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B978-3-437-55696-8.00008-7

10.1016/B978-3-437-55696-8.00008-7

978-3-437-55696-8

Lymphflüssigkeit. Aus den Blutkapillaren tritt Blutplasma in den Zwischenzellbereich, von dem aus die Ernährung der Zellen erfolgt. Aus der Zwischenzellflüssigkeit (Interzellularflüssigkeit) wird die Lymphe gebildet. Allerdings transportiert das Lymphsystem lediglich 10 % dieser Flüssigkeit ab, 90 % werden vom Blutkreislaufsystem aufgenommen.

[L106]

Schematische Darstellung des Lymphgefäßes. Das Lymphgefäßsystem beginnt mit den blind endenden Lymphkapillaren im Interstitium. Die Lymphkapillaren fließen zu größeren Zweigen und diese zu Lymphgefäßen zusammen. Letztere bilden schließlich die großen Lymphstämme, die die Lymphe dem venösen Blut zuführen. 1: Milchbrustgang (Ductus thoraricus), 2: Einmündungsstelle des Milchbrustganges in den Venenwinkel der V. subclavia und V. jugularis sinistra, 3: Halslymphknoten (Nodi lymphatici cervicales), 4: Einmündungsstelle des rechten Hauptlymphstammes (Ductus lymphatiucs dexter) in den Venenwinkel der V. subclavia und V. jugularis dextra, 5: Axellymphknoten (Nodi lymphatici axillares), 6: Zwerchfell (Diaphragma), 7: Rechtes Lendenhauptlymphgefäß (Truncus lumbalis dexter), 8: Leistenlymphknoten (Nodi lymphatici inguinales), 9: Absteigender Dickdarm (Colon descendens), 10: Cisterna chyli.

[L106]

Schematische Darstellung eines Lymphknotens. 1: Kapsel (Capsula), 2: Balken (Trabekel, Zwischenwand), 3: Lymphfollikel (Nodulus lymphaticus, B-Region), 4: Blutgefäße (Arterie und Vene), 5: Zuführendes Lymphgefäß (Vas lymphaticum afferens), 6: Abführendes Lymphgefäß (Vas lymphaticum efferens), 7: Randsinus (Sinus subcapsularis), 8: Radiärsinus, 9: Marksinus, 10: Parakortex (T-Region), 11: Lymphozyt, 12: Hochendotheliale Venole, 13: Fibroplastische Retikulumzelle, 14: Sinusendothel, 15: Kapillarnetz.

[L107]

Schnitt durch die Milz. 1: Kapsel (Tunica fibrosa), 2: Milzbälkchen (Trabecula splenica), 3: Vene, 4: Arterie, 5: Weiße Pulpa, die wie eine Scheide um die kleine Arterie liegt (Pulpa alba), 6: Rote Pulpa, 7: Milzsinusoid, 8: Milz-follikel (Malpighi-Körperchen), 9: Marginalsinus 10: Offener Blutkreislauf, 11: Geschlossener Blutkreislauf.

[E547]

Thymus beim Neugeborenen. 1: Thymus (Bries), 2: Herzbeutel (Perikard), 3: Luftröhre (Trachea), 4: Lunge (Pulmo), 5: Linke Arm-Kopf-Vene (V. brachiocephalica sinistra), 6: Rechte Arm-Kopf-Vene (V. brachiocephalica dextra).

[O606]

Inhaltsstoffe von Blut und Lymphe

Tab. 8-1
Blut Lymphe
Nährstoffe Ja Ja
Abbaustoffe Ja Ja
Eiweißstoffe Ja Ja (schwankend)
Erythrozyten Ja Nein
Lymphozyten wenige (4 %) reichlich (70 %)

Lymphatisches System

  • 8.1

    Anatomie und Physiologie272

    • 8.1.1

      Lymphe272

    • 8.1.2

      Lymphgefäße272

    • 8.1.3

      Lymphstämme273

    • 8.1.4

      Lymphknoten274

    • 8.1.5

      Milz276

    • 8.1.6

      Thymus278

    • 8.1.7

      Lymphatischer Rachenring278

    • 8.1.8

      Darmassoziiertes lymphatisches Gewebe280

  • 8.2

    Erkrankungen des lymphatischen Systems280

    • 8.2.1

      Angina und Tonsillitis280

    • 8.2.2

      Milzerkrankungen282

    • 8.2.3

      Lymphangiitis282

    • 8.2.4

      Erysipel283

    • 8.2.5

      Lymphödem283

    • 8.2.6

      Morbus Hodgkin284

    • 8.2.7

      Non-Hodgkin-Lymphome284

Unter dem lymphatischen System, lymphatischesSystem versteht man die Gesamtheit des lymphatischen Gewebes wie Lymphgefäße, Lymphknoten, Milz, Thymus, lymphatischer Rachenring (mit Gaumen-, Rachen-, Ohr- und Zungenmandel), Wurmfortsatz (Appendix vermiformis) und das lymphatische Gewebe des Darmes (z. B. Peyer-Plaques).

Das lymphatische System hat die folgenden Aufgaben:

  • Mithilfe bei der Abwehr von Erregern

  • Transport (Drainage des Zwischenzellraums durch die Lymphflüssigkeit). In diesem Transportsystem werden Stoffe befördert, wie Wasser, Eiweiße, Fette, Zellen (z. B. Lymphozyten), Krebszellen, aber auch unbelebte Teile wie Staubteilchen und Farbstoffe nach Tätowierung.

Die lymphatischen Gefäße stellen zwar ein für den Körper wichtiges Transportsystem dar, allerdings handelt es sich nicht um einen tatsächlichen „Kreislauf“, vergleichbar dem Blutkreislauf, denn die Lymphgefäße beginnen blind endend im Zwischenzellraum und geben später die Lymphe an das venöse System ab.

Anatomie und Physiologie

Lymphe

Die in den Lymphgefäßen fließende LympheLymphe ist eine wasserklare Flüssigkeit. Eine Ausnahme bildet die Lymphe aus dem Abstromgebiet des Darmes. Nach einer fettreichen Mahlzeit hat diese ein milchig-trübes Aussehen. Diese fettreiche Lymphe wird ChylusChylus genannt.
Die Lymphe bildet sich aus der ZwischenzellflüssigkeitZwischenzellflüssigkeit, die wiederum durch Austritt von Blutplasma aus den Blutkapillaren entstanden ist. Deshalb entspricht die Zusammensetzung der Lymphe weitgehend dem Blutplasma. Der wichtigste Unterschied zwischen Blut und Lymphe besteht in dem sehr unterschiedlichen Gehalt an Erythrozyten, Lymphozyten sowie an Eiweißen (Tab. 8-1).
Es werden über die Lymphe ungefähr 10 % der Flüssigkeit aus dem Zwischenzellraum gesammelt und später dem Blut zugeführt (Abb. 8-1). Das sind täglich ca. 2 Liter. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass über das Lymphsystem Eiweißpartikel aus dem Zwischenzellbereich aufgenommen werden können, die aufgrund ihrer Größe nicht durch die Wand der Blutkapillaren treten können. Die Aufnahme der Eiweißpartikel, aber auch die der anderen Stoffe, erfolgt meist durch Diffusion. Ein Teil der Stoffe wird aber auch aktiv in die Lymphkapillaren aufgenommen.
Die Lymphe fließt in den Lymphgefäßen langsamer als das Blut im Kreislaufsystem. Das hat den Vorteil, dass genug Zeit zur Verfügung steht, um die Lymphe von Erregern, Zelltrümmern und Fremdstoffen zu reinigen.

Bestandteile der Lymphe

Die Lymphe transportiert folgende Substanzen ab:
  • Wasser

  • Eiweiß

  • Fette

  • Zellen

Lymphgefäße

Die LymphgefäßLymphgefäße (Vasa Vasa lymphaticalymphatica) beginnen als blind endende, kleinste Kapillaren im Interstitium (Zwischenzellraum). Sie ähneln in ihrem Aufbau den Blutkapillaren. Die Lymphkapillaren vereinigen sich zu größeren Zweigen, die wiederum zu Lymphgefäßen zusammenfließen. Die größeren Lymphgefäße bilden schließlich die großen Lymphstämme des Körpers, die die Lymphe in das venöse Blut fließen lassen (Atlas Abb. 8-1).
Große Lymphgefäße bestehen, wie die Blutgefäße auch, aus Intima (Endothel), Media (glatte Muskulatur) und Adventitia (Bindegewebe).
Da das Lymphsystem keine eigene Pumpe besitzt, wie es das Herz für den Kreislauf ist, muss sich die Lymphe von verschiedenen Faktoren vorwärts „pumpen“ lassen. Damit sich diese Faktoren nicht gegenseitig aufheben können, sind die Lymphgefäße, mit Ausnahme der Lymphkapillaren, reichlich mit Klappen versehen, die einen Rückfluss der Lymphe verhindern.
In ihrem Aufbau ähneln die Lymphgefäße den Venen. Sie sind jedoch dünnwandiger und weisen mehr Klappen auf.

Faktoren der „Lymphpumpe“

  • Lymphangiomotorik: eine gewisse Fähigkeit der Lymphgefäße sich zusammenzuziehen.

  • Flüssigkeitsdruck im Interstitium. Dieser kommt dadurch zustande, dass das Herz mit jedem Herzschlag erneut Blut in das Kreislaufsystem auswirft.

  • arterielle Pulsationen: Die Lymphgefäße liegen, wie die Venen auch, direkt den Arterien an und nutzen deren Pulsationen aus.

  • Bewegungen des Körpers:

    • Gelenkbewegungen (sog. Gelenkpumpe)

    • Muskelbewegungen (sog. Muskelpumpe). Durch Muskelarbeit kann der Lymphstrom auf das 10- bis 15-fache gesteigert werden!

    • alle Bewegungen der Eingeweide, z. B. von Magen und Darm

    • Bewegungen durch die Ein- und Ausatmung

Lymphstämme

Das Hauptlymphgefäß ist der MilchbrustgangMilchbrustgang (Ductus Ductus thoracicusthoracicus). Er entspringt in dem Bereich zwischen dem 2. Lenden- und dem 10. Brustwirbelkörper aus der Cisterna chyli (Abb. 8-2 und Atlas Abb. 8-2).
Die Cisterna Cisterna chylichyli ist eine sackartige Ausweitung des Milchbrustganges, die durch den Zusammenfluss der beiden LendenhauptlymphgefäßLendenhauptlymphgefäße (auch: Beckenhauptlymphgefäße, Trunci lumbales) und des Darmlymphganges (auch: EingeweidelymphgangEingeweidelymphgang, Truncus intestinalis) gebildet wird. In den BeckenhauptlymphgefäßBeckenhauptlymphgefäßen (Trunci Truncus lumbalislumbales) wird die Lymphe aus den unteren Extremitäten, dem Becken, dem Urogenitalsystem und den paarigen Baucheingeweiden aufgenommen. Der DarmlymphgangDarmlymphgang (Truncus Truncus intestinalisintestinalis) nimmt die Lymphe der unpaaren Bauchorgane auf.

Das Hauptlymphgefäß ist der Milchbrustgang (Ductus thoracicus).

Er entspringt aus der Cisterna chyli.

Der Milchbrustgang (Ductus thoracicus) nimmt die gesamte Lymphe des menschlichen Körpers auf, mit Ausnahme der rechten oberen Körperhälfte (s. u. und Abb. 8-2). Der Milchbrustgang begleitet auf seinem Weg nach oben die Aorta und tritt durch den Hiatus aorticus durch das Zwerchfell in das hintere Mediastinum (mittlerer Brustkorbraum). Er mündet in die linke Vena subclavia (Schlüsselbeinvene), genauer: in den linken Venenwinkel, der durch den Zusammenfluss der linken Vena subclavia und der Vena jugularis (Drosselvene) gebildet wird.
Der rechte Hauptlymphstamm (Ductus lymphaticus dexter) sammelt die Lymphe aus der rechten oberen Körperhälfte, und zwar aus dem rechten Arm, aus der rechten Hälfte des Brustkorbes und der rechten Hals- und Kopfhälfte. Er mündet in die rechte Vena subclavia, genauer: in den rechten Venenwinkel, der durch den Zusammenfluss der rechten Vena subclavia und der Vena jugularis gebildet wird.

Lymphknoten

Die LymphknotenLymphknoten sind etwa linsen- bis bohnengroß und liegen in den Strombahnen der Lymphgefäße. Im Kopf, in der Leiste, in der Achselbeuge und teilweise im Hals (Atlas Abb. 8-4) sitzen die meisten Lymphknoten oberflächlich und können deshalb bei Schwellung gut getastet werden. Dagegen liegen die Lymphknoten des Bauch- und Brustraums tief und sind deshalb der Palpation nicht zugänglich.
Fast die Hälfte der Lymphknoten ist in der Rachen-Hals-Region konzentriert. Sie bilden einen ersten Abwehrring gegenüber Krankheitserregern, die mit der Nahrung oder über die Atemluft aufgenommen werden. Die restlichen Lymphknoten sind nicht gleichmäßig über den Körper verteilt, sondern gewissermaßen als Verteidigungsanlagen an den Grenzen des Rumpfes zusammengezogen. So filtern die Leistenlymphknoten die Lymphe der Beine, der Bauchwand und der Gesäßgegend. Die Achsellymphknoten nehmen die Lymphe der Arme und der vorderen und hinteren Brustwand einschließlich der Brustdrüsen auf, die Halslymphknoten filtern die Lymphe aus dem Kopfbereich (Atlas Abb. 8-4).
Als regionäre oder regionale Lymphknoten bezeichnet man die Lymphknoten, die einem bestimmten Organ zugehören, und die die erste Filterstation der abströmenden Lymphe dieses Organs bilden. Regionäre Lymphknoten sind von besonderer Bedeutung, da Erreger und bösartige Geschwulstzellen auf dem Lymphweg abtransportiert werden. Metastasen (Tochtergeschwülste) von Krebszellen findet man deshalb gewöhnlich zuerst in den regionären Lymphknoten, und zwar dann, wenn die Lymphknoten mit ihrer Abwehraufgabe überfordert sind. In diesem Fall können die ankommenden Krebszellen nicht mehr alle phagozytiert werden, und der Lymphknoten wird nun selbst zu einer Stelle, an der sich Metastasen ansiedeln können.
Als Sammellymphknoten bezeichnet man dagegen die Lymphknoten, die die Lymphe aus verschiedenen regionären Lymphknoten aufnehmen. SammellymphknotenSammellymphknoten kommen besonders zahlreich entlang der Bauchaorta und im Hals vor.
So durchfließt die Lymphe, bevor sie ins venöse Blut gelangt, typischerweise zunächst den regionären Lymphknoten und danach noch mehrere Sammellymphknoten.
Beim Gesunden sind die Lymphknoten nicht zu tasten, da sie von weicher Beschaffenheit sind. Bei bestimmten Erkrankungen können sie jedoch anschwellen und so palpabel werden. Nach Abheilung nehmen sie wieder ihre ursprüngliche Größe und Konsistenz an und sind dann wiederum nicht mehr zu tasten. Manchmal kommt es jedoch infolge einer Erkrankung zur Vernarbung des Lymphknotens. Dabei lagert er vermehrt Bindegewebe ein. In diesem Fall bleibt der Lymphknoten auch später verhärtet und somit palpabel.
Grundsätzlich gilt, dass bei einer entzündlichen Erkrankung die regionalen Lymphknoten anschwellen, druckschmerzhaft sind und gut verschiebbar bleiben. Mit Krebszellen infiltrierte Lymphknoten sind dagegen charakteristischerweise schmerzlos, und sie verbacken mit dem umgebenden Gewebe, weshalb sie unverschiebbar sind.
Aufgaben.Lymphknoten sind Filterstationen, die die Lymphe von Mikroorganismen wie Bakterien und Viren, aber auch von Toxinen, Ruß- und Staubpartikeln, die aus der Lunge kommen, reinigen. Außerdem bauen sie Zelltrümmer und überalterte Lymphozyten ab. Darüber hinaus gehört zu ihren Aufgaben die Vermehrung und Speicherung von B- und T-Lymphozyten.
Die Strömungsgeschwindigkeit der Lymphe innerhalb des Lymphknotens ist niedrig. Deshalb steht den Abwehrzellen genügend Zeit zur Verfügung, die Lymphe gründlich zu reinigen.

Aufgaben der Lymphknoten

  • Reinigung der Lymphe

  • Vermehrung und Speicherung von B- und T-Lymphozyten

Aufbau.An einem durchgeschnittenen Lymphknoten kann man zwei Hauptanteile unterscheiden: ein Bälkchenwerk mit retikulären Fasern, in dem die Lymphe in erweiterten Lymphkapillaren (Sinus) fließt und ein dazwischenliegendes lymphatisches Gewebe, in dem sich Lymphozyten vermehren.
Ein Lymphknoten ist von einer bindegewebigen Kapsel umgeben, von der aus die Balken (Trabekel) ins Innere ziehen (Abb. 8-3). An diesen Trabekeln ist ein feines Gerüst aus retikulären Fasern befestigt. Man kann die Trabekel mit Mauern (Wänden) vergleichen, zwischen denen sich die retikulären Fasern aufspannen.
Es münden mehrere Lymphgefäße in einen Lymphknoten ein, und ein (manchmal auch zwei oder mehrere) Lymphgefäße gehen ab. Die Lymphe strömt zunächst in einen sogenannten Randsinus, der direkt unter der Kapsel liegt. Von diesem Randsinus aus ziehen radiäre Sinus (Intermediärsinus) zu zentralen Marksinus.
Sinus bedeutet in diesem Zusammenhang „Erweiterung von Lymphgefäßen“. Die Einzahl lautet Sinus, die Mehrzahl Sinus.
Damit nimmt die Lymphe den folgenden Weg: vom zuführenden Lymphgefäß (Vas lymphaticum afferens) in den Randsinus, weiter in die radiären Sinus (Intermediärsinus) zum Marksinus. Der Abfluss erfolgt am Hilum des Lymphknotens durch das abführende Lymphgefäß (Vas lymphaticum efferens).
Innerhalb der Sinus befinden sich Abwehrzellen, um die Lymphe zu reinigen. Bei diesen Abwehrzellen handelt es sich um Lymphozyten und Makrophagen. Bei den letzteren spielen Uferzellen und Retikulumzellen die wichtigste Rolle.
In dem Raum zwischen den Sinus befinden sich Bereiche mit lymphatischem Gewebe, in denen Lymphozyten heranreifen und sich vermehren.
Mark- und Rindenregion des Lymphknotens.Man kann den Lymphknoten in eine Rinden- und eine Markregion unterteilen. Der Übergang ist allerdings fließend.
In der RindenregionRindenregion sitzen zahlreiche LymphfollikelLymphfollikel (LymphknötchenLymphknötchen). Hier vermehren sich v. a. B-Lymphozyten. Dieses Gebiet wird deshalb auch als B-Region bezeichnet. Unterhalb dieser Lymphfollikel im sog. Parakortex liegen die Vermehrungsstätten der T-Lymphozyten (T-Region), die sich allerdings nicht in Form von Lymphknötchen anordnen.
Die MarkregionMarkregion besteht aus den vorstehend beschriebenen netzförmig miteinander verbundenen Marksinus, in denen die Reinigung der Lymphe stattfindet. Zwischen diesen Marksinus befinden sich Stränge von lymphatischem Gewebe, das hauptsächlich B-Lymphozyten enthält.

Vermehrungsstätten der Lymphozyten innerhalb eines Lymphknotens

  • B-Lymphozyten:

    • Rindenregion in Lymphfollikeln

    • Markregion

  • T-Lymphozyten: Parakortex (tiefere Rindenregion)

Milz

Lage.Die Milz:Anatomie und PhysiologieMilz (LienLien, SplenSplen), ein weiches, schwammiges Organ, das im hinteren linken Oberbauch liegt, ist ca. 11 cm lang und 7 cm breit. Sie schmiegt sich der linken Zwerchfellkuppel an und berührt Magen, Pankreas, Dickdarm und Niere (Atlas Abb. 1-4, 1-5, 1-6B, 6-8, 9-44, 13-4). Sie ist vom Bauchfell umgeben (intraperitoneale Lage) und wiegt ca. 150 bis 200 g.
Aufbau.Die Milz ist von einer bindegewebigen Kapsel umgeben, von der aus Bälkchen (Trabekel) ins Innere ziehen. Schneidet man eine Milz auf, kann man eine weiße und eine rote Pulpa unterscheiden (Abb. 8-4, Atlas Abb. 8-6). Die rote Pulpa ist ein ausgedehntes, dunkelrotes Gewebe, in das viele stecknadelkopfgroße, weißliche Stippchen eingelagert sind (= weiße Pulpa).
  • weiße Pulpa. Die weiße PulpaPulpa stellt den lymphatischen Anteil der Milz dar. Sie ist stets wie eine Scheide um eine Arterie herum angeordnet. Diese Scheide zeigt stellenweise kugelförmige Verdickungen (Follikel oder Malpighi-Körperchen). Ihr Bau entspricht den Lymphfollikeln der Lymphknoten. Auch sie haben die Aufgabe, Lymphozyten zu vermehren. Allerdings filtert ein Lymphknoten nur die Lymphe einer bestimmten Körperregion. Die Milz dagegen ist für das gesamte Blut zuständig. So entzünden sich bei einer lokalen Infektion die zugehörigen Lymphknoten, bei einer Sepsis dagegen schwillt die Milz an.

  • rote Pulpa. In der roten Pulpa fließt das Blut in einem weichen Gewebe, das im Wesentlichen aus kleinen, zartwandigen Blutgefäßen und den Milzsinusoiden besteht. Die Milzsinusoide sind erweiterte Kapillaren, an deren Wänden viele Retikulumzellen liegen, die zur Phagozytose fähig sind. Hier werden v. a. überalterte Erythrozyten abgebaut, aber auch Blutplättchen, Mikroorganismen und körpereigene Zellfragmente. Der Abbau der Erythrozyten geht folgendermaßen vor sich: Die roten Blutkörperchen müssen sich durch ein enges Netzwerk von Milzsträngen zwängen. Da junge Erythrozyten gut verformbar sind, gelingt ihnen dies. Ältere rote Blutkörperchen sind dagegen nicht mehr gut verformbar, weshalb sie sich in dem Netz verfangen und dann von Makrophagen abgebaut werden. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Milz in einem solchen Übermaß Erythrozyten und/oder Thrombozyten abbaut, dass sie entfernt werden muss. Die Aufgaben der Milz werden in diesem Fall von anderen Organen mit übernommen. Allerdings werden in der ersten Zeit nach einer Milzentfernung relativ häufig Komplikationen wie Abwehrschwäche mit Neigung zu bakteriellen Infekten, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine erhöhte Blutgerinnungsneigung beobachtet.

Aufbau der Milz

  • weiße Pulpa aus lymphatischem Gewebe

  • rote Pulpa aus Milzsinusoiden und kleinen, zartwandigen Blutgefäßen

Gefäßversorgung.Die Milz wird von der MilzarterieMilzarterie (A. lienalis) versorgt, die aus dem Magen-Leber-Milz-Schlagaderstamm (T. coeliacus) entspringt. Die Milzarterie tritt durch das Milzhilum (Atlas Abb. 8-5), das sich an der hohlen, den Eingeweiden zugewandten Seite der Milz befindet, in das Organ ein. Kleinere Milzschlagaderzweige werden dann innerhalb der Milz von der weißen Pulpa umgeben (s. o.). Dann fließt das Blut außerhalb dieser Scheiden durch die rote Pulpa, und zwar durch kleine, zartwandige Blutgefäße und auffolgend durch die Milzsinusoide. Danach sammelt sich das Blut über Zwischenwandvenen zur Milzvene, die durch das Milzhilum austritt. Die Milzvene gibt ihr Blut über die Pfortader an die Leber ab.
Aufgaben.Die Milz ist zwar kein lebensnotwendiges Organ, trotzdem hat sie viele Aufgaben:
  • Blutreinigung. An den Wänden der Milzsinusoide sitzen viele Retikulumzellen, die die Aufgabe haben, das Blut zu reinigen. Dazu bauen sie Erreger, überalterte Erythrozyten, Thrombozyten und Zellfragmente ab.

  • Vermehrung von B- und T-Lymphozyten findet in der weißen Pulpa statt.

  • Thrombozytenspeicher: Die gespeicherten Thrombozyten können bei Blutungen sehr schnell ans Blut abgegeben werden, damit dadurch die Gerinnungsfähigkeit des Blutes verbessert wird.

  • Abfangen kleiner Thromben (Blutgerinnseln)

  • Eisenspeicherung. Das beim Abbau der Erythrozyten anfallende Eisen kann von der Milz gespeichert werden. Bei Bedarf kann es von der Milz wieder freigesetzt werden, damit es im roten Knochenmark zur Bildung neuer roter Blutkörperchen zur Verfügung steht.

  • Blutbildung bis ungefähr zum 5. Fetalmonat. Vorgeburtlich bildet das Kind im Mutterleib sowohl in der Milz auch in der Leber Blut. Danach wird diese Aufgabe auch beim Feten vom roten Knochenmark übernommen.

Die Milz spielt beim Menschen als Blutspeicher so gut wie keine Rolle, da sie zu klein ist.
Blutmauserung.Milz:BlutmauserungUnter Mauserung, BlutBlutmauserungMauserung versteht man den jahreszeitlichen Wechsel des Federkleides bei Vögeln. Mit Blutmauserung meint man, dass ständig überalterte rote Blutkörperchen abgebaut und neue Erythrozyten im roten Knochenmark nachgebildet werden.

Thymus

Der ThymusThymus (BriesBries) ist ein zweilappiges Organ, das im oberen Mediastinum liegt. Die Lappen sind weiter in Läppchen unterteilt, an denen man bei Betrachtung unter dem Mikroskop jeweils eine dunklere Rinde und ein helleres Mark unterscheiden kann. Die dunklere Färbung der Rinde kommt durch eine dichte Lage von Lymphozyten zustande. Im Mark befinden sich die Thymuskörperchen (Hassall-Körperchen), deren Aufgabe noch nicht völlig geklärt ist.
Der Thymus wird zu den lymphatischen Organen gerechnet. Es ist gelungen, im Thymus hormonähnliche Substanzen, sogenannte Thymusfaktoren (Thymosine) nachzuweisen, die auf die Differenzierung der T-Lymphozyten einwirken.
Lage.Der Thymus liegt hinter dem Brustbein und vor dem Herzbeutel. In seiner Längsausdehnung reicht er beim Kind vom Herzbeutel bis hinauf zur Schilddrüse. Der Thymus nimmt im Kleinkindalter an Größe zu, bildet sich langsam zurück (physiologische Involution) und verfettet. Man bezeichnet ihn dann als retrosternalen Fettkörper, retrosternalerFettkörper (Abb. 8-5, Atlas Abb. 8-7).
Aufgabe.Durch die oben geschilderte Produktion der Thymusfaktoren erfüllt der Thymus in der Abwehr eine übergeordnete Aufgabe. Er selbst hat keine unmittelbare Abwehrfunktion. Seine wichtigste Aufgabe liegt in der Differenzierung der T-Lymphozyten (thymusabhängige Lymphozyten). Die Lymphozyten werden im Knochenmark aus der pluripotenten Stammzelle (Hämozytoblasten) gebildet, reifen dann im Thymus zu T-Lymphozyten heran und besiedeln danach die sekundären lymphatischen Organe (z. B. Lymphknoten oder Milz), wo sie sich durch Zellteilung vermehren.
Bis zur Pubertät werden besonders viele Lymphozyten gebildet, da das spezifische Abwehrsystem noch weiter ausgebildet werden muss. Im Erwachsenenalter nimmt ihre Anzahl dann allmählich ab.

Lymphatischer Rachenring

Der lymphatische Rachenring, lymphatischerRachenring bzw. Waldeyer-Waldeyer-AbwehrringAbwehrring besteht aus einer Ansammlung von lymphatischem Gewebe im Rachenbereich. Er bildet ein erstes Schutzsystem am Eingang des Verdauungs- und Atmungssystems. Er hat die Aufgabe, Fremdkörper und Erreger zu phagozytieren. Weiterhin vermehren sich in ihm die Lymphozyten, und aus den ansässigen B-Lymphozyten gehen die antikörperproduzierenden Plasmazellen hervor.
Anteile des lymphatischen Abwehrrings(Atlas Abb. 8-9) sind:
  • eine Rachenmandel (Tonsilla pharyngea),

  • zwei Gaumenmandeln (Tonsillae palatinae),

  • eine Zungenmandel (Tonsilla lingualis),

  • zwei lymphatische Seitenstränge bzw. Ohrtrompetenmandeln (Tonsillae tubariae).

Aufbau der Mandeln.Die MandelMandeln (TonsilleTonsillen) liegen unter dem Epithel der Mundschleimhaut. Ihr Grundgerüst besteht aus retikulärem Bindegewebe, in das Lymphfollikel eingelagert sind. Beides zusammen wird als lymphoretikuläres Gewebe bezeichnet. An manchen Stellen dringt das Epithel tief zwischen das lymphatische Gewebe, wodurch sich die Mandeloberfläche vergrößert. Aus der Tiefe des lymphatischen Gewebes wandern massenhaft Lymphozyten in das Epithelgewebe ein, sodass die Abgrenzung zwischen Epithel und lymphatischen Gewebe fließend sein kann.
Dringen Erreger ein, kommt es zur Mandelentzündung (Tonsillitis). Dabei vergrößert sich das lymphatische Gewebe, wodurch es zu Spannungen in der bindegewebigen Kapsel und damit zu Schmerzen kommt. Die regionären Lymphknoten der Gaumenmandeln unter dem Kieferwinkel sind in diesem Fall ebenfalls angeschwollen und leicht zu tasten.
Rachenmandel (Tonsilla pharyngea).Die RachenmandelRachenmandel sitzt am Dach des Nasenrachens (Epipharynx, Atlas Abb. 9-11 und 17-5). Sie kann sich beim Kind so weit vergrößern, dass die hinteren Nasenöffnungen eingeengt werden und so die Nasenatmung erschwert ist. Durch die Mundatmung trocknen die Schleimhäute aus, und es entwickelt sich eine Neigung zu Katarrhen (Angina, Bronchitis).
Die Vergrößerung der Rachenmandel wird als adenoide Vegetation bezeichnet (fälschlich: Rachenpolypen, denn Polypen sind Schleimhautwucherungen).
Gaumenmandel (Tonsilla palatina).Die beiden GaumenmandelGaumenmandeln, die zwischen dem vorderen und hinteren Gaumenbogen sitzen (Atlas Abb. 9-1), sind die größten Tonsillen. Ihre Oberfläche ist durch ungefähr 10 bis 20 Einstülpungen (Krypten) zerklüftet.
Bis zum Alter von fünf oder sechs Jahren sind die Mandeln noch relativ groß, danach werden sie kleiner. Beim Erwachsenen sind meist nur noch kleine Überreste vorhanden.
Die Gaumenmandeln sind gegen ihre Umgebung (Muskulatur, Bindegewebe und Drüsen) durch straffes Bindegewebe abgegrenzt. Aus dieser Bindegewebskapsel werden die Gaumenmandeln bei einer operativen Entfernung herausgeschält.
In der Schulmedizin wurden früher vergrößerte oder vereiterte Gaumenmandeln oft vorschnell entfernt. Man ging von der Vorstellung aus, dass die Mandeln eine direkte Kampfstätte der Abwehrzellen mit den Erregern sind. Wurde diese Abwehrfestung nun von den Erregern (Feind) eingenommen, so wurden die Mandeln entfernt, damit sie nicht zu einem Bollwerk des Feindes werden konnten.
Heute weiß man, dass die Mandeln ein wichtiges Abwehrorgan sind. Hier können eindringende Erreger identifiziert und danach der benötigte Antikörper produziert werden. Aus diesen Erkenntnissen heraus werden heute die Mandeln nur noch entfernt, wenn es unumgänglich ist.
Zungenmandel (Tonsilla lingualis).ZungenmandelEs handelt sich um lymphatisches Gewebe, das an der Zungenwurzel liegt (Atlas Abb. 8-9, 17-5 Nr. 27).
Lymphatische Seitenstränge und Ohrtrompetenmandeln (Tonsillae tubariae).OhrtrompetenmandelDie Schleimhaut um die Öffnung der Ohrtrompete enthält lymphoretikuläres Bindegewebe, das auch als Ohrtrompetenmandeln bezeichnet wird. Nach unten setzt sich dieses Gewebe als sogenannte „Seitenstränge“ (Atlas Abb. 8-9) fort. Entzünden sie sich, kommt es zur Seitenstrang-Angina, was v. a. nach Mandelentfernung der Fall sein kann.

Darmassoziiertes lymphatisches Gewebe

Das darmassoziierte lymphatische Gewebe:darmassoziiertes lymphatischesGewebe wird abgekürzt als GALT (gut associated lymphoid GALT (gut associated lymphoid tissue)tissue) bezeichnet. Es handelt sich um lymphatisches Gewebe, das sich auf und in der Schleimhaut des Dünndarmes befindet. Durch das darmassoziierte lymphatische Gewebe spielt der Darm bei Abwehrfunktionen eine wichtige Rolle!
Verteilung.Das GALT ist im Dünndarm nicht gleichmäßig verteilt: Im ersten Abschnitt des Dünndarmes (Duodenum) fehlt es komplett, im zweiten Abschnitt, dem Krummdarm (Jejunum) findet man meist nur Solitärfollikel – kleinere, vereinzelt stehende Ansammlungen von lymphatischem Gewebe. Im letzten Abschnitt des Dünndarmes, dem Leerdarm (Ileum) lagern sich die Solitärfollikel zu größeren Ansammlungen (= Plaques) zusammen, die man nach ihrem Entdecker als Peyer-Plaques bezeichnet (Atlas Abb. 9-30).
Aufbau und Aufgaben.Zum GALT gehören sogenannte M-Zellen, die zwischen den einzelnen Epithelzellen eingestreut liegen. Diese haben die Aufgabe, Antigene (z. B. Viren und Bakterien) aufzunehmen und an die darunter liegenden Lymphozyten weiterzugeben, die sie entweder gleich bekämpfen oder sie zunächst identifizieren und den passenden Antikörper (IgA) produzieren. Haben die Lymphozyten den passenden Antikörper produziert, können sie diesen im gesamten Körper verteilen. Damit sorgen sie dafür, dass IgA überall freigesetzt wird und auch auf die Schleimhäute abgegeben wird. Dringt der Erreger erneut in den Körper ein, kann er von diesen Antikörpern (IgA) direkt auf der Schleimhaut abgefangen werden. Ein gut funktionierendes darmassoziertes Immunsystem ist somit eine wesentliche Voraussetzung für eine gut und effektiv arbeitende Körperabwehr.

Erkrankungen des lymphatischen Systems

Angina und Tonsillitis

Unter einer TonsillitisMandelentzündungTonsillitis (Tonsilla = Mandel) versteht man eine Entzündung der Mandeln. Es handelt sich um eine bestimmte Erscheinungsform der Angina.
AnginaAngina ist eine Sammelbezeichnung für eine akut oder chronisch verlaufende Erkrankung des lymphatischen Rachenrings, bei der es zu einer entzündlichen Schwellung kommt, die eine Enge (= Angina) hervorruft. Anginen können als eigenständige Erkrankungen auftreten, als Begleiterkrankung bei verschiedenen Infektionskrankheiten und bei schweren Allgemeinerkrankungen, hier v. a. bei Erkrankungen des blutbildenden Apparates, wie akute Leukämie und Agranulozytose.
Eigenständige Anginen treten besonders in den Wintermonaten auf, v. a. bei Kindern und Jugendlichen.
Erkrankungsstellen.Gaumen-, Rachen- und Zungenmandel, Seitenstränge der Rachenrückwand, Lymphfollikel im Rachen und weichen Gaumen. Da also der gesamte lymphatische Rachenring betroffen sein kann, können auch Personen, denen die Mandeln entfernt wurden, an einer Angina erkranken. Gerade eine „Seitenstrang-Angina“ (Angina lateralis) ist oft besonders schmerzhaft!
Erregersind meist Streptokokken der Gruppe A (Abschn. 27.3.5 Scharlach); gelegentlich aber auch andere Bakterien (z. B. Staphylokokken), Viren und selten sogar Pilze. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion.
Symptome.Wichtigstes Symptom sind die Halsschmerzen, die v. a. beim Schlucken auftreten und bis in die Ohren ausstrahlen können. Es kommt zu kloßiger Sprache, Fieber und zu Schwellung und Druckschmerzhaftigkeit der Lymphknoten am Kieferwinkel.
Abgrenzung unterschiedlicher Anginaformen.Morphologisch teilt man die Anginen nach dem Tonsillenbefund ein in Angina catarrhalis, follicularis, lacunaris, membranacea und ulcerosa.
  • Angina catarrhalis. Schwellung und Rötung, manchmal auch nur Rötung.

  • Angina follicularis. Über Lymphfollikeln kommt es zur Bildung von Eiterstippchen.

  • Angina lacunaris. Es kommt zu Belägen an den Kryptenmündungen.

  • Angina membranacea. Es bilden sich zusammenhängende Beläge.

  • Angina ulcerosa. Es kommt zu geschwürigen Veränderungen.

Des Weiteren kann man noch gegeneinander abgrenzen:
  • Plaut-Vincent-Plaut-Vincent-AnginaAngina (Atlas Abb. 8-10). Meist aufgrund einer Mischinfektion von Spirochäten und Fusobakterien kommt es zum einseitigen Belag mit geschwürigem Zerfall der Tonsille. Es bestehen kaum Schluckbeschwerden. Die Temperatur ist meist normal oder nur wenig erhöht; Krankheitsgefühl kann fehlen. Die Ausheilung erfolgt nach ca. ein bis zwei Wochen. Die Erkrankung tritt meist bei Jugendlichen und zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Die Behandlung erfolgt durch den Arzt mittels Penicillingabe.

  • Streptokokken-Streptokokken-AnginaAngina. Erreger sind Streptokokken der Gruppe A. Die Krankheit beginnt meist als Angina catarrhalis mit einem schnellen Fieberanstieg bis 39,5 °C und ausgeprägten Allgemeinerscheinungen. Es entwickelt sich dann schnell eine Angina lacunaris. Für den Heilpraktiker besteht für Streptokokken-Angina Behandlungsverbot (§§ 24, IfSG). Die Therapie erfolgt durch den Arzt, der zur Behandlung Antibiotika einsetzt, da es sonst zu gefürchteten Komplikationen am Ohr (Otitis media), am Herz (Endo-, Myo- und Perikarditis) und an der Niere (Glomerulonephritis) kommen kann. Weitere gefürchtete Folgekrankheiten sind rheumatisches Fieber, Sepsis, Scharlach (Abschn. 27.3.5) und Tonsillarabszess.

  • Tonsillarabszess. Ein TonsillarabszessTonsillarabszess bildet sich meist einseitig aus. Dabei steigt das Fieber nach einer Angina erneut an, es kann Schüttelfrost auftreten. Eine Kieferklemme (erschwerte Mundöffnung) kann sich einstellen. Eine Inspektion des Rachens ergibt eine meist einseitige Vorwölbung der Tonsillen mit Abdrängung des Zäpfchens zur gesunden Seite. Der Patient muss unverzüglich an den Arzt bzw. an die Klinik verwiesen werden, da verschreibungspflichtige Medikamente eingesetzt werden müssen.

  • Diphtherie. Sie kann als follikuläre oder lakunäre Angina beginnen, dann bilden sich die charakteristischen grauweißen Membranen, die sogenannten Pseudomembranen. (Abschn. 27.1.3).

Komplikationen einer Streptokokken-Angina

  • Glomerulonephritis

  • rheumatisches Fieber

  • Endo-, Myo-, Perikarditis

  • Otitis media

  • Scharlach

  • Tonsillarabszess

  • Sepsis

Therapie.Die Behandlung einer Angina, bei der es zu Eiterbildung, Abszessen oder diphtherischen Belägen gekommen ist, gehört in die Hand des Arztes. Bitte beachten Sie hierzu Abschn. 27.3.5, Meldepflicht und Behandlungsverbot.
Eine Angina catarrhalis dagegen kann vom Heilpraktiker mit geeigneten naturheilkundlichen Maßnahmen therapiert werden (z. B. Halswickel, ansteigende Fußbäder), soweit es sich bei dem Erreger nicht um Streptococcus pyogenes handelt. Bewährte pflanzliche Mittel sind Salbei (Salvia officinalis) und Sonnenhut (Echinacea purpurea). Daneben gibt es noch eine Vielzahl pflanzlicher und homöopathischer Komplexpräparate.

Milzerkrankungen

Milz:ErkrankungBei vielen Erkrankungen, die sich anderswo im Körper abspielen, ist die Milz mitbeteiligt. Sie kann mit einer erhöhten Tätigkeit reagieren (HypersplenismusHypersplenismus), oder sie kann anschwellen (SplenomegalieSplenomegalie), meist handelt es sich um eine Kombination von beidem.
Befunde.Bei krankhaft erhöhter Tätigkeit der Milz weist das Blut eine verminderte Anzahl von Erythrozyten, Leukozyten und/oder Thrombozyten auf. Gleichzeitig kommt es im Blut zu einer Zunahme unreifer roter Blutzellen (Retikulozyten), da die blutbildenden Zellen im Knochenmark versuchen, den erhöhten Abbau auszugleichen. In schweren Fällen, in denen die Krankheitsursache nicht behandelt werden kann, hilft nur eine operative Entfernung der Milz (Splenektomie).
Palpation der Milz.Palpation:MilzNur eine deutliche Anschwellung der Milz (über 300 g) kann gut palpiert werden, da die gesunde Milz ein weiches Organ ist und unterhalb des linken Rippenbogens liegt! Bei der Palpation geht man folgendermaßen vor: Der Patient wird aufgefordert, sich in halbrechter Seitenlage mit etwas angewinkelten Beinen auf die Untersuchungsliege zu legen. Die Arme liegen rechts und links neben dem Körper (nicht unter dem Kopf!). Die linke Hand des Untersuchers stützt von hinten den Patienten am Rippenrand, während er mit der rechten vorsichtig die Palpation vornimmt.
Bei einer Milzvergrößerung unterscheidet man eine geringe Splenomegalie (Ausdehnung der Milz um ca. 1–2 cm), eine starke und eine massive. Bei letzterer dehnt sich die Milz vom linken Oberbauch bis über die Körpermittellinie in den Unterbauch aus (z. B. bei schweren Bluterkrankungen).

Lymphangiitis

Die LymphangitisLymphangiitis (Lymphangiitis) ist eine Entzündung der Lymphbahn, die von einem lokalen Infektionsherd ausgeht (z. B. Furunkel, Fußmykosen, Panaritien) und sich entlang der Lymphbahn ausbreitet, die den Infektionsort drainiert.

Bei einer Lymphangiitis ist ein roter Streifen auf der Haut sichtbar. Umgangsprachlich wird in diesem Zusammenhang oft fälschlich von einer „Blutvergiftung“ (das heißt aber Sepsis) gesprochen.

Erreger.Staphylokokken und Streptokokken der Gruppe A, Mischinfektionen kommen vor.
Symptome.Vom Infektionsherd ausgehend erkennt man einen roten Streifen, der sich entlang der Lymphbahn ausbreitet. Die regionären Lymphknoten sind vergrößert und können schmerzhaft sein. Es kann zur Temperaturerhöhung kommen.
Therapie.Der Patient wird zum Arzt überwiesen, da (je nach Schweregrad der Erkrankung) evtl. ein Antibiotikum verschrieben werden muss. Die betroffene Extremität wird ruhiggestellt; es können feuchte Umschläge gemacht werden. In schweren Fällen wird der Entzündungsherd chirurgisch saniert.

Eine Lymphangiitis kann zur Sepsis führen!

Erysipel

Bei einem ErysipelErysipel (WundroseWundrose) handelt es sich um eine Entzündung der Lederhaut (Corium), die meist durch Streptokokken, manchmal durch Staphylokokken, verursacht wird. Die Erreger dringen über kleine Hautverletzungen (Wunden, Rhagaden, Ulcus cruris, Fußpilz) ein und breiten sich über den Zwischenzellbereich aus.
Prädilektionsstellen sind das Gesicht („Gesichtsrose“) und die Unterschenkel.
Symptome.Die Erkrankung beginnt meist akut mit Schüttelfrost und hohem Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Typisch ist die scharf begrenzte, flammenförmige Rötung der Haut, die mit Schmerzen, Überwärmung und Schwellung einhergeht. Es kommt zur Vergrößerung der regionalen Lymphknoten.
Komplikationen.Rezidivneigung, Verlegung der Lymphbahn mit der Gefahr, ein Lymphödem (s. u.) auszubilden und Hautverdickung. Nur selten kommt es zu Phlegmonen, Glomerulonephritis, Sepsis, Meningitis, Thrombosen u. a.
Differenzialdiagnose.Hautentzündungen durch andere Erreger, Allergien (v. a. Arzneimittelexantheme), Erysipeloid (Schweinerotlauf), bei einseitigem Auftreten im Gesicht auch Zoster ophthalmicus.
Immunität.Keine.
Therapie.Desinfektion, Ruhigstellung, Antibiotikagabe durch den Arzt.

Lymphödem

Ein LymphödemLymphödem entsteht durch eine Behinderung des Lymphabflusses, wodurch es zu einer sicht- und tastbaren Flüssigkeitsansammlung im Zwischenzellgewebe kommt. Frische Ödeme sind eindrückbar und hinterlassen charakteristische Dellen, dagegen können chronische Ödeme derb verhärtet sein (Induration), sodass sie nicht mehr eindrückbar sind. Im Laufe der Jahre kann sich das Ödem vergrößern, bis es zu unförmigen Verdickungen kommt. Man spricht dann von Elephantiasis.
Ursachen.Je nach Ursache unterscheidet man primäre und sekundäre Lymphödeme (Atlas Abb. 8-11, 8-12, 8-13):
  • primäre Lymphödeme. Es liegt eine Entwicklungsstörung der Lymphgefäße vor, aufgrund derer die Anzahl der Lymphgefäße oder deren Durchmesser zu gering ist. Auch können Lymphkapillaren teilweise fehlen, oder es kann eine Erweiterung der Lymphgefäße bestehen und somit eine relative Klappeninsuffizienz. Ein primäres Lymphödem kann ein- oder beidseitig auftreten. Primäre Lymphödeme können infolge einer Lymphabflussstörung bereits bei Geburt vorliegen, meist entwickeln sie sich später, häufig bei Frauen unter 35 Jahren. Ausgelöst werden können sie durch Bagatellverletzungen, z. B. einen Insektenstich.

  • Sekundäre Lymphödeme können infolge einer verminderten Anzahl an Lymphgefäßen durch Operationen entstehen. So kam es früher relativ häufig nach radikaler Mastektomie (Entfernung der weiblichen Brustdrüsen und der zugehörigen Lymphknoten) zu einem sekundären Lymphödem des Armes. Andere mögliche Ursachen sind Verlegungen der Lymphbahn durch Metastasen oder Vernarbungen. Aber auch nach Bestrahlungen oder durch eine vorausgegangene Lymphangitis oder ein Erysipel kann es zur bindegewebigen Schrumpfung der Lymphbahn mit darauffolgender Ödembildung kommen.

Krankheitsverlauf.
  • 1.

    Stadium. Das Lymphödem fühlt sich weich an, und es ist eindrückbar, das heißt, bei leichtem Druck auf das Lymphödem bleibt eine Delle zurück. Das Ödem wird durch eine eiweißreiche Flüssigkeit verursacht, die im Zwischenzellbereich Wasser bindet.

  • 2.

    Stadium. Es entwickelt sich zusätzlich eine Bindegewebsvermehrung (Fibrose). Später führt diese Bindegewebsvermehrung zur Bindegewebsverhärtung (Induration). Beim Druck auf das Ödem, bleibt keine Delle zurück.

  • 3.

    Stadium. Die Extremität schwillt infolge der chronischen Lymphstauung äußerst stark und unförmig an (Elephantiasis).

Differenzialdiagnose.Gutartige Lymphödeme müssen v. a. gegen bösartige Erkrankungen des lymphatischen Systems abgegrenzt werden. Kennzeichen von letzteren sind schnelles Wachstum, Schmerzen, schlechte Verschieblichkeit eines Knotens und Hautveränderungen (z. B. Ulzerationen). Ödeme können auch infolge von Herz-, Nieren- und Venenerkrankungen auftreten.
Therapie.Es muss versucht werden, die Ursache herauszufinden und – wenn möglich – zu beseitigen. Gute Erfolge bei Lymphödemen zeigt die Lymphdrainage. Dabei wird mittels einer bestimmten Streichmassage in Abflussrichtung der Lymphbahnen massiert. Weiterhin müssen Kompressionsverbände angelegt werden und es ist eine Bewegungstherapie durchzuführen.

Morbus Hodgkin

Der Morbus Morbus HodgkinHodgkin (Lymphogranulomatosis Lymphom, malignesLymphogranulomatosis malignamaligna, malignes Lymphom) ist eine bösartige, chronisch fortschreitende Erkrankung des lymphatischen Gewebes, bei der es zu Granulomen kommt, die charakteristische Zellen enthalten (sog. Hodgkin-Zellen). Die Ursache ist unbekannt.
Symptome.Es kommt zur schmerzlosen Schwellung einzelner Lymphknotengruppen, von der besonders die Halslymphknoten betroffen sind („Kartoffelsack-Schwellung“, da die Lymphknoten miteinander verbacken!). Sind zuerst die Lymphknoten des Bauchraums befallen, bleibt die Erkrankung meist zunächst unerkannt. Nach Alkoholgenuss stellen sich in den betroffenen Regionen eventuell Schmerzen ein („Alkoholschmerz“). Manchmal kommt es zu hartnäckigem Juckreiz, zu Milz- und Leberschwellung und zu Haut- und Schleimhautveränderungen. Die Ausbreitung auf weitere Lymphknoten erfolgt schubweise entgegen dem Lymphstrom. Dabei kann es zu Fieber (evtl. wellenförmigem sog. Pel-Ebstein-Fieber) und Nachtschweiß kommen. Es entwickelt sich eine Infektabwehrschwäche.

Bei unklaren schmerzlosen Lymphknotenvergrößerungen muss der Patient umgehend an den Arzt verwiesen werden, damit dieser eine Gewebeuntersuchung des betroffenen Lymphknotens vornehmen kann.

Therapie.Eine Überweisung ins Krankenhaus muss erfolgen. Dort werden im Anfangsstadium die befallenen Lymphknoten chirurgisch entfernt. Im fortgeschrittenen Stadium wird bestrahlt und mit Zytostatika behandelt.

Non-Hodgkin-Lymphome

Als Non-Hodgkin-Non-Hodgkin-LymphomNHL (Non-Hodgkin-Lymphom)Lymphome (NHL) werden alle malignen Lymphome bezeichnet, die sich vom Morbus Hodgkin abgrenzen lassen. Sie unterscheiden sich untereinander erheblich durch ihr histologisches Bild, es handelt sich also nicht um eine einheitliche Krankheitsform. Einige Non-Hodgkin-Lymphome verlaufen besonders bösartig. Man findet sie v. a. bei AIDS-Kranken. Es gibt aber auch sogenannte niedrigmaligne NHL.
Aufgrund der auftretenden Symptome und durch die körperliche Untersuchung des Patienten kann man ein Non-Hodgkin-Lymphom nicht von einem Morbus Hodgkin unterscheiden.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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