© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-55696-8.00022-1

10.1016/B978-3-437-55696-8.00022-1

978-3-437-55696-8

Allergie Typ I (anaphylaktischer Typ, Soforttyp).

[O522]

Übersicht über Allergietypen, Reaktionszeit, Vermittler, Krankheiten, Mechanismen und mögliche Testungen.

Tab. 22-1
Einteilung Reaktionszeit Vermittler Krankheiten Mechanismen Tests
Typ I, anaphylaktischer Typ, Soforttyp Sekunden bis Minuten IgE Anaphylaktoide Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock, allergische Rhinitis, allergisches Asthma, Urtikaria, Quincke-Ödem Mastzellen setzen Histamin und andere Mediatoren frei, z. B. durch Kontakt mit Blütenpollen, Medikamenten, Hausstaub oder Erdbeeren Hauttest
Typ II, zytotoxischer Typ Wenige Minuten bis 12 Stunden IgG, IgM Agranulozytose, Typ-I-Diabetes, allergische hämolytische Anämie, allergische Thrombozytopenie, Bluttransfusionszwischenfälle, Transplantatabstoßung Antigene sitzen auf Zellmembranen, z. B. auf Erythrozyten (als Blutgruppenantigene),Killerzellen, Fresszellen bekämpfen das Komplement, sodass es zur Zellauflösung (Zytolyse) kommt Antiglobulin-Test, Coombs-Test
Typ III, Arthus-Typ, Immunkomplex-Typ 6–12 Stunden IgG, IgM Vaskulitis, LED, RA akute Glomerulonephritis, allergische Alveolitis, Serumkrankheit Ablagerung von Immunkomplexen in Gefäßen und Gewebe führt zu entzündlichen Reaktionen Immunfluoreszenztest, Elektronenmikroskopie, Arthus-Test
Typ IV, verzögerter Typ 12–72 Stunden Lymphozyten und andere Abwehrzellen (keine Antikörper) Kontaktdermatitis, einige Medikamentenallergien, Hashimoto-Thyroiditis Antigenspezifische T-Lymphozyten setzen Lymphokine frei, die zur Aktivierung von Fresszellen führen und somit zu Entzündungsreaktionen Hauttest, Läppchentest, Pflastertest

Manche Allergien laufen parallel ab oder gehen ineinander über. Der Typ I, der sogenannte Soforttyp, stellt die häufigste Allergieform dar.

Allergien

  • 22.1

    Einteilungen der Allergien613

    • 22.1.1

      Typ-I-Allergie613

    • 22.1.2

      Typ-II-Allergie614

    • 22.1.3

      Typ-III-Allergie614

    • 22.1.4

      Typ-IV-Allergie614

  • 22.2

    Allergische Reaktionen und Erkrankungen615

    • 22.2.1

      Atopie615

    • 22.2.2

      Anaphylaxie615

    • 22.2.3

      Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit615

    • 22.2.4

      Arzneimittelallergien616

    • 22.2.5

      Autoimmunerkrankungen617

  • 22.3

    Provokationstests und Hauttestverfahren618

    • 22.3.1

      Provokationstests618

    • 22.3.2

      Hauttests618

    • 22.3.3

      Blutuntersuchungen619

  • 22.4

    Therapien von Allergien619

Erkrankung:allergischeDas Wort „AllergieAllergie“ leitet sich vom griechischen allos = anders, fremd und von ergon = Werk, Verrichtung, Arbeit ab. Man bezeichnet damit die Eigenschaft des Körpers, auf bestimmte Substanzen bei wiederholtem Kontakt anders zu reagieren als beim ersten Mal. Das „anders“ bezieht sich auf einen qualitativen Unterschied in der Reaktion.

Mit Allergien bezeichnet man eine angeborene oder erworbene Änderung der Reaktionsfähigkeit des Immunsystems gegenüber körperfremden Substanzen. Diese Substanzen werden als Antigene bezeichnet und sind normalerweise harmlos. Es handelt sich dabei häufig um Blütenpollen, körperfremde Eiweiße, Hausstaubmilben, Tierepithelien, Schimmelpilze oder Medikamente. Bei einer Allergie kommt es nach einer Sensibilisierungsphase (s. u.) zu einer übersteigerten Reaktion zwischen dem körperfremden Antigen und einem Antikörper oder zwischen dem körperfremden Antigen und den T-Lymphozyten.

Kreuzallergien.KreuzallergieEs besteht eine Allergie gegen verschiedene Antigene, die (teil)identische allergene Strukturen aufweisen. Folgende Kreuzallergien treten häufig auf: zwischen Hauskatzen und Milben; zwischen Beifußpollen und Sellerie und (Sellerie-)Gewürzen (sog. Sellerie-Gewürzsyndrom); zwischen den Medikamenten Penicillin und Cephalosporine; zwischen Blütenpollen und Frischobst; zwischen Birkenpollen und Äpfeln, Haselnüssen. Bei einer Kreuzallergie können schon bei einem ersten Kontakt allergische Reaktionen auftreten, also ohne vorausgegangene Sensibilisierung gegen dieses spezielle Antigen.

Sensibilisierung.Mit SensibilisierungSensibilisierung meint man, dass der Körper bei einem früheren Kontakt, der zwischen sechs Tagen und mehreren Jahren betragen kann, begonnen hat, gegen ein bestimmtes Antigen Antikörper zu produzieren. Charakteristischerweise kommt es nach einer Sensibilisierung bei erneutem Kontakt mit dem Antigen zu einer überschießenden Immunantwort.

Histamin.HistaminHistamin spielt bei Allergien eine zentrale Rolle. Es ist v. a. in Mastzellen und in denen mit ihnen eng verwandten basophilen Granulozyten und in den Thrombozyten gespeichert. Freigesetzt wird es, indem sich ein antigenbeladener Antikörper auf die Mastzelle setzt, wodurch diese zur Histaminabgabe veranlasst wird (Abb. 22-1).

Histamin kommt auch im Pflanzenreich vor, z. B. in den Brennhaaren der Brennnessel und im Tierreich, z. B. im Bienengift.

Wirkung des Histamins.Histamin entfaltet seine Wirkung über bestimmte Rezeptoren. Dabei unterscheidet man die Histaminrezeptoren H1 und H2. Diese Rezeptoren vermitteln jeweils bestimmte Wirkungen:

  • H1-Rezeptoren:

    • Dilatation der kleinen Gefäße (Hautrötung und Quaddelbildung) und der Herzkranzgefäße (dadurch verbesserte Versorgung des Herzens und Blutdrucksenkung)

    • Kontraktion der großen Gefäße (Blutdrucksteigerung)

    • steigert die Durchlässigkeit der Kapillaren (Ödeme, Quaddeln, Blutdrucksenkung)

    • veranlasst eine Adrenalinausschüttung (Blutdruckerhöhung, Tachykardie)

    • Kontraktion der glatten Muskulatur der Bronchien (Atemnot), des Darmes (Durchfälle)

    • stimuliert sensible Nervenenden (Juckreiz)

  • H2-Rezeptoren:

    • Heraufsetzung der Herzkraft und Beschleunigung des Herzschlages (Tachykardie)

    • Dilatation der kleinen Gefäße (Blutdrucksenkung)

    • Dilatation der Herzkranzgefäße (verbesserte Versorgung des Herzens, aber auch Blutdrucksenkung)

    • stimuliert Magensaftproduktion (gastrointestinale Beschwerden)

Einteilungen der Allergien

ÜberempfindlichkeitsreaktionAllergie:EinteilungHinsichtlich der Zeit, die zwischen dem Kontakt mit dem Antigen und dem Auftreten von Symptomen vergeht, unterscheidet man Überempfindlichkeitsreaktionen vom Früh- und vom Spät-Typ.
  • Überempfindlichkeitsreaktion vom Früh-Typ (humorale Allergien, d. h. es spielen v. a. Antikörper eine wichtige Rolle). Es handelt sich um die Allergietypen I, II und III. Die Reaktionszeit liegt zwischen Sekunden, Minuten, Stunden bis Tagen.

  • Überempfindlichkeitsreaktionen vom Spät-Typ (zellvermittelte Allergie, d. h. Zellen, v. a. Lymphozyten aber auch Killer- und Fresszellen spielen eine wichtige Rolle). Es handelt sich um den Allergietyp IV. Die Reaktionszeit liegt über zwölf Stunden.

Diese Allergietypen werden nun im Einzelnen beschrieben (Tab. 22-1). Es ist allerdings zu beachten, dass bei manchen Allergien mehrere Typen gleichzeitig ablaufen oder ineinander übergehen können.

Typ-I-Allergie

Bei der Typ-I-Allergie (anaphylaktischer Typ, Sofort-Typ) liegt die Reaktionszeit zwischen Sekunden bis Minuten, evtl. kommt es nach 4 bis 6 Stunden zu einer verzögerten Reaktion. Hier spielen die IgE-Antikörper eine entscheidende Rolle. Sie setzen sich auf die Oberfläche von Mastzellen (Abb. 22-1) und basophilen Granulozyten und veranlassen diese, Histamin und andere Gewebsmediatoren freizusetzen. Dadurch kommt es zur Weitstellung von Gefäßen. Dies kann zu anaphylaktoiden Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock (Abschn. 23.3.5) führen.
Die Typ-I-Allergie bleibt oft örtlich begrenzt und kann sich als folgende Erkrankungen zeigen: Heuschnupfen (allergische Rhinitis, oft mit Konjunktivitis), allergische Konjunktivitis (oft mit allergischer Rhinitis), Quincke-Ödem, Urtikaria, allergische Enteritis, allergisches Asthma.
Typische Substanzen, die eine Typ-I-Allergie verursachen können, sind Blütenpollen, Hausstaubmilben, Medikamente, Insektenstiche, Tierhaare und Obst (v. a. Erdbeeren).

Typ-II-Allergie

Die Reaktionszeit liegt zwischen wenigen Minuten bis zu 12 Stunden. Bei der Typ-II-Allergie (zytotoxischer Typ) handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper (IgG oder IgM) gegen körpereigenes Gewebe gebildet werden.
Man unterscheidet Typ-II-a und Typ-II-b:
  • Typ-II-a-Allergie. Gegen bestimmte Antigene, die sich auf der Oberfläche von körpereigenen Zellen befinden, werden IgG- oder IgM-Antikörper gebildet. Die so markierten Zellen werden nun vom Abwehrsystem als körperfremd eingestuft und bekämpft. Durch diesen Angriff von Makrophagen und Komplement kommt es zur Zerstörung dieser Zellen (Zelllyse). Dabei wird auch das darum liegende Gewebe geschädigt.Typische Erkrankungen sind Agranulozytose, hämolytische Anämie und Thrombozytopenie, vermutlich auch Diabetes mellitus und die Transplantatabstoßung.

  • Typ-II-b-Allergie. Es werden Antikörper gebildet, die sich auf bestimmte Rezeptoren der Zelloberfläche setzen und diese zu einer bestimmten Tätigkeit veranlassen. Dabei kommt es zu einer Überstimulierung der betroffenen Zellen. Eine typische Erkrankung, die so verursacht wird, ist der Morbus Basedow. Hier setzen sich die Autoantikörper (v. a. TRAK) auf die Rezeptoren, die eigentlich für das TSH (thyreoideastimulierendes Hormon) zuständig sind und veranlassen somit die Schilddrüsenzellen zu einer ständigen Produktion von T3 und T4.

Typ-III-Allergie

Die Reaktionszeit der Typ-III-Allergie (Arthus-Typ, Immunkomplextyp) liegt meist zwischen 6 bis 12 Stunden. Es kommt zur Antikörperbildung (IgG und IgM) gegen lösliche Antigene (z. B. Streptokokkentoxine). Die daraus gebildeten Immunkomplexe werden in Kapillaren oder in Geweben abgelagert. Hier aktivieren sie v. a. das Komplement und die Leukozyten, die durch den Versuch die Immunkomplexe abzubauen das darum liegende Gewebe schädigen (Abb. 22-3). Je nachdem, ob die Einlagerung lediglich lokal erfolgt, kommt es nur an einer bestimmten Stelle zu Symptomen oder zu generalisierten Reaktionen (z. B. Vaskulitis mit generalisierten Ödemen).
Erkrankungen, die so verursacht werden, sind die Glomerulonephritis (sog. Immunkomplex-Glomerulonephritis), der Lupus erythematodes (LE), die exogen-allergische Alveolitis (z. B. Bäckerlunge, Vogelzüchterlunge), die Serumkrankheit (Abschn. 22.1.4) und die allergische Vaskulitis.

Typ-IV-Allergie

Bei der Typ-IV-Allergie (verzögerter Typ) beträgt die Reaktionszeit 12 bis 72 Stunden. Überempfindlichkeitsreaktionen vom Spät-Typ unterscheiden sich von den anderen Überempfindlichkeitsreaktionen dadurch, dass sie nicht von Antikörpern, sondern v. a. von sensibilisierten T-Lymphozyten ausgehen. Sensibilisierte T-Lymphozyten setzen Lymphokine frei, die die Aktivität der Fresszellen beeinflussen. Solche Überempfindlichkeitsreaktionen vom verzögerten Typ sind das allergische Kontaktekzem, bestimmte Medikamentenallergien, manche granulomatösen Reaktionen und einige Schilddrüsenentzündungen (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis).

Allergische Reaktionen und Erkrankungen

Atopie

AtopieMan fasst unter dem Begriff Atopie Überempfindlichkeitsreaktionen vom Sofort-Typ zusammen, die auf einer genetischen Disposition beruhen. Der Begriff wird in erster Linie verwendet für das atopische Ekzem (beim Säugling als Milchschorf, beim Schulkind und Erwachsenen als Neurodermitis), außerdem für die allergische Konjunktivitis, allergische Enteritis, Rhinitis, Heuschnupfen, Extrinsic-Asthma und evtl. Urtikaria.

Anaphylaxie

AnaphylaxieAnaphylaxie ist eine – evtl. schockartige – allergische, allgemeine Reaktion vom Soforttyp (Typ I der Allergie) auf ein bestimmtes Antigen. Vorausgegangen ist eine Sensibilisierung. Bei einer Anaphylaxie kommen milde, schwere, schwerste (anaphylaktischer Schock) und auch tödliche Verläufe vor (Abschn. 23.3.5). Bei einer Anaphylaxie verursacht die Freisetzung von Gewebsmediatoren (v. a. Histamin) zweierlei:
  • Kontraktion der glatten Muskulatur: keuchende Atmung, gastrointestinale Symptome

  • Gefäßerweiterung und Austreten von Plasma ins Gewebe: Urtikaria, Quincke-Ödem, Schock

Nahrungsmittelallergie und -unverträglichkeit

Nahrungsmittelallergie
Bei einer Nahrungsmittelallergie liegt eine Allergie vom Soforttyp (Typ-I) vor. Kennzeichen ist, dass es nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel, wie z. B. Kuhmilch (häufigstes Allergen bei Kleinkindern), Hühnerei, Fisch, Schalentieren, Soja, Nüssen (v. a. Erdnüsse) zu allergischen Reaktionen kommt. Es kann jedoch jedes Nahrungsmittel zum Allergen werden.
Es treten in erster Linie gastrointestinale Beschwerden auf, wie Erbrechen, Durchfälle, Bauchschmerzen und Verstopfung, es können sich aber auch Atemnot oder Veränderungen an der Haut entwickeln.
Nahrungsmittelallergien kommen bevorzugt im Kleinkindalter vor, sie sind jedoch auch bei Erwachsenen zu finden. Bei Kindern nehmen im Laufe des Lebens Nahrungsmittelallergien an Bedeutung ab – Inhalationsallergien hingegen nehmen zu.
Nahrungsmittelunverträglichkeit
NahrungsmittelunverträglichkeitBei nicht-immunologischen Nahrungsmittelunverträglichkeiten (sog. pseudoallergische Reaktion, PAR), treten die gleichen Symptome auf wie bei den allergisch bedingten, da in beiden Fällen die Beschwerden durch eine vermehrte Histaminausschüttung hervorgerufen werden: Bei der Nahrungsmittelallergie ist die Histaminausschüttung immunologisch bedingt, bei der PAR durch Enzymdefekte. Bekannte Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind die Glutamatintoleranz (sog. „China-Restaurant-Syndrom“) und die Laktoseintoleranz (s. u.). Bitte beachten Sie zur Nahrungsmittelunverträglichkeit auch die Sprue bzw. Zöliakie (Abschn. 9.6.3).
Glutamatintoleranz („China-Restaurant-Syndrom“).Dabei handelt es sich um eine kurzzeitige Intoxikation mit Glutamat, einem Salz der Glutaminsäure, das als Geschmacksverstärker eingesetzt wird. Glutamat ist eine nicht-essenzielle Aminosäure, die im Gehirn als Neurotransmitter wirkt. Zum „China-Restaurant-Syndrom“ kommt es v. a. deshalb, weil Soja- und Fischsoßen natürlicherweise einen hohen Gehalt an Glutamat haben und zusätzlich noch mit Glutamat gewürzt werden. Glutamat befindet sich auch in fast allen Fertiggerichten (Kennzeichnung mit E 620–625). Die Symptome setzen meist nach 10 bis 20 Minuten ein mit Hitzegefühl und Hautrötung, v. a. der Wangen, Mundtrockenheit, Engegefühl, Parästhesie im Halsbereich, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Blähungen und Bauchschmerzen. Die Blähungen können wiederum ein Roemheld-Syndrom hervorrufen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.GlutamatintoleranzChina-Restaurant-Syndrom
Laktoseintoleranz.LaktoseintoleranzEin häufiger Enzymdefekt ist ein Laktasemangel und die daraus folgende Kohlenhydratmalabsorption (Laktosemalabsorption, Laktasemangelsyndrom). Infolge einer fehlenden oder verminderten Produktion des Verdauungsenzyms Laktase kann der mit der Nahrung aufgenommene Milchzucker (Laktose) nicht in die verwertbaren Zuckerarten
Galaktose und Glukose gespalten werden. Möchte der Betroffene Laktose in seiner Nahrung vermeiden, ist zu bedenken, dass Milchzucker nicht nur in der Milch, sondern auch in Milchprodukten vorkommt wie Sahne, Käse und Molke. Zudem findet Milchzucker in der Lebensmitteltechnologie Verwendung, da er sich gut als Bindemittel eignet und zur Herstellung von Fertigprodukten und Medikamenten eingesetzt wird. Da er auch eine höhere Festigkeit im Joghurt bewirkt und ein höheres Volumen bei nahezu gleicher Kalorienmenge des Lebensmittels erzielt, enthalten auch „Light Produkte“ Laktose. Ebenso Aromen, Gewürze und Geschmacksverstärker, da Laktose hier als Trägerstoff zur Anwendung kommt.
Symptome. Beschwerden treten meist sofort oder einige Stunden nach dem Verzehr von Milch(produkten) auf. Der ungespaltene Zucker wird von Darmbakterien aufgenommen und vergoren. Die entstehenden Gase führen zu Blähungen. Zudem entwickeln sich häufig Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle und Bauchschmerzen bis hin zu Bauchkrämpfen. Manchmal treten jedoch atypische Beschwerden auf, wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Schlafstörungen und Hauterscheinungen. Die ständige Überreizung der Darmschleimhaut kann zur Malabsorption auch von anderen Stoffen und zu einer vermehrten Infektionsneigung im Darm führen. Längerfristig kann eine Zottenatrophie die Folge sein.
Verlaufsformen.Man unterscheidet zwischen einem primären und sekundären LaktasemangelLaktasemangel.
  • primärer Laktasemangel: Er tritt meist erst im Erwachsenenalter auf. Die Abnahme der Laktaseproduktion ist ein physiologischer Vorgang. Deshalb vertragen Ältere generell Milch(produkte) schlechter als Junge.

  • sekundärer Laktasemangel: Dieser tritt infolge einer Erkrankung auf, wie Sprue (Zöliakie) oder Morbus Crohn. Gelingt es die Grundkrankheit erfolgreich zu behandeln, kann sich die Laktoseintoleranz zurückbilden.

Diagnose. Zur Aufdeckung einer Nahrungsmittelallergie oder -intoleranz kann eine Eliminationsdiät mit einem anschließend strukturierten Kostaufbau erfolgen. Im Blut werden die Gesamt-IgE und die verdächtigen antigenspezifischen IgE überprüft.
  • Um mögliche Allergene herauszufinden, kann eine Hauttestung (Prick-Test) durchgeführt werden. Allerdings ist ein positiver Hautbefund allein nicht beweisend. Gerade bei Atopikern findet man dabei häufig positive Befunde, obwohl das Nahrungsmittel gut vertragen wird. Von einer Allergie spricht man deshalb nur, wenn ein positiver Hautbefund und entsprechende Symptome vorliegen!

  • Der H2-Atemtest gehört zu den einfachsten und sichersten Methoden eine Milchzuckerunverträglichkeit festzustellen.

  • Von Heilpraktikern wird häufig die kinesiologische Austestung oder die Austestung mittels Testgeräten oder Pendel durchgeführt. Die Aussagekraft dieser Verfahren ist von den Fähigkeiten des Testers abhängig.

Kuhmilchunverträglichkeit

Ob eine Kuhmilchunverträglichkeit oder eine Allergie vorliegt, kann differenzialdiagnostisch folgendermaßen ausgeschlossen werden:
  • Laktasemangel (häufig): Je nach vorhandener Restkapazität an Laktase werden noch kleine Mengen Kuhmilch vertragen (meist bis 10 g Milchzucker).

  • Allergie (selten): Schon kleinste Mengen Kuhmilch verursachen Beschwerden.

Arzneimittelallergien

Eine Arzneimittel:AllergieArzneimittelallergie kann sich an zahlreichen Geweben und Organen zeigen. In ungefähr 80 % der Fälle kommt es allerdings zu Veränderungen an Haut und Schleimhaut. Grundsätzlich sind auf Arzneimittelgabe alle Überempfindlichkeitsreaktionen von Typ I bis IV möglich. Die häufigsten Erscheinungsformen von Arzneimittelallergien sind:
  • Exanthem, ArzneimittelArzneimittelexanthemArzneimittelexantheme. Diese können als leichter Ausschlag bis hin zur Brühhaut auftreten. Der Ausbruch kann plötzlich erfolgen (z. B. als Urtikaria) oder erst nach Stunden oder Tagen. Die Erscheinungen können generalisiert oder lokalisiert sein. Einige Medikamente lösen charakteristische Hautausschläge aus, andere können praktisch jeder anderen Hauterkrankung ähneln. Einige wichtige Arzneimittelexantheme sind:

    • Schleimhautbefall. Es können wenige, kleine Bläschen auftreten, bis hin zu ausgedehnten, schmerzhaften Geschwüren. Häufige Auslöser sind Antibiotika, Barbiturate und Sulfonamide.

    • Quaddelbildung (bei Urtikaria). Auslöser können fast alle Medikamente sein, besonders aber Barbiturate, Sulfonamide und Antibiotika.

    • Akneähnlicher Hautausschlag ähnelt der Akne beim Jugendlichen. Er tritt bevorzugt nach der Einnahme von Kortison („Kortisonakne“), Jod und Brom auf.

    • Brühhaut (Lyell-Syndrom) führt zur flächenhaften Ablösung der Haut mit oft tödlichem Ausgang. Sie kann nach Einnahme von Antiepileptika, Barbituraten, Antibiotika und Sulfonamiden auftreten.

    • Dermatitis exfoliativa allergica (Schälrötelsucht). Es kommt zu einer großflächigen Entzündung mit flächenhafter Schuppung, oft mit Verlust der Haare und Nägel.

    • Fotoallergische Dermatosen sind Ekzeme und Hyperpigmentierungen, die v. a. nach Einnahme von Sulfonamiden, Tetrazyklinen und Phenothiazinen auftreten.

    • Fixe Arzneimittelexantheme mit umschriebenen, dunkelroten Herden auf Haut und Schleimhaut (v. a. an den Genitalien) erscheinen typischerweise bei jedem Kontakt mit dem unverträglichen Medikament an der gleichen Stelle.

    • Flechtenähnliche Hautausschläge (Lichen ruber planus). Papulöse Hauterscheinungen mit stecknadelkopfgroßen, abgeschliffenen Papeln von hell- bis dunkelroter Farbe. Treten v. a. nach Einnahme von Antimalariamitteln und goldhaltigen Präparaten auf.

    • Erythema nodosum ist eine Hautrötung mit Bildung schmerzhafter, roter Knoten in Haut und Unterhaut, v. a. an den Unterschenkeln. Es tritt bevorzugt nach Gabe von Sulfonamiden, oralen Kontrazeptiva, Jod und Brom auf.

  • Agranulozytose (Abschn. 7.10.1)

  • Arzneimittelfieber. Es kommt zu Fieber, manchmal mit Urtikaria. Bevorzugt nach Allopurinol, Antibiotika, Sulfonamiden, Barbituraten und Chinin.

  • Urtikaria (Abschn. 21.2.6)

  • Quincke-Ödem (Abschn. 21.2.6)

  • allergische Lungenerkrankung (Alveolitis)

  • LE (Lupus erythematodes, Abschn. 4.6.5)

  • Anaphylaxie und anaphylaktischer Schock (Abschn. 23.3.5)

  • Extrinsic-Asthma (Abschn. 17.5.7)

  • Thrombozytopenie. Abnahme der Blutplättchen auf weniger als 150.000 pro mm3. Auslösende Medikamente können Barbiturate, Chinin und Sedativa sein.

  • Hämolytische Anämie (Abschn. 7.8.4)

  • Serumkrankheit. Es kommt nach 6–12 Tagen an der Injektionsstelle zu Hautveränderungen, Fieber, Lymphknotenschwellungen, evtl. Urtikaria, Erbrechen, Durchfälle, Gelenkschmerzen, evtl. auch Glomerulonephritis und Vaskulitis. Auslösende Medikamente sind v. a. Fremdeiweiße (Impfungen!) und Antibiotika, gelegentlich auch Sulfonamide.

Autoimmunerkrankungen

Mit dem Begriff AutoimmunerkrankungAutoimmunerkrankungen (Autoaggressionserkrankungen) werden alle Krankheiten bezeichnet, bei denen es zu einer Autosensibilisierung gegen körpereigene Substanzen gekommen ist und bei denen Antikörper oder sensibilisierte Lymphozyten eine Rolle spielen. Die Allergien Typ II bis IV gehören deshalb zu den Autoimmunkrankheiten. Ursache der Autoimmunerkrankungen ist eine Störung der Selbst-Erkennung, da körpereigene Strukturen plötzlich als körperfremd eingestuft und bekämpft werden. Man unterscheidet organspezifische und nicht organspezifische Autoimmunkrankheiten:
  • organspezifische Autoimmunkrankheiten: betreffen nur ein bestimmtes Organ, z. B. die Schilddrüse (Morbus Basedow, Myxödem, Hashimoto-Thyreoiditis), Pankreas (Typ-I-Diabetes), Nebenniere (M. Addison), Magen (chronisch-atrophische Gastritis, perniziöse Anämie), Blut (Thrombozytopenie, hämolytische Anämie, Agranulozytose), Leber (Leberzirrhose), Darm (Morbus Crohn)

  • nicht-organspezifische Autoimmunkrankheit: breiten sich in verschiedenen Körpergeweben aus, z. B. Rheuma, Sklerodermia diffusa, systemischer Lupus erythematodes

Übergangsformen zwischen diesen beiden kommen jedoch vor.

Provokationstests und Hauttestverfahren

Provokationstests

ProvokationstestAllergie:UntersuchungsmethodeBei einem Provokationstest versucht man, Krankheitsbeschwerden auszulösen, die unter Normalbedingungen nicht, nur selten oder in untypischer Weise auftreten. So können z. B. Hauttests oder Suchdiäten zum Auffinden eines Allergens durchgeführt werden. Es können auch Allergenlösungen in den Augenbindehautsack geträufelt werden, oder der Patient atmet winzige Mengen eines Allergens ein. Allerdings besteht bei einem Provokationstest immer die Gefahr einer überschießenden Reaktion bis hin zum anaphylaktischen Schock.

Bei allen Provokationstests kann es zu Unverträglichkeiten bis hin zum anaphylaktischen Schock kommen!

Hauttests

Als die bekanntesten HauttestverfahrenHauttestverfahren gelten:
  • Reibtest. Der ReibtestReibtest wird v. a. bei Kleinkindern und bei Patienten mit vermutlich hohem Sensibilitätsgrad durchgeführt. Dazu wird das vermutete Allergen (z. B. Tierhaare, Blütenpollen) entweder direkt auf die Haut aufgerieben oder mittels eines Watteträgers, der mit der allergenen Substanz getränkt wurde, 15- bis 20-mal kräftig aufgerieben. Das Testergebnis wird nach 15 bis 20 Minuten abgelesen. Bei einem positiven Befund kommt es zu Quaddeln. Bei negativem Befund kann sich ein Prick- oder Kratztest anschließen.

  • StichtestStichtest (PricktestPricktest). Ein Tropfen der Testlösung wird auf die Innenseite der Unterarmhaut aufgeträufelt, dann wird mit einer Pricknadel (Lanzette) ein Millimeter tief eingestochen, sodass diese Substanz in die Oberhaut eindringt, es aber zu keiner Blutung kommt.

    Zur Kontrolle werden zwei weitere Testungen auf die gleiche Weise vorgenommen. In das eine Testfeld wird eine NaCl-Lösung gebracht. Dabei handelt es sich um eine Negativkontrolle, denn es darf dabei nicht zur Quaddelbildung kommen. In das zweite Testfeld wird ein Tropfen einer Histaminlösung aufgebracht. Danach muss es zur Quaddelbildung kommen.

    Das Testergebnis wird nach 20 Minuten abgelesen. Dabei wird die Reaktion auf die allergene Testsubstanz mit der Reaktion auf die Negativ- und Positivkontrolle verglichen.

  • KratztestKratztest (ScratchtestScratchtest, SkarifikationstestSkarifikationstest). Die Epidermis wird mit einer Lanzette unblutig etwa fünf Millimeter lang angeritzt. Hierauf wird die Allergenlösung aufgetropft.

  • IntrakutantestIntrakutantest. Es werden kleine Mengen einer Allergenlösung in den oberen Anteil der Lederhaut (Corium) gespritzt, außerdem wird eine Vergleichsquaddel mit NaCl-Lösung gesetzt. Nach ca. 20 Minuten werden die beiden Quaddeln verglichen.

  • EpikutantestEpikutantest (LäppchenprobeLäppchenprobe). Die zu prüfende Substanz wird auf ein Spezial-Testpflaster (erhältlich in der Apotheke, aber verschreibungspflichtig) aufgebracht. Dieses wird auf dem Rücken des Patienten befestigt und dann nach zwei Tagen entfernt. Der Test soll am ersten, zweiten und dritten Tag abgelesen werden. Es ist zu beachten, dass die zur Testung herangezogenen Hautpartien erscheinungsfrei sein müssen und dass das Allergen in subtoxischer Konzentration aufgebracht wird.

Mögliche positive Befunde sind Juckreiz, Hautrötung, Quaddelbildung, Schwellung; in seltenen Fällen auch Unverträglichkeitsreaktionen bis hin zur Nekrosebildung und zum anaphylaktischen Schock. Um die Reaktionen beim Patienten möglichst gering zu halten, v. a. aber, um der Gefahr eines anaphylaktischen Schocks vorzubeugen, geht man nach der Reihenfolge vor: Reibtest, Stichtest, Kratztest, Intrakutantest.

Blutuntersuchungen

Blutuntersuchung:AllergieGrundlage jeder Allergiediagnostik ist die Bestimmung der Eosinophilen und des Gesamt-IgE. Allerdings ist zu beachten, dass der Übergang zwischen Gesunden und Allergikern fließend ist. Deshalb schließt ein normaler IgE-Wert eine Allergie nicht mit Sicherheit aus.
Bei erhöhten Gesamt-IgE-Werten ist es sinnvoll mit dem RAST (Radio-Allergen-Sorbent-Test) die antigenspezifischen IgE zu bestimmen. Ein negativer RAST schließt jedoch eine Allergie nicht mit Sicherheit aus. Ein positiver RAST deutet nur dann auf eine Allergie, wenn auch die entsprechenden Beschwerden nach Exposition dieser Substanz auftreten. Deshalb gilt für die Bewertung des RAST-Tests, dass dieser nur in der Zusammenschau mit den Symptomen des Patienten interpretiert werden darf.
Wenn kein bestimmter Verdacht auf ein Allergen besteht, können zunächst Gruppenallergene bestimmt werden und dann eine weitere Differenzierung durchgeführt werden.
IgG-Bestimmungen werden meist nur nach einer durchgeführten Hyposensibilisierung (Abschn. 22.4) auf Bienen- und Wespengifte zur Überprüfung des Therapieerfolges durchgeführt oder zur Abklärung einer pulmonalen Mykose oder allergischen Alveolitis. Grundsätzlich gilt jedoch, dass bei IgG und IgM ihre Krankheitsbedeutung noch weitgehend ungesichert ist.

Therapien von Allergien

Allergie:TherapieErkrankung:allergischeWird bei einem Patienten eine Allergie festgestellt, so erhält er vom Arzt einen Allergiepass (Notfallausweis) und diesen soll er auch immer bei sich tragen.
Allergenkarenz.Soweit dies möglich ist, soll der Allergiker das Allergen meiden (Expositionsprophylaxe).
Hyposensibilisierung.HyposensibilisierungEine solche Behandlung dauert meist zwei bis drei Jahre. Dabei wird die allergene Substanz in extremer Verdünnung unter die Haut gespritzt oder oral eingenommen. In den nachfolgenden Sitzungen wird die Konzentration des verabreichten Stoffes gesteigert und somit versucht, den Körper an diese Substanz zu gewöhnen.
Eigenblutbehandlung.Bei einer EigenblutbehandlungEigenblutbehandlung entnimmt der Behandler dem Patienten Blut aus der Vene und injiziert es ihm meist wieder intramuskulär, evtl. in die Haut. Vor der Injektion kann das Blut durch verschiedene Methoden aufbereitet werden oder es können bestimmte Medikamente beigemischt werden. Diese Methode gehört zu den Reizkörper- und Umstimmungstherapien. Damit meint man, dass man den Körper nun dazu bringen möchte, auf Reize anders zu reagieren als vorher.
Bei Kindern wird oft eine modifizierte Eigenblutbehandlung nach Dr. Imhäuser eingesetzt. Dazu wird nur ein Tropfen Blut benötigt, der am besten aus dem Ohrläppchen entnommen wird. Dieses Blut wird homöopathisch aufbereitet und oral eingenommen.
Antihistaminika.Arzneimittel:AntihistaminikumAntihistaminikumAntihistaminika blockieren die Histaminrezeptoren, sodass das Histamin seine Wirkung nicht mehr entfalten kann. Als Nebenwirkung tritt oft eine starke Müdigkeit auf, die allerdings bei den neueren Präparaten nicht mehr so ausgeprägt ist.
Kortison.Kortison wird in der Schulmedizin bei Allergien aller Art eingesetzt, unverzichtbar ist es bei lebensbedrohlichen anaphylaktischen Reaktionen.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen