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B978-3-437-55696-8.00024-5

10.1016/B978-3-437-55696-8.00024-5

978-3-437-55696-8

Tumormarker

Tab. 24-1
Tumormarker Krebserkrankung Hinweise
CEA (Carcino-embryonales-Antigen), wird v.a. während der Embryonalentwicklung und bei bestimmten Tumoren hergestellt, kommt beim Gesunden als normaler Bestandteil in der Schleimhaut und in Drüsen vor. Dickdarm-, Magen-, Mamma-, Bronchial-, Blasen- und Schilddrüsenkrebs Anstieg der Werte auch bei Rauchern, Leberzirrhose und entzündlichen Erkrankungen von Magen, Darm und Lunge
PSA (Prostata-spezifisches-Antigen), ein Enzym, das beim Samenerguss den Spermien beigemischt wird. Prostatakrebs Normalerweise gelangen nur Spuren von PSA ins Blut. Wenn allerdings die Gewebestruktur der Prostata gestört ist, kann PSA im Blut erhöht sein. Damit kann einem Anstieg eine Prostatahyperplasie, -entzündung oder eine -verletzung zugrunde liegen. Ein Anstieg ist also zunächst Hinweis für eine Gewebestörung in der Prostata und kein „Beweis“ für Krebs.

Wichtige Metastasierungswege

Tab. 24-2
Tumor (Fern)-Metastasen
Mammakarzinom Achsellymphknoten, Skelett (v. a. Wirbelsäule und Röhrenknochen), Leber, Lunge, Gehirn
Bronchialkarzinom Lymphknoten (v. a. Lungenhilus und Bronchien), Leber, Skelett (v. a. Wirbelsäule), Gehirn, Nebenniere
Dickdarmkrebs (Kolon und Rektum) Leber, Lunge, Skelett (v. a. Wirbelsäule)
Pankreas Leber, Lunge, Bauchfell
Leber Lunge
Magen Leber, Lunge, Skelett
Prostata Kreuzbein, Lymphknoten des kleinen Beckens, Skelett
Gebärmutter Leber, Lunge, Skelett, Lymphknoten

Onkologie

  • 24.1

    Biologisch-ganzheitliche Betrachtungsweise des Krebsgeschehens636

  • 24.2

    Schulmedizinische Betrachtungsweise des Krebsgeschehens637

    • 24.2.1

      Tumoreinteilungen637

    • 24.2.2

      Die Krebszelle638

    • 24.2.3

      Krebsentstehung638

    • 24.2.4

      Schulmedizinische Krebstherapie639

    • 24.2.5

      Symptome wichtiger Krebsarten640

    • 24.2.6

      Metastasierung642

OnkologieKrebsOnkologie ist die Lehre von den Geschwulstkrankheiten. Eine GeschwulstGeschwulst wird allgemein als TumorTumor bezeichnet. Unter einem Tumor versteht man eine örtlich umschriebene Zunahme des Gewebevolumens. Damit bezeichnet der Begriff Tumor nicht nur eine Geschwulst, sondern auch eine Schwellung, wie sie typischerweise infolge einer Entzündung auftritt (Abschn. 7.6.3). So sagt der Begriff Tumor allein noch nicht aus, ob es sich um eine gut- oder bösartige Geschwulst handelt. Da den bösartigen Geschwulstkrankheiten eine überwältigende Bedeutung zukommt, beschäftigt sich die Onkologie im Wesentlichen mit den bösartigen Krebserkrankungen.

Den Krebserkrankungen wird hier ein eigenes Kapitel gewidmet. Zum einen haben sie heute durch die Häufigkeit ihres Auftretens eine große Bedeutung in der Praxis. Zum anderen stellen sie in der amtsärztlichen Überprüfung einen wichtigen Teil dar, denn hier kommt es bekanntermaßen darauf an, zu zeigen, dass Sie „keine Gefahr für die Volksgesundheit“ sind. Das bedeutet auch, dass Sie Zeichen, die auf eine mögliche zugrundeliegende Krebserkrankung hinweisen, sicher erkennen können.

Biologisch-ganzheitliche Betrachtungsweise des Krebsgeschehens

Krebsbetrachtung:biologisch-ganzheitlicheKrebs geht bevorzugt von Geweben aus, in denen sich schnell teilende Zellen befinden. Normalerweise ist durch eine Reihe von Schutzvorkehrungen im Erbgut sichergestellt, dass sich Zellen nur solange teilen, wie Bedarf an Nachschub existiert. Durch Genveränderungen können diese Kontrollmechanismen jedoch so beschädigt werden, dass zu einem ungeordneten Zellwachstum kommt.
Dabei kann alles ganz harmlos beginnen: Durch eine erste Schädigung teilt sich eine Zelle häufiger als sie es sollte. Dadurch bildet sich eine kleine Zellansammlung. Allerdings haben nun alle diese Zellen diesen ersten Defekt geerbt. Kommt es nun bei einem von diesen Nachkommen zu einem weiteren Genschaden, so kann dieser dafür sorgen, dass sich die Zelle nun noch häufiger teilt und bald die Oberhand über die anderen Zellen gewinnen. Dies setzt sich nun solange fort, bis eine weitere dieser Zellen einen Schaden erleidet. Auf diese Weise wächst in einem jahrelangen Prozess von Zellgeneration zu Zellgeneration ein immer stärker entartender Tumor heran. Während dieser Entwicklung hat der Tumor auch Zeit, sich an das Immunsystem anzupassen.
Normalerweise ist es für das Immunsystem keine Schwierigkeit solche entarteten Zellen zu erkennen und abzutöten.
Bei Krebszellen ist außerdem ein wichtiger Schutzmechanismus der Zelle ausgefallen: die Apoptose, damit meint man den vorprogrammierten Zelltod, gewissermaßen ein „Selbstmordprogramm“ der Zelle.
Wird die Erbinformation einer Zelle stark geschädigt, so wird die Apoptose in Gang gesetzt. Dieser Vorgang kann vom Zellinneren ausgelöst oder durch Abwehrzellen angeregt werden. Den Zelltod führt die Zelle dann selbsttätig im Rahmen ihres Stoffwechsels durch, sodass gewährleistet ist, dass dieser Zelltod ohne Schädigung des Nachbargewebes abläuft. Durch bestimmte Enzyme innerhalb der Zelle beginnt die Zelle zu schrumpfen und ihre DNS abzubauen.
Typischerweise wächst ein Tumor zunächst nur innerhalb des Gewebes, von dem er abstammt. In diesem Stadium wird er als Carcinoma in situ bezeichnet. Wächst er in das umliegende Gewebe ein, so spricht man von einem invasiv wachsenden Tumor. In diesem Stadium kann er schulmedizinisch mittels Operation oder Bestrahlung behandelt werden. Hat er allerdings an anderen Stellen im Körper Metastasen gebildet, so wird er häufig unheilbar.
Es gibt bei diesem Wachstum jedoch große Unterschiede. Manche Karzinome setzen überhaupt keine Metastasen, andere schon in einem sehr frühen Stadium. Leider gibt es bei vielen Krebsarten keine sichere Möglichkeit vorherzusagen, ob ein Krebs früh oder spät metastasieren wird.
In der biologisch-ganzheitlichen Betrachtungsweise des Krebsgeschehens geht man davon aus, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, das zu der Erkrankung geführt hat. Damit meint man, dass es eine Vielzahl von Funktionsstörungen und Leistungsmängel waren, die letztendlich den Krankheitsausbruch ermöglicht haben.
Im Einzelnen kommen hierbei in Betracht:
  • Mängel des körpereigenen Abwehrsystems. Bei einem abwehrgesunden Menschen ist es kein Problem für sein Immunsystem, entartete und virusbefallene Zellen zu erkennen und zu eliminieren.

  • Störungen im Elektrolyt- und Mineralstoffhaushalt. Bei Krebspatienten besteht oft häufig ein Mangel an Selen und Zink, evtl. auch von Eisen, Magnesium, Kalium u. a.

  • Störungen des Vitaminhaushalts. Man findet beim Krebspatienten oft ein Defizit der Vitamine A, C und E. Die fehlenden Vitamine müssen ersetzt werden. Heute wird auch in der Schulmedizin Vitamin C hoch dosiert zur Behandlung von Frauen mit Brustkrebs eingesetzt.

  • Störungen im Säure-Basen-Gleichgewicht. Häufig ist das Gewebe des Krebspatienten übersäuert. Dies wird mit einer entsprechenden Ernährungsumstellung und mit der Gabe von Rote-Bete-Saft behandelt.

  • Störung in der Wärmeregulation. Typischerweise ist der Krebspatient untertemperiert und auf Befragen gibt er an, dass er jahrelang kein Fieber erlitten hat. Um das Kreislaufsystem anzuregen, kann mit Kneipp-Anwendungen behandelt werden und mit ausreichend Bewegung in frischer Luft.

  • Störung der Entgiftungs-Ausscheidungsfunktionen. Um die Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktion des Organismus zu unterstützen, werden die folgenden Organe angeregt:

    • Leber: z. B. durch Leberwickel und/oder Gabe von Mariendistel

    • Niere: z. B. durch Gabe von Solidago

    • Haut: z. B. Kneipp-Anwendungen, Baunscheidtieren, Schröpfen

    • Lunge: z. B. Atemtherapie, Bewegung in frischer Luft

    • Darm: z. B. Hydro-Kolon-Therapie, Fastenkuren, Symbioselenkung

  • Störungen der Darmtätigkeit. Bei den Krebspatienten besteht oft eine Störung der Stoffaufnahme durch eine gestörte Darmtätigkeit. Dies wird durch eine Anregung des Darmes, durch Ernährungsumstellung und eine Symbioselenkung behandelt. Letzteres dient dazu, die Darmflora wieder aufzubauen.

  • Störungen in der Persönlichkeitsentwicklung. Nach einer Untersuchung von Grossarth und Maticek ist der Krebspatient nicht fähig nach seinen Wünschen und Bedürfnissen zu leben und eine befriedigende Beziehung zu anderen Menschen aufzubauen.

    Selbstverständlich passen solche Persönlichkeitsprofile bei bestimmten Krankheitsbildern immer nur für einen bestimmten Prozentsatz der Betroffenen und bei den restlichen findet man diese Merkmale nicht oder sogar in ihr Gegenteil verkehrt.

Schulmedizinische Betrachtungsweise des Krebsgeschehens

Tumoreinteilungen

Tumor:EinteilungKrebsbetrachtung:schulmedizinischeGeschwulst:EinteilungWir betrachten nun einige Gesichtspunkte, nach denen sich gutartige und bösartige Tumoren unterscheiden.
Gutartige Tumoren (benigne Tumoren).Diese wachsen langsam und sind gegen die Umgebung gut abgegrenzt. Sie können zwar aufgrund ihrer Größenzunahme das umgebende Gewebe verdrängen, aber sie wachsen nicht zerstörend in das Nachbargewebe ein. Verdrängungsprozessen durch benigne Tumoren bleiben normalerweise ohne Einfluss auf das Leben des Tumorträgers. Eine Ausnahme hiervon bildet der Hirntumor. Wegen der begrenzten Platzverhältnisse im Schädel kann hier jeder raumfordernde Prozess Hirngewebe zerstören. Ein gutartiger Tumor bildet keine Tochtergeschwülste (Metastasen).

Gutartige Tumoren

  • Adenom: gutartiger Tumor aus Drüsengewebe

  • Polyp: gutartiger Tumor aus Schleimhaut

  • Fibrom: gutartiger Tumor aus Bindegewebe

  • Xanthom: gutartiger, knotenförmiger Tumor aus Fettgewebe (Atlas Abb. 10-3, 10-5, 10-6)

  • Xanthelasmen: plattenartige Fetteinlagerungen, v. a. um die Augen (Atlas Abb. 10-4)

  • Lipom: gutartiger Tumor aus Fettgewebe mit Kapsel (Atlas Abb. 22-3)

  • Myom: gutartiger Tumor aus Muskelgewebe

  • Osteom: gutartiger Tumor aus Knochengewebe

  • Chondrom: gutartiger Tumor aus Knorpelgewebe

  • Angiom: erworbener gutartiger Tumor aus Blutgefäßen

  • Hämangiom: angeborene Fehlbildung von Blutgefäßen bzw. Kapillaren in der Haut oder evtl. inneren Organen

Bösartige Tumoren (maligne Tumoren).Diese entwickeln sich oft schnell und sind unscharf begrenzt. Sie wachsen zerstörend in das Nachbargewebe ein und können Blut- und Lymphgefäße eröffnen. Sie können Metastasen (Tochtergeschwülste) setzen, die sich weitab vom Primärtumor entwickeln. Aufgrund bösartiger Tumoren kommt es zur schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung des Tumorträgers, bis hin zum allgemeinen Kräftezerfall (Kachexie) und Tod.

Bösartige Tumoren

  • Karzinome: gehen vom Epithelgewebe aus

  • Sarkome: gehen vom mesenchymalen Gewebe aus

Semimaligne Tumoren.(halb-bösartige Tumoren) wachsen lokal invasiv zerstörend, bilden aber keine Metastasen. Es besteht eine große Rezidivneigung. Semimaligne wächst z. B. das Basaliom.
Präkanzerosen.PräkanzeroseEs handelt sich um Gewebeveränderungen, die dazu neigen kanzerös zu entarten. Sie werden als Vorstadium eines Krebses aufgefasst. Je nach der statistischen Wahrscheinlichkeit mit der eine Präkanzerose in einen Krebs übergeht, unterscheidet man fakultative Präkanzerosen mit einer niedrigen Entartungstendenz (z. B. Colitis ulcerosa) und obligate Präkanzerosen mit einem hohen Entartungsrisiko in einer relativ kurzen Zeitspanne, z. B. Polyposis intestinalis (Auftreten von mehr als 100 Polypen im Darmtrakt).

Die Krebszelle

KrebszelleBetrachtet man die Krebszelle, so stellt man fest, dass die Zellkerne im Unterschied zur gesunden Zelle unterschiedlich groß und unterschiedlich geformt sind. Die Zellmembran ist entrundet. Die Farbintensität der Tumorzelle ist stärker als die der gesunden Zelle. Das Zellplasma weist eine größere Vielgestaltigkeit auf als die normale Zelle. Ein wichtiges Kennzeichen der Krebszelle ist, dass sie im Unterschied zu allen anderen Körperzellen keine Aufgabe mehr im Gesamtorganismus übernimmt.
Bei dem Wachstum der Krebszellen unterscheidet man ein infiltratives Wachstum, das zu keiner Volumenzunahme aber zu einer Konsistenzveränderung des Gewebes führt, ein geschwüriges Wachstum, bei dem es zu einem Gewebeverlust kommt und ein tumoröses Wachstum, das eine Gewebezunahme zur Folge hat.

Krebsentstehung

Krebs:EntstehungLetztendlich sind die Ursachen, die zur Krebsentstehung führen, nicht vollständig bekannt. Einige Erkenntnisse gelten heute aber als gesichert:
  • kanzerogene Stoffe (krebserzeugende Stoffe). Chemikalien und Naturstoffe können die DNS des Zellkerns verändern. Bekannte kanzerogene Stoffe sind die polyzyklischen, aromatischen Kohlen-Wasserstoff-Verbindungen (PAK), wie sie z. B. beim Grillen frei werden, außerdem Nitrosamine, Asbestfasern, Aflatoxine (Schimmelpilzgifte) und Metalle, aber auch Zytostatika (Medikamente, die in der Schulmedizin gegen Krebs eingesetzt werden).

  • Strahlung. Energiereiche Strahlung wie z. B. Röntgenstrahlung, Gammastrahlung, UV-Strahlung, radioaktive Strahlung, aber auch elektromagnetische Strahlung technischer Geräte und Anlagen, können die DNS so schädigen, dass Krebs entstehen kann. Daher gibt es bei energiereicher Strahlung keine Schwellendosis, unterhalb der die Strahlung ohne Risiko ist.

  • onkogene Viren. Manche Viren, z. B. das Papilloma-Virus, können gutartige (Warzen, z. B. bei Kindern an den Händen) und bösartige (Gebärmutterkrebs) Haut- und Gewebeveränderungen verursachen. Dies gilt vermutlich auch für weitere Viren wie das Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Virus (evtl. primäres Leberzellkarzinom), das Epstein-Barr-Virus, Adenoviren und Retroviren, evtl. auch das Herpes-simplex- und das Zytomegalievirus. Welche Rolle den Viren bei der Entstehung des Krebs genau zukommen, ist noch unbekannt.

  • erhöhte Zellteilungsrate. Bei lang anhaltenden und heftigen Entzündungen besteht eine erhöhte Neigung der gereizten Zellen zu entarten.

  • familiäre Häufung. Eine familiäre Häufung wurde v. a. bei Brustkrebs nachgewiesen. Erkrankt eine Frau an Brustkrebs, so hat ihre Tochter ein doppelt so hohes Risiko zu erkranken wie die Tochter einer gesunden Frau.

  • Vererbung. Bei wenigen Tumorerkrankungen (z. B. Polyposis intestinalis) spielen vererbte Faktoren auf den Genen eine Rolle.

Tumormarker.TumormarkerTumormarker (Tab. 24-1) sind Eiweiße, die beim Gesunden gar nicht oder nur in geringer Konzentration im Blut nachweisbar sind. Steigt ihre Konzentration, kann dies Hinweis auf eine Krebserkrankung sein. Diese Eiweiße werden entweder von den Krebszellen selbst hergestellt oder von anderen, von den Krebszellen beeinflussten Körperzellen. Zur Früherkennung von Krebserkrankungen sind jedoch die Tumormarker in der Regel nicht geeignet. Zum einen gibt es nicht für alle Krebsarten Tumormarker. Zum anderen kann es sein, dass der Tumormarker nicht nachgewiesen werden kann, obwohl Krebs vorliegt oder, dass der Tumormarker im Blut nachgewiesen wird und keine Krebserkrankung vorliegt. Die Tumormarker werden heute v. a. zur Verlaufskontrolle während einer Behandlung eingesetzt. Steigt z. B. der Tumormarker nach der Behandlung an, kann ein Rezidiv vorliegen. Die beiden bekanntesten Tumormarker sind in Tab. 24-1 aufgeführt.

Schulmedizinische Krebstherapie

Krebs:TherapieDie schulmedizinische Therapie ruht auf drei Säulen: Stahl (Operation), Strahl (Bestrahlung) und Chemotherapie (Zytostatikagabe). Je nach Krebsart, Stadium und allgemeinem Gesundheitszustand werden diese Therapien entweder für sich oder in Kombination eingesetzt.
Operation.Es gilt die Regel: „Schneiden im Gesunden“, das heißt, es darf nur weit im gesunden Gewebe geschnitten werden, damit keine Krebszellen in das Blut- oder Lymphsystem verschleppt werden können. Dabei muss das kranke Gewebe komplett entfernt werden.
Bestrahlung.BestrahlungDa sich Krebszellen schnell teilen, sind sie anfällig gegen energiereiche Strahlung (s. Abschn. 24.2.3, Krebsentstehung, Strahlung). Wird nur bestrahlt und nicht operiert, so ist oft das Ziel der Therapie nicht mehr die Heilung, sondern krebsbedingte Schmerzen zu lindern. Die Röntgenstrahlen sollen möglichst genau auf den Tumor fokussiert werden. Moderne Geräte können den Strahl so formen, dass er genau auf den Tumor trifft und daneben liegendes Gewebe weitgehend schont. Risiken der Strahlentherapie sind Bildung eines Spinalioms, Verbrennungen oder chronische Schädigungen von Geweben und Organen, die im Strahlungsbereich liegen.
Chemotherapie (Zytostatika).ChemotherapieZytostatikaZytostatikumArzneimittel:Zytostatikum sind chemische Substanzen, die Krebszellen schädigen und ihr weiteres Wachstum bremsen oder ganz stoppen sollen. Sie sind mit vielen Nebenwirkungen und Risiken behaftet, denn sie schädigen auch andere sich schnell teilende Zellen wie z. B. Blutzellen. Dies führt zur Leukopenie mit einer erhöhten Infektionsgefahr, zur Thrombopenie mit vermehrter Blutungsneigung und nach Wochen zur Anämie mit allgemeiner Schwäche. Da auch die Epithelien der Schleimhäute geschädigt werden, kommt es zu gastrointestinalen Störungen wie Erbrechen, Übelkeit und Durchfällen. Außerdem kommt es zu Haarausfall. Diese akuten Nebenwirkungen sind allerdings zeitlich begrenzt.
Zytostatika können das Erbgut schädigen (mutagene Wirkung), zur Fehlbildung beim Kind führen (teratogene Wirkung) und eine Hyperurikämie verursachen. Letztere kann zu einem Gichtanfall und evtl. zum akuten Nierenversagen führen. Manche Medikamente können auf Dauer Leber, Niere, Herz, Lunge oder das Nervensystem schädigen. Zytostatika können mitunter den aktuellen Tumor heilen, können aber später potenziell die Bildung von Zweittumoren auslösen, die erst nach 10 bis 15 Jahren nach der Heilung in Erscheinung treten.

Symptome wichtiger Krebsarten

Krebs:SymptomWegen der großen Bedeutung für die amtsärztliche Überprüfung, aber auch für die Praxistätigkeit, folgt eine Zusammenstellung der wichtigsten Symptome der häufigsten Krebsarten.
  • Es muss bei jeder Krebsart beachtet werden, dass das Anfangsstadium meist symptomarm verläuft.

  • Typische Symptome für das Spätstadium sind Lymphknotenschwellungen, Müdigkeit, Gewichtsabnahme, BSG-Beschleunigung, CRP-Anstieg, Resorptionsfieber (Tumorfieber) und Anämie. Diese Spätsymptome gelten für alle Krebserkrankungen und sind deshalb in der folgenden Aufstellung nicht mehr extra erwähnt.

Anhand dieser Liste sollten Sie sich die Leitsymptome der verschiedenen Krebserkrankungen einprägen, um für die amtsärztliche Prüfung und für die spätere Praxistätigkeit gerüstet zu sein.

Krebs kann Blutungen aller Art verursachen!

Bei jedem Krebsverdacht ist der Patient an einen Arzt zu verweisen!

Tumoren des Verdauungstrakts
Speiseröhrenkrebs(Abschn. 9.4.7)
  • Schlingbeschwerden zuerst bei fester, später auch bei breiiger und flüssiger Nahrung

  • Druckgefühl bzw. bohrende Schmerzen hinter dem Brustbein

  • Zurückfließen von festen oder flüssigen Nahrungsbestandteilen in die Mundhöhle (Regurgitation)

  • Mundgeruch

  • Unfähigkeit, den eigenen Speichel zu schlucken

Magenkrebs(Abschn. 9.5.5)
  • „empfindlicher Magen“

  • bohrende Schmerzen in der Magengegend

  • Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit

  • Widerwillen gegen Fleisch

  • Blut im Stuhl, Blut im Erbrochenen

Darmkrebs(Abschn. 9.7.8)
  • Veränderter Stuhlgang (Verstopfung und Durchfälle wechseln sich ab)

  • Blutungen aus dem After

  • Blutbeimengung im Stuhl (hellrot, dunkelrot, schwarz, okkult)

  • Unwillkürlicher Stuhl- oder Schleimabgang

  • Abgehen von etwas Stuhl mit den Winden

  • Meteorismus, Flatulenz

Pankreaskrebs(Abschn. 13.3.3)
  • Der Pankreasschwanzkrebs bleibt fast immer symptomlos, solange er noch operabel ist.

  • dumpfe Oberbauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen

  • anhaltender schmerzloser Ikterus ohne Fieber

  • Gewichtsabnahme

  • allgemeine Symptome wie Völlegefühl, Übelkeit, Abgeschlagenheit, Meteorismus, Durchfälle, später auch Pankreasinsuffizienz, Diabetes mellitus und Anämie

  • Courvoisier-Zeichen: Die Gallenblase ist tastbar, aber schmerzlos bei gleichzeitig bestehendem Ikterus. Ursache ist ein chronischer Verschluss des Ductus choledochus durch ein Tumorgeschehen.

Tumoren der Gallengänge(Abschn. 12.3.7). Tumoren der Gallengänge treten häufig bei Gallensteinträgern auf. Die Beschwerden werden dann auf die Steine geschoben und eine mögliche Krebserkrankung oft zu spät erkannt. Erst bei den tumorverdächtigen Zeichen wird richtig diagnostiziert.
  • Ikterus

  • Gewichtsverlust

  • Anämie

Leukämien und Morbus Hodgkin
Leukämie(Abschn. 7.9)
  • Die akute Leukämie befällt meist Kinder. Sie kann entweder wie eine schwere Infektionskrankheit mit Schüttelfrost, Fieber und Ulzerationen im Mundbereich beginnen oder schleichend mit unklarer Symptomatik. Es kann evtl. zu generalisierter Lymphknotenschwellung, Milz- evtl. auch Lebervergrößerung, Knochenschmerzen, Hautinfiltrationen und Anämie mit entsprechenden Symptomen kommen, außerdem zu Abwehrschwäche und vermehrter Blutungsneigung.

  • Die chronische lymphatische Leukämie zeigt symmetrische Lymphknotenschwellung, außerdem Leber- und Milzschwellung, leichte Ermüdbarkeit, Leistungsminderung, gehäufte Infektionen.

  • Die chronische myeloische Leukämie hat Leistungsminderung, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Milz- und Leberschwellung, später Fieber, erhöhte Infektneigung und Anämie als Kennzeichen.

Lymphogranulomatose (Morbus Hodgkin)(Abschn. 8.2.6)
  • schmerzlose Schwellung einzelner Lymphknotengruppen, v. a. im Halsbereich als sogenannte „Kartoffelsack-Schwellung“

  • „Alkoholschmerz“ der befallenen Lymphknoten

  • hartnäckiger Juckreiz

  • Leber- und Milzschwellung

  • Fieber, Nachtschweiß und Infektabwehrschwäche

Tumoren der Luft- und Atemwege
Kehlkopfkrebs(Abschn. 17.5.4)
  • chronische Heiserkeit

  • Atemnot

  • Schluckbeschwerden

Lungen- und Bronchialkrebs(Abschn. 17.5.18)
  • symptomarmes Frühstadium, das einer chronischen Bronchitis ähnelt

  • trockener Reizhusten, v. a. nachts

  • spärlicher Auswurf, evtl. mit fasriger Blutbeimengung

  • bohrende Schmerzen hinter dem Sternum oder im Rücken

  • im Spätstadium: blutiges oder himbeergeleeartiges Sputum

  • Heiserkeit durch Lähmung des Kehlkopfnervs

Tumoren des Urogenitalsystems
Blasen- und Nierenkrebs(Abschn. 15.4.10)
  • Blut im Urin

  • wiederholte, meist schmerzlose, evtl. heftige Blutungen aus der Harnröhre

Prostatakrebs(Abschn. 16.2.3)
  • Eine Früherkennung ist nur durch Vorsorgeuntersuchung möglich, da anfangs keine Symptome auftreten.

  • Im fortgeschrittenen Stadium entsprechen die Symptome den Blasenentleerungsstörungen der Prostatahyperplasie.

  • Blut im Urin

  • Kreuzschmerzen können ein Hinweis auf Knochenmetastasen sein.

Gebärmutterkrebs(Abschn. 16.4.8)
  • Es gibt keine Frühsymptome!

  • Uterusblutungen, v. a. bei Frauen über 40 Jahren, die außerhalb der Regel auftreten

  • Blutungen bei Frauen jenseits des Klimakteriums, auch wenn es sich nur um Tropfen oder Spuren handelt

  • alle unregelmäßigen Blutungen

  • Ausfluss, v. a. wenn er fleischwasserfarben-blutig aussieht

  • Blutungen, die durch den Geschlechtsverkehr ausgelöst werden oder nach dem Absetzen des Stuhles auftreten

  • symptomreiches Spätstadium (Blase, Harnleiter, Rektum, Ischias)

Brustdrüsenkrebs(Abschn. 16.4.9)
  • Einseitiger Knoten in der Brust, v. a., wenn er sich derb und höckerig anfühlt. Der Knoten ist häufig mit der Haut verwachsen.

  • sezernierende Brustwarzen

  • Einziehungen der Brustwarzen oder der Haut

  • Orangenhautphänomen

  • Unverschieblichkeit über einer Verhärtung

  • offene Ulzerationen

  • auffällige Großenunterschiede

Hirntumor
(Abschn. 18.9.10)
  • epileptische Anfälle

  • Kopfschmerzen

  • zunehmende psychische Veränderungen

  • neurologische Ausfallerscheinungen wie Lähmungen, Seh-, Hör-, Sprach- und Sensibilitätsstörungen

  • Hirnnervenlähmungen

  • Stauungspapillen

  • explosionsartiges Erbrechen, v. a. bei schnellen Bewegungen des Kopfes

  • Wesensveränderungen (Verlangsamung, Benommenheit, Schläfrigkeit)

Hautkrebs
(Abschn. 21.2.9 und Atlas Abb. 21-35 bis 21-42)
  • schnelle Größenzunahme eines Muttermals

  • unscharfe Begrenzung

  • Ausbildung einer höckerigen Oberfläche

  • zunehmende bzw. unregelmäßige Pigmentierung

  • Blutungsneigung und Geschwürsbildung

  • entzündeter, rötlicher Hof um eine Hautveränderung, die nicht abheilt

  • Auftreten kleiner Satellitenknötchen

  • Anschwellen regionaler Lymphknoten

  • Juckreiz, Schmerzen oder „ein Arbeiten in der Geschwulst“

Metastasierung

Bei einer MetastasierungMetastasierung handelt es sich um eine Verschleppung von Krebszellen aus dem Primärtumor an andere Stellen im Körper. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Tochtergeschwulsten. Die wichtigsten Metastasierungswege gibt Tab. 24-2 wieder.
Dabei unterscheidet man:
  • nach Lokalisation:

    • lokale Metastasen, die sich direkt in der Umgebung des Tumors bilden

    • regionale Metastasen, entstehen in der nächsten Lymphknotengruppe, die die Lymphe aus dem Abstromgebiet der Krebsgeschwulst aufnimmt

    • Fernmetastasen, die sich über den Blutweg oder über den Lymphweg in weit entfernten Organen absiedeln können.

  • nach Art der Ausbreitung:

    • hämatogene Ausbreitung, erfolgt über den Blutweg

    • lymphogene Ausbreitung, erfolgt über die Lymphe

    • Impfmetastasen, die durch das Einstechen, z. B. bei einer Biopsie entstanden sind oder nach operativen Eingriffen

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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