© 2020 by Elsevier GmbH

Bitte nutzen Sie das untenstehende Formular um uns Kritik, Fragen oder Anregungen zukommen zu lassen.

Willkommen

Mehr Informationen

B978-3-437-55696-8.00029-4

10.1016/B978-3-437-55696-8.00029-4

978-3-437-55696-8

Aufbrechen einer Ampulle. Verwenden Sie zum Aufbrechen der Ampulle immer einen Zellstofftupfer, um Schnittverletzungen zu vermeiden.

[L106]

Aufziehen des zu injizierenden Mittels. Verwenden Sie eine „Aufziehkanüle“, die Sie nach Gebrauch im Kanülensammler entsorgen, und zwar – wegen der Verletzungsgefahr – ohne vorher die Kappe aufzustecken. Für die Injektion am Patienten wird dann eine neue Nadel verwendet.

[L106]

Intramuskuläre Injektion in den Gesäßmuskel (Methode nach von Hochstetter).

[L106]

Intramuskuläre Injektion in den Deltamuskel (M. deltoideus). Mengen unter 1 cm3 können (mit Ausnahme von öligen Substanzen) in den Deltamuskel des Oberarmes verabreicht werden. Eingestochen wird senkrecht zur Hautoberfläche von der Seite des Patienten aus. Wird der „lange Weg“ gewählt, ist der Einstichkanal länger, sodass größere Mengen abgesetzt werden können als beim „kurzen Weg“.

[L106]

Übersicht über die Größe, Farbcodierung und Verwendung von Injektionsnadeln

Tab. 29-1
Größe und Farbcodierung = Farbe des Kanülenansatzes Länge der Nadel Durchmesser der Nadel Verwendung
1 + gelb 40 mm 0,9 mm Blutabnahme, i. v., tief i. m.
14 + violett 30–32 mm 0,6 mm i. m.
16 + blau 25 mm 0,66 mm s. c.
20 + grau 20 mm 0,4 mm s. c., i. c.

Blutentnahme und Injektionstechniken

  • 29.1

    Blutentnahme809

  • 29.2

    Intravenöse Injektion811

  • 29.3

    Intramuskuläre Injektion812

  • 29.4

    Subkutane Injektion814

  • 29.5

    Intrakutane Injektion815

  • 29.6

    Entnahme von Kapillarblut816

  • 29.7

    Beseitigung der gebrauchten Kanülen und Lanzetten816

Unter einer InjektionInjektion versteht man eine Einspritzung, das heißt eine Einbringung von Arzneimitteln in den Körper unter Umgehung des Verdauungskanals (parenteral). Je nachdem, wohin gespritzt wird, unterscheidet man:

Injektionstechniken

  • i. v. intravenöse Injektion, d. h. in eine Vene

  • i. m. intramuskuläre Injektion, d. h. in einen Muskel

  • i. c. intrakutane Injektion, d. h. in die Haut

  • s. c. subkutane Injektion, d. h. unter die Haut

Diese Techniken werden von vielen Heilpraktikern angewendet und müssen deshalb auch bei der Überprüfung sicher beherrscht werden.

Des Weiteren gibt es noch die folgenden Injektionen:

  • intraarterielle Verabreichung, d. h. in eine Arterie

  • intraartikuläre Verabreichung, d. h. in ein Gelenk

  • intraossäre Verabreichung, d. h. in einen Knochen

  • intrakardiale Verabreichung, d. h. in das Herz

  • intrathekale Verabreichung, d. h. in den Liquorraum

Es ist dem Heilpraktiker zwar gesetzlich nicht verboten diese risikoreichen Techniken auszuführen, aber aufgrund seiner Sorgfaltspflicht sollten diese Injektionen im Allgemeinen dem Facharzt vorbehalten bleiben. Sie werden deshalb hier auch nicht näher besprochen.

Für die Injektionstechniken gilt ganz allgemein, dass eine nur theoretische Erarbeitung des Stoffes mit Sicherheit nicht ausreichend ist. Sie muss unbedingt durch die praktische Anschauung eines entsprechend geschulten Lehrers ergänzt werden.

Einverständniserklärung des Patienten.Um eine Injektion am Patienten vornehmen zu können, benötigen Sie dessen Einverständnis. Diese kann mündlich oder schriftlich abgegeben werden. Eine schriftliche Erklärung ist aus Beweisgründen vorteilhaft, allerdings ist sie in Heilpraktikerpraxen meist nicht üblich.

Damit aber der Patient sein wirksames Einverständnis geben kann, muss er über alle Risiken und Nebenwirkungen umfassend aufgeklärt worden sein. Nehmen Sie eine Injektion ohne wirksame Einverständniserklärung des Patienten vor, so begehen Sie den Tatbestand einer Körperverletzung.

Voraussetzungen.Vom rechtlichen her, müssen Sie immer die für den Patienten risikoärmste Anwendungsart wählen. Angenommen, ein Medikament ist oral eingenommen genauso wirksam, wie injiziert, so müssen Sie es in diesem Fall oral verordnen, da jede Injektion mit einem gewissen Risiko behaftet ist.

Gründe, die für eine Injektion sprechen sind: Notfall, darniederliegender Kreislauf bzw. Schock, schneller Wirkungseintriff erwünscht, Wirkungsverstärkung durch Wahl eines bestimmten Injektionsortes (z. B. Akupunkturpunkt), Resorptionsstörung (z. B. Vitamin-B12-Mangel durch Intrinsic-Faktor-Mangel), bessere Verträglichkeit (z. B. um gastrointestinale Beschwerden zu vermeiden), Patient ist verwirrt oder dement und die Medikamenteneinnahme dadurch nicht gewährleistet.

Dokumentation.Die erfolgte Aufklärung, die Einwilligung des Patienten, die Durchführung der Injektion mit welchem Mittel und an welchem Ort muss in der Patientenkartei sorgfältig dokumentiert werden.

Eine solche Dokumentation dient dem Heilpraktiker nicht nur als Gedächtnisstütze sondern ist in einem Schadensfalle ein wichtiges Beweisstück. Beschuldigt Sie ein Patient, dass ihm durch Ihre Behandlung ein Schaden entstanden ist, so müssen Sie belegen können, dass dies nicht so ist (umgekehrte Beweislast).

Hygienische Anforderungen.Bei allen Hautverletzungen ist auf eine ausreichende Desinfektion zu achten. Außerdem muss sich der Behandler die Hände in der vorgeschriebenen Weise vor und bei Kontamination auch nach der Injektion oder Blutentnahme desinfizieren. Auf die Sterilität des verwendeten Instrumentariums muss sorgfältig geachtet werden. Damit diesen Anforderungen genügt wird, geht man vor, wie es im Kapitel 1 Gesetzeskunde unter dem Abschnitt 1.3.3, Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, beschrieben wird. Außerdem müssen nach den Vorschriften der Berufsgenossenschaft bei allen Hautverletzungen Einmal-Handschuhe getragen werden. In den folgenden Ausführungen wird auf diese Sachverhalte bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr gesondert hingewiesen, sondern diese Grundsätze werden als selbstverständlich vorausgesetzt.

Bereitstellung des Materials.Bevor Sie mit der Injektion bzw. der Blutentnahme beginnen, richten Sie sich das dazu benötigte Material: Medikament (evtl. mit Ampullensäge), Desinfektionsmittel, Spritzentablett oder Nierenschale zum Aufbewahren der benötigten Teile, sterilisierte Tupfer, Injektionsspritze, Injektionskanüle, Staubinde (bei Blutentnahme), Unterarmpolster, (unsterile) Handschuhe, evtl. Pflaster, Kanülensammler und Abfallbehältnis für den übrigen Abfall.

Injektionskanülen(Nadeln) werden als Einweg-Material verwendet. Sie tragen bestimmte Nummern, die ihre Länge und ihren Durchmesser kennzeichnen. Bitte beachten Sie hierzu die Tabelle 29-1.

Abfallentsorgung und Recapping.Haben Sie eine Nadel zu einer Injektion oder Blutentnahme benutzt, so werfen Sie sie anschließend in einen Kanülensammler. Stecken Sie jedoch vorher keinesfalls die Kappe wieder auf die Nadel. Gerade bei diesem sog. „Recapping“ passieren die meisten Stichverletzungen und damit besteht die Gefahr einer AIDS- oder Hepatitis-Infektion.

Blutentnahme

BlutentnahmeBei der Blutentnahme geht man zweckmäßigerweise nach dem folgenden Schema vor.
Der Patient legt sich am besten auf die Liege. Das hat den Vorteil, dass kreislauflabile Patienten, falls sie kollabieren, nicht zu Boden fallen und sich dabei evtl. verletzen.
Der Behandler wäscht sich gründlich die Hände mit Wasser und Seife und desinfiziert sie mit einem Präparat erwiesener Wirksamkeit.
Nun wird die Staubinde am Oberarm knapp über dem Ellenbogen angelegt. Danach wird die Haut im Bereich des Punktionsgebietes vorschriftsmäßig desinfiziert. Danach darf diese Stelle nicht mehr mit einem unsterilen Tupfer oder mit der Hand berührt werden.
Die Kanüle wird der Spritze so aufgesetzt, dass ihre Schlifffläche mit der Skaleneinteilung der Spritze eine Linie bildet. Das ist wichtig, damit die entnommene Blutmenge genau bemessen werden kann. Es ist darauf zu achten, dass die Kanüle fest auf der Spritze aufsitzt, damit beim Ansaugen am Nadelansatz keine Luft in den Spritzenkolben eintritt und das Blut dadurch unnötig aufgeschäumt wird.
Der Einstich in die Vene erfolgt so, dass die Schlifffläche und damit auch die Skaleneinteilung für den Behandler gut sichtbar sind. Dabei umfasst der Behandler mit den vier Fingern der linken Hand den Arm des Patienten und mit dem Daumen strafft er leicht die Haut unterhalb der Punktionsstelle entgegen dem Venenverlauf. Dieser feste Kontakt ist wichtig, falls der Patient beim Einstich eine unwillkürliche Fluchtbewegung mit dem Arm ausführt.
Die Punktion erfolgt in einem flachen Winkel direkt über der Vene durch die Haut. Nach Durchstechen der Haut wird der Einstichwinkel noch weiter abgeflacht und die Venenwand durchstochen, damit die Kanüle parallel zu den Venenwänden zu liegen kommt.
Zur Blutentnahme wird der Spritzenstempel mit Zeigefinger und Daumen erfasst und langsam nach hinten gezogen.
Hat man die benötigte Menge Blut entnommen, wird zunächst die Staubinde geöffnet, und erst danach wird die Kanüle zügig aus dem Einstichkanal herausgezogen.
Wird die Kanüle vor Öffnen der Staubinde herausgezogen, bildet sich oft ein Hämatom!
Beim Herausziehen ist unbedingt darauf zu achten, dass die Kanülenspitze keine strichförmige Verletzung der Venenwand hinterlässt. Eine solche Verletzung kann zur Thrombenbildung führen.
Zum Schluss wird ein Zellstofftupfer fest auf die Punktionsstelle gedrückt, bis die Blutung zum Stillstand kommt. Danach kann ein Pflaster aufgebracht werden.
Anlegen der Staubinde.Beim Anlegen der StaubindeStaubinde achtet man darauf, dass die Schnalle vom Körper des Patienten weg zeigt, damit sie später leicht geöffnet werden kann.
Der Staudruck ist so zu wählen, dass der Radialispuls noch gut zu tasten ist. Bei zu fester Stauung kann der Puls nicht mehr getastet werden. In diesem Fall ist der arterielle Blutzustrom unterbrochen, und häufig kann dann nicht die gewünschte Blutmenge entnommen werden. In diesem Fall ist die Staubinde zu lockern. Wird allerdings zu gering gestaut, kann das venöse Blut ungehindert abfließen. Auch in diesem Fall kann die Blutentnahme misslingen.
Optimaler Staudruck.Um den richtigen Staudruck zu ermitteln, kann man eine Blutdruckmanschette zu Hilfe nehmen. Dazu wird zuerst der Blutdruck gemessen. Dann errechnet man die Differenz zwischen dem systolischen und diastolischen Wert. Der optimale Staudruck liegt im oberen Drittel dieses Wertes.
Beispiel. Blutdruck = 120/80 mmHg, optimaler Staudruck = 100–110 mmHg.
Achten Sie darauf, dass nicht zu fest gestaut wird, da sonst kein Blut mehr in die Arterie einfließt und deshalb die benötigt Blutmenge nicht entnommen werden kann.
Kanülengröße, BlutentnahmeKanülengröße.Zur Blutentnahme wird mit der größtmöglichen Kanüle gearbeitet, also Größe 1 oder 2. Je größer der Kanülenquerschnitt, umso besser ist die Qualität des gewonnenen Blutes für die darauffolgende Laboruntersuchung.
Des Weiteren spricht für eine dickere Kanüle, dass sie besser im Venenlumen liegt und damit die Gefahr geringer ist, die Venenhinterwand zu durchstechen.
Heutzutage haben alle Kanülen einen sehr guten Spitzenschliff, sodass eine dickere Kanüle kaum einen schmerzhafteren Einstich bereitet als eine dünnere.
Aufsuchen der Vene in der Ellenbeuge.Im günstigen Falle sieht man bereits vor der Stauung eine oder mehrere Venen durch die Haut schimmern. Sieht man mehrere Venen, so wählt man die am weitesten radial gelegene Vene, da hier die Möglichkeit einer Nerven- oder Arterienverletzung am geringsten ist.Blutentnahme:Aufsuchen der Vene
Sieht man keine Venen durch die Haut schimmern, so klopft man mehrmals auf die beabsichtigte Punktionsstelle, um die Vene „hervorzulocken“ oder man legt feucht-warme Auflagen auf. Lassen Sie den Patienten vor einer Blutentnahme nicht „pumpen“ (= Faust mehrmals öffnen und schließen), um die Vene zum deutlicheren Hervortreten zu bringen, denn dadurch kann es zum Zerplatzen von Erythrozyten und damit zur Verfälschung von Labordaten kommen.
Aufsuchen von tiefer liegenden Venen.Muss man Blut entnehmen, ohne dass man die Vene von außen sehen kann, so versucht man durch vorsichtiges Betasten der gestreckten Ellenbeuge mit zwei bis drei Fingerspitzen eine tiefliegende Vene zu erspüren.
Hat man eine solche von Unterhautfettgewebe umgebene Vene ertastet, so muss man sich unbedingt vergewissern, dass es sich auch um eine Vene und nicht um eine Arterie oder um eine Sehne handelt! Pulsiert das Gefäß, so handelt es sich um eine Arterie. Ob es sich um eine Sehne handelt, kontrolliert man, indem man die Stauung ablässt. Die Vene verschwindet nun. Eine Sehne ist weiterhin als derber Strang zu fühlen.
Danach wird erneut gestaut und die Punktionsstelle erneut vorschriftsmäßig desinfiziert! Diese Stelle darf nunmehr weder mit den Fingern noch mit einem unsterilen Tupfer in Kontakt kommen.
Zum besseren Auffinden der Vene werden Daumen und Zeigefinger rechts und links der ertasteten Vene gelegt (nicht die Punktionsstelle berühren!) und durch Spreizen der Finger die darüberliegende Haut gespannt. Bei einer tieferliegenden Vene muss der Einstichwinkel steiler gewählt werden als bei der direkt unter der Haut liegenden Vene. Nach Durchstechen der Haut wird die Kanüle mit unverändertem Winkel vorgeschoben und noch während des Vorschiebens werden ständig Aspirationsversuche (s. u.) gemacht.
Mögliche Komplikationen bei Blutentnahme.Der Patient könnte ohnmächtig (Auftreten einer Synkope) werden. Ein Hämatom (Bluterguss) bildet sich, wenn ein Gefäß durchstochen wird. Zum verlängerten Nachbluten kommt es v. a. bei Patienten, die blutverdünnende Medikamente einnehmen. Punktionsstelle in diesem Fall sorgfältig und mehrere Minuten lang komprimieren. Zur Bildung einer Thrombophlebitis könnte es kommen, wenn beim Herausziehen der Nadel fest auf den Tupfer gedrückt wurde, da dadurch die Venenwand von innen verletzt werden könnte.Blutentnahme:Komplikation

Intravenöse Injektion

Injektion:intravenöseBei einer intravenösen Injektion geht man sinngemäß so vor, wie vorstehend bei der Blutentnahme geschildert. Allerdings muss nach der Punktion aspiriert und vor der Injektion die Staubinde gelöst werden, damit das zu injizierende Mittel ungehindert in die Vene fließen kann.

Intravenöse Injektion

  • Vorschriftsmäßige Desinfektion!

  • Unbedingt aspirieren!

  • Vor der Injektion Staubinde lösen!

Aspirieren.AspirationNach der Punktion und vor dem Einbringen des Medikaments muss unbedingt aspiriert werden, um die richtige Lage der Kanülenspitze zu überprüfen. Dazu wird der Spritzenstempel etwas zurückgezogen. Mischt sich daraufhin venöses Blut mit dem Medikament, so liegt die Kanüle vorschriftsmäßig in der Vene.
Läuft das Blut pulsierend in die Spritze, wurde irrtümlich eine Arterie punktiert. In diesem Fall darf keinesfalls gespritzt werden!
Hat man sich durch Aspirieren vergewissert, dass die Kanülenspitze ordnungsgemäß in der Vene liegt, so wird vor dem Einspritzen des Medikaments die Staubinde geöffnet.
Aufziehen des zu injizierenden Mittels.Achten sie darauf, dass das zu spritzende Mittel klar ist, das heißt, es dürfen keine sichtbaren festen oder trüben Teilchen darin schwimmen.
Legen Sie vor dem Abbrechen des Ampullenkopfes immer einen sterilisierten Tupfer zwischen Ampullenhals und ihren Zeigefinger, um Schnittverletzungen zu vermeiden. Brechen Sie dann mit Ihrem Daumen den Ampullenkopf mit einer ruckartigen Bewegung ab. (Abb. 29-1).
Die Injektionslösung wird nun mit einer „Aufziehkanüle“ aus der Ampulle entnommen, wobei die Ampulle schräg gehalten wird, sodass kein Rest in der Ampulle zurückbleibt (Abb. 29-2).
Danach wird die Kanüle – ohne die Kappe aufzustecken – im Kanülensammler entsorgt. Für die Injektion wird dann eine neue Nadel auf die Spritze aufgesteckt und die gesamte Luft wird sorgfältig aus der Spritze entfernt.
Verwendet werden Kanülen der Größe 1 oder 2.
Nachdem man die Spritze aufgezogen hat, verbleibt die leere Ampulle auf dem Spritzentablett, damit man sich jederzeit vergewissern kann, dass das Medikament, das gespritzt werden soll, auch tatsächlich in der Spritze ist und dass es intravenös gespritzt werden darf. Dies gilt um so mehr, wenn das zu injizierende Mittel nicht von einem selbst, sondern von einer entsprechend angelernten Hilfskraft vorbereitet wurde.

Intramuskuläre Injektion

Injektion:intramuskuläreFür die Wahl des richtigen Injektionsortes und der richtigen Injektionsmethode stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:
  • ventrogluteale Injektion nach von Hochstetter (ventro = nach vorne gelegen, gluteus = Gesäßmuskel)

  • intramuskuläre Injektion in den Oberschenkel

  • intramuskuläre Injektion in den Deltamuskel

Allerdings wird in der Regel der Injektionsort nach der Methode nach von Hochstetter bestimmt, da dieser als die risikoärmste Methode gilt. Die früher übliche Bestimmung des Injektionsortes in den oberen äußeren Quadranten wird heute nicht mehr empfohlen und deshalb hier nicht näher besprochen.
Verwendet werden bei normalgewichtigen Erwachsenen die Kanülengrößen 2 oder 1 (wenn tief i. m. gespritzt wird), bei Injektion in den Deltamuskel Kanülengröße 12 oder 14.
Ventrogluteale Injektion in den GesäßmuskelInjektion:ventrogluteale(Methode nach von Hochstetter von, InjektionsmethodeHochstetter). Bei erwachsenen, normalgewichtigen Patienten wird der Injektionsort nach der Methode von Hochstetter ermittelt (ventrogluteale Injektion).
Gehen Sie zum Auffinden des rechtsseitigen Punktes folgendermaßen vor:
Der Patient liegt entspannt auf seiner linken Seite auf der Untersuchungsliege und winkelt die Knie dabei leicht an: Legen Sie nun die Spitze Ihres linken Zeigefingers auf den vorderen oberen Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior). Mit Ihrem linken Mittelfinger tasten Sie sich auf dem Darmbeinkamm (Crista iliaca) entlang, bis er weit abgespreizt ist. Ziehen Sie nun Ihren Mittelfinger um ungefähr zwei Zentimeter nach unten, sodass Ihr Handteller auf dem großen Rollhügel (Trochanter major) zu liegen kommt. Zwischen Ihrem Zeige- und Mittelfinger finden Sie nun ein Dreieck, in dessen unterem Drittel sich der richtige Injektionsort befindet. Der Einstich der Nadel erfolgt senkrecht zur Hautoberfläche (Abb. 29-3).
Ausnahmen.Die Methode nach von Hochstetter ist nicht geeignet, wenn die Hand des Behandlers zu groß oder zu klein ist. Die Hand des Behandlers hat für normalgewichtige, erwachsene Patienten die richtige Größe, wenn eine Handschuhgröße von sechs bis acht vorliegt.
Intramuskuläre Injektion in den Oberschenkel.Sollte die Bestimmung des Injektionsortes nach der Methode nach von Hochstetter nicht möglich sein, so wird meist der Oberschenkel als Injektionsort gewählt.
Hier liegt der richtige Punktionsort im mittleren Drittel der Oberschenkelvorderseite (M. vastus lateralis, einem Anteil des Oberschenkelstreckers, M. quadrizeps femoris), und zwar im mittleren Drittel einer gedachten Linie zwischen großem Rollhügel und Kniescheibe, also zwischen „Bügelfalte“ und „Hosennaht“.
Zum Auffinden liegt der Patient entspannt auf dem Rücken. Der Oberschenkel wird in drei Abschnitte unterteilt: 1. von der Leiste bis handbreit unterhalb der Leiste, 2. mittleres Oberschenkeldrittel, 3. Knie bis handbreit oberhalb des Knies. Nun wird der Oberschenkel noch weiter unterteilt in vordere Bügelfalte und seitliche Hosennaht und davon die Mitte festgestellt.
Bitte beachten Sie, dass keinesfalls im oberen oder unteren Oberschenkeldrittel injiziert werden darf.
Intramuskuläre Injektion in den Deltamuskel.Der Einstich in den Deltamuskel erfolgt senkrecht zur Hautoberfläche in die größte Vorwölbung des Muskels.
Eine andere Möglichkeit ist, die Haut etwas unterhalb der dicksten Vorwölbung im Bereich der Mulde mit dem linken Daumen zu spannen (Abb. 29-4). Dann wird die Kanüle in leicht schräger Richtung nach oben in die Mitte des Deltamuskels gestochen.
Die intramuskuläre Injektion in den Deltamuskel darf nur mit Stichrichtung von der Seite des Patienten aus, senkrecht zur Hautoberfläche erfolgen, da sonst Nerven oder Gefäße des Armes verletzt werden können.

Intramuskuläre Injektion

  • Vorschriftsmäßige Desinfektion

  • Wahl des richtigen Punktionsorts (nach von Hochstetter)

  • Aspiration

Kontraindikationen der intramuskulären Injektion
  • Erhöhte Blutungsneigung bei Blutern oder bei Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten (Antikoagulanzien wie Marcumar und ASS).

  • Muskellähmung oder Hautveränderungen im Injektionsgebiet wie Exantheme oder Leberflecken.

  • Kreislaufversagen. Im Schock darf nicht intramuskulär injiziert werden, sondern nur noch intravenös, da das Mittel sonst nicht mehr in den Kreislauf aufgenommen wird und deshalb keine Wirkung zeigen kann.

  • Verdacht auf Herzinfarkt, da durch eine i. m.-Injektion die Enzymdiagnostik verfälscht wird und keine Lysetherapie durchgeführt werden kann, da dadurch das Blutungsrisiko im betroffenen Muskel ansteigt.

Fehler bei der intramuskulären Injektion
  • Irrtümliche Verabreichung eines intramuskulär zu spritzenden Mittels ins Unterhautfettgewebe. Im Unterhautfettgewebe sind die Resorptionsbedingungen schlechter als in der Muskulatur. Deshalb bleibt ein gespritztes Medikament hier länger liegen und kann, v. a. bei öligen Substanzen, zu der gefürchteten Fettgewebsnekrose führen. In diesem Fall wird eine chirurgische Behandlung notwendig.

  • Die Nadelspitze gelangt auf den Beckenknochen. Trifft man mit der Kanülenspitze versehentlich den Beckenknochen, wird das vom Patienten als schmerzhaft empfunden. In diesem Fall muss unbedingt vor Absetzen des Mittels die Kanüle ein Stück ins Muskelgewebe zurückgezogen werden. Setzt man das Medikament nämlich am Beckenknochen ab, kann das zu einer langwierigen und sehr schmerzhaften Knochenhautreizung führen.

  • Schädigung des N. ischiadicus. Wird der Injektionsort nicht richtig bestimmt, so kann es zu einer Reizung des N. ischiadicus kommen. Wird der Nerv dabei mit der Nadel angestochen, so gibt der Patient einen heftigen, stechenden Schmerz an, der bis in den Fuß ausstrahlen kann. In diesem Fall darf das Mittel keinesfalls injiziert werden! Durch ein bloßes Anstechen des Muskels bleiben in der Regel keine irreparablen Schäden wie Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen zurück. Je nach injiziertem Mittel kann es jedoch zu zeitweisen oder anhaltenden neurologischen Ausfällen kommen. Manchmal gibt der Patient ein Druckgefühl im Gesäßmuskel an. Diese Beschwerde kann auch auftreten, wenn der Injektionsort richtig gewählt wurde. Vermutlich handelt es sich in diesem Fall um eine Reaktion des N. ischiadicus auf den Umgebungsdruck durch das verabreichte Medikament. Bitte vergegenwärtigen Sie sich den Verlauf des N. ischiadicus nochmals mit den Abb. 18-1 und 18-34 im Atlas.

  • unsauberes Arbeiten. Durch unsauberes Arbeiten kann es zu einem Spritzenabszess kommen. Die i. m.-Injektion ist die Injektion mit dem höchsten Infektionsrisiko, weshalb hier die Desinfektion besonders sorgfältig durchgeführt werden muss.

  • versehentliche Injektion in ein Gefäß. Wenn vergessen wird zu aspirieren oder wenn aspiriert wurde, aber während der Injektion der Injektionsort unbemerkt verändert wurde, so kann es passieren, dass das Medikament versehentlich in ein Gefäß gespritzt wird. In diesem Fall kann es bei entsprechenden Mitteln zu einem Gefäßkrampf kommen. Handelt es sich um eine Arterie, so wird das Gewebe nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Eine umgehende chirurgische Behandlung im Krankenhaus ist unumgänglich.

  • Verwendung eines unverträglichen Mittels. Aufgrund einer Unverträglichkeit des gespritzten Mittels kann es zu einem anaphylaktischen Schock kommen.

  • Nadelabbruch. Bewegt sich der Patient plötzlich während der Injektion, kann die Nadel am Übergang zwischen Kanülenschaft und -konus abbrechen. Deshalb verbleibt bei einer Injektion zwischen der Haut und dem Kanülenkonus grundsätzlich ein Sicherheitsabstand von mindestens 1 cm, damit die Nadel notfalls von Hand herausgezogen werden kann.

Subkutane Injektion

Injektion:subkutanBei einer subkutanen Injektion wird das Mittel in die Unterhaut (Subkutis, Unterhautfettgewebe) injiziert. Es bildet sich eine Quaddel ohne „Apfelsinenhautphänomen“ (Abschn. 29.5).
Injektionsorte.Grundsätzlich können alle Körperregionen mit ausgeprägtem Unterhautfettgewebe gewählt werden. Häufig wählt man die Nabelregion oder die seitlichen und vorderen Flächen der Oberschenkel. Achten Sie bei der Nabelregion darauf, dass Sie nicht zu nahe am Nabel sind, da hier nur wenig bzw. kein Fettgewebe ist.
Sie können jedoch auch die seitlichen Oberflächen der Oberarme nehmen, da diese besonders gut zugänglich sind. Gerade in der Naturheilkunde entscheidet man sich aber auch für bestimmte Akupunkturpunkte oder andere Orte, von denen die Naturheilkunde weiß, dass diese besonders wirksam sind.
Einstichtiefe.Um die erforderliche Einstichtiefe festzulegen, heben Sie mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte ab. Führen Sie die Stichrichtung nun aber nicht senkrecht zur Haut aus, sondern legen Sie einen längeren Einstichkanal an, damit das injizierte Mittel nicht wieder herausfließt. Stechen Sie also in einem schrägen Winkel durch die Haut und flachen Sie danach den Winkel noch etwas weiter ab, um die Nadel gut ins subkutane Gewebe vorschieben zu können.
Aspiration.Ob bei einer s. c.-Injektion aspiriert wird oder nicht, hängt von der Kanülenlänge und dem verabreichten Mittel ab: Es wird nicht aspiriert, wenn so kurze Kanülen verwendet werden, dass kein größeres Gefäß, das tiefer in der Unterhaut verläuft, erreicht werden kann. In diesem Fall verzichtet man auf die Aspiration, um dadurch möglicherweise entstehende Gewebeschäden zu verhindern. Dies betrifft in der schulmedizinischen Pflege v. a. die verschreibungspflichtigen Medikamente Insulin und Heparin. Es wird aspiriert bei Medikamenten, die Unverträglichkeiten verursachen können, wie z. B. Fremdeiweiße und bei subkutanen Injektionen, die in tiefere Lagen der Subcutis erfolgen, v. a. bei Medikamenten, die nicht intravasal (d. h. in ein Gefäß) verabreicht werden dürfen.
Desinfektion.Grundsätzlich ist vor jeder Hautverletzung zu desinfizieren! Deshalb auch bei der s. c.-Injektion.
Kontraindikationensind Kreislaufversagen (Schock), ölige Substanzen (Gefahr der Fettgewebsnekrose) und Hautveränderungen im Punktionsgebiet.
Komplikationensind selten. Es kann zu Mittelunverträglichkeiten (anaphylaktische Reaktionen bis anaphylaktischer Schock) und zur Bildung eines Hämatoms kommen.
Fehler bei der subkutanen Injektion.Wird der Einstichwinkel zu flach gewählt und damit das Mittel in die Haut statt unter die Haut gebracht, so verursachen manche Medikamente einen heftigen Brennschmerz.
Wurde der Einstichwinkel zu steil gewählt und das Mittel deshalb zu tief gespritzt, so kommt es im Allgemeinen nicht sofort zu Schmerzen. Je nach verwendetem Mittel ist es aber möglich, dass es Stunden später zu stärkeren lokalen Schmerzen kommt. In diesen Fällen kann man versuchen, mit kühlenden Umschlägen die Beschwerden etwas zu mildern.

Intrakutane Injektion

Injektion:intrakutanBei der intrakutanen Injektion wird das Medikament direkt in die Lederhaut gespritzt. Auch in diesem Fall muss ausreichend desinfiziert werden.
Der Einstichwinkel wird bei der intrakutanen Injektion noch flacher gewählt als bei der subkutanen. Die richtige Ausführung der intrakutanen Spritzung sieht man daran, dass die Haut an der Stelle, an der das Mittel verabreicht wurde, vom Aussehen her an eine Apfelsine erinnert.
Ansonsten gilt das bei der subkutanen Injektion beschriebene Vorgehen sinngemäß auch für die intrakutane.

Intrakutane Injektion

Es kommt zur „Apfelsinenhaut“.

Entnahme von Kapillarblut

KapillarblutentnahmeBlutentnahme:KapillarblutUm Kapillarblut zu entnehmen, verwendet man sterile Einmal-Lanzetten. Damit sticht man ungefähr 1–2 mm tief durch die Haut. Auch hier ist vor dem Einstechen auf die vorgeschriebene Desinfektion zu achten.
Wahl des Stichortes.Geeignet ist die Fingerbeere des Ringfingers, und zwar wählt man beim Rechtshänder die linke und beim Linkshänder die rechte Fingerbeere. Das Kapillarblut kann auch aus den Fingerbeeren des Mittel- oder Kleinfingers gewählt werden. Die Zeigefingerbeere sollte man nicht benutzen, da diese besonders empfindlich ist.
Befinden sich an den Fingern Schwielen, werden die Finger von Berufs wegen viel benutzt (z. B. Masseure) oder bei Kindern, wählt man als Stichort das Ohrläppchen.
Durchführung.Der Behandler umfasst fest die Hand des Patienten und sticht zügig und ausreichend tief ein. Danach sollte ein Blutstropfen auf die Hautoberfläche hervortreten.
Tritt spontan kein Blut aus, so darf nicht versucht werden, durch Drücken und Quetschen doch noch einen Blutstropfen herauszubringen. Durch dieses Vorgehen kommt es zum Austritt von Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe, das sich dem Blut zumischt. Will man aus solch einem gewonnenen Blut bestimmte Laborwerte, z. B. Glukose, bestimmen, so muss man damit rechnen, dass der Wert verfälscht ist. Um einwandfreie Werte zu erreichen, muss das Blut vorschriftsmäßig gewonnen werden. Deshalb muss man beim Misslingen den Vorgang an einer anderen Fingerbeere wiederholen.

Beseitigung der gebrauchten Kanülen und Lanzetten

KanülenbeseitigungBlutentnahme:Entsorgung der KanüleGebrauchte Kanülen werden in einen Kanülensammler gegeben, damit sich niemand verletzen kann. Gefüllte Kanülensammler können gut verschlossen zu dem normalen Hausmüll gegeben werden. Material, das mit Keimen meldepflichtiger Krankheiten verseucht ist, darf den Entstehungsort allerdings nicht verlassen. Eine Einleitung in den Hausmüll darf erst nach vollständiger Abtötung der infektionstüchtigen Keime erfolgen. Bitte beachten Sie hierzu auch das Abfallbeseitigungsgesetz (Abschn. 1.3.6) und das Infektionsschutzgesetz § 10a (Abschn. 1.2.1).
Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie – wie bereits erwähnt bei gebrauchten Nadeln vor dem Entsorgen keinesfalls die Kanülenkappe wieder aufsetzen, sondern werfen Sie die Nadel ohne Kappe in den Kanülensammler. Gerade beim Aufsetzen der Kappe kommt es häufig zu versehentlichen Stichverletzungen, bei denen es zu einer Übertragung von AIDS oder Hepatitis kommen könnte!

Bei gebrauchten Kanülen die Kanülenkappe nicht wieder aufstecken, sondern die Nadel direkt im Kanülensammler entsorgen!

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

Holen Sie sich die neue Medizinwelten-App!

Schließen