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B978-3-437-58303-2.00002-9

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978-3-437-58303-2

Der Weg zum therapeutischen Arbeiten als Heilpraktiker für Psychotherapie

[L157]

Heilpraktiker für Psychotherapie

  • 2.1

    Berufsbild8

  • 2.2

    Ausbildung8

  • 2.3

    Zulassungsvoraussetzungen und Überprüfung8

  • 2.4

    Berufsbezeichnung9

  • 2.5

    Gesetzliche Grundlagen über die Ausübung der Heilkunde10

    • 2.5.1

      Heilpraktikergesetz10

    • 2.5.2

      Berufsordnung für Heilpraktiker10

    • 2.5.3

      Verbote für den Heilpraktiker für Psychotherapie10

    • 2.5.4

      Behandlungsvertrag11

    • 2.5.5

      Haftpfl icht11

    • 2.5.6

      Aufklärungspfl icht11

    • 2.5.7

      Sorgfaltspfl icht11

    • 2.5.8

      Schweigepfl icht11

    • 2.5.9

      Dokumentationspfl icht11

  • 2.6

    Arbeitsgebiete des Heilpraktikers für Psychotherapie11

  • 2.7

    Therapeutische Arbeit12

Kapitelübersicht

Ein Psychotherapeutnichtärztlichernichtärztlicher Therapeut kann Heilpraktiker für Psychotherapieeine Anerkennung zur Ausübung der Heilkunde, beschränkt auf die Psychotherapie, erwerben, wenn er entsprechende Zulassungsbedingungen erfüllt und in bestimmten Bundesländern eine Prüfung ablegt. Dabei wird vornehmlich geprüft, ob der Kandidat keinen Schaden für die Volksgesundheit darstellt. Darüber hinaus sollte ein verantwortungsvoller Heilpraktiker für Psychotherapie von einer positiv formulierten Berufsvorstellung ausgehen, die von ihm detaillierte Kenntnisse und praktische Erfahrungen im Bereich der Symptomatik, der Diagnostik und der Behandlungsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen verlangt. Durch Supervision und regelmäßige Fortbildung kann er die Qualität seiner Therapie sichern. Da laut Gesetz nur bestimmte psychische Störungen in seinen Zuständigkeitsbereich fallen, muss der nichtärztliche Therapeut klare differenzialdiagnostische Aussagen treffen können, um zu entscheiden, welche Krankheiten er behandeln darf. Dazu muss er einen psychopathologischen Befund erstellen und die psychischen Störungen in ein Klassifikationssystem einordnen können.

Berufsbild

Seit 1993 können zuständige Aufsichts- und Genehmigungsbehörden (v. a. Gesundheitsämter) eine Erlaubnis zur berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, nach dem Heilpraktikergesetz (HPG) erteilen. Die Antragsteller müssen dabei nicht Ärzte, Psychologen oder Heilpraktiker sein. Im Gegensatz zur unbeschränkten Heilpraktikerzulassung hat Heilpraktiker für PsychotherapieBerufsbildder Heilpraktiker für Psychotherapie ausschließlich die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie. Diese Erlaubnis wird oft als „Kleiner Heilpraktiker“ bezeichnet.
Das neue Berufsbild entstand 1993 im Rahmen eines Gerichtsverfahrens, bei dem in Niedersachsen eine Klägerin Recht zugesprochen bekam, die dagegen geklagt hatte, dass sie das gesamte für den Heilpraktiker mit unbeschränkter Zulassung geforderte medizinische Wissen beherrschen müsse, um psychotherapeutisch tätig sein zu dürfen.

Ausbildung

Die Ausbildung zum Heilpraktiker für Heilpraktiker für PsychotherapieAusbildungAusbildung zum Heilpraktiker für PsychotherapiePsychotherapie unterliegt keiner gesetzlichen Regelung und ist dementsprechend von großen qualitativen Unterschieden geprägt. Ein Heilpraktiker für PsychotherapieHeilpraktiker für PsychotherapieMindestanforderungen sollte für eine seriöse Behandlung gewisse Mindestanforderungen erfüllen:
  • Psychotherapeutische Fortbildung über mehrere Jahre

  • Selbsterfahrung

  • Therapiestunden unter fachlicher Aufsicht (SupervisionSupervision)

  • Überprüfung der therapeutischen Kenntnisse am Ende der Ausbildung

Zulassungsvoraussetzungen und Überprüfung

Ein Antrag auf Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde Heilpraktiker für PsychotherapieZulassungsvoraussetzungenumfasst:
  • Tabellarischer Lebenslauf

  • Geburtsurkunde

  • Ggf. Heiratsurkunde

  • Nachweis der Staatsangehörigkeit (Personalausweis, Reisepass, Staatsangehörigkeitsurkunde)

  • Nachweis der Schulausbildung (mindestens Hauptschulabschluss)

  • Nachweis über Tätigkeiten und Ausbildungen im Bereich der Psychotherapie

  • Amtliches Führungszeugnis

  • Ausschluss eines anhängigen gerichtlichen Straf- oder staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens

  • Ärztliches Eignungszeugnis

  • Versicherung des Antragstellers, sich in der betreffenden Gemeinde oder Stadt niederzulassen

Die Erlaubnis zur berufsmäßigen Ausübung der Heilkunde, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, wird in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich überprüft. So wird z. B. in Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Bremen auf eine Überprüfung vollständig verzichtet. In anderen Bundesländern erfolgt eine amtsärztliche Prüfung.
Die amtsärztliche Heilpraktiker für Psychotherapieamtsärztliche PrüfungPrüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie setzt sich in den meisten Bundesländern (z. B. Bayern, Baden-Württemberg, Hessen) aus zwei Teilen zusammen: Der erste Teil ist ein schriftlicher Test, bestehend aus 28 Multiple-Choice-Fragen, von denen mindestens 75 % in 55 Minuten richtig beantwortet werden müssen. Der zweite Teil der Prüfung besteht aus der mündlichen Einzelprüfung, die zwischen 30 und 45 Minuten dauert und im Gesundheitsamt von drei Prüfern abgehalten wird. In mehreren Bundesländern findet die schriftliche Prüfung jeweils am dritten Mittwoch im März und am zweiten Mittwoch im Oktober statt. Die Prüfung soll sicherstellen, dass der Kandidat ausreichende Kenntnisse in Psychopathologie, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen sowie entsprechende Fähigkeiten in der psychotherapeutischen Behandlung besitzt. Entscheidend ist weiterhin, dass sich der Kandidat der Grenzen seiner heilkundlichen Tätigkeit bewusst ist, v. a. gegenüber Ärzten, Psychologischen Psychotherapeuten und Heilpraktikern mit unbeschränkter Zulassung. Wurde die Prüfung mit Erfolg absolviert und die Zulassung vom Gesundheitsamt erteilt, darf der Absolvent eine Praxis eröffnen und die Leistung „Psychotherapie“ anbieten. Mögliche Bezeichnungen sind z. B. „Heilpraktiker (Psychotherapie)“ in Kombination mit der jeweils praktizierten Therapieform. Er darf sich jedoch nicht „Psychotherapeut“ nennen; diese Bezeichnung ist akademisch ausgebildeten Psychotherapeuten vorbehalten (Berufsbezeichnung).

Berufsbezeichnung

Die Heilpraktiker für PsychotherapieBerufsbezeichnungBerufsbezeichnung „Heilpraktiker für Psychotherapie“ ist laut Aussage von Dr. Werner Weishaupt vom Deutschen Heilpraktikerverband legitim und angemessen. Nach wie vor herrscht große Unsicherheit darüber, welche Berufs- und Praxisbezeichnungen rechtlich unangefochten verwendet werden dürfen. Diese Unsicherheiten kommen nicht von ungefähr, da sehr unterschiedliche Auffassungen kursieren.
Die Vorgabe einer bundesweit einheitlichen Berufsbezeichnung für Berechtigte einer auf das Gebiet der Psychotherapie eingeschränkten Zulassung gibt es zurzeit von Gesetzes wegen nicht in eindeutiger Form. Es bestehen voneinander abweichende Urteile verschiedener Gerichte; ein grundlegendes Urteil des Bundesgerichtshofs ist noch nicht ergangen.
In einem Urteil des OVG Lüneburg (Aktenzeichen 8L71/10, Beschluss vom 7.2.2011) wurde die Zulässigkeit des Titels „Heilpraktiker für Psychotherapie“ festgestellt.
Im Folgenden wird die aktuelle Rechtsauffassung des Urteils dargelegt. Die Bezeichnungen „Heilpraktiker für Psychotherapie“ oder „Heilpraktiker (Psychotherapie)“ können alle führen, die eine amtliche Zulassung zur Ausübung der Heilkunde, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, haben. Die genannten Bezeichnungen beschreiben unverwechselbar das genuine Heilpraktiker für PsychotherapieTätigkeitsgebieteTätigkeitsfeld dieser Berufsgruppe und grenzen sie auch klar und deutlich von den approbierten Psychologischen Psychotherapeuten sowie von den allgemein auf dem Gebiet der Naturheilkunde tätigen Heilpraktikern ab.

Therapeutische Praxis

Wegen einer evtl. Verwechslungsgefahr mit den Praxen der „Psychologischen Psychotherapeuten“ ist es absolut sinnvoll, die eigene Legitimation zur Psychotherapie klar auszuweisen, insbesondere dann, wenn man die Praxisbezeichnungen „Praxis für Psychotherapie“ wählt. In diesem Fall muss dem Namen des Praxisinhabers entweder eine der o. g. Berufsbezeichnungen oder der Hinweis auf die Zulassung zur Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz folgen. Dabei reicht das bloße Kürzel „HPG“ nicht aus, weil der Normalverbraucher dieses Kürzel womöglich nicht kennt und es für die Abkürzung einer bestimmten Therapiemethode halten könnte.

Das „Psychotherapeutengesetz (PsychThG)Psychotherapeutengesetz“ von 1999 (PsychThG) schützt die Berufsbezeichnungen „Psychotherapeut“ und „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut“ und legt fest, dass diese Bezeichnungen nur noch von den nach den Bestimmungen dieses Gesetzes ausgebildeten und approbierten Diplom-Psychologen oder Ärzten geführt werden dürfen. Eine widerrechtliche Titelführung steht unter Strafe.
Aus Gründen des Wettbewerbsrechts folgt daraus, dass auch alle ähnlichen Bezeichnungen, welche die Gefahr einer Verwechslung mit den oben genannten Berufsbezeichnungen beinhalten, vermieden werden sollten, wenn man keine Zulassung nach dem PsychThG hat.
Daher sind alle Bezeichnungen wie „Heilpraktischer Psychotherapeut“ oder auch „Fachtherapeut für Psychotherapie“ nicht empfehlenswert.
Auch die Bezeichnung „Psychologie“ ist – wie Gerichte schon vor Jahren festgelegt haben – für Absolventen eines universitären Psychologiestudiums reserviert. Deshalb kommen Bezeichnungen wie „Beratender Psychologe“ oder „Verkehrspsychologe“ nur für diesen Personenkreis infrage.
„Diplom“-Titel können nur von Hochschulen und Fachhochschulen vergeben werden, die dem deutschen Hochschulrecht unterliegen, oder sind ggf. mit Auslandszusatz zu führen. Bezeichnungen wie „Diplom-Coach“, „Diplom-Familienaufsteller“ usw. klingen zwar gut, sind aber rechtlich nicht zulässig.
Wichtig ist auf alle Fälle, dass eine Heilpraktikererlaubnis mit Einschränkung auf das Gebiet der Psychotherapie deutlich zum Ausdruck kommt, damit der Verbraucher nicht getäuscht wird.
Als zulässig wurden von der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen folgende Berufsbezeichnungen aufgeführt:
  • Heilpraktiker für Psychotherapie

  • Heilpraktiker (Psychotherapie)

  • Heilpraktiker, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie

Als unzulässig gelten folgende Berufsbezeichnungen:
  • Therapie für heilkundliche Psychotherapie

  • Praxis für Psychotherapie

  • Psychotherapeutische Praxis

  • Psychotherapeutischer Heilpraktiker

  • Psychotherapeut HPG

  • Psychotherapeut nach dem HPG

  • Heilpraxis (Psychotherapie)

  • Heilpraxis nur für Psychotherapie

  • Heilpraxis für Psychotherapie

  • Psychotherapeutische Heilpraxis

Therapeutische Praxis

Konkreter Vorschlag für Praxisschild, Visitenkarte, Flyer oder Homepage:

Praxis für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz

Marion Mustermann

Heilpraktikerin für Psychotherapie

oder:

zugelassen zur Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz

Damit ist einerseits das Fachgebiet der Tätigkeit und die rechtliche Grundlage dafür klar gekennzeichnet und andererseits jede Verwechslungsgefahr mit anderen Berufsgruppen ausgeschlossen. Darunter können selbstverständlich weitere Spezialisierungen oder Tätigkeitsgebiete aufgeführt werden, z. B.:

Familientherapie und Familienaufstellung

Lösungsorientierte Kurztherapie

Gestalt- und Hypnosetherapie

Allen Kolleginnen und Kollegen, die hinsichtlich ihrer Berufstätigkeit oder Praxisgründung unsicher sind oder wegen ihrer Berufs- oder Praxisbezeichnung von irgendeiner Seite kritisiert werden, empfehle ich den Beratungsservice der zuständigen Berufsverbände.
Letztlich obliegt die Normierung von Berufsbezeichnungen nicht den (Landes-)Gesundheitsämtern, sondern allein dem Bundesgesetzgeber, wie er das beim Psychotherapeutengesetz und beim Heilpraktikergesetz umgesetzt hat. Eine Gesetzesnovelle ist aber in absehbarer Zeit von dort nicht zu erwarten.

Gesetzliche Grundlagen über die Ausübung der Heilkunde

Heilpraktikergesetz

Das HeilpraktikergesetzHeilpraktiker für PsychotherapieHeilpraktikergesetzHeilpraktikergesetz stammt noch aus der Zeit des Nationalsozialismus und hatte das Ziel, die „Volksgesundheit“ zu schützen. Um die Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde zu erlangen, waren keine positiven Voraussetzungen oder Ziele formuliert. Der Heilpraktiker muss also nicht bestimmte Kenntnisse oder Fertigkeiten nachweisen, sondern es muss überprüft werden, dass von ihm keine Gefahr für die Gesundheit anderer ausgeht.
Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung (17.2.1939)
§ 1.1 Wer die Heilkunde ausüben will, ohne als Arzt bestallt zu sein, bedarf dazu der Erlaubnis.
§ 1.2 Ausübung der Heilkunde i. S. des Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden beim Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt werden (Anmerkung zu: „berufsmäßig“ – Tätigkeit mit Wiederholungsabsicht; „gewerbsmäßig“ – gegen Entgelt ausgeführt).
§ 1.3 Wer die Heilkunde ausüben will, erhält die Erlaubnis nach Maßgabe der Durchführungsbestimmungen, er führt die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“.
§ 2.1 Wer die Heilkunde ausüben will, ohne als Arzt bestallt zu sein, kann eine Erlaubnis nach § 1 in Zukunft erhalten.
§ 2.2 Die Erlaubnis wird nicht erteilt, wenn der Antragsteller die Zulassungsvoraussetzungen nach § 2 DVO nicht erfüllt.
§ 3 Die Erlaubnis nach § 1 berechtigt nicht zum Ausüben der Heilkunde im Umherziehen.
§ 4 Bestrafung: Wer kein Arzt oder Heilpraktiker ist und dennoch die Heilkunde ausübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe belegt.
§ 4.1 Ordnungswidrig: Heilkunde im Umherziehen bis zu 5 000 Deutsche Mark.
§ 5 Die Ausübung der Zahnheilkunde fällt nicht unter die Bestimmungen dieses Gesetzes.
Erste DVO zum Gesetz (18.2.1939), letzte Änderung vom 18.4.1975
§ 2 (Kurzform) Die Erlaubnis wird nicht erteilt, wenn der Antragsteller das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, wenn er nicht mindestens eine abgeschlossene Hauptschulbildung nachweist, bei fehlender sittlicher Zuverlässigkeit (Führungszeugnis), wenn ihm infolge eines körperlichen Leidens, wegen der Schwäche seiner geistigen und körperlichen Kräfte oder Sucht die Eignung fehlt und wenn sich aus der Überprüfung ergibt, dass die Ausübung durch den Antragsteller eine Gefahr für die Volksgesundheit darstellt.
§ 3 Über den Antrag entscheidet die untere Verwaltungsbehörde im Einvernehmen mit dem Gesundheitsamt.

Berufsordnung für Heilpraktiker

Bei Mitgliedschaft in einem Heilpraktikerverband gilt die Berufsordnung für Heilpraktiker (BOH)Heilpraktiker für PsychotherapieBerufsordnung für Heilpraktiker (BOH)Berufsordnung für Heilpraktiker (BOH):
  • Keine Eigenwerbung anlässlich von öffentlichen Äußerungen (auch Vorträge!)

  • Veröffentlichung von Krankengeschichten und Behandlungsberichten unter Nennung eines Namens nur in Fachzeitschriften

  • Keine unentgeltliche oder briefliche Fernbehandlung

  • Schaltung von Anzeigen nur zu bestimmten Anlässen (Eröffnung, Urlaub) und in beschränkter Anzahl

  • Einhaltung der Vorschriften über die Größe des Praxisschildes, Eintragungen in Verzeichnisse, Beschriftung von Vordrucken und Verzicht auf die Führung bestimmter Titel

Verbote für den Heilpraktiker für Psychotherapie

Der Heilpraktiker für PsychotherapieTätigkeitsverboteHeilpraktiker darf folgende Leistungen nicht anbieten bzw. Handlungen vornehmen:
  • Rezepte ausstellen, nur Ausgabe von „Erinnerungszetteln“ (Arzneimittelgesetz)

  • Mischen, Ausgeben oder Verkaufen von Arznei- und Betäubungsmitteln

  • Zahnbehandlungen (HPG)

  • Zusammenarbeit mit Ärzten in denselben Praxisräumen (BO Ärzte)

  • Behandlung/Leistung nach RVO (Rehabilitationsmaßnahmen)

  • Kassenärztliche Abrechnung

  • Ausstellen von ärztlichen Todesbescheinigungen

  • Ausüben der Heilkunde im Umherziehen, d. h. ohne Niederlassung (HPG)

  • Heilversprechen und Fernbehandlungen (Heilmittelwerbegesetz)

  • Behandlung bei Verdacht auf strafbare Handlungen (StGB)

  • Werbeverbot, Titelverbot und Behandlungen, die Können und Wissen überschreiten

Behandlungsvertrag

Der Heilpraktiker für PsychotherapieBehandlungsvertragBehandlungsvertragBehandlungsvertrag ist ein Dienstvertrag im Sinne des BGB; der Heilpraktiker schuldet eine Dienstleistung. Da es sich nicht um einen Werkvertrag handelt, besteht keine Erfolgsschuld, d. h., es muss kein bestimmtes Ergebnis erreicht werden. Das Erscheinen des Patienten/Klienten in der Praxis ist die Willensbekundung, die Aufnahme der Behandlung ist Abschluss des Vertrags. Nur unter bestimmten Voraussetzungen entsteht ein „Kurierzwang“ (HilfspflichtHilfspflicht: wenn kein anderer Heilpraktiker oder Arzt verfügbar ist oder in Notfällen).
Die Vergütung ist frei vereinbar. Eine Kündigung, ohne dass die Dienstleistung in vollem Umfang erbracht wurde, ist möglich (z. B. Patient verweigert die Mitarbeit/-hilfe).

Haftpflicht

Die HaftpflichtHaftpflicht des Heilpraktikers ergibt sich aus dem Behandlungsvertrag:
  • Bei schuldhaftem Nichterbringen der Dienstleistung

  • Bei unsachgemäßer oder falscher Behandlung, mangelhafter Aufklärung oder wenn auf andere Weise Leben, Körper oder Gesundheit des Patienten verletzt werden

  • Bei unterlassener Hilfeleistung oder der Verletzung der Sorgfaltspflicht

  • Bei rechtswidrigem Verhalten

  • Bei Verletzung der Fortbildungspflicht

Aufklärungspflicht

AufklärungspflichtJeder Heileingriff zum Zweck der Diagnose oder Therapie ist haftungsrechtlich eine rechtswidrige Körperverletzung. Nur die Einwilligung des Patienten beseitigt die Rechtswidrigkeit eines Heileingriffs! Die Erfüllung der Aufklärungspflicht sollte daher sorgfältig dokumentiert werden.

Sorgfaltspflicht

Die SorgfaltspflichtSorgfaltspflicht des Heilpraktikers bezieht sich auf folgende Inhalte:
  • Verpflichtung zum Einsatz aller Kenntnisse, Fähigkeiten und Möglichkeiten

  • Aufklärungspflicht über Art des Leidens und Behandlung

  • Beachtung der eigenen Grenzen

  • Unterlassung von Heilungsversprechen

Schweigepflicht

Im Prinzip kann nur der Patient den Heilpraktiker von seiner SchweigepflichtSchweigepflicht entbinden, außer bei:
  • Erfüllung einer Rechtspflicht (meldepflichtige Krankheiten, Verhütung von Straftaten)

  • Schutz eines höherwertigen Rechtsguts

  • Ggf. im Zuge der Wahrnehmung eigener Interessen vor Gericht

Dokumentationspflicht

Die DokumentationspflichtDokumentationspflicht ergibt sich aus der Berufsordnung für Heilpraktiker: Es ist eine Kartei mit den persönlichen Daten der Klienten sowie eine Krankengeschichte mit Notizen über Diagnose, Verordnungen und Therapie anzulegen. Diese muss 10 Jahre aufbewahrt werden!

Arbeitsgebiete des Heilpraktikers für Psychotherapie

Grundsätzlich darf der Heilpraktiker für Heilpraktiker für PsychotherapieTätigkeitsgebietePsychotherapie nicht alle psychischen Erkrankungen behandeln. Er ist verpflichtet, die Krankheitssymptome des Patienten/Klienten in einem Anamnesegespräch zu erfassen und anhand einer Verdachtsdiagnose zu entscheiden, welche Klienten er behandeln darf und welche nicht.

Merke

Um dieser Verpflichtung gerecht zu werden, ist es entscheidend, dass der Heilpraktiker für Psychotherapie durch theoretisches Studium und praktische Erfahrungen die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten mitbringt, um die Symptome des Klienten verlässlich beurteilen zu können.

Hilfreich ist, sich dabei am traditionellen triadischen SystemTriadisches System zu orientieren (Klassifikation psychischer Erkrankungen).
Die Gruppe der an psychogenen Psychosen/psychotische StörungenpsychogenePsychogene StörungenPsychische StörungenpsychogeneStörungen leidenden Menschen ist die Klientel, die nach geltendem Recht nicht oder nicht ausschließlich von psychologischen oder ärztlichen Psychotherapeuten behandelt werden muss. Diese Klienten können vom Heilpraktiker für Psychotherapie therapiert werden. Alle Klienten mit psychischen Erkrankungen Psychosen/psychotische StörungenexogenePsychosen/psychotische StörungenendogenePsychische StörungenexogenePsychische StörungenendogeneExogene StörungenEndogene Störungenexogener und endogener Natur müssen an ärztliche Fachtherapeuten oder Psychiater verwiesen werden. Nach Absprache mit dem ärztlichen Fachtherapeuten/Psychiater ist jedoch in vielen Fällen eine begleitende psychotherapeutische Therapie durch den Heilpraktiker für Psychotherapie möglich.

Merke

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Kenntnisse über den psychopathologischen Psychopathologischer BefundBefund, das triadische System, die ICD-10 und die psychischen Krankheitsbilder für den nichtärztlichen Therapeuten zur differenzialdiagnostischen Abgrenzung unabdingbar sind, um zu erkennen, welche Krankheiten in seinen Zuständigkeitsbereich fallen und welche Klienten er an ärztliche Therapeuten verweisen muss. Nur so ist ein verantwortungsbewusstes Arbeiten gewährleistet!

Der Heilpraktiker für Heilpraktiker für PsychotherapieTherapieformen, angebotenePsychotherapie kann im Gegensatz zum öffentlichen Gesundheitswesen Therapieformen anbieten, die nicht von der Krankenkasse finanziert werden (z. B. Hypno-, Gestalt- oder Körperpsychotherapie). Die Kosten für die Behandlung trägt in diesem Fall der Klient. Die Arbeit des Heilpraktikers stellt somit eine Ergänzung zu den Angeboten der ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten dar, die häufig auf die wissenschaftlich anerkannten Therapieverfahren (tiefenpsychologische Verfahren, Verhaltenstherapie, Gesprächspsychotherapie) spezialisiert sind.
In den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über die Durchführung der Psychotherapie (Psychotherapie-Richtlinie) werden die von den gesetzlichen Krankenkassen erstattungsfähigen psychotherapeutischen Behandlungen detailliert aufgelistet. Zu diesen Verfahren zählen psychoanalytisch begründete Verfahren und Verhaltenstherapie.
Als psychoanalytische Verfahren gelten im Rahmen der Psychotherapie-Richtlinie tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die analytische Psychotherapie.
Die Erfordernisse der Psychotherapie-Richtlinie werden nicht erfüllt von:
  • Gesprächspsychotherapie

  • Gestalttherapie

  • Logotherapie

  • Psychodrama

  • Respiratorischem Biofeedback

  • Transaktionsanalyse

Therapeutische Arbeit

Die therapeutische Arbeit als Heilpraktiker für Heilpraktiker für Psychotherapietherapeutische ArbeitPsychotherapie setzt zunächst den Erwerb grundlegender theoretischer Kenntnisse sowie praktische Erfahrungen über die Entstehung, die Symptomatik, den Verlauf und die Therapie psychischer Störungen voraus. Dies wird im Rahmen der mündlichen und schriftlichen Prüfung durch die Gesundheitsämter in den verschiedenen Bundesländern ermittelt und geprüft. Gelten die persönliche Eignung sowie auch die fachlichen Voraussetzungen für die therapeutische Arbeit als gegeben und erfüllt, darf der Heilpraktiker für Psychotherapie tätig werden. Um die professionelle Berufsausübung sicherzustellen, sollte der Heilpraktiker für Psychotherapie im Folgenden seine Arbeit einer regelmäßigen SupervisionSupervision und Intervision unterziehen und darüber hinaus regelmäßig an Aus- und Weiterbildungen teilnehmen, die seinen Wirkungskreis und sein Arbeitsgebiet betreffen und dazu dienen, die Qualität der eigenen Arbeit kontinuierlich zu überprüfen, zu sichern und weiterzuentwickeln (Abb. 2.1).

Verständnisfragen

  • Ist es erlaubt, dass Heilpraktiker für Psychotherapie alle psychischen Erkrankungen behandeln?

  • Was muss der Heilpraktiker für Psychotherapie entscheiden, nachdem er das Anamnesegespräch geführt, die Krankheitssymptome festgestellt und die psychische Erkrankung diagnostiziert hat?

  • Kann der Heilpraktiker seine Heilkunde überall anwenden?

  • Welche Voraussetzungen (nach § 2 DVO) muss der Heilpraktiker erfüllen, damit er die Heilkunde ausüben darf?

  • Nennen Sie die Verbote bei der Ausübung der Arbeit als Heilpraktiker.

  • Wie lauten die fünf Pflichten, die in der Berufsordnung für Heilpraktiker (BOH) geregelt sind?

  • Erklären Sie den Begriff „Behandlungsvertrag“.

  • Was hat es mit der Haftpflicht auf sich? Erklären Sie die fünf Fälle, in denen ein Heilpraktiker haftet.

  • Was ist bei der Aufklärungspflicht wichtig?

  • In welchem Rahmen hat der Heilpraktiker eine Sorgfaltspflicht?

  • Was verstehen Sie unter der Dokumentationspflicht?

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