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B978-3-437-58303-2.00003-0

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978-3-437-58303-2

Das triadische System nach K. Schneider

[L157]

ICD-10-Klassifikation psychischer und psychiatrischer StörungenICD-10psychische StörungHauptgruppenPsychische StörungenICD-10-Klassifikation

Tab. 3.1
Kapitel Hauptgruppen
F0 Organische einschl. symptomatische psychische Störungen
F1 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
F2 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F3 Affektive Störungen
F4 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F5 Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen oder Faktoren
F6 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F7 Intelligenzminderung
F8 Entwicklungsstörungen
F9 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend

Klassifikation psychischer Störungen

  • 3.1

    Das triadische System16

    • 3.1.1

      Exogene Störungen16

    • 3.1.2

      Endogene Störungen16

    • 3.1.3

      Psychogene Störungen17

    • 3.1.4

      Grenzen des triadischen Systems17

  • 3.2

    Moderne Klassifikationssysteme17

Kapitelübersicht

Neben dem triadischen System, Psychische StörungenKlassifikationssystemedas aus didaktischen Gründen eine gute Einteilung ermöglicht, sollte der Heilpraktiker für Psychotherapie mit der Internationalen Krankheitsklassifikation (ICD-10) vertraut sein, die in Deutschland das verbindliche Referenzsystem darstellt. Das von dem deutschen Psychiater Kurt Schneider entwickelte triadische System unterteilt die psychischen Erkrankungen nach ihrer Entstehungsursache in exogene, endogene und psychogene Psychosen. Es geht zurück auf die von Emil Kraepelin Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals in die Psychiatrie eingeführte Systematik, die psychiatrische Erkrankungen nach ihrem Verlauf kategorisierte. Die modernen Klassifikationssysteme wie die ICD-10 sind inzwischen zu einem multifaktoriellen Entstehungsmodell übergegangen und nehmen eine Einteilung der psychischen Erkrankungen nicht mehr nach ätiologischen, sondern nach phänomenologischen Aspekten vor.

Das aktuelle in Deutschland anerkannte Klassifikationsmodell psychischer Erkrankungen ist die International Classification of ICD-10Diseases in der 10. Revision: ICD-10. Da sich für den Lernenden aber eine didaktisch einprägsame und weiterhin für Amtsärzte älterer Generation als Referenzsystem genutzte Einteilung bewährt hat, soll hier zunächst das triadische Triadisches SystemSystem nach Kurt Schneider vorgestellt werden.

Das triadische System

Psychische Störungentriadisches SystemDas von dem deutschen Psychiater Kurt Schneider, KurtSchneider entwickelte triadische System unterteilt die psychischen Erkrankungen nach ihrer Entstehungsursache in drei große Kategorien: exogene, endogene und psychogene Psychosen (Abb. 3.1) [1]. Es stützt sich auf die Systematik, die Emil Kraepelin, EmilKraepelin Anfang des letzten Jahrhunderts erstmals in die Psychiatrie eingeführt hatte und psychiatrische Erkrankungen nach ihrem Verlauf kategorisierte. Kraepelin unterschied zwischen endogenen und exogenen Psychosen und trennte die manisch-depressiven Erkrankungen von der Dementia praecoxDementiapraecox („frühzeitige Verblödung“). Eugen Bleuler, EugenBleuler modifizierte die Systematik, indem er für die Dementia praecox den Begriff der Schizophrenie/schizophrene Störungentriadisches SystemSchizophrenie einführte. Er zeigte auch, dass die Schizophrenie nicht immer, wie von Kraepelin postuliert, in einen Defektzustand münden muss.

Exogene Störungen

Exogene Exogene StörungenStörungen Psychische Störungenexogenesind nach dem triadischen System psychische Erkrankungen, die durch körperliche Veränderungen ausgelöst sind und deren Ursache bekannt ist. Es liegt ein Befund einer eindeutigen organischen Erkrankung vor (Abb. 3.1). Die organische Störung kann dabei primär das Gehirn betreffen oder eine systemische körperliche Erkrankung sein, welche die Funktionen des Gehirns beeinträchtigt.
Synonyme: organische psychische Störung, exogene PsychosePsychosen/psychotische StörungenorganischePsychosen/psychotische StörungenexogeneOrganische Psychose, organische Psychose (Kap. 9.2) oder somatogene somatogene PsychosePsychosen/psychotische StörungensomatogenePsychose

Endogene Störungen

Endogene Psychische StörungenendogeneEndogene StörungenStörungen sind Erkrankungen, denen zwar eine körperliche Ursache als wahrscheinlich unterstellt wird, deren genaue Zusammenhänge jedoch bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Diese Erkrankungen konnten weder den exogenen Psychosen noch den psychogenen Störungen zugeordnet werden (Abb. 3.1). Ihnen werden konstitutionelle und genetische Veranlagungen zugeschrieben.
Synonym: endogene Psychosen/psychotische StörungenendogenePsychose

Psychogene Störungen

Psychogene Psychogene StörungenStörungen sind durch Persönlichkeitseigenschaften, Verhaltensweisen, biografische Faktoren und als Reaktion der Psyche auf belastende Lebensumstände zu verstehen (psychoreaktiv, seelisch bedingt).
Synonyme: SymptomneurosenSymptomneurosen, Psychosen/psychotische StörungenpsychogeneCharakterneurosenCharakterneurosen oder abnorme Variationen psychischen Psychisches Erleben, abnorme VariationenErlebens (Abb. 3.1).

Grenzen des triadischen Systems

Das Einteilungsprinzip wurde Triadisches SystemGrenzennach ätiologischen Gesichtspunkten geschaffen, die nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr aufrechtzuerhalten sind. Vielmehr sind psychische Psychische Störungenmultifaktoriell bedingteStörungen aus allen drei Gruppen mehr oder weniger multifaktoriell bedingt, d. h., bei der Krankheitsentstehung sind mehrere Ursachen beteiligt. Auch bei psychogenen Störungen lassen sich genetische oder konstitutionelle Aspekte für die Entstehung finden. Der Einfluss von Umweltfaktoren, der ausschließlich für die Krankheitsentstehung der psychogenen Störungen angenommen wurde, lässt sich dagegen auch bei endogenen Psychosen nachweisen.
Der Endogenitätsbegriff, psychische StörungenEndogenitätsbegriffPsychische StörungenEndogenitätsbegriff ist aufgrund seiner Unschärfe ebenfalls entbehrlich. Er definiert zwar, durch was eine Erkrankung nicht bedingt ist, also nicht durch biografische oder Umweltfaktoren und nicht durch organische Faktoren. Was darunter aber positiv zu verstehen ist, bleibt unklar. Manche Autoren setzen endogen mit „genetisch“ gleich; andere verstehen darunter Störungen, deren organische Ursache zum jetzigen Zeitpunkt und Wissensstand noch nicht geklärt werden konnte.
Der Begriff „Psychose“Psychosen/psychotische StörungenBegriffsdefinition hat sich im Zusammenhang mit dem triadischen System etabliert. Er drückt aus, dass die tiefgreifenden psychischen Erkrankungen der exogenen und endogenen Gruppe mit einem stärkeren Realitätsverlust und deutlicheren Einbußen der psychischen Funktionen (Denken, Fühlen, Handeln) und der sozialen Anpassung einhergehen als die der psychogenen Gruppe. Dies ist jedoch kein verlässliches Unterscheidungskriterium.
Der Neurosen/neurotische StörungenBegriffsdefinitionNeurosebegriff stammt ursprünglich von Sigmund Freud. Er verstand darunter Störungen, die durch unbewusste und ungelöste frühkindliche Frühkindliche Konflikte, ungelösteKonfliktefrühkindliche ungelösteKonflikte bedingt sind und durch aktuelle traumatische Ereignisse wieder aufleben und zu krankhaftem Erleben und Verhalten führen können. Im triadischen System werden mit diesem Begriff psychische Störungen klassifiziert, die keine erkennbare organische Ursache haben und bei denen der Patient keinen Verlust der Realität erlebt und meist eine Krankheitseinsicht behält.
Trotz dieser begrifflichen Unschärfen hat sich das triadische System sehr bewährt, da es eine hilfreiche Struktur („Schubladen“) zum Lernen bietet und einen ersten Überblick über die psychischen Erkrankungen ermöglicht.

Merke

Viele Prüfer benutzen als Referenzsystem noch das triadische System und legen Wert darauf, dass Sie exogene und endogene Psychosen von psychogenen (speziell neurotischen) Störungen unterscheiden können. Wichtig ist dabei, dass Sie Patienten mit exogenen oder endogenen Psychosen auf jeden Fall zum psychiatrischen Facharzt überweisen müssen!

Moderne Klassifikationssysteme

Psychische StörungenICD-10-KlassifikationDie modernen Psychische StörungenKlassifikationssystemeKlassifikationssysteme haben die ätiologische Einteilung, also die Einteilung nach der Krankheitsursache, verlassen und orientieren sich vornehmlich an der PhänomenologiePhänomenologie, d. h. an der Symptomatik, dem Verlauf und dem Schweregrad von Erkrankungen. Das in Deutschland gängigste Referenzsystem ist die International Classification of ICD-10Diseases in ihrer 10. Fassung (ICD-10). Im angloamerikanischen Sprachraum ist das Diagnostic and Statistical Manual of Mental DisordersDSM (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders), 5. Auflage (DSM-5) in der 5. Auflage (DSM-5) in Gebrauch. Bei uns findet das DSM-5 häufig auch in der Forschung Anwendung.

Merke

Die modernen Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-5 unterscheiden sich vom triadischen System hauptsächlich in ihren Einteilungskriterien. Sie stützen sich nicht auf ätiologische, sondern auf phänomenologische Aspekte.

Die ICD ist eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1991 eingeführte international akzeptierte Systematik psychischer Erkrankungen. Aktuell gilt die 10. Überarbeitung dieser Systematik, deshalb trägt die ICD auch diesen Ziffernzusatz. Seit dem Jahr 2000 stellt die ICD-10 auch das in Deutschland verbindliche Klassifikationssystem dar. Seit dem 1.1.2009 ist zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung die „ICD-10ICD-10GM Version 2009-GM Version 2009“ (GM: German Modification) anzuwenden.
Da die ICD-10 in Deutschland zur Einteilung psychischer Erkrankungen gebräuchlich ist, orientiert sich dieses Buch an der Struktur der ICD-10. Dennoch werden dem Kandidaten in der Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie auch Inhalte der traditionellen Klassifikation abverlangt. Aus diesem Grund wird, falls notwendig, auf das triadische System Bezug genommen und in den einzelnen Kapiteln gesondert darauf verwiesen.

Therapeutische Praxis

Obwohl das triadische System bei vielen Amtsärzten noch prüfungsrelevant ist, wird die ICD in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen, weshalb Sie mit ihrer Struktur und ihren Einteilungsprinzipien vertraut sein müssen.

Internationale Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10, Kapitel F)
In Klinik und Forschung haben sich hinsichtlich der Diagnostik und Klassifikation psychischer Störungen in den letzten Jahren einschneidende Veränderungen ergeben. Mit der Aufnahme der psychischen Erkrankungen in die zunächst somatisch orientierte International Statistical Classification of Diseases and Related Health International Statistical Classification of Diseases and Related Health ProblemsProblems (1991) trug die WHO diesen Veränderungen Rechnung.
Die ICD-10 gilt somit als diagnostische Leitlinie für die Psychiatrie, die klinische Psychologie und die damit verbundene Psychotherapie. Sie bietet eindeutige diagnostische Kriterien sowie Ein- und Ausschlussdiagnosen, anhand derer eine psychische Erkrankung einer Störungskategorie zugeordnet werden kann. Sie ermöglicht auch das Verschlüsseln (Codieren) mehrerer gleichzeitig auftretender psychischer Erkrankungen (KomorbiditätenKomorbidität).
Die psychischen und psychiatrischenPsychische StörungenICD-10-Klassifikation finden sich in Kapitel F der ICD-10 (Tab. 3.1).
Die einzelnen Ziffern des Kapitels F sind entsprechend den Störungsbildern weiter unterteilt und bieten die Möglichkeit, durch Zusatz einer fünften Stelle z. B. den Verlauf zu codieren. Eine hebephrene Schizophrenie, die kontinuierlich verläuft, erhält z. B. die Codierung F20.10.

Therapeutische Praxis

Die Begriffe „endogen“ und „psychogen“ werden in der ICD-10 nicht mehr verwendet. Häufig findet man sie aber noch im klinischen Alltag.

Verständnisfragen

  • Was ist das triadische System? Worin liegen seine Stärken und Schwächen?

  • Erklären Sie den Neurose- und Psychosebegriff.

  • Welches Klassifikationssystem ist derzeit für psychische Störungen gültig? Auf welchen Prinzipien beruht es?

  • Worin unterscheiden sich moderne Klassifikationssysteme (wie z. B. ICD-10) vom triadischen System?

  • Nennen Sie Synonyme für folgende Begriffe: endogene Störung, exogene Störung, psychogene Störung!

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