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B978-3-437-55696-8.00026-9

10.1016/B978-3-437-55696-8.00026-9

978-3-437-55696-8

Fieberkurven

[M553]

Phagozytose eines Bakteriums, das durch einen Komplementfaktor opsoniert ist.

[L106]

Vereinfachte Stammreihe wichtiger Abwehrzellen.

[L190]

Schematische Darstellung eines IgG-Antikörpers. Zwei leichte (L-Ketten) und zwei schwere Ketten (H-Ketten) sind durch Disulfidbrücken miteinander verbunden. Innerhalb des antigenbindenden Fragments (Fab-Teil) liegen die Antigenbindungsstellen. Die Enden der cristallisierbaren Fragmente (Fc-Teil) neigen in freier Form sehr leicht zur Kristallisation. Mit diesem Abschnitt kann der Antikörper an Rezeptoren von Fresszellen anbinden. 1: Leichte Kette, 2: Schwere Kette, 3: Disulfidbrücke, 4: Antigenbindungsstelle, 5: Kontaktstelle für die Zusammenarbeit mit anderen Abwehrzellen, 6: Fab-Teil, 7: Fc-Teil.

[L190]

Einteilung der Infektionen in lokale und generalisierte (zyklische)

Tab. 26-1
Lokale Infektion Generalisierte Infektion (Inkubationszeit, Generalisation, Organmanifestation)
Erreger Meist Bakterien Viren, Bakterien, Protozoen
Krankheitserscheinungen an Eintrittspforte Ja (Haut und Schleimhaut) Nein
Ausbreitung der Erreger Lokal (Fernwirkung der Toxine auf andere Organe möglich) Über Blut und Lymphe (Vermehrung meist im RES/RHS)
Ausbruch der Erkrankung hängt ab V. a. von der Menge und Virulenz der Erreger V. a. von der Abwehrlage
Blutbild Meist Leukozytose Meist Leukopenie
Diagnosestellung Leicht, da es zu Symptomen seitens des betroffenen Organs kommt Während des Generalisationsstadiums keine typischen Symptome, sondern erst im Organstadium organtypische Symptome. Zweigipfeliger Fieberverlauf, relative Bradykardie, Milzschwellung
Immunität Keine. Evtl. Immunität gegen Toxine der Erreger (bei Wiedererkrankung kein Scharlach mehr, sondern nur noch Streptokokkenangina) Lang andauernde, manchmal lebenslange Immunität

Klassifikation wichtiger Viren

Tab. 26-2
Nukleinsäure Hülle Familie Gattung bzw. Art
DNS Mit Adenoviridae
DNS Mit Papovaviridae Papillomavirus
DNS Ohne Herpesviridae Herpes-simplex-Virus, Varicella-Zoster-Virus, Zytomegalievirus, Epstein-Barr-Virus
DNS Ohne Poxviridae Variolavirus (Pockenvirus)
DNS Mit Hepadnaviridae Hepatitis-B-Virus
RNS Ohne Picornaviridae Enterovirus (Hepatitis-A-Virus, Poliovirus, ECHO-Virus, Coxsackievirus), Rhinovirus
RNS Mit Togaviridae Gelbfiebervirus, Rötelnvirus
RNS Mit Retroviridae HI-Virus
RNS Mit Paramyxoviridae Parainfluenzavirus, Mumpsvirus, Masernvirus
RNS Mit Orthomyxoviridae Influenzavirus A, B, C
RNS Mit Rhabdoviridae Tollwutvirus

Wichtige Erkrankungen und ihre typischen viralen Erreger

Tab. 26-3
Krankheit Häufiger viraler Erreger
Hauterscheinungen Herpesvirus, Enterovirus, Masernvirus, Rötelnvirus
Hepatitis Hepatitisvirus, Epstein-Barr-Virus, Zytomegalievirus
Gastroenteritis Rotavirus, Adenoviren, Zytomegalievirus
Pneumonie bei Kindern: Parainfluenzavirus, Influenzavirus, bei Erwachsenen: Influenzavirus, Zytomegalievirus, Herpes-simplex-Virus, Varicella-Zoster-Virus
Virusgrippe Influenzavirus
Grippaler Infekt Parainfluenzavirus, Herpes-simplex-Virus, Adenoviren, Coxsackievirus, Epstein-Barr-Virus
Konjunktivitis Adenoviren, Herpes-simplex-Virus, Enterovirus, Masernvirus
Meningitis Mumpsvirus, ECHO-Virus, Coxsackievirus
Enzephalitis Herpes-simplex-Virus, HI-Virus, Masernvirus, Varicella-Zoster-Virus, FSME-Virus
Poliomyelitis Poliovirus
Zystitis Adenoviren

Übersicht über das unspezifische und spezifische Abwehrsystem

Tab. 26-4
Unspezifisches Abwehrsystem Spezifisches Abwehrsystem
Humorales System Zelluläres System Humorales System Zelluläres System
  • Säureschutzmantel der Haut

  • Schleim und Flimmerhärchen

  • Intakte Darmflora

  • Antimikrobielle Substanzen

  • Abwehrstoffe (Lysozym)

  • Immunbotenstoffe (Zytokine, Interleukine)

  • Akute-Phase-Proteine

  • Komplementsystem

  • Interferon

  • Makrophagen (Monozyten-Makrophagen-System)

  • Mikrophagen (neutrophile und eosinophile Granulozyten)

  • Natürliche Killerzellen

  • Antikörper (von Plasmazellen)

  • T-Helferzellen

  • T-Unterdrückerzellen (Regulatorische Zellen, Suppressorzellen)

  • T- und B-Gedächtniszellen

  • zytotoxische Zellen (zytotoxische T-Lymphozyten)

Bildung der Antikörper

Tab. 26-5
Immunglobulinklassen IgG IgM IgA IgD IgE
Bedeutung Sekundäre Immunantwort Primäre Immunantwort („Frühantikörper“) Sekretorische Antikörper Vermutlich Mitwirkung bei der Differenzierung der B-Lymphozyten Abwehr von Parasiten und Mitwirkung bei Allergien vom Soforttyp
Vorkommen Blut, Lymphe, Muttermilch Blut, Lymphe Im Sekret von Schleimhäuten und in Blut, Muttermilch und Lymphe Blut, Lymphe Blut, Lymphe
Molekulargewicht 150.000 950.000 160.000 und 85.000 175.000 190.000
Plazentagängig Ja Nein Nein Nein Nein

Allgemeine Infektionslehre

  • 26.1

    Grundbegriffe692

    • 26.1.1

      Arten von Infektionen692

    • 26.1.2

      Beziehungen zwischen Mikroorganismus und Mensch694

    • 26.1.3

      Schutzimpfung698

    • 26.1.4

      Methoden der Bekämpfung von Krankheitserregern698

    • 26.1.5

      Körpertemperatur, Hyperthermie und Fieber699

    • 26.1.6

      Übertragungswege von Krankheitserregern702

    • 26.1.7

      Keimträger, Ausscheider und Dauerausscheider704

    • 26.1.8

      Infektionskrankheiten nach zeitlichem Verlauf und Schweregrad704

    • 26.1.9

      Nachweis von Krankheitserregern705

  • 26.2

    Krankheitserreger705

    • 26.2.1

      Prionen705

    • 26.2.2

      Viren705

    • 26.2.3

      Bakterien707

    • 26.2.4

      Pilze708

    • 26.2.5

      Protozoen711

    • 26.2.6

      Parasiten711

  • 26.3

    Abwehrsysteme des Körpers711

    • 26.3.1

      Unspezifisches Abwehrsystem712

    • 26.3.2

      Spezifisches Abwehrsystem714

    • 26.3.3

      Zusammenarbeit zwischen unspezifischem und spezifischem Abwehrsystem714

    • 26.3.4

      Antigen und Antikörper715

    • 26.3.5

      Monozyten-Makrophagen-System (MMS)717

Infektionslehre, allgemeineWie Sie wissen, stellen Infektionskrankheiten einen wichtigen Teil der Amtsarztüberprüfung dar. Arbeiten Sie zuerst das vorliegende Kapitel „Allgemeine Infektionslehre“ gründlich durch, bevor Sie sich daranmachen, die meldepflichtigen Infektionskrankheiten zu lernen. Sie haben so ein viel besseres Verständnis und solidere Grundkenntnisse, auf welchen Sie weiter aufbauen können. Sie ersparen sich viel Auswendiglernen, und nichts wird so schnell vergessen wie einfach „Gebüffeltes“, das man nicht in ein sinnvolles Ganzes einbauen kann.

Grundbegriffe

Zur Darstellung wichtiger Grundbegriffe der allgemeinen Infektionslehre eignet sich v. a. das Gebiet der BakteriologieBakteriologie. Es liefert besonders einprägsame und deutliche Beispiele. Deshalb gelten die hier dargestellten Grundbegriffe zunächst für Bakterien und sind nur mit Einschränkungen auf andere Klassen von Mikroorganismen anwendbar.
Infektion.Unter einer InfektionInfektion versteht man die Tatsache, dass Krankheitserreger (Mikroorganismen) in den menschlichen Körper eindringen und sich hier entwickeln oder vermehren. Dadurch kann es zum Ausbruch einer Infektionskrankheit kommen. Eine Infektion kann jedoch auch symptomlos verlaufen. Man spricht dann auch von einem inapparenten Verlauf.

Arten von Infektionen

Bei Infektion kann man lokale Infektionen (Lokalinfektionskrankheiten) und generalisierte (zyklische) Infektionen unterscheiden (Tab. 26.1).

Infektionen

  • lokale Infektion

    (Lokalinfektionskrankheiten)

  • generalisierte Infektion

    (zyklische Infektionskrankheiten)

Lokale Infektionen
Infektion:lokaleLokale Infektionen sind meist bakteriell bedingt. Den Erregern dienen Haut und Schleimhaut als Eintrittspforten. Von diesen Eintrittspforten ausgehend, kommt es zu einer kontinuierlichen, lokalen Ausbreitung des Entzündungsvorganges. Ob eine solche lokale Infektion zu einer Erkrankung führt, ist v. a. von der Menge und der Virulenz des eingedrungenen Erregers abhängig. Die Inkubationszeit hängt von der Infektionsdosis und der Geschwindigkeit der Vermehrung des Krankheitserregers ab.
Die Diagnose der Erkrankung ist im Allgemeinen einfach zu stellen, weil es neben Fieber zu Symptomen seitens des betroffenen Organs kommt, z. B. zu Durchfall bei Enteritis oder zu Halsschmerzen bei Tonsillitis.
Durch die Entzündungsreaktion versucht der Organismus, die Infektion örtlich zu begrenzen. Trotzdem kann es geschehen, dass sich die Infektion entweder auf die Umgebung ausbreitet und es so z. B. zur Bildung von Phlegmonen (Entzündung der Teile unter der Haut) kommt oder dass die Erreger in das Lymphsystem eindringen und so zu einer Lymphangitis oder zu einem Erysipel (Wundrose) führen.
Bei manchen lokalen Infektionen kommt es jedoch nicht nur zu örtlich begrenzten Reaktionen, sondern durch Ektotoxine (Ausscheidungsgifte, s. u.) der Bakterien auch zu Fernwirkungen auf andere Organe.
Beispiel. So kann es bei Diphtherie durch Fernwirkung von Toxinen der Erreger auf das Herz zum Tod durch Herzversagen kommen.
Allerdings kann es auch bei lokalen Infektionen als mögliche Komplikation zum Eindringen der Erreger in die Blutbahn kommen (Bakteriämie bzw. Sepsis, s. u.).
Eine echte Krankheitsimmunität wird bei lokalen Infektionskrankheiten nicht erworben. Aber es kann sich eine Immunität gegen die Ektotoxine der Erreger aufgrund ihrer antigenen Wirkung entwickeln. Diese Immunität gegen die Toxine schützt zwar nicht vor einer Wiedererkrankung, aber vor deren toxischen Folgen. Deshalb verläuft eine Wiedererkrankung mit dem gleichen Erreger im Allgemeinen leichter.
Beispiel. Dies ist der Grund, warum es nach Durchstehen einer Scharlacherkrankung bei Wiederansteckung mit dem gleichen Erreger nur zu einer Streptokokkenangina und nicht mehr zu dem Vollbild einer Scharlacherkrankung kommt.
Typische lokale Infektionen sind die anaeroben Wundinfektionen Gasbrand/Gasödem und Tetanus, außerdem Milzbrand, Diphtherie, Enteritis infectiosa und Gonorrhö.
Generalisierte Infektionen
Infektion:generalisierteDer Ausbruch einer generalisierten (zyklischen) Infektionskrankheit ist weitgehend unabhängig von der Menge und der Virulenz der eingedrungenen Erreger; maßgebend ist hier v. a. die Abwehrlage. Zyklische Infektionskrankheiten sind durch einen dreiphasigen Ablauf gekennzeichnet: Inkubationszeit, Generalisation und Organmanifestation.

Generalisierte (zyklische) Infektion

  • Inkubationszeit

  • Generalisation

  • Organmanifestation

Bei generalisierten (zyklischen) Infektionskrankheiten können folgende Stadien im Verlauf der Erkankung beobachtet werden.
  • InkubationszeitInkubationszeit ist die Zeitspanne vom Eindringen der Krankheitserreger bis zum Auftreten von ersten Krankheitssymptomen. Bei zyklischen Infektionskrankheiten kommt es im Allgemeinen an der Eintrittspforte der Erreger nicht zu Krankheitserscheinungen. Die Erreger dringen in das Blutkreislauf- oder Lymphsystem ein und vermehren sich meist in den Abwehrzellen des MMS (Abschn. 26.3.5). Nach Ablauf einer für diese Infektionskrankheit typischen Inkubationszeit gelangt der Erreger erneut ins Blut. Dadurch kommt es zum Generalisationsstadium.

  • GeneralisierungsstadiumGeneralisationsstadium. Die erneute Erregereinschwemmung ins Blut (Bakteriämie, Virämie) führt zu unterschiedlich heftigen Allgemeinreaktionen, wie Fieber mit relativer Bradykardie, Leukopenie und Milzschwellung.

    Während des Generalisationsstadiums ist es meist schwer, aufgrund der vorliegenden Symptomatik eine richtige Diagnose zu stellen, da typische Organbefunde fehlen. Da sich der Erreger aber im Blut aufhält, gelingt es oft, ihn anhand einer Blutuntersuchung nachzuweisen.

  • OrganmanifestationOrganmanifestation. Die Erreger befallen ein oder mehrere Organe, zu denen sie eine besondere Affinität haben. Durch den Organbefall kommt es nun zu typischen Krankheitserscheinungen, wie z. B. Ikterus bei Virushepatitis.

Aufgrund dieses festgelegten Ablaufs in drei Stadien kommt es bei zyklischen Infektionskrankheiten typischerweise zu einem zweigipfligen Fieberverlauf (Dromedar-Fieberkurve). Hierbei tritt der erste Fiebergipfel während des Generalisationsstadiums auf, der zweite während der Organmanifestation. Früher meinte man, dass zyklische Infektionskrankheiten zu einer lebenslangen Immunität führen. Heute geht man davon aus, dass zwar eine längerdauernde Immunität besteht, dass diese aber durchaus wieder verlorengehen kann.
Je nach Verlauf (akut, subakut, chronisch) und je nachdem, ob das Generalisations- oder Organstadium besonders in den Vordergrund tritt, kann man die zyklischen Infektionskrankheiten noch weiter unterteilen:
  • akute zyklische Infektionskrankheiten: Hierzu gehören fast alle Viruskrankheiten wie z. B. Virushepatitis, Röteln, Masern, Mumps, Windpocken, Pocken, Poliomyelitis und Gelbfieber.

    • mit Überwiegen des Generalisationsstadiums: z. B. Typhus abdominalis, Leptospirosen, Tularämie, Fleckfieber

    • mit Überwiegen des Organstadiums: Bei dieser Gruppe von Erkrankungen beträgt das Generalisationsstadium oft nur wenige Stunden und kann deshalb nur aufgrund einer sorgfältigen Anamnese festgestellt werden; z. B. bei der durch Meningokokken hervorgerufenen Meningitis.

  • Subakute rezidivierende zyklische Infektionskrankheiten sind Malaria, Rückfallfieber und Bruzellosen.

  • chronische zyklische Infektionskrankheiten: Hier kann sich das Stadium der Organmanifestation über Jahre ausdehnen, gelegentlich kann es zur erneuten Generalisation kommen. Hierzu gehören Syphilis, Tuberkulose und Lepra.

Beziehungen zwischen Mikroorganismus und Mensch

MikroorganismusSowohl der kranke als auch der gesunde Mensch sind von Mikroorganismen besiedelt. Man unterscheidet hierbei in erster Linie Symbionten und Parasiten.
  • SymbiontSymbionten leben mit anderen Lebewesen in Symbiose zusammen, das heißt, beide Partner leisten sich gegenseitige Hilfe, und beide sind auf diese Hilfe angewiesen. Man bezeichnet den größeren Symbiosepartner als Wirt, den kleineren als Symbionten. Um eine solche Symbiose handelt es sich z. B. zwischen dem Menschen und seiner physiologischen Darmflora.

  • Parasiten leben durch Stoffentzug auf Kosten eines anderen Lebewesens, wodurch sie ihm evtl. Schaden zufügen können. Meist wird der Begriff Parasit nur für Protozoen, Würmer und Gliederfüßer benutzt. In einem weiteren Sinn rechnet man jedoch Viren, Bakterien und Pilze dazu.

  • SaprophytSaprophyten dagegen sind Mikroorganismen, die von toter organischer Substanz leben, hierzu gehören z. B. Fäulnisbakterien. Meist besiedeln sie einen Menschen, ohne diesem zu schaden, allerdings nützen sie auch nicht. Manchmal können sie jedoch schädigen, z. B. als Karieserreger.

Eigenschaften von Mikroorganismen
  • PathogenitätPathogenität bezeichnet die grundsätzliche Fähigkeit von Mikroorganismen, krankhafte Zustände herbeizuführen. Damit ist ein Keim bei einem bestimmten Wirt grundsätzlich entweder pathogen oder apathogen. Ist er pathogen, kann er Krankheitserscheinungen hervorrufen; ist er apathogen, hat er diese Fähigkeit nicht.

    Nun gibt es aber noch Mikroorganismen, die fakultativ pathogen sind. Man bezeichnet sie auch als Opportunisten. Man meint damit, dass diese Keime nur bei bestimmten, infektionsbegünstigenden Faktoren in der Lage sind, Krankheiten hervorzurufen. Ein infektionsbegünstigender Faktor ist in erster Linie eine Schwächung der körpereigenen Abwehr.

  • VirulenzVirulenz gibt den Ausprägungsgrad der Pathogenität bei einem bestimmten Bakterienstamm an. Es handelt sich um eine erworbene, veränderliche Eigenschaft eines Stammes.

    Beispiel. Diphtheriebakterien sind grundsätzlich pathogen. Ein bestimmter Stamm (Typ gravis) ist aber außerordentlich virulent. Dieser hoch-virulente Stamm kann schwere, lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen.

Eigenschaften von Menschen
  • ResistenzResistenz bezeichnet die Tatsache, dass eine bestimmte Erregerart bei einem Wirt nicht die Fähigkeit besitzt, Krankheitserscheinungen auszulösen. So kann der Erreger der Hundestaupe beim Menschen keine Symptome auslösen. Resistenz ist ein Artmerkmal des Infizierten. Sie ist genetisch bedingt und besteht deshalb lebenslang.

    Beispiel. Das Staupe-Virus kann bei Hunden das Krankheitsbild der Hundestaupe hervorrufen. Der Mensch ist gegen diesen Erreger resistent und deshalb ist keine Übertragung der Erkrankung vom Hund auf den Menschen möglich.

  • Spezifische Immunität, spezifischeImmunität ist ein Geschütztsein gegen einen bestimmten pathogenen Erreger. Sie basiert auf den Abwehreinrichtungen des Körpers und ist das Ergebnis der Auseinandersetzungen mit einem Krankheitserreger.

    Eine spezifische Immunität wird durch Überstehen einer Infektionskrankheit, durch stille Feiung (s. u.) oder durch Impfung erworben. Beim Säugling kommt es durch mütterliche Antikörper, die über die Muttermilch weitergegeben werden zur spezifischen Immunität gegen die Krankheiten, gegen die die Mutter ausreichend Antikörper zur Verfügung hat.

    Im Gegensatz zur Resistenz besteht eine Immunität meist nicht lebenslang, sondern kann wieder verlorengehen (zu Immunität s. u.).

  • Stille Feigung, stilleFeiung. Mit stiller Feiung meint man, dass nach der Infizierung eine spezifische Immunität erworben wird, ohne dass es zum Auftreten von Krankheitserscheinungen kommt. Es stellt sich eine unterschiedlich lang anhaltende Immunität ein.

  • EmpfänglichkeitEmpfänglichkeit bezeichnet die Tatsache, dass sich ein Krankheitserreger grundsätzlich im Menschen ansiedeln kann. Das heißt aber nicht, dass jede Ansiedlung dieses Erregers zu einem Krankheitsausbruch führen muss.

  • AnfälligkeitAnfälligkeit dagegen ist an ein bestimmtes Individuum gebunden. Sie bezeichnet das besondere Verhältnis eines bestimmten Menschen zu einem bestimmten Krankheitserreger. So kann z. B. ein Mensch häufig an Schnupfen erkranken, weil er für Rhinoviren eine besondere Anfälligkeit besitzt. Diese Anfälligkeit unterliegt im Laufe seines Lebens bestimmten Wandlungen: durch Änderung seiner psychischen Verfassung (er hat nicht mehr von allem „die Nase voll“), durch die Art seiner Ernährung, durch Alkohol, Stress und Medikamenteneinnahme.

Anthroponosen und Zoonosen
  • AnthroponoseAnthroponosen sind Erkrankungen, die nur beim Menschen auftreten können.

  • ZoonoseZoonosen können sowohl bei Wirbeltieren als auch bei Menschen vorkommen. Sie können vom Tier auf den Menschen und/oder vom Menschen auf das Tier übertragen werden. Zu den Zoonosen gehören die Bruzellosen, die Leptospirosen, Enteritis infectiosa, Rotz, Milzbrand, Ornithose, Q-Fieber, Tollwut, Pest und Toxoplasmose.

    Bei den Zoonosen unterscheidet man noch Anthropozoonosen und Zooanthroponosen.

    • AnthropozoonoseAnthropozoonosen sind Infektionskrankheiten, die vom Menschen auf das Tier übertragen werden können.

    • ZooanthroponoseZooanthroponosen können vom Tier auf den Menschen übertragen werden.

Sepsis – Bakteriämie – Pyämie.Sowohl bei der Sepsis als auch bei der Pyämie hat sich innerhalb des Körpers ein Herd (Lokalinfektion) gebildet, von dem aus Krankheitserreger in das Blutkreislaufsystem gelangen. Ein solcher Herd kann an den unterschiedlichsten Körperstellen sitzen, z. B. an den Tonsillen, in den Nasennebenhöhlen, im Mittelohr, unter einem toten Zahn, aber auch im Darm, im Knochenmark oder in den Eileitern.
  • SepsisSepsis („BlutvergiftungBlutvergiftung“). Eine Sepsis ist dadurch gekennzeichnet, dass fortwährend oder zeitweise reichlich Erreger mit ihren Toxinen, von einem Herd ausgehend, in das Blutkreislaufsystem eindringen. Häufig kommt es durch Absiedelungen an weiteren Organen zur Bildung neuer Herde.Charakteristische Symptome einer Sepsis sind Schüttelfrost mit nachfolgendem hohem Fieberanstieg. Bei Kleinkindern kann es zu Fieberkrämpfen kommen. Es kann sich ein septischer Schock entwickeln. Der Zeitpunkt des Schüttelfrostes, kurz vor Erreichen des Fiebergipfels, eignet sich besonders gut, um den Erreger im Blut nachzuweisen. Deshalb ist dies der optimale Zeitpunkt für eine Blutentnahme. Grundsätzlich können Bakterien, evtl. aber auch Pilze, Protozoen und Würmer (z. B. Trichinen) eine Sepsis auslösen.

Sepsis

Bei einer Sepsis, auch „Blutvergiftung“ genannt, gelangen von einem Herd ausgehend, reichlich Erreger in das Blutkreislaufsystem.
  • BakteriämieBakteriämie ist ein vorübergehendes, mehr oder weniger einmaliges Auftreten von Bakterien im Blut. Die Anzahl der ins Blut gelangten Bakterien ist hier kleiner als bei einer Sepsis. Eine Bakteriämie setzt keine Lokalinfektion und keinen Herd voraus. Zur Bakteriämie kommt es z. B. im Generalisationsstadium von zyklischen Infektionskrankheiten.

  • Pyämie. Eine PyämiePyämie ist dadurch gekennzeichnet, dass zahlreiche Eitererreger, von einer (oder mehreren) Lokalinfektion ausgehend, ins Blutkreislaufsystem gelangt sind und sich an anderen Organen absiedeln. Aufgrund dieser Absiedelung kommt es an verschiedenen Stellen zu Eiterungen, zu sogenannten eitrigen Metastasen (Abszessen).

    Grundsätzlich gilt, dass der Erreger einer zyklischen Infektionskrankheit keine Lokalinfektion auslösen kann, solange der Wirtsorganismus für den Erreger anfällig ist. Wurde jedoch die Krankheit durchlaufen, kann sich danach eine Lokalinfektion einstellen. Von dieser aus kann es dann zur Sepsis, zur Bakteriämie oder zur Pyämie kommen.

    Beispiel. Nach Kontakt mit dem Typhuserreger Salmonella typhi kommt es zum Ablauf der akuten zyklischen Infektionskrankheit Typhus abdominalis. Nach Durchstehen dieser Erkrankung kann es in der Gallenblase oder in den Gallenwegen zu einer Lokalinfektion mit dem Typhuserreger kommen. Von dieser Lokalinfektion ausgehend, kann es zur Typhussepsis kommen.

Superinfektion – Sekundärinfektion – Reinfektion
  • SuperinfektionSuperinfektion. Es liegt bereits eine Infektion mit einem bestimmten Erreger vor. Nun erfolgt eine erneute Infektion mit dem gleichen Erreger.

  • SekundärinfektionSekundärinfektion. Zu einer bereits bestehenden Infektion kommt ein zweiter Erreger hinzu.Sekundärinfektionen kommen typischerweise bei Infektionen der Atemwege vor. Hier wird die Erkrankung im Allgemeinen durch Viren ausgelöst. Diese Viren verändern die Schleimhäute des Atemtrakts so, dass sich nun zusätzlich Bakterien ansiedeln können.

  • ReinfektionReinfektion. Nach Ausheilung einer Erkrankung erfolgt eine erneute Ansteckung mit dem gleichen Erreger.

    Beispiel. Angenommen, jemand hat eine Infektion mit dem Tuberkuloseerreger durchgemacht. Nach Ausheilung der Krankheit (auch nach einem inapparenten Verlauf) kommt es später zu einer nochmaligen Ansteckung mit dem Tuberkuloseerreger. Durch diese Reinfektion wird nun ein Krankheitsausbruch wahrscheinlicher. Einerseits muss nämlich die Abwehr den eingedrungenen Erreger bekämpfen, und andererseits versuchen die Erreger im tuberkulösen Primärkomplex (Abschn. 27.1.16) die Gelegenheit zu nutzen, um den Abwehrring zu durchbrechen. Diese doppelte Anforderung überfordert evtl. die Abwehr, sodass es zum Krankheitsausbruch kommen kann.

Epidemie – Endemie – Pandemie.Diese Begriffe beschreiben das geografische und zeitliche Auftreten einer Infektionskrankheit.
  • EpidemieEpidemie. Es handelt sich um ein gehäuftes Auftreten einer Infektionskrankheit in einem bestimmten Gebiet zu einer bestimmten Zeit.

    So kommt es oft in Gegenden, in denen z. B. ein großes Erdbeben oder eine andere Katastrophe aufgetreten ist, infolge der mangelnden hygienischen Verhältnisse zum epidemischen Auftreten von Cholera oder Typhus abdominalis.

  • EndemieEndemie. Bei einer Endemie liegt eine Dauerverseuchung eines bestimmten Gebietes vor. So tritt Malaria endemisch in bestimmten sumpfigen Gebieten der Tropen auf.

  • Pandemie. Bei der PandemiePandemie handelt es sich um die Ausbreitung einer Infektionskrankheit über Länder und Kontinente, die dort zeitlich begrenzt besteht. Ein typisches Beispiel hierfür ist die große Influenza-Pandemie von 1918, an der weltweit viele Millionen Menschen erkrankten.

Morbidität – Mortalität – Letalität
  • MorbiditätMorbidität (KrankheitshäufigkeitKrankheitshäufigkeit) gibt an, wieviel Prozent einer bestimmten Population (Bevölkerungsgruppe) innerhalb eines bestimmten Zeitraums an einer bestimmten Krankheit leiden.Die Angabe, die Krankheit hat eine Morbidität von 2 % bedeutet demnach, dass von 100 Personen einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zwei an dieser Krankheit leiden.

  • MortalitätMortalität (SterblichkeitSterblichkeit, SterbezifferSterbeziffer) nennt die Anzahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum an einer bestimmten Erkrankung, bezogen auf die Gesamtbevölkerung oder auf bestimmte Bevölkerungsteile.

    Die Angabe, die Erkrankung hat in Deutschland eine Mortalität von 1 % bedeutet, dass bei uns eine Person von 100 an dieser Krankheit stirbt.

  • LetalitätLetalität gibt die TödlichkeitTödlichkeit einer bestimmten Erkrankung an. Es handelt sich dabei um ein Maß, das angibt, wie viel Prozent einer bestimmten Population von Erkrankten an dieser Krankheit sterben.

    Es gibt Gebiete, in denen die Letalität des Gelbfiebers bei 10 % liegt, das heißt, von 100 Personen, die dort an Gelbfieber erkrankt sind, sterben zehn. In anderen Gebieten kann die Letalität des Gelbfiebers 80 % betragen, also sterben hier von 100 Personen, die an Gelbfieber erkrankt sind, 80. Die Höhe der Letalität hängt z. B. von der Virulenz des Erregerstamms, der Ernährungslage und der medizinischen Versorgung ab.

Immunität.ImmunitätUnter Immunität versteht man das Geschütztsein eines Organismus gegen einen bestimmten Erreger bzw. gegen dessen Toxin. Immunisierung ist der Vorgang, der zur Immunität führt. Es sind die folgenden Begriffe voneinander abzugrenzen: unspezifische und spezifische Immunität, angeborene und erworbene Immunität, natürliche und künstliche Immunität:
  • Unspezifische Immunität kommt durch eine Reihe verschiedener Schutzmechanismen zustande: durch den Säureschutzmantel der Haut, durch antibakterielle Enzyme in Mund, Magen und Darm, durch Fresszellen (Phagozyten), durch das Komplement (Abschn. 26.3.1), durch Schleim und Flimmerhärchen.

    Versuchen Mikroorganismen in den Körper einzudringen, so stoßen sie zuerst auf dieses unspezifische Abwehrsystem und können hiervon in den meisten Fällen abgehalten oder unschädlich gemacht werden. Das unspezifische Abwehrsystem besteht angeborenermaßen.

  • Spezifische Immunität ist der Schutz gegen einen bestimmten Erregertyp. Hier spielen Antikörper eine entscheidende Rolle, die v. a. von den Plasmazellen produziert werden. Jeder Antikörper kann nur auf ein ganz bestimmtes Antigen (z. B. Virus) reagieren. Antigen und Antikörper müssen zusammenpassen wie ein Schlüssel zum Schloss. Deshalb besteht die Immunität nur gegen dieses passende Antigen.

    Die spezifische Immunität wird im Laufe des Lebens durch die Auseinandersetzung des Abwehrsystems mit einem bestimmten Erreger erworben. Sie tritt jedoch auch beim Säugling für eine bestimmte Zeit nach der Geburt durch mütterliche Antikörper auf (Leihimmunität) und nach einer Impfung.

    Neben den Plasmazellen spielen bei der spezifischen Immunität noch die T-Lymphozyten eine Rolle, und zwar die T-Helferzellen, die T-Suppressorzellen und die zytotoxischen T-Lymphozyten.

Immunität

  • unspezifische Immunität: angeboren

  • spezifische Immunität:erworben

  • angeborene Immunität. Hierunter fallen die Faktoren, die schon bei der unspezifischen Immunität aufgezählt wurden, zum anderen gehört hierzu auch die bereits vorstehend erwähnte Immunität des Säuglings durch die Antikörper der Mutter.

  • erworbene Immunität. Eine erworbene Immunität kann sich durch Überstehen einer Infektionskrankheit einstellen. Ist man z. B. einmal an Masern erkrankt, erlangt man eine lebenslange Immunität. Immunität kann aber auch durch stille Feiung oder aufgrund einer Impfung erworben werden.

  • Natürliche Immunität kann angeborenermaßen bestehen, kann sich aber auch nach Durchstehen einer bestimmten Infektionskrankheit oder durch stille Feiung einstellen. Beim Säugling kann sie durch mütterliche Antikörper vorhanden sein.

  • künstliche Immunität. Der Körper bildet die Immunität aufgrund einer Impfung aus.

Schutzimpfung

SchutzimpfungImpfungBei einer Schutzimpfung wird eine künstliche Immunität zur individuellen oder kollektiven Vorbeugung gegen bestimmte Infektionskrankheiten erzeugt. Man unterscheidet zwischen einer aktiven und einer passiven Impfung. Bei beiden wird ein Fremdeinweiß injiziert, sodass es zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen kann.
Aktive und passive Impfung
  • aktive Impfung (aktive Immunisierung). Bei einer aktiven Impfung (aktiven Immunisierung) wird eine kleine Menge abgetöteter oder virulenzabgeschwächter Erreger verabreicht, mit dem Ziel, dass der Organismus selbst gegen diesen Erreger Antikörper ausbildet und sich so eine langandauernde Immunität gegen die betreffende Krankheit ausbildet.

  • passive Impfung (passive Immunisierung). Hat sich jemand bereits mit einem bestimmten Erreger infiziert, z. B. mit dem Tollwutvirus, so können ihm nun die spezifischen Antikörper (Immunglobuline) fix und fertig gespritzt werden. In diesem Fall muss der Organismus also selbst keine Antikörper produzieren.

    Der Nachteil dieser passiven Immunisierung ist, abgesehen von den hohen Kosten und der verhältnismäßig großen Anzahl von „Impfversagern“, dass die Schutzwirkung im Allgemeinen nur ein bis drei Monate anhält. Bei den verabreichten Antikörpern handelt es sich für den Organismus um ein Fremdeiweiß, weshalb er dieses abbaut.

Impfstoffe (Vakzine) zur aktiven Immunisierung.VakzinImpfstoffWichtige Möglichkeiten der aktiven Immunisierung sind:
  • ToxoidToxoide. Dabei handelt es sich um entgiftete Toxine, bei denen die für ihre Giftigkeit verantwortlichen Eigenschaften zerstört wurden. Ihre antigene Wirkung wurde aber beibehalten, sodass sie die Fähigkeit haben, Immunität gegen eine bestimmte Krankheit hervorzurufen. Toxoidimpfstoffe gibt es gegen Diphtherie und Tetanus.

  • Impfstoffe aus Mikroorganismen oder aus Teilen von Mikroorganismen. Hierbei unterscheidet man bei den Vakzinen Tot- und Lebendimpfstoffe:

    • TotimpfstoffTotimpfstoffe bestehen aus abgetöteten Erregern. Sie sind weniger immunogen (Immunität bewirkend) als Lebendimpfstoffe. Deshalb sind mehrere Impfungen erforderlich, um eine ausreichende Immunität zu erreichen. Totimpfstoffe gibt es z. B. gegen Keuchhusten, Tollwut, Influenza und Hepatitis B.

    • LebendimpfstoffLebendimpfstoffe. Sie bestehen aus vermehrungsfähigen, virulenzabgeschwächten Erregern. Im Allgemeinen genügt hier einmaliges Impfen, um eine langandauernde Immunität zu erreichen. Lebendimpfstoffe gibt es z. B. gegen Masern, Mumps, Röteln, Windpocken und Gelbfieber. Lebendimpfstoffe sollen bei Abwehrgeschwächten, Schwangeren und bei Personen, die an einem fieberhaften Infekt erkrankt sind, nicht angewendet werden.

Impfreaktion und Impfschaden
  • ImpfreaktionImpfreaktion. Die bekanntesten Impfreaktionen sind allergische Reaktionen, Fieber, Enzephalitis (v. a. nach Masernimpfung!) und abgeschwächte Erscheinungen der jeweiligen Erkrankung, gegen die geimpft wurde.

  • ImpfschadenImpfschaden. Unter einem Impfschaden versteht man einen über die übliche Impfreaktion hinausgehenden Gesundheitsschaden. Für einen Impfschaden besteht Meldepflicht. Handelte es sich bei der Impfung mit Impfschaden um eine gesetzlich vorgeschriebene oder um eine von einer Gesundheitsbehörde öffentlich empfohlene Schutzimpfung, so besteht Entschädigungspflicht.

Ein Impfschaden ist ein über die übliche Impfreaktion hinausgehender Gesundheitsschaden, für den auch für den Heilpraktiker Meldepflicht besteht.

Methoden der Bekämpfung von Krankheitserregern

Als Ignaz Semmelweis (1818–1865), ein ungarischer Gynäkologe, die infizierten Hände von Hebammen und Ärzten als Ursache des Kindbettfiebers (Puerperalsepsis) ausmachte, startete die Medizin, nach anfänglichen heftigen Abwehrkämpfen, einen entschlossenen Kampf gegen Krankheitserreger.
Heute unterscheidet man bei diesen Bekämpfungsmaßnahmen v. a. die Sterilisation und Desinfektion.
Sterilisation.Bei der SterilisationSterilisation wird ein Gegenstand von vermehrungsfähigen pathogenen und apathogenen Keimen befreit. Das bedeutet, dass alle Mikroorganismen vernichtet werden und nicht nur die krankmachenden. Eine Sterilisation kann in der Praxis auf zwei Arten erfolgen, nämlich entweder im Heißluftsterilisator oder im Autoklaven (Hochdrucksterilisator). Die Durchführungsarten sind in den „Richtlinien für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“ festgelegt. Nähere Ausführungen hierzu finden Sie im Kapitel Gesetzeskunde (Abschn. 1.3.3). Beachten Sie v. a. die vorgeschriebenen Einwirkungszeiten und Temperaturen der jeweiligen Verfahren.
Desinfektion (Entseuchung).EntseuchungBei der DesinfektionDesinfektion kommt es zur gezielten Abtötung, Reduzierung bzw. irreversiblen Inaktivierung bestimmter Krankheitserreger. Sie dient dazu, ein Material in einen nichtinfektiösen Zustand zu versetzen. Die Desinfektion kann sowohl an unbelebten Dingen als auch auf der Haut durchgeführt werden. Grundsätzlich wird die Desinfektion als Ersatzverfahren für die Fälle angesehen, in denen keine Sterilisation durchgeführt werden kann.
Zur Desinfektion werden meist chemische Mittel verwendet. Aber es sind auch physikalische Methoden wie Bestrahlung, Austrocknung, Hitze und Kälte möglich.
Das Bundesgesundheitsamt (BGA) und die Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM) geben Listen über die verfügbaren und geeigneten Desinfektionsmittel heraus mit Hinweisen zu Wirkungsspektrum, Anwendung und Dosierung. In der Liste der DGHM findet man viele Hinweise zu Problemen der hygienischen und chirurgischen Händedesinfektion und der Flächen- und Instrumentendesinfektion.

Körpertemperatur, Hyperthermie und Fieber

Die Wärmeregulation, körpereigeneWärmeregulation (Thermoregulation, körpereigeneThermoregulation) des Körpers erfolgt im Hypothalamus (Abschn. 14.2 und 18.2.5Abschn. 14.2Abschn. 18.2.5). Dieser gibt die Höhe der Körpertemperatur durch eine bestimmte Sollwerteinstellung vor, vergleichbar mit der Einstellung einer bestimmten Temperatur eines Heizungsthermostaten. Thermorezeptoren, die in der Haut, im Rückenmark und im Hypothalamus sitzen, geben Meldungen an das Temperaturzentrum, wo diese Werte mit dem eingestellten Sollwert verglichen werden. Bei Abweichungen leitet der Hypothalamus bestimmte Gegenregulationsmechanismen ein. Liegt z. B. der gemeldete Wert unter dem eingestellten Sollwert, so kommt es zum Zusammenziehen der Hautgefäße, zum Stoppen der Schweißproduktion und zu Muskelzittern.
Körpertemperatur
Bei der KörpertemperaturKörpertemperatur werden Kern- und Schalentemperatur unterschieden. Bei der KerntemperaturKerntemperatur handelt es sich um die Temperatur, die im Inneren des Rumpfes und des Kopfes herrscht. Die SchalentemperaturSchalentemperatur gehört zur Haut und zu den Extremitäten. Die Grenze zwischen dem Kern und der Schale verläuft fließend.
Liegt die Kerntemperatur bei 37 °C, so weist die Schalentemperatur von Händen und Füßen im Durchschnitt nur 28 °C auf. Je nach Außentemperatur und Konstitution unterliegt dieses Temperaturgefälle jedoch erheblichen Schwankungen.
Die Kerntemperatur kann durch eine Änderung der Hautdurchblutung wesentlich beeinflusst werden. Bei Kälte wird die Hautdurchblutung eingeschränkt, um den Wärmeverlust über das Blut möglichst gering zu halten. Es kommt schon äußerlich sichtbar zur Hautblässe. Bei Wärme dagegen werden die Hautgefäße erweitert, damit vermehrt Wärme über das Blut abgegeben werden kann. Durch die vermehrte Hautdurchblutung sieht die Haut rot aus. Eine weitere Thermoregulation ist über die Schweißproduktion und die Muskelaktivität möglich. Durch Bewegungen der Muskulatur – und damit auch beim Muskelzittern – entsteht vermehrt Wärme. Diese Regulationsmaßnahmen werden durch den Hypothalamus so schnell ausgelöst, dass es normalerweise nicht zu einer Änderung der Kerntemperatur kommt.
Die Körpertemperatur unterliegt Tagesschwankungen von ungefähr ± 0,5 °C. Die tiefste Temperatur tritt morgens, ungefähr um 3:00 Uhr, auf. Der Tageshöchstwert wird um 18:00 Uhr gemessen. Bei Frauen hängt die Körpertemperatur auch vom Menstruationszyklus ab. Nach dem Eisprung steigt die morgendliche Körpertemperatur bis zum Eintritt der Monatsblutung um 0,4 bis 0,6 °C an.
Hyperthermie
Bei einer HyperthermieHyperthermie (ÜberwärmungÜberwärmung) bleibt die Sollwerteinstellung durch den Hypothalamus unverändert. Es kommt aber zu einer Überwärmung des Körpers durch eine unzureichende Wärmeabgabe oder durch eine vermehrte Wärmezufuhr von außen, z. B. durch intensive Sonnenbestrahlung.
Die Hyperthermie wird therapeutisch als sogenannte Überwärmungstherapie bei der Behandlung von bösartigen Tumoren eingesetzt. Dabei erfolgt entweder eine Erwärmung des ganzen Körpers oder von größeren Körperabschnitten. Manchmal wird auch nur ein lokal begrenztes Gebiet mittels einer Wassermatte erwärmt, oder es wird eine Erwärmung des Blutes außerhalb des Körpers vorgenommen. Ziel dieser therapeutischen Maßnahmen ist es, die wärmeempfindlichen Tumorzellen zu schädigen.
Fieber
Bei FieberFieber kommt es zu einer Erhöhung der Körpertemperatur aufgrund der Heraufsetzung des Sollwertes durch das Temperaturregulationszentrum im Hypothalamus. Diese Heraufsetzung wird meist durch Pyrogene (s. u.) verursacht. Fieber kann aber auch bei Anspannung („Lampenfieber“), durch körperliche Arbeit oder durch Hirnprozesse (zentrales Fieber, z. B. bei Hirntumor, Hirndrucksteigerung, Ventrikelblutung) ausgelöst werden. Ebenso kann Fieber durch eine Injektion von körperfremdem Eiweiß, das bakteriell verunreinigt ist, oder von körperverfremdetem Eiweiß (Eigenblutbehandlung) hervorgerufen werden.
PyrogenePyrogensind fiebererzeugende Stoffe. Sie können schon in kleinsten Mengen im Hypothalamus eine Sollwertverstellung veranlassen. Man unterscheidet exogene Pyrogene, die von Bakterien (v. a. von gramnegativen) oder Viren stammen und endogene Pyrogene, die von körpereigenen Makrophagen, Nekrosen oder Tumorzellen herrühren. So kann es bei der Resorption von nekrotischem Gewebe, von Ergüssen und von Blutungen durch pyrogene Eiweißzerfallsprodukte zum Resorptionsfieber kommen. Dabei kommt es zu 2–5 Tage lang anhaltendem Fieber, das 38,5 °C nicht übersteigt.
Veranlassen Pyrogene eine Heraufsetzung der Körpertemperatur, so wird zunächst die momentane Umgebungstemperatur als zu niedrig empfunden: man friert. Nun kommt es zu einer Herabsetzung der Hautdurchblutung und zu einer gesteigerten Muskelaktivität mit Zähneklappern und Muskelzittern. Soll die Temperatur sehr stark heraufgesetzt werden, kommt es sogar zum Schüttelfrost. Das Kältegefühl bleibt so lange bestehen, bis der geforderte Sollwert erreicht ist.
Umgekehrt verweist Schwitzen darauf, dass der Sollwert herabgesetzt wurde. Der Betroffene versucht, Wärme abzugeben, z. B. indem er sich aufdeckt.
Vorteil und Gefahr des Fiebers.Einerseits stellt Fieber eine Abwehrreaktion des Körpers gegen die krankmachende Ursache dar. Es stimuliert die Leukozyten zu einer erhöhten Tätigkeit und setzt die Ausschüttung von Interferon herauf. Andererseits ist Fieber eine Belastung für Herz und Kreislauf. Temperaturen um 43 °C sind tödlich. Aber auch schon bei anhaltendem Fieber von 41 °C kann es, v. a. bei Säuglingen und Kindern wegen der Labilität des Wasser- und Elektrolythaushalts, zu Hirnödem oder Kreislaufschock kommen.
Fieberkrämpfe.FieberkrampfBei Kleinkindern (v. a. zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr) können – manchmal auch schon bei geringer Erhöhung der Körpertemperatur – Fieberkrämpfe auftreten. Dabei kommt es zunächst zu einer ungefähr 30 Sekunden andauernden Muskelstarre. Danach treten einige Minuten lang Krampfanfälle mit Bewusstseinsverlust auf, wobei es manchmal auch zu Zungenbiss und Einnässen kommen kann. Bei einigen der betroffenen Kinder entwickelt sich später ein Anfallsleiden (Epilepsie).
Schüttelfrost.Beim SchüttelfrostSchüttelfrost kommt es zu einem äußerst starken Kältegefühl, zu grobschlägigem Zittern des ganzen Körpers und zum Zähneklappern. Nachfolgend entwickelt sich ein Hitzegefühl, das zum Schweißausbruch führt. Die Temperatur steigt schnell auf über 39 °C.
Ein auftretender Schüttelfrost ist meist ein Zeichen dafür, dass Krankheitserreger in die Blutbahn (Sepsis) gelangt sind. Deshalb eignet sich dieses Krankheitsstadium besonders gut zur Abnahme von Venenblut zum Erregernachweis.
Ein typisches Beispiel für das Auftreten von Schüttelfrost ist Malaria. Hier kommt es in bestimmten Abständen (z. B. alle drei oder vier Tage) zu Schüttelfrost mit nachfolgendem hohem Fieber.
Fieberabfall.Beim FieberabfallFieberabfall unterscheidet man eine lytische und eine kritische Entfieberung. Beim lytischen Fieberabfall erfolgt die Entfieberung allmählich und langsam im Verlauf von Tagen. Bei der kritischen Entfieberung kommt es innerhalb von Stunden zum Fieberabfall. In diesem Fall besteht die Gefahr eines Herz-Kreislauf-Versagens.
Normale Körpertemperatur.Bei der Ermittlung der normalen Körpertemperatur muss die Messstelle mitberücksichtigt werden. So darf die axillar gemessene Temperatur bis 36,8 °C betragen. Meist liegt sie jedoch bei 36,5 °C. Die normale sublinguale, also unter der Zunge gemessene Temperatur, beträgt bis 37,0 °C (meist 36,7 °C). Die normale rektale Temperatur beträgt bis 37,3 °C (meist 37,0 °C).

Fieberarten

  • subfebrile Temperatur: bis 38 °C

  • mäßiges Fieber: bis 38,5 °C

  • hohes Fieber: über 39 °C

Typische Fieberkurven(Abb. 26-1)
  • Intermittierendes Fieber:EinteilungFieber. Es kommt zu stundenweisen Fieberanfällen. Im Laufe eines Tages treten unterschiedlich hohe Temperaturen auf, zwischen denen auch fieberfreie Intervalle liegen, wobei die Werte zeitweise sogar unterhalb des Normalwertes sinken können. Das intermittierende Fieber weist auf eine schubweise Erregereinschwemmung in das Blut hin, wie dies z. B. bei Malaria geschieht.

  • Remittierendes Fieber. Das Fieber zeigt Tagesschwankungen von 1–1,5 °C. Es tritt bei Lokalinfektionskrankheiten auf, z. B. bei Harnwegsinfekten oder bei Sinusitis.

  • Kontinuierliches Fieber (Kontinua-Kontinua-FieberFieber). Es besteht ein Fieber von ziemlich gleich bleibender Höhe, meist um 39 °C. Die Tagesschwankungen liegen unter 1 °C. Diese Fieberform tritt z. B. bei Lobärpneumonie, Typhus, Fleckfieber und bei Ornithose mit typhusartigem Verlauf auf.

  • Septisches Fieber. Es beginnt meist plötzlich mit Schüttelfrost und nachfolgend hohem Fieber. Es tritt auf, wenn infektiöse oder toxische Stoffe in die Blutbahn eindringen. Danach kommt es meist zum intermittierenden, evtl. aber auch zu einem kontinuierlichen oder remittierenden Fieber.

  • Undulierendes Fieber. Beim undulierenden Fieber verläuft die Fieberkurve insgesamt wellenförmig (undulierend). Im engeren Sinn spricht man bei den Brucellosen vom undulierenden Fieber, im weiteren Sinn auch bei der Lymphogranulomatosis maligna (M. Hodgkin), hier als sogenanntes Pel-Ebstein-Fieber.

    Beim undulierenden Fieber kommt es über längere Zeit, und zwar über Wochen bis Monate (bei chronischem Verlauf aber auch über Jahre), immer wieder zu Temperaturerhöhungen. Dabei steigt das Fieber langsam über Tage an, um dann über einen Zeitraum von mehreren Tagen wieder abzufallen. Dann folgt eine fieberfreie Periode (Abb. 26-1).

  • Biplasische und DromedarfieberkurveDromedarfieberkurven sind charakteristisch für Virusinfektionen, z. B. Gelbfieber. Dabei kommt es zu einer ersten Fieberphase mit uncharakteristischen Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit, Glieder- und Kopfschmerzen. Dann folgt eine fieberfreie Phase von meist ein bis drei Tagen. Danach ein zweiter Fieberanstieg mit spezifischen Organmanifestationen und Symptomen wie z. B. Hautausschlägen, Lähmungen oder Enzephalitis. Genau genommen spricht man von Dromedarfieberkurve nur, wenn der erste Fieberanstieg höher als der zweite ist (Abb. 26-1).

Übertragungswege von Krankheitserregern

ÜbertragungswegInfektion:AnsteckungsquelleDas Infektionsschutzgesetz definiert den Begriff „übertragbare Krankheit“ im § 2 folgendermaßen: „Im Sinne dieses Gesetzes ist eine übertragbare Krankheit eine durch Krankheitserreger oder deren toxische Produkte, die unmittelbar oder mittelbar auf den Menschen übertragen werden, verursachte Krankheit.“
Ansteckende Krankheiten können direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden. So können z. B. Masernviren durch Tröpfcheninfektion von einem daran erkrankten Kind auf ein anderes Kind übertragen werden. Dagegen können Malariakranke andere Menschen, z. B. ihre Pflegeperson, nicht direkt anstecken, sondern eine Krankheitsübertragung ist nur durch die Anophelesmücke möglich. Damit ist Malaria zwar eine übertragbare, aber keine ansteckende Infektionskrankheit.
Ansteckungsquellen von Infektionskrankheiten.AnsteckungsquelleMan unterscheidet folgende Übertragungswege von Krankheitserregern:
  • TröpfcheninfektionTröpfcheninfektion. Die Ansteckung erfolgt durch kleine keimhaltige Tröpfchen von Infizierten durch Ansprechen, Anhusten und Anniesen. Es handelt sich um eine sehr häufige Ansteckungsart. Beispielsweise werden Erkältungskrankheiten, aber auch Masern, Keuchhusten, Angina und Grippe so übertragen.

  • KontaktinfektionKontaktinfektion

    • direkte Kontaktinfektion. Bei der direkten Kontaktinfektion erfolgt die Ansteckung von Mensch zu Mensch oder von Tier zu Mensch durch Berührung, v. a. mit den Händen.

    • indirekte Kontaktinfektion. Bei der indirekten Kontaktinfektion erfolgt die Ansteckung durch die Berührung eines verseuchten Gegenstandes. Im weiteren Sinn wird auch die Schmierinfektion zu den Kontaktinfektionen gerechnet.

  • SchmierinfektionSchmierinfektion (fäkal-orale Infektion). Bei der Schmierinfektion wird der Erreger meist mit dem Stuhl, gelegentlich aber auch mit dem Urin, durch Eiter oder Blut ausgeschieden, dann verschmiert, um nachfolgend von der nächsten Person wieder oral aufgenommen zu werden. Durch Schmierinfektion werden z. B. Typhus, Cholera und die Virushepatitis A übertragen.

    Die Schmierinfektion wird durch unhygienische Lebensweise, mangelhafte Körperpflege, unsaubere Wohnverhältnisse, ungeeignete Toilettenanlagen u. ä. begünstigt.

  • StaubinhalationStaubinhalation (aerogene Ansteckung, aerogeneAnsteckung). Die Ansteckung erfolgt durch Einatmen von erregerhaltigem Staub (Ornithose, Lungenmilzbrand).

  • orale Infektion durch infizierte Speisen oder Getränke. Durch Fehler bei der Haltbarmachung oder Aufbewahrung von Lebensmitteln können sich Keime vermehren (Botulismus, Salmonellenerkrankungen).

  • Austausch von Körpersäften. Manche Erreger sind außerhalb der Körpersäfte nicht lebensfähig und können deshalb nur bei direktem Austausch von Körpersäften übertragen werden. Die Ansteckung kann hierbei z. B. über Samenflüssigkeit oder über Blut erfolgen. Dabei müssen die Erreger über Haut- und Schleimhautdefekte bei direktem Körperkontakt in den Körper einer weiteren Person gelangen (AIDS, Virushepatitis B).

  • parenterale Übertragung. Parenteral bedeutet „unter Umgehung des Verdauungstrakts“. Eine parenterale Übertragung kann z. B. durch unsterile Kanülen, Akupunkturnadeln, Schröpfschnäpper, Lebenswecker (Baunscheidtiergeräte) u. a. erfolgen. Dabei gelangt der Erreger direkt in die Körperflüssigkeiten, ohne zuerst den Verdauungskanal zu passieren.

  • vektorielle Übertragung. Ein Vektor ist ein Überträger von Krankheitserregern. Das kann z. B. eine Stechmücke, eine Zecke oder eine Laus sein. So wird von Stechmücken Malaria und Gelbfieber übertragen, von Zecken die Lyme-Krankheit und die FSME und von Läusen das Fleckfieber und das Rückfallfieber.

  • diaplazentare Übertragung. Die Übertragung erfolgt von der Mutter über die Plazenta auf den Embryo oder den Fetus (Röteln, Syphilis, Toxoplasmose, Listeriose, Zytomegalie).

  • perinatale Ansteckung. Die Ansteckung des Kindes erfolgt in der Zeit um die Geburt herum.Genauer: in der Zeit vom Ende der 28. Schwangerschaftswoche bis eine Woche nach der Geburt.Im engeren Sinn versteht man unter perinataler Ansteckung eine vor, während oder nach der Geburt bei der Mutter aus dem Genitalbereich aufsteigende Infektion, z. B. bei einem vorzeitigen Blasensprung, die zur Ansteckung des Kindes führt.

    Im weiteren Sinn bezeichnet man damit auch lokale Infektionen, die beim Neugeborenen auftreten können, wie Infektionen der Nabelwunde oder durch Chlamydien bedingte Augenentzündungen.

  • pränatale Ansteckung. Die Ansteckung des Kindes erfolgt über die Plazenta (diaplazentar), durch aufsteigende Infekte der Mutter aus der Scheide, durch absteigende Infektionen aus dem Eileiter oder durch Absiedelung von Erregern aus dem mütterlichen Blut.

  • postnatale Ansteckung. Die Ansteckung des Neugeborenen erfolgt nach der Geburt, z. B. durch engen Kontakt mit der Mutter oder über die Muttermilch.

Infektionswege von Krankheitserregern.Krankheitserreger wählen typischerweise die folgenden Wege, um in den Körper einzudringen:
  • die Atemwege

  • den Verdauungstrakt

  • den Urogenitaltrakt

  • die verletzte, aber auch die unverletzte Haut, ebenso die Schleimhäute und die Bindehaut des Auges

Keimträger, Ausscheider und Dauerausscheider

Keimträger.Ein KeimträgerKeimträger ist eine Person, die Erreger aufgenommen hat und
  • nun vor dem Auftreten von Krankheitserscheinungen Erreger ausscheidet, z. B. weil die Inkubationszeit noch läuft,

  • an einer Infektion (z. B. Salmonellen) erkrankt war und nach der Genesung noch Erreger ausscheidet oder

  • überhaupt keine Symptome hat, sondern die Krankheit inapparent durchläuft, trotzdem aber Erreger mit dem Speichel, dem Urin oder dem Stuhl ausscheidet.

Damit können auch (scheinbar) gesunde Menschen Krankheitserreger ausscheiden. Solche Keimträger kommen v. a. bei Krankheiten mit geringer Ansteckungsfähigkeit vor, wie Poliomyelitis, Typhus, Scharlach und vielen anderen.
Ausscheider.AusscheiderAusscheider ist eine Person, die zeitweilig oder dauernd Krankheitserreger im Stuhl, im Urin, im Speichel oder Sputum ausscheidet, ohne selbst krank oder krankheitsverdächtig zu sein. Ausscheider von Choleravibrionen, Salmonellen und Shigellen sind für den Arzt meldepflichtig.
Dauerausscheider.Im weiteren Sinn bezeichnet man eine Person als DauerausscheiderDauerausscheider, wenn sie nach dem Durchlaufen einer Infektionskrankheit – auch nach einem inapparenten Verlauf – Erreger mit dem Stuhl, dem Urin, dem Speichel oder dem Sputum ausscheidet. Im engeren Sinn ist ein Dauerausscheider eine Person, die 10 Wochen nach überstandener Erkrankung immer noch Erreger mit dem Stuhl ausscheidet.

Infektionskrankheiten nach zeitlichem Verlauf und Schweregrad

Infektionskrankheit“\t“Siehe InfektionZeitlicher Verlauf.Infektion:Verlauf, zeitlicherJe nach dem zeitlichen Ablauf der Krankheitserscheinungen unterscheidet man:
  • foudroyanter Verlauf. Es kommt zu einem äußerst plötzlichen Beginn und zu einem schnellen und schwersten Krankheitsverlauf, oft mit tödlichem Ausgang.

  • akuter Verlauf. Die Erkrankung beginnt plötzlich. Charakteristischerweise kommt es zu Fieber, das mehrere Tage anhält.

  • subakuter Verlauf. Der Beginn ist nicht so plötzlich wie bei der akuten Erkrankung und der Verlauf ist nicht so heftig. Somit liegt ein subakuter Verlauf zwischen einem akuten und einem chronischen.

  • chronischer Verlauf. Der Beginn ist langsam. Es kann über Wochen bis Monate, manchmal sogar über Jahre zu Beschwerden und evtl. zu subfebrilen Temperaturen kommen. Meist ist das Allgemeinbefinden nur leicht eingeschränkt.

  • rezidivierender Verlauf. Es kommt wiederholt zu Krankheitsschüben, bei denen es oft zu Fieberanfällen kommt.

  • Verlauf mit Latenzphasen. Zwischen den einzelnen Krankheitsphasen können über Monate bis Jahre beschwerdefreie Intervalle liegen.

Schweregrad.Infektion:SchweregradNach der Schwere der Krankheitserscheinungen unterscheidet man stumme, abortive und manifeste Infektionen.
  • stumme Infektionen. Es treten überhaupt keine Symptome auf, sondern es kommt zu einer stillen Feiung.

  • abortive Infektion. Unter einem abortiven Krankheitsverlauf versteht man einen abgekürzten, leichten Verlauf, bei dem die Krankheit nicht zur vollen Entwicklung kommt.

  • manifeste Infektion. Es kommt zu deutlichen Krankheitserscheinungen.

Nachweis von Krankheitserregern

Nachweis von KrankheitserregernZum Nachweis von Krankheitserregern sind die folgenden Verfahren üblich:
  • direkte Betrachtung durch das Mikroskop. Dazu muss ein Ausstrich auf einem Objektträger angefertigt werden.

  • Züchtung auf Nährböden. Beispielsweise aus erregerhaltigem Sputum, Urin oder Blut.

  • Titerbestimmung (Nachweis von bestimmten Antikörpern im Blut). Dabei wird die Menge (Konzentration) eines Antikörpers im Blut bestimmt. Titer bezeichnet die größtmögliche Verdünnung des Untersuchungsmaterials (Blut, Liquor), bei dem gerade noch eine positive Reaktion erzielt werden kann. Ein hoher Titer bedeutet also eine hohe Verdünnung des Blutes und damit eine hohe Antikörperkonzentration.

Krankheitserreger

KrankheitserregerDie wichtigsten Krankheitserreger, die in diesem Abschnitt besprochen werden sollen, sind Prionen, Viren, Bakterien, Pilze, Urtierchen (Protozoen) und Parasiten.

Prionen

PrionPrionen sind infektiöse, subvirale Eiweißpartikel, die einen entarteten, „wellblechartigen“ Aufbau zeigen. Mit „subviral“ meint man, dass Prionen nicht wie die Viren eine eigene DNS (Abschn. 26.2.2) besitzen. Gelangen Prionen ins Gehirn, so richten hier die körpereigenen Eiweiße ihre Struktur an dieser „wellblechartigen“ Form aus. Dadurch kommt es zu einer Anhäufung von stab- bzw. fibrillenförmigen Prionenstäben. Im Körper gibt es kein Enzym, das in der Lage ist, diese Eiweißverbindung aufzulösen. Eine Erkrankung, die durch Prionen verursacht wird, ist die TSE (transmissible spongiforme Enzephalopathie Abschn. 27.1.4).
Durch Prionen ausgelöste Erkrankungen zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
  • sporadisches Auftreten und familiäre Häufung

  • Übertragbar durch Gewebeinokulation bzw. Eiweißinjektionen

  • lange Latenzzeit (meist mehrere Jahre)

  • unaufhaltsam fortschreitender Krankheitsverlauf, der stets zum Tode führt

  • fehlende klassische Entzündungszeichen

  • schwammartige Degeneration des Hirngewebes

  • weitgehende Unempfindlichkeit gegenüber der üblichen Sterilisationsverfahren

  • hohe Resistenz gegen Hitze

  • (scheinbares) Fehlen einer humoralen oder zellulären Immunabwehr

Viren

Bei VirusViren handelt es sich um die kleinsten Krankheitserreger. Sie werden noch nicht als selbstständige Lebewesen betrachtet, sondern als Übergang von der unbelebten zur belebten Natur.
Viren besitzen als genetische Information entweder DNS oder RNS. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und benötigen deshalb für ihr Wachstum und ihre Vermehrung eine Wirtszelle. Als solche Wirtszellen können sie menschliche, tierische und pflanzliche Zellen und sogar Bakterien benutzen.
Viren, die Bakterien befallen können, werden als Bakteriophagen bezeichnet.
Um in eine Wirtszelle einzudringen, bindet sich das Virus an bestimmte Rezeptoren der Zellmembran der Wirtszelle an, um so in das Zellinnere transportiert zu werden. Hier wird die Umhüllung des Virus durch Enzyme aufgelöst. Besteht ein Virus aus RNS, so muss diese zunächst in DNS überschrieben werden (reverse Transkriptase). Dies kann z. B. durch ein mitgebrachtes Enzym vonstatten gehen. Die Virus-DNS wird nun in das Erbgut der Wirtszelle eingebaut und veranlasst diese, Viren herzustellen. Ist die Virusproduktion abgeschlossen, so veranlassen sie, dass die Zellmembran aufgelöst wird (lysiert) und die Viren freigesetzt werden. Die so freigesetzten Viren suchen sich nun neue Wirtszellen, um den geschilderten Vorgang von vorne zu beginnen.

Viren sind die kleinsten Krankheitserreger.

Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und benötigen deshalb eine Wirtszelle.

Wird die virusbefallene Zelle nicht vom körpereigenen Abwehrsystem erkannt und aufgelöst, so kann das Virus im Körper verbleiben. In diesem Fall kann entweder eine ständige (manchmal nur geringe) Virusvermehrung stattfinden, oder das Virus liegt im Zellkern nur inaktiv vor (Herpes simplex). Im letzteren Fall kann es durch verschiedene Faktoren wieder reaktiviert werden. Eine weitere Möglichkeit ist, dass das Virus die Zelle zum ungeordneten Wachstum anregt. Wird diese Fehlinformation bei der Zellteilung auf die Tochterzelle übertragen, so kommt es zur krebsigen Entartung. Diesen Vorgang kennt man z. B. beim Gebärmutterhalskrebs durch das (sonst harmlose) Papillomavirus. Sicherlich spielen bei der Entstehung dieser Krebsart neben den Viren auch noch andere Faktoren eine Rolle, wie Umwelteinflüsse, Psyche, Ernährung und Infektionskrankheiten.
Viren verursachen die meisten Kinderkrankheiten und Erkältungskrankheiten, wie Schnupfen, Bronchitis und Grippe. Aber auch Leberentzündung (Virushepatitis), Hirnhautentzündung (FSME) und viele andere Krankheiten können durch Viren ausgelöst werden.
Abwehrmaßnahmen gegen Viren.Dem Körper stehen gegen Viren verschiedene Abwehrmaßnahmen zur Verfügung. Zum einen können Antikörper gegen Viren produziert werden, die sich außerhalb von Zellen aufhalten. Zum anderen kann Fieber entstehen, außerdem können Viren phagozytiert werden, es kann das Komplement aktiviert werden, und die befallene Wirtszelle kann Interferon produzieren, das virushemmend wirkt. Ganz wesentlich ist auch die Fähigkeit der zytotoxischen T-Lymphozyten, virusbefallene Zellen aufzulösen.
Typische Symptome bei Virusbefall.Typische Symptome, die bei Virusbefall auftreten, sind (oft zweigipfeliges) Fieber, Leukopenie, relative Bradykardie, Milzschwellung und Allgemeinerscheinungen wie Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen. Im Stadium der Organmanifestation kommt es dann zu den Beschwerden, die für die jeweilige Erkrankung typisch sind.

Symptome bei Viruserkrankung

Typischerweise treten bei einer Viruserkrankung folgende Symptome auf:
  • Fieber (oft zweigipfelig, „Dromedar-Fieberkurve“)

  • Leukopenie

  • relative Bradykardie

  • Milzschwellung

  • Allgemeinbeschwerden (Kopf- und Gliederschmerzen)

Virusklassifizierung.Virus:KlassifizierungViren können grundsätzlich nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Früher wurde nach biologischen Merkmalen wie auslösende Erkrankung, Wirtsorganismus und Organbefall unterschieden. Heute teilt man sie in die beiden Hauptgruppen, nämlich DNS- und RNS-haltige Viren. Dann wird aufgrund von chemisch-physikalischen Daten in verschiedene Familien weiter unterteilt, die die Endung -idae tragen. Zu diesen Familien gehören bestimmte Gattungen und Arten, die beide die Endung -virus tragen (Tab. 26-2 und 26-3).

Bakterien

BakteriumBakterien sind einzellige Kleinlebewesen, die zu den Prokaryozyten gehören. Sie bestehen aus einer Zellmembran, einem Zellleib und einem Kernäquivalent.
Das Kernäquivalent ist nicht durch eine Kernmembran, wie bei den pflanzlichen, tierischen und menschlichen Zellen, gegen den Zellleib abgegrenzt, sondern das Erbgut liegt als langer Faden im Zytoplasma vor. Dies hat den Vorteil, dass sich Bakterien schneller vermehren können als Eukaryonten (Zellen mit dem typischen Zellkern, der durch eine Kernmembran gegen den Zellleib abgegrenzt ist).
Wichtige Bakterienklassifizierungen erfolgen nach der Form der Bakterien, deren Stoffwechsel und ihrer Anfärbbarkeit.
Einteilung der Bakterien nach ihrer Form.Nach ihrer Form kann man sie in kugel-, stäbchen- und schraubenförmige Bakterien unterteilen. Bekannte Bakterien sind:
  • kugelförmige Bakterien:

    • Diplokokken (paarweise gelagert)

    • Streptokokken (kettenförmig)

    • Staphylokokken (haufenförmig)

  • stäbchenförmige Bakterien:

    • Pasteurella (unbewegliche Stäbchen)

    • Corynebakterien (unbewegliche Stäbchen, meist hantelförmig)

  • schraubenförmige Bakterien:

    • Spirochäten (biegsam, beweglich)

    • Spirillen (starr, unbeweglich)

Einteilung der Bakterien nach ihrem Stoffwechselverhalten.Hinsichtlich ihres Stoffwechselverhaltens werden Bakterien in Anaerobier und Aerobier unterteilt:
  • Anaerobier können ohne Sauerstoff wachsen. Hierbei kann man noch weiter in obligate und fakultative Anaerobier unterteilen.

    • Obligate Anaerobier wachsen ausschließlich unter der Abwesenheit von Sauerstoff.

    • Fakultative Anaerobier können mit und ohne Sauerstoff wachsen.

  • Aerobier können nur in Gegenwart von Sauerstoff wachsen.

Einteilung der Bakterien nach ihrer Anfärbbarkeit.Nach ihrer Anfärbbarkeit unterscheidet man grampositive und gramnegative Bakterien. Hans C. J. Gram, Arzt und Pharmakologe in Kopenhagen (1853–1938), hat die Technik der Gram-Färbung entwickelt. Dabei können Bakterien gleichen Aussehens unterschieden werden, da sie entweder die Farbe der einen oder der anderen Lösung (Karbolgentianaviolettlösung und Karbolfuchsinlösung) annehmen. Die unterschiedliche Anfärbbarkeit beruht auf einem unterschiedlichen Aufbau der Zellmembran der Bakterien. Wichtig ist die Unterscheidung in grampositive und gramnegative Bakterien, da sie unterschiedlich auf Antibiotika reagieren. Vorteil ist, dass man sofort mit einer antibiotischen Therapie beginnen kann, ohne dass man das Ergebnis einer kulturellen Erregeranzucht abwarten muss, was wesentlich länger dauern würde.
  • Grampositive Bakterien färben sich bei der Gram-Färbung blau.

  • Gramnegative Bakterien färben sich rot.

Rickettsien und Chlamydienwurden früher den Viren zugeordnet, da sie intrazellulär leben. Heute werden sie den Bakterien zugerechnet.
  • RickettsieRickettsien werden durch Läuse, Flöhe, Zecken und Milben übertragen, weil sie im Verdauungstrakt dieser Parasiten leben. Zu den meldepflichtigen Rickettsiosen gehören das Fleckfieber (Rickettsia prowazeki) und das Q-Fieber (Rickettsia burneti).

  • ChlamydieChlamydien können sich nur intrazellulär vermehren, da sie von der Wirtszelle ATP benötigen. Die meisten Krankheitserscheinungen, die Chlamydien auslösen, beruhen auf dieser intrazellulären Vermehrung und der nachfolgenden Zerstörung der Wirtszelle.

    Chlamydien spielen v. a. bei sexuell übertragbaren Erkrankungen eine Rolle. Sie können aber auch z. B. Augenbindehautentzündungen, Pneumonien, Gelenkentzündungen und Nierenbeckenentzündungen verursachen. Durch Chlamydien verursachte Erkrankungen mit Behandlungsverbot für den Heilpraktiker sind die Ornithose (Chlamydia psittaci) und die sexuell übertragbare Lymphogranulomatose inguinale (Chlamydia trachomatis).

    Da man festgestellt hat, dass Chlamydien auch in arteriosklerotischen Ablagerungen an Gefäßwänden nachgewiesen werden können, wird zurzeit davon ausgegangen, dass sie an der Entstehung einer Arteriosklerose und damit des Herzinfarkts mit beteiligt sind.

Bakteriengifte.BakteriengiftDie schädigende Wirkung der Bakterien beruht in erster Linie auf der Wirkung ihrer Gifte (Toxinen), der Ekto- und Endotoxine.
  • EktotoxinEktotoxine (ExotoxinExotoxin, AusscheidungsgiftAusscheidungsgift). Bakterien nehmen als Kleinlebewesen bestimmte Stoffe auf, verstoffwechseln diese und scheiden die nicht benötigten Produkte wieder aus. Sind diese ausgeschiedenen Stoffe giftig, so werden sie als Ektotoxine bezeichnet. Krankheiten, die durch Ektotoxine ausgelöst werden sind Diphtherie, Gasbrand, Tetanus, Botulismus und Ruhr. Ektotoxine spielen aber auch bei der Streptokokkenangina und bei Staphylokokken- und Escherichia-coli-Infektionen eine wichtige Rolle.

  • EndotoxinEndotoxine (ZerfallsgiftZerfallsgifte) werden beim Zerfall von Bakterien freigesetzt. Sie können nicht nur eine Leukopenie, eine Hyperglykämie und Fieber hervorrufen, sondern sogar einen Schock auslösen. Endotoxine bringen allerdings nicht allein die volle Symptomatik einer Infektionskrankheit hervor, sondern zusammen mit den Ektotoxinen.

Bakteriengifte

  • Ektotoxine (Ausscheidungsgifte)

  • Endotoxine (Zerfallsgifte)

Pilze

PilzPilze, auch FungusFungi genannt, sind eine Abteilung des Pflanzenreichs mit rund 100.00 Arten. Zwar besitzen Pilze einen echten Zellkern, aber kein Chlorophyll wie die übrigen Pflanzen, sodass in ihnen keine Photosynthese stattfindet.
Pilze sind fast überall verbreitet. Viele sind mikroskopisch klein, andere können bis zu 50 cm große Fruchtkörper ausbilden, deren Ausbildung vom den Boden durchziehenden Myzel aus erfolgt. Einige Pilze sind essbar, andere wiederum äußerst giftig. Im Allgemeinen bevorzugen Pilze saure, feuchte Lebensbereiche, z. B. Waldböden. Pilze kommen als Parasiten bei Menschen, Tieren und Pflanzen vor; aber auch als Saprophyten auf toter organischer Substanz.
  • Schimmelpilze können Lebensmittel verderben.

  • Hefepilze spielen im Bäckereigewerbe und bei der Wein- und Bierbereitung eine wichtige Rolle.

  • Schlauchpilze werden industriell in großem Maßstab gezüchtet und zur Gewinnung von Antibiotika, organischen Säuren und Enzymen verwendet.

Pilzerkrankungen(MykoseMykosen) sind durch Pilze hervorgerufene Infektionskrankheiten. Sie können in Form lokaler Infektionen der Haut, Schleimhaut, Haare oder Nägel auftreten, oder sie können Erkrankungen von inneren Organen, z. B. des Darmes, der Lunge, der Hirnhäute oder des Gehirns verursachen. Eine Pilzsepsis kann zum Tode Pilzerkrankungführen.
Pathogene Pilze.Bei den krankheitsauslösenden Pilzen werden drei große Gruppen unterschieden: Haut-, Schimmel- und Hefepilze. Sie befallen unterschiedliche Körperregionen.
  • HautpilzHautpilze (DermatophytDermatophyten) können z. B. Fuß-, Haar- und Nagelmykosen (Atlas Abb. 23-4 und 23-5Abb. 23-4Abb. 23-5) verursachen. Meist sind sie nur lästig, aber in der Regel nicht gefährlich. Typisch für eine Infektion mit Dermatophyten ist ein runder, ovaler oder unregelmäßiger Hautherd mit starker Randbetonung und zentraler Abblassung. Am Herdrand kommt es zur vermehrten Schuppung (Atlas Abb. 23-1). Allerdings können Hautmykosen nicht nur von Dermatophyten hervorgerufen werden, sondern auch von Hefe- oder Schimmelpilzen und dann teilweise erheblichen Krankheitswert aufweisen.

  • SchimmelpilzSchimmelpilze. Es handelt sich um eine Sammelbezeichnung für zahlreiche kleine Pilze aus verschiedenen Pilzgruppen (Schlauch-, Algenpilze), die als Saprophyten oder als Parasiten tote oder lebende Tiere, Pflanzen oder sonstige organische Materialien mit Schimmel überziehen können. Einige Schimmelpilze haben eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung als Lieferant von Antibiotika und Enzymen. Außerdem spielen sie eine zentrale Rolle bei der Schimmelreifung von Camembert und Roquefort.

    Zu Schimmelpilzinfektionen kommt es meist durch das Einatmen von Schimmelpilzsporen. Dabei gelangen die Sporen mit der Atemluft in die Lungen. Von hier aus können sie durch lokale Ausbreitung oder über den Blut- und Lymphweg in andere Organe einwandern. Diese Sporen befinden sich v. a. in Blumentöpfen, Mülltonnen und schlecht durchlüfteten Wohnungen.

  • AfflatoxinAflatoxine (Aspergillus-flavus-Aspergillus-flavus-ToxineToxine). Es handelt sich um die Giftstoffe einiger Schimmelpilze, v. a. des Aspergillus flavus. Sie können sich auf Lebensmitteln befinden. Bevorzugt siedeln sie sich auf Nüssen, Getreide und geräuchertem Schinken an. Durch Befall von Futtermitteln können Aflatoxine auch in Milch und Milchprodukte gelangen, wo sie im allgemeinen für den Verbraucher nicht wahrnehmbar sind. Aflatoxine sind sehr hitzebeständig. Der Genuss von aflatoxinhaltigen Nahrungsmitteln hat tierexperimentell gezeigt, dass er letale Folgen haben kann. Schon in geringeren Dosen wirken sie krebserzeugend.

  • HefepilzHefepilze befallen v. a. die Schleimhäute von Mund, Rachen, Magen-Darm-Trakt und Scheide, können aber auch auf andere innere Organe übergreifen (Atlas Abb. 23-2 und 23-3Abb. 23-2Abb. 23-3). Gelegentlich führen sie zu tödlich verlaufenden Organmykosen. Hefepilze ernähren sich von Zucker. Ihre Ausbreitung wird deshalb durch einen hohen Blutzuckerwert begünstigt.

    Von der Gattung Candida kennt man mehr als 200 verschiedene Arten. Hiervon sind jedoch nur ungefähr 15 unter bestimmten Voraussetzungen pathogen. Es handelt sich also um fakultativ pathogene Keime. Hierzu gehören Candida albicans, Candida glabrata, Candida crusei und Candida tropicalis.

Allerdings sind nicht alle Hefepilze pathogen. Manche Hefepilze sind sogar nützlich, wie z. B. die Backhefe (Candida robusta), die Bier- oder Weinhefe (Saccharomyces cerevisiae) und der Kefirpilz (Candida kefyr).
Candida albicans.Der mit Abstand bekannteste Pilz der Candidagruppe ist Candida Candida albicansalbicans. Siedelt dieser Pilz nur in geringer Konzentration im Darm und dringt er von hier aus in die Blut- oder Lymphbahn ein, so wird er normalerweise vom körpereigenen Abwehrsystem erkannt und abgetötet. Befindet sich allerdings Candida albicans massenhaft im Darm oder ist die Abwehr geschwächt, oder ist der Blutzuckergehalt sehr hoch, so kann es sein, dass der Pilz in Blut und Lymphe nicht völlig abgetötet werden kann. Er zirkuliert dann in diesen Körperflüssigkeiten und kann hier mikroskopisch nachgewiesen werden. Ausgehend von einer Blutmykose kann es zur Organmykose kommen. Damit es von einer Darmmykose – über eine Blutmykose – zur Organmykose kommt, muss im Darm kein sichtbarer Pilzbelag (Soorbelag) vorhanden sein. Es reicht völlig aus, dass sich – v. a. zwischen den Darmzotten – Nester von Hefen gebildet haben.
Candida albicans kann im Darm Zucker und zwar hauptsächlich Trauben- und Malzzucker in minderwertigen Alkohol (Fusel) verwandeln. Dieser Alkohol belastet die Leber und kann zum Entgleisen der Leberwerte führen.
Diabetiker sind in doppelter Hinsicht gefährdet, an einer Mykose zu erkranken: zum einen durch die Abwehrschwäche, zum anderen durch die hohen Blutzuckerwerte. Für Diabetiker ist es wichtig zu wissen, dass Fruchtzucker (Fruktose) das Pilzwachstum genauso fördert wie Traubenzucker (Glukose). Fruktose kann z. B. in Diabetiker-Konfitüre enthalten sein.
Candida-Mykose (Soorbefall) des Säuglings
  • SoorbefallMundsoorCandida-Mykose<2003>Mundsoor. Infiziert sich ein Säugling während der Geburt mit Hefepilzen aus der mütterlichen Scheide, so kann es zum Mundsoor kommen. Vor allem abwehrgeschwächte und flaschenernährte Säuglinge haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. In ausgeprägten Fällen kann es zu Behinderungen bei der Nahrungsaufnahme kommen.

  • WindelsoorWindelsoor. Es handelt sich um einen Soor im Windelbereich. Hierbei gelangte Candida albicans mit dem infizierten Darminhalt in die Windel und von hier aus auf die Säuglingshaut, wo er ein ideales feucht-warmes Klima vorfindet.

Darmmykose
  • DarmmykoseSymptome. Typische Hinweise auf Darmmykosen sind weiche, klebrige, ungeformte Stühle, der Wechsel von Verstopfungen und Durchfällen, Blähungen, Heißhunger auf Süßes, Unverträglichkeit von Alkohol, ständiger Zink- und Eisenmangel, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit, Hauterscheinungen und Allergien.

  • Therapie. Das bekannteste antimykotische Mittel, das gegen Hefepilze eingesetzt wird, ist sicherlich das Nystatin. Es hat den Vorteil, dass es bei innerlicher Einnahme im Darm nicht resorbiert, sondern wieder ausgeschieden wird. Sinnvollerweise wird die Nystatingabe mit einer Anti-Pilz-Diät kombiniert.

Anti-Pilz-Diät.Anti-Pilz-DiätBei massivem Pilzbefall empfiehlt sich auf jeden Fall die Gabe eines antimykotischen Mittels, bevor man eine Anti-Pilz-Diät beginnen lässt. Es sind Fälle bekanntgeworden, bei denen der Pilz beim alleinigen Durchführen einer solchen Diät mit seinem Myzel die Darmwand durchdrungen hat, um sich innerhalb des Körpers seine Nahrung zu suchen. So kam es zu schweren Organmykosen.
Die wichtigste Grundlage der Anti-Pilz-Diät ist die Vermeidung von Zucker, und zwar sowohl von zuckerhaltigen Speisen als auch von zuckerhaltigen Getränken wie z. B. Obst- und Traubensäften. Es sollen aber auch kohlenhydratreiche Nahrungsbestandteile, v. a. helles Brot und Nudeln, gemieden werden. Zu bevorzugen ist eine pflanzenfaserreiche Kost, am besten durch das Essen von reichlich Salat und Gemüse. Übrigens: Essbare Pilze wie z. B. Pfifferlinge, Steinpilze, Champignons und Morcheln sind als Nahrungsmittel bei einer Anti-Pilz-Diät hervorragend geeignet!
Allgemeine Behandlungsgrundsätze bei Hautpilzerkrankungen
  • In der pilzbefallenen Zone nicht kratzen, da sonst die Haut noch weiter gereizt wird. Außerdem könnten durch Verschleppung die umliegenden Hautpartien und die Fingernägel betroffen werden.

  • Kunstfaserkleidung ist zu vermeiden, insbesondere wenn die Genitalregion oder die Füße befallen sind. Es wird sonst ein feuchtwarmes Klima mit mangelndem Luftaustausch geschaffen, das die Ausbreitung des Pilzes begünstigt.

  • Es ist zweckmäßig, die betroffene Stelle vor der eigentlichen Behandlung zu waschen, da dadurch für den Pilz ein ungünstiges Milieu geschaffen wird.

  • Die Behandlung muss nach Verschwinden der Symptome lange genug fortgesetzt werden, damit es nicht gleich zu einem erneuten Befall kommt.

Protozoen

Bei den ProtozoeProtozoen handelt es sich um sogenannte Urtierchen. Im Gegensatz zu den Bakterien besitzen sie einen echten Kern, der DNS enthält und vom Zytoplasma durch eine feste Membran abgegrenzt ist. Wegen dieses komplexeren Zellaufbaus gehören sie zu den höheren Lebewesen. Unter diesen stellen sie jedoch die primitivsten Vertreter dar, da sie nur aus einer einzigen Zelle bestehen. Es gibt Formen mit ungeschlechtlicher und andere mit geschlechtlicher Vermehrung.
Einige Protozoen sind wichtige Krankheitserreger. Diese können z. B. Toxoplasmose (Toxoplasma gondii), Malaria (verschiedene Plasmodienarten), Amöbenruhr und die Leishmaniasen (z. B. die Orientbeule) hervorrufen.

Parasiten

In einem engeren Sinn versteht man unter ParasitParasiten mehr- oder vielzellige Lebewesen, die als Schmarotzer Krankheitserscheinungen oder Befindensstörungen hervorrufen können (nicht müssen). Sie entziehen dem Wirtsorganismus Nährstoffe und schädigen ihn dadurch. Gerade in den letzten Jahren treten Parasiten wieder vermehrt auf. Wichtige Schmarotzer, die beim Menschen auftreten können, sind Würmer, Milben, Läuse, Flöhe und Zecken.
  • WurmWürmer

    • Fadenwürmer (Spul-, Maden-, Peitschenwürmer und Trichinen)

    • Bandwürmer (Rinder-, Schweine-, Fisch-, Hunde- und Fuchsbandwurm)

  • MilbeMilben (SpinnentierSpinnentiere). Bekannte Milben sind die Krätzmilbe, die die Krätze (Scabies, Abschn. 27.3.4) hervorruft, die Haarbalgmilbe, die evtl. bei perioraler Dermatitis und Rosacea eine Rolle spielen kann, die Erntemilbe, die als Erreger der Ernte- oder Heukrätze im Sommer und Herbst v. a. die unteren Extremitäten des Menschen befallen kann und die Hausstaubmilbe, die sich v. a. von Hautschuppen und Haaren von Menschen und Haustieren ernährt und deren Kot allergisierend wirkt und so eine häufige Ursache von Asthma bronchiale und allergischer Rhinitis darstellt.

  • LausLäuse sind 1 bis 3 mm lange, flügellose, blutsaugende Insekten. Sie sind wichtige Krankheitsüberträger bei Fleckfieber und Rückfallfieber. Man unterscheidet Kopf-, Kleider- und Filzläuse (Abschn. 28.3.1).

  • FlohbefallFlöhe sind 1 bis 7 mm groß, flügellos und saugen Blut bei Menschen und Tieren. Flöhe spielen eine wichtige Rolle bei der Übertragung der Pest. Auch Hunde- und Katzenflöhe können auf den Menschen überspringen. Der v. a. im tropischen Amerika und Afrika vorkommende Sandfloh bohrt sich in die Haut, v. a. der Zehen und Finger und kann so zur Bildung von Phlegmonen und Nekrosen führen.

  • ZeckeZecken sind blutsaugende Parasiten, die bei uns v. a. wegen der Übertragung der Lyme-Borreliose (Abschn. 28.1.1) und der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, Abschn. 27.2.5) Bedeutung haben. Darüber hinaus können Zecken die meldepflichtigen Erkrankungen Rückfallfieber und Q-Fieber übertragen.

Abwehrsysteme des Körpers

Immunsystem“\t“Siehe AbwehrsystemAbwehrsystemJeder Organismus muss in der Lage sein, sich gegen schädigende Einflüsse zu wehren. Solche schädigenden Einflüsse können zum einen eindringende Erreger wie Viren, Bakterien, Pilze, Protozoen und Parasiten sein, zum anderen aber auch körpereigene Stoffe, wie krebsig-entartete, überalterte und krankhaft veränderte Zellen sowie Eiweißmoleküle. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, stehen dem Körper unterschiedliche, komplizierte Schutzmechanismen zur Verfügung. Offenbar hat es die große Zahl von unterschiedlichsten Bedrohungen notwendig gemacht, dass sich ein Abwehrsystem entwickelt hat, das aus mehreren Teilsystemen besteht, die eng zusammenarbeiten, um so einen optimalen Schutz zu gewährleisten.

Unspezifisches Abwehrsystem

Abwehrsystem:unspezifischesDas unspezifische Abwehrsystem ist angeboren und kann gegen unterschiedlichste Erreger vorgehen. Allerdings ist es allein (d. h. ohne das spezifische Abwehrsystem) meist nicht in der Lage, besonders virulente Keime wirkungsvoll zu bekämpfen. Außerdem kann es keine Informationen über einen einmal eingedrungenen Erreger im Immungedächtnis speichern.
Anteile des unspezifischen Abwehrsystems.Es besteht aus folgenden Anteilen:
  • FresszelleFresszellen (PhagozytPhagozyten). Fresszellen sind in der Lage, belebte und unbelebte Partikel aufzunehmen und zu verdauen (Phagozytose und Abb. 26-2). Bei den Fresszellen unterscheidet man Mikrophagen (neutrophile und eosinophile Granulozyten) und Makrophagen (Monozyten-Makrophagen-System, Abschn. 26.3.5).

  • Säureschutzmantel der Haut. Der SäureschutzmantelHaut:SäureschutzmantelSäureschutzmantel der Haut ist die schwach saure Reaktion der Hautoberfläche, die v. a. durch die Absonderung der Schweißdrüsen und durch wasserlösliche Inhaltsstoffe der Hornschicht bewirkt wird. So hat die Haut je nach Körperregion einen pH-Wert von 4 bis 7 und ist deshalb von vornherein für bestimmte Erreger undurchdringlich.

  • Schleim und FlimmerhärchenFlimmerhärchen der Luftwege. Im SchleimSchleim verfangen sich Erreger und Staubteilchen, die mit der Atemluft in die Luftwege gelangt sind. Dieser Schleim kann durch Husten oder Niesen direkt nach außen befördert werden. Er kann aber auch durch die Bewegungen der Flimmerhärchen nach oben transportiert, verschluckt, im sauren Milieu des Magens abgetötet und in den Peyer-Plaques des Darmes vom spezifischen Abwehrsystem erkannt werden. Das spezifische Abwehrsystem seinerseits kann nun mit Antikörperbildung reagieren, sodass die benötigten Antikörper schon nach kurzer Zeit in den betroffenen Schleimhäuten zur Verfügung stehen.

  • intakte Darmflora. Es hat sich gezeigt, dass eine intakte Darmflora:ErregerabwehrDarmflora (EubioseEubiose) ein wirkungsvoller Schutz gegen Erreger ist, die mit der Nahrung in den Darm gelangt sind. Dabei sitzen die physiologischen Darmbakterien an der Darmwand und verhindern so, dass pathogene Keime über die Darmwand ins Blut eindringen können.

  • antimikrobielle Substanzen des Verdauungstrakts. Im Speichel, im Magen-, Gallen- und Darmsaft befinden sich antibakterielle Substanzen.

  • AbwehrstoffAbwehrstoffe (LysozymLysozym). Ein wichtiger Abwehrstoff ist das Lysozym, das in vielen Körperflüssigkeiten und auch in Granulozyten enthalten ist. Auch Fettsäuren und Milchsäure haben eine bakterizide und fungizide Wirkung.

  • ImmunbotenstoffImmunbotenstoffe (ZytokinZytokine). Zytokine sind Botenstoffe zwischen den verschiedenen Abwehrzellen. Sie wirken v. a. auf die Vermehrung und sonstige Aktivität der Lymphozyten ein.Interleukine sind Zytokine, die von Leukozyten abgegeben werden. Sie haben eine wichtige Aufgabe bei der Aktivierung der T-Helferzellen, der neutrophilen Granulozyten und der natürlichen Killerzellen. Außerdem fördern sie die Umwandlung der B-Lymphozyten in Plasmazellen. Des Weiteren regen sie die Freisetzung von Stresshormonen an, fördern die Fieberentstehung, machen müde und fördern damit den zur Infektbekämpfung wichtigen Schlaf.

  • Akute-Phase-Proteine (AkutphasenproteinAkutphasenproteine) sind Bluteiweiße, die in der Leber hergestellt werden und deren Konzentration während einer akuten Infektion stark ansteigen. Ein bekanntes Akute-Phase-Protein ist das C-reaktive Protein (CRP), das große Bedeutung als zuverlässiger Indikator für ablaufende entzündliche Prozesse und Gewebeschädigungen erlangt hat. Seine Konzentration im Blut kann bei bakteriellen, nichtinfektiösen entzündlichen und nekrotischen Prozessen innerhalb von Stunden auf ein Vielfaches seines ursprünglichen Wertes ansteigen. Da bei viralen Infektionen im Unterschied zu bakteriellen nur ein geringfügigerer CRP-Anstieg zu verzeichnen ist, eignet sich dieser zur Differenzialdiagnose.CRP korreliert meist mit der BKS. CRP gilt aber als ein noch besserer Indikator, da der Wert meist früher ansteigt und sich schneller normalisiert.Aufgabe des CRP ist es, das Komplement (s. u.) zu aktivieren und Bakterien zu opsonieren (Opson = Leckerbissen), das heißt, es markiert Erreger, sodass sie von den Fresszellen besser erkannt werden. Dadurch wird deren Phagozytose erleichtert.

  • InterferonInterferone sind antivirale Eiweißverbindungen, die von Leukozyten (besonders von T-Lymphozyten), Fibroblasten und von virusbefallenen Zellen gebildet werden können. Gibt eine virusbefallene Zelle Interferon an die Umgebung ab, stimuliert sie damit die Interferonbildung der Nachbarzellen. Dies dient dazu, die Virusresistenz der noch nicht befallenen Zellen zu erhöhen. Außerdem aktiviert Interferon die natürlichen Killerzellen und die B- und T-Lymphozyten, die virusbefallenen Zellen abzutöten.

  • Komplementsystem (KomplementKomplement). Das Komplement wirkt bei vielen Abwehrvorgängen mit (to complement = ergänzen) und unterstützt und ergänzt die Antikörperwirkung. Es arbeitet unspezifisch und besteht aus ungefähr 20 verschiedenen Eiweißen, darunter befinden sich viele eiweißauflösende Enzyme (Proteasen). Ein bekanntes Komplementprotein ist das C3b.Von seinem Aufbau her kann man das Komplementsystem gut mit dem Blutgerinnungssystem vergleichen, da seine Aktivierung auch nach dem „Kaskadenprinzip“ abläuft.

Aufgaben des Komplementsystems.Das Komplementsystem hat drei Aufgaben:
  • ZellauflösungZellauflösung (ZytolyseZytolyse). Dazu schiebt das Komplement ein röhrenförmiges Gebilde durch die Bakterienzellmembran, durch das es Natrium in die Zelle pumpt. Daraufhin strömt durch den dadurch entstandenen osmotischen Druck so viel Wasser in die Zelle ein, bis diese platzt (lysiert).

  • OpsonierungOpsonierung. Bestimmte Stoffe des Komplementsystems, z. B. C3b, lagern sich der Bakterienmembran an, wodurch die so gekennzeichneten Erreger für die Fresszellen leichter erkennbar und phagozytierbar werden.

  • ChemotaxisChemotaxis. Die aktivierten Faktoren des Komplementsystems locken Fresszellen und Lymphozyten zum Ort des Geschehens.

Phagozytose ( Abb. 26-2).Unter PhagozytosePhagozytose versteht man die Aufnahme fester Teilchen, z. B. Bakterien, Viren oder Zelltrümmer, in das Innere von Fresszellen. Dazu wird das zu phagozytierende Teilchen an die Zellmembran der Fresszelle angelagert (Abb. 26-2 A). Dies aktiviert den Phagozyten zur Ausstülpung von Scheinfüßchen (Pseudopodien), mit denen es das zu verdauende Teilchen umgibt. Diese Pseudopodien bilden dann eine Plasmavakuole (Phagosom), die das Teilchen vollständig umschließt. In das Phagosom ergießen nun die Lysosomen ihr eiweißauflösendes Enzym, das das Teilchen abbaut.
Sind die Erreger durch Antikörper, durch CRP oder durch das Komplement C3b markiert („opsoniert“), erleichtert dies die Erkennung und Phagozytose des Eindringlings (Abb. 26-2 B). So ist z. B. der Antikörper mit seinem Greifarm (Fab-Teil mit spezifischem Rezeptor) an den Erreger und mit seinem langen Ende (Fc-Stück mit unspezifischem Rezeptor) an den Phagozyten gebunden. Bitte beachten Sie hierzu auch den Abschnitt 26.3.4.

Spezifisches Abwehrsystem

Abwehrsystem:spezifischesSpezifische Abwehrvorgänge besitzen, wie der Name sagt, eine hohe Spezifität, das heißt, sie sind immer gegen einen bestimmten Krankheitserreger gerichtet. Sie führen typischerweise zu einer länger anhaltenden Unempfindlichkeit gegen den Erreger, da die Information über den Eindringling in das Immungedächtnis übernommen wird.
Ein wichtiger Teil des spezifischen Abwehrsystems sind die Antikörper, die von den Plasmazellen produziert werden. Wichtige Anteile des zellulären spezifischen Abwehrsystems sind die T-Helferzellen, die Unterdrückerzellen (Suppressorzellen), die Gedächtniszellen (Memory-Zellen) und die zytotoxischen T-Lymphozyten (Abb. 26-3, Tab. 26-4 und Abschn. 7.3).

Zusammenarbeit zwischen unspezifischem und spezifischem Abwehrsystem

Versucht ein Erreger, in den Körper einzudringen, so stößt er zuerst auf die Bestandteile des unspezifischen Abwehrsystems, die an den äußeren und inneren Körperoberflächen lokalisiert sind: z. B. auf den Säureschutzmantel der Haut, auf Flimmerhärchen und Schleim im Atemtrakt, auf eine intakte Darmflora, auf mikrobizide Bestandteile in Speichel, Magen- und Darmsaft. Die weitaus meisten Erreger fallen bereits dieser ersten Verteidigungsbarriere zum Opfer.
Gelingt es dem Erreger jedoch, diesen Schutzwall zu durchbrechen, so treten nun zusätzlich das innere unspezifische und das innere spezifische Abwehrsystem auf den Plan. Sobald der Erreger identifiziert ist, erfolgt eine ganz gezielte Immunantwort, v. a. durch Antikörperbildung (s. u.). Zwischen dem Erstkontakt mit einem Erreger und der Ausbildung einer wirksamen Immunantwort vergeht eine gewisse Zeitspanne. Man spricht von einer „immunologischen Lücke“. Kommt es zu einem erneuten Kontakt mit demselben Erreger, so tritt aufgrund des Immungedächtnisses (Bildung sogenannter Gedächtniszellen) keine immunologische Lücke mehr auf. Diese jetzt stark beschleunigte Immunreaktion wird auch als Booster-Effekt bezeichnet (to boost = verstärken, beschleunigen).

Antigen und Antikörper

Antigen.Als AntigenAntigen betrachtet man jede Substanz, die in der Lage ist, die Bildung von Antikörpern (oder die Herstellung von immunkompetenten Lymphozyten) auszulösen. Antigene sind meist körperfremde Stoffe wie Viren und Bakterien, aber es kann sich auch um andere organische oder anorganische Stoffe handeln. Die Anzahl der Stoffe, die als Antigene in Betracht kommt, scheint fast unüberschaubar groß. Trotzdem ist das spezifische Immunsystem in der Lage, eine riesige Anzahl Antigene zu erkennen und sich ihrer zu erwehren.
Antigene besitzen auf ihrer Oberfläche bestimmte Antigendeterminanten (Abb. 26-4), die als Epitope bezeichnet werden. Sie sind diejenigen Strukturen, die vom Abwehrsystem als fremd erkannt werden und gegen die sich die Antikörperproduktion richtet. Normalerweise trägt ein Antigen mehrere solcher Determinanten, sodass nach dem Kontakt mit dem Antigen eine Reihe verschiedener Antikörper gebildet werden.
Antikörper, AK (Immunglobuline, Ig).ImmunglobulinIg (Immunglobulin)AntikörperAK (Antikörper)Antikörper bestehen aus Eiweißen (genauer: Glykoproteinen). Sie werden von Plasmazellen und B-Lymphozyten produziert und an die Körperflüssigkeiten abgegeben. Antikörper haben meist eine Y-förmige Gestalt, wobei ihr variabler Teil im oberen Abschnitt der „Greifarme“ liegt, der für die Spezifität des Antikörpers verantwortlich ist (Abb. 26-5).
In einem Milliliter Blut kommen über eine Billion Antikörper vor. Diese fast unvorstellbare Anzahl ist durch die extreme Spezialisierung der Antikörper bedingt.
Bildung der Antikörper.Trifft ein Antigen auf einen B-Lymphozyten, der den passenden Antikörper auf seiner Membranoberfläche trägt, so verbinden sich die beiden in einer Antigen-Antikörper-Reaktion. Daraufhin wandelt sich der B-Lymphozyt in eine Plasmazelle um und beginnt sich zu klonen, das heißt, es werden nun Millionen erbgleicher, identischer Nachkommen hergestellt. Diese geklonten Zellen beginnen nun massenhaft den benötigten Antikörper zu produzieren.
Man geht heute davon aus, dass die Antikörper aus gestückelten Genen, die in den B-Lymphozyten nach dem Zufallsprinzip kombiniert werden, hergestellt werden. Wenn man bedenkt, welche Vielfalt von Wort-Kombinationsmöglichkeiten 26 Buchstaben ergeben, kann man sich vorstellen, wie viele Kombinationsmuster aus 100 Genstücken möglich sind!
Antigen-Antikörper-Reaktion.Die Antikörper verbinden sich mit den Antigenen in einer Antigen-Antikörper-Antigen-Antikörper-ReaktionReaktion. Dabei müssen Antigen und Antikörper zusammenpassen wie ein Schlüssel zum Schloss (Abb. 26-4).
Immunkomplexe.Haben sich die Antikörper an das Antigen gebunden, so spricht man vom ImmunkomplexImmunkomplex. Diese Immunkomplexe haben folgende Funktionen:
  • Die Fresszellen können das Antigen nun leichter erkennen und besser phagozytieren.

  • Das Komplementsystem wird aktiviert.

  • Es wird das Eindringen des Erregers in Körperzellen verhindert. So kann sich das Virus nicht innerhalb von Körperzellen vor der Abwehr verstecken.

  • Die Antikörper können Bakterientoxine direkt entgiften, indem sie diese an sich binden.

Die Immunkomplexe werden von Fresszellen abgebaut. Ist dieser Vorgang gestört, so kann es zur Einlagerung dieser Immunkomplexe in Gefäßwände und Gewebe kommen und hier zu Entzündungsreaktionen führen. Dies ist z. B. der Fall bei rheumatischen Erkrankungen, wie bei rheumatischem Fieber, rheumatischer Endokarditis, LE, PCP und akuter Glomerulonephritis.
Immunglobulinklassen ( Tab. 26-5).Die von den Plasmazellen produzierten Antikörper werden in fünf Immunglobulin:KlasseImmunglobulinklassen eingeteilt: IgG, IgM, IgA, IgD und IgE. Diese können noch in weitere Subklassen zerlegt werden.
Die Immunglobulinklassen unterscheiden sich in Aufbau und Arbeitsweise voneinander. Sie können im Labor mit der Elektrophorese (Abschn. 7.1.1) voneinander getrennt werden.
  • IgG (Immunglobuline der Klasse G). Sie stellen mit ungefähr 75 % die Hauptmasse der im Körper vorhandenen Antikörper dar. Manche Subklassen der IgG können das Komplement aktivieren. Die IgG benötigen nach dem erstmaligen Kontakt mit einem Erreger drei Wochen für ihre Bildung. Deshalb haben sie beim erstmaligen Kontakt mit einem Erreger keine Bedeutung. Allerdings spielen sie beim Zweitkontakt die wichtigste Rolle, da sie nun als Sekundärantwort sofort gebildet werden können.

    IgG-Antikörper sind die einzigen plazentagängigen Antikörper, das heißt, dass sie in der Lage sind, die Plazentaschranke zu überwinden, sodass sie von der Mutter auf das Kind übergehen können. So gewähren sie dem Kind vor und bis ungefähr drei bis sechs Monate nach der Geburt einen Infektionsschutz, da das Kind während dieser Zeit noch nicht in der Lage ist, selbst IgG herzustellen.

  • IgM (Immunglobuline der Klasse M). Die IgM sind die Antikörper, die beim Erstkontakt mit einem Erreger am schnellsten gebildet werden. Sie heißen deshalb Frühantikörper. Allerdings sinkt die IgM-Konzentration wieder auf niedrigere Werte ab, sobald die IgG-Herstellung erfolgt ist.IgM kommt auch als Antigen-Rezeptor auf der Oberfläche der B-Lymphozyten vor. Hier dienen sie als Schloss, das auf den Antigen-Schlüssel wartet. Wird dieser Rezeptor mit dem passenden Antigen besetzt, so wandelt sich der B-Lymphozyt zur Plasmazelle um.IgM machen ungefähr 10 % der Antikörper aus. Sie kommen hauptsächlich in den Gefäßen vor.

  • IgA (Immunglobuline der Klasse A). Immunglobulin A stellt ungefähr 20 % der Antikörper dar. IgA ist auf Abwehrvorgänge an der Schleimhaut spezialisiert. Es befindet sich deshalb im Sekret der Schleimhäute des Atem-, Verdauungs- und Urogenitaltrakts. IgA kommt auch in der Muttermilch vor, sodass der gestillte Säugling von der Mutter auf diesem Weg einen Infektionsschutz erhält.

  • IgD (Immunglobuline der Klasse D). IgD tritt im Blut nur in geringer Konzentration auf. Da es, wie IgM, auf der Membranoberfläche von B-Lymphozyten vorkommt, spielt es bei der Differenzierung der B-Lymphozyten zur Plasmazelle eine Rolle.

  • IgE (Reagine, Immunglobuline der Klasse E). IgE spielt bei Allergien vom Soforttyp und bei Parasitenbefall eine wichtige Rolle. IgE kann sich auf die Oberfläche von Mastzellen aufsetzen und diese zur Freisetzung von Histamin veranlassen.

Monozyten-Makrophagen-System (MMS)

Das Monozyten-Makrophagen-Monozyten-Makrophagen-SystemMMS (Monozyten-Makrophagen-System)System (früher: retikuloendotheliales/System, retikulohistiozytäresretikulohistiozytäres RHS (retikulohistiozytäres System)System, RES/RHS) wird auch als mononukleäres Phagozytensystem, mononukleäresMPS (mononukleäres Phagozytensystem)Phagozytensystem, MPS (im Gegensatz zu den „polymorphkernigen“ Granulozyten), bezeichnet.
Beim Monozyten-Makrophagen-System handelt es sich um eine Zusammenfassung aller Makrophagen, die in Organen und Körpergeweben wichtige Abwehraufgaben übernehmen.
Wichtige Zellen des Monozyten-Makrophagen-Systems bzw. des RES/RHS
  • Monozyt:AbwehrfunktionMonozyten. Es handelt sich um die größten Leukozyten. Sie zirkulieren nur ein bis zwei (evtl. bis fünf) Tage im Blut und wandern dann ins Gewebe und in verschiedene Organe aus, wo sie sich zu den gewebetypischen Makrophagen ausdifferenzieren. So entwickeln sie sich z. B. im Bindegewebe zu Histiozyten, in der Leber zu Kupffer-Sternzellen, in der Lunge zu Alveolarmakrophagen, in der Milz und den Lymphknoten zu freien oder fixierten Makrophagen und in serösen Höhlen zu Pleura- und Peritonealmakrophagen. Allerdings herrscht noch keine völlige Einigkeit, welche Zellen im Einzelnen diesem System zugerechnet werden (v. a. bei den Osteoklasten und der Neuroglia).

    Monozyten tragen auf ihrer Membranoberfläche Rezeptoren für Komplementproteine (z. B. C3b) und IgG. Dabei lagern sich die Monozyten derart gekennzeichneten Antigenen an und phagozytieren diese.

    Allerdings sind Monozyten und andere Makrophagen nicht nur zur Phagozytose befähigt, sondern sie können Teile des phagozytierten Materials auf ihrer Zelloberfläche präsentieren und es so den Lymphozyten zur „Erkennung“ anbieten (Antigenpräsentation). Auf diese Weise stimulieren sie die Lymphozyten zur Antikörperproduktion. Des Weiteren sind sie in der Lage, entweder spontan oder nach Aktivierung, eine Vielzahl Substanzen unterschiedlichster Wirkung zu produzieren, die alle im Dienste der Abwehr stehen. Neuerdings vermutet man, dass sie auch eine wichtige Rolle bei der Abwehr von Krebszellen haben.

  • HistiozytHistiozyten bzw. Gewebsmakrophagen sind Abwehrzellen, die sich bevorzugt im lockeren Bindegewebe aufhalten, z. B. in der Adventitia kleiner Blutgefäße. Sie haben einen großen Zellleib, zahlreiche Fortsätze und können eine beachtliche Phagozytoseleistung vollbringen.

  • UferzelleUferzellen sind Makrophagen, die an den Wänden der Sinusoide von Lymphknoten, Milz und Knochenmark sitzen. Kommen sie in der Leber vor, so werden sie als Kupffer-Sternzellen bezeichnet.

  • Kupffer-Kupffer-SternzelleSternzellen sind Fresszellen, die an der Wand der Lebersinusoide liegen und die das Blut reinigen, das durch die Leber fließt. Um dieser Aufgabe besser gerecht werden zu können, besitzen sie lange, sternförmige Zytoplasmafortsätze, die sich in den Blutstrom erstrecken.

  • RetikulumzelleRetikulumzellen befinden sich im retikulären Bindegewebe, sind sternförmig verzweigt und zu einem dreidimensionalen Netz verbunden. Sie bilden das Grundgerüst des roten Knochenmarks und der lymphatischen Organe (Lymphknoten, Milz, Tonsillen). Sie haben einerseits die Aufgabe, Retikulinfasern zu produzieren, andererseits können sie sich jedoch auch aus dem Zellverband herauslösen, im Gewebe umherwandern und Abwehraufgaben übernehmen.

  • AlveolarmakrophageAlveolarmakrophagen (Staubzellen der Lunge) sitzen einerseits an der Wand der Lungenbläschen, kommen aber auch frei in den Alveolarräumen vor. Sie haben die Aufgabe, Erreger, Rauch und Staubteilchen zu phagozytieren, die mit der Atemluft in die Lungen gelangen.

  • Langerhans-Langerhans-Zelle:AbwehrfunktionZellen der Haut (Epidermissternzellen) kommen in der Stachelzellschicht (Stratum spinosum) vor und haben die Fähigkeit zur Phagozytose und zur Antigenpräsentation wie die anderen Makrophagen auch. Wegen ihrer dendritischen Form werden sie auch als Epidermissternzellen bezeichnet.

  • OsteoklastOsteoklasten (KnochenfresszelleKnochenfresszellen) sind vielkernige Riesenzellen, die v. a. in der Knocheninnenhaut (Endost) sitzen. Sie bauen Knochengewebe ab, haben aber auch wichtige Phagozytoseaufgaben.

  • MesangiumzelleMesangiumzellen sitzen als Bindegewebszellen zwischen den Kapillaren des Gefäßknäuels in den Nieren. Sie können phagozytieren. Man vermutet, dass sie evtl. auch an Immunreaktionen der Nieren beteiligt sind.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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