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B978-3-437-58785-6.00017-X

10.1016/B978-3-437-58785-6.00017-X

978-3-437-58785-6

Abb. 17.2

[L190]

Hoden, Nebenhoden und Anfangsteil des Samenleiters

Abb. 17.3

[L190]

Spermium in der Schemazeichnung

Abb. 17.4

[L190]

Verlauf der ableitenden Samenwege in der Übersicht

Abb. 17.5

[S007–22]

Lage der Prostata am Blasenboden

Abb. 17.6

[S007–22]

Bläschendrüsen, Ductus deferens und Prostata

Abb. 17.7

[L190]

Der Penis im Längs- und Querschnitt. Die Penisschwellkörper sind von schwammartigen Hohlräumen durchsetzt, die sich bei sexueller Erregung mit Blut aus den Penisarterien füllen.

Abb. 17.8

[L190]

Die weiblichen Geschlechtsorgane im Sagittalschnitt

Abb. 17.9

[L190]

Weibliche Geschlechtsorgane im Frontalschnitt (Ansicht von hinten)

Abb. 17.10

[S007-1-23]

MilchleisteMilchleiste

Abb. 17.11

[L190]

Feinbau der weiblichen Brust (Sagittalschnitt)

Abb. 17.12

[L190]

Lymphabflusswege der Brustdrüse

Abb. 17.13

[L190]

Wichtige hormonelle Veränderungen und deren Effekte auf die Gebärmutterschleimhaut und die Eierstöcke während des Menstruationszyklus und der Schwangerschaft

Abb. 17.14

[L190]

Wirkungen von Östrogen und Progesteron. Östrogene: rosa Felder, Progesteron: grüne Felder.

Abb. 17.15

[R285]

Prostatahyperplasie. Von vorne aufgeschnittene Harnblase mit Muskelhypertrophie der Wand (sog. Balkenblase). Massive Hyperplasie der Prostata am Eingang der Urethra (Home-Mittellappen, Pfeile). Die Hyperplasie der Prostata behindert den Abfluss des Urins im Bereich des Trigonum vesicae und führt dadurch zur Muskelhypertrophie der Harnblase.

Abb. 17.16

[R285]

Prostatakarzinom. Makroskopischer Aspekt: Die Abgrenzung des Tumors gegenüber dem Prostataparenchym ist unscharf (gestrichelte Linie). Die Wand der Urethra (U) ist infiltriert. Das Zentrum des Tumors ist nekrotisch und hämorrhagisch (*). Der Tumor wächst in die Samenblasen (S) ein.

Abb. 17.17

[F432]

Paraphimose

Abb. 17.18

[R232]

Hodentorsion bei einem kleinen Jungen

Abb. 17.19

[R285]

Tuberkulöse Epididymitis (Pfeil) und Orchitis (Doppelpfeil)

Abb. 17.20

[R285]

Varikozele, Spermatozele und Hydrozele (Schema)

Abb. 17.21

[R285]

Klassisches Seminom. Tumor mit homogener weißer Schnittfläche (Pfeile)

Abb. 17.22

[R285]

Nicht seminomatöser Tumor mit bunter, zystischer Schnittfläche

Abb. 17.23

[R285]

Pyosalpinx (Eiteransammlung im Eileiter). Deutlich ausgeweitete Tube, mit Eiter im Lumen. An der Außenseite eine fibrinös-eitrige Perisalpingitis (Pfeile).

Abb. 17.24

[R285]

Entstehungs- und Herkunftstheorien der Endometriose

Abb. 17.25

[L190]

Myome. Einteilung nach der Wuchsrichtung in subseröse (in Richtung Peritonealhöhle wachsend), submuköse (in die Gebärmutterhöhle wachsend) und intramurale (im Myometrium liegend) Myome. Daneben gibt es auch gestielte Myome.

Abb. 17.26

[R285]

Ausgedehntes Zervixkarzinom mit kraterförmigen Ulzerationen (Pfeile)

Abb. 17.27

[R285]

Kondylomatöse Läsionen. Um den Muttermund scheibenförmig angeordnet die ektopische Zervixschleimhaut mit scharfer Grenze zum außen liegenden Plattenepithel (Pfeile). An der vorderen Muttermundlippe ein Condylomata acuminatum (Stern)

Abb. 17.28

[R285]

Seröses Adenokarzinom. Schnittfläche des Karzinoms mit einer glattwandigen Zyste im Zentrum (x). Rundliche Zysten mit papillären Proliferationen (Pfeile). Das übrige Ovar ist von soliden Tumormassen durchsetzt.

Abb. 17.29

[T192]

Mammakarzinom. Fortgeschrittenes Mammakarzinom mit Einziehung der Brustwarze.

Geschlechtsorgane

Abb. 17.1

[L275]

Übersicht über die Erkrankungen der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane

Anatomie der männlichen Geschlechtsorgane

Geschlechtsorgane männliche

Lernziele

  • Kenntnisse über Aufbau und Funktion der inneren und äußeren männlichen Geschlechtsorgane.

  • Kenntnisse über Aufbau und Funktion der inneren und äußeren weiblichen Geschlechtsorgane.

  • Benennung der männlichen Geschlechtshormone.

  • Kenntnisse über die Zusammensetzung des Ejakulats.

  • Benennung der weiblichen Geschlechtshormone und deren Wirkung im Menstruationszyklus.

Allgemeines

Geschlechtsorgane dienen der Reproduktion und der Bildung der Geschlechtshormone.

Einteilung der männlichen Geschlechtsorgane: $Geschlechtsorgane männliche

  • Innere Geschlechtsorgane: Hoden, Nebenhoden, Samenleiter, Geschlechtsdrüsen

  • Äußere Geschlechtsorgane: Penis, Hodensack

GeschlechtsorganemännlicheDie männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane dienen der Reproduktion und der Bildung der Geschlechtshormone. Sie können zum einen in primäre und sekundäre zum anderen in innere und äußere Geschlechtsorgane eingeteilt werden.
Die primären Geschlechtsorgane sind an der Reproduktion beteiligt und umfassen die inneren und äußeren Geschlechtsorgane und sind zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden. Die sekundären Geschlechtsorgane entwickeln sich in der Pubertät unter Hormoneinfluss, z. B. männlicher oder weiblicher Behaarungstyp, tiefe Stimme beim Mann und das Wachstum der Brustdrüse bei der Frau.
Zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen zählen Hoden, Nebenhoden, Samenleiter und die Geschlechtsdrüsen. Sie dienen der Bildung und Reifung der Spermien, der Hormonproduktion und Sekretbildung, die den Transport der Spermien erleichtert. Zu den äußeren Geschlechtsorganen zählen Penis und Hodensack. Sie dienen der geschlechtlichen Zusammenführung.

Hoden

Die $HodenHoden sind paarig angelegt und liegen physiologischerweise nach dem Descensus testis zum Zeitpunkt der Geburt im Hodensack. Umgeben sind sie vom M. cremaster. Die Temperatur ist ca. 2–3 °C geringer als in der Bauchhöhle. Die wesentlichen Aufgaben sind die Spermien- und Testosteronbildung.

Die HodenHoden Testes(Testes) sind paarig angelegte Organe, die im Hodensack eingebettet sind (Abb. 17.2). Sie sind jeweils ca. 4–5 cm lang, 2–3 cm breit und 3 cm dick. Jeder Hoden wiegt ca. 20 g. Die Hoden werden im Embryonalalter an der dorsalen Leibeswand in der Nähe der Urniere angelegt. Nach dem ersten Trimenon wandern die Hoden und Nebenhoden mit dem SamenstrangSamenstrang (Funiculus spermaticus),Funiculus spermaticus der die dazugehörigen Blutgefäße, Nerven und den Samenleiter führt, nach unten (Descensus testis)Descensus testis und weiter über den Leistenkanal in den HodensackHodensack (Skrotum).Skrotum Während der Wanderung nehmen sie Teile des Peritoneums mit, das dann als Tunica vaginalis testis bezeichnet wird. Sie besitzt, ähnlich wie das Peritoneum, 2 Blätter. Zwischen beiden Blättern befindet sich eine kleine Menge seröser Flüssigkeit.
Umschlossen werden die Hoden von einer bindegewebigen Kapsel und dem M. cremaster.Musculuscremaster Beide haben die Aufgabe der Wärmeregulation, wobei die Temperatur im Hodensack ca. 2–3 °C unter der Körpertemperatur liegt. Im Inneren der Hoden kann man zwischen Hodenkanälchen und einem bindegewebigen Stroma unterscheiden. Das Innere des Hodens besteht aus Hodenläppchen, die gewundene Hodenkanälchen besitzen und schließlich im Hodennetz münden (Abb. 17.2).
Die Hauptaufgabe der Hoden liegt in der Produktion der SpermienSpermien (im Keimepithel) und der Bildung von TestosteronTestosteron (in den Leydig-Zwischenzellen).

ABBILDUNG 17.2

Gefäßversorgung der Hoden

Die Gefäßversorgung $HodenGefäßversorgungerfolgt über die Aa. testiculares aus der Aorta, der venöse Abfluss über die V. renalis (links) und V. cava inferior (rechts). Der Lymphabfluss zieht zu den paraaortalen Lymphknoten.

Die HodenGefäßversorgungHoden werden über folgende Gefäße versorgt:
  • Arteriell: über die Aa. testiculares aus der Aorta

  • Venös: über den Plexus pampiniformis und die Vv. testiculares auf der rechten Seite in die V. cava inferior, auf der linken Seite in die V. renalis

  • Lymphatisch: in die paraaortalen Lymphknoten

Spermienaufbau

Die Spermien$Spermien sind bewegliche Zellen, die in ca. 2–4 Stunden die Tuba uterina erreichen und eine Eizelle befruchten können. Sie besitzen einen haploiden Chromosomensatz.

SpermienSpermien sind bewegliche Zellen, die etwa 50–60 µm lang sind und sich mithilfe des Schwänzchens ca. 3–4 mm pro Minute fortbewegen können (Abb. 17.3). Nach der geschlechtlichen Vereinigung benötigen sie für den Weg bis zur Tuba uterina 2–4 Stunden und sind für weitere 24–48 Stunden befruchtungsfähig. Für die Bildung der Spermien benötigt der menschliche Organismus ca. 70 Tage, weitere 14 Tage für den Durchtritt durch den Nebenhoden. Der männliche Organismus ist lebenslang in der Lage, reife Spermien zu bilden – im Gegensatz zum weiblichen Körper –, wenn auch die Spermienanzahl und -qualität abnimmt.
Ein Spermium besteht aus:
  • Spermienkopf mit Akrosom: Beinhaltet den haploiden Chromosomensatz. Das Akrosom enthält hydrolytische Enzyme, die das Eindringen und Verschmelzen mit der Eizelle möglich machen.

  • Spermienhals: Dient als Verbindungsstück zwischen Kopf und Mittelstück.

  • Mittelstück: Beinhaltet Mitochondrien für die Energiegewinnung.

  • Spermienschwanz: Besteht aus Haupt- und Endstück. Beide Teile sind für die Fortbewegung des Spermiums zuständig.

ABBILDUNG 17.3

Nebenhoden und Samenleiter

Die Nebenhoden$Nebenhoden sitzen den Hoden kappenförmig auf. Sie speichern Spermien. Mit der Urethra sind sie über die Samenleiter$Samenleiter verbunden.

Der NebenhodenNebenhoden Epididymis(Epididymis) sitzt dem Hoden kappenförmig auf und ist mit ihm mit einem Kanal verbunden (Abb. 17.2). Die Hauptaufgabe besteht in der Speicherung der Spermien. Spermien, die defekt gebildet wurden, werden phagozytiert.
Der Nebenhoden geht in den SamenleiterSamenleiter (Ductus Ductusdeferensdeferens) über, der ca. 50–60 cm lang ist. Er verbindet den Nebenhoden mit der männlichen Harnröhre. Er verläuft gemeinsam mit Gefäßen und Nerven im Samenstrang durch den Leistenkanal in den Bauchraum.

Geschlechtsdrüsen

Zu den GeschlechtsdrüsenGeschlechtsdrüsen gehören Prostata, Bläschendrüsen und Cowper-Drüsen (Abb. 17.4).

ABBILDUNG 17.4

Prostata

Die Prostata$Prostata liegt unterhalb des Blasenbodens. Sie produziert ein Sekret, das Bestandteil des Ejakulats ist. Sie kann vom Rektum aus getastet werden.

ProstataDie Prostata Vorsteherdrüse(Vorsteherdrüse) ist ein kastanienförmiges Organ, das ca. 20 g schwer ist. Sie liegt unterhalb der Harnblase und kann vom Rektum aus getastet werden (Abb. 17.5). Im Zentrum der Prostata verläuft die Harnröhre (Urethra). Die Prostata produziert ein schwach alkalisches Sekret, das mit dem Ejakulat ausgeschieden wird. Sie wird in Zonen eingeteilt:
  • Periurethrale Zone: Umschließt die Urethra. Diese Zone ist häufig von der Prostatahyperplasie betroffen und führt dann aufgrund der anatomischen Gegebenheiten zu Miktionsschwierigkeiten.

  • Zentrale Zone: Schließt sich an die periurethrale Zone an.

  • Periphere Zone: Liegt dorsal und lateral der zentralen Zone und macht den Hauptanteil der Organmasse aus. Aus dieser Zone gehen häufig Karzinome hervor. Sie machen sich aufgrund der anatomischen Lage erst spät mit Miktionsproblemen bemerkbar.

ABBILDUNG 17.5

Bläschendrüsen

Die Bläschendrüsen$Bläschendrüsen sind paarig angelegt und liegen hinter der Prostata. Das Sekret macht den Hauptanteil des Ejakulats aus.

Die BläschendrüseBläschendrüse Samenbläschen(Samenblase, Vesiculae Vesiculae seminalesseminales, Glandula vesiculosa) ist ein paarig angelegtes Organ, das hinter der Blase liegt. Die Ausführungsgänge münden in der Prostata in den Samenleiter (Abb. 17.6).
Sie bildet ein alkalisches Sekret und macht den Hauptanteil des Ejakulats aus. Dieses Sekret enthält Vitamin C und sehr viel Fruktose, die als Energielieferant für die Spermien nötig ist.

ABBILDUNG 17.6

Cowper-Drüsen

Die Cowper-Drüsen$Cowper-Drüsen sind paarig angelegt. Sie geben ihr Sekret vor der Ejakulation ab.

Die Cowper-DrüseCowper-Drüse ist ein paarig angelegtes Organ, das im Bindegewebe des Beckenbodens liegt (Abb. 17.4). Die Ausführungsgänge münden in die Harnröhre. Das schleimige Sekret der Drüsen ist alkalisch, dient der Reinigung der Harnröhre und wird vor dem eigentlichen Ejakulat in die Harnröhre freigegeben.
Zusammensetzung und Eigenschaften des Ejakulates
Das Ejakulat setzt sich zusammen aus:
  • Ejakulat70–120 Millionen Spermien/ml (ca. 10 % der Gesamtmenge)

  • Prostatasekret (ca. 15–30 %)

  • Samenblasensekret (50–70 %)

  • Sekret der Cowper-Drüsen (1–3 %)

  • Gesamtmenge: ca. 3–5 ml

  • Schwach alkalisch, was die Beweglichkeit der Spermien ermöglicht

  • Enthält als Energielieferanten Fruktose und Fette für die Motilität der Spermien

Penis

Der Penis$Penis wird in die Peniswurzel, den Penisschaft und die Eichel mit dem Praeputium eingeteilt. Im Penis finden sich 2 Schwellkörper:

  • Paariger Penisschwellkörper für die Erektion

  • Harnröhrenschwellkörper umschließt die Urethra

PenisDer Penis (Glied)Glied kann in die Peniswurzel, den Penisschaft und die Eichel eingeteilt werden (Abb. 17.7). Die Eichel ist sehr gut sensibel innerviert und deswegen sehr empfindlich. An der Unterseite findet sich ein dünnes Häutchen, das die Eichel mit der Vorhaut verbindet. In diesem Bereich sind zahlreiche Talgdrüsen vorhanden. Der gebildete Talg vermischt sich mit Hautschüppchen, Sperma-, Urinresten und Bakterien und bildet eine weiß-gelbliche, käsige Masse, die auch Smegma genannt wird. Die Penishaut ist dehnbar und bildet an der Eichel eine Doppelung, die VorhautVorhaut (Praeputium).Praeputium
Das Innere des Penis ist aus 2 Schwellkörpern aufgebaut, die sich während der Erektion mit Blut füllen, und einem weiteren Schwellkörper, durch den die Harnröhre verläuft (Abb. 17.7):
  • Paariger PenisschwellkörperPenisschwellkörper (Corpus Corpus cavernosumcavernosum): für die Erektion (durch Rankenarterien) zuständig

  • HarnröhrenschwellkörperHarnröhrenschwellkörper (Corpus Corpus spongiosumspongiosum): umschließt die Urethra

ABBILDUNG 17.7

Skrotum

Das Skrotum$Skrotum beinhaltet die Hoden und Nebenhoden. Die Temperatur liegt ca. 2–3 °C unterhalb der Körperkerntemperatur.

Das SkrotumSkrotum Hodensack(Hodensack) fungiert als eine Hauttasche, die Hoden und Nebenhoden enthält. Der Hodensack besitzt keine subkutane Fettschicht, dafür eine Schicht glatter Muskelzellen (M. cremaster).Musculuscremaster Durch diese Schicht kann die Oberfläche vergrößert oder verkleinert werden. Ferner verfügt das Skrotum über zahlreiche Schweißdrüsen. Zusammen mit der Funktion des M. cremaster kann die skrotale Temperatur reguliert werden, die 2–3 °C unter der Körperkerntemperatur liegt und optimal für die Spermienbildung ist. Temperaturen, die höher oder niedriger sind, wirken sich nachteilig auf die Spermienzahl und -qualität aus. Das Skrotum verfügt über eine ausgesprochen gute sensible Innervation, was es sehr berührungsempfindlich macht.

Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane

Einteilung der weiblichen Geschlechtsorgane: $Geschlechtsorgane weibliche

  • Innere Geschlechtsorgane: Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter, Scheide

  • Äußere Geschlechtsorgane: große und kleine Schamlippen, Klitoris, Scheidenvorhof, Schamberg

GeschlechtsorganeweiblicheZu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen zählen Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter und Scheide. Eileiter und Eierstöcke bilden die Adnexe (Anhängsel). Sie dienen der Bildung und Reifung der Eizellen, der Hormonproduktion und der Austragung einer Schwangerschaft (Abb. 17.8). Zu den äußeren Geschlechtsorganen zählen große und kleine Schamlippen, Klitoris, Scheidenvorhof und Schamberg. Die Anteile der äußeren Geschlechtsorgane werden unter dem Begriff der Vulva zusammengefasst. Sie dienen der geschlechtlichen Zusammenführung.

ABBILDUNG 17.8

ABBILDUNG 17.9

Eierstöcke

Die Ovarien$Ovar liegen intraperitoneal im kleinen Becken. Wesentliche Aufgaben sind die Eizellbildung und die Synthese der weiblichen Hormone: Östrogen und Progesteron.

Die EierstockEierstöcke Ovar(Ovarien) sind paarig angelegte Organe, die etwa pflaumengroß und ca. 10 g schwer sind (Abb. 17.9). Sie liegen im kleinen Becken, vom Peritoneum eingehüllt. Durch Bänder (Lig. suspensorium ovarii und Lig. ovarii proprium) werden sie in ihrer Lage fixiert. Das Lig. suspensorium ovarii fixiert das Ovar an der lateralen Wand, das Lig. ovarii proprium verbindet das Ovar mit der Gebärmutter.
In den Eierstöcken werden Östrogen, Progesteron und Eizellen gebildet, die dann ca. in der Mitte des Zyklus aus dem Eierstock entlassen werden (Eisprung, Ovulation). Aus dem Überrest des Follikels entsteht der GelbkörperGelbkörper (Corpus Corpus luteumluteum), der das ProgesteronProgesteron bildet.

Eileiter

Die Eileiter$Eileiter stülpen sich um die Ovarien. Die Hauptaufgabe ist der Transport der Eizelle zum Uterus hin.

Der EileiterEileiter (Tuba Tuba uterinauterina) ist ein paarig angelegtes, schlauchförmiges Organ, das ca. 10–17 cm lang ist und intraperitoneal liegt. Es zieht von den Ovarien zum Uterus. Am äußeren Ende stülpt sich der Eileiter wie ein Trichter um die Ovarien (Abb. 17.9). Das innere Ende mündet im Uterus. Die Hauptaufgabe der Tube besteht in der Aufnahme der Eizelle nach dem Eisprung und dem Weitertransport zum Uterus. Der Transport der Eizelle wird durch den Kinozilienschlag und Kontraktionen der Muskulatur bewerkstelligt. Der Weg der Eizelle durch den Eileiter dauert ca. 5 Tage.

Gebärmutter

Der Uterus$Uterus besteht aus Fundus, Corpus, Isthmus, Zervix und Portio. Die Schichten gliedern sich in Endo-, Myo- und Perimetrium.

Die Aufgabe besteht in der Austragung der befruchteten Eizelle.

Die GebärmutterGebärmutter Uterus(Uterus) ist ein birnenförmiges Organ, das ca. 7–9 cm lang ist und hinter bzw. z. T. auf der Blase liegt (Abb. 17.9). Sie ist nach vorne geneigt (Anteversion) und nach vorne geknickt (Anteflexion). Der Uterus besteht aus Fundus uteriFundus (Gebärmuttergrund), Corpus (Gebärmutterkörper), Isthmus (Gebärmutterenge) und Zervix uteriZervix (Gebärmutterhals). Der Teil der Zervix, der in die Scheide mündet, heißt Portio Portio vaginalisvaginalis. Der Uterus wird durch Bänder in seiner Lage gehalten. Auf der hinteren Fläche umhüllt das Peritoneum einen großen Teil des Uterus, bevor es unter Bildung des Douglas-RaumsDouglas-Raum über das Rektum wieder nach oben zieht.
Der Uterus bildet eine Höhle (Cavum uteri). Sie besteht von innen nach außen aus EndometriumEndometrium (Schleimhaut), MyometriumMyometrium (Muskelschicht aus glatter Muskulatur) und PerimetriumPerimetrium (peritonealer Überzug). Das Endometrium wird durch hormonelle Einflüsse zyklisch aufgebaut und abgestoßen. Während der Schwangerschaft beherbergt der Uterus den Embryo bzw. Fetus und beteiligt sich am Aufbau der Plazenta (Mutterkuchen).

Scheide

Die Scheide$Scheide ist ein muskulärer Schlauch, der der Aufnahme des Penis, Spermien und als Geburtskanal dient.

Die ScheideScheide Vagina(Vagina) ist ein ca. 10–12 langer Schlauch, der elastische und muskuläre Anteile hat (Abb. 17.9). Sie reicht vom Scheideneingang (Introitus vaginae) bis zur Portio uteri. Im Kindesalter ist der Eingang mit einem Hymen (Jungfernhäutchen) bis auf eine kleine Öffnung verschlossen. Die in der Scheide vorhandenen Milchsäurebakterien (Döderlein-Stäbchen)Döderlein-Stäbchen sorgen für einen leicht sauren pH-Wert. Die Funktion der Scheide erstreckt sich auf die Kohabitation und Aufnahme der Spermien und dient als Geburtskanal.

Vulva

Die Vulva$Vulva besteht aus den äußeren Geschlechtsorganen Schamberg, Schamlippen (äußere und innere), Scheidenvorhof und Klitoris.

Mit dem Begriff VulvaVulva werden die äußeren Geschlechtsorgane zusammengefasst. Dazu zählen:
  • SchambergSchamberg (Mons pubis, Venushügel): Bildet eine dezente Erhebung oberhalb der großen Schamlippen.

  • Schamlippen:Schamlippen Große, behaarte Schamlippen (Labia majores) begrenzen die Schamspalten und umschließen die kleinen, haarlosen Schamlippen (Labia minores). In den großen Schamlippen finden sich zahlreiche Duft-, Schweiß- und Talgdrüsen, in den kleinen Labien Talgdrüsen und kleine und große (Bartholin-Drüsen)Bartholin-Drüsen Drüsen, die den Eingang feucht halten.

  • Scheidenvorhof: Liegt zwischen den kleinen Schamlippen. Dort finden sich der Scheideneingang und die Mündung der Harnröhre.

  • Klitoris:Klitoris Liegt zwischen den großen Schamlippen über dem oberen Pol der kleinen Labien. Die Klitoris ist gut sensibel innerviert und besitzt Schwellkörper, die bei sexueller Stimulation anschwellen.

Brustdrüse

Die Brustdrüse$Brustdrüse ist paarig angelegt. Sie besteht aus einem Drüsen- und Fettkörper. Die Milchgänge vereinigen sich zum Hauptgang und münden in der Mamille. Die Drüse unterliegt der hormonellen Steuerung (Östrogen, Progesteron, Prolaktin, Oxytocin).

BrustdrüseDie Brustdrüsen Mamma(Mammae) entwickeln sich aus der Milchleiste (Abb. 17.10). Üblicherweise entwickeln sich bei beiden Geschlechtern nur 2 Brüste, selten kommen akzessorische Brustkörper vor, die dann entlang der Milchleiste angeordnet sind.
Die weibliche Brust besteht aus einem Drüsenkörper und einem Fettkörper. Jeder Drüsenlappen mündet in einem Milchgang. Die Milchgänge vereinigen sich zu einem Hauptgang, der dann in der MamilleMamille endet (Abb. 17.11). Die Mamille beinhaltet radiär angeordnete Fasern glatter Muskulatur.
Die Brustdrüse unterliegt einer hormonellen Steuerung. Unter der Einwirkung von ÖstrogenÖstrogen wachsen die Milchgänge. ProgesteronProgesteron führt zu einer verstärkten Bildung von Milchalveolen. Beide Hormone unterdrücken die Milchbildung. Erst nach der Geburt und Abfall dieser Hormone bewirkt das ProlaktinProlaktin die Milchbildung. Unter dem Einfluss von OxytocinOxytocin kann die Milch abgegeben werden.

ABBILDUNG 17.11

Lymphabflusswege

Die Lymphabflusswege der Brustdrüse$BrustdrüseLymphabfluss münden v. a. in den axillären, supraklavikulären und retrosternalen Lymphknoten.

Der BrustdrüseLymphabflussLymphabfluss erfolgt über folgende Lymphknotengruppen (Abb. 17.12):
  • Axilläre Lymphknoten: hauptsächlicher Abflussweg für den oberen äußeren Quadranten

  • Retrosternale Lymphknoten (hinter den Rippenknorpeln)

  • Klavikuläre Lymphknoten (infra- und supraklavikulär)

  • Selten über die kontralaterale Seite

MERKE

Merke

Die Lymphabflusswege der Mamma haben hinsichtlich des Mammakarzinoms und der Vorsorgeuntersuchung eine große Bedeutung. Die Lage der einzelnen Lymphknotenstationen sollte deshalb jedem geläufig sein.

ABBILDUNG 17.12

Physiologie

Männliche Sexualhormone

Testosteron$Testosteron wird in den Leydig-Zwischenzellen gebildet.

Wirkungen:

  • Anlage und Reifung der männlichen Geschlechtsorgane

  • Prägung der Geschlechtsmerkmale

  • Anabole Wirkung

  • Fördert den Schluss der Epiphysen

SexualhormonemännlicheDie Sexualhormone, v. a. TestosteronTestosteron, dienen der Arterhaltung. Testosteron wird in den Leydig-Zwischenzellen desLeydig-Zwischenzellen HodenHodens produziert und zu einem kleinen Prozentsatz auch in der Nebennierenrinde. Zu 98 % werden die Hormone an Proteine gebunden im Blut transportiert.
Gesteuert wird die Hormonfreisetzung über das hypothalamisch-hypophysäre System. Der Hypothalamus schüttet pulsatil alle 2–4 Stunden das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus, das im Hypophysenvorderlappen die Sekretion von LH und FSH stimuliert. LH regt die Bildung des Testosterons an, FSH stimuliert die Bildung der Spermatogenese.
Wirkungen von Testosteron:
  • In der Fetalperiode Anlage und Reifung der männlichen Geschlechtsorgane

  • Förderung des Eiweißaufbaus (anabole Wirkung): essenziell für Penis-, Larynx-, Muskel- und Knochenwachstum sowie die Spermienbildung und -reifung

  • Förderung der männlichen Behaarung

  • Bildung des Prostatasekrets

  • Steigerung der Libido

  • Förderung des Schlusses der Epiphysenfugen

  • Einige Autoren gehen davon aus, dass auch das Aggressionsverhalten über Testosteron reguliert wird

Weibliche Sexualhormone und Zyklussteuerung

Der weibliche Zyklus$Menstruationszyklus wird über die hypothalamisch-hypophysäre Achse (GnRH, FSH, LH) gesteuert, die am Ovar zur zyklischen Östrogen- und Progesteronbildung führen. Östrogene$Östrogen (aus dem Ovar) dominieren in der 1. Zyklushälfte, Progesteron$Progesteron (aus dem Gelbkörper) in der 2.

SexualhormoneweiblicheZyklussteuerungAn der Steuerung des monatlichen Zyklus sind Hypothalamus, Hypophyse, Ovarien und Uterus beteiligt. Das aus dem Hypothalamus ausgeschüttete GnRH wirkt auf die Hypophyse und stimuliert die Ausschüttung von LHLH und FSHFSH. Unter dem Einfluss des FSH reifen im Eierstock Follikel bis zum Eisprung heran, die mit zunehmender Größe ÖstrogenÖstrogen produzieren. Das LH, das ein Maximum in der Zyklusmitte hat, fördert den Eisprung. Nach der Ovulation bildet sich aus dem geplatzten Follikel der Gelbkörper, der ProgesteronProgesteron produziert.
Als MenstruationszyklusMenstruationszyklus (Abb. 17.13) ist die Zeitspanne definiert, die vom 1. Tag der Regelblutung bis zum letzten Tag vor der Menstruation reicht. Der Zyklus dauert etwa 28 Tage. In diesem Zeitraum kommt es zu zyklischen Veränderungen des Endometriums. Diese Veränderungen werden über Hormone gesteuert und dienen dazu, der befruchteten Eizelle den Uterus optimal auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vorzubereiten.
Im Menstruationszyklus können am EndometriumEndometrium folgende Phasen unterschieden werden:
  • Desquamationsphase (Abstoßungsphase): 1.–4. Tag. Dies ist die Zeit der Menstruation, in der die Funktionsschicht des Endometriums abgestoßen wird.

  • Proliferationsphase (Aufbauphase): 5.–14. Tag, in der sich neue Schleimhaut aufbaut. Sie endet mit der Ovulation.

  • Sekretionsphase: Beginnt mit dem Follikelsprung und dauert relativ konstant 14 Tage. In dieser Zeit wird vermehrt Glykogen eingelagert und für die potenzielle Aufnahme einer befruchteten Eizelle vorbereitet.

  • Ischämische Phase: Dauert nur wenige Stunden und kommt durch den Abfall der Progesteronkonzentration zustande. Die Gefäße des Endometriums gehen in eine Vasokonstriktion, was zum Absterben der Funktionsschicht führt.

Östrogenwirkung

Wirkungen von Östrogen: $Östrogen

  • Anlage und Reifung der weiblichen Geschlechtsorgane

  • Prägung der Geschlechtsmerkmale

  • Anabole Wirkung

  • Fördert den Epiphysenschluss

  • Vermehrte Fetteinlagerung

ÖstrogenÖstrogen hat folgende Wirkungen (Abb. 17.14):
  • Anlage und Förderung des Wachstums der weiblichen Geschlechtsorgane

  • Prägung der sekundären Geschlechtsmerkmale

  • Aufbau der Uterusschleimhaut und Förderung der Eizellreifung

  • Förderung von Muskel-, Fett- und Knochenaufbau

  • In der Pubertät fördert es den Schluss der Epiphysen

  • Reduziert die Talgdrüsenproduktion

ABBILDUNG 17.13

ABBILDUNG 17.14

Progesteronwirkung

Wirkungen von Progesteron: $Progesteron

  • Einbau von Glykogen in die Uterusschleimhaut

  • Herzfrequenz ↑, Atemfrequenz ↑

  • Temperatur ↑ (0,5 °C, ca. 1 Tag nach der Ovulation)

ProgesteronProgesteron hat folgende Wirkungen (Abb. 17.14):
  • Umwandlung der Uterusschleimhaut, indem Glykogen eingebaut wird (Sekretionsphase)

  • Abnahme der Schleimbildung an der Zervix

  • Steigerung von Atmung, Herzfrequenz und Körpertemperatur um 0,5 °C (ca. 1 Tag nach der Ovulation)

  • Wichtig für die Nidation (Einnistung) der befruchteten Eizelle im Endometrium

Lernzielkontrolle

  • Welche Funktion haben Hoden und Nebenhoden?

  • Wie sind Prostata und Samenbläschen aufgebaut? Welchen Anteil am Ejakulat haben diese Drüsen?

  • Benennen Sie die weiblichen Geschlechtsorgane!

  • Wo liegen die Ovarien und welche Funktion haben sie?

  • Über welche anatomische Struktur sind die Ovarien mit dem Uterus verbunden?

  • Wie ist der Uterus aufgebaut?

  • Welche Veränderungen im Menstruationszyklus erfährt die Uterusschleimhaut?

  • Wie ist die Brustdrüse aufgebaut?

  • Welche Funktion hat das Testosteron und wie wird die Ausschüttung reguliert?

  • Wie ist die Zusammensetzung des Ejakulats?

  • Welche Hormone sind an der Steuerung des weiblichen Zyklus beteiligt und was ist deren Funktion?

Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane

Lernziele

  • Benennung der Symptome und des Keimspektrums der Prostatitis.

  • Kenntnisse über Häufigkeit und Symptome der Prostatahyperplasie und des Prostatakarzinoms.

  • Kenntnisse über Ursachen und Symptome der Phimose und Paraphimose.

  • Benennung von Ursachen, Symptomen und Maßnahmen bei der Hodentorsion.

  • Kenntnisse über Ursachen, Symptome und Komplikationen der Orchitis und Epididymitis.

  • Kenntnisse über Ursachen und klinische Symptome der Varikozele und Hydrozele.

  • Kenntnisse über Risikofaktoren, Symptome und Metastasierungswege der Hodentumoren.

  • Benennung der Ursachen der Gynäkomastie.

  • Kenntnisse über Keimspektrum, Symptome und Komplikationen der Adnexitis.

  • Kenntnisse über Häufigkeit, Symptome und Komplikationen der Endometriose.

  • Beschreibung der Lage der Myome und der damit verbundenen Symptomatik.

  • Benennung von Risikofaktoren, Symptomen und präventiven Maßnahmen beim Zervixkarzinom.

  • Benennung der Risikofaktoren und Symptome beim Endometriumkarzinom.

  • Kenntnisse über Risikofaktoren, Symptome und Prognose des Ovarialkarzinoms.

  • Kenntnisse über Häufigkeit, Risikofaktoren und Segmentverteilung des Mammakarzinoms.

Allgemeines zu Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane

Leitsymptome der Prostataerkrankungen: $Prostataerkrankungen

  • Dysurie, Pollakisurie, Nykturie

  • Abgeschwächter Harnstrahl, verlängerte Miktionsdauer

  • Entzündliche Geschehen: Schmerzen am Damm, bei der Defäkation, Pyo-, Hämatospermie, Harnröhrenausfluss

Die Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane können grob eingeteilt werden in Erkrankungen der Prostata und Erkrankungen der Hoden und Nebenhoden sowie des Skrotums. Die Symptome der Prostataerkrankungen resultieren v. a. aus der Lage des Organs und gehen durch Kompression der Urethra mit Miktionsschwierigkeiten in Form von Dysurie, Pollakisurie, Nykturie, abgeschwächtem Harnstrahl und verlängerter Miktionsdauer einher. Bei entzündlichen Geschehen treten zusätzlich Schmerzen am Damm und bei der Defäkation auf. Daneben ist die Prostata an der Bildung des Ejakulats beteiligt; entzündliche Prozesse führen zur Pyo- und Hämatospermie. Ein Ausfluss aus der Harnröhre kann ebenfalls beobachtet werden. Tumoröse Erkrankungen machen sich sehr spät bemerkbar, sehr häufig mit Knochenschmerzen, die durch hämatogene Metastasierung entstehen. Wichtig ist, dass die Prostata bei der rektalen Untersuchung getastet werden kann. Entzündliche Prozesse gehen mit einer schmerzhaften rektalen Untersuchung einher, während bei tumorösen Prozessen die Prostata hart, höckerig und meist nicht schmerzhaft getastet wird.

Leitsymptome der Hoden-$Hodenerkrankungen und Nebenhodenerkrankungen:$Nebenhodenerkrankungen

  • Akute Erkrankungen: skrotale Schmerzen mit Ausstrahlung in Bauch, Leiste und/oder Rücken, ggf. Entzündungssymptomatik

  • Tumoren: schmerzlose Vergrößerung des Skrotums

Die Erkrankungen der Hoden, Nebenhoden und des Skrotums sind durch skrotale Schmerzen mit Ausstrahlung in Bauch, Leiste und/oder Rücken gekennzeichnet. Bei entzündlichen Prozessen sind lokale Entzündungszeichen vorhanden, wobei eine Orchitis und Epididymitis sehr ähnliche Symptome bieten und eine Unterscheidung durch palpatorischen Befund und Sonografie getroffen werden kann. Tumoröse Prozesse des Hodens gehen primär mit einer indolenten Vergrößerung des Skrotums einher.

Prostatitis

Entzündung der $ProstatitisProstata, durch u. a. E. coli, Chlamydien, Enterokokken, Gonokokken

Definition
ProstatitisEine Prostatitis ist eine Entzündung der Prostata, die meist bakteriell bedingt ist.
Ursachen
Die akute Prostatitis ist in der Regel auf eine aufsteigende Infektion zurückzuführen. Das Keimspektrum umfasst Escherichia coli, Enterokokken, Klebsiellen und die Erreger der venerischen Erkrankungen (Geschlechtskrankheiten), wie Gonokokken, Chlamydien und Trichomonaden. Chronische Formen entstehen auf dem Boden einer akuten Prostatitis und sind häufig mit einem Sekretstau kombiniert.
Symptome

$Prostatitis Symptome Leitsymptome:

  • Schmerzen im Dammbereich, in der Leistenregion

  • Schmerzen bei der Defäkation

  • Dysurie, Pollakisurie, Nykturie

  • Pyo-, Hämatospermie

  • Schmerzhafte rektale Untersuchung

Begleitsymptome:

  • Krankheitsgefühl

  • Fieber, Schüttelfrost

  • Dumpfe Schmerzen im Dammbereich und in der Leistenregion mit Ausstrahlung in den Hoden und Nebenhoden, die am stärksten im Sitzen wahrgenommen werden

  • Schmerzen bei der Defäkation und dem damit verbundenen Pressakt

  • Dysurie, Algurie, Pollakisurie, Nykturie, starker Harndrang, Schmerzen v. a. am Ende der Miktion

  • Gegebenenfalls Fieber mit oder ohne Schüttelfrost

  • Pyospermie (eitriges Ejakulat), Hämatospermie (blutiges Ejakulat), gelegentlich Ausfluss aus der Harnröhre

  • Bei der rektalen Untersuchung ist die Prostata geschwollen und schmerzhaft tastbar

  • Labor: CRP ↑, Leukozytose und PSA ↑

Komplikationen
  • Prostata-Abszess und chronische Prostatitis, besonders bei unzureichend behandelter akuter Prostatitis. Die chronische Prostatitis geht häufig mit rezidivierenden Harnwegsinfekten, Leukozyturie, Muskel-, Gelenkschmerzen und Druckgefühl im Dammbereich einher.

  • Epididymitis durch Aszension der Keime in den Nebenhoden.

  • Urosepsis durch Aszension der Keime in die Niere.

  • Dauerhafte Blasenentleerungsstörungen.

Therapie

$ProstatitisTherapieTherapie: Antibiotika

  • Allgemeinmaßnahmen: auf regelmäßige Blasen- und Darmentleerung achten, warme Sitzbäder, Unterkühlung und Nässe vermeiden

  • Antibiotika (ausreichend lange, um Chronifizierung zu vermeiden)

  • Symptomatische Therapie z. B. mit Laxanzien oder Spasmolytika

Benigne Prostatahyperplasie (BPH)

BPH

  • ProstatahyperplasieVergrößerung und Vermehrung des periurethralen Prostatagewebes

  • Folge ist eine Obstruktion der Harnwege

Definition
Prostatahyperplasiebenigne ProstatahyperplasieDie benigne Prostatahyperplasie ist eine Vergrößerung (Hypertrophie) und Vermehrung (Hyperplasie) des periurethralen Prostatagewebes mit einer resultierenden Obstruktion der Harnwege.
Pathogenese
Die Risikofaktoren der benignen Prostatahyperplasie sind weitgehend unbekannt. Hormoneinflüsse werden diskutiert, wobei sich der Östrogen- bzw. Androgenstoffwechsel zugunsten des Östrogens verändert. Hohe Insulinspiegel wirken an der Prostata ebenfalls als Wachstumsfaktor.
Das periurethrale Prostatagewebe (Drüsen und Stroma) vermehrt sich meist knotig. Wenn sich eine hyperplastische Knotenbildung am Eingang zur Urethra bildet, entsteht der typische Mittellappen (Abb. 17.15) in der Harnblase, der den Eingang zur Urethra verschließen kann.

ABBILDUNG 17.15

Symptome
  • Abgeschwächter Harnstrahl, verlängerte Miktionsdauer und Nachträufeln durch Obstruktion der Harnröhre und/oder des Harnröhreneingangs

$Prostatahyperplasie Symptome Leitsymptome:

  • Abgeschwächter Harnstrahl

  • Verlängerte Miktionsdauer

  • Dysurie, Nykturie

  • Restharn

Begleitsymptome: Überlaufblase

  • Dysurie, Nykturie

  • Restharnbildung, was Harnwegsinfekte begünstigt

  • Dranginkontinenz, Überlaufinkontinenz (15.5.5)

Komplikationen
  • Akuter Harnverhalt: Urologischer Notfall mit Unfähigkeit zur Blasenentleerung. Symptome sind starke Bauchschmerzen, starker Harndrang und vegetative Symptome wie Kaltschweißigkeit, Tachykardie, Blutdruckschwankungen, Unruhe.

$Prostatahyperplasie Komplikationen Komplikationen:

  • Akuter Harnverhalt

  • Postrenales Nierenversagen

  • Hydronephrose

  • Postrenales Nierenversagen durch Harnrückstau in die Niere.

  • Hydronephrose: Erweiterung des Nierenbeckens durch Obstruktionen in den ableitenden Harnwegen.

Diagnostik
  • Anamnese und Symptomatik, insbesondere die Miktionssymptomatik

  • Urinuntersuchung (Stix und Sediment), Restharnbestimmung

  • Transrektale Sonografie und Labor (Retentionsparameter, PSA)

Therapie
  • Langes Sitzen und Unterkühlung meiden, ebenso alkoholische und kalte Getränke (verstärken meist den Harnverhalt)

$Prostatahyperplasie Therapie Therapie:

  • Medikamentös

  • Operativ

  • Begleiterkrankungen, z. B. Obstipation, behandeln

  • Auf regelmäßige Blasen- und Darmentleerung achten

  • Medikamentös: α1-Blocker, Finasterid; Sägepalmenfrüchte, Kürbiskerne, Brennnesselwurzel

  • Transurethrale oder offene Resektion der Prostata

Prostatakarzinom

  • $ProstatakarzinomNeubildung der Prostata

  • Meist von der peripheren Zone ausgehend

  • Häufigstes Karzinom bei Männern > 65 Jahre

Definition
ProstatakarzinomDas Prostatakarzinom ist eine bösartige Neubildung der Prostata. Es ist das häufigstes Karzinom bei Männern > 65 Jahre.
Die Häufigkeit steigt mit dem Alter, am häufigsten sind Männer zwischen dem 70. und 80. Lebensjahr betroffen. Das Wachstum des Prostatakarzinoms im Alter ist häufig gering, sodass relativ wenige Beschwerden auftreten und die Therapie entbehrlich ist. Beim Auftreten bei jüngeren Männern, v. a. zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr, zeigen sich häufig ein sehr schnelles Wachstum und eine rasche Progredienz der Erkrankung.
Pathogenese
Die Risikofaktoren sind weitgehend unklar. Alter, fettreiche Ernährung, familiäre Belastung und eine hohe Testosteronkonzentration scheinen das Risiko zu erhöhen. Zu den protektiven Faktoren zählen die Einnahme von ASS, Vitamin D, E, Selen, der Verzehr von Tomaten und Phytoöstrogenen.
Das Prostatakarzinom geht meist von der peripheren Zone des Prostatagewebes aus und breitet sich per continuitatem auf das umgebende Gewebe des kleinen Beckens aus (Abb. 17.16). Die lymphogene Metastasierung erfolgt ins Retroperitoneum, die hämatogene Metastasierung erfolgt über den prävertebralen Venenplexus (klappenlose Venen) in die Wirbelsäule. Klinisch werden die Karzinome neben der TNM-Klassifikation nach histologischen Kriterien (Gleason-Score [1–5]) eingeteilt.

ABBILDUNG 17.16

Symptome
  • Frühstadium: häufig keine Symptome, sondern Zufallsbefund (inzidentelles Prostatakarzinom), gelegentlich Symptome wie bei der benignen Prostatahyperplasie

$Prostatakarzinom Symptome Leitsymptome:

  • Frühstadium: keine Symptome, häufig Zufallsbefund

  • Spätstadium: Hämaturie, Miktionsstörungen, Kreuzschmerzen durch Knochenmetastasen

Begleitsymptome: B-Symptome

  • Fortgeschrittenes Stadium:

    • Hämaturie.

    • Miktionsstörungen in Form von z. B. Dysurie, Nykturie und Nachträufeln.

    • Stuhlunregelmäßigkeiten.

    • Erektile Dysfunktion.

    • Kreuzschmerzen durch Knochenmetastasen, die sich bevorzugt in den Wirbeln, Oberschenkel- und Beckenknochen finden. Sie können Symptome der Lumbago oder Ischialgie imitieren. Die symptomatischen ossären Metastasen können auch die ersten Anzeichen des Karzinoms sein.

    • B-Symptomatik.

Diagnostik

$Prostatakarzinom Diagnostik Diagnostik:

  • Rektale Untersuchung: Prostata hart und höckerig

  • PSA ↑

  • Rektale Untersuchung: das Prostatakarzinom kann derb und höckerig getastet werden

  • Transrektale Sonografie: Beurteilung v. a. der Größe der Prostata und der Homogenität des Gewebes

  • PSA-Bestimmung, Biopsieentnahme und histologische Untersuchung

MERKE

Merke

Zu beachten ist, dass ein erhöhter PSA-Wert im Blut nicht zwingend auf ein Karzinom hindeutet. Erhöhungen finden sich u. a. bei der Prostatitis oder nach mechanischer Manipulation.

Therapie

$Prostatakarzinom Thearpie Therapie:

  • Operative Tumorentfernung

  • Bestrahlung

  • Antiandrogene

  • Operative Tumorentfernung (Komplikationen: erektile Dysfunktion, Harninkontinenz)

  • Bestrahlung

  • Antiandrogene

Prophylaxe
Krebsvorsorgeuntersuchung bei Männern ab dem 45. Lebensjahr mit digitaler rektaler Untersuchung und Bestimmung des PSA.

Phimose

  • $PhimoseVorhautverengung durch angeborene oder erworbene durch Entzündung

  • Bis zum 3. Lebensjahr physiologisch

Definition
PhimoseDie Phimose ist eine Verengung der Vorhaut des Penis. Bis zum 3. Lebensjahr ist die Verklebung der Glans penis mit der Vorhaut physiologisch.
Ursachen
  • Angeboren

  • Erworben durch entzündliche Reaktionen und anschließende Vernarbung oder traumatische Schädigung

Symptome
  • Rezidivierende Balanitis (Eichelentzündung)

  • Retention von Smegma

  • Miktionsstörungen bei Verengung oder Okklusion der Harnröhre

Therapie
  • Medikamentös mit östrogen- und kortisonhaltigen Externa

  • Zirkumzision („Beschneidung“): zirkuläre Entfernung von beiden Vorhautblättern

Paraphimose

  • $ParaphimoseVorhauteinklemmung hinter dem Eichelkranz

  • Schnelle Reposition wegen Nekrosegefahr unabdingbar

Definition
ParaphimoseSyn. Spanischer Kragen.Spanischer Kragen Bei der Paraphimose kommt es zur Einklemmung der zu engen Vorhaut hinter dem Eichelkranz. Eichel und Präputium können ödematös anschwellen, bis hin zur Nekrose der Eichel (Abb. 17.17).
Therapie
Schnelle Reposition (manuell oder operativ) durch den Urologen.

ABBILDUNG 17.17

Hodentorsion

  • $HodentorsionDrehung des Hodens um seine Längsachse mit Drosselung der Durchblutung

  • Betrifft in der Regel Kinder und heranwachsende Jugendliche

Definition
HodentorsionSyn. akutes Skrotum. Bei der Hodentorsion kommt es zur Drehung des Hodens (selten beider Hoden gleichzeitig) um seine Längsachse mit einer Drosselung der Durchblutung. Die Hodentorsion betrifft in der Regel Kinder und heranwachsende Jugendliche.
Pathogenese
Ursachen sind eine abnorme Hodenbeweglichkeit innerhalb seiner Hüllen und eine mangelhafte Fixierung der Tunica vaginalis testis am Skrotum. Die Hodentorsion betrifft meist eine Seite, sie kann spontan, aus völliger Ruhe oder bei körperlicher Belastung auftreten. Dabei wird die v. a. venöse Blutversorgung gedrosselt, was je nach Drehungsausmaß (90–720°) einen hämorrhagischen Infarkt verursachen kann. Späte operative Maßnahmen können zur Nekrose des Hodens führen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit der Infertilität.
Symptome

$Hodentorsion Symptome Leitsymptome:

  • Plötzlicher skrotaler Schmerz, der in Leiste und Unterbauch zieht

  • Schwellung, Rötung, Hodenhochstand

  • Prehn-Zeichen negativ (keine Schmerzlinderung beim Anheben des Hodens)

Begleitsymptome:

  • Schocksymptome

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Plötzlicher skrotaler Schmerz (auch nachts einsetzend) im betroffenen Hoden (akutes Skrotum), der in die Leiste und in den Unterbauch zieht

  • Übelkeit, Erbrechen durch peritoneale Reizung

  • Prehn-ZeichenPrehn-Zeichen negativ: keine Schmerzlinderung beim Anheben des Hodens (im Gegensatz zu entzündlichen Erkrankungen des Hodens und Nebenhodens)

  • Inspektion: Schwellung, Rötung und (unilateraler) Hodenhochstand (Abb. 17.18)

  • Eventuell Schocksymptome mit Hypotonie, Tachykardie, Kaltschweißigkeit

MERKE

Merke

Eine Hodentorsion kann sich auch mit Symptomen des akuten Abdomens bemerkbar machen. Daher – v. a. bei Kindern und Jugendlichen – differenzialdiagnostisch immer an diese Erkrankung denken.

Komplikation

$HodentorsionKomplikationKomplikation: Hodenatrophie → Infertilität

Hodenatrophie → Infertilität
Therapie
  • Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.11.1).

  • Operative Therapie mit Detorquierung und Fixierung beider Hoden (Orchidopexie), weil das Risiko einer Hodentorsion auf der anderen Seite erhöht ist. Die Operation erfolgt auch dann, wenn vorher manuelle Repositionsmanöver zum Einsatz gekommen sind; sie sollte nicht später als 6 Stunden (wegen irreversibler Nekrosen) nach dem Ereignis stattfinden.

ABBILDUNG 17.18

Orchitis

Entzündung $Orchitisdes Hodens durch systemische Mitbeteiligung (v. a. Mumps) oder aufsteigende Entzündung

Definition
OrchitisDie Orchitis ist eine Entzündung des Hodens.
Pathogenese
Die Orchitis kann als Begleiterkrankung bei systemischen viralen Erkrankungen (u. a. Mumps, Coxsackie-Viren, Mononukleose) oder bei aufsteigenden urogenitalen Entzündungen vom Nebenhoden (Epididymorchitis)Epididymorchitis auf die Hoden übergreifen (Abb. 17.19). Beide Erkrankungen können ausheilen oder durch Defektheilung vernarben, was zur Hodenatrophie mit Funktionsverlust führt.

ABBILDUNG 17.19

Symptome

$Orchitis Symptome Leitsymptome:

  • Plötzliche, heftige skrotale Schmerzen mit Ausstrahlung in Leiste und/oder Rücken

  • Schwellung, Rötung, Überwärmung

  • Fieber

  • Prehn-Zeichen positiv

Begleitsymptome: begleitende Prostatitis und Epididymitis

  • Akut auftretende, heftige Schmerzen mit Ausstrahlung in Leiste und/oder Rücken

  • Lokale Entzündungszeichen mit Schwellung, Rötung, Überwärmung

  • Als Ausdruck der systemischen Mitbeteiligung Fieber, gelegentlich mit Schüttelfrost

  • Bei einer aszendierenden Orchitis kann es auch zu einer Prostatitis kommen

MERKE

Merke

Die Symptome der Hoden- und Nebenhodenentzündung sind sehr ähnlich. Wegweisend für die Diagnose ist der palpatorische Befund.

Diagnostik
  • Anamnese und urologische Symptome, v. a. Ausfluss, Miktionsverhalten, vorangegangene systemische virale Infekte oder lokale Infektionen im Genitalbereich

  • Prehn-Zeichen positiv: Schmerzerleichterung beim Anheben des Hodens

  • Labor: Anstieg der systemischen Entzündungszeichen

  • Sonografie: Diagnosesicherung im Hinblick auf das/die betroffene/n Organ/e

Komplikationen

$Orchitis Komplikationen Komplikationen:

  • Sterilität (Mumpsorchitis)

  • Abszessbildung

  • Septischer Verlauf

  • Vernarbung des Hodenparenchyms mit Sterilität, besonders bei Mumps (die Komplikation ist bei Erwachsenen deutlich häufiger als bei Kindern)

  • Abszessbildung

  • Septischer Verlauf (eher selten)

Therapie

$Orchitis Therapie Therapie:

  • Bettruhe

  • Analgetika, Antibiotika

  • Ggf. operative Versorgung bei Abszess

  • Bettruhe

  • Analgetika, Antiphlogistika und ggf. Antibiotika

  • Gegebenenfalls operative Versorgung bei einem Abszess

Epididymitis

$EpididymitisNebenhodenentzündung durch meist aszendierende Infektion

Definition
EpididymitisDie Epididymitis ist eine Entzündung des Nebenhodens durch eine aufsteigende (bakterielle) urogenitale Infektion. Meist geht diese von einer Prostatitis oder Urethritis aus. Selten ist sie durch eine hämatogene Streuung verursacht.
Symptome

$Epididymitis Symptome Symptome:

  • Rasche Entwicklung

  • Schmerzen, Rötung, Schwellung, Fieber, Miktionsprobleme

  • Plötzliche, starke Schmerzen im Skrotum, die in Leiste und Unterbauch ausstrahlen; das Krankheitsbild entwickelt sich meist innerhalb von 30 Stunden

  • Schwellung, Rötung, Überwärmung

  • Fieber, ggf. mit Schüttelfrost

  • Miktionsauffälligkeiten: Dysurie, Algurie, Nachträufeln

MERKE

Merke

Die Symptome der Hoden- und Nebenhodenentzündung sind sehr ähnlich. Wegweisend für die Diagnose ist der palpatorische Befund.

Komplikationen
  • Mitbeteiligung des Hodens (Epididymorchitis)

  • Fistel- und Abszessbildung durch Einschmelzungsprozesse

  • Chronifizierung bei meist unzureichend oder spät behandelten Formen

Diagnostik
  • Anamnese und urologische Symptome, v. a. Ausfluss, Miktionsverhalten

  • Prehn-Zeichen positiv: Schmerzerleichterung beim Anheben des Hodens

  • Labor: Anstieg der systemischen Entzündungszeichen

  • Sonografie: Diagnosesicherung im Hinblick auf das/die betroffene/n Organ/e

Therapie
  • Bettruhe oder zumindest körperliche Schonung

  • Analgetika und Antibiotika

  • Gegebenenfalls operative Versorgung bei Abszessen

Varikozele

  • $VarikozeleErweiterung und Schlängelung der venösen Gefäße des Hodens

  • Meist linke Seite betroffen

  • Ursachen: Fehlen von Venenklappen, Raumforderungen im Retroperitoneum

Definition
VarikozeleSyn. Krampfaderbruch.Krampfaderbruch Bei der Varikozele kommt es zu einer Erweiterung und Schlängelung der Venen des Plexus pampiniformis. Sie tritt wegen des ungünstigen Verlaufs ohne Muskelpumpe der linken V. testicularis und der senkrechten Mündung in die V. renalis meist linksseitig auf (Abb. 17.20). Die Varikozele betrifft meist Männer zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr.

ABBILDUNG 17.20

Ursachen
  • Fehlen von Venenklappen oder schwache Gefäßwand (idiopathische oder primäre Varikozele)

  • Neubildungen im Abflussgebiet mit Kompression der V. testicularis, z. B. durch Nierenzellkarzinom oder retroperitoneale Tumoren (symptomatische oder sekundäre Varikozele)

Symptome

$Varikozele Symptome Leitsymptome:

  • Sichtbare venöse Schlängelung über dem Skrotum

  • Schweregefühl

Begleitsymptome:

  • Reduzierte Spermienbildung

  • Hodenatrophie bei chronischem Verlauf

  • Wurmartige Schwellung über dem Skrotum

    • Idiopathische Varikozele: die Venen entleeren sich im Liegen und sind meist nur im Stehen sichtbar

    • Symptomatische Varikozele: die wurmartige Schwellung bleibt auch im Liegen bestehen

  • Schweregefühl

  • Chronischer Verlauf: kleiner, atropher Hoden auf der betroffenen Seite aufgrund der Temperaturerhöhung im Skrotum

MERKE

Merke

Die Varikozele kann Ausdruck einer malignen Neubildung im Retroperitoneum sein, die diagnostisch ausgeschlossen werden muss.

Komplikationen
  • Verminderung der Spermienzahl bis hin zu Infertilität durch die lokale Temperaturerhöhung und den Sauerstoffmangel

  • Erhöhtes Risiko für Hodentumoren

Therapie
  • Sklerosierung der V. testicularis

  • Operative Resektion der V. testicularis

Hydrozele

  • $HydrozeleFlüssigkeitsansammlung innerhalb der Hodenblätter

  • Ursachen: entzündliche Prozesse, Tumor

Definition
HydrozeleDie Hydrozele ist eine Ansammlung von seröser Flüssigkeit in der Tunica vaginalis testis (Abb. 17.20).
Ursachen
  • Inkomplette Verklebung der beiden peritonealen Blätter, die in der Embryonalphase mit der Senkung der Testes mitgezogen werden

  • Begleitreaktion bei entzündlichen Erkrankungen von Hoden und Nebenhoden

  • Hodentumor

Symptome

$Hydrozele Symptome Symptome:

  • Prall-elastische Schwellung

  • Diaphanoskopie positiv

  • Prall-elastische schmerzlose Schwellung

  • Diaphanoskopie positiv (bei Durchleuchtung des Skrotums mit einer Lichtquelle ist die Flüssigkeit durchscheinend)

MERKE

Merke

Eine Hydrozele kann eine Tumorerkrankung am Hoden maskieren. Bei neu aufgetretenen Hydrozelen im Jugend- und Erwachsenenalter sollte immer ein Tumorausschluss erfolgen.

Therapie
  • Bei Neugeborenen abwartende Haltung

  • Operative Therapie mit Entfernung oder Raffung der beiden Blätter

Spermatozele

Definition
SpermatozeleSyn. Samenbruch.Samenbruch Die Spermatozele ist eine Samenzyste, die mit den Nebenhodenkanälchen verbunden ist (Abb. 17.20). Sie kann sich nach Traumen oder Entzündungen entwickeln.
Symptome
  • Kleine Zysten zeigen u. U. gar keine Symptome

  • Große Zysten sind sichtbar, evtl. störend und können Schmerzen verursachen

Therapie
Operative Entfernung.

Hodentumoren

  • $HodentumorBösartige Neubildung des Hodens

  • Häufigster maligner Tumor bei jungen Männern (20–45 Jahre)

  • Risikofaktoren: Hodenhochstand, Mumpsorchitis, chemische Karzinogene

Definition
HodentumorEin Hodentumor ist eine maligne Neubildung des Hodens. Meist ist nur eine Seite betroffen. Dies ist der häufigste maligne Tumor bei jungen Männern (20–45 Jahre). Die Prognose der Erkrankung ist gut, die Überlebensraten (statistisch gesehen) mit Therapie liegen bei ca. 90 %.
Pathogenese
Die Hodentumoren werden grob in Seminome (50 %) und nicht seminomatöse Tumoren (Abb. 17.21, Abb. 17.22) eingeteilt. Seminome gehen von den Keimzellen aus, nicht seminomatöse Tumoren aus unterschiedlichen anderen Gewebeanteilen.
Hodentumoren metastasieren lymphogen in die paraaortalen Lymphknoten (nicht in die inguinalen) und hämatogen v. a. in Lunge und Gehirn. Seminome metastasieren deutlich später als nicht seminomatöse Tumoren. Hodentumoren bilden eine Reihe von Proteinen, die in der Diagnostik verwendet werden können, u. a. AFP und β-HCG.
Risikofaktoren sind z. B. Hodenhochstand (auch nach operativer Korrektur), Mumpsorchitis, Hodentrauma, starker mütterlicher Nikotinkonsum vor und während der Schwangerschaft und chemische Karzinogene.

ABBILDUNG 17.21

ABBILDUNG 17.22

Symptome

$Hodentumor Symptome Leitsymptome:

  • Schmerzlose, einseitige Hodenschwellung

  • Schweregefühl im Skrotum

  • Begleithydrozele um den Tumor

Begleitsymptome:

  • B-Symptome

  • Gynäkomastie bei hormonproduzierenden Tumoren

  • Schmerzlose, einseitige Hodenschwellung

  • Schweregefühl im Skrotum

  • Begleithydrozele um den Tumor

  • Gynäkomastie bei hormonproduzierenden Tumoren

  • Gelegentlich Hämatospermie

  • Spätsymptome: allgemeine Tumorsymptome

Therapie

$Hodentumor Therapie Therapie:

  • Operative Entfernung

  • Radiochemotherapie

  • Vor Beginn der Therapie Kryokonservierung von Sperma

  • Operative Entfernung (Semikastration).

  • Radiotherapie und/oder Chemotherapie, je nach histologischen Kriterien.

  • Vor Beginn der Therapie Kryokonservierung von Sperma. Der gesunde Hoden stellt die Produktion von Samenzellen unter der Radiochemotherapie für 1–2 Jahre ein. Danach regeneriert sich das Gewebe meist.

Gynäkomastie

Gynäkomastie

  • $GynäkomastieEin- oder beidseitige Vergrößerung der männlichen Brust

  • Physiologisch im Neugeborenenalter, in der Pubertät und im Senium

  • Ursachen:

    • Idiopathisch

    • Östrogenüberschuss, Prolaktinom, Leberzirrhose

    • Spironolacton, Digitalis

    • Mammakarzinom

Definition
Die Gynäkomastie ist eine ein- oder beidseitige Größenzunahme der männlichen Brust.
Pathogenese
Die Gynäkomastie kann in eine echte, die mit einer Vergrößerung des Drüsengewebes einhergeht, und eine falsche Gynäkomastie, die mit einer Vergrößerung des Fettgewebes einhergeht, eingeteilt werden. Die Ursachen der echten Form sind in der Hälfte der Fälle nicht geklärt (idiopathisch). Die andere Hälfte wird durch hormonelle Verschiebungen (Östrogenüberschuss und Androgenmangel), z. B. bei Leberzirrhose, unter Medikamenteneinfluss, z. B. bei Spironolacton, Digitalis oder therapeutischen Gabe von Östrogenen, oder durch chromosomalen Aberrationen wie dem Klinefelter-Syndrom (XXY) hervorgerufen. Prolaktinome können ebenfalls eine Gynäkomastie und seltener eine Milchsekretion auslösen.
Symptome
  • Schmerzlose ein- oder beidseitige (besonders durch Pharmaka hervorgerufen) Vergrößerung der Brust

  • Bei einer einseitigen Gynäkomastie kann auch nur ein Knoten getastet werden

  • Selten Milchsekretion, v. a. beim Prolaktinom

MERKE

Merke

Im Neugeborenenalter, in der Pubertät und im Senium ist eine Gynäkomastie physiologisch.

Ein Ausschluss eines Mammakarzinoms muss erfolgen. 1 % der Mammakarzinome entfallen auf Männer.

Therapie
  • Medikamentöse Therapie mit Androgenen

  • Operative Therapie

Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane

Allgemeines zu Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane

Leitsymptome von Erkrankungen der Adnexe: $Adnexerkrankungen

  • Unterbauchschmerzen

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Fluor vaginalis

  • Portioschiebeschmerz

Leitsymptome von Uteruserkrankungen: $Uteruserkrankungen

  • Blutungsstörungen (Menorrhagie, Metrorrhagie, Hypermenorrhö)

  • Unterbauchschmerzen

  • Pollakisurie

  • Obstipation

Die Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane können grob unterteilt werden in Erkrankungen der Adnexe, des Uterus und der Brustdrüse.
Die Erkrankungen der Adnexe,Adnexerkrankungen besonders die infektiösen, sind durch ein- oder beidseitige Unterbauchschmerzen gekennzeichnet, die durch die intraperitoneale Lage der Adnexe mit Symptomen des akuten Abdomens mit Übelkeit, Erbrechen und Abwehrspannung einhergehen können. Dabei kann die Differenzierung im Hinblick auf die Appendizitis schwierig sein. Bei infektiösen Geschehen treten Ausfluss und bei der Untersuchung ein Portioschiebeschmerz auf. Maligne Geschehen der Ovarien verursachen sehr spät Symptome und gehen dann u. a. mit der Bildung eines malignen Aszites einher, der zur Bauchumfangszunahme führt.
Bei Erkrankungen des UterusUteruserkrankungen treten Blutungsstörungen als Menorrhagie (verlängerte Blutung), Metrorrhagie (Dauerblutung, Zwischenblutung) oder Hypermenorrhö (verstärkte Blutung) auf. Hinzu treten Unterbauchschmerzen, mitunter wehenartig, die sich zyklisch verstärken (Höhepunkt ist meist der Zeitpunkt der Menstruation), Miktionsstörungen (Pollakisurie) und Obstipation durch Kompression der Blase und des Mastdarms.

Leitsymptome von Brusterkrankungen: $Brusterkrankungen

  • Tastbarer Knoten

  • Hautveränderungen (u. a. Orangenhaut, entzündliche Symptome, Einziehungen)

  • Axilläre Lymphknotenschwellung

Die wichtigste Erkrankung der BrustdrüseBrusterkrankungen ist das maligne Geschehen, das sich in der Hälfte der Fälle im oberen, äußeren Quadranten abspielt. Neben einem evtl. tastbaren Knoten können charakteristische (Spät-)Symptome auftreten wie Einziehung der Haut und der Mamille, Orangenhaut, Hautödem, entzündlich veränderte Haut, Größenveränderung der Brust und vergrößerte axilläre Lymphknoten.

Adnexitis

$AdnexitisEntzündung der weiblichen Adnexe (Eileiter und Ovar) durch aufsteigende Infektion

Definition
AdnexitisDie Adnexitis ist eine Entzündung (ein- oder beidseitig) der weiblichen Adnexe (Eileiter und Ovar). Die Eileiterentzündung heißt auch Salpingitis,Salpingitis die Eierstockentzündung Oophoritis.Oophoritis Die Erkrankung betrifft meist junge Frauen bis zum 30. Lebensjahr.
Pathogenese
Die Adnexitis ist meist eine aufsteigende Entzündung aus den unteren Genitalabschnitten (meist während der Menstruation). Darüber hinaus wird eine Entzündung der Adnexe durch den weit geöffneten Zervikalkanal nach der Geburt begünstigt. Das Keimspektrum umfasst Gonokokken, Chlamydien oder Mischinfektionen.
Symptome

$Adnexitis Symptome Leitsymptome:

  • Fieber

  • Schmerzen im Unterbauch

  • Peritoneale Reizung

  • Dysurie

  • Eitriger Ausfluss (Fluor vaginalis)

Begleitsymptome:

  • Darmkoliken und Stuhlveränderungen bei Darmbeteiligung

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Unspezifische Symptome bei chronischem Verlauf

  • Fieber

  • Schmerzen im Unterbauch (einseitig oder beidseitig)

  • Peritoneale Reizung, die zur Übelkeit und Erbrechen führen kann

  • Eine rechtsseitige Adnexitis kann Symptome der Appendizitis imitieren; die Appendizitispunkte können ebenfalls positiv sein

  • Dysurie

  • Eitriger Ausfluss (Fluor vaginalis)

  • Darmkoliken und Stuhlveränderungen bei Darmbeteiligung

  • Gar keine oder unspezifische Beschwerden bei chronischen Verlaufsformen

Komplikationen
  • Abszessbildung und Pyosalpinx (Abb. 17.23), wenn der Abfluss des Eiters nicht möglich ist, z. B. bei einer rezidivierenden Adnexitis mit Narbenbildung

$Adnexitis Komplikationen Komplikationen:

  • Abszess

  • Peritonitis

  • Septischer Schock

  • Tubenverklebung, Sterilität, Tubargravidität

  • Peritonitis durch fortgeleitete Entzündung ins kleine Becken oder auch in den gesamten Bauchraum

  • Septischer Schock

  • Tubenverklebung durch Narbenbildung, die eine Sterilität oder Tubargravidität nach sich ziehen kann

ABBILDUNG 17.23

Therapie

$AdnexitisTherapieTherapie: Antibiotika

  • Allgemeinmaßnahmen:

    • Körperliche Schonung bzw. Bettruhe

    • Auf Stuhlregulierung achten, ggf. kurzzeitig Laxanzien verwenden

    • Im akuten Stadium kühle Umschläge, nach Abklingen der Symptome Kälte meiden

  • Antibiotikatherapie: wichtig ist die Mitbehandlung der Geschlechtspartner

  • Operative Verfahren bei Abszessbildung

Endometriose

$EndometrioseEndometriumähnliches verstreutes Gewebe außerhalb der Uterusschleimhaut.

Definition
EndometrioseBei der Endometriose findet sich endometriumähnliches Gewebe außerhalb der Uterusschleimhaut verstreut.
Die Endometriose betrifft schätzungsweise bis zu 15 % der Frauen. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Nach der Menopause sistieren die Beschwerden.
Pathogenese
Die Ursachen sind unklar. Zum einen ist die Verschleppung von Endometriumteilen während der Menstruation in die freie Bauchhöhle möglich, zum anderen nimmt man an, dass in der Embryonalperiode Epithelien, die später zum Endometrium ausdifferenzieren, in anderen Organen liegen bleiben. Andere Theorien gehen davon aus, dass Endometriumgewebe lymphatisch oder venös verschleppt werden (Abb. 17.24). Dabei kann man in jedem Organ Endometriumgewebe finden, am häufigsten jedoch an den Ovarien, Eileitern und im kleinen Becken. Die Einblutungen verursachen Reizungen und entzündliche Reaktionen an den betroffenen Organen. Am Eierstock verändern sie sich zystisch und bilden sog. Schokoladenzysten,Schokoladenzysten die bräunlich aussehen. Beschwerden treten in Abhängigkeit von Größe und Lage des versprengten Gewebes auf. Dieses unterliegt den gleichen Veränderungen im menstruellen Zyklus wie das normale Endometrium.
Symptome

$Endometriose Symptome Leitsymptome:

  • Unterbauchschmerzen perimenstruell

  • Kreuzschmerzen

  • Defäkationsbeschwerden, Kohabitationsschmerzen

Begleitsymptome:

  • Zyklusabhängige Hämaturie

  • Dysurie bei Herden in der Harnblase

  • Verlängerte Menstruation

  • Unterbauchschmerzen perimenstruell, v. a. aber in der zweiten Zyklushälfte; meist erreichen die Schmerzen ihren Höhepunkt ca. 2–3 Tage vor der Menstruation, danach nehmen sie wieder ab

  • Zyklisch auftretende Kreuzschmerzen, Miktions- und Defäkationsbeschwerden, Kohabitationsschmerzen, die sich in der zweiten Zyklushälfte verstärken

  • Zyklusabhängige Hämaturie und Dysurie bei Herden in der Harnblase

  • Verlängerte Menstruation (Menorrhagie)

ABBILDUNG 17.24

Komplikationen

$Endometriose Komplikationen Komplikationen:

  • Tubenverklebung, Sterilität, Tubargravidität

  • Rezidive

  • Tubenverklebung, Sterilität, Tubargravidität

  • Rezidive sind häufig

Therapie

$Endometriose Therapie Therapie:

  • Operative Entfernung

  • Hormonelle Therapie mit Gestagenen

  • Schwangerschaft

  • Operative Entfernung einzelner Herde

  • Hormonelle Therapie mit Gestagenen

  • Schwangerschaft: führt meist zur Eintrocknung der Herde

Myome

$MyomeGutartiger Tumor, der aus dem Myometrium hervorgeht

Definition
MyomeEin Myom ist ein gutartiger Tumor im Uterus, der aus glatten Muskelzellen und bindegewebigen Anteilen besteht. Myome entstehen meist nach dem 30. Lebensjahr und betreffen 25 % aller Frauen.
Pathogenese
Myome sind durch östrogenartiges Wachstum gekennzeichnet, weswegen sie im Kindesalter und nach der Menopause nicht vorkommen. Progesteron reduziert das Wachstum. Myome können im Myometrium liegen (intramural), subserös mit Wachstum in die freie Bauchhöhle oder submukös mit Wachstum in die Uterushöhle (Abb. 17.25). Myome können einzeln (solitär) vorkommen oder multipel, wobei man dann vom Uterus myomatosus spricht. Die Symptome sind von Größe und Lokalisation abhängig. Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt, angenommen wird eine familiäre Disposition.

ABBILDUNG 17.25

Symptome

$Myome Symptome Leitsymptome:

  • Blutungsstörungen

  • Unterbauchschmerzen

  • Miktionsstörungen (Pollakisurie)

  • Obstipation

Begleitsymptome:

  • Erschwerte Konzeption oder Sterilität

  • Evtl. tastbarer Tumor im Unterbauch

  • Blutungsstörungen als Menorrhagie (verlängerte Blutung), Metrorrhagie (Dauerblutung, Zwischenblutung) oder Hypermenorrhö (verstärkte Blutung) bei submukösen Myomen

  • Unterbauchschmerzen, mitunter wehenartig, die sich zyklisch verstärken (Höhepunkt ist meist der Zeitpunkt der Menstruation)

  • Miktionsstörungen (Pollakisurie) bei Kompression der Blase

  • Obstipation bei Kompression des Darms

  • Rücken- und Beinschmerzen durch Nervenkompression

  • Erschwerte Konzeption oder Sterilität

  • Eventuell tastbarer Tumor im Unterbauch

Komplikationen

$Myome Komplikationen Komplikationen:

  • Anämie

  • Harnstauung

  • Stieldrehung

  • Eisenmangelanämie mit Blässe, (Belastungs-)Dyspnoe, funktionellen Herzgeräuschen durch verstärkte, verlängerte oder Dauerblutung

  • Harnstauung mit der Gefahr des postrenalen Nierenversagens durch Kompression des Ureters

  • Stieldrehung bei subserösen Myomen um die eigene Achse; die Symptome gleichen denen des akuten Abdomens

Therapie

$Myome Therapie Therapie:

  • Gestagene, Antiöstrogene

  • Operative Entfernung bei Komplikationen

  • Phytotherapeutische Behandlung mit u. a. Schafgarbenkraut/-blüten, Hirtentäschel-, Frauenmantelkraut

  • Bei starken Blutungen und Entwicklung einer Eisenmangelanämie erhöhte Eisenzufuhr

  • Medikamentös mit Gestagenen oder Antiöstrogenen

  • Operative Entfernung der Myome bei Komplikationen

Zervixkarzinom

  • $ZervixkarzinomBösartige Neubildung des Gebärmutterhalses

  • Risikofaktoren: HPV-Infektionen (Typ 16 und 18), Promiskuität, HIV-Infektion

Definition
ZervixkarzinomDas Zervixkarzinom ist eine bösartige Neubildung des Gebärmutterhalses.
Pathogenese
Das Zervixkarzinom entwickelt sich aus einer Zelldysplasie, das zum Karzinom entartet und invasiv wächst (Abb. 17.26). Der Tumor kann entweder nach außen oder in das Gewebe hineinwachsen. Die Metastasierung erfolgt frühzeitig per continuitatem in die Nachbarorgane, dann streut der Tumor lymphogen in die iliakalen und paraaortalen Lymphknoten. Eine hämatogene Metastasierung findet spät und sehr selten statt.

ABBILDUNG 17.26

Zu den Risikofaktoren zählen eine Infektion mit HPV, insbesondere mit HPV Typ 16 und 18 (wichtigster Risikofaktor), die zur Kondylombildung an der Zervix führen kann (Abb. 17.27), ferner früher regelmäßiger Geschlechtsverkehr und Promiskuität, schlechte Genitalhygiene (auch des Sexualpartners), niedriger sozioökonomischer Status, Gonorrhö-, HIV-Infektion und Nikotinabusus.

ABBILDUNG 17.27

Symptome

$Zervixkarzinom Symtome Leitsymptome:

  • Bräunlicher Fluor und/oder unregelmäßige Blutabgänge

  • Kontaktblutung beim Geschlechtsverkehr

Begleitsymptome:

  • Schmerzen (eher selten) bei Infiltration der Nachbarorgane

  • Lymphabflussstörungen

  • B-Symptome

  • Symptome treten erst ab einer gewissen Größe und Ulzeration des Tumors auf

  • Bräunlicher Fluor und/oder unregelmäßige Blutabgänge

  • Kontaktblutung beim Geschlechtsverkehr

  • Lymphabflussstörungen durch Verlegung der Lymphgefäße; häufig sind die Lymphgefäße (meist unilateral) der unteren Extremität betroffen; als Folge kann ein Lymphödem auftreten

  • Schmerzen sind selten und erst dann vorhanden, wenn der Tumor in die Nachbarorgane infiltriert hat

  • B-Symptome

Diagnostik
  • Abstrich vom Gebärmutterhals und zytologische Begutachtung

  • Nachweis von HPV

  • Biopsie, Konisation (operative Entnahme eines Gewebekegels aus der Cervix uteri im Bereich der Portio vaginalis)

Therapie

$Zervixkarzinom Therapie Therapie:

  • Operative Entfernung

  • Bestrahlung

  • Operative Entfernung

  • Bestrahlung

Prävention
  • Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Abstrich (nach Papanicolaou)

$ZervixkarzinomPräventionPrävention: regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mit Abstrich (nach Papanicolaou)

  • Regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen

Endometriumkarzinom (Korpuskarzinom)

  • $Korpuskarzinom$EndometriumkarzinomGebärmutterkrebs

  • Häufigkeitsgipfel nach der Menopause

Definition
KorpuskarzinomEndometriumkarzinomGebärmutterkrebs.Gebärmutterkrebs Das Endometriumkarzinom ist die häufigste maligne Neubildung der Frau im Genitaltrakt. Die meisten Endometriumkarzinome treten nach der Menopause auf und sind im Fundus und in den Tubenwinkeln lokalisiert.
Risikofaktoren
  • Nullipara (Frau, die kein Kind geboren hat)

  • Adipositas, Diabetes mellitus und arterielle Hypertonie

  • Polyzystische Ovarien

  • Östrogenzufuhr nach der Menopause, z. B. als Hormonersatztherapie

Symptome

$Korpuskarzinom Symptome $Endometriumkarzinom Symptome Leitsymptome:

  • Postmenopausal: vaginaler Blutabgang

  • Prämenopausal: verlängerte, Zwischen-, Dauer-, Schmierblutung

  • Wehenartige Unterbauchschmerzen

  • Dunkler, übel riechender Fluor

Begleitsymptome: B-Symptome

  • Nach der Menopause: vaginaler Blutabgang, was bis zum Beweis des Gegenteils karzinomverdächtig ist; eine rasche Diagnostik ist unabdingbar

  • Vor der Menopause: verlängerte Zwischen-, Dauer-, Schmierblutung; die Diagnose ist prämenopausal erschwert bzw. kann spät erfolgen, weil die Symptome auch bei Myomen oder der Endometriose auftreten können

  • Wehenartige Unterbauchschmerzen

  • Dunkler, übel riechender Fluor

  • B-Symptome

Diagnostik
  • Transvaginale Sonografie

  • CT, MRT

  • Abrasio (Ausschabung, Kürettage) der Gebärmutterschleimhaut mit histologischer Beurteilung

Therapie

$Korpuskarzinom Therapie $Endometriumkarzinom Therapie Therapie:

  • Operative Entfernung

  • Strahlentherapie

  • Operative Entfernung (Hysterektomie)

  • Strahlentherapie

Ovarialtumoren

  • $OvarialtumorRaumforderung in den Eierstöcken

  • 25 % der Tumoren sind bösartig

Definition
OvarialtumorEin Ovarialtumor ist eine Raumforderung in den Eierstöcken (Abb. 17.28). Ovarialtumoren sind insgesamt sehr häufig, wobei 75 % der Tumoren gutartig, der Rest bösartig ist. Eine Sonderstellung nimmt der Borderline-Tumor ein, der an Größe zunimmt, aber eine intakte Basalmembran aufweist und nicht invasiv wächst.

ABBILDUNG 17.28

Symptome des Ovarialkarzinoms

$Ovarialkarzinom Symptome Leitsymptome Ovarialkarzinom:

  • Keine charakteristischen Frühsymptome

  • Zyklusstörungen, Dysmenorrhö

  • Unterleibs-, Rückenschmerzen

  • Zunahme des Bauchumfangs

Begleitsymptome:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwäche

  • Bei testosteronproduzierenden Tumoren: Hirsutismus oder Virilisierung

  • Keine charakteristischen Frühsymptome

  • Zyklusstörungen und Dysmenorrhö können vor der Menopause auftreten (postmenopausal fehlen die Symptome)

  • Unterleibs- und Rückenschmerzen

  • Rasche Zunahme des Bauchumfangs durch Bildung von malignem Aszites; häufig wird die Erkrankungen erst durch dieses Symptom diagnostiziert

  • Bei testosteronproduzierenden Tumoren: Hirsutismus und Bartwuchs, sekundäre Amenorrhö, tiefe Stimme

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwäche

  • B-Symptome

Therapie

$Ovarialkarzinom Therapie Therapie:

  • Operative Entfernung

  • Chemotherapie

  • Operative Entfernung

  • Chemotherapie

Mammakarzinom

  • $MammakarzinomBrustkrebs

  • Häufigster Tumor der Frau

  • Risikofaktoren: frühe Menarche, späte Menopause, Nullipara, Nikotin-, Alkoholabusus, genetische Faktoren

Definition
MammakarzinomSyn. Brustkrebs.Brustkrebs Das Mammakarzinom ist eine bösartige Neubildung der Mamma. Es ist der häufigste Tumor der Frau. Es können v. a. duktale (80 %) von lobulären (10 %) Karzinomen unterschieden werden.Brustkrebs
Pathogenese
Die Entstehung des Mammakarzinoms ist nach wie vor Gegenstand der Forschung. Angenommen werden mehrstufige Veränderungen des Erbguts, die schlussendlich in ein Karzinom münden. Wichtige Risikofaktoren sind das Alter, wobei die häufigsten Neudiagnosen um das 63. Lebensjahr erfolgen, eine lange Östrogenexpositionszeit mit früher Menarche und später Menopause, Kinderlosigkeit (Nullipara) und späte Erstschwangerschaft (nach dem 35. Lebensjahr). Auch Frauen, die nicht gestillt haben, weisen ein erhöhtes Risiko auf. Die genetische Disposition ist ein wichtiger Faktor (bis zu 10 % der Mammakarzinome); assoziiert sind mit dieser Erkrankung BRCA1, BRCA2 (Breast cancer Gene 1 und 2). Bei Mutation des BRCA1-Gens erhöht sich auch das Risiko für Ovarialkarzinome. Der Nachweis dieser Gene geht allerdings nicht zwangsläufig mit dem Auftreten der Erkrankungen einher. Andere wichtige Risikofaktoren sind Nikotin- und Alkoholabusus, große Brust (Makromastie), Übergewicht, Diabetes mellitus, Hormonzufuhr als Antikonzeptivum und postmenopausal als Hormonersatztherapie.
Symptome

$Mammakarzinom Symptome Leitsymptome:

  • In 50 % ist der obere, äußere Quadrant betroffen

  • Keine direkten Frühsymptome; evtl. tastbarer Knoten

  • Spätzeichen: Einziehung der Haut und der Mamille, Orangenhaut, Hautödem, entzündlich veränderte Haut, Größenveränderung der Brust, Axillaschwellung

Begleitsymptome:

  • B-Symptome

  • Juckreiz

  • Mamillensekretion

  • In 50 % ist der obere, äußere Quadrant betroffen (trägt die meisten Milchdrüsen), gefolgt von der perimamillären Region

  • Keine direkten Frühsymptome; als erstes ist häufig ein tastbarer Knoten zu finden, der meist von den Frauen selbst palpiert wird

  • Selten Schmerzen, Kribbeln, Schweregefühl der Brust und Mamillensekretion

  • Spätzeichen: Einziehung der Haut und der Mamille (Abb. 17.29), Orangenhaut, Hautödem, entzündlich veränderte Haut, Größenveränderung der Brust, geschwollene axilläre Lymphknoten

  • B-Symptomatik

  • Frühe lymphogene (in axilläre, supraklavikuläre Lymphkoten) und hämatogene Metastasierung in Knochen, Gehirn, Lunge und Leber

ABBILDUNG 17.29

Komplikationen

$Mammakarzinom Komplikationen Komplikationen:

  • Metastasenbildung: Knochen, Leber, Gehirn

  • Lymphödem des Arms nach Resektion der axillären Lymphknoten

  • Tumorrezidiv

  • Knochenmetastasen mit Spontanfrakturen

  • Lymphödem des betroffenen Arms nach Resektion der axillären Lymphknoten

  • Tumorrezidiv

  • Nebenwirkungen der Chemotherapie (Übelkeit, Erbrechen, Schwäche, Müdigkeit, unspezifische Bauch- und Kopfschmerzen)

Diagnostik
  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Brust im Hinblick auf Größe, Form, Abtastung der Brust im Hinblick auf Konsistenz, Knotenbildung, Verschieblichkeit einschließlich Palpation der Lymphknoten in den Abflussgebieten; günstig dabei ist die Selbstuntersuchung der Brust und Achsel durch die Frau, die nach jeder Menstruation erfolgen sollte

  • Sonografie der Mamma

  • Mammografie: Nachweis von Mikrokalk, das durch Nekrosen und Kalkeinlagerung entsteht und dadurch radiologisch sichtbar wird

  • Punktion mit histologischen Beurteilung

Therapie

$Mammakarzinom Therapie Therapie:

  • Operative Tumorentfernung

  • Radiochemotherapie

  • Hormontherapie bei rezeptorpositiven Karzinomen

  • Operative Tumorentfernung

  • Radiochemotherapie

  • Hormontherapie bei rezeptorpositiven Karzinomen

Paget-Karzinom der Mamille

  • $Paget-KarzinomHautmetastasierung eines duktalen Mammakarzinoms

  • Rot-schuppender, nässender Herd um die Brustwarze

Definition
Paget-KarzinomDas Paget-Karzinom ist ein seltenes Mammakarzinom, das von den Milchgängen ausgeht, langsam wächst und früh in die Mamillenhaut metastasiert. Die Prognose ist etwas besser als beim herkömmlichen Mammakarzinom.
Symptome
  • Scharf begrenzter rot-schuppender, nässender Herd an der Brustwarze

  • Eingezogene Brustwarze

  • Eventuell Juckreiz oder Schmerzen

Therapie
  • Operative Entfernung

  • Radiochemotherapie

Lernzielkontrolle

  • Welche Ursachen und Symptome hat eine Prostatitis?

  • Ein 63-jähriger Patient stellt sich in Ihrer Praxis mit zunehmenden Rückenschmerzen, Miktionsschwierigkeiten im Sinne einer Nykturie, gelegentlich Hämaturie und verlängerten Miktionsdauer vor. Ferner beklagt der Patient eine erektile Dysfunktion. Die Beschwerden bestünden seit ca. 6 Monaten und würden von Woche zu Woche intensiver. Auf Nachfrage berichtet der Patient von regelmäßigem Nachtschweiß seit ca. 6 Wochen und Gewichtsabnahme von 8 kg. Bei der rektalen Untersuchung ist die Prostata hart und höckerig zu tasten. Welche Verdachtsdiagnose kommt am ehesten in Betracht? Was sind die Differenzialdiagnosen?

  • Wie entstehen eine Phimose und Paraphimose? Welche Symptome und Komplikationen sind möglich?

  • Was ist eine Hodentorsion? Welche Symptome treten typischerweise auf?

  • Welche Ursachen und Symptome sind kennzeichnend für Orchitis und Epididymitis?

  • Benennen Sie Ursachen und Symptome der Varikozele und Hydrozele! Bei welcher der Erkrankungen ist die Diaphanoskopie positiv?

  • Nennen Sie Risikofaktoren, Symptome und Metastasierungswege bei Hodentumoren!

  • Welche Ursachen, Symptome und Komplikationen finden sich bei der Adnexitis?

  • Welche Symptome und Komplikationen können bei einer Endometriose auftreten? Wo finden sich die Endometrioseherde am häufigsten?

  • Welche Ursachen und Symptome können Myome zeigen?

  • Nennen Sie Risikofaktoren für das Zervixkarzinom!

  • Welche Risikofaktoren und Symptome sind für das Endometriumkarzinom typisch?

  • Welche Symptome treten beim Ovarialkarzinom auf? Welche Risikofaktoren kennen Sie? Wie ist die Prognose des Ovarialkarzinoms?

  • Eine 38-jährige Patientin stellt sich bei Ihnen mit einem Knoten in der Brust vor. Welche Symptome sind hinweisgebend auf ein malignes oder benignes Geschehen? Wo sind Mammakarzinome am häufigsten lokalisiert? Welche Risikofaktoren sind Ihnen bekannt?

Nützliche Links

  • www.dgu.de (Deutsche Gesellschaft für Urologie)

  • www.dggg.de (Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe)

  • www.awmf.org (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften)

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