© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-55696-8.00013-0

10.1016/B978-3-437-55696-8.00013-0

978-3-437-55696-8

Aufbau des Pankreas. 1: Kopf des Pankreas (Caput pancreatis), 2: Körper des Pankreas (Corpus pancreatis), 3: Schwanz des Pankreas (Cauda pancreatis), 4: Zwölffingerdarm (Duodenum), 5: Milz (Lien, Splen), 6: Niere (Ren), 7: Nebenniere (Glandula suprarenalis), 8: Pfortader (V. portae), 9: Untere Hohlvene (V. cava inferior), 10: Bauchaorta (Aorta abdominalis), 11: Gallengang (Ductus choledochus), 12: Stamm der Leber-Milz-Magen-Schlagader (Truncus coeliacus), 13: Milzarterie (A. lienalis), 14: Untere Gekrösevene (V. mesenterica inferior), 15: Linker Harnleiter (Ureter sinister), 16: Obere Geköseschlagader und -vene (A. und V. mesenterica superior), 17: Rechter Harnleiter (Ureter dexter), 18: Hakenförmiger Anteil des Pankreaskopfes (Processus uncinatus).

[O606]

Bauchspeicheldrüse

  • 13.1

    Anatomie und Physiologie382

  • 13.2

    Untersuchungsmethoden383

  • 13.3

    Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse384

    • 13.3.1

      Akute Pankreatitis384

    • 13.3.2

      Chronische Pankreatitis384

    • 13.3.3

      Pankreaskarzinom385

    • 13.3.4

      Endokrine Funktionsstörungen386

Die Bauchspeicheldrüse (das Pankreas“\t“Siehe BauchspeicheldrüsePankreas) ist ein längliches, gelapptes Organ, das einerseits wichtige Verdauungsenzyme für die Kohlenhydrat-, Eiweiß- und Fettverdauung produziert und andererseits in speziellen Zellgruppen (Langerhans-Inseln) wichtige Hormone herstellt.

Anatomie und Physiologie

Bauchspeicheldrüse:Anatomie und PhysiologieLage.Das Pankreas liegt in Höhe des ersten und zweiten Lendenwirbelkörpers, hinter dem Magen. Nur die Vorderfläche ist mit Bauchfell überzogen, die Hinterfläche ist mit der hinteren Bauchwand verwachsen, sodass es sich um eine retroperitoneale Lage handelt (Atlas Abb. 13-3).
Aufbau.Anatomisch werden drei Anteile unterschieden (Abb. 13-1, Atlas Abb. 13-1):
  • Kopf (Caput). Er liegt in der C-förmigen Schlinge des Duodenums.

  • Körper (Corpus). Er befindet sich vor der Wirbelsäule und verschmälert sich zum Schwanz.

  • Schwanz (Cauda). Er reicht bis zum Milzhilum.

Der Hauptausführungsgang der Bauchspeicheldrüse (Ductus pancreaticus) mündet meist gemeinsam mit dem Gallenausführungsgang (Ductus choledochus) auf der Vater-Papille (Papilla duodeni major) in den Zwölffingerdarm; manchmal münden die beiden Gänge jedoch auch auf getrennten Papillen. Einige Menschen besitzen neben dem Hauptausführungsgang noch einen zusätzlichen Nebengang, den Ductus pancreaticus accessorius (Atlas Abb. 13-5).
Anteile.Das Pankreas besteht aus einem exokrinen (98 %) und einem endokrinen Anteil (2 %), die weitgehend unabhängig voneinander arbeiten.
  • exokriner Anteil. Er stellt die Hauptmasse des Pankreas dar und beseht aus Drüsengewebe. Die Steuerung erfolgt nerval durch das vegetative Nervensystem (Parasympathikus und Sympathikus) und hormonell durch Sekretin und Pankreozymin (syn. Cholezystokinin, s. u.). Im Drüsengewebe werden wichtige Verdauungsenzyme hergestellt, und zwar innerhalb von 24 Stunden ungefähr 1,5 Liter. Im Einzelnen werden produziert:

    • Proteasen, und zwar Trypsinogen und Chymotrypsinogen (s. u.) für die Eiweißverdauung.

    • Alphaamylase für die Kohlenhydratverdauung. Sie spaltet die Kohlenhydrate meist bis zum Zweifachzucker Maltose.

    • Lipase für die Fettverdauung, die von den Triglyzeriden (Neutralfetten) Fettsäuren abspaltet.

  • endokriner Anteil. Vor allem im Pankreaskörper und -schwanz befinden sich zwischen den exokrinen Zellen, wie kleine Inseln eingestreut, die sogenannten Langerhans-Inseln (syn. Inselapparat). Sie stellen den endokrinen Anteil des Pankreas dar, da hier wichtige Hormone (v. a. Glukagon und Insulin) hergestellt werden (auch Abschn. 14.8).

    • A-Zellen: Glukagon, mit blutzuckersteigernder Wirkung

    • B-Zellen: Insulin, mit blutzuckersenkender Wirkung

Trypsinogen und Chymotrypsinogen.Das Pankreas produziert die eiweißspaltenden Verdauungsenzyme TrypsinogenTrypsinogen und ChymotrypsinogenChymotrypsinogen in einer inaktiven Vorstufe, um sich vor Selbstverdauung zu schützen. Nachdem das Pankreas diese Enzyme ins Duodenum abgegeben hat, wird hier das Trypsinogen in das wirksame Trypsin verwandelt. Diese Umwandlung geht durch eine in der Dünndarmschleimhaut gebildete Protease, und zwar durch die Enterokinase (syn. Enteropeptidase) vor sich. Das so entstandene Trypsin veranlasst nun seinerseits, dass sich das inaktive Chymotrypsinogen in das aktive Chymotrypsin umwandelt.
Damit das Pankreas Trypsinogen und Chymotrypsinogen ausschüttet, produzieren bestimmte Zellen der Duodenalschleimhaut bei Kontakt mit Speisebrei (Chymus) die Gewebshormone Sekretin und Pankreozymin (Cholezystokinin, CCK). Diese gelangen auf dem Blutweg zum Pankreas und veranlassen dieses, seine Enzyme abzugeben.

Untersuchungsmethoden

Bauchspeicheldrüse:UntersuchungsmethodeDas Pankreas ist wegen seiner Lage hinter dem Magen der Palpation nur schwer zugänglich. Es stehen jedoch noch andere wichtige Untersuchungsmethoden zur Verfügung.
StuhluntersuchungStuhluntersuchung.Bei Mangel an Pankreassaft enthält der Stuhl vermehrt unverdaute Fette (Steatorrhoe), Eiweiße (Kreatorrhoe) und/oder Kohlenhydrate. Diese Bestandteile können deshalb bei einer chemischen Stuhluntersuchung vermehrt nachgewiesen werden.
  • Der typische makroskopische Stuhlbefund bei Pankreasinsuffizienz sind pastenartige bis breiig, fettig-glänzende Stühle von stechendem Geruch. Bei großen Anteilen unverdauter Nahrungsbestandteile kommt es zu voluminösen Massenstühlen.

  • Eine wichtige Rolle spielt bei der Stuhluntersuchung der Chymotrypsintest, bei dem der Stuhl auf seinen Gehalt auf Chymotrypsin untersucht wird. Ein erniedrigter Wert weist auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz hin.

Bildgebende Verfahrenwie Sonografie (Ultraschall), röntgenologische Abdomenübersichtsaufnahme, CT und ERCP (Abschn. 12.2, Galle, Untersuchungstechniken).
Enzymbestimmung in Blut und Harn.Am gebräuchlichsten ist die Bestimmung der Amylase in Blut und Urin.
Endokrine Funktionsdiagnostik.Hierher gehören die Blutzuckerbestimmungen. (Abschn. 14.8.2).

Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse

Akute Pankreatitis

Bauchspeicheldrüse:ErkrankungBei der akuten PankreatitisPankreatitis handelt es sich um eine Entzündung der BauchspeicheldrüsenentzündungBauchspeicheldrüse. Es kommen alle Schweregrade vor, von leichten Verlaufsformen bis hin zu tödlichen (Atlas Abb. 13-6).
Ursachen.Der Grund der Pankreatitis liegt meist in Gallenwegserkrankungen oder in Alkoholmissbrauch. Es sind aber noch weitere Ursachen bekannt: Infektionen (z. B. Hepatitis, Mumps), Stoffwechselstörungen (z. B. Überfunktion der Nebenschilddrüse mit Hyperkalzämie und Kalkeinlagerung in das Pankreas), Pankreasgangsteine, Verletzungen (z. B. durch OP) und Medikamente (Kortison, Östrogene, Antikoagulanzien u. a.). In 10 bis 20 % der Fälle bleibt die Ursache jedoch unbekannt.
Pathophysiologie.Das Pankreas ist ödematös geschwollen und von Entzündungsherden durchsetzt. Durch den Rückstau der aktivierten Verdauungsenzyme kommt es zur Selbstverdauung (Autodigestion). In schweren Fällen entsteht eine Pankreasnekrose.
Symptome.Bei den Symptomen, die auf eine akute Pankreatitis hinweisen können, muss man an die drei „S“ denken: Stoffwechselstörungen, Schmerzen, Schock.
  • In leichten Fällen treten lediglich Stoffwechselstörungen auf, da die Pankreasenzyme nicht mehr ausreichend hergestellt werden. Die Folgen sind eine Maldigestion und Fett- oder Massenstühle.

  • Schwere Fälle werden oft durch überreichliches Essen ausgelöst. Es setzen plötzlich heftige Oberbauchschmerzen ein, die bis in den Rücken ausstrahlen können. Es kann aber auch sein, dass der Schmerz mehr im linken Oberbauch angegeben wird, oder dass er als „gürtelförmiger“ Schmerzen beschrieben wird. Oft gibt jedoch der Betroffene den gesamten Bauchraum als schmerzhaft an. Es treten Übelkeit, Erbrechen und Meteorismus auf.

  • In schwersten Fällen entwickelt sich ein akutes Abdomen bzw. ein Schock. Es kommt zur Abwehrspannung der Bauchdecke, und zwar zum sogenannten „elastischen Gummibauch“, in manchen Fällen später auch zum „brettharten Bauch“. Es handelt sich um einen lebensbedrohlichen Zustand (ca. 25 % der Fälle enden tödlich), der eine sofortige Krankenhauseinweisung notwendig macht.

Akute Pankreatitis (3-S-Regel)

  • Stoffwechselstörungen

  • Schmerzen

  • Schock (akutes Abdomen)

Diagnose.Der Bauchraum ist druckschmerzhaft, anfangs nur gering gespannt („Gummibauch“), kann aber gelegentlich später bretthart werden.
In Blut und Urin findet man die Alphaamylase und die Lipase erhöht, außerdem kommt es zu Leukozytose, BKS-Beschleunigung, CRP-Anstieg und Hyperglykämie.
Therapie.Die Therapie hängt vom Schweregrad und der Ursache der Erkrankung ab. Bei leichten Störungen können die Pankreasenzyme durch Medikamente substituiert werden, um die Bauchspeicheldrüse ruhigzustellen und zu entlasten. Außerdem können antientzündliche Medikamente (z. B. Enzympräparate) gegeben werden.
Schwerere Erkrankungen gehören in die Hand des Arztes; bei schwersten, wenn sich schon eine (elastische) Abwehrspannung der Bauchdecke ausgebildet hat, ist sofortige Krankenhauseinweisung notwendig. Der Patient darf in diesem Fall nicht mehr bewegt werden, sondern bleibt bis zum Eintreffen des Notarztwagens auf der Untersuchungsliege liegen.

Chronische Pankreatitis

Bei der chronischen Pankreatitis wird im Laufe der Zeit zunehmend Pankreasgewebe zerstört, sodass die Funktion des Organs immer mehr eingeschränkt wird und sich eine Pankreasinsuffizienz einstellt. Die Krankheit kann kontinuierlich oder in Schüben verlaufen. Es kommen unterschiedliche Schweregrade vor.
Ursachen.Die häufigste Ursache ist Alkoholabusus. Aber es kommen auch Mukoviszidose und alle die Ursachen in Betracht, die schon bei der akuten Pankreatitis aufgeführt wurden.
Pathophysiologie.Im Dünndarm kommt es zu einem Mangel an Verdauungsenzymen und damit zur Maldigestion. Dadurch wird in erster Linie die Fettaufnahme gestört und damit auch die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine. Durch die eingeschränkte Pankreasfunktion kann sich auch ein Diabetes mellitus einstellen.
Symptome.Es treten rezidivierende Schmerzen im Oberbauch auf (v. a. nach Nahrungsaufnahme), manchmal jedoch auch Dauerschmerzen, evtl. mit Ausstrahlung in die Flanken und/oder den Rücken. Weitere Beschwerden sind Übelkeit, Erbrechen, Völlegefühl, Fettstühle und Überempfindlichkeit gegen bestimmte Speisen (Alkohol, Fett, Milch). Schon im frühen Stadium kommt es zu Gewichtsabnahme, später zur Maldigestion und schließlich bei schweren Mangelzuständen zu Eiweißmangelödemen, Muskelatrophie und Kachexie, evtl. auch zu Diabetes mellitus.
Je nach Ausprägungsgrad sind die Beschwerden unterschiedlich intensiv. Sie reichen von symptomarmen Verläufen bis hin zu heftigsten Beschwerden bei akuten Schüben.
Diagnose.Im akuten Schub können die Alphaamylase und die Lipase erhöht sein; oft ist der Befund jedoch unauffällig. Weitere mögliche Untersuchungen sind Chymotrypsintest, Stuhluntersuchung auf unverdaute Fette und Eiweiße, ERCP (Abschn. 12.2), Ultraschall und röntgenologische Abdomenleeraufnahme zur Aufdeckung von Kalkeinlagerungen im Pankreas. Die Diagnosestellung bereitet oft Schwierigkeiten!
Therapie.Es gilt, die Ursache zu finden und zu behandeln. Bis diese ursächliche Therapie wirkt, können die Pankreasenzyme mittels geeigneter Präparate ersetzt werden (Enzymsubstitution). Ist es durch die gestörte Fettverdauung zum Mangel der fettlöslichen Vitamine gekommen, müssen auch diese ersetzt werden.
Alkohol ist zu meiden, ansonsten sollte die Ernährung fettarm sein und sich nach den Wünschen des Patienten richten.

Pankreaskarzinom

Bei uns ist in den letzten 50 Jahren eine ständige Zunahme des PankreaskarzinomKrebs:BauchspeicheldrüseBauchspeicheldrüsenkrebsPankreaskarzinoms zu verzeichnen. Betroffen sind hauptsächlich Männer zwischen 50 bis 70 Jahren. Rauchen und eine genetische Disposition erhöhen das Erkrankungsrisiko.
Pathogenese.Der Tumor sitzt meist (ca. 70 %) im Pankreaskopf und komprimiert durch sein Wachstum den Gallengang (Ductus choledochus). Dadurch entwickelt sich ein Verschlussikterus.
Symptome.Die Leitsymptome sind:
  • dumpfe, bohrende Oberbauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen

  • anhaltender oder intermittierender schmerzloser Ikterus ohne Fieber

  • Gewichtsabnahme

Außerdem kommt es zu gastrointestinalen Beschwerden wie sie auch bei chronischer Pankreatitis auftreten, und zwar Völlegefühl, Übelkeit, Meteorismus und Durchfälle. Später entwickeln sich eine Pankreasinsuffizienz und Diabetes mellitus.
Diagnose.Courvoisier-Zeichen positiv (Kasten), v. a. Ultraschall und ERCP, evtl. Angiografie, Biopsie, Laparotomie

Courvoisier-Zeichen

Courvoisier-ZeichenDie Gallenblase ist tastbar, aber schmerzlos bei gleichzeitig bestehendem Ikterus. Ursache ist ein chronischer Verschluss des Ductus choledochus durch ein Tumorgeschehen.
Differenzialdiagnose.Chronische Pankreatitis!
Therapie.Je nach Stadium und Lokalisation.
Prognose.Nach Diagnosestellung beträgt die mittlere Überlebenszeit nur 6 Monate.

Endokrine Funktionsstörungen

Die wichtigste Erkrankung des endokrinen Anteils des Pankreas, der Diabetes mellitus, wird im Kapitel „Endokrinologie“ Abschn. 14.13.1 besprochen.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen