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B978-3-437-55696-8.00009-9

10.1016/B978-3-437-55696-8.00009-9

978-3-437-55696-8

Vereinfachte Darstellung des Verdauungsschlauches mit den zugehörigen Verdauungsdrüsen. 1: Mundhöhle (Cavum oris), 2: Rachen (Pharynx), 3: Speiseröhre (Ösophagus), 4: Magen (Ventriculus), 5: Dünndarm (Intestinum tenue), 6: Aufsteigender Dickdarm (Colon ascendens), 7: Mastdarm (Rectum), 8: Analkanal (Canalis analis), 9: Speicheldrüsen (Glandulae salivariae), 10: Leber (Hepar), 11: Gallenblase (Vesica fellea), 12: Bauchspeicheldrüse (Pancreas), 13: Zwerchfell (Diaphragma).

[E711]

Mundhöhle. 1: Zunge (Lingua), 2: Harter Gaumen (Palatum durum), 3: Weicher Gaumen (Palatum molle), 4: Zäpfchen (Uvula), 5: Vorderer Gaumenbogen (Arcus palatoglossus), 6: Hinterer Gaumenbogen (Arcus palatopharyngeus), 7: Oberes Lippenbändchen (Frenulum labii superioris), 8: Unteres Lippenbändchen (Frenulum labii inferioris), 9: Gaumenmandel (Tonsilla palatina), 10: Rachenenge (Isthmus faucium), 11: Zahnfleisch (Gingiva), 12: Vorhof der Mundhöhle (Vestibulum oris).

[O606]

Mittelschnitt durch Kopf und Hals. 1: Nasenhöhle (Cavum nasi), 2: Harter und weicher Gaumen (Palatum durum et molle), 3: Nasenrachenraum (Epipharynx, Pars nasalis), 4: Mundrachenraum (Mesopharynx, Pars oralis), 5: Kehlkopfrachenraum (Hypopharynx, Pars laryngea) 6: Mundhöhle (Cavum oris), 7: Zunge (Lingua), 8: Unterkiefer (Mandibula), 9: Zungenbein (Os hyoideum), 10: Kehldeckel (Epiglottis), 11: Kehlkopf (Larynx), 12: Luftröhre (Trachea), 13: Schilddrüse (Glandula thyreoidea), 14: Speiseröhre (Oesophagus), 15: Wirbelkörper (Corpus vertebrae), 16: Wirbelkanal (Canalis vertebralis), 17: Mündung der Ohrtrompete, 18: Zungenmandel (Tonsilla lingualis).

[O606]

Anatomischer Aufbau des Magens. 1: Speiseröhre (Ösophagus), 2: Mageneingang (Cardia), 3: Magenkuppel (Fundus), 4: Magenkörper (Corpus ventriculi), 5: Magenausgangsteil (Antrum pyloricum), 6: Magenausgang (Pförtner, Pylorus), 7: Kleine Innenkrümmung (Curvatura minor), 8: Große Außenkrümmung (Curvatura major), 9: Zwölffingerdarm (Duodenum).

[L190]

Zotten des Dünndarms. 1: Darmzotte (Villus intestinalis), 2: Einschichtiges Zottenepithel, 3: Verschiebeschicht (Submucosa), 4: Muskelschicht (Tunica muscularis), 5: Bindegewebeschicht des Bauchfells (Tela subserosa), 6: Plattenepithel des Bauchfells (Tunica serosa).

[S007-2-23]

Lage des Dickdarms im Bauchraum. 1: Wurmfortsatz (Appendix), 2: Blinddarm (Caecum), 3: Aufsteigender Dickdarm (Colon ascendens), 4: Rechte Dickdarmkrümmung (Flexura coli dextra), 5: Querliegender Dickdarm (Colon transversum), 6: Linke Dickdarmkrümmung (Flexura coli sinistra), 7: Absteigender Dickdarm (Colon descendens), 8: S-förmiger Abschnitt (Sigmoid), 9: Mastdarm (Rectum), 10: Lage der Bauhin-Klappe (Ileozäkalklappe), 11: Taenia coli (Streifen aus Längsmuskulatur), 12: Fettanhängsel, 13: Ausbuckelungen (Haustren), 14: Zwölffingerdarm (Duodenum), 15: Endstück des Krummdarms (Ileum), 16: Großes Netz (Omentum majus), hochgeschlagen.

[O606]

Quadrantenaufteilung des Bauches. I: Rechter oberer Quadrant, II: Linker oberer Quadrant, III: Rechter unterer Quadrant, IV: Linker unterer Quadrant.

[L157]

Wichtige Punkte des Bauchraums. 1: Nabel, 2: Wurmfortsatz (Appendix vermiformis), 3: Rovsing-Zeichen, 4: McBurney-Punkt, 5: Lanz-Punkt, 6: Blumberg-Punkt.

[L157]

Unterscheidungsmerkmale von Ulcus ventriculi und duodeni.

Tab. 9-1
Lokalisation des Geschwürs Lokalisation des Schmerzes Schmerztyp Säurebildung
Ulcus ventriculi Meist Antrum und kleine Kurvatur Meist links der Körpermittellinie Oft Sofortschmerz (auch Spätschmerz) Eher Untersäuerung
Ulcus duodeni Pylorusnah Meist rechts der Körpermittellinie Meist Nüchternschmerz Eher Übersäuerung

Verdauungstrakt

  • 9.1

    Anatomie und Physiologie287

    • 9.1.1

      Mundhöhle und Gaumen287

    • 9.1.2

      Speicheldrüsen290

    • 9.1.3

      Rachen291

    • 9.1.4

      Speiseröhre292

    • 9.1.5

      Magen293

    • 9.1.6

      Dünndarm297

    • 9.1.7

      Dickdarm301

    • 9.1.8

      Bauchfell304

  • 9.2

    Untersuchungsmethoden305

    • 9.2.1

      Körperliche Untersuchung305

    • 9.2.2

      Apparative Verfahren306

  • 9.3

    Erkrankungen der Mundhöhle307

    • 9.3.1

      Stomatitis catarrhalis307

    • 9.3.2

      Stomatitis aphthosa307

    • 9.3.3

      Stomatitis herpetica (aphthosa)308

    • 9.3.4

      Stomatitis mycotica308

    • 9.3.5

      Stomatitis angularis308

    • 9.3.6

      Leukoplakie308

    • 9.3.7

      Landkartenzunge309

    • 9.3.8

      Schwarze Haarzunge309

  • 9.4

    Erkrankungen der Speiseröhre309

    • 9.4.1

      Sodbrennen309

    • 9.4.2

      Singultus310

    • 9.4.3

      Ösophagitis310

    • 9.4.4

      Achalasie und Pylorusstenose311

    • 9.4.5

      Ösophagusdivertikel312

    • 9.4.6

      Ösophagusvarizen313

    • 9.4.7

      Ösophaguskarzinom313

    • 9.4.8

      Hiatushernie314

  • 9.5

    Erkrankungen des Magens314

    • 9.5.1

      Reizmagen314

    • 9.5.2

      Akute Gastritis315

    • 9.5.3

      Chronische Gastritis315

    • 9.5.4

      Ulcus ventriculi et duodeni316

    • 9.5.5

      Magenkarzinom318

  • 9.6

    Erkrankungen des Dünndarms319

    • 9.6.1

      Maldigestion und Malabsorption319

    • 9.6.2

      Morbus Crohn320

    • 9.6.3

      Sprue bzw. Zöliakie321

  • 9.7

    Erkrankungen des Dickdarms322

    • 9.7.1

      Reizdarmsyndrom322

    • 9.7.2

      Diarrhö322

    • 9.7.3

      Obstipation323

    • 9.7.4

      Ileus324

    • 9.7.5

      Appendizitis325

    • 9.7.6

      Kolondivertikulitis327

    • 9.7.7

      Colitis ulcerosa328

    • 9.7.8

      Dickdarmtumoren und Dickdarmkrebs329

    • 9.7.9

      Hämorridalleiden330

    • 9.7.10

      „Blut im Stuhl“331

  • 9.8

    Erkrankungen des Bauchfells332

    • 9.8.1

      Peritonitis332

  • 9.9

    Wurmerkrankungen332

    • 9.9.1

      Spulwurmbefall333

    • 9.9.2

      Madenwurmbefall333

    • 9.9.3

      Bandwurmbefall334

Damit der Körper die ihm zugeführte Nahrung durch die Zellen verwerten kann, muss sie mechanisch zerkleinert, chemisch abgebaut und resorbiert werden.

Unter Resorption, NahrungsstoffeResorption (Absorption, NahrungsstoffeAbsorption) versteht man in diesem Zusammenhang die Aufnahme von Stoffen über die Schleimhaut des Verdauungstrakts.

Nachdem die Nahrungsstoffe abgebaut und resorbiert wurden, werden sie über das Kreislaufsystem zu den einzelnen Körperzellen transportiert, die sie z. B. zum Aufbau von körpereigener Substanz, zur Hormon- oder Enzymherstellung oder zur Energiegewinnung verwenden.

Anatomie und Physiologie

Verdauungstrakt:Anatomie und PhysiologieDen Verdauungstrakt kann man als langen „Schlauch“ betrachten, der an den Lippen beginnt, im Magen eine Ausweitung erfährt und am After (Anus) endet. Ihm sind verschiedene exokrine Drüsen zugeordnet, die ihre Verdauungssekrete in diesen „Schlauch“ einleiten. Innerhalb von 24 Stunden werden von den einzelnen Organen folgende Mengen von Verdauungssäften abgegeben: Mundspeichel ca. 1 Liter, Magensaft ca. 2 Liter, Gallenflüssigkeit ca. 0,5 bis 1 Liter, Pankreassaft ca. 1,5 Liter und Dünndarmsaft ca. 2,5 Liter. (Abb. 9-1).

Organe des Verdauungstrakts

  • Mundhöhle (Cavum oris)

  • Rachen (Pharynx)

  • Speiseröhre (Ösophagus)

  • Magen (Gaster, Ventriculus)

  • Dünndarm (Intestinum tenue)

  • Dickdarm (Intestinum crassum) mit

    • Blinddarm (Caecum)

    • Grimmdarm (Colon)

    • Mastdarm (Rectum)

Zugehörige Verdauungsdrüsen

  • Speicheldrüsen (Glandulae salivariae)

  • Leber mit Gallenblase (Hepar mit Vesica fellea)

  • Bauchspeicheldrüse (Pancreas)

Aufgaben des Verdauungstrakts
  • Kontrolle der Nahrungsmittel durch Geschmack und Geruch

  • mechanische Zerkleinerung

  • Speicherung der aufgenommenen Nahrung im Magen

  • Vermischung der Nahrung mit Enzymen (durch segmentale Bewegungen)

  • Weitertransport der Nahrung (durch peristaltische Bewegungen)

  • Aufspaltung der Nahrungsmittel in einfachere Bestandteile (Katabolismus)

  • Resorption (Aufnahme) der verdauten Stoffe in die Blut- bzw. Lymphbahn

  • Ausscheidung der unverdaulichen Nahrungsreste

Aufgabe der zugehörigen Verdauungsdrüsen.Die Verdauungsdrüsen bilden Enzyme (veraltet: Fermente), also Eiweißverbindungen, die im Körper als Katalysatoren wirken, das heißt, sie beschleunigen chemische Reaktionen, die ohne sie überhaupt nicht oder nur langsamer ablaufen würden. Das Enzym geht aus dieser Reaktion unverändert hervor. Ohne Enzyme wäre ein geordneter Stoffwechsel nicht möglich.
Im Folgenden werden nun die einzelnen Organe des Verdauungstrakts besprochen.

Mundhöhle und Gaumen

Die MundhöhleMundhöhle (Cavum Cavum orisoris) im weiteren Sinn gliedert sich in:
  • Vorhof der Mundhöhle, der außerhalb der Zahnbögen liegt (Raum zwischen Wangen, Lippen und Zähnen) und die

  • eigentliche Mundhöhle, die innerhalb der Zahnbögen liegt (Abb. 9-2, Atlas Abb. 9-1).

Im engeren Sinn gehört lediglich der Bereich, der von den Zahnbögen umschlossen wird, zur Mundhöhle. Nach hinten schließt sich der Gaumen (Palatum) an.
Die Mundhöhle im weiteren Sinne wird vorne von den Lippen, seitlich von den Wangen, unten vom Mundboden und von oben durch den harten und weichen Gaumen begrenzt. Zwischen Mundhöhle und dem mittleren Rachenteil liegen der Gaumen und die Rachenenge (Isthmus faucium). Wichtige Organe der Mundhöhle sind die Zunge (Lingua) und die Zähne (Dentes).
Diese Definitionen spielen für den Heilpraktiker eine wichtige Rolle, da es ihm aufgrund des Gesetzes zur Ausübung der Zahnheilkunde verboten ist, „Erkrankungen des Mundes“ zu behandeln. Leider wird der Begriff „Mund“ in diesem Gesetz nicht näher definiert! So bleibt es letztlich in rechtlicher Hinsicht Interpretationssache, ob der Heilpraktiker z. B. Erkrankungen der Wangenschleimhaut – also im Vorhof des Mundes – behandeln darf, wie z. B. Aphthen (Abschn. 9.3.2).
Lippen
An den LippeLippen (Labia Labia orisoris) geht die Mundschleimhaut in die äußere Haut über. Hier ist die Epithelschicht so dünn, dass das darunterliegende gefäßreiche Bindegewebe deutlich durchschimmert. Deshalb eignen sich die Lippen gut zu einer vorläufigen Beurteilung der Sauerstoffsättigung des Blutes (z. B. Lippenzyanose bei Cor pulmonale).
Die Lippen gehören, zusammen mit der Zunge und den Augenlidern, zu den berührungsempfindlichsten Teilen des Körpers.
Zunge
Die ZungeZunge (LinguaLingua Atlas Abb. 9-2) besteht im Wesentlichen aus quergestreifter Muskulatur, deren Muskelfasern in alle drei Richtungen des Raums laufen, wodurch sie eine große Beweglichkeit bekommt. Außen ist die Zunge von Schleimhaut überzogen, deren äußerer Überzug aus mehrschichtigem Plattenepithel besteht.
Die Zunge ist mit dem Mundboden verwachsen. Man unterscheidet die frei bewegliche Zungenspitze, den Zungenkörper und die Zungenwurzel (Zungengrund). Die Zungenwurzel ist der Rachenrückwand zugewendet und kann nur mit einem Kehlkopfspiegel vollständig betrachtet werden. In die Zungenwurzel ist reichlich lymphatisches Gewebe eingelagert (Atlas Abb. 9-11). Die Gesamtheit dieses lymphatischen Gewebes bezeichnet man als Zungenmandel. Sie ist Bestandteil des lymphatischen Abwehrrings (Waldeyer-Abwehrring, Abschn. 8.1.7). Unterhalb der Zunge in der Mittellinie liegt eine Schleimhautfalte, das Zungenbändchen (Frenulum linguae), das die Zunge am Mundboden befestigt.
Die Zunge wird vom XII. Hirnnerv (N. hypoglossus) innerviert. Bei beidseitiger Lähmung dieses Nervs kann die Zunge nicht mehr bewegt werden. Bei einseitiger Lähmung weicht die herausgestreckte Zunge zur gelähmten Seite ab, da die geschädigte Seite sich nicht mehr aktiv verlängern kann und deshalb gegenüber der gesunden Seite zurückbleibt. Auch bei nur einseitiger Lähmung sind Sprechen, Kauen und Schlucken erheblich behindert.
Zungenpapillen.ZungenpapilleDie Zunge erhält ihr raues Aussehen von kleinen Papille, ZungePapillen (warzenförmigen Erhebungen), die der Oberflächenvergrößerung dienen. Nach der Form dieser Papillen unterscheidet man Faden-, Pilz-, Blatt- und Wallpapillen (Atlas Abb. 9-2, 9–3).
  • FadenpapilleFadenpapillen (Papillae filiformes) befinden sich v. a. im vorderen Bereich der Zunge. An ihnen sitzen viele Rezeptoren, die der Tastempfindung dienen. Das Epithel der Fadenpapillen verhornt. Werden diese Hornschuppen durch die Nahrungsaufnahme nicht ausreichend abgeschilfert, weil z. B. nicht gut genug gekaut oder hauptsächlich flüssige Nahrung aufgenommen wird, entwickelt sich eine „belegte“ Zunge.

  • PilzpapillePilzpapillen (Papillae fungiformes) findet man überwiegend im mittleren und vorderen Bereich der Zunge. Auf ihrer Oberfläche liegen zahlreiche Rezeptoren, die für Geschmacksempfindungen zuständig sind. Da sie nur sehr schwach verhornen, stellen sie sich als rötliche Erhebungen dar.

  • BlattpapilleBlattpapillen (Papillae foliatae) findet man am Zungenrand. Die einzelnen „Blätter“ sind durch tiefe Einschnitte getrennt. In diese Einschnitte münden Ausführungsausgänge von kleinen serösen Speicheldrüsen.

  • WallpapilleWallpapillen (Papillae vallatae) befinden sich im hinteren Teil der Zunge, in einer V-förmigen Linie. Sie sind jeweils von einem Ringwall umgeben. Hier liegen besonders viele Rezeptoren, die der Schmeckempfindung „bitter“ dienen.

Schmeckrezeptoren.Schmeckrezeptoren liegen bei den Wall-, Pilz- und Blattpapillen. Allerdings liegen sie nicht nur auf der Zunge, sondern auch am weichen Gaumen und der Rachenrückwand bis hinunter zum Kehlkopf. An der Innervation der Schmeckrezeptoren sind der VII., IX. und X. Hirnnerv beteiligt.
Zähne
ZahnDensAufgrund des „Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde“ in Verbindung mit dem Heilpraktikergesetz § 6 ist die Ausübung der Zahnheilkunde den bestallten Zahnärzten vorbehalten. Da der Heilpraktiker also keine Zahnerkrankungen behandeln darf, soll hier nur der Aufbau eines Zahnes in groben Umrissen aufgezeichnet werden.
Zähne (Dentes) sind knochenartige Gebilde, die einen noch höheren Anteil anorganischer Substanzen besitzen als Knochen. Das Milchgebiss ist aus 20 Zähnen aufgebaut; der Erwachsene besitzt 32 Zähne. Der einzelne Zahn besteht aus dem Zahnbein (Dentinum), das die Zahnpulpa im Zentrum des Zahnes umschließt. Die Pulpa besteht aus retikulärem Bindegewebe, das reich an Blutgefäßen und Nervenfasern ist. Das Zahnbein wird in seinem Kronenanteil vom Zahnschmelz umgeben. Dieser Zahnschmelz ist die härteste und widerstandsfähigste Substanz im menschlichen Körper; er besteht im Wesentlichen aus phosphorsaurem Kalk. Allerdings kann der Zahnschmelz durch säurebildende Bakterien aufgelöst werden. In diesem Fall spricht man von Karies (lat. caries = Fäulnis). Im Zahnschmelz kommen keine Zellen mehr vor. Deshalb kann sich der Zahnschmelz nicht mehr regenerieren.
Der Anteil des Zahnes, der im Kieferknochen eingebettet liegt, trägt keinen Schmelzüberzug, stattdessen ist hier „Zement“ aufgelagert. Dabei handelt es sich um ein grobfaseriges Knochenmaterial mit nur wenigen Zellen. Vom Zement aus ziehen kräftige Bandzüge zum Kieferknochen und verankern hier den Zahn. (Atlas Abb. 9-4).
Gaumen
Der GaumenGaumen (PalatumPalatum Abb. 9-2, Atlas Abb. 9-1) stellt zum einen den Boden der Nasenhöhle und zum anderen das Dach der Mundhöhle dar. Man unterscheidet:
  • harter Gaumen (Palatum durum). Er wird vom Oberkieferknochen gebildet (Atlas Abb. 9-6).

  • weicher Gaumen (Palatum molle). Er besteht aus quergestreifter Muskulatur, Bindegewebe und einem Schleimhautüberzug. Er hängt wie ein „herabhängendes Zelttuch“ am hinteren Rand des Gaumens. In der Mitte bildet er das Zäpfchen (Uvula). Während des Schluckaktes schließt es den oberen Rachenteil (Pars nasalis) gegenüber dem mittleren ab (s. u.).

  • Gaumenbögen. Inspiziert man den weit geöffneten Mund und drückt mit einem Spatel die Zunge herab, so sieht man von der Basis des Gaumenzäpfchens ausgehend je zwei Schleimhautfalten bogenartig nach seitlich unten verlaufen, zwischen denen sich eine Nische befindet. Somit kann man einen vorderen und einen hinteren Gaumenbogen unterscheiden. Zwischen diesen beiden Gaumenbögen liegen die Gaumenmandeln (Abschn. 8.1.7).

Speicheldrüsen

Die großen, paarig vorkommenden SpeicheldrüseSpeicheldrüsen des Kopfes (Glandulae salivariae) sind Ohr-, Unterkiefer- und Unterzungenspeicheldrüsen (Atlas Abb. 9-8). Die speichelbereitenden Drüsenzellen laufen in den Drüsenendstücken (Acini) zusammen. Über ein Röhrchensystem von zunehmendem Innendurchmesser wird der Speichel vom Drüsenendstück über Sekretröhrchen bis zum Ausführungsgang geleitet. Da die Drüsen über einen Ausführungsgang verfügen, handelt es sich um exokrine Drüsen.
Lage der großen Speicheldrüsen
  • Ohrspeicheldrüse (Glandula Glandula parotisparotis). Die OhrspeicheldrüseOhrspeicheldrüse liegt im subkutanen Wangengewebe. Ihr Ausführungsgang verläuft über den Kaumuskel (M. masseter), durchbricht den Trompetermuskel (M. buccinator) und mündet gegenüber dem zweiten Mahlzahn (Molar) in den Vorhof des Mundes (Vestibulum oris). Sie produziert ein überwiegend dünnflüssiges (seröses) Sekret.

  • Unterkieferspeicheldrüse (Glandula Glandula submandibularissubmandibularis). Die UnterkieferspeicheldrüseUnterkieferspeicheldrüse liegt unter dem Mundboden, nahe dem Kieferwinkel. Der Ausführungsgang mündet unterhalb der Zungenspitze auf einer kleinen Warze in die Mundhöhle (Atlas Abb. 9-10). Sie produziert ein gemischtes Sekret mit serösen und mukösen (dickflüssigen) Anteilen.

  • Unterzungenspeicheldrüse (Glandula Glandula sublingualissublingualis). Die UnterzungenspeicheldrüseUnterzungenspeicheldrüse befindet sich seitlich unterhalb der Zunge. Die Ausführungsgänge liegen am seitlichen Zungengrund auf einer Schleimhautfalte (Atlas Abb. 9-9). Ein großer Ausführungsgang mündet meist gemeinsam mit dem Ausführungsgang der Unterkieferspeicheldrüse auf der kleinen Warze unterhalb der Zungenspitze. Das produzierte Sekret ist überwiegend mukös.

Neben diesen großen Speicheldrüsen gibt es noch kleine, die in die Schleimhaut der Lippen, Wangen, Zunge und Gaumen eingebettet liegen. Sie besitzen nur kurze Ausführungsgänge.

Speicheldrüsen

Am Kopf werden folgende großen Speicheldrüsen unterschieden:
  • Ohrspeicheldrüsen

  • Unterkieferspeicheldrüsen

  • Unterzungenspeicheldrüsen

Aufgabe des Speichels.Die SpeichelSpeichelabsonderung wird vom Parasympathikus gefördert und vom Sympathikus gehemmt. Die Speichelsekretion kann allerdings schon durch die Vorstellung oder das Ansehen einer angenehmen Speise gefördert werden! Darüber hinaus wirken der mechanische Reiz der Nahrung in der Mundhöhle und positive Geschmacks- und Geruchsempfindungen auf die Speichelbildung ein. Im Einzelnen hat der Speichel folgende Aufgaben:
  • Befeuchten der Nahrung, damit sie gleitfähig wird

  • Lösen von Geschmacksstoffen, die man trocken nicht schmecken könnte

  • antibakterielle und mundreinigende Wirkung

  • Beginn der Kohlenhydratverdauung: Im Speichel ist Alphaamylase enthalten, die Kohlenhydrate zu Maltose oder Maltotriose (einfachere Zuckerformen) spaltet. Im sauren Milieu des Magens verliert diese Alphaamylase ihre Wirkung, sodass die weitere Kohlenhydratverdauung erst im Dünndarm stattfinden kann.

Rachen

Der Rachenraum (Pharynx) zählt sowohl zum Verdauungs- als auch zum Atemtrakt (Abb. 9-3). Sein oberer Anteil steht mit den Nasenhöhlen, sein mittlerer mit dem Mund in Verbindung.
Die Wand des Rachens besitzt einen Überzug aus Schleimhaut unter der sich Bindegewebe und die Muskelwand befinden. An letzterer kann man zwei quergestreifte Muskelsysteme unterscheiden (Atlas Abb. 9-12): Schlundschnürer (zirkulär angeordnete Muskelfasern), die den Rachen bei der Kontraktion verengen und Schlundheber (längsverlaufende Muskelfasern), die den Rachen anheben können.
Die Rachenmuskeln werden vom IX. (N. glossopharyngeus) und X. Hirnnerv (N. vagus) motorisch innerviert. Die sensible Innervation der Rachenschleimhaut erfolgt durch den V. (2. Ast des N. trigeminus = N. maxillaris), IX. (N. glossopharyngeus) und X. Hirnnerv (N. vagus).
Abschnitte des Rachenraums(Atlas Abb. 9-14, 17-5).
  • Nasenrachenraum (Pars nasalis pharyngis, Epipharynx). Der Nasenrachenraum ist der oberste Teil des Rachenraums. Er liegt hinter den Nasenhöhlen. Am Rachendach sitzt die Rachenmandel (Atlas Abb. 9-11, 17-5). An den Seitenwänden des Nasenrachenraums, ca. 1 cm hinter dem Hinterende der unteren Nasenmuschel (Abschn. 17.1.1) liegen die Mündungsstellen der Ohrtrompete (Eustachi-Röhre, Tuba auditiva). Um diese Mündungsstellen herum liegt reichlich lymphatisches Gewebe, das zum lymphatischen Rachenring gehört und als Ohrtrompetenmandel (Tonsilla tubaria) bezeichnet wird (Abschn. 8.1.7). Der Epipharynx gehört zum Atemweg.

  • Mundrachenraum (Pars oralis pharyngis, Mesopharynx). Dieser mittlere Teil des Rachens liegt zwischen dem weichen Gaumen und dem Kehldeckel (Epiglottis). In diesem Abschnitt kreuzen sich Atem- und Speiseweg (Atlas Abb. 9-13).

  • Kehlkopfrachenraum (Pars laryngea pharyngis, Hypopharynx). Dieser untere Anteil des Rachens reicht von der Höhe des Kehldeckels bis zum Beginn der Speiseröhre. Er verläuft hinter dem Kehlkopf (Larynx). Der Hypopharynx gehört ausschließlich zum Speiseweg.

Abschnitte des Rachenraums

  • Nasenrachenraum:

    Pars nasalis pharyngis (Epipharynx)

  • Mundrachenraum:

    Pars oralis pharyngis (Mesopharynx)

  • Kehlkopfrachenraum:

    Pars laryngea pharyngis (Hypopharynx)

Schluckakt.Beim SchluckaktSchluckakt drückt zuerst die Zunge willkürlich die Nahrung in den Mundrachenraum. Durch die Berührung mit der Rachenschleimhaut wird der unwillkürliche Schluckreflex ausgelöst. Der weiche Gaumen mit dem Zäpfchen schließt den Mundrachenraum gegenüber dem Nasenrachenraum ab. Es tritt Atemstillstand ein. Der Kehldeckel (Epiglottis) verschließt den Kehlkopf, damit keine Speise in den Luft-weg gerät (Schutz vor „Verschlucken“). Da der Schluckakt als Reflex abläuft, ist er nicht mehr aufzuhalten, sobald der Bolus (geschluckter Bissen) die Rachenrückwand berührt hat.
Gelangt die Nahrung in die Speiseröhre, wird sie von dort durch peristaltische Bewegungen in den Magen befördert.

Speiseröhre

Die Speiseröhre:Anatomie und PhysiologieSpeiseröhre (Ösophagus:Anatomie und PhysiologieÖsophagus) stellt die Verbindung des Rachens mit dem Magen her. Sie ist ein etwa daumendicker, 25 cm langer muskulärer Schlauch. Sie liegt hinter der Luftröhre und vor der Wirbelsäule (Atlas Abb. 9-15, 9-16). Beim Hiatus oesophageus durchtritt sie das Zwerchfell und dringt in den Bauchraum vor. Dieser Durchtritt hat die Wirkung eines Ringmuskels (Sphinkter) und verhindert das Zurückströmen von Nahrung. Die Übergangszone der zweischichtigen Ösophagusmuskulatur in die dreischichtige Magenmuskulatur wird als Cardia (Magenmund) bezeichnet. Dieser Verschlussmechanismus ist besonders wichtig, weil die aggressiven Magensäfte sonst in die Speiseröhre gelangen und diese reizen oder sogar andauen könnten, was Sodbrennen, Geschwürsbildung oder eine Krebserkrankung zur Folge haben könnte.
Engstellen.Die Speiseröhre besitzt drei natürliche Engstellen, an der verschluckte Fremdkörper und übergroße Bissen bevorzugt steckenbleiben (Atlas Abb. 9-17):
  • direkt am Übergang vom Rachen in die Speiseröhre, ca. auf Höhe des Unterrandes des Ringknorpels des Kehlkopfes

  • im mittleren Abschnitt durch die Anlagerung des Aortenbogens

  • beim Durchtritt durch das Zwerchfell (Hiatus oesophageus), also ca. 1 bis 2 cm vor der Mündung in den Mageneingang

Aufbau der Speiseröhrenwand.Der Aufbau der Speiseröhre entspricht grundsätzlich dem des übrigen Verdauungstrakts (Atlas Abb. 9-18).
  • Schleimhaut (Mukosa, Tunica mucosa). Die innerste Schleimhautschicht schafft für den geschluckten Bissen eine glatte Gleitfläche. Sie hat einen Überzug aus unverhorntem mehrschichtigem Plattenepithel. Unter der Epithelschicht befindet sich noch eine Bindegewebeschicht und eine kleine Muskelschicht. Letztere hat die Aufgabe, die Schleimhaut an die Form des zu schluckenden Bissens anzupassen und sie stellt einen gewissen Schutz der Schleimhaut vor Verletzungen durch spitze Gegenstände (Gräten, kleinen Knochen) dar. Diese kleine Muskelschicht der Schleimhaut darf nicht mit der eigentlichen Muskelwand (s. u.) verwechselt werden, die für die Bewegungen der Speiseröhrenwand zuständig ist.

  • Verschiebeschicht (Submukosa, Tela submucosa). Unter der Schleimhaut sitzt eine Verschiebeschicht aus Bindegewebe, in der Blutgefäße, Nerven, lymphatisches Gewebe und Schleim produzierende Drüsen (Glandulae oesophageae) eingelagert sind.

  • Muskelwand (Muskularis, Tunica muscularis). An der Muskelwand unterscheidet man eine innere, zirkulärverlaufende Muskelfaserschicht und eine sich daran anschließende Schicht aus längsverlaufenden Muskelfasern. Das obere Drittel der Speiseröhrenwand besteht aus quergestreifter, das untere Drittel aus glatter Muskulatur. Das mittlere Drittel weist beide Muskelarten auf.

  • Hüllschicht (Adventitia, Tunica adventitia). Die bindegewebige Hülle dient dem Einbau und der Verschieblichkeit der Speiseröhre gegenüber ihren Nachbarorganen.

Aufbau der Speiseröhrenwand (Atlas Abb. 9-18)

  • Mukosa (Schleimhaut)

  • Submukosa (Verschiebeschicht)

  • Muskularis (Muskelwand)

  • Adventitia (Hüllschicht)

Magen

Der Magen:Anatomie und PhysiologieMagen (Ventriculus“\t“Siehe MagenVentriculus, Gaster“\t“Siehe MagenGaster) erfüllt bei der Verdauung gleich mehrere Funktionen:
  • Speicherfunktion. Der Magen gibt die enthaltene Nahrung nur in kleinen Portionen an den Dünndarm zur weiteren Verdauung ab, und zwar so, wie dieser sie verarbeiten kann. Das hat den Vorteil, dass Nahrung nicht ständig in kleinen Mengen aufgenommen werden muss, sondern dass größere Mengen auf einmal gegessen werden können.

  • keimabtötende Wirkung. Durch die im Magensaft enthaltene Salzsäure beträgt der pH-Wert des Magens 1,0 bis 1,5. Durch dieses saure Milieu werden die meisten Erreger abgetötet. Allerdings gibt es Bakterien (v. a. Helicobacter), die von der Magensäure nicht geschädigt werden.

  • Eiweißverdauung. Durch das im Magensaft enthaltene Pepsin wird die Eiweißverdauung eingeleitet.

  • Intrinsic-Faktor. Im Magensaft ist der Intrinsic-Faktor enthalten, der die Aufnahme von Vitamin B12 im letzen Dünndarmabschnitt (Ileum) ermöglicht.

  • Magenbewegungen. Der Magen kann Bewegungen zur Durchmischung der Nahrung mit dem Magensaft und peristaltische Bewegungen zum Weitertransport des Mageninhaltes vornehmen.

Lage.Form und Lage des Magens können sehr unterschiedlich sein, denn dabei spielen folgende Faktoren eine Rolle: der Füllungszustand, die Festigkeit der Aufhängung, die Körperhaltung, der Zwerchfellstand bei der Atmung und der Konstitutionstyp, z. B. Stierhornform des Pyknikers (breitwüchsiger, gedrungener Körperbau) und der Langmagen des Asthenikers (Atlas Abb. 9-20).
Der Magen liegt intraperitoneal (vom Bauchfell überzogen, Abschn. 9.1.8) im Oberbauch, überwiegend links der Medianlinie (Mittellinie) in der Regio epigastrica, zwischen Leber und Milz. Weitere Nachbarorgane sind nach oben das Zwerchfell, nach unten und hinten der Dickdarm und nach hinten die Bauchspeicheldrüse, die linke Niere und Nebenniere. An den Magenausgang (Pförtner) schließt sich direkt der Zwölffingerdarm an (Atlas Abb. 1-6 B, 9-25, 9-36, 11-1).
Anatomischer Aufbau des Magens.Man unterscheidet (Abb. 9-4, Atlas Abb. 9-19):
  • Mageneingang (CardiaCardia). Kurz unterhalb des Zwerchfells geht die Speiseröhre in den Mageneingang über. Dabei sind die Speiseröhrenschleimhaut mit mehrschichtigem Plattenepithel und die Magenschleimhaut mit Zylinderepithel scharf gegeneinander abgegrenzt.

  • Magenkuppel (FundusFundus). Der Fundus liegt oberhalb des Mageneinganges. Er ist meist mit Gas gefüllt, was auf dem Röntgenbild gut zu sehen ist (Magenblase der Röntgenologen).

  • Magenkörper (Corpus Corpus ventriculiventriculi). Der Magenkörper ist der größte Abschnitt des Magens. Er steht beim Gesunden nahezu aufrecht.

  • Magenausgangsteil (Antrum pyloricum). Hier handelt es sich um das verengte Endstück direkt vor dem Pförtner.

  • Magenausgang (PförtnerPförtner, PylorusPylorus). Der Magenausgang ist ein ringförmiger Muskel (Sphinkter) an der Ausgangsöffnung des Magens in den Zwölffingerdarm.

Darüber hinaus gibt es zwei bogenförmige Seitenbegrenzungen, die
  • kleine Innenkrümmung (Curvatura minor) und die

  • große Außenkrümmung (Curvatura major).

Von der kleinen Magenkrümmung aus erstreckt sich das kleine Netz (Omentum minus) zur Leberpforte. Von der großen Krümmung und vom querliegenden Dickdarm aus zieht das große Netz (Omentum majus) schürzenförmig über den Darm herab.

Anteile des Magens

  • Mageneingang (Cardia)

  • Magenkuppel (Fundus)

  • Magenkörper (Corpus)

  • Magenausgangsteil (Antrum)

  • Magenausgang (Pförtner, Pylorus)

Aufbau der Magenwand.Magen:WandaufbauBetrachtet man die innere Magenoberfläche, sieht man Schleimhautfalten (Plicae gastricae), die der besseren Dehnbarkeit der Magenwand dienen, bei gut gefülltem Magen verstreichen sie (Atlas Abb. 9-21). Bei der kleinen Krümmung findet man diese Schleimhautfalten parallel angeordnet. Sie werden als Magenstraßen bezeichnet und dienen dem schnellen Durchlauf von Flüssigkeiten. Bei mikroskopischer Betrachtung der inneren Magenschleimhautoberfläche kann man die Magenfelder (Areae gastricae), warzenartige Vorwölbungen von 1 bis 6 mm Durchmesser, und die auf ihnen mündenden Magengrübchen (Foveolae gastricae) sehen (Atlas Abb. 9-24).
An der Magenwand unterscheidet man von innen nach außen die folgenden Schichten:
  • Schleimhaut (Mukosa, Tunica mucosa). Sie hat einen Überzug aus einschichtigem Zylinderepithel (hochprismatisches Epithel), mit einer darunterliegenden Bindegewebeschicht. In diese sind zahlreiche schlauchförmige Drüsen eingebettet (Atlas Abb. 9-22). Daran schließt sich wie bei der Speiseröhre (Abschn. 9.1.4) eine dünne Muskelschicht an.

  • Verschiebeschicht (Submukosa, Tela submucosa). Es handelt sich um eine Verschiebeschicht aus lockerem Bindegewebe, in der viele Blutgefäße verlaufen.

  • Muskelwand (Muskularis, Tunica muscularis). Bei der Muskelschicht unterscheidet man drei Anteile:

    • innere schrägverlaufende Muskelschicht. Sie kommt allerdings nicht an der gesamten Magenwand vor. Ihre Aufgabe ist es, Festigkeit zu geben. Sie reicht teilweise bis in die zirkuläre Schicht.

    • mittlere zirkuläre Muskelschicht. Sie umgibt den ganzen Magen und wird zum Mageneingang (Cardia) hin kräftiger.

    • äußere Längsmuskelschicht. Sie kommt verstärkt im Bereich der beiden Krümmungen (Kurvaturen) vor.

  • Bauchfell (Peritoneum, Tunica serosa). Der Magen ist vom Bauchfell überzogen, deshalb spricht man von einer intraperitonealen Lage (Atlas Abb. 9-23).

Magenbewegungen.PeristaltikMagen:BewegungDie Nahrung verbleibt zwischen 1 und 5 (evtl. bis 6) Stunden im Magen. Die Verweildauer hängt von der Zusammensetzung der aufgenommenen Nahrung und der Verdauungsleistung ab. Fette haben die längste Verweildauer, Eiweiße eine mittlere, Kohlenhydrate verlassen den Magen am schnellsten. Ist der Magen leer, so zieht er sich zusammen, sodass seine Innenwände dicht aneinanderliegen; nur im Fundus befindet sich die schon erwähnte „Gasblase“. Füllt sich der Magen, so erschlafft die Magenmuskulatur und die Muskelfasern verlängern sich. So dehnen sich die Magenwände, ohne dass es zu einer Drucksteigerung kommt.
Die Nahrung wird nun durch peristaltische Kontraktionswellen durchmischt, die im Abstand von ungefähr 20 Sekunden über den Magen laufen. Diese Bewegungen beginnen im Korpusbereich (Schrittmacherzone) und ziehen Richtung Pförtner. Bei leerem Magen kommt es manchmal zu sogenannten Hungerkontraktionen, die sich durch „Magenknurren“ bemerkbar machen können. Die eigentliche Magenentleerung erfolgt portionsweise in den Zwölffingerdarm. Diese Magenentleerung wird, wie die übrigen Magenbewegungen auch, von in der Magenwand gelegenen Nervengeflechten (= mechanische Steuerung), vom N. vagus (= nervale Steuerung) und durch gastrointestinale Hormone (= humorale Steuerung) gesteuert. Bei letzterem spielen Gastrin ↑, Motilin ↑, GIP ↓ und CCK ↓ eine wichtige Rolle (Magensaftproduktion). GIP und CCK werden von der Duodenalwand bei Kontakt mit Nahrungsbestandteilen abgegeben und ermöglichen so eine Anpassung der Magenentleerung an die Verdauungsleistung des Zwölffingerdarms. Wird die Nahrung vom Duodenum weitertransportiert, wird die Herstellung dieser Gewebshormone eingestellt und der Magen kann wieder eine Nahrungsportion an den Zwölffingerdarm abgeben.
  • Auerbach-Auerbach-PlexusPlexus (Plexus Plexus myentericusmyentericus). Zwischen der ringförmigen und längsgerichteten Muskelschicht der Magen-Darm-Wand liegen Ansammlungen von Nervenzellen (Ganglien) des vegetativen Nervensystems. Von hier aus erfolgt die autonome Steuerung der Magen-Darm-Bewegungen. Seine Aktivität wird durch den Parasympathikus gefördert, durch den Sympathikus gehemmt, wobei diese beiden lediglich einen modulierenden Einfluss haben. Von den Nervenzellen des Auerbach-Plexus ziehen Nervenfasern direkt zu den glatten Muskelzellen der Längs- und Ringmuskulatur.

  • Meißner-Meißner-PlexusPlexus (Plexus Plexus submucosussubmucosus). Er liegt in der Submukosa und steuert die Drüsentätigkeit und die Bewegungen der Schleimhautmuskulatur (Nervensystem, Abschn. 18.6.3).

Magensaft.Magen:SaftPro Tag werden durchschnittlich 2 Liter Magensaft gebildet. Die tatsächliche Menge hängt von der aufgenommenen Nahrung und der persönlichen Verdauungsleistung ab. Magensaft wird nur gebildet, wenn sich Nahrung im Magen befindet oder wenn der Magen Nahrung „erwartet“.
Der Magensaft setzt sich aus den folgenden Anteilen zusammen:
  • SalzsäureSalzsäure (HCl (Salzsäure)HCl). Der pH-Wert des Magens liegt zwischen 1 bis 1,5. Wie schon erwähnt, können die meisten der mit der Nahrung eingedrungenen Bakterien durch die Salzsäure abgetötet werden. Die Salzsäure hat des Weiteren die Aufgabe, Pepsinogen (s. u.) zu Pepsin zu aktivieren, was allerdings auch durch Autokatalyse erfolgen kann. Außerdem denaturiert sie Eiweiße, das heißt, sie verändert die Struktur von Eiweißkörpern.

  • PepsinPepsin. Um die Magenwand vor Selbstandauung zu schützen, bilden die Drüsenzellen zunächst eine inaktive Vorstufe des Pepsins, nämlich Pepsinogen. Die Aktivierung erfolgt nur, wenn Nahrung im Magen ist.

  • Schleim, MagensaftSchleim. Der Schleim, der von allen Oberflächenzellen und den Nebenzellen der Magendrüsen (s. u.) gebildet werden kann, legt sich als geschlossener Film schützend über die Magenzellen, damit sie durch die aggressiven Magensäfte nicht geschädigt werden.

  • Intrinsic-Faktor. Der Intrinsic-Intrinsic-Faktor, MagensaftFaktor wird zur Aufnahme des Vitamin B12 benötigt. Fehlt er, kommt es zur perniziösen Anämie (Vitamin-B12-Mangelanämie, Abschn. 7.8.2).

Zellarten der Magendrüsen.In der Magenschleimhaut kommt eine große Anzahl magensaftsezernierender Drüsen vor, an denen drei Zellarten unterschieden werden (Atlas Abb. 9-22):
  • Nebenzellen produzieren Schleim (Muzin).

  • Hauptzellen stellen Pepsinogen her.

  • Belegzellen sondern Salzsäure und den Intrinsic-Faktor ab.

  • G-Zellen gibt es im Antrum und v. a. in der Schleimhaut des Pförtners. Sie produzieren das Gewebshormon Gastrin (s. u.).

Magensaftproduktion.Die Magensaftproduktion wird auf unterschiedliche Arten gesteuert:
  • nerval. Der Parasympathikus fördert über den N. vagus die Magensaftproduktion; der Sympathikus hemmt sie. Die Auslösung der Magensaftproduktion kann über viszerale Reflexe, bereits vor der eigentlichen Nahrungsaufnahme über Vorstellung, Geruchs- und Geschmacksempfindungen erfolgen. Allerdings können auch Stress, Aggressionen und Ärger die Magensaftbildung auslösen, ohne dass sich Nahrung im Magen befindet, was über längere Zeit gesehen zur Schädigung der Magenschleimhaut führt. Trauer und Angst hemmen die Produktion. Bei einer Durchtrennung des N. vagus (= Vagotomie) werden diese Einflüsse unterbunden. Der N. vagus bewirkt außerdem eine Freisetzung von Gastrin (s. u.).

  • mechanisch. Bei Füllung wird die Magenwand gedehnt, wodurch über lokale intramurale Reflexe (s. o., Auerbach- und Meißner-Plexus) die Magensaftproduktion und die Gastrinfreisetzung gefördert werden. Eine Dehnung der Zwölffingerdarmwand hemmt dagegen die Magenmotorik.

  • humoral über Gewebshormone

    • GastrinGastrin wird aus den G-Zellen (s. o.) der Schleimhaut des Antrums freigesetzt, gelangt über den Blutweg zu den Belegzellen des Korpus und Fundus und regt dort die Salzsäure- und Pepsinogenproduktion an. Außerdem fördert es die Magenmotorik.

    • Gastrin wird aber nicht nur durch Vagusreizung freigesetzt, sondern auch durch Dehnungs- (s. u., mechanische Steuerung) und Chemorezeptoren (durch Proteinabbauprodukte). Gastrin regt nicht nur die Magensäureproduktion (in hohen Dosen hemmt es sie allerdings), sondern auch die Produktion von Pepsin und Pankreassaft an.

    • SekretinSekretin wird aus dem Zwölffingerdarm freigesetzt. Es hemmt die Salzsäureproduktion, stimuliert die Gallenproduktion in der Leber und fördert die Bildung und Abgabe des Pankreassaftes.

    • GIP (gastric inhibitory GIP (gastric inhibitory polypeptide)Gastric inhibitory polypeptidepolypeptide, früher: EnterogastronEnterogastron) stammt aus dem Zwölffingerdarm und setzt die Magensäureproduktion und die Magenbewegung herab.

    • CKK (Cholezystokinin)CholezystokininCholezystokinin (CCK, PankreozyminPankreozymin) stammt aus dem Zwölffingerdarm. Es hemmt die Salzsäureproduktion und setzt die Magenbewegung herab, stimuliert aber Darm- und Gallenwegsbewegungen. Außerdem regt es die Bauchspeicheldrüse an, ihre Enzyme vermehrt zu produzieren und abzugeben.

Dünndarm

Der DünndarmDünndarm:Anatomie und PhysiologieDünndarm (Intestinum Intestinum tenue“\t“Siehe Dünndarmtenue) sorgt für die weitere Verdauung der Nahrung und resorbiert schließlich die einzelnen Nahrungsbestandteile (Glukose, Aminosäuren, Fettsäuren), Wasser und die Verdauungssekrete. Von diesen insgesamt ca. 9 Litern, die pro Tag mit der Trinkmenge und den Verdauungssekreten in den Dünndarm gelangen, resorbiert der Dünndarm ca. 8 Liter und der Dickdarm 1 Liter.
Lage.Der Dünndarm ist ein langer Schlauch. Er schließt sich an den Pförtner (Pylorus) des Magens (Atlas Abb. 9-19) an und erstreckt sich bis zum Beginn des Dickdarms. Seine Länge beträgt 3 bis 5 m, der Durchmesser ca. 2,5 bis 4,0 cm (Atlas Abb. 9-25).
Dünndarmabschnitte.Der Dünndarm besteht aus drei Abschnitten: dem Duodenum (Zwölffingerdarm), dem Jejunum (Leerdarm) und dem Ileum (Krummdarm).
  • ZwölffingerdarmZwölffingerdarm (DuodenumDuodenum). Der Zwölffingerdarm schließt sich direkt an den Magenpförtner an und umfasst mit seinem Anfangsteil den Kopf der Bauchspeicheldrüse (Atlas Abb. 6-8 Nr. 5). Er hat eine etwa C-förmige Gestalt und ist an der Hinterwand der Bauchhöhle festgewachsen, liegt also hinter dem Bauchfell (retroperitoneal, Abschn. 9.1.8). Der Name Zwölffingerdarm leitet sich von seiner Länge ab: Er hat die Länge von 12 Fingerbreiten. In das Duodenum mündet der Gallengang (Ductus choledochus) zusammen mit dem Ausführungsgang der Bauchspeicheldrüse (Ductus pancreaticus). Diese beiden Gänge haben meist ein gemeinsames Endstück (Atlas Abb. 12-3). Die Mündungsstelle ist die Vater-Papille. Gelegentlich münden die Gänge aber auch auf getrennten Papillen ins Duodenum. Da die Gallenflüssigkeit ins Duodenum abgegeben wird, werden hier die Fette in Mizellen (kleine Fetttröpfchen) aufgespalten und somit die Fettverdauung eingeleitet. Zudem werden hier, wie im übrigen Dünndarm auch, Kohlenhydrate und Eiweiße weiter abgebaut – Polypeptide zu Oligopeptide und Kohlenhydrate zu Disacchariden oder Glukose.

  • LeerdarmLeerdarm (JejunumJejunum). Das Jejunum liegt intraperitoneal. Es befindet sich v. a. links und oben im Bauchraum. Der Übergang zum nächsten Dünndarmabschnitt verläuft fließend.

  • KrummdarmKrummdarm (IleumIleum). Das Ileum liegt ebenfalls intraperitoneal, befindet sich aber mehr rechts und unten im Bauchraum. Das Ileum ist etwas länger als das Jejunum.

Jejunum und Ileum sind durch ein bindegewebiges, fettreiches Aufhängeband mit der rückwärtigen Bauchwand verwachsen. Es handelt sich dabei um das Gekröse (Mesenterium Abschn. 9.1.8), das auch der Blut-, Lymph- und Nervenversorgung dieses Dünndarmteils dient.

Dünndarmabschnitte

  • Duodenum (Zwölffingerdarm)

  • Jejunum (Leerdarm)

  • Ileum (Krummdarm)

Dünndarmwand.Sie besteht, wie der übrige Verdauungstrakt auch, aus vier Schichten (Atlas Abb. 9-29):
  • Schleimhaut (Mukosa, Tunica mucosa). Allerdings besitzt die Schleimhaut des Dünndarms, in Abweichung zum übrigen Verdauungstrakt, Zotten. Dabei handelt es sich um fingerförmige Ausstülpungen, die dem Darm, von innen gesehen, ein samtartiges Aussehen verleihen. Die Zotten vergrößern die resorptionsfähige Fläche des Dünndarms erheblich (Abb. 9-5). Jede Zotte besitzt Arteriolen, Venolen, ein Netzwerk von Blut- und Lymphkapillaren und ein zentrales Lymphgefäß. In den Blutkapillaren werden Glukose und Aminosäuren resorbiert und über das Pfortadersystem zur Leber gebracht. Die Fettsäuren werden wegen ihrer Größe von Lymphkapillaren aufgenommen und gelangen somit in das Lymphgefäßsystem. Zwischen den Zotten befinden sich Einstülpungen (Krypten); hier liegen die Lieberkühn-Drüsen (s. u.). Unter dem Epithelüberzug befindet sich Bindegewebe, dem sich eine dünne Muskelschicht anschließt, wie in Speiseröhre und Magen (Abschn. 9.1.4, Speiseröhre).

  • Verschiebeschicht (Submukosa, Tunica submucosa). Die Submukosa, die bindegewebige Verschiebeschicht, gewährleistet die Anpassung des Dünndarms an die unterschiedlichen Füllungszustände. Außerdem befinden sich hier autonome Nervengeflechte (z. B. Meißner-Plexus, Abschn. 9.1.5), die die Schleimhaut innervieren.

  • Muskelwand (Muskularis, Tunica muscularis). Die Muskularis besteht aus einer inneren zirkulär und einer äußeren längs verlaufenden glatten Muskelfaserschicht. Diese beiden Schichten werden von einem dazwischenliegenden Nervengeflecht, dem Auerbach-Plexus (Plexus myentericus, Abschn. 9.1.5) innerviert.

  • Bauchfell (Peritoneum, Tunica serosa). Das Bauchfell überzieht die äußere Oberfläche des Dünndarms. Auch hier unterscheidet man das eigentliche Bauchfell, das aus einschichtigem, sehr flachem Plattenepithel besteht und eine darunterliegende Bindegewebeschicht (Tela subserosa).

Oberflächenvergrößerung.Dünndarm:OberflächenvergrößerungDie Dünndarmwand erhöht ihre Resorptionsfläche durch:
  • RingfalteRingfalten (Kerckring-Kerckring-FalteFalten, Plicae Plicae circularescirculares). Die Schleimhaut und die Verschiebeschicht bilden Ringfalten, die bis knapp 1 cm hoch sind. Diese Falten verstreichen auch bei maximaler Darmfüllung nicht (Atlas Abb. 9-28, 9-30). Sie vergrößern die resorbierende Fläche auf das 1,5-fache.

  • Zotten (Villi intestinales). Die einzelnen Zotten haben eine Länge von ungefähr 1 mm.

  • Einstülpungen (Krypten). Sie liegen als Lieberkühn-Drüsen zwischen den Zotten (s. u.).

  • BürstensaumBürstensaum (KleinzotteKleinzotten, MikrovilliMikrovilli). Die Epithelzellen der Dünndarmschleimhaut, die der Stoffaufnahme dienen, tragen einen Bürstensaum, wodurch sich die resorptionsfähige Oberfläche nochmals erheblich vergrößert. Bei dem Bürstensaum handelt es sich um kleinste Ausstülpungen der Zelloberfläche. Man hat bis zu 3.000 Mikrovilli an einer einzigen Zelle gezählt.

Damit erreicht die Darmwand insgesamt eine resorbierende Oberfläche von ca. 120 bis 200 m2! Die Oberflächenvergrößerung nimmt zum Ende des Dünndarms hin kontinuierlich ab. Im Ileum sind die Kerckring-Falten weitgehend verstrichen, und die Zottenhöhe nimmt ab. Ursache ist, dass in diesem Darmteil die Resorption von Nährstoffen geringer wird und zunehmend nur noch Wasser aufgenommen wird.

Oberflächenvergrößerung

Die Vergrößerung der Resorptionsfläche des Dünndarms erfolgt durch:
  • Ringfalten (Kerckring-Falten)

  • Einstülpungen (Krypten)

  • Villi (Zotten)

  • Mikrovilli (Bürstensaum)

Dünndarmdrüsen.Dünndarm:DrüseHier unterscheidet man:
  • Lieberkühn-Drüsen (Glandulae intestinales). Sie bilden ein alkalisches Verdauungssekret und wirken mit bei der Erneuerung der Darmschleimhaut. Die Lieberkühn-Drüsen senken sich schlauchförmig in das darunterliegende Gewebe ein und dienen so der Oberflächenvergrößerung. Sie kommen sowohl im Dünn- als auch im Dickdarm vor (Atlas Abb. 9-29). An den Lieberkühn-Drüsen unterscheidet man folgende Zellarten:

    • schleimbildende Becherzelle, schleimbildendeBecherzellen: liegen mehr oberflächenwärts

    • Paneth-Paneth-KörnerzelleKörnerzellen: liegen in der Tiefe der schlauchförmigen Drüse, produzieren vermutlich Darmsaft und haben antibakterielle Wirkung (Aufgabe noch nicht ganz geklärt).

    • RegenerationszelleRegenerationszellen: diese haben eine sehr hohe Zellteilungsrate. Von hier aus erneuert sich das Darmepithel. Dies ist notwendig, da es innerhalb von 3 Tagen abschilfert und deshalb von den Lieberkühn-Drüsen ständig erneuert werden muss. Die überalterten Zellen werden mit dem Stuhl ausgeschieden.

    • Gewebshormone produzierende Zellen

  • Brunner-Brunner-DrüseDrüsen (Glandulae Glandula duodenalisduodenales). Sie kommen nur im Duodenum vor, reichen bis tief in die Submukosa und geben ein schleimiges Sekret ab, das einen Schutzfilm für die Darmwand bildet.

Darmassoziertes lymphatisches Gewebe.In die Schleimhaut des Dünndarms eingelagert, kommen vereinzelt (Solitärfolikel) oder in Gruppen stehend zahlreiche Lymphfollikel vor, die in ihrer Gesamtheit als darmassoziertes lymphatisches Gewebe (Abschn. 8.1.8) bezeichnet werden. Zum Ileum hin nimmt dieses lymphatische Gewebe zu. Es liegt dann als zusammenhängende „Platten“ vor und wird als Peyer-Peyer-PlaquePlaques bezeichnet (Atlas Abb. 9-30). Das darmassozierte lymphatische Gewebe erhält seine Antigene (Abschn. 26.3.4) von der Darmoberfläche. Das Schleimhautepithel über den Peyer-Plaques enthält zahlreiche M-Zellen, die die Antigene aus dem Darmlumen aufnehmen und an die darunterliegenden Lymphozyten weiterreichen. Diese wandeln sich nach Antigenkontakt in antikörperproduzierende Plasmazellen um und können die benötigten Antikörper in großen Mengen herstellen. Diese Antikörper gelangen in alle Körperteile, um dort Abwehraufgaben zu übernehmen.
Dünndarmbewegungen.Dünndarm:BewegungBei der Dünndarmwand unterscheidet man folgende Bewegungen:
  • Zottenbewegungen werden durch Kontraktionen der Schleimhautmuskelschicht verursacht, die vom Meißner-Plexus (Abschn. 9.1.5 und 18.6.3) gesteuert werden. Sie haben die Aufgabe den Zotteninhalt aus dem zentralen Lymphgefäß und den Zottenvenen auszupressen und den Kontakt zwischen dem Speisebrei (Chymus) und den resorbierenden Epithelzellen zu verbessern (Atlas Abb. 9-29, 9-31).

  • Mischbewegungen mischen den Speisebrei kräftig mit den Verdauungsenzymen durch. Sie setzen sich aus Pendelbewegungen der Längsmuskelschicht und Segmentierungsbewegungen der Ringmuskelschicht zusammen. Sie werden durch den Dehnungsreiz der Darmwand ausgelöst.

  • Peristaltische Wellen haben die Aufgabe den Chymus in Richtung Dickdarm weiterzutransportieren. Es handelt sich um „wandernde Kontraktionsringe“, die durch eine entsprechende Darmwanddehnung ausgelöst werden. Diese peristaltischen Wellen befördern den Darminhalt in ca. 6 bis 10 Stunden durch den Dünndarm zum Dickdarm.

Gesteuert werden diese Bewegungen mechanisch über die Darmwanddehnung. Es handelt sich hierbei um eine autonome Steuerung, die vom Auerbach-Plexus (Abschn. 9.1.5 und 18.6.3) ausgeht. Parasympathikus, Sympathikus und Gewebshormone (z. B. CCK) wirken lediglich modifizierend ein.
Darmflora.Als DarmfloraDarmflora wird die Gesamtheit der Mikroorganismen bezeichnet, die den Darm des Menschen besiedeln. Die inkorrekte Bezeichnung Flora beruht auf der früher vertretenen Auffassung, Bakterien gehörten zum Pflanzenreich. Heute geht man davon aus, dass der Mensch von 400 bis 500 (evtl. 600) verschiedenen Bakterienarten besiedelt wird. Man schätzt, dass sich im Darm 100 Billionen Bakterien befinden, damit besitzt man 10-mal mehr Bakterien als Körperzellen. Die höchste Bakteriendichte wird im Dickdarm erreicht. Die Darmbakterien wiegen bei einem erwachsenen Menschen ca. 700 g, pro Tag werden mit dem Stuhlgang ca. 30 Milliarden Mikroorganismen ausgeschieden.
  • AerobierAerobier und AnaerobierAnaerobier. Im Darm leben 99 % der Darmbakterien unter vollständigem Sauerstoffausschluss. Es handelt sich also um Anaerobier. Die bekanntesten Darmbakterien (Enterobakterien, Enterokokken) sind allerdings fakultative Anaerobier, das heißt, diese Bakterien leben zwar anaerob, werden aber durch Sauerstoff nicht geschädigt. Dazu gehören z. B. Escherichia coli, Clostridien und Staphylococcus aureus. Außerdem gibt es eine äußerst kleine Anzahl obligatorisch aerob lebender Bakterien, also Bakterien, die für ihr Überleben auf Sauerstoff angewiesen sind. Dieser Sauerstoff stammt von kleinen Luftbläschen, die mit der Nahrung aufgenommen werden oder aus Gasen, die sich im Darm entwickelt haben.

  • Escherichia coli. Das bekannteste Bakterium der Darmflora ist Escherichia Escherichia colicoli. Davon gibt es verschiedene Arten. Einige Arten sind für den Menschen völlig harmlos, andere können bestimmte Erkrankungen hervorrufen wie Blasen- oder Gallenentzündungen. Wieder andere können bei dem einen Menschen im Darm leben, ohne Beschwerden zu verursachen und bei anderen Menschen Darmentzündungen mit heftigen Durchfällen und Übelkeit auslösen. Einige Escherichia coli-Arten sind immer krankheitserregend und verursachen Durchfall. Escherichia coli sondert bestimmte Substanzen (Colizine) ab, die Shigellen abtöten, den Erreger der Shigellenruhr.

Neugeborene und Darmflora.NeugeborenendarmfloraDer Darm des ungeborenen Kindes ist im Mutterleib noch nicht mit Mikroorganismen besiedelt. Erst nach der Geburt werden über den Mund die ersten Bakterien aufgenommen, v. a. Escherichia coli, Enterobakterien und Streptokokken. Wird das Kind gestillt, folgen Laktobazillen und Bifidobakterien, die Milchsäure produzieren und den Darm des Kleinkindes vor pathogenen Keimen schützen. Durch Kontakt mit der Umwelt, v. a. über die Nahrung kommen neue Bakterienarten hinzu und die Zusammensetzung der Darmflora ändert sich bis hin zum „Erwachsenenstatus“. Von bestimmten Erkrankungen abgesehen, bleibt die Darmflora im Laufe des Lebens erstaunlich stabil. Allerdings zeigt sie im Verlauf des Darms eine veränderte Zusammensetzung. Übertriebene Hygiene kann bei einem Kind die Aufnahme von Bakterien verhindern und so die Infektanfälligkeit erhöhen.
Aufgaben der Darmflora.Die Darmflora hat sehr verschiedene Aufgaben:
  • Mithilfe bei der Verdauung. Bestimmte Darmbakterien können Fette und Fasermaterial abbauen und so die Aufnahme von Nährstoffen durch die Darmwand erleichtern.

  • Produktion von Vitaminen. Darmbakterien können die Vitamine K, E und bestimmte B-Vitamine herstellen.

  • Anregung der Darmperistaltik. Die Stimulierung der Bewegung der Darmwand erfolgt auch durch die Masse der Darmbakterien.

  • Schutz vor pathogenen Keimen. Befinden sich physiologische Keime in der Darmflora, so helfen diese mit zu verhindern, dass pathologische Keime über die Darmwand ins Blut übertreten.

Darmsanierung.DarmsanierungDie Darmflora kann durch Medikamente (v. a. Antibiotika, Sulfonamide), Alkohol und Ernährungsfehler geschädigt werden. Deshalb spielt die Darmsanierung in der Naturheilkunde eine wichtige Rolle. Dabei werden Präparate aus lebensfähigen Mikroorganismen, sogenannte Probiotika verordnet, die einen gesundheitsfördernden Einfluss auf den Wirt haben. Es gibt auch probiotische Lebensmittel, die Mikroorganismen enthalten wie z. B. Joghurt. Solche oral zugeführte Mikroorganismen können sich im Dünn- bzw. Dickdarm ansiedeln, sofern sie die Magen passieren, ohne abgetötet zu werden. Auf diese Weise wird einer Fehlbesiedelung des Darmes mit nicht physiologischen Darmbakterien bzw. Hefepilzen entgegengewirkt. Obwohl die zugeführten Bakterien am komplexen Stoffwechsel der Darmflora teilnehmen, können sie sich nicht dauerhaft im Darm ansiedeln, da die Darmflora bei einem Menschen im Laufe seines Lebens oft erstaunlich stabil bleibt.
Darmflora und probiotische Arzneimittel.Arzneimittel:probiotischesProbiotische Arzneimittel werden auch zur Behandlung bestimmter Erkrankungen eingesetzt. Hier haben sich besonders Escherichia coli zur Rezidivprophylaxe der Colitis ulcerosa oder zur Behandlung der Diarrhö bei Säuglingen, Kleinkindern und Kinder bewährt. Weiterhin ist bekannt, dass durch probiotische Arzneimittel das GALT stimuliert werden kann. Dadurch können vermehrt Antikörper IgA auf die Schleimhautoberfläche abgegeben werden. Darmbakterien können zudem bestimmte Antibiotika herstellen. Bei den Colibakterien sind es die Colizine, bei den Milchsäurebakterien ist es das Nisin. Mittels dieser Stoffe wehren sich die Darmbakterien gegen andere eingedrungene Bakterien.

Dickdarm

Der DickdarmDickdarm:Anatomie und PhysiologieDickdarm (Intestinum Intestinum crassum“\t“Siehe Dickdarmcrassum) hat die Aufgabe, Wasser und Elektrolyte zu resorbieren und somit den Darminhalt zur Stuhlbildung weiter einzudicken. Darüber hinaus mischt er den verbliebenen unverdaulichen Nahrungsresten reichlich Schleim bei, um ihn für die Ausscheidung als Stuhl gut gleitfähig zu machen. Diese große Menge Schleim führt dazu, dass, auch wenn keine Nahrung aufgenommen wird (aufgrund von Erkrankungen, Hunger, Fasten), trotzdem Stuhl aus Schleim und abgeschilferten Epithelzellen abgesetzt wird. Auch kann es aufgrund von Entzündungen der Dickdarmschleimhaut zu einer vermehrten Schleimproduktion und damit zum Absetzen von „Schleimstühlen“ kommen. Wie bereits vorstehend erwähnt, befindet sich auch im Dickdarm eine Bakterienbesiedelung.
Lage.Der Dickdarm hat eine Länge von 1,5 bis 2,0 m. Meist hat er einen etwas größeren Durchmesser als der Dünndarm (Atlas Abb. 9-34).
Der Dünndarm mündet in den aufsteigenden Teil des Dickdarms. An der Stelle des Übertritts des Dünn- in den Dickdarm sitzt die Krummdarm-Blinddarm-Klappe (Ileozäkalklappe, Bauhin-Klappe, Valva ileocaecalis), die von zwei Schleimhautfalten gebildet wird, und die den Darminhalt nur in Richtung Dickdarm passieren lässt (Atlas Abb. 9-33).
Dickdarmabschnitte.Der Dickdarm wird in drei Hauptabschnitte unterteilt, nämlich in den Blinddarm (Caecum) mit dem Wurmfortsatz (Appendix vermiformis), den Grimmdarm (Colon) und den Mastdarm (Rectum). Bitte beachten Sie Abb. 9-6 und Atlas Abb. 9-32.
  • BlinddarmBlinddarm (CaecumCaecum) mit WurmfortsatzWurmfortsatz (Appendix Appendix vermiformisvermiformis). Der Blinddarm ist ein blind endender Sack, an dessen Ende der Wurmfortsatz (Appendix) hängt. Bei letzterem handelt es sich um ein lymphatisches Organ, da sich in seiner Wand zahlreiche Lymphfollikel befinden. Man bezeichnet ihn auch als „Mandel des Darmes“. Der Wurmfortsatz kann sich entzünden (= Appendizitis). Fälschlicherweise wird dies umgangssprachlich als Blinddarmentzündung bezeichnet. Aber bei einer Appendizitis ist nicht der Blinddarm (Caecum) entzündet, sondern der dranhängende Wurmfortsatz! Die Länge des Wurmfortsatzes beträgt meist ca. 10 cm. Sie variiert jedoch erheblich zwischen 0 (angeborenes Fehlen) bis hin zu 25 cm. Er kann sehr unterschiedliche Lagen einnehmen (Atlas Abb. 9-33, 9-34)

  • Grimmdarm (KolonColonColon). Der GrimmdarmGrimmdarm umgibt den Dünndarm wie ein Rahmen (Abb. 9-6).

    • aufsteigender Dickdarm (Colon ascendens). Er reicht von der Bauhin-Klappe bis zur Biegung des Dickdarms unterhalb der Leber.

    • rechte Dickdarmkrümmung (Flexura coli dextra). Der Bogen liegt unterhalb der Leber und heißt deshalb auch Flexura hepatica.

    • querliegender Dickdarm (Colon transversum). Er zieht von der rechten zur linken Dickdarmkrümmung.

    • linke Dickdarmkrümmung (Flexura coli sinistra). Der linke Knick liegt meist etwas höherals der rechte. Da sich die Krümmung bei der Milz befindet, nennt man sie auch Flexura lienalis.

    • absteigender Dickdarm (Colon descendens). Er ist, wie der aufsteigende Teil auch, mit der rückwärtigen Bauchwand verwachsen. Er reicht von der linken Krümmung bis zur Lendengrube.

    • s-förmiger Abschnitt (Sigmoid, Colon sigmoideum). Der S-förmige Abschnitt befindet sich links im kleinen Becken.

  • Mastdarm (RectumRectum). Der MastdarmMastdarm ist ein 15 bis 20 cm langer Abschnitt des Enddarms, der die Ampulle enthält, den eigentlichen Kotbehälter. Die Ampulle geht in den Analkanal über.

Aufbau der Dickdarmwand.Die Dickdarm:WandaufbauDickdarmwand zeigt einen ähnlichen Aufbau wie die Dünndarmwand, mit Mukosa, Submukosa, Muskularis und (teilweise) Bauchfellüberzug (s. u.). Allerdings kommen im Dickdarm keine Zotten vor. Jedoch findet man auch hier tiefe Krypten. In diesen sitzen die Becherzellen noch zahlreicher als im Dünndarm (Atlas Abb. 9-35). Die Muskelschicht des Dickdarms weist eine Besonderheit auf: Die Längsmuskelschicht umgibt den Darmschlauch nicht gleichmäßig, sondern ist zu folgenden drei Bändern verdickt:
  • Tänien (Bandstreifen), die in 3 Streifen am Dickdarm entlangziehen. Sie haben eine Breite von ca. 1 cm. Zwischen diesen Tänien ist die Längsmuskelschicht der Muskelwand nur schwach ausgebildet (Atlas Abb. 9-33, 9-34). Durch den Spannungszustand (Tonus) dieser Tänien und durch lokale Kontraktionen der Ringmuskulatur werden tiefe Falten in den Dickdarm eingeschnürt, zwischen denen sich die Darmwand zu Haustren ausbuchtet.

  • Haustren sind also keine starren Gebilde, sondern kommen durch die Kontraktion der Ringmuskulatur zustande. Diese quergestellten Kontraktionsfalten können verstreichen, weshalb die Haustren mit der ablaufenden Peristaltik ständig ihre Form verändern. Langsame peristaltische Wellen (s. u.) vermitteln im Röntgenbild deshalb ein Bild von einem „Fließen der Haustren“.

  • Außerdem sind für den Dickdarm kleine Fettanhängsel typisch, deren Ausmaß von der Ernährungslage abhängig ist.

Bauchfellüberzug des Dickdarms.Folgende Anteile des Dickdarms sind vollständig vom Bauchfell überzogen (intraperitoneale Lage): Caecum, Colon transversum und Sigmoid. Der auf- und absteigende Dickdarm sind mit der Bauchrückwand verwachsen und deshalb nur an ihrer Vorderseite vom Bauchfell überzogen, sie liegen also retroperitoneal (auch Abschn. 9.1.8).
Bewegungen der Dickdarmwand.An der Dickdarm:BewegungDickdarmwand unterscheidet man zwei Arten von Bewegungen, die durch intramurale Nervengeflechte ausgelöst werden (Auerbach-Plexus, Plexus myentericus, Abschn. 9.1.5 und 18.6.3). Die Bewegungen werden vom Parasympathikus (Fasern stammen vom N. vagus und aus dem Plexus sacralis) gefördert und vom Sympathikus gehemmt.
  • Langsame Wellen (slow waves), die über kürzere Darmabschnitte laufen, bewirken im Wesentlichen eine Durchmischung. Dabei handelt es sich um rhythmische Segmentierungen und Pendelbewegungen, bei denen Chymus hin- und hergeschoben wird. Dadurch wird der Darminhalt längere Zeit zurückgehalten (Reservoirfunktion), wodurch die Voraussetzung für einen gründlichen Flüssigkeits- und Elektrolytentzug gegeben ist. Diese langsamen wellenförmigen Bewegungen sind bei einer Röntgenuntersuchung des Dickdarms durch eine sich ständig ändernde Haustrierung gut zu sehen.

  • Große Wellen (Massenbewegungen) überlagern zwei- bis viermal am Tag die langsamen. Diese Massenbewegungen verschieben größere Mengen Darminhalt in Richtung Rektum. Solche großen propulsiven (vorwärtstreibende) Bewegungen treten v. a. morgens nach dem Aufstehen und nach der Nahrungsaufnahme auf (z. B. nach dem Frühstück). Sie können Stuhldrang und auffolgend evtl. eine Stuhlentleerung auslösen.

Mastdarm (Rektum).Das Rektum verläuft nicht, wie sein Name sagt, gerade, sondern hat S-Form. Sein oberer Anteil bildet die Ampulle, den Sammelbehälter des Kotes (Atlas Abb. 9-37, 9-38). Nach unten schließt sich der Analkanal an.
Analkanal.AnalkanalDer After wird durch folgende Muskeln verschlossen (Atlas Abb. 9-37, 9-39):
  • innerer Afterschließmuskel (M. sphincter ani internus). Er wird aus der inneren Ringmuskelschicht des Darmes gebildet und arbeitet unwillkürlich. Sein hoher Ruhetonus wird vom Sympathikus aufrechterhalten.

  • äußerer Afterschließmuskel (M. sphincter ani externus). Er gehört zur quergestreiften Beckenbodenmuskulatur und ist deshalb willkürlich beeinflussbar. Der äußere Afterschließmuskel umgibt den inneren wie eine Scheide.

  • Afterheber (M. levator ani). Er entspringt am Schambein und umfasst den Mastdarm schlingenförmig. Seine Verletzung führt in höherem Maße zu einer Stuhlinkontinenz (Unfähigkeit den Stuhl zurückzuhalten) als die der beiden anderen.

  • Schwellkörper (Corpus cavernosum ani). In seinem oberen Anteil hat der Afterkanal acht bis zehn Längsfalten (Aftersäulen, Columnae analis), in denen Schwellkörper aus arteriellen Gefäßknäuel liegen. Sie haben die Aufgabe, den After gasdicht zu verschließen. Vergrößern sie sich, kommt es zur Bildung von inneren Hämorrhoiden (Atlas Abb. 9-37)

Defäkation (Stuhlentleerung).Aus dem vorstehend Gesagten wird deutlich, dass die StuhlentleerungDefäkationDefäkation unwillkürliche und willkürliche Anteile hat. Durch Reizung von Dehnungsrezeptoren der Rektumwand werden Nervenimpulse ausgelöst, die zum Sakralabschnitt des Rückenmarks laufen. Von hier aus erfolgt die Aktivierung parasympathischer Fasern, die eine Erschlaffung des inneren Afterschließmuskels bewirken. Die Darmentleerung erfolgt allerdings nur, wenn der äußere Afterschließmuskel willentlich entspannt und der Druck im Bauchraum durch die Bauchpresse (Kontraktion der Bauchmuskulatur und Senkung des Zwerchfells) erhöht wird. Somit kann eine Stuhlentleerung hinausgeschoben werden, indem der äußere Afterschließmuskel willentlich angespannt wird. Bei sehr starkem Stuhldrang kann darüber hinaus als weitere Sicherung des Verschlusses die Gesäßmuskulatur eingesetzt werden, indem die Gesäßbacken kräftig zusammengepresst werden.
Bei der Empfindung des Stuhldrangs spielt auch die Mastdarmschleimhaut eine wichtige Rolle. Tritt eine kleine Menge Stuhl in den Afterkanal ein, so wird das hier registriert und verursacht Stuhldrang. Der Stuhl kann aber zunächst noch durch willkürliche Bewegungen wieder in die Ampulle zurückbefördert werden. Ist die Sensibilität der Mastdarmschleimhaut gestört, hat dies Defäkationsstörungen zur Folge.
Die Entleerungshäufigkeit ist individuell starken Schwankungen unterworfen. Bei der Ansicht was als „normal“ zu betrachtet ist, gehen die Meinungen stark auseinander. Meist findet man Angaben, dass Entleerungen von 3 mal täglich bis alle 3 Tage normal ist. Sicher spielt aber das Empfinden des Betroffenen eine entscheidende Rolle, nämlich ob er sich „verstopft“ fühlt oder nicht!

Bauchfell

Das BauchfellBauchfell (PeritoneumPeritoneum) ist eine seröse (d. h. ein serumähnliches Sekret absondernde) Haut, an der man zwei Anteile unterscheiden kann (Atlas Abb. 9-40):
  • Peritoneum parietale (parietales Blatt), das die Wand der Bauch- und Beckenhöhle auskleidet und

  • Peritoneum viszerale (viszerales Blatt), das dem größten Teil der Bauch- und Beckenorgane direkt aufliegt.

Diese beiden Blätter hängen kontinuierlich zusammen und bilden einen geschlossenen „PeritonealsackPeritonealsack“. Das Bauchfell gibt ständig einen Flüssigkeitsfilm in den Peritonealsack ab, der als Transsudat aus den Blutgefäßen gebildet wurde. Durch den Flüssigkeitsfilm, der sich lediglich in einem schmalen Spalt befindet, sind reibungslose Verschiebungen der Baucheingeweide mühelos gegeneinander möglich.
Den Übergang zwischen den beiden Blättern bildet das Gekröse (v. a. Mesenterium und Mesocolon). Des Weiteren gehören noch das große (Omentum majus) und das kleine Netz (Omentum minus) zum Bauchfell (Atlas Abb. 9-40 bis 9-44).
Das Bauchfell kann man mit einem schwach aufgeblasenen Luftballon vergleichen. Schiebt man eine Faust so weit in den Luftballon vor, bis die beiden Hälften des Luftballons fast aneinander liegen, ist die Faust nun vom Luftballon umgeben wie die Bauchorgane vom Bauchfell. Der Anteil des Luftballons, der der Faust direkt anliegt, entspricht dem viszeralen Blatt. Die außen liegende Schicht des Luftballons entspricht dem parietalen Blatt. Die Stelle am Handgelenk stellt die Umschlagfalte dar, in der die beiden Blätter ineinander übergehen. Das Handgelenk mit der Faust repräsentiert das Gekröse, in dem Nerven, Blut und Lymphgefäße zu den Bauchorganen ziehen und diese versorgen.
Während der Embryonalzeit entwicklen sich die Bauchorgane zunächst im Retroperitonealraum (Raum hinter der Bauchhöhle) und schieben sich dann in die Bauchhöhle vor – gewissermaßen wie die Faust in den Luftballon.
Aufgaben
  • luftdichter Abschluss. Das Bauchfell schließt die Bauchhöhle luftdicht ab.

  • Sezernieren einer serösen Flüssigkeit, die die Verschieblichkeit der Organe gegeneinander ermöglicht, die innerhalb des Bauchfellsacks liegen.

  • Resorbieren. Das produzierte Transsudat muss wieder resorbiert und dem Kreislaufsystem zugeführt werden.

  • Abwehr. Im großen Netz (Omentum majus) befinden sich Ansammlungen von lymphatischem Gewebe (sogenannte Milchflecken, Maculae lacteae) mit Abwehrzellen.

  • Befestigung. Bei der Befestigung der Bauchorgane an der Bauchrückwand spielt das Gekröse eine Rolle.Allerdings sind die Bauchorgane selbst im Wesentlichen ihre eigenen Träger. Sie füllen den unter Unterdruck stehenden Bauchraum vollständig aus und halten sich dadurch gegenseitig in ihrer Lage.

Aufbau.Das Bauchfell besteht aus einschichtigem Plattenepithel (Mesothel, Serosa, Tunica serosa), unter dem sich etwas Bindegewebe (Tela subserosa) befindet (Atlas Abb. 9-23 Nr. 11 und 12, 9-35, Nr. 12 und 13).
Lage von Organen.Organ:Lage zum BauchfellHinsichtlich ihres Bezuges zum Bauchfell unterscheidet man bei den Organen eine intra-, retro- und extraperitoneale Lage (Atlas Abb. 9-40).
  • intraperitoneale Lage. Das Organ wird vollständig bzw. zum größeren Teil vom Bauchfell umgeben. Intraperitoneal liegen Magen, Leber, Milz, Dünndarm (ohne Duodenum), Blinddarm mit Wurmfortsatz, querliegender Dickdarm, Sigmoid, Mastdarm (nur oberer und seitlicher Teil), Eierstöcke, Eileiter und Gebärmutterkörper.Über das Gekröse, das durch Bindegewebe verstärkt ist, sind auch die intraperitoneal gelegenen Organe, gewissermaßen über einen „Stiel“, an der Bauchrückwand befestigt.

  • retroperitoneale Lage. Das Organ ist nur auf der Vorderseite vom Bauchfell überzogen. Retroperitoneal liegen die Nieren, die Harnblase, der Zwölffingerdarm, die Bauchspeicheldrüse und der auf- und absteigende Teil des Dickdarms. Mit Ausnahme der Nieren und der Harnblase sind die retroperitonealen Organe mit der Bauchrückwand verwachsen. Retroperitoneal gelegene Organe besitzen kein Gekröse.

  • extraperitoneale Lage. Das Organ ist an keiner Stelle vom Bauchfell überzogen. Das ist bei der Vorsteherdrüse (Prostata) des Mannes der Fall.

Gekröse.Das GekröseGekröse (Atlas Abb. 9-41, 9-42) ist Teil des Bauchfells und hat zwei Aufgaben:
  • Versorgungsstraße. Hier verlaufen Nerven, Blut- und Lymphgefäße.

  • Halteband der Organe. Zusammen mit dem eingelagerten Bindegewebe befestigt es die intraperitoneal gelegenen Organe an der Bauchrückwand.

Großes Netz (Omentum majus).Omentum majusNetz, großesEs handelt sich um eine Bauchfellduplikatur, in der viele Blut- und Lymphgefäße verlaufen. Es ist am querliegenden Dickdarm und teilweise an der großen Krümmung des Magens festgewachsen und hängt „wie eine Schürze“ vor dem Darm (Atlas Abb. 9-42, 9-43). Es hat drei wichtige Aufgaben:
  • Abwehr. Im großen Netz befinden sich viele Fresszellen und Lymphozyten. Kommt es im Bauchraum zu einer Entzündung, so kann sich das große Netz auf die entzündete Stelle legen, um sie abzudichten und so einen Eiterdurchbruch in die freie Bauchhöhle zu verhindern (gedeckte Perforation). Das große Netz verklebt dann irreversibel mit dieser Stelle.

  • Resorption. Das große Netz kann nicht nur Flüssigkeit resorbieren und damit mithelfen, dass das Flüssigkeitsgleichgewicht im Bauchfellspalt aufrechterhalten wird, sondern es kann auch Teilchen aufnehmen. Diese Fähigkeit hat allerdings den Nachteil, dass die Toxine von Bakterien, die z. B. aufgrund einer offenen Perforation bei Appendizitis (Abschn. 9.7.5) in die Bauchhöhle gelangt sind, sehr schnell aufgenommen werden und so zur Sepsis führen können.

  • Fettdepot. Bei Adipositas (Fettsucht) kann das große Netz enorme Mengen Fett einlagern und mehrere Zentimeter dick werden. Es kann sich eine sogenannte „Fettschürze“ ausbilden.

Untersuchungsmethoden

Körperliche Untersuchung

Verdauungstrakt:UntersuchungsmethodeQuadrantenaufteilung des Bauches.Quadrantenaufteilung des BauchesUm sich bei Bauch- und Beckenbeschwerden zu orientieren, teilt man den Bereich in vier Quadranten ein: rechts oben, links oben, rechts unten, links unten (Abb. 9-7). Zentraler Ausgangspunkt ist der Nabel. Als weitere Orientierungshilfen dienen die beiden Beckenkämme und Rippenbögen.
Inspektion.Inspektion:BauchSchon beim Betrachten des Bauches können krankhafte Veränderungen auffallen, z. B. an Haut (Operationsnarben?) und Behaarung (Bauchglatze beim Mann, maskuline Behaarung bei der Frau) oder am Bauchniveau (Vorwölbung, „Trommelbauch“, eingefallener Bauch).
Palpation.Palpation:BauchDer Patient liegt bei angenehmer Raumtemperatur entspannt auf der Liege. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Bauchmuskulatur entspannt ist. Dies kann am besten dadurch erreicht werden, dass eine Knierolle unterlegt wird. Die Hände liegen neben dem Körper und nicht verschränkt unter dem Kopf!
Die Untersuchung beginnt vorsichtig an der Stelle, an der kein Schmerz angegeben wird. Es wird auf Druckempfindlichkeit, auf Druckschmerz, auf Abwehrspannung und Loslassschmerz palpiert. Dabei wird mit den Fingerspitzen getastet, und zwar entweder mit einer Hand, oder besser mit beiden (bimanuelle Technik). Bei letzterer übt die obenliegende Hand einen Druck auf die untere tastende aus.
Die Palpation wird in zwei Ebenen durchgeführt:
  • leichte Palpation. Die Finger werden für einige Sekunden leicht eingedrückt. Während so der gesamte Bauchraum abgetastet wird, wird das Gesicht des Patienten beobachtet, da sich hier auftretende Schmerzen am besten feststellen lassen. Diese leichte Palpation erlaubt es, eine Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) festzustellen. In diesem Fall zuckt der Patient schon bei der leichtesten Berührung zusammen und spannt die Bauchmuskulatur reflektorisch an, da das parietale Blatt des Bauchfells gut mit Schmerzfasern innerviert ist.

  • tiefe Palpation. Nun wird mit den Fingerspitzen ein tiefer, fester Druck ausgeübt. Ist der Patient ausreichend entspannt, so kann tief in das Abdomen eingedrückt werden. Durch Anspannung tritt der gerade Bauchmuskel (M. rectus abdominis) deutlicher hervor, wodurch die intraabdominellen Strukturen schlechter tastbar werden. Es wird v. a. auf pathologische Resistenzen und raumfordernde Prozesse geachtet.

Bitte beachten Sie wichtige Untersuchungspunkte des Bauchraums im Abschn. 9.7.5, Appendizitiszeichen.
Auskultation.Auskultation:BauchBei der Auskultation des Bauches achtet man auf die Darmgeräusche, die durch die Peristaltik entstehen. Krankhaft sind laute, metallisch klingende, spritzende Darmgeräusche. Sie weisen auf einen mechanischen Darmverschluss (Ileus) hin (Abschn. 9.7.4). Dagegen spricht das Fehlen von Darmgeräuschen („Grabesstille“) für eine Darmlähmung (paralytischer Ileus).

Apparative Verfahren

Sonografie (Ultraschalldiagnostik).Die Ultraschall:BauchUltraschalluntersuchung macht sich die Reflexion von Schallwellen an Grenzflächen unterschiedlich dichter Gewebestrukturen zunutze. In der Klinik wird sie in der Vorfelddiagnostik von Oberbaucherkrankungen eingesetzt.
RöntgenuntersuchungRöntgen:Bauch
  • Abdomenübersichtsaufnahme (Leeraufnahme). Bei der Abdomenleeraufnahme handelt es sich um eine röntgenologische Darstellung des Bauchraums ohne Kontrastmittel. Diese Methode wird zur Ileusdiagnostik, bei Verdacht auf Perforation von Magen- oder Darmwand, zur Fremdkörpersuche und bei Verdacht auf Tumoren eingesetzt.

  • Kontrastmittelaufnahme. Der Patient muss oral oder rektal (Kolonkontrasteinlauf) einen Kontrastbrei zu sich nehmen. Auf dem Röntgenbild können Lage, Größe, Form, Bewegungsablauf und Wandrelief des betreffenden Abschnitts erkannt werden. Mit dieser Methode sind besonders Geschwüre und Karzinome gut festzustellen.

Gastroskopie (Magenspiegelung).MagenspiegelungGastroskopieEin flexibles Gastroskop, ein dünner, mit Lichtquelle und optischem System ausgestatteter Schlauch, wird in den Magen eingeführt. Wegen der Beweglichkeit des von außen steuerbaren Instrumentes können alle Bereiche des Magens betrachtet und evtl. fotografiert werden. Aus verdächtigen Bezirken kann Material zur histologischen Untersuchung entnommen werden, und es können kleinere operative Eingriffe (Polypenentfernung, Elektro- oder Laserkoagulation blutender Gefäße) durchgeführt werden.
Diese Untersuchungsmethode hat große Bedeutung bei Verdacht auf maligne Tumoren. Sie kann auch als Ösophagogastroduodenoskopie durchgeführt werden.
Rektoskopie (Darmspiegelung).RektoskopieDarmspiegelungDie Rektoskopie ist eine Untersuchung des Mastdarms und evtl. des Sigmoids (Rekto-Sigmoido-Skopie) durch ein eingeführtes Rektoskop. Mittels eines Gummischlauchs wird das zu untersuchende Darmstück dazu aufgeblasen. Die Rektoskopie stellt die wichtigste klinische Untersuchungsmethode zur Früherkennung eines Mastdarmkarzinoms dar.

Erkrankungen der Mundhöhle

Mundhöhle:ErkrankungEntsprechend dem Gesetz über die Ausübung der Zahnheilkunde darf der Heilpraktiker Erkrankungen der Mundhöhle nicht behandeln. Trotzdem sollte er natürlich die wichtigsten Erkrankungen kennen. Einige besonders häufige bzw. wichtige Mundschleimhautentzündungen werden nun im Einzelnen vorgestellt.

Stomatitis catarrhalis

StomatitisStomatitis:catarrhalisEs handelt sich um eine Entzündung der Mundschleimhaut, die oft als Symptom einer anderen zugrunde liegenden Erkrankung auftritt.
Ursachen.Die Ursachen können außerordentlich verschieden sein. Eine Stomatitis kann als Begleiterscheinung einer Infektionskrankheit auftreten, als Nebenwirkung einer Zytostatika-, Kortison-, oder Antibiotikabehandlung, als Folge einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis), durch Abwehrschwäche (Diabetes, AIDS, Leukämie), Anämie, Traumen (schlecht sitzende Prothesen, Zahnspangen) oder schlechte Mundhygiene.
Dabei kann die Entzündung durch Bakterien (z. B. Streptokokken, Gonokokken, Spirochäten), Viren (v. a. Herpes-simplex-Virus!), Pilze (v. a. Candida albicans), Allergien und Autoimmunvorgänge ausgelöst werden.
Symptome.Es kommt zu schmerzhafter Schleimhautschwellung, Rötung, Mundgeruch, vermehrter oder verminderte Speichelbildung, evtl. auch zu Blutungen und Belägen. Die Schmerzen können so stark sein, dass sie die Nahrungsaufnahme und das Sprechen und Schlucken erschweren. Bei schweren Verlaufsformen kann es zu Geschwürsbildungen kommen (Stomatitis ulcerosa).

Stomatitis aphthosa

Stomatitis:aphthosaBei der Stomatitis aphthosa (AphtheAphthen) handelt es sich um eine Mundschleimhautentzündung, bei der sich einzeln oder in Gruppen vorkommende, graugelbe, flach erhabene Herde mit einem äußeren, roten Ring bilden (Atlas Abb. 9-48).
Ursachen.Die genaue Ursache ist unbekannt. Bei Kindern und Abwehrgeschwächten können allerdings oft Viren nachgewiesen werden. In diesem Fall spricht man von Stomatitis herpetica aphthosa (Abschn. 9.3.3).
Des Weiteren spielen Allergien auf bestimmte Nahrungsmittel (v. a. Nüsse, Tomaten, Gewürze), Traumen (durch falsche Zahnputztechnik oder Zahnarztbesuch), Stress, elektrogalvanische Ströme (durch unterschiedliche Füllungsmaterialien) und Mangelernährung (Folsäure-, Eisen-, Vitamin-B12-Mangel, v. a. bei M. Crohn, Sprue und perniziöser Anämie) eine Rolle. Manchmal treten Aphthen familiär gehäuft auf.
Vorkommen.Ca. 20 % der Gesamtbevölkerung erleiden irgendwann im Laufe ihres Lebens Aphthen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, wobei bei Frauen die Aphthen manchmal kurz vor der Periode auftreten. Das bevorzugte Lebensalter liegt zwischen 10 bis 40 Jahren.
Symptome.Die anfänglich gebildeten Herde können in sehr schmerzhafte Erosionen oder Geschwüre übergehen. Kleinere Aphthen bestehen meist über 10 bis 14 Tage und heilen dann spontan ohne Narbenbildung ab; größere können sich über Wochen bis Monate halten und nach Abheilung Narben hinterlassen.
Manchmal sind im Mund gleichzeitig 2 bis 3 Stellen betroffen (selten noch mehr). Solche Schübe können in ununterbrochener Reihenfolge auftreten oder als einzelne Schübe, z. B. zwei- bis dreimal im Jahr.

Stomatitis herpetica (aphthosa)

Stomatitis:herpeticaBei der Stomatitis herpetica (Stomatitis aphthosa, Gingivostomatitis Gingivostomatitis herpeticaherpetica, umgangssprachlich auch MundfäuleMundfäule) handelt es sich um eine akute Entzündung der Mundschleimhaut mit dem Herpes-simplex-Virus (HSV Typ I, Abschn. 28.2.1). Von der primären Form sind meist Kleinkinder betroffen, manchmal jedoch auch Jugendliche oder junge Erwachsene, die sich bei einer andern an Herpes simplex erkrankten Person infizierten.
Da das HSV im Körper eines einmal Infizierten verbleiben kann, kann es zu Rezidiven kommen.
Symptome.An der Mundschleimhaut bilden sich viele Bläschen mit einem roten Hof, die aufplatzen, ein wässriges, hochinfektiöses Sekret entleeren und zu Erosionen werden. Sie beginnen mit Kribbeln und Brennen, werden dann schmerzhaft und heilen meist innerhalb von 2 bis 3 Wochen spontan ohne Narbenbildung ab.
Bei schweren Erkrankungen (v. a. aufgrund von Abwehrschwäche) kann die gesamte Mundschleimhaut betroffen sein, es bestehen dann sehr starke Schmerzen und evtl. Fieber. Es kann zu Erscheinungen an anderen Körperstellen kommen (Abschn. 28.2.1).

Stomatitis mycotica

Stomatitis:mycoticaIm engeren Sinn versteht man unter einer Stomatitis mycotica eine Pilzinfektion der Mund- und Zungenschleimhaut, die durch den Hefepilz Candida albicans (Soor, MundhöhleMundhöhlensoorSoor) verursacht wurde, im weiteren Sinn jede Mundschleimhautentzündung, die durch einen Pilz verursacht wird.
Vorkommen und Ursache.Vor allem bei Abwehrschwäche (AIDS, Leukämie, Krebs, Diabetes), schwachen Säuglingen, Gebissträgern, Zahnlosigkeit, alten Menschen und nach Radiatio (Strahlentherapie). Soor kann sich jedoch auch unter Kortison-, Zytostatika- oder Antibiotikagabe entwickeln. Kortison wirkt immunsuppressiv und Antibiotika können nicht nur die physiologische Darm-, sondern auch die Mundflora zerstören.
Symptome.Anfangs kommt es zu den charakteristischen weißen Stippchen, die sich später zu einem weißen oder gelbbraunen, leicht abwischbaren Belag vereinigen.
In schweren Fällen kann die Pilzinfektion absteigen und den Rachen, die Speiseröhre und den Darm befallen.

Stomatitis angularis

Stomatitis:angularisBei der Stomatitis angularis (MundwinkelrhagadeMundwinkelrhagaden, FauleckeFaulecken, PerlèchePerlèche, Cheilitis Cheilitis angularisangularis) handelt es sich um einen ein- oder beidseitig auftretenden schmerzhaften, schlecht heilenden Einriss im Mundwinkel. Er kann geschwürig werden und mit Krusten bedeckt sein (Atlas Abb. 9-50).
Ursachen.Mundwinkelrhagaden treten häufig bei Mangelernährung und bei hochgradigen Resorptionsstörungen auf. Eine wichtige Rolle spielen Vitamin-B12-Mangel und Eisenmangel. Des Weiteren kommen als Ursache in Betracht: vermehrter Speichelfluss, Staphylokokken-, Streptokokken- und Candida-albicans-Infektionen (s. o.) oder Infektionen mit dem Herpesvirus (s. o.), Diabetes mellitus, schlecht sitzender Zahnersatz und Austrocknung der Haut.

Leukoplakie

Bei der LeukoplakieLeukoplakie (WeißschwielenkrankheitWeißschwielenkrankheit) handelt es sich um eine Verhornungsstörung (Hyperkeratose) der Mundschleimhaut. Grundsätzlich kann eine Leukoplakie wieder verschwinden, sie kann sich jedoch zu einer echten Präkanzerose (Krebsvorstadium) entwickeln und später in ein Spinaliom (Stachelzellkrebs, Plattenepithelkrebs) übergehen.
Ursachen.Die genaue Ursache ist unbekannt. Allerdings findet man Leukoplakien besonders häufig bei Rauchern, v. a. bei Zigaretten- und Pfeiferauchern, die die Zigarette bzw. Pfeife immer an der gleichen Stelle auflegen. Man vermutet, dass in diesen Fällen eine chronische Reizeinwirkung zu einer gesteigerten Zellteilung geführt hat. Leukoplakien können aber nicht nur im Bereich der Mund- und Wangenschleimhaut auftreten, sondern auch an der Zunge, den Lippen und an den Geschlechtsorganen.
Symptome.Es bilden sich zunächst Herde, in Form von schmerzlosen, schleierartigen weißlichen, nicht abwischbaren Auflagerungen oder Verdickungen. Die Verdickungen nehmen zu und können pflastersteinartig aussehen mit rissigen oder gefurchten Hornauflagerungen. In der Regel bestehen keine Beschwerden, nur gelegentlich wird an der betroffenen Stelle ein Prickeln oder Brennen angegeben.
Komplikation.Meist heilen Leukoplakien innerhalb von 2 bis 4 Wochen ab, wenn der schädigende Reiz gemieden wird. Selbst Rezidive können von alleine wieder verschwinden. Erst wenn Leukoplakien länger als vier Wochen bestehen und/oder sie sich erosiv oder sogar geschwürig verändern, müssen sie unbedingt von einem Hautarzt behandelt werden, weil sie zu einer Präkanzerose geworden sind.

Landkartenzunge

Bei der LandkartenzungeLandkartenzunge (Lingua Lingua geographicageographica) handelt es sich um eine häufig auftretende, harmlose Veränderung der Zunge. Es sind rote Herde zu sehen, die von einem weißlichen Rand umgeben sind. Da sich diese Herde an verschiedenen Stellen der Zunge bilden und wieder verschwinden, sieht es so aus, als ob sie über die Zunge wandern würden.
Ursache.Bei der Landkartenzunge wird lediglich die oberste Hornschicht der fadenförmigen Papillen (Papillae filiformes) abgestoßen. Die Ursache dafür ist unbekannt.
Symptome.Eine Landkartenzunge verursacht keine Schmerzen. Kommt es allerdings zu entzündlichen Reaktionen, können zeitweise Schmerzen auftreten. Eine Landkartenzunge kann über Monate bis Jahre bestehen, sie kann spontan abheilen, jedoch auch später wiederkehren.

Schwarze Haarzunge

Als schwarze Haarzunge, schwarzeHaarzunge (Lingua villosa Lingua villosa nigranigra) wird eine harmlose Veränderung der Zunge bezeichnet, die ihre Ursache in einer übermäßigen Verlängerung der fadenförmigen Papillen (Papillae filiformes) hat. Diese Veränderung kann durch eine vermehrte Horneinlagerung oder durch eine verminderte Abschuppung bedingt sein.
Ursache.Betroffen sind v. a. Raucher und ältere Männer mit schlechter Mundhygiene, außerdem können mangelndes Kauen oder die Einnahme von Antibiotika eine Rolle spielen.
Symptome.Vor allem in der Mitte des Zungenrückens bilden sich dunkelgrüne bis schwärzliche Verfärbungen. Beschwerden bestehen keine, in ausgeprägten Fällen kann es jedoch zu Juckreiz kommen.
Therapie.Da es sich um keine Erkrankung, sondern um ein „kosmetisches“ Problem handelt, kann der Heilpraktiker behandeln. Man empfiehlt eine bessere Mundhygiene und ein kräftiges Bürsten der Zunge mit einer speziellen Zungenbürste.

Erkrankungen der Speiseröhre

Speiseröhre:ErkrankungÖsophagus:ErkrankungDa der Transport der Speise die einzige Aufgabe der Speiseröhre ist, sind Transportstörungen das Leitsymptom der meisten Ösophaguserkrankungen, weitere wichtige Beschwerden sind Druckgefühl und Schmerzen hinter dem Brustbein.
Die häufigste Erkrankung ist die Refluxösophagitis, die gefährlichste der Speiseröhrenkrebs. Da letzterer oft zu spät erkannt wird, muss der Heilpraktiker allen Symptomen, die in diese Richtung weisen, größte Aufmerksamkeit widmen.

Sodbrennen

SodbrennenSodbrennen (PyrosisPyrosis) ist keine Krankheit, sondern das Symptom, einer anderen zugrundeliegenden Erkrankung. Dabei kommt es zu einem brennenden Schmerz in der Magengegend, der in die Speiseröhre aufsteigt.
Ursachen.Die Ursache liegt in einem Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre (gastroösophagealer Reflux). Zu solch einem Rückfluss kann es kommen bei:
  • Über- oder Untersäuerung des Magens

  • Reizmagen, Magengeschwür und Magenkrebs

  • Entzündung der Speiseröhre (Refluxösophagitis)

  • Zwerchfellbruch (Hiatushernie)

  • Pylorusstenose

  • Verlagerung des Magens (Schwangerschaft, Adipositas)

  • Gallenblasenerkrankung

Therapie.Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Singultus

Auch beim SchluckaufSchluckauf (SingultusSingultus) handelt es sich um keine eigenständige Erkrankung, sondern nur um das Symptom einer anderen zugrunde liegenden Krankheit.
Symptom.Es kommt zu einer plötzlichen, oft rhythmischen Kontraktion des Zwerchfells mit nachfolgendem plötzlichem Verschluss der Stimmritze, wodurch das Einströmen der Luft unterbrochen wird und der charakteristische Laut („Hicksen“) entsteht.
Meist handelt es sich um ein vorübergehendes und harmloses Symptom, es kann jedoch auch anhaltend und regelmäßig, evtl. Tag und Nacht über Wochen, Monate bis Jahre anhalten. Singultus kommt bei Männern häufiger vor als bei Frauen.
Ursachen
  • Entzündung abdominaler Organe (Galle-, Leber-, Magen-, Darm-, Speiseröhren- oder Bauchspeicheldrüsenentzündung)

  • Entzündung im Brustraum (Mediastinitis, Perikarditis, Pleuritis, Pneumonie)

  • Reizung des Atemzentrums (Enzephalitis, Schädel-Hirn-Trauma)

  • Tumoren im Mediastinum oder Gehirn

Manchmal kann jedoch überhaupt keine Ursache festgestellt werden.
Therapie.Grundkrankheit behandeln. Eventuell muss der Patient durch eine allgemeine Lebensumstellung ruhiger werden. Dabei kann der Heilpraktiker unterstützend mithelfen: durch die Verordnung von beruhigenden Tees, autogenem Training, Meditation u. Ä.
Versagen einfache Methoden kann in der Schulmedizin der Zwerchfellnerv (N. phrenicus) mit einer kleinen Menge Procain blockiert werden, wobei allerdings die Gefahr einer Atemdepression und eines Pneumothorax gegeben ist. Weiterhin ist zu bedenken, dass selbst eine beidseitige Durchtrennung des N. phrenicus nicht in allen Fällen hilft.

Ösophagitis

Bei der ÖsophagitisÖsophagitis, der Entzündung der SpeiseröhrenentzündungSpeiseröhre, unterscheidet man verschiedene Verlaufsformen.
Akute Ösophagitis
Bei der akuten Ösophagitis (Verätzung, SpeiseröhreÖsophagusverätzungÖsophagusverätzung, Atlas Abb. 9-54) handelt es sich um einen Notfall, meist hervorgerufen durch das Verschlucken von Säuren oder Laugen. Es sind sofortige Notfallmaßnahmen einzuleiten. Dabei muss eine rasche Neutralisation der aufgenommenen Säure oder Lauge erzielt werden. Deshalb gibt man als Erste-Hilfe-Maßnahme bei Verätzungen durch Säure Natriumbikarbonat zu trinken, bei Laugenvergiftung verdünnten Essig (100 ml verdünnt mit 400 ml Wasser). Steht von diesen Mitteln im Notfall nichts zur Verfügung, so lässt man in beiden Fällen reichlich Wasser trinken, allerdings nicht allzu große Mengen, damit es nicht zu einem Aufschäumen kommt.

Ösophagusverätzung

Patient nicht zum Erbrechen bringen, da es dadurch zur erneuten Schädigung von Speiseröhre und Mundhöhle kommt!
Keine Milch zu trinken geben!
Chronische Ösophagitis
Bei der chronischen Ösophagitis ist es zu einer Dauerschädigung der Speiseröhre, z. B. durch Alkohol- oder Nikotinmissbrauch, zu scharfe Gewürze, zu schnelles und zu heißes Essen oder durch einen Reflux (s. u., Refluxösophagitis) gekommen. Hier muss die Therapie in erster Linie auf die Ausschaltung des schädigenden Reizes zielen.
Soorösophagitis.Bei der SoorösophagitisSoorösophagitis ist es zur Pilzbesiedelung (meist durch den Hefepilz Candida albicans) gekommen. In diesen Fällen findet man Candida albicans aber nicht nur in der Speiseröhre sondern auch im Darm und eventuell in der Mundhöhle. Sie tritt bei Abwehrschwäche auf, z. B. durch AIDS, immunsuppressive Therapie, schwerem Alkoholismus, langdauernder Antibiotika- oder Kortisongabe.
Das Leitsymptom ist der zunehmende Schluckschmerz, der dazu führen kann, dass die Nahrungsaufnahme verweigert wird. Es kann zu Blutungen und Stenosierungen kommen. Die Verdachtsdiagnose kann meist aufgrund der typischen Soorbeläge, die oft schon in der Mundhöhle (Abschn. 9.3.4) beginnen, gestellt werden. Die Diagnose wird durch die Endoskopie und den Erregernachweis gesichert.
Refluxösophagitis.RefluxösophagitisSie ist die häufigste Erkrankung der Speiseröhre. Durch eine Insuffizienz des Ringmuskels am Mageneingang (Kardiainsuffizienz), oft verbunden mit einer Hiatushernie (Abschn. 9.5.8), kommt es zu einem Ruckfluss (Reflux) von Mageninhalt in die Speiseröhre und dadurch dort zu entzündlichen Schleimhautveränderungen (Atlas Abb. 9-55). Eine sekundäre Refluxösophagitis kann sich nach einer Operation an Magen oder Speiseröhre, bei Sklerodermie oder Pylorusstenose einstellen.
  • Diagnose. Endoskopie, evtl. mit Biopsie; Ösophagusmanometrie (Messung des intraluminalen Drucks zur Beurteilung der Speiseröhrenmotilität und der Spinkterfunktion).

  • Symptome. Sodbrennen, saures Aufstoßen, brennender retrosternaler Schmerz, Schmerzen beim Schlucken, Schlingstörungen (Dysphagie), und Reflux. Meist verstärken sich die Beschwerden durch Bücken, Bauchpressen (z. B. Husten oder Niesen), fettreiche Speisen und Nikotin.

  • Komplikationen. Blutungen, Geschwürsbildung, Eisenmangelanämie, Ösophagusstenose, maligne Entartung.

  • Therapie. Die Ursache muss herausgefunden und behandelt werden. Zu empfehlen sind diätetische Maßnahmen, evtl. die Gabe von Antazida (= Medikamente zur Neutralisation der Magensäure). Der Patient soll mehrmals täglich kleinere Mahlzeiten einnehmen. Säurelockende Speisen (Kaffee, Alkohol, Süßigkeiten) sind zu meiden. Da Nikotin den Ringmuskel schwächt, soll nicht geraucht werden. Um den intraabdominellen Druck zu senken, muss die Verdauung geregelt, eine bestehende Obstipation und Meteorismus behandelt und bestehendes Übergewicht reduziert werden. Bücken möglichst vermeiden. Beim Schlafen das Kopfende des Bettes höher stellen. Gelegentlich muss eine operative Behandlung in Betracht gezogen werden. In diesem Fall bildet der Chirurg einen neuen Muskelring an der Einmündungsstelle der Speiseröhre in den Magen (Angelchik-Prothese = Umschlingung der Kardia mit einem silikongefüllten Schlauch).

Achalasie und Pylorusstenose

Achalasie
Bei einer AchalasieAchalasie (ÖsophagusachalasieÖsophagusachalasie, KardiaachalasieKardiaachalasie, veraltet: KardiospasmusKardiospasmus) kommt es durch eine Innervationsstörung zur fehlenden Erschlaffung des unteren Ösophagussphinkters. Dadurch ist der Übergang des geschluckten Bissens aus der Speiseröhre in den Magen erschwert oder sogar unmöglich. Oberhalb des betreffenden Abschnitts erweitert sich durch das Anstauen der geschluckten Nahrung die Speiseröhre sackartig. Es kommt zum Bild der „zugebundenen Wurst“.
Ursachen.Der Achalasie liegt eine Innervationsstörung zugrunde, die ihre Ursache in einer Degeneration oder in einem Fehlen des zugehörenden Nervenplexus (Auerbach-Plexus, Plexus myentericus Abschn. 9.1.5 und 18.6.3, Magenbewegungen) haben kann.
Symptome.Vor allem zu Beginn der Erkrankung kommt es zu starken retrosternalen Schmerzen, da die Speiseröhre durch verstärkte Bewegungen versucht, die Engstelle zu überwinden. Später nehmen die Speiseröhrenmotilität und damit der Schmerz ab. Leitsymptome sind Schlingstörungen (Dysphagie), Regurgitationen (s. o.) und Gewichtsverlust. Der Betroffene nimmt beim Essen eine Zwangshaltung ein, spült mit Flüssigkeit nach und meidet die Gesellschaft anderer. Vor allem nachts und beim liegenden Patienten kann es durch Regurgitation zur Aspirationspneumonie („Schluckpneumonie“) kommen.
Differenzialdiagnose.Bei einem funktionell bedingten Krampf der Speiseröhre klagt der Patient über Transportstörungen der Speise (Dysphagie) und (evtl. starke) retrosternale Schmerzen. Die Sphinkterfunktion ist hier im Unterschied zur Achalasie nicht gestört. Bei einer funktionellen Störung kommt es nicht zur Gewichtsabnahme.
Therapie.Die Schulmedizin behandelt in leichteren Fällen medikamentös mit Kalziumantagonisten oder Nitraten, in ausgeprägteren Fällen kann der Spasmus mit einem Ballonkatheder gedehnt werden oder es wird endoskopisch das Botulinumtoxin in den Ösophagussphinkter injiziert, sodass der Muskel teilweise gelähmt ist und sich so die Öffnung zum Magen erweitert. Diese Behandlung muss im Mittel alle sechs Monate wiederholt werden. Operiert wird nur selten (Kardiomyotomie nach Heller: Durchtrennung der distalen Ösophagusmuskulatur).
Eine ganzheitliche Therapie wird auf jeden Fall die Frage zu lösen versuchen, warum es zu einem solchen Fehlen von Entspannung kommt und warum der Mensch nichts mehr in sich aufnehmen kann oder will.
Pylorusstenose
PylorusstenoseBei der Pylorusstenose ist es zu einer Verengung des Magenpförtners gekommen. Letzteres kann unterschiedliche Ursachen haben, z. B. ein pylorusnahes Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür (Abschn. 9.5.4), eine Tumorerkrankung oder ein funktionelles Geschehen.
Bei der angeborenen Pylorusstenose (PylorushypertrophiePylorushypertrophie, MagenpförtnerverengungMagenpförtnerverengung) handelt es sich um eine Verengung des Magenausganges, von der zu 80 % Jungen betroffen sind. Die Erkrankung zeigt sich meistens zwischen der 2. bis 4. Lebenswoche. Die Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. Man findet aber die Muskulatur des Magenausganges bei den Betroffenen verdickt und zunehmend verkrampft, sodass sogar flüssige Nahrung nicht mehr vom Magen ins Duodenum gelangen kann.
Typisch ist, dass der Säugling nach jeder Mahlzeit das Fläschchen schwallartig erbricht. Das Kind zeigt trotz des Erbrechens gleich wieder Hunger und entleert das nächste Fläschchen gierig, das es dann gleich wieder erbricht. Betrachtet man während des schwallartigen Erbrechens den Rumpf des Säuglings, so sieht man durch die Rumpfwand die peristaltischen Bewegungen des Magens. Die fehlende Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme führt zu einem raschen Kräfteverfall der betroffenen Kinder. Es besteht die Gefahr der Exsikkose.
In leichten Fällen kann damit behandelt werden, dass dem Kind zahlreiche kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt gegeben werden. Oft muss aber operativ behandelt werden.

Kommt es bei Säuglingen zu einer gestörten Flüssigkeitsaufnahme, so ist er unverzüglich zur Behandlung an den Kinderarzt oder an das Krankenhaus zu verweisen, da es innerhalb von Stunden zur Austrocknung kommen kann und damit zum Schock bzw. zum Hirnödem (infolge von Elektrolytverschiebungen).

Ösophagusdivertikel

SpeiseröhrenausstülpungÖsophagusdivertikelDivertikel:SpeiseröhreDivertikel sind sackartige Ausstülpungen der Wand. Man unterscheidet echte und unechte Divertikel. Bei den echten Divertikeln liegt eine Ausstülpung aller Wandschichten vor; beim unechten (Pseudodivertikel) ist es durch Lücken der Muskularis (v. a. an Gefäßdurchtrittsstellen) lediglich zur Ausstülpung von Mukosa bzw. Submukosa gekommen (Atlas Abb. 9-57, 9-58, 9-75).
Am häufigsten kommen in der Speiseröhre Divertikel am Übergang von der Muskelschicht des Rachens in die Muskelschicht der Speiseröhre vor, da hier aufgrund der unterschiedlichen Verlaufsrichtungen der Muskelfasern ein muskelschwaches Dreieck entsteht. An dieser Stelle kann sich ein unechtes Divertikel (Zenker-Divertikel) bilden. Betroffen sind davon meist Männer nach dem 60. Lebensjahr. Divertikel können jedoch auch im weiteren Verlauf der Speiseröhre entstehen. Bitte beachten Sie zu Divertikeln im Verdauungstrakt auch Abschn. 9.7.6, Kolondivertikulitis.
Symptome.Typisch ist im Krankheitsverlauf die Zunahme der Schluckbeschwerden beim Essen. Das Divertikel füllt sich beim Schlucken mit Speise, vergrößert sich deshalb im Laufe der Zeit und ruft beim Betroffenen das Gefühl hervor, dass ihm der Bissen im Hals stecken bleibt. Bei Divertikeln im Halsbereich kann es zeitweise zur Halsschwellung kommen (links stärker als rechts), manchmal sind diese Divertikel palpierbar.
Leitsymptome sind Schlingstörungen (Dysphagie) und Fremdkörpergefühl, später kommt es zu Regurgitation mit der Gefahr der Aspirationspneumonie.
Komplikationen.Aspirationspneumonie, Druckgeschwüre, Fistelbildung, maligne Entartung. Liegen gebliebene Speisereste können zur Entzündung der Schleimhaut führen (Divertikulitis) und damit zu Blutungen.
Therapie.Die schulmedizinische Therapie besteht bei stärkeren Beschwerden in einer chirurgischen Entfernung des Divertikels.

Ösophagusvarizen

SpeiseröhrenvarizeÖsophagusvarizeEs handelt sich um Erweiterungen der Speiseröhrenvenen. Sie treten infolge von Pfortaderhochdruck auf, wie er z. B. bei Leberzirrhose vorkommt. Da das Blut von der Leber nicht ausreichend aufgenommen werden kann, fließt es vermehrt in die Speiseröhrenvenen ein. Diese sind aber auf Dauer der erhöhten Druckbelastung nicht gewachsen und werden immer dünnwandiger. Es besteht die Gefahr der Blutung aus den Varizen und später Perforationsgefahr (lebensgefährlich!). Geplatzte Ösophagusvarizen sind die häufigste Todesursache bei Leberzirrhose!
Symptome.Leitsymptom sind auftretende Blutungen mit Bluterbrechen (Hämatemesis), Teer- und Blutstuhl. Beim Bluterbrechen kann entweder hellrotes Blut erbrochen werden oder durch vorheriges Verschlucken des Blutes kann es zum kaffeesatzartigen Bluterbrechen kommen, da in diesem Fall das Hämoglobin durch Einwirkung der Magensäure in das dunkle Hämatin umgebaut wurde.
Gefürchtet sind die möglicherweise akut auftretenden, lebensbedrohlichen Blutungen.
Diagnose.Röntgen (Breipassage), Ösophagoskopie.
Therapie.Die Therapie der Ösophagusblutung erfolgt in der Klinik durch Kompression mit Ballonsonde. Weiter therapeutische Maßnahmen sind endoskopische Verödung und medikamentöse Drucksenkung (z. B. mit Vasopressin, Somatostatin).

Ösophaguskarzinom

SpeiseröhrenkrebsÖsophaguskarzinomKrebs:SpeiseröhreTumoren an der Speiseröhre sind zu über 90 % bösartig. Männer sind wesentlich häufiger befallen als Frauen; die Erkrankungshäufung liegt im 60. Lebensjahrzehnt. Der Krebs entwickelt sich meist an den physiologischen Ösophagusengen im mittleren und distalen Abschnitt (Atlas Abb. 9-59, 9-60).
Ursachen.Die genaue Ursache ist unbekannt. Als chronische Schädigung der Speiseröhre spielen Alkoholismus (hochprozentiger!), Nikotin, scharf gewürzte und ständig zu heiß genossene Speisen eine Rolle, mit der Nahrung aufgenommene Nitrosamine, Refluxösophagitis, Achalasie, Sklerodermie und Speiseröhrenverätzungen.
Symptome.Treten erste Beschwerden auf, so ist das Speiseröhrenlumen meist schon zu ⅔ verlegt. Es kommt zu Schlingstörungen, Gewichtsverlust, Regurgitation, Mundgeruch, Druckgefühl und Schmerzen hinter dem Brustbein. Das Passagehindernis wird meist zuerst bei festen Speisen, später auch bei breiiger und flüssiger Nahrung bemerkt. Schon in einem frühen Stadium kann es zur Unfähigkeit kommen, den eigenen Speichel zu schlucken.
Bei weiter fortgeschrittener Erkrankung kommt es zu Heiserkeit (Rekurrensparese), Husten (angestauter Speisebrei läuft in den Kehlkopf, oder die Geschwulst hat auf Bronchien übergegriffen), Bluterbrechen (Tumor hat Blutgefäße eröffnet) und Pleuraerguss (Befall des Brustfells).
Metastasierung.Der Krebs infiltriert frühzeitig in Nachbarorgane, streut zunächst lymphogen, später auch hämatogen (v. a. in Leber und Lunge).
Diagnose.Röntgen, Endoskopie mit Biopsie.
Prognose.Die mittlere Überlebenszeit beträgt nach Diagnosestellung 4 bis 5 Monate. Nur 1 % der Patienten hat eine Überlebenschance von über 5 Jahren.
Therapie.Operation, Strahlentherapie, Zytostatika. Der Heilpraktiker kann, wie bei anderen Krebserkrankungen auch, begleitend behandeln.

Jede Schlingstörung (Dysphagie) muss endoskopisch abgeklärt werden, da sich dahinter ein Speiseröhrenkrebs verbergen kann.

Hiatushernie

Bei der HiatushernieHiatushernie handelt es sich um einen ZwerchfellbruchZwerchfellbruch, in dessen Folge Magenanteile durch den Hiatus oesophageus in den Brustkorb treten. Ältere Menschen sind häufiger betroffen als junge. Meist liegt eine axiale Gleithernie vor (zu 90 %). Bitte beachten Sie hierzu Atlas Abb. 9-56.

Hiatushernie

Magenanteile treten durch den Hiatus oesophageus in den Brustkorb.
Symptome.Die meisten Patienten sind beschwerdefrei. Bei den übrigen treten, je nach Art und Ausmaß der Schädigung, unterschiedliche Beschwerden auf. Dabei kann es zu Druckgefühl und Schmerz hinter dem Brustbein kommen, Refluxösophagitis, Aufstoßen, Dysphagie, Sodbrennen, evtl. durch Herzverlagerung auch Tachykardie. Innerhalb der Hernie können durch Druckgeschwüre Sickerblutungen auftreten, die zur sekundären Eisenmangelanämie führen.
Diagnose.Röntgen, Endoskopie
Therapie.Bei großen Hernien mit Einklemmungsgefahr muss operiert werden. Meist genügt aber schon eine allgemeine Behandlung durch häufige kleine Mahlzeiten, Gewichtsreduzierung, Beseitigung von Obstipation und Meteorismus (wichtig, um den intraabdominellen Druck zu senken). Falls aufgrund einer Sickerblutung Blutarmut besteht, ist eine Eisengabe notwendig.

Erkrankungen des Magens

Reizmagen

Magen:ErkrankungBeim ReizmagenReizmagen besteht eine funktionelle Störung des Magens, ohne dass ein organischer Befund nachweisbar ist. Oft besteht gleichzeitig ein Reizkolon (Abschn. 9.7.1).
Ursachen.Die Ursache der Erkrankung liegt im psychisch-seelischen Bereich. Es kommt zu einer Störung im Bewegungsablauf der Magenmotorik, die Magenkrämpfe hervorruft. Außerdem wird zu viel Magensaft produziert, der seinerseits zum Reflux in die Speiseröhre führen kann.
Symptome.Folge der Krämpfe im Magen sind mehr oder weniger heftige, helle, stechende Schmerzen, manchmal besteht auch nur ein Druck- oder Völlegefühl. Außerdem können sich Appetitlosigkeit und eine Unverträglichkeit von bestimmten Nahrungsmitteln entwickeln, v. a. von Alkohol, Kaffee, erhitzten Fetten und Süßspeisen. Durch die vermehrte Magensaftproduktion kann Sodbrennen auftreten.
Therapie.Um die zugrunde liegende Ursache zu finden, ist eine psychische Betreuung sinnvoll. Zudem sollte eine Ernährungsumstellung erfolgen, bei der säurelockende Speisen gemieden werden sollen. Über den Tag verteilt sind mehrere kleine Mahlzeiten einzunehmen. Lokale Wärmeanwendung wird bei Magenkrämpfen meist als wohltuend empfunden.

Pflanzliche Heilmittel bei Reizmagen

  • Kamille: entzündungshemmend und krampfstillend, kann allerdings evtl. die Schleimhaut austrocknen

  • Pfefferminze: gärungswidrig und gegen Übelkeit

  • Melisse: beruhigend und krampflösend

  • Kalmus: appetitsteigernd

Akute Gastritis

Bei einer akuten GastritisGastritis (akute MagenschleimhautentzündungMagenschleimhautentzündung) kommt es zur entzündlichen Veränderung der Magenschleimhaut, bei der sich Erosionen bilden können. Oft besteht gleichzeitig eine Sekretionssteigerung (Hypersekretion) von Magensaft.
Ursachen.Die Ursache ist meist in schädlichen Stoffen zu suchen, die dem Körper zugeführt wurden, wie z. B. Alkohol, Nikotin oder Medikamente (Salicylate, Zytostatika). Sie kann jedoch auch infektiös bedingt sein. In diesen Fällen kommt es allerdings oft zur Gastroenteritis, sodass auch Fieber, Durchfälle und Bauchschmerzen auftreten. Hier spielt das Bakterium Helicobacter pylori meist eine wichtige Rolle (s. u., chronische Gastritis).
Symptome.Es kommt zu Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Völlegefühl und dumpfen evtl. brennenden Schmerzen in der Magengegend, die sich nach Nahrungsaufnahme eher verstärken, eventuell tritt Fieber (v. a. bei infektiöser Gastritis) auf. Die Erosionen der Magenschleimhaut können bei schweren Krankheitsbildern zu Blut im Erbrochenen oder zu Blut im Stuhl führen.
Therapie.Nach Absetzen des schädigenden Reizes besteht eine große Spontanheilungstendenz. Die Therapie beginnt man mit einer ein- bis zweitägigen Nahrungskarenz, bei der aber reichlich dünn gebrühter Tee verabreicht wird. Dann erfolgt ein allmählicher Kostaufbau, angefangen mit Haferschleim und Zwieback.
Die Behandlung kann durch feucht-warme Auflagen auf den Oberbauch, z. B. einen Heublumensack und durch die Einnahme von Heilerde, in Wasser gelöst, unterstützt werden. Gegen den Brechreiz hat sich v. a. das homöopathische Mittel Ipecacuanha (Brechwurzel) D6 bewährt. Weitere homöopathische Mittel, die häufig bei Magenschmerzen eingesetzt werden sind z. B. Nux vomica, Ignatia, Bryonia und Argentum nitricum.

Bitte beachten Sie, dass für infektiös bedingte Gastroenteritiden für den Heilpraktiker Behandlungsverbot besteht. Dies ist festgelegt im IfSG §§ 24, 7, 6.

Chronische Gastritis

Die chronische Gastritis (chronische Magenschleimhautentzündung) kommt außerordentlich häufig vor, v. a. im höheren Lebensalter (bei der Mehrzahl der über 50-Jährigen ist sie nachweisbar).
Nach dem Ausmaß der aufgetretenen Magenschleimhautschädigung unterscheidet man zwischen der Oberflächengastritis und der chronisch-atrophischen Gastritis. Bei der Oberflächengastritis ist die Magenschleimhaut oberflächlich entzündet. Kommt es dann zu einem tieferen Eindringen von entzündlichen Infiltraten, die die Drüsen schädigen, so spricht man von chronisch-atrophischer Gastritis. Die Folgen können Erosionen, Ulzerationen (Geschwürbildungen) und Magenkrebs sein.

Verlaufsformen der chronischen Gastritis

Nach dem Ausmaß der aufgetretenen Schädigung
  • Oberflächengastritis

  • chronisch-atrophische Gastritis

Nach der Ursache
  • Typ A: autoimmunbedingt

  • Typ B: bakteriell bedingt

  • Typ C: chemisch bedingt (Medikamente u. a.)

Ursachen.Nach der Ursache unterscheidet man Typ A, B und C.
  • Typ A ist durch ein Autoimmungeschehen bedingt. Es werden Autoantikörper gegen Belegzellen und den Intrinsic-Faktor gebildet; oft liegen noch andere Autoimmunerkrankungen (Diabetes mellitus Typ 1, Hashimoto-Thyroiditis u. a.) vor. Es besteht eine erhöhte Neigung zur Entwicklung eines Magenkarzinoms.

  • Typ B wird durch Bakterien (Helicobacter pylori, s. u.) verursacht. Es handelt sich um die häufigste Form (80 % aller Gastritiden). Es besteht eine Tendenz, ein Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür oder ein Magenkarzinom auszubilden.

  • Typ C entwickelt sich durch chemische Reize (z. B. Medikamente oder Gallerückfluss in den Magen). Als verschlimmernde Faktoren werden angeschuldigt: zu kalte und zu heiße Speisen, ungenügendes Kauen und hochprozentiger Alkohol.

Helicobacter Helicobacter pyloripylori gilt heute als Grundvoraussetzung für die Entwicklung einer Gastritis. Der Keim lebt in den Grübchen der Magenschleimhaut, kann durch spezielle Enzyme um sich herum ein neutrales Milieu herstellen und so im sauren Magen überleben. Man nimmt an, dass die Ansteckung über gemeinsam benutzte Gebrauchsgegenstände erfolgt, und zwar auf fäkal-oralem Weg. Die Durchseuchung ist altersabhängig. Bei uns findet man die Keime bei ca. 30 % der 30-Jährigen, bei 50 % der 50-Jährigen und bei fast 70 % der 70-Jährigen, unabhängig davon, ob Magenbeschwerden vorliegen oder nicht. So wird das Bakterium häufig gefunden, ohne dass Schleimhautveränderungen im Magen vorliegen. In Afrika sind nahezu alle Menschen bereits in der Kindheit Träger des Keims. Man vermutet einen Zusammenhang mit mangelhaften hygienischen Verhältnissen. Damit bleibt aber die genaue Rolle des Keims unklar. Er darf sicher nicht als alleinige Ursache von Gastritiden und Geschwüren angesehen werden, spielt aber vermutlich als Ko-Faktor eine Rolle.
Symptome.Das Beschwerdebild ist uneinheitlich, oft besteht völlige Symptomfreiheit. Es kann aber auch nach Nahrungsaufnahme zu Druck- und Völlegefühl in der Magengegend kommen. Der Appetit ist nur selten beeinträchtigt, auch Übelkeit und Brechreiz fehlen meist. Erbrechen gehört nicht zum typischen Erscheinungsbild der chronischen Gastritis. Häufig wird jedoch eine Unverträglichkeit von schwerverdaulichen Speisen (erhitzten Fetten) angegeben.
Wird der Intrinsic-Faktor nicht mehr ausreichend gebildet, kann es zur perniziösen Anämie (Vitamin-B12-Mangel-Anämie) kommen.
Diagnose.Endoskopisch und histologisch.
Therapie.Die Mahlzeiten sollen in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt eingenommen werden. In Ruhe essen! Gründliches Kauen ist wichtig, da Speichel ein gutes Antazidum (magensäurebindendes Mittel) ist. An Tees können Fenchel, Kalmus, Melisse und Pfefferminze verabreicht werden. Hochprozentigen Alkohol, unbekömmliche, schwerverdauliche und scharf gewürzte Speisen sind zu meiden.

Ulcus ventriculi et duodeni

Bei einem Geschwür kommt es zu einem tiefen Gewebedefekt, der über die Schleimhaut hinaus, bis in die Verschiebeschicht (Submukosa) bzw. die Muskelwand (Muskularis), hineinreicht. Das typische Geschwür entwickelt sich innerhalb weniger Tage zu seiner vollen Größe. Man unterscheidet:
  • Ulcus UlcusGeschwür, Verdauungstraktpepticum. Durch Einwirkung von Pepsin und Magensäure hat sich ein Geschwür in einem Abschnitt des Verdauungstrakts entwickelt, der mit Magensaft in Berührung gekommen ist, v. a. als pylorusnahes Zwölffingerdarmgeschwür, als Magengeschwür oder als Speiseröhrengeschwür bei Refluxösophagitis.

  • MagengeschwürMagengeschwür (Ulcus ventriculi). Es sitzt fast immer an der kleinen Krümmung, und zwar an der Grenze zwischen Magenkörper und Magenausgangsteil (Atlas Abb. 9-58). Kommt es häufiger zu Rezidiven, so kann das Ulkus in Richtung Mageneingang hochwandern. Der Patient gibt punktuelle Schmerzen eher links der Mittellinie in der Magengegend an.

  • Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni). Das ZwölffingerdarmgeschwürZwölffingerdarmgeschwür kommt häufiger als das Magengeschwür vor. Es hat seinen Sitz meist nahe beim Pförtner (Atlas Abb. 9-63). Der Patient gibt Schmerzen deshalb eher rechts der Mittellinie an.

Vom Magengeschwür (Ulcus ventriculi) sind Männer und Frauen gleichhäufig betroffen, vom Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni) dagegen Männer dreimal so häufig wie Frauen.
Ursachen und Pathogenese.Krankheitsauslösend können Stress, Überforderung und anhaltende Angst- und Spannungssituationen wirken. Der Magen schützt sich vor Selbstandauung durch das eiweißabbauende Pepsin durch einen Schleimüberzug. Besteht an einer Stelle ein Missverhältnis von Schleim und Magensaft (zu wenig Schleim bzw. zu viel Magensaft) so wird die Magenwand geschädigt. Es bildet sich ein cent- bis zweieurostück-großer Schleimhautdefekt, der weiter ins Gewebe vordringen (penetrieren) und sogar zum Durchbruch (Perforation) in die Bauchhöhle führen kann. Beim Zwölffingerdarmgeschwür liegt überwiegend eine Übersäuerung vor, beim Magengeschwür dagegen eher eine Untersäuerung. Bei 80 % der Magengeschwüre und fast 100 % der Zwölffingerdarmgeschwüre kann das Bakterium Helicobacter pylori (s. o.) nachgewiesen werden. Außerdem können Rauchen (steigert nächtliche Säureproduktion) und Medikamente (v. a. nicht-steroidale Antirheumatika, Kortison, Acetylsalicylsäure) die Entstehung eines Geschwürs begünstigen.
Symptome.Leitsymptom des Geschwürs ist der lokalisierte Schmerz. Bei der Beschreibung des Schmerzes zeigt der Patient gewissermaßen von außen auf das Geschwür. Zu beachten ist allerdings, dass bei Einnahme von Acetylsalicylsäure Schmerzen fehlen können!
Man unterscheidet Sofort-, Spät- und Nüchternschmerz (Tab. 9-1). Beim
  • Sofortschmerz setzen die Schmerzen bald nach der Nahrungsaufnahme ein. Das ist typisch für ein hochsitzendes Korpusgeschwür.

  • Spät- und Nüchternschmerz (Hungerschmerz) tritt mehrere Stunden nach der letzten Mahlzeit, oft auch nachts durch eine krankhafte Übersäuerung des Magens auf und weist auf Ulcus duodeni hin. Nüchternschmerz bessert sich durch Essen und durch Einnahme von Antazida (magensäurebindende Mittel).

Die Schmerzen werden oft begleitet von Übelkeit, Aufstoßen, Druck- und Völlegefühl. Säurelockende Speisen (Alkohol, Kaffee, Süßigkeiten, Röstprodukte) werden schlecht vertragen.
Komplikationen
  • Stenosierung, GeschwürStenosierung des Pylorus. Das abgeheilte Geschwür hinterlässt eine Narbe, die schrumpft. Dadurch wird die Lichtung eingeengt. Tritt dies im Magen auf, so spielt das meist weiter keine Rolle, im Röntgenbild kann dann ein sogenannter „Sanduhrmagen“ nachweisbar sein. Im Bereich des Pförtners kann es aber durch die Narbenzüge mehrerer Geschwüre so eng werden, dass der Transport des Speisebreies behindert wird. Der Magen kann sich nur noch verzögert entleeren. Übelkeit, anhaltendes Erbrechen, Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme sind die Folge.

  • Blutungen. Wird die Wand eines Blutgefäßes im Geschwür durch den Magensaft aufgelöst, so kommt es zu Bluterbrechen und/oder Teerstühlen. Bei großem Blutverlust besteht Schockgefahr (Atlas Abb. 9-64).

  • Penetration, GeschwürPenetration. Das Ulkus dringt von der Schleimhaut bzw. von der Verschiebeschicht aus weiter vor bis in die Muskelschicht. In diesem Stadium ändern sich die Beschwerden des Patienten: Der Schmerz strahlt nun in den Rücken aus. Es besteht die Gefahr der Perforation.

  • Perforation. Bei der Perforation, GeschwürPerforation sind alle Wandschichten, einschließlich des Bauchfells, aufgelöst. Der Mageninhalt gelangt in die freie Bauchhöhle und verteilt sich auf die umliegenden Organe. Die Magensäfte und die im Speisebrei enthaltenen Bakterien greifen nun die Organe an. Eine Perforation ist am plötzlich einsetzenden, heftigen (messerstichartigen) Schmerz im Oberbauch und der sich ausbildenden Abwehrspannung erkennbar. Es entwickelt sich eine Peritonitis mit Schockgefahr. Da es sich immer um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt, ist sofortige Klinikeinweisung erforderlich. Der Patient darf sich nicht mehr bewegen und muss liegend im Krankenwagen transportiert werden.

  • maligne Entartung. Ein Magengeschwür kann maligne entarten, was beim Duodenalgeschwür nur äußerst selten vorkommt.

Diagnose.Gastroskopie mit Biopsie, evtl. Röntgen.

Jedes Magengeschwür muss endoskopisch abgeklärt werden, um nicht einen Magenkrebs zu übersehen.

Therapie.Ist das Bakterium Helicobacter pylori nachweisbar, werden in der Schulmedizin Antibiotika verabreicht. Dies führt in der Regel zur Ausheilung der Erkrankung. Zudem werden Protonenpumpenhemmer, H2-Blocker, Antazida, und Schutzfilmbildner eingesetzt. Der Arzt überprüft allerdings sechs bis acht Wochen nach der Behandlung durch eine Gastroskopie, ob noch Helicobacter pylori nachweisbar sind.
Wichtig ist es, die verursachenden Faktoren auszuschalten, um die Magensaftproduktion zu normalisieren. Des Weiteren kann eine psychische Betreuung notwendig sein: Der Patient muss lernen, Stress abzubauen und an sich selbst keine überhöhten Forderungen zu stellen. Hilfreich sind Ernährungsempfehlungen: Meist spürt der Patient selbst genau, was ihm gut tut. Unbekömmliches soll er meiden, und damit auch zu schnelles, zu heißes, zu reichliches Essen, heiße Fette, scharfe Gewürze, scharf Angebratenes, hochprozentigen Alkohol, Kaffee und Rauchen. Wichtig sind gutes Kauen, in Ruhe essen und nur kleinere Portionen pro Mahlzeit einnehmen. Pflanzliche Heilmittel, die sich bewährt haben sind Kalmus, Kamille, Süßholzwurzel, Melisse u. a.

Magenkarzinom

Weltweit ist eine kontinuierliche Abnahme des MagenkrebsKrebs:MagenMagenkrebses (Carcinoma Carcinoma ventriculiventriculi) zu verzeichnen. Die Schulmedizin führt dies v. a. durch die konsequente Behandlung des Helicobacter pylori bei Magenerkrankungen aller Art zurück.
Risikofaktoren.Als wichtige Risikofaktoren gelten Ulcus ventriculi, chronisch-atrophische Gastritis, perniziöse Anämie, Zigarettenrauchen, Helicobacter-Besiedelung, familiäre Häufung, Magenpolypen (Atlas Abb. 9-65, 9-66), lange Zeit (15 und mehr Jahre) zurückliegende (teilweise) Magenentfernung, Nitrosamine und reichlicher Genuss von geräuchertem Fleisch und Fisch.
Der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 50. bis 70. Lebensjahr. Vor dem 30. Lebensjahr ist die Erkrankung selten.
Tumorarten.Man unterscheidet (Atlas Abb. 9-68) folgende Magenkarzinome:
  • Magenfrühkarzinom (Oberflächenkarzinom). Der Krebs bleibt auf Mukosa und Submukosa beschränkt (Atlas Abb. 9-67). Der Betroffene hat nach Operation eine Fünf-Jahres-Überlebensrate von 90 %!

  • fortgeschrittenes Karzinom. Dabei wird unterschieden, ob Submukosa, Subserosa, Serosa oder bereits Nachbarorgane infiltriert sind.

  • Magenstumpfkarzinom. 15 bis 20 Jahre nach einer Magenentfernung entwickelt sich bei ungefähr 10 % der Patienten Krebs, weshalb regelmäßige Magenspiegelungen zur Kontrolle notwendig sind.

Symptome.Im Anfangsstadium verläuft die Erkrankung oft unbemerkt, manchmal besteht ein „empfindlicher Magen“. Es können uncharakteristische Beschwerden bestehen, wie Druck- und Völlegefühl, Schmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit und Abneigung gegen bestimmte Speisen, hier v. a. ein Widerwille gegen Fleisch. Im weiteren Krankheitsverlauf können sich Symptome verstärken, aber auch Schlingstörungen (bei Kardiakrebs) und blutiges Erbrechen auftreten.
Im fortgeschrittenen Stadium können folgende Symptome auftreten: akute Magenblutungen, Magenausgangsstenose, Kräfteverfall, Anschwellen des Virchow-Lymphknotens (Lymphknoten, kurz vor der Einmündungsstelle der Lymphe ins venöse Kreislaufsystem in der linken Schlüsselbeingrube), Fieber, Druckgefühl und bohrende Oberbauchschmerzen. Ist das Karzinom am Mageneingang lokalisiert, können sich Schlingstörungen entwickeln.
Bevorzugte Metastasierungswege sind durch die regionale Ausbreitung in die Speiseröhre, Leber, Milz, in das Pankreas, Zwerchfell und das Colon transversus, durch lymphogene Streuung in den Virchow-Lymphknoten und das kleine und große Netz sowie durch hämatogene Aussaat in Lunge, Skelett und Gehirn.

Symptome bei Metastasierung

Bei Krebserkrankungen mit Metastasierung treten folgende Symptome auf:
  • Gewichtsabnahme bis Kachexie

  • Anämie

  • Müdigkeit

  • allgemeine Lymphknotenschwellung

  • Beschleunigung der BKS und CRP-Anstieg

Diagnose.Gastroskopie mit Biopsie, evtl. Röntgen.
Therapie.Wird die Erkrankung im Frühstadium erkannt, so hat eine Operation gute Erfolgsaussichten.

Erkrankungen des Dünndarms

Maldigestion und Malabsorption

Dünndarm:ErkrankungUnter MaldigestionMaldigestion versteht man eine Störung der Nahrungsaufspaltung; unter MalabsorptionMalabsorption eine schlechte (lat.: mal) Stoffaufnahme (Absorption, Resorption). Maldigestion und Malabsorption führen, über längere Zeit gesehen, zwangsläufig zu Mangelernährungssymptomen (Malassimilationssyndrom).

Maldigestion und Malabsorption

führen, über längere Zeit gesehen, zur Mangelernährung.

Ursachen der Maldigestion
  • Pankreasinsuffizienz

  • Fehlen von Gallensaft, z. B. bei Gallengangsverschluss

  • Magensaftmangel

  • Allergien gegenüber Nahrungsmittel, z. B. Milchprodukte oder Fisch

  • Nahrungsmittelunverträglichkeit durch Fehlen bestimmter Enzyme, z. B. Sprue oder Kohlenhydrat-Malabsorption

Ursachen der Malabsorption
  • Darminfektionen (durch Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten)

  • Schädigung der Dünndarmschleimhaut (Morbus Crohn, Sprue, Narben, Fisteln, Divertikel, Tumoren)

  • Verkürzung des Dünndarms (durch Operation)

Symptome.Es kommt zu Gewichtsabnahme, Massenstühlen und Durchfällen. Je nachdem, welche Stoffe nicht aufgenommen werden können, entwickeln sich entsprechende Mangelsymptome, z. B. bei Eiweißmangel Muskelschwäche und Eiweißmangelödeme; beim Fehlen der fettlöslichen Vitamine Haut- und Schleimhautveränderungen; können Eisen, bzw. Vitamin B12 nicht aufgenommen werden, tritt eine Anämie auf.
Diagnose.Die Verdachtsdiagnose wird v. a. aufgrund der beim Patienten sichtbaren Mangelerscheinungen gestellt. Mit verschiedenen Tests lässt sich nachweisen, ob bestimmte oral zugeführte Stoffe vom Körper richtig aufgenommen werden und wieder ausgeschieden werden.
Therapie.Die Therapie muss sich nach der zugrunde liegenden Ursache richten. Die fehlenden Stoffe müssen ersetzt (substituiert) werden und es muss eine Ernährungsberatung durchgeführt werden.

Morbus Crohn

Beim Morbus Morbus CrohnCrohn (Enteritis regionalis Enteritis regionalis CrohnCrohn) handelt es sich um eine chronische Darmentzündung unklarer Ursache. Die Erkrankung kann alle Abschnitte des Verdauungstrakts von der Mundhöhle bis zum After befallen. Meist sind jedoch der letzte Abschnitt des Ileums (Ileitis terminalis Crohn) oder das Kolon (Colitis Crohn) betroffen (Atlas Abb. 9-69).
Pathophysiologie.Die entzündeten Wandabschnitte sind durch Ödeme und/oder Fibrosen sulzig verdickt. Typisch ist das diskontinuierliche Auftreten der Entzündung, das heißt, entzündete Bereiche wechseln mit nicht entzündeten ab. Es bilden sich Granulome und Geschwüre, letztere können penetrieren und so zur Fistelbildung zu benachbarten Hohlorganen oder zur Haut führen. Durch narbige Schrumpfungsprozesse und durch zunehmende Wandverdickung können sich Stenosen entwickeln, die ein Passagehindernis für den Darminhalt darstellen (Atlas Abb. 9-70).
Ursachen.Die eigentliche Ursache ist unbekannt. Man nimmt an, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen mit genetischer Disposition handelt, bei dem Autoimmunvorgänge, Bakterien (v. a. Chlamydien) und Viren, Ernährungsgewohnheiten und psychische Faktoren eine Rolle spielen können.
Symptome.Die Symptome beginnen meist schleichend mit Durchfällen und krampfartigen Bauchschmerzen, die im Mittelbauch oder rechtsseitig lokalisiert sein können. Die Beschwerden können aber auch akut einsetzen mit heftigsten abdominalen Schmerzen, Durchfällen (nur selten blutig) und Fieber. Es kommt zur Gewichtsabnahme. Spielt sich die Erkrankung im Ileum ab, so ist eine Verwechslung mit Appendizitis gegeben. Zumal in diesen Fällen der entzündete Bereich rechtsseitig als schmerzhafter, walzenförmiger Tumor tastbar sein kann.
Meist sind die Durchfälle morgens und nach Genuss von Obst und kalten Getränken am schlimmsten. Häufig ist die Analregion miterkrankt und es kommt dort zu Fisteln, Fissuren und ödematösen Schwellungen.
Komplikationen.Malabsorption (z. B. perniziöse Anämie durch Störung der Vitamin-B12-Aufnahmen), es kann auch an anderen Organen zu Entzündungen kommen: z. B. an der Haut (Erythema nodosum = Knotenrose), der Leber, der Galle, an den Augen und/oder Gelenken. Am Darm kann es zur Perforation, Stenosierung, Ileus (Darmverschluss) und zur malignen Entartung (Risiko ist allerdings nicht besonders hoch) kommen.
Diagnose.Inspektion der Analgegend, Rektoskopie, Ultraschall, Röntgen (Dünndarm-Doppelkontrastuntersuchung). In Abhängigkeit von der ablaufenden Entzündung auch Beschleunigung der BKS, CRP-Anstieg, gelegentlich kann man Autoantikörper (z. B. BPI-ANCA) nachweisen.
Differenzialdiagnose.Infektiöse Darmentzündungen, Reizkolon, Appendizitis, Divertikulitis, Colitis ulcerosa, Darmtuberkulose (bei uns Rarität), Darmkarzinom.
Prognose.Meist schreitet die Erkrankung mit Phasen wechselnder Aktivität fort. Bei optimaler Therapie hat jedoch die Mehrzahl der Betroffenen eine normale Lebenserwartung.
Therapie.Der Patient muss v. a. im akuten Schub ärztlich betreut werden, da verschreibungspflichtige Mittel eingesetzt werden müssen (z. B. Kortison). Beim Auftreten von Komplikationen muss oft operiert werden. Mehr als 50 % der an Morbus Crohn Erkrankten werden mehrmals operiert!
Der Heilpraktiker kann begleitend behandeln. Als unterstützende Maßnahmen kommen Massagen, Bewegungstherapien, Bäder, Packungen (Heublumen, Schlamm, Fango, Moor) in Betracht. Bekannte homöopathische Mittel sind Aloe D3 bis D6 bei dünnbreiigen Stühlen mit Flatulenz und Sphinkterschwäche, Arsenicum album D4 bis D12 bei ruhrartigem, übel riechendem Stuhlgang, der von Bauchkrämpfen, brennenden Schmerzen und Erschöpfung begleitet ist, Bryonia D4 bis D6 bei vorwiegend nächtlichen Entleerungen, gussartig mit Schleimbeimengung.
Bei Malabsorption muss substituiert werden, z. B. Vitamin B12, fettlösliche Vitamine, Elektrolyte, Eisen, auch andere Bedarfsstoffe wie Eiweiße und Kalorien. Es sollte eine Ernährungsberatung erfolgen, wobei Speisen, die nicht vertragen werden, gemieden werden müssen.

Sprue bzw. Zöliakie

Bei der einheimischen SprueSprue (ZöliakieZöliakie) handelt es sich um eine Überempfindlichkeit der Dünndarmschleimhaut gegen Gluten. Gluten ist in der Klebereiweißschicht des Getreides (Roggen, Hafer, Gerste, Weizen) enthalten. Leitsymptom sind die massiven Fettstühle und die folgende Malabsorption. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zur Atrophie der Zotten (Atlas Abb. 9-72 B).
Tritt die Erkrankung beim Erwachsenen auf, so wird sie als Sprue bezeichnet, bei Kindern spricht man von Zöliakie. In zwei Drittel der Fälle manifestiert sich die Erkrankung bereits im Säuglingsalter, und zwar wenn erstmals Getreideprodukte gefüttert werden. Ein 2. Erkrankungsgipfel liegt um das 40. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Sprue bzw. Zöliakie

Ursache: Überempfindlichkeit gegen Gluten.
Ursache und Pathogenese.Werden glutenhaltige Nahrungsmittel verzehrt, kommt es im Darm zu einer immunologischen Reaktion mit Bildung von Antikörpern gegen die Darmschleimhautzellen. Diese Antikörperbildung führt zu einer starken Veränderung der Dünndarmschleimhaut, die bis zur Zottenatrophie fortschreiten kann (Atlas Abb. 9-72). Die Folge der Zottenatrophie ist, dass die Verdauungsenzyme nicht mehr ausreichend produziert werden können. Dies führt zur Maldigestion, die sich meist zuerst in einer Störung der Fettverdauung zeigt, die wiederum zu Mangelzuständen an fettlöslichen Vitaminen führt.
Symptome.Nach dem Verzehr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln, kommt es zu voluminösen, breiigen, übelriechenden, grau-weißlich-glänzenden Durchfällen. Da die fettlöslichen Vitamine in den Fetten eingeschlossen vorkommen, zeigen sich Vitaminmangelzustände der fettlöslichen Vitamine A, D, E und K. Außerdem kann es zu Gewichtsabnahme und allgemeiner Schwäche kommen, zudem je nach Mangelzuständen auch zu Anämie (durch Eisenmangel), Ödemen (durch Eiweißmangel), Osteomalazie bzw. Rachitis (durch Kalzium- und Vitamin-D-Mangel) und zu einer vermehrten Blutungsneigung (durch Vitamin-K-Mangel).
Sonderverlaufsformen.Es ist zu beachten, dass es auch atypische Verläufe gibt, bei denen gastrointestinale Beschwerden fehlen.
  • atypische Sprue. Bei diesen Patienten treten Hauterscheinungen auf, wie Erytheme oder herpesähnliche Bläschen, außerdem Eisenmangelanämie, Osteomalazie und andere Mangelerscheinungen. Entsprechende Antikörper (IgG, IgA) gegen Gluten und Strukturen der Dünndarmschleimhaut können im Blut nachgewiesen werden.

  • asymptomatische Sprue („silent Sprue“). Bei diesen Patienten lassen sich entsprechende Antikörper und Dünndarmschleimhautveränderungen nachweisen, ohne dass Krankheitssymptome auftreten.

  • potenzielle Sprue. Von einer potenziellen Sprue spricht man, wenn man entsprechende Antikörper findet, bei sonst normaler Dünndarmschleimhaut.

Komplikationen.Bei unbehandelter Sprue oder infolge von Diätfehlern kann es zur Zöliakiekrise mit massiven wässrigen Durchfällen und nachfolgender Exsikkose kommen. Nach langjährigem Verlauf, besteht ein erhöhtes Entartungsrisiko der Darmschleimhaut.
Diagnose.Die Darmspiegelung zeigt eine Zottenatrophie, Kryptenhyperplasie bzw. eine Vermehrung der Lymphozyten im lymphatischen Gewebe des Darmes. Es sollte gleich eine Biopsie mit auffolgender histologischer Untersuchung der Dünndarmschleimhautzellen erfolgen. Im Blut können bestimmte Antikörper nachgewiesen werden. Der wichtigste Antikörper ist der IgA-Anti-Transglutaminase (Anti-TG). Bei einigen an Sprue-Patienten kommt allerdings ein genereller IgA-Mangel vor. Bei diesen wird beim IgA-Nachweis ein falsch negativer Befund erhoben.
Therapie.Die Betroffenen müssen eine streng glutenfreie Kost einhalten, d. h. glutenhaltige Getreideprodukte müssen gemieden werden. Dies stellt im Alltag oft eine erhebliche Einschränkung dar, da Gluten auch versteckt in Soßen, Suppen, Würsten, Gewürzen u. a. enthalten ist. In fast allen Fertigsuppen befindet sich Glutamat, ein Geschmacksverstärker, der aus Gluten hergestellt wird. In den ersten Monaten der Behandlung müssen auch Milchprodukte gemieden werden. Grund ist ein sekundärer Laktasemangel, der sich durch die Schädigung der Dünndarmschleimhaut eingestellt hat. Dies führt dazu, dass Milchprodukte nicht mehr aufgeschlüsselt werden können. Fehlende Stoffe, z. B. die fettlöslichen Vitamine, Aminosäuren, Vitamin B12 und Eisen müssen substituiert werden.

Erkrankungen des Dickdarms

Dickdarm:ErkrankungDie wichtigsten Symptome, die auf eine Erkrankung des Dickdarms hinweisen, sind Durchfälle (Diarrhö), Verstopfung (Obstipation), Bauchschmerzen, Darmverschluss (Ileus) und blutiger Stuhl.

Reizdarmsyndrom

Beim ReizdarmsyndromReizdarmsyndrom (ReizkolonReizkolon, Colon Colon irritabileirritabile) handelt es sich um eine funktionelle Störung des Dickdarms, die außerordentlich häufig vorkommt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 20. bis 40. Lebensjahr.
Die Diagnose darf erst gestellt werden, wenn organische Leiden des Dickdarms durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen werden konnten.
Ursachen.Meist handelt es sich um Patientinnen mit einer Somatisierungsstörung (Abschn. 25.2.6).
Symptome.Es kommt zu unterschiedlich starken Schmerzen im Kolonbereich, die „wandern“. Betroffen sind v. a. die rechte und linke Dickdarmbiegung, der Blinddarm und das Sigmoid. Meist können die verkrampften Darmabschnitte bei der Palpation des Abdomens getastet werden. Es kann zu Verstopfung oder breiig bis wässrigen Durchfällen kommen oder Verstopfung und Durchfälle wechseln sich ab. Häufig leiden die Betroffenen auch unter Meteorismus (Blähungen) und Flatulenz (abgehende Winde).

Kennzeichen des Reizkolons

  • kein CRP-Anstieg

  • keine Leukozytose

  • kein Fieber

  • kein Blut im Stuhl

  • keine Gewichtsabnahme

  • keine nächtlichen Schmerzen

Je kürzer die Krankheitsgeschichte und je älter der Betroffene, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es sich um ein Reizdarmsyndrom handelt!
Therapie.Zur Behandlung sind sanfte naturheilkundliche Therapien wie Bach-Blüten, Homöopathie, Akupunktur und Phytotherapie bestens geeignet. Eine psychische Betreuung ist unerlässlich. Meist müssen Lebensgewohnheiten verändert werden und es ist für ausreichende Bewegung zu sorgen. Es dürfen keine stark wirkenden, reizenden Abführmittel verordnet werden. Es muss ein individueller Diätplan erstellt werden, der sich v. a. daran orientiert, dass unverträgliche Lebensmittel gemieden werden.

Diarrhö

DurchfallDiarrhöBitte beachten Sie, dass die meldepflichtigen infektiösen Erkrankungen des Verdauungskanals (Cholera, Shigellenruhr, Enteritis infectiosa, Typhus abdominalis, Paratyphus, Botulismus, Trichinose) gesondert besprochen werden (Abschn. 27), da in diesen Fällen für den Heilpraktiker Behandlungsverbot besteht.
Bei der Diarrhö (Durchfall) kommt es täglich zu mehr als drei Entleerungen von dünnen, breiigen bis wässrigen Stühlen. Aufgrund der beschleunigten Darmpassage konnte dem Stuhl nicht genügend Wasser entzogen werden.
Akute Durchfälle sind oft infektiös bedingt (manchmal auch Angstsymptomatik), chronische sind meist nicht-infektiös bedingt. Bitte beachten Sie zu „blutigen Durchfällen“ Abschn. 9.7.10.

Bei infektiös bedingten Durchfällen (z. B. Salmonellosen) besteht für den Heilpraktiker Behandlungsverbot!

Ursachen.Diarrhö ist keine eigenständige Erkrankung, sondern das Symptom einer zugrunde liegenden Störung des Dünn- oder Dickdarms oder des Pankreas. In folgenden Richtungen kann nach der Ursache gefahndet werden:
  • Infektionen: Bakterien (z. B. Salmonellose, Typhus abdominalis, Cholera), Viren (z. B. Rota-Viren bei Kleinkindern, Parvo-Viren), Pilze, Protozoen (z. B. Amöbenruhr)

  • Reizdarmsyndrom

  • Colitis ulcerosa und M. Crohn

  • Divertikulitis

  • Sprue bzw. Zöliakie

  • Medikamente (Abführmittel, Digitalis, Antibiotika)

  • Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten (Milch, Fischeiweiß), oft bestehen dann gleichzeitig Hauterscheinungen

  • Parasiten (Madenwürmer, Bandwürmer)

  • Schilddrüsenüberfunktion

  • AIDS

  • Vergiftungen durch Schwermetalle (Blei, Zink, Kadmium, Quecksilber) oder Pilze

  • psychische Faktoren, z. B. durch Angstsymptomatik

  • Darmkrebs (Durchfälle meist im Wechsel mit Verstopfung)

  • Diabetes mellitus (durch Neuropathie)

  • Laxanzienabusus

Symptome.Es kommt zur häufigen Entleerung von dünnen Stühlen, die in den meisten Fällen von Tenesmen (krampfartigen Bauchschmerzen) begleitet sind.
Therapie.Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Eine wichtige symptomatische Maßnahme ist: Der Patient muss viel trinken und es müssen die Elektrolyte ersetzt werden.

Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt es bei Durchfall sehr schnell zur Austrocknung, evtl. schon innerhalb von Stunden!

Obstipation

Bei ObstipationObstipation (VerstopfungVerstopfung) kommt es zur verzögerten Entleerung eines harten, oft knolligen Stuhles. Meist wird eine Stuhlfrequenz, die zwischen dreimal täglich bis dreimal wöchentlich liegt, als normal angesehen. Ein wichtiges Kriterium sollte aber sein, ob der Patient angibt, dass er sich „verstopft fühlt“!
Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Störung nimmt mit zunehmendem Lebensalter zu (ca. 25 % der über 60-Jährigen).
Ursachen.Die Ursache kann in einem verzögerten Transport des Speisebreis durch den Darm liegen oder in einer Störung der Defäkation (Absetzen des Stuhls).
  • verzögerter Transport des Speisebreis

    • spastische Obstipation: durch Verkrampfung der Darmmuskulatur

    • atonische Obstipation: durch Erschlaffung der Darmmuskulatur. Beide Veränderungen können in verschiedenen Darmabschnitten zur gleichen Zeit vorkommen. Verstärkend auf die Erkrankung wirken sich fehlende Bewegung, ballaststoffarme Ernährung und eine Schädigung der Darmwand (z. B. durch Tumor) aus.

  • gestörte Defäkation (Absetzen des Stuhls). Hier können psychische Einflüsse eine wichtige Rolle spielen. Man muss aber auch eine schwache Bauchmuskulatur und eventuell Erkrankungen im Analbereich wie Hämorriden, Tumoren, Entzündungen und Verwachsungen in Erwägung ziehen. In diesen Fällen kann sich aus Angst vor den Schmerzen bei der Defäkation eine Obstipation entwickeln.

Grundsätzlich kommt bei Verstopfung eine Vielzahl von Ursachen in Betracht: Ernährungsfehler, Ernährungsumstellung (z. B. auf Reisen), Bewegungsmangel, zu geringe Trinkmenge, Unterdrückung des Defäkationsreizes (keine Zeit für den Stuhlgang!), Kaliummangel, Schilddrüsenunterfunktion, Schwangerschaft, Reizdarm, Medikamente (z. B. Eisenpräparate, Antidepressiva, Neuroleptika, Diuretika), Fieber, Bettlägerigkeit, entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Divertikulitis), Diabetes mellitus (durch Neuropathie), stenosierende Prozesse im Darm (z. B. Darmtumoren, Hernien).
Es kommen auch Elektrolytstörungen in Betracht. Hier spielt v. a. Kalium eine wichtige Rolle. Durch Abführmittelmissbrauch kommt es durch die dadurch ausgelösten Durchfälle zum Elektrolytverlust, v. a. zum Kaliumverlust. Kaliumverlust führt zu Muskelschwäche und damit auch zur Darmträgheit. Deshalb werden wiederum Abführmittel (evtl. in höherer Dosis) genommen, wodurch es wiederum zu Durchfällen und weiterem Kaliumverlust kommt. Es handelt sich also um einen Circulus vitiosus (Teufelskreis).
Komplikationen.Hämorriden, Divertikulose, Kotsteine (Kotknollen), Darmkrebs.
Laxanzienkolon.Diese chronische Diarrhö geht einher mit sekundärer Hypokaliämie, Weitstellung und fehlende Haustrierung im aufsteigenden Dickdarmteil und Dickdarmmelanose, das heißt mit einer Schwarzfärbung der Schleimhaut.
Therapie.Die Therapie richtet sich nach der zugrundeliegenden Ursache. Symptomatische Maßnahmen: Die Ernährung sollte ballaststoffreich sein. Es muss langsam gegessen und gut gekaut werden; genügend Zeit für den Stuhlgang einräumen! Es ist auf eine ausreichende Trinkmenge (1 bis 2 Glas Wasser vor den Mahlzeiten) und auf ausreichende Bewegung zu achten.
Es können Darmmassagen, Yoga-, Entspannungs- und Atemübungen empfohlen werden.
Es gibt eine Vielzahl von Tees, die einer Obstipation entgegenwirken: Sennesblätter, Faulbaumrinde und Aloe. Allerdings dürfen diese keinesfalls unbedenklich und über längere Zeit eingenommen werden, da sie die Obstipation verstärken (s. o.) und zum Laxanzienkolon führen. Bekannte salinische Abführmittel sind Bittersalz, Glaubersalz und Karlsbader Salz. Ein wirksames Mittel stellen Einläufe dar, v. a. wenn sich harter Stuhl im Rektum angesammelt hat.

Auch pflanzliche Mittel dürfen bei Obstipation nicht unbedenklich über längere Zeit eingesetzt werden, da sonst die Gefahr eines Laxanzienkolons besteht!

Quellmittel wie Leinsamen und Flohsamen dürfen nur verordnet werden, wenn dazu ausreichend getrunken wird, da sonst die Gefahr eines Subileus oder eines Ileus gegeben ist.

Ileus

Beim IleusIleus (DarmverschlussDarmverschluss) kommt es zu einer lebensgefährlichen Unterbrechung des Speisebreiflusses im Dünn- oder Dickdarm. Man unterscheidet zwischen mechanischem und funktionellem Ileus.
Ursachen: mechanischer Ileus.Es besteht eine Verlegung des Darmlumens. Es wird dabei noch weiter in Obstruktions- und Strangulationsileus unterteilt.
  • Obstruktionsileus. Beim ObstruktionsileusObstruktionsileus kommt es zu einer Verlegung des Darmes ohne Durchblutungsstörung. Das kann z. B. durch verschluckte Fremdkörper, Kotmassen, Wurmknäuel, Darmtumoren oder durch Strikturen infolge abgelaufener Entzündungen der Fall sein. Die häufigste Ursache sind allerdings Verwachsungen des Bauchfells nach früheren Operationen. Wird das Bauchfell durchtrennt, so verliert es oft seine Glätte, und zufällig aufeinandergelagerte Stellen verkleben und verwachsen miteinander. Hierbei bilden sich Nischen und Taschen, in denen sich Darmschlingen verfangen können, sodass die Stelle unpassierbar wird. Kommt es dabei zusätzlich zur Abklemmung der zuführenden Blutgefäße, so liegt ein Strangulationsileus vor.

  • Strangulationsileus. Beim StrangulationsileusStrangulationsileus ist es zur Abschnürung eines Darmabschnitts bei gleichzeitiger Durchblutungsstörung der Darmwand gekommen, z. B. infolge einer Brucheinklemmung (Inkarzerationsileus) oder einer Invagination. Bei einer Invagination hat sich eine Darmschlinge in eine andere eingestülpt. Dies kommt v. a. bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum 3. Lebensjahr vor, bei denen der Darm abnorm beweglich ist, in wenigen Fällen bei älteren Kindern und bei Erwachsenen. Da bei einem Strangulationsileus ein bestimmter Darmabschnitt nicht mehr mit Blut versorgt wird, kommt es zum Absterben des unterversorgten Bereichs.

Ursachen: funktioneller Ileus.Hier liegt eine Störung der Darmbewegung vor.
  • paralytischer Ileus. Es ist zur Darmlähmung gekommen. Die Ursache ist meist eine Bauchfellentzündung, die sich nach einem Magen-, Gallen- oder Blinddarmdurchbruch eingestellt hat. Aber auch stoffwechselbedingte Vorgänge (Hypokaliämie) oder Verschlüsse der Gekrösegefäße (Mesenterialembolien) können zum paralytischen Ileus führen.

  • spastischer Ileus. Es handelt sich um eine akute, reflektorische Dauerkontraktion einzelner Darmabschnitte, z. B. durch Bleivergiftung.

Es kommen auch Mischformen des paralytischen und spastischen Ileus vor.
Symptome.Beim mechanischen Ileus versucht der Darm das Hindernis durch besonders kräftige Darmbewegungen zu überwinden, weshalb es zu so heftigen, anfallsweisen, stechenden Schmerzen kommt, dass sich der Betroffene zusammenkrümmt. Zwischen den einzelnen Attacken liegen schmerzfreie Intervalle.
Gelingt es dem Darm auch durch die heftigen, stundenlangen Anstrengungen nicht, die Blockade zu durchbrechen, so gibt er seine Bemühungen auf. Der mechanische Darmverschluss geht nun in einen paralytischen über. Eine Untersuchung mit dem Stethoskop ergibt dann eine „Grabesstille“ im Bauchraum, da keinerlei Darmgeräusche mehr zu hören sind. Beim paralytischen Ileus bestehen nur mäßige, dumpfe Dauerschmerzen.
Weitere Symptome des Ileus sind Meteorismus (im gestauten Darminhalt vermehren sich die Bakterien rasch) und sobald sich der Abschnitt zwischen Anus und Passagehindernis entleert hat, Stuhl- und Windverhalten. Die Bauchdecke ist anfangs weich, später wird sie durch die zunehmende Abwehrspannung der Bauchmuskulatur hart. Da der Darminhalt nicht mehr auf natürlichem Weg entleert werden kann, wird nun der umgekehrte Weg genommen. Deshalb stellt sich zuerst ein saures Erbrechen ein, da der Mageninhalt entleert wird; danach kommt es zum bitteren Erbrechen, wenn der Inhalt des Zwölffingerdarms erbrochen wird; letztendlich kann es sogar zum Koterbrechen (Miserere) kommen, wenn tiefere Darmabschnitte entleert werden.
Komplikationen.Je nachdem, welche Ursache dem Darmverschluss zugrunde liegt, kommt es bereits nach Stunden oder erst nach einigen Tagen zum Absterben von Darmteilen. Die Folgen davon können ein Darmdurchbruch, eine Bauchfellentzündung, eine Sepsis oder ein Schock sein. Wird ein Darmverschluss nicht rechtzeitig behandelt, führt er zum Tode.
Therapie.Bei Verdacht auf Ileus ist sofortige Krankenhauseinweisung notwendig. In jedem Fall, wenn wir bei einem Patienten einen „brettharten Bauch“ feststellen, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der eine sofortige Krankenhauseinweisung erfordert. Der Patient wird in diesem Fall nicht weiter untersucht, um herauszufinden, was nun die Ursache ist, denn jedes Abtasten oder gar Drücken auf der Bauchdecke könnte, z. B. bei einer vereiterten Appendizitis, zum Durchbruch führen.

Bei „bretthartem Bauch“ den Patienten auf der Liege belassen, sofort Krankenwagen rufen und Patienten nicht weiter bewegen.

Die Lagerung erfolgt nach Wunsch des Patienten, z. B. durch Unterlegen eines Kissens oder einer Knierolle.

Appendizitis

Umgangssprachlich wird die AppendizitisAppendizitis fälschlicherweise als „BlinddarmentzündungBlinddarmentzündung“ bezeichnet. Es hat sich aber nicht der Blinddarm (Caecum) entzündet, sondern der Wurmfortsatz (Appendix vermiformis).
Von der akuten Verlaufsform sind in erster Linie Schulkinder und Jugendliche betroffen.
Ursache.Die Entzündung wird meist durch örtliche Darmkeime ausgelöst. Begünstigt wird sie durch Fremdkörper, die in den Appendix gelangt sind.
Symptome.Bei der akuten Appendizitis beginnen die Beschwerden aus „heiterem Himmel“, unvermittelt mit Übelkeit, Erbrechen und heftigen Schmerzen im Mittelbauch (manchmal auch im Oberbauch), die erst nach Stunden in den rechten Unterbauch ziehen. Die Zunge ist belegt und es besteht Appetitlosigkeit, evtl. auch leichtes Fieber. Es kommt zu einer rektal-axillar gemessenen Temperaturdifferenz von über 0,6 °C. Es entwickelt sich zunächst eine lokale Abwehrspannung.
Eine chronische Appendizitis entwickelt sich meist aus einer akuten heraus. Hierbei kommt es lediglich zu uncharakteristischen, wiederkehrenden Beschwerden im rechten Unterbauch. Eine chronische Appendizitis kann ausheilen oder in eine akute Verlaufsform übergehen, die ihrerseits wieder chronisch werden kann. Bei einer chronischen Appendizitis treten meist nur einige Appendizitissymptome auf.
Komplikationen.Mögliche Komplikationen sind Perforation (s. u.), Peritonitis, Sepsis, Abszessbildung und Ileus (Darmverschluss). Zur Perforation kommt es meist am 2. Krankheitstag. Dabei unterscheidet man zwischen offener und gedeckter Perforation:
  • Bei einer offenen Perforation fließt das eitrige Sekret in die freie Bauchhöhle. Die Darmbakterien verteilen sich in der gesamten Bauchhöhle und werden vom Peritoneum sehr schnell ins Blut aufgenommen. Dies führt zu einer lebensbedrohlichen Sepsis.

  • Bei einer gedeckten Perforation hat sich das große Netz (Omentum majus) auf den entzündeten Appendix gelegt und durch Adhäsion (Verklebung) die Ausbreitung des Eiters in die freie Bauchhöhle verhindert. Es entwickelt sich eine lokal begrenzte Peritonitis mit Eiteransammlung im rechten Unterbauch. Die Schmerzen sind weniger heftig als bei offener Perforation, und sie sind deutlicher lokalisierbar.

Bei einer Perforation treten sehr heftigen Schmerzen auf, die allerdings kurz danach zurückgehen, um einige Zeit später erneut aufzutreten und an Heftigkeit wieder zuzunehmen.
Diagnose.Die Verdachtsdiagnose wird aufgrund der Beschwerden gestellt. Bei der Untersuchung muss beachtet werden, dass es zahlreiche Lagevarianten des Appendix (Atlas Abb. 9-45) gibt, wodurch verschiedene Schmerzlokalisationen bestehen können. Außerdem variiert die Schmerzsymptomatik je nach Lebensalter. So haben ältere Menschen nur geringe Beschwerden, weil ihre körperlichen Abwehrreaktionen auf Entzündungen herabgesetzt sind („Altersappendizitis“). Oft gestaltet sich das Aufdecken einer Schwangerschaftsappendizitis als schwierig, weil es hier durch die anatomischen Veränderungen auch zu einer Veränderung des klinischen Erscheinungsbildes kommt.
Wichtige Stellen, die auf Druckschmerzhaftigkeit geprüft werden sind (Abb. 9-8, Atlas Abb. 9-46):
  • McBurney-Punkt, der in der Mitte auf der gedachten Verbindungslinie vom vorderen rechten oberen Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior) zum Nabel liegt.

  • Lanz-Punkt. Zum Auffinden verbindet man die beiden vorderen oberen Darmbeinstachel miteinander und drückt beim rechtsseitigen Drittelpunkt vorsichtig ein.

  • Rovsing-Zeichen. (spr.: rousing): Beim Ausstreichen des Dickdarmes entgegen seiner natürlichen Transportrichtung kommt es zu Schmerzen (Abb. 9-8, Atlas Abb. 9-47).

  • Blumberg-Zeichen. Es wird eine Stelle im linken Unterbauch eingedrückt und schnell losgelassen. Kommt es daraufhin im Appendixbereich zum Loslassschmerz als Erschütterungsschmerz, so spricht dies für eine Beteiligung des Bauchfells im Appendixbereich.

  • Psoas-Zeichen. Beim Heben des gestreckten rechten Beines gegen Widerstand kommt es im rechten Unterbauch zu Schmerzen.

  • Douglas-Schmerz (rektale Austastung). Dabei wird der Douglas-Raum (tiefster Punkt der Bauchhöhle – bei der Frau zwischen Uterus und Rektum; beim Mann: zwischen Harnblase und Rektum) auf Schmerzhaftigkeit untersucht. Zur Prüfung wird eine rektale Austastung vorgenommen. Diese Untersuchung dient dem Erkennen einer Appendizitis bei einer atypischen Lage des Appendix in der Bauchhöhle.

Blutuntersuchung. Leukozytose mit relativer Lymphopenie, CRP-Anstieg, BKS-Beschleunigung nach 12 bis 24 Stunden.

Appendizitis-Diagnose

Fragen Sie das Kind, ob es Lust hätte, seine Lieblingsspeise zu essen!
Appetit darauf schließt eine Appendizitis mit großer Wahrscheinlichkeit aus!
Differenzialdiagnose.Akutes Abdomen anderer Ursache, Adnexitis (Eileiter- bzw. Eierstockentzündung), Eileiterschwangerschaft, Stieldrehung einer Ovarialzyste, Pyelonephritis, Gastroenteritis, Cholezystitis, Magen-Darm-Geschwür evtl. mit Perforation, M. Crohn, Peritonitis
Therapie.Schon im Verdachtsfall muss der Betroffene in ein Krankhaus eingewiesen werden.

Kolondivertikulitis

KolondivertikulitisDivertikelDivertikel sind sackförmige Ausstülpungen von Wandteilen. Sie können im Verdauungskanal vom Beginn der Speiseröhre bis einschließlich Kolon vorkommen. Man unterscheidet zwischen echten und unechten Divertikeln (Atlas Abb. 9-71).
  • echte Divertikel. Es handelt sich um eine Ausstülpung aller Wandschichten. Ein bekanntes echtes Divertikel ist das Meckel-Divertikel (Atlas Abb. 9-77), das bei ca. 2 % der Bevölkerung besteht. Es handelt sich dabei um eine 2 bis 20 cm lange Ausstülpung des Ileums als angeborene Fehlbildung.

  • unechtes Divertikel (Pseudodivertikel). Durch Lücken der Muskelwand (meist an Gefäßdurchtrittsstellen) kommt es lediglich zum Ausstülpen von Mukosa bzw. Submukosa. So kann sich z. B. am Übergang des Rachens in die Speiseröhre ein Divertikel (Zenker-Divertikel) bilden, da hier ein muskelschwaches Dreieck durch die unterschiedlichen Verlaufsrichtungen der Muskelschichten von Rachen und Speiseröhre besteht (Abschn. 9.4.5).

Divertikulose. Unter DivertikuloseDivertikulose versteht man das zahlreiche Auftreten von Divertikeln. Dabei handelt es sich meist um eine Kolondivertikulose, das heißt um Divertikel, die sich v. a. im absteigenden Dickdarm und im Sigmoid, und zwar an der Durchtrittsstelle von Gefäßen vom Gekröse in die Dickdarmwand ausbilden. Ihr Auftreten wird durch eine anlagebedingte Schwäche der Darmwandmuskulatur, durch ballaststoffarme Ernährung und chronische Obstipation gefördert. Sie tritt bevorzugt im höheren Lebensalter auf (60 % der 80-Jährigen sind betroffen). Eine Divertikulose bleibt im Allgemeinen symptomlos und damit unbemerkt (Atlas Abb. 9-76).
DivertikulitisDivertikulitis. Kommt es zur Entzündung der Divertikel, spricht man von Divertikulitis. Dabei bestehen (erhebliche) Beschwerden.
Ursache.Ist die Entleerung von Darminhalt aus den Kolondivertikeln nicht möglich, verweilen hier Stuhlbestandteile, sodass Darmbakterien eine Entzündung verursachen können.
Symptome.Die Beschwerden ähneln denen einer Appendizitis, spielen sich aber bevorzugt im linken Unterbauch ab, weshalb man von „Linksappendizitis“ spricht. Es kommt zu Schmerzen (oft kolikartig!) im linken Unterbauch und zur Änderung der Stuhlgewohnheiten, das heißt, wenn vorher eher Obstipation bestand, kommt es nun zur Diarrhö – und umgekehrt. Es können sich jedoch auch Verstopfung und Durchfall abwechseln. Es kann zu Völlegefühl, Meteorismus, Übelkeit, Erbrechen und – je nach Krankheitsschwere – zu (hohem) Fieber kommen. Dem Stuhl kann Blut und vermehrt Schleim beigemischt sein. Des Weiteren kann es zu Blasenentleerungsstörungen (Dysurie) kommen.
Komplikationen.Subileus, Ileus, Abszessbildung, Fistelbildung, Perforation.
Differenzialdiagnose.Kolonkrebs, Appendizitis, Colitis ulcerosa, M. Crohn, Ileus.
Diagnose.Eine Divertikulose kann mithilfe einer Koloskopie (Dickdarmspiegelung) diagnostiziert werden. Manchmal wird sie als Zufallsbefund bei anderen Erkrankungen erhoben. Bei Verdacht auf akute Divertikulitis ist die Koloskopie jedoch kontraindiziert! Im Blut findet man eine BKS-Beschleunigung, einen CRP-Anstieg und eine Leukozytose.
Therapie.Symptomlose Divertikel müssen nicht behandelt werden. Allerdings sollte der Betroffene prophylaktisch eine ballaststoffreiche Ernährung zu sich nehmen.
Bei einer leichteren Divertikulitis wird eine leicht verdauliche Nahrung empfohlen. Bei schweren Verläufen muss der Patient ins Krankenhaus eingeliefert werden, damit eine parenterale Ernährung erfolgen kann. Bei rezidivierender Divertikulitis wird schulmedizinisch manchmal der betroffene Darmabschnitt, meist das Sigmoid, operativ entfernt. Einläufe sind wegen bestehender Perforationsgefahr zu vermeiden. Keine Abführmittel verordnen!

Colitis ulcerosa

Colitis Colitis ulcerosaulcerosa ist eine chronisch-rezidivierende Entzündung des Darmentzündung, chronisch-rezidivierendeDickdarms, bei der es zu geschwürigen Darmwandschädigungen kommt (Atlas Abb. 9-74). In den meisten Fällen (> 95 %) ist der Mastdarm in das Entzündungsgeschehen mit einbezogen. Die Schleimhautentzündung breitet sich meist innerhalb des Kolons von distal nach proximal aus (Atlas Abb. 9-73). Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 20. bis 40. Lebensjahr. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Ursachen.Die Ursache ist ungeklärt, man vermutet jedoch dass ein Autoimmungeschehen, Infektionen mit Bakterien (v. a. Chlamydien) und Viren und eine familiäre Häufung eine Rolle spielen.
Verlaufsformen
  • chronisch-rezidivierender Verlauf (85 %). Nach Zeiten kompletter Remissionen (Zurückgehen von Krankheitserscheinungen) können durch psychische und/oder körperliche Belastungen Krankheitsschübe ausgelöst werden. 5 bis 10 % der Betroffenen bleiben nach einem einzigen Krankheitsschub viele Jahre symptomfrei.

  • chronisch-kontinuierlicher Verlauf (10 %). Die Erkrankung läuft in unterschiedlicher Intensität ab, aber es kommt nicht zu vollständigen Remissionen.

  • akuter fulminanter Verlauf (5 %). Plötzlicher Krankheitsbeginn mit heftigen Tenesmen, Durchfällen und hohem Fieber. Es besteht große Schockgefahr!

Symptome.Aufgrund einer verletzlichen, hochroten, leicht blutenden Schleimhaut kommt es zu blutig-schleimigen Durchfällen. Es kann zu Geschwürsbildungen mit darauf folgenden narbigen Schrumpfungen und Stenosierungen kommen.
Die Ausprägung der Symptome hängt von der Ausdehnung und Schwere des entzündlichen Geschehens ab. Meist ist der Beginn schleichend mit wässrigen Stühlen, denen Schleim und Blut beigemengt sind. Anfänglich unklare Bauchbeschwerden steigern sich zu schmerzhaften Tenesmen.
Nur selten beginnt die Krankheit akut mit Fieber, heftigen Tenesmen und schweren Durchfällen (s. o.).
Komplikationen.Wie bei Morbus Crohn, kann es auch bei Colitis ulcerosa zu Entzündungen an anderen Körperstellen kommen, das ist allerdings seltener der Fall:
  • Haut (Erythema nodosum, Atlas Abb. 9-71, Pyoderma gangraenosum)

  • Gelenke (Arthritis, Spondylitis)

  • Augen (Iritis)

  • Venen (Thrombophlebitis)

  • Leber- und Pankreasentzündungen

Weitere Komplikationen sind Analabszesse, Analfisteln, Gewichtsabnahme, massive Darmblutungen und toxische Kolondilatation („toxisches Megakolon“, eine massive, akute Dilatation des Kolons durch eine Schädigung der Darmwandnerven mit hohem Fieber, Tachykardie, Erbrechen, Subileus, akutem Abdomen und evtl. Schock). Eine weitere seltene Spätkomplikation ist die Amyloidose (Ablagerung fibrillärer Eiweiße führt zur Behinderung des Stoffaustausches in Organen).
Das Entartungsrisiko korreliert mit der Dauer der Erkrankung und dem Ausmaß der Kolonbeteiligung. Nach 8- bis 12-jähriger Erkrankungsdauer werden jährliche Koloskopien empfohlen, da nach 15 Jahren das Krebsrisiko um ca. das Dreifache erhöht ist.
Kommt es zu Darmperforation und Peritonitis, handelt es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand, der eine sofortige Krankenhauseinweisung erfordert.
Diagnose.Koloskopie mit Biopsie, Anusinspektion, digitale Austastung des Rektums, Ultraschalluntersuchung, Röntgen, bakteriologische Stuhluntersuchung (zum Ausschluss einer infektiösen Kolitis).
Differenzialdiagnose.Morbus Crohn, Divertikulitis, infektiöse Kolitis, Durchfälle bei AIDS, medikamenteninduzierte Durchfälle, Nahrungsmittelallergien (einschließlich Glutenunverträglichkeit), Kolonkarzinom.
Therapie.Da verschreibungspflichtige Medikamente eingesetzt werden müssen, kann der Heilpraktiker nur begleitend zum Arzt behandeln.
Die Therapie muss dem Schweregrad der Erkrankung angepasst sein. In leichten Fällen genügt oft eine Ernährungsumstellung auf ballaststoffarme Kost und psychische Betreuung. In schweren Fällen ist eine Einweisung ins Krankenhaus notwendig, da die Ernährung nur noch intravenös erfolgen kann.
Bei Versagen der konservierenden (bewahrenden) Maßnahmen kann es notwendig sein, Teile des Rektums bzw. des Dickdarms oder auch den gesamten Dickdarm (Proktokolektomie) operativ zu entfernen. Colitis ulcerosa gilt durch operative Maßnahmen als heilbar, im Unterschied zum M. Crohn, der auch nach der operativen Entfernung des entzündeten Darmabschnitts meist fortschreitet.

Dickdarmtumoren und Dickdarmkrebs

Krebs:DickdarmKolonkarzinomDickdarmkrebsIm Dickdarm kommen gut- und bösartige Tumoren vor.
Gutartige Tumoren.Es handelt sich (meist) um Schleimhautpolypen, die mit steigendem Lebensalter gehäuft vorkommen. Sie verursachen anfangs keine Beschwerden, erst bei Verletzungen machen sie sich durch Blutungen bemerkbar. Ihr Entartungsrisiko hängt von der Polypengröße (unter 1 cm unter 1 %, über 2 cm bis 50 %), dem Dysplasiegrad und der Histologie ab. Wegen ihres Entartungsrisikos werden Polypen in der Schulmedizin entfernt (Atlas Abb. 9-66).
Polypen kommen im Dickdarm nur selten allein vor. Liegen mehr als 100 Polypen vor, spricht man von Polyposis.
Bösartige Tumoren.Dickdarmkrebs entwickelt sich häufig im Rektum (Atlas Abb. 9-78), meist zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr. Bei rechtzeitiger Diagnosestellung ist die Prognose günstig. Allerdings bestehen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits bei jedem 4. der Betroffenen Lebermetastasen.
Symptome bei Dickdarmkrebs.Darmkrebs entwickelt sich anfangs schleichend, ohne besondere Beschwerden. Im weiteren Verlauf kommt es zur Änderung der Stuhlgewohnheit (Abschn. 9.7.6 Kolondivertikulose) bzw. Obstipationen und Diarrhöen wechseln sich ab. Schmerzen und Blutbeimengung im Stuhl sind immer wichtige Verdachtsmomente auf Darmkrebs. In diesem Fall muss eine Krebserkrankung immer durch geeignete Untersuchungsmethoden ausdrücklich ausgeschlossen werden. Zu beachten ist ferner, dass ungefähr in der Hälfte der Fälle von Darmkrebs gleichzeitig Hämorriden bestehen. Deshalb muss bei einem Hämorridalleiden immer eine sorgfältige Abklärung erfolgen.
Später kommt es zu Abgeschlagenheit, unwillkürlichem Stuhlabgang, Meteorismus, Flatulenz, Müdigkeit, Gewichtsverlust, Anämie, Schmerzen und evtl. tastbarem Tumor; im Spätstadium dann Ileus, Darmperforation und Fistelbildungen.

Leitsymptome bei Dickdarmkrebs

  • Blutbeimischung im Stuhl

  • Änderung der Stuhlgewohnheit

  • unwillkürlicher Stuhlabgang

  • Meteorismus, Flatulenz

Hämorridalleiden

HämorridalleidenHämorriden (auch: Hämorrhoiden) sind knotenförmige Erweiterungen bzw. Hyperplasien (Größenzunahme durch Vermehrung der Zellzahl) der Schwellkörper, die in den Aftersäulen des Analkanals (Atlas Abb. 9-37) liegen. Bei diesen Schwellkörpern handelt es sich um Gefäßgeflechte, die die Aufgabe haben, den After gasdicht zu verschließen. Vergrößern sich einzelne Abschnitte des Schwellkörpers, so bilden sich innere Hämorriden (Atlas Abb. 9-80).
Äußere Hämorriden (Atlas Abb. 9-82) dagegen spielen sich in den oberflächlichen Hautvenen in der Analregion ab. Bei diesen handelt es sich meistens um perianale Hämatome nach einer Venenruptur. Hämorriden sind ein ausgesprochen weitverbreitetes Leiden.
Ursachen.Bewegungsmangel, ballaststoffarme Ernährung, Bindegewebsschwäche, häufige Verstopfung und starkes Pressen beim Stuhlgang (v. a. das sog. Nachpressen), Abführmittel und dadurch verursachte Diarrhöen.
Verschlechternd auf die Beschwerden wirken sich scharfe Gewürze, Kaffee, Nikotin sowie Alkohol aus.
Diagnose.Rektale Austastung, Rektumspiegelung, evtl. Röntgenkontrastdarstellung.

Ungefähr die Hälfte aller Patienten mit Dickdarmkrebs leidet gleichzeitig unter Hämorriden. Deshalb bei auftretenden Blutungen nie einfach nur auf Hämorroiden behandeln, ohne einen Darmkrebs ausgeschlossen zu haben.

Krankheitsstadien
  • 1.

    Stadium. In den Aftersäulen haben sich kleine Knoten gebildet, die von außen nicht erkennbar sind. Es kann beim Stuhlgang zu hellroten Blutungen kommen (Bitte denken Sie daran, dass bei solchen Blutungen ein Rektumkarzinom ausgeschlossen werden muss!). In diesem Stadium bestehen keine Schmerzen, da die Darmschleimhaut schmerzunempfindlich ist.

  • 2.

    Stadium. Die Knoten haben sich vergrößert und werden beim Stuhlgang unter Schmerzen vor die Afteröffnung gepresst. Nach dem Stuhlgang wandern die Knoten von alleine wieder in den Afterkanal zurück. Da die Afterschleimhaut im Unterschied zur Darmschleimhaut schmerzempfindlich ist, kommt es in diesem Stadium zu starken Schmerzen. Die Blutungen gehen in diesem Stadium meist zurück.

  • 3.

    Stadium. Die Hämorridalknoten sinken weiter nach außen und bleiben nun auch nach dem Stuhlgang dauerhaft vor dem After liegen. Sie können jedoch mit dem Finger wieder reponiert (zurückgeschoben) werden. In diesem Stadium kommt es zu Juckreiz, Schmerzen und Blutungen. Es kann sich eine beginnende Inkontinenz einstellen, d. h. eine Unfähigkeit Winde und Stuhl willentlich zurückzuhalten.

  • 4.

    Stadium. Die Hämorridalknoten sind nicht mehr reponierbar, sondern liegen ständig vor dem After. Liegen die Hämorridalknoten längere Zeit vor dem After, bilden sie sich zu Marisken um. Bei Marisken handelt es sich um derbe, schlaffe Hautfalten, die sich beim Pressen nicht mehr mit Blut füllen und sich auch nicht reponieren lassen.

Symptome.Jucken, Brennen, evtl. dumpfen Schmerzen in der Afterregion. Typischerweise findet man auf dem Stuhl blutige Auflagerungen. Außerdem kann es zu Analschleimhautvorfall, Analekzemen, Fissuren und Analgeschwüren kommen.
Komplikationen.Mögliche Komplikationen sind starke Blutungen, Anämie, Stuhlinkontinenz, Analprolaps, Einklemmen (Inkarzerieren) von Hämorridalknoten, die nicht mehr in den Analkanal zurückgeschoben werden können. Solche eingeklemmten Knoten verursachen heftigste Schmerzen. Zudem kann es zu einer Hämorridalthrombose kommen, d. h. zur lokalen Bildung eines Blutgerinnsels mit Entzündung, wodurch ebenfalls starke Schmerzen verursacht werden.
Allgemeine Therapiemaßnahmen.Es muss mit geeigneten Mitteln für eine geregelt Verdauung gesorgt werden. Nachpressen beim Stuhlgang soll möglichst vermieden werden. An pflanzlichen Mitteln haben sich v. a. Eichenrinde (Quercus cortex), Zauberstrauch (Hamamelis virginiana) und Mäusedorn (Ruscus aculeatus) bewährt. Bei akuten Entzündungen sind Quarkauflagen wohltuend, da diese kühlend wirken und Entzündungen abbauen.
Zu meiden sind Abführmittel, scharfe Gewürze, Nikotin, Kaffee und Alkohol.
Schulmedizinische Therapien
  • Verödung (Sklerotherapie). Dazu wird ein Verödungsmittel in Höhe der Knoten unter die Rektumschleimhaut gespritzt. Das Mittel führ zu einer Zerstörung der Endothelzellen und damit zur Ausbildung einer Thrombose. Dies löst einen bindegewebigen Umbau aus. Das so entstandene Bindegewebe bildet sich dann innerhalb weniger Wochen zurück.

  • Gummibandligatur (Abschnürung). Dazu wird ein Gummiring um den Knoten gelegt, sodass dieser von der Blutzufuhr abgeschnitten ist und nach ungefähr einer Woche abfällt. Komplikationen sind bei dieser Methode nur selten. Gelegentlich kommt es zu stärkeren Blutungen.

  • Hämorridektomie. Dabei werden die Hämorridalknoten operativ abgetragen.

„Blut im Stuhl“

Blut im StuhlBeim blutigen Stuhl liegt eine Beimengung von rotem oder schwarzem Blut im Stuhl vor.
Wichtigste Differenzialdiagnosen.Blut im Stuhl wird meist durch folgende Faktoren hervorgerufen:
  • rotes Blut. Das Blut stammt aus den unteren Darmabschnitten (Ausnahmen s. u.). Ist hellrotes Blut dem Stuhl aufgelagert, so stammt es aus dem Rektum oder dem Analkanal. Mögliche Blutungsquellen sind Hämorriden, Rektumkrebs, Polypen, Rektumgeschwüre und Fissuren.

  • schwarzes Blut (Teerstuhl). Kommt das Hämoglobin des Blutes mit der Salzsäure, die im Magen gebildet wird, in Berührung, so bildet sich das schwarze Hämatin, das dann zum sogenannten Teerstuhl führt. Blutungsquellen, deren Blut mit der Salzsäure des Magens in Berührung kommen können, sind der Nasen-Rachen-Raum, Speiseröhre, Magen und der obere Duodenumabschnitt, Blutungsquellen, die darunter liegen, bilden, bis auf die nachstehend genannten Ausnahmen, keine Teerstühle mehr.

  • okkultes Blut:okkultesBlut (lat. occultus = verborgen). Mit okkultem Blut meint man, dass das Blut im Stuhl mit bloßem Auge nicht feststellbar ist. Okkult bezieht sich aber auch auf die Blutungsquelle, die in diesem Fall unbekannt ist, da sie im gesamten Verdauungskanal liegen kann. Bei okkultem Blut ist das beigemengte Blut nur so gering, dass man es nur mittels eines speziellen Verfahrens nachweisen kann. Diesen Nachweis kann der Heilpraktiker mittels sog. Testbriefen (z. B. Hämoccult®) selbst führen.

Weitere Differenzialdiagnosen.Bei den differenzialdiagnostischen Überlegungen sollte auch noch Folgendes bedacht werden:
  • Blut, das länger als acht Stunden im Darm bleibt, zersetzt sich und es kommt zur Schwarzfärbung.

  • Massive Blutungen aus dem Magen können den Magen-Darm-Kanal so schnell passieren, dass sie nicht mit Salzsäure in Verbindung kommen und deshalb keine Schwarzfärbung einsetzt. Es wird dann flüssiges, rotes Blut entleert (selten).

  • Wenn der Magen keine Salzsäure enthält, so kommt es auch bei Blutungen aus dem oberen Magen-Darm-Trakt nicht zu Teerstühlen (selten).

Krebsverdachtszeichen!

Blut im Stuhl kann ein Hinweis auf eine Krebserkrankung sein. Deshalb muss in jedem Fall die Blutungsquelle festgestellt werden. Dazu müssen geeignete klinische Untersuchungsmöglichkeiten in die Wege geleitet werden!

Erkrankungen des Bauchfells

Peritonitis

Bauchfell:ErkrankungEine PeritonitisPeritonitis ist eine lebensgefährliche Entzündung des Bauchfells, die akut oder chronisch verlaufen kann. Sie hat eine Letalität von 50 %.
Ursachen.Die Entzündung des Bauchfells erfolgt fast immer sekundär, das heißt, es liegt an einer anderen Stelle der primäre Erkrankungsherd vor, von dem aus die Entzündung auf das Bauchfell übergreift: z. B. Appendizitis, Magen- oder Darmperforation, Entzündung oder Perforation der Gallenblase, des Pankreas oder der weiblichen Genitalorgane.
Es handelt sich in 95 % der Fälle um eine infektiös bedingte Entzündung mit Darmkeimen als „Durchwanderungsperitonitis“. Nur selten erfolgt die Infektion durch exogene Kontamination (z. B. Messerstich oder bei Peritonealdialyse) oder durch hämatogene Streuung.
Einteilung nach Ausdehnung
  • lokale Peritonitis (Peritonitis circumscripta) in der näheren Umgebung der Infektionsquelle, z. B. bei Appendizitis.

  • diffuse Peritonitis (Peritonitis diffusa) Ausbreitung der Entzündung in die gesamte Bauchhöhle.

Symptome.Eine beginnende Peritonitis ist nicht leicht zu erkennen.
Die wichtigsten Symptome der fortgeschrittenen Peritonitis sind:
  • plötzliche bzw. zunehmend heftiger werdende Bauchschmerzen

  • Abwehrspannung beim Betasten des Bauches, später kommt es zum „brettharten Bauch“, das heißt, die Abwehrspannung besteht ständig

  • Loslassschmerz

  • Einnahme einer Schonhaltung

  • Darmlähmung, im Stethoskop sind keine Darmgeräusche mehr zu hören („Grabesstille im Stethoskop“)

  • Obstipation, Meteorismus sowie Übelkeit und Erbrechen

  • evtl. Fieber bzw. Differenz zwischen axillarer und rektaler Messung über 1 °C

  • evtl. Schock: Tachykardie, Blutdruckabfall, kalter Schweiß

Notfallmaßnahmen bei akuter Peritonitis:

  • unverzügliche Verständigung des Notarztes,

  • Patient darf sich nicht mehr bewegen, sondern muss liegend den Krankenwagen abwarten.

Wurmerkrankungen

WurmerkrankungMan unterscheidet Fadenwürmer und Bandwürmer. Zu den FadenwurmFadenwürmern (NematodeNematoden) zählen Spulwürmer, Madenwürmer und Trichinen.
Bitte beachten Sie zu den Wurmerkrankungen auch die Echinokokkose (Abschn. 27.2.3) und die Trichinose (Abschn. 27.2.23) Bei diesen beiden Erkrankungen ist der Mensch allerdings Zwischenwirt. Bei den Spul-, Maden- und Bandwürmern, die nachstehend besprochen werden, ist er dagegen Wirt.

Spulwurmbefall

SpulwurmbefallDurch unsachgemäße Kopfdüngung („Fäkaliendüngung“) können Gemüse, Salat und Obst mit Wurmeiern verunreinigt werden (Atlas Abb. 9-80). Die so befallenen Menschen scheiden sehr widerstandsfähige Eier aus und sind damit infektiös.
Spulwürmer kommen weltweit vor; die Weibchen werden 20 bis 25 cm, die Männchen etwa 15 bis 17 cm lang.
Pathogenese.Nachdem die Wurmeier mit der Nahrung in den Dünndarm gelangt sind, schlüpfen dort die Larven aus. Sie dringen durch die Darmwand in die Darmvenen ein und lassen sich in die Leber transportieren. Von hier aus gelangen sie nach fünf bis zehn Tagen über das rechte Herz in die Lunge. Sie durchwandern die Alveolenwand und werden durch Hustenstöße in den Kehlkopf befördert. Von hier aus gelangen sie durch Verschlucken wieder in den Dünndarm, wo sie Geschlechtsreife erlangen. Die Eiablage beginnt ungefähr 70 Tage nach dem Wurmbefall (Atlas Abb. 9-86).
Symptome.Hält man sich diese Wanderung der Larven im Körper vor Augen, so werden die Symptome unmittelbar einsichtig:
  • Wanderung der Larven im Blut. Evtl. kommt es zu Fieber und allergischen Reaktionen auf die Stoffwechselprodukte der Würmer. Im Blut ist eine Eosinophilie nachweisbar.

  • Wanderung der Larven im Atmungstrakt. Es treten Reizhusten und Bronchitis auf. In der Lunge findet man im Röntgenbild eosinophile Lungeninfiltrate.

  • Festsetzung der Würmer im Darm. Es kommt zu Oberbauchbeschwerden mit Durchfällen und Verstopfung, die sich abwechseln können, außerdem zu Appetitlosigkeit, Nervosität und Schlafstörungen.

Bitte beachten Sie, dass in 85 % der Fälle keine Beschwerden auftreten! In neuerer Zeit wurde festgestellt, dass Kinder, die von Spulwürmern befallen waren, ein niedrigeres Allergierisiko haben als Kinder, die keine Spulwürmer hatten.
Komplikationen.Gelangen Würmer in den Magen, so werden sie eventuell erbrochen, dringen sie in den Gallengang, kann es zum Verschlussikterus kommen. Bei Befall des Wurmfortsatzes (Appendix) treten appendizitische Erscheinungen auf, bei Knäuelbildung der Spulwürmer im Dünndarm droht ein Darmverschluss (Ileus), beim plötzlichen Absterben der Würmer (z. B. durch eine Wurmkur) kann es zu Krämpfen bzw. zum Schock kommen.
Diagnose.Im Stuhl können mikroskopisch Wurmeier nachgewiesen werden, im Blut eine Eosinophilie. Bitte beachten Sie, dass der Heilpraktiker nach § 44 IfSG keinen mikroskopischen Nachweis von Wurmeiern führen darf. Es kann zum Abgang von Spulwürmern im Stuhl kommen, evtl. zum Erbrechen von Würmern oder (selten) zum Austritt aus der Nase oder dem Mund.
Therapie.Die Abtreibung der Spulwürmer gelingt nur schwer. Deshalb müssen hier stärker wirkende und nicht ungefährliche Mittel zum Einsatz kommen (Mebendazol, Pyrantel), weshalb die Therapie dem Arzt überlassen bleibt.

Madenwurmbefall

Der MadenwurmbefallMadenwurmbefall wird als EnterobiasisEnterobiasis und OxyuriasisOxyuriasis bezeichnet.
Madenwürmer sind Darmparasiten von ungefähr 0,5 bis 1 cm Länge, von denen in erster Linie Kinder befallen werden. Die Würmer halten sich im untersten Dünndarmabschnitt, im Blinddarm und im übrigen Dickdarm auf. Allerdings müssen die Weibchen zur Eiablage den Darm verlassen, da sich die Eier nur in Anwesenheit von Sauerstoff entwickeln können. Deshalb wandern die Weibchen nachts zum After, um in den Analfalten ihre Eier abzulegen. Innerhalb weniger Stunden liegen infektiöse Larven vor.
Ansteckung.Die Ansteckung erfolgt zum einen durch Retroinfektion, das heißt, die am After ausgeschlüpften Larven wandern in den Darm zurück. Zum anderen erfolgt aber auch eine Selbstinfektion, und zwar über den After-Finger-Mund-Weg. Die Kinder kratzen sich am juckenden After, die Eier (Atlas Abb. 9-87) gelangen dabei unter die Fingernägel. Später wird der Finger in den Mund gesteckt und die Eier verschluckt. Außerdem ist eine Ansteckung über verunreinigte Lebensmittel, durch Schmierinfektion über Gegenstände und durch erregerhaltigen Staub möglich.
Symptome.Beschwerden treten nur bei ungefähr 20 % der Betroffenen auf. Im Vordergrund steht der nächtliche Juckreiz in der Analgegend, der zu Schlafstörungen führen kann. Als Folge der Schlafstörungen kommt es tagsüber zu Unruhe, Nervosität, Konzentrationsstörungen und Leistungsschwäche. Durch das Kratzen kann es zu Analekzemen kommen.

Bei einem Analekzem bei einem Kind immer einen Madenwurmbefall in Betracht ziehen!

Diagnose.Manchmal kann die Diagnose schon durch die Beobachtung der Würmer im Stuhl erfolgen. Der Nachweis der Wurmeier kann durch Analabstriche oder durch die Zellophan-Klebestreifen-Methode geführt werden. Dazu wird ein Klebestreifen auf die Analpartie aufgebracht, anschließend wird der Klebestreifen mikroskopiert. Eventuell können die Eier auch im Fingernagelschmutz oder im Nasenschleim gefunden werden. Bitte beachten Sie, dass der Heilpraktiker nach § 44 IfSG keinen mikroskopischen Nachweis von Wurmeiern führen darf.
Stuhluntersuchungen erbringen nur in 5 % der Fälle einen positiven Befund.
Therapie.Beim Durchführen einer Wurmkur muss peinliche Sauberkeit herrschen. Dabei Fingernägel kurz halten, häufig Hände waschen, Bett- und Leibwäsche muss oft gewechselt werden (Wäsche kochen!). Bei Kindern muss darauf geachtet werden, dass sie sich nicht in der Analregion kratzen (z. B. dichte Höschen tragen lassen), Finger eventuell mit einer ihnen unangenehmen Lösung bestreichen, um das Fingerlutschen zu verhüten. Oft muss die ganze Familie behandelt werden. Wirksame naturheilkundliche Mittel zur Behandlung von Madenwürmern sind Knoblauch, Kürbiskerne, strahlenlose Kamille und rohe Mohrrüben. Schulmedizinisch werden Pyrvinium, Pyrantel oder Mebendazol eingesetzt.

Bandwurmbefall

Beim BandwurmbefallBandwurmbefall (TaeniasisTaeniasis) unterscheidet man je nach Zwischenwirt:
  • Rinderbandwurm (Länge ca. 5 bis 10 m), bei uns häufigster Bandwurm (Atlas Abb. 9-89)

  • Schweinebandwurm (Länge ca. 3 bis 5 m)

  • Fischbandwurm (Länge ca. 10 m), bei uns sehr selten

Im Gegensatz zur Echinokokkose (Abschn. 27.2.3) ist bei der hier geschilderten Bandwurmerkrankung der Mensch Wirt, das heißt, er beherbergt in seinem Darm den Wurm. Bei der Echinokokkose dagegen ist der Mensch Zwischenwirt, denn hier leben in ihm die Finnen (Larvenstadium der Würmer). Der Wirt kann bei der Echinokokkose ein Hund, ein Fuchs oder eine Katze sein.
Pathogenese.Der voll entwickelte Bandwurm besteht aus einem Kopf mit vier Saugnäpfen. Mit letzteren heftet er sich an die Darmwand und beginnt zu wachsen. In seinen hintersten Gliedern entwickeln sich Eier, die dann einzeln oder in Kettenform ausgeschieden werden. Gelangen diese Eier in einen Zwischenwirt (z. B. Rind, Schwein), so entwickeln sie sich hier zu Finnen (Larvenstadium). Diese Finnen durchdringen die Darmwand und lassen sich mit dem Blut oder der Lymphe zur quergestreiften Muskulatur transportieren, in der sie sich einkapseln. Wenn das infizierte Fleisch dieses Zwischenwirts gegessen wird, lösen sich die Kapseln mit den Larven durch die Verdauungssäfte auf, und der Bandwurmkopf hakt sich beim Wirt in der Darmwand fest.
Symptome.Meist machen Bandwürmer keine großen Beschwerden. Der Patient bemerkt den Wurmbefall oft selber aufgrund der sich bewegenden Glieder im Stuhl. Es können aber auch wechselnde Oberbauchbeschwerden, blasses Aussehen und Gewichtsabnahme bestehen. Kinder haben oft halonierte Augen (von dunklen Ringen und Furchen umgeben).

Bei Bandwurmbefall besteht oft Beschwerdefreiheit oder es treten folgende Symptome auf:

  • Oberbauchbeschwerden

  • Blässe

  • Gewichtsabnahme

  • halonierte Augen (v. a. bei Kindern)

Therapie.Bekannte pflanzliche Mittel gegen Bandwürmer sind Wurmfarn (verschreibungspflichtig!) und Kürbissamen. Kürbissamen wirken schwächer als Wurmfarn, haben aber den Vorteil der Unschädlichkeit. Da Kürbis den Bandwurm nicht abtötet, sondern ihn nur so lähmt, dass er sich nicht mehr an die Wand anheften kann, muss zwei bis drei Stunden nach der Einnahme ein wirksames Abführmittel genommen werden, damit der Wurm ausgetrieben wird.
Der Stuhl muss immer sorgfältig daraufhin untersucht werden, ob tatsächlich auch der Bandwurmkopf abgegangen ist oder ob nur Endglieder abgestoßen wurden. Schulmedizinisch werden Praziquantel, Niclosamid und Mebendazol eingesetzt.

Zur Überprüfung des Kenntnisstands und als Vorbereitung zur Prüfung empfehlen wir die umfangreiche Fragensammlung zu diesem Thema in Richter: Prüfungstraining für Heilpraktiker. 2000 Prüfungsfragen zum Lehrbuch für Heilpraktiker, 8. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag München 2013.

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