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B978-3-437-58785-6.00021-1

10.1016/B978-3-437-58785-6.00021-1

978-3-437-58785-6

Abb. 21.2

[L141]

Körperliche Folgen der Anorexia nervosa

Abb. 21.3

[L141]

Körperliche Folgen de Bulimia nervosa

Abhängigkeitstypen nach Jellinek im Rahmen der Alkoholabhängigkeit

Tab. 21.1
Art des Alkoholismus Abhängigkeit Suchtkennzeichen
Alpha-Trinker (Konflikttrinker) Nur physisch
  • Kein Kontrollverlust

  • Fähigkeit zur Abstinenz

Beta-Trinker (Gelegenheitstrinker) Keine
  • Kein Kontrollverlust

  • Fähigkeit zur Abstinenz

Gamma-Trinker (süchtiger Trinker) Zuerst psychisch, dann physisch
  • Kontrollverlust

  • Toleranzerhöhung

  • Zeitweilige Fähigkeit zur Abstinenz

Delta-Trinker (Gewohnheits-, Spiegeltrinker) Physisch
  • Kontinuierlicher aber rauscharmer Alkoholdauerkonsum

  • Unfähigkeit zur Abstinenz

Epsilon-Trinker (Quartalstrinker) Psychisch Exzesse mit Kontrollverlust

Psychiatrie

Abb. 21.1

[L275, J787]

Übersicht über die Einteilung der psychiatrischen Erkrankungen

Lernziele

  • Fähigkeit zur Erhebung eines psychopathologischen Befunds.

  • Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen inhaltlichen und formalen Denkstörungen sowie Ich-Störungen.

  • Kenntnisse über Ursachen, Symptome und Arten der Depressionen.

  • Kenntnisse über die Symptome der Manie.

  • Kenntnisse über die Symptome und den Verlauf der bipolaren Störung.

  • Kenntnisse über Symptome, Verläufe und Arten der Schizophrenie.

  • Definition der Erkrankung „Demenz“, Aufzählung der Symptome und der Arten.

  • Benennung der alkoholassoziierten Erkrankungen und der Symptome des Delirium tremens.

  • Benennung der unterschiedlichen Drogenarten und deren Wirkung auf den menschlichen Körper.

  • Grobe Kenntnisse über die Persönlichkeitsstörungen.

  • Benennung der Kennzeichen der Phobien und Panikattacken.

  • Kenntnisse über Arten und Symptome der Zwangsstörungen.

  • Benennung der Symptome im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung.

  • Kenntnisse über Ursachen, Symptome, Komplikationen und Differenzialdiagnosen der Anorexia nervosa und Bulimia nervosa.

  • Kenntnisse über die somatoformen Störungen.

  • Kenntnisse über die Symptome bei ADHS.

  • Kenntnisse über die Einteilung und Symptome der Autismus-Krankheiten.

  • Kenntnisse über Häufigkeit und Geschlechtsverteilung der Suizidversuche und Suizide.

Psychopathologischer Befund

psychopathologischer Befund

Im Zentrum $psychopathologischer Befundder psychiatrischen Diagnostik stehen das Gespräch und der daraus resultierende psychopathologische Befund. Organische Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden, eine internistische Untersuchung ist unabdingbar.

Die psychiatrische Untersuchung unterscheidet sich von allen anderen internistischen Untersuchungen. Während die internistische Befunderhebung weitgehend über die Anamnese und Untersuchung der Organe erfolgt, steht bei der psychiatrischen Exploration das Gespräch im Zentrum der Diagnostik. Aus diesem Gespräch werden seelische Krankheitszustände erfasst und klassifiziert. Unter optimalen Bedingungen berichtet zunächst der Patient frei von seinen Beschwerden. Im Anschluss werden gezielte Fragen gestellt, sodass alle Kriterien (21.1.121.1.15) erfasst sind. Aus diesem Gespräch wird der psychopathologische Befund erstellt, der deskriptiver Natur ist. Gleichzeitig kann in der Regel eine Verdachtsdiagnose gestellt werden kann.
Wichtig ist, dass organische Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen, bevor eine psychiatrische Erkrankung diagnostiziert wird. Jeder psychiatrischen Diagnose geht also mindestens eine internistische und neurologische Untersuchung voraus, häufig schließen sich apparative Untersuchungen in Form von EEG, CT und MRT an.

Erster Eindruck und Erscheinungsbild

Beurteilung des Erscheinungsbilds:$Erscheinungsbild

  • Körperhaltung, Statur

  • Körperpflege

  • Kleidung

Das ErscheinungsbildErscheinungsbild liefert in der Regel wichtige Informationen im Hinblick auf die Person bzw. Persönlichkeit und das mögliche Krankheitsbild. Beurteilt werden u. a.
  • Körperhaltung und Statur: u. a. aufrecht, gebeugt, verkrampft, manieriert, locker, zierlich, stämmig

  • Körperpflege: z. B. gepflegt, ungepflegt, stark parfümiert, auffällig geschminkt

  • Kleidung: u. a. dezent, konservativ, auffällig, provokativ, gepflegt, ungepflegt

Bewusstseinsstörung

Quantitative Bewusstseinsstörungen:$Bewusstseinsstörung

  • Benommenheit

  • Somnolenz

  • Sopor

  • Koma

Qualitative Bewusstseinsstörungen

  • Bewusstseinstrübung

  • Bewusstseinseinengung

  • Bewusstseinsverschiebung

Quantitative Bewusstseinsstörung
BewusstseinsstörungBewusstseinsstörungquantitativeBei der quantitativen Bewusstseinsstörung (26.12.1) ist der Grad der Wachheit (Vigilanz) verändert. Es können unterschiedliche Grade festgehalten werden:
  • BenommenheitBenommenheit: verlangsamtes Denken und eingeschränkte Informationsverarbeitung, wobei die Reaktionen verlangsamt, aber adäquat sind

  • SomnolenzSomnolenz: schläfrig-benommener Zustand, die Patienten sind leicht erweckbar und orientiert

  • SoporSopor: schlafähnlicher Zustand, die Erweckbarkeit ist nur durch starke Reize (z. B. Schmerz) möglich, meist keine Orientierung vorhanden

  • KomaKoma: tiefe Bewusstlosigkeit, der Patient ist nicht erweckbar, die Reflexe sind erloschen

Die Ursachen der quantitativen Bewusstseinsstörungen können Intoxikationen, Schädel-Hirn-Traumen oder organische Hirnerkrankungen sein.

ACHTUNG

Achtung

Quantitative Bewusstseinsstörungen zeigen eine akute Lebensbedrohung an und stellen einen Notfall dar.

Qualitative Bewusstseinsstörung
BewusstseinsstörungqualitativeBei den qualitativen Bewusstseinsstörungen sind die Bewusstseinsinhalte verändert:
  • Bewusstseinstrübung Bewusstseinstrübung: Mangelnde Klarheit im Erleben der eigenen Situation oder der Umwelt, Verwirrtheit des Denkens und Handelns. Dieses Symptom kann bei einem Delir auftreten, bei Intoxikationen, einer Demenz oder einem Schädel-Hirn-Trauma.

  • BewusstseinseinengungBewusstseinseinengung: Fokussierung der Aufmerksamkeit auf wenige bzw. bestimmte Dinge, ohne die Gesamtsituation erfassen zu können. Sie kann bei organischen Hirnerkrankungen, Intoxikationen, aber auch bei Tätigkeiten auftreten, die eine starke Konzentration erfordern.

  • BewusstseinsverschiebungBewusstseinsverschiebung: Intensitäts- oder Helligkeitssteigerung des Erlebens. Dieses Symptom kann bei Manie, Schizophrenie oder Drogenabusus auftreten.

Orientierungsstörung

Desorientierung hinsichtlich

  • Zeit

  • Ort

  • Raum

  • Situation

  • Person

Orientierungsstörungen werden eingeteilt in:
  • OrientierungsstörungZeitliche DesorientierungDesorientierung: Der Patient kennt das richtige Datum, Jahr, Monat oder Jahreszeit nicht.

  • Örtliche Desorientierung: Der Patient kann nicht sagen, wo er sich gerade befindet.

  • Räumliche Desorientierung: Der Patient findet sich in gewohnter Umgebung nicht zurecht.

  • Situative Desorientierung: Der Patient erfasst die Situation nicht, in der er sich befindet.

  • Desorientierung zur Person: Der Patient weiß den eigenen Namen oder andere wichtige persönliche Lebensdaten nicht.

MERKE

Merke

Orientierungsstörungen sind typische Symptome der Demenz. Dabei geht zunächst meist die zeitliche, dann die örtliche, gefolgt von der situativen Orientierung verloren. Die Desorientierung zur Person tritt sehr spät ein.

Auffassungsstörung

Gestörte Fähigkeit, Zusammenhänge zu erfassen

Bei einer AuffassungsstörungAuffassungsstörung ist die Fähigkeit, Wahrnehmungen in ihrer Bedeutung zu erfassen, sinnvoll miteinander zu verbinden oder auch in den bestehenden Erfahrungsbereich einzubauen, gestört. Die Wahrnehmungen können zu langsam, falsch oder gar nicht erfasst werden und zu Fehlhandlungen und u. U. eine Eigen- oder Fremdgefährdung zur Folge haben.

Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung

  • Aufmerksamkeitsstörung:$Aufmerksamkeitsstörung Unfähigkeit zur Aufnahme von Reizen

  • Konzentrationsstörung:$Konzentrationsstörung Unfähigkeit, die Aufmerksamkeit auf ein Thema zu richten

Kennzeichen der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörung sind:
  • AufmerksamkeitsstörungAufmerksamkeitsstörung: Unfähigkeit zur Aufnahme von Wahrnehmungen oder Gedanken

  • KonzentrationsstörungKonzentrationsstörung: Unfähigkeit, Gedanken und Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand oder ein Thema zu richten

Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen können bei organischen Hirnerkrankungen, Depression, Schizophrenie, Intoxikationen oder bei ADHS/ADS auftreten.

Gedächtnisstörung

  • Störung des Kurzzeitgedächtnisses

  • Störung des Langzeitgedächtnisses

  • Amnesie: retrograd, anterograd, kongrad

  • Konfabulation

  • Paramnesie

Gedächtnisstörungen können eingeteilt werden in:
  • GedächtnisstörungStörungen der Merkfähigkeit: Neu Erlerntes kann sofort oder nach kurzer Zeit (10 Minuten) nicht wiedergegeben werden (Kurzzeitgedächtnis).

  • Störung des Gedächtnisses: Unfähigkeit, sich neue Eindrücke über einen Zeitraum von länger als 10 Minuten zu merken, z. B. Geburtstage, Namen der Kinder (Langzeitgedächtnis).

  • AmnesieAmnesie: Zeitlich begrenzte oder inhaltliche Erinnerungslücke. Ursachen sind ein Schädel-Hirn-Trauma, Wernicke-Korsakow-Syndrom, Demenz, Intoxikationen oder auch im Zuge von starken psychischen Traumata.

    Amnesien können eingeteilt werden in:

    • Retrograde Amnesie: Gedächtnislücke, meist für einen kurzen Zeitraum vor dem Eintreten des schädigenden Einflusses, z. B. Unfall. Meist handelt es sich um Minuten oder Stunden, an die sich der Patient nicht erinnern kann, selten handelt es sich um Tage oder Wochen.

    • Anterograde Amnesie: Gedächtnislücke für den Zeitraum nach einem schädigenden Ereignis. Sie geht mit einer Störung der Merkfähigkeit einher und in der Maximalvariante kann der Patient sich nichts, was sich nach einem schädigenden Ereignis zugetragen hat, merken oder sich erinnern.

    • Kongrade Amnesie: Gedächtnislücke, die für die Zeit der Bewusstlosigkeit besteht.

  • KonfabulationKonfabulationen: Erinnerungslücken werden mit spontanen Einfällen gefüllt. Der Patient ist dabei von der Richtigkeit der Angaben überzeugt. Typisch für das Korsakow-Syndrom.

  • ParamnesieParamnesie (Trugerinnerung): Gedächtnisstörung mit falscher Erinnerung. Dazu zählen Déjà-vu-Erlebnisse oder Jamais-vu-Erlebnisse. Beim Déjà-vu- Erlebnis hat der Patient den Eindruck, bestimmte Sachen oder Prozesse schon einmal gesehen oder erlebt zu haben. Beim Jamais-vu-Erlebnis erscheinen z. B. Orte fremd.

Störung der Intelligenz

  • Oligophrenie (angeboren)

  • Demenz (erworben)

IntelligenzStörungDie Intelligenz ist die Fähigkeit eines Menschen, sich in ungewohnten Situationen zurechtzufinden, Zusammenhänge zu erfassen und durch Denkleistungen neuen Anforderungen zu entsprechen. Störungen der Intelligenz können eingeteilt werden in:
  • OligophrenieOligophrenie: angeborene Störungen der Intelligenz

  • DemenzDemenz: erworbene Störung der Intelligenz

Die Intelligenz kann mit standardisierten Tests erfolgen (IQ-Test). Am häufigsten wird der HAWIE (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene) bzw. HAWIK (Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder) eingesetzt. Normalwerte bewegen sich zwischen 85 und 115, Standardabweichung eingerechnet.

Formale Denkstörungen

  • Denkverlangsamung

  • Umständliches Denken

  • Grübeln

  • Perseveration

  • Gedankendrängen

  • Ideenflucht

  • Vorbeireden

  • Denkzerfahrenheit

  • Neologismen

  • Gedankenabreißen

DenkstörungformaleStörung des DenkablaufDenkablaufs, der Klarheit, Zielhaftigkeit und Struktur („wie denkt der Patient“). Die Denkstörungen werden subjektiv vom Patienten wahrgenommen, sie erscheinen im Redefluss und den Äußerungen.
  • DenkverlangsamungDenkverlangsamung, DenkhemmungDenkhemmung: Der Gedankengang ist schleppend, mühsam. Der Patient erlebt den Denkvorgang als gebremst oder stockend und ist nicht in der Lage, diesen zu beheben. Typisches Auftreten bei der Depression.

  • Umständliches Denken: Der Patient ist nicht in der Lage, Wesentliches vom Nebensächlichen zu trennen. Er verliert sich in Einzelheiten, ohne vom Ziel abzukommen. Es tritt bei der Depression oder Schizophrenie auf.

  • GrübelnGrübeln: Unablässige Beschäftigung mit (meist unangenehmen Gedanken), die oft mit der aktuellen Lage des Patienten im Zusammenhang stehen. Grübeln ist ein typisches Symptom der Depression, kann aber auch bei Gesunden im Rahmen einschneidender Lebensereignisse auftreten.

  • PerseverationPerseveration: Ständige Wiederholung gleicher Denkinhalte. Häufiges Symptom bei der Schizophrenie.

  • GedankendrängenGedankendrängen: Übermäßiger Druck vieler Einfälle oder auch ständig wiederkehrender Gedanken, die teils sinnlos und teils sinnvoll sind und automatisch ablaufen. Das Gedankendrängen wird von Patienten als lästig bzw. quälend empfunden. Häufiges Symptom der Schizophrenie, besonders im Prodromalstadium.

  • IdeenfluchtIdeenflucht: Einfallsreicher Gedankengang, Patienten kommen vom Hundertsten ins Tausendste. Das Denken ist ablenkbar und oberflächlich. Es ist typisch für die Manie.

  • VorbeiredenVorbeireden: Der Patient geht auf die Frage nicht ein, obwohl er den Sinn der Frage verstanden hat. Symptom der Schizophrenie.

  • DenkzerfahrenheitDenkzerfahrenheit, InkohärenzInkohärenz: Der Gedankengang ist ungeordnet, sprunghaft und unlogisch. Maximalvariante ist der „Wortsalat“. Typisches Symptom der Schizophrenie.

  • NeologismenNeologismen: Wortneubildungen, die häufig für den Zuhörer bezüglich ihrer Sinnhaftigkeit gerade noch (aus dem Kontext heraus) oder nicht mehr verständlich sind. Neologismen können bei der Schizophrenie auftreten.

  • GedankenabreißenGedankenabreißen: Ohne erkennbaren Grund reißt der bis dahin flüssige Gedankengang ab. Vorkommen bei der Schizophrenie.

Inhaltliche Denkstörungen

  • Wahn

  • Phobie$Phobien

  • Zwänge$Zwang

Wahn$Wahnformen:

  • Wahneinfall

  • Wahnwahrnehmung

  • Wahnstimmung

Wahnarten:

  • Beziehungswahn

  • Beeinträchtigungs- und Verfolgungswahn

  • Eifersuchtswahn

  • Liebeswahn

  • Verarmungswahn

  • Größenwahn

  • Schuldwahn

DenkstörunginhaltlicheInhaltliche Denkstörungen betreffen den Inhalt des Gedachten („was denkt der Patient“). Der Wahn stellt die wichtigste inhaltliche Denkstörung dar. Weitere sind Angst, Phobien (21.3.2), Zwänge (21.3.3) und hypochondrische Befürchtungen (21.3.5).
Der Wahn ist eine unkorrigierbar falsche Einschätzung und Wahrnehmung der objektiven Realität. Der Patient lässt sich dabei nicht vom Gegenteil überzeugen, auch nicht, wenn zahlreiche Beweise vorhanden sind. Wahnphänomene können in unterschiedlicher Form und mit unterschiedlichem Inhalt auftreten.
Wahnformen
Wahnformen können unterteilt werden in:
  • WahnFormenWahneinfallWahneinfall: urplötzliches Auftreten von wahnhaften Vorstellungen

  • WahnwahrnehmungWahnwahrnehmung: wahnhafte Interpretation einer richtigen Wahrnehmung

  • WahnstimmungWahnstimmung: Stimmung des Unheimlichen, Vieldeutigen, „es liegt was in der Luft, es kommt was heran“

Wahnthemen
Die Wahnthemen können unterschiedlich sein. Je nach Inhalt werden unterschieden:
  • WahnThemenBeziehungswahnBeziehungswahn: Der Patient bezieht diverse Ereignisse und Erlebnisse auf die eigene Person. Dies können Plakatslogans, der Inhalt von Radio- oder Fernsehnachrichten oder zufällig gehörte Worte von Fremden sein. Häufiges Symptom bei der Schizophrenie.

  • BeeinträchtigungswahnBeeinträchtigungswahn, VerfolgungswahnVerfolgungswahn: Der Patient fühlt sich bedroht, verfolgt, Ziel von Feindseligkeiten usw. Typisches Symptom der Schizophrenie.

  • EifersuchtswahnEifersuchtswahn (Othello-SyndromOthello-Syndrom): Der Patient ist unkorrigierbar davon überzeugt, dass er betrogen wird. Typisch für die paranoide Persönlichkeitsstörung, Folge eines chronischen Alkoholabusus oder seltener der Schizophrenie. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

  • LiebeswahnLiebeswahn (ErotomanieErotomanie): Überzeugung, von einer anderen Person geliebt zu werden. Kann im Zuge der Manie oder Schizophrenie auftreten.

  • VerarmungswahnVerarmungswahn: Patient ist überzeugt, nichts zu besitzen oder alles verloren zu haben. Typisches Symptom bei der Depression.

  • GrößenwahnGrößenwahn: Patient hält sich für den Kaiser von China, Napoleon oder Kleopatra oder hat das Gefühl der Omnipotenz. Typisches Symptom der Manie.

  • SchuldwahnSchuldwahn (VersündigungswahnVersündigungswahn): Unkorrigierbare Überzeugung, Schuld auf sich geladen zu haben.

Halluzinationen

  • Akustisch

  • Optisch

  • Olfaktorisch

  • Zönästhesien

HalluzinationHalluzinationen sind Wahrnehmungserlebnisse ohne entsprechende Reizquelle, die aber für wirkliche Sinneseindrücke gehalten werden. Andere Wahrnehmungsstörungen sind Pseudohalluzinationen und Illusionen. Bei der PseudohalluzinationPseudohalluzination erkennt der Patient die Sinnestäuschung für unwirklich. Bei der IllusionIllusion ist ein Sinneseindruck vorhanden, aber die Interpretation fehlerhaft.
Die Halluzinationen lassen sich einteilen in:
  • Akustische HalluzinationakustischeHalluzination: Sinnestäuschung im akustischen Bereich, die von elementaren Lauten (Akoasmen) bis hin zu komplexen akustischen Phänomenen, z. B. Stimmenhören, reicht und ein wichtiges Symptom der Schizophrenie ist. Sie können unterteilt werden in:

    • Dialogische Stimmen: Der Patient hört meist mehrere Stimmen, die sich untereinander unterhalten.

    • Kommentierende Stimmen: Die vom Patienten gehörte/n Stimme/n kommentieren alles, was der Patient tut.

    • Imperative Stimmen: Haben einen Befehlscharakter.

  • Optische HalluzinationoptischeHalluzination: Sinnestäuschung im optischen Bereich, die von Lichtblitzen (Photomen) bis hin zu komplexen Bildern reicht. Häufiges Symptom beim Delirium tremens.

  • Olfaktorische HalluzinationolfaktorischeHalluzination: Sinnestäuschung im Geruchsbereich. Symptom der Schizophrenie.

  • ZönästhesieZönästhesie: Abstruse Leibeserlebnisse, die als nicht von „außen gemacht“ erlebt werden. Organe oder Organteile können als verzogen, beweglich, besonders schwer oder besonders starr empfunden werden. Sie können bei der Schizophrenie oder der hypochondrischen Störung auftreten.

Ich-Störungen

  • Gedankenausbreitung

  • Gedankenentzug

  • Gedankeneingebung

  • Depersonalisation

  • Derealisation

  • Fremdbeeinflussungserlebnisse

Ich-StörungenBei Ich-Störungen hat der Patient das Gefühl des von außen Gemachten. Er fühlt sich in Gedanken oder in der körperlich-seelischen Integrität beeinflusst. Die Grenze zwischen dem „Ich“ und der Umwelt wird als fließend empfunden, eine Abgrenzung ist letztlich nicht möglich. Ich-Störungen sind Symptome bei Schizophrenie, Intoxikationen, Belastungsstörungen, Delir oder schwerwiegenden Erschöpfungszuständen. Man unterscheidet:
  • GedankenausbreitungGedankenausbreitung: Die Gedanken gehören nicht mehr dem Patienten alleine, andere wissen, was er denkt (Gedankenlesen).

  • GedankenentzugGedankenentzug: Dem Patienten werden die Gedanken von außen weggenommen oder „abgezogen“.

  • GedankeneingebungGedankeneingebung: Gedanken und Vorstellungen werden als von außen her beeinflusst, gemacht, gelenkt, gesteuert, eingegeben, aufgedrängt empfunden.

  • DepersonalisationDepersonalisation: Störung des Einheitserlebens. Die Person kommt sich selbst fremd, unwirklich, unmittelbar verändert, als oder wie ein anderer und/oder uneinheitlich vor. Ein Fremdbeeinflussungserleben liegt nicht vor.

  • DerealisationDerealisation: Personen, Gegenstände und Umgebung erscheinen unwirklich, fremdartig oder auch räumlich verändert. Dadurch wirkt die Umwelt z. B. unvertraut, sonderbar oder gespenstisch. Ein Fremdbeeinflussungserleben liegt nicht vor.

  • FremdbeeinflussungserlebnisseFremdbeeinflussungserlebnisse: Der Patient fühlt sich von außen gelenkt, manipuliert, gesteuert.

Störungen der Affektivität

  • Affektlabilität

  • Affektarmut, Gefühl der Gefühllosigkeit

  • Affektinkontinenz

  • Innere Unruhe

  • Gereiztheit

  • Euphorie

  • Dysphorie

  • Läppischer Affekt

  • Parathymie

  • Angst

Unter Affektivität werden kurzzeitige Gefühlsäußerungen (Wut, Zorn, Freude) und längerfristig bestehende Stimmungen zusammengefasst. Störungen der Affektivität können sich äußern als:
  • AffektivitätsstörungAffektlabilitätAffektlabilität: Sehr schneller und intensiver Stimmungswechsel, z. B. vom Lachen zum Weinen. Vorkommen bei bipolaren Störungen oder Persönlichkeitsstörungen.

  • AffektarmutAffektarmut (Gefühlsarmut): Verminderung des Affekterlebens. Die Maximalvariante wird als Gefühl der GefühllosigkeitGefühllosigkeit beschrieben. Dabei sind die affektiven Regungen stark reduziert oder gar erloschen, der Patient fühlt nichts. Typisches Symptom der Depression oder Schizophrenie (Negativsymptomatik).

  • AffektinkontinenzAffektinkontinenz: Affekte und Stimmungen können nicht kontrolliert werden. Vorkommen bei hirnorganischen Psychosyndromen oder psycholabilen, emotional instabilen Patienten.

  • Innere UnruheinnereUnruhe: Der Patient fühlt sich unter Spannung, ist nervös. Vorkommen bei Angststörungen, Belastungsstörungen, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, Schizophrenie, Depression.

  • GereiztheitGereiztheit: Geht mit erhöhter Bereitschaft einher, aggressiv bzw. affektiv zu reagieren. Typisches Symptom der Manie.

  • EuphorieEuphorie: Gehobene Stimmungslage, z. B. bei der Manie.

  • DysphorieDysphorie: Gedrückte, missmutige Stimmungslage, z. B. bei Depressionen, Schizophrenie oder Persönlichkeitsstörungen.

  • Läppischer Affekt: Patient ist albern, kichert über alles. Typisches Symptom der Schizophrenie.

  • ParathymieParathymie: Das Gesagte oder der Anlass passen nicht zum Verhalten. Typisches Symptom der Schizophrenie.

Zwänge, Phobien, Ängste, hypochondrische Befürchtungen

Zwänge, Ängste und hypochondrischen Befürchtungen können eingeteilt werden in:
  • AngstAngst: Gefühl der Bedrohung und Gefahr, meist mit vegetativen Zuständen kombiniert; kann nahezu jede psychiatrische Erkrankung begleiten

  • Phobie:Phobie Situations- oder objektbezogene Angst

  • Misstrauen:Misstrauen Annahme, dass andere Menschen einem selber Schaden zufügen wollen

  • Hypochondrische Befürchtung: objektiv nicht begründete Sorge um den eigenen Gesundheitszustand bzw. Körper

  • Zwangsideen: Aufdrängen von nicht unterdrückbaren Denkinhalten, die meist als sinnlos von Patienten erkannt sowie als quälend und lästig empfunden werden

  • Zwangshandlungen: nicht unterdrückbare Handlungen, die meist als sinnlos, quälend und lästig empfunden werden

Störung des Antriebs und der Psychomotorik

  • Antriebsarmut

  • Stupor

  • Mutismus

  • Logorrhö

  • Antriebssteigerung

  • Motorische Unruhe

  • Automatismen

  • Sozialer Rückzug, soziale Umtriebigkeit

  • Sterotypien

  • Tics

Störungen des Antriebs und der Psychomotorik umfassen Störungen der Initiative, Aktivität, Energie und die Gesamtheit des Bewegungsablaufs. Sie könne sich äußern als:
  • PsychomotorikstörungAntriebsstörungAntriebsarmutAntriebsarmut, AntriebshemmungAntriebshemmung: Kennzeichnend sind mangelnde spontane Bewegungen. Sie können bei Depressionen, neurologischen Erkrankungen oder Drogenabusus vorkommen.

  • StuporStupor (Erstarrung): Der Patient ist bewegungslos bei völlig erhaltenem Bewusstsein. Er ist nicht oder nur minimal in der Lage, mit der Umwelt (über körperliche oder psychische Aktivität) zu kommunizieren. Gleichzeitig kann ein Mutismus beobachtet werden. Stupor kann bei katatoner Schizophrenie oder schweren Verläufen einer Depression vorkommen. Gelegentlich tritt er als Nebenwirkung von Pharmaka auf.

  • MutismusMutismus: Nichtsprechen bei gesundem Sprechapparat und Hörvermögen. Der (s)elektive Mutismus ist dadurch gekennzeichnet, dass die Hemmung der Sprache nur gegenüber einem bestimmten Personenkreis gezeigt wird, z. B. Lehrern oder entfernten Familienangehörigen.

  • LogorrhöLogorrhö: Sprechen ohne Punkt und Komma („Sprachdiarrhö“). Symptom der bipolaren Störung, Manie oder Zwangsstörung.

  • AntriebssteigerungAntriebssteigerung: Zunahme an Energie, Initiative, Schwung, Tatkraft und Anteilnahme. Sie kann ein Symptom der Manie sein oder bei antidepressiver Medikation als erwünschte Wirkung auftreten (optimalerweise erst nach Stimmungsaufhellung).

  • Motorische UnruhemotorischeUnruhe: Gesteigerte und ungerichtete motorische Aktivität. Symptom bei Depression, Manie, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen oder Drogenabusus.

  • AutomatismenAutomatismen: Sich ständig wiederholende, unwillkürliche und mitunter komplexe Bewegungsabläufe. Symptom der Schizophrenie.

  • Sozialer Rückzug, soziale Umtriebigkeit: Verminderung bzw. Erweiterung sozialer Kontakte. Sozialer Rückzug kann bei der Depression oder Schizophrenie auftreten, soziale Umtriebigkeit bei der Manie.

  • StereotypienStereotypien: Äußerungen auf sprachlichem und motorischem Gebiet, die in immer gleicher Form wiederholt werden. Sie können bei der Schizophrenie beobachtet werden.

  • TicTic: Gleichförmig wiederkehrende, rasche Muskelzuckungen oder unwillkürliche vokale Äußerungen. Tic-Störungen können im Kindesalter auftreten, beim Gilles-de-la-Tourette-Syndrom.

Suizidalität

Körperliche Untersuchung

Zu jeder psychiatrischen Exploration gehört neben der Erhebung des psychopathologischen Befunds eine orientierende internistische und neurologische Untersuchung (5.2, 6.3, 7.3, 8.3, 9.3, 10.3, 13.2, 14.3, 15.3, 19.2, 20.3)

Allgemeines zu psychiatrischen Krankheitsbildern

$psychiatrische ErkrankungenPsychiatrische Krankheiten werden nach den Kriterien des ICD-10 gegliedert.

Psychiatrische Symptome sind sehr häufig, fast alltäglich, der Übergang zur Erkrankung ist fließend und hängt von der Ausprägung und Fülle der Symptome ab. Fast alle psychiatrischen Erkrankungen gehen mehr oder weniger mit Einschränkungen im persönlichen, sozialen und beruflichen Bereich einher.

Psychiatrische Erkrankungenpsychiatrische Erkrankungen werden (wie andere Erkrankungen auch) nach ICD-10 (International Classification of Diseases) gegliedert (WHO-Version). Die frühere Einteilung erfolgte grob nach der Einteilung in endogene und exogene Psychosen und Neurosen, wobei diese Klassifikation heute selten verwendet wird.
PsychosenPsychose sind schwere psychiatrische Erkrankungen, bei denen der Bezug zur Realität sowie die soziale und berufliche Funktionsfähigkeit verloren gegangen sind. Zu den Psychosen zählen v. a. die schwere Depression, Manie, bipolare Störungen, Schizophrenie und organische (akute und chronische) Störungen.
NeurosenNeurose sind eher leichtere psychiatrische Erkrankungen (für den Betroffenen sind sie allerdings auch schwer) mit erhaltenem Realitätsbezug und weitgehend erhaltener sozialer und beruflicher Funktionsfähigkeit. Zu den Neurosen zählen z. B. Angst-, Zwangs- und Persönlichkeitsstörungen.
Die moderne Klassifikation von psychiatrischen Krankheitsbildern erfolgt nach ICD-10ICD-10, wobei gleichzeitig eine Kodierung mit einem Buchstaben und bis zu 4 Zahlen (z. B. F10.0 = akute Alkoholintoxikation) erfolgt:
  • F00–F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen

  • F10–F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen

  • F20–F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen

  • F30–F39 Affektive Störungen

  • F40–F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen

  • F50–F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren

  • F60–F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

  • F70–F79 Intelligenzstörung

  • F80–F89 Entwicklungsstörungen

  • F90–F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend

  • F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

Nicht alle nach ICD-10 aufgeführten Erkrankungen sind für den Heilpraktiker wichtig. Besprochen werden die Krankheitsbilder, die einen wichtigen Prüfungs- und Praxisbezug haben.
Psychiatrische Krankheitsbilder sind in erster Näherung durch ein „Gefühlschaos“ und ein abnormes Gefühlserleben gekennzeichnet. Ferner können Verhaltensweisen auftreten, die zunächst befremdlich wirken. Eine Eingliederung der Symptome in Analogie zu den Kriterien des psychopathologischen Befunds ist wichtig, um Symptome nicht mit „komisch“ oder „sonderbar“ umschreiben zu müssen. Psychiatrische Symptome sind sehr häufig, fast alltäglich, der Übergang zur Erkrankung ist fließend und hängt von der Ausprägung und Fülle der Symptome ab. Ein Symptom beweist eine Krankheit jedoch nicht; in der Regel finden sich zahlreiche Symptome, die in der Gesamtheit eine psychiatrische Erkrankung ergeben. Fast alle psychiatrischen Erkrankungen gehen mehr oder weniger mit Einschränkungen im persönlichen, sozialen und beruflichen Bereich einher und führen nicht selten zur Ausgrenzung der betroffenen Menschen.

Affektive Störungen

affektive StörungenPsychoseaffektiveAffektive Psychosen zeichnen sich durch eine Vielfalt und Dominanz an affektiven Symptomen aus. Zu den wichtigsten affektiven Störungen nach ICD-10 zählen:
  • Unipolare affektive Psychosen, die entweder als reine Depression oder als reine Manie verlaufen, wobei die reinen Depressionen mit 75 % deutlich überwiegen.

  • Bipolare affektive Psychosen, die als Kombination von beiden Krankheitsphasen auftreten.

  • Anhaltende affektive Störung (Dysthymia und Zyklothymia).

Depression

Depression:$Depression

  • Häufige psychische Verstimmung

  • Gedrückte Stimmung, Denk-, Antriebshemmung, somatische Symptome

  • Ursachen:

    • Genetische Disposition

    • Hormonelle Schwankungen

    • Neurotransmitterdefizit bzw. -Dysbalance

  • Auslöser: Life Events

Definition
DepressionSyn. Major DepressionMajor Depression, endogene Depressionendogene Depression. Die Depression ist eine psychische Störung mit trauriger Verstimmung, gedrückter, pessimistischer Stimmungslage, Antriebsminderung, Verzagtheit, Niedergeschlagenheit und Selbsttötungsneigung. Die Depression zählt zu den häufigsten psychiatrischen Erkrankungen, wobei ein Teil der Patienten (besonders Männer) nicht behandelt wird, weil offenbar keine Konsultation beim Arzt erfolgt.
Pathogenese
An der Entstehung der Depression sind offenbar sehr viele Faktoren beteiligt (multifaktorielles Modell), die entweder als alleiniger Faktor oder häufiger in der Summe aller Einflüsse und Prädispositionen eine depressive Erkrankung triggern. Zum einen kann eine genetische Disposition angenommen werden. Andere Hypothesen postulieren, dass eine Verminderung der Neurotransmitter im synaptischen Spalt bzw. die Dysbalance der Neurotransmitter und Rezeptorverteilung für die Ausbildung der Depression zuständig sind. Hormonelle Störungen, v. a. hohe Kortisolspiegel, aber auch Östrogen- oder Schilddrüsenhormonmangel, können ebenfalls eine manifeste Depression hervorrufen. Die saisonale Rhythmik scheint ebenfalls eine Rolle zu spielen, da Depressionen im Frühjahr und im Herbst gehäuft auftreten. Kritische, belastende und negativ bewertete Lebensereignisse, sog. Life Events, können in einem Teil der Fälle als Auslösefaktoren gelten. Zu den häufigsten zählen Scheidung, Verlust einer nahe stehenden Person oder andere Verlusterlebnisse, Traumatisierungen, aber auch Heirat, Geburt eines Kindes oder Beförderung. Aus der psychodynamischen Sicht werden Störungen in der Kind-Mutter-Beziehung und eine Ich-Schwäche angenommen. Die lerntheoretische Sicht nimmt eine gestörte Selbstwahrnehmung und Selbstbewertung an. Die Entwicklung der Symptome kann sich über Tage und Wochen erstrecken.
Symptome

$DepressionSymptomeLeitsymptome:

  • Psychische Verstimmung bis hin zum Gefühl der Gefühllosigkeit

  • Denkverlangsamung

  • Antriebshemmung

  • Schlafstörungen

Begleitsymptome:

  • Innere Unruhe

  • Verlust von Initiative und Entscheidungsfähigkeit

  • Angst, Hoffnungslosigkeit

  • Somatisches Syndrom

  • Suizidgedanken

  • Selten Wahnerleben

Die Symptome der Depression variieren sehr stark und sind zum einen abhängig von der Schwere der Depression, die mild, mittelschwer oder schwer verlaufen kann, zum anderen abhängig von der Depressionsform.
  • Störung der Affektivität in Form einer Verstimmung, die von leichter Verstimmung, z. B. Freudlosigkeit, Affektarmut, bis hin zum Gefühl der Gefühllosigkeit reichen kann; begleitend Schuldgefühle, Wertlosigkeit, vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.

  • Formale Denkstörung in Form von Denkverlangsamung, Denkhemmung und Grübeln.

  • Verminderter Antrieb: Patienten können sind schwer motivieren, Aktivitäten nachzugehen, gleichzeitig fühlen sie eine quälende Unruhe. Die Maximalvariante ist der depressive Stupor, wobei die Patienten kaum eine Spontanaktivität zeigen. Die Bewältigung der Alltagsaktivitäten kann, je nach Ausprägung, sehr schwer sein.

  • Entscheidungsschwäche, die bis zur Entscheidungsunfähigkeit reichen kann. Gleichzeitig besteht eine ausgeprägte Angst, gepaart mit Hoffnungslosigkeit, dass dieser Zustand bestehen bleibt.

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit.

  • Somatisches Syndrom: Permanente Müdigkeit, Schlafstörungen mit morgendlichem Früherwachen und Morgentief. Schlafstörungen zählen, neben den Störungen der Affektivität, zu den häufigsten Symptomen der Depression. Das Morgentief ist ebenfalls ein wichtiges Symptom: Die Patienten berichten von Verschlechterung der Gesamtlage am Morgen und am Vormittag, wobei am Nachmittag und Abend die Tendenz einer Besserung verspürt wird (im Gegensatz zur neurotischen Depression, die mit einem Abendtief verbunden ist). Andere Kennzeichen des somatischen Syndroms sind verminderter Appetit, Obstipation, Libido-, Gewichtsverlust und Schmerzsyndrome.

  • Suizidgedanken und Suizidrisiko deutlich erhöht: 60 % der chronisch depressiven Patienten begehen einen Suizidversuch, 15 % versterben durch Selbsttötung, bis zu 80 % der Patienten haben Suizidgedanken.

  • Gelegentlich Wahnerleben: Häufigste Wahnarten sind Versündigungs-, Verarmungs- und nihilistischer Wahn (stimmungskongruenter Wahn). Untypisch ist hingegen ein Größenwahn (stimmungsinkongruenter Wahn).

  • Typisches äußeres Erscheinungsbild mit reduzierter Mimik, Gestik, monotoner und leiser Sprache.

Formen

$DepressionFormenFormen der Depression:

  • Depressive Episode mit Einteilung in Schweregrade

  • Rezidivierende depressive Störung

  • Wahnhafte Depression

  • Agitierte Depression

  • Larvierte Depression

Grundsätzlich wird nach ICD-10 zwischen depressiven Episoden und rezidivierenden depressiven Störungen unterschieden. Die Schweregrade werden mit leicht, mittel und schwer bezeichnet. Ferner werden psychotische Symptome erfasst.
Andere Formen:
  • Wahnhafte bzw. psychotische Depression: Wahninhalte, gelegentlich auch Halluzinationen dominieren das Krankheitsbild.

  • Agitierte DepressionagitierteDepression: Im Vordergrund stehen Jammern, Klagen und psychomotorische Unruhe. Die Stimmung ist gedrückt und ängstlich.

  • Larvierte bzw. somatische DepressionsomatischeDepressionlarvierteDepression: Patient ist nicht in der Lage, die depressive Stimmung als solche zu beschreiben oder zu erleben. Die Symptome sind auf die körperliche Ebene verlagert und manifestieren sich als Rücken-, Bauch-, Kopfschmerzen, Herzbeschwerden, Schwindel, Globusgefühl usw. Typische Symptome der Depression wie Schlafstörungen, Morgentief, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichts-, Libidoverlust treten auf und müssen in jedem Fall abgefragt werden. Hypochondrische Befürchtungen sind ebenfalls zu verzeichnen.

  • Saisonale DepressionsaisonaleDepression: Auftreten in sonnenarmen Monaten.

  • InvolutionsdepressionInvolutionsdepression: Auftreten nach dem 45. Lebensjahr.

  • AltersdepressionAltersdepression: Auftreten nach dem 60. Lebensjahr.

  • WochenbettdepressionWochenbettdepression: Auftreten nach Entbindungen, am häufigsten in der ersten und zweiten Woche nach der Geburt.

Diagnostik
  • Wegweisend ist die Erhebung des psychopathologischen Befunds

  • Internistische und neurologische Untersuchung zum Ausschluss einer organischen Ursache

  • Psychologische Tests

  • Labor: Ausschluss u. a. entzündlicher, metabolischer und endokriner Ursachen

  • Bildgebende Diagnostik: Ausschluss von Neubildungen im Gehirn

  • Medikamentenanamnese: Ausschluss von pharmakogenen Depressionen

Therapie
  • Grundsätzlich sollten Patienten mit (V. a.) Depression dem Facharzt (Psychiater) vorgestellt werden.

$DepressionTherapieTherapie:

  • Abschätzung der Suizidalität

  • Antidepressiva

  • Psycho- und Ergotherapie

  • Lichttherapie

  • Abklärung einer möglichen Suizidalität.

  • Die Behandlung kann in Abhängigkeit von der Schwere und v. a. von der vorhandenen manifesten oder latenten Suizidalität stationär oder ambulant erfolgen.

  • Je nach Schwere der Erkrankung medikamentöse Therapie:

    • Antidepressiva: v. a. trizyklische Antidepressiva, selektive Serotonin-Rückaufnahme-Hemmer (SSRH)

    • Bei leichten Verlaufsformen Johanniskraut

    • Den Patienten darauf hinweisen, dass Antidepressiva nicht am nächsten Tag die volle Wirksamkeit entfalten, sondern im Mittel erst nach 3–4 Wochen, sodass bis dahin nicht unbedingt mit einer signifikanten Besserung der Symptomatik zu rechnen ist

  • Phasenprophylaktika: Lithium, Carbamazepin zur Behandlung einer bipolaren Störung

  • Psychotherapie (nicht in der Akutphase)

  • Ergotherapie (Beschäftigungs- und Arbeitstherapie)

  • Lichttherapie bei saisonaler Depression

  • Unterstützend mediterrane Kost, reich an Obst, Gemüse, Fisch und Olivenöl: wirkt sich offenbar positiv auf die Erkrankung auf

Manie

Manie:$Manie

  • Eher seltene psychische Störung

  • Mit Euphorie, Enthemmung, Selbstüberschätzung, Ideenflucht

Definition
ManieDie Manie ist eine psychische Störung mit euphorischer Stimmungslage, Enthemmung, Selbstüberschätzung und Ideenflucht. Weniger stark ausgeprägte Manien werden als Hypomanien bezeichnet.
Pathogenese
Die Ursachen der Manie sind nicht vollständig geklärt. Neben der genetischen Disposition scheinen eine Neurotransmitterdysbalance im synaptischen Spalt und äußere Faktoren wie Stress bzw. emotionale Erlebnisse (als Triggerfaktoren) eine große Rolle zu spielen. Die Entwicklung erfolgt schnell, innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen.
Symptome
  • Antriebssteigerung und inadäquat gehobene Stimmung; gelegentlich ist die Stimmung auch rechthaberisch, gereizt-dysphorisch oder aggressiv

$ManieSymptomeLeitsymptome:

  • Antriebssteigerung

  • Gehobene Stimmung

  • Ideenflucht

  • Selbstüberschätzung

Begleitsymptome:

  • Logorrhö

  • Hyperaktivität

  • Größenwahn

  • Ideenflucht und subjektives Gefühl von Gedankenrasen, wobei die Patienten in hohem Maße ablenkbar sind

  • Reduzierte bis aufgehobene Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Fähigkeiten

  • Verhalten durch gesteigerte Selbsteinschätzung, maßlosen Optimismus bis hin zu Omnipotenzgefühlen verbunden mit Distanzlosigkeit gekennzeichnet → finanzielle Verluste, durch z. B. Kauf mehrerer Häuser oder Fahrzeuge, oder berufliche Probleme

  • Entwicklung eines Größenwahns

  • Schlafstörungen mit verminderten Schlafbedürfnis

  • Logorrhö (starker Rededrang)

  • Lautes Sprechen

  • Gesteigerte Libido

  • Krankheitseinsicht in den meisten Fällen nicht vorhanden (den Patienten geht es subjektiv gut)

  • Alkohol- und Drogenmissbrauch können das Krankheitsbild begleiten

Diagnostik
Therapie
  • Ausgeprägte manische Episoden: stationäre Therapie

  • Bei Uneinsichtigkeit Einweisung der Patienten nach dem geltenden Unterbringungsrecht und nach richterlichem Beschluss

  • Medikamentöse Therapie: Neuroleptika, Sedativa und/oder bei bipolarem Verlauf mit Phasenprophylaktika (Lithium, Carbamazepin)

MERKE

Merke

Die Manie geht häufig mit subjektiven Wohlbefinden und enormer Leistungsfähigkeit einher, welche die betroffenen Menschen eher als angenehm empfinden. Die Krankheitseinsicht fehlt in den meisten Fällen. Meist werden die Patienten gegen ihren Willen in einer psychiatrischen Einrichtung nach dem geltenden Länderrecht untergebracht und medikamentös behandelt.

Bipolare affektive Störung
bipolare affektive Störung

$bipolare affektive StörungBipolare affektive Störung: Wechsel von depressiven und manischen Phasen

Definition
Syn. manisch-depressive Störungmanisch-depressive Störung, ZyklothymieZyklothymie (alter Begriff). Die bipolare affektive Störung ist eine psychische Erkrankung mit Wechsel von depressiven mit manischen Phasen. Der Beginn liegt meist zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Die Erkrankung geht mit einer reduzierten Lebenserwartung (im Durchschnitt 9 Jahre) einher.
Pathogenese
Die Ursachen der Erkrankungen gleichen denen der Depression. Bei Männern beginnt die Erkrankung mit manischen, bei Frauen häufig mit depressiven Symptomen. Der Erkrankungsverlauf ist ganz unterschiedlich. In einem Teil der Fälle wird die manische Phase von einer depressiven Phase abgelöst, bei anderen Patienten werden depressive Phasen von einer leichten manischen Nachschwankung abgelöst und es entwickeln sich stabile Stimmungsphasen. Selten bestehen beide Phasen nebeneinander und wechseln permanent, wobei sowohl die manische als auch die depressive nicht voll ausgeprägt sind. In den meisten Fällen werden im Verlauf der Erkrankungsdauer die gesunden Intervalle kürzer, wobei die depressiven Phasen länger und schwerer und die manischen Phasen kürzer und leichter werden.
Therapie
  • Stimmungsstabilisierende Medikamente

  • Konservative Maßnahmen, z. B. Ergotherapie

Anhaltende affektive Störung

Anhaltende affektive Störung:

  • Dysthymie:$Dysthymie länger als 2 Jahre andauernde leichte depressive Episoden

  • Zyklothymia:$Zyklothymia länger als 2 Jahre andauernder Wechsel zwischen leicht gehobener und leicht depressiver Stimmung

Zu den anhaltenden affektiven Störungen zählen die Dysthymie und Zyklothymia. Die DysthymieDysthymie (neurotische DepressionDepressionneurotische) ist gekennzeichnet durch einen Verlauf über mindestens 2 Jahre mit leichten depressiven Symptomen, bei der Unzufriedenheit und Müdigkeit bestehen und der Alltag bewältigt werden kann. Typisch für die Dysthymie ist ein Abendtief (im Gegensatz zu der Depression, wo sich ein Morgentief findet) und eine starke Neigung zur Fremdanklage (bei der Depression findet sich eine Selbstanklage). Die Erkrankung tritt in etwa 50 % der Fälle vor dem 25. Lebensjahr auf, in einem Teil kann sie in eine Major Depression übergehen. Die Therapie erfolgt medikamentös mit Antidepressiva und Psychotherapie.
Die ZyklothymiaZyklothymie ist durch eine anhaltende Stimmungsinstabilität gekennzeichnet. Sie dauert länger als 2 Jahre. Episoden mit leicht gehobener Stimmung wechseln sich mit Phasen leicht gedrückter Stimmung ab. In einem Teil der Fälle ist ein Übergang in eine bipolare Störung möglich. Die Therapie erfolgt mit Antidepressiva, stimmungsstabilisierenden Mitteln und Psychotherapie.

Schizophrenie

  • $SchizophrenieSchwere psychische Erkrankung mit Änderung von Wahrnehmung, Psychomotorik, Affektlage, Leistungsfähigkeit, Denken

  • Männer erkranken früher als Frauen, wobei beide Geschlechter gleich häufig betroffen sind

  • Lebenszeitprävalenz bei 1 %

Definition
SchizophrenieDie Schizophrenie ist eine psychotische Erkrankung mit einer Änderung der Wahrnehmung, Psychomotorik, Affektlage, Leistungsfähigkeit und des Denkens. Männer erkranken im Durchschnitt um das 20. Lebensjahr, Frauen etwa 5 Jahre später, wobei beide Geschlechter gleich häufig betroffen sind. Die Lebenszeitprävalenz liegt bei 1 %.
Pathogenese
Für die Ursachen der Schizophrenie werden heute viele Faktoren angenommen, wobei die genetische Disposition (genetische Vulnerabilität) eine sehr wichtige Rolle spielt. Angenommen wird ein polygener Erbgang, der mitursächlich für die Entstehung der Erkrankung sein könnte. Eine Ausschließlichkeit kann jedoch nicht postuliert werden, weil bei 80 % der Erkrankten keine weiteren Erkrankungsfälle in der Familie vorkommen. Ein anderer wichtiger prädisponierender Faktor sind Dysbalancen innerhalb der Gehirnstruktur im Hinblick auf eine minimal veränderte Anatomie, einen veränderten Stoffwechsel (besonders im Bereich des Frontallappens) und eine veränderte Neurotransmitteraktivität bzw. Empfindlichkeit der Rezeptoren. Pränatale virale Infektionen scheinen ebenfalls eine Rolle zu spielen, die vermutlich eine Hirnentwicklungsstörung fördern. Ein möglicher Sauerstoffmangel unter der Geburt ist in einigen Studien ebenfalls als möglicher Kofaktor benannt worden. Der dritte wichtige prädisponierende Faktor ist der psychosoziale Faktor, der als Ursache und Auslöser angesehen wird. Lange galt ein niedriger sozialer Status als Risikofaktor, neue Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein sozialer Abstieg häufig die Folge der Erkrankung ist. Psychosoziale Über- und Unterstimulation, Life Events und eine ungünstige Familienatmosphäre fördern die Entstehung der Erkrankung. Ein anderer wichtiger Triggerfaktor ist der Drogenkonsum, v. a. von Cannabis oder LSD.
Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass Menschen, die an einer Schizophrenie erkranken, sehr viel empfindsamer und verletzlicher auf Reize (innere und äußere) reagieren. Bereits in der prämorbiden Phase besteht eine geringe Toleranz gegenüber unterschiedlichen Belastungsfaktoren (körperlich, seelisch und biografisch).
Symptome

$SchizophrenieSymptomeLeitsymptome:

  • Formale Denkstörungen mit u. a. Denkzerfahrenheit

  • Affektstörungen mit u. a. Apathie, Parathymie, Misstrauen

  • Wahn: u. a. Verfolgungs-, Beziehungswahn

  • Halluzinationen, v. a. akustische

  • Ich-Störungen mit Fremdbeeinflussungserlebnissen

  • Störung der Psychomotorik mit Trägheit, Mutismus, Stupor

  • Positivsymptome: Wahn, Halluzinationen, Ich-Störungen

  • Negativsymptome: Affektarmut, -verflachung, Sprachverarmung, Apathie, Anhedonie

Die Symptome der Schizophrenie sind ausgesprochen vielfältig. Sie müssen nicht vollständig vorhanden sein, in der Regel besteht aber ein Symptomreichtum.
  • Orientierung, Bewusstsein und Gedächtnis in der Regel erhalten

  • Formale Denkstörungen: typisch sind Denkzerfahrenheit, Gedankenabreißen, Vorbeireden, Neologismen

  • Inhaltliche Denkstörungen: charakteristisch ist das Wahnerleben (akustisch, optisch, taktil); häufige Wahnformen sind Beeinflussungs-, Verfolgungs-, Kontroll-, Beziehungs-, religiöser Wahn

  • Ich-Störungen: Gedankenlautwerden, -eingebung, -entzug, -ausbreitung

  • Halluzinationen: charakteristisch sind akustische Halluzinationen, die in Form dialogisierender Stimmen (sich untereinander unterhaltend), imperativer (Befehlsstimmen) oder kommentierender Stimmen auftreten können

  • Störung der Psychomotorik: Ziellosigkeit, Trägheit, Stupor und Mutismus, Erregung oder katatoner Stupor (mit Flexibilitas cerea; veränderter Muskeltonus bei passiver Bewegung mit „wächserner Biegsamkeit“)

  • Affektstörungen: fast regelmäßig vorkommend; Apathie, Sprachverarmung, verflachter, alberner (läppischer) oder inadäquater Affekt (Parathymie), ausgeprägtes Misstrauen, Angst

  • Störung des Sozialverhaltens: Kontaktmangel, Aggressionstendenz, Verwahrlosung

  • Suizidale Krisen

Je nach Symptomenbild werden unterschieden:
  • Positivsymptomatik:

    • Wahn

    • Halluzinationen jeglicher Art

    • Ich-Störungen

  • Negativsymptomatik:

    • Affektarmut, -verflachung

    • Sprachverarmung

    • Apathie, Anhedonie, Asozialität

MERKE

Merke

Wahn und Halluzinationen beweisen keine Schizophrenie.

Ältere Klassifiktionen
In der älteren Klassifikation können Symptome nach Bleuler und Schneider (jeweils Erstbeschreiber) in Grund- und akzessorische Symptome bzw. in Symptome 1. und 2. Ranges eingeteilt werden.
Klassifikation nach Bleuler:
  • Grundsymptome: formale Denkstörungen, Störungen der Affektivität, Antriebsstörungen

  • Akzessorische Symptome: Halluzinationen, Wahn, katatone Symptome

Klassifikation nach Schneider:
  • Symptome 1. Ranges:

    • Wahnwahrnehmung

    • Akustische (dialogisierende) Halluzinationen

    • Gedankenlautwerden, -entzug, -eingebung,- ausbreitung

    • Andere Beeinflussungserlebnisse, welche die Qualität des von außen gemachten haben

  • Symptome 2. Ranges:

    • Wahneinfall

    • Sonstige Halluzinationen

    • Störung der Affektivität

Einteilung

$SchizophrenieEinteilungSubtypen der Schizophrenie:

  • Paranoid-halluzinatorischer Typ

  • Hebephrener Typ

  • Katatoner Typ

  • Residualtyp

Je nach Symptomausprägung können unterschiedliche Arten bzw. Subtypen der Schizophrenie unterschieden werden:
  • Paranoid-halluzinatorische Schizophrenie: Vorherrschen von Plussymptomen. Im Vordergrund stehen Wahnerleben, Halluzinationen (akustische Halluzinationen) und Ich-Störungen. Negativsymptome sind entweder nicht vorhanden oder weniger auffällig. Häufigste Schizophrenieform.

  • Hebephrene Schizophrenie: Beginn im jugendlichen Alter. Charakteristisch sind Affektstörungen (läppisch-heitere, flache Stimmung), Denkstörungen, ungeordnetes Denken, unbestimmte, bizarre Sprache, Antriebsstörungen (Apathie oder ungeniertes distanzloses Verhalten).

  • Katatone Schizophrenie: Seltene Form, die sich durch das Vorherrschen von Minussymptomen auszeichnet. Charakteristisch sind Stupor, psychomotorische Erregung, Sprachstereotypien.

  • Residualzustand (schizophrenes Residuum): Entwickelt sich nach akuten Episoden und geht hauptsächlich mit Minussymptomen und schlechter Prognose einher.

Differenzialdiagnosen
  • Schizoaffektive Psychosen: beinhalten neben den Schizophreniesymptomen auch depressive oder manische Symptome

  • Hirnorganische Prozesse, z. B. durch entzündliche, neoplastische, toxische Ursachen

  • Stoffwechselkrankheiten

  • Drogenintoxikation

Therapie
  • Medikamentöse Therapie: Neuroleptika (Antipsychotika)

  • Vermeidung von Unter- und Überstimulation

  • Psychoedukation, supportive Psychotherapie

  • Soziotherapie: Ergo-, Arbeitstherapie, rehabilitative Maßnahmen

Prognose
Ein Drittel der Patienten erfährt eine deutliche oder vollständige Rückbildung der Symptome, ein weiteres Drittel erfährt mäßige Linderung. Das letzte Drittel der Patienten erfährt eher eine Verschlechterung der bestehenden Symptome (Residualzustand).
Günstige Faktoren sind akuter Beginn, manifeste Auslöser, kurze Krankheitsepisode, weibliches Geschlecht, gute Compliance und sichere Einbettung im familiären und sozialen Umfeld.

Akute körperlich begründbare Psychosen

$Psychoseakute körperlich begründbareAkute, reversible psychische Störung durch organische Gehirnveränderungen

Definition
Psychoseakute körperlich begründbareSyn. akute organische organische StörungStörung, akute organische PsychoseorganischePsychose, akutes organisches organisches PsychosyndromPsychosyndrom. Akute körperlich begründbare Psychosen beruhen auf einer organischen Veränderung des ZNS. Sie zeichnen sich durch einen akuten Beginn aus und können nach Behandlung der Ursache reversibel sein. Sie gehen mit oder ohne Bewusstseinsstörungen einher. Zu den akuten körperlich begründbaren Psychosen zählen Delir, organische Halluzinose und akutes amnestisches Syndrom.
Delir

Delir:$Delir

  • Akutes Psychosyndrom mit Bewusstseinsstörung

  • Ursachen: Substanzabusus, Infektionen, Stoffwechselentgleisungen

Definition
DelirDas Delir ist ein organisches Psychosyndromorganisches Psychosyndrom, das akut auftritt und mit einer Bewusstseinstrübung einhergeht.
Ursachen
  • Alkohol-, Medikamenten-, Drogenabusus

  • Infektionen

  • Metabolische Entgleisungen: Hyperthyreose, Hyperkortisolismus, hepatische und urämische Enzephalopathie, Hypo-, Hyperglykämie

  • Trauma

Symptome
  • Qualitative oder quantitative Bewusstseinsveränderungen

$DelirSymptomeSymptome:

  • Bewusstseinsstörung

  • Orientierungsstörung

  • Optische Halluzinationen

  • Unruhe

  • Vegetative Symptome

  • Optische Halluzinationen

  • Angst, innere Unruhe, Schreckhaftigkeit

  • Depressive Verstimmung

  • Störung im Schlaf-Wach-Rhythmus

  • Psychomotorische Unruhe mit Beschäftigungsdrang, Nesteln, Herumsuchen

  • Magen-Darm-Störungen: Brechreiz, Durchfall

  • Kreislaufstörungen: Hypertonie, Tachykardie

  • Vegetative Störungen: Schlafstörungen, Schwitzen, Mydriasis, Fieber

  • Neurologische Störungen: Artikulationsstörungen, epileptische Anfälle, Tremor

Therapie
  • Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.12.13)

$DelirTherapie

  • Behandlung der Ursachen

Organische Halluzinose

$organische HalluzinoseOrganische Halluzinose: akutes Psychosyndrom ohne Bewusstseinsstörung

Definition
organische HalluzinoseDie organische Halluzinose ist ein organisches Psychosyndrom ohne Bewusstseinsstörung.
Ursachen
  • Hirntrauma

  • Chorea Huntington

  • Stoffwechselerkrankungen mit Beteiligung des Gehirns

Symptome
  • Optische und akustische Halluzinationen

  • Realitätsbezug in der Regel lange erhalten

  • Erhaltenes Bewusstsein

Therapie
  • Behandlung der Ursachen

  • Neuroleptika

Akutes amnestisches Syndrom

$amnestisches SyndromAkutes amnestisches Syndrom: akutes Psychosyndrom mit Gedächtnisstörung

amnestisches SyndromDas akute amnestische Syndrom ist eine organische Psychose mit ausgeprägter Gedächtnisstörung und erhaltenem Bewusstsein.
Einteilung und Ursachen
  • Akute Form: Folge eines Schädel-Hirn-Traumas

  • Chronische Form = Korsakow-Korsakow-SyndromSyndrom: Folge oder Begleiterscheinung des Alkoholabusus aufgrund eines Vitamin-B1-Mangels

Symptome
  • Störung des Gedächtnisses

  • Konfabulationen

  • Psychomotorische Störungen in Form von Antriebslosigkeit, Apathie

Therapie
  • Behebung der Ursache

  • Vitamin-B1-Substitution bei der Korsakow-Psychose

Chronische körperlich begründbare Psychosen (Demenzen)

  • $Psychosechronische körperlich begründbare$DemenzChronische, irreversible Gehirnveränderung

  • Führt zum Verlust kognitiver Fähigkeiten

Definition
Psychosechronische körperlich begründbareDemenzDie Demenz ist Folge einer schweren und irreversiblen Gehirnveränderung. Sie zeichnet sich durch den Verlust kognitiver Fähigkeiten aus, geht mit Gedächtnis-, Orientierungsstörungen, Störungen des Antriebs und des Affekts einher. Zu den Demenzen zählen u. a. Morbus AlzheimerMorbus Alzheimer und die vaskuläre Demenz (Morbus BinswangerMorbus Binswanger).
Ursachen und Einteilung
Demenzen können in primäre und sekundäre Formen eingeteilt werden. Zu den primären Demenzen, die auch die häufigste Form darstellen, zählen der Morbus Alzheimer und die vaskuläre Demenz. Sie sind auf Erkrankungen des Gehirns zurückzuführen. Sekundäre Demenzen sind Folge einer körperlichen Erkrankung, die Auswirkungen auf das Gehirn hat, u. a. durch toxische Einwirkung von z. B. Alkohol, Drogen, Schwermetallen, posttraumatisch nach Schädel-Hirn-Traumen mit Kontusion und Hämatombildung, infektiös durch eine Enzephalitis. Ferner kann ein B-Vitaminmangel, besonders ein Mangel an Vitamin B1 und B12, demenzielle Syndrome auslösen. Andere Ursachen sind Leber- und Niereninsuffizienz, Schilddrüsenerkrankungen und Vaskulitiden.
Morbus Alzheimer

Morbus Alzheimer:$Morbus Alzheimer

  • Häufigste Demenzform

  • Gekennzeichnet durch Gehirnatrophie und Bildung amyloider Plaques

Definition
Morbus AlzheimerDer Morbus Alzheimer ist gekennzeichnet durch eine Gehirnatrophie und amyloide Plaques.
Pathogenese
Die Ursachen der Demenz vom Alzheimer-Typ sind nicht hinreichend geklärt. Eine genetische Prädisposition ist wahrscheinlich, zumindest in einigen Fällen, bei denen die Erkrankung über einen autosomal-dominanten Modus übertragen wird. Umwelteinflüsse, z. B. eine Aluminiumbelastung, entzündliche und infektiöse Ursachen werden diskutiert, eine Bestätigung fehlt allerdings bis heute.
Charakteristisch ist die übermäßige Bildung und Ablagerung von spezifischen Proteinen (Amyloide-Plaques und Alzheimer-Fibrillen) im Gehirn, die schlussendlich zum Untergang der Neurone führen und eine Hirnatrophie nach sich ziehen.
Symptome
  • Schleichender, langsamer Beginn, wobei eine Vergesslichkeit im Vordergrund steht

$Morbus AlzheimerSymptomeSymptome:

  • Schleichender, langsamer Beginn mit Störung des Gedächtnisses

  • Störung der Orientierung

  • Kognitive Einbußen in Bezug auf Sprache, Urteilsfähigkeit, Rechnen

  • Im Laufe der Zeit Störung des Gedächtnisses, die typischerweise zunächst die Merkfähigkeit betrifft und später auch das Altgedächtnis

  • Orientierungsstörung: fällt zunächst dann auf, wenn Patienten sich in neuer Umgebung befinden, z. B. im Urlaub; tritt später auch in vertrauter Umgebung auf

  • Störungen der zeitlichen und situativen Orientierung

  • Orientierung zur Person bleibt am längsten erhalten, geht aber in den meisten Fällen im fortgeschrittenen Stadium verloren

  • Störungen in der sprachlichen Kompetenz: beginnen mit Wortfindungsstörungen, später sind das Sprachverständnis und auch der sprachliche Ausdruck gestört

  • Urteilsfähigkeit mit zunehmender Progredienz der Erkrankung gestört

  • Verlust früherer Interessen, was mit den erwähnten Symptomen zur Einschränkung der Lebensführung führt

  • In späten Stadien Störungen der Motorik, die von Gangunsicherheit und Stürzen begleitet werden und in Bettlägerigkeit münden

  • Im fortgeschrittenen Stadium auch Wahnerleben, Halluzinationen, Unruhe, depressive Stimmungsbilder, Störungen im Tag-Nacht-Rhythmus

Diagnose
  • Die Demenz vom Alzheimer-Typ ist eine Ausschlussdiagnose; internistische, neurologische und psychiatrische Untersuchungen und Tests sind unabdingbar.

  • Neuropsychologische Testung erfolgt mit einigen Standardtests:

    • Mini-Mental-State-Test: Prüft v. a. Orientierung, Merkfähigkeit, Altgedächtnis, Aufmerksamkeit, Rechnen, Sprachvermögen, Verständnis.

    • Benton-Test: prüft das visuelle Gedächtnis. Der Patient schaut sich an einer Vorlage eine geometrische Figur an und muss später die Figur reproduzieren.

    • Uhr-Zeichen-Test: Prüft das visuelle, räumliche Gedächtnis. Der Patient wird aufgefordert, ein Zifferblatt mit einer bestimmten Uhrzeit zu zeichnen.

  • Labor: u. a. Blutbild, GOT, GPT, γ-GT, Kreatinin, Harnstoff, TSH, Vitamin B12

  • Bildgebende Verfahren (CCT, MRT): zum Ausschluss struktureller Gehirnveränderungen, wobei eine nachgewiesene Gehirnatrophie nicht mit den kognitiven Fähigkeiten korreliert.

MERKE

Merke

Die Diagnose der Alzheimer-Demenz wird erst dann gestellt, wenn alle internistischen oder neurologischen Ursachen ausgeschlossen wurden. Die Störungen müssen mindestens ½ Jahr bestehen bleiben.

Differenzialdiagnosen
  • Depression: Kann u. U. Schwierigkeiten bei der Differenzierung bieten, besonders dann, wenn die Depression v. a. mit Symptomen der reduzierten kognitiven Fähigkeiten einhergeht. Grundsätzlich ist die Orientierung bei der Depression nicht gestört, das Gedächtnis ist in den meisten Fällen erhalten. Typisch für die Depression ist auch, dass die Patienten Defizite nicht verbergen, während demenzkranke Patienten häufig Symptome dissimulieren.

  • Vitamin-B12-Mangel: Begleitend zur demenziellen Symptomen treten neurologische Störungen im Form von Störung der Tiefensensibilität auf, das Blutbild ist im Sinne einer makrozytären, hyperchromen Anämie verändert, das Vitamin B12 im Serum ist vermindert.

  • Hypothyreose: Charakteristisch sind u. a. Leistungsabfall, Antriebsarmut, Müdigkeit, depressive Stimmung, erniedrigte Körpertemperatur, Gewichtszunahme, reduzierte Eigenreflexe, Hypotonie, Bradykardie und Myxödem.

  • Neurolues: Typisch sind frühere Symptome des Stadium I–III der Lues und positive Lues-Serologie.

  • Hirntumoren: Können mit demenziellen Symptomen einhergehen. Zusätzlich bestehen aber in der Regel neurologische Ausfälle wie Bewusstseinsstörungen, Kopfschmerzen, epileptische Anfälle, motorische und sensible Ausfälle.

  • Stoffwechselkrankheiten, z. B. Morbus Wilson: Typisch ist u. a. eine Entwicklung der Leberzirrhose und eines Kayser-Fleischer-Korneal-Rings. In der Blutuntersuchung ist das Coeruloplasmin vermindert, Kupferausscheidung im Urin und Kupfergehalt der Leber sind erhöht.

Therapie
  • Keine sicher wirksame Therapie vorhanden

  • Medikamentöse Therapie: Antidementiva, Cholinesterasehemmer, Glutamatmodulatoren und Kalziumkanalantagonisten; können eine Stabilisierung des „Ist-Zustands“ über (meist wenige) Monate bewirken, unterbinden allerdings nicht die Progredienz der Erkrankung

  • Kognitives Training im Sinne einer Realitätsorientierung und in Form eines Gedächtnistrainings

  • Ergotherapie mit Arbeits- und Beschäftigungstherapie

  • Alzheimer-Selbsthilfe-Gruppen für Angehörige

Vaskuläre Demenz

$DemenzvaskuläreVaskuläre Demenz: Ursachen sind Arteriosklerose, Mikroangiopathie und Minderdurchblutung

Definition
DemenzvaskuläreSyn. MultiinfarktdemenzMultiinfarktdemenz, Morbus BinswangerMorbus Binswanger. Die vaskuläre Demenz ist durch Arteriosklerose und/oder Mikroangiopathie bedingt und kann zu vorübergehenden oder bleibenden kognitiven Defiziten führen.
Pathogenese
Die vaskulären Demenzen entstehen durch Minderdurchblutung von Gehirnarealen auf dem Boden einer Makroangiopathie (Arteriosklerose) und/oder Mikroangiopathie mit der Folge des Neuronenuntergangs und/oder der Demyelinisierung. Die vaskulären Demenzen können je nach histologischem Bild eingeteilt werden in:
  • Multiple Infarkte: Entstehen durch Gefäßverschlüsse der großen und kleinen Gefäße. Risikofaktoren sind arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Nikotinabusus und Dyslipoproteinämie.

  • Strategische Infarkte: Entstehen durch Gefäßverschlüsse der kleinen Gefäße an (strategisch) wichtigen Hirnarealen, z. B. am Thalamus oder frontalem Marklager.

  • Demyelinisierung des Marklagers (weißen Substanz): Entstehen durch Minderdurchblutung der weißen Substanz und sind v. a. periventrikulär und im Okzipitallappen zu finden. Hauptrisikofaktor ist die arterielle Hypertonie.

Symptome

$Demenzvaskuläre SymptomeSymptome:

  • Schnelles Auftreten der Symptome

  • Schubförmiger Verlauf

  • Verlangsamung, Reizbarkeit, Affektlabilität

  • Gedächtnisprobleme treten sehr spät auf

  • Symptome variieren je nach Lokalisation der Infarkte und histologischem Bild

  • Meist plötzlicher Beginn und schubförmiger (treppenförmiger) Verlauf mit Verlangsamung, Apathie, sozialem Rückzug, Konzentrationsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen, Denkschwierigkeiten oder Affektlabilität mit depressiven Symptomen

  • Körperliche Symptome im Sinne neurologischer Ausfälle, u. a. Lähmungserscheinungen

  • Gedächtnisprobleme erst in späteren Stadien

  • Paranoide Symptome, nächtliche Verwirrtheitszustände in späten Stadien

Therapie
  • Behandlung der Grunderkrankungen und vorbestehender Risikofaktoren

  • Kognitives Training

Alkoholkrankheit

$AlkoholkrankheitAlkoholsucht$Alkoholsucht: physische und psychische Abhängigkeit von Alkohol

Alkoholmissbrauch:$Alkoholmissbrauch von sozialen Normen abweichender übermäßiger Konsum

Riskanter Alkoholkonsum:$Alkoholkonsumriskanter ♀ > 20 g/Tag, ♂ 30–40 g/Tag an > 5 Tagen/Woche

Definition
AlkoholkrankheitBei der Alkoholkrankheit besteht eine physische und psychische Abhängigkeit von Alkohol mit oft weitreichenden Folgen. Betroffen sind in Deutschland schätzungsweise ca. 3,5 % der Männer und 1,5 % der Frauen, wobei die Dunkelziffer sehr hoch ist.
Pathogenese
Für die Alkoholkrankheit wird eine multifaktorielle Genese angenommen. Neben genetischen Faktoren spielen Veränderungen im Neurotransmittersystem eine Rolle, Alkoholsuchtdie zur Ausbildung eines „Suchtgedächtnisses“ führen. Als andere Ursachen werden Traumatisierungen und Verluste angenommen, ferner soziokulturelle Faktoren wie Werbung und ständige Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken.
Die Alkoholkrankheit geht mit körperlicher und/oder psychischer Abhängigkeit einher. Die physische Abhängigkeit ist durch Toleranzentwicklung und Steigerung der Dosis und Entzugserscheinungen nach Absetzen des Alkohols (oder anderer Substanzen) gekennzeichnet. Die psychische Abhängigkeit zeigt sich in einem unwiderstehlichen Verlangen nach Alkohol (aber auch anderen Substanzen; Craving) und Kontrollverlust.
Von der Alkoholabhängigkeit können der Alkoholmissbrauch und der riskante Alkoholkonsum abgegrenzt werden. Unter AlkoholmissbrauchAlkoholmissbrauch versteht man einen von der sozialen Norm abweichenden Konsum (einmalig oder rezidivierend), der im Übermaß erfolgt. Ferner auch dann, wenn z. B. Ausbildung, Familie und Beruf vernachlässigt werden, Autofahrten, delinquentes Verhalten unter Alkoholeinfluss stattfinden und der Konsum trotz aufgetretener Probleme bestehen bleibt. Vom riskanten AlkoholkonsumAlkoholkonsumriskanter spricht man ab einer konsumierten Alkoholmenge bei Frauen > 20 g Alkohol/Tag und bei Männern > 30–40 g Alkohol/Tag an mehr als 5 Tagen/Woche.
Bei der Alkoholabhängigkeit sind häufig andere Koerkrankungen zu beobachten, v. a. Depressionen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen.
Abhängigkeit

$AlkoholkrankheitSuchtkriterienSuchtkriterien nach ICD-10:

  • Craving

  • Kontrollverlust

  • Entzugssyndrom beim Absetzen

  • Toleranzentwicklung

  • Vernachlässigung anderer Interessen

  • Konsum trotz schädigender Folgen

AbhängigkeitDas AbhängigkeitssyndromAbhängigkeitssyndrom (SuchtSucht) ist nach ICD durch folgende Kriterien definiert, wobei mindestens 3 Kriterien zutreffen müssen:
  • Starker Wunsch oder Zwang, Alkohol (Drogen) zu konsumieren

  • Kontrollverlust

  • Körperliches Entzugssyndrom bei Absetzen oder Reduktion des Alkohols

  • Toleranzentwicklung

  • Vernachlässigung anderer Interessen

  • Konsum trotz schädigender Folgen (körperlich, psychisch, beruflich, sozial, familiär)

Die unterschiedlichen Abhängigkeitstypen werden nach JellinekJellinek in 5 Typen eingeteilt (Tab. 21.1).

TABELLE 21.1

Verlauf der Alkoholkrankheit

$AlkoholkrankheitVerlaufVerlauf der Alkoholkrankheit:

  • Präalkoholische Phase

  • Prodromalphase

  • Kritische Phase

  • Chronische Phase

  • Rehabilitative Phase

In der Regel entwickelt sich die Alkoholkrankheit schleichend über viele Jahre und Jahrzehnte, wobei der Zustand sehr lange kompensiert ist, d. h. dass die Menschen eine sehr lange Zeit sozial, beruflich und familiär „funktionieren“ und eine Abhängigkeit auf den ersten Blick gar nicht erkannt wird. Im Rahmen der internistischen Untersuchung können z. B. Auffälligkeiten bei der Leberuntersuchung (Lebervergrößerung, Fettleber, Leberzirrhose) oder Laborveränderungen im Sinne einer Erhöhung von γ-GT, GOT, GPT, MCV und CDT (Carbohydrate Defizientes Transferrin) auftreten. Mit steigender Alkoholmenge, Alkoholart (je höherprozentiger, desto schneller) und Abhängigkeitszeit dekompensiert der Zustand zunehmend, der Patient wird manifest krank. Für eine Genesung benötigen Menschen in der Regel Jahre, die häufig von Rückfällen unterbrochen werden. Die Sucht bzw. das Suchtpotenzial bleibt in der Regel ein Leben lang bestehen.
Die Alkoholkrankheit kann in folgende Phasen eingeteilt werden:
  • Präalkoholische Phase: gelegentliches oder häufiges Erleichterungstrinken

  • Prodromal- bzw. Einleitungsphase: wichtige Kennzeichen sind heimliches Trinken, dauerndes Trinken und andauerndes Denken an Alkohol, gieriges Trinken, Meidung des Themas Alkohol, Anlegen von Alkoholvorräten (auch bei Nachbarn oder Freunden), Schuldgefühle wegen des Alkoholkonsums

  • Kritische Phase: Stimmungsschwankungen, Kontroll- und Interessenverlust, „Alibis“, morgendlicher Konsum oder Versuch, nicht vor einer bestimmten Zeit zu trinken, soziale, berufliche und familiäre Konflikte, aber auch zeitweilige Abstinenz, Entzugserscheinungen nach Abstinenz

  • Chronische Phase: sinkende Alkoholtoleranz und Konsum jeder alkoholischen Flüssigkeit mit tagelangem Vollrausch, sozialer Abstieg, Deprivation, Angstzustände, Suizidgefahr

  • Rehabilitationsphase: Zunahme der emotionellen Kontrolle, ehrlicher Wunsch nach Hilfe

Akute Alkoholintoxikation

$AlkoholintoxikationAkute Alkoholintoxikation:

  • Alkoholvergiftung mit Symptomen der akuten organischen Psychose

  • Kann je nach konsumierter Menge in der Intensität variieren

Definition
AlkoholintoxikationSyn. AlkoholvergiftungAlkoholvergiftung. Die Alkoholintoxikation kann leicht, mittelschwer und schwer verlaufen. Der Verlauf ist abhängig von der konsumierten Alkoholmenge und der Art der Getränke.
Symptome
  • Symptome treten in Form einer akuten organischen Psychose in Erscheinung, die reversibel ist

  • Enthemmung

  • Koordinations- und Artikulationsstörung

  • Erinnerungslücken

  • Bewusstseinsstörung mit eingeschränktem Urteilsvermögen

  • Atemdepression und Unterkühlung

  • Anterograde Amnesie

  • „Katergefühl“ mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Durstgefühl

Pathologischer Rausch
  • Seltene Manifestation

  • Ursache ist häufig eine Hirnverletzung

  • Reizbarkeit, Aggressionstendenz, Halluzinationen

  • Hinterlässt eine amnestische Lücke

Therapie

$AlkoholentzugsdelirTherapie

Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.15.4)
Chronische Folgen: alkoholassoziierte Erkrankungen
alkoholassoziierte ErkrankungenChronischer Alkoholkonsum schädigt nahezu alle Organe und ruft Folgeerkrankungen (in variablen Ausmaß) hervor. Wichtigste alkoholassoziierte Erkrankungen sind:
  • Verdauungstrakt: AlkoholkrankheitFolgen

    • Schlechter Zahnstatus, Glossitis, Zahnfleischveränderungen insbesondere bei Konsum von harten Getränken und gleichzeitigem Nikotinabusus

    • Ösophagitis, Refluxkrankheit und Gastritis Typ C mit Ulkusbildung

    • Chronische Diarrhö, Meteorismus, Malassimilationssyndrom, u. a. durch Schädigung der Dünndarmmukosa

  • Mangelerscheinungen: Folsäure, Vitamin B12, Zink, Kalzium, Magnesium

$alkoholassoziierte Erkrankungen$AlkoholkrankheitFolgenAlkoholassoziierte Erkrankungen:

  • Ösophagitis, Refluxkrankheit

  • Gastritis Typ C

  • Hepatitis, Leberzirrhose

  • Pankreatitis, akut und chronisch

  • Kardiomyopathie, Herzrhythmusstörungen, arterielle Hypertonie

  • Erhöhtes Tumorrisiko

  • Polyneuropathie

  • Wernicke-Korsakow-Syndrom

  • Alkoholdemenz

  • Leber: Fettleber, alkoholtoxische Hepatitis bis hin zur Leberzirrhose mit allen bekannten Komplikationen (10.4.6)

  • Pankreas: akute und chronische Pankreatitis mit Organinsuffizienz (10.6.1, 10.6.2)

  • Kardiovaskuläres System: Myokarditis, Herzrhythmusstörungen, Kardiomyopathie, vorzeitigen Arteriosklerosebildung, arterielle Hypertonie

  • Erhöhtes Tumorrisiko im Hinblick auf die Entwicklung von Karzinomen von Mundhöhle, Pharynx, Hypopharynx, Ösophagus, Kolon, Leber, Pankreaskopf, Mamma

  • Bewegungsapparat: Osteoporose, Myopathie

  • Nervensystem: Polyneuropathie, Korsakow-Syndrom (= amnestisches Syndrom) als Folge eines Vitamin-B1-Mangels (mit Merkfähigkeits-, Orientierungsstörung und Konfabulationen), Wernicke-Enzephalopathie als Folge eines Vitamin-B1-Mangels (mit Störung der Okulomotorik, Ataxie, Bewusstseinsveränderungen, Lähmungen, Areflexie, Hyperthermie), organische Persönlichkeitsveränderung (mit Stimmungslabilität, Verlust der Kritikfähigkeit, reizbar-aggressivem Verhalten), Alkoholdemenz

  • Embryopathie (fetales Alkoholsyndrom): Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zählt zu der häufigsten teratogenen Noxe; kindlichen Schäden in Form typischer äußerer Merkmale, komplexer Hirnfunktionsstörungen und Organstörungen (23.5.2)

Therapie der Suchtkrankheit
  • Kontakt- und Motivationsphase

  • Entgiftung, bei der die abhängigkeitserzeugende Substanz entzogen wird; erfolgt in der Klinik unter stationären Bedingungen und dauert 1–4 Wochen, ja nach Art, Dauer und Intensität des Konsums

  • Entwöhnung, bei der das Leben ohne Droge gelernt werden soll; diese Phase dauert meist 6 Monate und wird stationär in Suchtkliniken, aber auch teilstationär oder ambulant durchgeführt

  • Nachsorge und Rehabilitation: Eingliederung ins soziale und berufliche Umfeld; diese Phase kann ein Leben lang andauern

Alkoholentzugssyndrom

$AlkoholentzugssyndromAlkoholentzugssyndrom:

  • Starke vegetative und neuropsychiatrische Symptome, die sich bei Abstinenz entwickeln

  • Stationäre Behandlung erforderlich

Definition
AlkoholentzugssyndromDas Alkoholentzugssyndrom ist durch Symptome gekennzeichnet, die sich bei der Abstinenz entwickeln.
Symptome
  • Starke vegetative Symptome, die sich wenige Stunden nach Absetzen des Alkohols entwickeln

  • Gastrointestinale Störungen: Durchfall, Übelkeit und Erbrechen

  • Störung der Herz-Kreislauf-Funktion mit Hypertonie, Tachykardie und anderen Herzrhythmusstörungen

  • Fieber, psychomotorischer Unruhe, Angst

  • Schlafstörungen, Schwitzen, Mydriasis

  • Neurologischen Störungen: Artikulationsstörungen, Tremor, epileptische Anfälle

Komplikation
Alkoholentzugsdelir.

ACHTUNG

Achtung

Wegen der Komplikation des Delirs und dessen hoher Letalität sollten Entzugsmaßnahmen stationär erfolgen. Epileptische Anfälle kündigen es häufig an.

Alkoholentzugsdelir

$AlkoholentzugsdelirAlkoholentzugsdelir: Komplikation des Alkoholentzugssyndroms mit Desorientierung, Halluzinationen, psychomotorischer Unruhe und epileptischen Anfällen

Definition
AlkoholentzugsdelirSyn. Delirium Delirium tremenstremens. Das Alkoholentzugsdelir zählt zu den akuten organischen Psychosen. Es ist die Komplikation des Alkoholentzugssyndroms und entwickelt sich rasch.
Symptome
  • Die Symptome des Delirium tremens dauern bis zu einer Woche an

  • Symptome des Alkoholentzugssyndroms

  • Örtliche und zeitliche Desorientierung

  • Optische und selten akustische Halluzinationen, in Form von Sehen von Ungeziefer, Staub oder anderen meist kleinen Objekten

  • Psychomotorische Unruhe als Beschäftigungsdrang, Nesteln, Agitiertheit usw.

  • Epileptische Krampfanfälle

Therapie
  • Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.12.13)

$AlkoholentzugsdelirTherapie

  • Intensivmedizinische Therapie

  • Medikamentöse Behandlung mit Clonidin, Benzodiazepin, Neuroleptika

MERKE

Merke

Das Delirium tremens endet unbehandelt zu 20–25 % letal.

Drogen- und Medikamentenabusus

Drogenabusus Medikamentenabusus

$Medikamentenabusus$DrogenabususZwanghaftes Bedürfnis, ein oder mehrere Substanzen zu konsumieren, die zur psychischen und/oder physischen Abhängigkeit führen

Definition
Beim Drogen- und Medikamentenabusus besteht das zwanghafte Bedürfnis, eine oder mehrere Substanzen zu konsumieren, mit der Folge einer psychischen und/oder körperlichen Abhängigkeit und weitreichenden Folgen im Hinblick auf die gesundheitliche, soziale, berufliche und familiäre Situation. Die Abhängigkeit von mehreren Substanzen wird als PolytoxikomaniePolytoxikomanie bezeichnet. Akute Intoxikationen stellen einen Notfall dar (→ Vorgehen nach dem üblichen Standard; 26.15.4).
Opioide
Opioide

Opioide:$Opioide

  • Besitzen das höchste Abhängigkeitspotenzial

  • Führen zur körperlichen und psychischen Abhängigkeit

  • Symptome der Intoxikation: Miosis, Atemdepression, Koma

Definition
OpiateOpiate sind Substanzen, die ursprünglich aus dem Milchsaft des Schlafmohns gewonnen wurden. Hauptbestandteile sind MorphinMorphin und Kodein. OpioideOpioide sind synthetisch hergestellte Substanzen, die morphinähnliche Wirkungen besitzen. Der Missbrauch von Opioiden führt sowohl zur körperlichen als auch psychischen Abhängigkeit (höchstes Abhängigkeitspotenzial) und schnellen Toleranzentwicklung. Zu den Opioiden zählen HeroinHeroin, Morphin, CodeinCodein, MethadonMethadon und Analgetika wie PethidinPethidin oder BuprenorphinBuprenorphin. Alle Substanzen unterliegen der Regelung im Betäubungsmittelgesetz.
Wirkungen
  • Psychische Symptome: starke Analgesie, Euphorie, Flush, Affektlabilität, Wesensänderung

  • Körperliche Symptome: Bradykardie, Hypotonie, Miosis, Inappetenz mit Gewichtsverlust, Tremor, blass-fahle Haut

  • Begleitsymptome: vorzeitiges Altern, sozialer Abstieg, Probleme mit der Justiz, Suizidalität, Organinsuffizienzen, hohes Risiko der Infektion an Hepatitis B, C und HIV durch unsterile Injektionsinstrumente

  • Symptome der Intoxikation: Miosis, Atemdepression, Koma

Entzugssymptome
  • Unruhe, Schlaflosigkeit, Craving (Drogenhunger)

  • Angst, depressive Symptome

  • Suizidale Gedanken

  • Muskelschmerzen, Parästhesien

  • Erbrechen, Diarrhö

  • Tachykardie, Hypertonie, Fieber

  • Epileptische Anfälle

Cannabinoide
Cannabinoide

Cannabinoide:$Cannabinoide

  • Am häufigsten konsumierte Droge (Einstiegsdroge)

  • Wirkung variiert von Mensch zu Mensch

  • Führt zur psychischen Abhängigkeit

Definition
CannabisCannabis ist die häufigste verwendete Droge und wird häufig auch als Einstiegsdroge bezeichnet. Die Substanz stammt aus dem indischen Hanf und wird in 2 Formen verwendet: als HaschischHaschisch (Harz der Blütenstauden) und MarihuanaMarihuana (getrocknete Blätter und Blüten). Der Hauptwirkstoff ist das Tetrahydrocannabinol (THC). THC ist eine lipophile Substanz und u. U. noch Monate nach Konsum im Urin nachweisbar. Der Missbrauch führt zur Ausbildung einer psychischen Abhängigkeit. Cannabis ist eine illegale Droge und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.
Wirkungen
  • Von Mensch zu Mensch verschieden: abhängig von der Menge und Applikationsart, vermutlich auch vom psychischen Allgemeinzustand des Konsumenten

  • Entspannung, psychomotorische Verlangsamung

  • Euphorie, herabgesetzte Hemmschwelle

  • Konzentrationsstörungen

  • Veränderung des Zeiterlebens

  • Rötung der Konjunktiven (Reizkonjunktivitis), Mydriasis, Tachykardie, Mundtrockenheit, Störung der Feinmotorik

  • Plötzliche depressive Zustände

  • Intoxikationspsychosen oder Cannabis-Psychose mit möglichen Flashbacks

  • Amotivations-Syndrom bei chronischem Konsum: Leitkennzeichen sind Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit

Entzugssymptome
Können nach regelmäßigem Konsum auftreten in Form von:
  • Schlafstörungen, Unruhe

  • Aggressivität, Dysphorie

  • Craving

  • Kopfschmerzen

  • Schwitzen

  • Erbrechen, Diarrhö

Sedativa, Hypnotika

Sedativa, Hypnotika:$Sedativa$Hypnotika

  • Substanzen, die häufig als Schlafmittel zur Anwendung kommen

  • Bei chronischem Gebrauch physische und psychische Abhängigkeit

Definition
SedativaSedativa und HypnotikaHypnotika sind Substanzen, die häufig als Schlafmittel rezeptiert werden. Sie zählen zu der Gruppe der Benzodiazepine (28.11.2).Benzodiazepine Früher haben Barbiturate eine große Rolle gespielt, werden jedoch heute selten im ambulanten Bereich verordnet. Sedativa und Hypnotika führen zur Ausbildung einer physischen und psychischen Abhängigkeit.
Wirkungen
  • Sedierung, Entspannung, Angstlösung

  • Atemdepression, Hypotonie, Miosis, muskuläre Schwäche

  • Bei längerem Gebrauch depressive Verstimmung, Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit

  • Paradoxe Reaktionen mit Antriebssteigerung, Erregungszuständen und Schlafstörungen möglich

Entzugssymptome
  • Treten nach längerem Gebrauch auf

  • Symptome sind abhängig von der Dauer der Einnahme und der Dosierung

  • Schlafstörungen, Unruhe, Tremor

  • Tachykardie, Hypertonie, Fieber

  • Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö

  • Epileptische Anfälle

  • Craving

Kokain
Kokain

Kokain:$Kokain

  • Besitzt eine starke vasokonstriktorische und zentral aktivierende Wirkung

  • Führt zur psychischen Abhängigkeit

Definition
Die Substanz ist ein Abkömmling der Blätter des Kokastrauchs. Es kann geschnupft, geraucht, oral oder i. v. zugeführt werden. KokainKokain führt zu einer starken psychischen, aber keiner physischen Abhängigkeit. Es besitzt eine starke vasokonstriktorische und zentral aktivierende Wirkung. Zu den häufig verwendeten Substanzen zählen z. B. CrackCrack und FreebaseFreebase.
Wirkungen
  • Wirkungen sind stadienabhängig:

    • Akutes Stadium: Euphorie, subjektive Leistungssteigerung, Rededrang, Enthemmung, Libidosteigerung, Reduktion von Hunger, Durst und Schlafbedürfnis

    • Rauschstadium: Halluzinationen, paranoide Symptome

    • Depressives Stadium: Angst, niedergedrückte Stimmung, Apathie

  • Intoxikation: Ataxie, Mydriasis, pektanginöse Beschwerden, Herzinfarkt, Hyperthermie, epileptische Anfälle

  • Chronischer Konsum: u. a. Schädigung der Nasenschleimhaut, Septumperforation, Lungenfunktionsstörung (Cracklunge), Schädigung von Niere, Herz und Gefäßen, Persönlichkeitsveränderung

  • Begleitsymptome: sozialer Abstieg, Probleme mit der Justiz, Suizidalität

Entzugssymptome
  • Depressive Symptome

  • Angst

  • Katerstimmung (schlechte, gereizte Stimmung, Energiemangel, Müdigkeit, Erschöpfung, starkes Schlafbedürfnis)

  • Craving

Stimulanzien

Stimulanzien:$Stimulanzien

  • Synthetisch hergestellte Substanzen, die zur Gruppe der Amphetamine zählen

  • Konsum führt zur starken psychischen Abhängigkeit

Definition
StimulanzienStimulanzien sind unterschiedliche Substanzen, die synthetisch hergestellt werden und häufig als Designerdrogen bezeichnet werden. Sie können zur Gruppe der AmphetamineAmphetamine oder Amphetaminderivate gezählt werden.
Zu den häufig verwendeten Substanzen zählen LSDLSD (Lysergsäurediethylamid), Phencyclidin, MethamphetaminMethamphetamin, EcstasyEcstasy, besonders MDMA (Methylendioxymethamphetamin). MDMA ist wegen der schnellen Abhängigkeitsentwicklung und der toxischen Wirkung auf innere Organe besonders hervorzuheben. Sie verursachen eine starke psychische, aber keine körperliche Abhängigkeit.
Wirkungen
  • Steigerung der Leistungsfähigkeit

  • Drosselung von Hunger, Durst und Schlafbedürfnis

  • Unruhe, Enthemmung, euphorische Zustände, Kritiklosigkeit

  • Paranoid-halluzinatorische Symptome

  • Empathogene (verstärkte Wahrnehmung der Gefühle anderer Menschen) und entaktogene (verstärkte Wahrnehmung innerer Empfindungen) Wirkung

  • Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, Hypertonie

  • Fieber

  • Mydriasis

  • Nieren- und Leberversagen, Herzstillstand

Entzugssymptome
  • In der Regel keine körperlichen Entzugssymptome

  • Depressive Symptome

  • Angst

  • Suizidale Gedanken

  • Craving

Halluzinogene

$HalluzinogeneHalluzinogene:

  • Führen zu Halluzinationen

  • Führen zu psychischer Abhängigkeit

Definition
HalluzinogeneHalluzinogene sind Substanzen, bei der die halluzinogene Wirkung im Vordergrund steht. Sie können pflanzlichen Ursprungs sein (Pilze, Kakteen, Engelstrompete, Atropin, Bilsenkraut) oder chemischen Ursprungs (LSDLSD, Phencyclidin, Amphetamine) sein. Eine körperliche Abhängigkeit entwickelt sich nicht, die psychische Abhängigkeit ist unterschiedlich stark ausgeprägt.
Wirkungen
  • Halluzinogene Wirkung mit intensivem Ich- und Fremderleben

  • Manische Symptome mit Ideenflucht, Affektlabilität, Omnipotenzgefühlen, Unruhe, Enthemmung, euphorischen Zuständen, Kritiklosigkeit

  • Dysphorische Symptome, Aggressivität, Angst

  • Tachykardie, Hypertonie, Fieber, Mydriasis

  • Atypische Verläufe mit Horrortrips

  • Flashbacks einige Zeit nach dem Konsum

  • Eventuell delirante Symptome

Entzugssymptome
  • In der Regel keine körperlichen Entzugssymptome

  • Depressive Symptome mit schlechter Stimmung, Angst und suizidalen Gedanken

  • Craving

Psychosomatische Erkrankungen

$psychosomatische ErkrankungenPsychosomatische Krankheiten sind durch körperliche Störungen gekennzeichnet, die v. a. durch anhaltende seelische Konflikte mitbedingt oder verursacht sind. Seelische Störungen, die durch körperliche Erkrankungen mitbedingt oder verursacht sind, werden somatopsychische Erkrankungen$somatopsychische Erkrankungen genannt.

Psychosomatische Erkrankungenpsychosomatische Erkrankungen sind körperliche Störungen oder Krankheiten, die durch frühere anhaltende seelische Konflikte, Lebenskrisen mitbedingt sind oder ausgelöst werden und die den Verlauf einer körperlichen Krankheit stark beeinträchtigen können. Im umgekehrten Fall können körperliche Erkrankungen seelische Dysbalancen bis hin zu stark einschränkenden Störungen verursachen, was als somatopsychische Erkrankungsomatopsychische Erkrankungen bezeichnet wird. Zu den psychosomatischen Erkrankungen zählen u. a.
  • Körperliche Beschwerden/Krankheiten wie funktionelle Herzbeschwerden (Herzneurose) oder Reizdarmsyndrom, die keinen (ausreichenden) Organbefund liefern

  • Krankheiten, deren Verlauf durch die psychische Stimmungslage beeinflusst werden kann, z. B. Tinnitus, Hauterkrankungen, Asthma bronchiale

  • Störung des Essverhaltens, z. B. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Adipositas

Im engeren Sinne werden folgende psychiatrische Krankheitsbilder zu psychosomatischen Krankheiten gezählt:
  • Persönlichkeitsstörungen

  • Angststörungen

  • Zwangsstörungen

  • Belastungs- und Anpassungsstörungen

  • Essstörungen

  • Somatoforme Störungen

  • Burn-out-Syndrom

Persönlichkeitsstörungen

$PersönlichkeitsstörungenPersönlichkeitsstörungen sind Extremvarianten von bestimmten Wesenszügen. Diese Merkmale sind allgemein menschlich, aber in der Ausprägung sehr dominant.

Kennzeichen:

  • Andauernde und gleichförmige Ausprägung

  • Beginn in der Kindheit/Jugend, Manifestation im frühen Erwachsenenalter

  • Durch keine andere Erkrankung erklärbar

  • Führen je nach Ausprägung zu erheblichem Leiden

Wichtige Persönlichkeitsstörungen (PS):

  • Paranoide PS

  • Schizoide PS

  • Dissoziale PS

  • Histrionische PS

  • Borderline-PS

  • Ängstliche PS

  • Zwanghafte PS

Definition
PersönlichkeitsstörungBei der Persönlichkeitsstörung herrschen bestimmte Extremvarianten seelischer Wesensart und von bestimmten Persönlichkeitszügen vor. Die Anomalität liegt in der Dominanz eines oder mehrerer Persönlichkeitsmerkmale, das an sich mehr oder weniger allgemein menschlich ist.
Schätzungsweise leiden 8 % der Bevölkerung (in Deutschland) an Persönlichkeitsstörungen, eine hohe Dunkelziffer kann angenommen werden. Sie betreffen Frauen und Männer gleichermaßen, außer bei der dissozialen Persönlichkeitsstörung, die mehr Männer betrifft.
Pathogenese und Einteilung
Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Angenommen werden eine genetische Disposition und exogene Faktoren, welche die Reifung und Persönlichkeitsentwicklung stören können, u. a. Trennungserlebnisse, Vernachlässigung, körperlicher, seelischer und sexueller Missbrauch im Kindes- und Jugendalter.
Persönlichkeitsstörungen können in 3 Hauptgruppen eingeteilt werden:
  • Hauptgruppe A mit der paranoiden und schizoiden Persönlichkeitsstörung, wobei sich die Verhaltensweisen als „sonderbar und exzentrisch“ klassifizieren lassen

  • Hauptgruppe B mit der histrionischen, narzisstischen, dissozialen und Borderline-Persönlichkeitsstörung; die Verhaltensweisen lassen sich grob mit „dramatisch, emotional, launisch“ bezeichnen

  • Hauptgruppe C mit der selbstunsicheren, abhängigen und zwanghaften Persönlichkeitsstörung; die Verhaltensweisen zeigen sehr viele Symptome der Angststörungen

Allgemeine Kriterien
  • Störungen sind andauernd und gleichförmig

  • Beginn in Kindheit oder Jugendalter, Manifestation im Erwachsenenalter

  • Nicht durch andere psychiatrische, internistische oder neurologische Erkrankungen oder eine Suchterkrankung zu erklären

  • Führen zu erheblichem Leiden, weil sie tief greifend sowie in persönlichen und sozialen Situation unpassend sind

Paranoide Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung paranoide
  • Übertriebene Empfindlichkeit auf Zurückweisung und Verletzung

  • Nachtragend und Neigung zum Groll

  • Starkes Misstrauen und Neigung, freundliche Handlungen als feindlich zu beurteilen

  • Streitsüchtiges Verhalten, Bestehen auf eigenen Rechten

  • Neigung zu pathologischer Eifersucht

  • Glaube an Verschwörungstheorien

  • Tendenz zum überhöhten Selbstwertgefühl

Schizoide Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung schizoide
  • Innere Kühle und Distanziertheit, Misstrauen und sozialer Rückzug, Introvertiertheit

  • Gefühle werden als problematisch erlebt und möglichst gemieden

  • Wenig Interesse an sexuellen Erfahrungen

  • Regeln werden meist ignoriert

MERKE

Merke

Die schizoide Persönlichkeitsstörung darf nicht mit der Schizophrenie gleichgesetzt werden. Sie weist die typischen Symptome der Schizophrenie nicht auf, u. a. Wahnerleben, Halluzinationen, Ich-Störungen, Affektstörungen im Sinne einer Parathymie oder eines läppischen Verhaltens, Störung der Psychomotorik oder formale Denkstörungen im Sinne eines zerfahrenen Denkens.

Dissoziale Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung dissoziale
  • Ausgeprägter Mangel an Empathie

  • Verantwortungslosigkeit, Missachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen

  • Geringe Frustrationstoleranz, andauernde Reizbarkeit

  • Neigung zum aggressiven Verhalten

  • Unfähigkeit zum Erleben von Schuldbewusstsein

  • Bereits im Kindes- und Jugendalter häufig Alkohol- und Drogenmissbrauch, kriminelles Verhalten

Histrionische Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung histrionische
  • Heftige Gefühle mit einem Hang zu Theatralik und Dramatik

  • Ausgeprägter Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung

  • Egozentrik mit fehlender Bezugnahme auf andere Menschen

  • Übertrieben starke Beschäftigung mit der eigenen äußerlichen Attraktivität

  • Suggestibilität

  • Manipulatives Verhalten zur Befriedigung eigener Bedürfnisse

Emotional instabile (Borderline-)Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung Borderline Persönlichkeitsstörung emotional instabile
  • Hochgradige Störung der affektiven Kontrolle mit Impulsivität, launenhaften Stimmung, Ausbrüchen mit intensivem Ärger und gewalttätigem, explosivem Verhalten

  • Instabilität der Gefühle

  • Ausgeprägte Spannungsgefühle, die sich häufig in selbstschädigenden Handlungen entladen, wie z. B. Ritzen, Drogenkonsum, riskantem Verhalten (Balancieren auf Bahngleisen)

  • Chronisches Gefühl der Leere

  • Neigung zu intensiven, aber sehr unbeständigen Beziehungen und starke Angst vor dem Verlassenwerden

MERKE

Merke

Häufig finden sich anamnestisch in der Kindheit und Jugend Gewalterfahrungen, u. a. als sexueller Missbrauch, körperliche Gewalterfahrung und/oder Vernachlässigung.

In den meisten Fällen wird die emotional instabile Störung von psychiatrischen Koerkrankungen begleitet, z. B. Depression, Angst-, Zwangsstörungen und Suchterkrankungen.

Ängstliche (selbstunsichere) Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung ängstliche Persönlichkeitsstörung selbstunsichere
  • Tief greifendes Gefühl der Unzulänglichkeit

  • Ängstlichkeit und Sorge, von anderen kritisiert und abgelehnt zu werden

  • Gefühle von Unsicherheit und Minderwertigkeit

  • Sehnsucht nach Akzeptanz und Zuneigung

Zwanghafte (anankastische) Persönlichkeitsstörung
Persönlichkeitsstörung zwanghafte Persönlichkeitsstörung anankastische
  • Übergroßer Drang nach Ordnung und Genauigkeit

  • Andauernde Beschäftigung mit Listen und Regeln

  • Spontane Unternehmungen führen zu ausgeprägten Irritationen, Ängsten und Unsicherheit

  • Perfektionismus und Bedürfnis nach ständiger Kontrolle

  • Starker Drang zum Vorausplanen von (Freizeit-)Aktivitäten

MERKE

Merke

Die zwanghafte Persönlichkeitsstörung ist mit einer Zwangsstörung nicht gleichzusetzen. Patienten mit einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung haben in der Regel keinen hohen Leidensdruck und auch keine ausgeprägte Krankheitseinsicht, was durchaus bei Zwangsstörungen vorhanden ist.

Angststörungen

Angststörung

Starke $AngststörungenAngstreaktionen mit Fehlen von externen Bedrohungen

Definition
Angststörungen sind durch starke Angstreaktionen bzw. Angsterleben ohne gleichzeitig vorhandene objektive Bedrohungsmomente gekennzeichnet.
Panikstörung

$Panikstörung Panikstörung:Angstattacke, die situationsunabhängig („aus heiterem Himmel“) auftritt

Definition
PanikstörungAngstSyn. episodisch paroxysmale Angstepisodisch paroxysmale Angst. Die Panikstörung ist eine wiederkehrende, schwere Angstattacke, die sich nicht auf spezifische Situationen oder besondere Umstände beschränkt und aus diesem Grund auch nicht vorhersehbar ist. Die Angstattacken sind situationsunabhängig.
Symptome
  • Plötzliches Angsterleben mit körperlichen Symptomen wie Herzklopfen, Thoraxschmerzen und Erstickungsgefühl (Globusgefühl), Schwindel, Schweißausbrüche, Zittern, Kollapsgefühl

  • Angst, wahnsinnig zu werden oder zu sterben, Furcht vor Kontrollverlust

  • Begleitend Depersonalisation und Derealisation

  • Die Angstattacken dauern meist bis zu einer halben Stunde an, selten können sie über Stunden persistieren

  • Typische Folge ist die Entwicklung der „Angst vor der Angst“, die häufig zum sozialen Rückzug führt, weil die Menschen eine Angstattacke im ungeschützten Raum, z. B. auf der Straße oder beim Einkaufen, befürchten

Therapie
  • Entspannungsverfahren

  • Verhaltenstherapie

  • Antidepressiva

Phobie

$PhobiePhobie:

  • Angstattacke, die in bestimmten Situationen bzw. durch bestimmte Stimuli ausgelöst wird

  • Häufige Formen: Agora-, Klaustro-, soziale Phobie

Definition
PhobieDie Phobie ist eine Angstattacke, die sich auf ganz bestimmte Situationen oder Örtlichkeiten bezieht. Die Angstattacke ist situationsabhängig.
Formen
  • AgoraphobieAgoraphobie: Angst vor weiten, öffentlichen Plätzen (Platzangst) oder Plätzen mit hoher Menschendichte, z. B. U-Bahn oder öffentliche Konzerte. Gleichzeitig besteht eine ausgeprägte Angst, alleine zu verreisen.

  • Soziale Phobie: Angst vor prüfender Beobachtung anderer Menschen (krankhafte Schüchternheit). Sie tritt meist dann auf, wenn Menschen im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig können ein niedriges Selbstwertgefühl und Angst vor Kritik beobachtet werden.

  • KlaustrophobieKlaustrophobie: Angst vor engen, geschlossenen Räumen (Raumangst), z. B. im Fahrstuhl oder in Kellerräumen.

  • Spezifische Phobien: Zoophobie (Furcht vor Tieren), Aviophobie (Furcht vor dem Fliegen), Akrophobie (Höhenangst), Hämatophobie (Angst vor Blut).

Symptome
  • Gleichen denen der Panikreaktion, wobei sie bei der Phobie nach Konfrontation mit einem Stimulus auftreten

  • Bei der spezifischen Phobie zusätzlich Erröten und Vermeidung von Blickkontakt

  • Depressive Verstimmungen

Therapie
  • Verhaltenstherapie (Reizkonfrontation)

  • Gegebenenfalls medikamentöse Therapie mit Antidepressiva

Generalisierte Angststörung

Generalisierte Angststörung:$Angststörunggeneralisierte

  • Chronische, persistierende Angst, die sich meist auf Alltagsprobleme bezieht

  • Häufig begleitet von körperlichen Symptomen wie Diarrhö und Schlafstörungen

Definition
Syn. AngststörunggeneralisierteAngstneuroseAngstneurose. Die generalisierte Angststörung ist eine lang anhaltende, wechselnde Angst und Befürchtung, die sich auf alltägliche Probleme bzw. Ereignisse bezieht. Für die Diagnosestellung müssen die Beschwerden 6 Monate anhalten.
Symptome
  • Befürchtungen und Ängste in Bezug auf Kinder bzw. Angehörige, die verletzt werden oder erkranken könnten, wobei die Sorgen für Außenstehende meist nicht nachvollziehbar sind

  • Sorgen bzw. Befürchtungen um alltägliche Dinge, z. B. die Funktionsfähigkeit des Autos, mögliche Verspätungen bei Einladungen oder Verabredungen und die Leistungsfähigkeit im Beruf

  • Auftreten von körperlichen Symptomen wie Einschlaf- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Anspannung, gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Durchfall)

Therapie
  • Psychotherapeutische Verfahren

  • Medikamentöse Therapie mit Antidepressiva

Zwangsstörungen

  • $ZwangsstörungEigene Vorstellungen, Impulse und Handlungen, die sich einem Menschen aufdrängen, als unsinnig und übertrieben empfunden werden und gegen deren Auftreten sich der Mensch vergebens wehrt

  • Unterscheidung in: Zwangsgedanken, -impulse, -handlungen.

Definition
ZwangsstörungBei einer Zwangsstörung drängen sich eigene Vorstellungen, Handlungsimpulse und Handlungen auf, gegen die sich der Patient vergebens wehrt. Die Zwänge erscheinen dem Patienten übertrieben und unsinnig. Für die Diagnosestellung müssen die Symptome mindestens 2 Wochen andauern.
Symptome
  • ZwangsgedankenZwangsgedanken: Wiederkehrende, sich aufdrängende und als unsinnig erkannte Denkinhalte.

  • ZwangsimpulseZwangsimpulse: Handlungsimpulse, die sich gegen den Willen des Patienten aufdrängen, und die damit verbundene Angst, eine Handlung könnte ausgeführt werden.

  • ZwangshandlungenZwangshandlungen: Gegen den Willen des Patienten ausgeführte Handlungen (z. B. Wasch-, Kontroll-, Ordnungs-, Wiederholungszwang). Beim Versuch, die Handlungen zu unterlassen, treten massive Spannungen auf und lassen erst dann wieder nach, wenn es zur Handlung gekommen ist.

Belastungs- und Anpassungsstörungen

  • $Belastungsstörung$AnpassungsstörungReaktion auf belastende Lebensereignisse

  • Akute Belastungsstörung: im zeitlichen Zusammenhang mit einem Ereignis

  • Posttraumatische Belastungsstörung: Auftreten von Symptomen Wochen und Monate nach einem traumatischen Ereignis

  • Anpassungsstörung: meist mild ausgeprägte Angst und Sorge nach Lebensveränderungen

Definition
BelastungsstörungAnpassungsstörungBei Belastungs- und Anpassungsstörungen kommt es zu Reaktionen auf außergewöhnlich belastende Lebensereignisse.
  • Akute Belastungsreaktion: BelastungsreaktionReaktion auf eine Stresssituation, die im zeitlichen Zusammenhang mit den Auslösern steht. In der Umgangssprache auch als „Nervenzusammenbruch“ bezeichnet. Die Symptome sind verschieden: Sie reichen vom anfänglichen „Betäubtsein“, Wut, Angst, Überaktivität, depressiven Symptomen bis zu somatischen Beschwerden. Sie klingen üblicherweise nach Stunden oder Tagen ab.

  • Posttraumatische Belastungsstörungen (PTSD): posttraumatische BelastungsstörungenVerzögerte, schwerwiegende Reaktion, die sich Wochen bis Monate nach extrem traumatischem Ereignis entwickeln kann. Sie setzt keine psychiatrische Erkrankung voraus und kann in jedem Alter auftreten.

Auslöser
  • Schwere Unfälle

  • Körperliche und/oder sexuelle Gewalt

  • Folter und/oder Kriegsereignisse

  • Naturkatastrophen

Symptome
  • Wiedererleben des Traumas (Flashbacks, Angstträume, ständige Erinnerung)

  • Vermeiden von Orten, Situationen und Gedanken, die an das Trauma erinnern

  • Eingeschränkte Gefühle

  • Allgemeine Stress-Symptome: Ängstlichkeit, Schwitzen, Nervosität, soziale Isolation

  • Dauer länger als 1 Monat

Komplikationen
  • Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabusus

  • Depressive Verstimmung

Therapie
  • Verhaltenstherapie, Traumatherapie

  • Medikamentöse Therapie mit Antidepressiva, Anxiolytika, bei akuter Erregung Neuroleptika

Anpassungsstörung
AnpassungsstörungNicht so stark ausgeprägte Reaktion auf einschneidende Lebensveränderungen oder belastende Ereignisse (Auszug der Kinder, Berufswechsel, Pubertät). Dauer meist ≤ 6 Monate.
Die Symptome sind dominiert von Angst, Sorge und depressiver Stimmung. Die Alltagslast scheint unüberwindbar.

Somatoforme Störungen

somatoforme Störungen

  • $somatoforme StörungenSomatoforme Störungen sind durch körperliche Symptome gekennzeichnet, für die es kein (ausreichendes) organisches Korrelat gibt.

  • Einteilung in:

    • Somatisierungsstörungen

    • Hypochondrische Störungen

    • Somatoforme Schmerzstörungen

Somatoforme Störungen sind häufige Störungen, die durch anhaltende oder rezidivierend auftretende körperliche Beschwerden gekennzeichnet sind, für die es keine ausreichenden organischen Befunde gibt. Gleichzeitig spielen psychische Belastungen eine große Rolle.
Sie können in Somatisierungsstörungen, hypochondrische Störung und somatoforme Schmerzstörung eingeteilt werden:
  • SomatisierungsstörungenSomatisierungsstörung sind durch multiple und unterschiedliche körperliche Beschwerden gekennzeichnet ohne organisches Korrelat. Sie können als Schmerzsyndrome auftreten, z. B. Kopf-, Bauch-, Rücken-, Gelenkschmerzen, als gastrointestinale Symptome, z. B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, als Nahrungsmittelunverträglichkeit, als neurologische Störungen, z. B. Lähmungserscheinungen, Schluckbeschwerden, Globusgefühl, Parästhesien, Gleichgewichtsstörungen, oder als sexuelle Störungen, z. B. als Erektionsstörungen, Libidoverlust, unregelmäßige Menses. Die Symptome persistieren länger als 2 Jahre. Typisch ist, dass der Patient nicht akzeptieren kann, dass es keinen organischen Hintergrund gibt (auch nach zahlreichen und wiederholten apparativen Untersuchungen und Therapeutenwechsel).

  • Hypochondrische Störunghypochondrische Störungen sind durch eine permanente Angst gekennzeichnet, an einer schweren, unheilbaren Erkrankung zu leiden, ohne dass spezifische Symptome oder Organbefunde vorliegen. Die Patienten sind die meiste Zeit mit der „Idee“ beschäftigt, und lehnen die Tatsache ab, dass ein organischer Befund nicht vorhanden ist. Die Symptome persistieren länger als ein halbes Jahr.

  • Die somatoforme Schmerzstörungsomatoforme Schmerzstörung ist durch ein chronisch-rezidivierendes Schmerzsyndrom gekennzeichnet, wobei sich die Lokalisation und Intensität verändert und durch seelische Konflikte verstärkt wird. Die Krankengeschichte ist in der Regel sehr lang, die Anzahl der konsultierten Therapeuten meist auch. Häufig findet sich ein Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.

Burn-out-Syndrom

Burn-out-Syndrom

  • $Burn-out-SyndromErgibt sich aus chronischer Überforderungssituation, v. a. am Arbeitsplatz

  • Keine psychiatrische Diagnose oder Krankheit

Definition
Syn. AusgebranntseinAusgebranntsein. Beim Burn-out-Syndrom handelt es sich um einen Symptomenkomplex, der 1974 beschrieben wurde und zunächst in den sozialen Berufen gehäuft gesehen wurde. Inzwischen findet sich diese Symptomenkonstellation auch bei Menschen in anderen Berufen – Tendenz rapide steigend. Als Ursachen werden zahlreiche Stressfaktoren angenommen, v. a. am Arbeitsplatz, aber auch im Privatleben. Zunehmender Leistungsdruck, Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und damit einhergehender sozialer Abstieg, Kränkungen und Demütigungen können existenzielle Ausmaße annehmen, die dann schließlich in einem Burn-out münden. Gleichzeitig zeigen Menschen, die am Burn-out leiden, bestimmte Eigenschaften, z. B. Perfektionismus und ein stark ausgeprägtes Harmoniebedürfnis, die sich offenbar begünstigend auf die Entstehung des Burn-outs auswirken. Begleitet wird der Symptomenkomplex von anderen Symptomen bzw. Erkrankungen, z. B. Angststörungen, depressiven Störungen oder Substanzmissbrauch, die sich häufig aus einer chronischen Überforderungskonstellation ergeben. Wichtig ist, dass eine Abgrenzung zur Depression gezogen wird, denn Burn-out ist nicht gleich Depression und umgekehrt. Eine Eingliederung im ICD-10 findet sich nicht, es handelt sich also nicht um eine psychiatrische Diagnose oder eine psychiatrische Krankheit.
Symptome
  • Andauerndes Erschöpfungsgefühl und andauernde Müdigkeit

$Burn-out-SyndromSymptomeSymptome:

  • Anhaltende Erschöpfung und Müdigkeit

  • Depersonalisation, Zynismus, Empathieverlust

  • Leistungsminderung

  • Verlust von Empathie, Entwicklung von Zynismus, Depersonalisation, Bitterkeit- und Verzweiflungsgefühl gepaart mit dem Gefühl mangelnder Anerkennung

  • Insuffizienzgefühle, Konzentrationsprobleme, Leistungsminderung

  • Körperliche Symptome in Form von Schmerzen an unterschiedlichen Strukturen, Schlafstörungen

  • Partnerschafts- und Familienkonflikte

Therapie
  • Ambulante und stationäre Programme zur u. a. Stressbewältigung, gesunder Lebensführung und Regulierung der Arbeits- und Regenerationsphasen

  • Psychotherapeutische Maßnahmen

  • Medikamentöse Therapie bei Koerkrankungen

Essstörungen

Essstörungen

  • $EssstörungenAnorexia nervosa:$Anorexia nervosa Nahrungsverweigerung

  • Bulimia nervosa:$Bulimia nervosa Hungerphasen mit Essattacken und anschließendem Erbrechen

Definition
Zu den Essstörungen zählen die Anorexia nervosa und die Bulimie, wobei sich die Bulimie häufig an die Anorexia nervosa anschließt oder ihr vorausgeht. Betroffen ist v. a. das weibliche Geschlecht, nur etwa 5–10 % der Patienten sind Jungen und Männer. Der Erkrankungsgipfel liegt bei der Anorexia nervosa in der Pubertät, am häufigsten zwischen dem 14. und 15. Lebensjahr, bei der Bulimie später zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr.
Pathogenese
Die Ursachen der Essstörungen sind multifaktoriell. Zum einen wird eine genetische Komponente angenommen, zum anderen spielen soziokulturelle Faktoren eine wichtige Rolle, z. B. über Werbung, Zeitschriften, Fernsehen propagierte Schönheitsideale, die ausnahmslos schlanke Figuren als solches deklarieren. Andere Faktoren sind neurobiologische Faktoren, v. a. Auffälligkeiten im Neurotransmitterstoffwechsel. In einigen Fällen fanden traumatische Kindheitserlebnisse statt. Im Hinblick auf die Anorexia nervosa werden zusätzlich Störungen der (sexuellen) Identität angenommen.
Anorexia nervosa
Anorexia nervosaBei der Anorexia nervosa kommt es zur Nahrungsverweigerung mit Magersucht.
Symptome

Symptome Anorexia nervosa:

  • Angst vor zu hohem Gewicht

  • Körperschemastörung

  • Untergewicht

  • Vermeidung von Essen

  • Laxanzien- und Diuretikaabusus

  • Selbstinduziertes Erbrechen

  • Angst vor zu hohem Gewicht

  • Körperschemastörung; Wahrnehmung der eigenen Körperproportionen ist massiv gestört; Patienten fühlen und sehen sich trotz Untergewicht dick und unförmig

  • Massives Untergewicht: mindestens 25 % Gewichtsverlust oder BMI < 17,5

  • Missbrauch von Laxanzien, Diuretika, Schilddrüsenmedikamenten

  • Vermeidung von Essen, besonders von hochkalorischen Speisen, und gestörtes Essverhalten

  • Selbstinduziertes Erbrechen

Komplikationen
  • Sekundäre Amenorrhö durch Störung der hypothalamisch-gonadalen Achse, bei Männern Störungen der Libido und Potenz

  • Minderwuchs

  • Bradykardie, Hypotonie

  • Hypokaliämie, Hyponatriämie

  • Obstipation

  • Haarausfall

  • Ödeme

  • Muskelatrophie

  • Osteomalazie, Osteoporose

ACHTUNG

Achtung

Die Anorexie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit bei 10–20 % (Folgen der Unterernährung, Suizid).

ABBILDUNG 21.2

Differenzialdiagnosen
  • Bulimie: In der Regel besteht bei der Bulimie Normalgewicht, während bei der Anorexia nervosa per definitionem Untergewicht besteht. Beiden Erkrankungen gemeinsam sind u. a. das selbstinduzierte Erbrechen und die Körperschemastörung.

  • Hyperthyreose: Charakteristisch sind Wärmeintoleranz (Patienten mit Anorexie frieren häufig), hoher Blutdruck mit großer Blutdruckamplitude, erhöhte Temperatur, Reizbarkeit, Schlafstörungen, TSH ↓, T3 ↑, T4 ↑.

  • Darmerkrankungen, z. B. Morbus Crohn: Charakteristisch sind schleimig-eitrige Durchfälle, abdominale Schmerzen, Fistelbildung.

  • Tumoren, chronische Infektionskrankheiten: Gehen mit v. a. Leistungsminderung, B-Symptomen einher, die bei der Anorexia nervosa nicht im Vordergrund stehen.

  • Medikamenten- und Drogenmissbrauch: Wegweisend ist der anamnestische Befund.

Therapie
  • Langwierig und sehr schwierig

  • Akute Erkrankungsphase: stationäre Behandlung notwendig; zum Einsatz kommen Ernährungstherapie und körperliche Rehabilitation

  • Psychotherapeutische Verfahren, Körpertherapie als Einzel- oder Gruppentherapie, ggf. unter Einbeziehung der Familie

  • Medikamentöse Therapie

  • Behandlung der Komorbiditäten wie Zwangsstörungen, depressive Störungen oder Suchtkrankheiten

Bulimie
BulimieDie Bulimie ist durch Hungerphasen mit Essattacken und anschließendes Erbrechen gekennzeichnet.
Symptome
  • Aufnahme von großen Nahrungsmengen in kürzester Zeit mit anschließendem Erbrechen

Symptome Bulimie:

  • Ess-Brech-Attacken

  • Körperschemastörung

  • Häufig normales Gewicht

  • Laxanzien- und Diuretikaabusus

  • Häufige Diäten und Fastenkuren

  • Unwiderstehliche Gier nach Nahrungsmitteln mit Kontrollverlust

  • Krankhafte Furcht, dick zu werden, andauernde Beschäftigung mit der Figur und Körperschemastörung

  • Missbrauch von Laxanzien, Diuretika, Schilddrüsenmedikamenten

  • Häufiges Durchführen von Diäten und Fastenkuren

  • Körperliche Hyperaktivität

  • Mindestens 2 Fressperioden/Woche über mindestens 3 Monate

  • Gewicht ist in der Regel normal, selten über oder unter der Norm

  • Häufig sozialer Rückzug

Komplikationen
  • Hypertrophie der Parotis und anderer Speicheldrüsen

  • Schlechter Zahnstatus mit Karies durch chronische Einwirkung der Salzsäure aus dem Magen durch Erbrechen

  • Ösophagitis, Pharyngitis, Gastritis, Mallory-Weiss-Syndrom (Einrisse in der Schleimhaut des gastroösophagealen Übergangs)

  • Rezidivierende Pankreatitis, Niereninsuffizienz

  • Elektrolytverschiebungen mit der Komplikation der Herzrhythmusstörungen

  • Psychiatrische Koerkrankungen als Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen

  • Erhöhte Suizidrate, besonders bei gleichzeitig vorhandener Depression

ABBILDUNG 21.3

Therapie

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

$ADHS$Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitätsstörungHäufigste psychische Erkrankung im Kinders- und Jugendalter

Definition
Aufmerksamkeitsdefizit-HyperaktivitätsstörungADHSDas ADHS ist die häufigste psychische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Im Erwachsenenalter tritt sie mindestens so häufig wie Depressionen, Schizophrenien oder Manien auf. Die Erkrankung beginnt meist im Kleinkindalter.
Pathogenese
Die Ursachen der Erkrankung sind nicht abschließend geklärt. Angenommen wird zum einen eine genetische Disposition, zum anderen eine Hirnreifungsstörung, die u. a. durch mütterliche Infektionen in der Schwangerschaft, Noxenkonsum der Mutter, perinatalen Sauerstoffmangel oder Störungen im Neurotransmittersystem die Erkrankungen triggern können. Begünstigend wirken sich Bindungsstörungen, innerfamiliäre Instabilität (Streitigkeiten, Trennungen, häufiger Wohnortwechsel, finanzielle Not) und ein Erziehungsstil mit häufigen Bestrafungen und permanenter Kritik aus.
Die Erkrankung ist zum ersten Mal im 19. Jahrhundert im „Struwwelpeter“ beschrieben worden. Die Annahme, dass es sich um eine neue Erkrankung handelt, ist somit falsch. Was höchstwahrscheinlich als richtig angenommen werden kann, ist die Erkrankungszunahme der ADHS in den letzten Jahren und Jahrzehnten.
Symptome
  • Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsdefizite, Desorganisiertheit

$ADHSSymptomeSymptome:

  • Aufmerksamkeitsstörung

  • Impulsivität

  • Hyperaktivität (kann fehlen)

  • Impulsivität, Ungeduld

  • Emotionale Instabilität

  • Nervosität

  • Hyperaktivität

  • Stimmungsschwankungen

  • Mangelndes Durchhaltevermögen und Ablenkbarkeit, besonders bei Aufgaben, die Geduld erfordern, z. B. Basteln und Malen

  • Depressive Symptome, Lernstörungen, z. B. Lese-Rechtschreib-Schwäche (Legasthenie), Rechenstörung (Dyskalkulie), Angststörungen

MERKE

Merke

Die Hyperaktivität kann auch völlig fehlen. Dann wird die Erkrankung unter ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Störung) zusammengefasst. Jungen leiden häufiger an ADHS, bei Mädchen findet sich häufiger ein ADS. Ein Intelligenzdefizit findet sich bei beiden Formen in der Regel nicht.

Therapie
  • Psychotherapie

  • Erziehungskonzepte: u. a. Intensivierung der Kind-Eltern-Bindung, Regelmäßigkeit im Tagesablauf, klare und einfache Regeln, Pflege von Ritualen; Kritik, Bestrafungen, Tadel, soweit und so gut es geht, vermeiden; das Kind leidet und hat in der Regel einen überstarken Druck, sich „irgendwie eingliedern“ zu müssen

  • Bewegungs- und Beschäftigungstherapie

  • Elternbetreuung

  • Medikamentöse Therapie (z. B. Methylphenidat = Ritalin®)

Autismus

Autismus

  • $AutismusTief greifende Störungen mit v. a. gestörter sozialer Interaktion

  • Autismus vom Kanner-Typ: Beginn vor dem 3. Lebensjahr, geistige Behinderung, verzögerte Sprachentwicklung, mangelndes Interesse an der Umwelt

  • Asperger-Syndrom:$Asperger-Syndrom gestörtes Sozialverhalten mit mangelnder Empathie, Isolation, meist gute Sprach- und Intelligenzentwicklung, Inselbegabung

Definition
Der Autismus ist eine tief greifende Störung, die vor allem durch Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion gekennzeichnet ist. Grundsätzlich kann zwischen dem frühkindlichen Autismus vom Kanner-Typ und dem Asperger-SyndromAsperger-Syndrom unterschieden werden, wobei die Ausprägung der Schwere variieren kann.
Pathogenese
Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Als Hauptkomponente werden genetische Ursachen angenommen, ferner das Alter der Eltern, wobei die Häufigkeit mit zunehmendem Alter der Eltern steigt. Mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft sowie die Einnahme von SSRI und Antikonvulsiva scheinen das Auftreten ebenfalls zu begünstigen. Begleiterkrankungen, wie Angst-, Zwangs- und depressive Erkrankungen, treten überzufällig oft auf.
Symptome
Frühkindlicher Autismus vom Kanner-Typ
  • Auftreten vor dem 3. Lebensjahr

  • Deutliche Verzögerung der Sprach- und Intelligenzentwicklung

  • In der Mehrzahl der Fälle geistige Behinderung

  • Störungen im Schlaf-Wach-Rhythmus

  • Mangelndes Interesse an der Umwelt

  • Stereotypes Spielverhalten

Asperger-Syndrom
  • Auftreten meist nach dem 3. Lebensjahr

  • Normale Sprach- und Intelligenzentwicklung in den ersten Lebensjahren

  • Meist verzögerte motorische Entwicklung

  • Deutlich gestörtes Sozialverhalten, das meist erst im Vorschul- und Schulalter manifest wird mit Meidung von (Blick-)Kontakt zu Mitschülern, Isolierungstendenzen, Mangel an Empathie und Gefühlsregung (nicht Gefühlserleben, denn das kann durchaus vorhanden sein, aber nach außen nicht besonders gut erkennbar)

  • Häufig erstaunliche Begabungen im Hinblick auf Gedächtnisleistungen oder andere sehr spezielle Fähigkeiten, was auch als Inselbegabung bezeichnet wird

Therapie
  • Frühförderung im Hinblick auf motorische, sprachliche und soziale Aspekte

  • Logopädie, Ergo-, Kunsttherapie

  • Behandlung von Koerkrankungen, v. a. Angst-, Zwangs- und depressiven Erkrankungen

  • Medikamentöse Behandlung je nach Symptomenbild mit Methylphenidat, SSRI und Antikonvulsiva

Suizidalität

  • $SuizidalitätSelbstschädigende Handlung, die entweder vollendet (Suizid) oder unvollendet bleibt (Suizidversuch)

  • Männer begehen mehr Suizide, Frauen mehr Suizidversuche

  • Risikofaktoren: psychiatrische Vorerkrankungen inkl. Sucht, vorangegangene Suizidversuche, belastende Lebensereignisse

  • Jeder Verdacht auf Suizidalität stellt einen Notfall dar

Definition
SuizidalitätSuizidalität ist eine selbstschädigende Handlung, die entweder vollendet (Suizid) oder unvollendet bleibt (Suizidversuch). Unter Parasuizid wird ein Suizidversuch ohne selbsttötende Absicht verstanden.
Es findet sich ein Häufigkeitsgipfel im Frühjahr und im Sommer. Männer begehen mehr Suizide als Frauen (Männer : Frauen = 3 : 1) und bevorzugen die harten Methoden wie Erhängen, Erschießen, Sturz aus großer Höhe. Frauen begehen mehr Suizidversuche als Männer (Frauen : Männer = 3 : 1) und bevorzugen die weichen Methoden wie Schlafmedikamenteneinnahme, häufig kombiniert mit Alkohol.
Risikofaktoren
  • Psychiatrische Erkrankungen wie Manie, Depression, Schizophrenie

  • Suchterkrankungen

  • Allein lebende Menschen, wobei Frauen etwas belastbarer zu sein scheinen

  • Chronische Erkrankungen, die mit starkem Leidensdruck einhergehen

  • Vorangegangene Suizidversuche, besonders im letzten Jahr

  • Subjektiv belastende Ereignisse, z. B. Verlust von nahen Angehörigen, Missbrauchserfahrungen

Präsuizidales Syndrom nach Ringel
Es gibt keine eindeutigen Symptome als Hinweise auf eine Suizidalität. Diese entwickelt sich i. d. R. nicht von einem Tag auf den anderen. Vielmehr durchlaufen die Patienten nach Ringel benannte Stadien:
  • Zunehmende Einengung von Affekt, Verhalten und zwischenmenschlichen Beziehungen

  • Aggressionsstau und Wendung der Aggressionen gegen die eigene Person

  • Selbstmordfantasien, -pläne, -impulse

Ausschluss Suizidalität
Es können 10 initiale Fragen an den Patienten zur Einschätzung der Suizidalität gestellt werden:
  • 1.

    Denken Sie daran, sich das Leben zunehmen? Wenn ja, wie häufig?

  • 2.

    Sind diese Gedanken wie ein Zwang?

  • 3.

    Haben Sie konkrete Ideen, wie Sie vorgehen würden?

  • 4.

    Haben Sie schon Vorbereitungen getroffen?

  • 5.

    Haben Sie schon einmal einen Versuch unternommen? Wann? Aus welcher Lebenssituation heraus?

  • 6.

    Ist in Ihrer Familie oder im Umkreis so etwas schon passiert?

  • 7.

    Sehen Sie die Situation als aussichtslos für sich an?

  • 8.

    Haben Ihre Kontakte zu Freunden/Verwandten abgenommen?

  • 9.

    Wohnen Sie allein?

  • 10.

    Fühlen Sie sich familiär, beruflich, religiös oder weltanschaulich nicht mehr eingebunden?

Jede konkrete Vorstellung bzw. jeder konkrete Plan, evtl. mit Nennung des Tages und/oder Art des Suizids, muss jeden Therapeuten zum sofortigen Handeln zwingen, ebenso verfasste Abschiedsbriefe, verkauftes oder verschenktes Wohnungsinventar oder Niederschrift eines Testaments.
Die Überlegung, ob eine Suizidalität „ernsthaft“ oder „nicht ernsthaft“ vorhanden ist, ist nicht weiterführend. Fakt ist, dass der Mensch, der Suizidgedanken hat (aktiv oder passiv), bzw. mit dem Leben an und für sich hadert, in seelischer Not ist und Hilfe benötigt.
Suizidformen
  • Erweiterter Suizid: Tötung der eigenen Person und einer anderen dazu

  • Massensuizid: Suizid einer größeren Zahl an Menschen

  • Bilanzsuizid: Suizid, der aus scheinbar rationalen Gründen oder Überlegungen resultiert

Therapie
  • Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.12.12)

$SuizidalitätTherapie

  • Zu beachten sind die länderspezifischen Unterbringungsgesetze

Lernzielkontrolle

  • Welche Punkte sollten im Rahmen des psychopathologischen Befunds erfasst werden?

  • Was sind formale und inhaltliche Denkstörungen? Benennen Sie jeweils einige!

  • Was sind Ich-Störungen? Für welche Erkrankungen sind sie typisch?

  • Was sind Kennzeichen einer Depression? Welche Arten der Depression kennen Sie?

  • Welche Symptome zeigt die Manie?

  • Wodurch ist die bipolare affektive Störung gekennzeichnet?

  • Welche Wahnarten erlebt ein Patient mit einer Schizophrenie? Was sind weitere Symptome einer Schizophrenie?

  • Nennen Sie Kennzeichen der Demenz vom Alzheimer-Typ! Wie unterscheiden sich die Symptome von der vaskulären Demenz?

  • Nennen Sie Symptome, die den Alkoholentzug und das Delir kennzeichnen! Welche alkoholbedingten Erkrankungen kennen Sie?

  • Welche Drogenarten sind Ihnen bekannt? Was ist die am häufigsten konsumierte illegale Droge?

  • Was sind Persönlichkeitsstörungen? Welche sind Ihnen bekannt?

  • Wie unterscheidet sich eine Phobie von einer Panikattacke? Nennen Sie Symptome für beide Störungen!

  • Wie kann sich eine Zwangsstörung manifestieren?

  • Welche Symptome finden sich bei der posttraumatischen Belastungsstörung? Welche Ereignisse können ihr vorausgehen?

  • Was versteht man unter einer somatoformen Störung?

  • Nennen Sie Symptome und Komplikationen der Anorexia nervosa und der Bulimie! Welche organischen Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden?

  • Welche Symptome finden sich beim ADHS? Ist die körperliche Hyperaktivität immer vorhanden?

  • Welche Autismusarten sind Ihnen bekannt? Nennen Sie jeweils die Charakteristika!

  • Wie ist Ihr Vorgehen, wenn Sie den Verdacht haben auf eine latente und manifeste Suizidabsicht? Wie kann man sie erkennen?

Nützliche Links

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