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B978-3-437-58785-6.00023-5

10.1016/B978-3-437-58785-6.00023-5

978-3-437-58785-6

Abb. 23.2

[L106]

Entwicklung der Eizelle von der Ovulation bis zum frühen Embryonalstadium

Abb. 23.3

[L106]

Stadien der Embryonalentwicklung. a, b Längsschnitt (a) und Querschnitt (b) der scheibenförmigen Keimanlage am Ende der 3. Woche. Die 3 Keimblätter Ektoderm (gelb), Mesoderm (rot) und Entoderm (blau) sind von Dottersack und Amnionhöhle umgeben. c, d Längsschnitt (c) und Querschnitt (d) durch die Keimanlage nach Abfaltung vom Dottersack am Ende der 4. Woche. Die Neubildung des Neuralrohrs ist abgeschlossen, der Darm entwickelt sich, die Nabelschnur entsteht.

Abb. 23.4

[L106]

Zeitlicher Ablauf der Organentwicklung und Differenzierung in der Embryonal- und Fetalperiode. Das Ausmaß von Entwicklungsstörungen durch innere (z. B. Chromosomenschäden) und äußere (z. B. durch Virusinfektionen) Einflüsse nimmt in der Regel mit dem Grad der Reifung ab. Rot= Periode der Organentstehung, rosa= Periode der Organreifung.

Abb. 23.5

[E581]

Übersicht über die Embryonalentwicklung. Nach nur 8 Wochen hat der Embryo eindeutig menschliche Züge. SSL = Schädel-Steiß-Länge.

Abb. 23.6

[L190]

Einnistung der Blastozyste und Ausbildung von Amnionhöhle, Dottersack und Chorionhöhle (p. c. = post conceptionem= nach der Befruchtung)

Abb. 23.7

[L190]

Entwicklung des Embryos bzw. Fetus und der Plazenta

Abb. 23.8

[L190]

Links: Schematische Darstellung des fetalen Blutkreislaufs. Nährstoff- und sauerstoffreiches Blut fließt über die Nabelvene zum rechten Vorhof des Kindes. Der größere Anteil gelangt durch das Foramen ovale in den linken Vorhof, von dort in die linke Kammer und in den Körperkreislauf. Der übrige Teil erreicht über die rechte Kammer den Truncus pulmonalis. Da das Lungengewebe noch kaum durchblutet ist, fließt das Blut vom Truncus pulmonalis hauptsächlich über den Ductus Botalli in die Aorta. Rechts: Umstellung des Blutkreislaufs nach der Geburt (Nabelschnur abgebunden). Mit dem ersten Atemzug füllen sich Lungen mit Luft. Die veränderten Druckverhältnisse schließen das Foramen ovale und den Ductus arteriosus Botalli. Die Nabelschnurgefäße ziehen sich zusammen und thrombosieren, der Ductus venosus wird zu einem bindegewebigen Strang, dem Lig. venosum der Leber. Die genannten Verschlüsse sind zunächst nur funktionell. Erst nach Wochen bis Monaten verschließen sich die Umgehungen auch anatomisch.

Abb. 23.9

[L190]

Schwangerschaftsbedingte Veränderungen des mütterlichen Organismus

Abb. 23.10

[L190]

Eintritt des Kindes in der Eröffnungsphase und Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal in der Austreibungsphase bei der vorderen Hinterhauptslage. Beim Menschen ist der Kopf des Kindes groß im Verhältnis zum mütterlichen Becken. Querstand des kindlichen Kopfs im Beckeneingang, Hinterhauptslage und nachfolgende Drehung des Kopfs dienen dazu, den Platz möglichst gut „auszunutzen“.

Abb. 23.11

[L190]

Reifezeichen des Neugeborenen. Die Käseschmiere (Vernix caseosa) ist eine schützende, grauweiße Schmiere der Haut.

Abb. 23.12

[L157, L190]

Längenwachstum und Gewichtszunahme bei Jungen und Mädchen. Perzentile bedeutet „Hundertstelwert“. Eine Länge auf der 50. Perzentile bedeutet also, dass die Hälfte der gleichaltrigen Kinder gleich groß oder kleiner ist.

Abb. 23.13

[R300]

Vierfingerfurche beim Down-Syndrom

Abb. 23.14

[R300]

Sandalenlücke beim Down-Syndrom

Abb. 23.15

[F939–002]

Alkoholembryopathie

Abb. 23.16

[R285]

Dünndarminvagination (Operationspräparat) a Übersicht mit 2 Invaginaten (inv). b Ausschnitt aus a. Das einstülpende (distale) Darmsegment (Invaginans = inv) ist kolbenartig durch das invaginierte (proximale) Darmsegment aufgetrieben.

Pränatale Infektionen und Auswirkungen auf das KindToxoplasmoseRötelnLuesListerioseHerpes simplexZytomegalie. Die nachfolgend abgehandelten Krankheiten verursachen eine Fetopathie, mit Ausnahme der Röteln, die durch eine Infektion im 1. Trimenon zur Embryopathie führen.Gregg-TriasHutchinson-Trias

Tab. 23.1
Erkrankung Kindliche Symptome der pränatalen Infektion
Toxoplasmose
  • Totgeburt bei Infektionen im 1. Trimenon

  • Hohes Risiko der Frühgeburt

  • Neurologische Symptome: Hydrozephalus (Wasserkopf), zerebrale Verkalkungen, geistige Retardierung, Krampfanfälle

  • Augensymptome: Chorioretinitis (Entzündung der Ader- und Netzhaut), Katarakt (grauer Star)

Röteln
  • Embryopathie: Gregg-Trias mit Katarakt, Innenohrschwerhörigkeit, Herzschäden (Pulmonalstenose, persistierender Ductus Botalli)

  • Geistige Retardierung, niedriges Geburtsgewicht

Cytomegalie
  • Hydrozephalus, Mikrozephalus, intrazerebrale Verkalkungen, geistige und motorische Retardierung

  • Hepatitis mit Ikterus

  • Geringes Geburtsgewicht, bleibende Seh- und Hörstörungen

Herpes simplex Enzephalitis
Lues
  • Hutchinson-Trias: Keratitis, Hörstörungen, Zahnfehlbildungen

  • Gedeihstörungen, Entwicklungsverzögerung

Listeriose
  • Fetopathie durch Infektion im letzten Trimenon

  • Granulomatosis infantiseptica mit septischem Krankheitsbild, Hepatosplenomegalie, Pneumonie, Meningoenzephalitis und Hauterscheinungen

APGAR-Schema

Tab. 23.2
Beurteilung 0 Punkte 1 Punkt 2 Punkte
Aussehen Zyanotisch oder blass/weiß Körper rosig, Extremitäten blass Alle Körperpartien rosig
Puls Fehlt bzw. nicht wahrnehmbar < 100/Min. > 100/Min.
Gesichtsbewegungen oder Grimassieren Keine Reaktion Schwache Reaktion mit Verziehen des Gesichts Lebhafte Reaktion mit Schreien, Husten
Aktivität und Muskeltonus Schlaff ohne spontane Bewegungen Träge Reaktion, geringer Muskeltonus Gute Eigenaktivität, guter Muskeltonus
Respiration Fehlt bzw. Apnoe Unregelmäßig, flach Regelmäßige Atmung von ca. 40/Min., kräftiges Schreien

Entwicklung von Körpergewicht und Körperlänge

Tab. 23.3
Alter Körpergewicht Körperlänge
Geburt 3,4 kg (2,5–4,2 kg) 46–54 cm
5–6 Monate Geburtsgewicht verdoppelt + ca. 15 cm
1 Jahr Geburtsgewicht verdreifacht + ca. 25 cm
2,5 Jahre Geburtsgewicht vervierfacht
6 Jahre Geburtsgewicht versechsfacht
10 Jahre Geburtsgewicht verzehnfacht

Übersicht über die motorische, sprachliche und soziale Entwicklung des Kindes

Tab. 23.4
Alter Soziale Entwicklung und Spielverhalten Motorische Entwicklung Sprachliche Entwicklung Primitive Reflexe
1.–3. Monat (Saugkind)
  • Antwortet mit Lächeln, wenn es angelächelt wird

  • Fixiert und verfolgt Gegenstände, die im Gesichtsfeld bewegt werden

Dreht in Bauchlage den Kopf zur Seite Seufzer und Laute im zufriedenen Zustand (gesättigt)
  • Reflektorisches Schreiten

  • Rooting-Reflex

  • Palmargreifreflex

  • Babinski-Phänomen

  • Moro-Reaktion

3. Monat (Schaukind)
  • Lächelt spontan

  • Schaut sich die eigenen Finger an, spielt mit ihnen

  • Kopfkontrolle in Bauchlage vorhanden

  • Kopf kann von der Unterlage sicher gehoben werden

Spontane Vokalisation
  • Rooting-Reflex

  • Palmargreifreflex

  • Babinski-Phänomen

6. Monat (Greifkind)
  • Freut sich über Zuwendung

  • Greift nach Gegenständen und transferiert sie von einer Hand in die andere

  • Sichere Kopfkontrolle in jeder Körperhaltung

  • Aufrechtes Sitzen mit Unterstützung möglich

Antwortet mit Vokalisation
  • Rooting-Reflex

  • Palmargreifreflex

  • Babinski-Phänomen

9. Monat (Krabbelkind) Fremdelt
  • Untersucht Gegenstände intensiv mit Händen, Augen und Mund

  • Scherengriff

  • Freies Sitzen möglich

  • Robben, Kriechen

Bildung von Silbenketten, z. B. wawawa
  • Rooting-Reflex

  • Babinski-Phänomen

12. Monat (Gehkind)
  • Zeigt Zuneigung gegenüber vertrauten Personen

  • Schüttelt und wirft mit Gegenständen

  • Pinzettengriff

  • Stehen mit Festhalten möglich

  • 18. Monat freies Gehen

  • Bückt sich nach Gegenständen

  • Imitiert Sprachlaute und bildet Doppelsilben, z. B. mamam, papap

  • Mit 18 Monaten gezielte Verwendung von Mama und/oder Papa

Babinski-Phänomen
2 Jahre (Trotzkind)
  • Versucht sich durchzusetzen, „verteidigt“ eigenen Besitz

  • Imitiert Handlungen der Erwachsenen

Rennt sicher und umgeht Hindernisse
  • Gebraucht ca. 20 Worte

  • Versteht einfache Aufträge

3 Jahre (Ich-Kind)
  • Teilt mit anderen, zumindest nach Aufforderung

  • Andauerndes und konzentriertes Rollenspiel

Kann kurz auf einem Bein stehen Benutzt Singular und Plural richtig

Schwangerschaft und kindliche Entwicklung

Abb. 23.1

[L275]

Übersicht über die Physiologie und Erkrankungen der Schwangerschaft, Geburt und Geburtskomplikationen, kindliche Entwicklung und ausgewählte Erkrankungen des Kindersalters

Schwangerschaft

Schwangerschaft

Lernziele

  • Kenntnisse über die Entwicklung der Schwangerschaft.

  • Kenntnisse über mütterliche Hormonveränderungen während der Schwangerschaft.

  • Benennung der sicheren und der unsicheren Schwangerschaftszeichen.

  • Kenntnisse über die Veränderungen des mütterlichen Organismus während der Schwangerschaft.

  • Kenntnisse über die Schwangerschaftskomplikationen, insbesondere über die EPH-Gestose und den Schwangerschaftsdiabetes.

  • Kenntnisse über mütterliche Infektionen in der Schwangerschaft und die Auswirkungen auf den Embryo bzw. Fetus.

  • Kenntnisse der Meilensteine der kindlichen Entwicklung, insbesondere im Hinblick auf Längenwachstum, Gewichtszunahme, Zahnung und motorische Entwicklung.

Dauer und Einteilung

Die Dauer der Schwangerschaft beträgt:
  • SchwangerschaftDauer266 Tage (38 Wochen) oder 9,5 Mondmonate ab dem Zeitpunkt der Befruchtung

  • 280 Tage (40 Wochen) oder 10 Mondmonate ab dem letzten Tag der Menstruation

  • Naegele-RegelNaegele-Regel zur Bestimmung des voraussichtlichen Entbindungstermins (Formel 23.1)

FORMEL 23.1

Entbindungstermin = Datum des 1. Tages der letzten normalen Regelblutung + 7 Tage 3 Monate + 1 Jahr

Dauer der Schwangerschaft:$SchwangerschaftDauer

  • 38 Wochen ab dem Zeitpunkt der Befruchtung

  • 40 Wochen ab dem Zeitpunkt der letzten Menstruation

  • Naegele-Regel Formel 23.1

Einteilung der Schwangerschaft:

  • 1. Trimenon: 1.–12. SSW

  • 2. Trimenon: 13.–26. SSW

  • 3. Trimenon: 27. SSW bis zur Geburt

Die Schwangerschaft kann eingeteilt werden in:
  • 1. Trimenon (Frühschwangerschaft): 1.–3. Schwangerschaftsmonat oder 1.–12. Schwangerschaftswoche (SSW). Bis zur 9. Schwangerschaftswoche spricht man vom Embryo, danach vom Fetus. In dieser Zeit werden alle kindlichen Organe angelegt. In der Folgezeit erfolgen das Wachstum und die Reifung des Körpers. Schädigungen der Frucht zum Zeitpunkt der Befruchtung bis zum Ende der Embryonalperiode können zum Fruchttod oder zur Organfehlbildungen führen.

  • 2. Trimenon: 4.–6. Schwangerschaftsmonat oder 13.–26. SSW. Diese Zeit ist durch Wachstum und Reifung des Fetus gekennzeichnet.

  • 3. Trimenon: Ab dem 7. Schwangerschaftsmonat bzw. der 27. SSW bis zur Geburt. Diese Zeit ist ebenfalls durch Wachstums- und Reifungsprozesse des Feten gekennzeichnet. Im 3. Trimenon ist das Kind bei Frühgeburtlichkeit lebensfähig, obgleich jede weitere Woche, die es im Uterus (bis zum errechneten Geburtstermin) verbringen kann, im Hinblick auf Reifung und Entwicklung vorteilhaft ist.

Entwicklung der Schwangerschaft

$SchwangerschaftEntwicklungVoraussetzungen für den Eintritt einer Schwangerschaft sind eine Ovulation und Spermien, die nach der Kohabitation über Zervix und Gebärmutterhöhle bis in die Tuba uterina wandern und die Eizelle befruchten.

Die befruchtete Eizelle teilt sich, wird zur Morula und später zur Blastozyste, die den Uterus erreicht und sich in dessen Schleimhaut einnistet. Innerhalb der Blastozyste entwickelt sich u. a. die Keimscheibe, aus der die Keimblätter und später die Organe entwickelt werden:

  • Ektoderm:$Ektoderm Nervensystem, Sinnesorgane, Haut

  • Mesoderm:$Mesoderm Muskelgewebe, Herz, Binde- und Stützgewebe, Blutkörperchen, Nieren, Geschlechtsorgane, lymphatische Organe

  • Entoderm:$Entoderm Epithelien von Magen-Darm-Trakt, Atmungs-, Urogenitalsystem, Schilddrüse, Pankreas, Leber

Die Anlage der Organe ist bis zum Ende der Embryonalperiode abgeschlossen.

SchwangerschaftEntwicklungDie Ovulation (Eisprung)Ovulation Eisprungfindet ca. 14 Tage vor der nächsten Regelblutung statt. Sie ist, neben der Bildung von reifen (beweglichen und befruchtungsfähigen) Spermien beim Mann, die Voraussetzung für die Entstehung der Schwangerschaft. Während der geschlechtlichen Vereinigung (Kohabitation) werden 200–400 Millionen Spermien aus der männlichen Harnröhre entlassen. Sie passieren zunächst die Zervix, die während der Ovulation durch hohe Östrogenmengen flüssig ist, ansonsten zäh und schlecht passierbar. Die Spermien vermischen sich mit dem Zervixschleim und wandern weiter in die Gebärmutterhöhle (Cavum uteri). Gleichzeitig wird die Wanderschaft durch Kontraktionen der Uterusmuskulatur begünstigt. Nach der Passage durch den Uterus erreichen nur noch ca. 500 Spermien die Tuba uterina.
Die Eizelle bleibt nach der Ovulation ca. 6–12 Stunden befruchtungsfähig, die Spermien ca. 2 Tage. Ist ein befruchtungsfähiges Ei vorhanden, kommt es in der Ampulle der Tuba uterina zur Konzeption (Befruchtung, Fertilisation).Konzeption BefruchtungDiese erfolgt durch aktives Eindringen des Akrosoms (beinhaltet die DNA) eines reifen Spermiums in die Eizelle. Das Akrosom verfügt über zahlreiche Enzyme, mit deren Hilfe es die äußere Schicht der Eizelle (Zona pellucida) passieren kann. Durch den Eintritt des Akrosoms verändert sich die Oberfläche der Eizelle, sodass kein weiteres Spermium mehr eindringen kann. Die Eizelle selbst beendet die zweite meiotische Teilung und erst dann können die Vereinigung des Erbguts und die Bildung der diploiden Zygote erfolgen. Im weiteren Verlauf teilt sich die befruchtete Eizelle zunächst zur Morula, das ein kugeliges, kompaktes Gebilde darstellt. Nach ca. 3–4 Tagen erreicht die Morula den Uterus, die Zellteilung ist weiter im Gange und es entsteht die Blastozyste (Abb. 23.2).
Die Blastozyste besteht aus einer Höhle (Blastozystenhöhle), dem innen gelegenen Embryoblasten und dem außen gelegenen Trophoblasten, welcher der EinnistungEinnistung (Nidation, Implantation)NidationImplantation und der Ernährung des Embryos dient. Die Zellen des Trophoblasten bilden das β-HCG (humanes Choriongonadotropin), das zu Beginn der Schwangerschaft den Gelbkörper erhält und somit für ausreichend Progesteron sorgt, das zur Erhaltung der Schwangerschaft essenziell ist.
Nach ca. 9–11 Tagen wird die ursprüngliche Blastozyste in 2 Hohlräume, die Amnionhöhle und den Dottersack, der aus der Blastozystenhöhle hervorgeht, geteilt (Abb. 23.3). Dazwischen bildet sich die Keimscheibe, die zunächst aus 2 Schichten besteht, dem Ektoderm und dem Entoderm, die dritte Schicht, das Mesoderm, bildet sich später aus. Aus den 3 KeimblätternKeimblätter entstehen später Organe und Organsysteme:

ABBILDUNG 23.2

  • EktodermEktoderm (äußeres Blatt): bildet Nervensystem, Sinnesorgane und Haut

  • MesodermMesoderm (mittleres Blatt): bildet Muskelgewebe, Herz, Binde- und Stützgewebe, Blutkörperchen, Nieren, Geschlechtsorgane und lymphatische Organe

  • EntodermEntoderm (inneres Blatt): bildet Epithelien, die Magen-Darm-Trakt, Atmungssystem, Urogenitalsystem, Schilddrüse, Pankreas, Leber auskleiden

Die Organentwicklung erfolgt sehr schnell. In der 3. SSW nach der Befruchtung bildet sich ein Primitivstreifen, aus dem die Chorda dorsalis hervorgeht. Diese Strukturen sind längs ausgerichtet und dienen als Leitschiene dem Wachstum des Embros (Abb. 23.3). Zeitgleich entwickelt sich die Neuralplatte, an deren kranialem Ende das Gehirn entstehen wird. Im weiteren Verlauf entsteht aus Teilen der Neuralplatte die Neuralrinne, aus der später das Neuralrohr und schließlich das Rückenmark gebildet werden. Das Herz wird angelegt, die ersten Gefäße sprießen hervor.
Ab der 4.–6. SSW entstehen Arm- und Beinknospen, Augen und Ohren und entwickeln sich in der Folgezeit weiter. Der Embryo bekommt eine c-förmige Gestalt, der Kopf ist überproportional groß (Abb. 23.4, Abb. 23.5). Die Herz-Kreislauf-Funktion ist komplett ausgebildet. Am Ende der 6. SSW entwickeln sich die Zähne und der Gaumen. Die Geschlechtsorgane entstehen als letztes, in der 7. SSW. Der Darm verlagert sich wegen Platzmangels im Bauch passager in die Nabelschnur und wird später wieder in die Bauchhöhle zurückverlagert. Zu Beginn der Fetalzeit (ab der 9 SSW) sind nahezu alle Organe angelegt, im weiteren Verlauf reifen und wachsen die Organe und auch das Kind.

ABBILDUNG 23.3

ABBILDUNG 23.4

Ernährung des Embryos und Fetus

$ErnährungEmbryoDie Ernährung des Embryos erfolgt zunächst durch den Trophoblasten, dann durch die Plazenta, die aus einem kindlichen und mütterlichen Anteil besteht. Sie erreicht während der Schwangerschaft eine Größe von 15–20 cm und ein Gewicht von 500 g. Das Kind ist mit der Plazenta über die Nabelschnur$Nabelschnur verbunden, die 2 Aa. umbilicales (sauerstoffarmes Blut) und 1 V. umbilicalis (sauerstoffreiches Blut) führt. Der vorgeburtliche Kreislauf besitzt 3 Umgehungskreisläufe:

  • Ductus venosus$Ductus venosus: umgeht die Leber

  • Offenes Foramen ovale$Foramen ovale: umgeht die Lungen

  • Ductus arteriosus Botalli$Ductus arteriosus Botalli: umgeht die Lungen

Die Ernährung des EmbryosErnährungEmbryo erfolgt durch den Trophoblasten,Trophoblast der sich im weiteren Verlauf in 2 Strukturen teilt, den Zytotrophoblasten, der den Embryo umgibt, und den Synzytiotrophoblasten, der in die Uterusschleimhaut einwächst und eine hohe Stoffwechselaktivität zeigt. Er eröffnet kleine mütterliche Gefäße und umgibt den Embryo mit seinen Hüllen (Abb. 23.6, Abb. 23.7). Es bilden sich Lakunen (Hohlräume zwischen den Zellen des Synzytiotrophoblasten), die ebenfalls mit mütterlichem Blut gefüllt werden. Aus dem Zytotrophoblasten wachsen zottige Fortsätze in den Synzytiotrophoblasten hinein, es entsteht das ChorionChorion (Zottenhaut). Es umgibt den Embryo vollständig. Die Chorionzotten wachsen auf einer Seite stärker und bilden die Chorionplatte (Chorion frondosum) und auf der anderen gehen sie zurück und bilden die Chorionhaut (Chorion laeve). Die Chorionplatte mit den Chorionzotten bildet die kindliche Plazenta. Der mütterliche Anteil besteht aus der Decidua basalis, die im Bereich der Chorionplatte bindegewebig umgewandelt worden ist.

ABBILDUNG 23.7

Die PlazentaPlazenta erreicht im Verlauf der Schwangerschaft eine Größe von 15–20 cm und ein Gewicht von 500 g. Sie wird nach der Geburt abgestoßen. Ihre Funktion besteht in der Ernährung des Fetus, wobei zwischen dem kindlichen und dem mütterlichen Blut keine direkte Verbindung besteht (Plazentaschranke). Das mütterliche Blut umspült die Zotten, sodass ein Austausch über Diffusion und aktive Prozesse erfolgen kann.
Die NabelschnurNabelschnur ist ca. 50–60 cm lang, entspringt aus der Mitte der Plazenta und zieht zum Fetus, wo sie sich mit inneren Gefäßen vereinigt. Sie besteht aus Arteriaumbilicalis2 Aa. umbilicales, die sauerstoff- und nährstoffarmes Blut vom Fetus zur Plazenta führen und einer VenaumbilicalisV. umbilicalis, die sauerstoff- und nährstoffreiches Blut von der Plazenta zum Fetus führt.
Der kindliche Kreislauf besitzt 3 UmgehungskreisläufeUmgehungskreisläuf (Abb. 23.8, 7.1.6). Sie umgehen die kindliche Leber, die noch sehr unreif ist, und die Lunge, die unreif und nicht entfaltet ist.
  • Ductus venosus: Ductusvenosus Umgeht die Leber und mündet direkt in die V. cava inferior, die dann im rechten Vorhof mündet. Nach der Mündung in die V. cava inferior vermischt sich das sauerstoffreiche Blut, das aus der Plazenta kommt, mit dem venösen Blut des Fetus und es entsteht Mischblut.

  • Offenes Foramen ovale: Foramen ovale Umgeht die Lunge, indem das Blut aus dem rechten Vorhof direkt in den linken Vorhof fließt, weil der Druck auf der rechten Seite höher ist als auf der linken.

  • Ductus arteriosus Botalli: Ductusarteriosus Botalli Verbindung zwischen dem Truncus pulmonalis und der Aorta zur Umgehung der Lunge. Das Blut, das vom rechten Vorhof in die rechte Kammer gelangt ist, wird in den Truncus pulmonalis ausgeworfen. Ein kleiner Teil des Bluts wird zur Lunge geleitet, der größte Teil des Bluts wird zur Versorgung des gesamten Körpers über den Ductus arteriosus Botalli in die Aorta geschleust.

ABBILDUNG 23.8

Eihäute und Fruchtwasser

Das Fruchtwasser$Fruchtwasser besteht aus fetalem Urin und beträgt 650–800 ml. Es sorgt für eine konstante Temperatur und schützt das Ungeborene vor Stoß und Schlag.

Die EihäuteEihäute, die den Fetus umgeben, entwickeln sich aus der Amnion und Chorionhaut. Die Fruchtblase,Fruchtblase in deren wässrigem Inhalt der Fetus schwimmt, entsteht aus der Amnionhöhle. Das FruchtwasserFruchtwasser (Amnionflüssigkeit) wird zum einen vom Fetus produziert und besteht v. a. aus fetalem Urin, der zu einem Teil geschluckt wird, zum anderen von der Mutter, deren Anteil über Austauschvorgänge über die Plazenta in die Amnionhöhle gelangt. Das Fruchtwasser wird alle 3–4 Stunden erneuert, die Gesamtmenge beträgt ca. 650–800 ml. Es schützt das Ungeborene vor Austrocknung, Stoß und Schlag und garantiert eine konstante Temperatur.

Schwangerschaftshormone

$SchwangerschaftHormoneWichtige Hormone, die in der Schwangerschaft Spitzenwerte erreichen, sind:

  • Östrogen

  • Progesteron

  • β-HCG

  • HCS

Während der Schwangerschaftsentwicklung verändert sich der Hormonhaushalt der Mutter. Folgende Hormone spielen an der Erhaltung der Schwangerschaft eine wichtige Rolle:
  • SchwangerschaftHormoneÖstrogenÖstrogene: Werden von Follikelepithel, Gelbkörper und dann Plazenta gebildet und steigen während der gesamten Schwangerschaftsdauer an.

  • ProgesteronProgesteron: Wird bis zur 10. SSW vom Corpus luteum gebildet, dann von der Plazenta. Erhält die Schwangerschaft und steigt ebenfalls während der gesamten Schwangerschaftszeit an.

  • β-HCG (β-humanes humanes ChoriongonadotropinChoriongonadotropin): Wird im Trophoblasten gebildet und erhält das Corpus luteum bis zur 10. SSW. Es stimuliert die mütterliche Schilddrüsenproduktion und die Testosteronbildung bei männlichen Fetus.

  • HCS (humanes humanes ChorionsomatomammotropinChorionsomatomammotropin): Fördert die Mamma-Entwicklung, stimuliert die kindliche Erythropoese.

Anpassung des mütterlichen Organismus an die Schwangerschaft

$SchwangerschaftAnpassung MutterMütterliche Anpassungsvorgänge:

  • Gewichtszunahme ca. 10–12,5 kg

  • Arterielle Hypotonie

  • Eisenmangelanämie

  • Zwerchfellhochstand und evtl. Dyspnoe

  • Gingivitis, Zahnfleischbluten, erhöhte Kariesgefahr

  • Sodbrennen, Obstipation

  • Verdickung des Gallenblasensafts

  • Hyperpigmentierung

  • Wachstum von Uterus und Mammae

  • Übelkeit, Erbrechen, Stimmungsschwankungen, v. a. im 1. Trimenon

Der mütterliche Organismus durchläuft während der Schwangerschaft zum Teil starke Veränderungen. Das 1. Trimenon ist durch Anpassungsvorgänge an die Frucht gekennzeichnet. Der hohe Hormonausstoß kann Stimmungsschwankungen, Übelkeit, Erbrechen und Müdigkeit hervorrufen.
Im 2. und 3. Trimenon treten folgende Veränderungen auf (Abb. 23.9):
  • SchwangerschaftAnpassung MutterGewichtszunahme: ca. 10–12,5 kg (im Durchschnitt 1–1,5 kg pro Monat), wobei die Hälfte des Gewichts auf die Vermehrung des Blutvolumens, der extravasalen Flüssigkeit und des Fruchtwassers entfällt

  • Herz-Kreislauf-System: arterielle Hypotonie durch sinkenden peripheren Widerstand, Bildung von Ödemen durch Abnahme des kolloidonkotischen Drucks

  • Blut: EisenmangelanämieEisenmangelanämie durch vermehrten Eisenbedarf und „Verdünnungseffekt“, Leukozytose mit Linksverschiebung durch gesteigerte Leukopoese, erhöhte BSG durch Erhöhung der Globuline im Blut, Hyperkoagulabilität durch vermehrte Bildung von Gerinnungsfaktoren

  • Lunge: erhöhtes Atemzugvolumen und erhöhte Lungenperfusion, im Verlauf der Schwangerschaft Zwerchfellhochstand mit möglicher Entwicklung einer Dyspnoe

  • Schilddrüse: Vergrößerung des Organs durch relativen Jodmangel (vermehrter Verbrauch durch den Fetus und erhöhte Ausscheidung)

  • Nebenschilddrüse: erhöhte Ausschüttung von Parathormon und Resorption von Kalzium im Gastrointestinaltrakt

  • Niere, Nebenniere: Erhöhung der renalen Durchblutung, Dilatation des Nierenbeckens und der Ureteren, erhöhte Ausschüttung von Kortisol und Aldosteron

  • Gastrointestinaltrakt: Gingivitis, Zahnfleischbluten, erhöhte Kariesgefahr, Sodbrennen, Obstipation, verlangsamte Magenentleerung durch Tonusminderung der glatten Muskulatur, Verdickung des Gallenblasensafts

  • Stoffwechsel: erhöhte Insulinempfindlichkeit in der Frühschwangerschaft mit der Gefahr der Hypoglykämie, vermehrte Bildung und Einlagerung von Fett; in der 2. Hälfte der Schwangerschaft zunehmende Insulinresistenz und Gefahr des Schwangerschaftsdiabetes

  • Haut: Hyperpigmentierung des Gesichts, der Linea alba zwischen Symphyse und Nabel und der Brustwarzen, Spider naevi, Palmarerythem, Striae gravidarum

  • Uterus: Zunahme der Masse auf 1–1,5 kg und der Durchblutung auf das 100-Fache

  • Mamma: Vermehrung und Wachstum des Drüsenepithels und der Milchgänge

ABBILDUNG 23.9

Schwangerschaftszeichen

Sichere Schwangerschaftszeichen$Schwangerschaftszeichen:

  • Sonografie-Nachweis

  • HCG im Urin ↑

  • Auskultation der kindlichen Herztöne

  • Fühlbare Kindsbewegungen

SchwangerschaftZeichenSichere Schwangerschaftszeichen sind:
  • Ultraschallnachweis des Embryos ab der 6. SSW post menstruationem (p. m.)

  • Kindliche Herztöne ab der 12. SSW p. m. auskultierbar

  • Fühlen der Kindsteile oder der Kindsbewegungen durch die Bauchdecke

  • Nachweis einer hohen HCG-Konzentration im Urin oder Serum

Zu den unsicheren Schwangerschaftszeichen zählen:
  • Ausbleiben der Menstruation

  • Vermehrter Fluor vaginalis, livide Verfärbung von Vulva und Vagina

  • Spannungsgefühl in den Brüsten

  • Morgendliche Übelkeit und Erbrechen

  • Unterbauchschmerzen

  • Sodbrennen

  • Gesteigertes Hungergefühl, nervöse Störungen

Empfohlene Substitution

  • Folsäure 400 µg

  • Eisen 30 mg

  • Jodid 230 µg

  • Kalzium 1200 mg

  • Vitamin D: abhängig vom Serumspiegel

Für folgende Stoffe gibt es eine Empfehlung zur Substitution:
  • SchwangerschaftSubstitutionFolsäureFolsäure ist essenziell für die Zellkernteilung, die beim wachsenden Embryo und Fetus in einer rasanter Geschwindigkeit stattfindet. Folsäure senkt das Risiko der Spina bifida (Neuralrohrdefekte, offener Rücken). Wichtig ist, dass Folsäure mindestens 4 Wochen vor der Empfängnis mit 400 µg zugeführt wird und die Substitution mindestens bis zum Ende des 1. Trimenons fortgeführt wird (DGE-Empfehlung).

  • EisenEisen ist essenziell zur Bildung des Hämoglobins im mütterlichen und kindlichen Organismus. Der Bedarf ist erhöht, weil u. a. das Kind von der Mutter das Eisen bezieht und die Blutmenge der Mutter auch zunimmt. Die empfohlene Tagesmenge liegt bei 30 mg.

  • JodidJodid ist für die Produktion der Schilddrüsenhormone im mütterlichen und fetalen Organismus wichtig. Der tägliche Bedarf liegt bei 230 µg, in der Stillzeit bei 260 µg. In der fetalen Schilddrüse werden Hormone ca. ab der 12. SSW gebildet.

  • KalziumKalzium und Vitamin DVitamin D sind u. a. wichtig für Skelettwachstum, Reifung des Nerven- und Immunsystems. Die Zufuhr des Vitamin D richtet sich nach den Blutspiegeln, sie sollten zwischen 30–50 ng/ml liegen. Die empfohlene Kalziumzufuhr beträgt 1.200 mg, in der Stillzeit 1.300 mg.

  • Vitamine und Spurenelemente.

  • Trinkmenge von ca. 2 l.

Erkrankungen während der Schwangerschaft

Infektionskrankheiten

SchwangerschaftInfektionenBestimmte Infektionskrankheiten führen häufig zur Schädigung des FetopathieEmbryopathieEmbryos bzw. Fetus („ToRCHeLL“ToRCHeLL; Tab. 23.1).

TABELLE 23.1

$SchwangerschaftInfektionenWichtige Infektionskrankheiten, die zur Embryo- oder Fetopathie führen („ToRCHeLL“$ToRCHeLL):

  • Toxoplasmose

  • Röteln

  • Cytomegalie

  • Herpesviren

  • Listeriose

  • Lues

Blutungen in der Schwangerschaft

$SchwangerschaftBlutungenBlutungen in der Schwangerschaft:

  • Frühschwangerschaft: Nidationsstörungen, Frühabort

  • Spätschwangerschaft: Plazenta praevia, vorzeitige Plazentalösung

Blutungen in der SchwangerschaftSchwangerschaftBlutungen können in der Früh- oder der Spätschwangerschaft auftreten. Die Ursachen in der Frühschwangerschaft können Nidationsstörungen oder Frühabort sein. Die häufigen Ursachen der Blutungen in der Spätschwangerschaft sind eine Placenta praeviaPlacenta praevia oder vorzeitige Plazentalösung.vorzeitige Plazentalösung Bei der Placenta praevia ist die Plazenta in den unteren Teilen des Uterus angelegt. Dabei verlegt sie den Muttermund teilweise oder vollständig. Durch Kontraktionen der Muskulatur kann die Plazenta einreißen; die Folgen sind schwere, schmerzlose mütterliche Blutungen und gleichzeitig eine Minderversorgung des Fetus. Eine vorzeitige Plazentalösung kann nach Traumen, Gestosen oder auch ohne erkennbare Ursache erfolgen. Die Folge ist eine mütterliche Blutung und eine Minderversorgung des Fetus. Die Plazentalösung wird von Schmerzen und – je nach Blutverlust – von Schocksymptomen begleitet.

Extrauteringravidität (EUG)

Extrauteringravidität

$ExtrauteringraviditätHäufigste Lokalisation ist die Tubenschwangerschaft, z. B. nach einer Adnexitis. Die Komplikation besteht in der Tubenruptur mit Gefäßzerreißung und hypovolämischem Schock.

Definition
Syn. ektope SchwangerschaftSchwangerschaftektope. Bei der Extrauteringravidität kommt es zur Einnistung des befruchteten Eis außerhalb der Gebärmutter. Die häufigste Form ist die Tubengravidität. Sehr selten ist eine Bauchhöhlenschwangerschaft. Zu den begünstigenden Faktoren zählen u. a. Tubenverwachsungen durch abgelaufene Adnexitis, frühere ektope Schwangerschaften und die Endometriose.
Symptome
  • Asymptomatische Verläufe: Frucht wird entweder abgestoßen oder resorbiert

  • Einseitige, wehenartige Unterbauchschmerzen, kleiner Uterus bei positivem Schwangerschaftstest, vaginaler Blutabgang

  • Tubarabort in die freie Bauchhöhle

Komplikationen
  • Akutes Abdomen durch Tubarruptur und Gefäßzerreißung → starke abdominale Blutungen, hypovolämischer Schock

  • Sterilität

Therapie

$WurzelkompressionssyndromTherapie

Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.11.4)

Mehrlingsschwangerschaft

Mehrlingsschwangerschaft

  • $MehrlingsschwangerschaftRisikoschwangerschaft

  • Komplikationen: Frühgeburtlichkeit, Gestose

Mehrlingsschwangerschaften kommen familiär gehäuft vor oder durch Reproduktionsmaßnahmen wie IVF (In-vitro-Fertilisation) oder ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion). In ca. 20–70 % kommt es zum Absterben eines Embryos und zur normalen Geburt des anderen Embryos bzw. Fetus. Häufig findet sich bei gleichzeitiger Entwicklung beider Feten eine intrauterine Verlangsamung des Wachstums, besonders ab der 34. SSW. Mehrlingsschwangerschaften zählen zu den Risikoschwangerschaften. Zu den möglichen Komplikationen zählen u. a. die Frühgeburtlichkeit, hypotrophe (schwach entwickelte) Feten und Gestosen.

Gestosen

Gestose

  • $GestoseSchwangerschaftsbedingte Adaptationsstörung

  • Ursache: wahrscheinlich verminderte Plazentadurchblutung

  • Einteilung in:

    • Frühgestose: Hyperemesis gravidarum

    • Spätgestose: EPH-Gestose (Präeklampsie)

Definition
Bei der Gestose handelt es sich um eine schwangerschaftsbedingte Adaptationsstörung.
Pathogenese
Die Ursachen der Gestosen sind weitgehend ungeklärt. Auffallend oft gehen sie mit einer verminderten Plazentadurchblutung einher, die über Ausschüttung von vasoaktiven Substanzen den Blutdruck steigern, um somit eine bessere Durchblutung der Plazenta zu gewährleisten.
Gestosen können in Frühgestosen (1. Trimenon) und Spätgestosen (3. Trimenon) eingeteilt werden. Zu der Frühgestose zählt das unstillbare Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum), zu der Spätgestose die EPH-Gestose. Selten kann sie auch postpartal auftreten. Zu den Risikofaktoren der Spätgestose zählen u. a. Erstgebärende, die jünger als 18 Jahre oder älter als 35 Jahre sind, vorbestehende arterielle Hypertonie, Gestose in der früheren Schwangerschaft, vorbestehender Diabetes mellitus, chronische Nierenerkrankungen, SLE oder Mehrlingsschwangerschaften.
Frühgestose (Hyperemesis gravidarum)
Symptome

$Hyperemesis gravidarumSymptome Frühgestose$FrühgestoseSymptome: unstillbares Erbrechen mit Exsikkose, Alkalose, Hyponatriämie

Frühgestose Hyperemesis gravidarum
  • Übermäßiges Schwangerschaftserbrechen, besonders im 1. Trimenon

  • Hyponatriämie, Exsikkose, Fieber, Alkalose und Benommenheit

Therapie
  • Volumensubstitution, Elektrolyt- und Vitaminsubstitution

  • Gegebenenfalls Antiemetika

Spätgestose (EPH-Gestose, Präeklampsie)
Symptome

Symptome Spätgestose$SpätgestoseSymptome (EPH-Gestose$EPH-Gestose, Präeklampsie$Präeklampsie):

  • Edema (Ödeme)

  • Proteinurie

  • Hypertonie

Spätgestose Präeklampsie EPH-Gestose
  • Leitsymptome:

    • E = Ödeme (Edema)

    • P = Proteinurie

    • H = arterielle Hypertonie

  • Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Benommenheit

Komplikationen
  • EklampsieEklampsie: Sehstörungen, Kopfschmerzen, Hyperreflexie und Krampfanfälle

  • Plazentainsuffizienz und daraus resultierende Minderversorgung des Fetus

  • Nierenversagen, Herzversagen, Lungenödem

  • HELLP-SyndromHELLP-Syndrom: Maximalvariante der Eklampsie und sehr ernstes Krankheitsbild mit hoher Letalität von Mutter und Kind; Hämolyse, erhöhte Transaminasen und Bilirubin (elevated liver enzymes), erniedrigte Thrombozytenzahl (low platelets); Komplikationen sind Verbrauchskoagulopathie und diffusen Blutungen

Therapie

$WurzelkompressionssyndromTherapie

  • Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.11.5)

  • Vorzeitige Entbindung

Gestationsdiabetes

Gestationsdiabetes

  • $GestationsdiabetesDiabetes mellitus, der in der Schwangerschaft auftritt

  • Betrifft ca. 5 % der Schwangeren, Tendenz steigend

Definition
Syn. SchwangerschaftsdiabetesSchwangerschaftsdiabetes. Beim Gestationsdiabetes handelt es sich um eine Glukosetoleranzstörung, die erstmals während der Schwangerschaft auftritt.
Pathogenese
Der Gestationsdiabetes betrifft ca. 5 % der Schwangeren (Deutschland), die Tendenz ist steigend. Risikofaktoren sind Übergewicht bzw. Adipositas und familiäre Belastung. Die Erkrankung tritt am häufigsten im 2. Trimenon auf. In der Frühschwangerschaft ist die Insulinempfindlichkeit der peripheren Zellen erhöht, in der 2. Schwangerschaftshälfte nimmt die Insulinempfindlichkeit stark ab, der Insulinbedarf ist erhöht. Latente Diabetesformen werden jetzt manifest. Nach der Schwangerschaft normalisieren sich die Blutzuckerspiegel, wobei das Risiko, an einem Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, erhöht ist.
Symptome

$GestationsdiabetesSymptomeMütterliche Symptome: nicht besonders ausgeprägt

Kindliche Symptome:

  • Riesenkinder

  • Atemnot

  • Hypoglykämien (ohne besondere Symptomatik)

  • Polyglobulie

  • Verstärkter und verlängerter Ikterus

Die typischen Symptome der Polyurie, Polydipsie, Gewichtsabnahme sind nicht besonders ausgeprägt. Die hohen Zuckerspiegel haben trotzdem eine starke Auswirkung auf den mütterlichen und fetalen Organismus.
  • Mütterliche Symptome: höhere Wahrscheinlichkeit für eine EPH-Gestose und Infekte der Harnwege

  • Fetale Symptome:

    • Hohes Geburtsgewicht (Riesenbabys) mit einem Gewicht von meist > 4500 g durch hohe Glukosekonzentrationen

    • Hyperinsulinämie, welche die Reifung der Leber und Lunge verzögert

    • Sauerstoffmangel durch Permeabilitätsstörung der Plazenta

    • Frühgeburtlichkeit aufgrund einer erhöhten Fruchtwassermenge

    • Nach der Geburt häufiger Atemnot und Hypoglykämien (Abfall der Glukosespiegel), die wenig Symptome zeigen, aber zu einer Hirnschädigung führen können

    • Polyglobulie

    • Verstärkter und verlängerter Neugeborenenikterus

Diagnostik

$GestationsdiabetesDiagnostikDiagnostik: oraler Glukosetoleranztest

  • Urinuntersuchung auf positive Glukose bei jeder Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung (ungenaue Messung)

  • In der 24. SSW: oraler Glukosetoleranztest (OGTT) zunächst mit 50 g Glukose, dann mit 75 g Glukose; Nüchternwerte > 91 mg/dl oder 1-Stunden-Wert > 179 mg/dl oder 2-Stunden-Wert > 152 mg/dl bestätigen einen Gestationsdiabetes

Therapie
  • Ernährungsberatung

  • Schulung zu Bewegung, Nikotinkarenz und allgemeiner Lebensführung (14.7.2)

  • Selbstmessung des Blutzuckerspiegels: empfohlene Werte, die es zu erreichen gilt: Nüchternblutzucker 65–95 mg/dl, 1 Stunde nach dem Essen (postprandial) < 140 mg/dl, 2 Stunden postprandial < 120 mg/dl, normaler HbA1c-Wert

  • Insulintherapie, wenn Zuckerspiegel mit diätetischen Maßnahmen nicht eingestellt werden kann

Andere häufige Erkrankungen in der Schwangerschaft

  • $SchwangerschaftErkrankungenVerschlechterung vorbestehender Erkrankungen

  • Arterielle Hypotonie

  • Asymptomatische Harnwegsinfektion

  • Karpaltunnelsyndrom

In der Schwangerschaft können neben den Gestosen und dem Schwangerschaftsdiabetes folgende Erkrankungen auftreten oder die bestehenden Erkrankungen eine Symptomprogredienz zeigen:
  • SchwangerschaftErkrankungenVerschlechterung vorbestehender Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus, Hypertonie.

  • Arterielle Hypotonie Hypotoniemit Schwindel, Kopfschmerzen, kalten Händen und Füßen, orthostatischer Dysregulation.

  • Harnwegsinfektionen und asymptomatische Bakteriurie: Betroffen sind 5–10 % der Schwangeren. Häufige Assoziation mit Frühgeburtlichkeit, niedrigem Geburtsgewicht und Präeklampsie. Das Keimspektrum ist das Gleiche wie bei nichtschwangeren Frauen.

  • KarpaltunnelsyndromKarpaltunnelsyndrom: Betroffen sind 10–25 % der Schwangeren mit dem Leitsymptom der nächtlichen Parästhesien. Die Symptome sind meist reversibel und bilden sich nach der Entbindung zurück.

  • Akute Schwangerschaftsfettleber: Seltene Erkrankung mit Gerinnungsstörungen, Ikterus, abdominalen Schmerzen.

  • Hauterkrankungen wie Autoimmunprogesterondermatitis, Herpes Herpes gestationisgestationis, systemischer Lupus erythematodes.

Geburt

Phasen der Geburt

Geburt Phasen

  • Eröffnungsperiode: endet mit vollständiger Öffnung des Muttermunds

  • Austreibungsperiode: endet mit der Geburt des Kindes

  • Nachgeburtsperiode: Ausstoßung der Plazenta

Das Wochenbett$Wochenbett mit Wochenfluss schließt sich an die Geburt an und dauert ca. 4–6 Wochen.

Die normale Geburt läuft in 3 Stadien ab und endet mit der Ausstoßung der Plazenta. Sie beginnt mit der Eröffnungsperiode,Eröffnungsperiode die bei Erstgebärenden ca. 8–12 Stunden dauert, bei Mehrgebärenden kürzer. In der Zeit wird durch Wehen der Muttermund vollständig geöffnet. Zunächst sind die Wehen sporadisch und nehmen im Verlauf an Häufigkeit zu. Gegen Ende dieser Phase, gelegentlich auch früher, platzt die Fruchtblase und das Fruchtwasser geht ab.
An die Eröffnungsperiode schließt sich die AustreibungsperiodeAustreibungsperiode an, die mit der Geburt des Kindes beendet ist. Die Dauer beträgt 30–60 Minuten. Intensität und Häufigkeit der Wehen nehmen weiter zu. Sie werden Presswehen genannt, bei denen die Mutter durch richtige Atmung, Entspannung und Mitpressen dem Kind den Durchtritt erleichtert. Das Kind tritt quer in den Beckeneingang, dreht sich dann um 90° im Geburtskanal und tritt mit einer Streckung des Kopfs aus dem Geburtskanal heraus (Abb. 23.10). Danach wird die Schulter geboren, der restliche Körper folgt meist innerhalb einer Wehe.
Der Austreibungsperiode folgt die Nachgeburtsperiode.Nachgeburtsperiode Nach der Geburt des Kindes folgt die Geburt der Plazenta mit den Eihäuten und der Nabelschnur (Nachgeburt). Sie wird auf Vollständigkeit hin untersucht. Die Lösung der Plazenta erfolgt in der Regel innerhalb von 30 Minuten.
An die Geburt schließt sich das WochenbettWochenbett an, das mit Rückbildung des Uterus und WochenflussWochenfluss (Lochien)Lochien durch Gewebeabbau einhergeht. Die Lochien sind zunächst blutig, werden aber im Laufe der Zeit klarer. Das Wochenbett dauert je nach Art der Entbindung, Einling- oder Mehrlingsschwangerschaft ca. 4–6 Wochen.

ABBILDUNG 23.10

ACHTUNG

Achtung

Dem Heilpraktiker ist die Begleitung der Geburt, außer im Notfall, nach dem Hebammengesetz nicht gestattet.

Ausgewählte Geburtskomplikationen

  • Frühgeburtlichkeit:$Frühgeburtlichkeit vor Ende der 37. SSW

  • Morbus haemolyticus neonatorum:$Morbus haemolyticus neonatorum v. a. durch Rhesusunverträglichkeiten mit Gefahr des Kerninkterus

  • Fruchtwasserembolie:$Fruchtwasserembolie geht mit hoher mütterlicher Letalität einher

Frühgeburtlichkeit
Die FrühgeburtlichkeitFrühgeburtlichkeit ist definiert als Geburt eines lebenden Kindes vor Beendigung der 37. SSW.
Die Neugeborenen sind je nach Entwicklungsstand unreif und zeigen v. a. pulmonale Probleme bei der Adaptation an das postnatale Leben. Hauptursache ist der Surfactantmangel, der zur Dyspnoe, Apnoe und/oder Aspiration führt. Komplikationen können Gehirnblutungen und Darmnekrosen sein.
Die häufigsten Ursachen sind Infektionen der Mutter, die meist zu einem vorzeitigem Blasensprung und vorzeitigen Wehen führen, Uterusfehlbildungen, Lageanomalien des Fetus, Mehrlingsschwangerschaften, das Alter der Mutter (< 17 oder > 38 Jahre), Nikotin- und Drogenabusus.
Morbus haemolyticus neonatorum
Der Morbus haemolyticus neonatorumMorbus haemolyticus neonatorum ist eine kindliche Erkrankung, die entweder durch eine Blutgruppeninkompatibilität (selten) oder häufiger durch RhesusinkompatibilitätRhesusinkompatibilität bedingt ist. Mütterliche, meist durch vorangegangene rhesus-inkompatible Schwangerschaft gebildete Antikörper gegen kindliche Rhesus-Antigene führen zur Hämolyse der fetalen Erythrozyten.
Kindliche Symptome
  • Hämolytische Anämie und Ikterus

  • Hepatosplenomegalie durch gesteigerte Erythropoese

Komplikationen
  • Intrauteriner Fruchttod

  • Kernikterus:Kernikterus Einlagerung von zytotoxisch wirkendem unkonjugiertem Bilirubin in die Basalganglien; Symptome sind Ikterus, schrilles Schreien, Hypotonie, Hyperreflexie, Krampfanfälle, Dyspnoe und Apnoe, langfristig geistige Retardierung

Therapie
  • Rhesus-Prophylaxe

  • Fototherapie

  • Intrauterine Bluttransfusion

Fruchtwasserembolie
Bei einer FruchtwasserembolieFruchtwasserembolie kommt es zum Übergang von Fruchtwasser in den mütterlichen Kreislauf während oder kurz nach der Geburt über eröffnete uterine Venen. Das Fruchtwasser enthält abgeschilferte Wollhaare, Epidermisschuppen, Mekonium des Fetus sowie gerinnungsaktivierende Faktoren. Beim Übergang in den mütterlichen Kreislauf findet eine disseminierte intravaskuläre Koagulation statt. Die häufigsten Ursachen sind die Schnittentbindung, vorzeitige Plazentalösung, unvollständige Plazentalösung oder eine Placenta praevia. Die Prognose ist ernst, die mütterliche Letalität liegt bei ca. 50 %.
Symptome
  • Während der Entbindung akute Dyspnoe und Zyanose

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Hypotonie und Schocksymptomatik

  • Krampfanfälle

Kindliche Entwicklung

Definitionen der Entwicklungsabschnitte

  • $EntwicklungsabschnitteNeugeborenes: 1.–28. Lebenstag

  • Säugling: 29. Lebenstag bis 12. Lebensmonat

  • Kleinkind: 2.–3. Lebensjahr

  • Kindergartenkind: 4.–6. Lebensjahr

  • Schulkind: 7. Lebensjahr bis Pubertätsbeginn

  • Pubertät und Adoleszenz: bis zum Abschluss des Körperwachstums

Die EntwicklungsabschnitteEntwicklungsabschnitte bis zum Erwachsenenalter werden eingeteilt in:
  • Neugeborenenperiode: 1.–28. Lebenstag

  • Säuglingsalter: 29. Lebenstag bis 12. Lebensmonat

  • Kleinkindalter: 2.–3. Lebensjahr

  • Kindergartenalter/Vorschulalter: 4.–6. Lebensjahr

  • Schulkindalter: 7. Lebensjahr bis zum Pubertätsbeginn

  • Pubertät und Adoleszenz (Reifungsalter und Jugendlichenalter): Entwicklungsperiode von der Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale bis zum Abschluss des Körperwachstums

Neugeborenenalter

Neugeborenenalter

$NeugeborenesAdaptationNach der Geburt finden Adaptationsprozesse$Adaptationsprozesse an das extrauterine Leben statt. Im Vordergrund stehen:

  • Entfaltung der Lungen, Einsetzten der Spontanatmung

  • Druckabfall im Pulmonalkreislauf, Druckzunahme im systemischen Kreislauf → Schluss des Foramen ovale und Ductus Botalli

Die NeugeborenesAdaptationGeburt ist sowohl für die Mutter als auch für das Kind eine Zäsur. Neugeborene müssen sich an das extrauterine Leben anpassen (neonatale Adaptation). Die zunächst wichtigsten Veränderungen sind das Einsetzen der Spontanatmung und die Entfaltung der Lungen, was durch Kälte, Helligkeit, Berührung, Anstieg des Kohlendioxids und Abfall des Sauerstoffparialdrucks und dadurch Stimulation des Atemzentrums erfolgt. Dies wird als Schreien nach der Geburt wahrgenommen. Der Kollaps der Alveolen wird bei reifen Kindern durch das Vorhandensein von Surfactant verhindert.
Mit der Entfaltung der Lungen ändern sich die Druckverhältnisse im Blutkreislauf. Der Druck im Pulmonalkreislauf sinkt, im systemischen Kreislauf steigt er. Das hat den zunächst funktionellen Schluss des Foramen ovale und des Ductus arteriosus Botalli zur Folge. Der Prozess des anatomischen Verschlusses erstreckt sich über Tage und Wochen. Das Endergebnis sind 2 getrennte Kreisläufe. Weiterhin kontrahieren die Gefäße der Nabelschnur, sodass das Kind abgenabelt werden kann.
Andere bedeutsame Umstellungsvorgänge betreffen den Energie- und Wärmehaushalt. Das Kind wird mit der Abnabelung nicht mehr mit Nährstoffen versorgt und muss auf eigene Glykogenreserven und das braune Fettgewebe zurückgreifen, um ausreichend Energieäquivalente zu bilden. Die Wärmeregulation ist problematisch, weil die Körperoberfläche im Verhältnis zur Gesamtgröße sehr groß ist, die kutanen Hautgefäße nur bedingt in der Lage sind, in eine Konstriktion zu gehen, und die Fähigkeit zu schwitzen auch nicht ausgeprägt ist. Aus diesen Gründen benötigen Neugeborene und Säuglinge konstante Umgebungstemperaturen. Bei Kälte wird das braune Fettgewebe zur Wärmeproduktion verbraucht und wird zitterfreie Wärmebildung genannt.
Die Funktionen der Organe, besonders der Leber und Niere, sind noch nicht ausgereift. Der hohe postpartale Erythrozytenabbau führt zur Anflutung von unkonjugiertem Bilirubin, das in der Kürze der Zeit in der Leber nicht konjugiert werden kann. Es entsteht der physiologische Neugeborenenikterus, der zwischen dem 3. und 5. Tag auftritt und am 10. Tag wieder spontan abklingt. Sind die Ikterussymptome nach 14 Tagen noch nicht abgeklungen, spricht man vom Icterus prolongatus. Bestehen mütterliche oder kindliche Vorerkrankungen, z. B. Diabetes mellitus, Hypothyreose oder Rhesusunverträglichkeiten, kann ein starker Ikterus auftreten, der therapiebedürftig ist, z. B. mittels Einsatz der Fotolampe oder Transfusionen. Die Hauptgefahr ist die Ausbildung eines Kernikterus, der mit Einlagerung von zytotoxisch wirkendem unkonjugiertem Bilirubin in die Stammganglien einhergeht. Die langfristigen Komplikationen können Krampfanfälle und geistige Retardierung sein.
Der Darm nimmt seine Funktion ebenfalls auf und setzt zunächst bis 48 Stunden nach der Geburt den ersten Stuhl ab, der MekoniumMekonium (Kindspech)Kindspech genannt wird. Das Mekonium besteht aus Darmepithelien, Galle, verschluckten Härchen und ist ausgesprochen zäh. Die Farbe ist dunkelgrün bis schwarz.
All diese Adaptationsprozesse benötigen Zeit und Energie. Das wirkt sich auf das Gewicht des Neugeborenen aus. In den ersten Tagen verlieren sie ca. 10–15 % der Masse, um dann nach 10 Tagen stetig zuzunehmen. Der andere Grund ist die Verfügbarkeit der Muttermilch, deren Produktion erst nach Tagen in ausreichenden Mengen in Gang kommt.

Die Adaptationsprozesse des Kindes werden nach dem APGAR-Schema$APGAR-Schema (nach 1, 5 und 10 Minuten nach der Geburt) im Hinblick auf Aussehen, Puls, Gesichtsbewegungen, allgemeine körperliche Aktivität und Atmung untersucht.

Um die Adaptationsreaktionen des Kindes beurteilen zu können, bedient man sich des APGAR-SchemasAPGAR-Schema (nach der Erstbeschreiberin Virginia Apgar) (Tab. 23.2). Jedes Neugeborene wird unmittelbar nach der Geburt nach 1, 5 und 10 Minuten im Hinblick auf Aussehen, Puls, Gesichtsbewegungen, allgemeine körperliche Aktivität und Atmung untersucht. Diese Kriterien sind wichtig, um potenzielle Gefahren bei der Adaption an das postpartale Leben zu erkennen.

TABELLE 23.2

Beurteilung:
  • 7–10 Punkte: normal

  • 4–6 Punkte: mittelschwere zentrale Atemdepression, das Neugeborene ist potenziell gefährdet

  • < 4 Punkte: das Neugeborene gilt als lebensgefährlich gefährdet, eine schwere Atemdepression muss angenommen werden

Ferner werden nach der Geburt äußere ReifezeichenReifezeichen geprüft. Dabei werden Länge (im Durchschnitt 50 cm), Gewicht (im Durchschnitt 3,4 kg), Kopfumfang (in Durchschnitt 35–36 cm), Behaarung, Vorhandensein von Käseschmiere und Fettpolstern erfasst. Ferner sollten bei Mädchen die großen Schamlippen die kleinen überdecken, bei Knaben sollte der Hoden im Skrotum tastbar sein (Abb. 23.11).

ABBILDUNG 23.11

Am 3. Lebenstag (36–72 Stunden nach der Geburt) wird ein NeugeborenenscreeningNeugeborenenscreening nach Aufklärung und Einwilligung der Eltern durchgeführt. Es handelt sich um eine Blutuntersuchung, die aus der Ferse entnommen wird. Bei dieser Untersuchung fahndet man nach Stoffwechselerkrankungen, z. B. Hypothyreose, Phenylketonurie, Galaktosämie, Ahornsirupkrankheit, adrenogenitalem Syndrom. Der Test erfolgt deswegen zeitnah nach der Geburt, damit eventuelle Stoffwechselstörungen sofort erkannt und behandelt und Folgeschäden verhindert werden können.

Meilensteine der körperlichen Entwicklung

Meilensteine körperliche Entwicklung körperliche Entwicklung

  • $körperliche EntwicklungGewicht: Ø 3,4 kg (Geburt), Verdoppelung mit 5–6 Monaten, Verdreifachung mit 1 Jahr

  • Länge: Ø 50 cm (Geburt), + 25 cm nach 1 Jahr

  • Zahnung: Ø mit 6 Monaten (untere Schneidezähne)

  • Kopfumfang: 33,5–37 cm (Geburt), Ø 47 nach dem 1. Jahr

Das Körpergewicht und die Körperlänge und die Zunahme beider Größen werden bis zum 18. Lebensjahr bei den Vorsorgeuntersuchungen in sog. Perzentilenkurven eingetragen (Abb. 23.12). Daraus lässt sich ein Entwicklungsverlauf beurteilen. Dabei ist jedes Kind verschieden, sodass eine große Schwankungsbreite toleriert wird.
Die Durchschnittswerte für körperliches Wachstum, Gewichtsentwicklung, Kopfumfang und die Zahnung sind (Tab. 23.3):
  • EntwicklungkörperlicheWachstumWachstum: Ein Kind ist bei der Geburt im Durchschnitt 50 cm lang, im 1. Lebensjahr wächst es rapide und ist nach 12 Monaten 75 cm lang. Danach wächst es deutlich langsamer, ca. 6–8 cm im Jahr.

  • GewichtGewicht: Ein Kind ist bei der Geburt im Durchschnitt ca. 3,4 kg schwer, hat mit ca. 5 Monaten das Geburtsgewicht verdoppelt und mit 12 Monaten das Geburtsgewicht verdreifacht.

  • Zähne:Zähne Die ersten Milchzähne erscheinen im Durchschnitt mit ca. 6 Monaten (untere Schneidezähne). Das Milchgebiss besteht aus 20 Zähnen, im Schulalter werden sie allmählich durch bleibende Zähne ersetzt.

  • KopfumfangKopfumfang: Der normale Kopfumfang des Neugeborenen beträgt 33,5–37 cm. Er wird frontookzipital gemessen. Am Ende des 1. Lebensjahres beträgt er ca. 47 cm.

TABELLE 23.3

Primitivreflexe

  • Reflektorisches Schreiten

  • Rooting-Reflex

  • Palmargreifreflex

  • Babinski-Zeichen: bis zum 18. Lebensmonat physiologisch

  • Moro-Reaktion

PrimitivreflexePrimitivreflexe sind angeboren, nicht steuerbar und dienen der Antwort auf äußere Reize. Sie sind in einem bestimmten Lebensalter vorhanden und erlöschen im weiteren Verlauf der Entwicklung.
  • Reflektorisches Schreiten: Schreitreflex Das Kind mit beiden Händen seitlich am Brustkorb fassen und es mit den Füßen wechselseitig geringes Gewicht übernehmen lassen. Das Kind imitiert Schreitbewegungen. Physiologisch ist der Reflex in den ersten 3 Monaten.

  • Rooting-Reflex:Rooting-Reflex Reflektorisches Brustsuchen. Dient der Versorgung und Ernährung des Kindes.

  • PalmargreifreflexPalmargreifreflex: Das Bestreichen der Handinnenflächen mit dem Daumen führt zur Greifantwort bzw. zum Faustschluss. Physiologisch bis zum 6. Lebensmonat.

  • Babinski-Reflex:Babinski-Reflex Beim Bestreichen der lateralen Fußsohle von der Ferse zu den Zehen geht die große Zehe in Dorsalextension, die Zehen 2–5 spreizen sich. Physiologisch bis zum 18. Lebensmonat.

  • Moro-Reaktion:Moro-Reaktion Laute Geräusche oder eine plötzliche Veränderung der Kopfposition führen zunächst zur Streckung des Körpers und dann zur Beugung des Körpers und Kopfs. Physiologisch in den ersten 3 Monaten.

ABBILDUNG 23.12

Kindliche Entwicklung

Entwicklung sprachliche Entwicklung soziale Entwicklung motorische Tab. 23.4

TABELLE 23.4

Ernährung

Die beste ErnährungKindNahrung des Kindes in den ersten 4–6 Lebensmonaten ist die Muttermilch.Muttermilch Sie hat eine optimale Zusammensetzung für das Kind. Einzig der Bedarf an Vitamin K und D werden über die Muttermilch nicht gedeckt. Zunächst wird bei der Mutter die VormilchVormilch (Kolostrum)Kolostrum gebildet, die reich an Antikörpern ist und das Kind von Infektionen schützt. Darüber hinaus fördert sie die Besiedlung des kindlichen Darms mit der physiologischen Flora. Nach ca. 7 Tagen wird die ÜbergangsmilchÜbergangsmilch gebildet, die flüssiger ist. Die reife Milch wird nach ca. 2–3 Wochen produziert. Die Zusammensetzung der Muttermilch ist nicht konstant, sie variiert nach Tageszeit und hängt von der Ernährung der Mutter ab.

Die optimale Ernährung$ErnährungKind in den ersten 4–6 Monaten erfolgt mit Muttermilch.$Muttermilch Sie ist jederzeit verfügbar, optimal temperiert, begünstigt die Ausbildung der physiologischen Darmflora und intensiviert die Mutter-Kind-Bindung.

Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede zur Kuhmilch:

  • Gleicher Energiegehalt und Fettgehalt

  • Weniger Eiweiß

  • Mehr Kohlenhydrate

  • Weniger Mineralien

  • Enthält IgA

Vitamin K und D sind nur unzureichend vorhanden.

Kennzeichen der Muttermilch sind:
  • Gleicher Energiewert wie Kuhmilch.

  • Gleicher Fettgehalt wie Kuhmilch. Die Kuhmilch enthält mehr kurzkettige Fettsäuren, die Muttermilch beinhaltet Triglyzeride, Cholesterin und ungesättigte Fettsäuren, die für Zellwachstum und Gehirnreifung von großer Bedeutung sind. Ferner enthält sie geringe Mengen an Lipasen, welche die Fettverdauung fördern.

  • Weniger Eiweiß als Kuhmilch. Muttermilch enthält 2 Arten von Eiweiß, Kasein und Laktalbumin (Molkeneiweiß), die auch in der Kuhmilch enthalten sind. In der Muttermilch sind sie allerdings im günstigeren Verhältnis vorhanden, was die Milch leichter und schneller verdaulich macht.

  • Mehr Kohlenhydrate als Kuhmilch mit dem Hauptkohlenhydrat Laktose. Die Laktose schafft ein saures Milieu im Darm, was wiederum die Ansiedelung pathogener Keime verhindert und das Wachstum von Milchsäurebakterien (Bifidusflora) fördert. Die Resorption von Kalzium, Magnesium und Phosphor aus der Milch wird begünstigt.

  • Weniger Mineralstoffe und Spurenelemente als Kuhmilch, was der unreifen kindlichen Niere gerecht wird.

  • Enthält IgA, was immunologische Aufgaben (an den Schleimhäuten) erfüllt und das Kind vor Infektionen schützt.

Vorteile des StillensStillen:
  • Muttermilch ist steril, optimal temperiert und in der Regel jederzeit verfügbar.

  • Die Anfälligkeit für Gastroenteritiden und Verdauungsstörungen ist reduziert.

  • Intensivierung der Mutter-Kind- und der Kind-Mutter-Bindung.

  • Beschleunigung der Uterusrückbildung.

Kontraindikationen für das Stillen:
  • HIV-, CMV-Infektion, Tuberkulose, akute Hepatitis oder akute Psychose der Mutter

  • Medikamenteneinnahme, die über die Muttermilch weitergegeben wird

Ausgewählte Erkrankungen des Kindesalters

Trisomie 21

Trisomie 21

  • $Trisomie 21Überzähliges Chromosom 21

  • Starke Korrelation mit mütterlichem Alter.

Definition
Syn. Down-SyndromDown-Syndrom. Die Trisomie 21 ist die häufigste chromosomale Aberration mit einem überzähligen Chromosom 21.
Pathogenese
Das Risiko der Trisomie 21 ist stark abhängig vom Alter der Mutter; je älter die Mutter ist, desto häufiger ist die Mutation. Das Alter des Vaters spielt erst jenseits des 50. Lebensjahres eine Rolle. Die Ausprägung der Symptome ist sehr unterschiedlich in Abhängigkeit von der genetischen Mutationsart (z. B. freie, partielle oder Mosaik-Trisomie). Dabei teilen sich die Chromosomen im Keimzellstadium nicht regelrecht. Die Entwicklung und die Reifung (motorisch, sprachlich, psychisch und sozial) der Kinder ist insgesamt verzögert. Die Kinder sind lernfähig, benötigen aber eine stabile, geduldige und liebevolle Anleitung.
Symptome

$Trisomie 21SymptomeSymptome:

  • Kleinwuchs

  • Abgeflachter Hinterkopf, weiter Augenabstand, Hautfalte am medialen Augenwinkel, große Zunge

  • Vierfingerfurche, Sandalenlücke

  • Herzfehler

  • Erhöhtes Risiko für Leukämie, Diabetes mellitus und Zöliakie

  • Kleinwuchs

  • Kopf- und Gesichtsveränderungen:

    • Kurzkopf und abgeflachter Hinterkopf (Brachyzephalus)

    • Augen stehen breit auseinander (Hypertelorismus), am inneren Augenwinkel findet sich meist eine Hautfalte (Epikanthus), die Lidspalten laufen schräg

    • Mund steht meist offen, die Zunge ist sehr groß, verdickt und ragt heraus

    • Erhöhte Speichelsekretion

  • VierfingerfurcheVierfingerfurche an der Handinnenfläche (Abb. 23.13)

  • SandalenlückeSandalenlücke an den Füßen (großer Abstand zwischen der 1. und 2. Zehe) (Abb. 23.14)

  • Kurze Finger und Zehen

  • Hypotone Muskulatur, was das Stillen erschweren kann

  • Beteiligung der inneren Organe: Herzfehler in 40–60 % der Fälle, erhöhte Leukämie-, Diabetes mellitus- und Zöliakierate

  • Psychomotorische Retardierung, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann

Diagnostik
  • Pränataldiagnostik durch Amniozentese und Erstellung eines Karyogramms

  • Postnatal durch typische äußere Veränderungen und durch Erstellung eines Karyogramms

ABBILDUNG 23.13

ABBILDUNG 23.14

Therapie
  • Symptomatisch bzw. operativ bei z. B. Herzanomalien

  • Frühförderung, Selbsthilfegruppen

Alkoholembryopathie

Alkoholembryopathie

$AlkoholembryopathieErkrankung durch mütterlichen Alkoholkonsum in der Schwangerschaft

Definition
Syn. fetales Alkoholsyndromfetales Alkoholsyndrom. Die Alkoholembryopathie ist die häufigste Embryopathie durch teratogene (fruchtschädigende) Noxen. Die Inzidenz beträgt 1 : 300 Neugeborenen pro Jahr. Erste Entwicklungsstörungen finden sich bereits ab Einnahme von 15 g Alkohol/Tag; das Gleiche gilt für die Stillperiode. Die Kinder sind sowohl in der körperlichen als auch geistig-intellektuellen Entwicklung, Verhaltensentwicklung und in der sozialen Reifung stark beeinträchtigt.
Pathogenese
Die Erkrankung entsteht durch mütterlichen Konsum von Alkohol während der Schwangerschaft. Die Symptomausprägung beim Kind hängt von Dauer, Menge und Art der konsumierten alkoholischen Getränke der Mutter ab. Alkoholabusus wirkt sich immer kritisch auf das Kind aus, weil es ungehindert die Plazentaschranke passiert, besonders aber während des 1. Trimenons, weil in dieser Zeit die Organe angelegt werden. Durch die toxischen Einwirkungen ist das Gesamtwachstum des kindlichen Organismus verzögert bzw. gestört.
Symptome

$AlkoholembryopathieSymptomeSymptome:

  • Geringes Geburtsgewicht

  • Mikrozephalie, Hydrozephalus

  • Niedrige Stirn, verengte Lidspalten, Ptosis, Epikanthus, schmale Oberlippe, kleiner Mund, tief sitzende Ohren

  • Gegebenenfalls Entzugssymptomatik nach der Geburt

  • Vermindertes Geburtsgewicht

  • Kopf- und Gesichtssymptome: Mikrozephalie, Hydrozephalus, niedrige Stirn, verengte Lidspalten, Ptosis, Epikanthus, verkürzter Nasenrücken, flaches Philtrum (Rinne über der Oberlippe), Maxillarhypoplasie, verstärkte Nasolabialfalte, schmale Oberlippe, kleiner Mund, tief sitzende Ohren; die Symptome sind im Jugendlichen- und Erwachsenenalter milder ausgeprägt, sie „verwachsen“ sich bis zu einem gewissen Grad (Abb. 23.15)

  • Geistige Retardierung

  • Auswirkungen auf innere Organe: Neigung zur Erkrankungen der Atemwege, Herz-, Nierenfehlbildungen

  • Sprach- und Lernstörungen, häufigeres Auftreten von ADHS mit Hyperaktivität, Distanzlosigkeit, erhöhte Risikobereitschaft, Waghalsigkeit, emotionale Instabilität, aggressiven Ausbrüchen und dissoziales Verhalten

  • Fragliche höhere Wahrscheinlichkeit für den autistischen Formenkreis

Therapie
  • Äußerst komplex

  • Symptomatisch im Hinblick auf die Behandlung von Organfehlbildungen

  • Verhaltens- und entwicklungstherapeutisch orientierte Maßnahmen sowohl beim Kind als auch der Mutter

  • Bei Hyperaktivitätssyndrom ggf. Gabe von Ritalin®

  • Aufklärung der Mütter (Schwangeren) über die Wirkung von Alkohol auf das ungeborene Leben, zumal Untersuchungen zufolge nur ca. 10 % der Schwangeren alkoholabstinent bleiben

ABBILDUNG 23.15

Fremdkörperaspiration

  • $FremdkörperaspirationVerschlucken“ von Fremdkörpern

  • Am häufigsten zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr

Definition
Bei der FremdkörperaspirationFremdkörperaspiration kommt es zum „Verschlucken“ von Fremdkörpern, die zur bronchialen Obstruktion führen.
Ein Häufigkeitsgipfel findet sich im 2. und 3. Lebensjahr, wobei Nüsse, Karotten oder kleines Spielzeug am häufigsten vorkommen; die Bandbreite ist aber groß.
Symptome

$FremdkörperaspirationSymptomeSymptome:

  • Akuter Husten, ggf. Stridor, Dyspnoe, Zyanose

  • Symptome einer Aspirationspneumonie nach einigen Tagen

  • Aus dem Wohlbefinden heraus plötzlicher, starker Husten und Würgereiz

  • Danach je nach Lage des Fremdkörpers Stridor, Dyspnoe und Zyanose in unterschiedlichen Abstufungen

  • Danach meist symptomloses Intervall

  • Später Symptome einer (Aspirations-)Pneumonie oder Symptome der Lungenüberblähung, wenn der Fremdkörper eine Ventilfunktion erhält

Therapie
Endoskopische Entfernung des Gegenstands.

Bronchiolitis obliterans

Bronchiolitis obliterans

$Bronchiolitis obliteransEntzündung v. a. der Bronchiolen mit RS-Viren bei Kindern bis zum 3. Lebensjahr

Definition
Die Bronchiolitis obliterans ist eine durch RS-VirenRS-Viren (Respiratorische Synzytialviren) hervorgerufene Erkrankung der kleinen Bronchien und Bronchiolen. Die Erkrankung betrifft am häufigsten Kinder bis zum 3. Lebensjahr. In den ersten 6 Monaten kann sie sehr schwer verlaufen. Risikogruppen sind u. a. Frühgeborene, Patienten mit vorbestehenden kardiopulmonalen und immunsuppressiven Erkrankungen.
Symptome

$Bronchiolitis obliteransSymptomeSymptome:

  • Fieber

  • Tachypnoe, exspiratorische Dyspnoe, Nasenflügeln

  • Husten

  • Apathie

  • Grau-zyanotische Haut

  • Beginn häufig nach einem Infekt der oberen Luftwege (z. B. Schnupfen, nach Masern, Keuchhusten) mit (erneutem) Fieber, Tachypnoe, Nasenflügeln, Husten

  • Grau-zyanotisches Aussehen

  • Lungen überbläht, Leber steht tief

  • Kaum verschiebliche Atemgrenzen, hypersonorer Klopfschall, abgeschwächte Atemgeräusche (je leiser, desto gefährlicher – bis hin zur Silent Chest), feinblasige, klingende Rasselgeräusche, exspiratorische Dyspnoe mit Giemen und Brummen

Komplikation
  • Apnoe

  • Emphysementwicklung

Therapie

$WurzelkompressionssyndromTherapie

Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.5.7)

Pylorushypertrophie

Pylorushypertrophie

$PylorushypertrophieHypertrophie und Spasmus des Pylorus.

Definition
Bei der Pylorushypertrophie kommt es zu einer Entleerungsstörung des Magens durch Spasmus und Hypertrophie des Pylorus. Die Ursachen sind unklar. Die Symptome treten typischerweise im Alter von 3 Wochen auf. Knaben sind häufiger betroffen als Mädchen.
Symptome

$PylorushypertrophieSymptomeSymptome:

  • Postprandiales, schwallartiges Erbrechen

  • Pseudoobstipation

  • Gedeihstörung

  • Sichtbare Peristaltik

  • Zu Beginn gelegentliches, dann schwallartiges (im Bogen) Erbrechen nach jeder Mahlzeit

  • Erbrochenes riecht sauer, enthält aber keine Galle

  • Magenperistaltik über die Bauchdecke sichtbar

  • Gelegentlich verdickter Pylorus palpierbar

  • Seltener Stuhlgang (Pseudoobstipation)

  • Gequältes und greisenhaftes Aussehen

  • Gedeihstörung

Komplikationen
  • Exsikkose

  • Alkalose (durch Magensaftverlust)

  • Bewusstseinstrübungen

Therapie
  • Je nach Ausprägung der Symptome konservative oder operative Therapie (Pylorotomie)

  • Rehydrierung, Korrektur des Säure-Basen- und Elektrolythaushalts

Invagination

Invagination

$InvaginationEinstülpung von Darmabschnitten, v. a. im 1. Lebensjahr

Definition
Die Invagination ist eine Einstülpung eines höheren Darmabschnitts in einen tieferen, am häufigsten im Ileozökalbereich (Abb. 23.16).

ABBILDUNG 23.16

Pathogenese
Die Invagination betrifft v. a. Kinder im 1. Lebensjahr. Als Ursache wird eine verstärkte Dünndarmbeweglichkeit angenommen, die sich bei viralen Infekten des Darms, v. a. mit Adenoviren, weiter verstärken kann. Anatomische Anomalien des Darms, u. a. das Meckel-Divertikel, können die Entstehung der Invagination begünstigen. Durch das Einstülpen von Darmanteilen ineinander wird die Durchblutung gedrosselt, was eine Schwellung der Strukturen bedingt. Das wiederum kann zum mechanischen Ileus führen.
Symptome

$InvaginationSymptomeSymptome:

  • Akute, kolikartige Bauchschmerzen

  • Erbrechen

  • Blutig-schleimige Durchfälle

  • Akuter Beginn mit starken kolikartigen Bauchschmerzen

  • Erbrechen

  • Blutig-schleimige Durchfällen

  • Gesicht typischerweise blass, Beinchen angezogen

  • Freie Intervalle können auftreten

  • Gelegentlich Walze im Abdomen tastbar

  • Exsikkose durch rezidivierendes Erbrechen

Therapie

$WurzelkompressionssyndromTherapie

Schon bei Verdacht: Notfall! → Vorgehen nach dem üblichen Standard (26.6.7)

Meckel-Divertikel

Meckel-Divertikel

  • $Meckel-DivertikelEchtes Divertikel

  • Überbleibsel des embryonalen Dottersackgangs

  • Darmblutungen und appendizitisähnliche Symptome

Definition
Das Meckel-Divertikel ist ein echtes Divertikel, das ca. 50–100 cm proximal der Ileozökalklappe zu finden ist. Es stellt ein Überbleibsel des embryonalen Dottergangs dar (Ductus omphaloentericus) und kann Belegzellen des Magens enthalten. Bei 2 % der Menschen ist das Meckel-Divertikel zu finden. Knaben sind häufiger betroffen als Mädchen.
Symptome
  • Peranale Blutungen

  • Appendizitis-ähnliche Bauchschmerzen

  • Fieber

Komplikationen
  • Invagination

  • Ulzera

  • Perforation, Peritonitis, Sepsis

Therapie
Operative Entfernung des Divertikels.

Hodenhochstand

Hodenhochstand

  • $HodenhochstandVerzögerte oder ausbleibende Senkung der Hoden ins Skrotum

  • Durch Fehllage erhöhtes Risiko für Infertilität und Hodentumoren

Definition
Syn. Maldescensus testisMaldescensus testis. Beim Hodenhochstand sind die Hoden aufgrund des verzögerten Abstiegs durch den Leistenkanal nicht im Hoden tastbar. Betroffen sind ca. 4 % der Termingeborenen und bis zu 20 % der Frühgeborenen.
Pathogenese
In den meisten Fällen wird eine hormonelle Störung angenommen, bei der die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse während des pränatalen Lebens gestört bzw. insuffizient ist. Die Folge ist eine verzögerte bzw. ausbleibende Senkung der Testes ins Skrotum. Die Fehllage (v. a. in der Leiste oder im Bauch) ist mit einem Anstieg der Temperatur gekoppelt, was eine Fertilitätsstörung und die Entstehung von Hodentumoren begünstigt.
Je nach Lage des Hodens und dessen Mobilität können folgende Formen unterschieden werden:
  • PendelhodenPendelhoden: Hoden befindet sich abwechselnd im Hoden und im Leistenkanal

  • GleithodenGleithoden: Hoden lässt sich durch sanften Druck in Hodensack verlagern, nimmt aber seine ursprüngliche Position im Leistenkanal aufgrund eines zu kurzen Samenstrangs sofort wieder ein

  • LeistenhodenLeistenhoden: inguinale Hodenlage

  • KryptorchismusKryptorchismus: Lage der Hoden im Bauchraum

Symptome
Leeres Skrotum.
Therapie
  • Ziel ist die regelrechte Position beider Hoden im Skrotum (mit Vollendung des 1. Lebensjahres); in den ersten 6 Lebensmonaten kann dies noch spontan erfolgen

  • Hormongabe (mit LHRH und HCG)

  • Operative Korrektur

Plötzlicher Kindstod

plötzlicher Kindstod

  • $plötzlicher KindstodHäufigste Todesursache im 1. Lebensjahr

  • Begünstigt durch Nikotin, Bauchlage, Überwärmung, Frühgeburtlichkeit

Definition
Syn. SIDSSIDS (Sudden Infant Death SyndromeSudden Infant Death Syndrome). Beim plötzlichen Kindstod kommt es zum plötzlichen Versterben eines zuvor gesunden Kindes. Dies ist die häufigste Todesursache im 1. Lebensjahr.
Pathogenese
Die Ursachen des SIDS sind unklar. Es lassen sich jedoch Risikofaktoren benennen, welche die Wahrscheinlichkeit des plötzlichen Versterbens erhöhen. Dazu zählen Rauchen und andere Abhängigkeit der Eltern und Passivrauchen der Kinder, Bauchlage, Überwärmung, früh- oder hypotrophe Neugeborene, plötzlicher Kindstod eines Geschwisterkindes und niedriger sozialer Status. Das Ereignis tritt meist nachts ein, häufiger im Winter als im Sommer.
Prophylaxe
  • Rauchfreie Umgebung

  • Schlafposition in Rückenlage

  • Vermeidung von Überhitzung und Korrektur der Außentemperatur

  • Verzicht auf Bettdecken, Plüschtiere, Schaffelle und Kissen

  • Verwendung eines Babyschlafsacks

  • Eigenes Bett für das Kind im Schlafzimmer der Eltern, vom Bedsharing wird abgeraten

Andere häufige Krankheiten im Säuglings- und Kindesalter

  • Krupp-Syndrom (8.4.7)

  • Mukoviszidose (zystische Fibrose) (10.6.4)

  • Appendizitis (9.6.6)

  • Hodentorsion (17.4.7)

  • Leukämie (12.4.1)

  • Nephroblastom (Wilms-Tumor) (15.4.10)

Lernzielkontrolle

  • Beschreiben Sie in groben Zügen die Entwicklung der Schwangerschaft!

  • Zu welchen hormonellen Veränderungen kommt es während der Schwangerschaft?

  • Was sind sichere und unsichere Schwangerschaftszeichen?

  • Welche Veränderungen des mütterlichen Organismus während der Schwangerschaft sind Ihnen bekannt?

  • Welche Erkrankungen treten in der Schwangerschaft häufig auf?

  • Eine 28-jährige erstgebärende Patientin (33. SSW) stellt sich bei Ihnen vor und klagt über seit ca. 2 Wochen bestehende Kopfschmerzen, Übelkeit und eine starke Wassereinlagerung in den Beinen, Händen und Unterarmen. Sehstörungen werden verneint. Der Blutdruck liegt nach mehrmaliger Messung bei 170/100 mmHg, die Urinuntersuchung ergibt stark positive Proteinwerte (Stix-Untersuchung). Um welche Erkrankung handelt es sich am wahrscheinlichsten? Welche Maßnahmen ergreifen Sie?

  • Welche mütterlichen und kindlichen Symptome erwarten Sie bei einem Schwangerschaftsdiabetes?

  • Welche pränatalen Infektionen können zur bleibenden Schäden des Embryos bzw. Fetus führen?

  • Was wissen Sie über die kindliche Entwicklung? Wann kommen die ersten Zähne, wann kann ein Kind (statistisch gesehen) ohne Hilfe sitzen und stehen?

Nützliche Links

www.dgkj.de (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V.)

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