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Zum Beruf des Heilpraktikers

Die Berufsbezeichnung des HeilpraktikersHeilpraktikerBeruf ist 1939 mit dem HeilpraktikergesetzHeilpraktikergesetz eingeführt worden. Der Beruf bzw. die Tätigkeit als Heilkundiger ist jedoch wahrscheinlich so alt wie die Menschheit selbst. Vermutlich gab es zu jeder Zeit und in jeder Kultur Menschen, die eine natürliche Heilbegabung besessen haben und anderen Menschen Hilfestellung anbieten konnten.

In der europäischen Tradition basiert die Heilkunde auf der griechischen Säftelehre (Humoralpathologie) nach Galen von Pergamon, einem Arzt und Anatom, wobei der Ursprung sich vermutlich schon im alten Ägypten findet. Vom Mittelalter bis zur Neuzeit haben zahlreiche Heiler, Therapeuten und Ärzte wie Hildegard von Bingen, Paracelsus, Sebastian Kneipp, Johann Schroth und Samuel Hahnemann einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Heilkunde geliefert.

1851 wurde die allgemeine Kurierfreiheit aufgehoben. Bis dahin konnte jeder Mensch die Heilkunde ausüben, die 1869 wieder eingeführt worden ist. Seit 1870 begann eine allmähliche Gründung von Ausbildungsstätten und Berufsverbänden, sodass man von einer Formierung des Berufsstands des Heilpraktikers ausgehen kann.

Mit der Einführung des Heilpraktikergesetzes vom 17.2.1939 wurde neben der Berufsbezeichnung auch die behördliche Erlaubnis eingeführt und definiert, wobei im ursprünglichen Sinne des Gesetzes dieser Beruf aussterben sollte, denn die Erlaubniserteilung konnte nur noch in besonders begründeten Ausnahmefällen erworben werden. Diese Einschränkung wurde 1952 wieder aufgehoben. Aktuell (Stand April 2017) erfolgt die Erlaubniserteilung durch die Landesregierungen, wobei die betroffenen Anwärter bestimmte Voraussetzungen nach der DurchführungsverordnungDurchführungsverordnung erfüllen müssen (27.1.3). Die Erlaubnis wird ferner erst dann erteilt, wenn der Anwärter eine schriftliche und mündliche PrüfungPrüfung bestanden hat. Die schriftliche Prüfung besteht aus 60 Multiple-Choice-Fragen, von denen 45 richtig sein müssen. Die mündliche Prüfung wird in aller Regel von einem Amtsarzt und Beisitzern abgenommen. In dieser Überprüfung wird der Stand der Kenntnisse und Fähigkeiten geprüft. Ferner muss das Prüfungsgremium feststellen, ob der Anwärter mit den erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten die heilkundliche Tätigkeit so ausübt und ausüben kann, dass er keinen Schaden an der menschlichen Gesundheit verursacht.

Zum 1. Dezember 2016 sind im Bundestag Änderungen des Heilpraktikergesetzes diskutiert und verabschiedet worden. Die Gesetzesänderung sieht eine Vereinheitlichung der Kenntnisüberprüfungen vor, wobei die übergeordnete Stelle nicht mehr die Landesregierung, sondern das Bundesministerium für Gesundheit ist. Ferner soll der Patientenschutz stärker gefördert werden. Unklar bis jetzt ist, ob die naturheilkundlichen Fachkenntnisse überprüft werden sollen. Die Erste Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz ist ebenfalls geändert worden. Die Gesetzesänderung sieht die Erarbeitung von Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärtern vor. Diese Leitlinien sollen bis Ende Dezember 2017 erscheinen.

Der Beruf des Heilpraktikers ist ein selbstständiger und freier Beruf und wird eigenverantwortlich ausgeführt. Einschränkungen der Tätigkeit ergeben sich aus der Gesetzeslage z. B. im Hinblick auf die Behandlung von Infektionskrankheiten (nach dem Infektionsschutzgesetz), auf Entbindungen (nach dem Hebammengesetz) oder Verschreibung rezeptpflichtiger Arzneien (nach dem Arzneimittelgesetz).

In der heutigen Zeit erfreut sich der Heilpraktikerberuf stetiger Beliebtheit. Die Arbeitsweise konzentriert sich auf die Erfassung sowohl des körperlichen als auch seelischen Zustands und auch des Lebenskontextes, was auch als ganzheitlicher Ansatz bezeichnet wird. Die Registrierung der einzelnen Probleme des Patienten erfolgt über eine gründliche Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung sowie ggf. Urinschau, kinesiologische Verfahren usw. Die Therapie kann ganz unterschiedlich sein, basiert aber auf naturheilkundlichen Therapien, z. B. Phytotherapie, Diätetik, Homöopathie und Akupunktur.

Heilpraktiker als Berufsgruppe haben keine berufsständische Organisation als Körperschaft des öffentlichen Rechts. Es existiert seit 1992 (geändert 2007) eine Berufsordnung für Heilpraktiker (BOH), die durch die großen Heilpraktikerverbände erlassen bzw. beschlossen wurde. Sie regelt den Umgang mit Patienten, Kollegen, die Pflichten, Rechte und ethischen Grundsätze, ferner die Praxisorganisation bzw. -führung und den Wettbewerb. Die BOH ist für Mitglieder der Heilpraktikervereine verbindlich, rechtlich gesehen jedoch nicht bindend. Eine Mitgliedschaft im Heilpraktikerverein ist nicht zwingend notwendig, bietet allerdings Vorteile, z. B. juristische Beratung, Fortbildungsmöglichkeiten und Informationen über Neuerungen auf dem medizinischen oder berufspolitischen Sektor.

In regelmäßigen Abständen wird immer wieder Kritik laut, zum einen am Beruf des Heilpraktikers selbst als auch an den rechtlichen Zulassungsbedingungen (Kapitel 27). Wesentliche Kritikpunkte sind eine nicht geregelte Ausbildungszeit und der Ausbildungsumfang; die Ausbildungsstätten erstellen ihr eigenes Curriculum, die Dauer der Ausbildung variiert zwischen einem und mehreren Jahren. Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende praktische Ausbildung, die von den Heilpraktikeranwärtern und Heilpraktikern meist im Eigenstudium erlernt werden muss. Außerdem werden die naturheilkundlichen Methoden als unwissenschaftlich bezeichnet.

Die wesentlichen persönlichen Voraussetzungen für den Heilpraktikerberuf bestehen zunächst im Erlernen anatomischer, physiologischer und pathophysiologischer Zusammenhänge, die ein Verständnis von Krankheit überhaupt möglich machen. Ferner ist es unumgänglich, die Basistechniken der klinischen Befunderhebung mit körperlicher Untersuchung und Differenzialdiagnostik sicher zu beherrschen, darüber hinaus die Injektionstechniken und die Basismaßnahmen der Notfallversorgung. Rechtliche Aspekte, Praxisführung mit Praxishygiene, Indikationen und Kontraindikationen von diagnostischen oder therapeutischen Maßnahmen der Naturheilkunde müssen ebenso berücksichtigt werden. Diese Kenntnisse müssen laufend wiederholt und geübt werden, damit sie zur Routine werden. Das bedeutet nicht, dass man alles wissen muss, was in Anbetracht der Menge und Fülle des medizinischen Stoffs nicht zu bewältigen ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch nicht, dass man das und jenes nicht braucht, weil man ja nur Homöopathie ausüben will. Neben einer Begabung ist ein solider Grundstock an Wissen unabdingbar, genauso wie die Kenntnis der eigenen Behandlungs- und Kompetenzgrenzen.

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