vorhandener Infektquellen (mögliche Infektionen des Darms und des Urogenitaltrakts)

$reaktive Arthritis Therapie Therapie:

  • Sanierung der Infektquelle

  • Lokale Maßnahmen wie Kältetherapie im akuten Schub

  • Schmerzmittel, NSAR, ggf. Glukokortikoide

  • Lokale Maßnahmen wie Kältetherapie im akuten Schub

  • Schmerzmittel, NSAR, ggf. Glukokortikoide im Schub

Rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis)

  • $rheumatoide ArthritisChronische Entzündung der Synovia von Gelenken und der serösen Häute

  • Betroffen sind kleine Gelenke (symmetrisch), Schleimbeutel, Sehnenscheiden, aber auch Pleura, Peritoneum und Perikard

  • Bevorzugt erkranken Frauen im 3.–5. Lebensjahrzehnt

Definition und Epidemiologie
rheumatoide Arthritischronische PolyarthritisDie rheumatoide Arthritis ist eine chronische Entzündung der Synovia von Gelenken und der serösen Häute. Betroffen sind kleine Gelenke, Schleimbeutel, Sehnenscheiden, aber auch Pleura, Peritoneum und Perikard.
Bevorzugt erkranken Frauen im 3.–5. Lebensjahrzehnt.
Pathogenese
Die Ursachen für die Entstehung der rheumatoiden Arthritis sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutet werden virale und bakterielle Trigger, die eine Autoimmunreaktion mit Fehlerkennung des eigenen Gewebes induzieren und unterhalten. Die Folge ist ein entzündlicher Prozess, der chronisch ist. Immunzellen produzieren Zytokine, u. a. IL-1 und TNF-α. Beide Interleukine unterhalten die Entzündungsreaktion, aktivieren Osteoklasten und knorpelabbauende Enzyme, u. a. Kollagenasen und Elastasen und führen über eine Pannusbildung (Verdickung bzw. Hyperplasie der Membrana synovialis durch Einwanderung von Immunzellen und Bindegewebszellen) zur Zerstörung des Gelenks und benachbarter Strukturen. Eine Organbeteiligung entsteht durch eine Immunkomplexvaskulitis und betrifft v. a. die Niere.
Symptome
  • Allgemeinsymptome: Fieber, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und allgemeines Krankheitsgefühl

$rheumatoide Arthritis Symptome Leitsymptome:

  • Symmetrische Arthritis der kleinen Gelenke (Finger-, Fußgrund- und Mittelgelenke)

  • Morgensteifigkeit, Schwellung, eingeschränkte Funktion der betroffenen Gelenke

  • Begrüßungsschmerz (Gaenslen-Zeichen)

  • Gelenkdestruktionen und Deformitäten (Knopfloch-, Schwanenhalsdeformität, ulnare Deviation)

  • Labor: BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose im Schub, RF in 80 % positiv, Anämie

  • Am Anfang häufig asymmetrische, später symmetrische Arthritis der kleinen Gelenke, wobei die Beteiligung der Finger-, Fußgrund- und Mittelgelenke im Vordergrund steht

  • Frei von Entzündung sind die distalen Gelenke der Finger II–V

  • Ausgeprägte Morgensteifigkeit (dauert länger als 30 Minuten)

  • Schwellung und eingeschränkte Funktion der betroffenen Gelenke bereits im Frühstadium der Erkrankung

  • Begrüßungsschmerz (Gaenslen-ZeichenGaenslen-Zeichen): durch Kompression der entzündeten Grund- und Mittelgelenke

Begleitsymptome:

  • Fieber

  • Abgeschlagenheit

  • Gewichtsverlust

  • Muskelschmerzen, Muskelatrophie

  • Evtl. Rheumaknoten

  • HWS-Beteiligung mit Sub- bzw. Luxation

  • In späteren Stadien Gelenkdestruktionen und Deformitäten mit Verlust der Gelenkfunktion:

    • KnopflochdeformitätKnopflochdeformität: Beugekontraktur im Mittelgelenk und gleichzeitig Streckkontraktur im Endgelenk

    • SchwanenhalsdeformitätSchwanenhalsdeformität: Streckkontraktur im Mittelgelenk und gleichzeitig Beugekontraktur im Endgelenk (Abb. 5.51)

    • Ulnare Deviation:ulnare Deviation Abweichung der Finger II–V durch Sub- oder vollständige Luxationen in den Grundgelenken nach ulnar (Abb. 5.51)

  • HWS-Beteiligung (kleine Gelenke) mit Sub- bzw. Luxation und der Gefahr der Rückenmarksverletzung

  • Muskelschmerzen und Muskelatrophie, die mit Kraftminderung einhergeht

  • Karpaltunnelsyndrom durch entzündliche Beteiligung der Sehnenscheiden durch Kompression des N. medianus unter dem Lig. carpi transversum

  • Eventuell Rheumaknotenbildung, v. a. an den Streckseiten der Extremitäten

ABBILDUNG 5.51

Labor
  • BSG ↑, CRP ↑

Labor: BSG ↑, CRP ↑, Leukozytose im Schub, RF in 80 % positiv, Anämie

  • Leukozytose im Schub

  • Rheumafaktor (in 80 % positiv), ANA in ⅓ der Fälle positiv

  • Sekundäre hypochrome, mikrozytäre Anämie (Entzündungsanämie), Ferritin ↑, freies Eisen im Serum ↓

Komplikationen
  • Beteiligung innerer Organe: Niere (Glomerulonephritis), Pleura (Pleuritis), Herz (Karditis, Herzklappenveränderungen), Augen (Keratoconjunctivitis sicca), Gefäße (mit Ausbildung einer vorzeitigen Arteriosklerose mit Folgeerkrankung wie Herzinfarkt oder Apoplex)

Komplikationen:

  • Glomerulonephritis

  • Pleuritis

  • Karditis

  • Keratoconjunctivitis sicca

  • vorzeitige Arteriosklerose

  • Ulzera des Magen-Darm-Trakts mit Blutungen durch Einnahme von NSAR, besonders in Kombination mit Glukokortikoiden und ohne konsequente Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren

  • Analgetikanephropathie und Entwicklung einer Niereninsuffizienz durch chronische Einnahme von NSAR

  • Osteoporose durch Langzeiteinnahme von Glukokortikoiden und Immobilität

  • Infektanfälligkeit durch immunsuppressive Therapie

MERKE

Merke

Ein positiver Rheumafaktor beweist die Erkrankung nicht.

Differenzialdiagnosen
  • Systemischer Lupus erythematodes: symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke, in der Regel ohne deren Zerstörung, typische Hautzeichen (Sonnenunverträglichkeit, häufig ein Schmetterlingserythem), ANA und RF meist positiv

  • Systemische Sklerodermie: symmetrische Beteiligung der kleinen Gelenke (i. d. R. ohne deren Zerstörung), typische Hautzeichen (u. a. Puffy hands), Sklerosierung der Haut, Rattenbissnekrosen, Tabaksbeutelmund, ANA und RF meist positiv

Therapie
  • Allgemeintherapie: Nikotinverzicht, fleischarme, obst- und gemüsereiche Kost wirken sich günstig auf die Progredienz der Erkrankung aus.

$rheumatoide Arthritis Therapie Therapie:

  • Physiotherapie

  • NSAR, Immunsuppressiva, Basistherapeutika

  • Physikalische Therapie:

    • Im Schub: Kältetherapie

    • Im symptomfreien Stadium: Bewegungs-, Wärme-, Ergo-, Physiotherapie

  • Medikamentöse Therapie: Ziel der Behandlung sind die Symptomfreiheit und suffiziente Drosselung der Entzündungsreaktionen, sodass das Risiko von Muskelatrophie, Kontrakturen und Gelenkzerstörung auf das Minimum reduziert wird. Diese Pharmakagruppen werden sowohl im akuten Schub (v. a. NSAR und Glukokortikoide) als auch als Dauertherapie (v. a. Basistherapeutika und niedrig dosierte Glukokortikoide) verwendet.

    • NSAR, Glukokortikoide zur Schmerzbehandlung und Drosselung der Entzündung. Unter der Glukokortikoidtherapie werden zur Prophylaxe der Osteoporose Vitamin D3 und Kalzium verabreicht. Längerfristige Gaben von NSAR erhöhen das kardiovaskuläre Risiko. Die Kombination von beiden Medikamenten erhöht stark das Risiko für ein Magengeschwür. Wichtig ist eine konsequente Therapie mit Protonenpumpeninhibitoren.

    • Basistherapeutika: Immunsuppressiva (v. a. Methotrexat), Zytostatika (z. B. Cyclophosphamid), Antikörpertherapie (Biologicals) solitär oder in Kombination zur Drosselung der Entzündung.

Sonderformen

Symptome der juvenilen chronischen Polyarthritis$juvenilen chronischen Polyarthritis (Morbus Still):$Morbus Still

  • Lymphknotenschwellungen

  • Fieber

  • Exantheme

  • RF und ANA negativ

Eine Sonderform der rheumatoiden Arthritis ist die juvenile chronische Polyarthritisjuvenile chronische Polyarthritis (Morbus Still).Morbus Still). Diese Erkrankung entwickelt sich vor dem 16. Lebensjahr und persistiert mindestens 6 Monate.
Die Leitsymptome des Morbus Still sind:
  • Rezidivierende Lymphknotenschwellungen

  • Rezidivierendes, hohes (meist morgens und abends) Fieber, das länger als 2 Wochen andauert und antibiotikaresistent ist

  • Kleinfleckiges, lachsfarbenes, meist juckendes und flüchtiges Exanthem

  • Eine Arthritis ist nicht obligat und kann erst im Verlauf der Erkrankung auftreten

  • Beteiligung innerer Organe als Pleuritis, Perikarditis und Milzschwellung

  • Labor:

    • CRP ↑, BSG ↑, Leukozytose

    • Thrombozytose

    • RF und ANA negativ

Die Therapie entspricht der der rheumatoiden Arthritis.

Polymyalgia rheumatica

  • $Polymyalgia rheumaticaGeneralisierte Arteriitis der großen Gefäße, die in 20 % der Fälle mit einer Arteriitis temporalis$Arteriitis temporalis einhergeht

  • Meist ältere Frauen betroffen

Definition und Epidemiologie
Polymyalgia rheumaticaDie Polymyalgia rheumatica ist eine generalisierte Arteriitis der großen Gefäße, die in 20 % der Fälle mit einer Arteriitis Arteriitis temporalistemporalis (Riesenzellarteriitis) einhergeht. Die Erkrankung zählt zu den Vaskulitiden, die Pathogenese ist unbekannt.
Meist sind ältere Frauen betroffen.
Symptome
  • Polymyalgia rheumatica:

Symptome:

$Polymyalgia rheumatica Symptome Polymyalgia rheumatica:

  • Subakuter Beginn mit symmetrischen, reißenden Schmerzen der proximalen Muskulatur, besonders nachts und früh morgens

  • Schwäche der Muskulatur, Morgensteifigkeit

Arteriitis temporalis$Arteriitis temporalisSymptome (Riesenzellarteriitis):$Riesenzellarteriitis

  • Augen- und Kopfschmerzen im Bereich der Schläfen mit Sehstörungen und Schwindel

  • Schmerzverstärkung beim Kauen

  • A. temporalis ist überwärmt, druckschmerzhaft und gut tastbar

Begleitsymptome:

  • Fieber

  • Sturzsenkung

  • Depressive Verstimmung

  • Gewichtsabnahme

    • Subakuter Beginn mit symmetrischen, reißenden Schmerzen der proximalen Muskulatur (Nacken, Schulter, Becken), besonders nachts und früh morgens

    • Verstärkung der Schmerzen im Liegen

    • Schwäche der Muskulatur

    • Morgensteifigkeit der betroffenen Partien

    • Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme (B-Symptome)

    • Kopfschmerzen

    • Depressive Verstimmung

  • Arteriitis temporalis (Arteriitis cranialis, Riesenzellarteriitis):

    • Kopfschmerzen, besonders im Schläfenbereich

    • Schmerzverstärkung beim Kauen

    • Augenschmerzen im Bereich der Schläfen mit Sehstörungen

    • Schwindel

    • A. temporalis ist überwärmt, druckschmerzhaft, gut tastbar und auch meist gut sichtbar

    • In 50 % der Fälle findet sich gleichzeitig eine Polymyalgia rheumatica

Komplikationen
  • Apoplex

  • Kurzzeitiger Visusverlust im Sinne einer Amaurosis fugax bis hin zur Erblindung durch Verschluss der A. centralis retinae besonders bei der Riesenzellarteriitis

Labor
  • Sturzsenkung (nicht obligat) oder beschleunigte BSG, CRP ↑

  • RF negativ

  • Auto-Antikörper negativ

  • CK im Normbereich

Differenzialdiagnosen
  • Polymyositis/Dermatomyositis: Typisch für die Polymyositis sind Muskelschmerzen im Schultergürtel bzw. Beckenbereich, die ebenfalls mit Schwäche, Fieber und Steifigkeit einhergehen. Bei der Dermatomyositis finden sich rötlich-livide Hauterscheinungen im Gesicht und oberen Thoraxbereich. Bei beiden Erkrankungen ist die CK erhöht.

  • Rheumatoide Arthritis: Neben Muskelschmerzen und Gelenksteifigkeit findet sich eine symmetrische entzündliche Beteiligung der kleinen Gelenke.

  • TIA, Apoplex: Können ebenfalls mit einer Amaurosis fugax einhergehen. Häufig treten andere neurologische Ausfälle, v. a. eine plötzliche Halbseitensymptomatik, hinzu. Die A. temporalis ist nicht verändert, Kopfschmerzen sind für die TIA nicht typisch, sie können beim blutigen Apoplex auftreten.

Therapie
  • Riesenzellarteriitis: rasche Vorstellung beim Augenarzt

$Polymyalgia rheumaticaTherapieTherapie: Glukokortikoide

  • Glukokortikoide

MERKE

Merke

Die Gabe von Schmerzmitteln ist bei der Polymyalgia rheumatica meist nutzlos. Glukokortikoide zeigen in der Regel eine Besserung der Schmerzen nach wenigen Stunden.

Fibromyalgie

  • $FibromyalgieGeneralisiertes Schmerzsyndrom mit schmerzhaften Druckpunkten und vegetativen Störungen

  • Meist Frauen betroffen

Definition und Epidemiologie
FibromyalgieDie Fibromyalgie ist ein generalisiertes Schmerzsyndrom mit schmerzhaften Druckpunkten und vegetativen Störungen. Die Ursachen sind unbekannt. Eine familiäre Häufung und Assoziation mit rheumatischen Erkrankungen ist vorhanden. Der Verlauf ist chronisch und erstreckt sich über Monate und Jahre.
Meist sind Frauen zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr betroffen.
Symptome
  • Leitsymptom der Erkrankung sind Schmerzen an Muskeln und Sehnenansätzen (Abb. 5.52)

$Fibromyalgie Symptome Leitsymptome:

  • Schmerzen an Muskeln und Sehnenansätzen

  • Erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Steifigkeit

  • Röntgen und Labor ohne pathologischen Befund

Begleitsymptome:

  • Müdigkeit und verminderte Belastbarkeit

  • Schlafstörungen

  • Depressionen, Ängste, Kontaktstörungen

  • Keine signifikante Besserung unter der Gabe von Schmerzmitteln

  • Müdigkeit

  • Verminderte Belastbarkeit

  • Schlafstörungen

  • Depressionen

  • Ängste

  • Kontaktstörungen

  • Kardiale und gastrointestinale Beschwerden

  • Migräne

  • Vegetative Symptome: trockener Mund, Schwitzen, gelegentlich Tremor, kalte Hände und Füße

ABBILDUNG 5.52

Diagnostik
  • Röntgen und Labor: meist ohne spezifischen pathologischen Befund

  • Positive „Tender Points“, wobei für die Diagnosestellung 11 von 18 positiv sein müssen (Abb. 5.52)

Therapie
  • Keine suffiziente Therapie bis jetzt

  • Allgemeinmaßnahmen wie regelmäßige körperliche Aktivität z. B. als Walken, Jogging, Schwimmen, Einhaltung von regelmäßigen Schlaf- und Ruhepausen

  • Entspannungsverfahren und Verhaltenstherapie

  • Antidepressiva und NSAR als befristete Therapie

MERKE

Merke

Die Fibromyalgie ist eine Ausschlussdiagnose.

Lernzielkontrolle

  • Nennen Sie Ursachen und Symptome der Arthrose! Welche Gelenke sind von der Arthrose betroffen?

  • Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten haben eine Lumbago und eine Ischialgie?

  • Sie nehmen bei einem jungen Patienten eine Untersuchung der Wirbelsäule vor. Welche klinischen Zeichen können bei der Skoliose beobachtet werden?

  • Welche Symptome können bei einer Hüftgelenksdysplasie auftreten? Welche Therapien sind Ihnen bekannt?

  • Bei welchen Erkrankungen ist das Auftreten der Dupuytren-Kontraktur häufiger zu sehen?

  • In welchen Skelettabschnitten manifestieren sich Osteosarkome? Welche Symptome treten auf?

  • Welche Tumorarten führen häufig zur Ausbildung ossärer Metastasen?

  • Welche Symptome finden sich beim Morbus Bechterew? Welche Erkrankungen zählen zu den seronegativen Spondylarthritiden?

  • Ein 23-jähriger Patient stellt sich wegen Kreuzschmerzen, Knieschmerzen und einer Konjunktivitis vor. Die Beschwerden bestehen seit ca. einer Woche. Den jetzigen Symptomen ist eine Harnwegsentzündung vorausgegangen. Welche Erkrankung liegt am wahrscheinlichsten vor?

  • Eine 28-jährige Patientin beklagt seit ca. 3 Monaten einen Leistungsknick und Krankheitsgefühl. Sie berichtet über eine Morgensteifigkeit der Hände, Schmerzen und eine teigige Schwellung in den Grund- und Mittelgelenken. Der Händedruck ist schmerzhaft. Bei der körperlichen Untersuchung finden sich keine Hauterscheinungen. Welche Erkrankung kommt am ehesten in Betracht? Welche Differenzialdiagnosen müssen Sie in Erwägung ziehen? Welche Therapieansätze sind Ihnen bekannt?

  • Welche klinischen Kennzeichen haben die Polymyalgia rheumatica und die Arteriitis temporalis?

  • Was ist die Fibromyalgie? Welche Symptome sind für diese Erkrankung charakteristisch?

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