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B978-3-437-58303-2.00017-0

10.1016/B978-3-437-58303-2.00017-0

978-3-437-58303-2

Aufrechterhaltung von sexuellen Funktionsstörungen Sexuelle FunktionsstörungenAufrechterhaltung

[L157]

Das PLISSIT-Modell nach J. S. Annon PLISSIT-Modell, sexuelle FunktionsstörungenSexuelle FunktionsstörungenPLISSIT-Modell

[L157]

Einteilung der sexuellen Störungen nach ICD-Sexuelle FunktionsstörungenICD-10-KlassifikationSexualpräferenz(störungen)Geschlechtsidentität(sstörungen)10

Tab. 17.1
ICD-10-Klassifikation Unterteilung
Sexuelle Funktionsstörungen
(F52)
  • Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen

  • Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung

  • Versagen genitaler Reaktionen

  • Orgasmusstörungen

  • Ejaculatio praecox

  • Vaginismus

  • Dyspareunie

  • Gesteigertes sexuelles Verlangen

  • Sonstige nichtorganische sexuelle Funktionsstörungen

  • Nicht näher bezeichnete sexuelle nichtorganische Funktionsstörungen

Störungen der Geschlechtsidentität
(F64)
  • Transsexualismus

  • Transvestitismus unter Beibehaltung der Geschlechtsrolle

  • Störung der Geschlechtsidentität im Kindesalter

  • Sonstige Störungen der Geschlechtsidentität

  • Nicht näher bezeichnete Störungen der Geschlechtsidentität

Störungen der Sexualpräferenz
(F65)
  • Fetischismus

  • Fetischistischer Transvestitismus

  • Exhibitionismus

  • Voyeurismus

  • Pädophilie

  • Sadomasochismus

  • Multiple Störungen der Sexualpräferenz

  • Sonstige Störungen der Sexualpräferenz

  • Nicht näher bezeichnete Störungen der Sexualpräferenz

Sexuelle Funktionsstörungen nach ICD-VaginismusnichtorganischerSexuelles VerlangenMangel/VerlustSexuelles VerlangengesteigertesSexuelle ErregungsstörungenSexuelle AppetenzstörungenOrgasmusstörungenNichtorganischer VaginismusNichtorganische DyspareunieErektionsstörungenEjaculatio praecoxDyspareunienichtorganische10

Tab. 17.2
Sexuelle Funktionsstörung Kennzeichen
Störungen der sexuellen Appetenz
  • Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen (F52.0): Der Verlust des sexuellen Verlangens ist das Grundproblem und beruht nicht auf anderen sexuellen Schwierigkeiten wie Erektionsstörungen oder Dyspareunie (Schmerzen bei der Kopulation). Mangel an sexuellem Verlangen schließt sexuelle Befriedigung oder Erregung nicht aus, sondern bedeutet, dass sexuelle Aktivitäten seltener initiiert werden.

  • Gesteigertes sexuelles Verlangen (F52.7): Männer und Frauen (meist Teenager oder junge Erwachsene) klagen gelegentlich über ein gesteigertes sexuelles Verlangen als eigenständiges Problem. Handelt es sich um ein sekundär gesteigertes sexuelles Verlangen bei einer affektiven Störung oder in frühen Stadien einer Demenz, ist nach ICD-10 die zugrunde liegende Störung zu codieren.

Störungen der sexuellen Erregung
  • Versagen genitaler Reaktionen (F52.2): Männer: Erektionsstörungen. Das Hauptproblem ist die Schwierigkeit, die für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr notwendige Erektion zu erlangen oder aufrechtzuerhalten. Frauen: Mangel oder Ausfall der vaginalen Lubrikation („Schmierfähigkeit/Feuchtigkeit“). Dieses kann psychisch bedingt, Folge einer lokalen Erkrankung oder eines Östrogenmangels sein.

  • Orgasmusstörung (F52.3): Der Orgasmus tritt nicht oder nur stark verzögert ein. Dies kann situativ, d. h. nur in bestimmten Situationen mit psychogener Verursachung, oder ständig auftreten.

  • Ejaculatio praecox (F52.4): Unfähigkeit, die Ejakulation so zu kontrollieren, dass der Geschlechtsverkehr für beide Partner befriedigend ist. In schweren Fällen kann die Ejakulation vor der Einführung in die Vagina oder auch ohne Erektion erfolgen.

Störungen mit sexuell bedingten Schmerzen
  • Nichtorganischer Vaginismus (F52.5): Spasmus der die Vagina umgebenden Beckenbodenmuskulatur, wodurch der Introitus verschlossen wird. Die Einführung des Penis in die Vagina ist unmöglich oder schmerzhaft.

  • Nichtorganische Dyspareunie (F52.6): Diese Kategorie sollte nur verwendet werden, wenn keine andere primäre Sexualstörung vorliegt, da eine Dyspareunie (Schmerzen bei der Kopulation) häufig einem lokalen krankhaften Geschehen zugeordnet werden kann.

Störungen der Geschlechtsidentität nach ICD-TransvestitismusTranssexualismusICD-10GeschlechtsidentitätsstörungenGeschlechtsidentität(sstörungen)ICD-1010TransvestitismusKennzeichenTranssexualismusKennzeichen

Tab. 17.3
Störung der Geschlechtsidentität Kennzeichen
Transsexualismus (ICD-10: F64.0) Wunsch, als Angehöriger des anderen biologischen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden. Dies geht meist mit dem Gefühl des Unbehagens oder der Nichtzugehörigkeit zum eigenen Geschlecht einher. Es besteht der Wunsch nach hormoneller und chirurgischer Behandlung, um den eigenen Körper dem bevorzugten Geschlecht so weit wie möglich anzupassen.
Transvestitismus unter Beibehaltung beider Geschlechtsrollen (ICD-10: F64.1) Die Betroffenen wollen zeitweilig die Erfahrung der Zugehörigkeit zum anderen Geschlecht erleben. Dabei wird auch gegengeschlechtliche Kleidung getragen. Es besteht kein Wunsch nach Geschlechtsumwandlung oder chirurgischer Korrektur.

Störungen der SexualpräferenzSexualpräferenz(störungen)ICD-10-Klassifikation nach ICD-VoyeurismusTransvestitismusfetischistischerSexualpräferenz(störungen)multipleSadomasochismusSadismusPädophilieMasochismusFrotteurismusFetischistischer TransvestitismusFetischismusExhibitionismus10Sexualpräferenz(störungen)multipleSexualpräferenz(störungen)KennzeichenSodomie

Tab. 17.4
Störungen der Sexualpräferenz Kennzeichen
Fetischismus
(F65.0)
Gebrauch toter Objekte als Stimuli für die sexuelle Erregung und zur sexuellen Befriedigung. Die Diagnose soll nur gestellt werden, wenn der Fetisch die wichtigste Quelle sexueller Erregung darstellt oder für die sexuelle Erregung unerlässlich ist.
Fetischistischer Transvestitismus
(F65.1)
Bekleidung des anderen Geschlechts wird hauptsächlich zur sexuellen Erregung getragen.
Exhibitionismus
(F65.2)
Wiederholte oder ständige Neigung, die eigenen Genitalien vor meist gegengeschlechtlichen Fremden in der Öffentlichkeit zu entblößen, ohne zu einem näheren Kontakt aufzufordern oder diesen zu wünschen. Meist wird das Zeigen von sexueller Erregung begleitet, oft kommt es zur Masturbation.
Voyeurismus
(F65.3)
Wiederholt auftretender oder ständiger Drang, anderen Menschen bei sexuellen Aktivitäten oder Intimitäten (z. B. beim Entkleiden) zuzusehen. Dies passiert in der Regel heimlich und führt zu sexueller Erregung und Masturbation.
Pädophilie
(F65.4)
Sexuelle Präferenz für Kinder, die sich zumeist in der Vorpubertät oder im frühen Stadium der Pubertät befinden.
Sadomasochismus
(F65.5)
Es werden sexuelle Aktivitäten mit Zufügung von Schmerzen und Erniedrigung durch gewaltsame Praktiken bevorzugt. Ist das Erleiden der Erniedrigung mit sexueller Stimulation verbunden, handelt es sich um Masochismus. Wenn die sexuelle Erregung durch das Zufügen von Qualen und Erniedrigung erreicht wird, spricht man von Sadismus. Oft sind beide Formen als Sadomasochismus miteinander kombiniert.
Multiple Störungen der Sexualpräferenz (F65.6) In manchen Fällen bestehen bei einer Person mehrere abnorme sexuelle Präferenzen, ohne dass eine im Vordergrund steht. Die häufigste Kombination ist Fetischismus, Transvestitismus und Sadomasochismus.
Sonstige Störungen der Sexualpräferenz
(F65.8)
Hierzu gehören andere sexuelle Aktivitäten wie obszöne Telefonanrufe, Pressen des eigenen Körpers an andere Menschen zur sexuellen Stimulation in Menschenansammlungen (Frotteurismus), sexuelle Handlungen an Tieren (Sodomie), Strangulieren und Nutzung der Anoxie zur Steigerung der sexuellen Erregung.

Bestandteile der Sexuelle OrientierungSexualpraktikenSexualanamneseSexualanamnese

Tab. 17.5
Sexuelle Problematik Beschreibung des sexuellen Problems: Häufigkeit, Dauer, Auftreten während des sexuellen Reaktionszyklus, Auslösebedingungen etc.
Frühkindliche Entwicklung Umgang der Eltern mit dem Thema „Sexualität“, Tabus
Masturbationserfahrungen Häufigkeit, Beginn, Schuldgefühle
Erste sexuelle Kontakte Positive/negative Bewertung der Erfahrungen, homo-/heterosexuelle Erfahrungen, erster Geschlechtsverkehr
Partnerschaften Partnertyp, Partnerwechsel, Häufigkeit der sexuellen Kontakte, Auftreten sexueller Probleme, aktuelle Partnerschaft
Sexuelle Orientierung und Sexualpraktiken Homo-/hetero-/bisexuell, Vorlieben, ungewöhnliche Sexualpraktiken

Organische Ursachen sexueller MedikamentenabhängigkeitErektionsstörungenErektionsstörungenDyspareunieDrogenabhängigkeitErektionsstörungenAlkoholabhängigkeitErektionsstörungenStörungenSexuelle Funktionsstörungenorganisch bedingte

Tab. 17.6
Organische Ursachen Beispiele
Kardiovaskuläre Erkrankungen (koronare Herzkrankheit, Arteriosklerose, Gefäßveränderungen im Genital-/Beckenbereich) Erektionsstörungen
Stoffwechsel-/Hormonstörungen (Diabetes mellitus, Hypophysenerkrankungen, Hyperthyreose, Östrogenmangel) Erektionsstörungen, Lubrikationsstörungen
Tumoren (im Genitalbereich, Hypophysentumoren) Dyspareunie, Erektionsstörungen,
Entzündungen Dyspareunie
Neurologische Erkrankungen (Bandscheibenvorfall, Polyneuropathie, MS) Erektionsstörungen
Postoperativ (Prostata-OP, Kürettage) Erektionsstörungen, Dyspareunie
Alkohol, Drogen, Medikamente Erektionsstörungen

Sexuelle Störungen

  • 17.1

    Definition244

  • 17.2

    Übergang von „normaler“ Sexualität zur sexuellen Störung244

  • 17.3

    Klassifikation nach ICD-10245

  • 17.4

    Symptomatik246

    • 17.4.1

      Sexuelle Funktionsstörungen (ICD-10: F52)246

    • 17.4.2

      Störungen der Geschlechtsidentität (ICD-10: F64)247

    • 17.4.3

      Störungen der Sexualpräferenz (ICD-10: F65)248

  • 17.5

    Diagnostik249

  • 17.6

    Epidemiologie und Krankheitsverlauf249

  • 17.7

    Ätiologie249

  • 17.8

    Therapie250

    • 17.8.1

      Psychotherapeutische Methoden250

    • 17.8.2

      Medikamentöse Therapie252

Kapitelübersicht

SexualitätSexualität ist im Leben Sexuelle Funktionsstörungeneines jeden Menschen ein wichtiger Bereich und bestimmt sein psychisches und körperliches Befinden wesentlich. Das Sexualverhalten ist sehr individuell, wird aber von äußeren Einflüssen geprägt. Der Übergang von „normalem“ zu gestörtem sexuellem Verhalten ist fließend und muss daher immer vor dem Hintergrund von Persönlichkeit, Alter und Entwicklung, soziokulturellen und historischen Bedingungen mit den jeweiligen Erziehungs- und gesellschaftlichen Normen betrachtet werden.

Im Fokus der Aufmerksamkeit sollte auch die partnerschaftliche Beziehung stehen, um das sexuelle Verhalten adäquat beurteilen zu können. Partnerschaftliche Probleme sind ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Sexualstörungen. Weitere Entstehungsfaktoren sind Ängste, Probleme, die sich aus der eigenen Persönlichkeit ergeben, sexueller Leistungsdruck, berufliche Belastungen, negative sexuelle Vorerfahrungen, die frühkindliche Sexualentwicklung, aber auch organische Störungen.

Die sexuellen Störungen werden in sexuelle Funktionsstörungen, Störungen der Geschlechtsidentität und Störungen der Sexualpräferenz unterteilt. Die sexuellen Funktionsstörungen sind die häufigsten Störungen des Sexualverhaltens, wobei die sexuelle Appetenzstörung bei der Frau und die Erektionsstörung beim Mann den größten Anteil einnehmen. Eine gezielte Behandlung dieser Störungen kann gute Therapieerfolge vorweisen. TranssexualismusTranssexualismus und TransvestitismusTransvestitismus sind Formen der gestörten Geschlechtsidentität, deren Diagnostik und Therapie besonders ausgebildete Fachärzte und -therapeuten erfordert. Sexuelle Sexuelle DeviationenDeviationen, die auch als Störungen der Sexualpräferenz bezeichnet werden und zu denen die Pädophilie gehört, sind schwer zu beeinflussen, am häufigsten Ursache von Sexualstrafdelikten und eher selten einer Therapie zugänglich.

Zur sorgfältigen Diagnostik gehören immer eine organische Abklärung und eine differenzierte SexualanamneseSexualanamnese. Sexuelle Störungen treten nämlich auch häufig bei anderen psychischen Störungen als Begleitsymptome auf. Entscheidendes Kriterium für die Behandlungsbedürftigkeit von Sexualstörungen ist der subjektive Leidensdruck oder das Leid anderer, das durch die Störung entsteht, wie z. B. bei der Pädophilie. Die Therapie erstreckt sich von fundierter Beratung über verhaltenstherapeutische Übungsprogramme oder psychoanalytische Therapie bis hin zur Rückfallprävention bei bestimmten Störungen der Sexualpräferenz. Die Behandlung der Störung sollte spezialisierten Therapeuten vorbehalten bleiben.

Definition

SexualitätSexualität ist der intimste Bereich eines jeden Menschen. Jeder Mensch ist mit seiner ganzen Persönlichkeit individuell und einzigartig – so auch in der Sexualität, die sich in unterschiedlichen Präferenzen und Fantasien ausdrückt. Diese sind Bestandteil der normalen sexuellen Funktionsfähigkeit. Wenn allerdings diese Fantasien oder Wünsche beginnen, uns oder unsere Umwelt in unerwünschter Weise zu beeinflussen und uns oder andere leiden zu lassen, wird die Grenze zur Störung überschritten.
Eine Abgrenzung zwischen gestörtem und ungestörtem sexuellem Verhalten ist aber schwierig und von persönlicher Einstellung, Erziehung, historischem Hintergrund und kultureller Prägung abhängig. Eine wichtige Funktion hat natürlich auch die jeweilige partnerschaftliche Beziehung. In den sexuellen Störungen offenbart sich die Beziehung zwischen körperlichen und seelischen Funktionen wohl am deutlichsten und direktesten.

Übergang von „normaler“ Sexualität zur sexuellen Störung

Sigmund Freud erarbeitete in seinen Studien, dass der menschliche Sexual- und Lebenstrieb, die LibidoLibido (heute: GeschlechtstriebGeschlechtstrieb, Streben nach sexueller Lust), bereits im Säuglingsalter ausgebildet ist. Hier handelt es sich zunächst um ein ganz körperliches Verlangen nach Wohlbefinden, hervorgerufen durch den saugenden und nährenden Kontakt mit der mütterlichen Brust. Daraus entwickelte Freud sein Phasenmodell der kindlichen Entwicklung (Kap. 8.1.2):
  • Orale Orale PhasePhase (0–1½ Jahre): lustvolles Empfinden beim Saugen und bei der Nahrungsaufnahme. Kindliche Entwicklungorale Phase

  • Anale Anale PhasePhase (1½–3 Jahre): lustvolles Erleben der Ausscheidungsfunktionen und eigene Kontrolle über die Ausscheidungsfunktionen sowie die Lust an der Selbstbestimmung. Kindliche Entwicklunganale Phase

  • Phallische (ödipale) Phallische PhaseÖdipale PhasePhase (4–6 Jahre): lustvolles Erleben der eigenen Geschlechtsorgane, Wahrnehmen der Geschlechtsunterschiede mit Werben und Konkurrenz. Kindliche Entwicklungphallische (ödipale) Phase

  • LatenzphaseLatenzphase (6–12 Jahre): Das lustvolle Interesse am Geschlechtlichen nimmt zugunsten der Aufmerksamkeit für die soziale Umwelt und die Entwicklung intellektueller Fähigkeiten ab.

Daran schließt sich mit der PubertätPubertät bzw. GeschlechtsreifeGeschlechtsreife die genitale PhaseKindliche Entwicklunggenitale Phase an, die mit Eintritt der ersten Menstruationsblutung (Menarche) bei Mädchen gewöhnlich zwischen dem 12. und 14. Lj. beginnt. Bei Jungen beginnt die Pubertät häufig später. Die Pubertät bringt eine Vielzahl körperlicher Veränderungen (z. B. Brustvergrößerung, Schambehaarung und Vergrößerung der Hoden) mit sich und ist eng an die psychosexuelle Entwicklung und Identitätsfindung gekoppelt.
Kindliche EntwicklungStörungenStörungen können in jeder der genannten Phasen auftreten. In der Sprache der Entwicklungspsychologie heißt es, dass die Phase „nicht gelungen“ bewältigt werden konnte. Ausschlaggebend sind hierfür zum großen Teil Faktoren wie die Einstellung der Eltern zu ihrer eigenen geschlechtlichen Identität und zur Sexualität sowie die sich daraus ergebende Qualität der Partnerbeziehung, die sich auf die Erziehung und Entwicklung des Kindes auswirkenSexualitätBeziehungserfahrungen. Die Einstellung zu Sexualität und Partnerschaft wird durch die Qualität der Beziehung der Eltern untereinander und die gelebte Beziehung der Eltern oder eines Elternteils zum Kind geprägt. Durch Offenheit oder Tabus, den ungeeigneten Umgang mit sexuellen Themen vor dem Kind, offen ausgetragene Auseinandersetzungen oder die Verlagerung der jeweils eigenen Konflikte auf das Kind kann dessen Entwicklung ggf. gestört werden. So können falsche Vorstellungen z. B. über die Häufigkeit sexueller Kontakte, die Art und Weise des Geschlechtsverkehrs sowie Auswirkungen des Lebensalters auf die Sexualität und damit Ängste (Erwartungs-, Versagens- und Schwangerschaftsängste) und Leistungsdruck entstehen.

Merke

BeziehungserfahrungenBeziehungserfahrungen sind lebenslang eng mit der SexualitätSexualitätBeziehungserfahrungen verknüpft!

Bei der reifen und „normalen“ Sexualität vollzieht sich die sexuelle Sexuelle Erregung, PhasenErregung in vier Phasen:
  • Erregungsphase: Erregungsphase, sexuelle Erregungzunehmendes Lustgefühl und Gefäßverengung im Bereich der primären Geschlechtsorgane, Puls- und Blutdruckanstieg, erhöhte Atemfrequenz, Muskelanspannung, Lubrikation (Schleimsekretion) der Vagina

  • Plateauphase: Plateauphase, sexuelle Erregungweiter zunehmendes Lustgefühl mit den beschriebenen körperlichen Reaktionen

  • Orgasmusphase: Orgasmusphase, sexuelle Erregungintensives Lustgefühl, rhythmische Kontraktion der Beckenmuskulatur bzw. Ejakulation

  • Entspannungsphase: Entspannungsphase, sexuelle ErregungGefühl der Befriedigung, Erregungsabfall

Plateau- und Orgasmusphase sind bei Frauen interindividuell und individuell verschieden. In der Entspannungsphase ist bei Männern eine erneute sexuelle Erregung für eine bestimmte Zeit (Refraktärzeit) unmöglich; diese Refraktärzeit, sexuelle ErregungRefraktärzeit ist individuell unterschiedlich und altersabhängig.

Therapeutische Praxis

Die Kenntnis der Phasen der sexuellen Entwicklung und des sexuellen Sexueller ReaktionszyklusReaktionszyklus beim Mann und bei der Frau ist die Grundlage für die Einteilung sexueller Störungen sowie notwendige Basis für eine gezielte Beratung und kompetente Therapie.

Unter SexualstörungenSexualstörungen verstehen wir Störungen im Bereich des sexuellen Verhaltens. Diese umfassen:
  • Sexuelle Sexuelle FunktionsstörungenFunktionsstörungen (ICD-10: F52)

  • Störungen der Geschlechtsidentität(sstörungen)Geschlechtsidentität (ICD-10: F64)

  • Störungen der Sexualpräferenz(störungen)Sexualpräferenz (ICD-10: F65)

Die Sexualstörungen sind in der ICD-10 auf Kapitel F5 „Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen“ und Kapitel F6 „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ aufgeteilt. Zum besseren Verständnis werden die sexuellen Störungen in diesem Buch gemeinsam in einem Kapitel behandelt. Es wird aber jeweils darauf hingewiesen, in welchem Kapitel der ICD-10 das besprochene Krankheitsbild dargestellt wird.

Gut zu wissen

Geschlechterrolle: Geschlechterrollegesellschaftliche Erwartung an das geschlechtsspezifische Verhalten von Mann und Frau

Geschlechtsidentität: Geschlechtsidentität(sstörungen)subjektives Gefühl, sich als „Mann“ oder „Frau“ wahrzunehmen

Sexualpräferenz: Sexualpräferenz(störungen)sexuelle Vorlieben und Praktiken

Sexuelle Orientierung: Sexuelle OrientierungZuwendung zum Geschlechtspartner (homo-, hetero oder bisexuell)

Merke

Homosexualität Homosexualitätist eine Variationsbreite normalen sexuellen Verhaltens und gehört nicht zu den sexuellen Störungen.

Klassifikation nach ICD-10

Die sexuellen Sexuelle FunktionsstörungenICD-10-KlassifikationICD-10sexuelle StörungenStörungen werden in der ICD-10 gemäß Tab. 17.1 eingeteilt.

Symptomatik

Sexuelle Funktionsstörungen (ICD-10: F52)

Fall

Sexuelle Appetenzstörung – „Wenn er mich anfasst, mache ich gleich dicht“

Sexuelle FunktionsstörungenFallbeispielEine 36-jährige Frau Sexuelle Appetenzstörungenberichtet Sexuelle Funktionsstörungenwährend einer psychotherapeutischen Sitzung über ihr verändertes Sexualverhalten: „Zwischen meinem Mann und mir läuft auch beim Sex derzeit nicht viel. Es ist irgendwie meine Schuld, aber ich kann einfach nicht. Ich fühle mich seit der Geburt meines dritten Sohnes so unattraktiv, habe immer noch 8 kg zu viel und fühle mich so unzufrieden. Mein Mann hat noch nie viel über Gefühle gesprochen oder mir Komplimente gemacht, aber seit ich nur noch mit den Kindern zusammen bin, den Haushalt schmeiße und keine Kollegen oder Freunde mehr sehe, fehlt mir eine Bestätigung. Früher waren das für mich der Beruf oder die Kontakte in der Firma, jetzt habe ich nur noch die Kinder. Ich glaube, ich vernachlässige mich, auch äußerlich. Ich kann nicht glauben, dass mein Mann noch etwas an mir findet, und wenn er zärtlich wird, habe ich das Gefühl, er will nur noch sich befriedigen, es geht gar nicht mehr um mich. Wenn er mich dann anfasst, mache ich gleich dicht. Ich weiche ihm aus und versuche der Situation zu entkommen, ich habe einfach keine Lust auf Sex. Natürlich belastet das unsere Beziehung noch mehr.“
Definition
Sexuelle Funktionsstörungen, die in der ICD-10 dem Kapitel „Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen“ (F5) zugeordnet sind, bestehen zum einen aus Störungen der sexuellen Appetenz, zum anderen aus Störungen der sexuellen Erregung:
  • Die Störungen der sexuellen Sexuelle AppetenzstörungenAppetenz (lat. appetere, verlangen), einer Veränderung des sexuellen Verlangens, werden auch AnhedonieAnhedonie (Gegenteil des aus dem Griech. abgeleiteten HedonismusHedonismus, freudige, genießerische Lebensauffassung) genannt. Hierbei leiden die Betroffenen unter dem Mangel oder Verlust sexuellen Verlangens und unter der Unfähigkeit, Lust zu empfinden.

  • Unter Störungen der sexuellen Sexuelle ErregungsstörungenErregungsstörungen, sexuelleErregung versteht man eine Veränderung der genitalen Reaktion, also Erektionsstörungen oder Impotenz beim Mann, vaginale Sekretionsstörungen bei der Frau.

Außerdem werden noch Störungen der OrgasmusstörungenOrgasmusfähigkeit (Anorgasmie)Anorgasmie beschrieben, mit dem subjektiven Empfinden, beim Verkehr keinen oder nur verzögert einen lustvollen Höhepunkt zu erleben. Bei Frauen ist diese Störung häufiger zu finden als bei Männern, da die Orgasmusfähigkeit bei der Frau stärker von emotionalen und situativen Einflüssen abhängig ist als beim Mann.
Symptomatik
Symptome und Kennzeichen der sexuellen Sexuelle FunktionsstörungenSymptomeICD-10sexuelle FunktionsstörungenFunktionsstörungen sind in Tab. 17.2 zusammengefasst.

Erläuterungen zum Fall

Sexuelle FunktionsstörungenFallbeispielDie Klientin im Fallbeispiel berichtet von einem veränderten Sexualverhalten, bei dem sie einen Mangel an sexuellem Verlangen beklagt. Der Zusammenhang zwischen eigenem Selbstwertgefühl und sexueller Lust wird klar beschrieben. Ihr fehlen im Alltag Bestätigungen, durch die sie sich selbst schätzen kann und die sie attraktiv machen. Sexuelle Appetenzstörungen können sich häufig nach Schwangerschaften entwickeln, haben meist aber auch partnerschaftliche Konflikte zum Hintergrund. Eine genaue Sexualanamnese, aber auch weitere partnerschaftliche Aspekte sowie die Abklärung anderer psychischer Störungen (z. B. DepressionDepression/depressive Episodesexuelle Funktionsstörungen) sind bei der Klientin nötig, um eine eindeutige Diagnose stellen zu können.

Auch nachorgastische Nachorgastische StörungenStörungen können Beschwerden verursachen und sind häufig mit Problemen in der Partnerschaft verbunden. Sie zeigen sich als Gereiztheit, depressive Verstimmung, innere Unruhe, Schlafstörungen und genitale Missempfindungen.

Störungen der Geschlechtsidentität (ICD-10: F64)

Fall

Mann-zu-Frau-Transsexualität – „Erst war ich nur neugierig auf die Sachen meiner Schwester“

Sexuelle FunktionsstörungenFallbeispielEine junge Frau möchte Geschlechtsidentität(sstörungen)Fallbeispieleinen Termin für die Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens, das sie für die Kostenübernahme einer geschlechtsangleichenden Operation durch die Krankenkasse benötigt. Sie ist heute 24 Jahre alt, wurde als Junge geboren und berichtet, sie habe seit ihrem 8. oder 9. Lj. bewusst wahrgenommen, dass sie nicht „einfach“ nur männlich sei. Schon immer habe sie lieber mit Puppen als mit Autos gespielt und sich immer mehr den Mädchengruppen angeschlossen, anstatt mit Jungen zu spielen. Mit 15 Jahren merkte sie dann so richtig, dass sie „anders“ war. Es fing zunächst damit an, dass sie das Zimmer ihrer Schwestern durchstöberte, als sie allein war, und dabei eine weiße Spitzenbluse und einen schönen schwarzen Rock ihrer Schwester sah, die sie dann einfach mal anprobierte. Als sie sich so im Spiegel betrachtete, gefiel sie sich sehr gut und machte das immer öfter. Irgendwann störte sie das Ganze aber, sie war mit sich selbst nicht mehr im Reinen und wusste nicht, was mit ihr los war. Sie dachte an Homosexualität oder dass mit ihr irgendwas nicht stimme. Den Begriff „transsexuell“ kannte sie damals ja auch noch gar nicht. Sie habe sich auch mehr und mehr dagegen gewehrt und immer mehr auf das „Männliche“ konzentriert. Ihre Mitschüler lästerten, dass sie eine Zigarette oder ein Glas wie eine Frau halte und auch so laufen würde. Um nicht aufzufallen, habe sie immer mehr eine Rolle gespielt und sei immer unglücklicher geworden. Sie begab sich auch für gute 1,5 Jahre in psychotherapeutische Behandlung, doch eine Änderung stellte sich auch danach nicht ein. Das Gefühl, im falschen Körper zu sein, war eher noch stärker geworden. Mit 20 wollte und konnte sie ihre Neigungen nicht mehr überspielen und fing an, sich bei Freunden und in der Familie zu outen und offiziell nur noch Frauenkleider zu tragen. Sie wollte endlich als Frau anerkannt und respektiert werden und sich nicht mehr verstecken müssen. Ihre Eltern, für die Sexualität immer ein Tabuthema gewesen war, reagierten auf diese Nachricht schockiert und brachen den Kontakt zu ihrer Tochter ab, worunter sie sehr leidet.
Dennoch lebt sie nunmehr seit 4 Jahren als Frau, hat bereits die gesetzliche Genehmigung erhalten, ihren Namen zu ändern, und wird seit 6 Monaten mit Hormonen behandelt. Seitdem ist auch keine depressive Symptomatik mehr aufgetreten wie vor Beginn der Behandlung. Nach eingehender Prüfung ihrer medizinischen und sozialen Vorgeschichte sowie der Vorlage zweier voneinander unabhängiger psychologischer Gutachten mit der Diagnose einer Mann-zu-Frau-TranssexualitätMann-zu-Frau-Transsexualität wurde eine geschlechtsumwandelnde Operation befürwortet. Da männliche und weibliche Organe sich aus denselben embryologischen Strukturen bilden, lässt sich die Operation mittlerweile mit sehr guten Ergebnissen durchführen. Sie erfolgt durch Vaginoplastik mit Einstülptechnik sowie Kastration.
Definition
Störungen in der Annahme des eigenen biologischen Geschlechts und der Wunsch, die Identität des anderen Geschlechts anzunehmenMann-zu-Frau-TranssexualitätFrau-zu-Mann-Transsexualität, werden als Störungen der Geschlechtsidentität bezeichnet. Diese Sexualstörungen sind in der ICD-10 dem Kapitel „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ (F6) zugeordnet. Unterschieden wird dabei zwischen TranssexualismusTranssexualismus und TransvestitismusTransvestitismus.
Symptomatik
Beim TranssexualismusTranssexualismusKennzeichen besteht ein dauerhafter und intensiver, meist schon sich in der Kindheit entwickelnder Wunsch, dem anderen Geschlecht anzugehören. Dieser Wunsch ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Die grundsätzliche Unzufriedenheit und das ständige Unbehagen mit dem biologischen Geschlecht sind mit dem dringenden Wunsch nach geschlechtsangleichenden Maßnahmen (Geschlechtsumwandlung) verbunden. Die Betroffenen fühlen sich „im falschen Körper“. Durch Nachahmen des gegengeschlechtlichen Verhaltens in allen Lebensbereichen kommt es auch zum Tragen gegengeschlechtlicher Kleidung. Dies dient jedoch nicht der sexuellen Erregung, sondern ist Ausdruck der gewünschten sexuellen Identität.
Beim TransvestitismusTransvestitismusKennzeichen besteht nur ein vorübergehender Wunsch, in die Rolle des anderen Geschlechts zu schlüpfen. Eine Geschlechtsumwandlung wird von den Betroffenen nicht erwogen.
In Tab. 17.3 sind die Kriterien für Störungen der Geschlechtsidentität nach ICD-10 nochmals zusammengefasst.
Das Transsexuellen-Gesetz (TSG)Transsexuellen-Gesetz (TSG) von 1980 regelt die Namensänderung und die Personenstandsänderung von Transsexuellen. Zwei unabhängige Sachgutachter müssen bestätigen:
  • Für die Namensänderung: Ablehnung des biologischen Geschlechts seit mehr als 3 Jahren, Änderung der subjektiven Geschlechtszugehörigkeit unwahrscheinlich

  • Für die Personenstandsänderung: vollzogene operative Geschlechtsumwandlung, dauerhafte FortpflanzungsunfähigkeitGeschlechtsidentität(sstörungen)

Störungen der Sexualpräferenz (ICD-10: F65)

Fall

Fetischismus – „Eine Perücke als Fetisch“ (Geschichte aus dem Jahr 1886)

Sexuelle FunktionsstörungenFallbeispielEine Dame berichtet von ihrer Hochzeitsnacht: „Sexualpräferenz(störungen)Mein Mann kam zu mir, begnügte sich allerdings damit, mich zu küssen und in meinem kurzen, nicht gerade fülligen Haar zu wühlen. Dann legte er sich zur Seite und schlief ein. In der dritten Nacht zauberte er plötzlich eine Langhaarperücke hervor und bat mich, sie aufzusetzen. Ich tat ihm den Gefallen. Kaum war dies geschehen, holte er seine eheliche Pflicht mehr als reichlich nach. Auch am nächsten Morgen begann er wieder zärtlich zu werden, allerdings erst, nachdem er die Perücke liebkost hatte. Als ich die Perücke absetzte, weil sie mir allmählich unbequem wurde, hatte ich für ihn jeden Reiz verloren.“ [17]
Definition
ParaphilieParaphilie ist ein Synonym für Störungen der Sexualpräferenz. Es ist die Sammelbezeichnung für alle Formen sexueller Befriedigung, die an ungewöhnliche Bedingungen geknüpft sind. Früher wurden diese Abweichungen bei der Befriedigung sexueller Bedürfnisse als PerversionenPerversionen oder sexuelle DeviationSexuelle Deviationen (lat. devius, vom Weg abweichend) bezeichnet.
Der sexuelle Impuls richtet sich entweder auf nichtmenschliche Objekte (FetischismusFetischismus, Sodomie), auf Leiden oder Demütigung der eigenen Person (MasochismusMasochismus), des Sexualpartners (SadismusSadismus) oder auf Kinder (PädophiliePädophilie, PäderastiePäderastie) bzw. andere Personen, die mit der sexuellen Interaktion nicht einverstanden sind (z. B. bei ExhibitionismusExhibitionismus).
Es handelt sich in der Regel um zwanghafte sexuelle Verhaltensweisen von oft in sich selbst unsicheren Persönlichkeiten, die zu normalem sexuellem Kontakt nicht fähig sind. Als Ursachen müssen auch organische Störungen (z. B. Hirntumor oder psychotische Residualzustände) in die Diagnosefindung einbezogen werden.
Die Störungen der Sexualpräferenz werden in der ICD-10 ebenfalls den „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ (F6) zugeordnet.
Symptomatik
Die Kennzeichen der einzelnen Störungen der Sexualpräferenz sind Tab. 17.4 zu entnehmen.

Erläuterungen zum Fall

Wie in Tab. 17.4 beschrieben, ist die Perücke im Fallbeispiel für die sexuelle Erregung des Ehemanns unerlässlich. Der FetischismusFetischismus kann sich auch auf den Anblick oder die Berührung bestimmter Kleidungsstücke oder Gegenstände beziehen (Strümpfe, BH, Slip, Haarlocke etc.).

Der ExhibitionismusExhibitionismus unterliegt dem Strafgesetzbuch:
§ 183 StGB: „Ein Mann, der eine andere Person durch eine exhibitionistische Handlung belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“
§ 183a StGB: „Wer öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu 1 Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, wenn die Tat nicht unter § 183 mit Strafe bedroht ist.“

Diagnostik

Therapeutische Praxis

Eine aussagekräftige SexualanamneseSexualanamnese lässt sich nur auf dem Boden einer vertrauensvollen Atmosphäre zwischen Therapeut/Arzt und Patient erheben. Sie ermöglicht dem Betroffenen, die Hemmschwelle zu überwinden und über ihr sexuelles Erleben zu sprechen.

Voraussetzungen für die Diagnose einer sexuellen StörungSexuelle FunktionsstörungenDiagnose sind:
  • Tragfähige, vertrauensvolle Arzt-Patient-Beziehung

  • Ausführliche und differenzierte Sexualanamnese (Tab. 17.5)

  • Einbeziehung des/r Partner/in

  • Ausschluss einer weiteren psychischen Störung

  • Körperliche Untersuchung und organische Abklärung

Merke

Bei sexuellen Störungen muss eine organische Sexuelle Funktionsstörungenorganische GeneseGenese der Störungen unbedingt abgeklärt werden. Die sexuelle Störung kann auch Begleitsymptomatik einer zugrunde liegenden psychischen Psychische StörungenSexualfunktionsstörungenStörung sein (z. B. Depression/depressive Episodesexuelle FunktionsstörungenDepression, Persönlichkeitsstörungensexuelle StörungenPersönlichkeitsstörung, Abhängigkeitserkrankungensexuelle StörungenAbhängigkeitserkrankung) und wird dann der Grunderkrankung zugeordnet und entsprechend diagnostisch verschlüsselt.

Ein höheres Lebensalter kann das Sexualverhalten verändern. Sexuelle Bedürfnisse des älteren Menschen sollten dabei nicht tabuisiert werden. Wichtig ist es, die Veränderungen durch das Alter von organischen Grunderkrankungen, die im Alter zunehmen, abzugrenzen.

Epidemiologie und Krankheitsverlauf

Sexuelle Sexuelle FunktionsstörungenEpidemiologieFunktionsstörungen sind die häufigsten Sexualstörungen. Bei Frauen überwiegen die AppetenzstörungenAppetenzstörungen, beim Mann ist die Ejaculatio praecoxEjaculatio praecox am häufigsten. 30 % der Frauen berichten über Orgasmusstörungen, wobei berücksichtigt werden muss, dass der Orgasmus nicht zwingende Voraussetzung für ein erfülltes Sexualleben ist. Zärtlichkeit und gefühlsmäßige Nähe können ein genauso wichtiges Element der befriedigenden Sexualität sein.
Mann-zu-Frau-TranssexualitätMann-zu-Frau-Transsexualität tritt bei ca. 1 von 40 000 und Frau-zu-Mann-TranssexualitätFrau-zu-Mann-Transsexualität bei ca. 1 von 100 000 Einwohnern auf. Während der TranssexualismusTranssexualismus auch Frauen betreffen kann, kommen der TransvestitismusTransvestitismus und FetischismusFetischismus fast nur bei Männern vor, und auch der SadismusSadismus stellt hauptsächlich eine männliche Deviation dar.
Bei den Störungen der Sexualpräferenz ist zu beachten, dass 20 % der Sexualstrafdelikte von Exhibitionisten und 12–15 % von Pädophilen begangen werden.
Sexuelle FunktionsstörungenKrankheitsverlaufSexuelle Funktionsstörungen können sich in 50–70 % der Fälle unter Therapie bessern. Die besten Erfolge werden bei Vaginismus, Anorgasmie, Ejaculatio praecox und Erektionsstörungen erzielt. Die Behandlung der Appetenzstörung ist weniger erfolgreich. Störungen der Sexualpräferenz haben häufig einen zwanghaften Charakter und sind sehr schwer zu beeinflussen.

Ätiologie

Die sexuellen FunktionsstörungenSexuelle FunktionsstörungenÄtiologie nach ICD-10 umfassen all die Störungen, die sich nicht durch eine organische Ursache erklären lassen. Die organisch bedingten sexuellen FunktionsstörungenSexuelle Funktionsstörungenorganisch bedingte (Tab. 17.6) werden als sexuelle DysfunktionenSexuelle Dysfunktionen beschrieben.
Psychische Ursachen sexueller StörungenSexuelle Funktionsstörungenpsychisch bedingte können sein:
  • Partnerschaftsprobleme

  • Probleme der Persönlichkeit (Selbstwertproblematik; soziale, sexuelle Unreife)

  • Sexueller Leistungsdruck

  • Berufliche Belastungen

  • Negative sexuelle Vorerfahrungen (z. B. Missbrauch)

  • Frühkindliche Sexualentwicklung (z. B. restriktives Elternhaus, Tabus, gelebtes Beziehungsverhalten der Eltern)

Merke

Der schon 1896 durch den Wiener Psychiater Richard von Krafft-Ebing eingeführte Begriff der PädophiliePädophilie (griech. päd-, Kind, griech. philia, Freundschaft) beschreibt das sexuelle Interesse von Erwachsenen ausschließlich an Kindern, also die Kopplung der sexuellen Erregung an (prä-)pubertäre Kinder. Heutzutage wird jedoch der Begriff der PädosexualitätPädosexualität bevorzugt; er bezeichnet die sexuelle Orientierung auf Kinder allgemein. Die Pädosexualität entwickelt sich gewöhnlich in der Adoleszenz. Viele pädophile Menschen wurden als Kinder sexuell missbraucht. Es besteht die Vermutung, dass die Hauptursache für Pädosexualität oft in sexueller oder sozialer Unreife und/oder im Erleben von Machtstrukturen zu suchen ist (z. B. Angst vor Sex mit erwachsenen Sexualpartnern).

Dass der Umgang mit SexualitätSexualitätUmgang in der Familie in der Familie die sexuelle Entwicklung entscheidend beeinflussen kann, zeigt folgendes Beispiel.

Fall

Umgang mit Sexualität in der Familie – „Doktorspiele verboten“

„Ich kann natürlich nicht genau sagen, wie es dazu kam, wann und wodurch sich bei mir das Gefühl entwickelt hat, Sexualität sei etwas Verbotenes und Anrüchiges. In meiner Familie war es aber ganz sicher nicht gewünscht und üblich, dass man sich nackt voreinander zeigte. Meine Eltern habe ich, glaube ich, nur dreimal in meinem Leben wirklich nackt gesehen – und das auch nur zufällig, wenn ich in das Badezimmer kam und sie vergessen hatten, die Tür abzuschließen. Dann hatte ich das Gefühl, sie gestört und etwas ganz Schlimmes getan zu haben. Auch die Sexualität zwischen meinen Eltern wurde nicht öffentlich gezeigt oder gar thematisiert – abgesehen von einem flüchtigen Kuss auf den Mund oder einer Umarmung bekam ich davon überhaupt nichts mit. Über Sex wurde bei uns einfach nicht gesprochen, und wenn Freunde oder Bekannte meiner Eltern davon sprachen oder anzügliche Witze machten, rümpfte meine Mutter nur die Nase und fragte, ob sie keine Erziehung genossen hätten. Außerdem kann ich mich noch erinnern, dass ich als kleines neugieriges Mädchen einmal zusammen mit meinem Bruder, meiner Cousine und meinem Cousin im Gartenhaus heimlich ‚Doktor gespielt habe‘. Dabei haben wir uns mit der Taschenlampe gegenseitig ‚untersucht‘ und unsere Geschlechtsteile genau beleuchtet und angeschaut. Wir fanden das alle sehr aufregend, und ich kann mich noch gut an das kribbelige Gefühl erinnern, das damals in mir aufstieg. Doch das Spiel war schnell vorbei, weil unsere Eltern uns dabei entdeckten. Sie schimpften böse mit uns. So etwas mache man nicht, das sei ‚dreckiger Kram‘. Dann mussten wir uns alle unter Aufsicht unserer Eltern die Hände und die Geschlechtsteile waschen, und wir bekamen alle eine deftige Strafe. Auch das Spielen im Gartenhaus wurde bis auf Weiteres gestrichen!“
Bei der Entstehung der sexuellen Störungen können aus lerntheoretischer Sicht das Modell-LernenModell-Lernensexuelle FunktionsstörungenSexuelle FunktionsstörungenModell-Lernen (z. B. Umgang der Eltern mit dem Thema „Sexualität“) und die klassische Konditionierung Klassische Konditionierungsexuelle Funktionsstörungenbeteiligt sein. Beim Sadomasochismus Sadomasochismusz. B. ist die sexuelle Erregung ganz oder teilweise mit dem Erleben (oder auch mit den Fantasien) gekoppelt, anderen Leid zuzufügen (SadismusSadismus) oder vom Partner bzw. der Partnerin geschlagen, gefesselt oder anderweitig gedemütigt zu werden (MasochismusMasochismus). In vielen Fällen scheint sich das Muster des sexuellen Sadismus oder Masochismus durch klassische Konditionierung entwickelt zu haben. Eine Fallstudie berichtet von einem Jugendlichen, der sich den Arm brach und den eine attraktive Schwester hielt und liebkoste, als der Arzt den Bruch ohne Betäubung richtete. Der Junge spürte eine intensive Kombination von Schmerz und sexueller Erregung, welche die Ursache seiner späteren masochistischen Neigung gewesen sein könnte. Eventuell spielen auch körperliche Komponenten hier eine Rolle (z. B. örtliche Nähe der Gehirnregionen für Schmerz und sexuelle Erregung), vielleicht auch die Tatsache, dass bei vielen Menschen eine überstandene Angst- oder Gefahrensituation die sexuelle Erregbarkeit steigern kann.
Sexuelle Funktionsstörungen können bei psychosexuellen Problemen nach lerntheoretischem Verständnis durch Versagensängste Versagensangst, sexuelle Funktionsstörungenals Selbstverstärkungsmechanismus, sexuelle FunktionsstörungenSelbstverstärkungsmechanismus Sexuelle FunktionsstörungenTherapieSexuelle FunktionsstörungenPsychotherapiePsychotherapiesexuelle Funktionsstörungendie Störung aufrechterhalten (Abb. 17.1).

Therapie

Psychotherapeutische Methoden

SexualtherapieSexuelle FunktionsstörungenTherapieSexuelle Störungen erfordern nicht immer eine gezielte Therapie. Allein ein vertrauensvolles und offenes Gespräch, bei dem die Sexualität nicht tabuisiert wird, kann für ein Paar entscheidende Informationen enthalten, die zur Entspannung und zum Verständnis beim sexuellen Umgang miteinander beitragen können. Die Beratung durch den Arzt oder Therapeuten sollte Missverständnisse durch Wissensvermittlung aufklären oder Mythen entkräften und den Blick auf partnerschaftliche Konflikte lenken, die häufig zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung beitragen. Bewährt hat sich dabei PLISSITPLISSIT-Modell, sexuelle FunktionsstörungenSexuelle FunktionsstörungenPLISSIT-Modell, ein von dem amerikanischen Psychologen Jack Annon entwickeltes gestuftes Beratungsmodell [18], bei dem als letzte Stufe dem Patienten eine spezifische psychotherapeutische Intervention angeboten werden kann (Abb. 17.2).

Merke

SexualtherapieSexualtherapie ist in der Regel Paartherapie! Sie setzt eine psychotherapeutische Ausbildung und spezielle Kenntnisse voraus.

Nach Abklärung organischer Ursachen und ihrer Behandlung besteht die Möglichkeit einer analytisch oder verhaltenstherapeutisch orientierten Behandlung oder einer Gruppen- bzw. Paartherapie auf der Basis lerntheoretischer Übungen.
Bei sexuellen Funktionsstörungen hat sich die PaartherapiePaartherapiesexuelle FunktionsstörungenSexuelle FunktionsstörungenPaartherapie nach Masters und Johnson (1973) bewährt. Der Gynäkologe William Howell Masters Masters, W. H.und die Psychologin Virginia Johnson Johnson, Virginiasind die ersten, die in den 1950er- und 1960er-Jahren umfangreiche Sexualforschung betrieben haben.
Sie nahmen an, dass bei Störungen des sexuellen Verhaltens immer beide Partner beteiligt sind, und verfolgten daher überwiegend paartherapeutische Ansätze, wobei neben klassischen gesprächstherapeutischen Verfahren auch praktische Verhaltensübungen zwischen den Sitzungen zur Anwendung kamen. Der Fokus lag hierbei v. a. darauf, unangenehme Erlebnisse und Erfahrungen mithilfe der Übungen schrittweise durch angenehme zu ersetzen und darüber hinaus alle Probleme zu bearbeiten, die zur Beeinträchtigung des sexuellen Erlebens führen können.
Je nach Art der sexuellen Störungen gibt es heute entsprechende Übungsprogramme, die meist in einen Gesamttherapieplan integriert werden:
  • Sensualitätstraining Sensualitätstraining, sexuelle StörungenErektionsstörungenSensualitätstrainingbei Erektionsstörungen oder Vaginismus:VaginismusSensualitätstraining In einem genau definierten, sehr kleinschrittigen Vorgehen wird das Paar dazu angeleitet, Zärtlichkeiten auszutauschen, die erogenen Zonen des Partners schrittweise zu erkunden und zu erspüren, sich zu berühren und zu streicheln und so langsam und bedächtig eine Atmosphäre entstehen zu lassen, in der die Sexualität nicht von Leistungsgedanken bestimmt wird. Dabei kommt es zunächst noch nicht zur sexuellen Stimulierung und zum Koitus.

  • Teasing- und Squeeze-Ejaculatio praecoxTeasing- und Squeeze-TechnikTechnikSqueeze-Technik, Ejaculatio praecoxTeasing-Technik, Ejaculatio praecox bei Ejaculatio praecox: Bei der Therapie des vorzeitigen Samenergusses lernt der Mann mithilfe seiner Partnerin, seine Reflexe besser zu steuern und zu kontrollieren. Die Frau stimuliert z. B. den Penis des Mannes, bis dieser unmittelbar vor dem Orgasmus steht („Teasing-Technik“). Dann wird eine Pause eingeschoben. So soll der Mann den Prozess der Ejakulation sukzessive besser steuern und kontrollieren können. Die Senkung der Erregung kann bei dieser Übung durch die „Squeeze-Technik“ (Drücken des Penis an der Stelle, an der die Eichel in den Penisschaft übergeht) zusätzlich gesteigert werden.

  • HegarstifteHegarstifte, VaginismusVaginismusHegarstifte bei Vaginismus: Hierbei versucht die Frau, einen entspannten Zustand herbeizuführen und Metallstifte unterschiedlicher Größe (beginnend mit dem kleinsten Durchmesser) in die Vagina einzuführen. Diese Übung kann entweder allein oder auch mit dem Partner durchgeführt werden.

Der Transsexualismus TranssexualismusTherapieerfordert eine intensive und von spezialisierten Therapeuten durchgeführte Therapie. Vor den geschlechtsangleichendenGeschlechtsangleichung Maßnahmen (hormonell und operativ) muss eine Psychotherapie über mindestens 1 Jahr durchgehalten werden, wobei z. B. das Tragen der entsprechenden Kleidung des gewünschten Geschlechts ausprobiert wird („Alltagstest“). Die soziotherapeutische und psychotherapeutische Begleitung der Geschlechtsangleichung ist zwingend erforderlich, da es sich um einen tiefgreifenden Prozess mit dauerhaften und unwiderruflichen Konsequenzen handelt. Die eigentliche Geschlechtsangleichung und Personenstandsänderung setzt zwei voneinander unabhängige Gutachten voraus (Kap. 17.4.2). Die Psychotherapie sollte selbstverständlich und unbedingt auch nach der Geschlechtsangleichung fortgesetzt werden.

Merke

TranssexualismusTranssexualismus muss von spezialisierten Fachärzten diagnostiziert und behandelt werden.

Die Therapie von sexuellen Sexuelle DeviationenTherapieDeviationen setzt ebenfalls eine wertfreie und offene Beratung voraus. Neben der Motivationslage zur Therapie müssen der Leidensdruck des Betroffenen, aber auch die Gefährdung Dritter, z. B. durch Pädophilie, erfasst werden.
Es besteht die Möglichkeit, „übliche sexuelle Verhaltensweisen“ durch bestimmte Therapieprogramme zu stärken:
  • Orgasmische Neuorientierung bei Pädophilie:Pädophilieorgasmische NeuorientierungOrgasmische Neuorientierung, Pädophilie Ein pädophiler Mann stimuliert sich zunächst mit Bildern kleiner Kinder (unerwünschter Stimulus), masturbiert dann jedoch zu konventionellen Bildern wie z. B. einer nackten Frau (erwünschter Stimulus). Wenn seine Erektion dabei sinkt, kehrt er zu den Kinderbildern zurück, bis er das Masturbieren fortsetzen kann. Dann wird der Stimulus wieder durch das Bild der nackten Frau ersetzt. Wenn der Orgasmus unmittelbar bevorsteht, wird er dazu angehalten, sich ganz auf das Bild der nackten Frau zu konzentrieren. Dieses Training erstreckt sich über mehrere Wochen und kann durch andere Therapieformen (z. B. ein Training im Umgang mit dem anderen Geschlecht) ergänzt werden. Ziel dieses Therapieverfahrens ist es, dass sich die sexuelle Erregtheit mit dem gewünschten Stimulus verbindet.

  • Masturbatorische SättigungMasturbatorische SättigungPädophiliePädophiliemasturbatorische Sättigung bei Pädophilie: Der Klient masturbiert bis zum Orgasmus, währenddessen fantasiert er laut über eine sexuell erregende Situation. Im Anschluss daran bringt er sich durch detaillierte Fantasien ein zweites Mal bis zum Orgasmus. Danach setzt er seine pädophilen Fantasien noch eine Stunde lang fort. Dieses Verfahren soll einen Überdruss erzeugen, der mit der sexuell erregenden (z. B. pädophilen) Situation assoziiert wird. Das Verfahren wird auch zur Behandlung von FetischismusMasturbatorische SättigungFetischismus Fetischismusmasturbatorische Sättigungangewandt.

Darüber hinaus ist ein Rückfallpräventionstraining PädophilieRückfallpräventionstrainingbei Pädophilie für den Erfolg der Behandlung sehr wichtig und entscheidend. Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie lernt der Klient zunächst, klassische Situationen, die seine pädophilen Fantasien und Handlungen normalerweise auslösen oder fördern, zu erkennen. Dann lernt er Strategien zu entwickeln und anzuwenden, mit denen er diese Auslösesituationen entweder umgehen oder besser bewältigen kann.
Neben den spezifischen sexuellen Therapieinhalten gehört zur Gesamttherapie auch die Stärkung des Selbstwertgefühls, der kommunikativen Fertigkeiten und der sozialen Kompetenz (Kap. 8).

Medikamentöse Therapie

In Einzelfällen kann bei sexuellen Störungen Sexuelle Funktionsstörungenmedikamentöse Therapieeine medikamentöse Therapie, z. B. bei Erektionsstörungen, mit Sildenafil (Viagra®) oder ErektionsstörungenSildenafil (Viagra®)mit Schwellkörper-Autoinjektionen ErektionsstörungenSchwellkörper-Autoinjektionensinnvoll sein.

Verständnisfragen

  • Welche Störungen zählen zu den sexuellen Störungen?

  • Welche Ursachen sexueller Funktionsstörungen kennen Sie?

  • Was ist eine Ejaculatio praecox?

  • Zu welcher Gruppe von Sexualstörungen gehört der Begriff „Dyspareunie“?

  • Was bedeutet Transsexualismus? Wie unterscheidet er sich vom Transvestitismus?

  • Führt Exhibitionismus immer zu schwerem aggressivem Verhalten in sexueller Hinsicht?

  • Prüfen Sie die Aussage auch auf ihre Verknüpfung: Exhibitionismus als sexuelle Perversion ist oft schwierig zu behandeln, weil Exhibitionisten praktisch nie ein Gefühl der Scham hinsichtlich ihrer exhibitionistischen Handlungen haben.

  • Was versteht man unter Pädophilie?

  • Welche Aspekte müssen bei der Sexualanamnese berücksichtigt werden?

  • Welche differenzialdiagnostischen Überlegungen müssen Sie bei einer sexuellen Funktionsstörung beachten? Wann darf ein Heilpraktiker für Psychotherapie eine Patientin mit einer sexuellen Funktionsstörung behandeln?

  • Erklären Sie das Beratungsmodell PLISSIT.

  • Wer diagnostiziert den Transsexualismus, und wie wird er therapiert?

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