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B978-3-437-55244-1.00008-4

10.1016/B978-3-437-55244-1.00008-4

978-3-437-55244-1

Schaubild zur Entwicklung von Hirntod und Teilhirntod. Rechtzeitig durchgeführte Reanimationsmaßnahmen können zur Wiederbelebung führen. Können nur Herz-Kreislauf-System und Stammhirn wiederbelebt werden, spricht man vom Teilhirntod (apallisches Syndrom).

[L190]

Für die Begleitung Sterbender ist es wichtig, sich mit der eigenen Vergänglichkeit und dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Nur so können unbewusste Ängste und Abwehrmechanismen bewältigt werden, wodurch man dem Patienten mit der nötigen Offenheit und Ruhe begegnen kann.

[J660]

In der heutigen Zeit ist v. a. die Stadtbevölkerung zahlreichen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt, wie Schadstoffen in der Atemluft und im Trinkwasser, Lärm oder Gefahren durch das hohe Verkehrsaufkommen. Die Umweltmedizin befasst sich mit den Auswirkungen dieser Umweltbedingungen auf den Menschen.

[J660]

Kardinalsymptome Entzündung:Kardinalsymptomeder Entzündung: Schmerz (Dolor), Rötung (Rubor), Schwellung (Tumor), Überwärmung (Calor), gestörte Funktion (Functio laesa).

[L143]

Bei jeder lokalen Entzündung kommt es zur Gewebeschwellung durch den Austritt von Blutplasma ins Gewebe (Ödem). Die histologischen Bilder zeigen den Schnitt durch einen Skelettmuskel. Links: Normalbefund. Rechts: Nach Reizung der Muskeloberfläche hat sich ein entzündliches Ödem gebildet, das die quer angeschnittenen Muskelfasern auseinanderspreizt.

[M136]

Prozentuale Verteilung der bösartigen Erkrankungen der Frau und des Mannes.

[L215]

Expansives und invasives Wachstum im Vergleich. Gutartige Tumoren verdrängen durch ihr Wachstum meist das umliegende Gewebe (expansives Wachstum). Bösartige Tumoren brechen in Nachbargewebe ein, durchsetzen sie (invasives Wachstum) und zerstören sie (destruierendes Wachstum); sie können zusätzlich verdrängend wachsen. Durch Infiltration (Eindringen) in Blut- und Lymphgefäße und den Weitertransport von Tumorzellen durch Blut und Lymphe können sich Metastasen bilden.

[L190]

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme einer Krebszelle mit sog. Krebsfüßchen. Krebszellen können sich aktiv fortbewegen und an Gewebe anheften.

[J520–249]

Die häufigsten hämatogenen Metastasierungswege von malignen Tumoren.

[A400–190]

Die wichtigsten Tumormarker verschiedener Organtumoren im Überblick.

[L215]

Die Mistel (Viscum album) ist eine erdferne Pflanze, die zu ihrer Verbreitung verschiedene Vogelarten benötigt. Über einen Zeitraum von fünf Jahren bis zur ersten Blüte dringt sie in das Holz ein, um sich dort zu verankern.

[J787]

Schweregrade von HautverbrennungenHautverbrennungen:Schweregrade

Tab. 8.1
Grad Veränderungen Ausmaß der Schädigung
I Rötung, Schwellung, Schmerz Oberhaut (Epidermis), völlige Heilung
(Restitutio ad integrum)
I Blasenbildung, Rötung, Schmerz bis in die Lederhaut (Korium), völlige Heilung
(Restitutio ad integrum)
III Nekrosen, Analgesie (Aufhebung des Schmerzempfindens) bis zur Unterhaut (Subkutis), Narbenbildung
(Defektheilung)
IV Verkohlung bis in tiefere Schichten, Narbenbildung (Defektheilung)

Unterscheidung zwischen Transsudat und Exsudat.

Tab. 8.2
spezifisches Gewicht Ursachen Vorkommen
Transsudat < 1.015 g/l hydrostatischer Druck nicht entzündliche Prozesse
Exsudat > 1.015 g/l Gefäßdurchlässigkeit entzündliche Prozesse

Unterscheidungsmerkmale zwischen benignen (gutartigen) und malignen (bösartigen) Tumoren. Es wird deutlich, dass v. a. der Pathologe, der auf feingewebliche Untersuchungen spezialisierte Arzt, diese schwierige Entscheidung zu treffen hat. Nicht immer wird dabei das Urteil „benigne“ oder „maligne“ lauten – in manchen Fällen wird eine Präkanzerose (noch gutartiger Zellverband mit wahrscheinlicher zukünftiger Entartung), ein Carcinoma in situ (hochgradig abnormer Zellverband ohne Nachweis invasiven Wachstums) oder ein semimaligner Tumor (bösartiger Zellverband, der invasiv wächst, aber erfahrungsgemäß nicht metastasiert) diagnostiziert.„Tumor(en):maligne„Tumor(en):benigneMetastasierung

Tab. 8.3
Eigenschaft Benigne Tumoren Maligne Tumoren
Größenzunahme meist langsam meist rasch
Abgrenzung zum Nachbargewebe meist scharf abgrenzbar („abgekapselt“) unscharf oder nicht abgrenzbar, keine „Rücksicht“ auf Organgrenzen
Verschieblichkeit zur Umgebung gut verschieblich gegen Umgebung oft unverschieblich, mit Nachbargeweben verbacken
Funktionelle Leistungen oft noch erhalten, z. B. Sekretion meist ausgefallen
Histologie
  • geweblich und zellulär reif und differenziert

  • wenige und typische Mitosen (7.4.8)

  • expansives Wachstum

  • geweblich und zellulär unreif und undifferenziert, Anaplasie („Entartung“)

  • zahlreiche und pathologische Mitosen

  • infiltrierendes und invasives Wachstum mit Zerstörung der Nachbargewebe

Metastasierung keine Metastasierung, da kein invasives Wachstum invasives Wachstum führt zu lymphogener, hämatogener und kanalikulärer Metastasierung
Auswirkungen auf den Gesamtorganismus außer lokalen Wirkungen nur geringe Auswirkungen auf den Gesamtorganismus starke Auswirkungen auf den Gesamtorganismus: Tumorkachexie, Anämie, eventuell paraneoplastische Syndrome (8.7.6)
Prognose nur selten tödlich Lebensgefahr, ohne Behandlung fast immer tödlich

Warnsymptome als Hinweise auf verschiedene Krebserkrankungen.

Tab. 8.4
Symptome Mögliche Tumorlokalisation
Schluckbeschwerden Speiseröhre (13.6.5), Magen (13.7.4)
Abneigung gegen Fleisch, zunehmende Übelkeit Magen
Verdauungsbeschwerden Magen, Leber (14.5.5), Bauchspeicheldrüse (14.7.3), Dickdarm
veränderte Stuhlgewohnheiten Magen, Dickdarm (13.8.8)
Blut im Stuhl (Blutauflagerung, Teerstuhl, 13.4.7) Dickdarm, Magen
Stuhlinkontinenz (unwillkürlicher Stuhlabgang) Dickdarm
Gelbfärbung der Haut und Skleren (Ikterus 14.4.1) ohne begleitende Schmerzen Leber, Gallenblase (14.6.4), -wege, Bauchspeicheldrüse (14.7.3)
Veränderungen beim Wasserlassen, z. B. Tröpfeln Prostata (17.7.3)
blutiger Urin Niere (16.5.6), Harnblase (16.7.1), Gebärmutter (17.12.2), Scheide (17.13.3)
länger als 3–4 Wochen anhaltender Husten (12.4.3) oder Heiserkeit (12.4.2) Bronchien (12.9.2), Kehlkopf (12.9.1), Stimmbänder (12.9.1)
Bluthusten (12.4.4) Bronchien
„schlecht heilende“ Haut, Haut- oder Schleimhautveränderungen, Veränderung einer Warze oder eines Muttermals Haut (18.11), Schleimhaut (18.10.1)
ungewöhnliche Regelblutung, Zwischenblutung, blutiger Ausfluss Gebärmutter, Gebärmutterhals, Scheide
rot oder bräunlich gefärbte Absonderung aus der Brust, Knoten, Hauteinziehungen, neu aufgetretene Asymmetrie Brust (17.14.1)
Missempfindungen, Schwindel, Doppelbilder, Persönlichkeitsveränderungen, Lähmungen, Krämpfe Gehirn (23.8.1), Rückenmark (23.8.2),peripheres Nervensystem
vergrößerte, schmerzlose, nicht verschiebliche Lymphknoten Lymphknotenmetastasen oder primäre Lymphknotentumoren (Lymphome 21.6)

Ausbreitungswege der häufigsten malignen Tumoren.

Tab. 8.5
Maligner Tumor Ausbreitungsweg
Speiseröhrenkarzinom
(13.6.5)
  • per continuitatem

  • lymphogen in Lymphknoten neben der Speise-, Luftröhre, Bronchien und in die Halslymphknoten

  • hämatogen in Leber, Lunge und Knochen (relativ spät)

Magenkarzinom
(13.7.4)
  • lymphogen in Lymphknoten in der Magenumgebung (kleines und großes Netz 13.2.15) sowie in Lymphknoten über dem linken Schlüsselbein (Virchow-Drüse 21.3.2)

  • hämatogen in Leber, Lunge, Knochen und Gehirn

Dickdarmkarzinom
(13.8.8)
  • hämatogen in Leber und Lunge sowie Skelett, insbeondere Wirbelsäule (je nach Lokalisation)

  • lymphogen entlang der versorgenden Gefäßen (v. a. beim tief sitzenden Rektumkarzinom)

Bronchialkarzinom
(12.9.2)
  • lymphogen in Lymphknoten im Bereich der Bronchien und des Lungenhilums (12.2.8) und im Mediastinum (12.2.8)

  • hämatogen in Leber, Gehirn, Nebennieren, Skelett (v. a. Wirbelsäule)

Prostatakarzinom
(17.7.3)
  • lymphogen in Lymphknoten des kleinen Beckens

  • hämatogen in Skelett, v. a. Wirbelsäule und Knochen

Mammakarzinom
(17.14.2)
  • lymphogen v. a. in Achsellymphknoten

  • hämatogen in Skelett (v. a. Wirbelsäule und lange Röhrenknochen), seltener Lunge, Pleura (12.2.9), Leber, Gehirn und Eierstöcke

Zervixkarzinom
(17.12.3)
  • per continuitatem

  • lymphogen v. a. ins Becken und auch in Leistenlymphknoten

  • hämatogen (selten) in Leber, Lunge und Knochen

Allgemeine Krankheitslehre

  • 8.1

    Vom Gesundsein und Kranksein283

    • 8.1.1

      Gesundheit nach WHO283

    • 8.1.2

      Prinzip der Homöostase283

    • 8.1.3

      Gesundheit als Anpassungsfähigkeit284

    • 8.1.4

      Krankheitsdispositionen284

    • 8.1.5

      Konzept der Risikofaktoren284

    • 8.1.6

      Grundbegriffe der Krankheitslehre284

    • 8.1.7

      Konzept der Salutogenese285

    • 8.1.8

      Krankheitsverläufe285

    • 8.1.9

      Sterben und Tod aus klinischer Sicht286

    • 8.1.10

      Sterben und Tod aus psychologischer Sicht287

  • 8.2

    Krankheitsursachen288

    • 8.2.1

      Äußere Krankheitsursachen288

    • 8.2.2

      Innere und multifaktorielle Krankheitsursachen290

  • 8.3

    Entzündung291

    • 8.3.1

      Entzündungsursachen291

    • 8.3.2

      Entzündungssymptome291

    • 8.3.3

      Reaktionen im Entzündungsgebiet291

    • 8.3.4

      Entzündungsformen293

  • 8.4

    Zell- und Gewebereaktionen294

    • 8.4.1

      Atrophie294

    • 8.4.2

      Hypertrophie294

    • 8.4.3

      Hyperplasie294

  • 8.5

    Zell- und Gewebeschäden294

    • 8.5.1

      Apoptose294

    • 8.5.2

      Nekrose295

  • 8.6

    Extrazelluläre Veränderungen295

  • 8.7

    Entartete Gewebe296

    • 8.7.1

      Die Schlüsselfrage: gutartig oder bösartig?296

    • 8.7.2

      Ursachen und Entstehung von Tumoren297

    • 8.7.3

      Einteilung nach Ursprungsgewebe298

    • 8.7.4

      Allgemeine Warnzeichen häufiger Krebserkrankungen299

    • 8.7.5

      Die Metastasierung bösartiger Tumoren299

    • 8.7.6

      Paraneoplastische Syndrome Kap.300

    • 8.7.7

      Tumormarker301

    • 8.7.8

      Schulmedizinische Therapieleitlinien bei bösartigen Tumoren301

    • 8.7.9

      Onkologie304

    • 8.7.10

      Psychische Betreuung tumorkranker Patienten304

Vom Gesundsein und Kranksein

Gesundheit nach WHO

Gesundheit: Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) definiert Gesundheit als Zustand völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens („well-being“).

Diese Definition ist für den medizinischen und sozialen Alltag nur wenig brauchbar, hat doch jeder Mensch Gründe, sich in der einen oder anderen Hinsicht nicht wohlzufühlen: Möglicherweise liegen Beschwerden oder kleine „Defekte“ vor, wie z. B. Kopfschmerzen oder ein leichter Sehfehler, die jedoch die Lebens- und Arbeitsfähigkeit wenig beeinträchtigen. Im seelischen und sozialen Bereich ist Wohlbefinden wohl selten ganz erreichbar.
Deshalb wurde die WHO-Definition auch als konkrete Utopie bezeichnet, die zwar einen wünschenswerten Idealzustand beschreibt, aber keine praktikablen Maßstäbe liefert – wer Beschwerden hat, ist noch nicht unbedingt krank, wie auch umgekehrt Beschwerdefreiheit nicht gleichzusetzen ist mit Gesundheit (z. B. beim Tumorkranken im frühen Stadium). Andere Modelle erscheinen geeigneter, Gesundheit und Krankheit voneinander zu unterscheiden, z. B. das Modell der Homöostase (8.1.2).

Prinzip der Homöostase

Homöostase Nach Auffassung des Internisten Ferdinand Hoff (1896–1988) ist Gesundheit das harmonische Gleichgewicht zwischen Bau und Funktionen des Organismus einerseits und dem seelischen Erleben andererseits. Dies sei die Voraussetzung für volle Leistungsfähigkeit und damit auch uneingeschränkten Lebensgenuss. Dieses Gleichgewicht (die Homöostase) des Organismus wird durch den ständigen Auf- und Abbau seiner Bestandteile garantiert. Überwiegt der Aufbau, so kommt es zur Strukturzunahme – zur Hypertrophie bzw. Hyperplasie (8.4.3), im Extremfall zum Tumor (8.7). Überwiegt dagegen der Abbau, so kommt es zur Strukturabnahme, d. h. zur Atrophie und Leistungsminderung (8.4.1).
Gleichgewicht auf der Ebene der Gewebe
Gleichgewicht:GewebeIn allen Geweben findet ein ständiger Stoffumsatz (Stoffwechsel) statt, bei dem sich aufbauende (anabole) und abbauende (katabole) Vorgänge in einem Gleichgewichtszustand befinden. Diese Stoffwechselaktivität lässt sich auch an der Häufigkeit von Zellteilungen erkennen. Hierin unterscheiden sich die verschiedenen Gewebe:
  • In Wechselgeweben finden Gewebe:Wechselgewebeständig Zellteilungen statt. Durch Teilung von Stammzellen (20.2.2) bilden sich neue Zellen, während alte absterben oder abgestoßen werden. Auf diese Weise kommt es zu einer raschen Gewebserneuerung. Zu den typischen Wechselgeweben gehören z. B. die Schleimhautepithelien und alle roten und weißen Blutzellen.

  • Stabile Gewebe erneuern sich nur Gewebe:stabile Gewebewenig. Bei entsprechendem Anreiz (etwa nach einer Verletzung) sind die Zellen jedoch zur Vermehrung in der Lage. Hierzu rechnet man z. B. die Leberzellen, die endokrinen Drüsenzellen sowie die meisten Zellen des Bindegewebes.

  • Ruhegewebe (permanente Gewebe) bestehen aus Gewebe:RuhegewebeZellen, die ihre Teilungsfähigkeit im Verlauf der Gewebsentwicklung verloren haben. Hierzu zählen hoch spezialisierte Gewebe wie z. B. Sinnesgewebe und die Zähne.

Gleichgewicht des inneren Milieus
inneres MilieuGleichgewicht:inneres MilieuDie Homöostase der Funktionen unseres Organismus lässt sich ganz wesentlich an der Konstanz messbarer Größen, etwa der Körpertemperatur, der Blutglukosekonzentration oder des Blut-pH-Werts ablesen. Diese und viele andere Parameter geben Auskunft über das innere Milieu (7.4.3). Nur wenn sie sich in einem engen Bereich befinden, ist der Gesamtorganismus lebens- und aktionsfähig.
Psychosoziales Gleichgewicht
Gleichgewicht:psychosozialesAuch für die psycho-physiologischen Grundbedürfnisse gilt das Prinzip des Gleichgewichts. Zum Beispiel ist Gesundheit nur in einem Rhythmus zwischen ausreichenden Schlaf- und Wachphasen möglich. Ebenso müssen die Bedürfnisse nach sozialer Gemeinschaft, partnerbezogener Zuwendung, aber auch Zurückgezogenheit in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander befriedigt werden.

Gesundheit als Anpassungsfähigkeit

Gesundheit:AnpassungsmechanismenAnpassungsfähigkeit Das Gleichgewicht zwischen anabolen und katabolen Prozessen, die Konstanz des inneren Milieus, wird durch Infektionserreger, das Klima und andere äußere Faktoren ständig bedroht. Die Homöostase muss deshalb durch Anpassung (Adaptation)Adaptation aufrechterhalten werden.
Hierzu gehören z. B. die Produktion von gezielten Abwehrstoffen (Antikörpern 22.3.2) gegen Infektionserreger, die Konstanthaltung der Körperkerntemperatur bei wechselnden Außentemperaturen durch physiologische und zivilisatorische Mittel (z. B. unterschiedliche Kleidung); die Anpassung der Herzleistung an erhöhte Anforderungen (z. B. beim Treppensteigen), aber auch die Bewältigung des Verlustes eines Lebenspartners oder der sozialen Bezugsgruppe, z. B. infolge eines Umzugs oder Verlust des Arbeitsplatzes.
Aufgrund dieser Überlegungen lässt sich Krankheit nunmehr als Störung der Homöostase beschreiben, die mit verminderter körperlicher und/oder geistiger Leistungsfähigkeit bzw. herabgesetzter seelischer Belastbarkeit einhergeht – kurz: mit verminderter Anpassungsfähigkeit. Das Ideal völliger Gesundheit wäre demnach der Zustand der völligen Anpassung. Umgekehrt wird Krankheit auch als „Summe der Anpassungs- bzw. Adaptationsdefizite“ definiert.

Krankheitsdispositionen

Krankheitsdisposition Ist die Anpassungsfähigkeit des Körpers nicht nur vorübergehend (z. B. während eines Schnupfens) eingeschränkt oder unter Extrembelastungen (z. B. Hitze) überfordert, sondern dauernd und im Alltagsleben herabgesetzt, so spricht man von einer „Disposition:KrankheitsdispositionKrankheitsbereitschaft oder Krankheitsdisposition (Disposition = Veranlagung oder Neigung).
Manche Gruppen von Menschen sind „naturgemäß“ besonders anfällig (disponiert) für bestimmte Erkrankungen:
  • Männer erkranken z. B. neunmal häufiger an Gicht (15.8) als Frauen – man spricht von Geschlechtsdisposition.

  • Kinder erkranken zehnmal häufiger an Erkältungskrankheiten als Erwachsene – man spricht von Altersdisposition.

  • Manche Krankheiten kommen fast nur bei Schwarzen (z. B. die Sichelzellanämie 20.2.3), andere Krankheiten (z. B. bestimmte Hauterkrankungen) fast nur bei Weißen vor – man spricht von Rassendisposition.

Eine ererbte Krankheitsdisposition kann so stark sein, dass die entsprechende Erkrankung zwangsläufig bei der Geburt oder irgendwann später im Leben ausbricht und sogar zum frühzeitigen Tod führen kann. Man spricht dann von Erbkrankheit (z. B. die Bluterkrankheit 20.7.3).
Den ererbten Krankheitsdispositionen kann man die erworbenen Dispositionen gegenüberstellen: Wer sich nicht ausreichend abhärtet und unausgewogen ernährt, ist für häufige Erkältungskrankheiten in der kalten Jahreszeit disponiert (anfällig). Wer an einem Tumor oder an Tuberkulose erkrankt, der wird sich auch wesentlich leichter eine Zweiterkrankung zuziehen, wie z. B. Bronchitiden, Harnwegsinfekte oder eine Herzschwäche. Eine Primärerkrankung disponiert also zu einer Sekundärerkrankung. Steht die Sekundärerkrankung in einem engen zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang mit der Primärerkrankung, nennt man sie Komplikation der Primärerkrankung.

Konzept der Risikofaktoren

Risikofaktoren Als Risikofaktoren bezeichnet man ungünstige Einflussgrößen, welche die Auftretenswahrscheinlichkeit einer bestimmten Erkrankung deutlich erhöhen. Um Risikofaktoren herausfinden zu können, werden meist Bevölkerungsgruppen miteinander verglichen, die sich bezüglich des fraglichen Merkmals (etwa Raucher und Nichtraucher oder Tankwart und Nicht-Tankwart) unterscheiden, ansonsten aber möglichst ähnlich sind. Die Bevölkerungsgruppe, die das zu untersuchende Merkmal nicht zeigt, also als Vergleichsgruppe dient, heißt dabei Vergleichskollektiv.
Durch mehrere solche über viele Jahre durchgeführte Untersuchungen fand man z. B. heraus, dass das Zigarettenrauchen nicht nur einen Risikofaktor für das Bronchialkarzinom, sondern z. B. auch für chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen und mehrere weitere Tumoren wie das Kehlkopfkarzinom darstellt, und dass selbst Passivrauchen (Mitrauchen) das Krankheitsrisiko deutlich erhöht.

Grundbegriffe der Krankheitslehre

  • Krankheitslehre:GrundbegriffeÄtiologie: „ÄtiologieKrankheitsursache(n) oder Lehre von den Krankheitsursachen.

  • Diathese: entspricht „Diathesein etwa dem Begriff der Disposition; angeborene oder erworbene Bereitschaft des Körpers zu bestimmten Krankheiten, z. B. wird eine erhöhte Blutungsneigung als hämorrhagische Diathese (20.8.7) bezeichnet.

  • Disposition: angeborene „Dispositionbzw. erworbene Veranlagung oder Neigung, an bestimmten Krankheiten zu erkranken.

  • Infaust: aussichtslos (im Hinblick auf den Heilungsverlauf).

  • Konstitution: die beständig vorhandenen, genetisch vermittelten körperlichen und psychischen Merkmale „Konstitutioneines Menschen. Diese werden in verschiedenen Konstitutionslehren definiert, um daraus mögliche Reaktionsmuster oder Krankheitsneigungen abzuleiten.

  • Letalität: Tödlichkeit einer LetalitätKrankheit: beträgt die Letalität einer Krankheit z. B. 3 %, heißt das, dass 3 von 100 an der Krankheit X erkrankten Patienten durch diese Krankheit sterben.

  • Morbidität: Krankheitshäufigkeit; Anzahl von MorbiditätErkrankungen innerhalb einer Bevölkerung(sgruppe). Beträgt z. B. die Morbidität einer Krankheit in Deutschland 1 : 100.000, heißt dies, dass eine Person von 100.000 Einwohnern in Deutschland an der Krankheit X erkrankt.

  • Morbus (lat. = Krankheit): abgekürzt M. Viele Krankheiten Morbustragen den Namen des Arztes oder Wissenschaftlers, der sie entdeckt und zuerst beschrieben hat, z. B. Morbus Crohn (13.8.3) oder Morbus Basedow (19.6.2).

  • Morphologie: Lehre von der Form Morphologieund Struktur z. B. eines Körperorgans.

  • Mortalität: Sterblichkeit, SterblichkeitszifferSterblichkeitsziffer; Verhältnis der Zahl der MortalitätTodesfälle zur Gesamtzahl der Bevölkerung(sgruppe). Die Säuglingsmortalität bzw. Säuglingssterblichkeit gibt die Zahl der im ersten Lebensjahr verstorbenen Säuglinge, bezogen auf 1.000 Lebendgeborene, an.

  • Nosologie: Krankheitslehre, systematische NosologieEinordnung und Beschreibung der Krankheiten.

  • Noxe: Schadstoff, krankheitsauslösende NoxeSubstanz oder Ursache.

  • Pathogenese: Krankheitsentstehung Pathogeneseund -entwicklung.

  • Pathogenität: Fähigkeit Pathogenitätvon z. B. Mikroorganismen, Schadstoffen, Umwelteinflüssen krankhafte Zustände hervorzurufen.

  • Pathognomonisch: für eine Krankheit kennzeichnend.

  • Pathologie: Lehre von den PathologieKrankheiten, insbesondere von der Pathogenese und den durch die Krankheit verursachten organischen Veränderungen (z. B. des Gewebes).

  • Pathologisch: krankhaft.

  • Pathophysiologie: Lehre von den Pathophysiologiekrankhaften Lebensvorgängen und gestörten (Organ-)Funktionen.

  • Physiologie: Lehre von den normalen PhysiologieLebensvorgängen und Funktionen im Organismus.

  • Physiologisch: normal, gesund.

  • Prognose: Vorhersage eines PrognoseKrankheitsverlaufs.

  • Prophylaxe: Maßnahmen zur ProphylaxeVerhütung von (Zweit-)Erkrankungen, z. B. die Thromboseprophylaxe (Verhütung von Blutpfropfbildungen), die indirekt auch eine Prophylaxe der lebensbedrohlichen Lungenembolie darstellt.

  • Reversibel/irreversibel: umkehrbar/nicht umkehrbar oder rückgängig zu machen, z. B. reversibler Haarausfall bei der Frau nach der Schwangerschaft, aber irreversibler Zahnausfall.

  • Symptom: Krankheitszeichen.Symptom

  • Syndrom: Symptomkomplex;Syndrom Gruppe von Krankheitsmerkmalen, die typisch sind für ein bestimmtes Krankheitsbild.

Konzept der Salutogenese

SalutogeneseDie Untersuchung der menschlichen Anpassungsfähigkeit im Rahmen von Stresssituationen bildete auch die Grundlage eines biopsychosozialen Gesundheitsmodells, das von dem Medizinsoziologen Aaron Antonovsky Antonovsky, Aaron(1923–1994) entwickelt wurde. In den Mittelpunkt seiner Überlegungen stellt er nicht die Frage nach der Pathogenese, sondern umgekehrt die Erforschung der Salutogenese, d. h. derjenigen Bedingungen, die Menschen zur Erhaltung bzw. Wiederherstellung ihrer Gesundheit befähigen. Ausgangspunkt ist dabei die Vorstellung, dass der Einzelne nie völlig krank oder völlig gesund ist, sondern mal dem einem, mal dem anderen Pol näher kommt.
Kernelement von Antonovskys Modell ist das Kohärenzgefühl,Kohärenzgefühl das die geistig-seelische Grundeinstellung eines Menschen gegenüber der Welt und dem Leben beschreibt. Er gliedert diese Grundhaltung in drei Aspekte, die sich beschreiben lassen als
  • Überzeugung von der Verstehbarkeit der Anforderungen, die im Laufe des Lebens von außen und innen auf das Individuum einwirken,

  • Vertrauen auf die Möglichkeit, mithilfe eigener (oder auch fremder) Ressourcen die sich ergebenden Anforderungen zu bewältigen (Gefühl von Handhabbarkeit),

  • Gefühl der Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens und Handelns, d. h. Einschätzung wesentlicher Lebensaufgaben als lohnenswerte Herausforderungen.

Das Kohärenzgefühl bildet sich v. a. in der Kindheit und Jugend aus, sodass seine Stärkung mit zunehmendem Alter schwieriger wird.
Gesunde Menschen sind nach Antonovsky in der Lage, auf verschiedenste Stressoren mithilfe sog. generalisierter Widerstandsressourcen angemessen zu reagieren. Stressor bezeichnet dabei zunächst nur irgendeine Anforderung, einen Spannungszustand. Stress im Sinne von Belastung entsteht, wenn die Spannungsbewältigung nicht gelingt, wobei die Gesundheit auch hierdurch nicht zwangsläufig beeinträchtigt wird. Zu den generalisierten Widerstandsressourcen zählen die Immunabwehr, die Intelligenz und andere körpereigene Faktoren ebenso wie in der Kindheit erlernte Problemlösungsstrategien. Erfolgreiche Bewältigung von Spannungen und positive Lebenserfahrungen stärken das Kohärenzgefühl und die Widerstandsressourcen, negative Erfahrungen hingegen begünstigen die „kranken“ Anteile eines Menschen.
Antonovskys Modell der Salutogenese ist in einigen Punkten sehr theoretisch und auch umstritten. Zweifellos lohnt es aber, in der täglichen Arbeit mit Patienten nicht nur die Defizite (also die Beschwerden und Erkrankungen), sondern auch die Ressourcen und gesunden Anteile des Patienten zu sehen und diese zu stärken. Dies erfordert den Blick auf den ganzen Menschen und sein Lebensumfeld und nicht nur auf z. B. einzelne Organe.

Krankheitsverläufe

Krankheitslehre:Krankheitsverläufe Vor dem Ausbruch einer Erkrankung besteht nach dem Einwirken der Noxe eine symptomfreie Zeit, die sog. LatenzzeitLatenzzeit, bei Infektionskrankheiten auch InkubationszeitInkubationszeit (25.2.1) genannt. Bei manchen Krankheiten, wie z. B. Masern, gibt es ein Vorläuferstadium (ProdromalstadiumProdromalstadium) mit uncharakteristischen Symptomen, das den typischen Krankheitssymptomen vorausgeht.
Sobald die Krankheit ihre charakteristischen Merkmale aufweist, spricht man vom ManifestationsstadiumManifestationsstadium, dem Hauptstadium der Erkrankung.
Unabhängig von einer bestimmten Krankheitsursache und der speziellen Erkrankungsart gibt es auf lange Sicht immer wieder drei verschiedene mögliche Reaktionen des Körpers: Entweder er überwindet die Erkrankung im RekonvaleszenzRekonvaleszenzstadium und erfährt Heilung, er geht an ihr zugrunde und stirbt, oder die Krankheit besteht in begrenztem Umfang fort und wird chronisch.
Heilung
HeilungUnter Heilung versteht man in diesem Zusammenhang eine „Wiederherstellung des unversehrten Zustands“, die sog. RestitutioadintegrumRestitutio ad integrum. Dies bedeutet, dass nach dem Ablauf der Krankheit der ursprüngliche Zustand der Gewebe oder, mit dem Modell der Homöostase ausgedrückt, das innere Gleichgewicht und damit die volle Anpassungsfähigkeit des Organismus wiederhergestellt ist.
Defektheilung
Bleibt bei größeren Verletzungen oder schweren Infektionen ein Defekt zurück, spricht man von „DefektheilungDefektheilung. Ein einfaches Beispiel hierfür ist die „NarbeNarbenbildung nach einer Verletzung oder die Herzinsuffizienz (Herzschwäche 10.7), die nach einem schweren Herzinfarkt auftreten und eine dauernde Beeinträchtigung der körperlichen Leistungsfähigkeit zur Folge haben kann.
Krankheitsrezidiv
Tritt dieselbe Erkrankung nach einem beschwerdefreien Intervall erneut auf, spricht man von Rückfall oder „RezidivRezidiv. Dabei kann die Krankheit vor dem zweiten Auftreten völlig ausgeheilt gewesen sein oder die eigentlichen Krankheitsursachen wurden nicht beseitigt, sondern nur maskiert. Beispielsweise sind häufig Tumorrezidive (lat. tumor = Geschwulst) nach scheinbar vollkommener Beseitigung eines Primärtumors zu beobachten. Diese Rezidive treten meist ein bis zehn Jahre nach operativer oder medikamentöser Tumorbehandlung auf. Ursache für ein Rezidiv können wenige, nach OP und/oder medikamentöser Therapie verbliebene Tumorzellen sein, die von Neuem mit bösartigem Wachstum beginnen.
Chronifizierung
ChronifizierungHeilt eine Krankheit nicht aus oder kann die Krankheitsursache nicht beseitigt werden, so kommt es zur Chronifizierung (griech.-lat. = Wendung zu lang dauerndem Verlauf).
Chronisch-kontinuierliche Erkrankungen sind solche, die auf einem gewissen Krankheitsniveau verharren. Beispiel hierfür ist die Nagelmykose (Pilzbefall des Nagels 25.11), die nicht weiter stört, aber auch kaum jemals ganz ausheilt.
Das chronische Asthma bronchiale (12.8) ist dagegen meist keine permanente (ununterbrochene) Erkrankung. Vielmehr werden beschwerdefreie Phasen immer wieder – chronisch-rezidivierend – unterbrochen von oft Angst einflößenden Atemnotanfällen.
Dekompensation und Progredienz
DekompensationChronische Defekte können funktionell ausgeglichen (kompensiert) oder dekompensiert sein: Bei kompensierter Herzinsuffizienz bleibt z. B. die Leistungsfähigkeit innerhalb des täglichen Lebens noch erhalten, eine fortgeschrittene dekompensierte Herzinsuffizienz zwingt zur Bettlägerigkeit.
Viele chronische Erkrankungen entwickeln durch sich selbst verstärkende Mechanismen eine Eigendynamik und verschlimmern sich zusehends; man spricht von chronischer Progredienz.Progredienz Die chronische Polyarthritis (9.12.1) oder die Multiple Sklerose (23.7.2) sind solche oftmals chronisch progredienten Erkrankungen.

Sterben und Tod aus klinischer Sicht

Unter biologischem „TodTod versteht man den Tod aller Organe. Der klinische Tod, d. h. das Erlöschen der Herz-Kreislauf-Funktion, ist gekennzeichnet durch fehlende Arterienpulse, fehlende Herzaktionen, fehlende Atemfunktion und Bewusstlosigkeit. Ein klinisch toter Patient ist jedoch grundsätzlich innerhalb einiger weniger Minuten wiederbelebbar (reanimierbar), bevor auch das Gehirn abzusterben beginnt. Letzteres kann man daran erkennen, dass der Pupillenreflex und der Kornealreflex (23.3.2) nicht mehr auslösbar sind, also die Pupillen auf Lichteinfall nicht mehr reagieren und sich das Lid bei Berühren der Hornhaut nicht mehr schließt.
Unterbleibt die Reanimation (30.4) beim klinischen Tod oder aber führt sie zu spät zur Wiederdurchblutung des Gehirns, tritt nach wenigen Minuten zunächst der „HirntodHirntod ein, da das Gehirn das lebenswichtige Organ mit der geringsten Toleranz gegen Sauerstoffmangel (Hypoxietoleranz) ist. Das Herz hingegen kann noch weiterschlagen. Man spricht von einer Dissoziation (Aufspaltung) der lebenswichtigen Funktionen beim klinischen Tod. Da aber mit dem Tod des Gehirns die individuelle geistige und körperliche Existenz des Menschen endet, endet mit dem Hirntod auch unwiderruflich sein Leben. Der Tod als Lebensende des Gesamtorganismus wird – praktisch weltweit – definiert durch die unumkehrbare Unterbrechung der Gehirnfunktionen (Hirntod), ohne dass deshalb die Herz-Kreislauf-Aktivität völlig erloschen sein muss.

Merke

Der Hirntod wird durch folgende Zeichen nachgewiesen:

  • EEG (23.3.4) mit Nulllinien-Nachweis; das EEG zeigt über 30 Min. keinerlei elektrische Aktivität des Gehirns mehr an

  • Stillstand des Hirnkreislaufs in der röntgenologischen Hirngefäßdarstellung oder bei der Doppler-Sonografie

  • klinisch-neurologische Zeichen wie z. B. Koma, Atemstillstand und Pupillenstarre bei mehreren Untersuchungen

Der Hirntod muss unter anderem vor Entnahme eines Organs zur Transplantation nachgewiesen sein.
Aus der klinischen Erfahrung heraus wurde das Hirntodkonzept um den Begriff des Teilhirntods (Abb. 8.1) ergänzt. Nicht selten gelingt es bei der Reanimation, dass die etwas weniger hypoxieempfindlichen untersten Stammhirnanteile (23.2.1) wieder ihre Funktion aufnehmen. Die Großhirnfunktionen, die die gesamte Psyche und Persönlichkeit repräsentieren, bleiben aber erloschen. Es resultiert daraus das Bild des Teilhirntods oder apallischen Syndroms (23.9.1) mit dauerhafter Bewusstlosigkeit und Fehlen jeder gerichteten Aufmerksamkeit bei erhaltenen Herz-Kreislauf-Funktionen.
Sichere Todeszeichen:
  • Totenflecke (Livores mortis): Livores mortisDurch das „TotenfleckeAbsinken des Blutes bilden sich an den tiefer gelegenen Körperregionen, allerdings nicht an den Aufliegestellen, rötlich-bläuliche, wegdrückbare Flecken.

  • Totenstarre (Rigor mortis): Rigor mortisBereits 10 Min. nach „TotenstarreKreislaufstillstand beginnt die Totenstarre an der glatten Muskulatur, nach ca. 1 Std. an der Herzmuskulatur. Nach etwa 4 bis 12 Stunden beginnt die Starre der Skelettmuskulatur an Unterkiefer, Hals und Nacken und wandert dann den Körper abwärts. Nach 1 bis 6 Tagen verschwindet die Totenstarre bei Eintritt der Fäulnis in gleicher Reihenfolge.

  • Fäulnis (Autolyse): NachAutolyse dem Tode „Fäulnisbreiten sich sehr schnell Mikroorganismen im Körper aus. Durch die Stoffwechselprodukte der Bakterien färbt sich die Haut graugrün, in Gefäßen und Darmschlingen bildet sich Gas, die Darmschlingen treiben auf, und es entsteht ein – teilweise sehr starker – Fäulnisgeruch.

Merke

Sichere Todeszeichen

  • Totenflecke (Livores mortis)

  • Totenstarre (Rigor mortis)

  • Fäulnis (Autolyse)

Unsichere Todeszeichen

  • Haut und Schleimhäute blassgrau bis bläulich verfärbt

  • Todeskälte (Algor mortis), Abkühlung (besonders an den Extremitäten), eigentlich Anpassung an die Umgebungstemperatur

  • Fehlen aller Reflexe

  • Atmung nicht mehr erkennbar

  • Pulse nicht mehr tastbar

  • Herztöne nicht mehr wahrnehmbar

  • Pupillen maximal erweitert

Sterben und Tod aus psychologischer Sicht

„TodeszeichenSterben ist ein „SterbenProzess mit wechselnden Gefühlsphasen: Obwohl er stark vom Alter des Patienten, von der Art der Grunderkrankung, von Krankheitsdauer, Persönlichkeitsmerkmalen und vielen den Kranken umgebenden Umständen abhängt, durchleben die meisten Menschen, die sich auf ihr Sterben einstellen können, eine Abfolge sog. „Sterben:PhasenSterbephasen.
Sterbephasen
Diese Sterbephasen sind von der Wissenschaftlerin Elisabeth Kübler-Ross beschrieben worden:
  • Phase der Abwehr (den sich anbahnenden eigenen Tod nicht wahrhaben wollen)

  • Phase des Zorns (sich aufbäumen)

  • Phase des Verhandelns (muss es wirklich schon in wenigen Tagen/Wochen/Monaten sein?)

  • Phase der Depression und Verzweiflung (Trauer)

  • Phase der Zustimmung und Hoffnung (sich fügen)

Die größte Angst sterbender Patienten ist in vielen Fällen jedoch nicht die Furcht vor dem Tod an sich, sondern die Angst vor Vereinsamung und Abschiebung. Sie entsteht durch die Hilflosigkeit aller Beteiligten und ihre Unfähigkeit, dem Patienten in seinen verschiedenen, scheinbar im Widerspruch zueinanderstehenden Sterbephasen angemessen zu begegnen.
Sterbebeistand
Oft wird der „Sterben:BeistandUmgang mit dem Sterbenden auch durch eigene Ängste und Abwehrmechanismen gegenüber Tod und Sterben blockiert. In der Regel ist der Patient dankbar für jede Kommunikation über die Dinge, die ihn am meisten beschäftigen (Abb. 8.2).
Der Umgang mit Sterbenden verlangt in besonderem Maße, den Patienten in seiner Befindlichkeit zu beobachten, seine Ängste und Signale wahrzunehmen und für (anstrengende) Gespräche offen zu sein. Dies ist eine höchst anspruchsvolle Aufgabe, die zu bewältigen viel Zeit und Kraft erfordert.
Laut Gesetz und Rechtsprechung bestehen eine Aufklärungspflicht seitens des Arztes und ein Recht des Patienten auf Aufklärung. Auch die Berufsordnung der Heilpraktiker (1.1.6) hat festgelegt, dass der Patient über seinen Gesundheitszustand aufzuklären ist. Nur wenn der Arzt bzw. der Heilpraktiker gesundheitliche Verschlechterungen aufgrund der Mitteilung der Diagnose erwartet, kann auf die Aufklärung verzichtet werden. Oft wird von dieser „Generalklausel“ Gebrauch gemacht, obwohl Untersuchungen gezeigt haben, dass die meisten Sterbenden zwar zunächst mit einem Schock und starken Gefühlen der Angst, Depression oder Aggression auf die Diagnose reagieren, ihnen letztlich aber die seelische Verarbeitung der Diagnose möglich ist. Dies führt erfahrungsgemäß längerfristig zu einem ausgeglicheneren Zustand des Kranken. Die früher geäußerte These, dass aufgeklärte Patienten keinen Lebenswillen mehr zeigten, gilt als widerlegt – manche Untersuchungen berichten sogar eher von einer Lebensverlängerung, wenn sich der Kranke rechtzeitig und aktiv mit der Krankheit und seinem Sterben auseinandersetzen kann. Dazu kann z. B. auch gehören, dass der Patient sich mit Familienmitgliedern versöhnt oder sich von ihnen verabschiedet.
Das Maß der Aufklärung zu bestimmen und die richtige Art der Mitteilung zu finden, ist nicht immer leicht. Hier sind in erster Linie das Feingefühl und der Takt des Behandlers erforderlich.
Hospizbewegung
Der HospizbewegungBegriff „Sterben:HospizHospiz (abgeleitet vom lat. „hospitium“ = Gastfreundschaft, Herberge) bezeichnete in frühchristlicher Zeit und im Mittelalter kirchliche bzw. klösterliche Herbergen, in denen Pilger und andere Reisende, auch erkrankte, Unterkunft und Pflege finden konnten. Hieraus entstand die Bezeichnung Hospital. Im Sinne der ursprünglichen Wortbedeutungen will die heutige Hospizbewegung Sterbenden gleichsam eine gastliche Herberge auf ihrer letzten irdischen Reise bieten. Dafür stehen stationäre, teilstationäre und ambulante Einrichtungen zur Verfügung, in denen interdisziplinäre Teams mit Pflegekräften, Ärzten, Seelsorgern und ehrenamtlichen Helfern tätig sind. Leitgedanke ist die ganzheitliche individuelle Betreuung von Sterbenskranken unter Einbeziehung ihrer Angehörigen. Durch angemessene palliative (auf Beschwerdelinderung ausgerichtete) Maßnahmen wie z. B. eine ausreichende Schmerztherapie und Berücksichtigung der persönlichen Bedürfnisse soll dabei die Lebensqualität von Patienten und Angehörigen nach Möglichkeit bis zuletzt erhalten und würdevolles Abschiednehmen erleichtert werden.

Krankheitsursachen

Die Krankheitslehre:UrsachenGesundheit ist immer von äußeren und inneren Krankheitsursachen bedroht. Äußere Krankheitsursachen sind v. aKrankheitsursachen:äußere. schädigende Stoffe, sog. exogene Noxen (lat. Schaden). Zu den exogenen Noxen zählen:
  • physikalische Noxen:

    • Trauma: mechanische Einwirkung, z. B. Stoß, Schnitt, Knochenbruch

    • thermische Einwirkung, also Hitze- bzw. Kälteschäden in Form von Hyperthermie und Verbrennungen bzw. Unterkühlung und Erfrierung

    • Schädigung durch Strahlung, z. B. ionisierende Strahlen, Ultraviolettstrahlen, Strom

  • chemische Noxen: z. B. Verätzung oder akute bzw. schleichende Vergiftung

  • belebte Noxen: Mikroorganismen wie z. B. Bakterien, Pilze, Viren, Parasiten

Ernährungsbedingte (alimentäre) Krankheitsursachen wie einerseits Hungerzustände mit den Folgen Kachexie (Auszehrung) und Marasmus (Eiweiß-Protein-„MarasmusMangel-Syndrom) oder andererseits Adipositas (Fettsucht) werden wie Exsikkose (Austrocknung) oder Mangelkrankheiten (Hypo- und Avitaminosen, Mineralstoff- und Spurenelementmangel) ebenfalls zu den äußeren Krankheitsursachen gezählt.
Zusätzlich gibt es folgende äußere, von der „Umwelt“ abhängige Bedrohungen, die Krankheiten mit verursachen können und auf die positiv eingewirkt werden kann:
  • psychische Krankheitsursachen

  • gesellschaftlich bedingte Faktoren: soziale Krankheitsursachen, moderne Zivilisation als Belastung der Gesundheit, Drogen und Medikamente

Zu den inneren Krankheitsursachen zählen:
  • Krankheitsursachen:innereerbliche Disposition (8.1.1) zu Krankheiten

  • Erbkrankheiten im engeren Sinne

  • natürliches Altern mit Schwinden der körperlichen und psychischen Leistungskraft

In der Praxis sind oft beide Faktoren miteinander verknüpft: Eine erbliche Bereitschaft zur „Gefäßverkalkung“ (Arteriosklerose) und damit zur Verkalkung der Herzkranzgefäße trifft oft zusammen mit falscher Lebensweise, Rauchen und Übergewicht; das Ergebnis ist ein früh eintretender Herzinfarkt.

Äußere Krankheitsursachen

Physikalische Noxen
Hitzeschäden, Verbrennungen
Zu „VerbrennungenNoxen:physikalische„Krankheitsursachen:physikalische Noxen„Krankheitsursachen:äußere„Hitzeschädenunterscheiden ist der Grad der Hitzeeinwirkung. Längere Erwärmung auf 40–45 °C führt zu geringen Gewebeschädigungen infolge eines gesteigerten Zellstoffwechsels mit erhöhtem Sauerstoffbedarf. Temperaturen ab 65–70 °C führen zu Eiweißdenaturierung, Koagulationsnekrosen und einer aseptischen Entzündungsreaktion.
Bei Hautverbrennungen (30.15.3) lassen sich vier Schweregrade unterscheiden (Tab. 8.1).
Kälteschäden
„KälteschädenUnterschieden werden die Unterkühlung und die Erfrierung (30.15.4): Bei einer Unterkühlung sinkt die Körpertemperatur unter 35 °C. Bei einer Erfrierung handelt es sich um einen lokalen Kälteschaden ohne Abkühlung des Körperkerns.
Bei Erfrierungen der Haut lassen sich 4 Schweregrade unterscheiden. Je nach Grad der Schädigung sind nur die Oberhaut (Epidermis) betroffen, wie bei Grad I (Rötung) und Grad II. Bei Grad III (Nekrosen) ist die darunterliegende Lederhaut (Dermis) betroffen, während bei Grad IV (Vereisung) eine völlige Gewebezerstörung vorliegt.
Durch Kälte werden auch folgende Krankheiten hervorgerufen: Raynaud-Syndrom (11.4.5), die Kälteurtikaria („KälteurtikariaQuaddelbildung der Haut nach Kontakt mit kalten Gegenständen und Gefäßverschlüsse durch Kälte-Antikörper Kälteagglutininkrankheit).„Kälteagglutininkrankheit
Schädigung durch Strahlen
Eine Schädigung kann erfolgen durch ionisierende Strahlung (α-, β- und γ-Strahlen sowie Röntgenstrahlen) sowie durch nichtionisierende Strahlen: UV-, Infrarot-, Laser-Strahlen, Mikrowellen. Bei ionisierender Strahlung werden Elektronen aus der Atomhülle entfernt. Hierdurch wird Energie auf das biologische Material abgegeben bzw. durch Ionisierung intrazellulärer Wassermoleküle werden aggressive Sauerstoffradikale gebildet und infolge die DNA (ggf. mit Genmutationen), RNA und Zellmembranen geschädigt. Dabei ist das Ausmaß der biologischen Schädigung abhängig von:
  • Art und Dosis der Strahlen

  • Wassergehalt der Zellen

  • physikalischen Eigenschaften des Gewebes

  • Zellteilungsrate des Gewebes:

    • strahlensensibel: empfindliche Gewebe (z. B. blutbildendes Knochenmark, lymphoretikuläres System, Darmepithelien und epidermale Basalzellen)

    • strahlenresistent: stabile Gewebe (z. B. Leber- und Nierenparenchym) und Dauergewebe (Muskel- und Ganglienzellen)

Bei nichtionisierender Strahlung erfolgt die Schädigung durch Wärme. Durch die Anregung der Atome und Moleküle zur Schwingung wird Wärme erzeugt. Dies verursacht nach Überschreitung einer Toleranzgrenze lokale Schäden, insbesondere an Augen und Hoden.
Chemische Noxen
Mögliche Noxen:chemische„Krankheitsursachen:chemische NoxenSubstanzen sind organische Verbindungen, wie z. B. Ethanol (C2H5OH), Benzol (C6H6), Phosgen sowie anorganische Verbindungen, wie z. B. Kohlenmonoxid, Stickstoff- und Schwefeloxide. Ferner Lebensmittelgifte (z. B. Botulinustoxin 25.16.5 oder das Gift des Knollenblätterpilzes Tab. 30.20) sowie Metalle (z. B. Kadmium, Quecksilber).
Aufnahme
Die Aufnahme (Inkorporation) exogener Noxen kann über verschiedene Wege erfolgen:
  • Atemwege: durch Inhalation (z. B. Kohlenmonoxid)

  • Verdauungstrakt: durch Ingestion (z. B. Botulinustoxin)

  • Haut: durch kutane Resorption (z. B. das Insektizid E 605)

Reaktionsmöglichkeiten des Organismus
  • Phagozytose: Inhalierte Stäube werden in den Lungenbläschen (Alveolen), wenn sie nicht vorher eliminiert werden, durch Fresszellen (Makrophagen) aufgenommen und im Bindegewebe der Lungen gespeichert.

  • Speicherung: Herbizide und Insektizide (z. B. DDT) reichern sich im Fettgewebe an, von wo aus der Körper sie nur noch schwer entfernen kann.

  • Metabolisierung: Gifte können über die Leber abgebaut und unschädlich gemacht werden. Verschiedene Stoffe entfalten ihre toxische Wirkung erst nach Verstoffwechselung (Metabolisierung) in der Leber (Giftung). So „Giftungentstehen z. B. beim Abbau halogenierter Kohlenwasserstoffe leberzellschädigende Radikale.

  • Elimination: Gifte können über die Niere oder den Darm ausgeschieden oder über die Lungen abgeatmet werden.

  • Fremdkörperreaktion: Das Gewebe reagiert auf Ablagerungen von Fremdkörpern mit einer granulomatösen Entzündungsreaktion (Fremdkörpergranulom). Ölgranulome oder Oleome „Ölgranulomentstehen nach „OleomInjektion schwer resorbierbarer öliger Substanzen.

Schädigungsmechanismen
Es gibt eine nahezu unbegrenzte Zahl von giftigen Substanzen und daraus verursachten Schädigungen.
Hier einige wichtige Mechanismen anhand von Beispielen:
  • Bildung von Sauerstoffradikalen: Stoffe wie Ozon, Paraquat oder Chlorgas wirken toxisch durch Bildung freier Sauerstoffradikale, die wiederum durch ihre starke oxidative Wirkung zu Membranschäden führen.

  • Beeinflussung von Enzymen: Blei entfaltet u. a. seine toxische Wirkung durch Inaktivierung von Enzymen der Blutbildung.

  • Beeinträchtigung des O2-Transports: Kohlenmonoxid (CO) hat eine 300-fach höhere Affinität zu Hämoglobin als Sauerstoff und stört dadurch den O2-Transport. Darüber hinaus hemmt es auch die Zellatmung.

Belebte Noxen
Die Angst vor Noxen:belebteInfektionen (25.1) hat die Menschheit seit Jahrtausenden geprägt. Nur für eine kurze Zeit nach Einführung des Penizillins glaubte man, mithilfe von Antibiotika Geißeln der Menschheit wie Tuberkulose, Cholera und Syphilis endgültig besiegen zu können.
Dieses Ziel ist jedoch wieder in weite Ferne gerückt:
  • Viele Erreger sind gegen herkömmliche Antibiotika resistent (widerstandsfähig) geworden.

  • In vielen Regionen der Erde können die Menschen wirksame Antibiotika nicht bezahlen, sodass sie z. B. an einfach zu behandelnden Krankheiten sterben müssen.

  • Das Beispiel der Ausbreitung der HIV-Infektionen (25.19.1) zeigt, wie rasch und weltweit bedrohend sich auch am Ende des 20. Jahrhunderts neue Krankheitserreger verbreiten können.

  • Die Gefahr neuartiger großer Epidemien geht dabei heutzutage hauptsächlich von Virusinfektionen (25.6) aus, da die moderne Medizin bis jetzt den Viren (im Gegensatz zu den anderen Gruppen von Krankheitserregern) nur selten spezifische Medikamente und lediglich in einem Teil der Fälle eine wirksame Vorbeugung durch Impfstoffe entgegenzusetzen hat.

Psychische Gesundheit und psychische Krankheitsursachen
Die „Krankheitsursachen:psychischepsychische Gesundheit ist am ehesten zu beschreiben mit der Anpassungsfähigkeit gegenüber psychischen „Verletzungen“ wie z. B. Trennung oder Tod eines Angehörigen sowie der Konfliktfähigkeit bei einander widersprechenden Anforderungen, z. B. vonseiten der Familie und des Arbeitgebers. Andererseits gehört zur psychischen Gesundheit auch die Bereitschaft, unveränderbare Rahmenbedingungen (wie z. B. die eigenen Leistungsgrenzen) sowie Vorerkrankungen zu akzeptieren. Gelingt dies nicht und bleiben psychische Konflikte auf Dauer ungelöst, erkrankt das Individuum über kurz oder lang.
Der wichtigste Faktor, um solche Erkrankungen zu verhindern, scheint nach heutigem Wissen eine „glückliche“ (nicht aber problemfreie) Kindheit zu sein – was die Bedeutung der Erziehung unterstreicht. Scheitert die Eltern-Kind-Beziehung als Folge ungelöster Erziehungskonflikte oder muss das Kind einen Mangel an Geborgenheit oder gar Gewalt und Missbrauch erleiden, so sind seelische oder körperliche Erkrankungen im Erwachsenenleben häufig die Folge. Allerdings kann auch eine zu starke Versorgung und Verwöhnung sich auf die Fähigkeit, Konflikte zu bewältigen, sowie Frustrationen zu ertragen, negativ auswirken.
Forschungsergebnisse zeigen aber auch, dass für viele psychische Erkrankungen eine innere Disposition besteht.
Der Staat und die Institutionen des Gesundheitswesens können vorbeugend nur wenig positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit des Einzelnen nehmen. Umso mehr wird heute die Notwendigkeit gesehen, psychisch Erkrankten individuell zu helfen. Die psychosomatische Medizin beschäftigt sich mit solchen Krankheiten, die sich zwar eindeutig organisch manifestieren (wie z. B. die Magersucht), ihre Ursachen jedoch zu einem wesentlichen Teil in psychischen und/oder psychosozialen Konflikten haben.
Gesellschaftlich bedingte Faktoren
In den sog„Krankheitsursachen:gesellschaftlich bedingte. westlichen Industrienationen des 21. Jahrhunderts werden die körperlichen Grundbedürfnisse der meisten Menschen befriedigt, die soziale Gesundheit ist jedoch nicht in gleichem Maße gewährleistet. Zu den Ursachen hierfür gehören:
  • Ungleiche Verteilung der Arbeit: Sowohl Arbeitslosigkeit als auch berufliche Überlastung fördern die Krankheitsentstehung.

  • Individualisierung der Gesellschaft und abnehmende Bedeutung der Familien: Diese Entwicklung ermöglicht, persönliche Neigungen „auszuleben“, birgt jedoch auch die Gefahren der Vereinsamung und Überforderung. In diesem Zusammenhang ist z. B. die wachsende Zahl alleinerziehender Mütter und Väter zu sehen, die gesundheitlich durch ihre Mehrfachbelastung verstärkt gefährdet sind.

  • Zunehmende Migration mit mangelhafter Integration verschiedener Bevölkerungsgruppen an ihrem Wohnort.

Gesundheitliche Auswirkungen von Technisierung und Zivilisation
Durch die Technisierung und moderne Zivilisation sind einerseits viele äußere Bedrohungen weitgehend beseitigt worden. Andererseits sind durch den modernen Lebensstil neue Belastungen aufgetreten.
Die Untersuchung der Auswirkungen der Umweltbedingungen auf die Gesundheit ist Gegenstand der Umweltmedizin (Umwelthygiene Abb. 8.3). Zu ihren Schwerpunkten zählen die Einflüsse von:
  • Außenluft: Durch Umstellung auf umweltfreundlichere Heizungen und Abgaskatalysatoren hat sich zwar die Schadstoffbelastung der Atemluft im Vergleich zu den 1950er- und 1960er-Jahren verringert. Problematisch bleiben allerdings z. B. die Feinstäube (v. a. in den Städten) sowie das Ozon, das an Sonnentagen zu akuten Gesundheitsstörungen (z. B. Atembeschwerden) führen kann. In beiden Fällen ist der motorisierte Verkehr wichtiger Mitverursacher.

  • Innenraumluft: In geschlossenen Räumen hat die Belastung des Menschen durch Schadstoffe in der Atemluft zugenommen. Verantwortlich hierfür sind z. B. moderne Baustoffe wie formaldehydhaltige Spanplatten oder Bodenbeläge, die Lösungsmittel abdampfen. Die größte einzelne Innenraum-Schadstoffquelle ist hierzulande jedoch mit ca. 140.000 Toten jährlich das Tabakrauchen; an den Folgen des Rauchens versterben somit täglich 380 Menschen in Deutschland.

  • Lärm: Für viele ist Lärm das Umweltproblem Nr. 1: Die Zahl von Lärmarbeitsplätzen ist trotz vieler Schutzvorkehrungen weiterhin sehr hoch; die Lärmbelästigungen auf der Straße haben durch die enorme Ausweitung des motorisierten Verkehrs stark zugenommen.

Viele Nahrungsmittel sind mit Fremdstoffen belastet, die der Gesundheit schaden können. Zu diesen Fremdstoffen zählen einerseits die Schadstoffe, die aus Ackerböden oder Gewässern in unsere Nahrung gelangen (z. B. Pflanzenschutzmittel und Schwermetalle), andererseits Lebensmittelzusatzstoffe, die in Form von Farbstoffen und Konservierungsmitteln unserer Nahrung beigegeben werden. Auch Krankheitserreger in der Nahrung werden immer wieder zur Gesundheitsgefahr – in vielen Ländern der Erde gibt es z. B. nicht ausreichend sauberes Trinkwasser.
Auch Medikamente können unter Umständen zur Krankheitsursache werden, da die meisten wirksamen Arzneistoffe bei einem Teil der Behandelten neben den therapeutischen Effekten wesentliche unerwünschte Wirkungen haben. Schätzungsweise 3–7 % aller Krankenhauseinweisungen haben ihren Grund in Medikamentennebenwirkungen. Dieses Problem ist nicht grundsätzlich vermeidbar – wohl aber in vielen Einzelfällen, indem z. B. streng darauf geachtet wird, dass die Dosierung von Arzneimitteln an Körpergewicht und Nierenfunktion der Patienten angepasst wird.
Elektromagnetische Felder (sog. Elektrosmog), Funkfrequenzen und Strahlung nukleartechnischer Anlagen sind als (Mit-)Verursacher von Krankheiten noch nicht wissenschaftlich anerkannt, aber zunehmend in der Diskussion und werden insbesondere von naturheilkundlichen Therapeuten beachtet.

Innere und multifaktorielle Krankheitsursachen

„Krankheitsursachen:innere Innere Krankheitsursachen sind nicht beeinflussbar, sie beruhen auf krankhaft veränderten Genen (7.4.9) und können folgendermaßen unterteilt werden:
  • Altersveränderungen des Organismus bzw. einzelner Organsysteme.

  • Abweichungen des Erbmaterials, die zu Entwicklungsstörungen bzw. Erbkrankheiten oder zu einer ererbten Anfälligkeit (Disposition 8.1.4) für bestimmte Erkrankungen führen.

Beide Faktoren greifen nicht selten ineinander: Bestimmte Gewebe, z. B. die Gefäßwände, können eine genetisch bedingte Neigung zur frühzeitigen Alterung aufweisen; in den betroffenen Familien treten dann die entsprechenden Störungen, z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gehäuft auf.
Altern
„Krankheitsursachen:innereDie im höheren Alter zunehmenden Alterungsprozesse führen in ihrer Summe zu einer Einschränkung der Lebensfunktionen. Man fasst diese unter dem Begriff der Alterskrankheit zusammen.
Genetisch bedingte Erkrankungen
„Krankheitsursachen:innereGenetisch bedingte Krankheiten lassen sich nach der Art ihrer Entstehung wie folgt unterteilen:
  • Erkrankungen durch Chromosomenaberrationen: Diese beruhen auf einer falschen Verteilung von Chromosomenabschnitten oder ganzen Chromosomen bei der Reifeteilung der Keimzellen, z. B. Trisomie 21.

  • Monogen bedingte Erbkrankheiten: bedingt durch Veränderung einzelner Gene, insbesondere bei vielen Stoffwechselerkrankungen z. B. Mukoviszidose (zystische Fibrose, CF), die sich infolge einer Mutation eines Gens auf dem Chromosom 7 entwickelt. Der Bluterkrankheit (Hämophilie) liegt ein genetisch bedingter Mangel an Gerinnungsfaktoren zugrunde. Zu den monogen bedingten Erkrankungen zählen auch die Kugelzellanämie (20.5.3) oder Störungen der Knochenentwicklung.

  • Multifaktoriell bedingte Erkrankungen: Sie entstehen durch das komplexe Zusammenwirken von genetischen und nichtgenetischen (exogenen) Faktoren. Sie vererben sich dementsprechend nicht nach den Mendel-Gesetzen, sodass das Risiko jeweils empirisch (d. h. nach Erfahrungswerten) bestimmt werden muss. Erkrankungen dieser Gruppe haben große medizinische Bedeutung: Trifft z. B. eine ererbte Neigung zum Diabetes mellitus (15.5) mit zuckerreicher Ernährung und Übergewicht zusammen, so erschöpfen sich im höheren Lebensalter die überbeanspruchten insulinbildenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse, und ein Diabetes mellitus Typ 2 tritt klinisch zutage.

Angeborene Fehlbildungen

Agenesie: „Krankheitsursachen:innereDie Organanlage fehlt völlig infolge einer Störung der Embryonalentwicklung.

Aplasie: Das Organ ist zwar angelegt, jedoch nicht ausgebildet – es finden sich lediglich Fett- oder Bindegewebsreste; bei paarig angelegten Organen (z. B. den Nieren) ist die Aplasie eines der beiden Organe relativ häufig.

Dysplasie: Fehlentwicklungen von Organen mit nicht ordnungsgemäßer Funktion. Manche Dysplasien, z. B. des zentralen Nervensystems, sind mit dem Leben nicht vereinbar oder gehen mit schweren Behinderungen, wie etwa angeborener Querschnittslähmung, einher. Andere Dysplasien sind weniger schwerwiegend, z. B. angeborene Hüftgelenkdysplasie, die bei korrekter orthopädischer Behandlung nur selten zur bleibenden Behinderung führt.

Disposition und Diathese
DysplasieAplasieAgenesieVererbt wird „Dispositionauch eine „Diathesegewisse Bereitschaft (Disposition) zur krankhaften Reaktion, nicht aber die Krankheit. Diese Disposition kann sich z. B. auf das Geschlecht oder das Alter beziehen oder auch erworben sein. Wenn nur die Disposition besteht, so spricht man von einer Diathese (griech. diathesis: Zustand, innere Verfassung). Bronchialasthma, Ekzeme und Heuschnupfen beruhen z. B. auf einer allergischen Diathese.
Zellwachstum
„Krankheitsursachen:innereGerät die Zellteilung in bestimmten Körpergeweben (z. B. der Leber) außer Kontrolle, kommt es zu einer außergewöhnlich schnellen Zellvermehrung. Diese Gewebeneubildung wird auch als Tumor oder Neoplasie bezeichnet. Tumoren (8.7) verursachen Schäden, da sie auf Organe, Blutgefäße oder Nerven drücken und die Funktion der Organe stark beeinträchtigen können.
Autoimmunreaktionen
„Krankheitsursachen:innereEine individuell erbliche Komponente ist auch beim Auftreten von sogenannten Autoimmunreaktionen bekannt. Hierbei wird das Gewebe durch körpereigene Antikörper oder Lymphozyten zerstört.
Das Immunsystem hat eigentlich die Aufgabe, körperfremde und Krankheiten verursachende Zellen aufzuspüren und zu bekämpfen, normale Körperzellen jedoch zu ignorieren. Wodurch das Immunsystem seine Unterscheidungsfähigkeit einbüßt und den physiologischen Balanceakt zwischen Abwehr und Toleranz nicht aufrechterhalten kann, sondern diesen Schutzmechanismus gegen nicht bedrohliche Komponenten der Eigenwelt einsetzt, ist bislang nicht völlig geklärt.
Typische Autoimmunerkrankungen können verschiedene Körperbereiche betreffen (22.8).

Entzündung

Entzündung: zweckmäßige Reaktion des Körpers auf eine Noxe (schädigender Faktor); schützt den Körper vor der Ausbreitung der Noxe und entfernt sie in der Regel aus dem Körper, z. B. durch Abbau von Schadstoffen und Vernichtung von Krankheitserregern.

Entzündungsursachen

EntzündungAuslöser einer Entzündung:UrsachenEntzündung können sein:
  • Gewebszerstörung mit Entstehung von Gewebstrümmern

  • Krankheitserreger, z. B. Bakterien, Viren, Pilze

  • Bakterientoxine, entweder als sezernierte Ausscheidungsgifte (Ektotoxine) oder als Zerfallsgifte (Endotoxine), die bei ihrem Untergang frei werden

  • Fremdkörper

  • Chemikalien

  • in Ausnahmefällen auch körpereigenes Gewebe, das als „Autoaggressor“ wirkt (22.8)

Entzündungssymptome

Die entzündliche Entzündung:SymptomeReaktion geht mit körperlichen Beschwerden (Symptomen) einher. Zu beobachten sind fast immer – wenn auch unterschiedlich ausgeprägt – die fünf sogenannten Kardinalsymptome der Entzündung (Abb. 8.4).

Merke

Kardinalsymptome der Entzündung

  • Schmerz (Dolor)

  • Rötung (Rubor)

  • Schwellung (Tumor)

  • Überwärmung (Calor)

  • gestörte Funktion („Functio laesaFunctio laesa)

Der„Entzündung:Kardialsymptome Ort der Entzündung richtet sich nach dem Sitz der auslösenden Noxe. Manche Entzündungsformen sind lokal auf einen kleinen Körperteil begrenzt (z. B. Zustand nach Schnittverletzung am Finger), während andere rasch auf mehrere Gewebe übergreifen oder sogar generalisieren, d. h. den gesamten Körper einbeziehen. Neben den lokalen Symptomen kommt es dann häufig zu einer Mitreaktion des Gesamtorganismus:
  • Entzündung:Mitreaktion des OrganismusDurch Aktivierung des Immunsystems werden weiße Blutkörperchen (Leukozyten) ins Entzündungsgebiet ausgeschwemmt, aber auch ins gesamte Blut (Leukozytose 20.4.3).

  • Von Bedeutung ist auch die Vermehrung bestimmter Bluteiweiße: Noch bevor γ-Globuline als spezifische Antikörper (22.3.2) zur Verfügung stehen, wird die Synthese sog. Akute-Phase-Proteine wie z. B. des C-reaktiven Akute-Phase-ProteineProteins (CRP) angekurbelt. Das CRP C-reaktives Protein (CRP)heftet sich an Schadstoffe und aktiviert Teile des Immunsystems (22.3.1): das Komplementsystem, Leukozyten und Thrombozyten.

  • Zahlreiche Noxen, z. B. Zellbestandteile oder Produkte vieler Mikroorganismen, rufen eine Fieberreaktion hervor. Als Fieber bezeichnet man eine Körperkerntemperatur von über 38 °C (25.4.1).

  • Gefäßweitstellung und Plasmaexsudation (Plasmaaustritt) können bei starken bzw. ausgedehnten Entzündungen zum allgemeinen Blutdruckabfall führen, im Extremfall bis zum Kreislaufschock (11.5.3) im Sinne eines septischen Schocks.

Reaktionen im Entzündungsgebiet

Im geschädigten Gebiet Entzündung:Reaktionenwerden Mediatoren (Botenstoffe„Entzündung:Mediatoren) freigesetzt, die den Ablauf der Entzündungsreaktion steuern. Zu diesen Mediatoren gehören:
  • Zytokine: Von vielen „Zytokine:Entzündungsmediatorverschiedenen Zellen gebildete Substanzen, die zur Aktivierung von Zellen, z. B. Lymphozyten, beitragen.

  • Histamin: Mediator, der bei Entzündungen und in besonders hohen „Histamin:EntzündungsmediatorMengen bei allergischen Reaktionen (22.6) freigesetzt wird. Seine Wirkungen sind unter anderem:

    • Kontraktion der Bronchien (bei hoher Histaminkonzentration droht ein Asthmaanfall)

    • Erweiterung der kleinen Blutgefäße (Hautrötung)

    • Schmerzen

    • Juckreiz. Histamin ist der wichtigste Stoff, der Juckreiz entstehen lässt.

  • Prostaglandine: Gruppe von Substanzen mit „Prostaglandine:Entzündungsmediatorvielfältigen Wirkungen, benannt nach der ursprünglichen Entdeckung im Prostatasekret. Während der akuten Entzündungsreaktion führen sie z. B. zur Gefäßerweiterung mit lokaler Überwärmung, steigern die Gefäßdurchlässigkeit und sind an der Schmerzentstehung beteiligt.

  • Kinine (z. B. Bradykinin): Substanzen„Bradykinin:Entzündungsmediator, die ebenfalls die Gefäße erweitern, ihre „KinineDurchlässigkeit (Permeabilität) erhöhen und die Schmerzrezeptoren aktivieren.

  • Komplementfaktoren (22.3.1).

  • CRP (31.4).

Am Ort der Entzündung treten durch evtl. beschädigte Kapillaren (feinste Blutgefäße) und die durch Mediatorstoffe geweiteten Poren der unbeschädigten Kapillaren Blutplasma („Blutwasser“) und Leukozyten (weiße Blutkörperchen) aus. Diese Exsudation (Ausschwitzung) von Flüssigkeit und ExsudationZellen führt zur Gewebsschwellung (Ödem 16.4.10).
Leukozyten und ortsständige Phagozyten (Fresszellen, eine Gruppe der weißen Blutkörperchen) versuchen nun, die Noxe, z. B. die Bakterien, zu vernichten. Sie bilden einen Saum um die Gefahrenquelle und zerstören auch umliegendes Gewebe, das möglicherweise ebenfalls infiziert oder anderweitig geschädigt war. Es bildet sich eine Nekrosezone aus abgestorbenem Gewebe. Aus den Trümmern der Nekrosezone entsteht durch die Enzyme der Leukozyten flüssiger Eiter (25.4.2).
Heilungsreaktion bei Entzündung
Die Heilungsreaktion setzt Entzündung:Heilreaktionenbereits früh ein und verläuft wie folgt:
  • Durch die Gewebsverletzung wird das Gerinnungssystem (20.2.7) aktiviert. Dadurch verschließen sich die feinsten Blutgefäße (Kapillaren) in der Nachbarschaft des Defekts.

  • In der Folge stirbt zwar weiteres umliegendes Gewebe ab, gleichzeitig wird aber Platz für die „großflächige“ Reparatur geschaffen. Dieser Untergang vieler Zellen im Entzündungsgebiet ist das notwendige Übel, damit die Reparations- und Heilungsprozesse in Gang kommen.

  • Bereits nach 12–36 Std. kommt es zu einer gesteigerten Vermehrung von Fibroblasten (Bindegewebsgrundzellen). Sie bilden Kollagenfasern und Bindegewebsgrundsubstanz, in die neue Blutgefäße einsprießen.

  • So entsteht nach 3–4 Tagen ein vorläufiges, gefäßreiches, „schwammiges“ Bindegewebe, das man Granulationsgewebe „Granulationsgewebenennt. Dieses Gewebe wird von Zellen des üblicherweise an dieser Stelle lokalisierten Gewebes später wieder durchbaut.

  • Wenn durch die Entzündung jedoch mehr als nur kleine Gewebsareale zerstört worden sind, endet die Bindegewebsvermehrung mit der Bildung einer funktionell minderwertigen Narbe (derbes und faserreiches, zell- und gefäßarmes Bindegewebe).

Entzündungsformen

Entzündung:Formen Neben den plötzlich auftretenden und meist rasch heilenden Entzündungen (akute Entzündung) gibt es auch Entzündungen mit lang anhaltendem Entzündung:akuteVerlauf. Solche chronischen Entzündungen können folgende Charakteristika zeigen:
  • Sie können sich aus Entzündung:chronischeeiner ursprünglich akuten Entzündung entwickeln. Eine Chronifizierung tritt meist dann ein, wenn der Körper zwar nicht an der Entzündungsursache zugrunde geht, sie jedoch auch nicht beseitigen kann – dies ist z. B. häufig bei der Tuberkulose der Fall (25.18.9).

  • Sie können primär chronisch sein, wie z. B. die chronisch-entzündlichen Dickdarmerkrankungen (13.8.3), die typischerweise schleichend beginnen, sich langsam verschlimmern und oft lebenslang andauern.

Obwohl bei den meisten Entzündungen tatsächlich alle oben genannten typischen Entzündungsreaktionen auftreten, überwiegt doch meist eine der genannten Erscheinungen, z. B. Plasmaaustritt oder Eiterbildung. Es ist deshalb sinnvoll, verschiedene Entzündungstypen zu unterscheiden.

Merke

Man unterscheidet drei Formen der Entzündung:

  • exsudative Entzündung

  • ulzerative Entzündung

  • proliferative und granulomatöse Entzündung

Exsudative Entzündung
Exsudative Entzündungen sind durch „Entzündung:exsudativeaustretende Flüssigkeiten (Exsudate) am Ort der Entzündung charakterisiert (Abb. 8.5a, Abb. 8.5b).
Folgende exsudative Entzündungen werden entsprechend ihrer Exsudatzusammensetzung unterschieden:
  • seröse Entzündungen

  • eitrige Entzündungen

  • fibrinöse Entzündungen mit einem Exsudat, das reich an Fibrinogen (20.2.7) ist

  • hämorrhagische Entzündung mit einem Exsudat, das viele Erythrozyten (rote Blutkörperchen) enthält

  • nekrotisierende Entzündung: wenig Exsudat, der Zelluntergang steht im Vordergrund

Seröse Entzündungen zeichnen sich durch die Bildung einer großen Entzündung:seröseMenge eiweißreicher Flüssigkeit aus. Die austretende Flüssigkeit entspricht ungefähr der Zusammensetzung des Blutplasmas (20.2.6). Zu den serösen Entzündungen gehört z. B. die Quaddelbildung der Haut (umschriebene Gewebsschwellung) nach Brennnesselkontakt oder Insektenstich. An den Schleimhäuten gibt es die serös-schleimige Entzündung, wie sie jedermann z. B. von der Anfangsphase des Schnupfens kennt. Seröse Entzündungen finden sich auch in Körperhöhlen in Form seröser Ergüsse (z. B. Pleuraerguss 12.9.2). In der Regel heilen seröse Entzündungen folgenlos ab.
Eitrige Entzündungen entstehen, wenn massenhaft Leukozyten ins Entzündung:eitrigeEntzündungsgebiet einwandern. Diese werden „nach getaner Arbeit“ zusammen mit Trümmern anderer Zellen und Gewebsresten als Eiter aus dem Körper ausgestoßen. Eitrige Entzündungen werden v. a. durch pyrogene (eitererregende) Bakterien wie z. B. Streptokokken (25.5.3) oder Staphylokokken (25.5.2) hervorgerufen.
Sonderformen der exsudativen Entzündung
  • Abszess: „Eiterbeule“; Eiteransammlung in einem abgekapselten Hohlraum, der nicht „Abszessvorgebildet war, sondern erst durch Einschmelzung abgestorbenen Gewebes entstandenen ist. Häufigste Ursache hierfür sind Staphylokokken. Eine Abszesshöhle muss entleert werden; ein häufiger Grund für chirurgisches Eingreifen bei eitrigen Entzündungen. Beispiele: Gerstenkorn (24.5.1), Analabszess (13.9.3).

  • Empyem: Eiteransammlung in einem schon bestehenden Hohlraum, z. B. in der „EmpyemPleuraspalte als Pleuraempyem (12.11.2), in der Gallenblase als Gallenblasenempyem (14.6.1).

  • Phlegmone: flächenhafte, diffus-eitrige Entzündung, die ohne Abkapselung des „PhlegmoneEntzündungsherds verläuft. In der Regel ausgelöst durch Streptokokken, die spezielle Enzyme freisetzen und sich dadurch flächenhaft ausbreiten können, z. B. unter der Haut über die Zellgrenzen hinweg. Beispiel: Orbitalphlegmone (24.4.2).

Ulzerative (geschwürige) Entzündungen
Bei manchen Entzündungen entsteht ein „Entzündung:ulzerativetiefer reichender Haut-, Schleimhaut- oder Gefäßinnenwanddefekt, das sog. Ulkus (Geschwür). Zum Beispiel entstehen bei der Darmerkrankung Colitis ulcerosa (13.8.3) als Folge der herdförmigen Entzündung an der Darmschleimhaut ausgedehnte Gewebsdefekte.
Proliferative und granulomatöse Entzündungen
Bei den so genannten „Entzündung:proliferativeproliferativen („Entzündung:granulomatösewuchernden) Entzündungen steht die Neubildung (Proliferation) von Fibroblastenzellen, die Bindegewebe produzieren, im Vordergrund. Anders als während der üblichen Heilungsphase bei sonstigen Entzündungen wachsen hier nur wenige Kapillaren ein; dafür bildet sich aber umso mehr faserreiches Bindegewebe, das zu Funktionseinschränkungen führt: Ist z. B. die Lunge betroffen, wird sie durch dieses Bindegewebe in ihrer Ausdehnungsfähigkeit beeinträchtigt.
Bei der granulomatösen Entzündung kommt es zur knötchenförmigen Ansammlung von Entzündungszellen und Bindegewebe in Form von sog. Granulomen. Beispiele sind die Granulome bei der „GranulomeTuberkulose (25.18.9) und beim Morbus Crohn (13.8.3).

Zell- und Gewebereaktionen

Länger einwirkende schädliche Reize sowie veränderte mechanische oder metabolische Belastungen werden von Zellen mit Anpassungsreaktionen (Adaptation) beantwortet. Diese führen zu einem veränderten „AdaptationStruktur- und Funktionsstoffwechsel der Zellen, was sich in Gestalt einer Atrophie, Hypertrophie oder Hyperplasie ausdrückt.
  • Atrophie: Anpassungsreaktion mit Leistungsminderung

  • Hypertrophie, Hyperplasie: Anpassungsreaktion mit Leistungssteigerung

Atrophie

Atrophie: Rückbildung von Organen, Funktionsgeweben oder Zellen (einfache Atrophie) und/oder Verminderung der Zellzahl (numerische Atrophie).

Zur Atrophie kommt es,AtrophieZell- und Geweberaktionen/-schäden:Atrophie wenn Leistungsanforderungen an ein Gewebe entfallen. Bleibt die Zellzahl dabei erhalten und kommt es nur zu einer Abnahme des Zellvolumens und der Interzellularsubstanz, spricht man von einer einfachen Atrophie. Nimmt auch die Zellzahl ab, z. B. durch den Untergang von Zellen, bezeichnet man dies als numerische Atrophie. An die Stelle des verloren gegangenen Parenchyms (Funktionsgewebe) treten flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, Bindegewebe oder Fettgewebe.
Die Altersatrophie betrifft v. a. das Gehirn, die Leber, die Knochen, die Muskulatur und die Haut. Sie ist eine der Ursachen für die Leistungsminderung im Alter (29.2.3).
Eine mögliche Form der Gehirnatrophie ist die unheilbare senile Demenz (23.13.2); sie zeigt sich in massivem Gedächtnisschwund und dem schrittweisen Verlust aller intellektuellen und sozialen Fähigkeiten.
Atrophievorgänge sind aber lange nicht auf das Altern beschränkt: Eine Inaktivitätsatrophie tritt ein, wenn ein Organ nicht regelmäßig beansprucht wird. So kommt es bei mehrwöchiger Ruhigstellung im Gipsverband an der betroffenen Körperpartie zu einer deutlichen Muskelatrophie (9.4.5), welche die Mobilisierung nach Gipsentfernung zusätzlich erschwert.
Eine Druckatrophie kann sich aufgrund mechanischer Überbelastung des Gewebes (z. B. Druck durch raumfordernden Prozess) entwickeln.
Häufig ist auch eine Atrophie ohne Volumenverlust zu beobachten, da der Organabbau durch Vermehrung von Fettgewebe und fibrinösem Bindegewebe ausgeglichen wird.

Hypertrophie

Hypertrophie: Gewebe- oder Organvergrößerung durch Zunahme des Zellvolumens bei unveränderter Zellzahl und -struktur.

Die Hypertrophie ist Zell- und Geweberaktionen/-schäden:HypertrophieHypertrophieFolge einer Anpassung stabiler Gewebe an eine erhöhte physiologische Mehrbelastung (z. B. Skelettmuskelhypertrophie bei Sportlern), an eine pathologische Überbelastung (z. B. Herzmuskelhypertrophie bei pathologischer Druck- und/oder Volumenbelastung des Herzens), bei gesteigerter hormoneller Stimulation (Uterusvergrößerung in der Schwangerschaft). Typisch beim älteren Menschen ist z. B.:
  • Linksherzhypertrophie bei Bluthochdruck (11.5.1), das Herz muss aufgrund des unelastisch gewordenen Gefäßsystems gegen einen erhöhten Gefäßwiderstand arbeiten.

  • Harnblasenhypertrophie bei Harnentleerungsstörungen infolge einer Prostatavergrößerung (17.7.2), hier muss die Blasenmuskulatur gegen einen erhöhten Widerstand arbeiten.

Hyperplasie

Hyperplasie: Gewebe- oder Organvergrößerung durch Zunahme der Zellzahl bei unverändertem Zellvolumen (= numerische Hypertrophie).

Der Hyperplasie liegen dieHyperplasieZell- und Geweberaktionen/-schäden:Hyperplasie gleichen Ursachen wie der Hypertrophie zugrunde. Die Hyperplasie entwickelt sich i. d. R. bei Überschreiten einer kritischen Zellmasse. Beispiele:
  • altersabhängige Prostatahyperplasie (17.7.2)

  • Nebenschilddrüsenhyperplasie bei sekundärem Hyperparathyreoidismus (19.7.1) im Sinne einer Anpassungshyperplasie

Sowohl Hypertrophien (8.4.2) als auch Hyperplasien können in jedem Lebensalter vorkommen. Eine physiologische Hyperplasie ist z. B. das Gebärmutterwachstum in der Schwangerschaft.
Einige Gewebetypen sind jedoch nicht fähig durch Hyperplasie auf einen Belastungsstimulus zu reagieren, wie z. B. Nervenzellen, Skelettmuskelzellen oder Herzmuskelzellen.

Zell- und Gewebeschäden

Es gibt zwei Arten des Zelltodes: die Apoptose (programmierter Zelltod, Schrumpfnekrose) und die Nekrose (akzidenteller Zelltod).

Apoptose

Apoptose: genetisch programmierter, durch die Zelle selbst ausgelöster und regulierter, disseminierter (über ein größeres Gebiet verbreiteter) Zelluntergang.

Dieser physiologische VorgangZell- und Geweberaktionen/-schäden:Apoptose „Apoptoseerfolgt im Rahmen der embryonalen Entwicklung, ebenso zur Erhaltung der Homöostase (7.4.3) zum Schutz vor Neubildungen sowie zur Infekt- und Immunabwehr.
Die Apoptose wird durch folgende Faktoren ausgelöst: Tumornekrosefaktor (TNF), Killerzellen, Entzug von Wachstumsfaktoren, Medikamente (z. B. Glukokortikoide, Zytostatika), Strahlen. Die auslösenden Faktoren aktivieren Endonukleasen (sog. Caspasen), die integrale Zellbestandteile (Zytoskelett- und Membranproteine) und DNA spalten.
Die Veränderungen der Morphe (Gestalt) verlaufen in mehreren Stadien ab, in denen sich die Zelle zuerst aus dem Zellverband löst, als Apoptosekörperchen ausgestoßen wird, danach schrumpft („Schrumpfnekrose“), um dann als abgestorbenes Gewebe (Sequester) schließlich ohne „Schrumpfnekroseentzündliche Gewebereaktion von Phagozyten (Fresszellen) entfernt wird.
Bei der Apoptose treten also im Gegensatz zur Nekrose keine Entzündungsreaktionen auf, die Zellorganellen bleiben lange intakt.

Nekrose

Nekrose: jede morphologische (die Gestalt betreffende) Veränderung nach Zelluntergang in lebendem Gewebe nach Einwirkung endogener oder exogener Noxen.

Es kommt immer dann zu Nekrosen, Zell- und Geweberaktionen/-schäden:Nekrosewenn eine lang andauernde bzw. kurzzeitige schwere Zellschädigung (z. B. Sauerstoffmangel, Toxine, ionisierende Strahlung) die Kompensationsfähigkeit der Zelle überschreitet und zum irreversiblen Zelluntergang führt.
Die wichtigsten Ursachen sind:
  • Stoffwechselstörungen: Gewebe sind unterernährt und/oder durch Stoffwechselendprodukte geschädigt („verschlackt“)

  • Sauerstoffmangel: z. B. infolge Durchblutungsstörungen wie beim Herzinfarkt

  • thermische Schädigung: z. B. Verbrennung oder Erfrierung

  • physikalische Schädigung: z. B. Strahlen, Schallwellen, Elektrizität

  • Giftstoffe (Toxine)

  • Chemikalien: z. B. Säuren, Laugen

  • Infektionen

  • mechanische Verletzungen: z. B. Schnitt- oder Quetschwunde

Im Weiteren reagiert das umgebende vitale Gewebe, indem es
  • sich durch einen entzündlichen Randsaum mit zahlreichen Granulozyten (20.2.4) abgrenzt,

  • das tote Gewebe durch Fresszellen entfernt,

  • das betroffene Gewebe regeneriert oder Narben bildet.

Formen der Nekrose
Nach ihrer Morphologie (Gestalt) werden Koagulations- und Kolliquationsnekrosen unterschieden.
Koagulationsnekrosen
Koagulationsnekrosen sind Zell- und Geweberaktionen/-schäden:Koagulationsnekrosegekennzeichnet durch Koagulation (Gerinnung oder Ausflockung) der Zelleiweiße. Sie finden sich daher in eiweißreichen Geweben (z. B. Herz, Niere, Milz), v. a. nach Unterbrechung der Blutzufuhr (ischämischer Infarkt).

Merke

Infarkt

Durch Verschluss einer echten oder funktionellen Endarterie (11.2.1) stirbt das Gewebe im Versorgungsgebiet ab.
  • Der hämorrhagische Infarkt ist durch die blaurote Farbe des Gewebes charakterisiert; sie entsteht durch eine minimale Restblutströmung (z. B. auch durch benachbarte, versorgende Gefäße) und die an Sauerstoff verarmten roten Blutkörperchen, z. B. beim Lungen- oder Darminfarkt.

  • Beim anämischen Infarkt ist das Gewebe lehmgelb bis grauweiß, z. B. beim Herzinfarkt.

Lytische (auflösende) Abbauprozesse spielen eine untergeordnete Rolle. Es gibt folgende Sonderformen:
  • käsige Nekrose: durch den Zerfall vieler Granulozyten bildet sich eine gelbliche, ungeformte trocken-bröckelige Masse aus. Beispiel: Infektion mit Mycobacterium tuberculosis

  • fibrinoide Nekrose/Kollagennekrose: durch eine Aufhebung der Kollagenstruktur sieht das Kollagen beim Anfärben aus wie Fibrin. Beispiele: Rheumagranulom, allergische Gefäßentzündungen (z. B. Panarteriitis nodosa), Ulzera der Magen-Darm-Wand (peptisches Ulkus)

  • gangränöse Nekrose: entsteht durch eine Minderdurchblutung, meist auf dem Boden einer Arteriosklerose (v. a. bei Diabetes mellitus)

    • trockene Gangrän: eingetrocknetes, schwarz verfärbtes Gewebe

    • feuchte Gangrän: sekundäre „GangränBesiedlung mit Fäulniserregern, in der Folge Verflüssigung der Nekrose

  • hämorrhagische Nekrose durch starken Bluteinstrom in das nekrotische Gewebe

    • bei venösen Abflussbehinderungen durch Blutrückstauung (z. B. Niereninfarkt bei Nierenvenenthrombose)

    • bei arteriellen Verschlüssen durch venösen Rückstrom

    • bei Gefäßwandschädigung mit Einblutung in das umliegende Gewebe (z. B. akute nekrotische Pankreatitis, hämorrhagisch-nekrotische Entzündung)

Kolliquationsnekrosen
Kolliquationsnekrosen sind geprägt durch die Zell- und Geweberaktionen/-schäden:KolliquationsnekroseKolliquation (Verflüssigung) des abgestorbenen Gewebes, z. B. im Gehirn. Das nekrotische Gewebe ist weich bis flüssig. Durch die Gewebeeinschmelzung entstehen mit Flüssigkeit und Zelltrümmer gefüllte Pseudozysten. Kolliquationsnekrosen treten auf bei:
  • Schädigung von eiweißarmem, lipidreichem „PseudozysteGewebe (z. B. ZNS)

  • enzymatischem Abbau von untergegangenem Gewebe, z. B. Abszess

  • Laugenverätzungen

Entwicklung
Wie sich eine Nekrose dann weiterentwickelt, hängt von Art und Größe der Nekrose ab sowie von den Reaktionsmöglichkeiten des erhaltenen Gewebes um die Nekrose herum.
Möglich sind:
  • vollständige Wiederherstellung des Gewebes (lat. Restitutio ad integrum)

  • Defektheilung mit Bildung einer Narbe

  • Defektheilung mit Verflüssigung der Nekrose und Ausbildung einer Pseudozyste

  • Verkalkung der Nekrose

  • Verbleib des nekrotischen Gewebes im Körper

Merke

Im Körper verbliebenes nekrotisches Gewebe bezeichnet man als Sequester.

Extrazelluläre Veränderungen

Ödeme

„Sequester

Ödeme: schmerzlose Schwellungen aufgrund einer übermäßigen Einlagerung von Flüssigkeit ins Interstitium (16.4.10).

Anasarka (griech. „über der Muskulatur“): ausgedehnte, generalisierte Ödeme des subkutanen Gewebes.

Der Austausch von Flüssigkeit zwischen „Ödem(e)intravasalem„Anasarka und interstitiellem Raum steht normalerweise in einem dynamischen Gleichgewicht. Ist dieses Gleichgewicht gestört, führt dies zu Mehreinlagerung von Wasser im Interstitium. Hierfür gibt es vier Ursachen (Abb. 16.27):
  • Erhöhung des hydrostatischen Drucks in den Gefäßen: z. B. durch Thrombosen der Venen (lokale Ödeme), Links-(Lungenödem) bzw. Rechtsherzinsuffizienz (v. a. Knöchelödeme), Natrium- oder Wasserretention in der Schwangerschaft, bei Cushing-Syndrom oder Hyperaldosteronismus

  • Erniedrigung des kolloidosmotischen Drucks aufgrund von Eiweißmangel im Blut: z. B. durch nephrotisches Syndrom, Leber- und Durchfallerkrankungen, Hungerdystrophie (herabgesetzte Eiweißaufnahme)

  • Erhöhung der Kapillardurchlässigkeit bei entzündlichen und allergischen Reaktionen (Quincke-Ödem)

  • Störungen des Lymphabflusses: z. B. durch Tumoren, Lymphknotenresektion

Erguss

Erguss: Flüssigkeitsansammlung in einer vorgebildeten Körperhöhle (im engeren Sinne auch Hydrops), wobei im klinischen Sprachgebrauch die Unterscheidung zwischen Ödem und Erguss oft nicht eingehalten wird.

Ergüsse bilden sich am häufigsten durch „ErgussBlutstauung, „HydropsEntzündungen und Tumoren. Man unterscheidet nach spezifischem Gewicht und Zusammensetzung folgende Formen (Tab. 8.2):
  • Transsudat: nicht entzündlicher Erguss in Körperhöhlen oder Geweben. Die Ergussflüssigkeit ist meist klar undTranssudat eiweißarm; sie entsteht durch Störungen der Blutzusammensetzung, der Gefäßdurchlässigkeit oder der regionalen Blutdruckverhältnisse. Das Transsudat hat ein spezifisches Gewicht von < 1.015 g/l.

  • Exsudat: Die Ergussflüssigkeit entsteht bei Entzündungen. Sie ist eiweißreich, hat ein Exsudatspezifisches Gewicht von > 1.015 g/l und erscheint je nach Zusammensetzung.

    • serös (vorwiegend aus Serum 8.3.4 bestehend)

    • eitrig (neutrophile Granulozyten und untergegangenes Gewebe)

    • hämorrhagisch (Erythrozyten)

    • fibrinös (durch Beimischung von Fibrin 20.2.7 gerinnend)

    • hämorrhagisch (blutig)

    • chylös (milchig-trübe, fettreiche Darmlymphe)

    • jauchig

Eine Sonderform ist der Aszites („Bauchwassersucht“), ein seröser Bauchhöhlenerguss bei Stauung der „AszitesPfortader oder des rechten Herzens.„Bauchwassersucht

Entartete Gewebe

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2012 erkrankten im Jahr 2008 in Deutschland etwa 223.100 Frauen und 246.700 Männer erstmalig an Krebs. Die häufigste Tumorerkrankung ist bei Männern das Prostatakarzinom, bei Frauen das Mammakarzinom. Bei Männern und Frauen sind die zweit- und dritthäufigste Tumorerkrankungen das Rektum- und Bronchialkarzinom. Krebs ist die häufigste Todesursache in der Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen (Abb. 8.6).

Die Schlüsselfrage: gutartig oder bösartig?

Geschwülste (Tumoren) entstehen durch überschießendes, ungehemmtes Wachstum körpereigenen Gewebes. Tumoren „Tumor(en)wachsen exponentiell, d. h., ihre Zellzahl nimmt über Jahre erst nur langsam und dann in immer größerem Ausmaß zu.
Treten Symptome (Krankheitszeichen) auf, wie z. B. Leistungsknick, Müdigkeit, Blutarmut (Anämie 20.4.1), Widerwille gegen Fleischverzehr oder lokale Beschwerden in der Ausbreitungsregion des Tumors, so ist der Tumor meist schon viele Millionen Zellen groß.
Prinzipiell muss die medizinische Tumordiagnose mit großer Sorgfalt gestellt werden, denn diese Diagnose schließt eine Voraussage über das zukünftige Wachstumsverhalten des Tumors ein. Dabei unterscheidet man:
  • Benigne (gutartige) Tumoren: Diese bedrohen in der Regel das Leben des Patienten nicht. Ausnahme: ungünstige Lage (z. B. manche Hirntumoren).

  • „Tumor(en):benigneMaligne (bösartige) Tumoren: Sie führen unbehandelt in der Regel zum Tode des Betroffenen. Sie werden im Volksmund Krebs genannt.

  • Präkanzerosen: „Tumor(en):maligneKrankheiten oder Gewebsveränderungen, die mit dem „Krebserkrankungerhöhten Risiko einer malignen Entartung einhergehen.

  • Carcinoma in„Präkanzerosen situ: Ein im Prinzip bösartiger Tumor mit hochgradig atypischen (vom Normalen abweichenden) Zellverbänden, der aber (noch) „Carcinoma in situ:kein invasives (eindringendes) Wachstum zeigt.

  • Semimaligne Tumoren: Diese nehmen eine Zwischenstellung ein: Sie wachsen am Ort ihrer Entstehung invasiv und destruierend, „Tumor(en):semimalignemetastasieren aber in aller Regel nicht. Ein häufiger Vertreter dieser Gruppe ist das Basaliom der Haut (18.11.1).

Benigne Tumoren wachsen langsam und verdrängen dabei das umliegende Gewebe. Die Zellteilungsrate ist eher „Tumor(en):benigneniedrig, das Tumorgewebe unterscheidet sich vom Ursprungsgewebe oft nur wenig. Die Geschwulst schiebt zwar das umgebende Gewebe zur Seite, wächst aber nicht in dieses hinein – es findet also kein invasives (eindringendes), sondern nur ein expansives (ausdehnendes, verdrängendes) Wachstum statt (Abb. 8.7).
Im Gegensatz dazu zeichnen sich bösartige Tumoren durch meist schnelles Wachstum mit hoher Zellteilungsrate aus (Tab. 8.3). Bösartige Tumoren „Tumor(en):malignewachsen invasiv (infiltrierend = eindringend) und destruierend, d. h., der maligne Tumor hält sich nicht an Gewebsgrenzen, sondern bricht in Organe und Gefäße ein und zerstört dabei das ortsständige Gewebe (Abb. 8.10). Außerdem bildet er häufig Tochtergeschwülste (Metastasen) an entfernten Stellen des Organismus, er metastasiert.
Bösartige Tumoren (Malignome) sind im„Metastasen Regelfall lebensbedrohlich, gutartige Tumoren nur dann, wenn sie in ihrer „MalignomeAusbreitungsregion andere lebenswichtige Strukturen (zer-)stören bzw. verdrängen oder einengen, z. B. im Gehirn.
Die Entscheidung, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist, kann meist nur der Pathologe nach der histologischen (feingeweblichen) Untersuchung einer Gewebsprobe treffen.

Achtung

Die Begriffe Geschwür und Geschwulst nicht verwechseln!

  • GeschwürGeschwür = Ulkus (ulcus)„Ulkus = oft entzündlich bedingter Oberflächendefekt der Haut, Schleimhaut oder Gefäßinnenwand mit schlechter Selbstheilungstendenz, hinterlässt immer eine Narbe (18.4.1).

  • GeschwulstGeschwulst = gut- oder bösartiger Tumor. Eine echte Geschwulst, die durch eigenständiges, ungehemmtes Wachstum des körpereigenen Gewebes entstanden ist, wird auch „BlastomBlastom genannt.

  • Der Begriff Tumor wird sowohl für eine Geschwulst als auch für eine Schwellung (z. B. bei einer Entzündung 8.3.2) verwendet.

Ursachen und Entstehung von Tumoren

Man geht davon aus, dass die Tumorentstehung in zwei Stufen abläuft.
  • In der ersten Stufe, der „Tumor(en):EntstehungInitiierungsphase, bildet sich die eigentliche Geschwulstanlage heraus, d. h. infolge der Änderung der genetischen Information im Zellkern wird die Körperzelle unumkehrbar in eine Krebszelle umgewandelt.

  • Erst nach längerer Zeit beginnt die Krebszelle in der Promotionsphase, zu einem Tumor heranzuwachsen und bedrohlich zu werden (Abb. 8.8). Viele so genannte Kanzerogene (Krebsgifte) wirken als Promotoren und beschleunigen wesentlich die Promotionsphase von Tumoren, wie starke und lang anhaltende Entzündungsreize, z. B. die chronische Bronchitis des Rauchers.

Am Beginn jedes tumurösen Wachstums stehen also DNA-Veränderungen in Körperzellen. Zur bösartigen Entartung einer Zelle kommt es dabei meist erst nach dem Zusammentreffen mehrerer funktionsverändernder Mutationen. Solche genetischen Veränderungen können auf zahlreiche Ursachen zurückzuführen sein:
  • Einige wenige Tumorerkrankungen werden vererbt, so z. B. verschiedene Formen der Polyposis intestinalis, bei denen sich zahlreiche (oft über hundert) Darmpolypen entwickeln, die dann sehr häufig maligne entarten.

  • Trotzdem gibt es allem Anschein nach bei sehr viel mehr Tumoren eine erbliche Krankheitsdisposition (8.1.1) – so erkranken z. B. die Töchter von Frauen mit Brustkrebs (Mammakarzinom 17.14.1) doppelt so häufig wie Töchter von gesunden Müttern an Brustkrebs.

  • Röntgen- und radioaktive Strahlen, wie sie durch Atombombenexplosionen und industrielle nukleartechnische Anlagen (insbesondere bei Unfällen), in kleinerem Maßstab auch durch Röntgengeräte freigesetzt werden, erzeugen ab bestimmten Dosen sehr häufig bösartige Geschwülste. Bei den Überlebenden nach den Atombombenabwürfen auf japanische Großstädte wurden 20-mal so häufig Leukämien (20.6.1) wie bei Vergleichsgruppen beobachtet. Es ist gesichert, dass radioaktive Strahlen oder Röntgenstrahlen in der Zelle hochreaktive Moleküle (Freie Radikale 15.2.5) erzeugen, welche die DNA (7.4.5) in den Chromosomen so verändern, dass Krebs entstehen kann. Leider gibt es nach heutiger Kenntnis keine Schwellendosis, unterhalb welcher sicher keine Schädigung auftritt – jede radioaktive Strahlung oder Röntgenstrahlung stellt also ein gewisses Risiko dar.

  • Chemische Karzinogene (krebserregende Stoffe) sind Chemikalien, aber auch Naturstoffe, die ebenfalls die zelluläre DNA „Karzinogeneverändern. Beispiele für chemische Karzinogene sind die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), wie z. B. das beim Grillen frei werdende Benzpyren, toxische Eiweiß-Stickstoff-Verbindungen (Nitrosamine entstehen durch Bindung von Nahrungsproteinen an das Stickstoffsalz Nitrit), verschiedene Metalle wie Kadmium, Chrom und Arsen; des Weiteren Asbestfasern. Auch einige Pharmaka wirken karzinogen, d. h., sie führen gehäuft zu Tumoren (z. B. Zytostatika 8.7.8).

  • Einige Viren können gutartige (z. B. Warzen) und wahrscheinlich auch bösartige Tumoren verursachen (diskutiert wird unter anderem das Zervixkarzinom 17.12.3).

  • Auch Hormone, v. a. die Geschlechtshormone, spielen für die Entwicklung von Tumoren eine Rolle: So können nach heutigem Kenntnisstand Hormone wie die Östrogene bestimmte gutartige Tumoren, z. B. in der Brustdrüse, verursachen und bösartige Geschwülste, z. B. einige Brustkrebsformen, im Wachstum fördern.

  • Auch starke und lang anhaltende Entzündungsreize können eine maligne Entartung begünstigen.

Die Erkenntnisse über die Tumorursachen sind letztlich genauso vielfältig wie verwirrend – eine einfache Theorie wird es wohl auch nie geben. In erster Linie haben die Forscher gelernt, dass die Tumorrisiken bei jedem Tumor anders liegen. Als Tumorrisikofaktor bezeichnet man demnach diejenigen ungünstigen Einflussgrößen, die die Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer bestimmten Geschwulst deutlich erhöhen.
Um Risikofaktoren beschreiben zu können, werden meist verschiedene Bevölkerungsgruppen miteinander verglichen, die sich in einem wichtigen Merkmal (etwa Raucher und Nichtraucher) unterscheiden.
Wie erwähnt, gibt es für jeden Tumor spezifische Risikofaktoren. Hier sollen nur sehr häufige Risikofaktoren für bösartige Tumoren genannt werden:

Merke

Häufige Risikofaktoren für Tumorerkrankungen sind:

  • gehäuft maligne Erkrankungen in der Familie

  • „geheilter“ maligner Tumor des Patienten selbst

  • chronische Entzündungen, z. B. chronisch atrophische Gastritis (13.7.2)

  • Zytostatikatherapie und/oder Strahlentherapie in der Anamnese, dies gilt besonders für Leukämien

  • Nikotinabusus für zahlreiche Karzinome, z. B. Bronchial-, Kehlkopf-, Mundhöhlenkarzinom

  • Alkoholabusus, z. B. für Speiseröhren-, Kehlkopf- und Leberzellkarzinom

  • Asbestexposition, z. B. für bösartige Erkrankung der Pleura (v. a. das Pleuramesotheliom)

  • Sonnenbestrahlung bei einigen Hauttumoren

Einteilung nach Ursprungsgewebe

In der Pathologie – der Wissenschaft von den Krankheiten – ist es üblich, die Geschwülste nach der embryologischen „Tumor(en):EinteilungAbstammung der betroffenen Gewebe einzuteilen:
  • Epitheliale Tumoren entstammen dem Ekto- oder dem Entoderm.

  • Mesenchymale Tumoren entstammen dem Mesoderm.

Ekto-, Ento- und Mesoderm sind die drei Schichten oder sog. Keimblätter, aus denen sich der Embryo entwickelt (27.2.1). Schließlich gibt es Tumoren, die aus noch undifferenziertem embryonalem Gewebe oder aus Geschlechtszellen entstammen, die Keimzelltumoren.
Mesenchymale Tumoren
Zu den mesenchymalen Tumoren zählen Geschwülste des Binde-, Fett-, Knorpel- und Knochengewebes sowie der Muskulatur. Zu den „Tumor(en):mesenchymalegutartigen mesenchymalen Tumoren gehören:
  • Fibrome: gutartige Bindegewebstumoren

  • Lipome: gutartige Fettgewebstumoren

  • Chondrome: gutartige Knorpeltumoren

  • Myome: gutartige „FibromeMuskeltumoren. Besonders häufig sind die Myome Lipomeder „ChondromeMuskelfaserschicht der Gebärmutter (17.12.2)

Zu den bösartigen Myomemesenchymalen Tumoren, die man auch als Sarkome bezeichnet, zählen z. B.:
  • Osteosarkome, die vom Knochengewebe ausgehen

  • Liposarkome, die aus „SarkomeFettgewebe entstehen

Sie sind – bis auf die „OsteosarkomeLeukämien (20.6.1), – allesamt seltene, eher bei jüngeren„Liposarkome Menschen auftretende Tumoren und oft äußerst bösartig.
Epitheliale Tumoren
Die häufigsten gutartigen epithelialen Tumoren sind die vom Drüsenepithel ausgehenden Adenome. Sie sind oftmals von Bindegewebe„Tumor(en):epitheliale umgeben, das den Tumor wie eine Kapsel umschließt. Sie finden sich besonders häufig in den „AdenomeEierstöcken (Ovarien), der Brust (Mamma) oder der Prostata. Auch die sog. Darmpolypen sind oft gutartige Adenome der Darmschleimhaut. Nicht alle Adenome bleiben jedoch gutartig, manche von ihnen gelten als Präkanzerosen und entarten entsprechend relativ häufig zu Adenokarzinomen.
Gutartige Tumoren, die von nichtdrüsigem Gewebe der Haut und der Schleimhäute ausgehen, heißen Papillome (z. B. Hautwarzen). Die Harnblasenpapillome, die vom Epithel der abführenden Harnwege ausgehen, sind potenzielle „PapillomePräkanzerosen.
Die bösartigen epithelialen Tumoren werden als Karzinome bezeichnet. Bei den Karzinomen unterscheidet man Plattenepithel- und Adenokarzinome:
  • Plattenepithelkarzinome, Karzinome\t \"s. a. Tumor(en)die von Haut oder Schleimhaut ausgehen, gehören zu den häufigsten bösartigen Tumoren des Menschen: Das PlattenepithelkarzinomePlattenepithelkarzinom der Bronchien ist einer der häufigsten malignen Tumoren des Mannes. Auch der Gebärmutterhalskrebs hat eine hohe Erkrankungsrate und ist in über 90 % der Fälle ein Plattenepithelkarzinom.

  • Adenokarzinome entstehen aus entarteten Drüsenzellen, oft über die Zwischenstufe eines Adenoms. Beispiele sind die meisten Krebsformen desAdenokarzinome Magen-Darm-Trakts (Magen- und Dickdarmkarzinom), das Endometriumkarzinom der Gebärmutter und das Karzinom der weiblichen Brust.

Merke

Karzinome werden nach Reifegrad wie folgt unterschieden.

  • Differenziertes (reifzelliges) Karzinom:Das Karzinom ist in seiner Struktur dem Ursprungsgewebe ähnlich.

  • Undifferenziertes (unreifzelliges) Karzinom: Eine Angleichung Karzinome:undifferenziertesdes Karzinoms an das Ursprungsgewebe fehlt.

Keimzelltumoren
Keimzelltumoren entstammen entweder unreifen Keimzellen (z. B. das bösartige Dysgerminom des Eierstocks„Tumor(en):Keimzelltumor), embryonalen Zellen (die Teratome des Eierstocks und Hodens) „Keimzelltumoroder Zellen, die den Embryo umgeben – z. B. das Chorionkarzinom, das sich aus Resten einer unvollständig „Teratomausgestoßenen Plazenta (Mutterkuchen) bilden kann. Keimzelltumoren bilden „Chorionkarzinomsich bevorzugt – aber nicht ausschließlich – in den Geschlechtsorganen, verhalten sich z. T. gutartig, führen aber z. T. durch ihr großes Wachstumspotenzial rasch zum Tode.

Merke

Häufige Differenzialdiagnose von Tumoren sind Zysten: Eine Zyste ist ein ein- oder mehrkammriger Gewebehohlraum mit flüssigem Inhalt. Man unterscheidet:

  • echte ZystenZysten: mit Epithel (7.5.1) ausgekleidet

  • PseudozystenPseudozysten: nur von Bindegewebe umgeben, entstehen z. B. bei Parasitenbefall (Echinokokken 25.14.8)

Einzelne Zysten kommen in vielen Organen vor, z. B. in Niere, Leber, Schilddrüse, Eierstöcken. Sie sind in der Regel harmlos und nicht therapiebedürftig.

Allgemeine Warnzeichen häufiger Krebserkrankungen

Allgemeine Warnsymptome (Tab. 8.4), die auf einen bösartigen Tumor hinweisen können, sind:
  • ungewollte Gewichtsabnahme (Krebserkrankung:Warnzeichenmehr als 10 % des Körpergewichts)

  • Appetitlosigkeit, Abneigung gegen bestimmte Speisen, insbesondere Fleisch

  • Leistungsminderung, Schwäche und Müdigkeit

  • Fieber und Schweißneigung (v. a. nachts)

  • Juckreiz

  • Schmerzen

  • Blutbildveränderungen, v. a. Anämie (20.4.1)

Achtung

Auch wenn all diese Warnsymptome fehlen, kann eine Tumorerkrankung vorliegen!

Die Metastasierung bösartiger Tumoren

Die meisten bösartigen Tumoren bilden Tochtergeschwülste (Metastasen). Dabei lösen sich einzelneMetastasierung Tumorzellen aus dem bösartigen Zellverband, „Tumor(en):Metastasierungdurchbrechen die Basalmembran (7.5.1), dringen in den Tumor versorgende oder Metastasenbenachbarte Gefäße ein und werden dann auf dem Lymph- oder Blutweg in andere Körperregionen transportiert, bis sie in Kapillargebieten hängen bleiben. Dort heften sie sich an die Endothelzellen (7.5.1) der Kapillarwand an.
Um sich in dieser entfernten Körperregion festsetzen und weiterwachsen zu können, müssen die Tumorzellen das Kapillarendothel durchdringen und in das umgebende Gewebe eindringen. Dazu präsentieren („zeigen“) sie häufig in großer Zahl ein sog. CD-44-Molekül an ihrer äußeren Zellmembran. Durch das CD-44-Molekül werden die Endothelzellen veranlasst, Spalten zu bilden. Die Tochterzellen ziehen durch diese „CD-44-MolekülSpalten und fressen sich in das umgebende Gewebe hinein, um hier durch rasche Zellteilung zu einer Metastase zu wachsen.
Je nach Tumorart erfolgt die Metastasierung in die unterschiedlichen Körperregionen auf drei verschiedenen Wegen (Tab. 8.5):
  • Bei der lymphogenen Metastasierung gelangen Tumorzellen mit der Lymphe in die regionalen Lymphknoten und werden dort festgehalten. Wenn sie sich dort vermehren können, wird der Metastasierung:lymphogenebetroffene Lymphknoten zerstört. In der Folge gelangen nachgebildete Tumorzellen in größere Lymphbahnen und schließlich über die obere Hohlvene in das Blutsystem. Die malignen Zellen können auch in die umgebenden Gewebe einbrechen.

  • Bei der hämatogenen Metastasierung (Abb. 8.9) dringen Tumorzellen mit der Zerstörung der Gefäßwand in Blutgefäße ein, werden mit dem Blut wegtransportiert und bleiben meist im nächsten anschließenden Kapillarnetz Metastasierung:hämatogenehängen. Tumorzellen aus Leber, Niere oder Schilddrüse z. B. werden über die untere oder obere Hohlvene ins Herz gespült (deshalb der Name Hohlvenen-Metastasierungstyp) und gelangen nach der Passage durch das Herz in kleine Lungengefäße. Gelingt den Tumorzellen an dieser Stelle ein Einwachsen in die Gefäßwand bzw. die nähere Umgebung, bildet sich dort eine Lungenmetastase. Tumorzellen aus Karzinomen des Gastrointestinaltrakts metastasieren über die Pfortader hämatogen v. a. in die Leber und von dort (seltener) auch in die Lunge (Pfortader-Metastasierungstyp). Bei einem Bronchial- oder Lungentumor gelangen Tumorzellen über das linke Herz in den großen Kreislauf und siedeln sich am häufigsten in der Leber oder in den Knochen an (arterieller Metastasierungstyp).

  • Bei der Ausdehnung per continuitatem, der „Metastasierung durch räumliche Ausbreitung“, wächst der Tumor kontinuierlich weiter, z. B. innerhalb seröser Höhlen oder in AusführungsgängenMetastasierung:per continuitatem.

Paraneoplastische Syndrome

Tumoren können eigenständige Krankheitsbilder hervorrufen; man spricht von paraneoplastischen Syndromen (para = neben; Neoplasie = Neubildung). Die „paraneoplastische Syndrometumorfernen Symptome treten zwar im Zusammenhang mit der Tumorerkrankung auf, sind jedoch weder durch die direkte Infiltration des Tumors noch durch Metastasen zu erklären. So kann z. B. ein Bronchialkarzinom das schilddrüsen-(Thyreoidea-)stimulierende TSH freisetzen und eine Schilddrüsenüberfunktion verursachen.
Bei den paraneoplastischen Symptomen handelt es sich meist um endokrine Störungen (z. B. eine ACTH-Produktion mit nachfolgendem Cushing-Syndrom 19.8.1), Funktionsstörungen des peripheren oder zentralen Nervensystems sowie der Muskulatur (z. B. Polyneuropathien 23.12.4, Dermatomyositis 9.12.3), Blutbildveränderungen und Gerinnungsstörungen.

Tumormarker

Tumormarker: von Tumoren produzierte Antigene (Proteine), welche im Serum oder im Gewebe nachweisbar sind. Bei Gesunden findet man diese Stoffe entweder gar nicht oder nur in sehr geringen Dosen. Die Antigene bilden dabei entweder eine neue, ganz eigene Gruppe von Antigenen (Neoantigene) oder sie entsprechen Antigenen der Fetalzeit.

Da nicht alle Tumoren einer Tumorlokalisation markerpositiv sind, sind sie als diagnostische Methode kaum geeignet.„Tumormarker Vielmehr spielt der Nachweis von Tumormarkern im Blut, v. a. in der Verlaufskontrolle mancher Tumoren eine wichtige Rolle, so etwa bei Prostata-, Leber-, Hoden-, Darm- und Pankreastumoren (31.4, Abb. 8.10):
  • karzinoembryonales Antigen (CEA): : Neoantigen bei Tumoren des Kolons und der Lunge

  • α-Fetoprotein (AFP): fetales CEA (karzinoembryonales Antigen)Antigen, bei Leberzellkarzinom, Keimzelltumore

  • β-HCG„karzinoembryonales Antigen (CEA)“: fetales Antigen, bei„<03B1>-Fetoprotein (AFP)“ Keimzelltumoren

  • prostataspezifisches Antigen (PSA): „AFP (<03B1>-Fetoprotein)“Neoantigen, bei Prostatakarzinom, wichtigster und zuverlässigster Tumormarker

  • CA 19-9: „prostataspezifisches Antigen (PSA)“Neoantigen, bei Tumoren der Gallengänge, des Pankreas oder „PSA (prostataspezifisches Antigen)“des Magens/Dickdarms

  • Gewebemarker: z. B. Desmin, Vimentin, Thyreoglobulin durch „CA 19-9“Immunhistochemie nachweisbar.

Tumormarker werden nach Resektion eines Tumors oftmals regelmäßig bestimmt„Gewebemarker“. Ein krasser Anstieg der Marker deutet dann auf ein Rezidiv des Tumors hin. Die Tumormarker können auch zum Staging (Einschätzung des Ausmaßes der Erkrankung) herangezogen werden.

Merke

Als Suchtest für Tumoren (Screening) eignen sich Tumormarker in der Regel nicht. Lediglich das PSA wird auch zum Screening verwendet.

Schulmedizinische Therapieleitlinien bei bösartigen Tumoren

Staging Die schulmedizinischen Therapieansätze haben das Ziel, mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit die Tumorausbreitung zu stoppen. „Tumor(en):schulmedizinische TherapieleitlinienDabei sind einige Nebenwirkungen aggressiver Therapien nur im Verhältnis zu den oft tödlichen Wirkungen der Krebserkrankung selbst gerechtfertigt.

Merke

Mit den folgenden Begriffen wird die therapeutische Zielsetzung definiert – insbesondere in der Onkologie, aber auch in anderen medizinischen Fachrichtungen.

  • kurativ: auf Heilung ausgerichtete Therapie, z. B. radikale operative Entfernung des Primärtumors bei Fehlen von Metastasen

  • palliativ: auf Beseitigung von Symptomen ausgerichtete Therapie, die aber keine Heilung des Tumors erzielt

  • adjuvant: unterstützende Therapie

  • invasiv: Diagnostik oder Therapie, die in den Körper eindringt bzw. ihn verletzt

Tumorentfernung
Insbesondere Karzinome, die noch nicht mit Nachbarorganen verwachsen oder metastasiert sind, werden in der Regel operativ entfernt.
Chemotherapie
Mit dem Begriff Chemotherapie wurde „Tumorentfernungfrüher der Einsatz von natürlichen oder künstlichen Substanzen zur spezifischen Hemmung von Infektionserregern (antimikrobielle Chemotherapie, „ChemotherapieAntibiotikatherapie) oder Tumorzellen (Zytostatikatherapie) bezeichnet. Heute wird der Begriff als Synonym für die Zytostatikatherapie verwendet.
Zytostatika sind ZytostatikatherapieZellgifte, die nur auf wachsende, nicht aber auf ruhende Zellen wirken. Weil aber auch ZytostatikaTumoren stets einen gewissen Anteil ruhender Zellen enthalten, reicht eine einmalige, kurzzeitige Zytostatikatherapie nicht aus. Es wird vielmehr eine wiederholte Behandlung in standardisierten Zyklen oder – seltener – eine Dauertherapie durchgeführt.
Die heute verwendeten Zytostatika gehören unterschiedlichen Substanzklassen an:
  • Alkylanzien: Zellteilung hemmende (alkylierende) Verbindungen, z. B. Cisplatin (etwa Platinex®), Cyclophosphamid (etwa Endoxan®)

  • Antimetaboliten: Stoffwechselhemmer, z. B. Pharma-Info:Alkylantien5-Fluorouracil (etwa Fluorouracil „Roche“®), Methotrexat (etwa CyclophosphamidMethotrexat „Lederle“®)

  • Alkaloide bzw. Pharma-Info:AntimetaboliteTopoisomerasegifte z. B. Etoposid (etwa 5-FluorouracilVepesid®), Vinblastin (etwa Velbe®)

  • Methotrexatzytostatisch wirkende Antibiotika, z. B. Doxorubicin (etwa Adriblastin®Pharma-Info:Antibiotika)

  • Pharma-Info:AlkaloidePlatinderivate, z. B. Carboplatin (etwa Carboplat®), Cisplatin (etwa Platinex®)

Eine Monochemotherapie mit einem einzelnen Zytostatikum ist selten, ganz überwiegend Pharma-Info:Platinderivatewird eine Kombination mehrerer Zytostatika (Polychemotherapie) eingesetzt. Eine adjuvante Chemotherapie soll nach Monochemotherapieeiner Operation oder Bestrahlung möglicherweise verbliebene, nicht Polychemotherapienachweisbare Chemotherapie:adjuvanteTumorzellen vernichten, eine neoadjuvante Chemotherapie den Tumor präoperativ adjuvante Chemotherapieverkleinern (Downstaging). Von einer Salvage-Chemotherapie spricht man,Chemotherapie:neoadjuvante wenn bei einem Rezidiv eine erneute intensive neoadjuvante ChemotherapieDownstaging:ChemotherapieChemotherapie erfolgt. Meist handeltChemotherapie:Downstaging es sich um systemische Chemotherapien, d. h. die Zytostatika gelangen mit dem BlutSalvage-Chemotherapie in den ganzen Körper. Seltener eingesetzt werden Chemotherapie:systemischeregionale Chemotherapien (z. B. durch Einbringen des ZytostatikumsChemotherapie:systemische in die Blase, die Pleurahöhle oder den Liquorraum).Chemotherapie:regionale

Merke

Zytostatika blockieren zelluläre Wachstumsvorgänge. Sie wirken prinzipiell immer auch auf gesunde Körpergewebe, und zwar umso stärker, je häufiger sich ihre Zellen teilen. Die Folge sind vielfältige Nebenwirkungen, z. B. Haarausfall, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Störung der Blutbildung, Immunschwäche und Unfruchtbarkeit, deren Prophylaxe und Therapie weitreichende medizinische Maßnahmen erfordern.

Strahlentherapie
Die Bestrahlung wird bei malignen Chemotherapie:regionaleTumoren vor oder nach einer Chemotherapie und/oder Tumorentfernung oder als alleinige Behandlung eingesetzt. Durch die energiereiche (ionisierende) „StrahlentherapieStrahlung kann die Tumormasse verkleinert oder beseitigt werden. Die sich entwickelnden Symptome des Strahlenkaters, z. B. Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen, lassen sich durch viel Ruhe und Schlaf abmildern. Die lokalen Nebenwirkungen entstehen in Abhängigkeit vom Strahlengebiet mit folgenden möglichen Symptomen:
  • Haut: Rötung, Dermatitis, Haarausfall, bestrahlte Haut kann dauerhaft empfindlich bleiben („Pergamenthaut“)

  • Mundschleimhaut: Geschmacksverlust (3–6 Mon.), Mundtrockenheit, Schluckbeschwerden, Parodontose (bildet sich zurück), Stomatitis, Soor

  • Lunge: Husten, Kurzatmigkeit, Strahlenpneumonitis, Lungenfibrose

  • Dünndarm: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Meteorismus, Tenesmen, Blut und Schleim im Stuhl

  • Rektum: schmerzhafte Stuhlgänge, Obstipation

  • Blase: häufige Entleerung kleiner Harnmengen, blutiger Urin

  • Blut: Leukozytopenie, Thrombozytopenie, Blutungsneigung, erhöhte Infektanfälligkeit, Fieber, Leistungsschwäche

  • Schädel/ZNS: Hirnödem, Kopfschmerz, Übelkeit und Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen, zerebrale Krampfanfälle, evtl. lang anhaltende Konzentrationsstörungen

Hormontherapie
Die Hormontherapie ist angezeigt bei hormonabhängigen Tumoren, z. B. bei Tumoren der Geschlechtsorgane (Prostatakarzinom, Endometriumskarzinom), beim Mammakarzinom sowie bei Tumoren „Hormontherapiedes lymphatischen Gewebes. Durch die Gabe von Antihormonen, vorausgesetzt das Tumorgewebe besitzt noch Hormonrezeptoren, kann das Tumorwachstum verlangsamt oder gestoppt werden.
Immuntherapie
Zunehmend erfolgreich verlaufen Versuche, das Immunsystem des Krebskranken mithilfe von Zytokinen (im Immunsystem natürlicherweise vorkommende Botenstoffe, z. B. Interferone, Interleukine„Immuntherapie) oder durch gentechnisch hergestellte und veränderte Antikörper zu stärken.
Neuere Therapieformen
Neuere Ansätze in der Tumortherapie beruhen darauf, die entarteten Zellen wieder in ein differenziertes Stadium zu „zwingen“ (sog. Differenzierungsinduktoren), die Blutversorgung des Tumors zu schädigen

Naturheilkundliche Therapie bei Tumorerkrankungen

naturheilkundliche Therapie:Tumorerkrankungen\"\iDer Schwerpunkt der naturheilkundlichen Krebstherapie liegt im Tumorerkrankungen:naturheilkundliche TherapieBereich der Prävention, in der frühzeitigen Behandlung der Erkrankung sowie in der adjuvanten (begleitenden) Therapie.

Aus ganzheitlicher Sicht ist eine Tumorerkrankung eine gesundheitliche Störung, die Körper, Geist und Seele betreffen. Diesem Verständnis zufolge kann eine konventionelle Behandlung, bestehend aus Operation, Strahlen- und Chemo- oder Hormontherapie, niemals die alleinige Behandlung sein. Dennoch steht außer Frage, dass die operative Tumorentfernung den naturheilkundlichen Maßnahmen vorausgeht. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das Immunsystem des Patienten durch eine Operation stark beeinträchtigt wird und sowohl prä- als auch postoperativ einer intensiven Unterstützung bedarf.

Wunder sind in der Krebstherapie selten zu erwarten. Spektakulär erfolgreiche Therapieverfahren, die immer wieder angeboten werden, sind unbedingt einer kritischen Prüfung zu unterziehen, da sie falsche und überzogene Hoffnungen bei Behandler und Patient wecken und zudem dem seriösen Ansehen der Naturheilkunde schaden.

Bewährt hat sich in der naturheilkundlichen Krebstherapie eine Kombination mehrerer Methoden, die darauf abzielen das Immunsystem zu stärken sowie die Lebensqualität des Patienten zu verbessern.

Ausleitungs- und Entgiftungstherapie

Naturheilkundliche Maßnahmen zur Ausleitung und Entgiftung sollten als Basistherapie eingesetzt werden, um den Organismus zu entlasten. So setzen nicht nur aktive Tumorzellen Substanzen frei, bedingt durch die Chemo- und Strahlentherapie lagern ebenfalls hochtoxische Stoffwechselprodukte und freie Radikale als „Oxidationsmüll“ in der Grundsubstanz (4.1.4). Um den Folgen einer veränderten Stoffwechsellage und eines gestiegenen Nährstoffverbrauchs entgegenzuwirken, sollte eine basistherapeutische Ausleitungstherapie mit folgenden Komponenten durchgeführt werden:
  • vitalstoffreiche, basenüberschüssige Vollwert-Ernährung (4.2.19), ausreichend Flüssigkeitszufuhr (mindestens 2 l/tgl.)

  • Kneipp-Anwendungen, Saunagänge (1–2×/Monat), ausreichend Bewegung an der frischen Luft ohne Überschreiten der Belastungsgrenze.

  • Anregung der Leberparenchymfunktion und der Nierenfunktion z. B. durch folgende phytotherapeutische Rezeptur aus Brennnesselkraut, Goldrutenkraut, Löwenzahnwurzeln mit -kraut, Schachtelhalmkraut, Birkenblättern, Holunderfrüchten und Calendulablüten: Urticae herba (40 g) Solidaginis herba (30 g), Taraxaci radix cum herba (20 g), Equiseti herba (40 g), Betulae folium (30 g), Sambuci fructus (20 g), Calendulae flos (20 g).

  • Nährstoffpräparate (4.2.33) zur Deckung des erhöhten Bedarfs an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen (z. B. Careimmun® Basic Biosyn). Achten Sie auch auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D.

Enzymtherapie

Enzyme stimulieren das zelluläre und humorale Immunsystem und bewirken eine Erhöhung der Tumorantigene. Sie können die Nebenwirkungen von Strahlen- und Zytostatikatherapie mildern, z. B. regazym®plus oder Bromelain®POS und sind zur Langzeitbehandlung und Metastasenprophylaxe indiziert. Ihre antiödematösen und antiphlogistischen (entzündungshemmenden) Eigenschaften sind zusätzlich hilfreich, um z. B. nach Brustoperationen entstehende Lymphödeme positiv zu beeinflussen.

Ernährungstherapie

Das Risiko an Krebs zu erkranken kann durch eine vitalstoffreiche Vollwerternährung reduziert werden. Ebenso wichtig ist es, genügend Ballaststoffe zuzuführen, da z. B. einige Krebsarten (z. B. Darmkrebs) u. a. auf einen Mangel an Ballaststoffen zurückzuführen sind. Empfohlen wird außerdem die Fettzufuhr auf unter 30 % der Gesamtenergie zu senken. Das gilt insbesondere für tierische Fette und versteckte Fette in Süßwaren und Fertiggerichten.
Zu meiden sind insbesondere folgende Nahrungsmittel und Substanzen:
  • Gepökelte, gegrillte oder geräucherte Nahrungsmittel, da bei deren Herstellung krebserzeugende Stoffe (Benzpyrene) entstehen.

  • Kein rohes oder unzureichend gegartes Fleisch essen. Auch auf Schweinefleisch sollte verzichtet werden.

  • Angeschimmelte Lebensmittel, Pestizide, künstliche Lebensmittelfarbstoffe sowie Nitrite und Nitrate wirken vermutlich kanzerogen.

Eine „Anti-Krebs-Diät“ oder andere Ernährungsformen, die für sich tumorhemmende oder krebsheilende Eigenschaften in Anspruch nehmen, gibt es nach derzeitigen Erkenntnissen nicht. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich strenge und dogmatische Kostformen, wie z. B. Fasten oder Makrobiotik, bei Tumorkranken eher schädlich als nutzbringend auswirken, da sich deren Stoffwechsellage in einem sehr instabilen Gleichgewicht befindet.
Es ist wesentlich wichtiger, dass sich der Patient entsprechend seinen Bedürfnissen schmackhaft und abwechslungsreich ernährt und eine kohlenhydrat- und vitalstoffreiche Kost bevorzugt.
Untersuchungen zeigen eine krebshemmende Wirkung der sog. sekundären Pflanzenstoffe. Dazu gehören u. a. Karotinoide, Chlorophyll und Anthocyane, die insbesondere in dunkelgrünem, orange-gelbem und rotem Obst und Gemüse, in Blaubeeren, Holunder, Rote Bete sowie in verschiedenen Kohlsorten, wie z. B. Brokkoli und Rosenkohl, enthalten sind.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und gründliche Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Folgende Konstitutionsmittel können zur Behandlung von Krebserkrankungen angezeigt sein: Arsenicum album, Argentum nitricum, Carbo vegetabilis, Carcinosinum, Conium, Graphites, Kalium bichromicum, Lycopodium, Phosphorus, Silicea, Thuja. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Bewährt hat sich zusätzlich die Behandlung mit homöopathischen Mitteln mit bewährter Indikation: z. B. Arnica als Vor- und Nachbehandlung bei operativen Eingriffen; Nux vomica bei Übelkeit und Brechreiz im Rahmen der Chemotherapie, Causticum bei Strahlenschäden und Strahlenkater, Apis mellifica und Cantharis bei Strahlenschäden v. a. im Schleimhautbereich, Phosphorus bei Tumoranämie, Strahlenanämie und Erschöpfung oder Arsenicum album in einer angstvollen Sterbephase.

Mikrobiologische Therapie

Zahlreiche Zytostatika und Immunsuppressiva, aber auch Bestrahlungen des Bauchraums können die Darmflora erheblich schädigen. So sind in fast jedem Fall der Tumortherapie Mykosen im Magen-Darm-Trakt nachzuweisen. Aus diesem Grund ist eine Darmsanierung, die die Entgiftung fördert und meist zu einer Besserung des Allgemeinbefindens beiträgt, zu empfehlen. Die Therapie ist zusätzlich durch die Gabe von rechtsdrehender Milchsäure, z. B. Gelum® Tropfen oder Bio-Cult® comp. Syxyl® zu unterstützen.

Ordnungstherapie

Berücksichtigen Sie, dass jede chronische Entzündung bzw. jeder Krankheitsherd den Organismus schwächt und im weiteren Behandlungsverlauf potenzielle Störfelder und toxische Belastungen auszuschalten sind. Weisen Sie den Patienten darauf hin, dass eine gesunde Lebensweise und eigenverantwortliches Handeln wichtige Bausteine der naturheilkundlichen Krebstherapie sind. Ebenso wichtig ist es, dass sich der Patient Bereiche schafft, in denen er Unterstützung erfährt und innerlich zur Ruhe kommen kann.
Empfehlen Sie folgende Maßnahmen:
  • Krebsvorsorge- und Kontrolluntersuchungen sind unbedingt wahrzunehmen.

  • Noxen und die Belastung durch freie Radikale wie z. B. Zigarettenrauch, Luftverschmutzung, übermäßige Sonneneinstrahlung, Pestizide sowie psychischer Stress sind zu meiden.

  • Auch Genussgifte wie Alkohol und Nikotin sollten gemieden werden.

  • Empfehlen Sie, damit der Patient lernt, mit seinen Ängsten und Problemen umzugehen, eine psychoonkologische Betreuung (8.7.8).

  • Auf Bewegung an der frischen Luft, genügend Schlaf und eine vollwertige Ernährung ist im Sinne einer gesunden Lebensführung unbedingt zu achten. Zudem sollten individuelle Stressfaktoren reduziert werden.

  • Entspannungsverfahren, wie z. B. Atemtherapie oder Qigong sowie kreative Aktivitäten wie z. B. Musik- und Maltherapie können ebenfalls sehr hilfreich sein.

Orthomolekulare Therapie

Ein Mangel an schützenden Antioxidanzien erhöht das Risiko für die Entstehung von Tumoren. Speziell eine gezielte Versorgung mit Selen sowie Zink, Vitamin A, C und E ist für den Krebspatienten von großer Bedeutung, denn ein Defizit an diesen Substanzen kann die Immunsituation und das Allgemeinbefinden erheblich beeinträchtigen. Es ist allerdings zu beachten, dass eine hoch dosierte Substitution zum falschen Zeitpunkt therapeutische Maßnahmen, die ihre Wirkung unter oxidativen Bedingungen entfalten (z. B. Chemotherapie, Strahlentherapie) hemmen bzw. stören. Deshalb werden z. B. Infusionen mit hoch dosierten Vitamin C unbedingt streng zeitversetzt zur Chemotherapie verabreicht.
Die Behandlung mit hoch dosierten Mikronährstoffen und Antioxidanzien sollte nur durch erfahrene Therapeuten erfolgen.

Physikalische Therapie

In den letzten Jahren hat die Hyperthermie (äußerlich hervorgerufene physikalische Überwärmung) in der Krebsbehandlung erheblich an Bedeutung gewonnen. Aufgrund der Thermolabilität maligner Tumorzellen – Tumorzellen reagieren gegenüber hohen Temperaturen wesentlich sensibler als gesundes Gewebe – können Krebszellen durch gezielte Überwärmung geschädigt und ihre Vermehrung gehemmt werden. Zusätzlich wird das Abwehrsystem aktiviert, der Stoffwechsel angeregt und die Durchblutung gefördert.

Phytotherapie

Die Mistel (Viscum album Abb. 8.11) wurde als Antikrebsmittel um 1920 von Rudolf Steiner, dem Begründer der anthroposophischen Medizin (4.2.5), eingeführt. Die Mistel, ein Halbschmarotzer, wächst auf verschiedenen Bäumen – vorzugsweise auf Apfelbäumen, Kiefern, Tannen, Birken, Pappeln und Weiden, seltener auf Eichen – aber auch auf Sträuchern (z. B. Weißdorn). Sie enthält v. a. Lektine und Viscotoxine, die das Wachstum von Tumorzellen hemmen und durch immunmodulierende Eigenschaften die natürlichen Abwehrkräfte stimulieren.
Die Misteltherapie ist hinsichtlich der Dosierung und der Auswahl des geeigneten Mistelpräparats (z. B. Apfel-, Kiefern- oder Tannenmistel) sehr individuell durchzuführen. Mistelpräparate (z. B. Helixor® oder Iscador®) werden zur Injektion in ansteigenden Dosierungen angeboten. Die Verabreichung erfolgt in der Regel subkutan oder intravenös. Einsatzgebiete sind die prä- und postoperative Behandlung sowie die Rezidivprophylaxe.
Die Misteltherapie bewirkt eine bessere Verträglichkeit der Strahlen- und Chemotherapie und steigert das Allgemeinbefinden.

Organopeptide

Standardisierte Organpräparate aus tierischem Gewebe wie Thymus-, Leber- und Milzpeptide (z. B. Factor AF2 Loges, Thym-Uvocal® plus) werden aufgrund ihrer immunmodulierenden Eigenschaften kurmäßig in der adjuvanten Tumortherapie eingesetzt.
Allerdings sollte die Therapie mit Thymuspeptiden nur dann erfolgen, wenn im Rahmen der Krebstherapie ein Ungleichgewicht der thymusabhängigen Zellgruppen vorliegt, um z. B. die Gefahr einer Überstimulation des Immunsystems zu vermeiden. Deshalb sollte vor Behandlungsbeginn ein Immunstatus durchgeführt werden.
(Angiogenesehemmstoffe) oder für das Zellwachstum wichtige Signale zu unterbrechen (z. B. Tyrosinkinase-Inhibitoren). „DifferenzierungsinduktorenDie Gentherapie, bei der z. B. „Selbstmordgene“ in die Tumorzellen „Pharma-Info:Angiogenesehemmstoffeeingeschleust werden, befindet sich noch im experimentellen Stadium.

Onkologie

„Pharma-Info:Tyrosinkinase-Inhibitoren Die Onkologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit der Entstehung, Diagnostik und Behandlung von Tumoren befasst. Im engeren Sinn bezeichnet man mit Onkologie heute die „Onkologieinternistische Onkologie, die sich auf die Tumoren des blutbildenden und lymphatischen Systems sowie auf die Zytostatikatherapie konzentriert. Ist die schulmedizinische Tumorbehandlung anderer medizinischer Gebiete gemeint, wird z. B. von der gynäkologischen, pädiatrischen oder neurologischen Onkologie gesprochen.
Onkologen arbeiten meist interdisziplinär, d. h. in hohem Maße beratend für Ärztinnen und Ärzte anderer medizinischer Fachdisziplinen.
Welche Therapiemethode der beratende Onkologe und der behandelnde Arzt dem Patienten vorschlagen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, so z. B. von
  • der Ausbreitung des Tumors, also dem Tumorstadium,

  • seiner fein geweblichen Struktur (Bös- oder Gutartigkeit, Differenzierung),

  • der Konstitution und dem Lebensalter des Patienten,

  • sonstigen Erkrankungen,

  • dem wissenschaftlichen Kenntnisstand, welche Therapiemethoden sich bei welchen Tumorarten als die besten erwiesen haben,

  • den Therapiewünschen des Patienten.

Psychische Betreuung tumorkranker Patienten

Mit der Diagnose „Krebs“ verbinden fast alle Menschen Siechtum und Tod, und nahezu jeder hat einen Bekannten oder Verwandten, der an Krebs „Tumorpatienten:Betreuunggestorben ist. Die Voraussetzung für eine bewusste Auseinandersetzung mit der Erkrankung und dem möglichen Tod ist, dass der Patient über die Diagnose und die Prognose aufgeklärt wurde. In den meisten Fällen geschieht dies im Krankenhaus bzw. beim Haus- oder Facharzt. Es kann aber auch sein, dass Angehörige die Diagnose vor dem Kranken verheimlichen, um ihn – und vielleicht auch sich selbst – zu schonen.
Gelegentlich wenden sich diese Patienten mit der Bitte um zusätzliche Informationen oder Erläuterungen an ihren Heilpraktiker, denn sie spüren, „dass etwas nicht stimmt“. Diese schwierige Situation erfordert großes Einfühlungsvermögen und viel Taktgefühl.
Auf alle Fälle muss jede Frage des Patienten als Bitte um ein Gespräch, um Zuwendung verstanden werden. Dabei erwartet die Frage „Muss ich sterben?“ nicht unbedingt ein konkretes „ja“ oder „nein“ als Antwort, sondern ein aufrichtiges Eingehen auf die Fragen, Nöte und Ängste des Patienten. Insgesamt wird die Fähigkeit der Patienten unterschätzt, die Wahrheit zu ertragen.
Diagnose Krebs – und was nun?
Der Patient darf mit Informationen über Diagnose und Prognose nicht allein gelassen werden. Es muss versucht werden, ihn über die erste Phase der tiefen Depression hinweg zu aktiver Mitarbeit bei der Therapie zu motivieren, damit er den „Kampf gegen den Krebs“ führen kann und nicht resigniert. In diesem Zustand ist es wichtig, dass der Patient die Diagnose „Krebs“ nicht mit seinem Todesurteil gleichsetzt. Beispielsweise sind manche Herzerkrankungen prognostisch ungünstiger als viele Krebserkrankungen. Zudem gilt: Jeder zweite Tumorpatient wird geheilt oder verstirbt an einer anderen Erkrankung als seiner Tumorerkrankung.
Fragen von Tumorpatienten
Viele Patienten stellen sich – und bei gutem Vertrauensverhältnis auch ihrem Behandler – immer wieder die gleichen Fragen. Auf sie einzugehen und so Ängste, Vorurteile und Schuldgefühle abzubauen, hilft dem Patienten meist.
Was ist die Ursache meiner Krebserkrankung?
Eine klare Ursache und eindeutige Ursache-Wirkung-Beziehung gibt es bei Krebserkrankungen nicht. Zwar sind bei einem Teil der Krebserkrankungen Risikofaktoren bekannt, doch hat z. B. auch starkes Rauchen „nur“ bei 10–15 % der Raucher Lungenkrebs zur Folge.
Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen bestimmten psychologischen Mustern und der Entstehung von Krebserkrankungen konnte bislang ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Dennoch beschreiben viele Autoren in ihren Büchern die psychologischen Ursachen von (Krebs-)Erkrankungen. Diese „Deutungen“ können als Anregung durchaus hilfreich sein, sie können aber auch schaden, und zwar wenn Zusammenhänge verallgemeinert werden oder wenn durch sie gar bei dem Patienten oder bei seinen Angehörigen Schuldgefühle oder Schuldzuweisungen entstehen.
Die Frage „Warum gerade ich?“ zwingt manche Patienten erstmals in ihrem Leben zu philosophischen und religiösen Betrachtungen. Im besten Fall kann die schwere Erkrankung für den Patienten die Chance sein, einen privaten oder beruflichen Neubeginn zu wagen, andere Prioritäten zu setzen und sich das Leben lebenswerter zu gestalten. Eine verständnisvolle und einfühlsame Begleitung durch den Heilpraktiker ist dabei sehr hilfreich.
Wie wird meine Krankheit verlaufen?
Für die meisten Patienten ist Krebs gleichbedeutend mit langem schmerzhaftem Leiden, an dessen Ende der Tod steht. Lebenswertes Leben trotz Krebs können sie sich kaum vorstellen. Die Patienten sollten informiert werden, dass zwar im Laufe einer Krebserkrankung Schmerzen auftreten können, dass aber nicht jeder davon betroffen ist und auch chronische Schmerzen erfolgreich zu behandeln sind. Viele Patienten mit Krebserkrankungen können heute geheilt werden. Man sollte den Patienten erklären, dass der Krebs zwar auf jeden Fall sein Leben verändern, aber abhängig von der Tumorart, nicht zwangsläufig (dauerhaft) einschränken oder gar beenden wird.
Wie kann man meine Krebserkrankung behandeln?
Ein Großteil der Patienten hat zu Beginn der Erkrankung kaum konkrete Vorstellungen von deren Behandlung. Aufgabe des Arztes ist es, dem Patienten die verschiedenen Behandlungsformen, also im Wesentlichen Operation, Chemo- und Strahlentherapie, darzustellen und zu erklären, dass die Wahl der Therapie von Art, Stadium und Verlauf der Erkrankung abhängt.
Oft genug ist die Heilpraktikerpraxis die „Anlaufstelle der letzten Hoffnung“. Hier ist viel Fingerspitzengefühl erforderlich, um dem Patienten nicht die Hoffnung auf Linderung seiner Beschwerden, einen langsameren Krankheitsverlauf mit guter Lebensqualität oder evtl. gar Heilung zu nehmen, andererseits realistisch die Chancen aufzuzeigen, da all dies nicht garantiert werden kann – weder von der Schulmedizin noch von der Naturheilkunde.
Selbsthilfegruppen zur zusätzlichen Unterstützung
Nachdem der erste Schock überwunden ist und mögliche depressive Phasen durchgangen wurden, suchen viele Krebspatienten Kontakt zu Betroffenen. In Selbsthilfegruppen gibt es häufig Patienten, die seit Jahren gut mit der Krankheit leben. Sie haben „Regie-Kompetenz“ über Ihre Krankheit gewonnen, indem sie aktiv geworden sind, sich ausreichend informiert und gelernt haben mit zu entscheiden. In dem Maße, wie sie ihren „inneren Arzt“ aktiviert haben, wuchs das Selbstvertrauen, Ängste und Depressionen ließen nach.
Angehörige des Tumorkranken
Nicht nur der Patient, sondern auch seine Angehörigen stehen der Erkrankung oft völlig hilflos gegenüber. Diese ohnehin schon belastende Situation wird noch verschärft, wenn die „Tumorpatienten:AngehörigeFamilie, nicht aber der Patient selbst über die Art der Erkrankung aufgeklärt ist. Die Betroffenen ahnen sehr oft, dass die verharmloste Erkrankung bösartig ist. Keiner wagt, das Schweigen zu durchbrechen. In vielen Fällen wird es als Erlösung empfunden, wenn der Patient oder ein Angehöriger endlich die Wahrheit ausspricht und dadurch die Gelegenheit entsteht für den gemeinsamen Kampf gegen die Bedrohung durch die Krankheit, aber auch für Versöhnen und Verabschieden.
Die Praxis kann sowohl für Angehörige als auch für den Patienten zum geschützten Raum werden, in dem Ängste, Trauer und Wut offen ausgesprochen und verstanden werden können.

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