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B978-3-437-58303-2.00007-8

10.1016/B978-3-437-58303-2.00007-8

978-3-437-58303-2

Einteilung derKognitive VerhaltenstherapieKognitive Therapie (nach Beck)PsychotherapiepsychodynamischePsychodynamische TherapiePsychoanalytische TherapiePsychotherapiepsychoanalytischeSystemische PsychotherapieSchematherapiePsychotherapiesystemischePsychotherapiekörperorientiertePsychotherapieinterpersonelle Körperorientierte PsychotherapieKognitiv-behaviorale TherapienInterpersonelle PsychotherapiePsychotherapiehumanistischePsychotherapieerlebnisorientierteHumanistische TherapienErlebnisorientierte TherapienPsychotherapieverfahrenPsychotherapieVerfahrenVerhaltenstherapiePsychotherapiekreative

Tab. 7.1
Therapien Beispiele für Psychotherapieverfahren
Psychodynamische/psychoanalytische (tiefenpsychologische) Therapien „Klassische“ Psychoanalyse, Fokaltherapie (tiefenpsychologisch orientierte Kurzzeittherapie)
Kognitiv-behaviorale Therapien Kognitive Therapie, systematische Desensibilisierung, „klassische“ Verhaltenstherapie, soziales Kompetenztraining
Interpersonelle oder systemische Therapien Interpersonelle Psychotherapie, systemische Familientherapie, Paartherapie
Humanistische/erlebnisorientierte Therapien Gestalttherapie, Psychodrama, klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie
Kreative, körperorientierte, ergänzende spezielle Therapien Kunsttherapie, Musiktherapie, Tanztherapie, bioenergetische Analyse, Muskelrelaxation nach Jacobson, Hynotherapie, autogenes Training, Yoga
Schematherapie Psychoedukation, verhaltenstherapeutische Techniken wie Exposition, systematische Desensibilisierung, Selbstsicherheitstraining, kognitive Umstrukturierung, emotionsfokussierte Techniken wie Imaginationsübungen

Grundlagen der Psychotherapie

  • 7.1

    Definition46

  • 7.2

    Einteilung46

  • 7.3

    Setting47

  • 7.4

    Voraussetzungen47

  • 7.5

    Wirksamkeit48

  • 7.6

    Unerwünschte Effekte49

Kapitelübersicht

PsychotherapieDefinitionPsychotherapie bedeutet die gezielte Anwendung psychologischer Methoden (z. B. psychotherapeutische Gespräche, Entspannungsverfahren oder kognitive Methoden), um Störungen im Denken, Erleben und Verhalten eines Klienten oder Patienten zu behandeln. Sie kann verbal oder nonverbal erfolgen mit dem Ziel, ein bestimmtes Krankheitsbild oder Problem zu beheben. Wissenschaftlich wird Psychotherapie als ein geplanter und kontrollierter Behandlungsprozess definiert, der über lehrbare Techniken beschrieben werden kann und der sich auf eine Theorie normalen und kranken Verhaltens bezieht. Ihre Wirksamkeit und Güte ist von bestimmten Voraussetzungen abhängig, die im besonderen Maße von den Qualitäten und Fähigkeiten des Therapeuten beeinflusst werden.

Ein Wirksamkeitsnachweis im Rahmen der Psychotherapieforschung wurde bislang nur für wenige Therapieverfahren erbracht. Nichtsdestotrotz existiert eine Vielzahl von Schulen und Methoden der Therapie, die sich sowohl hinsichtlich ihres Verständnisses der Entstehung von psychischen Krankheiten als auch in ihrem Therapiekonzept und der Haltung des Psychotherapeuten mehr oder weniger stark voneinander unterscheiden.

Definition

Die PsychotherapieDefinitionPsychotherapie ist die Behandlung von psychischen oder körperlichen Leiden mithilfe psychologischer Mittel, also ohne Einsatz von Medikamenten. Sie kann verbal (z. B. Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie) oder nonverbal (z. B. Kunsttherapie, Entspannungsverfahren) erfolgen.
Ziel der Psychotherapie ist es, Leiden zu lindern, Verhaltensweisen oder Denkmuster positiv zu ändern oder die Persönlichkeitsstruktur günstig zu beeinflussen. Es gibt eine Vielzahl von Methoden und Techniken, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben und deren wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis sehr unterschiedlich ausfällt oder teilweise auch fehlt.
Psychotherapeutische PsychotherapieInterventionenInterventionen sind von der eigentlichen Psychotherapie abzugrenzen, weil sie nur einzelne Aspekte der Therapie aufgreifen und zur Bearbeitung eines begrenzten Problembereichs eingesetzt werden, z. B. die Suizidprävention in einer Beratungsstelle oder psychoedukative Elemente bei der Erläuterung von Krankheitskonzepten.

Therapeutische Praxis

Nicht jedes Gespräch mit einem Therapeuten ist Psychotherapie! Eine Psychotherapie ist eine klar definierte und strukturierte Behandlungsform, die das Einverständnis des Klienten/Patienten voraussetzt und vom Therapeuten eine entsprechende Ausbildung verlangt. Die Persönlichkeit des Therapeuten, seine Fähigkeit, sich in den Klienten/Patienten einzufühlen und seine Probleme zu verstehen und zu benennen, sowie seine fachliche Kompetenz, Lösungen für die Konflikte zu finden, können ein wesentlicher psychotherapeutischer Beitrag sein, stellen für sich aber keine Psychotherapie dar.

Einteilung

Die Entstehung unterschiedlicher PsychotherapieVerfahrenPsychotherapie-PsychotherapieSchulenSchulen, die sich häufig vehement bekämpft oder den alleinigen Anspruch erhoben haben, alle psychischen Störungen behandeln zu können, ist historisch zu erklären. Die verschiedenen Therapieverfahren lassen sich in fünf Bereiche zusammenfassen (Tab. 7.1).
Die ausschließlich auf Schulen bezogenen Therapieansätze haben sich in den letzten Jahren integrativenPsychotherapieintegrative und störungsspezifischen PsychotherapiestörungsspezifischeBehandlungsformen geöffnet. Die Therapie richtet sich also nicht allein nach einer Therapieschule, sondern beachtet, welches psychotherapeutische Verfahren bei welcher Erkrankung am besten wirkt, und gestattet Kombinationen verschiedener Interventionen. Diese vielschichtigen Therapieformen werden häufig durch spezifische Therapiemanuale unterstützt: Ihre Wirksamkeit ist meist empirisch überprüft (z. B. Interpersonelle Therapie bei Depression, dialektisch-behaviorale Therapie bei Borderline-Störungen nach Linehan).

Merke

Bei vielen psychischen Erkrankungen hat sich eine empirische Überlegenheit der KombinationstherapieKombinationstherapie, also der Psycho- und PsychopharmakotherapiePharmakotherapie, gegenüber einer alleinigen Psychotherapie oder Pharmakotherapie ergeben.

Setting

Unter dem Setting werden die Rahmenbedingungen verstanden, unter denen Setting, PsychotherapiePsychotherapieSettingPsychotherapie stattfindet:
  • Ambulant/stationär

  • Einzeltherapie/Gruppentherapie

  • Dauer der Therapie und Häufigkeit der Sitzungen

  • Art der Sitzungen

Eine ambulante PsychotherapieambulanteAmbulante PsychotherapieTherapie hat den Vorteil, dass sie den Klienten nicht aus seinem gewohnten Umfeld reißt und ihm die Möglichkeit gibt, Erfahrungen und Erkenntnisse, die er in den Sitzungen gewonnen hat, im Alltag auszuprobieren und Schwierigkeiten bei der Umsetzung mit dem Therapeuten zu besprechen. Wenn es die Störung erlaubt, kann er auch seiner Arbeit weiterhin nachgehen. Wenn es keine geeignete ambulante Therapie am Wohnort gibt, ein schwieriges soziales Umfeld (z. B. Missbrauch, Gewalt in der Familie) existiert oder die Erkrankung schwer ausgeprägt ist, kann eine Stationäre PsychotherapiePsychotherapiestationärestationäre Behandlung erforderlich sein.
In der EinzeltherapiePsychotherapieEinzeltherapieEinzeltherapie kann den persönlichen Problemen des Einzelnen entsprechend Zeit gewidmet und eine vertrauensvolle Atmosphäre geschaffen werden, in der sich der Klient öffnen kann, um Konflikte oder Sorgen anzusprechen. Dies gelingt in der Gruppensituation nicht jedem. Allerdings bietet die GruppentherapieGruppentherapiePsychotherapieGruppentherapie auch wesentliche Vorteile. Neben dem ökonomischen Aspekt, für mehrere Menschen mit ähnlichen Problemen gleichzeitig effiziente Lösungen zu finden, entspricht sie am ehesten dem Abbild der sozialen Situation außerhalb der Therapie. Damit können Konflikte in der Gruppe aktualisiert und erkannt und alternative Verhaltensweisen in PsychotherapieÜbungssituationenÜbungssituationen erprobt und trainiert werden.
Die anderen Teilnehmer stellen dabei einen kritischen Psychotherapiekritischer SpiegelSpiegel, aber auch eine wichtige Unterstützung dar, weil sie entscheidende Erfahrungen mit den anderen teilen. Der einzelne Gruppenteilnehmer erlebt sich nicht mehr als „Einzelschicksal“, sondern kann Mut daraus schöpfen, dass andere Menschen ähnlichen Problemen und Situationen ausgesetzt waren und sie gemeistert haben. Im günstigsten Fall können die Gruppenteilnehmer gewünschtes Verhalten im Sinne des „Modell-Lernens“PsychotherapieModell-LernenModell-LernenLernenam Modell (Verhaltenstherapie) voneinander lernen.
Die Dauer der TherapiePsychotherapieDauer und Frequenz und die Häufigkeit der Sitzungen richten sich nach der Schwere der Erkrankung, dem gewählten Therapieverfahren und dem zu bearbeitenden Problembereich. Sie kann von einer 10 Stunden dauernden KriseninterventionKrisenintervention bis hin zu einer mehrjährigen, wöchentlich 2–3 Sitzungen umfassenden Psychoanalyse reichen.
Das psychotherapeutische Verfahren bestimmt auch die Art der Sitzungen, also ob der Klient wie in der klassischen Psychoanalyse auf einer Couch liegt und der Therapeut hinter ihm sitzt oder ob sich Klient und Therapeut wie in der klientenzentrierten Gesprächstherapie gegenübersitzen. Bei anderen Verfahren wie Kunst- oder Tanztherapie finden räumliche Besonderheiten entsprechende Berücksichtigung.

Voraussetzungen

Um einen Erfolg mittels Psychotherapie zu erzielen, müssen bestimmte, den Therapeuten und Klienten betreffende Voraussetzungen erfüllt sein. Klient bzw. Therapeut müssen über folgende Eigenschaften verfügen:
  • Klient: PsychotherapieVoraussetzungenKlient

    • Motivation zur Therapie, subjektiver Leidensdruck

    • Introspektionsfähigkeit (Einsichtsfähigkeit)

    • Fähigkeit zur kritischen Selbstprüfung

    • Mindestmaß an Konfliktfähigkeit und Ausdauer

    • Mindestmaß an Beziehungsfähigkeit: Klienten, denen es an PsychotherapieEinsichtsfähigkeit, fehlendeEinsichtsfähigkeit, fehlendeEinsichtsfähigkeit fehlt oder die nicht in der Lage sind, eigenes Verhalten zu hinterfragen, können Konflikte nicht bearbeiten bzw. ihr Verhalten nicht entsprechend anpassen oder verändern. Ohne ein Mindestmaß an Ausdauer, Konflikt- und KonfliktfähigkeitBeziehungsfähigkeitBeziehungsfähigkeit werden sie die Therapie vorzeitig abbrechen und von den in der Therapie aktualisierten Konflikten nicht profitieren. Deswegen ist die Durchführung von Psychotherapie z. B. bei Menschen mit einer dissozialen Persönlichkeitsstörung (Kap. 19.3.3) oder Demenz (Kap. 9.3.1) mitunter unmöglich.

  • Therapeut: PsychotherapieVoraussetzungenTherapeut

    • Beherrschen von Gesprächsführungstechniken

    • Empathie (Einfühlungsvermögen)

    • Authentizität (Echtheit)

    • Emotionale Wärme

    • Fachkompetenz

Psychotherapie kann nur wirken, wenn eine vertrauensvolle und tragfähige Therapeut-Klient-Therapeutische BeziehungTragfähigkeitPsychotherapieTherapeut-Klient-Beziehung, tragfähigeBeziehung besteht. Der Klient muss sich von seinem Therapeuten angenommen und verstanden fühlen. Wertschätzung, Zuhören und Einfühlungsvermögen (Empathie)PsychotherapeutEmpathieEmpathie des Therapeuten sind die Voraussetzung dafür, dass der Klient auch über für ihn unangenehme oder schmerzliche Erfahrungen reden und eigene Schwächen ansprechen kann. Kritische Situationen oder die Wiederbelebung von Konflikten in der Therapie können auch nur dann überstanden und sinnvoll bearbeitet werden, wenn die Tragfähigkeit der Beziehung ausreicht. Sonst besteht die Gefahr, dass der Klient die Therapie abbricht und/oder sich seine Symptome verschlechtern. Für den Therapeuten ist es wichtig, die PsychotherapieMachbarkeitMachbarkeit der Therapie im Auge zu haben und die Grenzen des Klienten, aber auch die eigenen Unzulänglichkeiten zu berücksichtigen. An sich sollte der Therapeut Veränderungen fördern, aber Therapieziele nicht zum psychischen oder körperlichen Schaden des Klienten erzwingen wollen. Vielmehr muss er in der Lage sein, mit der nötigen Selbstkritik Kompromisse zu finden und die Therapie anzupassen. Er sollte ein Gespür für die Grenzen des Klienten entwickeln und ihm, unabhängig von seinem Verhalten, eine positive Einstellung (emotionale Wärme)Psychotherapeutemotionale WärmeEmotionale Wärme, Therapeut-Klient-Beziehung entgegenbringen. Entscheidend ist auch die Echtheit, mit welcher der Therapeut dem Klienten begegnet, d. h. die Übereinstimmung zwischen seinen Äußerungen und Reaktionen in der Therapie und seiner Einstellung und seinem Verhalten. Klienten können sehr hellhörig werden und sich missverstanden fühlen, wenn sie spüren, dass zwischen dem, was der Therapeut ihnen sagt, und dem, was er nonverbal und durch sein Verhalten vermittelt, Diskrepanzen bestehen. Ehrliches Ansprechen gegensätzlicher Meinungen kann in einem solchen Fall weitaus hilfreicher sein.

Beispiel

Authentizität und Selbstkongruenz

Wenn ein PsychotherapieAuthentizitätAuthentizität, PsychotherapiePatient berichtet, er habe wegen Selbstkongruenz, PsychotherapiePsychotherapieSelbstkongruenzSchwierigkeiten den Arbeitsplatz gekündigt, und der Therapeut dieses Verhalten zwar als ungünstig für die Entwicklung seines Klienten einschätzt, ihm dies aus Scheu vor dem Konflikt aber nicht mitteilt, ist dies ein Beispiel für divergentes VerhaltenVerhaltendivergentes. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Klient die ablehnende Haltung des Therapeuten trotzdem wahrnehmen und sie möglicherweise fehlinterpretieren („Dieser Mann mag mich auch nicht, ich komme mit Männern einfach nicht klar“). Zielführender sind also ein behutsames Ansprechen der unterschiedlichen Sichtweisen zur Kündigung (Echtheit), die Auseinandersetzung mit den Auslösern und Konsequenzen der Kündigung und das Finden alternativer Verhaltensweisen.
Ein Heilpraktiker für Psychotherapie muss, um professionell zu arbeiten, fachlich kompetent sein. Dazu gehören neben einer soliden Ausbildung eine kontinuierliche Weiterbildung und regelmäßige Supervision.

Merke

Unerlässliche Grundlage professioneller PsychotherapeutFachkompetenz/-wissenPsychotherapie ist das Fachwissen über die psychischen Störungen sowie ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten. Regelmäßige SupervisionPsychotherapeutSupervision und SelbstreflexionPsychotherapeutSelbstreflexion sind dabei selbstverständliche Voraussetzungen, um Schaden von den Klienten abzuwenden.

Zwischen Klient und Therapeut sollte eine Zielvereinbarung, PsychotherapiePsychotherapieZielvereinbarungZielvereinbarung erarbeitet werden, in der Ziele und Dauer der Therapie festlegt werden. Dabei ist v. a. auf realistische Ziele zu achten. Bei einem Patienten mit Panikstörung könnte das Therapieziel z. B. heißen: „Ich kann wieder angstfrei U-Bahn fahren“ statt „Ich werde alle meine Ängste los“. Der Klient sollte dabei in alle Behandlungsentscheidungen aktiv einbezogen werden, um seine Eigenverantwortlichkeit zu stärken und die Transparenz, PsychotherapiePsychotherapieTransparenzTherapie transparent zu gestalten.

Therapeutische Praxis

Therapeuten sollten imstande sein, problematisches Verhalten des Klienten nicht allein aus pathologischer Sicht zu betrachten und dementsprechend nur Defizite und Probleme zu erkennen, sondern auch die Ressourcenförderung/-orientierung, PsychotherapiePsychotherapieRessourcenförderung/-orientierungRessourcen und die Situationsabhängigkeit des Verhaltens wahrzunehmen und zu schätzen. So kann ein Verhalten, das aktuell als „krankhaft“ erscheint, in einer früheren Entwicklungsstufe oder Lebensphase zur Stabilisierung oder zum emotionalen Überleben des Klienten beigetragen haben. Schreckhaftigkeit, emotionale Gleichgültigkeit und Ängste bei KZ-Überlebenden sind dafür ein prägnantes Beispiel. Ein anderes Beispiel für die Mehrdimensionalität von starker Feinfühligkeit bzw. Vulnerabilität ist die Kreativität mancher Patienten mit einer schizophrenen Störung (Kap. 11.3).

Wirksamkeit

Ob und warum PsychotherapiePsychotherapieWirksamkeit wirksam ist, war und ist Gegenstand der Forschung. Dabei haben Grawe et al. (1994) allgemeine Wirkfaktoren gefunden, die in den verschiedenen psychotherapeutischen Verfahren zum Tragen kommen und den Erfolg der Therapie bestimmen:
  • KlärungPsychotherapieWirkfaktoren

  • Bewältigung

  • Problemaktualisierung

  • Ressourcenorientierung

  • Therapeutische Beziehung

Klärung, PsychotherapieKlärungPsychotherapieKlärung bedeutet, dass der Therapeut dem Klienten hilft, die Zusammenhänge zwischen seinen Beschwerden, seinem Verhalten und seinen Gefühlen besser zu verstehen.

Fall

Klärung

Klärung, PsychotherapiePsychotherapieKlärungHerr M. ist ein 56-jähriger depressiver Patient, der unter morgendlichem Früherwachen und starker Grübelneigung leidet. In einer psychoedukativen Gruppensitzung erfährt er von den anderen Teilnehmern, dass sie unter den gleichen Beschwerden leiden und diese Ausdruck der Erkrankung „Depression“ sind. Ein Teilnehmer, der kurz vor der Entlassung aus der stationären Behandlung steht, erzählt, dass er nach erfolgreicher Therapie wieder sehr gut schlafen und auch die positiven Aspekte seines Lebens genießen könne. Obwohl die Beschwerden zunächst noch weiterbestehen, ist Herr M. erleichtert. Er beginnt zu verstehen, dass das, was er erlebt, Krankheitszeichen sind, die sich mithilfe der Therapie wieder zurückbilden können.
Bei der Bewältigung, PsychotherapieBewältigungPsychotherapieBewältigung wird dem Klienten das „Handwerkszeug“ vermittelt, mit dem er seine Probleme besser lösen kann. Dazu gehören z. B. soziales Kompetenztrainingsoziales Kompetenztraining, Entspannungsverfahren oder Problemlösestrategien.

Beispiel

Bewältigung

Bewältigung, PsychotherapieEine 28-jährige ängstliche und selbstunsichere Frau übt im Rollenspiel mit ihrem Therapeuten, sich gegenüber Kollegen, die ihr unliebsame Aufgaben zuschieben wollen, abzugrenzen.
Die Psychotherapie soll ein Raum sein, in dem der Klient unbewusste ProblemeProblemaktualisierung, Psychotherapie und KonflikteAktualisierung in der PsychotherapieKonfliktePsychotherapieKonfliktaktualisierung aktualisieren kann, d. h., sie werden für ihn „erfahrbar“ und wahrnehmbar gemacht. Dieser Prozess ist in der Regel mit unangenehmen Gefühlen (z. B. Angst, Wut oder Trauer) verbunden und erfordert vom Therapeuten fachliches Geschick, damit der Klient von der Auseinandersetzung mit seinen Problemen profitieren und neue Lösungswege entdecken kann. Die Problemaktualisierung kann z. B. Gegenstand einer verhaltenstherapeutischen Reizkonfrontationsbehandlung, einer Imagination oder einer psychoanalytischen Übertragungssituation sein.

Fall

Problemaktualisierung

Eine 48-jährige Hausfrau befindet sich wegen einer dissoziativen Störung (Kap. 13.5) in psychotherapeutischer Behandlung. Vor ½ Jahr entwickelte sie eine Lähmung des rechten Beines und der rechten Hand. Seit einem Jahr sind ihre erwachsenen Kinder aus dem Haus. Die Symptome nehmen in der Therapie deutlich zu, wenn im Gespräch die Beziehung zum Ehemann thematisiert wird (Problemaktualisierung).PsychotherapieProblemaktualisierungProblemaktualisierung, Psychotherapie Nach genauer Analyse stellt sich heraus, dass der Ehemann eine außereheliche Affäre mit einer Kollegin hat und die Patientin fürchtet, ihn wie die Kinder zu „verlieren“. Er sei wie ihre „rechte“ Hand, habe stets die Schwierigkeiten in ihrem Leben gemeistert; ohne ihn sei sie komplett hilflos. Er habe sich bereit erklärt, sie nicht zu verlassen, solange es ihr so schlecht gehe.
In der Psychotherapie werden aber auch Ressourcenförderung/-orientierung, PsychotherapieRessourcenPsychotherapieRessourcenförderung/-orientierung, also Fähigkeiten und Stärken der Klienten, benannt und gefördert. Dadurch steigt das Selbstvertrauen, und der Klient wird motiviert, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen und Probleme zu lösen. Er erlebt sich dabei nicht nur als „krank“ oder defizitär, sondern nimmt seine Fertigkeiten bewusst wahr.

Fall

Ressourcenorientierung

Ein junger depressiver Patient, der vor seiner Ressourcenförderung/-orientierung, PsychotherapiePsychotherapieRessourcenförderung/-orientierungErkrankung Leistungssport betrieben hat, wird durch die Psychotherapie motiviert, trotz seiner Antriebsschwäche einmal wöchentlich schwimmen zu gehen. Obwohl er nur, wie er sich ausdrückt, „ein bisschen planscht“, gewinnt er dadurch wieder Selbstvertrauen und fühlt sich nach dem Schwimmen deutlich besser.
Die therapeutische Therapeutische BeziehungPsychotherapieBeziehungPsychotherapietherapeutische Beziehung ist ein entscheidendes Kriterium für die Wirksamkeit der Therapie. Selbst ein gutes Therapieprogramm kann nicht wirken, wenn der Therapeut nicht über die oben genannten Qualitäten wie emotionale Wärme, Akzeptanz und Offenheit verfügt (Voraussetzungen der Psychotherapie).
Ein wissenschaftlicher WirksamkeitsnachweisPsychotherapieWirksamkeit wurde bislang nur für sehr wenige Psychotherapieverfahren erbracht, und nur diese Verfahren sind anerkannte VerfahrenPsychotherapieVerfahren, d. h., die Kosten der Therapie werden nach Prüfung von den Krankenkassen übernommen, wenn die Therapie von einem ärztlichen Psychotherapeuten oder approbierten Psychologischen Psychotherapeuten durchgeführt wird. Dazu gehören die kognitive Verhaltenstherapie, bestimmte tiefenpsychologisch orientierte Kurzzeittherapien und die Psychoanalyse. Die Privatkrankenkasse übernimmt u. U. auch die Behandlung durch den Heilpraktiker für Psychotherapie, wenn dies im Behandlungstarif des Patienten enthalten ist.

Therapeutische Praxis

Werden die Kosten der PsychotherapieKostenPsychotherapie vom Klienten selbst getragen, kann das Verfahren – das Einverständnis des Klienten vorausgesetzt – natürlich frei gewählt werden. Der Heilpraktiker für Psychotherapie sollte sich aber immer über die Möglichkeiten und Grenzen des jeweiligen Verfahrens im Klaren sein und die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen mitbringen, um die Methode fachmännisch auszuführen.

Unerwünschte Effekte

Wird eine PsychotherapiePsychotherapieunerwünschte Effekte nicht fachgerecht, also ohne die nötigen Kenntnisse und Erfahrungen mit der Erkrankung und ihren Behandlungsmöglichkeiten und ohne die notwendigen Voraussetzungen durchgeführt (z. B. fehlender Konsens zwischen Therapeut und Klient, unreflektierte narzisstische Persönlichkeitszüge des Therapeuten, mangelhafte Diagnostik, fehlende Supervision), dann kann dies beim Klienten zur Verschlechterung seiner Symptome oder zum Therapieabbruch führen. In schweren Fällen besteht die Gefahr, dass der Klient sich selbst oder andere(n) schadet oder verletzt (z. B. Suizid, Gewalt).

Merke

Der Heilpraktiker für Psychotherapie muss über folgende Punkte informiert sein, bevor er psychotherapeutisch tätig wird:

  • Er darf nur bestimmte Störungsbilder SupervisionHeilpraktiker für PsychotherapieTätigkeitsgebieteHeilpraktiker für PsychotherapieSupervisionbehandeln.

  • Er muss sich vor der Psychotherapie von der Güte der Diagnose überzeugen bzw. die Diagnose von einem Facharzt absichern lassen.

  • In kritischen Situationen (z. B. Suizidgefährdung) muss er kompetente Hilfe einholen bzw. den Patienten der entsprechenden Therapie zuführen (Überweisung an den Facharzt, Hilfe von der Polizei etc.).

  • Er trägt die Verantwortung für die fachgerechte Durchführung der Therapie und sollte sich in regelmäßiger Supervision befinden.

Eine nicht professionell und fachgerecht durchgeführte Psychotherapie kann dem Klienten schwer schaden!

Verständnisfragen

  • Was versteht man unter einem therapeutischen Setting?

  • Was sind bekannte und anerkannte Therapieverfahren?

  • Zu welcher Art von Therapien zählen die Gesprächspsychotherapie und die Gestalttherapie?

  • Welche grundsätzlichen Wirkfaktoren bestimmen die Psychotherapie nach Grawe?

  • Welche Voraussetzungen muss ein Heilpraktiker für Psychotherapie beachten, bevor er psychotherapeutisch tätig wird?

  • Was versteht man unter Ressourcenorientierung?

  • Nennen Sie ein Beispiel für Problemaktualisierung!

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