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B978-3-437-58303-2.00001-7

10.1016/B978-3-437-58303-2.00001-7

978-3-437-58303-2

Fachbereiche

  • 1.1

    Psychiatrie4

  • 1.2

    Neurologie4

  • 1.3

    Psychosomatik5

  • 1.4

    Psychologie5

  • 1.5

    Psychotherapie5

Kapitelübersicht

Die PsychiatriePsychiatrie ist eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Fachbereichen. Überschneidungen gibt es mit der Psychotherapie, Psychologie, Psychosomatik und Neurologie, aber auch mit der somatischen Medizin. Wichtig ist zudem eine Unterscheidung der Berufsgruppen, die in der Bundesrepublik Deutschland psychotherapeutisch tätig sein dürfen. Dazu gehören u. a. die Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychologische Psychotherapeuten und Heilpraktiker für Psychotherapie. Die Berufsgruppen lassen sich in mehreren Aspekten voneinander abgrenzen, u. a. im Hinblick auf Ausbildungsweg und -dauer, Berufs- und Gebührenordnung, Verantwortungs- und Tätigkeitsbereich, Rechte und Pflichten.

Psychiatrie

„Psychiatrie, ein Gebiet der Medizin, befasst sich mit der Diagnostik, Therapie und Prävention der seelischen Krankheiten des Menschen einschließlich deren Erforschung und Lehre. Weil bei seelischen Krankheiten auch körperliche Störungen auftreten und weil psychische und soziale sowie somatische Bedingungen an der Entstehung beteiligt sind, muss Psychiatrie (klinisch und wissenschaftlich) sowohl psychologische als auch biologische Vorgehensweisen pflegen.“

R. Tölle

Die Psychiatrie (griech. psyche, Seele; iatrik, ärztliche Heilkunst) ist ein Teilgebiet der Medizin und umfasst die Diagnostik, Therapie und Prävention psychischer (seelischer) Erkrankungen.
Die moderne Psychiatrie geht auf den Arzt Wilhelm Griesinger, WilhelmGriesinger zurück, der Anfang des letzten Jahrhunderts die These vertrat, seelische Erkrankungen seien Erkrankungen des Gehirns. Emil Kraepelin, EmilKraepelin hat in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts erstmals in der Geschichte der Psychiatrie ein Klassifikationssystem für psychische Krankheiten etabliert, das bis in die 1990er-Jahre klinisch bestimmend blieb und schließlich mit der Einführung der ICD (International Classification of Diseases)ICD-10 durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ersetzt wurde. Die Psychiatrie entwickelte dadurch ein neues Krankheitsverständnis.
Durch die Entwicklung und den Einsatz von PsychopharmakotherapieEntwicklungPsychopharmaka wurde die Therapie psychisch kranker Menschen deutlich verbessert. So trugen etwa in der Behandlung der Schizophrenie die Antipsychotika (Neuroleptika) maßgeblich zu einer positiven Wende bei. Zwangsjacken und gewaltsame Fixierungen konnten aus der Routinebehandlung psychischer Psychische StörungenStörungen verbannt und die Krankenhausaufenthalte wesentlich verkürzt werden. In den 1970er-Jahren wurden in den westlichen Ländern seelische Erkrankungen als eigenständige Krankheitsbilder anerkannt. Es setzte eine Reihe von gesetzlichen Reformen ein, die die Behandlungs- und Pflegesituation im Sinne des Patienten verbesserten, eine wohnortnahe Versorgung förderten und weitere Fachkräfte wie Psychologen und Sozialarbeiter in den Behandlungsprozess integrierten.
Die NS-Diktatur bescherte der Psychiatrie in Deutschland ein sehr dunkles Kapitel. Psychisch Kranke, geistig Behinderte und sozial Schwache wurden zu Menschen dritter Klasse diskriminiert. Sie wurden zwangssterilisiert, ausgehungert und ermordet. 150 000 psychisch kranke Menschen wurden im Rahmen des Euthanasieprogramms vernichtet. Die Aufarbeitung dieser verabscheuungswürdigen und menschenverachtenden Vorgänge kam nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik Deutschland nur schleppend in Gang.
Der auf die Teildisziplin Psychiatrie spezialisierte Arzt ist Facharzt für Psychiatrie und Facharztfür Psychiatrie und PsychotherapiePsychotherapie oder kurz PsychiaterPsychiater. Er muss nach dem Medizinstudium eine mindestens 5-jährige Weiterbildung absolvieren, die mit einer Prüfung abschließt. Ein Psychiater befasst sich mit den biologischen und sozialen Aspekten der seelischen Krankheiten, er führt die medikamentöse, sozialtherapeutische und psychotherapeutische Behandlung durch bzw. koordiniert sie. Teilbereiche der Psychiatrie sind z. B. forensische PsychiatrieforensischeForensische PsychiatriePsychiatrie, GerontopsychiatrieGerontopsychiatrie (griech. geron, Greis; psychische Störungen des älteren Menschen) oder SozialpsychiatrieSozialpsychiatrie.

Merke

Psychische Störungen, deren Behandlung den Einsatz von Medikamenten erfordert, gehören auf jeden Fall in den Kompetenzbereich von Ärzten bzw. vorwiegend Psychiatern.

Neurologie

„Neurologie ist die Lehre und Behandlung von organischen Erkrankungen des zentralen, peripheren und vegetativen Nervensystems, und zwar von denjenigen Krankheiten, bei denen psychische Krankheiten nicht im Vordergrund stehen.“

A. Diester

Der spezialisierte Arzt wird als Facharzt für Facharztfür NeurologieNeurologie oder kurz Neurologeals Neurologe bezeichnet. Er ist Spezialist für die organischen Erkrankungen des Nervensystems wie multiple Sklerose (MS) oder Morbus Parkinson. Auch diese Weiterbildung dauert mindestens 5 Jahre und schließt mit einer Prüfung ab. Die Weiterbildung zum Arzt für Nervenheilkunde („Nervenarzt“), die mindestens 6 Jahre beanspruchte und sowohl neurologische als auch psychiatrische Kenntnisse umfasste, ist in der aktuellen Facharztweiterbildung nicht mehr vorgesehen. Der Titel wird aber noch von niedergelassenen Ärzten getragen, die ihn in der Vergangenheit erworben haben. Neurologie und Psychiatrie sind medizinische Fachgebiete, die eine Reihe von Überschneidungen und Gemeinsamkeiten besitzen (Kap. 22).

Psychosomatik

„Psychosomatik ist die Lehre und Behandlung von körperlich in Erscheinung tretenden Krankheiten, die seelisch bedingt oder mit bedingt sind. Die Psychosomatik ist inzwischen ein eigenes medizinisches Fachgebiet geworden.“

H.-J. Möller

Der Begriff Psychosomatik„psychosomatisch“ beinhaltet also die komplexen Einwirkungen seelischer Einflüsse auf die Entstehung und den Verlauf von Erkrankungen, die sich als körperliche Funktionsstörungen sowohl mit als auch ohne Organbefund manifestieren. Dies bedeutet, dass bestimmte Körpersymptome durch psychische Ursachen mit bedingt oder zumindest mit geformt sein können. Dabei kann es sich auch um chronische Belastungs- und Konfliktsituationen handeln, die aus der Biografie des Patienten ableitbar sind und deren Einflüsse sich teilweise bis in die Kindheit zurückverfolgen lassen.
Ein Facharzt für Psychosomatische Medizin und Facharztfür Psychosomatische Medizin und PsychotherapiePsychotherapie hieß vor 2003 „Facharzt für Psychotherapeutische Medizin“; er ist auf die psychotherapeutische Behandlung, Prävention und Rehabilitation von psychosomatischen Erkrankungen spezialisiert (Kap. 2.6).

Psychologie

„Die Psychologie ist die Wissenschaft, die sich mit den Erscheinungen und Zuständen des bewussten und unbewussten Seelenlebens befasst und das Erleben und Verhalten des Menschen in Bezug auf sich selbst sowie auf alle seine Lebensbereiche erforscht.“

G. Laux

Im Studienfach PsychologiePsychologie – wörtlich „Seelenkunde“ – werden Beschreibungen, Erklärungen und Vorhersagen zum Erleben und Verhalten des Menschen erforscht. Die Psychologie ist eine Wissenschaft mit fließenden Übergängen zu anderen Wissenschaften. Ihr nahestehend sind die Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften (v. a. Mathematik und Medizin). Sie beschäftigt sich vornehmlich mit „normalen“ seelischen Vorgängen und Phänomenen des gesunden Menschen. Ein Absolvent des Studiums der Psychologie ist Diplom-Psychologe.

Merke

Nicht jeder Diplom-Psychologe ist automatisch Psychotherapeut! Psychologische Psychologischer PsychotherapeutPsychotherapeuten müssen zusätzlich zum Studium eine definierte psychotherapeutische Ausbildung absolvieren und eine spezielle Prüfung ablegen.

Teilbereiche der Psychologie sind u. a. Arbeits- und Organisationspsychologie, Entwicklungspsychologie, Rechtspsychologie, Schulpsychologie und die klinische Psychologie. Die klinische Psychologie ist der Bereich, der sich insbesondere mit gestörtem psychischem Verhalten und Erleben auseinandersetzt.

Psychotherapie

„Psychotherapie ist das methodische Handhaben psychologischer Verfahren auf emotionaler, kognitiver und verhaltensbezogener Ebene zur Therapie von psychischen oder psychosomatischen Störungen oder Bearbeitung von Lebensproblemen.“

W. Frank

PsychotherapiePsychotherapie (griech., Pflege der Seele) ist die Behandlung psychisch, emotional und psychosomatisch bedingter Krankheiten, Leidenszustände oder Verhaltensstörungen mithilfe wissenschaftlich fundierter psychologischer Methoden durch verschiedene Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation.
Je nach der Form der Psychotherapie geht es bei der Klärung der Krankheitsursachen um die Auseinandersetzung mit dem Unbewussten (z. B. Psychoanalyse, tiefenpsychologische Verfahren oder Gesprächstherapie), oder es wird der Bereich des bewussten Denkens, Empfindens und Handelns ergründet und durchleuchtet (z. B. Verhaltenstherapie). Die Anwendung der Psychotherapie erfolgt durch Ärztlicher Psychotherapeutärztliche und PsychotherapeutpsychologischerPsychologischer PsychotherapeutPsychologische PsychotherapeutärztlicherPsychotherapeuten sowie in beschränktem Umfang durch Heilpraktiker für Psychotherapie.
Die Bezeichnung PsychotherapeutPsychotherapeutärztlicherPsychotherapeut ist in Deutschland seit 1999 durch das Psychotherapeutengesetz (PsychThG)Psychotherapeutengesetz (PsychThG) geschützt und darf nur von Psychologischen Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie ärztlichen Psychotherapeuten geführt werden. Heilpraktiker mit Erlaubnis zur Ausübung der Psychotherapie dürfen zwar nach dem Heilpraktikergesetz eine Psychotherapie bei bestimmten Erkrankungen durchführen, aber nicht die Berufsbezeichnung „Psychotherapeut“ führen.
Ärztliche PsychotherapeutärztlicherÄrztlicher PsychotherapeutPsychotherapeuten sind: Facharzt für Psychosomatische Medizin und Facharztfür Psychosomatische Medizin und PsychotherapiePsychotherapie (früher: Facharzt für psychotherapeutische Medizin), Facharzt für Psychiatrie und Facharztfür Psychiatrie und PsychotherapiePsychotherapie und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Fachgebundene Psychotherapie“ (früher: „Arzt mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie“).
Ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Fachgebundene Psychotherapie“PsychotherapiefachgebundeneFachgebundene Psychotherapie ist ein somatischer Facharzt mit einer Weiterbildung in den psychosozialen Fragen seines Fachs (in der Urologie z. B. die psychogenen Störungen der Sexualfunktion).
Ein Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Facharztfür Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapiepsychotherapie behandelt Kinder und Jugendliche psychiatrisch und psychotherapeutisch.
Ein Psychologischer Psychologischer PsychotherapeutPsychotherapeut ist ein Diplom-Diplom-PsychologePsychologe mit anschließender 3- oder 5-jähriger Psychotherapieausbildung an einem Institut. Er behandelt nach den Psychotherapie-Psychotherapie-RichtlinienRichtlinien mit Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie, Systemischer Therapie (seit 2008) oder Verhaltenstherapie.
Kinder- und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutJugendlichenpsychotherapeuten sind gelernte Psychologen, Sozialpädagogen, Sozialarbeiter oder Lehrer mit anschließender Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.

Verständnisfragen

  • Was sind Psychiatrie, Psychosomatik, Psychotherapie und Psychologie?

  • Nennen Sie mindestens zwei Teilbereiche der Psychiatrie!

  • Welche Ausbildung besitzt ein Psychologischer Psychotherapeut?

  • Welche Ausbildung besitzt ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie?

  • Welche Berufsgruppen dürfen in Deutschland psychotherapeutisch tätig sein?

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