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B978-3-437-55696-8.00016-6

10.1016/B978-3-437-55696-8.00016-6

978-3-437-55696-8

Übersicht über die männlichen Geschlechtsorgane. 1: Hodensack (Scrotum), 2: Hoden (Testis), 3: Nebenhoden (Epididymis), 4: Samenleiter (Ductus deferens), 5: Harnröhre (Urethra – Pars prostatica), 6: Ausspritzgang (Ductus ejaculatorius), 7: Kombinierte Harn-Samen-Röhre (Urethra – Pars membranacea), 8: Kombinierte Harn-Samen-Röhre (Urethra – Pars spongiosa), 9: Vorsteherdrüse (Prostata), 10: Samenleiter (Ductus deferens), 11: Samenbläschen (Glandula seminalis), 12: Harnblase (Vesicula urinaria), 13: Mastdarm (Rectum), 14: Analkanal (Canalis analis), 15: Afterhebermuskel (M. levator ani), 16: Bauchhöhle, 17: Bauchfell (Peritoneum).

[O606]

Spermium (Samenfaden). 1: Kopf, 2: Hals, 3: Mittelstück, 4: Schwanz, 5: Hauptstück, 6: Endtsück, 7: Kopfkappe mit Enzym.

[L190]

Schematische Darstellung von Hoden und Nebenhoden. 1: Hoden (Testis), 2: Nebenhoden (Epididymis), 3: Samenstrang (Funiculus spermaticus), 4: Samenleiter (Ductus deferens), 5: Hodenvene (V. testicularis), 6: Hodenarterie (A. testiculatis), 7: Kanälchennetz zwischen Hodenkanälchen und Ausführungsgängen (Rete testis), 8: Hodenläppchen, 9: Hodenkanälchen, 10: Bindegewebsseptum, 11: Bindegewebskapsel (Tunica albuginea), 12: Nebenhodengang (Ductus epididymidis).

[L190]

Lage von Samenleiter, Harnleiter, Samenbläschen und Prostata. 1: Harnblase (Vesica urinaria), 2: Samenbläschen (Vesicula seminalis), 3: Vorsteherdrüse (Prostata), 4: Samenleiter (Ductus deferens), 5: Erweiterung des Samenleiters zur Ampulle (Ampulla ductus deferentis), 6: Harnleiter (Ureter), 7: Mittleres Nabelband (Ligamentum umbilicale medianum).

[O606]

Übersicht über die weiblichen Geschlechtsorgane. 1: Gebärmutter (Uterus), 2: Portio, 3: Muttermund (Ostium uteri), 4: Scheide (Vagina), 5: Blase (Vesica urinaria), 6: Harnröhre (Urethra), 7: Kitzler (Klitoris), 8: Mastdarm (Rectum), 9: Analkanal (Canalis analis), 10: Blasen-Gebärmutter-Zwischenraum (Excavatio vesico-uterina), 11: Bauchfell (Peritoneum), 12: Hinteres Scheidengewölbe, 13: Mastdarm-Gebärmutter-Zwischenraum (Excavatio recto-uterina).

[O606]

Schematischer Querschnitt durch einen Eierstock. 1: Eierstock (Ovar), 2: Primärfollikel mit Eizelle, 3: Sekundärfolikel, 4: Tertiärfollikel, 5: Graaf-Follikel, 6: Gelbkörper, 7: Eileiter, 8: Eisprung.

[L190]

Gebärmutter und weitere innere Geschlechtsorgane der Frau. 1: Gebärmutterhöhle (Cavum uteri), 2: Gebärmuttermuskulatur, 3: Gebärmutterhals (Cervix), 4: Portio, 5: Scheidenwand mit dünner Muskelschicht, 6: Scheidenöffnung (Introitus vaginae), 7: Klitoris, 8: Harnröhrenmündung, 9: Harnblase, 10: Harnleiter (Ureter), 11: Eileiter (Tuba uterina), 12: Fransentrichter des Eileiters, 13: Eierstock (Ovarium). 14: reifendes Follikel in verschiedenen Stadien.

[L190]

Querschnitt durch die weibliche Brust. 1: Großer Brustmuskel (M. pectoralis major), 2: Kleiner Brustmuskel (M. pectoralis minor), 3: Milchdrüsenlappen, 4: Milchgang (Ductus lactifer) in Ruhe, 5: Milchgang während der Laktation, 6: Milchbläschen, 7: Fettgewebe, 8: Rippe, 9: Brustwarze (Mamille).

[L190]

Menstruationszyklus. Hormonprofile, Basaltemperatur sowie Veränderungen am Eierstock und an der Gebärmutterschleimhaut. Östradiol gehört zu den wichtigsten natürlichen Östrogenen.

[L190]

Männliche und weibliche Geschlechtsorgane

  • 16.1

    Männliche Geschlechtsorgane445

    • 16.1.1

      Hoden445

    • 16.1.2

      Nebenhoden446

    • 16.1.3

      Samenleiter, Samenstrang und Ausspritzgang448

    • 16.1.4

      Harn-Samen-Röhre448

    • 16.1.5

      Cowper-Drüse448

    • 16.1.6

      Hodensack448

    • 16.1.7

      Bläschendrüse448

    • 16.1.8

      Prostata448

    • 16.1.9

      Penis449

    • 16.1.10

      Samenflüssigkeit449

  • 16.2

    Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane450

    • 16.2.1

      Prostatitis450

    • 16.2.2

      Benigne Prostatahyperplasie (BPH)450

    • 16.2.3

      Prostatakarzinom451

    • 16.2.4

      Phimose451

    • 16.2.5

      Epididymitis, Orchitis451

    • 16.2.6

      Varikozele452

    • 16.2.7

      Hydrozele452

    • 16.2.8

      Hodentorsion452

    • 16.2.9

      Peniskarzinom452

  • 16.3

    Weibliche Geschlechtsorgane453

    • 16.3.1

      Eierstöcke453

    • 16.3.2

      Eileiter455

    • 16.3.3

      Gebärmutter455

    • 16.3.4

      Scheide456

    • 16.3.5

      Äußere Geschlechtsorgane (Vulva)456

    • 16.3.6

      Brustdrüsen457

    • 16.3.7

      Menstruationszyklus458

    • 16.3.8

      Kontrazeption461

  • 16.4

    Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane464

    • 16.4.1

      Eierstockentzündung464

    • 16.4.2

      Ovarialtumoren464

    • 16.4.3

      Eierstockzysten464

    • 16.4.4

      Eileiterentzündung465

    • 16.4.5

      Gebärmuttersenkung465

    • 16.4.6

      Gebärmuttermyom466

    • 16.4.7

      Endometriose466

    • 16.4.8

      Gebärmutterkrebs467

    • 16.4.9

      Mastopathie468

    • 16.4.10

      Mammakarzinom469

Dem Heilpraktiker ist aufgrund des § 24 Infektionsschutzgesetz die Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten verboten. Ein generelles Verbot, Geschlechtsorgane zu untersuchen und Erkrankungen der Geschlechtsorgane zu behandeln, besteht nicht (Abschn. 1.2.1).

Der Heilpraktiker darf sexuell übertragbare Erkrankungen nicht behandeln.

Unter dem FortpflanzungssystemFortpflanzungssystem versteht man die Gesamtheit der Organe, die dazu dienen, ein neues Lebewesen hervorzubringen und damit den Fortbestand der Art zu sichern. Im Einzelnen haben sie die folgenden Aufgaben:

  • Produktion der Sexualhormone (Östrogen, Progesteron, Testosteron)

  • Bereitstellung der Ei- bzw. Samenzellen

  • Produktion von Sekreten, die die Gleitfähigkeit der Geschlechtsorgane beim Geschlechtsakt ermöglichen

  • Schaffung eines optimalen Milieus für den Transport und die Ernährung der Spermien, damit es zur Vereinigung der Ei- und Samenzelle kommen kann

  • Austragen der Frucht

Man unterscheidet primäre, sekundäre und tertiäre GeschlechtsmerkmalGeschlechtsmerkmale:

  • Primäre Geschlechtsmerkmale sind die Organe, die direkt der Fortpflanzung dienen und die schon zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden sind:

  • beim Mann: Hoden, Nebenhoden, Samenwege, Penis, Geschlechtsdrüsen

  • bei der Frau: Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter, Scheide, Vulva (Abschn. 16.3.5, äußere Geschlechtsorgane)

  • sekundäre Geschlechtsmerkmale dienen nicht direkt der Fortpflanzung, sondern prägen das geschlechtliche äußere Erscheinungsbild. Sie sind zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht vorhanden, sondern entwickeln sich erst während der Pubertät. Es handelt sich dabei um die Art der Körperbehaarung, des Körperbaues, der Fettverteilung und der Stimmlage. Ebenso zählen die Brustdrüsen der Frau dazu.

  • tertiäre Geschlechtsmerkmale sind Skelettmerkmale wie Körpergröße und Körperbau, aber auch die angeborenen und erworbenen geschlechtstypischen Verhaltensweisen.

Männliche Geschlechtsorgane

Geschlechtsorgan, männlichesZu den männlichen Geschlechtsorganen gehören (Abb. 16-1 und Atlas Abb. 16-1):
  • äußere Geschlechtsorgane: Penis und Hodensack

  • innere Geschlechtsorgane:

    • Geschlechtsdrüsen: Hoden, Bläschendrüse, Cowper-Drüse, Prostata

    • ableitende Ausführungsgänge: Nebenhoden, Samenleiter mit Samenstrang, Ausspritzgang, Harn-Samen-Röhre

Hoden

HodenDie paarig angelegten, eiförmigen Hoden (TestesTestes) liegen im taschenartigen Hodensack (Scrotum). Es handelt sich um eine gemischte Drüse mit endo- und exokrinen Anteilen (s. u. sowie Abb. 16.3 und Atlas Abb. 16-2, 16-7).
Aufbau und Aufgabe.Der Hoden ist von einer bindegewebigen Hülle umgeben, von der aus Trennwände (Septen) in die Mitte ziehen und jeden Hoden in ca. 250 Läppchen (Lobuli) unterteilen. In jedem Läppchen befinden sich zwei bis drei gewundene Hodenkanälchen, in denen die Spermien hergestellt werden. Die Spermienherstellung erfolgt in dem exokrinen Teil der Hoden. Den endokrinen Anteil bilden die Leydig-Zwischenzellen (Atlas Abb. 16-7), die Testosteron produzieren. Sie liegen wie Inseln zwischen den Hodenkanälchen im interstitiellen Bindegewebe. Testosteron ist für die Ausprägung der männlichen sekundären Geschlechtsmerkmale zuständig.
Die Heranreifung der Spermien, die SpermatogeneseSpermatogenese beginnt mit der Pubertät. Am Rand der Hodenkanälchen befinden sich unreife, teilungsaktive Zellen (Spermatogonien), die schon vorgeburtlich eingewandert sind. Diese reifen weiter aus und wandern immer mehr zur Mitte der Hodenkanälchen. Während dieser Entwicklung zum Spermium finden auch die beiden Reifeteilungen statt, bei denen der diploide Chromosomensatz auf den einfachen (haploiden) Satz reduziert wird (Abschn. 2.3.2). Die ausgereiften Geschlechtszellen werden dann in Richtung Nebenhoden abtransportiert.

Hoden

  • exokriner Anteil: Spermien

  • endokriner Anteil: Testosteron

Lage.Die Hoden liegen außerhalb der Bauchhöhle, da die Spermienreifung nur eine Temperatur verträgt, die ca. 3 °C unter der der Bauchhöhle liegt. Um die Temperatur in den Hoden möglichst konstant zu halten, erschlafft der Hodenhebermuskel (M. cremaster) bei Wärme, sodass sich die Hoden vom Körper entfernen, bei Kälte dagegen zieht er sich zusammen, sodass sie näher an die Bauchhöhle gehoben werden. Hoden und Nebenhoden sind von einer Hülle umgeben, die wie auch das Bauchfell aus einem inneren (viszeralen) und einem äußeren (parietalen) Blatt (Atlas Abb. 16-3) besteht. Die Hoden, entwicklungsgeschichtlich entsprechen sie den Eierstöcken, werden während der Embryonalzeit an der hinteren Bauchwand angelegt. Meist senken sie sich vorgeburtlich während des 3. bis 10. Embryonalmonats zusammen mit ihren Versorgungsgefäßen durch den Leistenkanal in den Hodensack ab.
Eine unvollständige Wanderung des Hodens während der Embryonalzeit wird Maldescensus Maldescensus testistestis genannt.
Als KryptorchismusKryptorchismus bezeichnet man den Zustand, dass der Hoden durch Palpation nicht aufzufinden ist, pendelt er zwischen Leiste und Hodensack, spricht man vom „Pendelhoden“, bleibt er im Leistenkanal stecken, vom „LeistenhodenLeistenhoden“. In diesem Fall wird der Abstieg meist innerhalb des 1. Lebensjahres nachgeholt, andernfalls wird eine hormonelle Therapie oder sogar ein operativer Eingriff notwendig, da es sonst zur Unfruchtbarkeit kommen kann.
Ist der Hoden in den Hodensack (Scrotum) abgesunken, schließt sich der Sack bis auf eine Durchtrittsstelle für den Samenstrang. Bleibt der Verschluss aus, so besteht zeitlebens eine offene Verbindung zwischen Bauchhöhle und Hodensack, durch die Baucheingeweide absinken können (angeborener LeistenbruchLeistenbruch). Dabei tritt meist zuerst das große Netz durch, bei zunehmender Erweiterung können Darmteile folgen. Es besteht die Gefahr eines Darmverschlusses. Bei erworbenen Leistenbrüchen treten Darmschlingen nicht durch eine angeborenermaßen offengebliebene Durchtrittstelle aus, sondern aufgrund einer Bindegewebsschwäche in der Leiste bei hohen Druckbelastungen (Bauchpresse).
Bitte beachten Sie hierzu auch im Atlas Abb. 16-4: Leistengegend beim Mann, Abb. 16-5: Darstellung von zwei Leistenbrüchen unterschiedlicher Größe.
Spermien (Samenfäden).Samenfaden<2003>Die Spermien, die in den Hodenkanälchen gebildet werden, bestehen aus Kopf, Mittelstück und Schwanz (Abb. 16-2). Der Kopf enthält den Zellkern mit den Chromosomen, womit er zum eigentlichen Träger der väterlichen Erbinformation wird. Der vordere Teil des Kopfes ist mit einer dünnen Kopfkappe überzogen, die Enzyme enthält, die das Durchdringen des Schleimpfropfes im Gebärmutterhals ermöglichen und das Eindringen in die Eizelle. Das Mittelstück liefert die Bewegungskraft. Dazu enthält es zahlreiche spiralig angeordnete Mitochondrien zur Energieversorgung. Der Schwanz bewegt das Spermium durch schlagende Bewegungen vorwärts. Die Samenzellen bewegen sich pro Minute um ca. 3 mm vorwärts und bleiben für 72 Stunden befruchtungsfähig. Sie können den Weg aus der Scheide zum Eileiter, den Ort der Befruchtung, in ein bis zwei Stunden zurücklegen.

Nebenhoden

Die NebenhodenNebenhoden (EpididymisEpididymis) liegen dem oberen und hinteren Teil der Hoden an. Man unterscheidet Kopf, Körper und Schwanz (Abb. 16-3 und Atlas 16-2, 16-6). Es handelt sich um eine Ansammlung zahlreicher, gewundener Kanälchen, in denen die Spermien gespeichert werden, außerdem wird hier ein Sekret produziert, das die Spermien unbeweglich macht. Die Spermien sind für ca. drei Wochen lebensfähig. Werden sie in dieser Zeitspanne nicht benutzt, so werden sie abgebaut und durch neue ersetzt.
Von den Nebenhoden aus werden die Spermien beim Samenerguss (Ejakulation) durch peristaltische Bewegungen der glatten Wandmuskulatur des Nebenhodenganges in den Samenleiter ausgetrieben.

Samenleiter, Samenstrang und Ausspritzgang

Die paarigen, 50 bis 60 cm langen SamenleiterSamenleiter (Ductus Ductus deferensdeferens) stellen die Fortsetzung der Nebenhoden dar. Sie sind in ihrem Anfangsteil stark geschlängelt (Atlas Abb. 16-6), steigen vom Hoden durch den Leistenkanal in die Bauchhöhle, laufen seitlich an der Harnblase vorbei und kommen zwischen Harnblase und Harnleiter zu liegen (Atlas Abb. 16-8). Bevor sie in die Prostata einmünden, erweitern sie sich zur Ampulle (Abb. 16-4 und Atlas Abb. 16-10). Nach Eintritt in die Prostata vereinigen sie sich mit den Ausführgängen der Bläschendrüse zu den Auspritzgängen (s. u.). Die Wand der Samenleiter besteht aus glatter Muskulatur, die sich während des Samenergusses kräftig zusammenzieht und die Spermien in die Harn-Samen-Röhre treibt.
Die SamenstrangSamenstränge (Funiculus Funiculus spermaticusspermaticus) erstrecken sich vom oberen Pol der Hoden bis zum inneren Leistenring. Sie sind ungefähr bleistiftdick und 10 cm lang. Es handelt sich um den ersten Abschnitt der Samenleiter, zusammen mit ihren Hüllen aus Bindegewebe, Hodenhebermuskel, Nerven, Blut- und Lymphgefäßen (Atlas Abb. 16-12).
Bei den AusspritzgangAusspritzgängen (Ductus Ductus ejaculatoriusejaculatorius) handelt es sich um die Fortsetzungen der Samenleiter im Inneren der Prostata, nachdem sie sich mit den Ausführungsgängen der Bläschendrüsen vereinigt haben (Atlas Abb. 16-9). Sie enden an der Stelle, an der sich die paarigen Ausspritzgänge mit der Harnröhre vereinigen und zur kombinierten Harn-Samen-Röhre werden. Die Ausspritzgänge geben Spermien und das Sekret der Bläschendrüsen in die kombinierte Harn-Samen-Röhre ab.

Harn-Samen-Röhre

Harn-Samen-RöhreDie beiden Ausspritzgänge vereinigen sich innerhalb der Prostata mit der Harnröhre und bilden so die Urethra, die kombinierte Harn-Samen-Röhre (Abb. 16-1 und Atlas 16-1, 16-9), die bis zur Spitze der Eichel eine Länge von etwa 20 bis 25 cm hat. Die Urethra wird in drei Abschnitte unterteilt: Pars prostatica, Pars membranacea und Pars spongiosa (Abschn. 15.1.4, Atlas Abb. 16-9).

Cowper-Drüse

Die paarig angelegten Cowper-Cowper-DrüseDrüsen (sprich: kauper, auch Glandula Glandula bulbourethralisbulbourethralis) sind erbsgroß und liegen im Beckenboden (Atlas Abb. 16-11). Bei sexueller Erregung geben sie bereits vor der eigentlichen Ejakulation ein visköses Sekret in die Harn-Samen-Röhre ab. Dadurch bewirken sie während des Geschlechtsverkehrs (Koitus) die Gleitfähigkeit der Geschlechtsorgane. Darüber hinaus zerstört das Drüsensekret Urinreste in der Harn-Samen-Röhre.

Hodensack

Beim HodensackHodensack (ScrotumScrotum) handelt es sich um eine Ausstülpung der Bauchwand, die Hoden, Nebenhoden und Samenstrang enthält. Er besitzt eine gerunzelte, pigmentierte Haut, in die Talg-, Schweiß- und Duftdrüsen eingelagert sind. Das Unterhautbindegewebe ist nahezu fettfrei und enthält als Besonderheit eine Lage glatter Muskelzellen. Ziehen sie sich zusammen, wird die Hodensackhaut gefaltet und so die Wärmeabgabe an die Umgebung herabgesetzt (Atlas Abb. 16-12).
Der Hodensack wird durch eine bindegewebige Scheidewand in zwei Hälften unterteilt. In jeder dieser Hälften befindet sich ein Hoden, ein Nebenhoden und der Samenleiter mit dem Samenstrang.

Bläschendrüse

Zwischen Blasengrund und Rektum liegen zwei gewundene Drüsenschläuche, die BläschendrüseBläschendrüsen (SamenbläschenSamenbläschen, Glandula Glandula vesiculosavesiculosa, Vesicula Vesicula seminalisseminalis), die ein alkalisches, fruktosereiches Sekret abgeben (Atlas Abb. 16-10). Das alkalische Sekret ermöglicht die Bewegungsfähigkeit der Spermien, die im sauren Milieu unbeweglich sind. Die Fruktose dient der Ernährung der Spermien.

Prostata

Die ProstataProstata (VorsteherdrüseVorsteherdrüse) liegt als kastanienförmiges, derbes Organ direkt unterhalb der Blase, wobei sie die Harnröhre ringförmig umschließt (Abb. 16-4 und Atlas 16-1, 16-8, 16-9, 16-10). Die Rückfläche der Prostata kann mit dem Finger (digital) vom Mastdarm aus getastet werden (Atlas Abb. 16-8).
Die Prostata besteht aus ca. 40 einzelnen Drüsen, die über ca. 20 Ausführungsgänge (Atlas Abb. 16-9) direkt in die Harn-Samen-Röhre ein dünnflüssiges, milchiges Sekret abgeben, das die Beweglichkeit der Spermien stimuliert, indem es das saure Scheidenmilieu neutralisiert.

Penis

PenisDer Penis (GliedGlied) ist das Begattungsorgan, das die Aufgabe hat, den Samen tief in die Scheide, möglichst bis unmittelbar vor den Gebärmuttermund einzubringen. Um diesem Zweck gerecht werden zu können, besitzt er die Fähigkeit zur Erektion, also zur Versteifung, Verlängerung und Verdickung.
Am distalen Ende des Penis kann man die EichelEichel (Glans Glans penispenis) als leicht hervorgewölbtes Gebilde ausmachen (Atlas Abb. 16-9, 16-12). Sie wird von der VorhautVorhaut (PraeputiumPraeputium), der dehnbaren, kapuzenförmigen Hautfalte, fast vollständig umgeben. Diese ist am proximalen Ende der Eichel angewachsen.
Im Glied befinden sich drei längliche SchwellkörperSchwellkörper (Atlas Abb. 16-13), die von bindegewebigen Hüllen und von einer äußeren, besonders glatten und dünnen Haut umgeben sind. Das Schwellkörpergewebe wird aus unregelmäßig großen, untereinander in Verbindung stehenden Bluträumen gebildet. In ihrer Wand enthalten sie ein Netzwerk von glatter Muskulatur und Bindegewebe. Bei sexueller Erregung stellen sich die kleinen zuführenden Arterien und Arteriolen weit, sodass das Blut in die Bluträume fließt und sie ausdehnt. Die Bindegewebshülle, die die Schwellkörper umgibt, wird angespannt und wirkt so einer weiteren Ausdehnung entgegen. Die abführenden Venen werden komprimiert, sodass der größte Teil des eingeflossenen Blutes in den Bluträumen zurückgehalten wird. Die Erektion des Penis kommt also durch das gestaute Blut zustande. Klingt die sexuelle Erregung ab, ziehen sich die Arterien zusammen, die Venen erweitern sich, sodass wieder mehr Blut abfließen kann. Das Glied kehrt zu seinem normalen, schlaffen Zustand zurück.
Dieser Reflex:ErektionErektionsreflexErektionsreflex wird vom Parasympathikus gesteuert und hat sein Zentrum im Kreuzbeinteil des Rückenmarks. Jedoch spielen auch Einflüsse aus übergeordneten ZNS-Teilen eine Rolle, was man daran erkennt, dass bei 25 % der Männer, bei denen es zur Zerstörung des Sakralmarks gekommen ist, die Erektionsfähigkeit weiter erhalten bleibt.
Warum wird nun bei der Versteifung des Gliedes die Harn-Samen-Röhre nicht zugedrückt? Die Harn-Samen-Röhre verläuft unterhalb der paarigen Schwellkörper (Corpora cavernosa) im Schwammgewebe des Schwellkörpers der Urethra (Corpus sponigosum). Dieser Schwellkörper ist nur zu einer sogenannten „weichen“ Anschwellung fähig, wodurch ein Zusammenpressen der Harn-Samen-Röhre verhindert wird. Dieser Harnröhrenschwellkörper endet in der Eichel, die ebenfalls nicht zu einer harten, sondern nur zu einer weichen Schwellung fähig ist.

Samenflüssigkeit

Unter der Bezeichnung SamenflüssigkeitSamenflüssigkeit (Sperma, EjakulatEjakulat) fasst man alle Bestandteile des Samenergusses (Ejakulat) des Mannes zusammen. Es handelt sich um eine schwach alkalische (pH 7,0–7,8), weißliche Flüssigkeit von klebriger Konsistenz und charakteristischem Geruch. Der Samenerguss wird vom Sympathikus gesteuert, im Gegensatz zur Erektion, die, wie gesagt, vom Parasympathikus ausgeht. Das Zentrum dieses Sympathikusanteils liegt im Lendenmark.
Sperma setzt sich aus Spermien und dem Sekret der Geschlechtsdrüsen zusammen.
Spermien.Spermium<2003>Samenzelle<2003>Auch bei gesunden Männern findet man bis zu 30 % abnorm gestaltete Samenzellen, z. B. Zwerg- oder Riesenformen, mehrköpfige und mehrschwänzige Gestalten. Nehmen diese abnormen Spermien überhand, so besteht keine Zeugungsfähigkeit mehr. Im normalen Sperma von 3 bis 5 ml sind pro ml ca. 60 Millionen Spermien enthalten. Beim Samenerguss (Ejakulation) entleert sich der Samenspeicher des Nebenhodenschweifes. Kommt es zu einem weiteren Erguss, so enthält dieser deutlich weniger Spermien als der erste. Bei einem dritten Erguss fehlen die Spermien in der Regel völlig.
Sekret.Das Sekret des Samenergusses setzt sich aus den Absonderungen der Nebenhoden, der Prostata und der Bläschendrüsen zusammen. Die Cowper-Drüsen geben ihr Sekret bereits präkoital ab.
  • Prostata. Ihr milchiges Sekret stimuliert die Beweglichkeit der Spermien.

  • Bläschendrüsen geben ein alkalisches, fruktosereiches Sekret ab.

  • Nebenhoden. Spermienhaltiges Sekret mit Lezithin und Carnitin.

Sperma

Das Sperma (Samenflüssigkeit, Ejakulat) enthält:
  • Spermien

  • Sekret aus

    • Prostata

    • Bläschendrüse

    • Nebenhoden

Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane

Prostatitis

Geschlechtsorgan, männliches:ErkrankungEine ProstatitisProstatitis (VorsteherdrüsenentzündungVorsteherdrüsenentzündung) kann akut (meist durch Bakterien) oder chronisch verlaufen. Grundsätzlich sind alle Schweregrade möglich, von einer leichten über schwere bis hin zur schwersten Entzündung.
Bei einer Prostatitis kommt es zu Beschwerden beim Wasserlassen (häufiger Harndrang, abgeschwächter Strahl, Harnträufeln, Schmerzen bei der Miktion) und zu Schmerzen beim Absetzen des Stuhls, oft auch zu schmerzhaftem Stuhldrang. Bei akuter Prostatitis können sich außerdem Fieber und Schüttelfrost entwickeln.
Die Entzündung kann durch Keime verursacht werden, die über die kombinierte Harn-Samen-Röhre aufgestiegen sind oder durch Erreger, die sich über den Blut- oder Lymphweg abgesiedelt haben. Ausnahmsweise kann sich eine Prostatitis auch durch Übergreifen einer Entzündung eines Nachbarorgans entwickeln.

Erkrankungen der Prostata sind häufig!

Benigne Prostatahyperplasie (BPH)

Bei einer benignen Prostatahyperplasie, benigneBPH (benigne Prostatahyperplasie)Prostatahyperplasie (ProstatahypertrophieProstatahypertrophie), die bei 60 % der Männer über 50 Jahre auftritt, ist es zu einer Zunahme der Zellzahl der Vorsteherdrüse gekommen. Die genaue Ursache ist unbekannt. Man vermutet, dass eine Verschiebung des Östrogen-Testosteron-Verhältnisses in Richtung Östrogenzunahme eine Rolle spielen könnte.
An Beschwerden stellen sich häufiger Harndrang, Nykturie und zu geringer Druck beim Wasserlassen ein. Typisch ist die, v. a. nachts, erst nach längerem Warten erfolgende Harnentleerung mit einem abgeschwächten und verdünnten Strahl. Im fortgeschrittenen Stadium ist keine vollständige Blasenentleerung mehr möglich. Es kommt zur Restharnbildung, die die Ansiedlung von Bakterien begünstigt. Im Endstadium wird der Harnblasengang vollständig abgedrückt, wodurch es zum Harnverhalten kommt, was zu schleichender Niereninsuffizienz bis zum Nierenversagen führen kann.

Prostatakarzinom

Das VorsteherdrüsenkrebsProstatakarzinomKrebs:VorsteherdrüseProstatakarzinom ist eine häufige Krebsart beim Mann. Frühsymptome eines Prostatakrebses gibt es nicht. Eine Früherkennung ist nur durch eine Vorsorgeuntersuchung möglich. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Blasenentleerungsstörungen, die denen der Prostatahyperplasie ähneln. Außerdem können Schmerzen bei der Stuhlentleerung auftreten und evtl. Blutungen. Kreuzschmerzen älterer Männer können ein Hinweis auf Knochenmetastasen sein, da das Prostatakarzinom frühzeitig zu einer Metastasierung ins Skelettsystem neigt.

Prostatakrebs und Prostatahyperplasie verursachen ähnliche Beschwerden!

Phimose

Von einer vollständigen PhimosePhimose (VorhautverengungVorhautverengung) spricht man, wenn sich die Vorhaut schon im schlaffen Zustand nicht über die Eichel zurückschieben lässt; von einer unvollständigen, wenn das Zurückziehen der Vorhaut nur bei erigiertem Glied Schwierigkeiten bereitet (Atlas Abb. 16-14). Bei Knaben bis zum dritten Lebensjahr ist es aber völlig normal, dass sich die Vorhaut nicht zurückschieben lässt (physiologische Phimose). Danach beginnt ein Ablöseprozess, bei dem sich die beiden Vorhautblätter allmählich von der Eichel lösen. Es sollte tunlichst vermieden werden, diesen Prozess zu beschleunigen, da dadurch der Bildung einer Vorhautverengung Vorschub geleistet wird.
Eine echte Phimose kann durch Vorhautplastik oder durch Zirkumzision behandelt werden.

Eine Phimose (Vorhautverengung) kann die Entstehung eines Peniskarzinoms fördern.

Bei einer BeschneidungBeschneidung (ZirkumzisionZirkumzision) kommt es aus medizinischen oder rituellen Gründen zur Kürzung oder völligen Entfernung der Vorhaut. Medizinisch wird sie aus hygienischen Gründen bzw. zur Krebsprophylaxe durchgeführt, dabei wird angeführt, dass die Absonderungen der Eichel- und Vorhautdrüsen (Smegma), krebsbegünstigend sein sollen (Peniskarzinom, Gebärmutterhalskrebs). Diese prophylaktische Maßnahme ist auch innerhalb der Schulmedizin nicht unumstritten. Darüber hinaus kann eine Zirkumzision zur Behandlung einer Phimose (s. o.) durchgeführt werden.

Epididymitis, Orchitis

Nebenhodenentzündung(Epididymitis). Nebenhodenentzündung<2003>EpididymitisDie Nebenhoden können sich akut oder chronisch entzünden. Meist liegt die Ursache in Entzündungen der Prostata oder der Harnwege, die auf die Nebenhoden übergegriffen haben. Die häufigste Ursache bei jüngeren Männern sind sexuell übertragbare Erreger, bei älteren Männern hingegen übergreifende Blasenentzündungen, die sich meist aufgrund von Blasenentleerungsstörungen infolge einer Prostatahyperplasie entwickeln.
Symptome
  • akute Epididymitis (Nebenhodenentzündung). Innerhalb von wenigen Stunden kann eine erhebliche Anschwellung einer Hodensackhälfte auftreten. Der Hodensack ist äußerst druckempfindlich und schmerzhaft. Die äußere Haut erscheint hochrot, glänzend und warm. Die Schmerzen können entlang des Samenstranges in die Leistenregion und eventuell in den Unterbauch ausstrahlen. Zudem kann (hohes) Fieber auftreten und ein schweres Krankheitsgefühl bestehen.

  • chronische Epididymitis (Nebenhodenentzündung). Es handelt sich meist um den Folge- oder Endzustand einer akuten Entzündung. Oft besteht nur eine leichte Druckempfindlichkeit des Nebenhodens.

Therapie.Die Therapie erfolgt durch den Arzt und muss sich am Schweregrad der Erkrankung orientieren. Bei infektiöser Ursache besteht für den Heilpraktiker Behandlungsverbot, da es sich in diesem Fall um eine sexuell übertragbare Erkrankung handelt.
Hodenentzündung (Orchitis, Didymitis).Orchitis<2003>Didymitis<2003>Eine HodenentzündungHodenentzündung tritt meist im Rahmen von Allgemeinerkrankungen auf, v. a. von Mumps, evtl. auch von Gonorrhö, Tuberkulose. Nur selten entzündet sich der Hoden primär, z. B. als Virusorchitis. Zudem kann sich eine Orchitis durch das Übergreifen von Entzündungen der Nachbarorgane entwickeln, v. a. einer Epididymitis (Nebenhodenentzündung) oder Folge von Traumen sein.
Es kommt zu plötzlich einsetzenden Schmerzen mit Ausstrahlung in die Leistenregion. Der Hodensack ist rot, heiß und geschwollen. Möglicherweise leidet der Patient an (hohem) Fieber. Es besteht die Gefahr der Sterilität.
Die Therapie entspricht der wie bei Epididymitis beschrieben.

Varikozele

Bei einer VarikozeleVarikozele (KrampfaderbruchKrampfaderbruch) handelt es sich um eine abnorme Erweiterung und krampfaderartige Schlängelung der Hodenvenen (Vv. testiculares). Betroffen ist meist der linke Hodensack, da hier ein ungünstigerer Blutabfluss, und zwar rechtwinklig in die Nierenvene besteht. Rechtsseitig mündet die V. testicularis in die untere Hohlvene ein.
Betroffen sind Jungen, v. a. zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr. In der Regel verursacht eine Varikozele keine Symptome. Nur gelegentlich treten ziehende Schmerzen in der Hoden- und Leistengegend auf, insbesondere bei körperlicher Anstrengung. Durch eine Erhöhung der Temperatur im Hodenbereich kann es zur Unfruchtbarkeit kommen.
In der Schulmedizin besteht die Möglichkeit die betroffenen Venen zu veröden (sklerotisieren).

Hydrozele

Bei einer HydrozeleHydrozele (WasserbruchWasserbruch) handelt sich um eine umschriebene Ansammlung seröser Flüssigkeiten zwischen den Hodenhüllen. Sie kann angeboren oder infolge vorausgegangener Hoden- oder Nebenhodenentzündungen erworben sein. Häufig ist die Ursache jedoch unbekannt. Bei Neugeborenen und Säuglingen können sich Hydrozelen spontan zurückbilden.
In der Regel verursacht eine Hydrozele keine Symptome. Nur gelegentlich entwickeln sich ziehende Schmerzen in der Hoden- und Leistengegend, v. a. bei körperlicher Anstrengung.
Schulmedizinisch erfolgt meist eine operativ Entfernung der Hydrozelen, da es bei Punktionen häufig zu Rezidiven kommt.

Hodentorsion

Bei der HodentorsionHodentorsion drehen sich aufgrund einer abnormen Beweglichkeit Hoden und Samenstrang um die Längsachse. Die Hodentorsion tritt meist einseitig und nur sehr selten beidseitig auf. Betroffen sind v. a. Säuglinge, Kinder und Jugendliche.
Die Beschwerden setzen plötzlich ein mit heftigen Schmerzen im Hodenbereich, die bis in den Unterbauch ausstrahlen. Der Hodensack erscheint geschwollen und gerötet, und er ist sehr druckempfindlich. Er kann sich dunkelblau bis schwärzlich verfärben, wenn nicht innerhalb von ca. 4 Stunden operiert und der Hoden zurückgedreht und befestigt wird. Bei Verdacht auf eine Hodentorsion muss eine sofortige Klinikeinweisung erfolgen. Hier wird zunächst manuell versucht den Hoden in seine ursprüngliche Lage zurück zu drehen. Gelingt dies nicht, muss schnellstmöglich operiert werden, da bereits nach vier Stunden das unterversorgte Gewebe abzusterben beginnt.
Eine Nebenhodenentzündung und eine Hodentorsion können durch das Prehn-Zeichen unterschieden werden:
  • Epididymitis (Nebenhodenentzündung): Beim Anheben des Hodens nimmt der Schmerz (wahrscheinlich) ab, da dadurch die Zugwirkung auf den entzündlichen Bereich nachlässt.

  • Hodentorsion: Beim Anheben des Hodens bleibt der Hodenschmerz unverändert bestehen.

Peniskarzinom

Ein PeniskarzinomKrebs:PenisPeniskarzinom beginnt meist in der Furche zwischen Eichel und Penisschaft, der sogenannten Kranzfurche. Betroffen sind v. a. Männer zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.
Ursachen.Man nimmt an, dass das Smegma, die Absonderung der Drüsen der Eichel und der Vorhaut und chronische Entzündungen, z. B. in Folge einer Phimose eine Rolle spielen. Außerdem kann eine unzureichende Genitalhygiene krankheitsverursachend sein. Bei beschnittenen Männern kommt Peniskrebs in der Regel nicht vor.
Symptome.Es kann zu einer schlecht heilenden Wunde, zu einem entzündlichen Knötchen oder zu einem Ulcus kommen. Allerdings können diese Hautveränderungen durch die Phimose verdeckt sein. Evtl. lässt sich die Vorhaut nicht mehr über die Eichel zurückschieben. Zudem kann übelriechendes, evtl. auch blutiges Sekret gebildet werden. Ein Peniskarzinom metastasiert vorwiegend in die lokalen Leistenlymphknoten.

Weibliche Geschlechtsorgane

Vergleicht man männliche und weibliche Geschlechtsorgan, weiblichesGeschlechtsorgane, so lässt sich trotz augenscheinlicher Unterschiede, ein gemeinsamer Bauplan erkennen. Klitoris und Eichel des Gliedes sind beide mit einer Vorhaut versehen. Zudem verfügen Penis und Klitoris über Schwellkörper und sind so zu einer Aufrichtung in der Lage.
Die großen Schamlippen entsprechen dem Hodensack, bleiben jedoch „leer“. Die großen Scheidenvorhofdrüsen (Bartholin-Drüsen) der Frau sind mit den Cowper-Drüsen des Mannes vergleichbar.
In der Embryonalzeit entstehen die Hoden, wie die Eierstöcke, an der hinteren Bauchwand. Allerdings wandern die Hoden vorgeburtlich durch den Leistenkanal in den Hodensack. Bei der Frau bleiben die Eierstöcke an der hinteren Bauchwand liegen. Es werden jedoch auch Leistenkanäle angelegt. Das runde Mutterband, das die Gebärmutter umhüllt, zieht von hier aus durch diese Leistenkanäle zu den großen Schamlippen.
Bei den weiblichen Geschlechtsorganen unterscheidet man innere und äußere Geschlechtsorgane (Abb. 16-5, Atlas Abb. 16-15 und 16-16):
  • innere Geschlechtsorgane, liegen geschützt im kleinen Becken:

    • Eierstöcke (Ovarien)

    • Eileiter (Tuben)

    • Gebärmutter (Uterus)

    • Scheide (Vagina)

  • äußere Geschlechtsorgane (Vulva):

    • Venushügel (Mons pubis)

    • Große Schamlippen (Labia pudendi majora)

    • Kleine Schamlippen (Labia pudendi minora)

    • Scheidenvorhof (Vestibulum vaginae)

    • Kitzler (Klitoris)

    • Bartholin-Drüsen (Glandulae vestibularis major)

Eierstöcke

Die weiblichen EierstockEierstöcke (OvarieOvarien) sind Drüsen, die, wie auch die männlichen Hoden, sowohl einen endokrinen als auch einen exokrinen Anteil besitzen. Der exokrine Anteil produziert die befruchtungsfähige Eizelle, der endokrine die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron.
Lage.Bei den Eierstöcken handelt es sich um paarig aufgehängte Organe, die sich unterhalb und hinter den Eileitern befinden. Sie sind etwa pflaumengroß und mandelförmig. Sie liegen an der Seitenwand des kleinen Beckens und sind mit Bändern zwischen Gebärmutter und Beckenwand aufgehängt (Abb. 16-6, Atlas Abb. 16-16).
Aufbau.An den Eierstöcken werden eine Rinden- und eine Markschicht unterschieden. In der inneren Markschicht findet man v. a. Bindegewebe und Gefäße, in der äußeren Rindenschicht Follikel (s. u., Eizelle). Zum Zeitpunkt der Geburt liegen in jedem Eierstock ungefähr 200.000 sogenannte PrimärfollikelPrimärfollikel (Abb. 16-6) vor. Nach der Geburt werden keine neuen Eizellen mehr erzeugt, sondern es finden nur noch Reifungs- und Wachstumsvorgänge dieser Primärfollikel zu Sekundär- und Tertiärfollikeln (Bläschenfollikel) statt. Bitte beachten Sie hierzu auch den Menstruationszyklus (Abschn. 16.3.7).
Eizelle.Eizelle<2003>Wie oben dargestellt wurde, liegen alle Eizellen schon bei der Geburt in der äußeren Rindenschicht der Eierstöcke vor. Jedes Ei wird dabei von einer Gruppe von Zellen umgeben, den Follikelzellen. Die Eizelle zusammen mit den sie umgebenden FollikelzelleFollikelzellen wird als EierstockfollikelEierstockfollikel oder kurz als FollikelFollikel bezeichnet. In den Follikelzellen wird das weibliche Geschlechtshormon Östrogen und etwas Progesteron gebildet. Man vermutet außerdem, dass sie für die Ernährung der Eizelle von Bedeutung sind.
Bis zur Pubertät verändern sich die Primärfollikel nicht, und es werden nur sehr geringe Mengen Östrogen hergestellt. Ab der Pubertät kommt es unter dem Einfluss des Hypophysenhormons FSH (follikelstimulierendes Hormon) zur monatlichen Heranreifung eines Eies in einem Eierstock. Dabei beginnen die umgebenden Follikelzellen sich zu vermehren und Hormone zu produzieren. Dabei entwickelt sich der Primärfollikel zum Sekundär- und schließlich zum Tertiärfollikel (Bläschenfollikel Atlas Abb. 16-19). Während dieser Ausreifungsphase haben sich die Follikel zum Eierstockzentrum bewegt. Danach ziehen sie wieder zur Rinde, sodass der sprungreife Graaf-Follikel eine sicht- bzw. tastbare Auswölbung der Eierstockwand hervorruft. Durch die Ausschüttung des Hypophysenhormons LH (luteinisierendes Hormon) kommt es dann zum Eisprung.
Eisprung (Ovulation).Beim OvulationEisprungEisprung platzt der Graaf-Follikel auf und schleudert das Ei heraus, das vom Fransentrichter des Eileiters aufgefangen wird. Dieses Ei kann nun innerhalb von 12 bis 24 Stunden, während es den Eileiter entlangwandert, befruchtet werden (Atlas Abb. 16-20).

Eileiter

Die EileiterEileiter (Tubae Tubae uterinaeuterinae) sind zwei etwa bleistiftdicke, 12 bis 18 cm lange Schläuche, die vom Eierstock bis zum Tubenwinkel der Gebärmutter reichen. Ihre Aufgabe ist es, die Eizelle nach dem Eisprung aufzufangen und vom Eierstock zur Gebärmutter zu transportieren. Außerdem erfolgt hier eine eventuelle Befruchtung des Eies. Ein befruchtetes Ei beginnt bereits im Eileiter, sich zu teilen (Atlas Abb. 16-22). Für den Weg durch den Eileiter benötigt es etwa 4 bis 5 Tage.
Um das Ei auffangen zu können, besitzt der Eileiter in Richtung des Eierstocks ein freies Ende mit einem Fransentrichter, der aus 1–2 cm langen Fransen (Fimbrien) besteht (Abb. 16-7 und Atlas Abb. 16-20, 16-15 und 16-16). Dieser Fransentrichter legt sich an die Stelle des Eierstocks, an der der Eisprung erfolgen wird. Wird das Ei einmal nicht aufgefangen und fällt in die freie Bauchhöhle, so wird es vom körpereigenen Abwehrsystem abgebaut. Wird jedoch ein Ei im Eileiter befruchtet und gelangt auffolgend in die freie Bauchhöhle (z. B. bei Eileiterverklebungen), so kommt es zur gefürchteten Bauchhöhlenschwangerschaft (Abschn. 16.5.4).
Die Eileiterwand ist aus drei Schichten aufgebaut: einer inneren, reich gefalteten Schleimhautschicht mit Flimmerzellen, einer glatten Muskelschicht und einem Bauchfellüberzug. Die Flimmerzellen haben die Aufgabe, das Ei in Richtung Gebärmutter weiterzutransportieren. Die Schleimhautfalten können durch ablaufende Entzündungen verkleben und verwachsen, was Unfruchtbarkeit bzw. eine Eileiterschwangerschaft (Abschn. 16.4.4) zur Folge haben kann.

Gebärmutter

Die birnenförmige, ca. 7 bis 9 cm lange GebärmutterGebärmutter (UterusUterus) liegt hinter und z. T. über der Blase, dorsal schließt sich der Mastdarm an. Ihr oberer Teil heißt Kuppel oder Gebärmuttergrund (Fundus uteri, kurz: Fundus), diesem schließt sich der Körper (Corpus uteri, kurz: Korpus) an, gefolgt vom GebärmutterhalsGebärmutterhals (Cervix Cervix uteriuteri, kurz: ZervixZervix). Der Teil des Gebärmutterhalses, der in die Scheide hineinreicht, wird als Portio bezeichnet. Der Muttermund ist die Öffnung der Portio in die Gebärmutterhöhle (Abb. 16-5 und 16-7).
Während der Schwangerschaft dient sie als „Fruchthalter“, dabei kann sich die Uterusmuskulatur der Vergrößerung der Frucht anpassen und das Kind am Ende der Schwangerschaft durch Muskelkontraktionen austreiben (s. u.).
Wandaufbau der Gebärmutter.Die Gebärmutterwand setzt sich aus drei Schichten zusammen:
  • innere Schleimhautschicht (Endometrium), in die sich das befruchtete Ei einnistet. Diese Schleimhaut unterliegt einem hormonell gesteuerten monatlichen Auf- und Abbau. Man unterscheidet zwei Schleimhautschichten (Atlas Abb. 16-24): die Basalschicht (Lamina basalis), die bei der Menstruation nicht abgestoßen wird und die Funktionsschicht (Lamina functionalis), die Zyklusveränderungen unterliegt (Abschn. 16.3.7, Menstruationszyklus).

Die Drüsen der Zervixschleimhaut bilden einen zähen Schleim, der als Pfropf vor dem Gebärmuttermund sitzt und während der unfruchtbaren Tage der Frau für die Spermien undurchdringbar ist. Während der fruchtbaren Tage verdünnt sich der Schleim und den Spermien gelingt es mittels ihrer Enzyme, den Schleim zu durchwandern.
  • mittlere Muskelschicht (Myometrium) aus glatter Muskulatur. Sie vergrößert bei einer Schwangerschaft ihr Gewicht von 50 bis 60 g auf 1 kg. Ihre Kontraktionen verursachen am Ende der Schwangerschaft die Geburtswehen.

  • äußerer Bauchfellüberzug (Perimetrium).

Die Gebärmutter wird von den breiten und den runden Mutterbändern in ihrer Lage gehalten. Das breite Mutterband (Lig. latum uteri) ist eine Bauchfellduplikatur, die von der Seitenkante des Uterus zur seitlichen Beckenwand läuft. Das runde Mutterband (Lig. teres uteri) verläuft vom Gebärmutter-Eileiter-Winkel in der Vorderwand des breiten Mutterbandes durch den Leistenkanal in das Bindegewebe der großen Schamlippen.

Scheide

Die ScheideScheide (VaginaVagina) ist ein etwa 10 cm langer, muskulös-bindegewebiger Kanal, der nach oben zum Gebärmutterhals führt und nach unten im Scheidenvorhof endet (Atlas Abb. 16-25). Innen ist sie mit Schleimhaut ausgekleidet. Sie dient als Geburtskanal und als Begattungsorgan. Zu letzterem nimmt sie beim Geschlechtsverkehr das männliche Glied auf, das die Samenflüssigkeit in der Nähe des Muttermundes ablagert. Die Spermien wandern dann durch den Gebärmutterhals in die Uterushöhle und von hier aus in den Eileiter, dem Ort der Befruchtung.
Jungfernhäutchen (Hymen).Das JungfernhäutchenHymenJungfernhäutchen ist eine ringförmige Schleimhautfalte, die die äußere Scheidenöffnung ringsum begrenzt (Atlas Abb. 16-26). Auch das unversehrte Hymen muss eine Öffnung haben, damit das Blut während der Mens abfließen kann. Fehlt ausnahmsweise die Öffnung, so entsteht mit Einsetzen der ersten Monatsblutung ein Rückstau des Blutes. In diesem Fall ist eine ärztliche Eröffnung des Jungfernhäutchens nötig.

Äußere Geschlechtsorgane (Vulva)

VulvaZu den äußeren Geschlechtsorganen gehören der Schamberg, die Schamlippen, der Scheidenvorhof mit Schamspalte, Klitoris und die Bartholin-Drüsen (Atlas Abb. 16-27).
Schamberg (VenusbergVenusberg, Mons pubis, Mons Mons venerisveneris).Der SchambergSchamberg ist ein hautbedecktes Fettpolster über der Schambeinfuge (Verbindung zwischen den beiden Schambeinen). Mit Eintritt der Geschlechtsreife bildet sich hier eine Behaarung aus.
Große und kleine Schamlippen Schamlippe<2003>(Labia Labia pudendipudendi majora und Labia pudendi minora).Die großen Schamlippen sind zwei von Fettgewebe unterpolsterte Hautfalten, die entwicklungsgeschichtlich betrachtet dem Hodensack des Mannes entsprechen. Sie enthalten zahlreiche Talg-, Schweiß- und Duftdrüsen. Die kleinen Schamlippen sind gut mit Talgdrüsen, Nerven und Schwellkörpern versorgt.
Scheidenvorhof, Schamspalte und Schamspalte<2003>Kitzler<2003>Kitzler (Vestibulum Vestibulum vaginaevaginae, Rima Rima pudendipudendi und KlitorisKlitoris).Der Scheidenvorhof ist das Gebiet, das von den kleinen Schamlippen umfasst wird, dagegen bezeichnet man den Raum, der von den großen Schamlippen umgeben wird, als Schamspalte. Am vorderen Ende der kleinen Schamlippen liegt am Scheidenvorhof der Kitzler (Klitoris), ein erbsenförmiges Organ, das von Schwellkörpern gebildet wird. Er ist hochempfindlich gegen Berührungsreize und hat deshalb große Bedeutung für die sexuelle Erregung der Frau. Er wird teilweise von den vorderen Enden der kleinen Schamlippen bedeckt. Entwicklungsgeschichtlich entspricht der Kitzler dem Penis des Mannes. Befindet sich bei einer Frau vermehrt Testosteron im Blut (Medikamenteneinnahme, Hormonstörung), kann es zu einer Größenzunahme der Klitoris kommen.
Unterhalb der Klitoris mündet die Harnröhre in den Scheidenvorhof. Darunter wiederum befindet sich die Scheidenöffnung (Atlas Abb. 16-27).
Bartholin-Drüsen (Glandulae vestibularis Glandula vestibularis majormajor).Die Bartholin-Bartholin-DrüseDrüsen sind zwei kleine muköse Drüsen, die im unteren Drittel der großen Schamlippen eingebettet liegen. Ihre Ausführungsgänge münden im unteren Drittel der kleinen Schamlippen (Atlas Abb. 16-27).
Entwicklungsgeschichtlich entsprechen die Bartholin-Drüsen den männlichen Cowper-Drüsen. Sie sezernieren eine präkoitale Flüssigkeit, die die Aufgabe hat, bei sexueller Erregung den Scheidenvorhof gleitfähig zu machen.
Der Damm (PerineumPerineum).Mit DammDamm bezeichnet man das Gebiet zwischen Scheidenöffnung und After (Atlas Abb. 16-28). Diese Muskelregion ist während des Geburtsvorganges stark angespannt und kann deshalb reißen. Im ungünstigsten Fall kann sich der Riss bis zum äußeren Afterschließmuskel erstrecken. Besteht die Gefahr eines solchen Dammrisses, kann unmittelbar vor dem Durchtritt des Fetus durch die Vagina ein entsprechender Dammschnitt durch den Arzt vorgenommen werden.

Brustdrüsen

Die BrustdrüseBrustdrüsen (MammaeMammae) sind paarige Organe, die über dem Brustmuskel (M. pectoralis) liegen und durch Faszien mit ihm verbunden sind (Abb. 16-8, Atlas Abb. 16-30). Die Brustdrüsen gehören, wie Talg- oder Schweißdrüsen, zu den Hautdrüsen, denn das sezernierende Drüsengewebe liegt im Unterhautgewebe und das Sekret wird mittels Ausführungsgängen an die Außenhaut abgegeben.
MilchbläschenMilchbläschen (Alveolen) aus Zylinderepithel bilden kleinere Drüsenlappen, die wiederum zu 15 bis 20 größeren Drüsenlappen zusammengesetzt werden. Diese geben das produzierte Sekret (Milch) in BrustausführungsgangAusführungsgang, BrustAusführungsgänge ab, die sich, kurz bevor sie die Brustwarze erreichen, zu Ampullen (Milchsäckchen) erweitern. Die Ampullen dienen als Reservoir für die erzeugte Milch. Die Ausführungsgänge enden in winzigen Öffnungen an der Oberfläche der Brustwarze.
Die äußere Form und die Größe der Brust wird weitgehend durch das eingelagerte Fettgewebe bestimmt und nicht durch das Drüsengewebe. Damit steht die Brustgröße in keiner unmittelbaren Beziehung zu ihrer Funktionstüchtigkeit, also zur Milchbildung. Die jugendliche Brust wird weitgehend durch das eingelagerte Bindegewebe in Form gehalten. Mit zunehmender Bindegewebserschlaffung sinken die Brustdrüsen immer tiefer („Hängebrust“).
Die Entwicklung der Brustdrüsen während der Pubertät wird durch die Hormone Östrogen und Progesteron gesteuert.
Warzenhof.Die BrustwarzeBrustwarze (MamilleMamille) ist von einem kreisrunden, pigmentierten WarzenhofWarzenhof umgeben. Die kleinen Höckerchen, die hier auftreten, sind durch Talg- und Schweißdrüsen bedingt, die die Haut vorwölben (Atlas Abb. 16-29). Sie dienen dem Einfetten und Anfeuchten des Warzenhofes, um einen besseren Kontakt mit dem Mund des Säuglings zu gewährleisten. Die Brustwarze enthält ein schraubenförmig angeordnetes Netz von Muskelfasern. Dieses schiebt die Brustwarze bei einem Berührungsreiz aus dem Warzenhof heraus, wobei sie länger wird. Der biologische Sinn ist eindeutig: Auf den Berührungsreiz hin schiebt sich die Brustwarze geradezu in den Mund des Säuglings.
Untersuchung der Brustdrüsen.Bitte beachten Sie hierzu im Atlas Abb. 16-31.
  • Inspektion:B∗rustdrüse∗Inspektion. Bestehen auffällige Größenunterschiede der Mammae, Hauteinziehungen, Orangenhaut, Einziehung der Brustwarze, pathologische Sekretion oder Ekzeme?

  • Palpation:B∗rustdrüse∗Palpation. Abgetastet werden müssen alle vier Quadranten der Brust auf Knoten und sonstige Veränderungen, die Achselhöhlen und die Gruben oberhalb des Schlüsselbeins (Supraklavikulargruben) auf vergrößerte Lymphknoten. Zu beachten ist hierbei, dass sich die Krebserkrankung in 50 bis 60 % der Fälle im oberen äußeren Quadranten befindet. Bei verdächtigen und unklaren Befunden muss die Patientin sofort an den Facharzt zur weiteren diagnostischen Abklärung verwiesen werden (Mammografie, Ultraschall, Röntgen, Thermografie, Mamma-Zytologie).

Die meisten Knoten werden übrigens von den betroffenen Frauen selbst entdeckt und nicht etwa im Rahmen der Krebsfrüherkennung festgestellt!

Menstruationszyklus

MonatsblutungMenstruationszyklusNach dem Eintritt der ersten Blutung (MenarcheMenarche) bis zum Aufhören der Blutungen (MenopauseMenopause) kommt es bei der Frau zu periodischen Veränderungen. Dieser Menstruationszyklus umfasst die Menstruation, die Hormonsekretion, Veränderungen in den Eierstöcken und der Gebärmutter, aber auch Veränderungen in Stimmungs- und Gefühlslage. Er hat die Aufgabe, optimale Bedingungen für eine Einnistung einer befruchteten Eizelle zu garantieren. Bei der Steuerung des Menstruationszyklus spielen Hormone eine zentrale Rolle.
Hormonale Steuerung des Menstruationszyklus.Im Eierstock werden die sogenannten Eierstockhormone Östrogen und Progesteron hergestellt.
  • ÖstrogenÖstrogen (FollikelhormonFollikelhormon) wird in den Follikelzellen, im Graaf-Follikel und im Gelbkörper gebildet; während der Schwangerschaft auch in der Plazenta. Es wirkt auf die Ausreifung der Follikel ein, veranlasst die LH-Ausschüttung (Regelkreis!), das Schleimhautwachstum in der Gebärmutter und den Eitransport, indem es die Bewegung der Eileiter erhöht. Des Weiteren fördert Östrogen die Knochenreifung, verbessert die Resorption von Kalzium, Natrium und Phosphor, bewirkt eine Wasserretention und fördert während der Pubertät die Ausprägung der sekundären weiblichen Geschlechtsmerkmale. Östrogen wird v. a. in der 1. Zyklushälfte (s. u.) produziert (Abb. 16-9).

  • Progesteron (GelbkörperhormonGelbkörperhormon). ProgesteronProgesteron wird im Gelbkörper (s. u.) und zu geringen Teilen auch in der Nebenniere gebildet. Kommt es zur Schwangerschaft, so wird es ab dem vierten Schwangerschaftsmonat in der Plazenta hergestellt. Progesteron bereitet den Organismus auf eine Schwangerschaft vor, indem es die Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung des befruchteten Eies aufbaut. Außerdem hat es eine schwangerschaftserhaltende Wirkung. Zusammen mit Östrogen wirkt es auf die Milchbildung und auf die Zusammensetzung des Schleimpfropfes des Gebärmutterhalskanals ein (s. u.). Es wird v. a. in der 2. Zyklushälfte hergestellt (Abb. 16-9). Unter Einfluss von Progesteron steigt die Körpertemperatur um ca. 0,6 °C an, was zu einer entsprechenden Erhöhung der rektal oder oral gemessenen Aufwachtemperatur (Basaltemperatur, Morgentemperatur) der Frau führt. Man kann über die Messung der Basaltemperatur wichtige Hinweise auf Zyklusstörungen und Sterilität erhalten. Sie wird außerdem bei Kinderwunsch und zur Konzeptionsverhütung (Methode nach Knaus-Ogino) eingesetzt.

  • FSH (follikelstimulierendes Hormon aus dem HVL), veranlasst das Wachstum der Follikel.

  • LH (luteinisierendes Hormon aus dem HVL), wirkt zusammen mit FSH auf die Follikelreifung ein, löst den Eisprung aus und fördert die Entwicklung und Funktion des Gelbkörpers.

  • Gonadotropin-Releasing-Hormon (Gn-RH, Gonadoliberin). Es gehört zu den Releasinghormonen des Hypothalamus und bewirkt die Freisetzung von FSH und LH (Abschn. 14.2, Tab. 14-3).

Ablauf des Menstruationszyklus.Im Eierstock reift durchschnittlich alle 28 Tage (25 bis 35 Tage) unter dem Einfluss von FSH eine Gruppe von Primärfollikeln heran. Diese entwickeln sich zu SekundärfollikelSekundärfollikeln, die Flüssigkeit einlagern und dadurch zu TertiarfollikelTertiärfollikeln (BläschenfollikelBläschenfollikeln) werden. Von diesen Bläschenfollikeln reift pro Zyklus lediglich ein Bläschenfollikel zum Graaf-Graaf-FollikelFollikel heran, der die befruchtungsfähige Eizelle enthält (Atlas Abb. 16-17, 16-18, 16-19). Der Graaf-Follikel bewegt sich zur Oberfläche des Eierstockes, von der aus – ca. 14 Tage vor Beginn der nächsten Monatsblutung – der Eisprung (Abschn. 16.4.1) erfolgt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Graaf-Follikel einen Durchmesser von ungefähr 2 cm erreicht.
Im nächsten Zyklus reift eine andere Follikelgruppe – meist im anderen Ovar – heran und wieder erlangt nur ein Primärfollikel die volle Reife. So reifen bei einer Frau in der Zeitspanne von der Pubertät bis zur Menopause ca. 400 bis 500 Primärfollikel zum Graaf-Follikel heran.

Der Graaf-Follikel ist der sprungreife Follikel.

Die Ausreifung erfolgte vom Primär-, über den Sekundär- zum Tertiär- (Bläschenfollikel) und schließlich zum Graaf-Follikel.

Die im Eierstock verbleibenden Reste des gesprungenen Follikels bilden sich zum GelbkörperGelbkörper um, der nun das Gelbkörperhormon Progesteron, aber auch Östrogen erzeugt. Die Gebärmutter wird jetzt auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet (s. u.). Kommt es nicht zur Befruchtung, so bildet sich der Gelbkörper nach 14 Tagen zurück, woraufhin die Progesteronproduktion erlischt und an der Gebärmutterschleimhaut die Monatsblutung ausgelöst wird. Kommt es allerdings zur Schwangerschaft, so vergrößert sich der Gelbkörper und setzt seine Hormonproduktion bis etwa zum vierten Schwangerschaftsmonat fort. Danach wird die Progesteronproduktion von der Plazenta übernommen.
Der Abb. 16-9 und Atlas Abb. 16-37 kann der Zusammenhang zwischen Follikelreifung, Eisprung, Gebärmutterschleimhaut und Hormonproduktion entnommen werden.
Gebärmutterschleimhaut und Menstruationszyklus.Aufgrund der Veränderungen der GebärmutterschleimhautGebärmutterschleimhaut unterscheidet man drei Phasen:
  • MenstruationMenstruation (RegelblutungRegelblutung). Am 1. bis 4. Tag des Menstruationszyklus werden die obersten Zellschichten der Gebärmutterschleimhaut abgestoßen. Die Funktionsschicht löst sich dabei in Fetzen ab und wird mit Blut vermischt (ca. 50 ml) unter teilweise schmerzhaften Gebärmutterkontraktionen abgestoßen.

  • AufbauphaseAufbauphase (ProliferationsphaseProliferationsphase). Am 5. bis 14. Tag wird die Funktionsschicht der Gebärmutterschleimhaut (Abschn. 16.3.3, Wandaufbau der Gebärmutter) erneut aufgebaut. Durch die Östrogenzunahme wachsen neue Gefäße ein, die Drüsen entstehen wieder und das Gewebe wird aufgelockert.

  • SekretionsphaseSekretionsphase beginnt nach dem Eisprung und dauert bis zur Regelblutung (15. bis 28. Tag). Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wird vervollständigt, indem sie sich optimal auf die Einnistung des befruchteten Eies vorbereitet. Die Schleimhaut ist nun stark durchblutet und erreicht eine Höhe von 6 bis 8 mm.

Unterbleibt eine Befruchtung, bildet sich der Gelbkörper zurück, der Progesteronspiegel des Blutes sinkt ab, weshalb die Gebärmutterschleimhaut nicht mehr aufrecht erhalten werden kann und abgestoßen wird. Es kommt zur Regelblutung.
Hormonelle Regelkreis, hormoneller:M∗enstruation∗Regelkreise (Abb. 16-9). Mit dem Zugrundegehen des Gelbkörpers am Zyklusende steigt FSH an, das für die Heranreifung von Follikeln sorgt. Diese bilden vermehrt Östrogen. Daraufhin wird – zunächst – die FSH-Produktion unterdrückt (negative Rückkopplung). Hat sich ein Graaf-Follikel gebildet, so setzt dieser große Mengen Östrogen frei. Durch diesen „überschwelligen“ Östrogenspiegel kommt es nun zu einem schnellen Anstieg von LH und FSH. Die LH-Spitze in der Zyklusmitte löst den Eisprung aus. Durch den Eisprung sinkt der Östrogenspiegel des Blutes ab. Der Gelbkörper produziert nun Progesteron und Östrogen, was ein Absinken von FSH und LH zur Folge hat. Der Abfall des Progesteronspiegels am Zyklusende führt zur Regelblutung. Kommt es zur Schwangerschaft, so produziert der Gelbkörper weiter Progesteron. Dies verhindert im HVL die Ausschüttung von FSH, weshalb während der Schwangerschaft kein Follikel heranreift und deshalb keine weitere Eizelle befruchtet werden kann.
Der Menstruationszyklus ist ein Beispiel für das komplizierte Zusammenspiel verschiedener Regelkreise und auch für die Nicht-Linearität der Prozesse im menschlichen Körper. Mitunter werden die Regelgrößen über einen längeren Zeitraum konstant gehalten (z. B. die Basaltemperatur aber auch der Progesteronspiegel), das entspricht dem Modell einer negativen Rückkopplung (Abweichungen werden auf einen Sollwert zurückgeführt). Häufig sind die Regelgrößen jedoch zeitlich veränderlich und wir sprechen von einer dynamischen Kopplung verschiedener Regelkreise.
Störungen im Menstruationszyklus.Der Monatsblutung:StörungMenstruationszyklus:StörungMenstruationszyklus kann in mehrfacher Hinsicht gestört sein. Man unterscheidet:
  • Eumenorrhoe (normale Menstruationsblutung)

  • Störungen der Blutungsdauer

    • MenorrhagieMenorrhagie (verlängerte Regelblutung). Die Blutungsdauer liegt über 6 Tage und die Blutungsstärke ist häufig erhöht.

    • BrachymenorrhoeBrachymenorrhoe (verkürzte Regelblutung). Die Blutungsdauer liegt zwischen Stunden und 3 Tagen. Die Blutungsstärke kann vermindert oder normal sein.

  • Störungen der Blutungsstärke

    • HypermenorrhoeHypermenorrhoe (zu starke Regelblutung). Die Blutungsmenge liegt über 150 ml. Als Faustregel zur groben Abschätzung dient, wenn eine Frau mehr als 5 Tampons oder Vorlagen pro Tag benötigt.

    • HypomenorrhoeHypomenorrhoe (zu schwache Regelblutung)

  • Störungen der Blutungshäufigkeit.

    • PolymenorrhoePolymenorrhoe (zu häufige Regelblutungen). Es kommt zu einer Verkürzung der Zyklusdauer auf unter 24 Tage. Menstruationsstärke und -dauer sind normal.

    • OligomenorrhoeOligomenorrhoe (zu seltene Regelblutungen). Das Zyklusintervall beträgt mehr als 35 Tage. Menstruationsstärke und -dauer sind normal.

Prämenstruelles Syndrom (PMS).Das prämenstruelle Syndrom, prämenstruellesSyndrom setzt 4 bis 14 Tage vor der Regelblutung ein und dauert bis zum Beginn der Blutung. 30 bis 70 % aller menstruierenden Frauen leiden v. a. an schmerzhaften Spannungen und Schwellungen der Brust. Zudem treten Kreuzschmerzen, Kopfschmerzen, Gereiztheit, depressive Verstimmung und Kreislaufbeschwerden auf. Mit Einsetzen der Regelblutung verschwinden diese Beschwerden. Vermutet werden hormonelle und neurovegetative Dysfunktionen.

Kontrazeption

Verhütung“\t“Siehe KontrazeptionKontrazeptionEmpfängnisverhütung“\t“Siehe KontrazeptionBei den Verhütungsmitteln (Kontrazeptiva) unterscheidet man hormonelle, natürliche, chemische Verhütungsmittel und die Sterilisation.
Hormonelle Ovulationshemmer (Pille)
Die heutigen OvulationshemmerOvulationshemmer enthalten, in der Regel Östrogen und Gestagene (synthetische und natürliche Hormone, die ähnlich wirken wie das körpereigene Progesteron).
Pille<2003>Pille.Sind Östrogen und Gestagene im Blut erhöht, erfolgt keine FSH- und LH-Ausschüttung (Abb. 16-9, hormoneller Regelkreis), sodass es zu keinem Eisprung kommt. Der hohe Gehalt an Gestagenen verhindert zusätzlich die Einnistung einer befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut. Außerdem sorgt es dafür, dass die Konsistenz des Schleimpfropfes vor dem Muttermund so beschaffen ist, dass es den Spermien kaum gelingt diesen zu durchdringen.
  • Nebenwirkungen. Vor allem bei Frauen über 35 Jahren und bei Raucherinnen erhöht sich das Thromboserisiko und damit die Gefahr einen Hirninfarkt, Herzinfarkt oder eine Lungenembolie zu erleiden.

  • Weitere östrogenbedingte Nebenwirkungen sind Hypermenorrhö, Ödemneigung (die Wassereinlagerung kann bis zu 3 kg betragen), Übelkeit, Krampfaderbildung, Ausfluss, gestagenbedingte Nebenwirkungen sind Hypermenorrhö, Depressionen, Libidoverlust, fettige Haut, Akne und Blutdrucksteigerung.

Manchmal tritt in der Phase der Abbruchblutung (s. u.) ein Migräneanfall auf, der seine Ursache vermutlich in der plötzlichen Östrogenabnahme hat. Eine weitere mögliche Nebenwirkung ist die Amenorrhö, die beim Absetzen der Pille einsetzen kann.
Mikropille.Mikropille<2003>Sie enthält ebenfalls Östrogen und Gestagen, nur liegt hier der Östrogenanteil bei weniger als 0,05 mg/Tablette.
Minipille.Minipille<2003>Sie besteht nur aus Gestagen. Bei einem Drittel der Frauen tritt weiter ein Eisprung auf. Eine Schwangerschaft wird aber dadurch verhütet, dass durch die Gestageneinnahme der Schleimpfropf vor dem Muttermund für die Spermien undurchdringbar bleibt.
Damit ist jedoch die Minipille nicht ganz so sicher wie die Pille. Die Notwendigkeit, dass sie täglich zur gleichen Zeit eingenommen werden muss und dass sie häufig den Zyklus verändert, hat dazu geführt, dass sie sich nur wenig durchsetzen konnte.
Interzeption („Pille danach“, postkoitale Kontrazeption).Pille danach<2003>Interzeption<2003>Sie zählt nicht im eigentlichen Sinn zu den Verhütungsmitteln, da sie nicht die Befruchtung verhütet, sondern die Einnistung des befruchteten Eies. Danach muss die Frau je nach Präparat 3 bis 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr ein Hormonpräparat einnehmen. Es kann zu erheblichen Nebenwirkungen kommen, z. B. Zyklusstörungen, Erbrechen und Übelkeit.
„Abtreibungspille“ (RU 486, Mifegyne).Mifegyne<2003>Abtreibungspille<2003>Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch ist bis zur 7. Schwangerschaftswoche (49. Tag der Schwangerschaft) erlaubt. Hierbei wird das befruchtete Ei auch noch nach der Einnistung abgestoßen. Dieses Mittel wird oft als Alternative zu den chirurgischen Eingriffen wie Absaugmethode und Kürretage angesehen.
Sterilisation
Die Sterilisation, EmpfängnisverhütungSterilisation als zuverlässigste Methode der Empfängnisverhütung sollte nur durchgeführt werden, wenn kein Kinderwunsch mehr besteht. Trotz gelegentlicher Erfolge der mikrochirurgischen Operation ist eine Sterilisation als irreversibel anzusehen.
Sterilisation beim Mann(VasorektionVasorektion). Beim Mann werden zur Sterilisation die Samenleiter unterbrochen, indem die Haut des Hodensackes unter örtlicher Betäubung, evtl. unter Narkose, eröffnet und die Samenleiter durchtrennt werden, meist wird dabei auch ein Teilstück von 2 bis 3 cm entfernt. Die Schnittenden werden vernäht. Der gesamte Eingriff dauert etwa eine halbe Stunde.
Sterilisation bei der Frau.Frauen wird grundsätzlich empfohlen, sich keinesfalls vor dem 35. Lebensjahr sterilisieren zu lassen, da die Erfahrung gezeigt hat, dass früh sterilisierte Frauen diesen Schritt häufig später bereuen. Die Sterilisation wird unter Vollnarkose durchgeführt, entweder stationär oder ambulant. Dabei wird eine Ligatur (Unterbindung mittels Naht oder Umschlingung) der Eileiter vorgenommen, ein Stück des Eileiters entfernt oder der Fransentrichter entfernt. Um eine Eileiterschwangerschaft zu verhindern, kann außerdem der Tubenansatz an der Gebärmutter elektrisch verödet werden. Nun können reife Eizellen nicht mehr in die Gebärmutter gelangen. Eine solche Sterilisation kann auch im Rahmen einer anderen Bauchoperation durchgeführt werden, z. B. bei einem Kaiserschnitt. Grundsätzlich ist zu bedenken, dass eine solche Sterilisation mit Bauchfelldurchtrennung die Gefahr von Verwachsungen in sich birgt. Außerdem können versehentlich die Bauchfellbänder beschädigt werden, die für die Versorgung von Eileiter und Eierstock zuständig sind. Kommt es zu einer Unterversorgung der Eierstöcke, so nimmt die Hormonproduktion ab und die Wechseljahre können vorzeitig eintreten.
Natürliche Verhütungsmethoden
Kontrazeption:natürlicheZu den natürlichen Verhütungsmethoden zählen die Kalendermethode nach Knaus-Ogino, die Temperaturmethode, Schleimuntersuchung und der Koitus interruptus.
Knaus-Ogino-Methode.Bei der Knaus-Ogino-Knaus-Ogino-MethodeMethode wird die Zykluslänge erfasst und daraus die voraussichtlichen befruchtungsfähigen Tage errechnet. Voraussetzung für die erfolgreiche Anwendung sind ein stabiler Zyklus und die Aufzeichnung von mindestens zwölf Menstruationszyklen. Diese Methode wird heute nur noch in Kombination mit anderen Verfahren empfohlen, v. a. mit der Temperatur- und Schleimstrukturuntersuchung.
Temperaturmethode.Temperaturmethode, Kontrazeption<2003>Dazu muss die Frau jeden Morgen vor dem ersten Aufstehen möglichst zur gleichen Uhrzeit ihre Körpertemperatur vaginal, rektal oder evtl. oral messen, und zwar immer an der gleichen Körperstelle. Nach dem Eisprung steigt die Temperatur um 0,3 bis 0,6 °C an. Ein signifikanter Temperaturanstieg liegt laut WHO vor, wenn an drei aufeinander folgenden Tagen die Temperatur um mindestens 0,2 °C höher lag als an den vorausgegangenen sechs Tagen. Mittlerweile gibt es Minicomputer, die die Körpertemperatur messen und aufgrund der eingegebenen Daten von früheren Zyklen die fruchtbaren Tage errechnen.
Fehlerquellen. Jede banale Entzündung und grippaler Infekt kann zu einem Anstieg der Körpertemperatur führen und damit einen Eisprung vortäuschen. Die Methode soll wegen größerer Unsicherheit nicht im Urlaub, bei späterem Aufstehen und bei Stress eingesetzt werden.
Schleimstrukturuntersuchung (Billings-Methode).Schleimstrukturuntersuchung<2003>Billings-Methode<2003>Zum Zeitpunkt des Eisprungs verändert der Schleimpfropf seine Zusammensetzung und nimmt mengenmäßig zu. Er wird klar und spinnbar. Um seine Spinnbarkeit zu prüfen, wird etwas Schleim zwischen zwei Finger genommen und zu einem Faden ausgezogen. Wird von der Frau ein vermehrter und flüssigerer Schleim mit Spinnbarkeit festgestellt, so soll zur Verhütung vier Tage lang sexuelle Enthaltsamkeit geübt werden. Diese Methode gilt als alleinige Verhütungsmaßnahme nicht als zuverlässig.
Symptothermale Methode.Methode, sympthothermale<2003>Hier werden zwei Methoden der natürlichen Verhütung angewendet, und zwar die Basaltemperaturmessung und die Zervixschleimbeobachtung.
Rötzer-Methode.Rötzer-Methode<2003>Werden zusätzlich zu der symptothermalen Methode noch der Muttermund und der Gebärmutterhals in die Untersuchung der fruchtbaren Tage nach Knaus-Ogino mit einbezogen, so wird dies nach ihrem Erfinder Josef Rötzer auch als Rötzer-Methode bezeichnet. Diese Methode gilt als verhältnismäßig sicher. Sie gilt unter den Methoden der natürlichen Familienplanung als die zuverlässigste. Sie setzt jedoch voraus, dass die Frauen ihren Körper konsequent beobachten, und dass während der fruchtbaren Tage entweder mit einer anderen Methode verhütet oder auf sexuelle Aktivität verzichtet wird.
Mechanische und chemische Verhütungsmethoden
Kontrazeption:mechanische und chemischeDiaphragmapessar.Das DiaphragmapessarDiaphragmapessar ist ein von einer Gummikappe überspannter Kunststoffring als Verschlusspessar zur Abdeckung der Portio. Es wird zwei Stunden bis zehn Minuten vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide eingeführt und vor der Portio angebracht. Sechs bis 24 Stunden danach wird es wieder entfernt. Die richtige Diaphragmagröße muss vom Arzt angepasst werden. Das Diaphragma soll das Eindringen der Spermien in die Gebärmutter verhindern. Es wird allerdings empfohlen es mit Spermiziden (spermienabtötenden Mitteln) zu bestreichen, um die Zuverlässigkeit der Methode zu erhöhen.
SpermizideSpermizid<2003>sind spermienabtötende Mittel. Es gibt sie als Vaginalzäpfchen oder -schwämmchen. Sie können bei der Frau und bei dem Mann zu einer Haut- bzw. Schleimhautreizung führen.
Spirale (Intrauterinspirale, Intrauterinpessar, IUP).Spirale<2003>IUP (Intrauterinspirale)<2003>Intrauterinspirale<2003>Spiralen werden vom Arzt unter sterilen Bedingungen in die Gebärmutter eingelegt und sie verhindern dort auf noch nicht völlig geklärte Weise die Einnistung eines befruchteten Eies.
Es gibt Spiralen aus Metall und Kunststoff. Sie können Gestagen (sog. Hormonspirale) enthalten oder mit Kupfer überzogen sein. Wegen des Kupferverbrauchs müssen diese Spiralen alle drei bis fünf Jahre gewechselt werden, die gestagenhaltigen nach fünf Jahren. Allerdings sollen die Frauen den korrekten Sitz der Spirale alle sechs Monate vom Gynäkologen überprüfen lassen.
Unerwünschte Nebenwirkungen sind ein vermehrtes Auftreten von Eileiter- und Eierstockentzündungen und Zyklusunregelmäßigkeiten.
Kondome (Präservativ).Präservativ<2003>Beim Einsatz eines KondomKondoms ist darauf zu achten, dass der noch erigierte Penis aus der Vagina gezogen werden muss, da sonst das Kondom auf dem erschlafften Glied nicht mehr richtig sitzt und so Spermien in die Scheide gelangen können.
Neben dem verhütenden Effekt liegt ein weiterer Vorteil des Kondoms in einem weitgehenden Schutz vor AIDS und Hepatitis B und C.

Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane

Eierstockentzündung

Geschlechtsorgan, weibliches:ErkrankungEierstockentzündungDie Eierstöcke entzünden sich fast nie allein (= Oophoritis), sondern meist sekundär infolge einer Eileiterentzündung (s. u.). Sind der Eierstock und der Eileiter entzündet, wird das als Adnexitis bezeichnet.

Ovarialtumoren

OvarialkarzinomKrebs:EierstockEierstockkrebsAn den Eierstöcken können sich grundsätzlich gut- und bösartige Tumoren entwickeln, allerdings ist zu beachten, dass jeder dritte Tumor bösartig ist oder entarten wird. Ein häufiger Tumor ist das KystadenomKystadenom (CystadenomCystadenom), ein vom Drüsenepithel ausgehender Tumor, der sich nicht nur an den Eierstöcken, sondern auch am Brustdrüsengewebe, den Lungen, Nieren, der Schilddrüse und am Hoden bilden kann. Er hat ein hohes Entartungsrisiko; z. B. zum KystadenokarzinomKystadenokarzinom. Weitere Gefahren sind Stieldrehung und das Platzen des Kystadenoms. Bei einer Stildrehung wird der Tumor von der Blutversorgung abgeschnitten und stirbt ab (Nekrose). Es kommt zum akuten Abdomen.
Sowohl bei den gut- als auch bei den bösartigen Tumoren gibt es keine Frühsymptome. In einem relativ fortgeschrittenen Krankheitsstadium kann es zu Zyklusstörungen, Dysmenorrhö, unklaren Unterleibsbeschwerden, Zunahme des Bauchumfangs, Verdrängungserscheinungen und bei hormonbildenden Tumoren auch zu Blutungen jenseits der Menopause kommen.

Eierstockzysten

Unter OvarialzysteOvarialzysten (EierstockzysteEierstockzystenZyste:Eierstock) fasst man Zysten (sackartige Geschwulst mit dünn- oder dickflüssigem Inhalt) unterschiedlichen Aufbaus und unterschiedlicher Ursache zusammen. Ovarialzysten treten auf als Follikelzyste, Schokoladenzyste oder als Dermoidzyste.
Follikelzyste.Bei einer FollikelzysteFollikelzyste, der häufigsten vorkommenden Eierstockzyste, handelt es sich meist um einen nicht gesprungenen Graaf-Follikel. Die Ursache liegt in einer Hormonschwäche. Deshalb findet man sie v. a. während der Pubertät und im Klimakterium. Der Durchmesser solcher Follikelzysten kann wenige Millimeter bis hin zu 15 cm betragen. Sie können als einzelne Zyste oder auch zu mehreren im Eierstock vorkommen.
Meist bestehen keine Beschwerden, sehr selten kann ein unangenehmes Druckgefühl auftreten. Eine Follikelzyste kann aufgrund der Verdrängungserscheinungen im Eierstock oder der Hormonschwäche mit Störungen des Menstruationszyklus einhergehen.
Die meisten Follikelzysten bilden sich innerhalb von 2 bis 3 Monatszyklen von alleine zurück oder perforieren bei gynäkologischen Untersuchungen. Ist dies nicht Fall, kann eine Hormontherapie eingeleitet werden. Bildet sich die Zyste auch hierbei nicht zurück, muss eine weitere Abklärung einen bösartigen Tumor ausschließen.
Schokoladenzyste(TeerzysteSchokoladenzysteTeerzyste). Hier ist es infolge einer Endometriose (Abschn. 16.4.7) zur Absiedelung von Gebärmutterschleimhaut im Eierstock gekommen. Diese Schleimhautzellen unterliegen ebenfalls dem hormongesteuerten zyklischen Auf- und Abbau. Dies führt zu Einblutungen in den Eierstock. Da das Menstruationsblut im Eierstock nicht resorbiert wird, dickt es ein und nimmt eine teerartige Konsistenz an. Diese Zysten enthalten Blutabbauprodukte und sind häufig mit ihrer Umgebung verwachsen.
Dermoidzysten(DermoidzysteDermoid). Sie weisen eine durchschnittliche Größe von 8 cm auf, haben eine teigige Konsistenz und eine glatte Oberfläche. Im Inneren der Zyste befinden sich häufig Haare, Knochen, Knorpel, Zähne, Schleim und/oder Nervengewebe. Bei Dermoidzysten handelt es sich um versprengtes embryonales Gewebe, das in 10 bis 20 % der Fälle beidseitig auftritt. Solche Zysten können sich auch in anderen Körperteilen wie im Gehirn und im Bereich der Haut bilden. Das Entartungsrisiko beträgt 1 bis 5 %. Deshalb wird die Zyste operativ entfernt.

Eileiterentzündung

Zur EileiterentzündungEileiterentzündung (SalpingitisSalpingitis) kommt es meist durch aufsteigende Infekte aus der Gebärmutter, nur gelegentlich erfolgt die Absiedelung der Erreger über den Blut- oder Lymphweg.
  • Bei einer akuten Eileiterentzündung treten Schmerzen im rechten bzw. linken Unterbauch auf, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung (nur selten Durchfälle), gelblich-grünlicher Ausfluss (Fluor) und Fieber. Mögliche Komplikationen sind Dickdarm- und Blasenentzündungen und Perforationen (akutes Abdomen).

  • Die chronische Eileiterentzündung verläuft mit Druck- und Schweregefühl im Unterleib. Es kann zu zeitweiligen Fieberschüben oder subfebrilen Temperaturen kommen.

Eine gefürchtete Folge der Eileiterentzündung ist eine dauernde Sterilität durch eine Verklebung der Eileiter. Außerdem ist die Gefahr einer Eileiter- bzw. Bauchhöhlenschwangerschaft erhöht.
Extrauteringravidität
Bei einer ExtrauteringraviditätExtrauteringravidität hat sich ein befruchtetes Ei außerhalb der Gebärmutter eingenistet. Häufigste Ursache ist die Eileiterentzündung. Je nach Lokalisation unterscheidet man die Eileiterschwangerschaft (ca. 98 % der Fälle) und die Bauchhöhlenschwangerschaft (ca. 2 % der Fälle).
Eileiterschwangerschaft<2003>Eileiterschwangerschaft(TubargraviditätTubargravidität). Ein befruchtetes Ei hat sich im Eileiter eingenistet, da der Eileiter nicht frei durchgängig ist und beginnt hier zu wachsen. Ungefähr 6 bis 7 Wochen später stirbt der Keim durch Mangelernährung ab. Es kommt zu einer Blutung und zur Ausstoßung der Frucht in die Bauchhöhle (Tubarabort, Abortus tubarius). Manchmal zerreißt auch der Eileiter (Tubarruptur) und es entwickeln sich starke, oft lebensbedrohliche Blutungen in die Bauchhöhle mit der Gefahr eines akuten Abdomens.
BauchhöhlenschwangerschaftBauchhöhlenschwangerschaft<2003>(Graviditas Graviditas abdominalisabdominalis). Da das befruchtete Ei nicht durch den verklebten Eileiter in die Gebärmutter transportiert werden kann, können die heftigen peristaltischen Bewegungen des Eileiters dazu führen, dass das Ei hinten aus dem offenen Anteil des Eileiters herausfällt. Dabei nistet sich das Ei oft an der Gebärmutterrückwand oder am Bauchfell ein und beginnt zu wachsen. Meist stirbt das Kind nach 4 bis 6 Wochen ab, da es nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden kann. Das Gewebe wird vom Körper resorbiert.

Gebärmuttersenkung

Bei einer GebärmuttersenkungGebärmuttersenkung (Descensus Descensus uteriuteri) kommt es zum Tiefertreten von Uterus und Scheide. Handelt es sich um eine stärkere Senkung, sodass ein Teil von Uterus und Scheide vor die Vulva (äußere Geschlechtsteile) fällt, spricht man vom Vorfall (Prolaps uteri et vaginae). Bei einem „Totalprolaps“ ist das ganze Scheidenrohr nach außen gestülpt und tritt vor die Vulva. In ihm liegt die Gebärmutter wie in einem Sack.
Ursachen.Ursachen für Gebärmuttersenkung sind eine Insuffizienz der Mutterbänder und des Beckenbodens. Außerdem führt Adipositas und schweres Heben zu einer erhöhten Belastung des Beckenbodens.
Symptome.Die auftretenden Beschwerden werden vom Ausmaß der Absenkung der Gebärmutter bestimmt. Zunächst klagen die betroffenen Frauen über ein Druckgefühl nach unten und ein Gefühl „als ob ihnen etwas aus der Scheide falle“. Als besonders unangenehm wird das Hinsetzen empfunden. Häufig treten Kreuzschmerzen hinzu, da die gesenkte Gebärmutter an den Mutterbändern zieht und damit v. a. an der Verbindung zum Kreuzbein. Beim Druck auf die Harnblase und/oder die Harnröhre, tritt eine Harninkontinenz, v. a. als Stress- und Urge-Inkontinenz (Abschn. 15.1.3) auf. Zudem kann es zur Restharnbildung und infolge davon zu immer wiederkehrenden Blasenentzündungen kommen. Wölbt sich die hintere Scheidenwand vor, entwickelt sich ein Druck auf das Rektum (Rektozele) und der Stuhl kann nur unter erheblichen Anstrengungen ausgepresst werden.
Beim Totalprolaps tritt nicht nur ein Druck- sondern noch ein Fremdkörpergefühl auf. Es können Ulzerationen und Infektionen auftreten, die nur schwer abheilen.
Therapie.Eine Beckenbodengymnastik ist unerlässlich, v. a. bei beginnender Gebärmuttersenkung, außerdem zur Prophylaxe nach Entbindungen oder nach einer Senkungsoperation. Schulmedizinisch wird v. a. mit Östrogen behandelt oder eine Pessartherapie durchgeführt. Dazu wird ein Pessar (= ein Ring oder eine Schale aus Hartgummi oder Kunststoff) in die Scheide eingeführt, um die Gebärmutter in ihrer Lage zu halten. Bei ausgeprägter Gebärmuttersenkung wird die Gebärmutter operativ entfernt.

Gebärmuttermyom

Beim UterusmyomGebärmuttermyomGebärmuttermyom (Myoma Myoma uteriuteri) handelt es sich um eine Muskelgeschwulst des Uterus; eine häufige, gutartige Neubildung. Man findet sie bei ca. 20 % der Frauen über 30 Jahren.
Meist besteht Beschwerdefreiheit. Manchmal tritt eine verlängerte und verstärkte Regelblutung auf, die zur Dauerblutung werden kann mit der Folge einer sekundären Anämie. Weitere Beschwerden können durch den Druck auf die Nachbarorgane verursacht werden: Blase (Inkontinenz), Darm (Obstipation), Kreuzbein (Kreuzbeinschmerzen).
Mit dem Nachlassen der Östrogenproduktion im Klimakterium hört das Wachstum der Myome auf. Sie bilden sich nach und nach zurück.

Endometriose

Bei einer EndometrioseEndometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb des Uterus, z. B. im Bereich der Eierstöcke, der Eileiter, der Gebärmuttermuskulatur, aber auch auf anderen Organen wie Harnblase, Darm oder Lunge. Diese versprengte Gebärmutterschleimhaut baut sich hormonbedingt im Verlauf des Zyklus genauso auf und ab wie die normale Gebärmutterschleimhaut.
Die Endometriose tritt nur in den Jahren auf, in denen es bei der Frau zur Monatsblutung kommt. Mit der letzten Blutung in den Wechseljahren verschwinden die Beschwerden. Auch während einer Schwangerschaft bleiben die Symptome aus, sie können allerdings mit der ersten Monatsblutung nach der Entbindung wieder zurückkehren.
Ursache.Die genaue Ursache ist noch nicht bekannt. Man vermutet, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen. Durch eine Hyperperistaltik der Gebärmutterwand während der Regelblutung fließt die abgestoßene Gebärmutterschleimhaut nicht nur in Richtung Scheide ab, sondern auch über die Eileiter in die Bauchhöhle. Dabei werden vermutlich nicht alle Zellen von den Phagozyten abgebaut, sondern einige nisten sich ein und bilden Endometrioseherde. Außerdem vermutet man, dass bei operativen Eingriffen, die mit der Öffnung der Gebärmutterhöhle verbunden sind (z. B. Kaiserschnitt), Schleimhautzellen in das Blutkreislaufsystem verschleppt werden und diese sich an beliebigen Stellen absiedeln können.
Symptome.Ein bis zwei Tage vor Beginn der Menstruation kommt es zu starken, krampfartigen Schmerzen, die meist entweder einige Stunden vor oder mit Eintritt der Monatsblutung nachlassen. Bei manchen Frauen treten allerdings auch noch während der Menstruation starke Schmerzen auf. Die Blutung kann verstärkt sein, manchmal ist sie auch verlängert. Gelegentlich bestehen aufgrund der Endometriose Schmerzen oder Blutungen beim Geschlechtsverkehr. Weitere Symptome stehen im Zusammenhang mit der Lokalisation der Endometrioseherde.
Diagnose.Die Diagnose wird ärztlicherseits meist durch Palpation und Ultraschall, manchmal auch durch eine Zysto- bzw. Rektoskopie gestellt.
Therapie.Schulmedizinisch wird eine Hormontherapie durchgeführt, evtl. erfolgt eine operative Entfernung der Endometrioseherde.

Gebärmutterkrebs

Beim Krebs:GebärmutterGebärmutterkrebsGebärmutterkrebs werden hinsichtlich der Tumorlokalisation folgende Karzinome unterschieden: Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom, Cervixcarcinom, KollumkrebsKollumkrebs, CollumkrebsCollumkrebs) und Gebärmutterkörperkrebs (Korpuskarzinom, Corpuskarzinom).
Zervixkarzinom
Jedem ZervixkarzinomCervixcarcinomZervixkarzinom geht ein asymptomatisches Stadium voraus, in dem es zu Dysplasien und einem Carcinoma in situ kommt (Atlas Abb. 22-2, Nr. A). Ein solches Carcinoma in situ kann (spontan) ausheilen oder weiter fortschreiten und zur Stromainvasion und damit zur Ausbildung eines Krebses führen.
Ursachen.Die Ursachen sind nicht eindeutig bekannt, aber man hat festgestellt, dass Frauen, die sexuell aktiv sind und häufig wechselnde Sexualpartner haben, ein erhöhtes Risiko tragen. Außerdem schreibt man dem Smegma, das sich bei mangelnder Hygiene am Penis des Mannes ansammeln kann, eine krebserzeugende Wirkung zu. Des Weiteren wirken Rauchen und Infektionen mit den Papillomaviren begünstigend. Gegen Papillomaviren wird heute eine Impfung angeboten.
Symptome.Im frühen Stadium treten keine Symptome auf. Kommt es in einem fortgeschrittenen Stadium zu Erstsymptomen, so stehen Blutungen im Vordergrund. Diese können sich zeigen als fleischwasserfarben-blutiger Ausfluss, Metrorrhagien, Schmierblutungen, Blutungen in der Postmenopause und als Blutung nach dem Geschlechtsverkehr. Schmerzen treten meist erst sehr spät auf. Das Zervixkarzinom kann in die Beckenlymphknoten einwachsen, wodurch es zum Lymphödem kommt. Außerdem kann es den Harnleiter verengen und somit zum Harnstau und zur Urämie führen, die die häufigste Todesursache bei Zervixkarzinom ist. Eine hämatogene Streuung erfolgt v. a. in die Leber, die Lunge, die Wirbelsäule und das Becken.
Korpuskarzinom
Das KorpuskarzinomCorpuskarzinomKorpuskarzinom nimmt von der Gebärmutterschleimhaut des Gebärmutterkörpers seinen Ausgang. Es kommt v. a. in der Postmenopause bei über 50-jährigen Frauen vor. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 65. und 70. Lebensjahr.
Ursache.Die eigentliche Ursache ist unbekannt, allerdings sollen Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes mellitus begünstigend wirken.
Symptome.Leitsymptome sind ein fleischwasserfarben-blutiger Ausfluss und Blutungen nach der Menopause in jeder Form und Ausprägung. Gelegentlich kommt es zu Schmerzen im Unterbauch. Der Krebs wird oft auch bei gynäkologischen Untersuchungen nicht entdeckt, sondern erst im Spätstadium, wenn es zu einer Vergrößerung der Gebärmutter gekommen ist oder wenn er in der Gebärmutteröffnung (Ostium uteri) sichtbar wird.

Blutungen, v. a. bei Frauen über 40 Jahren, die außerhalb der Regel auftreten, aber auch Blutungen nach dem Geschlechtsverkehr und Blutungen nach dem Klimakterium sind in jedem Fall als krebsverdächtig anzusehen, auch wenn es sich nur um Spuren oder Tropfen handelt!

Operationsmethoden an der Gebärmutter
  • GebärmutterausschabungAusschabungAusschabung (KürettageKürettage). Bei einer Ausschabung wird eine Kürette, ein löffelartiges Instrument, in die Gebärmutter eingeführt und die Gebärmutterschleimhaut herausgeschabt. Das entfernte Gewebe wird im Labor untersucht. Diese Methode wird bei verdächtigen oder zweifelhaften Abstrichen bei der Krebsfrüherkennung eingesetzt, aber auch bei Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut, nach Fehlgeburten oder nach Schwangerschaftsabbruch.

  • Konisation. Bei einer KonisationKonisation wird aus der Portio ein kegelförmiges Gewebestück (Konus) entfernt, um krebsverdächtige Befunde abzuklären. Es handelt sich somit sowohl um eine Diagnosemethode als auch um eine operative Therapie, da der krebsverdächtige Bereich gleich entfernt wird.

  • Gebärmutterentfernung (HysterektomieHysterektomie). Eine GebärmutterentfernungGebärmutterentfernung wird bei Gebärmutterkrebs, bei besonders großen Myomen, die Beschwerden verursachen, bei starker Gebärmuttersenkung und bei anders nicht stillbaren, schweren Blutungen durchgeführt. Die Gebärmutterentfernung wird entweder durch die Scheide (danach oft Beckenbodeninsuffizienz) oder mit Hilfe eines Bauchdeckenschnittes oder laparoskopisch (Bauchspiegelung) durchgeführt. Normalerweise werden die Eierstöcke nicht mit entfernt, da diese eine wichtige Aufgabe bei der Hormonproduktion haben.

Mastopathie

Unter dem Begriff MastopathieMastopathie fasst man alle nicht-tumorösen, hormonabhängigen Veränderungen des Brustdrüsenparenchyms zusammen. Betroffen ist jede 2. Frau zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr in unterschiedlich starker Ausprägung und Dauer.
Unterschieden werden drei Schweregrade nach Prechtel:
  • Grad 1: einfache Mastopathie ohne Epithelzellwucherungen und ohne atypische Zellen

  • Grad 2: Mastopathie mit Epithelzellwucherungen aber ohne atypische Zellen

  • Grad 3: Mastopathie mit atypischer Epithelzellvermehrung. Die Mastopathie Grad 3 kann in einen Krebs übergehen.

Pathogenese.Bei der Mastopathie liegt ein hormonelles Ungleichgewicht unbekannter Ursache vor. Es beginnt mit einer ödematösen Schwellung der Brüste, dann führt der erhöhte Östrogenspiegel zu einer Vermehrung des Brustdrüsengewebes und zu umschriebenen Veränderungen innerhalb der Drüsenausführungsgänge. Da die Drüsen vermehrt Sekrete abgeben, erweitern sich die Drüsenausführungsgänge und es bilden sich kleine oder große Zysten. Außerdem kann es zu einer Zunahme und Verhärtung des Bindegewebes und damit zu einer Fibrosklerose kommen.
Symptome.Es kommt zu einem schmerzhaften Spannungsgefühl bis hin zu Schmerzen in den Brüsten (Mastodynie). Bei der Palpation findet man zahlreiche Knoten und Zysten unterschiedlicher Größe. Selten tritt ein wässriges, evtl. auch milchiges Sekret aus der Brustwarze.
Typisch ist, dass die Beschwerden v. a. in der 2. Zyklushälfte auftreten und vor der Regelblutung an Intensität zunehmen. Mit Einsetzen der Regelblutung mindern sich die Symptome oder verschwinden ganz. Mit Einsetzen der Menopause bilden sich die Beschwerden zurück.
Diagnose.Bei der Palpation findet man v. a. im oberen äußeren Quadranten Verhärtungen unterschiedlicher Größe. Die Knoten sind gut verschieblich und oft druckschmerzhaft.
Diese Knoten müssen schulmedizinisch mittels Sono- und Mammografie (Atlas Abb. 16-38), evtl. auch durch Biopsie abgeklärt werden.
Krebsvorsorge bei Mastopathien.Bei Mastopathie ist die Palpation auf ein karzinogenes Geschehen durch die zahlreichen Knoten im Brustdrüsengewebe erschwert bzw. nur eingeschränkt aussagefähig. Ebenfalls ist die Aussagekraft der Mammografie herabgesetzt, da man hier häufig nicht zwischen gut- und bösartigen Veränderungen unterscheiden kann. Deshalb kommt der Ultraschalluntersuchung eine große Bedeutung zu. Die Patientinnen sollen angehalten werden ihre Brust regelmäßig selbst abzutasten und zusätzlich vom Gynäkologen untersuchen zu lassen. Dies bietet die höchste Gewähr Krebsknoten frühzeitig zu erkennen.
Therapie.Oft hilft schon der Patientin die Information, dass es sich im Stadium 1 und 2 um eine relativ harmlose Erkrankung handelt. Es soll ein gut sitzender Büstenhalter getragen werden. In ausgeprägteren Fällen wird in der Schulmedizin mit Hormonen behandelt. Operiert wird evtl. im Stadium 3.

Mammakarzinom

Das MammakarzinomMammakarzinom (Krebs:BrustBrustkrebsBrustkrebs) ist bei Frauen die häufigste bösartige Erkrankung. Heute erleidet ca. jede 8. Frau im Laufe ihres Lebens ein Mammakarzinom. Die Erkrankung tritt v. a. zwischen dem 45. und 70. Lebensjahr auf. Allerdings lässt sich in den letzten Jahren ein Anstieg der Erkrankungswahrscheinlichkeit zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr verzeichnen.
Lokalisation.Die häufigste Lokalisation ist mit ca. 50 % der obere, äußere Quadrant (Atlas Abb. 16-37). In 20 % der Fälle bildet sich der Krebs um das Gebiet der Brustwarze bzw. um dem Warzenhof aus.
Ursachen.Die eigentliche Ursache ist, wie auch bei anderen Krebserkrankungen, unbekannt. Bestimmte Risikofaktoren sollen das Auftreten eines Mammakarzinoms begünstigen: familiäre Belastung, keine Geburten, Mastopathie, Krebserkrankung der anderen Brust und vorausgegangenes Zervixkarzinom, langer Östrogenbestand im Blut, d. h. frühe Menarche und späte Menopause. Auch allgemeine Risikofaktoren wie Rauchen, Alkoholabusus (mehr als 20 g pro Tag), fleisch- und fettreiche Ernährung sollen das Risiko eines Mammakarzinoms begünstigen.
Symptome.Wichtigster Hinweis ist der Knoten in der Brust! Als Erstsymptome treten auf:
  • Knoten, v. a. derb, höckerig und schlecht verschieblich. Er ist meistens nicht druckschmerzhaft.

  • Größendifferenzen der Brust, die sich in neuerer Zeit eingestellt haben.

  • Orangenhautphänomen mit großporiger Haut

  • Plateauphänomen. Die Haut über dem Tumor ist so wenig verschieblich, dass sich beim Anspannen der Haut ein „Plateau“ bildet (sog. Jackson-Test).

  • Veränderungen der Brustwarze, z. B. ekzemartige Veränderungen der Brust, der Brustwarze oder des Warzenhofs (sog. Paget-Krankheit) oder aber Einziehungen der Brustwarze (erworbene Hohlwarze).

  • Absonderungen aus der Brustwarze, die klar, trüb, milchig oder blutig sein können.

  • Schmerzen können gelegentlich auftreten.

Beachten Sie, dass keines der aufgeführten Symptome ein Früh-, sondern ein Erstsymptom ist!
Metastasierung.Die Metastasierung erfolgt in der Regel zunächst in die Achsellymphknoten. Ist der sogenannte Wächterlymphknoten (Sentinel-Lymphknoten), der Lymphknoten, der von der abfließenden Lymphe des Brustdrüsengewebes als erster durchflossen wird, frei von Metastasen, so sind mit einer Wahrscheinlichkeit von 98 % auch die anderen Lymphknoten metastasenfrei. Aus diesem Grund wird heutzutage nur noch dieser Wächterlymphknoten entfernt und untersucht. Ist er frei von Krebszellen, belässt man die anderen Lymphknoten, damit sich kein Lymphödem am Arm ausbildet. Fernmetastasen setzen sich bevorzugt in der Wirbelsäule, dem Becken, der Leber, der Lunge, der Pleura und den Ovarien ab.
Therapie.Wie bei den anderen Krebserkrankungen auch erfolgt die Behandlung durch den Arzt mittels Operation, Bestrahlung und Chemotherapie. Der Heilpraktiker kann begleitend behandeln.

Jeder Knoten in der Brust muss klinisch sorgfältig abgeklärt werden, z. B. durch eine Mammografie, Ultraschall oder eine Biopsie.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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