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B978-3-437-55696-8.00028-2

10.1016/B978-3-437-55696-8.00028-2

978-3-437-55696-8

Erkrankungen durch Herpesviren

Tab. 28-1
Herpesvirus Typische Erkrankung
Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV 1) Herpes labialis, Keratitis
Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV 2) Herpes genitalis
Varicella-Zoster-Virus Windpocken, Gürtelrose
Epstein-Barr-Virus Pfeiffer-Drüsenfieber (Mononucleosis infectiosa)
Zytomegalievirus Speicheldrüsenviruskrankheit (Zytomegalie)
Humanes Herpesvirus 6 Dreitagefieber (Exanthema subitum)

Herpesrezidive

Tab. 28-2
Rezidiv Tritt im Zusammenhang auf mit
Herpes febrilis Fieber und Erkältungskrankheiten
Herpes solaris Sonnenbestrahlung (Gletscherbrand)
Herpes menstrualis Monatsblutung
Herpes traumatica Verletzungen (oft im Mundbereich)

Sonstige Infektionskrankheiten

  • 28.1

    Erkrankungen durch Bakterien792

    • 28.1.1

      Lyme-Borreliose792

    • 28.1.2

      Gasbrand/Gasödem793

    • 28.1.3

      Tetanus794

    • 28.1.4

      Trachom795

    • 28.1.5

      Puerperalsepsis796

  • 28.2

    Erkrankungen durch Viren797

    • 28.2.1

      Herpes simplex797

    • 28.2.2

      Herpes zoster, Zoster798

    • 28.2.3

      Infektiöse Mononukleose800

    • 28.2.4

      Angeborene Zytomegalie und Zytomegalie801

    • 28.2.5

      Röteln802

    • 28.2.6

      Ringelröteln (Erythema infectiosum acutum)803

    • 28.2.7

      Dreitagefieber (Exanthema subitum, Roseola infantum)803

    • 28.2.8

      Hand-Fuß-Mund-Krankheit804

  • 28.3

    Erkrankungen durch Parasiten804

    • 28.3.1

      Pedikulose804

Infektion:ohne BehandlungsverbotBei den folgenden Erkrankungen besteht weder Meldepflicht noch Behandlungsverbot für den Heilpraktiker. Es handelt sich um wichtige Krankheitsbilder, die sicher erkannt werden müssen, damit sie sachgerecht behandelt werden können.

Erkrankungen durch Bakterien

Lyme-Borreliose

Die Lyme-Krankheit (sprich: leim) bzw. Lyme-Borreliose wurde erstmals 1976 in den USA in der Ortschaft Lyme festgestellt. Es handelt sich um eine durch Zecken übertragene Borreliose, die sich bevorzugt an Haut, Gelenken, Herz und Nervensystem abspielt.Lyme-Borreliose

Erreger.Borrelia burgdorferi, ein korkenzieherförmiges Bakterium, das zu den Spirochäten gehört.
Übertragung.Bei uns ist der Hauptüberträger die Zecke. Es handelt sich um die gleiche Zeckenart, die auch die viral bedingte Frühjahr-Sommer-Meningoenzephalitis (FSME) weitergibt.
Durch die Blutaufnahme beginnen sich die Spirochäten im Darm der Zecke zu vermehren. Sie treten danach in die Körperflüssigkeiten der Zecke über, von da in die Speicheldrüsen, um schließlich mit dem Speichel in das Blut des Gebissenen zu gelangen. Deshalb werden Borrelien erst ca. 10 Stunden nach dem Biss übertragen – im Unterschied zur FSME, bei der die Erregerübertragung sofort erfolgt.
Inkubationszeit.Meist 3–20 Tage (bis 45 Tage).
Vorkommen.Weltweit.
Symptome.Die ersten Symptome treten im Allgemeinen zwischen Frühjahr und Frühherbst nach einem Zeckenbiss (der auch unbemerkt bleiben kann) auf. Es können sich verschiedene Symptome entwickeln, wobei in der Regel keines in jedem Fall auftritt. In ungefähr 60 % der Fälle kommt es nach Ablauf der Inkubationszeit zu einem kreisrunden Fleck oder zu einem Knötchen an der Bissstelle. Der Fleck oder das Knötchen entwickeln sich zu einem ringförmigen, rötlichen Fleck, der eine zentrale Abblassung zeigt. Dieses Ringerythem kann einen Durchmesser von 6 bis 16 cm erreichen. Es wird zur „Wanderröte“ (Erythema chronicum migrans), die sich zu einem kreis- oder bogenförmigen Erythem ausbreiten kann. Bei der Hälfte der Betroffenen entwickeln sich noch andere Hautveränderungen. Der Ausschlag schmerzt und juckt nicht. Deshalb wird er manchmal gar nicht bemerkt, v. a., wenn die Bissstelle der Rücken oder das Gesäß sind. Die Hauterscheinungen verschwinden nach einigen Wochen, manchmal auch schon nach Tagen von allein.
Nach Monaten bis Jahren kann es zu Hautatrophie (Akrodermatitis chronica atrophicans) kommen. Dabei verfärbt sich die Haut der Streckseiten der Gliedmaßen zunächst bläulich-rötlich und wird dann dünn wie Zigarettenpapier. Das Unterhautfettgewebe schwindet. Manchmal kommt es Tage bis Wochen nach dem Biss zu grippeähnlichen Beschwerden mit Fieber, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Lymphknotenschwellungen, Muskel- und Gelenkschmerzen.
Bei ungefähr 20 % der Betroffenen treten neurologische Symptome auf. Hier sind v. a. die ein- oder beidseitige Fazialislähmung (kann auch als alleiniges Symptom auftreten), die Wochen bis Monate andauern kann, und die Meningoenzephalitis zu nennen. Des Weiteren kann es zu Entzündungen der Spinalnervenwurzeln kommen. Die Folge sind Parästhesien und/oder Schmerzen im innervierten Bereich oder sogar sensible und motorische Ausfallserscheinungen.
Bei 5–10 % wird das Herz in Mitleidenschaft gezogen. Hier kommt es v. a. zu Rhythmusstörungen, aber auch zu Myo- und Perikarditis. Meist verschwinden diese Symptome nach 7–10 Tagen.
In der frühen Phase der Erkrankung kann auch der Bewegungsapparat betroffen sein. Es kommt dabei zu Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken. Auch diese Beschwerden verschwinden meist nach einigen Wochen bis Monaten von allein.
Häufig kommt es zur akuten, mehrwöchigen Arthritis, bei der an einem (v. a. Knie) oder einigen wenigen Gelenken schmerzhafte Gelenkschwellungen auftreten. Wird die Erkrankung in diesem Stadium nicht erkannt und behandelt, so kann der Zustand chronisch werden, sodass die betreffenden Gelenke für ein Jahr oder länger schmerzhaft anschwellen. Charakteristisch für die chronische Lyme-Arthritis ist, dass von den paarig vorkommenden Gelenken nur eines betroffen ist (im Gegensatz zur rheumatoiden Arthritis).
Im Spätstadium der Erkrankung kann es zu Hirnstörungen kommen, evtl. bis hin zur Demenz.
Da sich die Borrelien im ganzen Körper ausbreiten, kann praktisch jedes Organ betroffen werden. Jedoch sind die vorstehend geschilderten Beschwerden an Haut, Gelenken, Herz und Nervensystem besonders häufig.
Diagnose.Durch Antikörpernachweis sind im Anfangsstadium der Erkrankung IgM nachweisbar, im späteren Verlauf IgG im Blut, Liquor oder Gelenkpunktat.
Allerdings bereitet die Interpretation der gewonnenen Befunde oft Schwierigkeiten, da die Antikörper bei 7–10 % der Bevölkerung (bei Waldarbeitern bis 30 %) auftreten, ohne dass Beschwerden bestehen. Außerdem treten die Antikörper oft erst einige Wochen bis Monate nach der Infektion auf.
Therapie.Die Therapie erfolgt durch den Arzt mittels Antibiotika. Diese Behandlung zeigt in der Regel lediglich im Frühstadium der Erkrankung gute Erfolge. Im Spätstadium fehlt er meist. Dieser Zusammenhang ist noch nicht ganz geklärt.
Der Heilpraktiker kann sowohl im akuten als auch im chronischen Verlauf begleitend behandeln.
Ein Impfstoff für eine aktive Impfung ist in der Erprobung. Eine passive Immunisierung hat sich bisher im Tierversuch als nicht wirksam erwiesen.
Anmerkungen. Es ist interessant, dass die Zeckenborreliose in vieler Hinsicht der Syphilis ähnelt, die auch durch Spirochäten (Treponema pallidum) ausgelöst wird. Auch sie vermag sich in unterschiedlichsten Körpergeweben festzusetzen und ist im chronischen Stadium nicht mehr mit Antibiotika behandelbar. Auch die Symptome ähneln sich: Hauterscheinungen, neurologische Symptome, Herzstörungen und Demenz.
Meldepflicht.Keine.

Gasbrand/Gasödem

Es handelt sich um eine schwere Wundinfektion, die sowohl von traumatischen als auch von chirurgischen Verletzungen ausgehen kann. Letztere waren früher als „Hospitalbrand“ gefürchtet.GasödemGasbrand

Es kommt zu Wundanschwellung mit Gasbildung und Absonderung eines hämorrhagischen, übelriechenden Exsudates, bei schweren Krankheitsverläufen auch zu starken Wundschmerzen und Fieber, ödematösen und kalten Gliedmaßabschnitten bis hin zur Muskelnekrose (Atlas Abb. 24-48).

Erreger.Clostridien. Es handelt sich um grampositive, sporenbildende, anaerob wachsende Bakterien. Die Krankheit kann durch mehrere Clostridienarten hervorgerufen werden, von denen das Clostridium perfringens der häufigste Erreger ist.
Ausbreitung und Ansteckung.Die Gasbranderreger sind in der Natur außerordentlich verbreitet; v. a. kommen sie in Boden, Schmutz, Staub, aber auch im Darm von Menschen und Tieren vor.
Man unterscheidet äußerliche und innerliche Infektionen. Bei äußerlichen Infektionen gilt: je tiefer und schwerer die Wunde, desto größer ist die Neigung zu Gasbrand, besonders wenn sich in der Wunde ein Fremdkörper befindet. Da es sich um einen Anaerobier handelt, tritt die Erkrankung bevorzugt bei arterieller Insuffizienz und nach schweren Stich- oder Quetschwunden auf. Innerliche Infektionen spielen in der Chirurgie eine große Rolle, da durch Operationen Erreger aus dem Darm oder von den Gallenwegen in die Wunde einwandern können. Selten kommt es zum Darmbrand durch Aufnahme von Clostridien durch Lebensmittel.
Pathogenese.Die Erreger entwickeln ihr Toxin nur unter anaeroben Bedingungen, das heißt, wenn sie unter Luftabschluss auskeimen. Dies ist v. a. in sehr tiefen und minderdurchbluteten Wunden der Fall.
Die Toxine haben eine Gewebseinschmelzung zur Folge. Dabei kommt es aufgrund von Stoffwechselvorgängen der Clostridien zur Gasbildung in der Wunde, was durch ein typisches Knistern bei der Palpation festzustellen ist. Die Toxine der Erreger können zur Sepsis und damit zum Tod führen.
Inkubationszeit.Wenige Stunden bis 5 Tage.
Symptome.Im Bereich der Wunde kommt es zur vorstehend beschriebenen Gasbildung mit Blasen, Anschwellung, gelb-brauner bis blau-schwarzer Verfärbung und üblem fad-süßlichen Geruch. Man kann unterscheiden:
  • Gasödem (Clostridien-Clostridien-ZellulitisZellulitis). Es kommt zur Wundanschwellung mit Gasbildung und Absonderung eines hämorrhaghischen, übelriechenden Exsudats. Wundschmerzen, Anschwellung der distalen Gliedmaßenabschnitte und Allgemeinerscheinungen fehlen, ebenso eine Beteiligung der Muskulatur.

  • Gasbrand (Clostridien-Clostridien-MuskelnekroseMuskelnekrose). Es kommt zum Absterben von Muskeln, wobei diese sich dunkelrot-grau-lila-schwarz verfärben. Es bestehen starke Wundschmerzen, Knistern im betroffenem Gebiet und Absonderung eines übelriechenden Sekretes (Atlas Abb. 24-48). Es kann zu Fieber kommen. Die distalen Gliedmaßenabschnitte werden ödematös und kalt. Typischerweise ist der Betroffene bis zum Schluss bei vollem Bewusstsein.

Sonderformen.
  • Uterus-Uterus-GasbrandGasbrand. Meist durch unsachgemäße Aborte. Es kommt zu einem plötzlichen Beginn mit heftigem Wundschmerz, Ausfluss und Ausschwemmung der Toxine ins Blut (Toxinämie).

  • DarmbrandDarmbrand (LebensmittelvergiftungLebensmittelvergiftung). 8 bis 24 Stunden nach Aufnahme der infizierten Nahrung kommt es zu wässrigen Durchfällen, krampfartigen Bauchschmerzen und gelegentlich Fieber. Meistens verschwinden die Beschwerden innerhalb von 24 Stunden.

Komplikationen.Eine schwere Komplikation ist die Gangränbildung, die zuerst das benachbarte Muskelgebiet betrifft und sich dann weiter ausbreiten kann. Die Überschwemmung des Blutes mit Toxinen führt häufig zum Tod durch toxisches Herz-Kreislauf-Versagen.
Nachweis.Im Wundabstrich. Allerdings muss schon im Verdachtsfalle der Patient sofort an den Arzt überwiesen werden, da ein Abwarten der mikrobiologischen Ergebnisse zu lange dauern würde (mehrere Tage). Die Diagnose wird also aufgrund der klinischen Befunde gestellt.
Häufig findet man allerdings in Wundabstrichen Clostridien, ohne dass diese zum Gasbrand/Gasödem führen, da die Erreger ihre Giftigkeit nur unter anaeroben Bedingungen entfalten.
Prophylaxe.Sachgerechte Wundversorgung, frühzeitige Nekroseabtragung. In Kliniken wird bei Operationen am Dickdarm, den Gallenwegen sowie bei Amputationen prophylaktisch Antibiotika verabreicht.
Therapie.Chirurgische Maßnahmen, Sauerstoffüberdruckbeatmung, hochdosierte Antibiotikagabe und Allgemeinbehandlungen wie z. B. Schocktherapie durch den Arzt. Antitoxingaben sind umstritten.
Meldepflicht.Nach dem neuen Infektionsschutzgesetz besteht keine Meldepflicht mehr.

Tetanus

Tetanus (WundstarrkrampfWundstarrkrampf) ist eine Erkrankung des Zentralnervensystems, die mit Muskelsteifheit und Krampfanfällen einhergeht. Ausgelöst wird sie durch das Toxin der Tetanusbakterien.Tetanus

Erreger.Clostridium tetani, ein obligat anaerobes, grampositives sporenbildendes Stäbchenbakterium.
Ausbreitung und Ansteckung.Clostridium tetani kommt ubiquitär in Erdboden (v. a. im Tiermist!) und Staub vor. Deshalb kann der Erreger grundsätzlich mit jeder Verschmutzung in die Wunde gelangen. Eine Ansteckungsgefahr von Mensch zu Mensch besteht nicht.
Inkubationszeit.4–28 Tage (selten mehrere Monate).
Pathogenese.Die Erreger gelangen mittels verunreinigter Erde oder Staub in größere oder kleinere Wunden.
Die Clostridien breiten sich nicht im Körper aus, sondern bleiben auf totes Gewebe beschränkt (Wunden, Verbrennungen, Nähte). Unter anaeroben Bedingungen erfolgt die Toxinproduktion. Die Tetanuserkrankung ist Folge der Fernwirkung dieser Gifte, die sich über die Blutbahn und die motorischen Nervenfasern in das Zentralnervensystem ausbreiten, wo es zu einer überschießenden und regellosen Reizausbreitung kommt.
Symptome.Der Krankheitsverlauf ist im Allgemeinen um so schwerer, je kürzer die Inkubationszeit ist. Je nach Krankheitsschwere unterscheidet man:
  • leichter Tetanus: Es kommt zur Muskelsteifheit, die sich zunächst v. a. als Trismus (Kieferklemme) zeigt. Dadurch ist die Mundöffnung erschwert und somit bestehen Behinderungen beim Sprechen und bei der Nahrungsaufnahme. Greift die Muskelsteifheit auch auf die mimische Muskulatur über, so kommt es zu einem schmerzverzerrten, weinerlich-grinsenden Gesichtsausdruck (Risus sardonicus) mit gerunzelter Stirn, breitgezogenem Mund und vermehrtem Speichelfluss. Bei Befall der Nacken- und Rückenmuskulatur kann es zum Opisthotonus (Atlas Abb. 24-8) kommen, dem Rückwärtsbeugen des Rumpfes. Oft ist jedoch die Bauchmuskulatur mitbetroffen, weshalb diese Patienten starr im Bett liegen.

  • mittelschwerer Tetanus: Es entwickelt sich eine erhebliche Muskelsteifheit, die bis zur Grenze der Ateminsuffizienz führt. Es besteht eine leichte Krampfneigung.

  • schwerer Tetanus: Es kommt zu ausgeprägter Muskelsteifheit, Ateminsuffizienz, Krämpfen und Kreislauflabilität. Schon bei geringen Reizen, z. B. durch Lärm, Licht oder Berührung, können generalisierte Krämpfe ausgelöst werden, die vom bewusstseinsklaren Patienten in voller Qual erlebt werden und die bis zu mehreren Minuten anhalten können. Bei solchen schweren Verläufen kann auch hohes Fieber auftreten (sonst subfebrile Temperaturen). Die Erkrankung dauert meist 6–8 Wochen; sie kann sich jedoch auch über Monate hinziehen. Entscheidend für das Überleben sind die ersten 5 Tage, da danach die Heilungsaussichten immer besser werden.

Komplikationen.Gefürchtete Komplikationen sind Atemlähmung, Pneumonie und Kreislaufversagen. Im akuten Stadium kann es zu Muskelrissen, Verrenkungen und zu Knochenbrüchen kommen. An bleibenden Veränderungen können Muskelverkürzungen, Gelenkversteifungen und Kyphosen (Wirbelsäulenkrümmung, „Buckel“) zurückbleiben.
Differenzialdiagnose.Vergiftungen, v. a. Strychninvergiftungen. Bei letzteren verschwinden allerdings zwischen den Anfällen der Trismus und die Nackensteifigkeit. Außerdem Botulismus, Tollwut, Meningitis, Enzephalitis.
Prophylaxe.Es existieren eine aktive und eine passive Impfung.
Damit ein ausreichender Impfschutz besteht, muss eine Grundimmunisierung erfolgen. Dazu muss jeweils 1× im 1., 2. und im 11. bis 14. Lebensmonat geimpft werden, dann 1× im 5. bis 6. Lebensjahr und dann noch 1× im 9. bis 17. Lebensjahr. Danach sollten alle 10 Jahre Auffrischungsimpfungen vorgenommen werden. Werden Auffrischungsimpfungen nicht vorgenommen, so verläuft eine Tetanuserkrankung trotzdem im Allgemeinen milder, da noch eine Teilimmunität besteht.
Es existiert eine passive Impfung mittels Immunglobulingabe mit umstrittener Wirksamkeit.
Therapie.Passive (evtl. gleichzeitig auch aktive) Impfung (s. o. unter Prophylaxe) durch den Arzt. Chirurgische Herdsanierung. Antibiotika spielt nur zur Bekämpfung von Sekundärinfektionen eine Rolle. Des Weiteren wird mit Beruhigungsmitteln, Muskelrelaxanzien und Betablockern therapiert. Eventuell muss künstlich beatmet werden. Der Patient ist ruhig zu lagern und muss vor Reizen aller Art geschützt werden.
Meldepflicht.Nach dem neuen Infektionsschutzgesetz besteht keine Meldepflicht mehr.

Trachom

Beim Trachom (Ägyptische Körnerkrankheit, ägyptischeKörnerkrankheit) handelt es sich um eine Lokalinfektionskrankheit der Binde- und Hornhaut des Auges. Unbehandelt führt sie oft zur Erblindung.Trachom

Erreger.Chlamydia trachomatis.
Ausbreitung.Die Erkrankung tritt in tropischen und subtropischen Gebieten mit mangelhafter Hygiene auf. Sie kommt endemisch in Nordafrika, Ostasien, Teilen von Nordindien, Osteuropa und Italien vor. Man schätzt, dass 400 bis 500 Mio. Menschen betroffen sind. Weltweit betrachtet ist das Trachom die häufigste Ursache der infektiös bedingten Erblindung.
Ansteckung.Ansteckungsgefahr besteht v. a. im Frühstadium der Erkrankung, aber auch im späten Stadium (sogar Narbenstadium) kann eine Übertragung nicht ausgeschlossen werden. Diese erfolgt durch Schmierinfektion mit infiziertem Augensekret, z. B. durch gemeinsam benutzte Handtücher oder durch Waschwasser. Auch Fliegen spielen eine wichtige Rolle als Überträger.
Inkubationszeit.Meist 6–10 Tage (auch bis 2 Wochen und länger).
Pathogenese.In den Zellen der Augenbindehaut und Hornhaut findet man typische Einschlusskörperchen. Zunächst kommt es zu entzündlichen Reaktionen, später durch eine Hypertrophie des Bindegewebes zu Vernarbungen und Vaskularisierung (Neueinsprossung von Gefäßen).
Symptome.Man kann drei Stadien unterscheiden:
  • Zunächst kommt es zur akuten Augenentzündung mit Lidschwellung, Lichtscheu, vermehrtem Tränenfluss und Druckgefühl am Auge und langandauerndem Tränenfluss mit schleimig-eitriger Sekretion.

  • Nach weiteren 7–10 Tagen entwickeln sich auf der Bindehaut kleine Follikel, sogenannte Trachomkörner, die miteinander verschmelzen können und ein eitriges Sekret entleeren. Im Bereich der Hornhaut kommt es zur starken Gefäßerweiterung (Pannus). Auf der Hornhaut bilden sich Geschwüre. Diese Krankheitsphase dauert meist mehrere Wochen, manchmal aber auch Jahre.

  • In der chronischen Phase werden die entzündlichen Follikel durch Bindegewebe ersetzt, wodurch es zu narbigen Veränderungen kommt. Bilden sich diese auf der Hornhaut, so kann das zur Erblindung führen. Auf der Augenbindehaut kann es so zu Schrumpfungen und damit zu Liddeformationen kommen, und zwar zum Entropium (Einwärtskehrung des Lidrandes) oder zum Ektropium (Auswärtskehrung des Lidrandes).

Komplikationen.Bakterielle Sekundärinfektionen können das Krankheitsbild verschlimmern.
Differenzialdiagnose.Andere bakteriell bedingte Augenentzündungen.
Nachweis.Im Bindehautabstrich. Ophthalmologisch auch durch den Nachweis der typischen Follikel in der Augenbindehaut und der Einschlusskörperchen.
Prophylaxe.Verbesserung der hygienischen Verhältnisse.
Therapie.Antibiotikahaltige Augensalbe, eventuell auch orale Antibiotikagabe durch den Arzt. In fortgeschrittenen Fällen sind augenchirurgische Maßnahmen notwendig.

Folgen des Trachoms

  • Erblindung

  • Liddeformation

Puerperalsepsis

Dringen Krankheitserreger nach einer Geburt oder nach einem Abort in eine Geburtswunde ein, so kann es zum Kindbett-Kindbettfieber oder WochenbettfieberWochenbettfieber (Puerperalfieber) kommen. Gelangt der Erreger von diesem Entzündungsherd aus massenhaft ins Blut, so kommt es zu der lebensbedrohenden Puerperalsepsis (lat. puerpera = Wöchnerin, Gebärende).Puerperalsepsis

Erreger.Vor allem Streptokokken, aber auch Staphylokokken, Escherichia coli, Gonokokken, Anaerobier, Saprophyten u. a.
Ausbreitung.Bei uns ist die Erkrankung durch verbesserte Hygienemaßnahmen selten geworden.
Ansteckung.Die Infektion erfolgt meist während des Geburtsvorganges durch die Hände oder Instrumente des Geburtshelfers.
Inkubationszeit.Je nach Erreger unterschiedlich, jedoch meist wenige Tage.
Symptome.Es kommt zu Schüttelfrost mit auffolgendem hohem, meist remittierendem Fieber, außerdem Tachykardie, Tachypnoe und hochgradiger Anämie. Benommenheit und Euphorie wechseln sich ab.
Komplikationen.Kreislaufversagen und septischer Schock.
Nachweis.In Blut und Abstrich. Es kommt zur Leukozytose mit Linksverschiebung.
Prophylaxe.Beachtung der Hygienemaßnahmen während des Geburtsvorganges.
Therapie.Antibiotika durch den Arzt.
Meldepflicht.Nach dem neuen Infektionsschutzgesetz besteht keine Meldepflicht mehr.

Erkrankungen durch Viren

Herpes simplex

Herpes simplexBei den Herpesviren handelt es sich um eine Gruppe von über 80 DNS-haltigen Viren. Von diesen sind die wichtigsten Krankheitserreger das Herpes-simplex-Virus, das Varicella-Zoster-Virus, das Epstein-Barr-Virus und das Zytomegalievirus.
Das Herpes-simplex-Virus ruft Herpes labialis und Herpes genitalis (Abschn. 27.4.5) hervor. Das Varicella-Zoster-Virus ist der Erreger der Windpocken (Varizellen) und der Gürtelrose (Herpes zoster). Das Epstein-Barr-Virus verursacht das Pfeiffer-Drüsenfieber (Mononucleosis infectiosa). Das Zytomegalievirus kann die Zytomegalie, die sogenannte Speicheldrüsenviruskrankheit auslösen (Tab. 28-1).

Erstinfektionen mit dem Herpes-simplex-Virus verlaufen meist symptomfrei. Die Erkrankung ist durch Rezidive gekennzeichnet, bei denen es meist im Lippen- oder Genitalbereich zu einem Bläschenausschlag kommt (Atlas Abb. 24-44 und 24-45).

Erreger.Beim Herpes-simplex-Virus unterscheidet man zwei Typen:
  • Herpes-simplex-Virus HSV 1 (oraler Typ) ruft Erkrankungen oberhalb der Gürtellinie hervor und führt meist zu Herpes labialis oder Keratitis. Bei 80 bis 90 % der Erwachsenen lassen sich Antikörper im Blut gegen dieses Virus nachweisen.

  • Herpes-simplex-Virus HSV 2 (genitaler Typ) ruft Erkrankungen unterhalb der Gürtellinie hervor. Es kommt meist zu Herpes genitalis (Abschn. 27.4.5). Nur 10 % der Bevölkerung sind mit dem Virus in Kontakt gekommen und haben deshalb entsprechende Antikörper im Blut.

Inkubationszeit.Meist 2–7 (auch bis 9) Tage.
Übertragung.
  • HSV I wird meist durch Tröpfcheninfektion, aber auch durch Kontaktinfektion, selten durch Schmierinfektion (Virus konnte im Stuhl nachgewiesen werden) übertragen.

  • HSV 2 wird meist durch Geschlechtsverkehr übertragen.

Nachweis.Im Bläscheninhalt, bei Prozessen in der Mundhöhle im Speichel, bei Virämie im Blut, bei Meningitis im Liquor.
Vorkommen.Weltweit.
Krankheitsverlauf.Die Ansteckung erfolgt nach Abklingen des mütterlichen Antikörperschutzes fast immer im Säuglings- oder Kleinkindalter. Allerdings verlaufen 99 % der Fälle symptomlos. Nur bei 1 % kommt es zu Krankheitserscheinungen. Dabei kann Fieber auftreten, das sechs bis zehn Tage andauern kann. Des Weiteren kann es zu Hauterscheinungen kommen, gelegentlich auch zu Stomatitis (Mundschleimhautentzündung, Stomatitis herpetica, Abschn. 9.3.3), Vulvovaginitis (Entzündung von Vulva und Scheide, s. Herpes genitalis Abschn. 27.4.5), Keratokonjunktivitis (Entzündung der Hornhaut des Auges und der Augenbindehaut), sehr selten auch zu Meningoenzephalitis oder zum generalisierten Herpes.
Bei Neugeborenen, die durch einen mütterlichen Herpes genitalis infiziert wurden, kann es zu einem schweren generalisierten Herpes mit hohem intermittierendem Fieber, zu Ikterus, Lebervergrößerung und Hautblutungen kommen.
Hauterscheinungen.Herpes simplex tritt bevorzugt an den Umschlagstellen von Haut und Schleimhaut auf (Herpes labialis, Herpes genitalis, Herpes nasalis, Herpes perianalis). In dem betroffenen Bezirk kommt es zunächst zu Spannungsgefühl, Juckreiz, Brennen und Rötung. Innerhalb von 1–2 Tagen schießen stecknadelkopfgroße, gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem Grund auf (Atlas Abb. 24-45). Bald darauf brechen die Bläschen auf und entleeren einen wässrigen, infektiösen Inhalt. Danach entwickeln sich Krusten. Diese fallen innerhalb von 8–12 Tagen ab, ohne Narben zu hinterlassen.
Rezidive.Während der Primärinfektion wandert das Virus entlang der Nervenbahnen in die Spinalganglien ein, wo es lebenslang in latenter Form persistiert. Dabei wird es durch Zellnukleasen an seiner Ausbreitung gehemmt. Durch eine gestörte Abwehrlage kann es jedoch zu einer Reaktivierung des Virus kommen. Das Virus wandert die Nervenbahn entlang und löst am Ort des Auftretens Krankheitserscheinungen aus.
Die häufigste Lokalisation der Rezidive sind die Lippen. Aber es kann auch zu Krankheitserscheinungen am Naseneingang, im Mund und in der Anal- und Genitalregion kommen.
Bei der Reaktivierung spielen Fieber, Erkältungskrankheiten, intensive Sonnenbestrahlung, Monatsblutung, Verletzungen, aber auch Magen-Darm-Störungen, Stress und Ekelgefühl eine Rolle (Tab. 28-2).
Therapie.Bei Herpes genitalis besteht aufgrund des Infektionsschutzgesetzes für den Heilpraktiker Behandlungsverbot (Verbot der Behandlung sexuell übertragbarer Krankheiten).
Für die übrigen Herpeserkrankungen gilt, dass schwere Erkrankungsfälle in die Hand des Arztes gehören (z. B. Behandlung mit Aciclovir, einem Virostatika). Ansonsten hängt die Therapie von der zugrundeliegenden Ursache ab. Bei Herpes labialis hat sich Melisse in Salbenform bewährt.
Meldepflicht.Keine.

Herpes zoster, Zoster

Bei Herpes Herpes zosterzoster, ZosterZoster (GürtelroseGürtelrose) handelt es sich um eine Virusinfektion, die mit einem charakteristischen Bläschenausschlag einhergeht, und bei der es zu segmentalen Schmerzen im Ausbreitungsgebiet von einem oder von zwei (selten auch von mehreren) Rückenmark- oder Hirnnerven kommt.

Erreger.Der Erreger ist das Varicella-Zoster-Virus, das zur Herpesgruppe gehört. Das Virus kann Windpocken (Varizellen) oder Gürtelrose (Zoster) hervorrufen.
Übertragung.Bei einer Erstinfektion mit dem Virus durch Tröpfcheninfektion (evtl. auch durch Kontaktinfektion oder durch Staubinhalation) kommt es zur Windpockenerkrankung. Nach Überstehen der Erkrankung kann das Virus in den Gliazellen der Spinalganglien verbleiben. Zur Gürtelrose kann es nun auf zwei Wegen kommen:
  • Durch Reaktivierung des Virus aufgrund einer Immunschwäche (häufig). Dies ist v. a. bei Patienten mit Leukämie, AIDS, Tumoren, Vergiftungen und Diabetes mellitus der Fall. Hiervon können aber auch ältere Menschen betroffen sein, bei denen die natürliche Immunität nachlässt.

  • Durch Reinfektion bei Teilimmunität (selten). Hier erfolgt eine Ansteckung von einem an Windpocken oder an Gürtelrose Erkrankten. Durch die erneute Infektion kommt es zu einer Reaktivierung der körpereigenen Viren.

Zu beachten ist, dass nicht nur der an Windpocken erkrankte Mensch infektiös ist, sondern auch der an Gürtelrose erkrankte. Letzterer allerdings in einem geringeren Maße. Trotzdem ist es grundsätzlich möglich, dass es bei empfänglichen Personen nach Kontakt mit einem an Herpes-zoster-Erkrankten zu Windpocken kommt.
Inkubationszeit.1–2 Wochen.
Nachweis.Im Bläscheninhalt und im Blut.
Vorkommen.Weltweit.
Krankheitsverlauf.Es kann zu einem mehrere Tage dauernden Prodromalstadium mit subfebrilen Temperaturen, Frösteln und Unwohlsein kommen. Typisch sind in diesem Stadium das Kribbeln oder die Schmerzen in dem Hautbezirk, in dem später die Hauterscheinungen auftreten werden.
Nach wenigen Tagen bricht der typische Hautausschlag (s. u.) hervor. Es treten im betroffenen Gebiet Schmerzen auf. Bei einem komplikationslosen Verlauf heilen die Hauterscheinungen nach 2–3 Wochen ab. Vor allem bei älteren Patienten können die Nervenschmerzen jedoch noch für Wochen, Monate oder sogar Jahre in unterschiedlicher Stärke bestehen bleiben.
Beschaffenheit des Hautausschlages.Typisch ist das Auftreten der Hauterscheinungen im Ausbreitungsgebiet von einem oder zwei, gelegentlich auch von mehreren Rückenmark- oder Hirnnerven. Das befallene Gebiet ist überempfindlich.
Auf gerötetem Grund bilden sich stecknadelkopfgroße Bläschen. Die Bläschen haben zunächst einen klaren Inhalt, der sich später aber trübt. Nach etwa fünf Tagen werden die Bläschen trocken und es kommt zur Krustenbildung. Die Ausheilung erfolgt im Allgemeinen ohne Narbenbildung.
Komplikationen.Es kann zur Generalisierung der Erkrankung kommen. Das ist v. a. bei Patienten mit AIDS, Morbus Hodgkin und anderen malignen Erkrankungen der Fall. Hier kommt es typischerweise zuerst zu einem segmentalen Zoster, der dann die gesamte Haut und die inneren Organe, einschließlich des Gehirns, erfassen kann. Hier tritt ein Hautausschlag auf, der dem bei Windpocken verblüffend ähnlich sieht.
Sonderformen.Es können nicht nur Rückenmark-, sondern auch Hirnnerven betroffen sein. Man kennt hier v. a. Zoster ophthalmicus und Zoster oticus.
  • Zoster ophthalmicus ist ein Zoster des ersten Trigeminusastes. Es kommt zu heftigen, halbseitigen Kopfschmerzen und zu einem prallen Lidödem. Danach tritt an Stirn, Nasenwurzel und behaarter Kopfhaut der typische Bläschenausschlag auf. Es kann zur Beteiligung der Augenbindehaut und der Hornhaut kommen. In diesem Fall kann die Erkrankung zur Erblindung führen.

  • Zoster oticus spielt sich im Ausbreitungsgebiet des Nervus facialis (VII. Hirnnerv) und des N. vestibulocochlearis (VIII. Hirnnerv) mit Beteiligung des äußeren Gehörganges und der Ohrmuschel ab. Es kommt zu Ohrenschmerzen und im betroffenen Bereich zu dem typischen Bläschenausschlag. Es kann zur Fazialislähmung mit oft nur unvollständiger Rückbildung, zu Schwerhörigkeit, manchmal auch zur Taubheit kommen.

Therapie.Schwere Erkrankungsfälle werden vom Arzt behandelt (z. B. durch Aciclovir). Bei leichteren Fällen kann eine Behandlung durch den Heilpraktiker nach allgemeinen naturheilkundlichen Grundsätzen erfolgen. Allgemeine abwehrsteigernde Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle.
Meldepflicht.Keine.
Behandlungsverbot. Für die Erkrankung besteht für den Heilpraktiker Behandlungsverbot aufgrund der §§ 24 und 7 IfSG.

Infektiöse Mononukleose

Beim Pfeiffer-Pfeiffer-DrüsenfieberDrüsenfieber (infektiöse Mononukleose, Mononucleosis infectiosa) handelt es sich um eine akut auftretende fieberhafte Infektionskrankheit des lymphatischen Gewebes, die typischerweise mit einer Angina und mit (generalisierter) Lymphknotenschwellung einhergeht (Atlas Abb. 24-50 und 24-51).Mononukleose, infektiöse

Erreger.Epstein-Barr-Virus, gehört zu den Herpesviren.
Übertragung.Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Die Kontagiosität der Erkrankung ist nicht sehr hoch. Zur Übertragung ist in der Regel ein enger Kontakt (z. B. Küssen) notwendig.
Unter schlechten hygienischen Verhältnissen kann die Erkrankung schon im Säuglings- und Kleinkindalter auftreten. In diesem Lebensalter sind inapparente und leichte Verläufe häufig.
Bei besseren hygienischen Verhältnissen verzögert sich die Infektion meist bis ins jugendliche Alter oder noch später. In dieser Lebensphase kann es dann zum typischen Krankheitsverlauf der infektiösen Mononukleose kommen. Erkrankungsfälle jenseits des 30. Lebensjahres sind selten, kommen aber vor. Ungefähr 85 % der Erwachsenen besitzen Antikörper gegen das Virus.
Inkubationszeit.Meist 2–12 Tage, beim Erwachsenen meist 4–8 Wochen.
Vorkommen.Weltweit.
Verlaufsformen.
  • febrile Verlaufsform. Tritt typischerweise bei Kindern auf. Im Vordergrund stehen Fieber und Lymphknotenschwellungen.

  • anginöse Verlaufsform (Monozytenangina). Tritt typischerweise bei jungen Erwachsenen („Studentenkrankheit“) auf. Im Vordergrund steht die Tonsillitis.

Symptome.Die Erkrankung kann mit einem verlängerten Vorläuferstadium beginnen. Dabei kann es über einen Zeitraum von einigen Tagen bis hin zu einer oder sogar zwei Wochen zu Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Leistungsminderung kommen.
Erst danach bricht der eigentliche akute fieberhafte Infekt aus, für den die folgende Trias charakteristisch ist:
  • Fieber von 38–40 °C,

  • Tonsillitis (s. u.),

  • (evtl. generalisierte) Lymphknotenschwellung. Die Lymphknotenschwellung ist wenig schmerzhaft und beginnt meist hinter den Ohren und im Nacken, wo sie auch am ausgeprägtesten ist (Atlas Abb. 24-51).

Des Weiteren kann es zu Konjunktivitis, Rhinitis, Petechien am harten Gaumen, Exanthem, Mundgeruch, Milz-, manchmal auch zur Leberschwellung kommen. Die Nasenatmung ist durch die Schwellung der Rachenmandel und durch die Rhinitis behindert, sodass der Patient charakteristischerweise durch den Mund atmet.

Die infektiöse Mononukleose ist nur eine mögliche Variante einer Epstein-Barr-Virusinfektion, die charakteristische Symptome aufweist. Grundsätzlich können die einzelnen Symptome aber auch als eigenständige Erkrankung auftreten.

Rachenveränderungen.Die Tonsillen sind stark geschwollen, gerötet und mit einem schmutzig-grauen oder gelblichen Belag versehen. Die Beläge konfluieren, sind leicht abwischbar, hinterlassen dabei keine Blutungen und greifen nicht auf die Umgebung der Tonsillen über. Es kommen auch geschwürige und diphtherieähnliche Bilder vor.
Differenzialdiagnose.Agranulozytose, Diphtherie, Plaut-Vincent-Angina.
Komplikationen.Da der Erreger im MMS (Abschn. 26.3.5) zu einer Zellwucherung führt, kann es in seltenen Fällen zur Milzruptur kommen. Deshalb darf bei Untersuchungen keine heftige Milzpalpation durchgeführt werden.
Bakterielle Sekundärinfektionen sind möglich: Tonsillitis, Rhinitis, Sinusitis, Laryngitis, Bronchitis und Pneumonie. Sehr selten kommt es zum Ikterus, zur Myokarditis, zur Nephritis, zur Polyneuritis, zur Meningitis, zur Enzephalitis, zur Agranulozytose oder zur hämolytischen Anämie.
Prognose.In fast allen Fällen verläuft die Erkrankung gutartig und heilt komplikationslos aus. Es können gelegentlich chronisch-rezidivierende Fälle auftreten, die sich über Monate hinziehen. Todesfälle sind sehr selten.
Diagnose.Während der akuten Phase der Erkrankung kommt es zu typischen Blutbildveränderungen. Charakteristisch ist eine Vermehrung der Lymphozyten und Monozyten mit dem Auftreten von pathologischen mononukleären (einen einfachen, nicht gelappten oder geteilten Zellkern besitzend) Zellen. Ab der zweiten und dritten Woche kommt es zur Leukozytose (10.000 bis 20.000/mm3).
Therapie.Es muss Bettruhe eingehalten werden, mindestens drei Tage über die Entfieberung hinaus. Bei ausgeprägter Milzschwellung muss dem Patienten Schonung bis zum Rückgang der Schwellung empfohlen werden, um einer Milzruptur vorzubeugen.
Eine ursächliche Therapie steht in der Schulmedizin nicht zur Verfügung. Antibiotika werden nur bei Sekundärinfektionen gegeben. Allerdings ist die Gabe von Ampicillin (Breitbandantibiotika) kontraindiziert, da bei Einnahme häufig allergische Exantheme auftreten (Atlas Abb. 24-51).
Meldepflicht.Keine.

Angeborene Zytomegalie und Zytomegalie

Bei der Zytomegalie handelt es sich um eine weitverbreitete Infektionskrankheit, die in den meisten Fällen inapparent verläuft. Sie kann aber auch lokalisiert mit leichten Symptomen auftreten oder bei Abwehrgeschwächten und Neugeborenen generalisiert als schweres Krankheitsbild. Infiziert sich eine Schwangere mit dem Virus, kann es beim Kind zu schweren angeborenen Schäden kommen.Zytomegalie

Erreger.Zytomegalievirus. Es gehört zu den Herpesviren und kommt ubiqitär (überall verbreitet) vor.
Übertragung.Schmierinfektion, Tröpfcheninfektion, Genitalsekrete, Bluttransfusionen. Die Übertragung kann von der Mutter auf das Kind sowohl diaplazentar als auch peri- oder postnatal durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion erfolgen.
Diaplazentare Übertragung.Infiziert sich eine Schwangere, so kommt es bei ihr meist zum inapparenten Verlauf, manchmal jedoch auch zu leichten, uncharakteristischen Beschwerden. Trotzdem liegt bei der Mutter eine Virämie vor, wodurch es zur diaplazentaren Übertragung des Virus kommt, die während der ersten 6 Schwangerschaftsmonate schwere Embryonalschäden verursacht.
Inkubationszeit.Ungefähr 3 Wochen bis 3 Monate.
Symptome beim Erwachsenen.Es kommen inapparente, leichte, aber bei Abwehrgeschwächten auch schwere bis tödliche Verläufe vor. Bei letzteren liegen dann meist noch andere schwere Allgemeinerkrankungen wie Leukämie, Lymphogranulomatose oder AIDS vor. Es kann sich jedoch auch um Personen handeln, die unter einer immunsuppressiven Therapie wegen einer Organtransplantation stehen.
Von der Infektion kann nahezu jedes Organ befallen sein, besonders häufig sind Speicheldrüsen, Nieren, Lungen, Gehirn, Herz, Nebennieren und Augen betroffen. Die auftretenden Symptome hängen selbstverständlich davon ab, welches Organ bzw. welche Organe befallen sind. Bei leichteren Verläufen kann es auch zu einem Krankheitsbild kommen, das dem der infektiösen Mononukleose ähnelt.
Symptome der angeborenen Zytomegalie(vorgeburtlicher Infektionszeitpunkt). Frühgeburt, Untergewicht, Leber- und Milzschwellung, evtl. mit Ikterus, Anämie, Hautblutungen, intrakranielle Verkalkungen und Skelettveränderungen.
Symptome beim Neugeborenen und Säugling(Infektionszeitpunkt während oder nach der Geburt). 90 % der infizierten Neugeborenen haben keine Beschwerden, der Rest zeigt unterschiedliche Verläufe von sehr leichten bis hin zu tödlichen. Es kann zu Milz- und Leberschwellung, evtl. mit Ikterus oder zur Pneumonie kommen.
Nachweis.Je nach befallenem Organ im Urin, Speichel oder Antikörpernachweis im Blut.
Prophylaxe.Impfungen sind umstritten.
Therapie.Es kann nur symptomatisch behandelt werden. Bei Abwehrschwäche wird vom Arzt mit Virostatika und Immunglobulinen behandelt.
Meldepflicht.Aufgrund des Infektionsschutzgesetzes besteht für Zytomegalie und angeborene Zytomegalie keine Meldepflicht.

Röteln

Röteln (RubeolaRubeola, Rubella) sind eine meist harmlos verlaufende Virusinfektion, von der in erster Linie Kinder betroffen sind. Die wichtigsten Symptome sind Exanthem (Atlas Abb. 24-52) und Lymphknotenschwellung, manchmal geht ein leichtes katarrhalisches Vorstadium voraus.Röteln

Erkrankt eine Schwangere, so kann es zu schweren Schäden beim Kind kommen (Abschn. 27.2.18)

Erreger.Rötelnvirus (Rubellavirus).
Ausbreitung.Röteln kommen weltweit vor.
Ansteckung.Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion bei engem Kontakt.
Inkubationszeit.14–18 Tage (evtl. 12–21 Tage).
Pathogenese.Es handelt sich um eine zyklische Infektionskrankheit, die aber ein so kurzes Generalisationsstadium hat, dass es klinisch nicht in Erscheinung tritt. Im Organstadium kommt es zur Beteiligung von Haut und Lymphknoten.
Symptome.Meist tritt Fieber um 38 °C auf, manchmal fehlt es aber ganz. Das Exanthem beginnt im Gesicht und greift dann auf den Rumpf und die Extremitäten über. Es handelt sich um kleine, wenig erhabene rosarote Flecken mit hellem Hof, die nicht konfluieren (Atlas Abb. 24-52). Die Flecken sind größer als bei Scharlach und kleiner als bei Masern. Es kommen aber auch Abweichungen von dieser Norm vor. Der Ausschlag klingt nach 2–3 Tagen ab.
Bereits vor Ausbruch des Exanthems bestehen druckschmerzhafte Lymphknotenschwellungen, v. a. im Nacken, es können aber auch noch andere Lymphknotengruppen beteiligt sein. In ca. 50 % der Fälle kommt es zur Milzvergrößerung.
Es ist zu beachten, dass die Hälfte der Kinder die Erkrankung asymptomatisch durchsteht.
Komplikationen.Gelegentlich kommt es zur Rötelnenzephalitis, bei Erwachsenen möglicherweise auch zur Rötelnarthritis.
Bitte beachten Sie zur Rötelnembryopathie auch Abschn. 27.2.18.
Nachweis.Im Blut durch Antikörpernachweis. Des Weiteren kommt es zur Leukopenie mit relativer Lymphozytose, wobei insbesondere die Plasmazellen ansteigen. Zu beachten ist allerdings, dass während der Prodromalphase eine Leukozytose besteht.
Prophylaxe.Eine aktive Immunisierung kann zur Verhütung der Rötelnembryopathie durchgeführt werden. Dazu werden Mädchen im Alter von ungefähr 10–14 Jahren geimpft. Soll eine Frau im gebärfähigen Alter geimpft werden, so muss eine Schwangerschaft 2 Monate vor und 2 Monate nach der Impfung sicher ausgeschlossen werden.
Eine passive Immunisierung kann bei einer Schwangeren durchgeführt werden, wenn sie mit einem an Röteln Erkrankten Kontakt hatte. Ist es allerdings schon zum Ausbruch des Exanthems gekommen, so zeigt eine passive Immunisierung keinen Erfolg mehr.
Therapie.Durch den Arzt. Leichte Verläufe benötigen allerdings keine Behandlung, falls jedoch notwendig, wird symptomatisch behandelt.
Meldepflicht.Es besteht für den Heilpraktiker Meldepflicht bei Verdacht, Erkrankung und Tod gem. §§ 8, 6 Abs. 1 IfSG.
Behandlungsverbot.Für die Erkrankung besteht für den Heilpraktiker Behandlungsverbot aufgrund der §§ 24, 6, 7 und 34 Abs. 1 IfSG.

Ringelröteln (Erythema infectiosum acutum)

Die Ringelröteln zeigen einen ähnlichen Krankheitsverlauf wie die Röteln, allerdings ist der Hautausschlag hier ring- oder girlandenförmig.RingelrötelnMegalerythema epidemicum sive infectiosumExanthema variegatumErythema infectiosum acutum

Erreger.Parvovirus B 19.
Betroffen sind meist Kinder zwischen dem 6. bis 15. Lebensjahr.
Ansteckung.Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Die Ansteckungsfähigkeit besteht kurz nachdem das Virus aufgenommen wurde bis zum Auftreten des Exanthems. Nach Auftreten des Hautausschlags gilt der Erkrankte nicht mehr als infektiös.
Inkubationszeit.Meist 6–14 Tage, seltener 18 Tage.
Symptome.Inapparente Verläufe sind häufig. Bei einem manifesten Krankheitsverlauf kommt es zu mäßigem Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl mit einem zunächst schmetterlingsförmigen Erythem im Gesicht bei perioraler Blässe. Die Rötung der Wangen hat zu der umgangssprachlichen Krankheitsbezeichnung „Ohrfeigenkrankheit“ geführt. Über einen Zeitraum von ca. 10 bis 14 Tagen kommt es dann zu einem ring- und girlandenförmigen Hautausschlag, der manchmal auch Urtikaria ähnliche juckende, rote Quaddeln zeigt. Die Hauterscheinungen können während dieser Zeitspanne abblassen und sich wieder neu bilden. Bei Erwachsenen kann es zu Gelenkentzündungen und Gelenkschmerzen kommen.
Komplikationen.Infiziert sich eine Schwangere, kann das Kind Schaden nehmen. Bei Patienten mit chronischer hämolytischer Anämie kann es zur aplastischen Krise kommen, bei Abwehrgeschwächten z. B. zur chronischen Anämie, Thrombozyto- und Granulozytopenie, Myokarditis, Hepatitis.
Nachweis.Der Nachweis erfolgt über Antikörper bzw. Virus-DNS-Nachweis.
Prophylaxe.Die mütterlichen Antikörper können das Kind vorgeburtlich schützen und über die Muttermilch auch noch nach der Geburt.
Es steht nur eine passive Impfung zur Verfügung.
Therapie.Eine Therapie ist in der Regel nicht notwendig, da die Erkrankung meist spontan ausheilt. Beim Auftreten von Komplikationen muss symptomatisch behandelt werden.
Meldepflicht.Es besteht für Ringelröteln keine Meldepflicht.
Behandlungsverbot.Es besteht für Heilpraktiker kein Behandlungsverbot. Aber eine Schwangere muss wegen der Gefahr für das ungeborene Kind schon bei Krankheitsverdacht zum Arzt geschickt werden.

Dreitagefieber (Exanthema subitum, Roseola infantum)

Es kommt zu einem drei Tage andauernden hohen Fieber. Dann sinkt das Fieber plötzlich bis es verschwunden ist und es zeigt sich ein rötelähnlicher Hautausschlag.Roseola infantumExanthema subitumDreitagefieber

Erreger.Erreger ist das humane Herpesvirus Typ 6 (HHV 6)
Inkubationszeit.Die Inkubationszeit beträgt 3–15 Tage.
Übertragung.Die Übertragung erfolgt per Tröpfcheninfektion. Die Ansteckungsfähigkeit besteht ungefähr 3 bis 4 Tage vor Fieberbeginn bis zum Auftreten von Hauterscheinungen.
Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder im Frühjahr und Herbst.
Symptome.Das Dreitagefieber beginnt mit einem plötzlichen Temperaturanstieg auf bis zu 40 °C. Das Fieber hält drei Tage an. Anschließend fällt es schnell ab. Bei der Entfieberung tritt ein rötelähnlicher Hautausschlag am Rumpf und an den Extremitäten auf. Das Gesicht bleibt meist frei. Die Hauterscheinungen verschwinden nach ein bis drei Tagen, manchmal sind sie nur über Stunden vorhanden. Symptomlose Verläufe sind häufig.
Diagnose.Im Blut kommt es zur Leukopenie mit relativer Lymphozytose. Zwei Wochen nach der durchgestandenen Erkrankung kann man Antikörper im Blut nachweisen.
Prophylaxe.Es steht keine Impfung zur Verfügung.
Therapie.Eine schulmedizinische Therapie steht nicht zur Verfügung. Die Erkrankung heilt in der Regel von alleine aus.
Meldepflicht.Es besteht keine Meldepflicht.
Behandlungsverbot.Es besteht für Heilpraktiker kein Behandlungsverbot.

Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Meist harmlos verlaufende virale Erkrankung, von der vor allem Kinder unter 10 Jahren betroffen sind und bei der es zu einem charakteristischen Bläschenausschlag kommt.Hand-Fuß-Mund-Krankheit

Erreger.Erreger sind das Coxsackie-Virus, Enteroviren und Echoviren.
Inkubationszeit.Die Inkubationszeit beträgt 3–8 Tage. Betroffen sind vor allem Kinder unter 10 Jahren.
Symptome.Es bilden sich 1 bis 3 mm große, flache, juckende Bläschen, die von einem schmalen, roten Rand umgeben sind. Diese Hauterscheinungen treten vor allem an Händen und Füßen auf. Im Mund kommt es oft zu aphthenähnlichen Veränderungen, die mit starken Schmerzen einhergehen. Manchmal kommt es an den Nasenlöchern und den Oberschenkeln zu Hauterscheinungen. Es kann leichtes bis hohes Fieber auftreten. Die Krankheit heilt nach ein bis zwei Wochen ohne Krustenbildung aus.
Komplikationen.Nur in sehr seltenen Fällen kommt es zur Pneumonie, Meningitis, Enzephalitis oder Myokarditis.
Nachweis.Der Erreger kann im Stuhl und im Bläschensekret nachgewiesen werden. Jedoch wird in der Regel kein Erregernachweis durchgeführt, sondern die Diagnose aufgrund der Symptome gestellt.
Therapie.Eine Therapie ist in der Regel nicht erforderlich.
Meldepflicht.Es besteht keine Meldepflicht.
Behandlungsverbot.Es besteht für Heilpraktiker kein Behandlungsverbot.

Erkrankungen durch Parasiten

Pedikulose

Unter Pedikulose (LausbefallLäusebefall) versteht man den Befall der Haut durch Läuse. Läuse sind ungefähr 1–4 mm lange, flügellose Insekten, die zu den Blutsaugern gehören. Sie sind wichtige Krankheitsüberträger. Es gibt zahlreiche, verschiedene Lausarten, von denen aber nur drei den Menschen befallen: die Kopflaus, die Kleiderlaus und die Filzlaus.Pedikulose

Kopfläuse.KopflausbefallKinder, die von Kopfläusen befallen sind, kratzen sich wegen des starken Juckreizes häufig am Kopf. Dieser Juckreiz wird durch den von den Läusen beim Blutsaugen eingebrachten Speichel ausgelöst. Durch die Kratzwunden kann es zu Sekundärinfektionen und damit zu eitrigen Hautausschlägen („Läuseekzem“, Atlas Abb. 24-54) kommen, die ihrerseits ein Anschwellen der regionalen Lymphknoten verursachen können.
Kopfläuse können zu Beginn des Befalls leicht übersehen werden, da sie die Fähigkeit besitzen, sich der Haarfarbe anzupassen. Leichter kann man die an den Haaren haftenden Eier (Nissen) erkennen. Um sich in einem frühen Stadium des Befalls Sicherheit zu verschaffen, scheitelt man das Haar Strich um Strich am gesamten Kopf, um nach Nissen zu fahnden. Besonders sorgfältig und gründlich muss man die Prädilektionsstellen Nacken, Schläfen und hinter den Ohren untersuchen. Kopfläuse werden einerseits durch direkten Kontakt übertragen, andererseits aber auch durch gemeinsam benutzte Gegenstände wie Wäsche und Betten.
Kleiderläuse.KleiderlausbefallKleiderläuse halten sich, wie schon der Name sagt, bevorzugt in der Kleidung auf, wobei sie dazu die Nähte der dicht am Körper anliegenden Kleidungsstücke, also der Unterwäsche, vorziehen. Hier legen sie auch ihre Eier ab. Die Kleiderläuse kommen zum Blutsaugen auf die Haut, wodurch es zu heftig juckenden Pünktchen und Quaddeln kommt. In der Regel sieht man auch strichförmige Kratzspuren und häufig bakterielle Sekundärinfektionen. Die Läuse werden durch direkten Kontakt und über Kleiderstücke weitergegeben.
Kleiderläuse können die Erreger des Fleckfiebers (Rickettsia prowazeki), des Rückfallfiebers (Borrelia recurrentis) und des Wolhynischen Fiebers, des sogenannten Fünftagefiebers (Rickettsia quintana), übertragen.
Filzläuse.FilzlausbefallFilzläuse treten bevorzugt an Schamhaaren auf, selten an Bart, Augenbrauen, Wimpern, aber praktisch nie am Kopfhaar. An der Bissstelle besteht Juckreiz. Die Hauterscheinungen, die meist im anogenitalen Bereich auftreten, ähneln der Neurodermitis. Es sind Kratzspuren und häufig auch Sekundärinfektionen vorhanden. Gelegentlich kann man die Läuse als kleine, bläuliche Punkte auf der Haut sehen, und zwar meist am Stamm.
Therapie.Es wird im Allgemeinen mit 1-prozentigem Lindan behandelt, das als Shampoo, Creme, Lotion, Puder und Gel zur Verfügung steht. Des Weiteren werden Pyrethrin-Präparate oder 0,5-prozentige Malathion-Lotionen eingesetzt. Zu Bedenken ist, dass Lindan neurotoxisch wirkt und ebenso wie die anderen Präparate hautreizend ist. An Augenlidern und Augenwimpern müssen die Läuse in der Regel mit einer Pinzette entfernt werden, allerdings können Ölanwendungen an den Augenlidern Läuse schwächen oder sogar abtöten. Des Weiteren müssen alle Infektionsquellen wie Bürsten, Kämme und Bettwäsche durch Vakuumbehandlung, sorgfältiges Waschen, Dampfbügeln oder Trockenreinigung behandelt werden. Rezidive sind allerdings häufig.
Meldepflicht.Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht für Verlausung keine Meldepflicht. Obwohl die Verlausung im § 34 IfSG mit aufgelistet ist und danach von Läusen befallene Personen keine Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Schulgebäude, Kindergärten) betreten dürfen, besteht für den Heilpraktiker trotzdem kein Behandlungsverbot, weil die Verlausung im Sinne des Infektionsschutzgesetzes (§§ 34, 24 IfSG) keine Krankheit ist, sondern lediglich ein Ausschlussgrund für das Betreten von Gemeinschaftseinrichtungen.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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