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B978-3-437-55696-8.00023-3

10.1016/B978-3-437-55696-8.00023-3

978-3-437-55696-8

Freie Atemwege. A: Die zurückgesunkene Zunge blockiert die Atemwege. B: Durch Überstrecken des Kopfes wurden die Atemwege freigemacht.

[L126]

Wiederbelebung durch zwei Helfer.

[L126]

Lagerung bei hypovolämischem Schock.

[L126]

Mögliche Lagerung bei abdominalen Notfällen.

[L126]

Gesamtablauf einer Herz-Lungen-Wiederbelebung mit nur einem Helfer

Tab. 23-1
Vorgehen Befund
  • 1.

    Ansprechen und Rütteln, um Bewusstlosigkeit zu prüfen.

Bewusstlosigkeit liegt vor.
  • 2.

    Atemkontrolle: Kopf zur Seite drehen und Atemwege von Erbrochenem, Fremdkörpern und Zahnprothesen freiräumen. Kopf überstrecken und Atemfähigkeit kontrollieren (sehen, hören, spüren).

Keine Atmung vorhanden.
  • 3.

    Notruf absetzen (möglichst von einer zweiten Person)

  • 4.

    Evtl. Pulskontrolle an beiden Seiten des Halses.

Kein Puls vorhanden.
  • 5.

    Patienten auf harte Unterlage legen (wichtig, wenn Notfallpatient im Bett liegt!). Aufsuchen des Druckpunktes zur Herzmassage und Beginn der Herz-Lungen-Wiederbelebung mit jeweils 30 Herzmassagen, auf die zwei Beatmungen folgen. Diese Maßnahmen werden bis zum Eintreffen des Notarztes durchgeführt.

Gesamtablauf einer Herz-Lungen-Wiederbelebung bei zwei Helfern

Tab. 23-2
Erster Helfer (zuständig für Herztätigkeit) Zweiter Helfer (zuständig für Atemtätigkeit)
  • Ansprechen und Rütteln, um Bewusstlosigkeit zu prüfen. Bewusstlosigkeit liegt vor!

  • Evtl. Pulskontrolle an beiden Halsseiten. Kein Puls vorhanden!

  • Atemkontrolle: Atemwege frei räumen, Kopf überstrecken, Atemkontrolle durch sehen, hören, spüren.Keine Atmung vorhanden!

  • Evtl. beidseitige Kontrolle der Pupillenweite.Pupillen bleiben weit.

Betroffenen gemeinsam auf harte Unterlage legen
  • Aufsuchen des Druckpunktes zur Herzmassage

  • Beginn der Herzmassage mit einer Frequenz von 100 pro Minute

Nach jeder 30. Herzmassage zweimal Beatmen. Bei der Beatmung darauf achten, dass während der Atemspende der Brustkorb nicht zusammengepresst wird.
Diese Maßnahmen bis zum Eintreffen des Notarztes durchführen!

Schock und Reanimation

  • 23.1

    Schweregrade des Schocks622

  • 23.2

    Ablauf des Schocks622

    • 23.2.1

      Kompensierter Schock622

    • 23.2.2

      Dekompensierter Schock623

    • 23.2.3

      Organschädigungen623

  • 23.3

    Schockformen624

    • 23.3.1

      Hypovolämischer Schock624

    • 23.3.2

      Kardiogener Schock624

    • 23.3.3

      Septischer Schock625

    • 23.3.4

      Neurogener Schock625

    • 23.3.5

      Anaphylaktische Reaktionen und anaphylaktischer Schock625

  • 23.4

    Reanimation626

    • 23.4.1

      Atemspende627

    • 23.4.2

      Herzdruckmassage (Herzmassage)628

    • 23.4.3

      Ein- und Zwei-Helfer-Methode630

  • 23.5

    Notfall631

    • 23.5.1

      Der Notfallpatient631

    • 23.5.2

      Lagerung von Notfallpatienten631

    • 23.5.3

      Bewusstseinsstörungen632

  • 23.6

    Tod und Todeszeichen633

SchockEin Schock ist eine akut lebensbedrohliche Kreislaufstörung, die zu einer Störung der Durchblutung in den größeren (Makrozirkulationsstörungen) und kleineren bis kleinsten Gefäßen (Mikrozirkulationsstörungen) führt. Je nach Ursache des Schocks kann er sich akut, innerhalb von Minuten, entwickeln oder subakut innerhalb von Stunden.

Kennzeichen eines Schocks

Missverhältnis von Sauerstoffangebot und Sauerstoffbedarf der Organe.

Schweregrade des Schocks

Die Schwere eines Schocks lässt sich mit Hilfe des Schock-Index nach Allgöwer abschätzen (Kasten). Normal ist ein Wert um 0,5. Steigt der Wert auf 1,0, so weist das auf einen drohenden Schock hin. Bei einem Wert von 1,5 liegt ein manifester Schock vor. Allerdings kann auch bei einem Wert unter 1 ein Schock nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden.
Es muss beachtet werden, dass nicht jeder Schockpatient Blutdruckwerte unter 100 mmHg aufweisen muss. Für Patienten, die an Hypertonie leiden, kann ein Abfall in „normale“ Blutdruckwerte bereits einen Schock bedeuten.

Schock-Index

Pulsfrequenz pro Minute ÷ systolischen Blutdruck in mmHg

Ablauf des Schocks

Beim Schock unterscheidet man drei Phasen: Frühphase, kompensierte und dekompensierte Phase.
  • Frühphase. In der Frühphase finden sich ein beschleunigter (nur selten verlangsamter) Puls, eine blasse Haut und ein normaler oder etwas erhöhter Blutdruck.

  • kompensierte Phase. Während der kompensierten Phase sinkt der Blutdruck ab und liegt systolisch meist um 100 mmHg. Allerdings ist der Wert stark vom Ausgangswert abhängig. Typisch ist auch ein Ansteigen des diastolischen Wertes, was zu einer Verkleinerung der Blutdruckamplitude führt. Dies weist auf eine verminderte Auswurfleistung des Herzens hin. Der Puls ist beschleunigt und schlecht tastbar; die Haut blass und kalt und es kommt zum Schweißausbruch.

  • dekompensierte Phase. Während der dritten Phase sinkt der Blutdruck noch weiter ab. Der Puls ist sehr schnell und flach. Blutdruck und Puls können deshalb kaum oder gar nicht mehr gemessen werden. Die Atmung ist beschleunigt. Der Betroffene ist unruhig und fühlt sich schlecht; es kann zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen. Werden keine geeigneten therapeutischen Maßnahmen durchgeführt, stirbt der Betroffene.

Kompensierter Schock

Schock:kompensierterEin Schock beginnt entweder mit einem akuten oder subakuten Volumenverlust, einer Weitstellung der Gefäße und/oder einer verminderten Herzleistung. Dabei können ein oder zwei oder sogar alle drei Faktoren eine Rolle spielen.
Aufgrund körpereigener Kompensationsmechanismen, v. a. durch eine erhöhte Adrenalinausschüttung, kommt es zu einer Kontraktion der Arterien und Arteriolen, zu einer Entleerung der venösen Blutspeicher, zum verstärkten Rückstrom der Flüssigkeit aus dem Zwischenzellraum in die Gefäße und zum Ansteigen der Herzfrequenz. Durch diese Maßnahmen kann es sein, dass eine Zentralisation des Kreislaufs erreicht wird, das heißt, dass die lebenswichtigen Organe wie Gehirn, Herz und Niere noch ausreichend mit Blut versorgt werden. Dagegen wird die Durchblutung der Peripherie gedrosselt.
Möglicherweise kommt es durch diese Kompensationsmaßnahmen des Körpers zu einer Beendigung des Schocks. Reichen die Maßnahmen jedoch nicht aus, weil z. B. der Blutverlust so groß war, dass keine Zentralisation erreicht werden konnte, so geht nun der Schock in seine dekompensierte Phase über.

Ursachen eines Schocks

  • Volumenverlust

  • Weitstellung der Gefäße

  • verminderte Herzleistung

Dekompensierter Schock

Schock:dekompensierterDurch das fehlende Blutvolumen verlangsamt sich der gesamte Blutstrom im Kreislaufsystem. Der Körper wird nur noch in den sogenannten Vorzugsgebieten (= Zentralisation) durchblutet. Untergeordnete Bereiche werden nicht mehr vollständig oder gar nicht mehr durchblutet.
  • In den minderdurchbluteten Kapillargebieten „dickt“ das Blut ein. Die Erythrozyten und die Thrombozyten ballen sich zusammen und bilden Mikrothromben; man spricht in diesem Zusammenhang von dem Sludge-Sludge-PhänomenPhänomen. Sludge stammt aus dem Englischen und bedeutet Schlamm. Damit meint man, dass das Blut durch seine schockbedingt geringe bis aufgehobene Fließgeschwindigkeit wie ein austrocknender Fluss verschlammt und verklumpt.

  • Nun bilden sich überall in den kleinen Gefäßen Mikrothromben. Durch diese Mikrothromben werden die kleinsten Blutgefäße verstopft und die Blutzirkulation noch weiter behindert. Diese erhöhte Gerinnungsneigung wird erst gestoppt, wenn alle Gerinnungsfaktoren verbraucht sind.

  • Nun kommt es zur „VerbrauchskoagulopathieVerbrauchskoagulopathie“. Damit meint man, dass alle Gerinnungsfaktoren verbraucht sind und nicht mehr für die Blutgerinnung zur Verfügung stehen. Die Folge davon ist eine erhöhte Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese), die sich darin äußern kann, dass der Notfallpatient noch spontanes Nasenbluten bekommt, oder dass ein vorliegendes Magengeschwür zu bluten beginnt oder Hauteinblutungen (z. B. Petechien) auftreten. Durch solche Blutungen verschlimmert sich der Schock durch den daraus folgenden Volumenmangel noch weiter.

Durch den darniederliegenden Kreislauf mit Sauerstoffmangel und einer Anhäufung toxischer Produkte im Blut kann es zusätzlich zur Schädigung des Kreislaufzentrums (Vasomotorenzentrum) im verlängerten Mark (Medulla oblongata) kommen. Diese Schädigung wiederum bedingt eine Weitstellung der Gefäße und zusätzlich eine Verstärkung des Schockgeschehens. Im unterversorgten Gebiet kann sich eine Nekrose (Gewebetod) und damit ein Organversagen oder sogar ein Multiorganversagen entwickeln.

Organschädigungen

Schock:OrganschädigungOrganschädigung, SchockBei einem Schock kann grundsätzlich jedes Organ geschädigt werden. Besonders gefährdet sind jedoch Niere, Lunge, Darm und Gehirn.
Schockniere.Zur Schockniere kommt es, wenn der systolische Blutdruckwert für längere Zeit unter 60 mmHg sinkt, da dann der Filtrationsdruck in der Niere nicht mehr ausreicht. Es kommt zur Abnahme (Oligurie) und später sogar zum völligen Versiegen der Harnproduktion (Anurie). Erschwerend kommt hinzu, dass die Niere selbst unter Sauerstoffmangel leidet und von daher ihrer Arbeit nicht ausreichend nachkommen kann. Außerdem kann sie ihre anfallenden Stoffwechselendprodukte nicht mehr an das Kreislaufsystem abgeben, sodass sich diese im Gewebe anlagern und die Nierenarbeit noch weiter beeinträchtigen.
Nun können die harnpflichtigen Stoffwechselendprodukte und Toxine im gesamten Körper nicht mehr mit dem Urin ausgeschieden werden und verbleiben im Körper. Die gefürchtete Folge hiervon ist die Urämie (Harnvergiftung).
Schocklunge.Die erhöhte Kapillardurchlässigkeit kann in der Lunge zu einem interstitiellen Lungenödem führen. Dies kann eine unzureichenden Atmung (respiratorische Insuffizienz) zur Folge haben und damit zu einem ausgeprägten Sauerstoffmangel im Gewebe führen.
Bitte beachten Sie, dass sich eine Schocklunge noch 18 bis 36 Stunden nach einem Schock durch eine Schädigung des Kapillarendothels einstellen kann. Deshalb muss der Patient in jedem Fall nach einem Schock in die Klinik zur Überwachung eingewiesen werden, damit bei einer Schocklunge umgehend entsprechende Gegenmaßnahmen ergriffen werden können.
Schockdarm.SchockdarmDurch den Sauerstoffmangel in der Darmschleimhaut verliert diese ihre Barrierefunktion: An der Wand des Darmes sitzen physiologischerweise Bakterien (Darmflora), die sowohl bei der Verdauung mithelfen und Vitamine produzieren als auch mithelfen zu verhindern, dass krankheitserregende Stoffe und Toxine vom Darm in das Kreislaufsystem übertreten können. Ist die Darmschleimhaut nicht mehr ausreichend durchblutet, so kann sie dieser Arbeit nicht mehr nachkommen und somit gelangen vermehrt Bakterien, Toxine, Fäkalkeime und Stoffe, die ausgeschieden werden sollen, ins Blut.

Schockformen

Hypovolämischer Schock

Schock:hypovolämischerWichtigstes Kennzeichen eines hypovolämischen Schocks ist eine Verminderung der zirkulierenden Blutmenge. Diese Verminderung kann ihre Ursache in einer inneren oder äußeren Blutung haben, aber auch in heftigen Durchfallerkrankungen, starkem Erbrechen, übermäßigem Schwitzen, Verbrennungen oder in einer Fistel. Innere Blutungen können z. B. durch einen Milz- oder Leberriss (s. u.) durch einen Unfall ausgelöst werden oder durch Knochenbrüche, bei denen es zu Gefäßverletzungen gekommen ist, aber auch durch ein stark blutendes Magen-Darm-Geschwür. Eine Verletzung innerer Organe ist oft schwer festzustellen.

Volumenverlust bei Säuglingen oder Kleinkindern z. B. infolge von Durchfällen oder Erbrechen, kann innerhalb von Stunden zum hypovolämischen Schock führen.

Infolge einer stumpfen Gewalteinwirkung auf das Abdomen, ist es zu einer Milzverletzung gekommen. Typische Ursachen hierfür sind Fahrradstürze auf den Fahrradlenker oder Anprall eines Autofahrers ans Lenkrad, wenn bei einem Auffahrunfall kein Sicherheitsgurt angelegt war. Da das Blut in der Milz in Sinusoiden fließt, kommt es nun zu heftigen Blutungen innerhalb der Milz. Anfangs kann jedoch die Milzkapsel das austretende Blut noch aufnehmen. Innerhalb von Stunden wird der Druck auf die Milzkapsel jedoch so groß, dass es zum Zerreißen der Kapsel kommt. Man spricht von deshalb von der zweizeitigen Milzruptur, weil die erste „Zeit“ der Milzruptur in der tatsächlichen Verletzung des Milzgewebes liegt und die zweite „Zeit“ beim Zerreißen der Milzkapsel.

Leitsymptome des hypovolämischen Schocks

  • Blasse, feuchte, kalte Haut

  • Erregung

  • Unruhe

  • absinkender Blutdruck

  • Tachykardie

  • Oligurie bis Anurie

Kardiogener Schock

Schock:kardiogenerDer kardiogene Schock wird durch ein drohendes Pumpversagen des Herzens ausgelöst, v. a. aufgrund eines Herzinfarkts, aber auch durch schwere Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen, Myokarditis, Herztamponade oder Lungenembolie. Dies führt zu einer Verminderung des Herzzeitvolumens (HZV), sodass das Herz nicht mehr in der Lage ist, eine ausreichende Menge Blut in die Peripherie zu pumpen.
Typisch für den kardiogenen Schock ist es, dass der Patient sitzt oder versucht zu sitzen (Orthopnoe). Er ist ängstlich und blass-zyanotisch. Je nach Ursache des Schocks kann man Zeichen der Linksherzinsuffizienz („brodelnde Lunge“) oder der Rechtsherzinsuffizienz (gestaute Halsvenen) feststellen.
Als Erste-Hilfe-Maßnahme wird der Betroffene mit erhöhtem Oberkörper gelagert. Eine Volumenzufuhr darf nicht durchgeführt werden. Sie kann evtl. im Krankenhaus unter Kontrolle des zentralen Venendrucks erfolgen. Es darf auch keine i. m.-Injektion vorgenommen werden, da sonst im Krankenhaus keine Lysetherapie durchgeführt werden kann. Häufig entwickelt sich bei dem Patienten im weiteren Verlauf eine zyanotische Marmorierung der Haut an Hals, Brust und Extremitäten.

Kardiogener Schock

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Keine Volumenzufuhr!

Septischer Schock

Schock:septischerZum septischen Schock kann es bei bakteriellen Infektionen (v. a. mit gramnegativen Erregern) durch Einschwemmung von Bakteriengiften in die Blutbahn kommen. Diese Toxine führen zu einer Weitstellung der kleinen und kleinsten Gefäße der Peripherie, zu Gefäßwandschäden und zu Verlegungen des Kapillarlumens durch Mikrothromben.
Beim septischen Schock bestehen die Zeichen einer Allgemeininfektion mit meist hohem Fieber, manchmal auch mit Schüttelfrost. Aufgrund der ablaufenden Infektion ist der Blutdruck typischerweise zunächst normal, aber nachdem sich der Schock auszubilden beginnt, fällt der Blutdruck ab, und es stellen sich die typischen Schocksymptome ein.

Neurogener Schock

Schock:neurogenerInfolge von sehr starken Schmerzen, Verbrennungen, Verletzungen des Rückenmarks oder des Hirnstammes kann es zu Störungen der neuralen Kontrollmechanismen der Kreislaufregulation mit der typischen Kreislaufschocksymptomatik kommen. Bei Rückenmark- und Hirnstammverletzungen stellt sich zusätzlich ein spinaler Schock mit Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, Reflexminderung und Lähmungen von Blase und Mastdarm ein.

Sofortmaßnahmen

Beim Schock müssen folgende Maßnahme durchgeführt werden:
  • Notarzt rufen

  • Venösen (großlumigen) Zugang schaffen

  • Schocklagerung, außer bei kardiogenem Schock, bei Atemnot, bei Bronchialkrampf und bei Kopf- und Brustverletzungen. In diesen Fällen muss der Oberkörper hoch gelagert werden!

  • Sauerstoffgabe

Lebensbedrohliche Zustände

Bei unmittelbar lebensbedrohlichen Zuständen stehen an erster Stelle die Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen, dann erfolgt die intravenöse Gabe von:
  • Elektrolytlösung (z. B. Ringer-Lösung® 500 bis 1.000 ml). Nur beim Volumenmangelschock, nicht beim kardiogenen Schock!

  • Adrenalin (z. B. Suprarenin®, verschreibungspflichtig)

Anaphylaktische Reaktionen und anaphylaktischer Schock

Schock:anaphylaktischerReaktion, anaphylaktischeEine anaphylaktische Reaktion ist eine Überempfindlichkeitsreaktion vom Soforttyp, die auch als Typ-I-Allergie bezeichnet wird. Sie wird durch Antikörper der Immunglobulinklasse IgE vermittelt, und zwar nach einer Sensibilisierungsphase, wenn ein erneuter Kontakt mit dem auslösenden Allergen stattfindet. Die Antikörper setzen sich nach Antigenkontakt auf die Mastzellen und veranlassen diese, Histamin freizusetzen, das bei der Entstehung der Anaphylaxie eine zentrale Rolle spielt.
Der Schweregrad der Erkrankung hängt aber nicht nur von der Menge des freigesetzten Histamins ab, sondern auch vom Ort der Freisetzung. Weiterhin spielen noch weitere Mediatoren wie z. B. Leukotriene und PAF (plättchenaktivierender Faktor, v. a. bei Asthma bronchiale wichtig) eine Rolle.
Kommt es zu einer generalisierten, schweren Anaphylaxie, spricht man vom anaphylaktischen Schock.
Symptome.Die auftretenden Symptome können sich an der Haut, der Lunge, dem Herz-Kreislauf-System und dem Magen-Darm-Trakt zeigen (s. u., „Schweregrade“).
Ursachen.Ausgelöst werden die Anaphylaxie und der anaphylaktische Schock v. a. durch Medikamente (ASS, Lokalanästhetika, Röntgenkontrastmittel, Organextrakte), Fremdeiweiße (v. a. Impfungen, Insektenstiche) und Latex. Anaphylaktische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock können schon während der Verabreichung eines Medikaments bis Minuten danach auftreten.
Stadieneinteilung.Je nach Schwere des Krankheitsbildes unterscheidet man die Stadien 0 bis IV.
  • Stadium 0. Es kommt nur zu lokalen, auf den Kontaktort beschränkten Hautreaktionen, ohne weitere allgemeine Beschwerden.

  • Stadium I. Es beginnt oft mit Juckreiz und Brennen der Handflächen und Fußsohlen und/oder Juckreiz und Brennen im und um den Mund und/oder im und um den After herum. Des Weiteren treten Allgemeinsymptome auf wie allgemeine Unruhe, Kopfschmerzen und Haut- und Schleimhautreaktionen. Letztere können sich als Erythem (Hautrötung), Flush (Hautrötung mit Hitzewallung) oder Urtikaria (Quaddelsucht) zeigen.

  • Stadium II. Es kommt zu ausgeprägten Kreislauf- und/oder Lungensymptomen wie Atemnot, Blutdruckabfall, Tachykardie und Bewusstseinstrübung. Des Weiteren können sich Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und ein Quincke-Ödem einstellen.

  • Stadium III. Es kommt zu einer lebensbedrohlichen Reaktion mit Schock, schweren Atemstörungen und/oder Bewusstseinstrübung bis Bewusstlosigkeit.

  • Stadium IV (Herz-Kreislauf-Stillstand).

Therapie.Die therapeutischen Maßnahmen orientieren sich an den Schwergraden (s. o.):
  • Stadium 0. Es ist keine unmittelbare Therapie notwendig, aber der Patient muss darauf hingewiesen werden, dass eine diesbezügliche Überempfindlichkeit besteht. Auf der Patientenkartei erfolgt ein entsprechender Vermerk, damit dieses Mittel bei dem betroffenen Patienten nicht mehr angewendet wird, sodass es nicht später zu einem anaphylaktischen Schock kommt. Der Patient wird zur genauen Abklärung und Austestung der allergieauslösenden Substanz(en) an den Hausarzt verwiesen.

  • Stadium I. Es wird ein Antihistaminikum langsam intravenös verabreicht, dazu gibt ein Heilpraktiker einen Histaminblocker H1, da dieser nicht verschreibungspflichtig ist. Hat er auch einen (verschreibungspflichtigen! s. u.) H2-Blocker zur Verfügung, ist dieser ebenfalls einzusetzen. Beachten Sie hierbei, dass im Notfall alle Injektionen i. v. erfolgen müssen, damit die Substanzen sofort in das Kreislaufsystem gelangen!! Anschließend wird er zur Abklärung an den Hausarzt verwiesen.

  • Stadium II

    • Allergenzufuhr stoppen

    • Sofort Notarzt rufen!

    • Sauerstoffgabe

    • Venösen Zugang schaffen und Volumen mit Elektrolytlösung (z. B. Ringer-Lösung® 500 bis 1.000 ml) auffüllen.

    • intravenöse Gabe eines Antihistaminikums und Kortison (z. B. Prednisolon® oder Solu-Decortin®, verschreibungspflichtig!)

  • Stadium III.

    • Allergenzufuhr stoppen

    • Notarzt rufen!

    • Sauerstoffgabe

    • Venösen Zugang schaffen und Adrenalin (Suprarenin®, verschreibungspflichtig!) in kleinen Dosen (langsam!) i. v. verabreichen, wobei eine Ampulle Suprarenin® mit 9 ml NaCl verdünnt werden muss.

    • Kortison i. v.

  • Stadium IV Sofort Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten (s. u.).

Anmerkung zum Einsatz von verschreibungspflichtigen Medikamenten im Notfall. Grundsätzlich darf ein Heilpraktiker ein verschreibungspflichtiges Medikament an einem Notfallpatienten anwenden, um Schaden oder sogar den Tod von diesem abzuwenden. Ein solches Mittel könnte im Besitz des Heilpraktikers sein, weil er z. B. selbst Allergiker ist und er dieses Mittel für sich vom Arzt verordnet bekam oder weil er es („zufällig“) für eine andere Person verwahrt und es so in seinem Besitz hat.

Reanimation

WiederbelebungReanimationUnter Reanimation (Herz-Lungen-Herz-Lungen-WiederbelebungWiederbelebung) versteht man eine Wiederbelebung, die durch Erste-Hilfe-Maßnahmen bei einem Bewusstlosen nach Eintritt eines plötzlichen Herz- und/oder Atemstillstandes erreicht wurde.
Die Zeitspanne zwischen einem erfolgten Herz-Kreislauf-Stillstand und dem Eintritt irreversibler Schädigungen lebenswichtiger Organe aufgrund des Sauerstoffmangels wird als Wiederbelebungszeit bezeichnet. Bei Unterkühlten, Säuglingen und Kleinkindern ist die Wiederbelebungszeit verlängert. Das Gehirn ist bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand am stärksten gefährdet. Es hat nur eine Wiederbelebungszeit von 3–6 Minuten; beim Herz dagegen beträgt diese Zeitspanne 15–30 Minuten.
Bei der Wiederbelebungszeit unterscheidet man folgende Phasen:
  • 1.

    Phase: frühe Phase. Es handelt sich um die Zeitspanne der Funktionserhaltung. Es kommt zu einer völligen Wiederherstellung der Organe.

  • 2.

    Phase: zunehmende Zellschädigung. Wird diese Phase erreicht, so kann die Organtätigkeit nur unvollständig wiederhergestellt werden.

  • 3.

    Phase: Zelltod und irreversibler Organausfall. Ist die Zellschädigung zu weit fortgeschritten, kommt es zum Zelltod und damit zum irreversiblen Organausfall.

Schema

Die Abkürzung AHA steht für:
A = Atemwege freimachen
H = Herzdruckmassage
A = Atemspende

Atemspende

Überprüfung der Atemfähigkeit.Die Atmung wird überprüft, indem der Helfer den Kopf des Notfallpatienten überstreckt (s. u.) und seine Wange über Nase und Mund des Notfallpatienten beugt und dabei gleichzeitig den Brustkorb beobachtet, ob sich dieser hebt und senkt. Der Notfallhelfer soll bei der Atemprüfung sehen (ob sich der Brustkorb hebt und senkt), fühlen (Luftstrom der Atemluft) und hören (Atemgeräusch). Diese Atemprüfung soll nicht länger als 10 Sekunden dauern. Bei fehlender oder unzureichender Atmung wird als erstes der Notarzt verständigt. Danach wird sofort mit Herzmassage und Atemspende begonnen.Atemspende
Atemwege frei machen.Damit eine Atemspende erfolgreich sein kann, müssen die Atemwege frei sein. Um die Atemwege freizuräumen, wird der Kopf zur Seite gedreht und Erbrochenes, Fremdkörper, lockere Zahnprothesen, Blut, Schleim mit einem um die Finger gewickelten Taschentuch oder Ähnlichem aus dem Mund entfernt. Günstig ist es, wenn man sich für seine Notfalltasche eine Handabsaugpumpe zulegt, die das Entfernen von Erbrochenen, Blut und Schleim erleichtert.
Heute wird auch empfohlen zuerst mit der Atemspende zu beginnen und nur wenn man feststellt, dass sich der Brustkorb nicht ausreichend hebt und senkt, die Atemwege auf Hindernisse zu untersuchen. Dies hat aber den Nachteil, wenn Atemweghindernisse vorliegen und der Kopf überstreckt wird, dann dringen diese tiefer in die Atemwege vor.
Kopf überstrecken.Beim Bewusstlosen ist oft die zurückgesunkene Zunge ein Atemhindernis. Dieses Atemhindernis kann durch das Überstrecken des Kopfes beseitigt werden (Abb. 23-1). Um die Atemwege noch besser zu öffnen, kann noch der Esmarch-Handgriff durchgeführt werden. Dazu umfasst man den Unterkiefer des Patienten mit beiden Händen und schiebt den Unterkiefer so vor den Oberkiefer, dass die untere Zahnreihe vor die obere kommt. Dabei bleibt der Unterkiefer maximal überstreckt.
Mund-zu-Nase-Beatmung.Um eine Mund-zu-Nase-Mund-zu-Nase-BeatmungBeatmung durchzuführen wird der Kopf überstreckt, evtl. noch der Unterkiefer nach vorne geschoben, dann wird der Mund verschlossen. Danach bläst der Ersthelfer seine eigene ausgeatmete Luft in die Nase des Notfallpatienten. Dieser atmet passiv aus.
Die weitere Beatmung erfolgt dann im eigenen Atemrhythmus mit ca. 12 Beatmungen pro Minute. Bei der Atemspende wird darauf geachtet, dass sich der Brustkorb anhebt. Ist dies nicht der Fall, wechselt man von der Mund-zu-Nase-Beatmung auf die Mund-zu-Mund-Beatmung. Ist eine Verlegung der Atemwege, die nicht beseitigt werden konnte der Grund, dass nicht beatmet werden kann, so hat die Herzdruckmassage oberste Priorität.
Kann die Mund-zu-Nase-Beatmung – z. B. wegen einer Verlegung der Nasenwege – nicht erfolgen, so wird die Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt. Dazu überstreckt man den Kopf, hebt das Kinn an und verschließt die Nase des Patienten. Man geht nun wie vorstehend beschrieben vor, nur dass man die eigene ausgeatmete Luft in den Mund und nicht in die Nase des Notfallpatienten bläst.
Atemspende beim Säugling.Liegt dem Atemstillstand ein Verschlucken von Fremdkörpern zugrunde, so wird dem Kind, bei nach unten hängendem Oberkörper auf den Rücken zwischen die Schulterblätter geklopft. Dann entfernt man mit den Fingern aus dem Mund bzw. Rachen den Fremdkörper. Setzt daraufhin nicht die Spontanatmung ein, beginnt man mit der Atemspende.
Hier umschließt der Helfer mit seinem Mund gleichzeitig Mund und Nase des Säuglings. Es werden nur kleine Atemstöße alle drei Sekunden gegeben, das heißt, dass man hier auf eine Frequenz von 20 Beatmungen pro Minute kommt.
Verschluckte Fremdkörper.Ist ein verschluckter Fremdkörper, verschluckterFremdkörper die Ursache des Atemstillstandes, so fordern Sie den Notfallpatienten zum Husten auf und schlagen Sie mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter (im Stehen oder Sitzen). Kann dadurch der Fremdkörper nicht nach außen befördert werden, so führen Sie das Heimlich-Manöver durch: Dazu fassen Sie auf beiden Seiten unter den Armen des Patienten hindurch und umfassen ihre Faust mit der anderen Hand. Dann ziehen Sie ihre Hände in ruckartigen Bewegungen in den Bauch des Betroffenen, um den Fremdkörper durch die dadurch entstehende Drucksteigerung nach außen zu befördern.
Das Heimlich-Manöver ist nicht ungefährlich. Werden die Ruckbewegungen zu stark ausgeführt, kann es zum Einreißen innerer Organe, v. a. der Leber und der Milz kommen. Dies birgt die Gefahr, dass es zu so heftigen Blutungen kommt, dass sich ein Schock entwickelt.

Herzdruckmassage (Herzmassage)

HerzmassageHerzdruckmassageKennzeichen eines Kreislaufstillstandes sind fehlende Pulse, Bewusstlosigkeit, blassgräuliche Verfärbung, Atemstillstand (evtl. mit vereinzeltem Luftschnappen) und weite, reaktionslose Pupillen.
Durchführung einer Herzmassage.Die richtige Stelle für die Durchführung einer Herzmassage liegt beim Erwachsenen in der Mitte des Brustbeins.
Zur Durchführung der Herzmassage wird der rechte Handballen auf das Brustbein aufgesetzt, die Fingerspitzen werden nach oben gestreckt. Der linke Handballen wird auf das Gelenk der rechten Hand gelegt und die Finger ebenfalls nach oben gestreckt (Abb. 23-2). Die Finger können miteinander verschränkt werden, damit die Massage weniger anstrengend ist.
Das Brustbein wird nun durch regelmäßige Kompressionen 5 cm in Richtung Wirbelsäule gedrückt. Der Druck ist richtig dosiert, wenn während der Herzmassage der Karotis- bzw. Femoralispuls tastbar ist. Die Kompressionen erfolgen mit einer Frequenz von 100 pro Minute.
Es ist vor Beginn einer Herzmassage darauf zu achten, dass sich der Betroffene auf einer harten Unterlage befindet. Das bedeutet, dass ein im Bett liegender Patient auf den Fußboden gelegt werden muss.
Durchführung der Herzmassage bei Säuglingen und Kleinkindern.Die Herzmassage wird in diesem Fall mit einer Frequenz von ungefähr 100–120 pro Minute (bei Neugeborenen 120–140 pro Minute) durchgeführt. Sie erfolgt nicht mit den Handballen, sondern entweder mit dem Daumen oder mit Zeige- und Mittelfinger.
Kennzeichen einer erfolgreichen Herz-Lungen-Wiederbelebung.Die blassgräuliche Verfärbung verschwindet, die Herztätigkeit setzt wieder ein, was durch einen tastbaren Halspuls festgestellt werden kann. Außerdem kehren die Spontanatmung und die Pupillenreflexe zurück.
Pupillenprüfung.Zur Prüfung des Pupillenreflexes hebt man das geschlossene Augenlid an um festzustellen, ob sich die Pupille auf den Lichtreiz hin verengt. Tut sie das, so ist das ein Zeichen dafür, dass sauerstoffreiches Blut zum Gehirn gelangt. Verengt sich die Pupille nicht, so fließt vermutlich kein Blut zum Gehirn. In diesem Fall steht ein Hirninfarkt bevor.
Defibrillator.DefibrillatorHeute findet man zunehmend in Bahnhöfen, Flughäfen und anderen öffentlichen Gebäuden automatisierte externe Defibrillatoren (AED), die sich für eine Anwendung durch medizinische Laien eignen. Dabei werden durch gezielte Stromstöße Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern oder Kammerflattern beendet.
Wichtig ist, dass der Defibrillator möglichst frühzeitig eingesetzt wird. Nach der Defibrillation wird eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchgeführt.

Ein- und Zwei-Helfer-Methode

Alleiniger Helfer.Ist man alleiniger Helfer, so geht man bei Bewusstlosigkeit, fehlender Atmung und Kreislaufstillstand folgendermaßen vor: Man legt den Notfallpatienten auf eine harte Unterlage, dreht den Kopf zur Seite und räumt die Atemwege frei; dann überstreckt man den Kopf und hebt das Kinn an. Danach wird geprüft, ob die Spontanatmung wieder eingesetzt hat. Ist dies nicht der Fall, werden 30 Herzmassagen und zwei Beatmungen durchgeführt. Dieser Rhythmus von 30 Herzmassagen und zwei Beatmungen wird bis zum Eintreffen des Notarztes beibehalten. Bitte beachten Sie, dass die Herzmassage durch die Atemspenden nur kurzfristig unterbrochen werden darf (Tab. 23-1).
Zwei Helfer.Sind bei einem Notfall zwei Helfer vorhanden, so geht man grundsätzlich wie vorstehend beschrieben vor, mit dem Unterschied, dass ein Helfer die Herzmassage durchführt und der andere dieZwei-Helfer-Methode künstliche Beatmung vornimmt.Hilfe, ersteErsthelferEin-Helfer-Methode
Während der Atemspende darf der Brustkorb nicht komprimiert werden (Tab. 23-2).

Wiederbelebung durch einen oder zwei Helfer

30× Herzmassage
2× Atemspende

Notfall

Der Notfallpatient

NotfallpatientNotfallJemand wird dann als Notfallpatient bezeichnet, wenn es zum Ausfall (oder zumindest zum drohenden Ausfall) einer oder mehrerer lebenswichtiger Funktionen gekommen ist (Bewusstlosigkeit, fehlende Atmung, Kreislaufstillstand). In diesem Fall ist es nicht wichtig zu erkennen, was die eigentliche Grundkrankheit ist, sondern es ist nur wichtig zu sehen, welche lebenswichtige Funktion gestört ist. Die entscheidende Frage lautet also: Woran wird dieser Patient sterben, wenn es nicht sofort gelingt, die lebenswichtigen Funktionen wiederherzustellen? Die Antwort bestimmt die sofort einzuleitenden Notfallmaßnahmen.
Die einzuleitenden Notfallmaßnahmen sind als erstes Glied in einer Rettungskette zu betrachten. In dieser Rettungskette stehen Sie als Helfer am Notfallort an erster Stelle. Das nächste Glied bildet der Rettungsdienst mit Notarzt bzw. den Rettungsassistenten, danach erfolgt die Notaufnahme in die Klinik und die Behandlung durch Ärzte und Schwestern, dann wird evtl. eine Einweisung in die Intensivstation vorgenommen.
Am Notfallort kommt es nun entscheidend darauf an, die lebenswichtigen Funktionen der Atmung und des Kreislaufs aufrechtzuerhalten. Untrennbar sind damit der Wasser-, der Elektrolyt- und der Säure-Basen-Haushalt verbunden.

Im Notfall kommt es darauf an, die lebenswichtigen Funktionen wiederherzustellen und so irreversible Organschäden und den Tod des Betroffenen zu verhindern.

Es kommt nicht darauf an, die zugrundeliegende Erkrankung zu erkennen!

Lagerung von Notfallpatienten

Schocklagerung.SchocklagerungDie Lagerungstechnik bei einem hypovolämischen Schock soll den Volumenmangel durch eine sogenannte Autotransfusion ausgleichen. Dazu wird der Oberkörper tief gelagert und die Beine werden angehoben. Diese Schocklagerung darfNotfall:LagerungLagerung im Notfall beim kardiogenen Schock, bei bestehender Atemnot und bei Bewusstlosigkeit nicht durchgeführt werden (Abb. 23-3).
Stabile Seitenlagerung.Die stabile Seitenlagerung, stabileSeitenlagerung wird bei Patienten angewendet, die bewusstlos sind, spontan atmen und deren Kreislauffunktion erhalten ist. Absicht der stabilen Seitenlagerung ist es, freie Atemwege zu sichern. Der Kopf wird dabei so gelagert, dass er zum tiefsten Punkt wird, sodass Erbrochenes, Blut und Schleim abfließen kann.
Um den Notfallpatienten in die stabile Seitenlage zu bringen, kniet sich der Helfer seitlich neben ihn. Er legt den ihm zugewandten Arm des Bewusstlosen im 90°-Winkel ausgestreckt auf den Boden. Das vom Helfer abgewandte Bein wird angewinkelt und aufgestellt.
Die Hand des abgewandten Arms wird auf das Knie des angewinkelten und aufgestellten Beines gelegt (evtl. muss das Knie angehoben werden). Der Betroffene wird nun über die Hüfte in die Seitenlage gezogen. Die Hand des abgewandten Armes wird mit den Fingerspitzen vor das Kinn des überstreckten Kopfes gelegt und der Mund wird leicht geöffnet, um die Atemwege weiterhin frei zu halten. Achten sie darauf, dass der Mund des Betroffenen als tiefster Punkt des Körpers erhalten bleibt, und dass sein Kopf nackenwärts gebeugt ist.
Die früher etwas komplizierter auszuführenden Techniken dürfe heute auch noch eingesetzt werden.
Lagerung bei Atemnot.Besteht Atemnot:LagerungAtemnot, so wird der Oberkörper grundsätzlich hoch gelagert. Bei Brustkorbverletzungen muss der Notfallpatient auf die verletzte Thoraxseite gelagert werden, sodass er mit der gesunden Seite atmen kann.

Stabile Seitenlagerung.

[L126]

Lagerung bei abdominalen Notfällen.Liegt ein akutes Abdomen, akutes:LagerungAbdomen oder eine Verletzung des Bauchraums vor, so wird weitgehend nach Wunsch des Betroffenen gelagert. Gegebenenfalls kann eine Knierolle untergeschoben werden und der Oberkörper leicht erhöht werden, um so eine Entspannung der Bauchdecke zu erreichen (Abb. 23-5).
Flachlagerung.FlachlagerungLiegt ein Verdacht auf eine Verletzung des Rückenmarks oder auf einen Beckenbruch vor, so wird der Betroffene auf einer festen Unterlage flach gelagert.

Bewusstseinsstörungen

Bewusstseinsstörung:SchockBewusstseinsstörungen können als qualitative Störungen auftreten, z. B. als Verwirrtheit; sie können jedoch auch quantitativer Natur sein und sich als Störung der Wachheit (Vigilanz) zeigen. Ursachen für Bewusstseinsstörungen können im Gehirn liegen und so z. B. nach einem Hirninfarkt, einer Hirnblutung, bei Hirntumoren oder durch Hirnverletzungen auftreten. Sie können aber auch stoffwechselbedingt sein, z. B. durch Vergiftungen.
Ohnmacht (Synkope)
SynkopeOhnmachtHandelt es sich nur um einen kurz andauernden Bewusstseinsverlust, der Sekunden bis Minuten anhält, so spricht man von einer Synkope. Es handelt sich dabei um die sogenannte Ohnmacht, die aufgrund von Kreislaufregulationsstörungen auftreten kann, aber auch bei Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Cor pulmonale, Herzinfarkt sowie durch Stenosen und Aneurysmen von Hirngefäßen.
Erscheinungsformen.Man unterscheidet:
  • vagovasale (vasovagale) Synkope: Der Nervus vagus verursacht eine periphere Gefäßerweiterung, wodurch das Blut in der Peripherie versackt. Die Folge sind Bewusstseinsverlust und plötzlicher Blutdruck- und Pulsabfall.

  • orthostatische Synkope: Sie tritt bei hypotonen Kreislaufregulationsstörungen (Abschn. 6.2.2) auf. Vor allem nach schnellen Lageänderungen, z. B. Aufrichten aus der Hocke, kommt es zu einer Unterversorgung des Kreislaufregulationszentrums (Vasomotorenzentrum) im Gehirn und damit zur Kreislaufregulationsstörung.

Die Therapie dieser Synkopen besteht in der Schocklagerung des Betroffenen. Dadurch kommt es zu einer Autotransfusion, d. h. zu einer Umverteilung des Blutes von peripher nach zentral. Das Bewusstsein des Betroffenen kehrt daraufhin prompt zurück.
Schweregrade von Bewusstseinsstörungen
  • BenommenheitBenommenheit (leichte Bewusstseinstrübung). Es tritt eine Verlangsamung des Denkens und Handelns auf. Außerdem kommt es zu einer erschwerten Orientierung, zu Wortbildungsstörungen, zu einer Herabsetzung der Wahrnehmung und zu einer Verminderung der Merk- sowie der geistigen Leistungsfähigkeit.

  • SomnolenzSomnolenz (starke Bewusstseinstrübung). Zusätzlich zu den vorgenannten Symptomen kommt es zu Schläfrigkeit, aus der der Betroffene allerdings durch äußere Reize geweckt werden kann, allerdings schläft er dann aber sofort wieder ein.

  • SoporSopor (weitgehende Reaktionslosigkeit). Es handelt sich hierbei um einen schlafähnlichen Zustand, aus dem der Betroffene durch äußere Reize nicht mehr voll erweckt werden kann. Nur sehr starke Reize, v. a. Schmerzreize, können noch eine Reaktion, z. B. eine Abwehrbewegung, auslösen. Spontane Aktionen fehlen jedoch völlig.

  • KomaComaComa (tiefste Bewusstlosigkeit). Es handelt sich um eine sehr tiefe Bewusstlosigkeit, bei der auch auf stärkere Schmerzreize hin keine Reaktion mehr erfolgt.

    Je nach Ursache unterscheidet man diabetisches Coma (aufgrund von Hyperglykämie), hepatisches Coma (durch mangelhafte Entgiftungsfunktion bei schweren Lebererkrankungen), Coma uraemicum (Folge eines Nierenversagens), Coma cerebrale (aufgrund von Hirnerkrankungen wie Hirninfarkt, Enzephalitis, Hirnblutungen, Vergiftungen), Coma basedowicum (ungünstige Verlaufsform einer Schilddrüsenüberfunktion).

Bewusstseinsstörungen

  • Benommenheit

  • Somnolenz

  • Sopor

  • Coma

Tod und Todeszeichen

Todeszeitpunkt.Der Tod ist das Ende eines Prozesses, den man als Sterben bezeichnet. Während dieses Vorganges fällt meist erst ein lebenswichtiges Organ aus, weitere lebenswichtige Organe versagen kurz danach ebenfalls. Je nachdem, welches Organ zuerst ausfällt, unterscheidet man Herztod (durch Herzstillstand) und Hirntod (z. B. durch Schlaganfall).
Beim Sterbevorgang kann man den klinischen und den biologischen Tod unterscheiden. Diese Unterscheidung spielt allerdings heute keine große Rolle mehr.
Klinischer und biologischer Tod.Beim klinischen Tod ist es zu einem Stillstand des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung gekommen. Nach Eintreten des klinischen Todes besteht innerhalb einer gewissen Zeitspanne grundsätzlich die Möglichkeit zur Wiederbelebung (Abschn. 23.4, Reanimation). Danach kommt es zum unwiderruflichen Absterben von Gehirnzellen. Unter dem biologischen Tod versteht man den Hirntod, das heißt das Organversagen des Gehirns. Dies führt zum irreversiblen Ausfall aller Hirnfunktionen. Die Kreislauffunktion kann manchmal noch (kurzzeitig) aufrechterhalten sein, bzw. künstlich aufrechterhalten werden, außerdem kann eine künstliche Atmung mittels einer Beatmungsmaschine erfolgen (s. u.).

Äußere Kennzeichen des Hirntodes

  • Bewusstlosigkeit

  • erloschene Spontanatmung

  • Fehlen zerebraler Reflexe (Pupillenstarre)

  • Fehlen umweltbezogener Lebensäußerungen

  • hirnelektrische Inaktivität (EEG-Nulllinie)

Transplantationsvoraussetzungen.TransplantationsvoraussetzungDie genaue Feststellung des Zeitpunktes des Hirntodes ist eine der notwendigen Voraussetzungen für die Entnahme von Organen zu Transplantationszwecken. Als sicheres Zeichen für den eingetretenen Hirntod gilt der Ausfall der Durchblutung aller Hirnarterien, was als „Kontrastmittelstase“ bei einer Angiographie nachweisbar ist. Weitere unabdingbare Kriterien sind eine anhaltende hirnelektrische Inaktivität (EEG-Nulllinie), Bewusstlosigkeit, erloschene Spontanatmung, das völlige Fehlen umweltbezogener Lebensäußerungen und zerebraler Reflexe ruckartige Bewegungen der Arme und Beine, die vom Rückenmark gesteuert werden, kommen aber gelegentlich vor. Bevor allerdings der Hirntod diagnostiziert werden kann, muss eine reversible Störung der Hirnfunktion, wie sie z. B. nach einer Vergiftung auftreten kann, ausgeschlossen werden. Als Organspender kommen bevorzugt hirntote Menschen in Betracht, deren Herz noch schlägt, bzw. deren Kreislauffunktion künstlich aufrechterhalten wird und die künstlich beatmet werden. Würde die Atmung nicht künstlich aufrechterhalten werden, so würde diese schnell von allein erlöschen, da keine Steuerung mehr über das Atemzentrum im Gehirn möglich ist. Das Herz würde trotz seiner autonomen Steuerung bald zu schlagen aufhören, da kein Kreislauf mehr besteht, der das Herz versorgt.
Todeszeichen.TodeszeichenEs werden sichere und unsichere Todeszeichen unterschieden (Kasten).

Unsichere Todeszeichen

  • Blässe/Bleiche der Haut

  • Kälte der Haut

  • Atemstillstand bzw. keine erkennbare Atmung

  • fehlender bzw. nicht wahrnehmbarer Herzschlag und Pulslosigkeit

  • Austrocknung und Trübung der Kornea

  • Areflexie, d. h. das Fehlen sämtlicher Reflexe

Sichere Todeszeichen (Leichenerscheinungen)

  • Totenflecken (Leichenflecken, Livores)

  • Totenstarre (Rigor mortis)

  • Fäulnis und Verwesung

Totenflecken (Livores).TotenfleckLivorTotenflecken bilden sich durch Absinken des Blutes in tiefer gelegene Leichenteile. Es handelt sich um rötlich-zyanotische Flecken, die sich meist nach einer halben bis einer Stunde nach Todeseintritt bilden, manchmal aber schon während der Sterbephase. Innerhalb der ersten zwölf Stunden nach Todeseintritt können Totenflecken konfluieren (zusammenfließen).
Anfangs sind sie noch wegdrückbar, später (über zwölf Stunden) nicht mehr. Auch können frische Totenflecken beim Umwenden der Leiche noch „wandern“, das heißt, dass sie sich in den nun tieferliegenden Leichenteilen neu ansammeln.
Totenstarre.Bei der TotenstarreTotenstarre handelt es sich um ein Starrwerden der Muskeln, aufgrund einer Anhäufung von Säuren. Sie beginnt meist vier bis zwölf Stunden nach Todeseintritt am Kopf, schreitet zur Hals- und Nackenmuskulatur weiter und steigt dann im Körper weiter nach unten ab. Nach 1–6 Tagen löst sich die Totenstarre in der gleichen Reihenfolge auf und geht in Fäulnis über.
Fäulnis und VerwesungVerwesung.FäulnisBei der Fäulnis werden die Eiweiße durch Fäulnisbakterien abgebaut. Dabei entstehen z. T. übelriechende Gase und Verbindungen (Ptomaine), von denen manche ausgesprochene Giftwirkung besitzen. Ptomaine sind also Leichengifte, die bei Eiweißfäulnis auftreten. Sie haben eine ähnliche Wirkung wie Belladonna-Alkaloide.
Anschließend an die Fäulnis setzt die Verwesung ein. Darunter versteht man die Mineralisierung, das heißt den Abbau organischer Verbindungen zu anorganischen unter Mitwirkung von Bakterien und Pilzen.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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