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B978-3-437-58785-6.00028-4

10.1016/B978-3-437-58785-6.00028-4

978-3-437-58785-6

Abb. 28.2

[L253]

Pharmakodynamik und Pharmakokinetik. Resorption, Verteilung, ggf. Speicherung, Biotransformation und Exkretion werden unter dem Begriff der Pharmakokinetik zusammengefasst. Die Bindung an Rezeptoren und die Entfaltung der biologischen Wirkung werden unter dem Begriff der Pharmakodynamik subsumiert.

Pharmakologie

Pharmakologie

Abb. 28.1

[L275]

Übersicht über die Inhalte der allgemeinen und speziellen Pharmakologie

Allgemeine Pharmakologie

Lernziele

  • Kenntnisse über Charakteristika von rezept- und apothekenpflichtigen Medikamenten.

  • Unterscheidung zwischen Pharmakodynamik und Pharmakokinetik.

  • Kenntnisse über die Wirkung eines Pharmakons unter der Berücksichtigung z. B. der Plasma-Eiweißbindung.

  • Kenntnisse über die Interaktion von Nahrungsmitteln mit Medikamenten.

  • Kenntnisse über besondere Bedingungen der Arzneimitteltherapie im Kindesalter, während der Schwangerschaft und im Senium.

  • Kenntnisse über Wirkungsweise, Indikationen, Kontraindikationen und Nebenwirkungen insbesondere von Aspirin, Opiaten, Herzmedikamenten (Nitrate, Betablocker, Digitalis), Antikoagulanzien (Heparin, Marcumar), Kortison, Antibiotika und Psychopharmaka.

Pharmakologische Begriffe

  • $Verum$PlaceboVerum: Arzneimittel mit definierter Menge Wirkstoff

  • Placebo: Präparat ohne Wirkstoff, aber mit Wirkung

Placebo und Verum
VerumPlaceboEin Placebo (Scheinpräparat) ist ein medizinisches Präparat, das keinen Wirkstoff enthält (im Gegensatz zum Verum, das einen definierten Wirkstoff enthält). Ein Placebo hat keine Wirkung auf das Lebewesen, entfaltet also keine pharmakodynamischen Eigenschaften. Nichtsdestotrotz kann es Wirkungen erzielen wie ein Verum. Die Wirkung eines Placebos ist nicht geklärt, höchstwahrscheinliche ist die Wirkung rein psychisch.
Nocebo
NoceboEin Nocebo-Effekt ist das Gegenteil eines Placebo-Effekts. Dabei treten negative Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Placebogabe auf. Die Ursache ist auch rein psychischer Natur.
Prodrug
ProdrugMedizinisches Präparat, das in nativer Form keine Wirkung oder nur wenig Wirkung zeigt. Die volle Wirksamkeit entsteht erst durch Metabolisierungsprozesse im Körper. Beispiele:
  • L-Dopa, das erst im Gehirn zu Dopamin umgewandelt und somit zu einer wirksamen Substanz wird.

  • Heroin, das erst nach Umwandlung zu Monoacetylmorphin und Morphin seine volle Wirksamkeit entfaltet.

Generikum
Ein GenerikumGenerikum ist ein Nachahmerpräparat. Es ist ein Arzneimittel (mit Wirkstoff), das nicht mehr dem Patentschutz unterliegt. Der Wirkstoff ist dabei der gleiche wie im Originalpräparat, die Galenik und Pharmakokinetik können durchaus abweichen. Sie erscheinen unter dem Freinamen des Wirkstoffs auf dem Markt. Als Beispiel kann Acetylsalicylsäure dienen; das Arzneimittel Aspirin® (registered) ist ein Originalpräparat der Firma Beyer, das Generikum der Firma Ratiopharm heißt ASS-ratiopharm®.

Verschreibungspflicht

  • VerschreibungspflichtArzneimittel sind grundsätzlich apothekenpflichtig, es sei denn, sie sind ausdrücklich für den Verkehr außerhalb der Apotheken zugelassen.

  • $VerschreibungspflichtOTC: frei verkäuflich, nicht rezeptpflichtig

  • Apothekenpflichtige Arzneien: Arzneimittel, die nur in Apotheken abgegeben werden dürfen

  • Rezeptpflichtige Arzneien: Abgabe nur bei Vorliegen einer ärztlichen, tier- oder zahnärztlichen Verschreibung

  • Betäubungsmittel: unterliegen dem BTM-Gesetz

  • OTC-OTC-ArzneimittelArzneimittel (over the counter): ArzneimittelOTCFrei verkäufliche, nicht rezeptpflichtige Arzneimittel und apothekenpflichtige Arzneimittel. Sie dürfen vom Heilpraktiker empfohlen und verschrieben werden.

  • ApothekenpflichtApothekenpflichtige ArzneimittelapothekenpflichtigArzneimittel (Ap): Alle Arzneimittel, die nur in Apotheken durch Fachpersonal abgegeben werden dürfen. Nicht apothekenpflichtige Arzneimittel dürfen auch in Drogerien abgegeben werden. Der Verkäufer muss dabei die erforderliche Sachkenntnis nach § 50 AMG nachweisen. Sowohl die apothekenpflichtigen als auch die nicht apothekenpflichtigen Arzneien dürfen vom Heilpraktiker empfohlen und verschrieben werden.

  • VerschreibungspflichtVerschreibungspflichtige ArzneimittelverschreibungspflichtigArzneimittel (Rp): Sind auch immer apothekenpflichtig und dürfen nur bei Vorliegen einer ärztlichen, tier- oder zahnärztlichen Verschreibung abgegeben werden. Sie dürfen vom Heilpraktiker nicht verschrieben werden.

  • BetäubungsmittelBetäubungsmittel (Btm): Die Verschreibung wie auch die Abgabe stehen unter besonderer Überwachung mit obligatorischer Verwendung von speziellen Rezeptformularen, Höchstmengen usw. Der Heilpraktiker darf keine Betäubungsmittel verschreiben oder verabreichen.

Eine Hilfe über Apotheken-, Rezept- oder Betäubungsmittelpflicht der Arzneimittel kann die Rote Liste sein. Sie kann in einer Printform bezogen werden oder online unter http://rote-liste.de.

Wirkungen und Wechselwirkungen eines Arzneimittels (Pharmakokinetik und Pharmakodynamik)

ArzneimittelWirkungenArzneimittelWechselwirkungenPharmaka können auf ganz unterschiedliche Wege in den Körper gelangen, u. a. durch den Mund (per os), als Suppositorium (supp.), intramuskulär (i. m.), subkutan (s. c.) oder direkt in den venösen Kreislauf (i. v.). Dieser Vorgang wird auch Applikation genannt. In der Folge wird das Arzneimittel in den Blutkreislauf aufgenommen, was als Resorption bezeichnet wird. Im Blutkreislauf haben Pharmaka eine bestimmte Konzentration und werden im gesamten Körper verteilt. Einige Pharmaka, z. B. fettlösliche Substanzen, werden gespeichert. Ein Teil der Medikamente erreicht auf dem Blutweg die Niere und v. a. die Leber, wo Verstoffwechselung (Metabolismus, Biotransformation) und Ausscheidung (Exkretion) stattfinden (Abb. 28.2). Diese Vorgänge (außer dem Vorgang der Applikation) werden unter dem Begriff der PharmakokinetikPharmakokinetik zusammengefasst.

Nach der Applikation erfolgt die Resorption des Arzneimittels. Das Mittel wird über das Blut verteilt, ggf. gespeichert, metabolisiert und ausgeschieden. Diese Vorgänge werden als Pharmakokinetik$Pharmakokinetik bezeichnet. Die Wirkung des Arzneimittels auf den Körper wird Pharmakodynamik$Pharmakodynamik genannt.

Während der Verteilung über das Blut gelangen Pharmaka zu den Zielzellen an denen sie eine Wirkung entfalten. Einige binden an Oberflächenrezeptoren, z. B. Betablocker an β-Rezeptoren, einige diffundieren ins Zellinnere, um im Zellkern an Rezeptoren zu binden, z. B. Glukokortikoide, andere wiederum binden an keine Rezeptoren, sondern wirken z. B. osmotisch. Die Wirkungen eines Arzneimittels auf ein biologisches System wird auch unter dem Begriff der PharmakodynamikPharmakodynamik zusammengefasst (Abb. 28.2).
Die Leber spielt eine zentrale Rolle bei Abbau und Elimination von Arzneimitteln aus dem Körper. Diese Stoffwechselvorgänge hängen unter physiologischen und pathologischen Bedingungen von der Zahl der funktionstüchtigen Hepatozyten, der Enzymfunktion, der Leberdurchblutung und den Eigenschaften der jeweiligen Arzneimittel ab.
In der Leber werden in der Regel fettlösliche Stoffe in wasserlösliche (über Niere oder Gallensaft ausscheidbare) umgewandelt. Während des Metabolismus werden aber auch Medikamente, die in inaktiver Form (Prodrug) zugeführt worden sind, aktiviert. Dieser Prozess heißt Giftung.

ABBILDUNG 28.2

Plasma-Eiweißbindung
Plasma-EiweißbindungDie Bindung von Arzneimitteln an Eiweiße im Plasma und Interstitium hat einen Einfluss auf Verteilung, Wirkdauer und Wirkstärke des Pharmakons. Nur die nicht gebundenen Bestandteile des Medikaments stellen den wirksamen Anteil dar, die gebundenen Teile sind zunächst unwirksam, werden aber wirksam, wenn das Pharmakon aus der Plasma-Eiweißbindung entlassen wird. Die intravasale Bindung erfolgt v. a. an Albumine, α1-Globuline oder Lipoproteine. Die extravasale Bindung erfolgt an Aktin- bzw. Myosinproteine oder Rezeptoren.
Auswirkungen der Eiweißbindung:
  • Bei Neugeborenen ist die Plasma-Eiweißbindung (PEB) sehr schwach und mit der noch nicht ausgereiften Biotransformation in der Leber für die Toxizität von Medikamenten verantwortlich.

  • Eine hohe PEB reduziert den Transport zu den Wirkorganen.

  • Je weniger Eiweiß im Blut ist, desto höher ist die Wirkung der freien Substanz und desto höher die Toxizität (z. B. im Rahmen einer Leberzirrhose oder eines nephrotischen Syndroms).

Bioverfügbarkeit

  • Bioverfügbarkeit$Bioverfügbarkeit: Anteil einer verabreichten Dosis, der unverändert den systemischen Kreislauf erreicht

  • First-Pass-Effekt$First-Pass-Effekt: Metabolisierungsvorgang eines Arzneimittels bei der ersten Passage durch die Leber

BioverfügbarkeitDie Bioverfügbarkeit einer Substanz ist der Anteil einer verabreichten Dosis, der unverändert den systemischen Kreislauf erreicht. Substanzen, die über den Verdauungstrakt aufgenommen werden und primär in die Leber gelangen, haben einen hohen First-Pass-First-Pass-EffektEffekt, weil hier ein Teil des Pharmakons direkt metabolisiert wird, ohne den systemischen Kreislauf erreicht zu haben. Die Bioverfügbarkeit ist also gering. Medikamentengaben, die zunächst das portale Gebiet und damit die Leber umgehen und direkt in die systemische Zirkulation gelangen, haben einen geringen First-Pass-Effekt. Die Bioverfügbarkeit ist damit hoch. Die Umgehung der Leber wird bei der Suppositoriengabe genutzt. Der venöse Abfluss aus dem unteren Rektum erfolgt über die V. cava inferior, das Arzneimittel erreicht zunächst den systemischen Kreislauf und kann über den gesamten Organismus verteilt werden.
Clearance
ClearanceUnter Clearance versteht man Eliminationsgeschwindigkeit eines Medikaments aus dem Organismus. Sie umfasst Metabolisierung und Exkretion. Ursachen einer abweichenden Eliminationskinetik sind u. a.:
  • Niereninsuffizienz

  • Leberinsuffizienz

  • Plasma-Eiweißbindung

  • Arzneimittelwechselwirkungen

  • Genetische Ursachen

  • Neugeborenenperiode, Kindheit, Alter

Therapeutische Breite
therapeutische BreiteBeschreibt den Abstand zwischen der Dosis für die erwünschte therapeutische Wirkung und der Dosis, bei der toxische Effekte einsetzen. Die Dosierung des Medikaments sollte innerhalb dieses Bereichs liegen. Je größer die therapeutische Breite eines Medikaments, umso sicherer ist es und die Gefährdung für den Patienten gering. Arzneimittel, die nur über eine geringe therapeutische Breite verfügen, müssen sorgfältig dosiert und die Einnahme überwacht werden, indem regelmäßig Plasmaspiegel bestimmt werden. Zu den Medikamenten mit geringer therapeutischer Breite zählen z. B. Digitalis, Theophyllin oder Lithium.
Interaktion von Nahrungsmitteln und Arzneimitteln
Interaktionen Wechselwirkungen

$Interaktionen$Wechselwirkungen$NahrungsmittelEinfluss Arzneimittel$ArzneimittelInteraktion NahrungsmittelWichtige Interaktionen von Nahrungsmitteln und Arzneien:

  • Grapefruitsaft hemmt den Abbau u. a. von Kalziumantagonisten, Benzodiazepinen, Statinen, Koffein, Östrogenen

  • Eisenpräparate werden am besten nüchtern resorbiert (und am schlechtesten vertragen); nicht mit Tee, Gemüse, Rhabarber oder Milch einnehmen

  • Medikamente grundsätzlich mit ausreichend Wasser einnehmen

NahrungsmittelEinfluss ArzneimittelArzneimittelInteraktion NahrungsmittelArznei- und Nahrungsmittel können gegenseitig die Aufnahme, Verstoffwechslung und Ausscheidung beeinflussen. Besonders zu beachten sind diese Effekte bei Kindern und alten Menschen. Gründe sind in der engeren therapeutischen Breite und der erhöhten Empfindlichkeit für Fehl- bzw. Mangelernährung zu suchen.
Einfluss der Nahrung auf die Bioverfügbarkeit:
  • Eine ausreichende Flüssigkeitsmenge (150–200 ml) sorgt für eine bessere Auflösung schwer löslicher Arzneistoffe und einen schnelleren Transport ins Duodenum. Sie ermöglicht also eine schnellere Resorption.

  • Kalorienreiche Getränke verzögern die Magenentleerung.

  • Säureinstabile Stoffe (Digitalis, Penicillin, einige Antibiotika) nicht zusammen mit Fruchtsäften aufnehmen.

  • Cola kann die Bioverfügbarkeit von Riboflavin und einiger Antimykotika (Ketoconazol) erhöhen.

  • Grapefruitsaft hemmt den Abbau einiger Medikamente wie Kalziumantagonisten, Benzodiazepinen, Statinen, Koffein, Estradiol und erhöht deren Bioverfügbarkeit.

  • Tetrazykline werden durch gleichzeitige kalziumreiche Ernährung (Milch) durch Chelatbildung vermindert resorbiert.

  • Eisenpräparate werden bei gleichzeitigem Genuss von Tee (Tannin), Gemüse, Rhabarber (Oxalat) oder Milchprodukten schlecht resorbiert. Am besten werden sie nüchtern resorbiert, aber leider am schlechtesten vertragen.

  • Potenzierung der blutdrucksteigernden Wirkung durch Tyramin, v. a. im Käse, Rotwein, Salami, Hefeextrakten.

Arzneimitteltherapie in der Schwangerschaft und Stillzeit

$ArzneimittelStillzeit$ArzneimittelSchwangerschaftArzneien können eine Gefahr für das ungeborene Kind darstellen. Eine Einnahme von Medikamenten sollte mit dem Gynäkologen abgestimmt werden.

ArzneimittelStillzeitArzneimittelSchwangerschaft80 % aller schwangeren Frauen nehmen (häufig ungewollt) im 1. Trimenon Medikamente, weil eine Schwangerschaft erst 6–8 Wochen nach Beginn der Schwangerschaft festgestellt wird. Zu den häufigsten Substanzgruppen gehören:
  • Laxanzien

  • Antazida

  • Analgetika

  • Expektoranzien

  • Vitamine

  • Antihistaminika

  • Tranquilizer

  • Weibliche Hormone

Die Noxenwirkung bzw. das teratogene Risiko ist abhängig vom Stadium der Schwangerschaft, vom Medikament und der Toxizität:
  • Eine Noxe im Blastozystenstadium (ca. 1. Woche zwischen Empfängnis und Einnistung) führt häufig zum Abort („Alles-oder-Nichts-Reaktion“). Fehlbildungen sind sehr selten.

  • Das Embryonalstadium hat ein sehr hohes teratogenes Risiko. Die Art der Schädigung hängt zum einen vom Zeitpunkt der Noxeneinwirkung (Zeitplan der Organentwicklung) ab und zum anderen von der Affinität der Substanz zu bestimmten Geweben.

  • In der Fetalperiode sinkt das Risiko; einige Organentwicklungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Besonders betroffen ist das ZNS.

Arzneimitteltherapie bei Kindern

$ArzneimittelKinderDie Arzneitherapie bei Säuglingen und Kindern ist an besondere Bedingungen geknüpft. Sie sollte vom Kinderarzt verordnet werden.

ArzneimittelKinderBei Säuglingen und Kindern sind besondere Bedingungen bei der Dosierung von Medikamenten zu beachten. Sie ergeben sich aus folgenden Tatsachen:
  • Unvollständige Darmflora

  • Verzögerte Magenentleerung

  • Verminderte Gallesekretion

  • Gesteigerte Resorption bei intradermaler Applikation

  • Verminderung der Gesamtproteine

  • Unreife Leber mit verlangsamtem hepatischem Stoffwechsel

  • Unreife Niere mit verlangsamter tubulärer Exkretion der Stoffe

  • Durchlässige Blut-Hirn-Schranke

Arzneimitteltherapie bei älteren Menschen

$Arzneimittelältere MenschenDie Arzneitherapie bei älteren Menschen sollte an die veränderten pharmakodynamischen Eigenschaften angepasst werden. Sie sollte vom zuständigen Arzt verordnet werden.

Arzneimittelältere MenschenBei älteren Menschen sind veränderte pharmakodynamische Eigenschaften zu berücksichtigen:
  • Altersbedingte Veränderungen der Resorption durch Abnahme der Motilität des Magen-Darm-Trakts, der absorbierenden Fläche und der Durchblutung

  • Veränderungen der Verteilung durch Hypoalbuminämie, erhöhte Fettmasse, verminderte Gewebedurchblutung

  • Veränderungen der Ausscheidung durch Leberminderdurchblutung bzw. Leber- und Niereninsuffizienz

  • Veränderung der Rezeptordichte, Bindungsfähigkeit eines Pharmakons und der Zellantwort kann zu größeren Empfindlichkeit (z. B. bei Schlafmitteln oder Antidepressiva), verminderten Empfindlichkeit (z. B. Betablocker) oder paradoxen Wirkungen (z. B. Koffein) führen

Nichtopioide Analgetika

Acetylsalicylsäure (ASS; Aspirin®)

ASSAspirin®AnalgetikanichtopioidAcetylsalicylsäureBereits in der Antike wurde Weidenrinde gegen Schmerzen und Fieber eingesetzt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus der Weidenrinde Salicin isoliert. ASS wurde 1899 von Felix Hoffmann als Medikament eingeführt. Die Wirkung von Aspirin als Zyklooxygenase-Inhibitor (COX) wurde erst 1971 bekannt.

$ASS $Aspirin® $Acetylsalicylsäure Wirkungen:

  • Analgetisch

  • Antipyretisch

  • Antiphlogistisch

  • Hemmung der Thrombozytenaggregation

Wirkungen
  • Irreversible Hemmung der Zyklooxygenase

  • Analgetisch, antipyretisch, antiphlogistisch

  • Hemmung der Thrombozytenaggregation und damit Verlängerung der Blutungszeit

Nebenwirkungen:

  • Verlängerte Blutungszeit

  • Gastrointestinale Beschwerden

  • Asthma bronchiale

  • Analgetikakopfschmerzen (bei chronischem Gebrauch)

  • Reye-Syndrom (bei Kindern)

Nebenwirkungen
  • Tinnitus, Hörverlust

  • Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö

  • Hyperventilation, respiratorische Azidose

  • Erhöhte Blutungszeit, die zu Blutungen des Magen-Darm-Trakts, Nasen- oder Zahnfleischbluten führen kann; die Wirkung hält 4–8 Tage nach Einnahme an

  • Bei Kindern: Reye-Reye-SyndromSyndrom (akute Enzephalopathie, Fettleber)

  • Verminderte Nierendurchblutung sowie Wasser- und Natriumausscheidung

  • Asthma-bronchiale-Anfälle

  • Bei regelmäßiger und chronischer Verwendung Entwicklung von Analgetikakopfschmerzen und Analgetikanephropathie

MERKE

Merke

Die letale Dosis schwankt zwischen 20 und 40 g/Tag. Intoxikationssymptome entwickeln sich meist ab einer Dosis von > 8 g/Tag. Es handelt sich dabei um Hyperventilation, respiratorische Alkalose und später Atemdepression.

Kinder unter 15 Jahren sollten bei fiebrigen Infekten wegen eines möglichen Reye-Syndroms kein ASS einnehmen.

Wechselwirkungen
  • Antikoagulanzien oder andere Trombozytenaggregationshemmer: lebensbedrohliche Blutungen

  • Glukokortikoide: Magenulkusbildung und -blutungen (→ an die Gabe von PPI denken)

  • Andere NSAR: Wirkungsverstärkung und Zunahme der Nebenwirkungen

Indikationen
  • Leichte Schmerzzustände, u. a. Kopfschmerzen

  • Thrombozytenaggregationshemmung im Rahmen von arteriosklerotischen Erkrankungen

  • Entzündliche Zustände, Erkältungs- und Infektionskrankheiten

  • Fieber

Kontraindikationen
  • Hämorrhagische Diathese

  • Asthma bronchiale

  • Ulkuskrankheit

  • Schwangerschaft, Stillzeit, Kindesalter

  • Nieren-, Leberinsuffizienz und schwere Formen der Herzinsuffizienz

Paracetamol (Benuron®)

$Paracetamol $Benuron® Wirkungen:

  • Analgetisch

  • Antipyretisch

Wirkungen
  • ParacetamolBenuron®Zentrale Hemmung der Prostaglandinsynthese

  • Analgetisch, antipyretisch

  • Keine Thrombozytenaggregationshemmung, kein Einfluss auf die Blutungszeit, keine antiphlogistische Wirkung

Nebenwirkungen:

  • Hepato- und nephrotoxisch

  • Analgetikakopfschmerzen (bei chronischer Einnahme)

Nebenwirkungen
  • Hepato- und nephrotoxisch

  • Bei regelmäßiger und chronischer Verwendung Entwicklung von Analgetikakopfschmerzen und Analgetikanephropathie

  • Beim plötzlichen Absetzen Muskel- und Kopfschmerzen, Müdigkeit, Nervosität und Entwicklung vegetativer Symptome

MERKE

Merke

Eine Intoxikation mit Paracetamol ist eine der häufigsten Arzneimittelintoxikationen. Die kritische Dosis liegt bei 6–10 g/Tag. Die Symptome entwickeln sich nach einer Latenzzeit von ca. 2 Tagen und machen sich als Zeichen der akuten Leberinsuffizienz bemerkbar, u. a. mit Ikterus, Bewusstseins- und Gerinnungsstörungen.

Indikationen
  • Fieber

  • Schmerzen, besonders bei Kindern, in der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Infektions- und Erkältungskrankheiten

Kontraindikationen
Leber- und Niereninsuffizienz.

Metamizol (Novalgin®)

Metamizol

$Metamizol $Novalgin® Wirkungen:

  • Stark analgetisch

  • Stark antipyretisch

  • Spasmolytisch

Wirkungen
  • Novalgin®Reversible Hemmung der Zyklooxygenase

  • Analgetisch, antipyretisch, spasmolytisch, schwach antiphlogistisch

  • Verminderung der Thrombozytenaggregation

Nebenwirkungen:

  • Allergische Reaktionen

  • Hypotonie

  • Agranulozytose

Nebenwirkungen
  • Allergische Reaktionen, v. a. nach i. v.-Gabe

  • Hypotonie bis hin zum Schock

  • Agranulozytose

Indikationen
  • Schwere akute und chronische Schmerzen, inklusive Tumorschmerzen

  • Koliken, z. B. Gallen-, Nierenkoliken

  • Fieberzustände

Kontraindikationen
  • Instabile Kreislaufsituation

  • Schwangerschaft, Stillzeit

  • Säuglinge

Ibuprofen (Aktren®)

Aktren®

$Ibuprofen $Aktren® Wirkungen:

  • Sehr stark antiphlogistisch

  • Stark analgetisch

  • Antipyretisch

  • Thrombozytenaggregationshemmung

Wirkungen
  • IbuprofenReversible Hemmung der Zyklooxygenase

  • Stark analgetisch, antipyretisch, sehr stark antiphlogistisch

  • Verminderung der Thrombozytenaggregation

Nebenwirkungen:

  • Gastrointestinale Beschwerden

  • Flüssigkeitsretention

Nebenwirkungen
  • Übelkeit, Sodbrennen, Bauchschmerzen, Obstipation, Diarrhö

  • Blutungen des Magen-Darm-Trakts, häufig als Mikroblutungen

  • Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Schlafstörungen

  • Flüssigkeitsretention

  • Bei regelmäßiger und chronischer Verwendung Entwicklung von Analgetikakopfschmerzen und Analgetikanephropathie

Wechselwirkungen
  • Wie bei Acetylsalicylsäure (28.2.1)

  • Bei gleichzeitiger Behandlung mit kaliumsparenden Diuretika: Hyperkaliämie

Indikationen
  • Kopf- und Zahnschmerzen

  • Dysmenorrhö

  • Postoperative Weichteil- und periostale Schmerzen

  • Akute und chronische Entzündungsgeschehen, z. B. bei rheumatischen Erkrankungen

Kontraindikationen
  • Hämorrhagische Diathese

  • Schwangerschaft und Stillzeit

  • Floride Ulzera im Gastrointestinaltrakt, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

  • Asthma bronchiale

  • Schwere Herzinsuffizienz

Diclofenac (Voltaren®)

$Voltaren® $Diclofenac Wirkungen:

  • Stark antiphlogistisch

  • Antipyretisch

  • Analgetisch

  • Thrombozytenaggregationshemmung

Wirkungen
  • Voltaren®DiclofenacReversible Hemmung der Zyklooxygenase

  • Stark antiphlogistisch, antipyretisch, analgetisch

  • Verminderung der Thrombozytenaggregation

Nebenwirkungen: 28.2.4

Nebenwirkungen
Wechselwirkungen
Indikationen
  • Schmerzhafte Schwellung oder Entzündung nach Verletzungen oder Operationen

  • Akute und chronische rheumatische Erkrankungen

  • Akuter Gichtanfall

Kontraindikationen
  • Schwangerschaft

  • Floride Ulzera

  • Hämorrhagische Diathese

  • Chronische entzündliche Darmerkrankungen

  • Leber- und Niereninsuffizienz

Opiate

Morphin

OpiumOpiateMorphinOpium ist der aus unreifen Fruchtkapseln des SchlafmohnSchlafmohns Papaver Papaver somniferumsomniferum gewonnene Milchsaft. Er enthält 25 verschiedene Substanzen. In der Trockenmasse von Opium sind 12 % Morphin enthalten und ein sehr kleiner Prozentsatz CodeinCodein. Morphin wurde Anfang des 19. Jahrhunderts isoliert, Anfang des Jahrhunderts wurde Codein synthetisiert und als Hustenmittel verwendet.

$Morphin Wirkungen:

  • Sehr stark analgetisch

  • Antitussiv

Wirkungen
  • Analgetische Wirkung ist im ZNS lokalisiert, stärkste Analgetika

  • Hemmung der affektiven Schmerzverarbeitung im limbischen System, die zu einer Distanzierung von Schmerzen führt

  • Antitussive (hustenunterdrückende) Wirkung

Nebenwirkungen:

  • Obstipation

  • Sedierung

  • Hypotonie

  • Toleranzentwicklung

  • Juckreiz

Nebenwirkungen
  • Sedierung, Angst- und Spannungslösung

  • Stimmungsveränderungen, Konzentrationsschwäche

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Hypotonie, Atemdepression

  • Juckreiz

  • Spastische Obstipation, Harnblasensphinkter-Kontraktion, Kontraktion des Sphincter Oddi

  • Bei lang dauernder Anwendung Toleranzentwicklung

  • Suchtpotenzial → fallen unter Betäubungsmittelgesetz (gilt nicht für Codein)

MERKE

Merke

Bei Intoxikation kommt es zu Miosis, Atemdepression und Koma.

Wechselwirkungen
  • Bei u. a. gleichzeitigem Alkoholabusus, gleichzeitiger Einnahme von Sedativa, Hypnotika: Verstärkung der sedierenden Eigenschaften

  • Bei gleichzeitiger Anwendung von atemdepressiven Substanzen: Wirkungsverstärkung

Indikationen
  • Stärkste akute und chronische Schmerzen, z. B. postoperative, Tumorschmerzen

  • Herzinfarkt

  • Codein: trockener Reizhusten

Kontraindikationen
  • Akutes Abdomen

  • Chronische Ateminsuffizienz (Asthma bronchiale, Emphysem)

  • Hypovolämie

  • Pankreatitis

  • Hypothyreose

  • Niereninsuffizienz

  • Hirndrucksteigerung

Herzmedikamente

Digitalis (Novodigal®, Lanicor®, Digimed®)

Novodigal®Lanicor®Digimed®HerzmedikamenteDigitalisDigitalis findet sich in der Natur im roten FingerhutFingerhut (Digitalis purpurea). Der Hauptwirkstoff ist Digitoxin. Die ganze Pflanze ist hoch giftig. Der Wirkstoff hat eine geringe therapeutische Breite.

$DigitalisWirkungen: $Novodigal®$Lanicor®$Digimed®

  • Positiv inotrop und bathmotrop

  • Negativ chronotrop und dromotrop

Wirkungen
  • Positiv inotrop (durch Steigerung der intrazellulären Kalziumkonzentration)

  • Negativ chronotrop (Frequenz ↓) und dromotrop (AV-Überleitung ↓)

  • Positiv bathmotrop (Erregbarkeit ↑)

Nebenwirkungen:

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Diarrhö

  • Herzrhythmusstörungen

  • Sehstörungen

Nebenwirkungen
  • Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö

  • Herzrhythmusstörungen (AV-Block, bis zum Kammerflimmern), Bradykardie

  • Sehstörungen, verändertes Farbensehen

  • Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Depressionen

Wechselwirkungen
  • Bei gleichzeitiger Einnahme von Betablockern, trizyklischen Antidepressiva: verstärkte Wirkung

  • Entwicklung von Toxizität bei parenteralen Kalziumgaben oder Hyperkalzämie, Hypokaliämie

Indikationen
  • Herzinsuffizienz NYHA III–IV

  • Tachyarrhythmie

Kontraindikationen
  • Bradykardie

  • Kaliumverschiebungen, Hyperkalzämie

Betablocker (Metoprolol, Concor®, Beloc®)

Metoprolol Concor® Beloc®

$Metoprolol $Concor® $Beloc® Wirkungen:

  • Negativ inotrop, chronotrop, bathmotrop, dromotrop

  • Sauerstoffverbrauch am Herzen ↓

Wirkungen
  • BetablockerBlockierung der β-Rezeptoren am Herzen mit reduzierter Empfindlichkeit gegenüber Katecholaminen

  • Negativ inotrop, chronotrop, bathmotrop, dromotrop

  • Reduktion des Sauerstoffverbrauchs am Herzen

Nebenwirkungen:

  • Arrhythmie, Bradykardie

  • Asthma-bronchiale-Anfälle

  • Hypoglykämie

Nebenwirkungen
  • Arrhythmie, Bradykardie

  • Asthma-bronchiale-Anfälle

  • Hypoglykämie, besonders bei Diabetikern mit erschwerter Wahrnehmung von Hypoglykämiesymptomen

  • Schlaflosigkeit, Depressionen

  • Muskelschwäche, Muskelkrämpfe

  • Potenzstörungen

Wechselwirkungen
  • Bei gleichzeitiger Einnahme anderer Antiarrhythmika: Erhöhung der arrhythmogenen Potenz

  • Bei gleichzeitiger Einnahme von Antihypertensiva: Hypotonie

Indikationen
  • Angina pectoris, Hypertonie, Rhythmusstörungen

  • Migräneprophylaxe

  • Symptomatische Hyperthyreose und thyreotoxische Krise, Tremor

Kontraindikationen
  • Obstruktive Atemwegserkrankungen

  • Bradykardie

  • Herzinsuffizienz NYHA IV

Lidocain und Procain

Procain Lidocain

MERKE

Merke

Seit dem 1.4.2006 dürfen Heilpraktiker Procain und Lidocain bis zu einer Konzentration von 2 % nur intrakutan verwenden.

$Procain $Lidocain Wirkungen:

  • Erregungsleitung ↓

  • Lokal anästhetische Wirkung

Wirkungen
  • Herabsetzung der Erregungsleitungsgeschwindigkeit der Herzzellen

  • Lokal anästhetische Wirkung

Nebenwirkungen:

  • Allergien

  • Arrhythmien

  • Krampfanfälle

Nebenwirkungen
  • Arrhythmien

  • Allergische Reaktionen

  • Schwindel, Krampfanfälle, Koma

Indikationen
  • Supraventrikuläre und ventrikuläre Arrhythmien

  • Im Rahmen der Neuraltherapie zur Quaddelung

Kontraindikationen
  • Akute Herzinsuffizienz, Bradykardie

  • Erhöhte Krampfbereitschaft

ACE-Hemmer (Captopril, Enalapril, Ramipril)

$Ramipril $Enalapril $Captopril $ACE-Hemmer Wirkungen:

  • ACE-Hemmung → Angiotensin II ↓

  • Senkung der Vor- und Nachlast

Wirkungen
  • RamiprilEnalaprilCaptoprilACE-HemmerHemmung des Angiotensin-Converting-Enzyms mit verminderter Bildung des vasokonstriktorisch wirkenden Angiotensin II

  • Vasodilatation → Senkung der Vorlast und Nachlast

Nebenwirkungen:

  • Reizhusten

  • Hypotonie

  • Nierenfunktion ↓

  • Hyperkaliämie

Nebenwirkungen
  • Trockener Reizhusten

  • Hypotonie, Müdigkeit

  • Verschlechterung der Nierenfunktion, Hyperkaliämie

  • Gliederschmerzen, Schwindel, Kopfschmerzen

  • Thrombopenie, Leukopenie

  • Angioneurotisches Ödem

Wechselwirkungen
  • Bei gleichzeitiger Einnahme von Allopurinol: Leukopenie

  • Bei gleichzeitiger Einnahme von kaliumsparenden Diuretika: Hyperkaliämie

Indikationen
  • Hypertonie

  • Herzinsuffizienz

  • Diabetische Nephropathie

Kontraindikationen
  • Aortenstenose, Nierenarterienstenose

  • Schwangerschaft und Stillzeit

  • Angioödeme in der Anamnese

  • Hyperkaliämie

Organische Nitrate (Nitrolingual®)

Nitrolingual®

$Nitrolingual® Wirkungen: $Nitrate

  • Schneller Wirkungseintritt

  • Senkung der Vor- und Nachlast

Wirkungen
  • NitrateOrganische Nitrate werden im Körper zu NO umgebaut, die dann relaxierend auf glatte Muskelzellen wirken

  • Wirkung auf venöse Gefäße mit Reduktion der Vorlast, zusätzlich Vasodilatation im arteriellen Bereich

  • Sehr schneller Wirkungseintritt

Nebenwirkungen:

  • Hypotonie

  • Reflextachykardie

  • Kopfschmerzen

Nebenwirkungen
  • Hypotonie mit Kollapsneigung und Reflextachykardie

  • Kopfschmerzen

Wechselwirkungen
Bei gleichzeitiger Einnahme von Antihypertensiva: Verstärkung der Hypotonie.
Indikationen
Angina pectoris
Kontraindikationen
  • Blutdruck systolisch < 120 mmHg

  • Aortenstenose

  • Schockzustände

  • Gleichzeitige Einnahme von Sildenafil (Viagra®) → Potenzierung der vasodilatierenden Wirkung → Hypotonie und Reflextachykardie bis hin zum Herzstillstand

Antikoagulanzien

Heparin

$Heparin Wirkungen:

  • Bindung an AT III (Wirkungsverstärkung)

  • Hemmung der Blutgerinnung

  • Kurze HWZ

Wirkungen
  • HeparinAntikoagulanzienIndirekte Wirkung über die Bindung an AT III und dessen Wirkungsverstärkung

  • Verminderung der Adhäsivität der Thrombozyten

  • Kurze Halbwertszeit und damit sehr gut steuerbar

  • Kontrolle über Messung der PTT

Nebenwirkungen:

  • Osteoporose

  • Haarausfall

  • Allergien

  • Heparin-induzierte Thrombopenie

Nebenwirkungen
  • Osteoporose und Spontanfrakturen bei langfristigem Gebrauch

  • Haarausfall

  • Allergische Hautreaktionen

  • Heparin-induzierte Thrombopenie (HIT) in 2–5 % der Fälle

Wechselwirkung
Bei gleichzeitiger Einnahme von Kumarinderivaten oder Thrombozytenaggregationshemmern: Verstärkung der Wirkung.
Indikationen
  • Perioperative Antikoagulation

  • Therapie der thrombembolischen Erkrankungen und Komplikationen

Kontraindikationen
  • Manifeste Blutung, hämorrhagische Diathese

  • Z. n. Hirntrauma

  • Ulkusblutungen, Ösophagusvarizen

Phenprocoumon (Marcumar®)

Phenprocoumon

$Phenprocoumon $Marcumar® Wirkungen:

  • Synthesehemmung der Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X

  • Lange HWZ

Wirkungen
  • Marcumar®Vitamin-K-Antagonist: Hemmung der Synthese der Vitamin-K-abhängigen Gerinnungsfaktoren II, VII, IX, X

  • Halbwertszeit 7–9 Tage

  • Kontrolle über Quick-Wert oder INR (International Normalized Ratio)

Nebenwirkungen:

  • Blutungen

  • Cumarinnekrose

Nebenwirkungen
  • Blutungen

  • Cumarinnekrosen

  • Störung der Wundheilung

  • Haarausfall

Wechselwirkungen
  • Bei gleichzeitiger Einnahme von ASS, NSAR, Schilddrüsenhormone, Alkoholexzessen: Verstärkung der Wirkung

  • Bei gleichzeitiger Einnahme von Diuretika, oralen Kontrazeptiva, Laxanzien, Vitamin K oder Vitamin-K-haltigen Lebensmitteln, Fieber: Abschwächung der Wirkung

Indikationen
Behandlung und Prophylaxe von Thrombosen und Embolien.
Kontraindikationen
  • Hämorrhagische Diathese

  • Hypertonie

  • Schwangerschaft

  • Frische Infarkte

ACHTUNG

Achtung

Bei Einnahme von Antikoagulanzien keine i. m.-Injektionen wegen der Blutungsgefahr durchführen.

Medikamente für endokrine Erkrankungen

Jodid

$JodidWirkungen: essentiell zur Bildung von T3 und T4

Wirkungen
  • JodidJod ist ein Spurenelement, das für die Synthese der Schilddrüsenhormone benötigt wird

  • Täglicher Bedarf: ca. 200 µg

Nebenwirkungen: manifeste Hyperthyreose bei autonomem Adenom

Nebenwirkungen
  • Allergische Reaktionen

  • Hyperthyreote Stoffwechselentgleisungen v. a. bei nicht diagnostizierter Schilddrüsenautonomie

Indikationen
  • Prävention der Jodmangelstruma

  • Therapie der euthyreoten Struma und Struma nodosa

  • Schwangerschaft (Fetus benötigt zur Synthese der Schilddrüsenhormone ebenfalls Jodid)

Kontraindikationen
  • Hyperthyreose z. B. durch autonomes Adenom oder Morbus Basedow

  • Einnahme von Schilddrüsenhormonen

  • Bekannte Jodallergie

Orale Antidiabetika

$Acarbose$Metformin$α-Glukosidasehemmer$Sulfonylharnstoffe$Antidiabetika oraleWirkungen: $Insulin-Sensitizerunterschiedliche Angriffspunkte

  • Vermehrte Insulinausschüttung

  • Bessere Glukoseutilisation in die Zelle

  • Bessere Insulinempfindlichkeit

Wirkungen
  • AntidiabetikaSulfonylharnstoffeSulfonylharnstoffe (z. B. Glibenclamid,Euglucon® Euglucon®): vermehrte Ausschüttung von Insulin aus den β-Zellen des Pankreas

  • α-Glukosidasehemmerα-Glukosidasehemmer (z. B. AcarboseAcarbose, Glukobay®Glukobay®): verzögerte intestinale Glukoseresorption durch Hemmung von Disaccharidasen im Dünndarm

  • Insulin-SensitizerInsulin-Sensitizer (z. B. GlitazoneGlitazone): erhöhte Glukoseaufnahme in die Zelle

  • Metformin Metformin, z. B. Glukophage®Glukophage®: bessere Aufnahme von Glukose in periphere Zellen, Erhöhung der Insulinempfindlichkeit, anorektischer Effekt, Hemmung der Glukoneogenese

Nebenwirkungen:

  • Hypoglykämie

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Diarrhö

  • Meteorismus$Euglucon®$Glukobay®$Glitazone$Glukophage®

Nebenwirkungen
  • Hypoglykämie (nicht bei Glukobay®)

  • Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Meteorismus

  • Blutbildveränderungen

  • Allergische Reaktionen

  • Laktatazidose und Hemmung der Resorption von Vitamin B12 und Folsäure (v. a. Metformin)

Indikationen
Diabetes mellitus Typ 2.
Kontraindikationen
  • Diabetes mellitus Typ 1

  • Schwangerschaft, Stillzeit

  • Leber-, Niereninsuffizienz

Insulin

$Insulin Wirkungen:

  • Glukoseaufnahme in Fett- und Muskelzellen

  • Anabole Wirkung

  • Hemmung der Lipolyse

Wirkungen
InsulinInsulin ist ein Proteinhormon aus den β-Zellen des Pankreas. Die Wirkung ist anabol über folgende Mechanismen:
  • Aufnahme von Glukose v. a. in die Fettzellen und Muskelzellen

  • Erhöhte Protein- und Glykogensynthese

  • Erhöhte Triglyzeridsynthese

  • Verminderte Freisetzung von Glukose aus der Leber

  • Drosselung der Lipolyse und Proteolyse

Nebenwirkungen:

  • Hypoglykämie

  • Lipodystrophie im Injektionsbereich

Nebenwirkungen
  • Hypoglykämie

  • Allergische Reaktionen auf Insulin oder Konservierungsstoffe

  • Lipodystrophie im Injektionsbereich

Indikationen
  • Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 (14.7)

  • Coma diabeticum

  • Schwangerschaft

Kontraindikationen
  • Hypoglykämien

  • Insulinom

Glukokortikoide (Decortin® H, Urbason®)

Decortin® H Urbason®

$Decortin® H $Urbason® $Kortison $Glukokortikoide Wirkungen:

  • Katabol

  • Antiphlogistisch

  • Immunsuppressiv

  • Antiallergisch

Nebenwirkungen:

  • Diabetogene Stoffwechsellage

  • Hypertonie

  • Infektneigung

  • Hautatrophie

  • Osteoporose

  • Ulkusbildung

Wirkungen und Nebenwirkungen
  • KortisonGlukokortikoideKatabol (Proteinabbau in Muskulatur, Haut und Knochen) → Muskel-, Hautatrophie, Osteoporose, Wachstumsstörungen, Wundheilungsstörungen

  • Förderung der Glukoneogenese → diabetogene Stoffwechsellage

  • Fettabbau und -umverteilung → Erhöhung der Blutfettwerte, Stammfettsucht, Vollmondgesicht

  • Antiphlogistisch

  • Vitamin-D-Antagonismus: Hemmung der Kalziumresorption aus dem Dünndarm und Erhöhung der Kalziumausscheidung → Osteoporose

  • Mineralokortikoide Wirkung → Kaliumverlust, Muskelkrämpfe, arterielle Hypertonie, Ödeme, kardiale Dekompensation

  • Appetitsteigerung → Gewichtszunahme

  • Immunsuppression → erhöhtes Infektionsrisiko, z. B. Herpes zoster, Sepsis, Pilzerkrankungen

  • Magen- und Darmulzera v. a. in Kombination mit NSAR, Pankreatitis

  • Wirkung auf Blutgefäße und Gerinnung → Thromboseneigung, Hautblutungen, Knochennekrosen

  • Zunahme der zirkulierenden Granulozyten, Erythrozyten und Thrombozyten

  • Abnahme der zirkulierenden Lymphozyten und Monozyten

  • Katarakt, Glaukom

  • Nebennierenrindeninsuffizienz, Hirsutismus

  • Menstruationsstörungen, Impotenz

  • Euphorie, Dysphorie bis hin zur Depression, psychotische Störungen, Persönlichkeitsveränderungen

Indikationen
  • Substitutionstherapie (Morbus Addison, Hypophysenvorderlappeninsuffizienz)

  • Rheumatische, System- und autoimmune Erkrankungen

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

  • Asthma bronchiale

  • Prävention der Abstoßung bei Organtransplantation

  • Anaphylaktischer Schock

Kontraindikationen
  • Bei notfallmäßigem Einsatz keine Kontraindikationen

  • Sonst: psychiatrische Erkrankungen, akute Thromboembolie, Glaukom, floride Infektionen, aktive Impfungen in den letzten 2 Wochen, frische Operationswunden

Magen-Darm-Mittel

Antazida (Maaloxan®, Riopan®)

Maaloxan® Riopan®

$Riopan®$Antazida$Maaloxan®Wirkungen: Säurepufferung

Wirkungen
  • Magen-Darm-MittelAntazidaKurzzeitige Säurepufferung

  • Hemmung der Pepsinogenaktivierung

  • Steigerung der Schleim- und Bikarbonatsekretion

Nebenwirkungen:

  • Obstipation

  • Diarrhö

Nebenwirkungen
  • Aluminiumhaltige Mittel: Obstipation, Osteoporose bei langer Anwendung durch Bindung von Phosphat, Aluminiumenzephalopathie

  • Magnesiumhaltige Mittel: Diarrhö

Wechselwirkungen
Resorptionshemmung unterschiedlicher Arzneimittel, u. a. Antibiotika und Digitalis.
Indikationen
  • Erhöhte Magensaftsekretion

  • Gastritis

  • Refluxkrankheit

Kontraindikationen
  • Hypophosphatämie

  • Fortgeschrittene Niereninsuffizienz

Protonenpumpenhemmer (Omeprazol)

Omeprazol

$Protonenpumpenhemmer $Omeprazol Wirkungen:

  • Irreversible Hemmung der Protonenpumpe (HCL-Sekretion ↓)

  • Lange Wirkdauer

Wirkungen
  • ProtonenpumpenhemmerIrreversible Hemmung der Protonenpumpe in den Parietalzellen der Magenschleimhaut → Verminderung der Magensäuresekretion

  • Wirkdauer > 72 Stunden

Nebenwirkungen:

  • Übelkeit

  • Obstipation

  • Diarrhö

  • Kopfschmerzen

Nebenwirkungen
  • Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö, Obstipation

  • Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel

  • Juckreiz

  • Depressionen, Verwirrtheitszustände

  • Seh- und Hörstörungen

  • Unter Dauertherapie reduzierte Resorption von Vitamin B12 und Magnesium beschrieben

Indikationen
  • Refluxösophagitis

  • Ulcus ventriculi et duodeni

  • Zollinger-Ellison-Syndrom

Kontraindikationen
  • Leberinsuffizienz

  • Schwangerschaft, Stillzeit

Laxanzien

LaxanzienMan unterscheidet folgende Laxanzien-Gruppen:
  • GleitmittelGleitmittel: Paraffin, Rizinusöl, Glyzerin

  • Füll-Füllmittel und QuellmittelQuellmittel: Zellulose, Leinsamen, Pektine, Agar Agar

  • Osmotisch wirksame Abführmittel (salinische salinische MittelMittel): Glauber-, Bittersalz, Laktose, Laktulose, Sorbit

  • Laxanzien, welche die Resorption von Flüssigkeit hemmen: Anthrachinone (Senna-Glykodside), Bisacodyl (Dulcolax®)

$Laxanzien Wirkungen:

  • Hemmung der H2O-Resorption

  • Bindung von H2O im Darm

  • Aktive Sekretion von H2O in den Darm

Wirkungen
Je nach Wirkstoff können folgende Wirkungen unterschieden werden:
  • Hemmung der intestinalen Wasserresorption (Dulcolax®, Laxoberal®)

  • Aktive Hypersekretion von Wasser im Kolon (Senna-Glykoside)

  • Intestinale Bindung von Wasser im Darm (Plantago-ovata-Samen)

  • Osmotische Bindung von Wasser durch unresorbierbares Sulfat (z. B. Glaubersalz, Golytely-Lösung®; = salinische Mittel)

Wechselwirkungen
  • Verstärkte Digitaliswirkung bei Hypokaliämie

  • Verminderte Resorption zahlreicher Arzneimittel durch rasche Darmpassage

Nebenwirkungen:

  • Bauchschmerzen

  • Elektrolytverlust (K+, Mg2+)

Nebenwirkungen
  • Bauchschmerzen, bei langfristiger Einnahme Verstärkung der Darmträgheit

  • Senna-Senna-GlykosideGlykoside: Hypokaliämie, Darmspasmen

  • Plantago-Plantago-SamenSamen: Völlegefühl, Meteorismus

  • Salinische Mittel: Kaliumverlust, erhöhte Magnesiumresorption (→ Rhythmusstörungen), erhöhte Natriumresorption (→ Hypertonie)

  • Chronische Einnahme von Laxanzien kann die Darmträgheit verstärken, zum einen über einen Gewöhnungseffekt, zum anderen über eine chronische Hypokaliämie

Indikationen
  • Obstipation

  • Reizdarmsyndrom

Kontraindikationen
  • Ileus, Darmstenose

  • Störungen des Elektrolythaushalts

Medikamente für Atemwegsstörungen

Antihistaminika (Tavegil®, Fenistil®, Cetiderm®)

Tavegil® Fenistil® Cetiderm®

$Cetiderm®$Fenistil®$Tavegil®$AntihistaminikaWirkungen: Hemmung der Histaminwirkung

Wirkungen
AntihistaminikaHemmung der histaminvermittelnden Wirkungen wie Vasodilatation und gesteigerte Gefäßpermeabilität.

Nebenwirkungen:

  • Sedierung

  • Gastrointestinale Beschwerden

Nebenwirkungen
  • Sedierung mit eingeschränkter Verkehrstauglichkeit

  • Appetitsteigerung bei längerer Einnahme

  • Gelegentlich gastrointestinale Beschwerden

  • Allergische Reaktionen als Hauterscheinungen

Wechselwirkungen
Wirkungsverstärkung bei gleichzeitigem Alkoholabusus.
Indikationen
  • Allergische Rhinitis, allergische Konjunktivitis

  • Allergischer Schock (i. v.-Gabe)

Kontraindikationen
  • Stillzeit

  • In der Schwangerschaft strenge Indikationsstellung

Expektoranzien (ACC = Acetylcystein, Ambroxol)

ACC Acetylcystein Ambroxol

$Ambroxol $Acetylcystein $ACC $Expektorantien Wirkungen:

  • Sekretolytisch

  • Fördert Zilienbewegung

Wirkung
  • ExpektoranzienSekretolytisch durch vermehrte Sekretion eines weniger zähen Sputums

  • Stimulation der Ziliarbewegung der Bronchien

Nebenwirkungen:

  • Allergien

  • Übelkeit

  • Taubheit im Rachen

  • Geschmacksstörungen

Nebenwirkung
  • Allergische Reaktionen

  • Geschmacksstörungen, Übelkeit, Erbrechen

  • Magenulzera

  • Kopfschmerzen

  • Taubheitsgefühl im Rachen

Indikationen
Unproduktiver Husten im Rahmen von Infekten der oberen und unteren Atemwege.
Kontraindikationen
Schwangerschaft und Stillzeit.

MERKE

Merke

Die wichtigste Maßnahme bei Einnahme von Expektoranzien ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

Immunsuppressiva und Zytostatika

Immunsuppressiva

ImmunsuppressivaImmunsuppressiva sind hochtoxische Substanzen, deren Dosierung und Konzentration im Blut engmaschig überwacht werden müssen. Bei dauerhafter Immunsuppression muss ein Gleichgewicht zwischen optimaler Immunsuppression und Aufrechterhaltung von körpereigenen Abwehrmechanismen erreicht werden. Verwendet werden v. a. Glukokortikoide und Ciclosporin.

Wirkungen:

  • $ImmunsuppressivaHemmung der Leukozytenfunktion

  • Hemmung der Interleukinsynthese

Wirkungen
  • Hemmung der Entwicklung und/oder Funktion der Leukozyten

  • Hemmung der Interleukinsynthese

Nebenwirkungen:

  • Opportunistische Infektionen

  • Erhöhtes Malignomrisiko

Nebenwirkungen
  • Gehäufte Entstehung von Malignomen und hämatologischen Erkrankungen

  • Opportunistische Infektionen

  • Nieren- und Lebertoxizität

  • Neuropathie, Tremor, Kopfschmerzen

  • Hirsutismus, Ödeme

Indikationen
  • Chronisch-entzündliche Erkrankungen

  • Autoimmunerkrankungen

  • Verhinderung der Transplantatabstoßung

Kontraindikationen
  • Bestehende Malignome

  • Schwangerschaft, Stillzeit

  • Niereninsuffizienz

Zytostatika

ZytostatikaZytostatika sind allesamt hochtoxisch und zeigen starke Wirkungen und Nebenwirkungen auf den Organismus. Besondere Wirkungen zeigen sie auf Zellen, die einer schnellen Teilung unterliegen, v. a. Tumorzellen, aber auch Mukosazellen des Gastrointestinaltrakts oder Blutzellen.

Wirkungen:

  • $ZytostatikaSchädigung der DNA

  • Hemmung der DNA-, RNA-, Proteinsynthese

  • Hemmung der Zellteilung

Wirkungen
  • Strangbrüche in der DNA sich teilender Zellen

  • Quervernetzung der DNA, sodass eine Zelle sich nicht weiter teilen kann

  • Hemmung der DNA-, RNA- und Proteinsynthese

  • Einbau von „falschen“ Purinen in die DNA → Kettenabbruch der DNA

  • Hemmung der Zellteilung durch Ausbildung von Querverbindung zwischen den Mikrotubuli

Nebenwirkungen:

  • Leukopenie mit Infektanfälligkeit

  • Diarrhö

  • Stomatitis

  • Haarausfall

Nebenwirkungen
  • Knochenmarktoxizität mit Leukozytensuppression → starke Infektanfälligkeit bis hin zur Sepsis

  • Starke Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö

  • Stomatitis, Mukositis

  • Haarausfall

  • Kopfschmerzen

  • Leber-, Nieren-, ZNS-, Kardiotoxizität

  • Lungenfibrose

Indikationen
Tumortherapie.
Kontraindikationen
  • Schwangerschaft, Stillzeit

  • Je nach verwendeter Substanz, Herz-, Nieren- und Leberinsuffizienz

Antibiotika

  • $AntibiotikaEinteilung in bakteriostatische (verlangsamen das Wachstums) und bakterizide (abtötende) Antibiotika

  • Antibiotika richten sich gegen Bakterien, nicht gegen menschliche Zellen oder Viren

AntibiotikaAntibiotika sind antibakteriell wirksame Naturstoffe. Sie wirken:
  • bakteriostatisch durch Verlangsamung oder Verhinderung (reversible Hemmung) des Bakterienwachstums oder

  • bakterizid durch irreversible Schädigung oder Tötung der Bakterienpopulationen.

Im Allgemeinen wirken Antibiotika über verschiedene Mechanismen:
  • Hemmung der Zellwandsynthese der Bakterien

  • Schädigung der Zytoplasmamembran

  • Hemmung der ribosomalen Proteinsynthese

  • Hemmung der DNA- bzw. RNA-Synthese

Antibiotika greifen in den bakteriellen Stoffwechsel ein. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel (sind auf eine Wirtszelle angewiesen), weshalb sich antibiotische Substanzen nicht auf das Viruswachstum auswirken können. Antibiotische Substanzen richten sich auch nicht gegen menschliche Zellen.

Penicillin

PenicillinPenicillin ist ein Naturprodukt, das durch den Schimmelpilz Penicillium notatum produziert wird. Es wurde 1928 von Alexander Flemming entdeckt.

$PenicillinWirkungen: Hemmung der Zellwandsynthese (bakterizid) bei v. a. grampositiven Keimen

Wirkungen
  • Bakterizid durch Hemmung der Zellwandsynthese besonders der grampositiven Bakterien

  • Zerstörung nur der Bakterien, die sich in Teilung befinden, nicht aber der „Erwachsenen“

Nebenwirkungen:

  • Allergien

  • Krampfanfälle

  • Candidosen

Nebenwirkungen
  • Allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock

  • Neurotoxizität (Krampfanfälle), Nephrotoxizität bei hohen Dosen

  • Neutropenie, Thrombopenie

  • Exanthem

  • Candidose

Indikationen
Infektionen mit grampositiven Bakterien.
Kontraindikationen
Penicillinallergie.

Weitere ausgewählte Substanzgruppen

  • CephalosporineCephalosporine: Schädigung der Bakterienzellwand

  • TetrazyklineTetrazykline (z. B. DoxycyclinDoxycyclin):

    • Hemmung der Proteinsynthese

    • Indikationen: bakterielle Bronchitis, Entzündungen im Bereich der Gallenwege, intrazellulär lebende Bakterien (z. B. Chlamydien)

  • MakrolideMakrolide (z. B. ErythromycinErythromycin):

    • Hemmung der Proteinsynthese

    • Indikationen: weites Wirkungsspektrum, intrazellulär lebende Bakterien (z. B. Chlamydien)

  • SulfonamideSulfonamide (z. B. SulfamethoxazolSulfamethoxazol):

    • Hemmung der bakteriellen Folsäuresynthese

    • Indikationen: Harnwegsinfekt, eitrige Bronchitis

  • ChinoloneChinolone (Gyrase-Gyrase-HemmerHemmer, z. B. CiprofloxacinCiprofloxacin):

    • Hemmung der bakteriellen Gyrase

    • Indikationen: Typhus abdominalis, Infekte, die durch andere Antibiotika nicht abgedeckt werden

Psychopharmaka

Pflanzliche Schlafmittel

$SchlafmittelpflanzlicheWichtige pflanzliche Arzneien mit schlaffördernder Wirkung sind Baldrian, Hopfen, Passionsblume.

SchlafmittelpflanzlichePsychopharmakaSchlafstörungen sind sehr häufige Störungen und betreffen 20–30 % der Bevölkerung. Sie nehmen mit dem Alter zu.
Vor einer medikamentösen Therapie sind folgende Punkte zu beachten:
  • Empfehlungen zur Schlafhygiene: abends keine üppigen Mahlzeiten, kein Koffein, Nikotin und Alkohol, Lärmbegrenzung, Schlaftemperatur zwischen 17–19 °C

  • Schichtarbeit wirkt sich ungünstig auf das Schlafprofil aus

  • Schlaflosigkeit als Nebenwirkung anderer Medikamente beachten

  • Entspannungstraining, Verhaltenstherapie

  • Beseitigung potenziell vorhandener Schmerzsymptome

  • Aufklärung über das physiologische Schlafbedürfnis

Pflanzliche Substanzen
Zu den pflanzlichen Substanzen, die schlaffördernd wirken, zählen:
  • BaldrianBaldrian: aus der Pflanze Valeriana officinalis gewonnener Wirkstoff; wirkt beruhigend, schlaffördernd, muskelentspannend und krampflösend

  • HopfenHopfen: wirkt beruhigend und schlaffördernd

  • PassionsblumePassionsblume: wirkt bei Unruhe, Nervosität und Schlaflosigkeit

Benzodiazepine (Diazepam = Valium®)

Diazepam

$Diazepam $Valium® $Benzodiazepine Wirkungen:

  • Antikonvulsiv

  • Muskelrelaxierend

  • Anxiolytisch

  • Sedierend

Wirkungen
Valium®BenzodiazepineAlle Effekte entstehen durch Wirkung am ZNS (GABA-Rezeptoren):
  • Antikonvulsiv

  • Muskelrelaxierend

  • Anxiolytisch (angstlösend)

  • Sedativ

Nebenwirkungen:

  • Schwindel

  • Hypotonie

  • Abhängigkeitspotenzial (bei chronischem Gebrauch)

  • Atemdepression

Nebenwirkungen
  • Schwindel, Hypotonie, Koordinationsstörungen, verzögerte Reaktionen

  • Übelkeit, Gewichtszunahme

  • Mundtrockenheit

  • Sehstörungen

  • Bei älteren Menschen paradoxe Reaktion im Sinne eines Erregungszustands

  • Abhängigkeitspotenzial bei chronischem Gebrauch, bei Absetzen Entzugserscheinungen

  • Atemdepression bei i. v.-Gabe oder hohen oralen Gaben

  • Reboundphänomen bereits nach wenigen Tagen der Einnahme

ACHTUNG

Achtung

Gleichzeitige Alkoholeinnahme oder andere sedierende Substanzen wirken synergistisch und potenzieren die sedative Wirkung.

Bei Intoxikation tritt eine Atemdepression auf, besonders bei gleichzeitigem Alkoholkonsum.

Indikationen
  • Erregungs-, Anspannungszustände

  • Epileptischer Anfall, Status epilepticus

  • Schlafmittel bei Schlafstörungen (Mittel der 2. Wahl wegen langer Halbwertszeit)

Kontraindikationen
  • Abhängigkeitsanamnese

  • Psychopharmaka-Intoxikation

  • Myasthenia gravis

Pflanzliche Antidepressiva (Johanniskraut)

Inhaltsstoffe
JohanniskrautAntidepressivapflanzlicheDie wichtigsten Inhaltsstoffe von Johanniskraut sind:
  • Ätherische Öle

  • Hyperforin: sorgt für die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Botenstoffe im Gehirn

  • Hypericin und Pseudohypericin

  • Flavonoide, Gerbstoffe

  • Rutin: verstärkt die Wirkung des Hyperforins

$Johanniskraut $Antidepressiva pflanzliche Wirkungen:

  • Stimmungsaufhellend

  • Antidepressiv

  • Angstlösend

Wirkungen
  • Beeinflussung des Nervenstoffwechsels im Gehirn

  • Stimmungsaufhellend, antidepressiv, angstlösend

  • Hemmung der Wiederaufnahme von Dopamin, Noradrenalin und Serotonin in die Nervenzelle

  • Eintritt der Wirkung erst nach Wochen

Nebenwirkungen:

  • Verbrennungen bei Sonnenexposition

  • Wirkung von oralen Kontrazeptiva ↓

Nebenwirkungen
  • Magen-Darm-Beschwerden

  • Wirkungsverstärkung oder Wirkungsminderung bei gleichzeitigem Gebrauch von anderen Antidepressiva oder Sedativa

  • Verbrennungen bei Sonnenexposition

Wechselwirkungen
  • Eingeschränkte Wirksamkeit der oralen Kontrazeptiva

  • Potenzierung der Nebenwirkungen von SSRI (Selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren) bei gleichzeitigen Einnahme, u. a. Übelkeit, Kopfschmerzen, Tachykardie, Schwitzen, Tremor; daher keine gleichzeitige Einnahme empfohlen

Indikationen
Leichte bis mittelschwere depressive Zustände.
Kontraindikationen
Allergische oder pseudoallergische Reaktionen auf Johanniskraut.

Antidepressiva

AntidepressivaAntidepressiva sind Medikamente, die chemisch nicht einheitlich sind. Man unterscheidet:
  • Trizyklische AntidepressivatrizyklischeAntidepressiva: z. B. AmitriptylinAmitriptylin

  • Selektive Serotonin-Rückaufnahme-selektive Serotonin-Rückaufnahme-HemmerHemmer (SSRH): z. B. FluoxetinFluoxetin, CitalopramCitalopram

  • MAO-MAO-HemmerHemmer: z. B. RasagilinRasagilin, MoclobemidMoclobemid

$AntidepressivaWirkungen: Erhöhung der Neurotransmitter im synaptischen Spalt

Wirkungen
Hemmung der Wiederaufnahme von Neurotransmittern (Noradrenalin, Serotonin) im ZNS → Erhöhung der Neurotransmitter im synaptischen Spalt.

Nebenwirkungen:

  • Mundtrockenheit

  • Obstipation

  • Hypotonie

  • Sturzneigung

Nebenwirkungen
  • Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen

  • Obstipation, Miktionsstörungen

  • Tachykardie

  • Sedierung und orthostatische Hypotonie (mit Sturzneigung)

  • Delirähnliche Symptome

  • Tonisch-klonische Krampfanfälle

  • Gewichtszunahme

  • Zunahme der Wirksamkeit von anderen zentral wirkenden Substanzen, auch Alkohol

  • Eingeschränkte Reaktion im Straßenverkehr

  • Sehr selten hämato- und hepatotoxisch

ACHTUNG

Achtung

Erhöhte Suizidgefahr bei einigen Antidepressiva mit antriebssteigernder Wirkung.

Intoxikation
  • Sinustachykardie und andere Arrhythmien

  • Anfangs enge, dann weite, lichtstarre Pupillen

  • Bewusstseinsstörung

  • Tremor, Hyperreflexie, Krampfanfälle

  • Atemdepression

  • Kardiopulmonales Versagen

Indikationen
  • Depression

  • Panik- und Zwangsstörungen

  • Schmerzzustände, Migräne

  • Akute Entzugssyndrome

Kontraindikationen
  • Akute Intoxikation mit psychotropen Substanzen

  • Harnverhalt, Prostatahyperplasie

  • Paralytischer Ileus

  • Erregungsleitungsstörungen

Neuroleptika

$NeuroleptikaEinteilung in hochpotente (stark antipsychotisch), niederpotente (stark sedierend) und atypische Neuroleptika.

NeuroleptikaNeuroleptika werden in hochpotente, niederpotente und atypische Neuroleptika eingeteilt. Dabei haben die hochpotenten Neuroleptika starke antipsychotische Eigenschaften, aber einen sehr geringen sedierenden Effekt. Bei niederpotenten Neuroleptika verhalten sich diese Eigenschaften umgekehrt. Atypische Neuroleptika sind chemisch gesehen heterogene Substanzen, die eine geringe oder keine Wirkung auf das extrapyramidale System haben und somit keine oder nur geringe extrapyramidale Dyskinesien als Nebenwirkung hervorrufen.
Wirkungen
  • Zentralnervös auf Dopamin-, Serotonin- und andere Rezeptoren

Wirkungen:

  • Antipsychotisch

  • Sedierend

  • Aggressionshemmend

  • Antipsychotisch

  • Dämpfung der halluzinatorischen, wahnhaften oder zwanghaften Erlebnisproduktion

  • Dämpfung des Antriebs und der Aggression

  • Sedativ im Sinne der Förderung der Schlafbereitschaft; je stärker die sedative Wirkung ist, desto geringer ist die antipsychotische Potenz

Nebenwirkungen:

  • Dyskinesien

  • Mundtrockenheit

  • Obstipation

  • Hypotonie

  • Agranulozytose

Nebenwirkungen
  • Störung der Motorik, besonders der Feinmotorik (Dyskinesien)

  • Vegetative Störungen: Mundtrockenheit, Mydriasis, Miktionsstörung, Obstipation, Schwitzen, orthostatische Dysregulation, Hypotonie

  • Parkinsonoid (medikamenteninduziertes Parkinson-Syndrom)

  • Erhöhung der Krampfbereitschaft bei Epileptikern

  • Amenorrhö, Abnahme der Libido und Potenz

  • Hyperphagie

  • Bei einigen Neuroleptika Agranulozytose

MERKE

Merke

Bei allen zentralnervös wirkenden Substanzen ist die Reaktionsgeschwindigkeit herabgesetzt.

Indikationen
  • Paranoid-halluzinatorische Psychosen

  • Katatone Schizophrenie

  • Manische Episoden

Kontraindikationen
Schwangerschaft und Stillzeit.

Antiparkinsonmittel

L-Dopa

$L-Dopa$AntiparkinsonmittelWirkungen: Stimulation der Dopaminrezeptoren

Wirkungen
  • L-DopaAntiparkinsonmittelPassiert im Gegensatz zu Dopamin sehr gut die Blut-Hirn-Schranke

  • Stimulation der Dopaminrezeptoren im ZNS

Nebenwirkungen:

  • Obstipation

  • Hypotonie

  • Schwitzen

  • Paranoid-halluzinatorische Symptome

Nebenwirkungen
  • Übelkeit, Erbrechen

  • Obstipation

  • Miktionsstörungen

  • Hypotonie, Tachykardie

  • Vermehrtes Schwitzen

  • Paranoid-halluzinatorische Psychosen

Indikationen
  • Parkinson-Syndrom

  • Restless-Legs-Syndrom

Kontraindikationen
  • Bestehende Psychose

  • Schwangerschaft

Lernzielkontrolle

  • Benennen Sie die Unterschiede zwischen freiverkäuflichen, apothekenpflichtigen und rezeptpflichtigen Medikamenten! Welche Medikamente darf der Heilpraktiker rezeptieren?

  • Definieren Sie die Begriffe Pharmakodynamik und Pharmakokinetik!

  • Von welchen Größen hängt die Wirkung eines Medikaments ab?

  • Welche Interaktionen von Nahrungsmitteln und Medikamenten kennen Sie?

  • An welche Besonderheiten ist eine Arzneimitteltherapie in der Schwangerschaft, im Kindesalter und im Senium gebunden?

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