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B978-3-437-55696-8.00020-8

10.1016/B978-3-437-55696-8.00020-8

978-3-437-55696-8

Ohrmuschel (Auricula). 1: Ohrleiste, der äußere Rand der Ohrmuschel (Helix), 2: Gegenleiste, die zur Helix der Ohrmuschel parallel verlaufende Windung (Antihelix), 3: Tragus, der Knorpelvorsprung vor dem äußeren Gehörgang, 4: Antitragus, ein kleiner Höcker, der dem Tragus gegenüberliegt, 5: Ohrläppchen (Lobulus), 6: Anthelixwurzel (Crura anthelicis), 7: Äußerer Gehörgang (Meatus acusticus externus).

[L190]

Schematische Darstellung von äußerem, mittlerem und innerem Ohr. 1: Ohrmuschel (Auricula), 2: Gehörgang (Meatus acusticus externus), 3: Trommelfell (Membrana tympani), 4: Ovales Fenster, 5: Rundes Fenster, 6: Hörorgan (Schnecke), 7: Bogengänge, 8: Hammer, 9: Amboß, 10: Steigbügel; 11: Paukenhöhle, 12: Vorhof, 13: Ohrtrompete (führt zum Rachen), 14: Achter Hirnnerv (N. vestibulocochlearis), 15: Ohrenschmalzdrüse. Der Pfeil am Trommelfell gibt die Schwingungsrichtung des Trommelfells bei Beschallung an.

[L190]

Knöchernes und häutiges Labyrinth des rechten Ohrs in der Ansicht von vorne und etwas seitlich. A: Knöchernes Labyrinth, B: Häutiges Labyrinth (liegt innerhalb des knöchernen Labyrinths), 1: Vorderer Bogengang (Canalis semicircularis anterior), 2: Seitlicher Bogengang (Canalis semicircularis lateralis), 3: Hinterer Bogengang (Canalis semicircularis posterior), 4: Vorhof (Vestibulum), 5: Rundes Fenster, 6: Ovales Fenster, 7: Schnecke (Cochlea), 8: Häutiger vorderer Bogengang, 9: Häutiger seitlicher Bogengang, 10: Häutiger hinterer Bogengang, 11: Großes Vorhofsäckchen (Utriculus), 12: Kleines Vorhofsäckchen (Sacculus), 13: Häutige Schnecke, 14: Endolymphsack (dient dem Druckausgleich).

[O606]

Corti-Organ. 1: Hörzelle mit Sinneshaaren (Cellula sensoria pilosa), 2: Deckplatte (Membrana tectoria), 3: Basilarmembran (Lamina basilaris), 4: Stützzelle (Cellula phalangea), 5: Nervenfasern des Hörnervs.

[E715]

Weber-Test. Beim Hörgesunden werden über Knochenleitung die Schwingungen der auf den Scheitel aufgesetzten Stimmgabel auf beiden Seiten gehört. Liegt eine einseitige Schallleitungsstörung vor, so wird der Ton zum geschädigten Ohr hin lateralisiert, das heißt, dass der Ton auf der geschädigten Seite stärker wahrgenommen wird als auf der gesunden. Ursache dafür ist, dass das kranke Ohr nicht durch Umweltgeräusche abgelenkt wird.

[E715]

Rinne-Test. Die auf den Warzenfortsatz (Processus mastoideus) aufgesetzte Stimmgabel wird über Knochenleitung gehört. Hört der Patient den Ton nicht mehr, wird die Stimmgabel schnell vor das Ohr gebracht. Vom Hörgesunden kann der Ton nun noch wahrgenommen werden, da ein Ton mittels Luftleitung länger gehört wird als über Knochenleitung. Liegt eine Leitungsstörung (Mittelohrschwerhörigkeit) vor, kann der Ton über Luftleitung nicht mehr gehört werden. A: Luftleitung, B: Knochenleitung.

[E715]

Ohr

  • 20.1

    Anatomie und Physiologie574

    • 20.1.1

      Äußeres Ohr574

    • 20.1.2

      Mittelohr575

    • 20.1.3

      Innenohr577

  • 20.2

    Untersuchungsmethoden581

  • 20.3

    Erkrankungen der Ohren582

    • 20.3.1

      Schwerhörigkeit und Taubheit582

    • 20.3.2

      Erkrankungen des äußeren Ohrs584

    • 20.3.3

      Erkrankungen des Mittelohrs585

    • 20.3.4

      Erkrankungen des Innenohrs586

    • 20.3.5

      Tinnitus586

    • 20.3.6

      Schwindel586

    • 20.3.7

      Morbus Menière587

    • 20.3.8

      Hörsturz587

    • 20.3.9

      Otosklerose588

Mit OhrOhr bezeichnet man den Raum, in dem sich außer dem Hörorgan noch die sensorischen Einrichtungen für Raumorientierung und Gleichgewicht befinden. Das Gehör ist für den Menschen ein außerordentlich wichtiger Sinn, denn er ist eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung der Sprache. Die Sprache aber ist das wichtigste zwischenmenschliche Kommunikationsmittel, das die Möglichkeit von sozialen Kontakten schafft. Ein Ausfall des Gehörs führt oft zu schweren Verhaltensstörungen.

Das gesunde und junge Ohr kann Schall der Frequenzen von ca. 16 bis 20.000 Hz hören. Das Gleichgewichtsorgan registriert die Lage und Bewegung des Kopfes im Raum.

Anatomie und Physiologie

Am Ohr unterscheidet man äußeres Ohr, Mittelohr und Innenohr.

Äußeres Ohr

Ohr:äußeresAußenohrZum äußeren Ohr (Auris Auris externaexterna) gehören Ohrmuschel und Gehörgang.
Ohrmuschel
OhrmuschelDie Ohrmuschel (AuriculaAuricula) besteht aus elastischem Knorpel, der mit Haut überzogen ist; lediglich das Ohrläppchen ist frei von Knorpel. Sie dient dem Auffangen der Schallwellen (Abb. 20-1 und Atlas Abb. 20-1).
Wichtige Anteile der Ohrmuschel sind die Ohrleiste (Helix), die Gegenleiste (Antihelix), das Ohrläppchen und der Knorpelvorsprung vor dem äußeren Gehörgang (Tragus). Im Bereich des Tragus findet man bei 0,2 bis 0,5 % aller Neugeborenen Fehlbildungen durch meist einseitige Hautduplikaturen (Hautfalten) z. T. mit Knorpeleinlagerungen. Solche Fehlbildungen der Ohrmuschel gehen oft mit Fehlbildungen der Nieren oder der ableitenden Harnwege (Atlas Abb. 15-16) einher.
Gehörgang
Der GehörgangGehörgang (Meatus acusticus Meatus acusticus externusexternus) besitzt einen äußeren knorpeligen und einen inneren knöchernen Anteil. Seine Aufgabe ist es, die Schallwellen zum Trommelfell weiterzuleiten. Er hat eine Länge von 2,5 bis 3,5 cm und einen Querschnitt von 0,5 bis 1,0 cm (Atlas Abb. 20-2). Außerdem werden im Gehörgang durch Resonanz (ähnlich wie im Innenraum einer Flöte) Schallwellen mit Frequenzen zwischen 2.000 und 4.000 Hz verstärkt.
Der elastische Knorpel der Ohrmuschel geht kontinuierlich in den Gehörgang über. Am Übergang des knorpeligen in den knöchernen Anteil befinden sich die engste Stelle des Ganges und ein Knick. Möchte man das Trommelfell mit einem Ohrenspiegel (Abschn. 20.2) betrachten, so muss die Ohrmuschel kräftig nach oben und hinten gezogen werden, um diesen Knick zu überwinden.
Der Gehörgang ist in seinem ersten Teil mit staubfangenden Härchen ausgestattet, die auch das Eindringen von Insekten verhindern sollen. Weiterhin befinden sich im Gehörgang Drüsen, die das Ohrenschmalz (Cerumen, Zerumen) absondern. Es handelt sich dabei um ein hellgelb bis bräunliches Sekret, das die Aufgabe hat, abgeschilferte Epithelzellen, Staub- und Schmutzteilchen zu binden und nach außen zu transportieren (Atlas Abb. 20-3).
Trommelfell: Grenze zwischen äußerem Ohr und Mittelohr
Das TrommelfellTrommelfell (Membrana Membrana tympanitympani) bildet die Grenze zwischen äußerem Ohr und Mittelohr. Es handelt sich um eine nur 0,1 mm dünne Membran, die perlmuttfarben glänzt und einen Durchmesser von ca. 1 cm hat. Die Membranseite, die dem äußeren Gehörgang zugewendet ist, ist mit Haut überzogen; die dem Mittelohr zugekehrte Seite besteht aus Schleimhaut. Diese Schleimhaut kann sich entzünden (Abschn. 20.3.3, Mittelohrentzündung). Bei der Betrachtung mittels eines Ohrenspiegels sieht man, dass das Trommelfell durch den angewachsenen Griff des Hammers leicht trichterförmig nach innen gezogen wird. Die Mitte dieser Einziehung wird „Trommelfellnabel“ genannt (Atlas Abb. 20-4).
Das Trommelfell reagiert auf Schall mit Schwingungen (entsprechend Tonhöhe und Lautstärke). Da der Hammer (Gehörknöchelchen) am Trommelfell festgewachsen ist, überträgt er die Schallwellen über die restlichen Gehörknöchelchen (Amboss und Steigbügel) auf das Innenohr. Somit ist es eine wichtige Aufgabe des Trommelfells die über die Luft eintreffenden Geräusche mit Hilfe der Gehörknöchelchen auf das Innenohr zu übertragen.

Äußeres Ohr

  • Ohrmuschel

  • Gehörgang

Mittelohr

  • Paukenhöhle (mit Gehörknöchelchen)

  • Hohlräume des Warzenfortsatzes (Mastoid)

Innenohr (Labyrinth)

  • Schnecke (Hörorgan)

  • Vorhof und Bogengänge (Gleichgewichtsorgan)

Mittelohr

Ohr:mittleresDas MittelohrMittelohr (Auris Auris mediamedia) ist 25 mm breit und 715 mm hoch und liegt im Felsenbein des Schläfenbeins. Es handelt sich dabei um eine kleine, luftgefüllte Knochenhöhle, die als Paukenhöhle (Cavum tympani) bezeichnet wird. Hier befinden sich die drei Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel. (Abb. 20-2 und Atlas Abb. 20-5). Außerdem werden zum Mittelohr die ebenfalls mit Schleimhaut überzogenen luftgefüllten Hohlräume des Warzenfortsatzes (Processus mastoideus) gerechnet. Es handelt sich dabei um sogenannte Nebenhöhlen des Mittelohrs.

Im Mittelohr liegen die drei Gehörknöchelchen:

  • Hammer (Malleus)

  • Amboss (Incus)

  • Steigbügel (Stapes)

Ohrtrompete
Die OhrtrompeteOhrtrompete (Tuba Tuba auditivaauditiva, Eustachi-Eustachi-RöhreRöhre) schafft eine Verbindung zwischen Mittelohr und oberem Rachenraum (Epipharynx) und ermöglicht so einen Druckausgleich beidseits des Trommelfells. Die Mündungsstelle der Ohrtrompete im Rachen ist eine Schleimhautfalte, die sich beim Schlucken und Gähnen öffnet, sodass dabei Luft in das Mittelohr je nach Druckverhältnis ein- bzw. ausströmen kann (Atlas Abb. 20-6). Schwillt die Schleimhaut im Rachen an und kann sich diese Mündungsstelle deshalb nicht mehr öffnen, wird im Laufe der Zeit die im Mittelohr vorhandene Luft absorbiert. Durch den dadurch entstehenden Unterdruck wird das Trommelfell schmerzhaft nach innen gedrückt, sodass es zu Ohrenschmerzen und Hörstörungen kommt (Abschn. 20.3.3, Mittelohrentzündung). Auch Luftdruckschwankungen, aufgrund von Höhenunterschieden, können zu einem unangenehmen „Druck auf den Ohren“ führen, wenn sich die Ohrtrompete nicht rechtzeitig öffnet. Je nach Druckverhältnis wird das Trommelfell unangenehm nach außen oder innen gewölbt.
Gehörknöchelchen
Die GehörknöchelchenGehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel sind gelenkig miteinander verbunden und bilden so eine „Kette“. Treffen die Schallwellen auf das Trommelfell, so schwingt der hieran festgewachsene Hammer mit, der die Schwingungen über den Amboss auf den Steigbügel überträgt. Letzterer ist mit seiner Steigbügelplatte mit dem ovalen Fenster verwachsen, sodass nun die Schallwellen auf das Innenohr übertragen werden (Atlas Abb. 20-5).
Aufgaben des Mittelohrs
  • Schallleitung. Die Gehörknöchelchen übertragen den Schall vom Trommelfell auf das ovale Fenster des Innenohrs.

  • Schallverstärkung. Durch das Verhältnis der Flächen von Trommelfell und ovalem Fenster sowie die Hebelwirkung der Gehörknöchelchen wird die Schallamplitude bei der Übertragung vom Trommelfell zum Innenohr auf das 27-fache verstärkt.

  • Verstärkung bestimmter Frequenzbereiche. Das System Trommelfell – Gehörknöchelchen stellt ein Schwingungssystem dar, welches die Frequenz von ca. 800 Hz bis 1.500 Hz bevorzugt weiterleitet.

  • Druckausgleich. Über die Ohrtrompete sorgt das Mittelohr für einen Druckausgleich beidseits des Trommelfells damit es ungehindert schwingen kann.

  • Schutz des Innenohrs. Durch die Eigenschaften des Schwingungssystems Trommelfell – Gehörknöchelchen werden niedrige und hohe Frequenzen gedämpft und schützen so teilweise die Membranen vor zu großen Auslenkungen. Außerdem werden bei großen Lautstärken Muskeln aktiviert, die eine Reduzierung der Schallübertragung bewirken. Gegen plötzlichen Knall, z. B. bei einer Explosion und bei lang andauerndem Lärm gibt es jedoch keinen Schutz.Mittelohr und äußeres Ohr werden auch als „schallleitender Apparat“ bezeichnet und so dem Innenohr als dem eigentlichen Hörorgan gegenübergestellt.

Verbindungen

  • Trommelfell, Übergang vom äußeren Ohr zum Mittelohr.

  • ovales Fenster, an dem der Steigbügel festgewachsen ist. Dient der Schallübertragung vom Mittelohr auf das Innenohr.

  • rundes Fenster, dient dem Druckausgleich im Innenohr. Ohne rundes Fenster könnte das ovale Fenster nicht schwingen.

  • Ohrtrompete, Verbindung des Mittelohrs zum Rachen.

Innenohr

Das InnenohrInnenohr (LabyrinthLabyrinth, Auris Ohr:inneresAuris internainterna) liegt im Felsenbein, einem Teil des Schläfenbeins (Atlas Abb. 20-7). Wegen seiner komplizierten Struktur wird es auch als Labyrinth bezeichnet. Es wird nach verschiedenen Aspekten unterteilt:
  • anatomische Unterteilung:

    • knöchernes Labyrinth

    • häutiges Labyrinth

  • funktionelle Unterteilung:

    • Hörorgan mit Schnecke

    • Gleichgewichtsorgan mit Vorhof und drei Bogengängen

Innenohr (Labyrinth)

  • Hörorgan (Schnecke mit Corti-Organ)

  • Gleichgewichtsorgan (Vorhof mit großen und kleinen Vorhofsäckchen, drei Bogengänge)

Das knöcherne Labyrinth (Abb. 20-3 und Atlas Abb. 20-8, 20-9) ist ein kompliziert gebautes Hohlraumsystem, an dem man Schnecke, Vorhof und Bogengänge unterscheiden kann. Das häutige Labyrinth liegt wie ein Ausguss innerhalb des knöchernen. Es ist mit Endolymphe gefüllt (Atlas Abb. 20-10), einer kaliumreichen Flüssigkeit, die in ihrer Zusammensetzung weitgehend der Intrazellularflüssigkeit entspricht. Nach oben hin wird das häutige Labyrinth von der Reissner-Membran begrenzt, nach unten von der Basilarmembran. Dadurch entstehen zwei Spalträume (s. u.), die Vorhof- und die Paukentreppe, die die natriumreiche, liquorähnliche Perilymphe enthalten. Die Perilymphe nimmt ein wesentlich größeres Volumen ein als die Endolymphe. In der Schneckenspitze stehen die beiden Spalträume miteinander in Verbindung.
Innerhalb des häutigen Labyrinths befindet sich das Hör- und Gleichgewichtsorgan. Damit schwimmt es gut geschützt in der Endolymphe. Da sich zwischen dem häutigen und dem knöchernen Labyrinth noch die Perilymphe befindet, bildet diese gewissermaßen nochmals ein Wasserbett und schützt so das Hör- und Gleichgewichtsorgan noch zusätzlich. Damit bildet die Perilymphe für das Innenohr einen ähnlichen Schutz wie die Hirnrückenmarkflüssigkeit (Liquor) das Gehirn schützt.
Hörorgan und Hörvorgang
HörvorgangHörorganCorti-Organ.Das eigentliche Hörorgan ist das Corti-Corti-OrganOrgan, das auf der Basilarmembran – innerhalb der häutigen Schnecke – sitzt. Die Schnecke hat ihren Namen von ihrer schneckenförmigen Gestalt mit ihren 2½ Windungen. Die eigentlichen Hörzellen des Corti-Organs sind Sinneshaarzellen, die mit feinen Härchen (Zilien) ausgestattet sind, die in eine darüberliegende Deckplatte (Membrana tectoria) reichen. Zwischen diesen Sinneshaarzellen befinden sich noch Stützzellen (Abb. 20-4 und Atlas Abb. 20-18, 20-20). Für die Sinneshaarzellen ist die Abscherung (s. u.) der adäquate (angemessene) Reiz.
Akute und chronische Lärmschäden (z. B. Knalltrauma) können zu einer Schädigung der Sinnenhaarzellen, v. a. ihrer Zilien, führen.
Hörvorgang.Hörvorgang<2003>Wie wir gesehen haben, werden die Schallwellen von der Ohrmuschel aufgefangen und vom äußeren Gehörgang zum Trommelfell weitergeleitet. Dieses wird in Schwingungen versetzt, die von den Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel weiter zum ovalen Fenster gegeben werden. Von hier aus werden sie auf die Perilymphe der Vorhof- und Paukentreppe übertragen. In den Perilymphräumen findet eine frequenzabhängige Reizverteilung statt, das heißt, der Schallimpuls läuft durch die Perilymphräume ähnlich den Pulswellen durch die Adern. Diese Wanderwelle setzt auch die häutige Schnecke mit ihrer Endolymphe in Schwingung, was zur Abscherung (Verbiegung der Härchen) der feinen Sinneshaarzellen des Corti-Organs führt. Dieser mechanische Biegungsreiz verursacht die Aussendung eines Nervenimpulses, der an die Nervenfaser abgegeben wird, die die Haarzelle an der Basis umgreift. Diese Nervenfasern sind Anteile des Hörnervs (Teil des VIII. Hirnnervs), der zu Kernen in der Medulla oblongata verläuft, wo die Fasern größtenteils gekreuzt werden. Sie ziehen dann weiter zu Mittelhirn und Thalamus und teilweise noch weiter zum Hörzentrum des Großhirns im Schläfenlappen.
Das Gehör kann hinsichtlich Tonhöhe und Lautstärke einen großen Bereich abdecken. Bei der Tonhöhe reicht er von 16 Hz bis 20 kHz, bei der Lautstärke von ca. 1 dB höchste Empfindlichkeit bis zu 130 dB (Schmerzgrenze). Das Hauptsprachgebiet befindet sich im Bereich von etwa 300 bis 3.000 Hz. Der Bereich des besten Hörens (subjektives Hörvermögen) fällt in den Frequenzbereich 1.000 bis 4.000 Hz. Das Ohr ist in Kooperation mit dem ZNS in der Lage, Schallmuster auch unterhalb der Rauschgrenze zu erkennen, das heißt, selbst bei starkem Lärm können leisere Gespräche und Gesänge aus dem Schallangebot herausgefiltert (selektiert) werden (sog. Partyeffekt).
TonhöheTonhöhe. Die Hörzellen haben jeweils eine spezifische Empfindlichkeit für bestimmte Tonhöhen, sodass bei jeder Tonhöhe ein ganz bestimmter Ort auf der Basilarmembran maximal schwingt (Atlas Abb. 20-13). Damit wird das gute Unterscheidungsvermögen des Hörvorganges auch für nur geringfügig verschiedene Töne erklärt. Hohe Töne werden an der Schneckenbasis wahrgenommen, tiefe an der Schneckenspitze.
Lautstärke. Die Folge der gesendeten Aktionspotenziale ist umso schneller, je lauter ein Ton ist.
Richtungswahrnehmung. Um eine akustische RichtungswahrnehmungRichtungswahrnehmung zu erzielen, müssen beide Ohren intakt sein. Ein Ohr befindet sich etwas näher an der Schallquelle als das andere. Dadurch erreicht der Schall die beiden Ohren nicht gleichzeitig und auch nicht in der gleichen Lautstärke. Die Laufzeit- und Lautstärkenunterschiede werden vom ZNS im Hinblick auf die Richtung der Schallquelle ausgewertet. Die Richtungswahrnehmung trägt auch zur Raumorientierung bei.
Gleichgewichtsorgan
Außer dem Hörorgan finden wir im Innenohr noch das GleichgewichtsorganGleichgewichtsorgan (VestibularapparatVestibularapparat). Unter dem Einfluss der Schwerkraft findet eine ständige Kontrolle des menschlichen Gleichgewichtszustandes statt und sie stellt eine wesentliche Voraussetzung zur Raumorientierung dar. Zwischen Hör- und Gleichgewichtsorgan besteht eine entwicklungsgeschichtliche Verwandtschaft, weshalb auch das Gleichgewichtsorgan als Rezeptoren Sinneshaarzellen hat, für die die Abscherung der adäquate Reiz ist.
Lage und Aufbau.Zum Gleichgewichtsorgan gehören (Abb. 20-3)
  • drei Bogengänge

  • ein Vorhof mit zwei Vorhofsäckchen:

    • großes Vorhofsäckchen (Utriculus)

    • kleines Vorhofsäckchen (Sacculus)

  • ein Druckausgleichsorgan, der Endolymphgang

Die drei Bogengänge (Canales semicirculares).Canales semicirculares<2003>Bogengang<2003>Im rechten und im linken Ohr finden wir jeweils drei knöcherne Bogengänge, die rechtwinkelig zueinander stehen und die die mit Endolymphe gefüllten, häutigen Bogengänge enthalten. An ihrem unteren Ende sind die Bogengänge zu Ampullen erweitert (Atlas Abb. 20-10), in denen die eigentlichen Sinneszellen sitzen, die hier wegen ihrer auffallend langen Fortsätze (Zilien) als „Sinneskämmchen“ bezeichnet werden. Diese Fortsätze sind in eine hutförmige, gallerthaltige Deckmembran (Cupula ampullaris) eingelassen. Je nach durchgeführter Drehbewegung kommt es zu einer Verschiebung der Endolymphe in Richtung auf die Ampulle hin oder weg, was zur Absicherung der Sinneskämmchen führt. Durch diese Abscherung werden nervale Impulse ausgelöst, die den Gleichgewichtsnerv entlang laufen. Die Richtung der Bewegung wird aus der Kombination der erregten Sinneskämmchen in den insgesamt sechs Bogengängen (jeweils 3 von jedem Ohr) vom Gehirn ermittelt. Da sich die Endolymphe und die Deckmembran aber nach einiger Zeit der Bewegung anpassen und sich selbst mitdrehen, führt nur eine Änderung der Drehbewegung, also eine Drehbeschleunigung bzw. -abbremsung, zur Auslösung eines Nervenimpulses.
Vorhof (Vestibulum labyrinthi).Vestibulum labyrinthi<2003>Der knöcherne Vorhof, OhrVorhof enthält das häutige große und kleine Vorhofsäckchen (Utriculus und Sacculus) mit ihren Sinnesfeldern (Maculae), die horizontal und vertikal orientiert sind. Er liegt zwischen Schnecke und Bogengängen. Wie das restliche Labyrinth ist auch er mit Perilymphe gefüllt, die die häutigen Strukturen umgibt, die ihrerseits mit Endolymphe gefüllt sind. Der Vorhof registriert Änderungen der geradlinigen Geschwindigkeit, und zwar misst das große Vorhofsäckchen (Utriculus) eine horizontale Beschleunigung und das kleine Vorhofsäckchen (Sacculus) eine vertikale Bewegung. Im Vorhof finden wir, ähnlich wie im Corti-Organ, Sinneshaarzellen und Stützzellen. Allerdings sind hier in die Deckmembran kleine, steinförmige Gebilde, die Statolithen eingelagert (Atlas Abb. 20-15), weshalb sie Statolithenmembran genannt wird. Bei Beschleunigung des gesamten Körpers oder der Kopfes entsteht in der Perilymphe eine Strömung, die die Härchen bewegt (Abscherung) und den Nervenimpuls auslöst.
Beispiel. Der Vorgang kann an einem gefüllten Wasserglas verdeutlicht werden: Beschleunigt man das Glas in eine beliebige Richtung, so will das Wasser aufgrund der Trägheit zurückbleiben. Es entsteht im Glas eine Strömung, die zu einem Anstieg des Wasserpegels an der der Bewegungsrichtung abgewandten Seite führt (und evtl. zum Überschwappen). Der gleiche Effekt entsteht auf der entgegengesetzten Seite beim Abbremsen der Bewegung (negative Beschleunigung).
Die Sinneszellen sprechen nur auf eine Änderung der Bewegung an. Fährt z. B. ein Zug, in dem wir sitzen, sehr langsam an, so kann es sein, dass die Reizschwelle nicht erreicht wird. In diesem Fall denken wir, der Zug auf dem Nachbargleis fahre, da unsere Rezeptoren für Bewegungsänderungen aufgrund des geringen Reizes nicht den Schwellenwert überschritten haben und infolgedessen auch keinen Nervenimpuls senden.

Gleichgewichtsorgan

  • drei Bogengänge (Änderung der Drehgeschwindigkeit)

  • Vorhof (Änderung der geradlinigen Geschwindigkeit)

    • großes Vorhofsäckchen (Utriculus), zuständig für Änderung der geradlinigen horizontalen Geschwindigkeit

    • kleines Vorhofsäckchen (Sacculus), zuständig für Änderung der geradlinigen vertikalen Geschwindigkeit

Gleichgewichtsnerv.Der VIII. Hirnnerv, der Hör- und GleichgewichtsnervGleichgewichtsnerv (N. vestibulocochlearis), leitet die Nervenimpulse im Wesentlichen zu Kernen in der Medulla oblongata, einen kleineren Teil aber direkt zu Kernen im Kleinhirn. Über sekundäre Gleichgewichtsbahnen erfolgt von der Medulla oblongata eine Weiterleitung an Rückenmark, Kleinhirn, Formatio reticularis, Thalamus und bestimmte Hirnnervenkerne (v. a. III., IV., VI., XI.). Über diese Bahnen findet eine Verknüpfung des Gleichgewichtsapparates mit dem motorischen System statt. So können also, ausgehend von den Gleichgewichtsempfindungen, bestimmte Stellreflexe der Muskeln (v. a. der tiefliegenden Halsmuskeln) und der Augenbewegungen ausgelöst werden. Die Bahnen, die direkt zum Kleinhirn laufen, können in diese Bewegungsabläufe modulierend einwirken. Vom Thalamus aus können Informationen an das Großhirn weitergegeben werden, sodass die Stellung des Körpers im Raum bewusst werden kann.
ReisekrankheitReisekrankheit (KinetoseKinetose). Einige Fasern, die zum Hypothalamus ziehen, sind für das Auftreten von Reisekrankheiten von Bedeutung. So kann es, z. B. auf dem Schiff, im Flugzeug oder im Auto, zu vegetativen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbruch kommen. Hauptursache für das Auftreten dieser Bewegungskrankheiten (Kinetosen) sind sich widersprechende Informationen, die von verschiedenen Sensoren, v. a. aber von Augen, Gleichgewichtsorganen und den Propriorezeptoren aus Muskeln und Sehnen stammen. Wenn im Auto gelesen wird, kommt von den Augen die Information, dass der Körper in Ruhe ist, da sich der Abstand Auge – Buch nicht verändert, das Körpergefühl vermittelt aber eine Bewegung. Das kann zur Übelkeit führen, wenn das ZNS die unterschiedlichen Informationen nicht einordnen kann. Wird nun aus dem Auto heraus eine Kirchturmspitze fixiert, stimmen die Informationen wieder überein und das ZNS kann die Informationen problemlos einordnen.

Untersuchungsmethoden

Ohr:UntersuchungsmethodeOtoskopie.Bei der OtoskopieOtoskopie untersucht man den äußeren Gehörgang und das Trommelfell mittels eines Ohrtrichters bzw. eines Otoskops. Ein Otoskop ist ein Ohrtrichter, der eine Beleuchtungsquelle, eine Lupe und einen Griff zum Einführen des Trichters hat (Atlas Abb. 20-16). Möchte man das Trommelfell betrachten, so muss man zum Einführen des Ohrtrichters die Ohrmuschel kräftig nach hinten oben ziehen, um so den Knick auszugleichen, der sich im äußeren Gehörgang befindet (Abschn. 20.1.1). Untersucht werden Gehörgang und Trommelfell auf Ohrenschmalz, Sekretabsonderungen, Fremdkörper, Rötung, Schwellung. Außerdem können Trommelfellperforationen und Mittelohrentzündungen festgestellt werden.
Weber-Test.Zur Durchführung des Weber-TestsWeber-Test benötigt man eine Stimmgabel (z. B. mit einer Frequenz von 440 Hz, entspricht dem Kammerton a). Diese Stimmgabel wird durch Anschlagen an den Handrücken oder Tisch in Schwingungen versetzt. Dann wird sie mit ihrer Basis auf die Schädelmitte oder die Stirn des Patienten aufgesetzt. Der Patient muss nun angeben, wo er den Ton hört, ob nur auf einer Kopfseite oder auf beiden. Beim Gesunden wird der Ton gleichermaßen mit beiden Ohren oder in der Kopfmitte wahrgenommen (Abb. 20-5).
Liegt eine einseitige Schallleitungsschwerhörigkeit vor (Abschn. 20.3.1, Schwerhörigkeit), so wird der Ton zum geschädigten Ohr hin lateralisiert, das heißt, der Ton wird auf der geschädigten Seite lauter gehört. Grund ist, dass das geschädigte Ohr nicht durch Umweltgeräusche abgelenkt wird, sodass es die Knochenvibrationen besser erfassen kann als das gesunde Ohr. Liegt dagegen eine Schallempfindungsschwerhörigkeit vor, so hört der Patient den Ton nur im gesunden Ohr.
Beispiel. Sie können diesen Versuch leicht an sich selbst nachvollziehen, indem Sie ein Ohr mit dem Finger verschließen und somit eine Schallleitungsstörung erzeugen. Sie hören nun den Ton der aufgesetzten Stimmgabel stärker in dem verschlossenen Ohr.
Rinne-Test.Um den Rinne-Rinne-TestTest (Abb. 20-6) durchzuführen, setzt man die leicht vibrierende Stimmgabel mit ihrer Basis so lange auf den Processus mastoideus (Warzenfortsatz des Schläfenbeins) auf, bis die Schwingungen so weit abgeklungen sind, dass der Patient nichts mehr hört. Danach wird die Stimmgabel schnell vor den Gehörgang gehalten. Ein Hörgesunder kann grundsätzlich über Luftleitung besser hören als über Knochenleitung, sodass er den Ton jetzt noch hören kann. Liegt eine Schallleitungsschwerhörigkeit vor, so kann der Patient die auf dem Processus mastoideus vibrierende Stimmgabel hören (da die Knochenleitung den Schall direkt auf das Innenohr leitet), nimmt aber den Ton der Patient vors Ohr gehaltenen Stimmgabel nicht mehr wahr (Schallleitungsstörung, „Rinne negativ“). Bei Innenohrschwerhörigkeit kann der Ton sowohl über Knochen- als auch über Luftleitung gehört werden, aber beide Leitungsarten sind verkürzt („Rinne positiv“), das heißt, der Ton kann nicht mehr so lange gehört werden, wie von Hörgesunden.

Erkrankungen der Ohren

Ohr:ErkrankungEs kommen Erkrankungen des äußeren Ohrs, des Mittelohrs und des inneren Ohrs vor. Erkrankungen des Ohrs sind grundsätzlich von einem Facharzt abzuklären.

Schwerhörigkeit und Taubheit

TaubheitSchwerhörigkeitStellt man beim Patienten eine Schwerhörigkeit fest (Abschn. 20.2, Untersuchungsmethoden), so gilt es herauszufinden, ob es sich um eine Mittelohr- oder um eine Innenohrschwerhörigkeit handelt, genauer: um eine Schallleitungsstörung oder um eine Schallempfindungsstörung.
  • SchallleitungsstörungSchallleitungsstörung. Hier befindet sich der Defekt im äußeren Ohr, am Trommelfell, im Mittelohr oder am ovalen Fenster. Dagegen bleibt die Knochenleitung, d. h. die über die Schädelknochen erfolgende Schallleitung an das Corti-Organ, intakt. Das ist auch der Grund, warum Schäden am schallleitenden Apparat nicht zur Taubheit, sondern nur zur Schwerhörigkeit führen. Häufigste Ursachen einer Schallleitungsstörung sind Ohrschmalzpfröpfe, Mittelohrentzündungen, Trommelfellperforationen und Otosklerose (s. u.).

  • SchallempfindungsstörungSchallempfindungsstörung. Bei der Schallempfindungsstörung liegt der Defekt im Innenohr, am VIII. Hirnnerv (N. acusticus) oder in der Hörrinde im Gehirn. Häufige Ursachen sind Hörsturz, Morbus Menière, akute Lärmschädigung (z. B. lauter Knall), chronische Lärmschädigung (z. B. Diskotheken), Ototoxikose z. B. durch Medikamente wie Aminoglykosid-Antibiotika (z. B. Streptomycin), Zytostatika (Cisplatin), Schleifendiuretika (z. B. Furosemid) oder Tumoren (Akustikusneurinom, Abschn. 18.4, 18.9.10).

Gelegentlich werden Störungen am Hirnnerv und in der Hörrinde des ZNS auch als Erkrankungen des „schallverarbeitenden Apparates“ zusammengefasst.

  • Schallleitungsstörung: Defekt im Gehörgang, am Trommelfell, im Mittelohr oder am ovalen Fenster

  • Schallempfindungsstörung: Defekt im Innenohr, am Hörnerv oder im ZNS

Mögliche Lokalisationen von Schwerhörigkeit und Taubheit.Schwerhörigkeit und Taubheit können ein- oder beidseitig auftreten, sie können angeboren sein oder im Laufe des Lebens erworben werden.
  • Schwerhörigkeit. Sie kann ihre Ursache im äußerem Ohr, dem Mittelohr und dem Innenohr haben.

  • Taubheit wird nur durch eine Schädigung des Innenohrs (Ausfall des Sinneszellen im Corti-Organ) oder in Teilen der aufsteigenden Hörbahn verursacht. Zur angeborenen Taubheit kann es z. B. durch eine Rötelninfektion der Mutter während der Schwangerschaft kommen oder durch Einnahme von Arzneimitteln mit einer schädigenden Wirkung auf das Gehör (z. B. Aminoglykosid-Antibiotika, Salizylsäure, Arsen, Benzol). Ursachen für erworbene Taubheit können sein: Meningitis, Masern, Mumps, Einnahme von Aminoglykosid-Antibiotika, Diuretika und Zytostatika.

Schwerhörigkeit im Alter (Presbyakusis).Presbyakusis<2003>Bei der Schwerhörigkeit:AlterAltersschwerhörigkeitAltersschwerhörigkeit kommt es zu einer beidseitigen Beeinträchtigung des Hörvermögens, zunächst bei hohen, im weiteren Krankheitsverlauf auch bei mittleren Frequenzen. Die Altersschwerhörigkeit beginnt meist zwischen dem 50. bis 65. Lebensjahr und wird durch degenerative Prozesse in den Sinneshaarzellen des Corti-Organs verursacht, die durch langjährige berufliche Lärmbelastungen, aber auch durch arteriosklerotisch bedingte Mangeldurchblutung oder ototoxische Arzneimittel (Antibiotika) bedingt sind. Da eine medikamentöse Behandlung nicht möglich ist, wird die Schwerhörigkeit meist mit einem Hörgerät gemildert. Dieses verstärkt die akustischen Signale so, dass diese von den Betroffenen wieder wahrgenommen werden können.
Akutes akustisches Trauma.Trauma, akutes akustisches<2003>Wirkt ein sehr hoher Schalldruck auf das Ohr ein, so kann es zur Schädigung kommen. Je nach Schalldruckpegel und Einwirkzeit unterscheidet man zwischen Knall- und Explosionstrauma.
  • KnalltraumaKnalltrauma. Der schädigende Schall hat mit hohem Schalldruck (> 160 bis 190 dB), aber nur mit einer sehr kurzen Dauer von ein bis drei Millisekunden eingewirkt. Wegen der kurzen Zeit konnten die Schutzmechanismen des Ohrs nicht reagieren und so hat der hohe Druck ungebremst das Innenohr erreicht. Ein Knalltrauma geht einher mit einer Schädigung der Sinneszellen des Corti-Organs mit der Folge, dass hohe Töne nicht mehr richtig gehört werden können. Das dem Knall zugewandte Ohr trägt in der Regel den größten Schaden davon. Knalltraumen können z. B. durch einen Schlag auf das Ohr, Silvester-Knallkörper und Gewehrschüsse ausgelöst werden.

  • Explosionstrauma. Das ExplosionstraumaExplosionstrauma unterscheidet sich vom Knalltrauma dadurch, dass die Schalldruckwelle länger als drei Millisekunden andauert. Durch diese längere Dauer kommt es zu Verletzungen des Trommelfells und der Gehörknöchelchen, wobei das Mittelohr wie eine Art „Knautschzone“ wirkt. Dadurch sind die Schäden im Innenohr aber geringer. Auch hier ist es wichtig, aus welcher Richtung der Schall auf das Ohr trifft. Ein klassisches Beispiel für ein Explosionstrauma ist das Platzen eines Airbags.

Lärmschädigung (chronisches Lärmtrauma).Lärmtrauma, chronisches<2003>Lärmschädigung<2003>Wirkt Lärm (> 85 dB) über lange Zeit, d. h. über Jahre täglich mehrere Stunden auf das Hörorgan ein, wird das Innenohr irreversibel geschädigt. Der entstandene Schaden wird Lärmschwerhörigkeit genannt. Häufige auslösende Faktoren sind lautes Musikhören über Kopfhörer oder über Lautsprecher in Diskotheken, Open-Air-Konzerte und Lärmbelastungen am Arbeitsplatz wie z. B. in Großküchen. Die Lärmbelastung führt zu einer Schädigung der Sinneshaarzellen im Corti-Organ. Da die Zellen im Bereich der Schneckenspitze dabei nicht völlig zerstört werden, entsteht infolge von Lärmbelastung keine völlige Taubheit, sondern lediglich eine Schwerhörigkeit. Häufig stellt sich zusätzlich ein Tinnitus ein.

Erkrankungen des äußeren Ohrs

Ohrenschmalzpfropf
OhrenschmalzpfropfAußenohr:ErkrankungIm äußeren Gehörgang kann es durch die Drüsen zu einer übermäßigen Ohrenschmalzproduktion kommen, in die dann noch abgeschilferte Epithelien, Haare, Fetttropfen und Pigmente eingelagert werden. Quillt nun diese gelblich-bräunliche Masse auf, z. B. beim Baden, so kann der Gehörgang völlig verlegt werden, wodurch es beim Betroffenen zu einem dumpfen Gefühl im Ohr und zu Schwerhörigkeit kommt. Die Entfernung des Ohrschmalzpfropfes (Cerumen obturans, Zerumen) erfolgt durch den HNO-Arzt.
Otitis externa
Otitis externaEntzündungen des GehörgangentzündungGehörganges können unterschiedliche Ursachen haben. Man unterscheidet:
  • akute Entzündungen des äußeren Ohrs (Otitis externa akuta). Ursache sind meist Bakterien. In diesem Fall findet man bei einer Inspektion des Gehörganges ein flüssiges oder eitriges Sekret, evtl. kommt es zu Fieber. Manchmal verursachen allerdings Viren (v. a. Herpes-zoster-Virus) eine Entzündung des Gehörganges und der Ohrmuschel.

  • chronische Entzündungen des äußeren Ohrs (Otitis externa chronica). Ursache sind meist Pilze. Die Betroffenen klagen meist lediglich über leichten Juckreiz im Gehörgang. Bei einer Inspektion findet man den Gehörgang leicht gerötet und oft mit Schuppung versehen.

  • Fremdkörper im Gehörgang. Gerade bei Kleinkindern kommt es häufiger vor, dass Fremdkörper wie Glasperlen in den Gehörgang eingebracht wurden. Stellen Sie dies fest, so verweisen Sie das Kind an den HNO-Arzt, damit dieser mit einem speziellen Instrument den Fremdkörper entfernt. Versuchen Sie dies nicht selbst, denn es könnte bei unsachgemäßem Vorgehen passieren, dass der Fremdkörper weiter in den Gehörgang vordringt und das Trommelfell und eventuell sogar die Kette der Gehörknöchelchen verletzt.

  • GehörgangfurunkelGehörgangfurunkel (Otitis externa circumscripta). Gehörgangfurunkel findet man im äußeren Drittel des Gehörganges, da sich nur hier Haarbälge und Talgdrüsen befinden.Furunkel gehen mit großen Schmerzen einher und führen zur Einengung bis völligen Verlegung des Gehörganges. Infolge dessen klagen die Betroffenen über Höreinschränkungen und ein dumpfes Gefühl im Ohr.

Tubenkatarrh
Bei einem TubenkatarrhTubenkatarrh liegt ein Verschluss der Ohrtrompete bzw. der Ohrtrompetenmündung vor. Dies hat zur Folge, dass nun über die Eustachi-Röhre der Druckausgleich beidseits des Trommelfells nicht mehr erfolgen kann.
Ursachen.Es kommen unterschiedliche Ursachen in Betracht:
  • adenoide Vegetation, adenoideVegetation. Betroffen sind v. a. Klein- und Schulkinder bei denen die Rachenmandel so stark vergrößert ist, dass sie die Ohrtrompetenmündung verlegt. Eine solche vergrößerte Rachenmandel wird als adenoide Vegetation (umgangssprachlich spricht man fälschlicherweise von „Polypen“) bezeichnet.

  • Schleimhautschwellung infolge einer Pharyngitis oder Allergie (Heuschnupfen!), die dazu geführt hat, dass sich die Ohrtrompetenmündung nicht mehr öffnen kann.

Symptome und Verlauf.Man unterscheidet eine akute und eine chronische Verlaufsform.
  • akuter Tubenkatarrh. Er tritt meist infolge von Erkältungskrankheiten auf, die zur Anschwellung im Rachenbereich und damit zur Verlegung der Tubenöffnung geführt haben. Da nun kein Druckausgleich beidseits des Trommelfells erfolgen kann, kommt es zu einem unangenehmen Druckgefühl auf den Ohren. Das Trommelfell kann nicht mehr frei schwingen, wodurch es zu Schwerhörigkeit, Ohrenschmerzen und Ohrgeräuschen kommen kann.

  • chronischer Tubenkatarrh. Bei dem chronischen Tubenkatarrh kommt es durch anhaltende Entzündungen der Schleimhaut zur Verlegung der Eustachi-Röhre und damit zur chronischen Sekretansammlung in der Paukenhöhle. Betroffen sind v. a. Kinder und Kleinkinder. Begünstigt wird die Erkrankung durch eine adenoide Vegetation, Virusinfekte und Allergien. Bei Erwachsenen kommt als auslösende Ursache gelegentlich auch ein Tumor in Betracht. Infolge eines chronischen Tubenkatarrhs können Höreinschränkungen auftreten, die bei Kindern zu eine verzögerten Sprachentwicklung führen können. Des Weiteren kann es zu Ohrgeräuschen (Tinnitus) und einem unangenehmen Druckgefühl, evtl. sogar zu Ohrenschmerzen kommen, letzteres v. a. wenn sich infolge des Tubenkatarrhs eine akute Mittelohrentzündung eingestellt hat.

Diagnose.
  • akuter Tubenkatarrh. Untersucht man das Trommelfell mittels eines Otoskops, so findet man das Trommelfell nach innen gezogen. Manchmal sieht man hinter dem Mittelohr eine Sekretansammlung.

  • chronischer Tubenkatarrh. Bei der Otoskopie sieht man bei dem chronischen Tubenkatarrh, wie auch bei dem akuten, eine trichterförmige Einziehung des Trommelfells. Evtl. kann man auch eine Sekretansammlung im Mittelohr feststellen.

Therapie.
  • akuter Tubenkatarrh. Die wichtigste therapeutische Maßnahme besteht darin, ein schleimhautabschwellendes Mittel zu verabreichen. Achten Sie darauf, dass ihr Patient die Nasentropfen richtig einbringt, damit diese auch die Öffnung der Ohrtrompete erreichen. Dazu soll sich der Patient in Rückenlage begeben, den Kopf dabei gründlich zurücklegen und das Medikament in die Nase eintropfen. Er soll nun mindestens zwei Minuten in dieser Lage verbleiben, damit die Tropfen lange genug einwirken können.

  • chronischer Tubenkatarrh. Die Therapie besteht auch hier in der Verabreichung von abschwellenden Nasentropfen, evtl. muss auch ein Schleim verdünnendes Medikament verabreicht werden, wenn sich ein dickliches Sekret gebildet hat. Wichtig ist, die Ursache der Erkrankung aufzudecken (z. B. adenoide Vegetation) und falls möglich zu behandeln. In letzterem Fall muss eine Entfernung der Rachenmandel (Adenotomie) in Erwägung gezogen werden, wenn eine medikamentöse Behandlung nicht zum Abschwellen der Rachenmandel geführt hat, da ein langfristiger chronischer Tubenkatarrh zu bleibenden Schäden der Paukenhöhle und damit zu Höreinschränkungen führen kann.

Ohrenlaufen
Beim OhrenlaufenOhrenlaufen (OhrenflussOhrenfluss, OtorrhöOtorrhö) kommt es zur Absonderung eines serösen, eitrigen, gelegentlich auch blutigen Sekretes. Die Ursachen können ein Gehörgangfurunkel, eine Mittelohrentzündung nach Durchbrechung des Trommelfells oder Fremdkörper im Gehörgang sein. Bei chronischem Verlauf muss an eine Knocheneiterung gedacht werden.
Tritt allerdings Liquor (Otoliquorrhö) aus, so besteht eine krankhafte Verbindung zu den Liquorräumen. Die Ursache liegt hier meist in einem Einriss der Hirnhäute bei einem Schädelbasisbruch. Gelegentlich bildet sich eine Liquorfistel als Operationsfolge aus.

Erkrankungen des Mittelohrs

Akute Mittelohrentzündung
Mittelohr:ErkrankungBei einer akuten MittelohrentzündungMittelohrentzündung (Otitis media Otitis media acutaacuta) ist die Schleimhaut der Paukenhöhle entzündet. Dies kommt v. a. bei Kindern vor.
Symptome.Häufig besteht zuerst eine Erkältung oder eine Infektionskrankheit. Dabei können Krankheitserreger über die Eustachi-Röhre ins Mittelohr einwandern. Durch Eiteransammlung und Schleimhautabsonderungen kommt es in der Paukenhöhle zur Druckerhöhung und damit zu Ohrenschmerzen, oft auch zu Hörstörungen und evtl. zu Fieber. Wird die Mittelohrentzündung nicht rechtzeitig erkannt, was aufgrund der typischen Schmerzlokalisation selten ist, so kann die Eiteransammlung zum Durchbruch durch das Trommelfell führen. Um dem vorzubeugen, kann der Arzt von außen selbst das Trommelfell durchstoßen, um den besten Ort für den Eiterdurchbruch zu bestimmen. Dieser kleine Eingriff heilt meist gut aus, es sei denn, er muss mehrmals ausgeführt werden, wodurch es im Trommelfell zur Vernarbung und damit zur Höreinschränkung kommen kann.
Therapie.Bei einer akuten Mittelohrentzündung muss mittels Nasentropfen eine Abschwellung der Nasenschleimhaut erreicht werden, wodurch die Eustachi-Röhre wieder geöffnet wird. Sind Schleim und Eiter aus der Paukenhöhle entfernt und ist die Trommelfellperforation verheilt, wird sich wieder eine normale Hörfähigkeit einstellen. Kommt es allerdings nicht zur Ausheilung, kann die Mittelohrentzündung in einen chronischen Prozess übergehen (rezidivierende Otitis media).
Mastoiditis
Bei einer MastoiditisMastoiditis liegt eine Entzündung der Schleimhaut in den lufthaltigen Zellen des Warzenfortsatzes (Processus mastoideus) vor.
Ursache.Die Ursache ist fast immer eine Mittelohrentzündung. Während aber Entzündungen der Paukenhöhle meist rasch ausheilen, können im Warzenfortsatz Eiterungen über Wochen und Monate weiterschwelen. Das kann zu gefährlichen Komplikationen führen, wie Meningitis, Hirnabszess, Entzündung des Innenohrs, gelegentlich auch zu Einschmelzungen der Höhlenzellwände.
Symptome und Therapie.Es bestehen Druckschmerzen und Schwellungen über dem Mastoid. Die Therapie muss sich nach der Schwere der Erkrankung richten. Sind knöcherne Anteile in den Krankheitsprozess mit einbezogen, muss eine operative Entfernung des Mastoids (Mastoidektomie) erwogen werden.

Erkrankungen des Innenohrs

Innenohr:ErkrankungUnter Innenohrerkrankungen werden alle Schäden in der Schnecke und den Gleichgewichtsorganen zusammengefasst. Es kann zu Innenohrschwerhörigkeit, Taubheit, Gleichgewichtsstörungen und Ohrgeräuschen kommen.

Tinnitus

TinnitusOhrgeräusch, krankhaftesOhrgeräusche (Tinnitus) sind störende Schallempfindungen ohne akustischen Reiz, die der Betroffene entweder zeitweise oder dauernd als Pfeifen, Klingeln, Brausen, Zischen, Brummen o. Ä. wahrnimmt. Die Ohrgeräusche können von einer Hörminderung begleitet sein. Oft kann die Ursache des Tinnitus nicht festgestellt werden. Man unterscheidet subjektive und objektive Ohrgeräusche.
  • Subjektive Ohrgeräusche werden nur vom Betroffenen wahrgenommen. Sie treten als Begleitsymptom bei Mittelohrentzündung, Otosklerose, Menière-Krankheit, Anämie, Blutdruckanomalie, krankhaften Veränderungen im HWS-Bereich, Lärmbelästigung, Akustikusneurinom und Intoxikationen (z. B. Streptomycin, Arsen) auf. Manchmal liegt ihre Ursache jedoch im psychisch-seelischen Bereich.

  • Objektive Ohrgeräusche können nicht nur vom Patienten gehört werden, sondern auch vom Untersucher. Sie werden häufig durch Gefäßanomalien wie Fehlbildungen, Aneurysmen (Gefäßwandausbuchtungen), Stenosen oder durch vermehrte Ohrdurchblutung ausgelöst. Ohrgeräusche können aber auch durch Bewegungen des Kiefergelenks (Knacken!) oder durch offenstehende Eustachi-Röhre verursacht werden.

Schwindel

SchwindelDie meisten Schwindelanfälle (VertigoVertigo) sind harmlos und Folge eines momentanen Blutdruckabfalls im Gehirn, z. B. nach einem plötzlichen Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen. Dies ist v. a. bei älteren Menschen mit Hirnarteriosklerose der Fall, bei Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln und bei Hypotonie.
Man unterscheidet:
  • Systematischer Schwindel. Er zeigt sich als Störung in der Raumorientierung mit Verlust der Körpersicherheit. Er wird fast immer von Nystagmus, Fallneigung, Tinnitus und Schwerhörigkeit begleitet. Er hat seine Ursache im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs (Vestibularschwindel), im Gleichgewichtsnerv (N. vestibularis) oder im Gehirn (Kleinhirn, Hirnstamm).

    • Drehschwindel mit dem Gefühl, der Umwelt- oder Eigendrehung.

    • Schwankschwindel mit dem Empfinden, dass der Boden unter den Füßen schwankt.

    • Liftschwindel (Otolithenschwindel) mit dem Gefühl zu sinken oder gehoben zu werden.

  • Unsystematischer Schwindel zeigt sich in Gang- und Standunsicherheit, Schwarzwerden vor den Augen und im Torkel- oder Taumelgefühl. Er hat seine Ursache meist in Durchblutungsstörungen des Gehirns. Es kommen Hirnarteriosklerose, Hypotonie, Anämie, Intoxikationen durch Alkohol und Nikotin, aber auch Kleinhirnschäden und Hirndrucksteigerung in Betracht.

Nach Dauer der Symptome unterscheidet man Anfall- und Dauerschwindel. Der psychisch bedingte Schwindel und der Schwindel, der kreislaufbedingt ist, zeigen sich meist als anfallsweiser Schwankschwindel. Er geht mit Klagen über Unsicherheit und Taumeligsein einher. Diese Zustände können mehr oder weniger akut auftreten, Minuten bis Wochen anhalten und mit Begleitsymptomen wie Blässe, Kollapsneigung, Tachykardie, Schweißausbruch u. Ä. einhergehen.

Schwindel ist in jedem Fall eingehend abzuklären! Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache.

Morbus Menière

Morbus MenièreSymptome.Beim Morbus Menière handelt es sich um die Symptomentrias:
  • anfallsweiser heftiger Drehschwindel mit Nystagmus, Übelkeit, Erbrechen und Kollapsneigung

  • zeitweise auftretende Innenohrschwerhörigkeit

  • einseitige subjektive Ohrgeräusche

Der Anfall kann Minuten bis Tage anhalten.
Ursache.Die Ursache liegt in einem Missverhältnis der Produktion und Resorption der Endolymphe. Als Grund hierfür vermutet man vasomotorische Regulationsstörungen. Es kommt zu Einrissen der Reissner-Membran, wodurch sich Endo- und Perilymphe vermischen können, was zur Schädigung der afferenten Fasern des Hörnervs führen kann.
Therapie.Wird gleich im Frühstadium der Erkrankung sachgerecht therapiert, so kann meist ein normales Hörvermögen wieder hergestellt werden. Bei zunehmender Krankheitsdauer und wiederkehrenden Anfällen muss mit bleibenden Hörschäden bis hin zur Taubheit und anhaltendem Tinnitus gerechnet werden. Die Behandlung erfolgt meist im Krankenhaus mit strenger Bettruhe und Infusionen zum Flüssigkeits- und Elektrolytersatz, evtl. werden Medikamente zur Verbesserung der Innenohrdurchblutung, gegen die Übelkeit und zur Beruhigung verordnet.

Hörsturz

HörsturzBeim Hörsturz handelt es sich um eine plötzlich auftretende Schallempfindungsstörung, die sich fast immer als einseitig auftretende Hörminderung bis hin zum völligen Hörverlust zeigt. Gleichzeitig können Ohrgeräusche (Tinnitus) bestehen.
Ursachen.Meist liegen einem Hörsturz Durchblutungsstörungen des Innenohrs zugrunde. Ursachen der Durchblutungsstörungen sind häufig Spasmen, Mikroembolien, Thrombosen oder Blutungen der Innenohrgefäße. Ein Hörsturz kann aber auch durch (Virus-)Infektionen, Autoimmunvorgänge und Stress ausgelöst werden.
Therapie.Es handelt sich um einen akuten Notfall, der am zweckmäßigsten sofort in der Klinik behandelt wird. Bettruhe ist erforderlich. Es müssen gefäßerweiternde Mittel und Vitaminpräparate gegeben werden. Schulmedizinisch werden je nach Ursache außerdem noch Kortison, Antibiotika und Sedativa eingesetzt. Es ist wichtig, dass ein Hörsturz von Anfang an fachärztlich behandelt wird. Je mehr Zeit vergeht, bis der Hörsturz behoben ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass Höreinschränkungen zurückbleiben.

Hörsturz

Es ist eine sofortige fachärztliche Behandlung notwendig, damit keine Höreinschränkungen zurückbleiben.

Otosklerose

OtoskleroseVon der Otosklerose (OhrverhärtungOhrverhärtung) sind v. a. Frauen betroffen. Die häufige Erkrankung beginnt meist zwischen dem 20. bis 40. Lebensjahr. Typischerweise verschlechtert sich mit jeder Schwangerschaft das Hörvermögen.
Ursache.Eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle. Aufgrund von Störungen des Knochenstoffwechsels kommt es zu sklerotischen (verhärtenden) Veränderungen, die im Bereich des ovalen Fensters beginnen und dann auf den Steigbügel übergreifen. Durch diese Umbauten wird die Steigbügelplatte im ovalen Fenster starr und unbeweglich, sodass die Schwingungen nicht mehr vom Mittelohr auf das Innenohr übertragen werden können. Manchmal wirken sich die Knochenstoffwechselveränderungen auch auf das Innenohr aus und führen zusätzlich zu Schallempfindungsstörungen.
Symptome.Die Höreinschränkungen beginnen meist einseitig, werden im weiteren Verlauf dann beidseitig, wobei die Schwerhörigkeit langsam fortschreitet. Häufig treten Ohrgeräusche auf.
Ungefähr 10 % der Bundesbürger sind von dieser Erkrankung betroffen; bei 1 % der Betroffenen kommt es im Krankheitsverlauf zu einer ausgeprägten Schwerhörigkeit.
Therapie.Durch eine Operation, bei der der Steigbügel entfernt (Stapektomie) und durch ein Implantat ersetzt wird, erlangen ungefähr 90 % der Betroffenen ein gutes Hörvermögen zurück. Allerdings verschwinden die Ohrgeräusche dadurch nur in etwas mehr als der Hälfte der Fälle.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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