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B978-3-437-55696-8.00019-1

10.1016/B978-3-437-55696-8.00019-1

978-3-437-55696-8

Äußeres Auge und Tränenapparat. 1: Sehloch (Pupille), 2: Regenbogenhaut (Iris), 3: Bindehaut auf der Lederhaut des Auges, 4: Tränendrüse (Glandula lacrimalis), 5: Tränenwärzchen (Caruncula lacrimalis), 6: Tränensack (Saccus lacrimalis), 7: Tränennasengang (Ductus nasolacrimalis), 8: Obere Umschlagfalte (Fornix conjunctivae superior), 9: Untere Umschlagfalte (Fornix conjunctivae inferior), 10: Oberes Tränenkanälchen (Canaliculus lacrimalis superior), 11: Unteres Tränenkanälchen (Canaliculus lacrimalis inferior), 12: Kieferhöhle: Sinus maxillaris, 13: Untere Nasenmuschel (Concha nasalis inferior).

[S007-3-23]

Querschnitt durch das Auge. 1: Glaskörper, 2: Lederhaut (Sclera), 3: Aderhaut (Choroidea), 4: Netzhaut (Retina), 5: Hornhaut (Cornea), 6: Linse (Lens), 7: Strahlenkörper (Ziliarkörper), 8: Regenbogenhaut (Iris), 9: Sehloch (Pupille), 10: Gelber Fleck (Stelle des schärfsten Sehens), 11: Blinder Fleck, 12: Sehnerv (N. opticus), 13: Hintere Augenkammer, 14: Vordere Augenkammer, 15: Mit Kammerwasser angefüllte Räume, 16: Augenbindehaut (Conjunctiva), 17: Strahlenbändchen (Zonula ciliaris), 18: Hyaloidkanal, trägt beim Feten die Glaskörperschlagader, 19: Schlemm-Kanal, 20: Äußerer Augenmuskel.

[O606]

Darstellung des vorderen Augenabschnitts. 1: Hornhaut (Cornea), 2: Lederhaut (Sclera), 3: Linse (Lens), 4: Regenbogenhaut (Iris), 5: Schließmuskel der Pupille (M. sphincter pupillae), 6: Erweiterer der Pupille (M. dilator pupillae), 7: Strahlenkörper (Ziliarkörper), 8: Strahlenkörpermuskel (Linsenmuskel, M. ciliaris), 9: Strahlenfortsätze mit Ziliardrüsen, die das Kammerwasser bilden, 10: Linsenaufhängefasern (Zona ciliaris), 11: Aderhaut (Choroidea), 12: Vordere Augenkammer, 13: Hintere Augenkammer, 14: Schlemm-Kanal, 15: Bindehaut (Conjunctiva).

[O606]

Schematischer Aufbau der Netzhaut. 1: Pigmentepithel, 2: Stäbchenzelle, 3: Zapfenzelle, 4: Schaltzelle (Lichtsinneszelle, Photorezeptor), 5: Bipolarzelle, 6: Retinale Ganglienzelle, 7: Grenzmembran zwischen Glaskörper und Netzhaut.

[L190]

Blinder Fleck.

Charakteristika der Weit- und Kurzsichtigkeit

Tab. 19-1
Weitsichtigkeit Kurzsichtigkeit
Brennpunkt hinter der Netzhaut vor der Netzhaut
Linsenkrümmung zu schwach zu stark
Augapfel zu kurz zu lang
Ausgleich Sammellinse (konvexe Gläser) Zerstreuungslinse (konkave Gläser)

Auge

  • 19.1

    Anatomie und Physiologie des Auges558

    • 19.1.1

      Aufbau des äußeren Auges558

    • 19.1.2

      Aufbau des Augapfels (Bulbus oculi)559

    • 19.1.3

      Die Sehbahn563

    • 19.1.4

      Die Augenmuskeln563

  • 19.2

    Untersuchungsmethoden564

  • 19.3

    Erkrankungen des Auges565

    • 19.3.1

      Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit565

    • 19.3.2

      Schielen566

    • 19.3.3

      Astigmatismus566

    • 19.3.4

      Nystagmus567

    • 19.3.5

      Farbenfehlsichtigkeit und Farbenblindheit567

    • 19.3.6

      Lidrandentzündung567

    • 19.3.7

      Gerstenkorn567

    • 19.3.8

      Hagelkorn567

    • 19.3.9

      Tränenträufeln568

    • 19.3.10

      Tränensackentzündung568

    • 19.3.11

      Exophthalmus568

    • 19.3.12

      Enophthalmus568

    • 19.3.13

      Konjunktivitis569

    • 19.3.14

      Grauer Star569

    • 19.3.15

      Glaukom569

    • 19.3.16

      Netzhautablösung570

Durch die Gesamtheit der Sinnesorgane des menschlichen Körpers erhalten Gehirn und Rückenmark Informationen, die entweder aus der Außenwelt stammen oder aus dem Körperinneren.

Exkurs: RezeptorRezeptoren

  • Exterozeptive Rezeptoren liegen z. B. in Augen, Ohren und Haut. Über diese Rezeptoren stehen wir mit der Außenwelt in Kontakt, da sie durch Reize, die außerhalb unseres Körpers liegen, stimuliert werden. Die Rezeptoren des Auges reagieren auf Lichtreize, die des Ohrs auf Schallwellen und die der Haut auf Wärme, Kälte, Berührung und Schmerz.

  • Interozeptive Rezeptoren sind Rezeptoren, die im Körperinneren liegen und Rückmeldungen über Geschehnisse innerhalb des Körpers liefern. Der Gleichgewichtssinn gibt uns Meldung über die Haltung und Stellung unseres Körpers im Raum, der Bewegungssinn über die Stellung einzelner Gelenke.

Schon aus dieser kurzen Übersicht sehen wir, dass es mehr als fünf Sinnesorgane gibt. Außer Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten haben wir Sinnesorgane für Wärme-, Kälte- und Schmerzempfindung, einen Gleichgewichts- und Bewegungssinn.

Damit ein Reiz bewusst werden kann, muss ein Rezeptor so stark erregt werden, dass der Schwellenwert überschritten wird und so ein Nervenimpuls ausgelöst wird, der bis zur Großhirnrinde gelangt. Allerdings erreicht nur ein sehr kleiner Teil der aufgenommenen Reize die Großhirnrinde; der weitaus größte Teil bleibt unbewusst, da wir sonst durch Informationsüberflutung handlungsunfähig wären.

Einen wichtigen Teil der Sinneseindrücke erhalten wir über das Auge. Diese Sinnesempfindungen liefern uns Informationen über Größe, Form, Farbe, Bewegung, Oberflächenbeschaffenheit und Entfernung eines Objektes. Durch das Sehen mit zwei Augen erhalten wir ein räumliches Bild von der Außenwelt.

Anatomie und Physiologie des Auges

Aufbau des äußeren Auges

Auge:Anatomie und PhysiologieDie Augäpfel liegen in den Augenhöhlen (Orbitae), die vom knöchernen Schädel gebildet werden, und die innen mit einem Schutzpolster aus Fettgewebe ausgekleidet sind. Bewegt werden die Augäpfel durch jeweils sechs äußere Augenmuskeln. Betrachten wir ein Auge von vorne, so sehen wir vor dem Augapfel das Ober- und Unterlid mit den Wimpern liegen, die dem Auge Schutz vor Licht, Schmutz und Verletzung bieten. Der von den Lidern umgrenzte Raum heißt Lidspalte. Ihre Festigkeit erhalten die Lider durch jeweils eine eingelagerte Bindegewebsplatte (Tarsus), die im Augenlid liegt. Die Lider enthalten Talgdrüsen, die den Lidrand einfetten ( Abb. 19-1 und Atlas Abb. 19-1).
Bindehaut des Auges (Konjunktiva).Konjunktiva<2003>Bindehaut<2003>Die Augenbindehaut kleidet die Lider von innen her aus, bildet dann eine obere und untere Umschlagfalte und setzt sich auf der vorderen Fläche der Lederhaut fort, also auf dem sichtbaren, weißen Anteil des Auges ( Atlas Abb. 19-2). Am Limbus, das heißt am Übergang der Hornhaut (klare durchsichtige Struktur, die vor dem farbigen Anteil des Auges liegt) zur Lederhaut ist die Bindehaut festgewachsen. Die Hornhaut selbst ist also nicht mit Bindehaut überzogen. Wirken Schadstoffe auf die Bindehaut ein, reagiert sie mit Entzündung. Man spricht dann von Konjunktivitis ( Abschn. 19.3.13).

Die Hornhaut (Kornea) des Auges ist nicht mit Bindehaut überzogen.

Tränenflüssigkeit.Die TränenflüssigkeitTränenflüssigkeit wird von den Tränendrüsen gebildet, die außen oben in die Augenhöhlen eingelagert sind. Sie haben in etwa die Größe und Form einer Mandel und besitzen mehrere Ausführungsgänge, die im äußeren Augenwinkel in die obere Umschlagfalte einmünden.
Tränen sind eine klare, bakterizide, leicht salzig schmeckende Flüssigkeit mit nur geringem Eiweißgehalt. Sie dienen der Ernährung, Befeuchtung und Reinigung der Hornhaut und verbessern deren optische Eigenschaften, indem sie Unebenheiten ausgleichen und Staub ausschwemmen. Des Weiteren sind sie ein Schmierfilm für die Lider und haben eine wichtige Aufgabe als emotionales Ausdrucksmittel. Aufgabe des Lidschlages ist es, die Tränenflüssigkeit über dem Auge zu verteilen. Zwei kleine Mündungen im nasal gelegenen oberen und unteren Lidrand nehmen die Tränenflüssigkeit auf und leiten sie über ein oberes und ein unteres Tränenkanälchen zum Tränensack, von dem aus sie über den Tränennasengang in die Nasenhöhle geleitet wird ( Abb. 19-1 und Atlas Abb. 19-3, 19-4).

Aufbau des Augapfels (Bulbus oculi)

Bulbus oculiZum AugapfelAugapfel gehören Glaskörper, Linse und die umgebenden Augenhäute ( Abb. 19-2 und Atlas Abb. 19-6).
Glaskörper
Der durchsichtige, gallertartige GlaskörperGlaskörper (Corpus Corpus vitreumvitreum) bildet das Innere des Augapfels, das sich von der Linse bis zur Netzhaut erstreckt. Er besteht zu 98 % aus Wasser, in das ein Fibrillengerüst eingelagert ist. An der Oberfläche verdichtet sich das Fibrillennetz zu einer Membran. Da der Inhalt des Glaskörpers nur gering kompressibel ist, einem Innendruck unterliegt und von verschiedenen Häuten umgeben ist, besitzt der Augapfel eine gewisse Festigkeit. Außerdem wird durch den Quelldruck (Innendruck) des Glaskörpers und durch das Kammerwasser der notwendige enge Kontakt zwischen Netzhaut und den sich anschließenden Augenhäuten hergestellt.
Linse
Die LinseLinse (LensLens) ist ein durchsichtiger, bikonvexer (beidseits nach außen gewölbter) Körper, der zwischen Glaskörper und Iris liegt ( Atlas Abb. 19-12).
Er ist durch einen Aufhängeapparat mit dem Ziliarkörper (s. u.) verbunden.
Die in der Linse liegenden kernlosen, zentralen Fasern bilden den Linsenkern, der in einer festen elastischen Kapsel liegt. Durch das mechanisch-elastische System Ziliarmuskel-Linsenaufhängung-Linse ist die Anpassung (Akkommodation) an die jeweilige Sehentfernung möglich.
Augenhäute
Dem Glaskörper liegen drei Häute an, und zwar eine äußere, eine mittlere und eine innere AugenhautAugenhaut ( Abb. 19-2 und Atlas Abb. 19-6).

Augenhäute

  • äußere Augenhaut: Lederhaut (Sklera) und Hornhaut (Cornea)

  • mittlere Augenhaut: Aderhaut (Choroidea), Ziliarkörper und Iris

  • innere Augenhaut: Netzhaut (Retina)

Äußere Augenhaut (Tunica externa).Tunica externa<2003>An der äußeren Augenhaut kann man wiederum Lederhaut (Sklera) und Hornhaut (Kornea) unterscheiden.
  • Lederhaut, AugeLederhaut (SkleraSklera). Die Lederhaut ist die äußere, weiße, aus straffem Bindegewebe bestehende Schutzschicht, die den Augapfel vor mechanischer Beschädigung schützt. Entwicklungsgeschichtlich betrachtet handelt es sich bei der Lederhaut um eine Ausstülpung der harten Hirnhaut, ein Vorgang, der während der Embryonalentwicklung abgelaufen ist. Die Lederhaut setzt sich über den Sehnerv als harte Hirnhaut (Durascheide) fort.Ihre weiße Farbe erhält die Lederhaut durch eine dichte Lage zugfester Fasern. Bei Säuglingen schimmert, wegen der geringeren Dicke der Sklera, die Pigmentschicht der Aderhaut bläulich durch. Findet man beim Erwachsenen „blaue Skleren“, so können evtl. noch andere Entwicklungsstörungen vorliegen, z. B. ein Marfan-Syndrom („Spinnengliedrigkeit“ mit langen, schmalen Extremitäten, Großwuchs, Thoraxdeformitäten, überstreckbaren Gelenken und oft kardiovaskulären Fehlbildungen). Im vorderen Augenabschnitt geht die Lederhaut in die durchsichtige Hornhaut (Cornea) über. Im Übergangsbereich zwischen Leder- und Hornhaut liegt der Schlemm-Kanal, der dem Abfluss des Kammerwassers (s. u.) dient.

  • HornhautHornhaut (KorneaKornea). Die Hornhaut ist eine klare, durchsichtige, stark nach vorne gewölbte Struktur, die vor dem farbigen Anteil des Auges liegt ( Atlas Abb. 19-8). Sie ist gefäßfrei, damit der Lichteinfall ins Auge nicht behindert wird. Die Hornhaut bewirkt eine konstante Lichtbrechung, die durch die Linse so weit verstärkt wird, dass ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht. Dabei beträgt der Beitrag der Hornhaut etwa 75 %. Die Außenfläche der Hornhaut ist von mehrschichtigem unverhorntem Epithel bedeckt, das von der Tränenflüssigkeit ernährt wird; die Hinterfläche besteht aus einschichtigem Endothel, das vom Kammerwasser (s. u.) versorgt wird ( Atlas Abb. 19-9). Trocknet die Hornhaut aus, z. B. bei einem fehlenden Lidschlag aufgrund einer Lähmung des Gesichtsnervs (Fazialislähmung), so wird sie trüb, und es kann zu Seheinschränkungen bis hin zum Erblinden kommen.Werden in die Hornhaut am Limbus ringförmig Fette eingelagert, so kommt es zum Kornealring (Arcus lipoides,Abschn. 10.10.1). Eine inhomogene Krümmung der Hornhaut führt zum Astigmatismus ( Abschn. 19.3.3).

Mittlere Augenhaut (Uvea).Uvea<2003>An der mittleren Augenhaut kann man drei Abschnitte unterscheiden: die Aderhaut (Choroidea), den Ziliarkörper (Strahlenkörper) und die Iris (Regenbogenhaut). Bitte beachten Sie hierzu die Abb. 19-3 und Atlas Abb. 19-7.
  • AderhautAderhaut (ChoroideaChoroidea). Die Aderhaut liegt der Lederhaut nach innen hin an. Sie ist pigmentiert und reich an Gefäßen, da von hier aus die Versorgung des Augapfels erfolgt. Entwicklungsgeschichtlich betrachtet, handelt es sich bei der Aderhaut um eine Ausstülpung der weichen Hirnhaut (Pia mater, „Hirnhäute“ im Abschn. 18.2.6). Die eingelagerten Pigmentzellen geben ihr ein dunkles Aussehen, wodurch das Auge zu einer Art Dunkelkammer wird. Dadurch wird verhindert, dass das Sehen durch reflektierende Lichtstrahlen beeinträchtigt wird.

  • ZiliarkörperZiliarkörper (StrahlenkörperStrahlenkörper). Im vorderen Teil geht die Aderhaut in den Ziliarkörper über, in dem der Ziliarmuskel und die Ziliardrüsen liegen. Der Ziliarmuskel ist durch Aufhängefasern (Strahlenbändchen, Zonulafasern, Zonula ciliaris) mit der Linse verbunden. Durch Zusammenziehen und Erschlaffen reguliert das System Ziliarmuskel-Linsenaufhängung-Linse die Linsenkrümmung und ermöglicht so eine Anpassung (Akkommodation) an das betrachtete Bild. Er wird vom III. Hirnnerv innerviert.

    • NahanpassungNahanpassung (Nahakkommodation). Von Nahanpassung spricht man bei Gegenständen, deren Entfernung vom Betrachter weniger als 5 m beträgt. Zur Nahanpassung zieht sich der ringförmige Ziliarmuskel zusammen, was zur Entspannung der Aufhängefasern führt. Durch ihre Elastizität nimmt die Linse eine kugelige Form an und erhöht damit ihre Brechkraft.

    • FernanpassungFernanpassung (Akkommodationsruhe). Von Fernanpassung spricht man, wenn die Entfernung des betrachteten Gegenstandes mehr als 5 m vom Betrachter beträgt. Zur Fernakkommodation ist der Ziliarmuskel entspannt, wodurch es zur Anspannung der Aufhängefasern kommt. Diese Spannung der Fasern führt zur Abflachung der Linse, die sonst aufgrund ihrer Elastizität eine kugelige Form annimmt.

    • KammerwasserKammerwasser. Das von der Ziliardrüse hergestellte Kammerwasser dient der Formerhaltung des Augapfels und der Ernährung von Linse und Hornhaut. Es strömt aus der hinteren Augenkammer zwischen Linse und Iris in die vordere Kammer. Hier tritt es in den Schlemm-Kanal über, von dem aus es ins Venenblut gelangt. Pro Minute werden in einem Auge ca. 2 mm3 Kammerwasser gebildet und abgeleitet. Kommt es durch einen erhöhten Abflusswiderstand zur Druckerhöhung, entwickelt sich ein Glaukom (grüner Star, Abschn. 19.3.15), was zur Erblindung führen kann. Kommt es im Bereich der Iris oder des Ziliarkörpers zu entzündlichen Veränderungen, kann die Kammerflüssigkeit getrübt werden.

Funktion des Kammerwassers

  • Formerhaltung des Augapfels

  • Ernährung von Linse und Hornhaut

  • IrisIris (RegenbogenhautRegenbogenhaut). Der vorderste Anteil der Aderhaut bildet die Iris, also den farbigen Teil des sichtbaren Auges. Sie besteht aus zwei Muskeln (s. u., Ring- und Radiärmuskel) und Bindegewebe. Bei letzterem handelt es sich um das pigmentierte Stroma, das der Iris die Färbung gibt. Damit hängt die Augenfarbe vom Melaningehalt des Irisstromas ab. Bei einer blauen Iris sind wenig, bei einer braunen Iris viele Pigmente eingelagert.Die Iris ist mit der Blende eines Photoapparates vergleichbar: Durch das Loch (Pupille) in ihrer Mitte kann sie die Menge der einfallenden Lichtstrahlen regeln, die auf die Netzhaut treffen sollen. So erweitert sich in der Dämmerung und beim Weitsehen die Pupille, bei hellem Licht und beim Nahsehen verengt sie sich.Um diese Pupillenveränderungen vornehmen zu können, sind die Muskelfasern der Iris zirkulär und radiär angeordnet ( Atlas Abb. 19-10). Der zirkuläre Ringmuskel (Schließmuskel der Pupille, M. sphincter pupillae) wird vom Parasympathikus versorgt und verengt die Pupille (Miosis). Die radiär angeordneten Muskelfasern (M. dilator pupillae) werden vom Sympathikus innerviert und erweitern die Pupille (Mydriasis).

Innere Augenhaut (Netzhaut, Retina).Die Augenhaut, die zwischen Glaskörper und Aderhaut liegt, ist die Netzhaut (Retina), die die lichtempfindlichen Zellen, die Stäbchen und Zapfen, enthält. Die durch die Pupille einfallenden Lichtstrahlen werden durch Hornhaut und Linse gebrochen und projizieren auf die Netzhaut ein umgedrehtes und seitenverkehrtes Bild. Trotzdem entspricht unsere Empfindung der Lage der Dinge in unserer Umwelt, da das Bild im Sehzentrum des Hirns nochmals umgedreht wird.
Die Netzhaut enthält außer Sinneszellen noch Sehnerven- und Schaltzellen und eine Pigmentepithelschicht ( Abb. 19-4 und Atlas Abb. 19-12). Letztere hat die Aufgabe, zusammen mit der Aderhaut, Lichtreflexionen zu verhindern.
Die Netzhaut wird über die zentrale Netzhautarterie (A. centralis retinae) ernährt, einem Ast der Halsschlagader (A. carotis interna). Sie tritt zusammen mit dem Sehnerv am blinden Fleck (s. u.) in das Auge ein. Der Abfluss erfolgt über die zentrale Netzhautvene (V. centralis retinae). Bei einer Augenspiegelung (Ophthalmoskopie, Abschn. 19.2) können diese Gefäße betrachtet werden.
Sinneszellen.Sinneszelle<2003>Bei den Sinneszellen der Netzhaut, die die einfallenden Lichtquanten in Nervenimpulse umsetzen, unterscheiden wir Stäbchen und Zapfen. Über Fortsätze (Axone) stehen sie mit den Schalt- und über diese mit den Sehnervenzellen in Verbindung.
  • StäbchenStäbchen. Die 80 bis 120 Millionen Stäbchen sind mit Ausnahme des „gelben Fleckes“, der Stelle des schärfsten Sehens, etwa gleichmäßig über die Netzhaut verteilt. Sie ermöglichen das Hell-Dunkel-Sehen in der Dämmerung. Die Außenglieder der Stäbchen enthalten Rhodopsin, das Sehpurpur, eine lichtempfindliche, chemische Substanz. Für den Aufbau von Rhodopsin wird Vitamin A benötigt. Deshalb führt Vitamin-A-Mangel zur Nachtblindheit. Wirkt nun Licht auf Rhodopsin ein, wird eine chemische Kettenreaktion ausgelöst, an deren Ende die Umsetzung der chemischen Reaktion in einen nervalen Impuls steht.

  • ZapfenZapfen. Drei bis sechs Millionen Zapfenzellen ermöglichen das Farbensehen. Besonders dicht sind sie auf dem gelben Fleck (s. u.) angeordnet. Auch in den Zapfen kommt eine lichtempfindliche, chemische Substanz vor. Es gibt drei Zapfenarten, die unterschiedliche chemische Substanzen enthalten, die jeweils auf Licht von einer bestimmten Wellenlänge reagieren. So ist eine Zapfenart besonders empfänglich für rotes, eine für blaues und eine für grünes Licht. Diese drei Zapfenarten sind die Grundlage des Farbensehens nach der Dreifarbenlehre. Die Farbe eines Gegenstandes hängt davon ab, welche Wellenlänge aus dem Farbspektrum er zurückwirft. Ein weißer Gegenstand reflektiert im optischen (sichtbaren) Bereich alle Strahlen, wogegen ein schwarzer alle Strahlen absorbiert.

Sehzellen

  • Stäbchen: ermöglichen in der Dämmerung das Hell-Dunkel-Sehen

  • Zapfen: ermöglichen das Farbensehen

Gelber Fleck (Macula lutea).Macula lutea<2003>Fleck, gelber<2003>Wie schon erwähnt, ist der gelbe Fleck die Stelle des schärfsten Sehens. Er liegt in der Sehachse ( Atlas Abb. 19-6 Nr. 15) und enthält nur Zapfen. In der Dämmerung kann nicht scharf gesehen werden, weil die Zapfen eine bestimmte Lichtmenge benötigen, um angeregt zu werden. Die in der Dämmerung noch vorhandene Lichtmenge reicht nur noch aus, um die Stäbchen zu erregen. Deshalb ist in der Dämmerung zwar Hell-Dunkel-Sehen möglich, aber kein Farbensehen ( Atlas Abb. 19-13).
Blinder Fleck (Papilla nervi optici).Papilla nervi optici<2003>Fleck, blinder<2003>An der Stelle, an der der Sehnerv (N. opticus) aus dem Augapfel austritt, liegt der blinde Fleck. Hier befinden sich keine Sinneszellen, sodass hier auch kein Sehen stattfinden kann ( Atlas Abb. 19-14). Normalerweise stört uns der blinde Fleck nicht, da wir mit beiden Augen sehen und das Gehirn den fehlenden Teil ergänzt.
Den blinden Fleck kann man an sich selbst leicht feststellen: Betrachten Sie unten ( Abb. 19-5) das Kreuz mit dem rechten Auge (das linke verschließen). Führen Sie das Buch langsam an das Auge heran, bis der Punkt verschwindet. Dabei aber immer nur das Kreuz fixieren!

Die Sehbahn

SehbahnWir haben gesehen, dass Stäbchen und Zapfen bei Lichtreizung Impulse an die anliegenden Schalt- und Sehnervenzellen weitergeben. Die Axone dieser Sehnervenzellen ziehen durch die Netzhaut zum „blinden Fleck“ und bilden hier den Sehnerv (N. opticus, II. Hirnnerv), über den alle visuellen Informationen von der Netzhaut ins Zentralnervensystem gelangen ( Atlas Abb. 19-15). Dazu verlaufen die beiden Sehnerven zur Sehnervenkreuzung (Chiasma opticum) unterhalb des Zwischenhirns, bei der die den nasalen Netzhauthälften stammenden Fasern gekreuzt werden. Danach ziehen sie als Sehbahnen (Tractus opticus) in das Sehzentrum des Großhirns, das im Hinterhauptlappen liegt.

Die Augenmuskeln

AugenmuskelSechs äußere Augenmuskeln bewegen jeweils einen Augapfel ( Atlas Abb. 19-17). Es handelt sich dabei um den:
  • oberen geraden Augenmuskel (M. rectus superior)

  • unteren geraden Augenmuskel (M. rectus inferior)

  • inneren geraden Augenmuskel (M. rectus medialis)

  • äußeren geraden Augenmuskel (M. rectus lateralis)

  • oberen schrägen Augenmuskel (M. obliquus superior)

  • unteren schrägen Augenmuskel (M. obliquus inferior)

Diese quergestreiften Augenmuskeln werden vom III., IV. und VI. Hirnnerv innerviert. Kommt es zu Störungen dieser Nerven, kann das betreffende Auge nicht mehr in alle Stellungen ausgerichtet werden. Es kommt zum Schielen.

Untersuchungsmethoden

Auge:UntersuchungsmethodeAugenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie).Bei der OphthalmoskopieOphthalmoskopie betrachtet man den AugenhintergrundspiegelungAugenhintergrund mit einem Augenspiegel (Ophthalmoskop, Atlas Abb. 19-19). Der eingebrachte Lichtstrahl durchdringt Hornhaut, Linse, Glaskörper und den durchsichtigen Anteil der Netzhaut und trifft dann auf die pigmentierten Zellen (Pigmentepithel) der Netzhaut. Diese Pigmentepithelzellen bestimmen zusammen mit der Aderhaut (Choroidea) die rote Grundfarbe des Augenhintergrundes, die im Farbton durch den individuellen Pigmentgehalt schwanken kann ( Atlas Abb. 19-20).
Mit dem Augenspiegel können bei bestimmten Augenleiden typische Veränderungen wahrgenommen werden. Aber auch Allgemeinerkrankungen (Arteriosklerose, Diabetes mellitus, Toxoplasmose, Syphilis) rufen Veränderungen des Augenhintergrundes hervor. Bei erhöhtem Hirndruck kommt es zu Stauungspapillen, das heißt, bei der Augenhintergrundspiegelung erscheint die Sehnervenaustrittsstelle vorgewölbt, verbreitert und unscharf. Die stark geschlängelten Netzhautvenen sind prall gefüllt; die Netzhautarterien dagegen verengt.

Das Ophthalmoskop dient der Betrachtung des Augenhintergrundes.

Augentonometrie.Augentonometrie<2003>Mit dem Augentonometer (OphthalmotonometerOphthalmotonometer) kann man den Innendruck des Augapfels messen. Es handelt sich um ein wichtiges Gerät, um Glaukomerkrankungen zu erkennen und zu überwachen.
Prüfung der Sehschärfe (Visusprüfung).Visusprüfung<2003>Sehschärfe, Prüfung<2003>Unter Sehschärfe versteht man die Fähigkeit der Netzhaut, zwei Punkte eben noch als getrennt zu erkennen. Zur Messung der Sehschärfe dienen Sehprobentafeln oder Sehzeichenprojektoren.
Perimetrie.Perimetrie<2003>(Prüfung des GesichtsfeldprüfungGesichtsfelds). Gesichtsfeldausfälle (Skotome) können sowohl im zentralen Sehbereich beginnen, als auch am Rand des Gesichtsfeldes. Zur Prüfung gehen Sie folgendermaßen vor: Setzen Sie sich Ihrem Patienten im Abstand von 0,5 m gegenüber, sodass Sie sich mit ihm auf gleicher Augenhöhe befinden. Bitten Sie nun den Patienten ein Auge mit seiner Hand abzudecken, ohne dabei auf den Augapfel zu drücken. Nun schließen Sie ihr eigenes Auge, auf der entsprechenden Seite, sodass Ihr Gesichtsfeld mit dem des Patienten in etwa übereinstimmt. Führen Sie nun einen Kugelschreiber oder etwas Ähnliches von der Seite her, aus verschiedenen Richtungen, in das Gesichtsfeld ein. Dabei sollte sich der Gegenstand im gleichen Abstand zwischen Ihnen und dem Patienten befinden. Ein gesunder Mensch kann, wenn er geradeaus schaut, ein sich bewegendes Objekt meist schon bei einem Winkel von 90° wahrnehmen. Halten sie das Testobjekt deshalb etwas hinter dem Patienten, bevor Sie es in das Gesichtsfeld einführen. Bewegen Sie den Gegenstand dabei langsam, um den Patienten Zeit zu geben ihn wahrzunehmen. Wenn der Patient meldet, dass der Gegenstand in seinem Gesichtsfeld auftaucht, vergleichen Sie dies mit Ihrer eigenen Wahrnehmung. Führen Sie dann die gleiche Untersuchung mit dem zweiten Auge durch.
Zur genauen Untersuchung muss allerdings der Patient zum Augenarzt geschickt werden, damit eine sorgfältige (apparative) Abklärung erfolgen kann.
Zur Einschränkung des Gesichtsfeldes kommt es typischerweise infolge eines Glaukoms, durch Netzhautablösung oder infolge von Hirntumoren. So treten z. B. bei Tumoren, die sich im Bereich der Sehnervenkreuzung befinden, die Gesichtsfeldausfälle schläfenseitig auf. Diese Halbseitenblindheit bezeichnet man auch als sogenannte „Scheuklappenblindheit“ (Hemianopsie).

Erkrankungen des Auges

Auge:ErkrankungUnter Augenerkrankungen fasst man eine Vielzahl von Störungen im Sehbereich zusammen: Kurz- oder Weitsichtigkeit, Brechungsfehler, Erkrankungen der Augenlider, des Tränenapparates, des Augapfels und der Augenhöhle. Augenerkrankungen können sich primär am Auge entwickeln oder sekundär als Symptom einer Allgemeinerkrankung (z. B. Diabetes mellitus). Die Behandlung von Augenkrankheiten gehört grundsätzlich in die Hand des Augenarztes; der Heilpraktiker kann aber bei vielen Erkrankungen begleitend behandeln, z. B. bei Kurz- und Weitsichtigkeit durch bestimmte Augenübungen, durch (Mit-)Behandlung einer zugrundeliegenden Krankheit oder durch Stärkung der Abwehrkräfte.

Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit

Weitsichtigkeit (Hyperopie).Hyperopie<2003>Bei WeitsichtigkeitWeitsichtigkeit können weit entfernte Gegenstände scharf gesehen werden, nahe dagegen nur unscharf. Die Ursache ist, dass beim Weitsichtigen der Brennpunkt hinter der Netzhaut liegt, was durch einen zu kurzen Augapfel und/oder eine zu schwache Linsenkrümmung bedingt ist. Eine Weitsichtigkeit wird durch das Tragen einer Sammellinse mit konvexen Gläsern ausgeglichen.
Altersweitsichtigkeit (Presbyopie).Presbyopie<2003>Altersweitsichtigkeit<2003>Beim Kind zeigt die Linse eine ausgesprochen gute Elastizität, d. h. die entspannte Linse nimmt eine kugelige Gestalt an. Mit zunehmendem Alter nimmt jedoch diese Elastizität der Linse ab. Dies führt meist ab dem 45. Lebensjahr zu einer beginnenden Altersweitsichtigkeit. Um das 60. Lebensjahr herum erlischt die Elastizität der Linse meist völlig, und die Linse kann nicht mehr abkugeln. Wenn um das 45. Lebensjahr die Fähigkeit nahe gelegene Objekte scharf zu sehen abnimmt, bedeutet das, dass sich die kürzeste Entfernung, bis zu der scharf gesehen werden kann, vergrößert. Das führt dazu, dass ältere Menschen die Zeitung oder ein Buch nur noch mit ausgestreckten Armen lesen können, was zu der typischen witzigen Bemerkung veranlasst: „Meine Augen sind in Ordnung, nur meine Arme sind zu kurz!“. Zu bedenken ist allerdings, dass sich mit zunehmender Entfernung die Schrift verkleinert, wodurch ein normaler Druck bald unleserlich wird. Lag vor Eintreten der Altersweitsichtigkeit bereits eine Kurzsichtigkeit vor, so kommt nun zu der Kurzsichtigkeit noch eine Weitsichtigkeit hinzu. Das bedeutet, dass sich der Bereich in dem scharf gesehen werden kann, noch mehr einengt.
Kurzsichtigkeit (Myopie).Myopie<2003>Kurzsichtigkeit<2003>Im Gegensatz zur Weitsichtigkeit, bei der der Brennpunkt kurz hinter der Netzhaut liegt, ist dieser bei der Kurzsichtigkeit in den Glaskörper vorverlagert ( Tab. 19-1). Bei der Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang und/oder die Linse zu stark gekrümmt, weshalb weiter entfernte Gegenstände nicht mehr genau auf die Netzhaut projiziert werden können. So leben Kurzsichtige in einer „kleinen Welt“. Weiter entfernte Gegenstände werden nur noch unscharf oder verschwommen wahrgenommen. Dieser Sehfehler wird durch das Tragen einer Brille mit konkaven Gläsern (Zerstreuungslinse) korrigiert.

Schielen

Beim SchielenSchielen (StrabismusStrabismus) weichen die beim Blick in die Ferne normalerweise parallel gestellten Augenachsen von der Parallele ab.
Ursache.Strabismus tritt meist in den ersten Lebensjahren auf, und zwar als Folge einer Schwäche der äußeren Augenmuskulatur. Dabei kann eine erbliche Disposition eine Rolle spielen. Kommt es im späteren Lebensalter zum Schielen, so kann eine schwere Erkrankung wie Multiple Sklerose, Diabetes mellitus oder Hirntumor vorliegen.
Formen des Schielens.Man unterscheidet einseitiges und beidseitiges Schielen.
  • einseitiges Schielen. Nur ein (meist schwachsichtiges) Auge verharrt in Schielstellung. Hier besteht die Gefahr, dass die Schwachsichtigkeit des schielenden Auges immer stärker wird. Deshalb muss das kindliche Schielen rechtzeitig augenärztlich behandelt werden. Dabei wird zunächst das führende Auge durch einen Verband verschlossen, damit das Kind mit dem schwachen Auge sehen muss. Damit nun nicht durch ein ständiges Abdecken das bisher gute Auge geschwächt wird, wird abwechselnd abgedeckt, bis auf beiden Augen eine gleiche Sehschärfe erreicht ist.

  • beidseitiges (alternierendes) Schielen. Beim alternierenden Schielen können beide Augen abwechselnd fixieren.

Folge des Schielens sind Doppelbilder bzw. eine Störung der räumlichen Wahrnehmung. Liegt keine sehr schwere Störung vor, so kann im ausgeruhten Zustand durch Willenskraft und Anstrengung eine Deckung der Netzhautbilder erreicht werden. Außerdem versucht der Schielende durch Schiefhaltung des Kopfes eine Korrektur herbeizuführen. Auf diese Art kann es gelingen, dass der beobachtete Gegenstand auch im muskelschwachen Auge in die Stelle des schärfsten Sehens projiziert wird.

Astigmatismus

Beim AstigmatismusAstigmatismus (StabsichtigkeitHornhautverkrümmungStabsichtigkeit) ist die Hornhaut (Kornea) ungleichmäßig gekrümmt, wodurch die Abbildung eines Punktes strichförmig verzerrt wird. Dies führt zu einer verschwommenen Sicht. Die Störung ist meist angeboren, manchmal entwickelt sie sich auch infolge von Hornhautentzündungen oder Hornhautoperationen. Korrigiert wird dieser Sehfehler durch Zylindergläser oder Kontaktlinsen. Letztere korrigieren die Unregelmäßigkeiten der Hornhautoberfläche, indem die Tränenflüssigkeit zwischen der Vorderseite der Hornhaut und der Rückseite der Kontaktlinse einfließt. In schweren Fällen kommt eine Operation oder eine Hornhauttransplantation in Betracht.

Nystagmus

Beim NystagmusNystagmus (AugenzitternAugenzittern) kommt es zu unwillkürlichen, rhythmisch schnell aufeinanderfolgenden Zuckungen der Augäpfel, die waagrecht, senkrecht oder drehend sein können. Nystagmus kann bei Schwachsichtigkeit und Blindheit auftreten oder Folge einer anderen Grunderkrankung sein, wie z. B. Multipler Sklerose, Kleinhirntumor, Verletzungen des Labyrinths und bei Schädigung des VIII. Hirnnervs (N. vestibulocochlearis) durch Entzündung (Neuritis) oder Tumor.

Farbenfehlsichtigkeit und Farbenblindheit

FarbenfehlsichtigkeitFarbenblindheitDie häufigste Art der Farbenfehlsichtigkeit ist eine Störung der Rot-Grün-Wahrnehmung. Ungefähr 3 % der Männer sind von einer Rot-Grün-Blindheit befallen. Bei weiteren 5 % besteht eine Rot-Grün-Schwäche. Es handelt sich um eine geschlechtsgebundene Erbkrankheit, die von normalsichtigen Müttern auf einen Teil ihrer Söhne übertragen wird.
Bei Farbenblindheit können überhaupt keine Farben wahrgenommen werden, sondern es können nur verschiedene Helligkeitsgrade unterschieden werden. Mögliche Ursachen sind Netzhauterkrankungen, Schädigungen der Sehnervenbahnen oder Schäden der Hirnrinde.

Lidrandentzündung

LidrandentzündungIst der freie Lidrand gerötet, von weißen Schüppchen bedeckt und besteht dabei Brennen und Jucken, handelt es sich um eine Entzündung der Lidränder (Blepharitis). Liegt die Ursache in einer bakteriellen Infektion (meist Staphylokokken), so sitzen auf den geröteten, geschwollenen Lidrändern gelbliche Eiterkrusten, evtl. fallen die Wimpern aus. Nach Ausheilung der Erkrankung kann es durch Vernarbungen und Verziehungen zu unregelmäßig geformten Lidrändern kommen, bzw. zum Entropium, bei dem der Rand des Lides nach innen gerollt ist, sodass die Wimpern das Auge kratzen und reizen oder zum Ektropium, bei dem sich der Lidrand nach außen stülpt.
Die Behandlung muss sich an der zugrunde liegenden Ursache orientieren. In leichteren Fällen kann der Heilpraktiker behandeln. An pflanzlichen Mitteln haben sich v. a. der Augentrost (Euphrasia) und Fenchel (Foeniculum vulgare) bewährt. Kamille darf am Auge nicht eingesetzt werden, da diese häufig zu allergischen Reaktionen führt. Schwere Fälle werden vom Augenarzt mit antibiotikahaltiger Salbe therapiert.

Gerstenkorn

GerstenkornJede Wimper besitzt ihre eigene Drüse, die ein Gleitmittel produziert. Kommt es zur bakteriell bedingten Entzündung dieser Drüse (Moll- oder Zeis-Drüse) treten Schmerzen auf und es bildet sich Eiter ( Atlas Abb. 19-25). Der Abszess platzt meist nach einigen Tagen spontan auf und der Schmerz lässt nach. Manchmal ist ein kleiner chirurgischer Schnitt notwendig, um dem Eiter einen Weg nach außen zu bahnen. Beim Gerstenkorn (Hordeolum) handelt es sich meist um eine Entzündung durch Staphylokokken, deshalb muss im Einzelfall geprüft werden, ob Antibiotikagabe erforderlich ist.

Hagelkorn

HagelkornMeibom-Drüsen produzieren ein Gleitmittel, das die Aufgabe hat, die Lidränder einzufetten. Kommt es in einer solchen Drüse zu einem Sekretstau, so bildet sich eine schmerzlose Zyste, die als Hagelkorn (Chalazion) bezeichnet wird ( Atlas Abb. 19-27). Sie liegt an der Innenseite des Ober- oder Unterlides, das dadurch nach außen vorgewölbt wird. Die Haut über der Zyste ist frei verschieblich. Ein Hagelkorn kann erbsgroß werden. Wird das Hagelkorn sehr groß, kann es durch Druck auf die Hornhaut zu Sehverzerrungen kommen. Im Anfangsstadium kann es sich von allein zurückbilden, später muss es meist operativ entfernt werden. Gelegentlich infiziert sich ein Hagelkorn. In diesem Fall schwillt das Lid an, wird rot und schmerzt. Es kann dann leicht mit einem Gerstenkorn verwechselt werden.

  • Gerstenkorn: schmerzhafter Abszess am Lidrand

  • Hagelkorn: schmerzlose Zyste im Lid

Tränenträufeln

TränenträufelnMit EpiphoraEpiphora bezeichnet man sowohl den physiologischen Tränenfluss beim Weinen als auch den pathologischen Tränenfluss infolge einer Hypersekretion der Tränendrüsen.
Pathologisches Tränenträufeln kann durch einen Fremdkörper im Augenbindehautsack verursacht werden, z. B. durch ein kleines Insekt oder eine Wimper, aber auch durch reizende Gase, grelles Licht, Wind, Kälte oder durch seelische Erregung („stilles Weinen“). Auch der Verschluss des Tränennasenganges, z. B. durch einen Fremdkörper, eine Membran (oft bei Säuglingen) oder durch das Zugranulieren des Ganges infolge einer falsch zusammengesetzten Tränenflüssigkeit, können die Ursache sein. Außerdem muss eine Abflussbehinderung durch ein Abstehen des unteren Tränenpunktes in Erwägung gezogen werden.
Die Therapie muss sich an der Ursache orientieren und erfordert z. B. die Entfernung des Fremdkörpers aus dem Bindehautsack oder dem Tränennasengang.

Tränensackentzündung

TränensackentzündungDie Ursache der Tränensackentzündung (DakryozystitisDakryozystitis) ist fast immer eine Verlegung des Tränenkanälchens oder des Tränennasenganges, der den Tränensack mit der Nasenhöhle verbindet. Bei Neugeborenen kann sie sich aufgrund einer im Tränenkanal übriggebliebenen Membran entwickeln. Manchmal kann durch Massage des Tränensacks die Blockierung überwunden werden, in anderen Fällen muss der Kanal vor dem dritten Lebensmonat mit einer Sonde durchgängig gemacht werden.
Die Haut über dem Tränensack ist im Fall einer akuten Entzündung schmerzhaft geschwollen, gerötet, warm und druckschmerzhaft. Manchmal besteht Fieber. Evtl. kann der Augenarzt mittels einer Spülung die Verlegung im Tränengang beseitigen. Kommt es zu einer deutlichen Eiteransammlung, so kann der Abszess durch einen Schnitt eröffnet werden. Die Infektion erfordert evtl. die Gabe von Antibiotika.

Exophthalmus

Unter ExophthalmusExophthalmus versteht man das ein- oder beidseitige Hervortreten der Augäpfel („GlotzaugeGlotzaugen“).
  • Bei beidseitigem Exophthalmus liegt die Ursache meist in einer Schilddrüsenüberfunktion durch ein Autoimmungeschehen (Morbus Basedow, Abschn. 14.10.1).

  • Bei einseitigem Exophthalmus kommen in Betracht: Tumoren hinter dem Auge und Entzündungen oder Gefäßschäden, wie Aneurysmen oder Thrombosen.

Tritt das Auge sehr weit vor, wird die Beweglichkeit des Augapfels eingeengt und es ist kein völliger Lidschluss mehr möglich. Seheinschränkungen drohen, wenn es in schweren Fällen zu einem sehr starken Augendruck kommt, sodass die Blutversorgung des Augennervs behindert wird oder wenn die Hornhaut durch den unvollständigen Lidschluss austrocknet.

Enophthalmus

EnophthalmusSinkt der Augapfel in die Augenhöhle zurück, spricht man vom Enophthalmus. Ursache kann eine Fraktur der knöchernen Augenhöhle sein oder ein Schwund des Augenhöhlenfettgewebes durch extreme Abmagerung. Kommt es außer dem Enophthalmus noch zum Herabhängen des Augenlides (Ptosis) und zu einer Pupillenverengung (Miosis), handelt es sich um einen Horner-Symptomkomplex (Abschn. 18.9.2). Die Ursache liegt in diesem Fall in einer Lähmung der vom Sympathikus innervierten Augenmuskulatur.

  • Exophthalmus: Hervortreten des Augapfels

  • Enophthalmus: Zurücksinken des Augapfels

Konjunktivitis

Die BindehautentzündungBindehautentzündung (KonjunktivitisKonjunktivitis, Atlas Abb. 19-30) ist die häufigste Augenerkrankung.
Ursache.Sie kann primär auftreten oder sekundär als Begleiterkrankung anderer Infektionskrankheiten, z. B. bei Masern. Ihr Auftreten wird durch „trockene Augen“ begünstigt, z. B. infolge verminderter Tränensekretion durch lange Bildschirmarbeit und herabgesetzten Lidschlag. Sie kann akut oder chronisch verlaufen, und infektiös (eher bei Kindern), nichtinfektiös oder allergisch (eher bei Erwachsenen) bedingt sein. Zu den nichtinfektiösen Entzündungen gehören die durch Fremdkörper, Wind, Staub, Dämpfe, Säuren und Laugen hervorgerufenen Reizungen der Bindehaut. Dagegen ist die allergische Form häufig eine Begleiterscheinung des Heuschnupfens.
Symptome.Bei der Konjunktivitis ist die Rötung in den Übergangsfalten des Ober- und Unterlides besonders ausgeprägt. Es sind einzelne, kräftig gezeichnete Gefäße sichtbar, die sich mit der Bindehaut verschieben lassen. Der Patient klagt über Brennen und Jucken, als ob ihm Sand in die Augen gestreut sei. Es kann zu vermehrter Sekretbildung kommen, und zwar je nach Krankheitsursache zu einem eitrigen (Bakterien), schleimig-wässrigen (Viren) und wässrigen (chemisch-physikalischer Reizung) Sekret. Morgens sind die Lidränder durch das Sekret, das sich nachts zwischen den Lidrändern gebildet hat, verklebt. Die Sehkraft ist aber in keinem Fall beeinträchtigt!
Diagnose.Bei Verdacht auf infektiöse Konjunktivitis kann der Arzt einen Abstrich des Bindehautsekretes anfertigen, um den Erreger zu bestimmen. Dies ist v. a. bei Neugeborenen wichtig, da hier der Verdacht auf eine Gonokokkeninfektion besteht, die zum Erblinden führen kann.
Therapie.Die Therapie muss sich an der Ursache und Krankheitsschwere ausrichten. Bei leichterer Bindehautentzündung hat sich in der Naturheilkunde v. a. Augentrost (Euphrasia) bewährt, mit dem Verkrustungen abgewaschen und feuchte Umschläge verabreicht werden können. Bei allergisch bedingter Konjunktivitis wird v. a. die Eigenbluttherapie eingesetzt.

Bei einer reinen Bindehautentzündung (Konjunktivitis) ist die Sehkraft in keinem Fall beeinträchtigt!

Grauer Star

Der graue Star, grauerStar (LinsentrübungLinsentrübung, KataraktKatarakt Atlas Abb. 19-31) ist eine verbreitete Augenerkrankung, bei der es zur teilweisen bis vollständigen Trübung der Augenlinse kommt. In fortgeschrittenen Fällen erscheint die Pupille grau. Meist sind beide Augen betroffen, jedoch im Allgemeinen ein Auge stärker als das andere.
Durch die Trübung der Linse kommt es zur Beeinträchtigung der Sehkraft. In fortgeschrittenen Fällen ist nur noch Hell-Dunkel-Sehen bzw. ein „Schattensehen“ möglich. Die häufigste Form, der sogenannte Altersstar, tritt meist um das 60. bis 65. Lebensjahr auf. Bei Diabetes mellitus kann er sich durch eine Ernährungsstörung der Linse entwickeln. Weitere Ursachen sind Cushing-Syndrom, Linsenverletzungen, Strahlenschäden oder andere Augenerkrankungen. Eine angeborene Linsentrübung kann durch folgende Faktoren bedingt sein: eine Rötelninfektion der Mutter während der Schwangerschaft, Einnahme von Medikamenten oder ein Down-Syndrom.
Beim grauen Star muss in schweren Fällen die trübe Linse operativ entfernt und durch ein Implantat ersetzt werden. Ist das Auge ansonsten gesund, liefert eine Star-Operation zu über 90 % gute Ergebnisse.

Glaukom

GlaukomUnter dem Begriff Glaukom (Grüner Star, grünerStar) werden Augenerkrankungen zusammengefasst, die mit einer Veränderung der Sehnervenaustrittsstelle und meist mit einer Druckerhöhung im Auge einhergehen. Die Druckerhöhung kann mit einem Augentonometer ( Abschn. 19.2) gemessen werden. Der erhöhte Druck kann zur Atrophie des Sehnervs führen, was Seheinschränkungen, Gesichtsfeldausfälle und Erblindung zur Folge haben kann.
Ursache.Die Ursache der Druckerhöhung liegt meist in einer Abflussbehinderung des Kammerwassers im Schlemm-Kanal, wobei man Weitwinkel- und Engwinkelglaukome unterscheidet. Dagegen ist ein sekundäres Glaukom Folge einer anderen Augenerkrankung (z. B. Linsenluxation, Gefäßerkrankungen, losgelöste Pigmente) oder Kortison-Einnahme. Die häufigste Verlaufsform ist das chronische Weitwinkelglaukom, das meist erst nach dem 40. Lebensjahr auftritt.
Beim Normaldruckglaukom ist für das Absterben der Nervenfasern eine Störung der Blutversorgung verursachend. Da meist Hypotoniker betroffen sind, sind nächtliche Blutdruckabfälle, die zu einer Minderversorgung des Auges führen, die vermutete Ursache.
Formen des Glaukoms.
  • akutes Glaukom. Das akute Glaukom beginnt mit meist einseitigen, plötzlichen, schneidenden Augenschmerzen, die begleitet werden von Nebelsehen, Regenbogenfarbensehen (Sehen farbiger Ringe um Lichtquellen), starken Kopfschmerzen, Trigeminusschmerzen und heftigen Bauchschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen (Vorsicht: nicht mit einem akuten Abdomen verwechseln!). Das Sehvermögen lässt nach. Das Auge verfärbt sich dunkelrot ( Atlas Abb. 19-30). Es stellt sich ein Hornhautödem (Epithelödem) ein. Die Pupille ist erweitert, entrundet und starr. Hauptsymptom ist der hohe Augeninnendruck, durch den sich das Auge hart anfühlt.Ein solcher akuter Anfall tritt bevorzugt im höheren Alter bei vegetativer Labilität auf. Ausgelöst werden kann er durch Überanstrengung, Angst, Schreck und Trauer. Betroffen sind häufig Patienten mit einem Kurzbau der Augen mit flacher Vorderkammer und engem Kammerwinkel. Der Anfall kann nach wenigen Stunden spontan abklingen, allerdings kann er in Abständen wiederkehren oder (unerkannt) über Tage anhalten. Es handelt sich um einen medizinischen Notfall, der sofortiger augenärztlicher Behandlung bedarf.

  • chronisches Glaukom. Das chronische Glaukom entwickelt sich langsam, ohne äußere Anzeichen, meist jenseits des 40. Lebensjahres; oft ist eine familiäre Häufung festzustellen. Nur gelegentlich wird über morgendliche Kopfschmerzen, Regenbogenfarbensehen und Spannung oder Schmerzen über den Augen geklagt. Die Druckerhöhung im Augeninneren bildet oft das einzige Symptom. Besteht sie schon längere Zeit, so kann man mit einem Augenspiegel typische Veränderungen am blinden Fleck feststellen.

Therapie.Wird ein Glaukom nicht rechtzeitig behandelt, degenerieren immer größere Bereiche des Sehnervs. Es kommt zu einer röhrenförmigen Einengung des Gesichtsfeldes. Bevor es zur endgültigen Erblindung kommt, treten häufig Augeninnenentzündungen und Linsentrübungen auf. Die Behandlung erfolgt durch den Augenarzt; der Heilpraktiker kann begleitend behandeln.

Chronisches Glaukom

Die Erhöhung des Augeninnendrucks ist anfangs meist symptomlos, kann aber trotzdem den Sehnerv schädigen!

Netzhautablösung

Bei der NetzhautablösungNetzhautablösung (Ablatio Ablatio retinaeretinae) kommt es zur Ablösung der inneren Teile der Netzhaut von ihrer Versorgungsschicht.
Ursache.Die Ursache kann eine schwere Augenverletzung, starke Kurzsichtigkeit oder altersbedingte Netzhautdegeneration sein. Beim Diabetiker kann es zur sekundären Netzhautablösung durch diabetisch bedingte Netzhautschäden kommen.
Verlaufsformen
  • akute Netzhautablösung. Es kann zu dramatischen Symptomen kommen, indem sich ein „schwarzer Vorhang“ bildet, der ab- oder aufsteigt, von rechts nach links oder umgekehrt wandert, je nach Ort der Ablösung.

  • chronische Netzhautablösung. Bei einer chronischen Netzhautablösung treten schmerzlose Sehstörungen auf, wie welliges Sehen, nachlassende Sehschärfe, Wahrnehmung von Blitzen, Schleier- und Schattensehen. Manchmal wird „Rußregen“ gesehen: grobe, tiefschwarze Flecken, die sich gleichmäßig nach oben oder unten bewegen.

Therapie.Bei Verdacht auf chronische Netzhautablösung ist eine sofortige augenärztliche Abklärung notwendig. Bei Verdacht auf akute Netzhautablösung erfolgt sofortige Klinikeinweisung. Hier stehen verschiedene operative Möglichkeiten zur Verfügung.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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