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B978-3-437-55696-8.00021-X

10.1016/B978-3-437-55696-8.00021-X

978-3-437-55696-8

Schematischer Querschnitt durch die Haut. A: Oberhaut (Epidermis), B: Lederhaut (Corium), C: Unterhaut (Subcutis), D: Muskulatur, 1: Blutgefäß, 2: Haarschaft, 3: Talgdrüse, 4: Haarfollikel, 5: Haarzwiebel (Bulbus), 6: Haarmuskel (M. arrector pili), 7: Schweißdrüse, 8: Ausführungsgang der Schweißdrüse, 9: Subkutanes Fettgewebe.

[L190]

Hautveränderungen (Effloreszenzen).

[L106]

Haut

  • 21.1

    Anatomie und Physiologie590

    • 21.1.1

      Aufbau der Haut590

    • 21.1.2

      Schleimhaut592

    • 21.1.3

      Anhanggebilde der Haut593

    • 21.1.4

      Hautrezeptoren596

    • 21.1.5

      Wundheilung597

  • 21.2

    Erkrankungen der Haut598

    • 21.2.1

      Pigmentstörungen598

    • 21.2.2

      Erythem und Hämatom599

    • 21.2.3

      Psoriasis vulgaris600

    • 21.2.4

      Neurodermitis (atopisches Ekzem)601

    • 21.2.5

      Kontaktekzem601

    • 21.2.6

      Urtikaria602

    • 21.2.7

      Pityriasis603

    • 21.2.8

      Ichthyosis vulgaris603

    • 21.2.9

      Tumoren der Haut603

    • 21.2.10

      Abszess605

    • 21.2.11

      Fistel605

    • 21.2.12

      Zyste605

    • 21.2.13

      Panaritium605

    • 21.2.14

      Dekubitus606

    • 21.2.15

      Angiome und Hämangiome607

    • 21.2.16

      Akne vulgaris607

    • 21.2.17

      Rosazea608

    • 21.2.18

      Cellulite608

Die HautHaut ist mit ihrer Oberfläche von 1,5 bis 2 m2 und ihrem Gewicht von 3,5 bis 10 kg unser oberflächengrößtes Organ. Sie hat die folgenden Aufgaben:

  • Abgrenzung. Sie trennt in Innen- und Außenwelt (Umwelt).

  • Schutz. Sie schützt vor mechanischer, chemischer und thermischer Schädigung, außerdem vor dem Eindringen von Krankheitskeimen. Dazu befindet sich auf der Haut ein Säureschutzmantel. Dieser hat einen durchschnittlichen pH-Wert von 5,5 bis 6,5, kann aber je nach Körperregion zwischen 4 bis 7 liegen. Bei dem Säureschutzmantel handelt es sich um eine schwach saure Reaktion der Hautoberfläche, die v. a. durch die Absonderung der Schweißdrüsen und durch wasserlösliche Inhaltsstoffe der Hornschicht zustande kommt.

  • Wärmeregulation. Durch Eng- und Weitstellen von Hautgefäßen und über die Schweißproduktion wirkt sie wesentlich bei der Aufrechterhaltung der Körpertemperatur mit.

  • Regulation des Wasserhaushalts. Dies geschieht zum einen über die Schweißproduktion, bei der Wasser und Elektrolyte (Na+) abgegeben werden, zum anderen schützt die Haut vor zu starker Austrocknung, indem sie durch ihre Epidermisschicht einen extremen Wasserverlust verhindert.

  • Sinnesorgan. In der Haut liegen Sinnesorgane für Berühren, Tasten, Druck, Temperatur und Schmerz.

  • Kommunikationsorgan ist sie zum einen durch ihre sensorischen Rezeptoren, zum anderen aber auch z. B. durch ihre Fähigkeit, zu erblassen oder zu erröten.

Anatomie und Physiologie

Aufbau der Haut

An der Haut im weiteren Sinne kann man drei Schichten unterscheiden: Oberhaut, Lederhaut und das Unterhautgewebe. Im engeren Sinn fasst man unter Haut (CutisCutis) die Oberhaut und die Lederhaut zusammen (Abb. 21-1 und Atlas Abb. 21-1).

Haut (Cutis)

  • Oberhaut (Epidermis)

  • Lederhaut (Corium, Dermis)

  • Unterhaut (Subcutis)

Oberhaut
Die OberhautOberhaut (EpidermisEpidermis) besteht aus einem gefäßlosen, mehrschichtigen, verhornenden Plattenepithel. In ihrer Keimschicht (s. u.) werden ständig neue Zellen gebildet, sodass sich die Epidermis von hier aus erneuert.
An stark beanspruchten Körperstellen bildet sich eine verstärkte Hornschicht aus, z. B. an Händen und Füßen. Dagegen ist sie an mechanisch wenig beanspruchten Stellen (z. B. Augenlider) nur dünn. Damit liegt die Epidermisdicke ca. zwischen 0,04 und 4 mm, bei Schwielen allerdings erheblich darüber. Schwielen bilden sich bei übermäßiger Beanspruchung; sie haben die Aufgabe, das darunterliegende empfindliche Gewebe zu schützen. Ist die Zeit zu knapp, sodass sich keine stärkere Hornschicht ausbilden kann, so löst sich die Hornhaut von der Keimschicht ab; es bildet sich eine Blase.
An der Epidermis unterscheidet man Leisten- und Felderhaut:
  • FelderhautFelderhaut kommt an den behaarten Stellen vor; sie weist eine durch Furchen hervorgerufene, unregelmäßige, rautenförmige Felderung auf.

  • LeistenhautLeistenhaut tritt lediglich an den Handflächen und Fußsohlen auf, also an den unbehaarten Körperstellen (Atlas Abb. 21-1). Hier findet man ca. 0,5 mm breite „Leisten“ bzw. Rillen, deren Muster (Bögen, Wirbel, Schleifen) genetisch festgelegt sind und daher über den Fingerabdruck zur Personenidentifizierung herangezogen werden können (Atlas Abb. 21-4).

Da sich in der Oberhaut keine Blutgefäße befinden, wird sie von der darunterliegenden Lederhaut aus durch Diffusion ernährt. Trotz der verhältnismäßig geringen Dicke der Oberhaut kann man an ihr insgesamt vier (bzw. fünf) Schichten unterscheiden, die jedoch zu zwei Hauptschichten zusammengefasst werden.
  • Keim- oder MutterschichtKeimschichtMutterschicht (Stratum Stratum germinativumgerminativum)

    • BasalzellschichtBasalzellschicht (Stratum Stratum basalebasale) sitzt einer Basalmembran auf, die an die Lederhaut grenzt. Letztere dringt mit kleinen regelmäßigen Ausstülpungen, den sogenannten Papillen (s. u.), in sie ein. In der Basalzellschicht findet die Zellteilung statt. Dabei werden die neugebildeten Zellen in Richtung Hautoberfläche geschoben. Dieser Vorgang von Neubildung und Wanderung der Zellen von innen nach außen dauert insgesamt ca. 2 Wochen. Da dieser Vorgang der Zellteilung sehr strahlenempfindlich ist, sitzen in der Basalzellschicht MelaninMelaninzellen (Pigmentzellen), die einen braunschwarzen Farbstoff bilden, der ultraviolette Lichtstrahlen abfängt. Ist die Haut vermehrter Strahlung ausgesetzt, wird dieser Farbstoff verstärkt gebildet. Es kommt zu einer Hautbräunung (Atlas Abb. 21-14). Hellhäutige Menschen haben weniger Melanin eingelagert als dunkelhäutige bzw. schwarze. Die gelbliche Hautfarbe der Asiaten beruht dagegen auf einer Karotineinlagerung in der Lederhaut.

    • StachelzellschichtStachelzellschicht (Stratum Stratum spinosumspinosum). Die Zellen sind in mehreren Schichten angeordnet und stehen über Zytoplasmafortsätze in Verbindung, wodurch sie ein stacheliges Aussehen erhalten. Die Zellen bilden so ein Gerüst, das der Epidermis Stabilität gibt. Außerdem sitzen hier die Langerhans-Langerhans-ZelleZellen, die als Makrophagen Antigene aufnehmen. Sie können zu den regionären Lymphknoten wandern, um dort den Lymphozyten die über die Haut bzw. Schleimhaut eingedrungenen Antigene zu präsentieren und so die Antikörperproduktion anzuregen.

  • HornschichtHornschicht

    • KörnerzellschichtKörnerzellschicht (Stratum granulosum) besteht aus zwei bis fünf Reihen platter Zellen, die Körner enthalten, in denen sich ein Vorstadium von Horn befindet (Keratohyalinkörnchen). In dieser Schicht verlieren die Zellen ihren Kern und werden zu kernlosen Hornzellen.

    • GlanzschichtGlanzschicht (Stratum lucidum) kommt nur an dicken Epidermisstellen, wie Hohlhand und Fußsohle vor. Sie enthält eine stark lichtbrechende Substanz, das Eleidin, eine Zwischenform von Keratohyalin zu Horn.

    • HornschichtHornschicht (Stratum corneum). Diese äußerste Schicht besteht aus platten, kernlosen Zellen, die mit Hornstoff (Keratin) gefüllt sind (Atlas Abb. 21-3). In der obersten Hornhautschicht sind die Zellgrenzen nicht mehr zu erkennen, da es sich lediglich um Hautschüppchen handelt. Zwischen den Hornzellen liegt ein Fettfilm (wie Mörtel zwischen Mauersteinen), der dieser Hautschicht Festigkeit gibt und eine übermäßige Wasserverdunstung über die Haut verhindert. Außerdem wird so ein guter Schutz gegen das Eindringen von Krankheitskeimen gebildet. Diese äußerste Schicht wird durch mechanische Einflüsse in feinen Schüppchen abgeschilfert.

Lederhaut
Die LederhautLederhaut (CoriumCorium, DermisDermis), die sich nach innen an die Oberhaut anschließt, hat meist eine Dicke von 1–2 mm. Sie besteht aus Bindegewebe, das reichlich mit elastischen und kollagenen Fasern ausgestattet ist. Außerdem enthält sie Nerven, Blut- und Lymphgefäße.
Die Grenze zwischen Ober- und Lederhaut ist deutlich zu erkennen. Dagegen ist der Übergang von der Leder- zur Unterhaut fließend.
Der Name Lederhaut stammt daher, dass aus der tierischen Lederhaut durch Gerben Leder gewonnen werden kann.
Die Lederhaut besteht aus zwei Schichten, dem Papillarkörper und einer darunter verlaufenden faserreichen Bindegewebsschicht, der Netzschicht.
  • PapillarkörperPapillarkörper (Stratum papillare). Die obere Schicht der Lederhaut ist mit der darüberliegenden Oberhaut mittels Papillen verzahnt. An der Hautoberfläche erscheinen diese Bindegewebszapfen als feine Rillen bzw. Hautlinien, die v. a. an den Handflächen und Fußsohlen deutlich ausgeprägt sind. Diese Rillen sind in einem bestimmten Muster angeordnet. Dadurch ist es möglich, einen Menschen aufgrund seiner Fingerabdrücke zu identifizieren (s. o. Leistenhaut). Im Papillarkörper v. a. der Finger liegen auch die Meissner-Körperchen (Abschn. 21.1.4 und Atlas Abb. 21-12), die für die Tastempfindung zuständig sind.

  • NetzschichtNetzschicht (Stratum reticulare). Unter den Papillen verläuft eine faserreiche Bindegewebsschicht. Sie enthält größere Nerven, Blut- und Lymphgefäße, Haarfollikel, Talgdrüsen und Gänge von Schweißdrüsen.

Lederhaut (Corium)

  • Papillarkörper

  • Netzschicht

Unterhautgewebe
Das UnterhautgewebeUnterhautgewebe (SubcutisSubcutis) verbindet die Lederhaut mit dem darunterliegenden Gewebe, wie Muskel, Knochen, Knorpel oder Organ. Der Übergang zwischen Lederhaut und Unterhautgewebe ist fließend.
Die Subcutis enthält je nach Ernährungslage mehr oder weniger Fettzellen. Sie dient als Nahrungsreserve, zur Wärmeisolierung und zur Polsterung. Bestimmte Teile des Körpers dienen bevorzugt als Fettspeicher, wie das Unterhautgewebe des Bauches und des Gesäßes. Außer Fettzellen enthält das Unterhautgewebe noch reichlich Blutgefäße und Nerven.
Die Schweißdrüsen reichen meist bis in die Subcutis, außerdem befinden sich hier noch die unteren Abschnitte der Haarbälge und die Vater-Pacini-Lamellenkörperchen, die für die Tiefensensibilität zuständig sind. An Stellen, an denen die Haut oft gegen Knochen gedrückt wird (Kniescheibe, Ellenbogen), sind Schleimbeutel in die Subcutis eingelagert.

Schleimhaut

SchleimhautSchleimhaut (MukosaMukosa, Tunica Tunica mucosamucosa) kleidet innere Hohlräume aus. Deshalb kommt sie als Innenauskleidung des Atem-, Verdauungs- und Urogenitaltrakts vor. Des Weiteren findet man sie noch als innere Auskleidung des Mittelohrs und am Auge als Augenbindehaut. In der Wand der Schleimhaut kommen reichlich Becherzellen und andere sekretbildende Zellen vor. Die Becherzellen sondern Schleim (Mukus) ab, der v. a. dem Schutz der Schleimhaut dient, im Atemtrakt aber auch der Säuberung der Atemluft und im Verdauungstrakt der Gleitfähigkeit des Speisebreies.
Aufbau.Grundsätzlich besteht Schleimhaut aus zwei Schichten und entspricht von daher weitgehend dem Aufbau der Haut. Man unterscheidet eine Schicht aus Epithel- und eine aus Bindegewebe:
  • Epithelgewebe (Deckgewebe, Epithelium). Es bildet den äußeren Überzug der Schleimhaut. Es verhornt nicht (bis auf wenige Ausnahmen wie Zungenpapillen, Stimmlippen).

  • Bindegewebe (Lamina propria mucosae). Hier befinden sich zahlreiche Blut- und Lymphgefäße und Nerven.

Schleimhautaufbau

  • Epithelgewebe (nicht verhornend)

  • Bindegewebe

Im Verdauungstrakt zusätzlich
  • Muskelschicht (nicht mit der Muskelwand verwechseln!)

Aufbau der Schleimhaut des Verdauungstrakts.Die Schleimhaut des Verdauungstrakts hat die Besonderheit, dass sich an diese beiden Schichten noch eine dünne Muskelschicht anschließt, sodass man hier unterscheiden kann:
  • Epithelgewebe (Deckgewebe, Epithelium)

  • Bindegewebe (Lamina propria mucosae)

  • Muskelschicht der Schleimhaut (Lamina muscularis mucosae). Diese Muskelschicht der Schleimhaut darf nicht mit der Muskelwand (Muskularis) verwechselt werden. Die Muskelschicht gibt der Schleimhaut eine gewisse Eigenbeweglichkeit, und schützt sie so, bis zu einem bestimmten Grad, vor Verletzungen beim Verschlucken von scharfkantigen oder spitzen Teilen. Außerdem verbessert sie den Kontakt zwischen Epithelgewebe und der zu resorbierenden Nahrung.Die Muskelwand dagegen ermöglicht das Zustandekommen der segmentalen und peristaltischen Bewegungen im Verdauungstrakt. Zwischen der Schleimhaut und der Muskelwand befindet sich im Verdauungstrakt eine aus Bindegewebe bestehende Verschiebeschicht (Submukosa), Abschn. 9.1.4 bis 9.1.6Abschn. 9.1.4Abschn. 9.1.5Abschn. 9.1.6.

Anhanggebilde der Haut

HautanhanggebildeAnhanggebildeZu den Anhanggebilden der Haut zählt man Haare, Nägel, Schweiß-, Talg- und Duftdrüsen, außerdem die Brustdrüsen der Frau. Da letztere funktionell zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen gehört, werden sie bei den Fortpflanzungsorganen besprochen.
Haare
HaarMit Ausnahme von Handflächen und Fußsohlen kommen Haare auf der gesamten Körperoberfläche vor. Ihre Lebensdauer schwankt zwischen einigen Monaten und einigen Jahren. Der Teil des Haares, der in der Haut liegt, heißt Haarwurzel. Er reicht bis tief in das Unterhautgewebe (Abb. 21-1 und Atlas Abb. 21-5, 21-6). Der Teil des Haares, der außerhalb der Haut liegt, heißt Schaft. Das Haar selbst ist ein Hornfaden, der von der Haarzwiebel aus wächst, und zwar pro Monat ungefähr 1 cm. Diese Haarzwiebel sitzt einer Haarpapille („Bindegewebszapfen“) auf, von der aus das Haar ernährt wird. In der Haarzwiebel teilen sich Zellen, werden nach oben geschoben und verhornen.
Die Haarfarbe ist genetisch festgelegt. Sie hängt von der Anhäufung des Pigments Melanin ab, das von den Pigmentzellen im Bereich der Haarzwiebel gebildet und an das wachsende Haar abgegeben wird. Graue Haare beruhen auf einer verminderten Melaninproduktion bei gleichzeitig vermehrten Lufteinschlüssen.
Jede Haarwurzel ist von einem Haarfollikel umgeben, an dem ein kleiner Haarmuskel (M. arrector pili) befestigt ist. Dieser „Aufrichter des Haares“ veranlasst bei Kälte oder Furcht, dass einem die „Haare zu Berge stehen“. In den Haarfollikel mündet eine Talgdrüse, die eine ölige Substanz abgibt. Diese überzieht die Haare und die Haut mit einer dünnen Fettschicht, um sie vor dem Austrocknen zu bewahren. Außerdem wird jeder Haarfollikel von einem Haarfollikelrezeptor (Atlas Abb. 21-12) umsponnen, der jede Bewegung des Haares registriert. Der Haarfollikel mit seiner Scheide aus Epithelgewebe wird noch von einer bindegewebigen Scheide umhüllt. Beides zusammen, Haarfollikel plus bindegewebige Scheide, wird als Haarbalg bezeichnet.
Haartypen
  • TerminalhaarTerminalhaare kommen sexualhormonabhängig auf dem Kopf, den Augenbrauen, Wimpern, im Bart-, Achsel-, Brust- und Schambereich vor, außerdem am äußeren Gehörgang und beim Naseneingang. Es handelt sich um die längsten, stärksten und dunkelsten Haare.

  • WollhaarWollhaare (VellushaarVellushaar) sind feiner als Terminalhaare. Sie kommen v. a. bei Kindern und bei Erwachsenen an Armen und Beinen vor.

  • LanugoLanugo (FlaumhaarFlaumhaar) ist der Behaarungstyp des Feten. Sie werden vor der Geburt überwiegend durch Wollhaar ersetzt und treten beim Reifgeborenen nur noch an den oberen Schulterpartien auf.

Haarausfall (Effluvium capillorum) und Glatzenbildung (Alopezie).HaarausfallEffluvium capillorumAlopezieVon vermehrtem Haarausfall spricht man, wenn pro Tag mehr als 100 Haare ausfallen.
Wichtige Formen der Alopezie sind:
  • genetisch bedingte Alopezie (Alopecia androgenetica): Betroffen sind insbesondere Männer. Es liegt eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit gegen Androgene vor, die ihre Ursache in einem Chromosomendefekt hat. Dabei führt bereits ein normaler Testosteronspiegel zum Haarausfall. Bei Männern beginnt der Haarausfall im frühen Erwachsenenalter (manchmal bereits in der Pubertät = Alopecia prämatura), zuerst schnell, dann langsamer, zunächst meist mit „Geheimratsecken“ (d. h. frontotemporal), dann breitet er sich tonsurähnlich am Hinterkopf aus und kann sich weiterentwickeln bis zur Glatzenbildung, wobei ein hinterer und seitlicher Haarkranz bestehen bleibt.

  • Alpopecia climacterica. Haarausfall bei Frauen nach der Menopause, betrifft v. a. die Haare am Mittelscheitel.

  • kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata). Der Haarausfall betrifft bestimmte umschriebene Stellen am Kopf, es kann zur Generalisation kommen. Die Ursache ist weitgehend ungeklärt. Die Störung tritt familiär gehäuft auf. Man vermutet ein Autoimmungeschehen. Die Erkrankung beginnt plötzlich mit einem oder mehreren kreisrunden Herden. Außerdem können sich Nagelveränderungen (Längsrillen, Dellen) und Vitiligo (Scheckhaut, Kap. 21.2.1) entwicklen. Meist kommt es innerhalb von drei Jahren zur Spontanheilung.

  • diffuser Haarausfall. Dieser kann genetisch oder hormonell bedingt sein, es kommen jedoch auch eine Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, Eisen- oder Zinkmangel, mechanische Faktoren (durch Druck oder Zug, z. B. straffe Frisuren oder das Tragen von Kopfbedeckungen), Vitamin-A-Überdosierung und Medikamenteneinnahme (z. B. Antikoagulanzien, Zytostatika, Lipidsenker, Beta-Blocker) in Betracht.

Zunahme der Behaarung. Dabei Dunterscheidet man Hypertrichose und Hirsutismus.
  • HypertrichoseHypertrichose: Zunahme der Körperbehaarung bei ansonsten geschlechtstypischem Behaarungsbild. Dies kann ethnische Gründe haben oder altersbedingt (abnehmender Östrogenspiegel im Klimakterium bei Frauen) sein. Sie kann generalisiert oder lokalisiert auftreten, z. B. als Tierfellnävus (Naevus pigmentosus et pilosus), ein hyperpigmentierter Fleck auf dem viele Haare wachsen.

  • HirsutismusHirsutismus: pathologische Zunahme und Verdickung der Haare bei Frauen und Kindern, v. a. durch Hormonstörungen. Dabei kommt es auch zum männlichen Behaarungsmuster, z. B. zum Bartwuchs.

Nägel
NagelFußnagelFingernagelFinger- und Zehennägel (Ungues) sind von der Oberhaut gebildete Hornplatten. Sie bieten der weichen Fingerbeere ein Widerlager und ermöglichen so eine feinere Tastempfindung und ein besseres Greifen. Außerdem dienen sie dem Schutz der Finger- und Zehenspitzen und dem Kratzen.
Aufbau der Nägel.Die Nagelplatte liegt auf dem Nagelbett (Atlas Abb. 21-7, 21-8). Die Nagelwurzel, der hintere Teil des Nagels, liegt in der Haut. Ebenso verlaufen die Seitenränder im Nagelfalz, die vom seitlichen Nagelwall bedeckt sind. Hier besteht eine gewisse Gefahr, dass Bakterien eindringen und eine Nagelbetteiterung (Panaritium) mit heftigen Schmerzen verursachen. Die weiße Zone am hinteren Nagelrand heißt Lunula („Möndchen“), hier liegt die Nagelmatrix, von der aus der Nagel wächst. Ist diese Matrix zerstört, kann der Nagel nicht mehr nachwachsen. Bindegewebsbündel verbinden die Nägel unverschieblich mit dem Periost des darunterliegenden Knochens.

„Möndchen“

Als „Möndchen“ (Lunula) wird die Wachstumszone des Nagels bezeichnet.
Nageldiagnose.NageldiagnoseNägel können zur Diagnose innerer Krankheiten mit herangezogen werden. Diese Methode ist ein seit dem Altertum verbreitetes Diagnoseverfahren.
  • UhrglasnagelUhrglasnägel sind große, in Längsrichtung übermäßig gewölbte Nägel, die oft zusammen mit Trommelschlägelfingern (= Auftreibung der Fingerendglieder durch Weichteilverdickung) auftreten. Sie können ein Hinweis auf schwere Herz-, Lungen- und gelegentlich auch auf Lebererkrankungen sein (Atlas Abb. 5-20).

  • LöffelnagelLöffelnägel (HohlnagelHohlnägel, KoilonychieKoilonychie) sind Nägel mit muldenförmiger Eindellung der Nagelplatte und erhöhter Brüchigkeit. Sie können bei Eisenmangelanämie auftreten, gelegentlich auch bei Ekzemen, Sprue, M. Raynaud (Atlas Abb. 21-9).

  • WeißnagelWeißnägel (Leukonychie) können bei Leber- und Nierenerkrankungen auftreten.

  • weiße Nagelfleck, weißerNagelflecken (Leukonychie Leukonychiepunctata). In der Nagelplatte sind meist stecknadelkopfgroße, weiße Flecken zu sehen. Es handelt sich um Lufteinschlüsse in der Hornsubstanz. Dies kann durch fehlerhaftes Zurückschieben und Beschneiden der Nagelhaut oder durch andere geringfügige, meist nicht bemerkte Verletzungen verursacht werden. Sie kommen v. a. bei Kindern vor (Atlas Abb. 21-10).

  • Streifenförmige Weißfärbung des Nagels, streifenförmigeWeißfärbung (Leukonychie, Mees-Mees-StreifenStreifen, Muehrcke-Muehrcke-BandBänder) sind wechselnd breite, weiße Querstreifen, die sich mit dem Nagel nach vorne schieben. Sie treten bei Arsen- und Thalliumvergiftung, nach Verbrennung des Handrückens und nach Röntgenbestrahlung der Nagelmatrix auf.

  • Längsrillen im Nagel können bei bestehenden Stoffwechselstörungen auftreten, aber auch bei Magen-, Darm- und Lebererkrankungen, außerdem bei Vitamin-A-, und -B-Mangel (Atlas Abb. 21-11).

Hautdrüsen
HautdrüseZu den Hautdrüsen gehören Schweiß-, Talg-, und Duftdrüsen. Außerdem rechnet man noch die ohrschmalzproduzierenden Drüsen im Gehörgang (Abschn. 20.1.1) und die weiblichen Brustdrüsen (Abschn. 16.3.6) dazu.
SchweißdrüsenSchweißdrüse(Glandulae sudoriferae) sind über den gesamten Körper verbreitet. Besonders zahlreich kommen sie in der Achselhöhle, auf der Stirn, an Handflächen und Fußsohlen vor. Die aufgeknäuelten Schweißdrüsen reichen meist bis ins Unterhautgewebe. Ein Ausführungsgang befördert das dort gebildete Sekret, den Schweiß, zur Hautoberfläche. Dort ist der Ausführungsgang als Pore sichtbar (Abb. 21-1 und Atlas Abb. 21-5).
SchweißSchweiß(SudorSudor) besteht zu 99 % aus Wasser. Außerdem enthält er noch Harnstoff, Harnsäure, Kochsalz, flüchtige Fettsäuren und Cholesterin. Pro Tag werden unbemerkt etwa 0,5 l Schweiß abgegeben. Diese Menge kann aber bei Hitze, körperlicher Arbeit und großer Flüssigkeitsaufnahme erheblich gesteigert werden (bei schwerster körperlicher Arbeit bis 1,5 l/Std.). Man unterscheidet ein thermisches Schwitzen, das der Wärmeregulation dient, von einem emotionalen Schwitzen, das bei psychischer Anspannung auftritt. Schweiß an sich riecht nicht. Der mit dem Schwitzen verbundene unangenehme Geruch entsteht durch die Einwirkung von Bakterien. Die Schweißabgabe wird vegetativ v. a. vom Sympathikus gesteuert.
Talgdrüsen (Glandulae sebaceae).Die meisten TalgdrüseTalgdrüsen geben ihr Sekret in den Haarfollikel ab (Abb. 21-1 und Atlas Abb. 21-5, 21-6) und werden deshalb auch als Haarbalgdrüsen bezeichnet. Freie Talgdrüsen, das heißt nicht an Haare gebundene, kommen lediglich am Naseneingang, am Lippenrot, an den Augenlidern und im Genitalbereich vor. Handflächen und Fußsohlen besitzen keine Talgdrüsen.
Der Talg, ein Gemisch aus verschiedenen Fetten, schiebt sich im Haarfollikel nach oben und überzieht Haar und Haut mit einer schützenden Fettschicht. So bewahrt er Haut und Haare vor Austrocknung, verhindert eine zu starke Wasserverdunstung und das Wachstum von Bakterien.
DuftdrüsenDuftdrüseproduzieren ein duftendes, fetthaltiges, alkalisches Sekret, das sie, wie die Talgdrüsen, an einen Haarfollikel abgeben. Sie kommen lediglich im Genitalbereich, im Brustwarzenhof, in den Achselhöhlen und an den Augenlidern vor. Ihre Tätigkeit beginnt in der Pubertät und nimmt mit Ende der Keimdrüsentätigkeit ab. Ihre Funktion hängt u. a. von psychischen Faktoren ab; bei sexuellen Vorgängen haben sie Signalwirkung.

Hautrezeptoren

Rezeptor:HautHautrezeptorSensorische Rezeptoren sind Zellen, die auf den Empfang bestimmter Tast-, Druck- und Berührungsreize spezialisiert sind. Sie sind über den ganzen Körper verteilt, allerdings in unterschiedlicher Konzentration. Mit ihrer Hilfe befindet sich die Haut in ständiger „Fühlung“ mit der Umgebung. In der Haut können folgende Arten von Rezeptoren unterschieden werden: Mechano-, Thermo- und Schmerzrezeptoren.
MechanorezeptorenRezeptor:MechanoMechanorezeptor(für Tasten, Berühren und Druck, Atlas Abb. 21-12)
  • Merkel-Merkel-ZelleZellen liegen in der Basalzellschicht der unbehaarten Haut und sind zuständig für Druckempfindungen.

  • TastscheibeTastscheiben (Merkel-Merkel-TastscheibeTastscheiben) liegen in der behaarten Haut. Es handelt sich um eine einschichtige Gruppe von Merkel-Zellen, die leicht erhabene Tastscheiben bilden. Sie sind ebenfalls für Druckempfindungen zuständig.

  • Meissner-Meissner-KörperchenKörperchen (TastkörperchenTastkörperchen). Die Tastkörperchen liegen in den Papillen der Lederhaut. Sie kommen v. a. an den Fingern und an der Plantarseite der Zehen vor, also an unbehaarten Stellen. Sie vermitteln Tastempfindungen (Oberflächensensibilität).

  • HaarfollikelrezeptorHaarfollikelrezeptoren. In der behaarten Haut sitzen Haarfollikelrezeptoren, die auf Berührung des Haares ansprechen. Dazu umspinnen afferente Fasern spiralförmig die Haarwurzel.

  • Vater-Pacini-Vater-Pacini-LamellenkörperchenLamellenkörperchen (Pacini-Pacini-KörperchenKörperchen). Die Vater-Pacini-Lamellenkörperchen vermitteln Druckempfindungen der Tiefensensibilität und Vibrationsreize. Sie sitzen in den tieferen Schichten der Haut, v. a. an Händen und Füßen. Sie kommen aber auch in Muskelfaszien, Sehnen, Gelenkkapseln und im Periost vor. Es handelt sich um große Endkörperchen einer Nervenfaser mit einer deutlichen Lamellenstruktur.

ThermorezeptorenThermorezeptor(für Kälte- und Wärmeempfindung). Temperaturempfindungen werden durch Kälte- und Wärmerezeptoren vermittelt. Außer in der Haut gibt es noch Thermorezeptoren im Körperinneren und im Hypothalamus, um die Bluttemperatur zu messen. Thermorezeptoren sind zuständig für Wärme- bzw. Kältereize im Bereich von ca. 17 °C bis 45 °C. Außerhalb dieser Bereiche werden v. a. Schmerzrezeptoren aktiviert, weshalb starke Wärme- und Kältereize oft schlecht voneinander unterschieden werden können.
  • Rezeptor:KälteKälterezeptorKälterezeptoren sitzen überall in der Haut verteilt. Insgesamt gesehen gibt es wesentlich mehr Kälte- als Wärmerezeptoren.

    Eine Sonderform der Kälterezeptoren stellen die Krause-Endkolben dar. Es handelt sich um rundliche oder ovale Körper, in deren Inneres sich Nervenfasern einsenken. Sie kommen in den Schleimhäuten des Auges, des Mundes, der Nase und der Genitalorgane vor.

  • WärmerezeptorRezeptor:WärmeWärmerezeptoren liegen im subkutanen Gewebe und sprechen auf Wärmereize an.

Im mittleren Bereich von 31 bis 35 °C besteht eine neutrale Temperaturempfindung, oberhalb von 35 °C stellt sich eine zunehmend intensivere Wärmeempfindung ein, die bei ca. 45 °C in eine schmerzhafte Hitzempfindung übergeht. Unterhalb von 31 °C kommt es zur Kälteempfindung, die ab ca. 17 °C in Kälteschmerz übergeht. Besonders deutlich werden Temperaturänderungen wahrgenommen.
Schmerzrezeptoren (Nozirezeptoren, Nozizeptoren)kommen mit Ausnahme von Gehirn und Leber in praktisch allen Körpergeweben vor. Sie haben die Aufgabe auf eine drohende oder bereits eingetretene Verletzung des Körpers zu reagieren.
Schmerzrezeptoren werden durch Stoffe aktiviert, die mal als algogen (Schmerz erzeugend) bezeichnet. Zu diesen algogenen Stoffen gehören Stoffe, die bei Gewebeschädigung und bei Entzündungen frei gesetzt werden wie Serotonin, Bradykinin, Histamin und Leukotriene. Diese Substanzen setzen sich auf die freie Nervenendigung und veranlassen so den Rezeptor zur Bildung eines elektrischen Impulses, der die Nervenfaser entlang zum Zentralnervensystem läuft.SchmerzrezeptorRezeptor:SchmerzNozirezeptor
Schmerzrezeptoren adaptieren im Unterschied zu anderen Rezeptoren nicht: Dies hat lebenserhaltende Funktion.
Erfahrungsgemäß wird jedoch eine Gewebeschädigung als ganz unterschiedlich schmerzhaft erlebt. Dabei spielt das Rückenmark eine wichtige Rolle, das eine sog. Gate-Control (sog. Toraufsicht) ausübt. Darunter versteht man, dass das Hinterhorn des Rückenmarks eine Kontrollfunktion über die eingehenden Schmerzimpulse ausübt und diese verstärken oder abschwächen kann, ehe diese ins Bewusstsein gelangen. Diese Gate-Control wird durch absteigende Nervenimpulse vom Gehirn beeinflusst. Dies hat den Vorteil, dass z. B. in einer Kampfsituation eine Gewebeschädigung nicht gefühlt werden kann, damit ein Überlebenskampf nicht durch Schmerzen abgebrochen werden muss.
Außerdem spielen die Endorphine, die vom Gehirn in starken Stresssituationen ausgeschüttet werden, eine wichtige Rolle. Endorphine sind morphinähnliche Substanzen, die die Stimmung anheben und Schmerzen unterdrücken können.

Hautrezeptoren

  • Mechanorezeptoren (Druck-, Tast-, Berührempfindung)

  • Thermorezeptoren (Wärme- und Kälteempfindung)

  • Schmerzrezeptoren

Wundheilung

WundheilungDurch die Wundheilung kommt es aufgrund von Zellteilung nach Verletzungen zur Regeneration der Haut, wobei sich Bindegewebs- und Epithelzellen und Kapillaren vermehren.
Ist nur die Oberhaut geschädigt, evtl. auch noch Papillarspitzen der Lederhaut, so kommt es zu einer vollständigen Ausheilung ohne Narbenbildung. Die Regeneration erfolgt in diesem Fall von der Keimschicht (Stratum germinativum) aus. Wird die Lederhaut tiefgreifend zerstört, so erfolgt die Ausheilung unter Narbenbildung, da die ursprüngliche Oberflächenstruktur der Haut nicht mehr hergestellt werden kann.
Phasen der Wundheilung.Die Wundheilung läuft in drei Phasen ab (Atlas Abb. 21-13):
  • 1.

    Latenzphase (bis 3. Tag)

    • a.

      Exsudative Phase. Die exsudative Phase dauert einige Stunden. Hier wird ein erster vorläufiger Wundverschluss durch die Blutgerinnung und durch die Schorfbildung erreicht, das heißt, es bildet sich eine Wunddecke aus geronnenem Blut und Wundsekret.

    • b.

      Resorptive Phase. Die resorptive Phase dauert ein bis drei Tage. Während dieser Zeit wandern Fresszellen (Phagozyten) ein und beseitigen Gewebetrümmer und eingedrungene Bakterien.

  • 2.

    Proliferative Phase (4.–7. Tag). Es bildet sich ein Granulationsgewebe, also ein junges, gefäßreiches, faserarmes Bindegewebe, indem Kapillaren und Bindegewebszellen in das Blutgerinnsel einwachsen. Die Wunde wird durch ein Häutchen von Deckzellen verschlossen.

  • 3.

    Narbenbildung (ab 8. Tag). Das Granulationsgewebe bildet sich in gefäßarmes, faserreiches Narbengewebe um. Es wird von den Wundrändern aus mit Epithelzellen bedeckt. Eine Narbe bleibt sichtbar, weil das Granulationsgewebe nicht mehr den gleichen Aufbau hat wie vorher die Lederhaut. Haare, Talg- und Schweißdrüsen werden nicht nachgebildet.

    Die Wundheilung kann durch bakterielle Infektionen, schlechte Abwehrlage und zugrundeliegende Allgemeinerkrankungen, wie Diabetes mellitus, verzögert werden.

Arten der Wundheilung
  • primäre Wundheilung. Von primärer Wundheilung spricht man, wenn es nur zu einem geringen Gewebeverlust gekommen ist. Die Ausheilung erfolgt innerhalb einer Woche. Es bleibt lediglich eine strichförmige, kaum sichtbare Narbe zurück.

  • sekundäre Wundheilung. Bei der sekundären Wundheilung dagegen liegt ein erheblicher Gewebeverlust vor. Die Wundränder klaffen auseinander. Die Ausheilung dauert länger und es bleibt eine deutlich sichtbare Narbe zurück.

Keloide (Wulstnarben).WulstnarbeVernarbungKeloidKeloide sind gutartige Bindegewebswucherungen, die sich v. a. nach Verbrennungen oder Verätzungen bilden können, manchmal auch bei schwerer Akne (Akne conglobata, Abschn. 21.2.16) und – bei entsprechender Disposition – nach bakteriellen Wundinfektionen bzw. Operationen. Betroffen sind v. a. Farbige. Kommen Keloide in Gelenknähe vor, so können sie durch Verziehungen des Gewebes zu Bewegungseinschränkungen führen. Keloide können sich spontan zurückbilden bzw. mittels eines Narbenpflasters, das durch Druck und Wärme wirkt, behandelt werden. Solche Narbenpflaster können auch eingesetzt werden, um einer Keloidbildung vorzubeugen. Außerdem kommen Salbenbehandlungen in Betracht.

Erkrankungen der Haut

Haut:ErkrankungHautveränderungen und Hautläsionen können regional begrenzt sein, wobei die Begrenzung scharf oder unscharf sein kann, sie können aber auch über die ganze Haut fleckenweise verstreut auftreten oder die Haut als Ganzes betreffen. Außerdem können sie verschiedene Schichten der Haut betreffen (Abb. 21-2).

Pigmentstörungen

PigmentstörungPigmentstörungen können sich in einem Zuviel oder Zuwenig an Melanin zeigen.
Albinismus.AlbinismusEs handelt sich um eine angeborene Störung der Melaninherstellung in Haut, Haaren und Augen. Die Betroffenen haben eine hellrosafarbene Haut, weißblonde Kopf- und Körperbehaarung und eine hellblaue oder – aufgrund durchscheinender Blutgefäße – rötliche Iris. Der Melaninmangel im Auge führt zu Lichtscheu (bei Lichteinfall starke Blendungsempfindlichkeit), Nystagmus und Schwachsichtigkeit.
Vitiligo (Scheckhaut).VitiligoScheckhautInfolge eines erworbenen Melaninmangels entwickeln sich scharf begrenzte, weißliche Flecken auf der Haut. Es können auch andere melanozytenhaltige Organe betroffen wie Haare, Augen, Innenohr und das ZNS. In diesen Fällen handelt es sich um eine Erkrankung des gesamten Melanozytensystems.
Die linsengroßen, runden, depigmentierten Flecken sind scharf begrenzt und von einem hyperpigmentierter Randsaum umgeben. Die Haut selbst verändert sich nicht. Die Flecken dehnen sich aus und konfluieren, sodass sich große, depigmentierte Stellen bilden (Atlas Abb. 21-16). Prädilektionsstellen sind Hände, Gesicht und die anal-genital Region. Die Depigmentierung bildet sich symmetrisch an beiden Körperhälften aus. Es können auch die Mundschleimhaut und die Haare in Form weißer Strähnen betroffen sein.
Die Ursachen der Erkrankung sind noch weitgehend unbekannt. Man vermutet ein Autoimmungeschehen, da man teilweise Antikörper gegen Melanozyten nachweisen konnte. Obwohl Vitiligo zu den erworbenen Erkrankungen zählt, kann man gelegentlich familiäre Häufungen beobachten. Vitiligo kann sich als Begleiterscheinung bei Diabetes mellitus, bei Schilddrüsenüber- und Schilddrüsenunterfunktion, bei Nebenschilddrüsenunterfunktion, bei Lupus erythematodes und bei perniziöser Anämie einstellen. Da für die depigmentierten Stellen eine deutlich erhöhte Sonnenbrandgefahr besteht, müssen die betroffenen Hautstellen wirksam durch Kleidung oder eine Lichtschutzcreme vor Sonneneinwirkung geschützt werden.
Lentigo (Linsen- bzw. Leberfleck).LinsenfleckLentigoLeberfleckEs handelt sich um harmlose, erworbene, kleine braune Flecken, die v. a. bei Kindern auftreten (Atlas Abb. 21-17). Eine Sonderform, die Sommersprossen (Lentigo solaris), treten an lichtexponierten Stellen auf. Dagegen handelt es sich bei Lentigo maligna um die Vorform eines malignen Melanoms (Abschn. 21.2.9), weshalb es Lentigo prämaligna heißen müsste.
Chloasma (Melasma, Clownmaske)MelasmaClownmaskeChloasmaist eine unregelmäßige, fleckförmige, scharf begrenzte Hyperpigmentierung im Gesicht (Stirn, Wangen, Oberlippe), die v. a. bei Frauen auftritt und die durch Sonneneinstrahlung verstärkt wird. Sie kann sich in der Schwangerschaft (Chloasma uterinum), durch hormonelle Kontrazeption („Pille“) und durch Medikamenteneinnahme (Hydantoine) entwickeln. Das Chloasma uterinum beginnt sich meist ab dem 2. Monat nach der Entbindung zurückzubilden.
Fotodynamische Substanzen, das heißt Stoffe, die die Einwirkung des Lichtes verstärken, sind z. B. in Parfums, Kölnisch Wasser, Bergamottöl und Johanniskraut enthalten. Sie können ebenfalls zu einer lokalen Hyperpigmentierung führen.

Erythem und Hämatom

Erythem.Ein ErythemErythem (rote Verfärbung) kann Folge entzündlicher Prozesse sein oder infolge eines Naevus flammeus entstehen:
  • entzündliche Prozesse. Bei Entzündungen wird Histamin freigesetzt, das auf kleine Gefäße erweiternd wirkt. Dadurch gelangt mehr sauerstoffreiches Blut in die Lederhaut, wodurch es zur Rotfärbung kommt. Zur Gefäßerweiterung kann es aber auch durch Wärmestrahlung (Sonnenbrand, Atlas Abb. 21-15), durch chemische Substanzen oder durch Giftstoffe von Bakterien (Wundrose) kommen.

  • Naevus Naevus flammeusflammeus (WeinfleckWeinfleck, FeuermalFeuermal). Meist im Gesicht oder Nacken kommt es durch eine anlagemäßige Hautgefäßerweiterung zu einer flammend-roten Hautveränderung, die zu einer erheblichen Aussehensstörung führen kann. Manchmal kann ein Feuermal mit weiteren angeborenen Störungen verbunden sein (Atlas Abb. 21-18).

    Eine Sonderform des Weinflecks ist der StorchenbissStorchenbiss (Naevus Unna-Naevus Unna-PolitzerPolitzer). Es handelt sich um einen angeborenen, blassen Weinfleck an der Nacken-Haar-Grenze und/oder auf der Stirn über der Nasenwurzel. Er bildet sich oft in den ersten Lebensmonaten oder im ersten Lebensjahr spontan zurück.

Hämatom (Bluterguss).HämatomBlutergussInfolge einer Verletzung – oder bei Blutgerinnungsstörungen auch spontan – ist es zur Einblutung in das Gewebe gekommen (sog. „blauer Fleck“). Tritt jedoch Blut ins Gewebe über, so muss es hier abgebaut werden. Durch den erfolgten Hämoglobinabbau verfärbt sich der Bluterguss typisch (s. u.):
  • bis 24 Stunden: rot, dann rötlich-bläulich

  • 1. bis 4. Tag: dunkelrot, dann dunkelblau

  • 5. bis 7. Tag: grünlich, dann gelblich-grünlich

  • 8. bis 10. Tag: gelblich, dann bräunlich.

Danach verschwindet es je nach Größe in der Zeitspanne von ein bis drei Wochen gänzlich. Bei Einblutungen unterscheidet man:
  • Petechien: kleinste, punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhaut

  • Purpura: zahlreiche, meist symmetrische Einblutungen in die Haut oder Schleimhaut

  • Sugillation: flächenhafte, bis drei Zentimeter große Hauteinblutungen

  • Suffusion: große, flächenhafte Hauteinblutungen über drei Zentimeter Größe

  • Hämatom: tiefgehende Einblutung, evtl. bis in das Muskelgewebe vordringend

Bei kleinen Hämatomen ist in der Regel keine Therapie erforderlich, da diese in der Regel von allein verschwinden. Bei größeren Hämatomen kann eine heparinhaltige Salbe aufgetragen werden, die Wirksamkeit ist allerdings umstritten. Bei großen Hämatomen, die zu Durchblutungsstörungen oder Nervenausfällen geführt haben, wird das Hämatom chirurgisch eröffnet und das Blut entfernt. Bei diesen Operationen muss auf strenge Keimfreiheit geachtet werden, da sich Hämatome leicht entzünden.

Psoriasis vulgaris

Bei der Psoriasis Psoriasis vulgarisvulgaris (SchuppenflechteSchuppenflechte) handelt es sich um eine der häufigsten Hautkrankheiten. Nach Krankheitsausbruch besteht sie meist lebenslang mit wechselnden Schweregraden mit wenigen, kleinen Psoriasisherden bis hin zum Befall der gesamten Haut (Atlas Abb. 21-19, 21-20). Hinsichtlich des Verlaufs unterscheidet man stationäre und latente Phasen und Krankheitsschübe. Die Erstmanifestation liegt meist zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr, nur seltener handelt es sich um eine Spätmanifestation (55 bis 60 Jahre).
Hautbild.Es kommt zu scharf umrissenen, rötlichen Flecken mit silberweißen Schuppen. Zuweilen können juckende Herde auftreten. Psoriasis geht oft mit Nagelveränderungen einher, wie Tüpfelnägel (stecknadelkopfgroße Eindellungen des Nagels) und Ölfleckbildung (gelbliche Verfärbungen des Nagels), evtl. kommt es zum Krümelnagel (völlige Zerstörung der Nagelplatte). Die Erkrankung kann mit PCP (primär-chronischer Polyarthritis) einhergehen.
Prädilektionsstellensind Ellenbogen, behaarter Kopf, Knie und Kreuzbeingegend.
Ursachen.Über die direkte Ursache ist noch nichts Sicheres bekannt. Vermutlich gehört sie zu den Stoffwechselerkrankungen. Man hat festgestellt, dass die Hautverhornung beim Psoriasis-Erkrankten stark beschleunigt ist. Besonders unter Alkoholeinwirkung kann sie explosionsartig zunehmen. Ein erblicher Faktor spielt auch eine Rolle. Vererbt wird allerdings nicht die Krankheit als solche, sondern die latente Bereitschaft der Haut, psoriatisch zu reagieren. Das heißt, bei genetisch veranlagten Personen müssen noch „Auslöser“ hinzukommen, damit die Erkrankung zum Ausbruch kommt, z. B. grippale Infekte, toxische oder allergische Irritationen der Haut, Röntgenbestrahlung, psychischer Stress (v. a. Probleme in der Partnerschaft) u. a.
Diagnose.Löst man durch vorsichtiges Kratzen die oberen Schuppen ab, erscheint ein dünnes Psoriasishäutchen, nach dessen Ablösung es zu dicht beieinanderliegenden, punktförmigen Blutaustrittsstellen kommt (Auspitz-Phänomen, Phänomen des blutigen Taus).
Therapie.Ausschaltung der Provokationsfaktoren, Strahlen-, Klima- und Bädertherapie (sonnenreiche Klimazonen), Diät, Fumarsäure.

Psoriasis-Prädilektionsstellen

  • Ellenbogen

  • Behaarter Kopf

  • Knie

  • Kreuzbeingegend

Neurodermitis (atopisches Ekzem)

NeurodermitisEkzem, atopischesMit Atopien bezeichnet man eine familiär gehäuft auftretende Überempfindlichkeit der Haut und Schleimhaut gegen bestimmte Umweltstoffe. Es handelt sich um eine Allergie vom Soforttyp (Typ I). Im klassischen Sinn rechnet man zu den Atopien: atopisches Ekzem (Neurodermitis und Milchschorf), Heuschnupfen (allergische Rhinitis) oder Heufieber (Rhinokonjunktivitis, evtl. mit fieberhaften Allgemeinerscheinungen), allergisches Asthma, allergische Enteritis und Urtikaria (Quaddelsucht). Diese Erkrankungen treten nicht nur familiär gehäuft auf, sondern ein Atopiker durchläuft im Laufe seines Lebens oft mehrere dieser Erkrankungen. So kann es sein, dass er als Kleinkind an Neurodermitis erkrankt und später Asthma bronchiale oder Heuschnupfen entwickelt.
Definition.Bei Neurodermitis handelt es sich um ein endogenes Ekzem, dessen genaue Ursache unbekannt ist (s. u.), betroffen sind Atopiker.
Prädilektionsstellen.Bei der Neurodermitis sind in erster Linie die Ellenbeugen betroffen. Die Hautveränderungen treten symmetrisch an beiden Körperhälften auf. Im Kindesalter kommen als weitere Prädilektionsstellen noch Kniekehlen, Hand- und Fußgelenke hinzu.
Hautbild.Die Hautveränderungen treten symmetrisch auf. Sie sind unscharf begrenzt und zeigen Rötung, Nässen, Schuppung, Krusten, Erosionen und Lichenifikation (Vergröberung der Hautfelderung Atlas Abb. 21-21). Da sehr starker Juckreiz besteht, sind Kratzspuren zu sehen.
  • Säuglingsalter: meist schon im 3. Lebensmonat kommt es im Gesicht und am Kopf zu „Milchschorf“. Bei ungefähr der Hälfte der Kinder bilden sich die Hauterscheinungen völlig zurück (Atlas Abb. 21-22).

  • Kleinkind- und Kindesalter: mehr subakut bis chronische Erscheinungen mit Lichenifikation, v. a. an Ellenbeugen, Kniekehlen, Hand- und Fußgelenken („Beugenekzem“), auch an Hals und Händen.

  • Jugend- und Erwachsenenalter: chronische Erscheinungen mit Verschlimmerungsschüben. Prädilektionsstellen wie vorstehend, zusätzlich noch Gesicht und Oberkörper möglich.

    Mit zunehmenden Alter können die Hauterscheinungen verschwinden; manchmal verschwindet die Erkrankung um das 30. Lebensjahr vollkommen.

Ursachen.Die eigentliche Ursache ist nicht bekannt. Erbliche Faktoren spielen eine Rolle, außerdem Allergien (v. a. gegen bestimmte Nahrungsmittel wie Zucker, Milch, Glutamat, Zitrusfrüchte, tierisches Eiweiß), psychische Faktoren, Witterungseinflüsse (Verschlechterung im Winter und Frühjahr).
Diagnose.Im Blut oft starke IgE-Erhöhung und Eosinophilie, typische Familienanamnese.
Therapie.In der Naturheilkunde kommt der Ausschaltung von Allergenen eine große Rolle zu, oft werden bestimmte Nahrungsmittel, z. B. tierisches Eiweiß, Weißzucker, Säuren (Apfelsinen, Zitronen) nicht vertragen. Behandlung des psychischen Aspektes, Klimatherapie (Meer, Gebirge); in der Schulmedizin wird auch mit Kortison und Antihistaminikum behandelt.

Neurodermitis-Prädilektionsstellen sind die Gelenkbeugen.

Kontaktekzem

KontaktekzemDas EkzemEkzem ist die häufigste juckende, schubweise auftretende Erkrankung der Oberhaut und des Papillarkörpers. Es hat ein vielgestaltiges Bild, ist unscharf begrenzt, breitet sich flächenhaft entzündlich aus und heilt ohne Narbenbildung ab. In der akuten Phase kommt es zu Juckreiz, Rötung, Nässen, Lichenifikation und Krustenbildung. Die Krankheit kann chronisch werden. Sie neigt zu Rückfällen.
Nicht-allergisches Kontaktekzem (toxisches Kontaktekzem).Durch eine Erschöpfung der chemischen Abwehrfunktion der Oberhaut durch immer wiederkehrenden Kontakt mit einem schädigenden Reiz und durch zu häufiges Waschen kann sich ein nicht-allergisches Kontaktekzem entwickeln. Im ersten Stadium, das Monate bis Jahre dauern kann, kommt es zunächst lediglich zu trockener und spröder Haut mit oberflächlichen Fissuren (Einrissen) und diskreter Schuppung. Später entwickeln sich die oben beschriebenen Erscheinungen. Das Ekzem beginnt auszuheilen, sobald der schädigende Reiz fortfällt. Es treten keine Streuphänomene auf. Besonders häufig sind Hausfrauen, Friseurinnen, Krankenschwestern (Desinfektionsmittel!) und Maurer betroffen (Atlas Abb. 21-23).

Prädilektionsstellen des nicht-allergischen Kontaktekzems sind die Hände.

Allergisches Kontaktekzem.Es handelt sich um eine Allergie vom Spät-Typ (Allergie Typ IV, Abschn. 22.1.4). Die Entwicklung eines allergischen Kontaktekzems wird durch ein vorausgegangenes nicht-allergisches begünstigt, da durch die Hautschädigung das Allergen besser aufgenommen wird. Deshalb treten Hauterscheinungen zuerst nur am Ort des Kontaktes auf, z. B. auf der Kopfhaut nach Dauerwellen, später kommen Streuphänomene an anderen Körperstellen dazu (Atlas Abb. 21-24). Die Zahl der möglichen Allergene ist groß. Der Nachweis kann über den Epikutantest (Abschn. 22.3.2, Allergie, Atlas Abb. 21-26) erfolgen.
  • akutes allergisches Kontaktekzem tritt ca. 24 bis 48 Stunden nach Allergenkontakt auf, zunächst mit Rötung, danach kommt es zu Nässen, Bläschen, Erosionen und Krusten. Zum Schluss bildet es sich mit Schuppung und Reströtung (Atlas Abb. 21-25) zurück.

  • chronisches allergisches Kontaktekzem mit Hautrötung und Lichenifikation.

Misch- und Zwischenformen sind häufig.
Mikrobielles Ekzem.Vor allem an Hand- und Fußrücken kommt es zu scharf begrenzten Herden bis zu Münzgröße. Es treten Bläschen auf, die zerplatzen, verkrusten und jucken (Atlas Abb. 21-27).
Die Ursache vermutet man in einer allergischen Reaktion gegenüber Toxinen von Mikroorganismen. Eventuell bestehen Streuherde: Tonsillitis, Bronchitis, Prostatitis usw.

Urtikaria

UrtikariaDie Urtikaria (QuaddelsuchtQuaddelsucht, NesselsuchtNesselsucht) kann in ganz unterschiedlichen Schweregraden auftreten, von lediglich lästig juckenden Quaddeln bis hin zur Gefahr eines anaphylaktischen Schocks.
Hautbild.Die charakteristische Hauterscheinung des Nesselausschlages ist die Quaddel (Urtika). Sie ist leicht erhaben, scharf abgegrenzt und von roter oder weißer Farbe. Sie kann unterschiedlich groß sein: linsengroß bis ausgedehnt flächenhaft (Atlas Abb. 21-28 bis 21-30). Es besteht heftiger Juckreiz.
Prädilektionsstelle.Die Quaddeln können am gesamten Körper auftreten.
Ursache.Ein Nesselausschlag kann auf ein allergisches oder physikalisches Geschehen zurückzuführen sein. Beim allergischen Nesselausschlag kommen als auslösende Antigene Pollen, Hausstaub, Nahrungsmittel, Medikamente, Insektenstiche und vieles mehr in Betracht. Beim physikalisch verursachten Nesselausschlag sind Scheuerstellen der Haut durch Kleidung oder Schmuck, Einwirkung von Sonnenlicht, Stoß-, Druck-, Reibe-, Kälte- oder Wärmeeinwirkung die Ursache.

Bei massiver Urtikaria besteht Schockgefahr!

Sonderform: Quincke-Ödem.Eine Sonderform der Nesselsucht stellt das Quincke-Quincke-ÖdemÖdem (angioneurotisches Ödem, Angioödem) dar. Dabei kommt es, bevorzugt in der Augenregion, zu ödematösen Hautschwellungen. Von der Schwellung können jedoch auch andere Gebiete betroffen sein, z. B. die Lippen, die Geschlechtsorgane oder die Hände und Füße. Diese Erscheinungen können für sich allein auftreten oder zusammen mit Nesselsucht (Atlas Abb. 21-44). Ein Quincke-Ödem kann durch Medikamente, Nahrungsmittel, z. B. Nüsse, Früchte, Schalentiere und Eier ausgelöst werden, aber auch durch Insektenstiche. Letztere sind besonders gefährlich. Erfolgt der Stich im Mundbereich (z. B. durch eine Wespe bei einem limonadetrinkenden Kind), so kann es zum Anschwellen der Kehlkopfschleimhaut kommen, was zum Ersticken führen kann.

Pityriasis

PityriasisBei der KleienflechteKleienflechte (Pityriasis) liegt eine zu schnelle und unvollständige Verhornung der Oberhautzellen vor. Ihr typisches Erscheinungsbild ist die kleieförmige („hobelspanähnlich“) Schuppung. Hier sollen nur die beiden häufigsten Erscheinungsbilder der Kleienflechte besprochen werden.
Pityriasis versicolor (Kleienpilzflechte).Scharf begrenzte, unterschiedlich große, zu Konfluenz neigende Herde zeigen eine kleieförmige Schuppung. Die befallenen Stellen sind hellbraun, sodass sie im Kontrast zu einer sonnengebräunten Haut weißlich erscheinen, bei dunklem Hautkolorit dagegen heller. Der bevorzugte Sitz ist v. a. die vordere und hintere Schweißrinne des oberen Stamms. Die Herde können sich auch auf den Schultern, dem Hals, Rücken und Brust zeigen (Atlas Abb. 21-31). Es handelt sich um eine Hefepilzerkrankung. Erreger ist der Hefepilz Malassezia furfur, der normalerweise ohne pathogene Bedeutung auf der Haut vorkommt, weshalb nur eine geringe Ansteckungsgefahr besteht. Starkes Schwitzen (an Schilddrüsenüberfunktion denken!), Tragen von synthetischer Unterwäsche und häufiges Eincremen fördern die Erkrankung. Es besteht eine große Rezidivneigung. Der Pilz kann mikroskopisch mittels der Tesafilm-Methode im Hornhautschichtabriss nachgewiesen werden.
Pityriasis rosea (Schuppenröschen, Röschenflechte).SchuppenröschenRöschenflechteDie Erkrankung beginnt meist mit einem ersten, mehrere Zentimeter großen Einzelherd („Primärmedallion“). Nach Tagen bis 2 Wochen können sich weitere Flecken, die allerdings kleiner sind, über den Rumpf und die proximalen Extremitäten ausbreiten (Atlas Abb. 21-32). Manchmal besteht Juckreiz. Nach 2 bis 6 Wochen erfolgt meist eine spontane Rückbildung.
Über die Ursache ist wenig bekannt. Man hat festgestellt, dass die Krankheit oft nach Benutzung neuer Wäsche auftritt. Es wird vermutet, dass es sich um eine Virusinfektion handeln könnte.

Ichthyosis vulgaris

Ichthyosis vulgarisBei der Ichthyosis vulgaris (FischhautFischhaut) handelt es sich um eine Erbkrankheit, die sich meist gegen Ende des ersten Lebensjahres zeigt. Sie kann in unterschiedlichen Ausprägungsgraden auftreten.
Es kommt zu einer Verhornungsstörung mit trockener Hautoberfläche und mit festhaftenden Schuppen, die unterschiedlich groß sind. Sie reichen von kleieartigen bis plattenartigen Gebilden von weißlicher bis bräunlicher Färbung. Die Schuppen liegen pflastersteinartig nebeneinander, sodass man genauer von einer Reptilienhaut sprechen müsste, da beim Fisch die Schuppen überlappen. Prädilektionsstellen sind die Extremitätenstreckseiten. Es kann jedoch zur Generalisierung kommen, wobei typischerweise Handteller, Fußsohlen, Beugeseiten der großen Gelenke und Gesicht freibleiben (Atlas Abb. 21-33, 21-34).

Fischhaut-Prädilektionsstellen sind die Extremitätenstreckseiten.

Tumoren der Haut

Tumor, bösartiger“\t“Siehe KrebsKrebs:HautHauttumorHautkrebsGeschwulst:bäsartiges“\t“Siehe KrebsTumoren der Haut nehmen von der Epidermis ihren Ausgang. Hier werden das Basaliom, das Spinaliom und das maligne Melanom besprochen.
Basaliom
BasaliomDas Basaliom ist die häufigste Hautkrebsart. Es nimmt von der Basalzellschicht seinen Ausgang und tritt bevorzugt an lichtexponierten Stellen auf, und zwar im Gesicht (v. a. um die Augen!) und auf dem behaarten Kopf, kann jedoch auch an anderen Körperstellen wie Nacken, Ohren, Unterschenkel vorkommen.
Es wächst langsam und setzt fast nie Metastasen, weshalb es als semimaligne bezeichnet wird. Trotzdem darf eine Behandlung nicht unnötig verzögert werden, da es zerstörend in die Tiefe wächst und dabei Muskel, Knorpel, Knochen, Auge, Gehirn u. a. zerstören kann. Das Basaliom hat ein sehr vielgestaltiges Bild, es kann knotig, geschwürig oder flach wie ein kleiner Sklerodermieherd oder schuppend-ekzemartig wachsen; es kann pigmentiert sein und/oder Teleangiektasien (bleibende Erweiterung kleiner, oberflächlicher Hautgefäße) aufweisen (Atlas Abb. 21-35, 21-36).
Bei rechtzeitiger Entfernung mit ausreichendem Sicherheitsabstand bestehen fast hundertprozentige Heilungsaussichten.
Spinaliom
SpinaliomDas Spinaliom (StachelzellkrebsStachelzellkrebs, PlattenepithelkrebsPlattenepithelkrebs) nimmt von den Stachelzellen seinen Ausgang. Es ist ein maligner Tumor, der sich auf chronisch entzündeter, lichtexponierter und strahlengeschädigter Haut und auf der Schleimhaut bilden kann, aber auch auf Narben und an Stellen, an denen Haut in Schleimhaut übergeht (Atlas Abb. 21-37). Häufige Spinaliome sind Lippenkrebs (Atlas Abb. 21-38), Afterkrebs, Peniskrebs, Vulvakrebs. Betroffen sind in erster Linie ältere Menschen (Durchschnittsalter 50 bis 70 Jahre).
Vom Erscheinungstyp her unterscheidet man
  • verhornende (meist auf chronisch entzündeter bzw. lichtexponierter Haut) und

  • nicht-verhornende Formen (z. B. After-, Speiseröhren-, Zungenkrebs).

Ein verhornendes Spinaliom entwickelt sich oft auf dem Boden einer Präkanzerose: z. B. einer solaren Keratose, bei der es durch Lichteinwirkung zu chronisch-entzündlichen Herden mit vermehrter Verhornung kommt oder auf einem „Hauthorn“ (Cornu cutaneum) mit seiner ausgeprägten hornartigen Hyperkeratose.
Malignes Melanom
Melanom, malignesMelanome gehen von den Melanozyten der Haut, gelegentlich auch von der Schleim-, Ader- oder Hirnhaut aus. Sie können sich auf vorher völlig gesunder Haut entwickeln, aus einem Muttermal oder aus Nävuszellnävus. Sie sind sehr bösartig, da sie sehr früh Metastasen setzen! Es handelt sich um eine Erkrankung des mittleren Lebensalters.
Auch das maligne Melanom hat sehr unterschiedliche Erscheinungsbilder. Typisch sind weiche, dunkle (dunkelbraun, violett, bläulich oder schwarz) Knoten, die unscharf begrenzt sind, Satellitenknötchen aufweisen und/oder von einem roten, entzündlichen Hof umgeben sind (Atlas Abb. 21-39 bis 21-42).
Das maligne Melanom hat in den letzten Jahren außerordentlich zugenommen. Gründe dafür vermutet man in häufigem und intensivem Sonnenbaden, Sonnenbränden und fehlender Ozonschicht der Luft, wodurch vermehrt schädigende Sonnenstrahlen auf die Haut auftreffen können.

Verdachtszeichen auf Hautkrebs

  • Hautveränderungen, die wachsen und nicht abheilen

  • alle unscharfen Hautveränderungen

  • schnelles Wachstum

  • Ausbildung einer höckerigen Oberfläche

  • zunehmende und/oder ungleiche Pigmentierung

  • entzündeter, rötlicher Hof um eine Hautveränderung

  • Blutungsneigung

  • Geschwürsbildung

  • Auftreten kleiner Satellitenknötchen

  • Anschwellen der regionalen Lymphknoten

  • Patient berichtet: Juckreiz, Schmerzen oder „ein Arbeiten in der Geschwulst“

ABCDE-Regel als Erinnerungshilfe für Verdachtshinweise auf ein malignes Melanom:
  • A: Asymmetrie (ungleichmäßige Form)

  • B: Begrenzung (unscharf)

  • C: Colorit (= Farbe: tiefschwarz und/oder unterschiedliche Farben)

  • D: Durchmesser (größer als 0,5 cm)

  • E: Erhaben (Hautveränderung geht über das Niveau der Haut)

Hauterscheinungen dieser Art müssen immer von einem Hautarzt abgeklärt werden!

Abszess

AbszessEin Abszess (EitergeschwürEitergeschwür) ist eine abgekapselte Eiteransammlung in einer nicht vorgebildeten, sondern durch krankhafte Vorgänge entstandenen Höhle des Gewebes. Typische Eitererreger sind Staphylo- und Streptokokken.
Ein sogenannter heißer Abszess entwickelt sich aufgrund einer akuten Entzündung. An der betroffenen Stelle kommt es zu den typischen Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Wärme und Schmerz (v. a. pulssynchroner Klopfschmerz). Beim Betasten weist der Abszess ein „Schwappen“ (Fluktuation) auf. Je nach Schweregrad kann es zu (hohem) Fieber kommen.
Mit Abszedierung meint man, dass sich durch abgestorbenes Gewebe und nachfolgender Verflüssigung ein Abszess gebildet hat, der allerdings noch nicht von einer Abszessmembran umgeben ist. Ist die Abszedierung von einer Abszessmembran umgeben, so spricht man vom Abszess.
Sammelt sich Eiter in einer vorgebildeten Körperhöhle an, so bezeichnet man das als Empyem. Empyeme können sich z. B. in der Gallenblase, in der Gelenkhöhle oder in der Pleura (Brustfell) bilden.

Fistel

FistelEine Fistel ist ein abnormer Gang mit einer eigenen Auskleidung, der ein tieferliegendes Organ mit der Haut (äußere Fistel) oder mit einem anderen Organ (innere Fistel) verbindet. Sie können angeborenermaßen (z. B. Ösophagotrachealfistel) bestehen oder durch einen Organschaden (Infektionen, Verletzungen) erworben sein. Oft fließt durch die Fistel ein Sekret ab.
Fisteln bilden sich v. a. in der Analregion. Ihren Ausgang nehmen sie häufig von Entzündungen, die zur Abszessbildung geführt haben, und zwar wenn die Abszesse spontan perforieren. Besteht eine Fistel längere Zeit, so kann sie ein ganzes Gangsystem entwickeln und erhebliche Mengen an Gewebe zerstören.
Fisteln bilden sich auch häufig im Kieferbereich. Dabei nehmen sie ihren Ausgang z. B. von einer Eiteransammlung unter einem toten Zahn. Zwar wird nun über die Fistel dem Eiter eine Möglichkeit gegeben sich nach außen zu entleeren, da aber die Fistel ein ganzes Gangsystem mit Abzweigungen entwickeln kann, kann es sein, dass die Fistel den gesamten Kiefer zerstört.
Fisteln müssen daher operativ entfernt werden, und zwar müssen sie weit im gesunden Gewebe herausgeschnitten werden. Verbleiben kleine Reste des Fistelgewebes im Körper, so wird sich von diesem Gewebe ausgehend mit großer Wahrscheinlichkeit eine neue Fistel und damit wieder ein ganzes Gangsystem entwickeln.

Zyste

ZysteEine Zyste (CysteCyste, KysteKyste, KystomKystom) ist eine durch eine Kapsel abgeschlossene sackartige Geschwulst mit einem dünn- oder dickflüssigen Inhalt. Man unterscheidet:
  • echte Zysten, die mit Epithelgewebe ausgekleidet sind, z. B. Atherome (Grützbeutel) und Follikelzysten.

  • Pseudozysten haben nur eine Bindegewebeauskleidung, z. B. Erweichungsherde nach ischämischer Gehirnerweichung oder Echinokokkuszysten (Abschn. 27.2.3).

Häufig handelt es sich bei den echten Zysten um „Retentionszysten“, wobei man unter einer Retention ein Zurückhalten von auszuscheidenen Stoffen versteht. Diese Retentionszysten haben sich also gebildet, weil ein Sekret nicht abfließen konnte (z. B. Talg).

Panaritium

Mit PanaritiumPanaritium (UmlaufUmlauf) werden eitrige (eventuell phlegmonöse) Entzündungen an Fingern oder (seltener) Zehen bezeichnet, wie sie meist infolge von Bagatellverletzungen auftreten, die sich infiziert haben (panaricium, lat. eine Krankheit an den Nägeln, Nagelkrankheit). Panaritien kann man in oberflächliche (betrifft Haut bzw. Nagel) und tiefe (Gelenk, Knochen, Sehne) unterteilen.
Symptome.Die Entzündung tritt meist nach Bagatellverletzungen durch Infizierung der Wunde mit Strepto- oder Staphylokokken auf, gelegentlich auch durch Herpes-simplex-Virus oder Candida albicans. Es kommt zu den typischen Entzündungszeichen Calor, Dolor, Rubor, Tumor und Functio laesa. Der Schmerz wird häufig als pulsierend angegeben. Oft kann man eine beginnende Eiterbildung sehen. Schreitet die Entzündung fort und greift von der Haut und dem Unterhautgewebe auf Gelenke, Knochen und/oder Sehnen über, so kann es zur Nekrose, Lymphangitis oder zu Phlegmonen (= Entzündung der Haut mit Neigung zu flächenhafter Ausbreitung) kommen.
Therapie.Der Heilpraktiker kann in leichteren Fällen, die noch keine Antibiotikagabe erfordern, behandeln: z. B. mittels Handbädern, Umschlägen, Homöopathie u. a. Es ist auf Ruhigstellung zu achten. Schwere Fälle werden vom Arzt therapiert, je nach Krankheitsschwere mit Antibiotika, operativer Eröffnung und/oder Drainage.

Dekubitus

WundliegenDruckgeschwürDekubitusVor allem bei Bettlägerigen (decubitum, lat. = sich niederlegen) aber auch infolge von Sensibilitätsstörungen (v. a. bei Diabetes mellitus) kommt es durch Druck zur Schädigung der Haut und evtl. des darunter liegenden Gewebes.
Ursachen.Der Dekubitus (Wundliegen, Durchliegen) entwickelt sich bevorzugt an den Stellen, an denen die Haut dem Knochen unmittelbar aufliegt, aber auch unter schlecht sitzenden Prothesen, Pessaren und zu engen Gipsverbänden kann es durch eine (längerfristige) Druckeinwirkung zur Gewebeschädigung kommen. Durch den Druck werden Gefäße komprimiert, wodurch es zur Ischämie und damit zur Ernährungsstörung v. a. der Haut, der Unterhaut und evtl. des darunter liegenden Gewebes kommt.
Symptome.Die Symptome reichen von einer umschriebenen Hautrötung bis zu tiefen Hautdefekten mit Nekrosebildung. Besonders gefährdete sind Körperstellen an denen Knochen und Haut direkt auf der Unterlage aufliegen und damit Kreuzbein, Fersen, Knöchel, Ellenbogen, Schulterblätter, Dornfortsätze der Wirbel und beim auf der Seite liegen die Ohrmuscheln und der große Rollhügel (Trochanter major) des Oberschenkelknochens.
Ein Dekubitus geht oft mit großen Schmerzen einher, mit Ausnahme der Fälle, bei denen eine Sensibilitätsstörung vorliegt.
Schweregrade.Ein Dekubitus kann in vier unterschiedlichen Schweregraden auftreten.
  • Grad 1: umschriebene Hautrötung ohne Hautverletzung

  • Grad 2: Hautdefekt, Abschilferungen, Blasenbildung. Das Unterhautfettgewebe (Subcutis) ist nicht mit betroffen.

  • Grad 3: tiefer Hautdefekt durch den Muskeln, Sehnen und Bänder sichtbar sind, evtl. sind diese Strukturen bereits mitbetroffen

  • Grad 4: tiefer Hautdefekt mit Knochenbeteiligung

Prophylaxe.Es müssen eine entsprechende Hautpflege und Hautschutz durchgeführt werden, außerdem eine Durchblutungsförderung durch Wärme-Kälte-Reize, Einreibungen mit durchblutungsfördernden Mitteln und evtl. Massage der gefährdeten Stellen. Es sollte eine Weichlagerung, evtl. mittels Spezialmatratzen oder -betten bzw. eine Positionsunterstützung erfolgen. Erforderlich ist eine ca. zweistündliche Umlagerung nach einem genauen Lagerungsplan. Auf ein glattes faltenfreies Laken ist zu achten.
Gerade bei inkontinenten Patienten muss für trockene Haut gesorgt werden.
Therapie.Von größter Wichtigkeit ist die Druckentlastung des betroffenen Bereiches. Dies kann nicht nur durch entsprechende Lagerungstechniken wie Weich- oder Freilagerung sondern auch durch spezielle Kissen mit entsprechenden Aussparungen erfolgen. Weiterhin sind durchzuführen: eine intensive Hautpflege, sorgfältiges Säubern der Wunde, Auftragen von reinigenden und granulationsfördernden Substanzen und bei Grad 3 und 4 auch eine Wundausschneidung (Wundexzision), Wundverband und bei Nekrosen und Gangrän eine chirurgische Sanierung.

Angiome und Hämangiome

Formen der Blutgefäßneubildung.Beim AngiomAngiom und dem Hämangiom handelt es sich um gutartige Neubildungen von Blutgefäßen, den sog. „Blutschwämmen“:
  • Angiom (eruptives Hämangiom). Sie treten erworbenermaßen meist ab dem mittleren Lebensalter, bevorzugt am Stamm auf und werden dann als Angioma senile bezeichnet. Es handelt sich um punkt- bis stecknadelkopfgroße Hauterhebungen, die aus aufgeknäulten im Corium (Lederhaut) gelegenen Kapillaren bestehen.

  • HämangiomHämangiom. Es handelt sich um eine angeborene häufige Fehlbildung beim Neugeborenen. Sie können bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden sein, oder sich in den ersten Lebenswochen ausbilden. Meist in der Haut (aber auch in inneren Organen) kommt es zu gutartigen Neubildungen von Kapillaren. Der Durchmesser beträgt meist zwei bis drei Zentimeter, allerdings können die Hämangiome auch erheblich größere Ausmaße annehmen. Bis zum 7. Lebensjahr bilden sich die weitaus meisten Hämangiome spontan zurück, evtl. mit bleibenden narbigen Hautveränderungen. Manche zeigen allerdings eine Wachstumstendenz, die auch noch im späteren Leben auftreten kann.

    Man unterscheidet zwischen kavernösem Hämangiom, mit kavernenartigen, weiten blutgefüllten Räumen mit dünnen Wänden und kapillärem Hämangiom, mit gutartiger Neubildung von Kapillaren. Beide Formen treten allerdings oft kombiniert auf.

Therapie.Angioma senilis haben keinen Krankheitswert, sondern sind in der Regel lediglich von kosmetischer Bedeutung. Hämangiome können schulmedizinisch mit gutem Erfolg mit Lasertherapie behandelt werden, evtl. erfolgt zusätzlich noch eine medikamentöse Behandlung mit Kortison oder Interferon. Im Anfangsstadium kann auch mit Kältetherapie (Kryotherapie) behandelt werden. Grundsätzlich sollte eine Operation nicht zu früh erfolgen, sondern das Hämangiom lediglich beobachtet werden. Bildet sich das Hämangiom spontan zurück, sind die Ergebnisse meist besser als durch eine erfolgte Therapie.

Akne vulgaris

Akne vulgarisDie in der Pubertät weit verbreitete Hauterkrankung zeigt sich in talgdrüsenreichen Hautbezirken zunächst mit Mitessern (Komedonen), dann entzündlichen, rötlichen Knötchen (Papeln) und schließlich mit eitrigen Pusteln („Pickeln“) bis hin zu abszessähnlichen Knoten. Typisch ist ein schubweiser Verlauf. Beim Abheilen können Narben zurückbleiben. Kommt es beim Erwachsenen zu einem akneähnlichen Hautbild, spricht man von Rosazea (Abschn. 21.2.17)
Pathogenese.Ursachen der Akne vulgaris sind eine vermehrte Talgproduktion in den Haarfollikeln und eine gesteigerte Verhornung der Talgdrüsenausführungsgänge. Die vermehrte Talgproduktion führt zum Schmerfluss (Seborrhö), die die Haut fettig, „wie eingeölt“ aussehen lässt. Es bilden sich zunächst Mitesser. In diesen „Zeitbomben“ liefert das in ihnen gestaute Fett günstige Wachstumsbedingungen für Bakterien (v. a. Propionibacterium acnes). Durch die erhöhte Aktivität der Bakterien werden aggressive Stoffe freigesetzt, die zur Entzündung des umliegenden Gewebes führen.
Ursachen.Es handelt sich um ein multifaktorielles Geschehen mit genetischer Disposition. Bei den Hormonen spielt neben Kortison auch das männliche Sexualhormon Testosteron eine Rolle, indem es eine Vergrößerung der Talgdrüsen stimuliert. Zudem können bestimmte Medikamente eine Akne auslösen, v. a. Kortison („Kortisonakne“, Atlas Abb. 14-21).
Verlauf.Da der Testosteronspiegel bei Frauen nur etwa zehn Prozent des Wertes von Männern erreicht, ist bei Mädchen normalerweise die Akne weniger stark ausgeprägt. Außerdem wirkt Östrogen hemmend auf die Talgproduktion.
Man unterscheidet drei Schweregrade:
  • leichte Akne (Acne comedonica): Mitesser überwiegen

  • mittelschwere Akne (Acne papulopustulosa): Papeln und Pusteln überwiegen

  • schwere Akne (Acne conglobata): Es kommt zu heftigen Entzündungen mit Abszessen, Fistel- und Keloidbildungen. Bei dieser schweren Form können die typischen Aknegrenzen überschritten werden und die Hautveränderungen auch am tiefen Rücken und den Armen auftreten.

Prädilektionsstellen.Die Akne manifestiert sich meist an der Nase, weitet sich dann auf die Stirn aus und greift auf die Wangen, den Schultergürtel und den oberen Brust- und Rückenbereich über.
Therapie.
  • schulmedizinische Therapie. Als Lokalbehandlung werden Schältherapien eingesetzt. Schwere Fälle werden in der Schulmedizin mit Antibiotika behandelt, bei Mädchen auch mit Östrogenen (östrogenhaltige „Pille“), bei Jungen mit dem Wirkstoff Isotretinoin.

  • naturheilkundliche Therapie: In der Naturheilkunde werden in der Aknetherapie meist gute Erfolge erzielt. Dabei werden v. a. Eigenblut und Eigenurin eingesetzt, letzteres innerlich und äußerlich, aber auch Homöopathie und Akupunktur. Hilfreich sind auch Umschläge aus pflanzlichen Zubereitungen, z. B. Stiefmütterchen (Viola tricolor). Besonders bewährt haben sich Anwendungen mit Heilerde. Wie bei anderen Hautentzündungen auch, sollte unbedingt eine Darmsanierung durchgeführt werden und eine Ernährungsumstellung auf gesunde Vollwertkost erfolgen. Fette, süße Speisen und Fast-Food-Produkte sollten gemieden werden.

Zusätzlich sollte die Haut von einer Kosmetikerin behandelt werden, die für ein Ausdrücken der Mitesser sorgt. Der Patient sollte angehalten werden, keinesfalls selbst an den Komedonen herumzudrücken, da durch unsachgemäßes und zu heftiges Drücken die Haut noch zusätzlich gereizt wird und sich entzündet.

Rosazea

RosazeaBei der Rosazea (KupferfinnenkrankheitKupferfinnenkrankheit, RotfinneRotfinnen) handelt es sich um eine im höheren Lebensalter auftretende chronische Hauterkrankung, die mit einer vermehrten Rötung, Papeln, Pusteln und Teleangiektasien (sichtbare Erweiterung kleiner Gefäße) einhergeht. Manchmal ist das Erscheinungsbild akneähnlich. Deshalb wird Rosazea manchmal auch inkorrekt als Acne rosacea bezeichnet. Es kommen unterschiedliche Schweregrade vor.
Ursache.Die Ursache ist unbekannt. Allerdings können folgende Faktoren begünstigend wirken: Leberbelastung, z. B. Alkoholabusus, Besiedelung der Talgdrüsen durch eine sonst harmlose Milbe (Demodex follicularis), Dysbiose der Darmflora und generell Magen-Darm-Störungen.
Symptome.Die Rosazea beginnt meist mit einer erhöhten Neigung zum Rotwerden. Nach einiger Zeit verschwindet diese Rötung nicht mehr, sondern bleibt bestehen. Betroffen sind v. a. die Wangen, die Stirn und der Nasenrücken. Die Augenregion bleibt meist frei. Dann bilden sich Papeln und Pusteln, evtl. mit heftigen Entzündungsherden die zu polsterartigen Infiltraten führen können. Häufig entwickelt sich zusätzlich ein Rhinophym. Diese sog. „Knollennase“ oder „Pfundsnase“ wird durch eine entzündliche Hyperplasie des Bindegewebes und der Talgdrüsen des vorderen Nasenanteils verursacht.
Rotes RhinophymRhinophym. Insbesondere bei Alkoholabusus lässt sich an der Nase manchmal folgende Ablauf erkennen: zunächst vermehrte Rötung der Nasenspitze mit Teleangiektasien (umgangssprachlich: „Säufernase“), dann entwickelt sich ein rotes Rhinophym.
Weißes Rhinophym. Beim weißen Rhinophym kommt es auch zu einer Talgdrüsenhyperplasie, die Nase bleibt jedoch normal gefärbt. Beim weißen Rhinophym besteht kein Zusammenhang mit einer Leberschädigung.
Therapie.In der Naturheilkunde wird eine „Entgiftungstherapie“ durchgeführt und die Leber behandelt. Auf Alkohol, Zigaretten und scharfes Essen sollte verzichtet werden. In der Schulmedizin werden schwere Fälle mit Antibiotika behandelt.

Cellulite

OrangenhautCelluliteEs handelt sich um eine nicht-entzündlich bedingte Degeneration der kollagenen und elastischen Fasern des subkutanen Bindegewebes, das v. a. bei Frauen in der Oberschenkel- und Glutealregion vorkommt und zur „Orangenhaut“ bzw. „Orangenschalenhaut“ führt.
Ursachen.Dass von der Cellulite in erster Linie Frauen betroffen sind, liegt daran, dass das Bindegewebe durch Östrogen weicher und lockerer ist als beim Mann. Sobald die Spannkraft der elastischen Fasern abnimmt, wird vermehrt Fett in der Subkutis eingelagert, die Fettzellen können sich bis auf das 10-fache ihres ursprünglichen Volumens vergrößern und sich allmählich durch das schwache Bindegewebe bis an die Hautoberfläche durchdrücken. Dies führt zum sog. „Matratzenphänomen“: die Hautoberfläche wird durch die Bindegewebssepten netzartig eingezogen.
Schweregrade.Man unterscheidet verschiedene Schweregrade:
  • leichte Cellulite. Wenn die Haut mit den Fingern zusammengepresst wird, lassen sich erste Hautunregelmäßigkeiten feststellen. Im Stehen und Liegen hingegen erscheint die Hautoberfläche noch glatt.

  • starke Cellulite. Bei der Inspektion lässt sich die Cellulite deutlich als „Orangenhautphänomen“ erkennen. Oft findet man zusätzlich Dehnungsstreifen auf der Haut.

  • sehr starke Cellulite. Zusätzlich zum äußerlich sichtbaren Orangenhautphänomen sind deutlich sicht- und tastbare Knoten und ausgeprägte Dehnungsstreifen auszumachen.

Therapie.Übergewicht muss reduziert werden und es ist auf eine gesunde ausgewogene Ernährung zu achten. Man führt eine Entgiftungstherapie durch. Empfehlenswert sind Kneipp-Anwendungen wie Wechselduschen und kräftige Bürstenmassagen – am besten mit einer Massagebürste mit dicken Noppen, die bis tief ins Gewebe vordringen kann, um dort den Stoffwechsel zu verbessern.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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