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B978-3-437-55244-1.00003-5

10.1016/B978-3-437-55244-1.00003-5

978-3-437-55244-1

Der Weg zur Diagnose. Jede Diagnose ist nur so gut und vollständig wie die jeweiligen Ergebnisse, die aus Anamnese und Patientenuntersuchung zusammengetragen wurden.

[L190]

Die Elemente der Patienten- (= Eigenanamnese) und Angehörigen-Anamnese (= Fremdanamnese). Eigen- und Fremdanamnese schließen einander nicht aus. Während bei Säuglingen oder Bewusstlosen nur eine Fremdanamnese möglich ist, sollten sich z. B. bei Patienten mit psychischen Störungen Eigen- und Fremdanamnese ergänzen. Dabei muss immer die Schweigepflicht beachtet werden.

[A400]

Die indirekte Perkussion (Finger-Finger-Perkussion) erfolgt locker aus dem Handgelenk mit kurzem, schnell zurückfederndem Schlag.

[K116]

Bereits während der Begrüßung gewinnen Sie einen ersten Eindruck von dem Patienten. Sie können sein Auftreten, seine Körperhaltung, sein Gangbild sowie seinen Ernährungszustand grob beurteilen.

[K116]

Tasten des Radialispulses. Tasten Sie den Puls nie mit dem Daumen. Es besteht die Gefahr, dass Sie den Puls des Patienten mit Ihrem eigenen verwechseln.

[K116]

Blutdruckmessung. Sind Sie nicht sicher, ob Sie den ersten Ton richtig gehört haben, legen Sie die luftleere Manschette vor erneuter Messung neu an. Ansonsten könnte das Ergebnis verfälscht sein.

[K116]

Inspektion der Mundhöhle. Inspektion:MundhöhleBei manchen Patienten ist die Untersuchung mit dem Spatel nicht möglich, weil durch das Auflegen des Holzspatels der Würgereiz ausgelöst werden kann.

[K116]

Inspektion des Rachens. normaler Befund an a) hartem GaumenGaumen, b) GaumenzäpfchenGaumenzäpfchen (UvulaUvula), c) vorderem Gaumenbogen, d) hinterem GaumenbogenGaumenbogen und e) Rachenhinterwand.

[K116]

Untersuchung des Palpation:NervenaustrittspunkteNervenaustrittspunkte:PalpationNervenaustrittspunkts des N. trigeminus am Foramen supraorbitale. Eingezeichnet sind außerdem die anatomischen Projektionen der Foramina infraorbitale und mentale, an denen ebenfalls Äste des N. trigeminus austreten.

[K116]

Anatomische Projektion der Schilddrüse. Wenn man den Patienten schlucken lässt, tritt die Schilddrüse ein Stück höher und ist dadurch leichter zu tasten.

[K116]

Palpation der Schilddrüse.

[K116]

Palpation des rechten Schilddrüsenlappens.

[K116]

Projektion der Stirnhöhlen (Sinus frontales) und Kieferhöhlen (Sinus maxillares). Von den Nasennebenhöhlen (Kieferhöhle, Sinus maxillares; Stirnhöhle, Sinus frontales; Siebbeinhöhle, Sinus ethmoidalis; Keilbeinhöhle, Sinus sphenoidalis) sind nur diese beiden der manuellen Untersuchung zugänglich.

[K116]

Perkussion der Nasennebenhöhlen. Klopfen Sie mit leichtem, federndem Schlag auf die Stirn bzw. die Maxilla. Klopfschmerzhaftigkeit kann ein Hinweis auf eine Entzündung sein.

[K116]

Orientierende Inspektion der Augen. Ist der Abstand zwischen Ober- und Unterlid an beiden Augen gleich? Besteht ein Exophthalmus? Kann der Patient die Augen vollständig schließen? Sind die Lidränder verdickt oder entzündet?

[K116]

Zur Inspektion der Sklera spreizen Sie die Lider weit in Richtung knöcherner Augenhöhle. Üben Sie dabei keinen Druck auf den Augapfel aus.

[K116]

Lassen Sie den Patienten dann weit nach links und rechts blicken, um die Sklera in allen Bereichen einsehen zu können. Achten Sie auf Entzündungen, Verdickungen und die Farbe (z. B. Gelbfärbung bei Gelbsucht, gelbe Fetteinlagerungen bei Hyperlipidämie).

[K116]

Inspektion der Konjunktiven des Unterlids. Ziehen Sie das Unterlid weit nach unten, und lassen Sie den Patienten dann nach oben blicken. Beurteilen Sie die Farbe der Bindehaut (z. B. Blässe bei Anämie, Rötung bei Entzündung), und achten Sie auf etwaige Läsionen. Zur Beurteilung der Bindehaut des Oberlids ziehen Sie dies nach oben außen und lassen den Patienten nach unten blicken.

[K116]

Untersuchung der Augenmotilität. Zur Blickrichtung sind immer die beteiligten Augenmuskeln angegeben.

Blick nach rechts. Rechtes Auge. M. rectus lateralis. Linkes Auge. M. rectus medialis.

Blick nach links. Rechtes Auge. M. rectus medialis. Linkes Auge. M. rectus lateralis.

Blick nach oben. Mm. rectus superior und Mm. obliquus inferior.

Blick nach unten. Mm. rectus inferior und Mm. obliquus superior.

Blick nach rechts unten. Rechtes Auge. Mm. obliquus superior. Linkes Auge. M. rectus inferior.

Blick nach links unten. Rechtes Auge. M. rectus inferior. Linkes Auge. M. obliquus superior.

Blick nach rechts oben. Rechtes Auge. M. rectus superior. Linkes Auge. M. obliquus inferior.

Blick nach links oben. Rechtes Auge. M. obliquus inferior. Linkes Auge. M. rectus superior.

[K116]

Palpation der Lymphknoten

a) entlang des Unterkiefers (submandibuläre Lymphknoten)

b) vor und c) hinter dem M. sternocleidomastoideus (zervikale Lymphknoten)

d) oberhalb des Schlüsselbeins

e und f) in der Axilla (axilläre Lymphknoten) bei erhobenem Arm. Oberflächliche (e) und tiefe (f) Palpation

g und h) in der Axilla (axilläre Lymphknoten) bei herabhängendem Arm. Oberflächliche (g) und tiefe (h) Palpation.

[K116]

Projektion der Lungengrenzen auf die Haut, Ansicht von vorne (ventral). Die Lungen- und Pleuragrenzen verlaufen hier zwischen 6. und 9. Rippe in der Medioklavikularlinie (MCL, gedachte senkrechte Linie durch die Mitte des Schlüsselbeins).

[K116]

Projektion der Lungengrenzen auf die Haut, Ansicht von hinten (dorsal). Die Lungen- und Pleuragrenzen liegen hier beidseits zwischen der 10. und 12. Rippe.

[K116]

Projektion der Lungengrenzen auf die Haut, Ansicht von rechts (c) und links (d) seitlich (lateral). Die Lungengrenzen verlaufen hier zwischen der 8. und 11. Rippe in der mittleren Axillarlinie (gedachte senkrechte Linie in der Mitte der Achselhöhle).

[K116]

Handhaltung zur Prüfung des Stimmfremitus.

[K116]

Perkussion der Lunge von vorne, Perkussionsrichtung eingezeichnet; rechts ist der Klopfschall über der Leber gedämpft (Bereiche mit gedämpftem Klopfschall sind mit schraffierten Kreisen gekennzeichnet).

[K116]

Perkussion der Lunge von hinten, Perkussionsrichtung eingezeichnet. Unterhalb der Lunge, über den Bauchorganen, ist der Klopfschall gedämpft; rechts beginnt die Dämpfung durch die Leber höher (Bereiche mit gedämpftem Klopfschall sind mit schraffierten Kreisen gekennzeichnet).

[K116]

Perkussion der Lungengrenzen am Rücken. Perkutieren Sie von oben (kranial) nach unten (kaudal) bis zum Einsetzen der Dämpfung. Vergleichen Sie die Höhe bei vollständiger Ausatmung mit der Höhe bei tiefer Einatmung. Normalerweise beträgt die Differenz 4–6 cm.

[K116]

Auskultation der Lunge von vorne, Auskultationsrichtung eingezeichnet; rechts ist das Atemgeräusch über der Leber abgeschwächt (Bereiche mit abgeschwächtem Atemgeräusch sind mit schraffierten Kreisen gekennzeichnet).

[K116]

Auskultation der Lunge von seitlich, Auskultationsrichtung eingezeichnet (Bereiche mit abgeschwächtem Atemgeräusch sind mit schraffierten Kreisen gekennzeichnet).

[K116]

Auskultation der Lunge von hinten, Auskultationsrichtung eingezeichnet (Bereiche mit aufgehobenem Atemgeräusch sind mit schraffierten Kreisen gekennzeichnet).

[K116]

Palpation des Herzspitzenstoßes im 5. Interkostalraum in der Medioklavikularlinie (Abb. 3.28).

[K116]

Die Projektion des Herzens auf die Haut. Zusätzlich sind die fünf Auskultationsstellen für das Herz eingezeichnet. Mitralklappenpunkt, Trikuspidalklappenpunkt, Aortenklappenpunkt, Pulmonalklappenpunkt (MI-TR-A-P) und Erb-Punkt. An diesen Punkten sind die von den Klappen verursachten Herztöne am deutlichsten zu hören.

[K116/L190]

Auskultation des Herzens.

[K116]

Palpation des Karotispulses vor dem M. sternocleidomastoideus und unterhalb des Kieferwinkels.

[K116]

Palpation des Femoralispulses im Bereich des Leistenbands (Abb. 9.38).

[K116]

Palpation des Pulses der A. poplitea in der Kniekehle; das Bein ist dabei locker angewinkelt.

[K116]

Palpation der A. dorsalis pedis am Fußrücken, außen seitlich (lateral) des ersten Strahls (Knochen der I. Zehe).

[K116]

Palpation des Pulses der A. tibialis posterior hinter dem Innenknöchel.

[K116]

Auskultation der A. carotis links vor dem M. sternocleidomastoideus und unterhalb des Kieferwinkels. Verwenden Sie zur Auskultation der Pulse immer den Trichter des Stethoskops, mit dem tiefe Frequenzen besser zu hören sind.

[K116]

Auskultation der A. femoralis rechts unmittelbar unter oder über dem Leistenband. Im Rahmen einer Arteriosklerose sind Einengungen der Aa. femorales häufig. Bei der Auskultation ist dann ein zischendes pulssynchrones Strömungsgeräusch zu hören. Ist das Gefäß extrem verengt, verschwindet dieses Geräusch allerdings wieder.

[K116]

Die Auskultation der Darmgeräusche erfolgt an je einer Stelle in jedem der vier Quadranten (Abb. 3.41a). Achten Sie auf den Klang und die Anzahl. Normal sind 3–25 Darmgeräusche pro Minute.

[K116]

Auskultation der Aorta abdominalis. Achten Sie auf Strömungs- oder Stenosegeräusche.

[K116]

Kratzauskultation der Leber. Legen Sie das Stethoskop über der Leber auf, und streichen Sie mit einem Holzspatel oder dem Fingernagel von oben nach unten über die Haut. Wenn Sie den Leberrand erreichen, hören Sie einen Kratzton.

[K116]

Die vier Bauchquadranten und das Epigastrium. 1. rechter Oberbauch, 2. linker Oberbauch, 3. rechter Unterbauch, 4. linker Unterbauch, 5. Epigastrium.

[L190]

Palpation des Abdomens. Tasten Sie den Bauch zunächst mit flach aufgelegter Hand oberflächlich (ca. 1–2 cm in die Tiefe) und geringem Druck in allen Quadranten (Abb. 3.41a) ab. Anschließend palpieren Sie die tieferen Bereiche des Abdomens. Halten Sie dabei die Finger gestreckt.

[K116]

Projektion der Leber und der Milz auf die Hautoberfläche.

[K116/L190]

Palpation der Leber. Legen Sie die Hände flach unterhalb des Rippenbogens auf, und versuchen Sie, die Leber zu tasten. Lassen Sie dann den Patienten tief einatmen, damit die Leber tiefer tritt. Ist die Leber nicht vergrößert, werden Sie in dieser Höhe den Leberrand nicht spüren.

[K116]

Legen Sie die Hände dann näher am Rippenbogen auf, und tasten Sie erneut in die Tiefe. Lassen Sie den Patienten wiederum einatmen (Abb. 3.46b). Der heruntertretende Leberrand wird nun Ihre Fingerspitzen anheben. Evtl. ist der Leberrand besser zu spüren, wenn Sie mit der Palpation weiter kaudal beginnen und bei Einatmung des Patienten die Finger in Richtung Rippenbogen vorschieben. Auf Abb. 3.46c haben die Finger der Untersucherin den Rippenbogen erreicht, unter den Fingerspitzen ist in der Tiefe der Leberrand zu spüren.

[K116]

Palpation der Milz. Umfassen Sie den rechten Rippenbogen mit einer Hand, und heben Sie ihn leicht an. Tasten Sie mit der anderen Hand in diese Richtung in die Tiefe. Lassen Sie den Patienten tief einatmen. Eine gesunde Milz ist grundsätzlich nicht tastbar. Spüren Sie den Milzrand, ist die Milz vergrößert.

[K116]

Perkussion des Abdomens und der Blase. Die Perkussion des Abdomens erfolgt kreisförmig um den Nabel herum (schwarze Kreise). Mit der Perkussion der Blase beginnen Sie in Höhe des Nabels und schreiten in Richtung Symphyse fort (grüne Kreise). Sie kann nur perkutiert werden, wenn sie mindestens zur Hälfte gefüllt ist (ca. 200 ml), dann liegt die Grenze etwa in der Mitte zwischen Nabel und Symphyse. Die Perkussion der Blase ist v. a. wichtig, wenn Sie den Verdacht auf Restharn haben, z. B. bei einer Vergrößerung der Prostata.

[K116]

Mit der Perkussion der Lebergrenzen von oben und unten können Sie die Lebergröße bestimmen. Zur Bestimmung der oberen Lebergrenze beginnen Sie mit der Perkussion am Thorax etwa im 4. Interkostalraum, zur Bestimmung der unteren Lebergrenze etwas oberhalb des Nabels, jeweils in der Medioklavikularlinie. Der obere Leberrand liegt meist im 5. bis 7. Interkostalraum. Die normale Lebergrenze in der Medioklavikularlinie beträgt 10–12 cm.

[K116]

Perkussion der Milz. Von der Medianlinie wird strahlenförmig Richtung Milz perkutiert. Die dunklen Punkte symbolisieren die Milzdämpfung.

[K116]

Die Perkussion der Nieren dient lediglich dazu, festzustellen, ob die Nierenlager klopfempfindlich sind (z. B. bei Entzündungen).

[K116]

Perkussion der Wirbelsäule. Klopfen Sie mit der Faust locker und ohne Kraft die Wirbelsäule entlang. Achten Sie auf Klopfschmerzhaftigkeit.

[K116]

Lassen Sie den Patienten die Stirn runzeln. Bei einer einseitigen Lähmung ist dies auf der betroffenen Seite nicht möglich; bei zentraler Lähmung bleibt diese Funktion erhalten.

[K116]

Lassen Sie den Patienten die Augen fest schließen, und versuchen Sie, sie zu öffnen. Bei einer peripheren Lähmung ist der Lidschluss evtl. nicht möglich, auf jeden Fall aber gegen Widerstand nicht aufrechtzuerhalten. Bei einer zentralen Lähmung ist diese Funktion nicht beeinträchtigt.

[K116]

Lassen Sie den Patienten die Wangen aufblasen. Bei einer ausgeprägten Lähmung kann der Patient die Luft nicht halten, sie entweicht. Bei geringerer Ausprägung entweicht die Luft erst, wenn Sie Gegendruck ausüben.

[K116]

Lassen Sie den Patienten die Zähne zeigen. Bei einer Lähmung wird dann der typische herabhängende Mundwinkel besonders deutlich, d. h. der Patient kann ihn auf der betroffenen Seite nicht so weit anheben, dass die Zähne ausreichend zu sehen sind.

[K116]

Lassen Sie den Patienten pfeifen. Bei einer Lähmung ist dies nicht möglich, der Patient kann nicht genügend Spannung erzeugen; die Luft entweicht sofort.

[K116]

Bizepssehnenreflex:PrüfungBizepssehnenreflex. Der Arm des Patienten ist im Ellenbogengelenk gebeugt, der Unterarm liegt auf seinem Bauch. Drücken Sie mit dem Daumen leicht auf die Sehne. Durch den Druck wird die Sehne gestrafft, und der Schlag kann den Muskel besser dehnen. Der Arm wird gebeugt, der Unterarm evtl. nach innen gedreht. Außerdem spüren Sie die Bewegung der Sehne und können die Muskelkontraktion beobachten.

[K116]

Trizepssehnenreflex:PrüfungTrizepssehnenreflex. Palpieren Sie die Sehne oberhalb des Olekranons. Den Unterarm halten Sie fest und ziehen ihn leicht zu sich heran, wodurch die Sehne passiv vorgedehnt wird. Klopfen Sie dann direkt auf die Sehne, d. h. nicht auf Ihren Finger. Der Arm wird gestreckt, was Sie evtl. nur als leichte Bewegung spüren; die Kontraktion des Muskels ist sichtbar.

[K116]

Radiusperiostreflex:PrüfungRadiusperiostreflex. Der Arm liegt gebeugt auf dem Bauch. Tasten Sie das Radiusköpfchen (an der Daumenbasis des Handgelenks), und palpieren Sie etwas oberhalb davon die Sehne. Klopfen Sie direkt auf die Sehne. Ist keine Reaktion auslösbar, dehnen Sie die Sehne durch Druck mit dem Daumen, und klopfen Sie noch einmal. Der Arm wird gebeugt, und die Muskelkontraktion ist sichtbar.

[K116]

Achillessehnenreflex:PrüfungAchillessehnenreflex. Der Patient winkelt das Bein an und legt es über das andere. Greifen Sie den Fuß, und beugen Sie ihn in Richtung Fußrücken. Dadurch wird die Sehne vorgedehnt. Klopfen Sie rasch gegen die Sehne. Der Fuß wird in Richtung Fußsohle gebeugt. Manchmal spürt man die Bewegung, auch wenn sie nicht zu sehen ist. Ist der Reflex im Liegen nicht auslösbar, lassen Sie den Patienten sich aufsetzen, und versuchen Sie es erneut.

[K116]

Das Babinski-Babinski-ZeichenZeichen prüfen Sie, indem Sie mit einem Stift bogenförmig die Fußsohle entlangstreichen. Eine normale Reaktion ist eine kurze Beugung aller Zehen zur Fußsohle (negatives Zeichen). Wird die Großzehe in Richtung Fußrücken gestreckt und werden die Zehen gespreizt, ist das Zeichen positiv und ein Hinweis auf eine Pyramidenbahnschädigung.

[K116]

Patellarsehnenreflex:PrüfungPatellarsehnenreflex. Setzen Sie den Patienten so, dass die Beine frei herabhängen. Tasten Sie die Sehne direkt unter der Kniescheibe. Wenn Sie darauf klopfen, wird das Bein gestreckt.

[K116]

Die Projektionszonen wichtiger Teile des Urogenitalsystems sind nach Ferronato im Bereich der Augenlider konzentriert: (1) Nieren, (2) Harnleiter, (3) Prostata, (4) Harnblase, (5) Eierstock, Hoden, (6) Eileiter, Samenleiter, (7) Harnröhre.

[L143]

Areale des Herzens sind nach Ferronato die Nasolabialfalten sowie zwei umschriebene Felder über den Jochbeinen. Rechte Gesichtshälfte: (1) Herzbeutel, (2) rechte Kammer, (3) Trikuspidalklappe, (4) rechter Vorhof, (5) Reizleitungssystem; linke Gesichtshälfte: (6) linker Vorhof, (7) Segelklappe, (8) linke Kammer, (9) Herzinnenhaut.

[L143]

Zirkuläre Aufteilung der Iris. Die Iris wird von der Pupille bis zum Irisrand (Ziliarrand) in 3 große bzw. 6 kleine Zonen unterteilt. Die erste große Zone wird auch als Krausenzone, die bis zum Irisrand entstehende Zone (zweite und dritte große Zone) auch als Ziliarzone bezeichnet.

[L190]

Sektorale Aufteilung der Iris nach Lindemann. Aus der Unterteilung der Iris in Sektoren kann die Lage der einzelnen Organe bestimmt werden. Wird die Iris in vier gleich große Quadranten eingeteilt, liegen zusammengehörige Körperteile nicht untereinander, sondern diametral gegenüber. Durch die Halb- und Viertelteilung der Iris sind auch die sog. Verbindungslinien erkennbar. Die Iris wird in 60 Min. oder alternativ in 360° oder 12 Std. eingeteilt.

[L190]

Funktionskreiszuordnung nach Pulsposition. Meist wird zur Kennzeichnung der Pulsposition nur der Name des Hohlorgans (Speicher-Organs) verwendet. Da alle Hohlorgane aus Sicht der TCM beim Blutkreislauf eine Rolle spielen, ist der Puls ein sensibler Indikator für pathologische Veränderungen im Körperinneren.

[L190]

Der Zustand der am Rücken befindlichen Zonen:SchröpfzonenSchröpfzonen kann diagnostische Hinweise auf funktionelle Störungen und energetische Ungleichgewichte geben. Die Schröpfzonen stehen mit den einzelnen Organen in nervaler und energetischer Verbindung.

[L190]

Reflexzonen der Fußsohlen. Fußreflexzonen befinden sich auch auf dem Rücken sowie auf der Innen- und Außenseite des Fußes (nicht dargestellt). Grün: Knochen, Muskeln, Gewebe; Gelb: Sinnesorgane, Hormonsystem; Orange: Gehirn, Herz, Lymphsystem; Blau: Atemorgane; Rot: Harnorgane; Braun: Verdauungstrakt.

[L190]

Um eine Zungendiagnose durchzuführen, muss auf Folgendes geachtet werden: Die Untersuchung ist bei natürlichem oder weißem Licht vorzunehmen, das Licht einer Glühbirne verfälscht die Ergebnisse. Der Patient darf 2 Std. zuvor keine Nahrung zu sich nehmen.

[F312]

Elektrische Ströme lassen sich an vielen Stellen des Körpers messen. Bedeutsam sind das EKG und in der Neurologie das EEG, das EMG und das ENG.

[A400]

Schematische Darstellung der Bildentstehung bei konventionellen Röntgenverfahren.

[L215]

Doppelkontrastaufnahme des Dickdarms. Dabei werden ein positives und ein negatives Kontrastmittel nacheinander eingesetzt. Durch den resultierenden dünnen Beschlag der Schleimhaut mit dem positiven Kontrastmittel stellen sich auch kleine pathologische Veränderungen gut dar, die bei einer Prallfüllung mit positivem Kontrastmittel oft übersehen werden. Diese Aufnahme zeigt einen Normalbefund. Deutlich ist die Haustrierung (durch Peristaltik gebildete Einbuchtungen) des Darms zu sehen.

[M419]

Schematische Darstellung der Arbeitsweise eines Computertomografen. Bei jeder Rotation der Röntgenröhre entsteht ein Schnittbild des Körpers. Nach Vorschieben des Tischs wird die jeweils nächste Körperschicht geröntgt. Die entsprechenden Bilder erscheinen auf einem Computermonitor und können dann auf Röntgenfilme übertragen und am Leuchtkasten betrachtet werden.

[L215]

Anfertigung eines Kernspintomogramms. Wie beim CT wird der Tisch, auf dem der Patient liegt, in das Gerät geschoben. Auf dem Monitor kann der Arzt die Bilder während der Untersuchung ansehen und bei Bedarf detailliertere Aufnahmen veranlassen.

[K183]

Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse.

[K183]

Die häufigsten Punktionen, Biopsien und Abstriche.

[L215]

Röntgenbild des Thorax von der Seite und von vorn p. a. In der Seitenansicht ist eine Trichterbrust sichtbar, ansonsten Normalbefund.

[M500, A400]

Zu einem „Sichtbarwerden“ des interstitiellen Lungengewebes kommt es bei Verdichtungen, z. B. im Rahmen einer Pneumonie. Auf diesem Bild ist eine Lobärpneumonie zu erkennen (rosa gefärbter Bezirk im verkleinerten Bild, p. a.-Aufnahme).

[T197]

Lobärpneumonie in der seitlichen Aufnahme (rosa gefärbter Bezirk in verkleinertem Bild).

[T197]

Röntgenaufnahme des Thorax bei chronischer Aorteninsuffizienz. Die linke Herzkammer ist vergrößert und somit im Bild verbreitert (rechter Pfeil). Der linke Vorhof ist nicht vergrößert, wodurch es zu der für die Aorteninsuffizienz typischen Einbuchtung im Bereich der Herztaille (linker Pfeil) kommt.

[M487]

Typisches Röntgenbild eines Patienten mit Perforation (Durchbruch) des Magens oder eines Darmabschnitts. Luft tritt aus dem Magen-Darm-Trakt in die Bauchhöhle aus, wandert nach oben und sammelt sich unterhalb der Zwerchfellkuppeln (Luftsicheln, Pfeile).

[E514]

Abdomen-Übersichtsaufnahme. Es handelt sich um einen Normalbefund, auf dem keine abnormen Luftansammlungen, Flüssigkeitsspiegel oder Kalkkonkremente (Steine, Gefäßverkalkungen) zu sehen sind.

[E514]

Röntgenaufnahmen eines Patienten mit mechanischem Dickdarmileus (Verschluss des Dickdarms). Die Dünndarmschlingen sind mit Luft gefüllt und massiv erweitert. Das geblähte Kolon zeigt zahlreiche Spiegel. Die Flüssigkeit im Darm wird nicht weitertransportiert, sammelt sich in den Darmschlingen und wird als Flüssigkeitsspiegel sichtbar.

[T170]

Halswirbelsäule a. p.

(1) Dens axis, (2) Unterkiefer (Mandibula), (3) Dornfortsätze, (4) Halswirbelkörper (Corpus vertebrae cervicalis VII), (5) Querfortsatz (Processus transversus), (6) 1. Rippe (Costa I), (7) Schlüsselbein (Clavicula), (8) Luftröhrenwand (Trachea).

[M419]

Halswirbelsäule seitlich.

(1) Atlas, (2) Wirbelkörper des Axis (Corpus axis), (3) oberer Gelenkfortsatz (Processus articularis superior), (4) unterer Gelenkfortsatz (Processus articularis inferior), (5) Querfortsatz (Processus transversus), (6) Dornfortsatz (Processus spinosus), (7) 7. Halswirbelkörper (Corpus vertebrae cervicalis VI), (8) Luftröhrenwand (Trachea).

[M419]

Brustwirbelsäule a. p. (links) und seitlich (rechts)

(1) Rippe (Costa), (2) 1. Rippe (Costa I), (3) Rand des Schulterblatts, (4) Schlüsselbein (Clavicula), (5) Luftröhrenwand (Trachea), (6) Zwischenwirbelloch (Foramen intervertebrale), (7) Querfortsatz, (8) Dornfortsatz, (9) 6. Brustwirbelkörper, (10) 10. Brustwirbelkörper, (11) Herzkontur, (12) Zwerchfell.

[M419]

Lendenwirbelsäule a. p. (links) und seitlich (rechts)

(1) Rippe (Costa), (2) Rippenfortsatz (Processus costalis), (3) 3. Lendenwirbelkörper (Corpus vertebrae lumbalis III), (4) 4. Lendenwirbelkörper (Corpus vertebrae lumbalis IV), (5) 5. Lendenwirbelkörper (Corpus vertebrae lumbalis V), (6) oberer Gelenkfortsatz (Processus articularis superior), (7) unterer Gelenkfortsatz (Processus articularis inferior), (8) Dornfortsatz, (9) Zwischenwirbelloch (Foramen intervertebrale), (10) Kreuzbein (Os sacrum), (11) Steißbein (Os coccygis), (12) Kreuzbein-Darmbein-Gelenk (Articulatio sacroiliaca)

[M419]

Röntgen-Befunde bei degenerativen LWS-Erkrankungen.

[L190]

Beckenübersicht a. p.

(1) 4. Lendenwirbelkörper (Vertebra lumbalis IV), (2) Darmbeinkamm (Crista iliaca), (3) vorderer oberer Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior), (4) Hüftpfanne (Acetabulum), (5) Hüftkopf (Caput femoris), (6) Oberschenkelbein (Femur), (7) Schambein (Os pubis), (8) Darmbein (Os ilium), (9) Symphyse (Symphysis pubica), (10) Sitzbein (Os ischii), (11) Blase (Vesica urinaria), (12) Gasblasen im Dickdarm.

[M419]

Mammografie ohne pathologischen Befund

(1) Mamille (Papilla mammaria), (2) fibröse Platte, (3) Vene.

[M419]

Mammografie seitlich, Normalbefund.

[M419]

Häufigkeitsverteilung des Mammakarzinoms in den Quadranten.

[L190]

Differenzialdiagnostische Überlegung. Zusammenhang zwischen Symptomkonstellation (Summe der Symptome S1–S3) und möglichen Krankheitsbildern K1–K3. Nur bei einem Krankheitsbild (K2) sind alle Symptome (S1–S3) vorhanden. Die Verdachtsdiagnose auf der Grundlage der Symptome S1–S3 lautet demnach. „Morbus Bechterew“. Sie muss durch weitere Untersuchungen bestätigt werden.

Tab. 3.1
Symptome K1:Osteoporose K2: Morbus Bechterew K3: Morbus Paget Beschwerdendes Patienten
S1: Kreuzschmerz x x x
S2: eingeschränkte Beweglichkeit x x
S3: pathologische
Veränderungen
x x x x

Die wichtigsten Palpationsstellen.

Tab. 3.2
Wo wird palpiert? Was wird palpiert? Worauf muss man achten? Siehe auch
Kopf Nervenaustrittspunkte Schmerz Abb. 3.9
Augapfel bei Verdacht auf erhöhten Augeninnendruck Härte 24.3.2
Tragus: bei V. a. Mittelohrentzündung Schmerz 24.3.2
Hals Lymphknoten Schmerz, Größe, Verschieblichkeit, Beschaffenheit Abb. 3.19b und c, 21.3.2
Schilddrüse Größe, Schmerz Abb. 3.10 bis Abb. 3.12, 19.3.2
Halsschlagader Pulsfrequenz, -qualität Abb. 3.31, 11.3.2
Thorax Atmung, Thoraxbeweglichkeit Seitengleichheit 3.5.7, 12.3.2
Stimmfremitus Qualität (Abschwächung) 12.3.2, Abb. 3.21
Herzspitzenstoß Lokalisation Abb. 3.28, Abb. 10.13
Mammae Knoten, Schmerz, Verhärtungen, Absonderungen 3.5.7, 17.5.2
Achsellymphknoten Schmerz, Größe, Verschieblichkeit, Beschaffenheit Abb. 3.19 e –h, 21.3.2
Abdomen vier Quadranten Druckschmerz, Resistenzen Abb. 3.41a und b, 13.3.2
Leber Größe, Grenzen, Konsistenz, Schmerz Abb. 3.40 a –c, 14.3.2
Gallenblase Schmerz 3.5.9, 14.3.2
Milz Tastbarkeit (nur bei extrem schlanken Patienten tastbar; meist vergrößert, wenn sie getastet werden kann) Abb. 3.41, 21.3.2
Nieren Lage, Größe 16.3.2
Leistenkanal Hernien 13.10
Leistenlymphknoten Schmerz, Größe, Verschieblichkeit, Beschaffenheit 3.5.6, 21.3.2
Analkanal Knoten, Tumoren 3.5.9, 13.3.2
Gefäße Puls Frequenz, Qualität Abb. 3.31 bis Abb. 3.35
Arme Tuberculum majus, Sulcus intertubercularis, Akromioklavikulargelenk Schmerzen 9.3.2
Ellenbogengelenk dorsal über Ulna Rheumaknötchen 9.3.2
Beine Kniegelenk Reiben, tanzende Patella Abb. 9.59
Payr-Zeichen Schmerzen Abb. 9.62
prätibial Ödeme 11.4.2
Unterschenkel im Seitenvergleich Temperatur 11.3.2
Wirbelsäule Dornfortsätze Schmerz, Verlauf 3.5.10, 9.3.2
paravertebrale Muskulatur Muskelhartspann 3.5.10, 9.3.2

Die wichtigsten Perkussionsstellen.

Tab. 3.3
Köperregion Osteoporose Morbus Bechterew Morbus Paget
Kopf Schädelkalotte Schmerz 3.5.5, 23.3.2
Warzenfortsatz (Mastoid) Schmerz 24.3.2
Nasennebenhöhlen Schmerz Abb. 3.13, Abb. 3.14
Thorax Lunge Grenzen, Qualität Abb. 3.22 bis Abb. 3.24, 12.3.2
Herz Grenzen 3.5.8, Abb. 10.14
Abdomen alle vier Quadranten Flüssigkeits-(Aszites), Gasansammlung (Meteorismus) Abb. 3.42, 13.3.2
Blase Füllungszustand Abb. 3.42
Leber Grenzen, Schmerz Abb. 3.43, 14.3.2
Milz Grenzen, Schmerz Abb. 3.44, 21.3.2
Nieren, Nierenlager Grenzen, Schmerz Abb. 3.45, 16.3.2
Wirbelsäule entlang der Dornfortsätze Schmerz Abb. 3.50, 9.3.2

Die wichtigsten Auskultationsstellen.

Tab. 3.4
Wo wird auskultiert? Was wird auskultiert? Worauf muss man achten? Siehe auch
Thorax Lunge Atemgeräuschqualität, pathologische Geräusche Abb. 3.25 bis Abb. 3.27, 12.3.2
Herz Herztöne, Geräusche, Rhythmus, Frequenz Abb. 3.29, Abb. 3.30, 10.3.2
Gefäße Gefäßgeräusch Länge (lang = pathologisch), Reibegeräusche (Stenose) Abb. 3.36, Abb. 3.37, 11.3.2
Abdomen vier Quadranten Darmgeräusche Abb. 3.46, 13.3.2
Aorta abdominalis Strömungsgeräusch Abb. 3.47
Leber (Kratzauskultation) Grenzen Abb. 3.49, 14.3.2

Die wichtigsten Funktionsprüfungen und Tests, die mit einfachen Mitteln in der Praxis durchgeführt werden können.Zohlen-ZeichenWeber-VersuchTrendelenburg-VersuchSteinmann-Zeichen I/IISchubladenphänomenSchober-ZeichenSchirmer-TestSchellong-TestRinne-VersuchPyramidenbahnzeichenPerthes-TestPeak-flow-Meter-TestOtt-ZeichenMilgram-TestMcBurney-PunktLoslassschmerzLasègue-TestLanz-PunktLagerungsprobe nach RatschowKnie-Hacken-VersuchKleinspirometer-TestKernig-TestHirnnerventestGehtestFinger-Nase-VersuchFaustschlussprobeCourvoisier-ZeichenBrudzinski-ZeichenBöhler-ZeichenBlumberg-ZeichenApley-ZeichenAllen-Test

Tab. 3.5
Organ Untersuchung Aussage Siehe auch
Tränendrüsen Schirmer-Test Menge der Tränenproduktion 24.3.2
Augen Pupillenreaktion auf Licht direkter und indirekter Lichtreflex Tab. 23.13, 3.5.5
Lesen von Leseprobetafeln Sehschärfe 24.3.4
Blickbewegungen Motilität 24.3.2
Ohren Flüstersprache Hörvermögen 24.3.4
Weber-/Rinne-Versuch Vergleich Knochen- und Luftleitung Abb. 24.17, Abb. 24.18
Herz EKG Rhythmus, Lagetyp, Hypertrophie, Infarkt 10.3.4
Kreislaufsystem Lagerungsprobe nach Ratschow, Gehtest Durchblutung der Beine 11.3.2
Perthes-Test Durchgängigkeit der tiefen Beinvenen Funktion der Venenklappen 11.3.2
Trendelenburg-Versuch Funktion der Klappen an Beinvenen Abb. 11.15
Schellong-Test Blutdruckregulation Abb. 11.15
Allen-Test, Faustschlussprobe Durchblutung der Hände 11.3.2
Lunge Kleinspirometer-Test Messung der Vitalkapazität 12.3.3
Peak-Flow-Meter-Test Höchstwert des Ausatmungsstroms bei forcierter Ausatmung Abb. 12.20
Appendix McBurney-Punkt, Lanz-Punkt Druckschmerz bei Appendizitis Abb. 13.19
Blumberg-Zeichen Erschütterungs-/Loslassschmerz bei Appendizitis Abb. 13.19, 13.8.4
Abdomen Abwehrspannung v. a. Peritonitis, Entzündung von Bauchorganen 13.3.2
Loslassschmerz Peritonitis, evtl. Appendizitis 13.3.2
Courvoisier-Zeichen Vergrößerung der Gallenblase 14.3.2
Kniegelenk Steinmann-Zeichen I/II, Böhler-Zeichen Meniskusschaden Abb. 9.62, 9.3.2
Zohlen-Zeichen Erkrankung des Kniegelenks 9.3.2
Apley-Zeichen Schaden des Kapsel-Band-Apparats bzw. des Meniskus Abb. 9.61
Schubladenphänomen Bänderschaden Abb. 9.60
tanzende Patella Kniegelenkerguss Abb. 9.59
Wirbelsäule Schober-Zeichen, Ott-Zeichen Beweglichkeit der Wirbelsäule Abb. 9.57
Milgram-Test Lokalisation diffuser Rückenschmerzen 9.3.2
Nervensystem Finger-Nase-Versuch, Knie-Hacken-Versuch Ataxie 23.3.2
Schraubbewegung Unterarm Dysdiadochokinese 23.3.2
Lasègue-Test, Kernig-Test, Brudzinski-Zeichen, Prüfung der Nackensteife schmerzhafte Dehnung von Rückenmark, Meningen, Nervenwurzeln Abb. 23.37, 23.3.2
Hirnnerventests Funktion der 12 Hirnnerven Tab. 23.2
Pyramidenbahnzeichen Funktion der Pyramidenbahn 23.3.2
Prüfung der Feinmotorik Beweglichkeit der Hände, Füße, Beine 23.3.2
Sensibilitätsprüfungen Kontrolle der Körperempfindungen 23.3.2

Zungenbeläge und ihre hinweisdiagnostische Bedeutung (westliche Zungendiagnose).

Tab. 3.6
Farbe der Zungenbeläge Hinweis auf
weiß Magenschleimhautreizung
mittig weiß Störung der Säureverhältnisse im Verdauungstrakt
Ränder rot, vorne rot Darmstörungen (selten auch leicht bräunlich)
gelb Leberbeteiligung; gesamter Zungenkörper gelb bei Störungen der Darmmuskulatur, bei Darmkoliken oft vorne frei; Darmträgheit insbesondere bei gleichzeitigen Rissen
braun bis gelb, dick Störungen der Leber, Gallenblase und Gallenwege, evtl. Pfortaderstau
grünlich Störungen der Gallenblase, Gallengänge
schwarz bedenkliches Zeichen, v. a. Hinweis auf massive Abwehrschwäche; aber auch harmloses Zeichen (schwarze Haarzunge) durch Medikamente und v. a. bei männlichen Rauchern

Übersicht über die wichtigsten endoskopischen Untersuchungen.

Tab. 3.7
Untersuchung Indikation (Bsp.)
Bronchoskopie
(Spiegelung der Bronchien)
Bronchialkarzinom (12.9.2), Sekretgewinnung
Mediastinoskopie
(Spiegelung des Mediastinums)
Mediastinaltumoren (Tumoren im Mediastinum), Hilumlymphknotenveränderungen
Gastroskopie
(Magenspiegelung), ERCP (Endoskopisch-retrograde Cholangiopankreatikografie)
Cholestase (Gallestauung),Magengeschwür (13.7.3), -karzinom (13.7.4)
Rektoskopie
(Spiegelung des Mastdarms)
Rektumtumoren (13.8.8)
Koloskopie
(Dickdarmspiegelung)
Kolontumoren (13.8.8), unklare Beschwerden, Blutungen
Laparoskopie
(Bauchhöhlenspiegelung)
Leber- und Gallenerkrankungen, gynäkologische Erkrankungen
Zystoskopie
(Blasenspiegelung)
Blasentumoren (16.7.1)
Arthroskopie
(Gelenkspiegelung)
unklare Gelenkbeschwerden

Wichtige röntgenologische Grundbegriffe.Verschattung (Röntgenbild)Röntgenaufnahme/-verfahren:p.a.-AufnahmeRöntgenaufnahme/-verfahren:a.p.-Aufnahmep.a.-Aufnahme, RöntgenAufhellung (Röntgenbild)a.p.-Aufnahme, Röntgen

Tab. 3.8
Grundbegriff Bedeutung
a. p.-Aufnahme anterior-posteriore Aufnahme mit Strahlengang von vorne nach hinten
p. a.-Aufnahme posterior-anteriore Aufnahme mit Strahlengang von hinten nach vorne (z. B. Standardaufnahme des Thorax)
Aufnahme in2 Ebenen meist a. p.- oder p. a.-Aufnahme plus seitliche Aufnahme (seitliche Aufnahme mit Strahlengang von links- oder rechtsseitlich)
Verschattung/Verdichtung vermindert strahlendurchlässiger Bezirk, der sich auf dem Filmpositiv oder Leuchtschirm relativ dunkel als „Schatten“ darstellt und damit auf dem Filmnegativ (das ist das Röntgenbild, das der Patient mitbringt und das Sie sehen) relativ hell ist. Dieser Begriff wirkt irreführend: Verschattungen (im ärztlichen Befundbericht) sind helle Bezirke!
Aufhellung vermehrt durchlässiger Bezirk, erscheint auf dem Leuchtschirm relativ hell, aber im Negativfilm dunkel. „Aufhellungen“ sind dunkle Bezirke!
röntgennegativ keine Kontur/Schatten im Röntgenbild zeigend (z. B. nicht kalkhaltige Nierensteine)
röntgenpositiv im Röntgenbild einen Kontrastschatten gebend, z. B. kalkhaltige Gallensteine
Rundherd rundlicher, gut abgrenzbarer, gleichmäßiger Lungenschatten, z. B. bei Zyste, Tuberkulose oder Tumor

Anamnese, körperliche und apparative Untersuchungen

  • 3.1

    Weg zur Diagnose91

  • 3.2

    Rahmenbedingungen für Anamnese und Untersuchung93

  • 3.3

    Anamneseerhebung93

  • 3.4

    Untersuchungstechniken95

    • 3.4.1

      Inspektion95

    • 3.4.2

      Palpation95

    • 3.4.3

      Perkussion96

    • 3.4.4

      Auskultation97

    • 3.4.5

      Funktionsprüfungen und Tests97

  • 3.5

    Stufenschema zur körperlichen Untersuchung98

    • 3.5.1

      Wichtige Allgemeinbefunde und Gesamteindruck98

    • 3.5.2

      Allgemeine Inspektion99

    • 3.5.3

      Pulsmessung99

    • 3.5.4

      Blutdruckmessung nach Riva Rocci99

    • 3.5.5

      Untersuchung von Kopf und Hals99

    • 3.5.6

      Palpation der Lymphknoten102

    • 3.5.7

      Untersuchung von Thorax und Lunge103

    • 3.5.8

      Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems106

    • 3.5.9

      Untersuchung des Abdomens108

    • 3.5.10

      Untersuchung der Extremitäten und der Wirbelsäule114

    • 3.5.11

      Untersuchung des Nervensystems115

  • 3.6

    Untersuchung bei speziellen Altersgruppen117

    • 3.6.1

      Anamnese bei Säuglingen und Kindern117

    • 3.6.2

      Untersuchung von Säuglingen und Kindern118

    • 3.6.3

      Untersuchung alter und bettlägeriger Patienten119

  • 3.7

    Diagnostische Verfahren in der Naturheilkunde119

    • 3.7.1

      Antlitzdiagnose119

    • 3.7.2

      Bioresonanz-Diagnostik120

    • 3.7.3

      Elektroakupunktur120

    • 3.7.4

      Iridologie120

    • 3.7.5

      Kinesiologische Testverfahren123

    • 3.7.6

      Pulsdiagnose123

    • 3.7.7

      Segment- und Reflexzonendiagnose124

    • 3.7.8

      Zungendiagnose125

  • 3.8

    Diagnostische Verfahren in der Schulmedizin126

    • 3.8.1

      Funktionsdiagnostik126

    • 3.8.2

      Bildgebende Diagnoseverfahren127

    • 3.8.3

      Endoskopische Untersuchungen131

    • 3.8.4

      Punktionen und Biopsien131

    • 3.8.5

      Laparotomie und andere offene Operationen131

  • 3.9

    Auswertung von Röntgenbildern131

    • 3.9.1

      Prinzipien131

    • 3.9.2

      Häufig durchgeführte Röntgenaufnahmen131

Weg zur Diagnose

Diagnose/Diagnostik

Diagnose (griech. Diagnosis = Entscheidung, unterscheidende Beurteilung, Erkenntnis): das Erkennen einer Krankheit sowie das Benennen der Erkrankung innerhalb eines Systems von Krankheitsnamen (Nosologie).

Verdachtsdiagnose („Arbeitsdiagnose“): vorläufige Diagnose, die gestellt wird, noch ehe alle Befunde erhoben sind, und die als Arbeitsgrundlage dient.

VerdachtsdiagnoseNosologieDer Patient sucht den Heilpraktiker oder Arzt Arbeitsdiagnosewegen seiner Beschwerden auf und erwartet von ihm eine Antwort auf die Frage: „Was fehlt mir?“ Zugleich steht hinter dieser Frage auch stets die Aufforderung: „Helfen Sie mir!“ Die Diagnose beantwortet die Frage, die Therapie erfüllt die Aufforderung.
Diagnoseprozess
Die Diagnose ist also Diagnose/Diagnostik:Diagnoseprozessentscheidende Voraussetzung, um dem Patienten helfen zu können. Ehe sie jedoch gestellt werden kann, bedarf es des Diagnoseprozesses (Abb. 3.1), der auch als Informationsprozess gesehen werden kann und folgende Schritte umfasst:
  • Anamnese, körperliche Untersuchung: Diese Informationen führen zur Verdachtsdiagnose.

  • Invasive und – falls erforderlich – nichtinvasive Diagnostik führen dann zur endgültigen Untersuchung.

Die grobe Richtung auf dem Weg zur Diagnose weisen die akuten Beschwerden des Patienten. Es gilt, sich an ihnen zu orientieren und nach zusätzlichen Wegweisern zu suchen. Erster Schritt hierbei sind gezielte Fragen an den Patienten, um seine Beschwerden zu konkretisieren und einzugrenzen sowie sich ein Bild über den gesamten Menschen zu machen. Dazu gehören Informationen über frühere Erkrankungen, Erkrankungen in der Familie oder auch über sein soziales Umfeld: Man erhebt die Krankengeschichte oder Anamnese.
Der nächste Fixpunkt ist die körperliche AnamneseUntersuchung, bei der man sich einen Überblick über die aktuelle Funktion aller wichtigen Organsysteme verschafft. Man spricht auch davon, den Status zu erheben, d. h. den „aktuellen Stand“. In manchen Fällen Statusgenügt eine symptomorientierte Untersuchung (z. B. die Untersuchung nur eines Organs). In einer Notfallsituation beschränkt sich die Untersuchung zunächst auf die Vitalzeichen (Bewusstseinslage, Atmung, Puls, Blutdruck), um erst nach Stabilisierung der Körperfunktionen nach der Ursache zu suchen.
Die körperlichen Befunde müssen mit den anamnestischen zusammen betrachtet und bewertet werden. Manchmal sind die Beschwerden des Patienten und die Befunde der körperlichen Untersuchung so typisch, dass sofort eine Diagnose gestellt werden kann. Dies ist z. B. bei einigen „klassischen“ Infektionskrankheiten wie etwa den Windpocken der Fall. In den meisten Fällen lässt sich zu diesem Zeitpunkt zumindest bereits eine Verdachtsdiagnose stellen.
Anamnese und körperliche Untersuchung sind folglich die entscheidenden Meilensteine auf dem Weg zur Diagnose. Sie ermöglichen es, mit einfachsten Mitteln diagnostisch unverzichtbare Informationen zusammenzutragen. Eine gute und aussagekräftige Anamnese und körperliche Untersuchung vorzunehmen ist eine Kunst, die viel Übung und Geschick erfordert. Die Fähigkeit, entscheidende von unwichtigen Informationen zu trennen und die relevanten Befunde ggf. durch weitere Maßnahmen wie z. B. Laboruntersuchungen zu untermauern, wächst mit der Erfahrung und erfordert einen nie endenden Lernprozess.
Die Befunde aus Anamnese und körperlicher Untersuchung können weitere, invasive („in den Körper eindringende“, z. B. Magenspiegelung) und nichtinvasive („nicht“eindringende, z. B. Ultraschall) Maßnahmen erforderlich machen. Sei es, um die gezogenen Schlussfolgerungen zu untermauern oder auch um therapeutische Maßnahmen vorzubereiten. So kann es sein, dass Beschwerdebild, Anamnese und Untersuchungsbefund eines Patienten eindeutig auf einen Herzinfarkt schließen lassen und auf dieser Grundlage bereits die lebensrettenden Sofortmaßnahmen eingeleitet werden können – aber erst die Laboruntersuchungen im Krankenhaus bestätigen die Verdachtsdiagnose, und die von einem Arzt vorgenommene Herzkatheteruntersuchung zeigt die Ursache des Herzinfarkts, z. B. einen Verschluss der rechten Herzkranzarterie.
Je nachdem welches naturheilkundliche Diagnose- und Therapieverfahren zusätzlich angewendet wird, sind beispielsweise auch konstitutionsspezifische Hinweise aus der Iridologie (3.7.4), Inspektionsbefunde der Reflexzonen (3.7.7) oder pathophysiognomische Hinweise (3.7.1) in den Diagnoseprozess einzubeziehen.
Symptome und Syndrome
Charakteristisch für jedes Krankheitsbild sind seine Krankheitszeichen, die Symptome. SymptomSie kommen bei jeder Krankheit in bestimmter SyndromKombination vor. Dazu gehören die vom Patienten geschilderten Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen) und die Befunde, die Sie bei der körperlichen Untersuchung feststellen (z. B. Gelbfärbung der Haut).
Unter einem Syndrom wird eine Gruppe von Krankheitszeichen (Symptomkomplex) zusammengefasst, die für ein bestimmtes SymptomkomplexKrankheitsbild charakteristisch und oftmals durch unterschiedliche Ursachen bedingt sein kann.
Beispiel: Das nephrotische Syndrom (16.5.4) ist durch einen massiven Eiweißverlust über die Nieren und Wassereinlagerungen im Gewebe charakterisiert, entsteht aber durch verschiedene Grunderkrankungen, wie z. B. Entzündung der Nierenkörperchen, Diabetes mellitus oder Malaria.
Differenzialdiagnose
Um eine Krankheit Diagnose/Diagnostik:Differenzialdiagnoserichtig zu erkennen, müssen Sie Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen und körperlichen Untersuchungsbefunden abgrenzen und durch entsprechende diagnostische Maßnahmen ausschließen. Die anderen auch infrage kommenden Diagnosen werden als Differenzialdiagnosen (Abb. 3.1, Tab. 3.1) bezeichnet.
Beispielsweise müssen Sie bei DifferenzialdiagnoseSchmerzen im linken Brustkorb oder hinter dem Brustbein nicht nur an einen möglichen Herzinfarkt denken, sondern auch andere Herzerkrankungen sowie Lungenerkrankungen (z. B. Lungenembolie, Pneumothorax), Erkrankungen des Bauchraums (z. B. Entzündung der Speiseröhre, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür) oder Wirbelsäulenerkrankungen als mögliche Diagnosen in Ihre differenzialdiagnostischen Überlegungen einschließen.
Situationsangepasstes Vorgehen
Für die Durchführung der Anamnese und der körperlichen Untersuchung gibt es keine „Universalmethode“; sie müssen immer der jeweiligen Situation angepasst sein. Einige Beispiele:
Besucht der Patient die Praxis zum ersten Mal, erfolgen eine ausführliche Erstanamnese und gründliche Erstuntersuchung (3.5). Alle Daten werden Untersuchung:Erstuntersuchunggesammelt und dokumentiert.
  • Begleiten Sie den Patienten schon längere Zeit, erübrigen sich viele Anamnesefragen. Durch das routinierte Miteinander besteht jedoch immer die Gefahr, dass Veränderungen seines Gesundheitszustands „übersehen“ werden.

  • Liegt ein lokales Geschehen vor (z. B. juckende Bläschen in einem Rückensegment), ist es ratsam, einen Patienten, den man bereits kennt, relativ rasch gezielt zu untersuchen (z. B. Inspektion des Rückens) und anhand des lokalen Befunds zielgerichtete Fragen zu stellen und spezielle Diagnosemethoden durchzuführen.

  • Bestehen akute Beschwerden bei einem bekannten Patienten, werden nach der eher zielgerichteten Anamnese zuerst die in diesem Fall relevanten klinischen Untersuchungen durchgeführt, die geeigneter sind, ein bedrohliches Krankheitsgeschehen schneller zu erfassen. Erst danach sind die naturheilkundlichen Diagnosemethoden anzuwenden.

  • Bei einem chronischen Geschehen – besonders bei Patienten, die kürzlich bereits von schulmedizinischer Seite untersucht wurden – haben die naturheilkundlichen Untersuchungsmethoden einen großen Stellenwert, da sie Hinweise auf Prozesse geben können, die klinisch oder labortechnisch (noch) nicht nachweisbar sind.

  • In vielen Fällen sind zur Bestätigung der Verdachtsdiagnose Laboruntersuchungen notwendig, v. a. Urin-, Blut- oder Stuhluntersuchungen. Diese können Sie z. T. selbst durchführen und oft von einem Labor durchführen lassen, oder Sie überweisen hierfür Ihren Patienten zum Arzt.

  • In einer Notfallsituation werden zuerst die Vitalfunktionen überprüft und gesichert. Bis zum Eintreffen des Notarztes können durch Anamnese und klinische Untersuchungsmethoden weitere Informationen über die Krankheitsursache gesammelt werden.

Tipp

Denken Sie immer daran, dass viele Erkrankungen nur durch schulmedizinische Untersuchungsmethoden zuverlässig zu diagnostizieren sind, und überweisen Sie in diesen Fällen Ihren Patienten rechtzeitig zu einem (Fach-)Arzt.

Rahmenbedingungen für Anamnese und Untersuchung

Wichtig für den Verlauf von Anamnese und Untersuchung sind geeignete äußerliche Rahmenbedingungen. Sorgen Sie für eine ungestörte Untersuchung:RahmenbedingungenSituation. Dazu gehören z. B.
  • angenehme und warme Räumlichkeiten

  • ruhige, nicht hektische Atmosphäre (z. B. keine Telefonate)

  • bequemer Platz bei der Gesprächsführung

  • ausreichend Zeit

  • Sichtschutz für den entkleideten Patienten

Der Erfolg einer Anamnese und einer körperlichen Untersuchung ist weitgehend von Ihrem Verhalten und Eingehen auf den Patienten abhängig. Versuchen Sie, einen „guten Draht“ zum Patienten herzustellen, indem Sie aktiv zuhören, offen sind, wertneutral beobachten (und nicht den Patienten beurteilen!).
Beachten Sie auch Kleinigkeiten im zwischenmenschlichen Umgang, die dem Patienten das Gefühl geben, wahr- und ernst genommen zu werden: Vergessen Sie nicht, sich vorzustellen und den Patienten mit einem Händedruck zu begrüßen. Auch ein freundliches Lächeln wird den Patienten ermutigen, sich zu öffnen. Das Gespräch mit dem Patienten gestaltet sich einfacher, wenn Sie sich um eine klare Sprache bemühen, d. h. keine unbekannten Fachwörter verwenden, und gezielte Fragen stellen. Schaffen Sie Vertrauen, indem Sie auf geäußerte Sorgen und Beschwerden eingehen und den Patienten in Ruhe ausreden lassen. Lassen Sie ihn wissen, dass Sie seine Probleme ernst nehmen (z. B. „Wie bewältigen Sie mit Ihrer Einschränkung Ihren Alltag?“). Berücksichtigen Sie, dass sich der Patient evtl. in der „schwächeren Position“ fühlt: Er ist aufgefordert, auch über Sachverhalte zu sprechen, die ihm evtl. peinlich oder unangenehm sein könnten. Begegnen Sie ihm mit dem nötigen Taktgefühl. Registrieren Sie neben den verbalen auch nonverbale Äußerungen des Patienten wie die Körpersprache: z. B. Abwenden, Änderung der Sitzposition, Niederschlagen der Augen. Pflegen Sie Ihre persönlichen Eigenschaften, die dem Patienten zeigen, dass er sich Ihnen anvertrauen kann: Verständnis, teilnehmende Zuwendung, Einfühlung, Toleranz und ein taktvoll bescheidenes Verhalten.

Anamneseerhebung

Anamnese (griech. anamnesis = Erinnerung): Vor-/Krankengeschichte des Patienten. Sie ist ein wichtiger Schlüssel zur Diagnose!

Wann immer möglich, sollte die Anamnese als AnamneseEigenanamnese (Abb. 3.2Anamnese:Eigenanamnese) erhoben werden, im Eigenanamneseüblichen Praxisalltag ist sie ohnehin die Regel. Dabei schildert der Patient selbst seine Beschwerden und antwortet auf die Fragen des Untersuchers aus seiner Erinnerung heraus. Bei der Fremdanamnese (FremdanamneseAbb. 3.2) werden die Auskünfte über den Anamnese:FremdanamnesePatienten und den Krankheitsverlauf von Dritten (z. B. Eltern, Lebenspartner, Augenzeugen) gegeben.

Merke

Achten Sie bei der Erhebung einer Fremdanamnese darauf, dass Sie die Schweigepflicht (2.3.6) wahren.

Inhalt der (Erst-)Anamnese
Schmerzanamnese 23.16.4
Anamnese bei Verdacht auf psychische Erkrankungen 26.3.1
Sexualanamnese 26.9.4
Die Anamnese beginnt nach der Erhebung identifizierender Daten (Name, Vorname, Geburtsdatum, Adresse, Telefonnummer; 1.3.3 Dokumentation) i. d. R. mit den aktuellen Beschwerden.
Dabei erfragen Sie gezielt:
  • Anamnese:aktuelle BeschwerdenLokalisation, Art und Stärke der Beschwerden: Bauchschmerzen etwa können scharf begrenzt oder im ganzen Bauch auftreten, dumpfen oder reißenden Charakter haben, gerade eben spürbar oder vernichtend sein.

  • Zeitliche Entwicklung der Beschwerden: Wann haben sie begonnen, sind sie plötzlich oder langsam entstanden, sind sie ständig da oder zwischendurch immer mal wieder weg?

  • Auslösende, verstärkende oder lindernde Faktoren der Beschwerden: Werden z. B. Rückenschmerzen durch bestimmte Bewegungen ausgelöst oder verstärken sie sich bei Husten oder Niesen?

  • Begleiterscheinungen der Beschwerden: Patienten mit „Schwindelanfällen“ fragen Sie z. B., ob sie gleichzeitig unter Übelkeit und Erbrechen leiden.

  • Bisherige Behandlungsmaßnahmen.

Tipp

Präzisierende Fragen sind: Wo? Wie? Wie lange? Wobei?

Fragen Sie stets auch nach Größe und Gewicht des Patienten. Hinsichtlich des Gewichts sind speziell Gewichtsschwankungen von Bedeutung (wie viel, in welchem Zeitraum, gewollt oder ungewollt). So führen z. B. bösartige Erkrankungen oft zu einer Gewichtsabnahme, obwohl der Patient normal isst. Eine Gewichtszunahme trotz unveränderter Nahrungsmenge kann z. B. auf Ödeme hinweisen.
Als Nächstes fragen Sie nach den wichtigsten Körperfunktionen. Viele Veränderungen der Körperfunktionen werden vom Patienten nicht bemerkt, daher müssen sie gezielt erfragt werden. Dazu gehören: Appetit, Durst, Stuhlgang, Wasserlassen, Übelkeit und Erbrechen, Schwitzen (Nachtschweiß), Fieber, Leistungsknick, Schlafstörungen.

Tipp

Patienten mit chronischen Entzündungen klagen häufig über hartnäckigen Nachtschweiß.

Wichtige Hinweise liefern Fragen nach den Ernährungs- und Trinkgewohnheiten sowie nach dem Alkohol- und Tabakkonsum des Patienten. Berücksichtigen Sie, dass diese Angaben oft „geschönt“ werden. Unbedingt ist die aktuelle Medikation des Patienten zu notieren und nach früheren Allergien zu fragen.
Bei Anamnese:Medikamentevielen Beschwerden (z. B. unklare Fieberschübe) ist auch die Frage nach Aufenthalten im Ausland von Bedeutung, um in Deutschland seltene Infektionskrankheiten nicht zu übersehen.
Bei Patientinnen, die älter als 12 Jahre sind, folgt eine gynäkologische Anamnese: erste Regel, Zyklus-, Anamnese:gynäkologischeMenstruationsdauer, letzte Regel, Menopause, Schwangerschaften, Geburten und Aborte.
Wichtig ist auch, dass Sie sich ein genaues Bild über Vor- und Begleiterkrankungen des Patienten machen. Sinnvoller als sich nach vorausgegangenen ernsthaften Erkrankungen zu erkundigen, ist meist die Frage nach früheren Operationen und Krankenhausaufenthalten, da sich der Patient an diese i. d. R. erinnert. Hilfreich kann es auch sein, wenn Sie die einzelnen Organsysteme (einschließlich der häufigsten Erkrankungen) nacheinander abfragen und ermitteln, ob bestimmte Beschwerden im jeweiligen Bereich vorlagen.
Die soziale Anamnese ist nicht nur bei Anamnese:sozialepsychisch (mit-)bedingten Erkrankungen wichtig. Sie Sozialanamnesevervollständigt Ihr Bild des Patienten und kann wichtige Anhaltspunkte für die Diagnosestellung liefern. Gefragt wird nach den nächsten Angehörigen oder anderen Bezugspersonen sowie nach den Wohnverhältnissen. Informationen über den Beruf des Patienten können u. a. Hinweise auf berufsbedingte Erkrankungen geben (z. B. Krampfadern bei Verkäuferinnen).
Auch die Hobbys des Patienten können mitunter wertvolle Hinweise liefern, z. B. besteht bei einem Tennisspieler, der über Schmerzen im Ellenbogen klagt, der Verdacht auf einen Tennisellenbogen, bei einem Taubenzüchter mit Husten der Verdacht auf eine Ornithose.
Da viele Erkrankungen erblich mitbedingt sind, ist meist auch eine Familienanamnese erforderlich. FamilienanamneseFragen Sie insbesondere nach Herz-Kreislauf-Anamnese:FamilienanamneseErkrankungen, bösartigen Erkrankungen, Diabetes mellitus und psychischen Erkrankungen in der Verwandtschaft des Patienten.
Ebenfalls von Interesse sind aus naturheilkundlicher Sicht z. B. die durchgemachten Kinderkrankheiten, die durchgeführten Impfungen, das Material des Zahnersatzes (mögliche Amalgambelastung?) und der Zustand der Zähne (eiternde oder wurzeltote Zähne?).

Tipp

Bei einem Notfall beschränken Sie sich auf die aktuelle Anamnese und evtl. noch Vor- und Begleiterkrankungen (beispielsweise zu hoher Blutdruck).

Gesprächsführung
  • Lassen Sie den Gesprächsführung/-gestaltung:AnamnesePatienten zuerst möglichst frei Anamnese:Gesprächsführungberichten. Stellen Sie dazu offene Fragen, die den Patienten in seinen Antwortmöglichkeiten nicht einschränken.

  • Stellen Sie Fragen, die den Patienten zum Erzählen ermutigen, z. B.: „Wie haben die Beschwerden angefangen? Wie ging es dann weiter?“ (möglichst in chronologischer Reihenfolge).

  • Präzisieren Sie den Patientenbericht, indem Sie z. B.

    • Generalisierungen hinterfragen: „Immer habe ich Kopfschmerzen.“ Präzisierende Zwischenfrage stellen: „Wirklich immer?“

    • sich allgemeine (v. a. populärmedizinische) Begriffe erklären lassen. Jeder versteht etwas anderes unter den Begriffen. „Vor drei Monaten hatte ich einen Nervenzusammenbruch.“ Mögliche Rückfragen: „Wie äußerte sich der Nervenzusammenbruch? Welche Beschwerden hatten Sie dabei? Was meinen Sie mit Nervenzusammenbruch?“

Begründen Sie Unterbrechungen des Redeflusses des Patienten, z. B. „Um mir ein besseres Bild zu machen …“ oder „Habe ich Sie richtig verstanden, dass …“
  • Vermeiden Sie Suggestivfragen, z. B. „Dabei strahlte der Schmerz doch auch in die Arme aus, oder?“

  • Stellen Sie keine Fragen, die dem Patienten das Gefühl geben, sich rechtfertigen zu müssen. Dies sind oft Fragen, die mit warum, weshalb, wieso beginnen. Zum Beispiel statt „Warum sind Sie so nervös?“ besser „Wie kommt es, dass Sie nervös sind?“

  • Stellen Sie immer nur eine Frage, und lassen Sie dem Patienten ausreichend Zeit zur Beantwortung.

  • Zum Abschluss des Gesprächs – also nach einer gewissen „Aufwärmphase“ – sollte eine Frage gestellt werden, die dem Patienten ermöglicht, Sorgen oder Wünsche mitzuteilen, die er bislang nicht zu äußern wagte, z. B. „Gibt es noch etwas, worüber Sie mit mir sprechen möchten?“

Untersuchungstechniken

Untersuchung von Nase und Ohren 24.3.2
Untersuchung des Untersuchung:TechnikenNervensystems 23.3.2

Inspektion

Inspektion (lat. inspectio = Durchsicht): Betrachten des Patienten; bezieht sich auf alles Sichtbare am Patienten (z. B. Haut, Körperform, Behaarung, Muskulatur, Verhalten).

Achten Sie dabei auf Form, Größe, Farbe und pathologische Abweichungen von der Norm.

Die Betrachtung und Inspektion:GrundlagenBeobachtung des Patienten beginnt bereits bei der Begrüßung: Schon sein Händedruck und die Art seines Auftretens enthalten erste Informationen. Mit der Inspektion verschaffen Sie sich einen vorläufigen Gesamteindruck.
Wichtig für die Inspektion sind optimale Lichtverhältnisse, die die Farben unverfälscht wiedergeben, da z. B. eine leichte Gelbfärbung der Haut oder Skleren bei gelbhaltigem Neonlicht übersehen werden kann.
Beurteilt werden:
  • Allgemein- und Ernährungszustand: z. B. Über-, Untergewicht, Auszehrung, Fettverteilungstyp (15.3.2)

  • Körperhaltung: z. B. Schonhaltung bei Schmerzen, durch Krankheit veränderte Haltung

  • Bewegungsablauf, Koordination, Gangbild

  • Mimik

  • Haut, Schleimhäute, Skleren

  • Haare, Nägel

  • Mundhöhle, Rachen: z. B. Beläge

  • Muskulatur: z. B. Atrophien (9.4.5)

  • Form von Brustkorb (z. B. Trichterbrust), Brüsten (z. B. Einziehungen) und Bauchraum (z. B. Aszites)

  • Wirbelsäule, Extremitäten (z. B. Beinumfangsdifferenz, Gelenkdeformierungen)

Palpation

Palpation (lat. palpare = tasten): Abtasten oder Befühlen des Patienten; erlaubt die Beurteilung von Größe, Form, Lage, Konsistenz, Beweglichkeit, Druckschmerz, Oberflächenbeschaffenheit und Temperatur der untersuchten Organe oder Strukturen.

Bei der Palpation wird mit einem oder Palpation:Grundlagenmehreren Fingern einer oder beider Hände die Körperoberfläche (Tab. 3.2) abgetastet oder befühlt. Es muss gefühlvoll und mit warmen Händen palpiert werden, ferner schonend, um keine unnötigen Schmerzen zu verursachen.

Tipp

Achten Sie bei der Palpation auf warme Hände!

Der Tastsinn ist besonders ausgeprägt in den Fingerspitzen und Fingerbeeren, für den Temperatursinn ist der Handrücken, für den Vibrationssinn die distale (rumpfferne) Handinnenfläche besser geeignet. Je nach untersuchter Struktur wird unterschiedlich palpiert: nur oberflächlich oder in die Tiefe mit entsprechendem Druck, mit einem oder mehreren Fingern, einer Hand oder beiden Händen.

Perkussion

Perkussion (lat. percussio = das Schlagen, Klopfen): Beklopfen der Körperoberfläche des Patienten; ermöglicht durch den unterschiedlichen Schall Rückschlüsse auf die Dichte der darunterliegenden Gewebe oder Organe (Tab. 3.3). Im Wesentlichen wird der Charakter des Klopfschalls beeinflusst durch die Schwingungsfähigkeit des beklopften Körperbereichs und die Dämpfung der Perkussionsschwingungen durch luftfreies Gewebe oder Flüssigkeit.

Die Perkussion kann direkt oder Perkussion:Grundlagenindirekt durchgeführt werden. Die Schläge sollen locker aus dem Handgelenk kommen.
  • Die direkte Perkussion geschieht direkt auf die Haut mit den Fingern (z. B. Nasennebenhöhlen), der Handkante (z. B. Nierenlager) oder der ganzen zur Faust geballten Hand (z. B. Wirbelsäule).

  • Die indirekte Methode wird in Form der Finger-Finger-Perkussion durchgeführt. Dabei wird vom linken Zeige- oder Mittelfinger das Fingerendglied oder der gesamte Finger auf das zu perkutierende Gewebe gelegt. Der gebeugte Zeige- oder Mittelfinger der rechten Hand dient als Perkussionshammer. Die Perkussion erfolgt locker aus dem Handgelenk mit kurzem, schnell zurückfedernden Schlag (Abb. 3.3).

Tipp

Die Perkussionstechnik zu erlernen braucht Geduld. Üben Sie daher oft an sich selbst oder anderen, um ein Ohr für die unterschiedlichen Klänge zu bekommen. Denken Sie auch daran, dass Gegenstände zum Üben beklopft werden können!

Die Perkussion wird insbesondere im Bereich von Brust und Bauch eingesetzt, um z. B. Organgrenzen zu bestimmen oder eine Lungenerkrankung zu erkennen. Der Perkussionsschall reicht jedoch nur ca. 5 bis 6 cm in die Tiefe, daher können mittels der Perkussion tiefer liegende pathologische Prozesse nicht erfasst werden. Bei adipösen Patienten ist die Aussagekraft aus diesem Grund stark eingeschränkt.
Folgende Qualitäten des Perkussionsschalls werden unterschieden:
  • sonor: große Perkussion:SchallqualitätAmplitude (Schwingungsweite), laut, anhaltend, tief (z. B. Schenkelschallüber dem gesunden Brustkorb)

  • hypersonor: übergroße Amplitude, sehr lang anhaltend, ungewöhnlich laut (z. B. über der Lunge beim Lungenemphysem)

  • gedämpft (Schenkelschall): leise, dumpf (z. B. über dem Oberschenkel)

  • tympanitisch: volltönend mit regelmäßigen Schwingungen (z. B. bei gasgeblähten Darmschlingen)

  • metallisch: sehr hohe Obertöne, tiefer Grundton, langsam abklingend (z. B. beim mechanischen Darmverschluss)

Auskultation

Auskultation (lat. auscultare = horchen): Abhören des Patienten; es werden die im Körper entstehenden Schallphänomene wahrgenommen (Tab. 3.4).

Das Abhören erfolgt heute nicht mehr mit dem Auskultation:Grundlagenbloßen Ohr, sondern mit einem Stethoskop. Das Stethoskop entwickelte sich aus einem Hörrohr und besitzt meist einen Membranteil für hohe Frequenzen und einen offenen Aufnahmetrichter für tiefe Frequenzen.
Mit bloßem Ohr sind häufig degenerative Veränderung an den Gelenken (z. B. Kniegelenke) zu hören.

Tipp

Die richtige Auskultation gelingt, wenn Sie folgende Regeln beachten:

  • Die Ohrstücke (Oliven) des Stethoskops sollten passen, ansonsten treten künstliche Geräusche auf.

  • Beim Einlegen der Ohrstücke müssen die Olivenöffnungen in Richtung der Gehörgänge weisen, d. h. „in Richtung Nase“.

  • Das Stethoskop muss an der Thoraxwand ganz aufliegen.

  • Bei der Gefäßauskultation das Stethoskop nur locker auflegen, sonst entsteht ein künstliches Gefäßgeräusch.

Funktionsprüfungen und Tests (Tab. 3.5)

Stufenschema zur körperlichen Untersuchung

Funktionsdiagnostik/-prüfung:TestsDie körperliche Untersuchung schließt sich an die Anamnese an. Jede Untersuchung:körperlichesystematische körperliche Untersuchung besteht aus Inspektion (3.4.1Untersuchung:Stufenschema), Palpation (3.4.2), Perkussion (3.4.3), Auskultation (3.4.4) und Funktionsprüfungen (3.4.5) und wird am besten nach dem Grundsatz „von Kopf bis Fuß“ vorgenommen.
In diesem Kapitel werden Sie Schritt für Schritt den Ablauf einer normalen Erstuntersuchung verfolgen können. Der dargestellte Untersuchungsgang ist so gewählt, dass Sie sich damit einen Überblick über die wichtigsten Körperfunktionen verschaffen können. Bei bestimmten Beschwerden ist es aber erforderlich, weiterführende Untersuchungstechniken anzuwenden, die Ihnen in den jeweiligen „Organkapiteln“ vorgestellt werden.
Es ist unerlässlich, dass Sie sich für die Untersuchung ein strenges schematisches Vorgehen aneignen, um keine wesentlichen Befunde und Symptome zu übersehen. Die dargestellte Vorgehensweise ist lediglich eine Möglichkeit zu untersuchen, andere Untersuchungsabläufe können genauso richtig sein oder für Sie persönlich besser passen.

Tipp

Es ist wichtig, dass Sie den Patienten Schritt für Schritt über Ihr Vorgehen informieren und ihm die einzelnen Untersuchungen erklären.

Für die Untersuchung sollten Sie eine Untersuchungsliege mit einer festen Unterlage und einem verstellbaren Kopfteil zur Verfügung haben. Verwenden Sie aus hygienischen Gründen Papierauflagen, die nach jedem Patienten gewechselt werden, oder führen Sie eine Flächendesinfektion durch. Achten Sie auf eine helle und neutrale Beleuchtung.
Legen Sie sich das Handwerkszeug, das Sie benötigen, vorher bereit: Maßband, Waage, Messlatte, Thermometer, Blutdruckmessgerät, Uhr mit Sekundenzeiger, Stethoskop, Stablampe, Holzspatel, Augenspiegel, Ohrenspiegel, Reflexhammer, Sicherheitsnadel, Stimmgabel, Gummihandschuhe, Fingerlinge, Vaseline, Watte, Papiertücher, ggf. weiteres Zubehör für spezielle Untersuchungen, Karteikarte zur Dokumentation, Schreibzeug.

Tipp

Eine exakte körperliche Untersuchung kann nur vorgenommen werden, wenn der Patient entkleidet ist. Dabei sollten Sie die Scheu der meisten Patienten berücksichtigen und einfühlsam mit ihnen umgehen.

Wichtige Allgemeinbefunde und Gesamteindruck

Es werden der physische und psychische Allgemeinzustand sowie der Ernährungszustand des Patienten beurteilt. Dabei soll sich ein Allgemeineindruck aus wichtigen Leitsymptomen ergeben.
Bereits bei der Begrüßung (Abb. 3.4), noch vor Anamnese und Untersuchung, gewinnen Sie einen ersten Eindruck vom Patienten. Auftreten (selbstsicher, unsicher, kontaktfreudig?), Händedruck (feuchte, kalte oder warme Hände, fester Händedruck?), Ernährungszustand (Über-, Unter-, Normalgewicht?), Größe. Bewegung und Körperhaltung werden betrachtet: Bewegungsunruhe, Zittern (z. B. der Hände), Zwangsbewegungen, Gangbild (normal, hinkend, ataktisch, Fallneigung, spastisch-steif, breitbeinig, schlurfend, kleinschrittig?), regelrechte Koordination oder Koordinationsstörungen, Lähmungen oder Minderbewegung einer Extremität.
Während der Anamnese können Sie Ihren ersten Eindruck – unabhängig vom Gesprächsinhalt – erweitern: Sprache (normal, Aphasie, Stottern, Stammeln, Dysarthrie?), Stimme (Tonhöhe, Heiserkeit, Aphonie, nasale Stimme bei behinderter Nasenatmung?), Atmung (Unregelmäßigkeiten, Atemtyp wie Bauch- oder Brustatmung, Frequenz?), Husten, Mimik, Geruch, psychische Stimmung (Nervosität? Niedergeschlagenheit?), Bewusstsein und Bewusstseinsstörungen.

Tipp

Kann der Patient bei der Anamnese keine genauen Angaben zu seiner Größe und seinem Gewicht machen oder scheinen diese unzuverlässig, müssen Sie ihn messen und wiegen.

Allgemeine Inspektion

  • Schauen Sie sich zunächst den Patienten von vorne an. Beurteilen Sie Ernährungszustand, Körper-, Kopfhaltung, Inspektion:allgemeineSchultersymmetrie, Muskelatrophien, auffällige Gelenkdeformitäten, Form des Brustkorbs, Bauchdecke (straff, Narben, Hernien?), Stellung der Beine (O- oder X-Beine?), Kniegelenk-, Fußdeformitäten, Muskelrelief der Beine, Beinumfangsdifferenz, auffällige Hautveränderungen.

  • Setzen Sie die Untersuchung mit der Inspektion von hinten fort: Haltung, Stellung der Wirbelsäule, möglicher Rippenbuckel, Muskelrelief, Taillendreiecke, Hautauffälligkeiten, Beine (Stellung, Haut, Venenzeichnung?) und Füße (Stellung?).

  • Überprüfen Sie die Rückenform, indem Sie einen Schritt zur Seite gehen und den Patienten von beiden Seiten betrachten.

Achten Sie auch auf den Behaarungstyp, die Nägel und die Haut: Farbe (Blässe, Zyanose, Röte, Ikterus?), Pigmentierungen, generelle Veränderungen (Blasen, Erosionen, Erythemata, Exantheme, Papeln, Pusteln, Nodi, Maculae, Ulzera, Quaddeln, Schuppen, Narben?), Krampfadern und Ödeme.

Pulsmessung

Am besten wird der Puls an der A. radialis (Speichenarterie) gemessen. Beim Ertasten des Radialispulses legen Sie die Fingerkuppen (nie den Pulsmessung/-tastungDaumen!) leicht am äußeren Speichenende auf der Hohlhandseite auf, der Daumen liegt gegenüber (Abb. 3.5).
Während des Pulstastens hält der Patient sein Handgelenk ohne Anspannung in Mittelstellung. Um die Anzahl der Pulswellen pro Minute (Pulsfrequenz) zu ermitteln, benötigen Sie eine Uhr mit Sekundenzeiger oder eine Pulsuhr. Zählen Sie den Puls eine Minute lang, und tasten Sie den Puls an beiden Armen. Beurteilen Sie den Pulsrhythmus, die Pulsqualität und die Pulsamplitude.

Blutdruckmessung nach Riva Rocci

Körperliche Untersuchung von Kreislauf und Gefäßen Pulsamplitude11.3.2
Zur Blutdruckmessung (Abb. 3.6) wählen Sie die geeignete Blutdruckmanschette aus. Grundsätzlich sollte die Manschette ca. 2/3 des Oberarms bedecken bzw.Blutdruckmessung in Länge und Breite dem Armumfang angepasst sein. Vor der Blutdruckmessung soll sich der Patient 15 Min. ausruhen, damit kein falsch hoher Blutdruck gemessen wird. Lassen Sie den Patienten evtl. beengende Kleidung am Arm entfernen. Legen Sie die Manschette luftleer und straff am Oberarm an (2–3 cm oberhalb der Ellenbeuge). Schließen Sie das Ventil des Blutdruckapparats. Stecken Sie die Ohr-Oliven des Stethoskops locker „in die Ohren“. Dabei weisen die Oliven nach vorne in Richtung Nase. Tasten Sie mit einer Hand den (Radialis-)Puls, und pumpen Sie die Manschette auf. Sobald der Puls nicht mehr fühlbar ist, erhöhen Sie den Druck weiter um ca. 30 mmHg. Legen Sie nun den Schallempfänger des Stethoskops in der Ellenbeuge auf, und öffnen Sie anschließend langsam das Ventil. Nach kurzer Zeit hören Sie die sog. Korotkow-Töne. Beim ersten Ton lesen Sie den systolischen Blutdruckwert am Manometer ab. Leeren Sie die Manschette weiter, und lesen Sie beim letzten Ton den diastolischen Wert ab.

Untersuchung von Kopf und Hals

Inspektion: Kopf und Hals
Beginnen Sie mit der Inspektion des Kopfes- und Halses, und achten Sie dabei auf: Kopfform und Größe des Schädels (Mikro-, MakrozephalusInspektion:Kopf und Hals, Akromegalie, Turmschädel, Hydrozephalus?), Gesichtsausdruck, Gesichtsasymmetrie, Ödeme, Kopfbehaarung, Lippenveränderungen (Farbe, Rhagaden, Ulzera, Herpes?), Halsvenenstauung, Schiefhaltung des Halses und Struma.
Inspektion: Mundhöhle und Rachen
Fordern Sie den Patienten auf, den Mund zu öffnen, und betrachten Sie die Mundhöhle (Abb. 3.7): Schleimhaut (Aphthen, EnanthemInspektion:Mundhöhle und Rachen, Mykosen?) und Zunge (Veränderungen, Belag, Beweglichkeit?).
Den Rachen (Abb. 3.8) inspizieren Sie am besten mithilfe eines Holzspatels. Betrachten Sie: Gaumenbogen und -segel (Rötung, Abweichen des Zäpfchens?), Tonsillen (Vergrößerung, Rötung, Beläge, Geschwüre, Zerklüftung?) und Rachenhinterwand (Rötung?).
Palpation: Kopf
Legen Sie beide Hände auf die Schädeldecke, und palpieren Sie durch die Haare hindurch: Gibt es Schmerzpunkte, Vorwölbungen, ist diePalpation:Schädel Kopfhaut glatt?
Mit leichtem Daumendruck auf die Schädel:PalpationForamina supraorbitale, infraorbitale und mentale (am oberen und unteren Rand der Augenhöhle und am Kinn) werden die Nervenaustrittspunkte des N. trigeminus palpiert (Abb. 3.9).
Drücken Sie auch beidseits auf den Tragus (24.2.4). Bei entsprechenden Beschwerden schließen Sie eine Ohrenspiegelung (24.3.2) an.
Palpation: Schilddrüse
Stellen Sie sich zur Palpation der Schilddrüse (Abb. 3.10) hinter den Patienten. Suchen Sie den Ringknorpel (Abb. 3.11) und unterhalb davon Schilddrüse:Palpationden Isthmus. Versuchen Sie nun, Palpation:Schilddrüseseitlich davon die Schilddrüsenlappen zu tasten. In der Regel ist dies einfach, wenn Sie den Patienten schlucken lassen, da diese dann höher treten. Nun soll der Patient den Hals leicht nach vorn und rechts beugen (Abb. 3.12). Sie verschieben mit den Fingern der linken Hand den Schildknorpel nach rechts und palpieren mit den rechten Fingerkuppen den rechten Schilddrüsenlappen, dabei drückt Ihr Daumen sanft von hinten gegen den M. sternocleidomastoideus. Zwischendurch soll der Patient schlucken. Zur Untersuchung des linken Schilddrüsenlappens verfahren Sie spiegelbildlich. Beurteilen Sie dabei die Kriterien Konsistenz, Verschieblichkeit, Schmerzhaftigkeit, Knoten und Vergrößerung.
Bei Vergrößerung der Schilddrüse hören Sie die Schilddrüse mit dem Stethoskop ab (Schwirren bei Hyperthyreose).
Perkussion: Kopf
Anschließend setzen Sie die Untersuchung des Kopfes mit der Perkussion der Schädelkalotte (umschriebener, diffuser Klopfschmerz?), der Stirn- und Kieferhöhle (Abb. 3.13, Abb. 3.14) und des Warzenfortsatzes (Mastoid) fort. Dabei erkennen Sie, ob der Patient einen über die Erschütterung Nasennebenhöhlen:Perkussionhinausgehenden Schmerz lokalisieren kann, der z. B. ein Hinweis auf Perkussion:Nasennebenhöhleneine Entzündung sein kann.
Untersuchung: Augen
Gesichtsfeldprüfung 24.3.2
Inspektion
Betrachten Sie beide Augen im Vergleich. Achten Sie auf: Größe der Augäpfel, Lage in der Augenhöhle (Ex-, Enophthalmus?), Lidschlag, Lidschluss, Lidödeme, Herabhängen der Lider, Inspektion:AugenPupillenweite (Miosis, Mydriasis?), Iris (rund, symmetrisch?), Tränen, Nystagmus, Schielen, Linsentrübung, jegliche Entzündungen und Schwellungen (Abb. 3.15).
Zur Inspektion der Konjunktiven (Entzündungen?) und Skleren (Ikterus?) spreizen Sie die Augenlider weit (Abb. 3.16, Abb. 3.17).
Bei der Untersuchung der Inspektion:KonjunktivenKonjunktiven der unteren Augenlider lassen Sie den Patienten nach oben blicken und ziehen das Unterlid nach unten (Abb. 3.17). Für die Untersuchung am oberen Augenlid lassen Sie den Patienten nach unten blicken und ziehen mit dem Daumen das Oberlid nach oben außen.
Funktionsprüfung
Mit der Stablampe untersuchen Sie die Reaktion der Pupillen auf Licht. Die Umgebungsbeleuchtung muss dafür gering sein, und der Patient soll ein entferntes Objekt fixieren. Legen Sie Ihre linke Hand mit der Handkante auf den Nasenrücken des Patienten. Leuchten Sie in das linke Auge. Beurteilen Sie dann die direkte Lichtreaktion bzw. Pupillenverengung am angeleuchteten linken Auge und gleichzeitig die indirekte (konsensuelle) Lichtreaktion bzw. Pupillenverengung am rechten Auge, das sich über eine zentrale Reflexbahn mit verengt. Anschließend leuchten Sie in das rechte Auge und beurteilen wieder direkte und indirekte Lichtreaktion.
Danach prüfen Sie die Augenmuskelfunktion. Dazu fordern Sie den Patienten auf, in die folgenden Richtungen zu blicken, ohne dabei den Kopf zu bewegen: nach lateral, medial, oben, untenAugen:Muskelfunktion, oben außen, unten innen, oben innen, unten außen (Abb. 3.18a–h). Ist dies für den Patienten schwierig, lassen Sie ihn mit den Augen Ihrem Finger folgen.
Mit dieser Untersuchung prüfen Sie nicht nur die Augenmuskelfunktion, sondern zugleich die Funktion von drei Hirnnerven (23.3.2): N. oculomotorius = III (M. rectus superior, M. obliquus inferior, M. rectus medialis), N. trochlearis = IV (M. rectus inferior M. obliquus superior,), N. abducens = VI (M. rectus lateralis).

Palpation der Lymphknoten

Zur Palpation der Lymphknoten legen Sie die Kuppen von Zeige-, Mittel-, Ring- und Kleinfinger locker nebeneinanderLymphknoten:Palpation und tasten die entsprechenden Regionen systematisch unter Palpation:Lymphknotenleichtem Druck und mit leicht kreisenden Bewegungen ab. Achten Sie dabei auf Anzahl, Vergrößerungen, Druckschmerz, Konsistenz und Verschieblichkeit. Grundsätzlich können nur oberflächlich liegende Lymphknoten getastet werden.

Tipp

Palpieren Sie alle Lymphknotenregionen seitenvergleichend.

Beginnen Sie bei den Lymphknoten vor dem Ohr (präaurikulär), hinter dem Ohr (retroaurikulär) und am Kieferwinkel.
Dann folgt die Palpation entlang des Unterkiefers (submandibulär Abb. 3.19a), unter dem Kinn (submental), am Hals entlang des M. sternocleidomasto-ideus (zervikal Abb. 3.19b, Abb. 3.19c), oberhalb entlang des Schlüsselbeins (supraklavikulär Abb. 3.19d) und im Nacken an der Schädelbasis (nuchal).
Palpieren Sie auch gleich die Lymphknoten in der Achselhöhle (Axilla). Bei der Untersuchung der Axilla schieben Sie die Finger hoch in die Axilla und drücken sie hinein. Tasten Sie die Achselfalte nach allen Richtungen aus, zunächst oberflächlich, anschließend tief. Auf den Rippen gleiten Sie abwärts über die zentralen Lymphknoten (Abb. 3.19e, Abb. 3.19f).
Um die tiefen Lymphknoten gut beurteilen zu können, sollte auch eine Palpation bei herabhängendem Arm – und damit lockerer Muskulatur – vorgenommen werden (Abb. 3.19g, Abb. 3.19f).
Daran anschließend sollten Sie die Leistenlymphknoten palpieren.

Untersuchung von Thorax und Lunge

Inspektion: Thorax
Projektion der Lungengrenzen Abb. 3.20a bis Abb. 3.20d
Inspektion Herz 10.3.2, Inspektion Lunge 12.3.2
Sehen Sie sich zunächst die Haut des Thorax (Spider naevi?) und der oberen Extremität an. Vergessen Sie dabei nicht die Hände und Nägel (Inspektion:ThoraxPalmarerythem, Trommelschlägelfinger?). Achten Sie daraufThorax:Inspektion, ob die Jugularvenen hervortreten. Dies kann z. B. bei einer Rechtsherzinsuffizienz der Fall sein oder bei einem Asthma bronchiale. Betrachten Sie die Thoraxform (Fass-, Glockenthorax, Trichter-, Hühnerbrust?), und beobachten Sie die Atemexkursion. Als Nachschleppen bezeichnet man eine verzögerte und meist auch verminderte Ausdehnung des Brustkorbs bei der Atmung wie sie z. B. bei einer Pleuritis oder bei einer Pleuraschwarte vorkommt. Im Rahmen einer Pneumonie kann es zu einer sog. Schonatmung kommen: Die Atemexkursionen sind vermindert, da der Patient aufgrund atemabhängiger Schmerzen sehr flach atmet. Wichtig ist auch die Atemfrequenz. Zur Objektivierung ist es ratsam, die Atemzüge pro Minute zu zählen. Am besten gelingt dies, wenn man sich währenddessen mit dem Patienten unterhält, damit dieser nicht bewusst auf seine Atmung achtet und es dadurch zu verfälschten Werten kommt. Eine erhöhte Atemfrequenz ist z. B. oft bei fiebernden Patienten zu beobachten. Achten Sie weiterhin auf den Atemtyp, das Atemgeräusch sowie Einziehungen während der Einatmung. Sind bei einem Patienten mit Atemnot Einziehungen zu sehen und setzt der Patient weiterhin bereits die Atemhilfsmuskulatur ein, um seine Atmung aufrechtzuerhalten, müssen Sie umgehend den Notarzt verständigen.
Bei der Inspektion des Thorax sollten auch die Brüste (Mammae) betrachtet werden: Größe (Gynäkomastie beim Mann), Form, Hautstruktur (Einziehungen, Rötungen, Apfelsinenhaut, Plateaubildungen?), Mamillen (Einziehungen, Fissuren?).
Palpation: Thorax
Zur Palpation des Thorax legen Sie Ihre Hände flach rechts und links neben das Brustbein, etwas zur linken Seite hin Palpation:Thoraxverschoben. Achten Sie auf Pulsationen und Schwirren Thorax:Palpationsowie eine Seitendifferenz bei der Atemexkursion. Zur Prüfung des sog. Stimmfremitus, der ein Zeichen für die Leitfähigkeit des Gewebes im Thorax für niederfrequente Schwingungen ist, lassen Sie den Stimmfremitus:PrüfungPatienten mit tiefer Stimme die Zahl „99“ sagen. Fühlen Sie dabei mit der flach aufgelegten Handfläche die Vibration. Die Stärke der Vibration ergibt Rückschlüsse auf krankhafte Veränderungen in der Lunge und ist z. B. über verdichteten Lungenteilen intensiver fühlbar.
Zur Beurteilung der seitengleichen Beatmung des unteren Thoraxanteils legen Sie die Daumen jeweils an den unteren Rand des Rippenbogens und umgreifen mit den anderen Fingern die unteren Rippen von der Seite (Abb. 3.21).
Zur Palpation des Thorax gehört die Untersuchung der axillären Lymphknoten.
Untersuchung: weibliche Brust
Körperliche Untersuchung der weiblichen Geschlechtsorgane 17.5.2
Zur Untersuchung der Brust fordern Sie die Patientin auf, sich hinzulegen Untersuchung:Mammaund den Arm in den Nacken zu nehmen. Palpieren Sie mit den mittleren drei Fingern gegen die Thoraxwand, dabei wird jeder Quadrant der Brust systematisch von außen nach innen getastet. Dann palpieren Sie das Gebiet hinter der Brustwarze. Suchen Sie mit dem Jackson-Test nach dem Plateauphänomen. Drücken Sie die Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger, um zu sehen, ob es zu einer Sekretabsonderung kommt. Weisen Sie aber Jackson-Testdie Patientin vorher auf diese Untersuchung hin.
Perkussion: Lunge
Stellen Sie sich vor den Patienten, und beginnen Sie mit der Perkussion der Lunge von vorne. Fangen Sie wieder Lungen:Perkussionmit den oberen Lungenanteilen an, und schreiten Sie Perkussion:Lungenmäanderförmig nach unten fort (Abb. 3.22, Abb. 3.23). Perkutieren Sie nach kaudal, bis keine Resonanz mehr auftritt.
Anschließend stellen Sie sich hinter den Patienten und fahren mit der Perkussion der Lunge von hinten fort. Perkutieren Sie wiederum von den oberen Lungenanteilen seitenvergleichend und mäanderförmig nach unten. Bleiben Sie dabei zunächst zwischen den medialen Rändern der Skapula. Unterhalb der Skapula perkutieren Sie innerhalb der Medioskapularlinie (gedachte senkrechte Linie durch die Mitte des Schulterblatts). Denken Sie daran, dass der Patient die Arme vor dem Brustkorb verschränkt. Dadurch wird der Abstand zwischen den Schulterblättern vergrößert und somit auch die Fläche, die perkutorisch untersucht werden kann.
Danach klopfen Sie die seitlichen Lungenabschnitte ab.
Perkussion der Lungengrenzen: Die Lungengrenzen bestimmen Sie am Rücken etwa in der Höhe des 11. Brustwirbelkörpers sowohl bei tiefer Ein- wie auch bei tiefer Ausatmung (Abb. 3.24).
Auskultation: Lunge
Mit dem Stethoskop auskultieren Sie seitenvergleichend die Lunge, zunächst an der Vorderseite des Brustkorbs (Abb. 3.25). Anschließend hören Sie die Lunge seitlich Auskultation:Lungenam Brustkorb ab, auch hier müssen Sie beide Seiten parallel untersuchen. Die seitliche Auskultation ist einfacher, wenn der Patient die Arme über den Kopf nimmt (Abb. 3.26).
Abschließend folgt die Auskultation auf der Rückseite des Brustkorbs (Abb. 3.27). Der Patient soll während der Untersuchung mit leicht geöffnetem Mund tief ein- und ausatmen.
Achten Sie auf das Atemgeräusch (Vesikulär- oder Alveoläratmung?) und mögliche Nebengeräusche (feuchte, z. B. großblasige oder kleinblasige Rasselgeräusche, oder trockene, z. B. Giemen, Pfeifen, Brummen?).

Tipp

Bitten Sie den Patienten zu husten, wenn Sie ein feuchtes Nebengeräusch hören, um sicherzugehen, dass es sich nicht um ein „falsches“ Nebengeräusch handelt, das z. B. durch einen Schleimfaden verursacht wird, der vorübergehend in einem Bronchus hängen geblieben ist.

Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems

Körperliche Untersuchung bei Herzerkrankungen 10.3.2
Inspektion
Die Suche nach sichtbaren Veränderungen bei Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems ist meist wenig ergiebig. Wichtig ist es aber, auf sichtbare Pulsationen, Inspektion:Herzvor allem der Halsvenen, zu achten. Bei schlanken Patienten ist evtl. der sog. Herzspitzenstoß zu sehen, der durch das Anstoßen der Herzspitze an der Thoraxwand während der Systole entsteht. Achten Sie auch darauf, ob systolische Einziehungen oder ein sog. Herzbuckel (Voussure) zu sehen sind. Unter einem Herzbuckel versteht man eine Herzbuckelasymmetrische Palpation:HerzspitzenstoßVorwölbung der Thoraxwand über dem Herzen, die bei vergrößertem Herzen infolge von Voussureangeborenen oder früh erworbenen Herzfehlern auftritt.
Palpation: Herzspitzenstoß
Den Herzspitzenstoß tasten Sie mit den Spitzen von Zeige- und Mittelfinger am liegenden Patienten. Normalerweise findet er sich im Bereich des fünften Herzspitzenstoß:PalpationInterkostalraums in der Medioklavikularlinie (gedachte Linie von der Mitte des Schlüsselbeins senkrecht nach unten, Abb. 3.20a). Legen Sie Ihre Hand dazu flach auf den Thorax auf. Palpieren Sie aber den gesamten Präkordialbereich, um auch ein mögliches Schwirren (Vibrationen) zu spüren (Abb. 3.28).
Perkussion: Herz
Die Herzgrenzen perkutieren Sie senkrecht oder parallel in dem vermuteten Bereich (Abb. 10.13). Die Perkussion des Herzens dient lediglich einer ungefähren Größeneinschätzung. Weil sie so ungenau ist, wird sie nur selten vorgenommen. Exakter kann die Herzgröße anhand von Röntgenaufnahmen des Thorax und der Echokardiografie bestimmt werden.
Auskultation: Herz
Das Abhören des Herzens mit dem Stethoskop beginnen Sie am besten am Erb-Auskultation:HerzPunkt (im dritten Herz:AuskultationInterkostalraum links, dicht neben dem Mitralklappe:AuskultationBrustbein).
Anschließend auskultieren Sie nach der MI-TR-A-P-Regel (Abb. 3.29, Abb. 3.30):
  • Erb-Punkt:Lokalisation Mitralklappenpunkt: im fünften Interkostalraum ca. drei Querfinger neben dem linken Rand des Brustbeins auf der Medioklavikularlinie.

  • Trikuspidalklappenpunkt: im vierten Interkostalraum rechts, über dem Ansatz der fünften Rippe am Rand des Brustbeins.

  • Aortenklappenpunkt: im zweiten Trikuspidalklappe:AuskultationInterkostalraum am rechten Rand des Brustbeins.

  • Pulmonalklappenpunkt: im zweiten Interkostalraum am linken Aortenklappe:AuskultationRand des Brustbeins.

Fühlen Sie während der Auskultation gleichzeitig den Puls des PatientenPulmonalklappe:Auskultation. Überprüfen Sie, ob ein Pulsdefizit (10.3.2) vorliegt. Bei Auffälligkeiten (Herzgeräusch) lassen Sie den Patienten sich auf die linke Seite drehen oder auch aufsitzen und auskultieren erneut. Im Sitzen oder Liegen werden manche Herztöne bzw. -geräusche anders projiziert und lassen sich leichter wahrnehmen.
Achten Sie auf die Herztöne (systolisch, diastolisch?), überzählige Herztöne (dritter Herzton, Mitralöffnungston, Spaltung der Herztöne?) und Herzgeräusche (systolisch, diastolisch, akzidentell, organisch, funktionell? 10.3.2), Herzfrequenz und Rhythmus.
Palpation: Pulse
Den Puls palpieren Sie mit Zeige- und Mittel- oder Zeige- bis Ringfinger. Entscheidend ist, ob die Pulse überhaupt tastbar sind. Außerdem können Sie Pulsqualität (anhand des Pulsdrucks), Herzfrequenz und Rhythmus beurteilen. Auch hier ist der Seitenvergleich sehr Puls:Palpationwichtig.
Untersuchen Sie von Kopf bis Fuß, und gehen Sie dabei folgendermaßen vor: Beginnen Sie am Hals mit dem Karotis-Puls (Abb. 3.31), den Sie vor dem M. sternocleidomastoideus tasten können. Berücksichtigen Sie auch die atmungsbedingten Karotis:PulsmessungSchwankungen (in erster Linie am Radialis- und Karotispuls spürbar): Die Pulsfrequenz nimmt mit der Inspiration zu, mit der Exspiration ab. Bei Kindern und Jugendlichen ist dieses Phänomen schwächer.

Tipp

Mit Beginn der Ausatmung kann sich der Puls derart verlangsamen, dass der Eindruck entsteht, eine Systole sei ausgefallen.

Sind Sie sich nicht sicher, ob Sie jeden einzelnen Pulsschlag registriert haben oder wenn der Puls unregelmäßig ist, hören Sie parallel zur Palpation des Pulses die Herztöne über dem Erb-Punkt ab. Anschließend fühlen Sie den Radialispuls (Abb. 3.5) und unterhalb des medialen Drittels des Leistenbands den Femoralispuls (Abb. 3.32). Es folgen der Puls der A. poplitea, der bei locker angewinkeltem Knie tief in der Kniekehle palpiert wird (Abb. 3.33), der Puls der A. tibialis posterior zwischen Malleolus medialis und Fuß:PulseAchillessehne (Abb. 3.35) und der Puls der A. dorsalis pedis auf dem Fußrücken meist neben dem ersten Strahl (Abb. 3.34a, Abb. 3.34b).
Prüfen Sie danach an den Unterschenkeln durch Fingerdruck gegen die Schienbeinkanten, ob Ödeme vorhanden sind. Achten Sie auch auf die Hautfarbe und Hauttemperatur der Beine und Füße im Seitenvergleich.
Auskultation: Gefäße
Es schließt sich die seitenvergleichende Gefäßauskultation der Karotiden (Abb. 3.36) und der Aa. femorales in der Leiste (Abb. 3.37) an. Achten Sie dabei v. a. auf ungewöhnliche Geräusche wie ein Zischen oder Brausen, Reiben oder Schaben (z. B. bei Stenosen 11.3.2). Die Auskultation der Aorta wird Arteria(ae):Auskultationmeist im Rahmen der Auskultation des Abdomens Auskultation:Gefäßedurchgeführt (3.5.9).

Tipp

Bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen schließen sich die Lagerungsprobe nach Ratschow und ein Gehtest an, bei Varikosis der Trendelenburg- und Perthes-Test (11.3.2).

Untersuchung des Abdomens

Inspektion: Abdomen
Der Patient sollte sich flach auf eine Untersuchungsliege legen. Die Hände liegen entspannt parallel zum Körper. Um die Bauchmuskulatur zu entspannen, kann er zusätzlich die Knie leicht angewinkelt aufstellen. Bei der Inspektion des Bauchs achten Sie auf Hautveränderungen (auch unter Fettwülsten), vermehrte Venenzeichnung, Behaarungsmuster (Bauchglatze beim Mann?), Formveränderungen des Bauchs (Auftreibung, Asymmetrie, ausladende Flanken, Vorwölbungen, sichtbare Peristaltik?), Darmsteifungen und Narben.
Auskultation: Abdomen
Zur Auskultation der Darmgeräusche (peristaltisch, klingend, plätschernd, fehlend?) Auskultation:Abdomenwird das Darmgeräusche:AuskultationStethoskop in den jeweiligen vier Quadranten leicht auf die Haut gelegt (Abb. 3.38Auskultation:Darmgeräusche). Normalerweise hören Sie 3–25 Geräusche pro Minute, durch leichtes Beklopfen der Bauchdecke sind peristaltische Wellen auslösbar. Um die Untersuchungsergebnisse nicht zu verfälschen, sollte die Auskultation vor der Palpation und Perkussion durchgeführt werden. Auskultieren Sie auch die Aorta abdominalis. Achten Sie auf Strömungsgeräusche oder auf ein leises systolisches Aorta:AuskultationStenosegeräusch bei Kompression der Aorta (Abb. 3.39).
Wenn Sie Schwierigkeiten Auskultation:Aortahatten, die Lebergröße durch Perkussion zu bestimmen, können Sie die „Kratzauskultation“ zu Hilfe nehmen. Setzen Sie das Stethoskop auf den rechten Oberbauch oder rechts neben dem Schwertfortsatz des Brustbeins auf, und streichen Sie mit einem Holzspatel oder dem Fingernagel in der Medioklavikularlinie von oben nach unten. Erreichen Sie den Leberrand, hören Sie einen Kratzauskultation, LeberKratzton (Abb. 3.40).
Palpation: Abdomen

Tipp

Zur Untersuchung der Bauchorgane setzen Sie sich am besten rechts neben den Patienten (aus Sicht des Patienten).

Beginnen Sie dieLeber:Kratzauskultation Tastuntersuchung des Abdomens immer in den Bereichen, die nicht schmerzhaft sind. Ansonsten spannt der Palpation:AbdomenPatient sofort automatisch die Bauchdecke an, und Sie können mit der Untersuchung nicht fortfahren. Als ersten Schritt palpieren Sie mit einer Hand nur unter leichtem Druck den gesamten Bauchraum (Abb. 3.41). Areale, die der Patient als schmerzempfindlich angibt, sollten dann erst zum Schluss der Untersuchung erneut palpiert werden.
Im zweiten Schritt führen Sie die Untersuchung mit stärkerem Druck durch und benutzen beide Hände.
Achten Sie hierbei auf die Mimik des Patienten, auf Abwehrspannung, Druckschmerzen, Loslassschmerzen und Resistenzen. Tasten Sie anschließend noch gezielt den Verlauf des Dickdarms ab, die Punkte nach Lanz und Mc Burney (13.19), Narben und mögliche Bruchpforten.
Leber- und Gallenblasenpalpation
Zur Projektion der Leber Abb. 3.42
Legen Sie zunächst beide Hände einige Zentimeter unterhalb des rechten Palpation:LeberPalpation:GallenblaseRippenbogens flach auf die Bauchdecke (Abb. 3.43a) undLeber:Palpation versuchen Sie, den unteren Leberrand zu tasten. IstGallenblase:Palpation die Leber nicht vergrößert, wird Ihnen das in der Regel nicht gelingen. Lassen Sie dann den Patienten tief einatmen. Der heruntertretende Leberrand hebt nun die Fingerspitzen an (Abb. 3.43b, Abb. 3.43c). Ist die Leber stark vergrößert, müssen Sie die Hände evtl. deutlich tiefer ansetzen. Neben der Bestimmung des unteren Leberrands müssen Sie sich einen Eindruck über die Konsistenz (derb, hart, weich, knotige Veränderungen?) verschaffen und auf einen möglichen Druckschmerz achten.
Die Gallenblase wird prinzipiell wie die Leber palpiert, sie ist jedoch nur bei Vergrößerung unterhalb der Leber in der Medioklavikularlinie zu tasten.
Milzpalpation

Tipp

Eine gesunde Milz (Abb. 3.42) ist normalerweise nicht zu tasten. Nur bei ausgesprochen schlanken Patienten kann es in Ausnahmefällen möglich sein.

Um die Milz zu palpieren, greifen Sie mit einer Hand um den Patienten und schieben diese unter seinen linken Rippenbogen. Heben Sie dann den Brustkorb des Palpation:MilzPatienten an, und drücken Sie mit der anderen Hand Milz:Palpationunterhalb des Rippenbogens in Richtung Milz. Der Patient soll dabei tief einatmen, damit die Milz durch die Zwerchfellsenkung tiefer tritt und unter dem Rippenbogen erscheint. Beginnen Sie mit der Palpation nicht zu weit oben (Abb. 3.44). Bei Schwierigkeiten lassen Sie den Patienten sich auf die rechte Seite legen und wiederholen die Untersuchung.
Perkussion: Abdomen
Bei der Routineuntersuchung perkutieren Sie alle vier Quadranten beginnend im rechten Oberbauch. Fahren Sie mit linkem Oberbauch, linkem Unterbauch undPerkussion:Abdomen rechtem Unterbauch im Uhrzeigersinn fort (Abb. 3.45).
Abdomen:PerkussionSollten Sie bei der Palpation zuvor Resistenzen getastet haben, ist eine Perkussion in diesem Gebiet besonders wichtig.
Vergessen Sie nicht, die Blase zu perkutieren (Abb. 3.45) – besonders bei älteren Männern, da bei ihnen durch eine Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse) oft der Harnabfluss gestört ist und es so zu einer Vergrößerung der Blase durch eine große Restharnmenge kommt.
Leberperkussion
Zur Einschätzung der Lebergröße ist die Perkussion gut geeignet. Beginnen Sie von einer Resonanzzone Restharn:Perkussion der Blaseaus, die sich meist am Schlüsselbein befindet und Leber:Perkussionperkutieren Sie entlang der rechten Medioklavikularlinie im Abstand von 2,5 cm abwärts. Am oberen Perkussion:LeberLeberrand geht der sonore Klopfschall in eine Dämpfung (Schenkelschall) über. Zur Bestimmung der unteren Lebergrenze perkutieren Sie von einer Zone mit tympanitischem Klopfschall (Darmschlingen), im Bereich des Nabels, entlang der Medioklavikularlinie nach oben (Abb. 3.46).
Milzperkussion
Ebenso wie die Milzpalpation ist auch die Milzperkussion schwierig. Perkutieren Sie von der Medianlinie strahlenförmig in Richtung Milz (Abb. 3.47), bis Sie die Perkussion:MilzMilzdämpfung hören. So können Sie die Grenzen der Milz Milz:Perkussionbestimmen.
Bitten Sie den Patienten, sich aufzusetzen. Die Nierenperkussion erfolgt zwischen unterster Rippe und Becken (Abb. 3.48). Achten Sie dabei auf Schmerzangaben.
Rektale Untersuchung
Die rektale Untersuchung, die in manchen Fällen erforderlich ist, führen Sie immer am Ende des Untersuchungsablaufs durch. Bei der Untersuchung liegt der Patient rektale Untersuchungseitlich mit angewinkelten Knien und vorgebeugtem Oberkörper („Embryostellung“) auf einer Liege. Zunächst wird der Anus inspiziert, ob äußere Hämorrhoiden, Ekzeme, Entzündungen und außen sitzende Tumoren Untersuchung:rektaleoder Warzen zu sehen sind. Zur weiteren Untersuchung ziehen Sie einen Handschuh oder Fingerling an und bestreichen den Zeigefinger mit Vaseline. Bitten Sie den Patienten zu pressen, und legen Sie dabei den Zeigefinger auf den Anus. Wenn der Schließmuskel erschlafft, führen Sie den Zeigefinger vorsichtig ein und tasten das Rektum von innen aus. Beurteilen Sie den Tonus des Schließmuskels, die Oberfläche der Ampulle, Schmerzhaftigkeit. Klagt der Patient über Druckschmerz, deutet das auf einen entzündlichen Prozess hin, z. B. eine Appendizitis. Unregelmäßigkeiten bzw. Knoten können z. B. Zeichen von Hämorrhoiden oder Tumoren sein. Achten Sie beim Zurückziehen des Zeigefingers darauf, ob sich Blut am Handschuh befindet, und führen Sie mit anhaftenden Stuhlresten evtl. gleich einen Test auf verborgenes Blut durch.
Falls erforderlich kann im gleichen Untersuchungsgang auch die Prostata palpiert werden (17.5.2).

Untersuchung der Extremitäten und der Wirbelsäule

Körperliche Untersuchung des Bewegungsapparats 9.3.2
Die Untersuchung von Extremitäten und Untersuchung:ExtremitätenWirbelsäule im Rahmen einer allgemeinen Ganzkörperuntersuchung kann nur Untersuchung:Wirbelsäulegrob orientierend erfolgen. Es gilt sich einen Eindruck über Fehlbildungen, schmerzhafte Bewegungen, Bewegungsumfang, Motorik und grobe Kraft (23.3.2) zu verschaffen. Detaillierte Untersuchungen werden i. d. R. nur bei Beschwerden und Auffälligkeiten vorgenommen (9.3.2).
Inspektion
Vergleichen Sie Größe und Umfang beider Arme, Hände und Schultern (Muskulatur, Atrophien), und achten Sie auf Form- und Achsenabweichungen (z. B. Auftreibungen bei Gicht, Schwanenhalsdeformität bei Polyarthritis). Ebenso registrieren Sie an Beinen und Füßen Form- und Inspektion:ExtremitätenAchsenabweichungen (z. B. X-, O-Beine, Hammerzehen), auch hier immer im Seitenvergleich. Bei einer offensichtlichen Umfangsdifferenz messen Sie beide Beine mit dem Zentimetermaß nach. Am Rücken soll Ihr Augenmerk auf einer möglichen Kyphose, Lordose oder Skoliose der Wirbelsäule liegen sowie auf einem evtl. Beckenschiefstand.
Palpation und Perkussion
Palpieren Sie die Wirbelsäule und die Rückenmuskulatur von oben nach unten, und achten Sie auf abnorm vorstehende Dornfortsätze, Muskelhartspann Perkussion:Wirbelsäuleund Myogelosen. Prüfen Sie gleich danach einen Wirbelsäule:Perkussioneventuellen Klopfschmerz der Wirbelsäule (Abb. 3.49). Klopfen Sie entlang der Wirbelsäule mit lockerer Faust ohne Kraft.
Funktionsprüfungen
Obere und untere Extremität
Beurteilen Sie die Beweglichkeit der Schultern: Lassen Sie den Patienten die Arme seitlich, nach vorne und nach hinten heben (evtl. indem Sie das Schulterblatt mit den Händen fixieren). Der Patient soll die Schulter rotieren bei anliegendem Oberarm und bei 90° Abduktion. Abschließend fordern Sie den Patient auf, die Hände im Nacken (Nackengriff) und im Kreuz (Schürzengriff) zu verschränken. Prüfen Sie auch die Beweglichkeit von Ellenbogen-, Handgelenk und Fingern. Zur Prüfung Nackengriffdes Bewegungsumfangs der Beine lassen Sie den Patienten diese maximal Schürzengriffanziehen und strecken sowie einwärts und auswärts drehen.
Wirbelsäule
Während Sie vor dem Patienten stehen, lassen Sie ihn aktiv die HWS zu beiden Seiten drehen, neigen und beugen (evtl. fixieren Sie mit Ihren Händen seinen Schultergürtel). Fordern Sie den Patienten auf, sich zu beiden Seiten zu neigen und anschließend den Oberkörper zu drehen (fixieren Sie hierbei das Becken). Während der Patient sich nach vorne beugt, achten Sie darauf, ob Teile der Wirbelsäule fixiert sind, eine einseitige Vorwölbung der Rippen (Rippenbuckel) oder der Muskulatur im LWS-Bereich (Lendenwulst) zu sehen sind. Schätzen Sie den Finger-Boden-Abstand ab.

Untersuchung des Nervensystems

Körperliche Untersuchung des Nervensystems 23.3.2
Hirnnerven
Auch bei den Hirnnerven kann bei einer allgemeinen Ganzkörperuntersuchung nur die grobUntersuchung:Nervensystem orientierende Prüfung die Regel sein. Immer jedoch sollte der motorische Anteil des N. facialis geprüft werden,Untersuchung:Hirnnerven da eine Läsion dieses Nervs verhältnismäßig oft im Rahmen eines Schlaganfalls vorkommt und in leichteren Fällen häufig nicht bemerkt wird. Ist allerdings einer der Hirnnerven in seiner Funktion gestört oder auffällig, müssen immer auch die anderen untersucht werden (23.3.2).
Die Prüfung der Augenmuskelnerven N. oculomotorius (III. Hirnnerv), N. trochlearis (IV. Hirnnerv) und N. abducens (VI. Hirnnerv) erfolgte bereits bei der Untersuchung der Augenmotilität (Abb. 3.18).
  • Beim N. trigeminus (V. Hirnnerv) werden motorische und sensible Funktion untersucht. Motorisch innerviert er die Kaumuskulatur und die Muskulatur des Mundbodens, sensibel die Haut der Stirn, des Oberkiefers und des Unterkiefers.

  • Beim N. facialis (VII. Hirnnerv) untersuchen Sie die motorische Funktion. Er innerviert die gesamte mimische Muskulatur. Achten Sie auf Asymmetrie, Speichelfluss aus den Mundwinkeln und hängende Mundwinkel. Die Motorik der Gesichtsmuskulatur lässt sich einfach prüfen: Lassen Sie den Patienten die Stirn runzeln (Abb. 3.50), die Augen fest schließen (versuchen Sie, diese zu öffnen, Abb. 3.51), die Wangen aufblasen (drücken Sie auch dagegen, Abb. 3.52), die Zähne zeigen (Abb. 3.53) und pfeifen (Abb. 3.54).

  • Der N. glossopharyngeus (IX. Hirnnerv) wird mit dem N. vagus (X. Hirnnerv) gemeinsam geprüft. Während der Patient „Ah“ sagt, inspizieren Sie das Gaumensegel; die Uvula bleibt beim Gesunden in Mittelstellung (Abb. 3.8), bei Schädigung des Nervs weicht sie zur gesunden Seite ab.

  • Zur Prüfung des N. accessorius (XI. Hirnnerv) lassen Sie den Patienten die Schultern gegen den Widerstand Ihrer Hände anheben und den Kopf gegen Widerstand zur Seite drehen, bei Schädigung des Nervs ist dies nicht möglich. Wichtig ist hier der Seitenvergleich.

  • Zur Beurteilung des N. hypoglossus (XII. Hirnnerv) lassen Sie den Patienten die Zunge herausstrecken, die beim Gesunden in der Mittellinie bleibt, bei Schädigung des Nervs weicht sie zur Seite der Schädigung ab.

Sensibilität
Bei einer allgemeinen Ganzkörperuntersuchung testen Sie nur orientierend das Schmerzempfinden (z. B. durch leichtes Kneifen in Hautfalten oder Ziehen an den Hauthaaren) an Untersuchung:Sensibilitätbeiden Wangen, Hand- und Fußrücken sowie das Berührungsempfinden (z. B. durch leichtes Darüberstreichen mit dem Finger) an Armen und Beinen.
Motorik, Koordination
Untersuchen Sie die grobe Muskelkraft an je zwei Stellen der oberen und unteren Extremität. Gegen Ihren Widerstand Untersuchung:Motorikführt der Patient folgende Bewegungen durch: Beugen und Untersuchung:KoordinationStrecken der Unterarme, Hände, Unterschenkel und Füße.
Führen Sie den Finger-Nase-Versuch und den Knie-Hacken-Versuch (23.3.2) durch. Außerdem lassen Sie den Patienten eine schnelle Folge von Supination und Pronation bei gebeugtem Ellenbogen und leicht gebeugten Fingern durchführen („wie das Einschrauben einer Glühbirne in eine Lampenfassung“).
Reflexe
Bei der Untersuchung der Reflexe wird geprüft, ob die Reaktion normal, verstärkt oder abgeschwächt ist. Die Reflexreaktion wird physiologischerweise durch die Verbindung zur Pyramidenbahn (Tractus Untersuchung:Reflexecorticospinalis) gehemmt. Bei einer Schädigung der Pyramidenbahn ist diese Hemmung beeinträchtigt, es kommt zu einer überschießenden Reflexantwort (Hyperreflexie).
Eine abgeschwächte oder fehlende Reflexreaktion tritt zum einen auf, wenn die sensiblen (afferenten) Fasern vom Muskel zum Rückenmark unterbrochen sind. Zum anderen kann aberHyperreflexie auch die Weiterleitung des motorischen (efferenten) Signals vom Rückenmark zum Muskel gestört sein.
Es ist wichtig, dass sich der Patient für die Untersuchung der Reflexe entspannt. Den Reflexhammer halten Sie locker zwischen Zeigefinger und Daumen und stützen ihn mit der Hohlhand ab. Der Schlag sollte kurz und federnd auf den auslösenden Bereich treffen. Die betreffenden Gelenke werden am besten in Mittelstellung gehalten.
Bestehen keine neurologischen Symptome, genügt es, den Bizepssehnenreflex, Achillessehnenreflex, Trizepssehnenreflex, Radiusperiostreflex, Babinski-Reflex und Patellarsehnenreflex im Seitenvergleich zu prüfen (Abb. 3.55 bis Abb. 3.60).

Checkliste zur allgemeinen Ganzkörperuntersuchung

Ganzkörperuntersuchung

  • Untersuchung:Ganzkörperuntersuchungallgemeiner Eindruck

  • Messen von Größe, Gewicht, Körpertemperatur, Puls, -Blutdruck

  • Inspektion von ventral und dorsal

  • Inspektion von Kopf und Hals, Mundhöhle, Rachen

  • Palpation Kopf, Nervenaustrittspunkte, Lymphknoten (auch in Achseln und Leistenbeugen)

  • Perkussion Kopf, Nasennebenhöhlen

  • Inspektion und Funktionsprüfung Augen

  • Inspektion Thorax und Mammae

  • Palpation Thorax (Stimmfremitus)

  • Perkussion und Auskultation Lunge

  • Inspektion und Palpation Herz (Herzspitzenstoß)

  • Perkussion und Auskultation Herz

  • Palpation Pulse, Auskultation Gefäße

  • Inspektion Abdomen

  • Palpation Abdomen, Leber, Milz, Nieren

  • Perkussion Abdomen, Blase, Leber, Milz, Nieren, Wirbelsäule

  • Auskultation Abdomen, Aorta abdominalis, Leber

  • ggf. rektale Untersuchung

  • Inspektion, Palpation, Funktionsprüfung obere Extremitäten

  • Inspektion, Palpation, Funktionsprüfung untere Extremitäten

  • Inspektion, Palpation, Funktionsprüfung Wirbelsäule

  • Untersuchung Hirnnerven

  • Testung Sensibilität, Motorik, Koordination

  • Prüfung der Reflexe

  • Verhält sich der Säugling wie sonst, schreit er auffällig stark, ist er apathisch? Zahnt er?

Untersuchung bei speziellen Altersgruppen

Anamnese bei Säuglingen und Kindern

Die Anamnese beim Säugling beschränkt sich auf die Aussagen der Eltern oder der begleitenden Anamnese:SäuglingeAnamnese:KinderBezugsperson. Oft gehen die Angaben mit subjektiven Säugling:AnamneseGewichtungen der Beschwerden einher, die am medizinisch Kinder:AnamneseWichtigen vorbeigehen können. Durch gezielte Fragen versuchen Sie, auf den Kern des Problems zu kommen und v. a. die Dringlichkeit der Beschwerden abzuschätzen, um evtl. eine sofortige Überweisung zum Arzt zu veranlassen. Deshalb dürfen Sie neben den aktuellen Problemen gezielte Fragen nach dem Allgemeinzustand nicht außer Acht lassen:
  • Wann hat der Säugling zuletzt gegessen, bzw. wann wurde er zuletzt gestillt?

  • Hat der Säugling Appetit?

  • Sind die Windeln nass, wann wurde die Windel zuletzt gewechselt?

  • Wann war der letzte Stuhlgang? Wie waren Konsistenz und Farbe? (Beim gestillten Säugling sind breiige Stühle normal.)

Achtung

„Überspringt“ ein Säugling 1–2 Mahlzeiten, ist er richtig krank und bedarf ärztlicher Kontrolle.

Je nach Alter der kleinen Patienten ist die Anamnese bei Kindern wie beim Erwachsenen möglich. Lassen Sie sich die aktuellen Beschwerden von den Eltern oder der Bezugsperson erzählen und soweit möglich auch vom Kind selbst.
Neben der aktuellen Anamnese erfragen Sie:
  • Besonderheiten in der Schwangerschaft und bei/kurz nach der Geburt, Schwangerschaftsdauer, Größe, Gewicht und Kopfumfang bei der Geburt

  • Meilensteinen in der Entwicklung des Kindes (wann konnte es frei sitzen, frei laufen, die ersten Worte sagen?)

  • Ernährung (wie lange gestillt, jetzige Ernährung?)

  • Impfungen/Impfpass

  • früheren Erkrankungen

  • Infektionskrankheiten in der Umgebung (Kindergarten, Schule)

  • der familiären und sozialen Situation: Alter, Beschäftigung und Erkrankungen der Eltern, Alter und Erkrankungen der Geschwister, Kindergartenbesuch bzw. Schulart und Klasse

Untersuchung von Säuglingen und Kindern

Für die Untersuchung von Säuglingen und Kindern brauchen Sie viel Geduld und Zeit sowie Beobachtungsgabe. Suchen Sie intensiven Blickkontakt, und Säugling:Untersuchungnähern Sie sich dann den kleinen Patienten langsam! Die Kinder:UntersuchungKontaktaufnahme ist äußerst wichtig und muss Vertrauen erwecken; versuchen Sie alles, was ängstigen könnte, zu vermeiden.
Säuglinge
Besonders wichtig ist es, beim Säugling den Allgemeinzustand einzuschätzen. Beobachten Sie den Säugling schon während der Anamnese. Für einen guten Allgemeinzustand sprechen:
  • Untersuchung:SäuglingGeschrei, Tränen und Lärm

  • Interesse des Säuglings

  • Bewegungsdrang des Säuglings (ein robbendes oder krabbelndes Kind ist meistens in ausreichendem Allgemeinzustand)

  • Hunger

Tipp

  • Sorgen sie für einen warmen Untersuchungsplatz.

  • Wärmen Sie Ihre Hände vorher an.

  • Stethoskop vorwärmen oder eines mit (warmem) Gummiring benutzen.

  • Säuglinge im Wartezimmer noch stillen oder füttern lassen; satte Säuglinge sind ausgeglichener und schreien weniger.

Der Ablauf der körperlichen Untersuchung entspricht prinzipiell dem beim Erwachsenen, es bedarf jedoch einer größeren Flexibilität:
  • Belastende Untersuchungen wie Ohren- und Racheninspektion sollten zuletzt durchgeführt werden.

  • Zunächst möglichst Herz und Lunge auskultieren, solange der Säugling noch ruhig ist. Ansonsten den kurzen Moment der tiefen Einatmung zwischen den Schreiattacken nutzen.

  • Den Bauch möglichst bei im Hüftgelenk gebeugten Beinen beurteilen, evtl. Phase des Luftholens beim Schreien zur Palpation nutzen.

  • Immer Größe und Gewicht messen. Bei Hinweisen auf einen Entwicklungsstillstand Überweisung zum Kinderarzt.

Kleine Säuglinge können auf der Liege untersucht werden, größere Säuglinge, die schon „fremdeln“, untersuchen Sie am besten auf dem Arm oder Schoß der Bezugsperson. Bei Untersuchung auf der Liege lassen Sie wegen der Sturzgefahr immer eine Hand am Säugling.

Achtung

Alarmzeichen, die eine sofortige Überweisung zum Kinderarzt oder in die Kinderklinik erfordern:

  • marmorierte oder blassgraue Haut

  • Zyanose (10.4.4)

  • starrer Blick, seltener Lidschlag, tief in ihren Höhlen liegende Augen mit dunklen Rändern

  • Schonhaltung des Kopfs, Lichtscheu, gesteigerte Berührungsempfindlichkeit

  • anhaltend schnelle Atemfrequenz (> 60 bei wachen, 1–5 Monate alten Säuglingen; > 50 bei wachen, 6–12 Monate alten Säuglingen), angestrengte Atmung mit Einziehungen über dem Schlüsselbein oder zwischen den Rippen

  • trockene Windel für eine größere Zeitspanne (> 6 Std.), stehende Hautfalten am Bauch oder über der Wadenmuskulatur

Kinder
Ab dem 1. Lebensjahr können Sie das Kind spielerisch in die körperliche Untersuchung einbeziehen, z. B. Demonstration der Untersuchungsschritte am Teddy oder an sich selbst. Erklären Sie dem Kind die Untersuchung:KinderUntersuchungsschritte, auch wenn es noch nicht alles versteht. Wie auch beim Säugling sollten Sie den Untersuchungsgang so planen, dass Sie unangenehme Untersuchungsschritte zuletzt durchführen.

Tipp

  • Eine Ohrenspiegelung und Racheninspektion müssen Sie bei allen fiebernden Kindern durchführen.

  • Bis zum 4. Lebensjahr können Kinder Schmerzen schlecht lokalisieren und projizieren sie oft auf den Bauch. Daher sollten Sie bei Bauchschmerzen immer eine vollständige körperliche Untersuchung durchführen.

  • Wertvolle Hinweise können auch die Ergebnisse der regelmäßigen ärztlichen Kontrolluntersuchungen liefern.

Achtung

Führen Sie bei einem schwer krank wirkenden, hoch fiebernden Kind mit starkem Speichelfluss und Schluckstörung nie eine Racheninspektion durch. Es besteht die Gefahr eines reflektorischen Herz-/Atemstillstands bei Epiglottitis (28.8.4).

Beim kindlichen Organismus sind viele Befunde physiologisch, die beim erwachsenen Patienten krankhaft sind:
  • Geschwollene Lymphknoten treten auch bei gesunden Kleinkindern auf.

  • Ein rotes Trommelfell bei der Ohrenspiegelung kann auch allein durch Schreien entstehen und ist evtl. kein Hinweis auf eine Mittelohrentzündung.

  • Die Atemgeräusche sind lauter und die Ausatmung ist länger als beim Erwachsenen.

  • Fortgeleitete feuchte Rasselgeräusche entstehen häufig in den oberen Luftwegen und nicht in der Lunge. Halten Sie das Stethoskop zur Differenzierung der Rasselgeräusche dem Kind vor den Mund.

  • Häufig treten systolische Herzgeräusche (10.3.2) bei gesunden Kindern und Jugendlichen auf. Auch einzelne Extrasystolen (10.8.1) sind meist supraventrikulär bedingt und harmlos.

Alarmzeichen für eine akute Gefährdung des Kindes entsprechen in etwa den Alarmzeichen des Säuglings. Kinder, die nicht mehr spielen, sind richtig krank. Im Gegensatz zum Säugling ist eine Nahrungsverweigerung bei älteren Kindern nicht mehr so bedenklich, ein leichter grippaler Infekt reicht für die Appetitlosigkeit schon aus.

Untersuchung alter und bettlägeriger Patienten

Die Anamneseerhebung erfordert bei älteren Patienten viel Zeit – manchmal brauchen Sie eine volle Stunde, um die vielen Vorerkrankungen und akuten Beschwerden zu ordnen und zu dokumentieren. Schwerhörige Patienten sollten ihr Hörgerät tragen. Anamnese:alte PatientenWichtig ist, dem Patienten zu erklären, was man vorhat und warum so viele Fragen nötig sind. Mangelnde Konzentrationsfähigkeit des Kranken darf nicht zu Ungeduld verleiten. Es ist dann besser, sich zunächst auf die aktuelle Anamnese zu beschränken und die frühere Anamnese später zu erheben. Ausschweifende Erzählungen können taktvoll durch genaue Fragen beendet werden. Häufig muss die Eigenanamnese durch eine Fremdanamnese ergänzt werden.
Wichtige Inhalte der Anamnese bei älteren Patienten sind:
  • Der körperliche Zustand des Patienten vor der aktuellen Erkrankung: Hat er sich noch selbst versorgt, oder war er schon länger kaum noch in der Lage zu gehen?

  • Die soziale Situation: Wohnt er alleine oder bei Angehörigen, ist jemand da, der sich um ihn kümmert?

  • Die bisher eingenommenen Medikamente (am besten mitbringen lassen).

Um ein umfassendes Bild vom Patienten zu erhalten, sind auch folgende Fragen von Bedeutung:
  • Bestehen Einschränkungen der Aktivitäten des täglichen Lebens, ist z. B. Hilfe notwendig beim Ankleiden, Baden oder Toilettengang?

  • Welche körperlichen Aktivitäten werden durchgeführt (Spazierengehen oder nur Bewegung im Haus)?

  • Besteht eine Harn- oder Stuhlinkontinenz?

  • Ist der Patient in den letzten Monaten gestürzt?

Bei der körperlichen Untersuchung achten Sie besonders auf Symptome alterstypischer Erkrankungen. Bei bettlägerigen Patienten müssen Sie auf Zeichen einer Thrombose (11.7.3) und auf Geschwürsbildungen und Nekrosen der Haut achten. Ältere bettlägerige Patienten Untersuchung:alte Patientengehören unter ärztliche Beobachtung (z. B. evtl. Heparinisierung erforderlich).
Technische Untersuchungen sollten bei einem älteren Patienten nur angeordnet werden, wenn sie für ihn zumutbar sind und angesichts der Gesamtsituation des Kranken Konsequenzen haben.

Diagnostische Verfahren in der Naturheilkunde

Antlitzdiagnose

Die Antlitzdiagnose, auch als Physiognomik bezeichnet, geht – bei aller Unterschiedlichkeit der einzelnen Richtungen – Diagnose/Diagnostik:naturheilkundliche\"\idavon aus, dass aus Merkmalen des Gesichts körperliche und seelische Antlitzdiagnose\"\iZustände abgelesen werden können (Abb. 3.61, Abb. 3.62).
Während die Physiognomik\"\iPathophysiognomik aus den Veränderungen einzelner Gesichtsorgane, der Farbe und Struktur der Gesichtshaut auf funktionelle Störungen oder pathologische Prozesse schließt, können mithilfe der Psy
chophysiognomik seelische Bedürfnisse und Abläufe wahrgenommen werden.
Psychophysiognomik
Neben Cesare Lombroso (1836–1909) und Johann Caspar Lavater (1741–1801) hat Carl Huter (1861–1912) die Physiognomik entwickelt. Er ging davon aus, dass der Mensch durch verschiedene stoffliche und feinstoffliche Energien oder PsychophysiognomikKräfte geformt wird. Huter entwickelte Typologien, die er als Naturelle bezeichnete (z. B. das Bewegungs-, Ernährungs- und Empfindungsnaturell), und beschrieb deren verschiedene charakterliche Grundstrukturen. Dieses physiognomisch erkennbare Naturell weist auf die Reaktionsmuster hin, mit der die äußere Handlung reguliert, das Innere erfühlt, die jeweilige Erfahrung geformt und umgesetzt wird. Die Naturell-Lehre und das Wissen um spezifische Energien helfen in der Praxis, die Anlagen, Bedürfnisse und Belastungen des Patienten besser wahrzunehmen und dadurch der Individualität und Ganzheit besser gerecht werden zu können. Keinesfalls geht es um „Schubladendenken“ und vorschnelle Analysen, denn die Gesamtheit der Antlitzzeichen muss genau betrachtet, miteinander in Beziehung gesetzt und im Gespräch mit dem Patienten verifiziert werden.
Pathophysiognomik
Die Pathophysiognomik ist eine diagnostische Hilfe, die es ermöglicht, gezielt einen Befund zu erstellen sowie den Therapieverlauf zu beurteilen. Nach Ferronato sind die Energie- und Naturgesetze die Grundlage jeglicher LebensvorgängePathophysiognomik\"\i. Auch der Mensch ist diesen Gesetzmäßigkeiten, die chemische, physikalische und thermische Prozesse bestimmen, unterworfen: So laufen im menschlichen Körper ununterbrochen thermische Prozesse ab, die auf biochemischen Vorgängen beruhen und sich auf die Beschaffenheit und Farbe der Gesichtshaut auswirken. Veränderungen der Gesichtshaut geben Aufschluss über pathologische Veränderungen.
Dabei ist z. B. auf folgende Merkmale zu achten:
  • Farbe: Eine Abweichung zu weiß zeigt z. B. eine Insuffizienz, zu gelb eine bakterielle Pathologie, zu rot entzündliche Prozesse an. Sind einzelne pathologische Farben nicht mehr zu erkennen, liegen größere Stoffwechselstörungen vor.

  • Schwellungen verweisen auf Stauungen in den Organen, die der Gesichtsregion zugeordnet sind.

  • Falten zeigen akute oder chronische Veränderungen an.

  • Äderchen sind Zeichen, die nur im Fall der Bronchienzonen und über der Herzzone Rückschlüsse zulassen.

Um Pathophysiognomik richtig anzuwenden, bedarf es einer intensiven Ausbildung.
Die Antlitzdiagnose erfordert sowohl ein systematisches Vorgehen, damit wichtige Hinweise nicht übersehen werden, als auch das intuitive Erfassen von auffälligen Zeichen, die oft bei der Begrüßung bereits ins Auge fallen. Neben dem Gesamteindruck, der konstitutionelle Hinweise gibt, ist auf die Gesichtsfarbe von der Stirn bis zum Kinn zu achten: Sind partielle Verfärbungen sichtbar oder weist das Gesicht insgesamt eine blasse oder gerötete Farbe auf? Zudem sind sämtliche Hautveränderungen in Form von Knötchen, Pickeln, Flecken, Warzen, Pigmentierungen, Verdickungen oder Xanthelasmen (15.4.2) in Augenschein zu nehmen. Es ist wichtig, auf deren Lokalisation zu achten.

Bioresonanz-Diagnostik

Bei der Bioresonanz-Therapie (4.2.12Xanthelasmen\"\i) handelt es sich um ein energetisches Behandlungsverfahren. Ausgehend von dem Medikamententest der Elektroakupunktur nach Voll (3.7.3) Bioresonanz-Diagnostik\"\ikonstruierten der Arzt Franz Morell und der Ingenieur Erich Rasche (daher auch die Bezeichnung Mora-Therapie) in den 1970er-Jahren ein Gerät, mit dem sich Medikamentenschwingungen drahtlos übertragen lassen sollen. Grundlegend für das Verfahren ist die Vorstellung, es gebe im Körper zwei verschiedene Arten von elektromagnetischen Schwingungen, und zwar physiologische und pathologische Schwingungen.
Beide sollen durch das Gerät aufgenommen und mittels eines Separators voneinander getrennt werden, der aus einem System bestimmter ausgetesteter Molekülverbände besteht. Durch die Invertierung (Umkehrung) von Negativschwingungen sollen störende Einflüsse gelöscht werden, indem das Bioresonanzgerät die ultrafeinen Schwingungen des Organismus in therapeutisch verwertbare Schwingungsmuster umformt. Dies verstärkt physiologische Energiefelder, während pathologische Schwingungen eliminiert werden. Außerdem erwartet man sich durch die energetische Stärkung des Körpers eine Stimulierung aller Ausscheidungs- und Entgiftungsvorgänge. Die Bioresonanz-Therapie wird auch zur Testung von Allergenen, Medikamenten und Toxinen und zur Behandlung zahlreicher Krankheiten, besonders von Allergien, eingesetzt. Es gibt verschiedene Hersteller, die nach diesem Prinzip ähnlich arbeitende Geräte entwickelt haben.

Elektroakupunktur

Die Elektroakupunktur nach Voll (EAV) ist nach dem Arzt Reinhold Voll (1909–1989) benannt. Er entwickelte in den 1950er-Jahren ein Gerät, um Akupunkturpunkte zu lokalisieren und zu messen sowie Akupunkturpunkte nichtinvasiv zu behandeln.
BeiElektroakupunktur nach Voll\"\i der EAV wird mithilfe einer Punktelektrode die Leitfähigkeit des Gewebes bei Gleichspannung gemessen.
Wesentlicher Bestandteil der EAV-Untersuchung ist der Resonanztest. Dieser soll das Erstellen einer ursachenbezogenen Diagnose sowie eine individuell ausgerichtete und den momentanen Prozessen angepasste Therapie ermöglichen. Für die systemische Beurteilung des Messprotokolls bei der Basisuntersuchung müssen Messungen an mindestens 120 Messpunkten erhoben werden.
Basisuntersuchung
Ausgehend von der systemischen Vernetztheit des Organismus beschäftigt sich die EAV mit biologischen Steuerungs- und Regelprozessen und ihren Störungen, die den organischen Veränderungen übergeordnet sind. Dabei werden die bekannten reflektorischen Beziehungen oder Wechselwirkungen zwischen Organen oder Systemen und der Haut genutzt und an anatomisch definierten und elektrisch signifikanten Punkten bzw. Arealen der Haut elektrophysikalische Messungen durchgeführt.
Die Messung soll sichere Anhaltspunkte auf energetische Störfelder und ihre jeweilige Systemzugehörigkeit liefern.
Resonanztest
Ein Bestandteil der EAV ist der sog. Medikamententest, der auch als Resonanztest bezeichnet wird. Bei diesem soll das in seiner Wirkung, Verträglichkeit und Dosierung optimale Medikament für den Patienten gefunden werden. Auf diese Weise werden auch NosodenMedikamententest, Elektroakupunktur\"\i (4.2.22) getestet und zusätzliche Informationen über die pathologische Funktionskette gewonnen. Im Anschluss werden dem Patienten die ausgetesteten Präparate (z. B. Nosoden, Organpräparate, Homöopathika) verabreicht. Die Methode wird auch eingesetzt, um z. B. Umweltgifte, Nahrungsmittel oder dentale Werkstoffe (z. B. Amalgam) auszutesten.

Iridologie

Zahlreiche Funde deuten darauf hin, dass die Iris- bzw. Augendiagnose bereits im alten Ägypten angewendet wurde: So war den Chaldäern von Babylonien das „Ablesen der Krankheiten aus dem Auge“ Iridologie\"\ibekannt. Auch Steinplatten aus dem asiatischen Raum tragen bereits Hinweise auf die Irisdiagnose. Hier stand die Beschäftigung mit farblichen Veränderungen im Auge im Vordergrund, eine topografische Zuordnung der Sektoren wurde allerdings nicht vorgenommen. 1670 beschrieb Philippus Meyens in der „Physiognomia medica“ erstmals die Organeinteilung der Iris nach Körperregionen und lieferte die Grundlagen für die erste Iriskarte der Neuzeit. Der ungarische Arzt Ignaz von Peczely (1826–1911), der Begründer der abendländischen Irisdiagnose, publizierte 1886 seine erste Iriskarte in den homöopathischen Monatsblättern. Er nahm in der Iris eine Lokalisation der inneren Organe wahr und entwickelte eine Iristopografie. Etwa zur selben Zeit lebte Pastor Felke, ein Pionier der Augendiagnose und Heilkundiger, der weit über die Grenzen Deutschlands bekannt wurde. Ein renommiertes Lehrinstitut für Irisdiagnose wurde in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts in Dresden von Magdalene Madaus unterhalten. Josef Deck, der ein umfangreiches Standardwerk zur Irisdiagnostik verfasste, Josef Angerer sowie Joachim Broy und Günther Lindemann gaben der Irisdiagnose weitere Impulse.
Grundlagen
Die Iris ist wegen der Durchsichtigkeit der Kornea dem Auge des Untersuchers frei zugänglich.
Der Heidelberger Arzt Lang konnte nachweisen, dass Nervenverbindungen von allen Teilen der Körpers zur Iris bestehen. Diese nervalen Verbindungen bilden die Grundlage dafür, dass im Auge Antworten auf gestörte Organe und Gewebestrukturen zu finden sind.
Die Irisdiagnose kann Aufschluss geben über genetische Veranlagungen, die individuellen Reaktionsmuster auf Belastungen und Therapien sowie auf erworbene Belastungen. Sie verweist auf Schwachstellen des Organismus und auf die Orte, an denen Toxine, Stress oder wiederkehrende Infektionen den geringsten Widerstand finden und dauerhaften Schaden anrichten.
Die Irisdiagnose geht davon aus, dass sich in der Iris reflektorisch alle Organe (Abb. 3.63) widerspiegeln: Rechtsseitige Organe sind im rechten, linksseitige Organe im linken Auge angeordnet. Innere Organe (z. B. Magen-Darm) sind in Pupillennähe, peripher gelegene Organe mehr am Rand zu finden.
Zeichen und Zonen
Mit Hilfe eines Irismikroskops können aus Dichte, Farbe und Mannigfaltigkeit der Zeichen der Regenbogenhaut Anlagen und ererbte Schwächen des Patienten sowie akute Schwächen und entzündliche Prozesse der Organe erkannt werden. Dabei werden nach Deck Zeichen durch ihre Größe und Form unterschieden:
  • Reflektorische Zeichen: Zeichen der Faserstruktur, wie z. B. helle Radiären (Strahlen), deuten auf akute oder rezidivierende Reizzustände hin.

  • Organzeichen: Strukturzeichen,Iridologie:Zeichen\"\i wie z. B. Lakunen („Hohlräume“), Krypten („Gräben“), Waben und deren Formationen, weisen auf Organschwächen hin und geben topografische und anatomische Hinweise. Lakunen haben eine ovale Form, Waben ähneln der Form einer Bienenwabe, Krypten der eines Rhombus.

  • Physiologische Zeichen: z. B. Tophi („Flocken“) und Pigmente verweisen auf metabolische Probleme.

Die Iris wird auch in zirkuläre Zonen (Abb. 3.64) eingeteilt. Ausgehend von drei Hauptzonen wird jede Zone in zwei kleine Zonen unterteilt. Von innen nach außen gegliedert, zeigen sich in der Iris die drei Keimblätter, das Entoderm (Magen-Darm-Zone), das Mesoderm (Blut-Lymphzone und Iridologie:Zonen\"\iMuskelzone) und das Ektoderm (Knochen- und Hautzone).
  • Die erste große Zone, die Krausenzone, besteht aus der Magen- und der Darmzone. Hier können Hinweise auf die Vorgänge der Nahrungsverwertung, der Resorption, Assimilation und Stoffaufbereitung gewonnen werden.

  • Die zweite große Zone enthält die Organe für den Stofftransport und für die Stoffverwertung, wie z. B. Herz, Nieren, Pankreas und Gallenblase. Die Zone ist auch unterteilt in die Blut-Lymphzone und die Muskelzone.

  • Die dritte große Zone umfasst die Organe für die Körperstütze, für Entgiftung und Ausscheidung wie z. B. Leber, Milz, Nase, Mund, Harnröhre, After. Sie kann unterteilt werden in die Knochenzone und die Zone der Haut.

Aus den Veränderungen in den jeweiligen Zonen ergeben sich Hinweise auf Funktionszyklen und Gewebesysteme.
Broy unterteilt die Iris in Zonen und Regionen. Während bei ihm die Krausenzone ebenfalls aus der Magen- und der Darmzone besteht, unterteilt er die Ziliarzone in folgende Regionen: in die humorale Aktions- und Transitregion, in die Region der Stoffverwertung und Dynamik, in die Region der aktiven Schleimhaut und in die Mesenchymregion.
Konstitution und Diathese
Die Irisdiagnose gibt Hinweise auf Konstitution (8.1.6 Erb- und Werdegangsfaktoren), Disposition (8.1.4 Krankheitsneigung) und Diathese (8.1.4 Konstitution:Iridologie\"\iReaktionsbereitschaft) des Patienten. Sie kann Diathese:Iridologie\"\ikonstitutionelle Schwachstellen anzeigen und somit wertvolle Informationen über eine vorbeugende Behandlung geben. In der Irisdiagnose werden zahlreiche Konstitutionstypen unterschieden:
  • lymphatische Konstitution (21.3.3): Das Lymphsystem reagiert sympathikoton auf Einflüsse; akute Erkrankungen gehen mit Fieber und Konstitution:Iridologiegeschwollenen Drüsen einher. Die Ausscheidungsfunktionen der Nieren und der Haut müssen angeregt werden. Hinweise in der Iris: Blau bis blaugrau, feine, gleichmäßige Stromazeichnung. Es gibt folgende verschiedene Ausprägungen der lymphatischen Konstitution:

    • lymphatisch-hyperplastische Konstitution (Abb. 12.18): ständige Überreizung des Lymphsystems, Neigung zu katarrhalischen Erkrankungen in der Kindheit, später rheumatische Erkrankungen, allergische Reaktionen. Hinweise in der Iris: blaue bis graue Grundtönung, Stroma wirkt verschleiert, um die Krausenzone auch milchig

    • hydrogenoide Konstitution (12.3.3): Weiterentwicklung der lymphatisch-hyperplastischen Konstitution, bei blauer Iris, katarrhalische Erkrankungen, Asthma, Bronchitis; bei brauner Iris mehr rheumatische Erkrankungen. Hinweise in der Iris: blau oder braun; Flocken in der 4. und 5. kleinen Zone

    • neuropathisch-neurolymphatische Konstitution (26.4.1): Astheniker mit blasser, durchscheinender Haut, kaum organische Erkrankungen, Angstzustände, Erschöpfung, Unruhe und Stress. Hinweise in der Iris: blau, geschlängelte Fasern und Querfasern (sog. Neuronennetze), abgedunkelte Hautzone, Blut- und Lymphzone aufgehellt

    • lymphatisch-hypoplatische Konstitution (Abb. 24.21): lymphatische Prägung wird abgelöst durch Insuffizienz des venösen Systems und Beschwerden der leistungsschwachen hypoplastischen Organe (Herz, Nieren, Leber). Hinweise in der Iris: Blau bis grau-braun, in der Krausenzone teils helle Reizfasern, teils pigmentiert

  • hämatogene Konstitution (15.3.3, Abb. 19.13, Abb. 20.19): Erkrankungen der Kreislauforgane, spastische Zustände, psychosomatische Übererregbarkeit. Hinweise in der Iris: Konstitution:Iridologiebraune Iris, Stroma kaum zu erkennen, ringförmige Kontraktionsfurchen

  • katarrhalisch-rheumatische Konstitution (9.3.3, Abb. 22.10): rheumatische Erkrankungen, Übersäuerung, Kolitis. Hinweise in der Iris: graue Iris, Krausenzone dunkler verfärbt, Blut-Konstitution:IridologieLymphzone aufgehellt, am Ziliarrand Flocken

  • atonisch-asthenische Konstitution (26.4.1): funktionelle Minderleistung, vorzeitige Erschöpfung, erniedrigter Tonus, verminderte Vitalität. Hinweise in der Iris: Konstitution:Iridologieblau oder braun, zarter Pupillenring, Iris schüsselförmig eingesunken, Astheniefurchen durch die gesamte Krause.

Weitere Konstitutionen sind z. B. die oxygenoide Konstitution und die carbo-nitrogenoide Konstitution (Abb. 18.5). Zu unterscheiden sind ferner die harnsaure und lipämische Diathese, die alsDiathese:Iridologie Ausprägung der lymphatischen Konstitution eine Belastung des Stoffwechsels anzeigen.
  • Diathese:Iridologielipämische Diathese (15.3.3): Störungen im Fettstoffwechsel der Leber, Hinweise in der Iris: Cholesterolring und in der Sklera liegende gelbliche Lipoidhügel

  • harnsaure Diathese (15.3.3, Abb. 18.4, Abb. 16.22): Auscheidungsschwäche der Nieren, verringerter Abbau der Harnsäure, Übersäuerung des Gewebes, Migräne, unspezifische Entzündungen, genetische Disposition zu Gicht und Steinleiden, Hinweise in der Iris: weiß-graue Plättchen im äußeren Irisfeld, die die Irisfasern verwischen

  • spastische Diathese: Tendenz zu Koliken, körperlicher und psychischer „Verkrampfung“, asthmatischen Beschwerden, Schilddrüsenerkrankung, Hinweise in der Iris: Kontraktionsfurchen oft auch in der Krausenzone (zart), Krause zickzackförmig, Iris ist vorgewölbt

Kinesiologische Testverfahren

Mithilfe der angewandten Kinesiologie und der Applied Kinesiology (4.2.4) können gesundheitliche Störungen frühzeitig diagnostiziert und gezielt behandelt werden. In der Diagnostik kann der Muskeltest eingesetzt Kinesiologie:Diagnostik\"\iwerden, um z. B. Krankheitsherde oder maximal belastete Organe aufzufinden, Allergien Kinesiologieauszutesten oder tief greifende emotionale Kinesiologie:Testverfahren\"\iErlebnisse zu identifizieren. Therapeutisch wird der Muskeltest angewendet, um geeignete Medikamente auszutesten, Energien zu harmonisieren und emotionale Stressmuster zu lösen.
Informationen über den Muskelzustand
Durch die verschiedenen Muskelrezeptoren, die Golgi-Sehnenorgane und die neuromuskulären Muskelspindeln erhält das Gehirn Auskunft über die Muskelkontraktion, Muskelspannung, Muskellänge, Sehnenspannung sowie über die Tätigkeit der Gelenke, Lage- und Spannungsveränderungen des Körpers und die Geschwindigkeit der Muskelveränderung. Diese Informationen garantieren eine koordinierte Muskelaktion, den Ablauf von Bewegungen sowie die Aufrechterhaltung unserer Körperhaltung.
Durch Stress und Aktivität in den Muskeln werden die Spindelzellen und die Golgi-Sehnenorgane aktiviert. Während die Golgi-Sehnenorgane das ZNS kontinuierlich über die Muskelspannung „informieren“, stellen die Muskelspindeln Informationen über die Muskellänge zur Verfügung. Die Balance zwischen dem Spannungskontrollsystem der Golgi-Sehnenorgane und dem Längenkontrollsystem der Muskelspindeln findet in Kerngebieten statt. Es wird vermutet, dass körperliche und seelische Vorgänge dieses System beeinflussen.
Muskeltest
Jeder Muskel, der schmerzfrei zu testen ist und dem Druck des Therapeuten standhält, kann als Testmuskel, d. h. als Indikatormuskel (IM) verwendet werden. Er fungiert quasi als „Indikator“, da er stellvertretend für Muskeltest:kinesiologischer\"\iden Körper mit dem Fragestellenden kommunizieren kann.
Besonders gut geeignet ist der vordere Anteil des Delta-Muskels, der M. deltoideus anterior, da er sowohl im Liegen als auch im Stehen problemlos getestet werden kann.
Es ist wichtig, vor dem eigentlichen Testvorgang den Muskel auf seinen Spannungszustand zu überprüfen („Vortest“).
Durchführung
Die zu testende Person hält den Arm in einem Winkel von ca. 45° gestreckt. Die Handfläche zeigt nach unten. Der Therapeut drückt nun auf den Unterarm oberhalb des Handgelenks, um den Arm nach unten zu bewegen, und kann folgende Spannungszustände unterscheiden: normoton, hypoton, hyperton.
Normoton testet ein Muskel, dessen Tonus nur wenige Sekunden nachgibt, um dann dem Testdruck des Therapeuten standzuhalten. Ein normotoner Muskel kann als Indikatormuskel verwendet werden. Hyperton oder hypoton testende Muskeln müssen durch spezielle Methoden korrigiert werden, bevor man mit den eigentlichen Tests beginnt. Das Testen muss gelernt werden, um die größtmögliche Zuverlässigkeit zu gewährleisten.
Kann der Patient während des Testvorgangs den Arm mit Leichtigkeit in der Position halten, ist der Muskel „eingeschaltet“. Hat er hingegen Schwierigkeiten, in der Position zu bleiben, bedeutet dies, der Muskel „schaltet“ ab.

Pulsdiagnose

Die Pulsdiagnose ist eine der wichtigsten diagnostischen Kriterien in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM 4.2.44). Auch in anderen fernöstlichen Medizinkulturen, wie in der tibetischen Pulsdiagnose\"\iMedizin und beim Ayurveda (4.2.8), hat die Pulsdiagnose große Bedeutung.
Durchführung der chinesischen Pulsdiagnose
Die Pulstaststellen liegen am rechten und linken Handgelenk im Bereich der A. radialis und werden in Pulsdiagnosedrei Positionen unterteilt: Zunächst sucht der Mittelfinger die Guan-Pulsstelle (bei Lu 9) des Patienten auf, danach wird der Zeigefinger auf die Cun-Position (0,5 cun proximal von Lu 8) und der Ringfinger auf die Qi-Position (proximal von Lu 8) gelegt. Getastet wird mit leichtem, mittlerem (bis an muskuläre Partien) und starkem Druck (bis an Knochen und Sehnen).
Da die 12 Pulsstellen verschiedenen Funktionskreisen zugeordnet sind, geben sie Auskunft über die mit den Funktionskreisen in Verbindung stehenden inneren Organe (Abb. 3.65).
Mit dem Zeige-, Mittel- und Ringfinger werden die Tiefe (oberflächlich oder tief), die Frequenz (langsam oder schnell), die Form der Pulswelle (z. B. ausgedehnt oder drahtig), die Strömungen (z. B. kraftlos, rollend oder zögernd, weich oder vibrierend) und der Rhythmus (z. B. rhythmisch oder arrhythmisch) ertastet. Dabei müssen die drei Finger – trotz ihrer unterschiedlichen Länge – in derselben Ebene liegen. Getastet wird mit der höchsten und sensibelsten Stelle der Fingerspitze. Nur diese auch als „Auge des Fingers“ bezeichneten Taststellen können minimale Änderungen des Pulses erspüren.
Pathologischer Puls
Normalerweise ist der Puls gleichmäßig, ruhig und kräftig. Abweichungen deuten auf ein Krankheitsgeschehen oder eine funktionelle Störung hin. Die chinesische Medizin unterscheidet 28 pathologische Pulse, z. B. einen oberflächlichen oder einen tiefen Puls; einen erschöpften, der nur durch behutsames Tasten zu fühlen ist; einen rauen, der sich anfühlt, als ob man mit einem Messer über Bambus schabt oder einen saitenförmigen, scharf gespannt wie eine Lautensaite. Jede Pulsqualität (z. B. hohl, sanft, zerfließend, tief, träge, schnell, saitenförmig, schlüpfrig oder unregelmäßig) steht im Zusammenhang mit einer Erkrankung.
Schwache Pulse können z. B. auf einen Blut- und Qi-Mangel, volle Pulse auf eine Fülle-Symptomatik hinweisen.
Die Pulse unterliegen verschiedenen Einflüssen wie z. B. dem Geschlecht und Alter sowie der Konstitution und Jahreszeit.
Eine aussagekräftige, differenzierte Pulsdiagnose erfordert viel Erfahrung und sollte immer mit anderen Methoden der Traditionellen Chinesischen Diagnostik wie z. B. der Zungendiagnose (3.7.8) kombiniert werden. Bezieht man die Ergebnisse der Pulsdiagnose in die Akupunkturbehandlung ein, so kann die Therapie auf die energetische Situation des Patienten individuell abgestimmt werden.

Segment- und Reflexzonendiagnose

Verfahren, die innere Organe durch eine Behandlung von Reaktionsstellen an der Haut beeinflussen, zählen zu den ältesten Therapieverfahren. Holografische Abbildungen des Körpers an umschriebenen Segmentdiagnose\"\iHaut-Schleimhautarealen wurden insbesondere Reflexzonendiagnose\"\iim Bereich der Extremitäten (z. B.
Terminalpunkte an Hand und Fuß, Reflexzonen am Fuß), am Kopf (z. B. Auge, Ohr) sowie am Übergang von Haut- und Schleimhaut (z. B. Nase, Zähne, Mundschleimhaut) gefunden. Diese Segment- und Reflexzonen können Aufschluss über den Zustand innerer Organe geben, da viszerokutane und kutiviszerale Reflexbahnen als anatomisches Substrat die Reize in beide Richtungen weiterleiten können (4.2.41, 23.2.11).
Hyperalgetische Zonen
Ende des vorigen Jahrhunderts entdeckten der englische Neurologe Henry Head (1861–1940) und der schottische Chirurg Stephen McKenzie (1844–1909) unabhängig voneinander Körperzonen, die bei Erkrankungen innerer Organe häufig Zonen:hyperalgetische\"\iauffällige Veränderungen zeigten. Sie folgerten daraus, dass eine nervale Wechselwirkung zwischen den inneren Organen und Körperoberflächenzonen bestehen muss. Die überempfindlichen (hypersensiblen) bis schmerzhaft veränderten (hyperalgetischen) Hautareale werden als Head-Zonen bezeichnet. McKenzie fand in der Muskulatur entsprechende hyperalgetische Zonen mit hypertonischen und hypertrophischen Veränderungen, die in der Tiefe als Head-Zonen\"\istarke Muskelverspannungen spürbar sind.
Gelosen
Störungen der Zonen:Head-Zonen\"\iinneren Organe können sich in zugeordnete Hautzonen projizieren und zu Hautirritationen führen (Abb. 3.66). Diese verändern die gesamten physikalisch-chemischen Vorgänge und somit den Mineral- und Gelosen\"\iFlüssigkeitshaushalt. Es kommt zu einer Gewebeaufquellung durch Ansammlung von interstitiellem Wasser, wodurch das Gewebe weich und eindrückbar wird. In der Haut und im Bindegewebe entstehen Gelosen, die beim Abtasten des Rückens als Erhebungen, Härten oder sulzige Eindellungen zu spüren und oft auch sichtbar sind. Verschiedene Formen von Gelosen können unterschieden werden.
Heiße Gelose – Füllegelose
Diese mit Blut gefüllte Zone ist als prall-elastische Härte tastbar. Sie ist heiß, beim Betasten schmerzhaft und kann bis zu 3 cm Durchmesser haben oder fließend in die Umgebung übergehen. Die lokale Blutfülle tritt meist zu Gelosen:Füllegelose\"\iBeginn einer Erkrankung auf. Besteht diese Gelose länger, kann sie sich in eine Übergangsgelose oder eine kalte (leere) Gelose umwandeln.
Kalte Gelose – Leeregelose
Die kalte Gelose ist als ischämische Verhärtung oder weiche „Sulze“ im Bindegewebe lokalisiert. In die kleine, harte oder schlaffe, talförmig eingesunkene Zone sind oft auch centkleine, harte und schmerzhafte Gelosen hineingestreut.Gelosen:Leeregelose\"\i Leeregelosen sind kalt und blass, weil die Blutzufuhr gedrosselt und die Zirkulation durch Umgehungsgefäße umgeleitet ist.
Übergangsgelose
Die Übergangsgelosen, häufig vorkommende fließende Übergänge und Mischformen zwischen heißen und kalten Zonen, sind eher großflächig, kalt und von teigiger Konsistenz. Manchmal liegen sie auch in einer größeren, schlaffenGelosen:Übergangsgelose\"\i Bindegewebszone (z. B. Leberbuckel).
Untersuchung
Der Patient sitzt mit ausgestreckten Beinen auf der Untersuchungsliege, den Oberkörper so weit wie möglich nach vorne gebeugt, Kopf und Schultern hängen nach vorne.
Der Behandler steht hinter dem Patienten und tastet zunächst mit leichtem, dann mit hartem Druck der Zeige- und Mittelfinger (evtl. auch Ringfinger) von oben nach unten Stück für Stück die Zonen ab. Beim Palpieren der Füllegelosen ist das Zerquetschen der kleinen Venen (Venolen) hörbar (leichtes Knacken).
Fußreflexzonendiagnose
Auch bei der Reflexzonentherapie am Fuß reagieren Zonen belasteter Organe durch Schmerzhaftigkeit sowie durch vegetative Überreaktionen. In der Abb. 3.67 ist die Einteilung der für die Diagnose relevanten FußreflexzonenZonen:Fußreflexzonen\"\i zu erkennen. Informationen zur Therapie finden sich im Kapitel 4.2.37.

Zungendiagnose

Die Inspektion der Zunge ist eines der ältesten Diagnoseverfahren. Als Bestandteil der TCM (4.2.44)Zungendiagnose\"\i kann sie auf eine beinahe 5000 Jahre alte Tradition zurückblicken. Auch in der westlichen Medizin hat sie einen festen Stellenwert.
Bei der Zungendiagnose geben Form, Farbe und Beschaffenheit der Zunge sowie Art und Farbe des Zungenbelags Hinweise auf Störungen und energetische Ungleichgewichte in den Organsystemen, die den einzelnen Arealen zugeordnet sind. Da sich die Zunge in ihrem Ausdruck relativ schnell ändert, kann die Zungendiagnose auch zur Therapiekontrolle herangezogen werden.
Die Zunge kann insbesondere den Zustand der Verdauungsorgane, aber auch anderer Organsysteme des Körpers anzeigen. In der TCM können z. B. zusätzlich die Qualität der Zirkulation des Qi, des Blut-Xue und verschiedener Körpersäfte durch Farbe und Form der Zunge diagnostiziert werden.
Topografie
In der westlichen Zungendiagnose gibt die Zunge von ihrer Spitze bis zu ihrer Wurzel Referenzpunkte des Verdauungstrakts wieder. Dabei entspricht die reflektorische Lage auf der Zunge der Lage der Organe im Körper. So repräsentiert die Zungenspitze den Rachen und die Speiseröhre, mittig liegen der Magen sowie der Zwölffingerdarm, Dünndarm, Blinddarm, Dickdarm und an der Zungenwurzel der Mastdarm. Im Übergang zwischen dem ersten und zweiten Zungendrittel liegt mittig rechts die Bauchspeicheldrüse, darüber befindet sich die Leber und im Grenzbereich vom zweiten zum dritten Drittel die Gallenblase. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM 4.2.44) gilt folgende Zuordnung: Zungenspitze – Herz, Zungenmitte – Milz und Magen, lateraler Rand – Leber und Gallenblase, Zungenwurzel – Nieren und selten auch Dickdarm.
Phänomene
Alle Erscheinungen, die vom Aussehen einer normalen Zunge abweichen, sind in Augenschein (Abb. 3.68) zu nehmen. Die normale Zunge ist frei beweglich, hat einen leicht geröteten Zungenkörper, einen schwachen, dünnen, weißen, nicht abwischbaren Belag und ist leicht feucht und glänzend.
Zusätzlich zu den farblichen Abweichungen (Tab. 3.6) ist bei der Zungendiagnose darauf zu achten, ob z. B. Fissuren (Risse), Sulci (nach innen gerichtete Furchen) oder Trabekel (Erhebungen) vorliegen. Möglicherweise sind am Zungenrand auch Zungenbisse durch eingedrückte Backenzähne zu beobachten. Die farblichen Beläge werden in den verschiedenen Medizinsystemen unterschiedlich interpretiert. Tab. 3.6 orientiert sich an der westlichen Zungendiagnose.
In der Schulmedizin lassen sich typische Zungenbilder unterscheiden: Die Himbeerzunge ist charakteristisch für Scharlach. Die Lackzunge tritt bei Leberzirrhose oder bei der tropischen Sprue auf. Eine stark gerötete Zunge findet man bei Eisenmangel oder perniziöser Anämie. Eine vergrößerte Zunge tritt bei Myxödem und bei der Akromegalie auf, eine kleine atrophische Zunge bei einer Lähmung des zungenversorgenden Nerven (N. hypoglossus).
Als „Landkartenzunge“ bezeichnet man rosa bis dunkelrote Flecken, die landkartenähnlich angeordnet sind. Sie kann Störungen des Hormonsystems oder – in Verbindung mit anderen Zeichen – Leber- oder Stoffwechselstörungen anzeigen. Eine gefältelte Oberfläche mit zahlreichen Quer- und Längsrillen ist eine genotypische Veranlagung mit Hinweis auf ein labiles Nervensystem.
Nicht direkt zur Zungendiagnose gehörend, aber bei der Inspektion kaum zu ignorieren, ist der Mundgeruch (Foetor ex ore): Ein fäkaler Geruch verweist auf schlechte Zähne oder Magen-Darm-Geschehen (aufsteigende Gase), während der Geruch nach Aceton Diabetes mellitus und ein süßlicher Geruch Diphtherie anzeigen kann.

Diagnostische Verfahren in der Schulmedizin

Funktionsdiagnostik

Funktionsdiagnostik: Prüfung der spezifischen Leistungen eines Organs oder Organsystems unter möglichst standardisierten Bedingungen, meist mit technischen Hilfsmitteln.

Aus den Beschwerden des Patienten und der allgemeinen körperlichen Untersuchung kann oft nicht Funktionsdiagnostik/-prüfungausreichend auf die Funktion eines Organs oder Organsystems geschlossen Diagnose/Diagnostik:Funktionsdiagnostikwerden. So fördert evtl. auch ein normal großes Herz, dessen Herztöne bei der Auskultation unauffällig klingen, nur ungenügend Blut. Außerdem sind die Angaben des Patienten immer subjektiv. Daher sind häufig Funktionsuntersuchungen (Funktionsprüfungen) zur Objektivierung und Differenzierung einer Störung angezeigt. Bei vielen funktionsdiagnostischen Tests ist die Kooperation des Patienten erforderlich, was die Bedeutung angemessener Aufklärung und Motivation unterstreicht.
Manchmal sind die Grenzen zwischen einer gründlichen allgemeinen Ganzkörperuntersuchung und einfacher Funktionsdiagnostik fließend.
Laboruntersuchungen
Oft sind Funktionsuntersuchungen mit Laboruntersuchungen (31.3) verknüpft, etwa wenn Hormonausschüttungen oder Hormonwirkungen nach entsprechender Stimulation (Anregung) oder Suppression (Unterdrückung) erfasst werden (z. B. beim oralen Glukosebelastungstest 15.5.3). Diese Laboruntersuchungen erfordern häufig die Gewinnung mehrerer Proben in definierter zeitlicher Abfolge. Beispiele sind hormonelle Stimulationstests für die Schilddrüse, bei denen die Regelkreise im Schilddrüsenhormonhaushalt geprüft werden (19.3.4) oder der Dexamethason-Test bei einer Nebennierenrindenüberfunktion.
Elektrische Phänomene
Viele Vorgänge im menschlichen Körper gehen mit elektrischen Phänomenen einher (Abb. 3.69). So zieht bei jedem Herzschlag eine Erregungswelle mit elektrischen Ladungsverschiebungen über das„Funktionsdiagnostik/-prüfung:elektrische Pänomene Herz. Diese Spannungen bzw. die dadurch ausgelösten geringen elektrischen Ströme können über die Körperoberfläche des Patienten abgeleitet und registriert werden, und man erhält das sog. Elektrokardiogramm, kurz EKG (10.3.4). Im Gegensatz zur Auskultation des Herzens kann mithilfe des EKGs oft der Ursprungsort einer Herzrhythmusstörung bestimmt werden. Werden die elektrischen Potenzialschwankungen der Großhirnrinde registriert, handelt es sich um ein Elektroenzephalogramm, kurz EEG (23.3.4).
Gefäßdruckmessungen
Unersetzlicher Bestandteil der Diagnostik von Herzerkrankungen sind Herzkatheter-Untersuchungen, bei denen ein dünner Katheter über die Blutbahn bis ins Herz vorgeschoben wird, um die„Funktionsdiagnostik/-prüfung:Gefäßdruckmesungen Druckverhältnisse im Herzen, Ventrikel-, Schlag- oder Herzminutenvolumen zu messen. Dadurch wird z. B. bei Herzfehlern eine gezielte HerzkatheteruntersuchungBehandlungsplanung möglich. Weitere Katheteruntersuchungen ermöglichen Druckmessungen in der Speiseröhre und in der Schädelhöhle.
Bildgebende Verfahren
Funktionsuntersuchungen können auch mithilfe bildgebender Verfahren durchgeführt werden, z. B. Beurteilung der Herzmuskel- und -bildgebende Verfahrenklappenbeweglichkeit mithilfe der Sonografie (3.8.2), der „Funktionsdiagnostik/-prüfung:bildgebende VerfahrenSpeiseröhrenbeweglichkeit oder der Harnblasenentleerung mithilfe von Kontrastmittelröntgen (3.8.2) oder der Stoffwechselleistungen mithilfe verschiedener szintigrafischer Verfahren (3.9.2).
  • Mit Ultraschallgeräten kann z. B. die Funktionsfähigkeit der Herzklappen beurteilt werden (Echokardiografie).

  • Die Funktion der Muskulatur beider Herzkammern kann nach Gabe eines Röntgenkontrastmittels (3.8.2) wie ein Kinofilm aufgenommen und dann in Zeitlupe wiedergegeben und analysiert werden.

  • Die Jodaufnahme zuvor verabreichter radioaktiv markierter Jodmoleküle in der Schilddrüse lässt sich mithilfe einer sog. γ-Kamera dokumentieren.

Bildgebende Diagnoseverfahren

Bildgebende Diagnoseverfahren, allen voran Röntgen und Ultraschall, sind heute aus der Schulmedizin nicht mehr Diagnose/Diagnostik:bildgebende Verfahrenwegzudenken.
Die Röntgenstrahlung, eine hochenergetische elektromagnetische Strahlung, wurde 1895 von Wilhelm Conrad bildgebende VerfahrenRöntgen entdeckt. Die Eigenschaft der Röntgenstrahlung, verschiedene Körpergewebe in unterschiedlichem Maß zu durchdringen, wurde schon früh diagnostisch genutzt. Heute ist die Radiologie (Strahlenkunde) ein eigenständiges medizinisches Fachgebiet. Es werden zwei große Gruppen der Röntgenverfahren unterschieden:
  • Bei konventionellen Röntgenverfahren wird das entstehende Bild direkt auf einem Bildschirm betrachtet oder auf einem Röntgenfilm sichtbar gemacht. Beispiele hierfür sind die Röntgenleeraufnahme der Lunge oder die Kontrastmitteldarstellung Röntgenaufnahme/-verfahren:konventionelle Verfahrendes Darms.

  • Bei digitalen Röntgenverfahren wie der Computertomografie werden die Absorptionsunterschiede mit speziellen Geräten gemessen und in Computern weiterverarbeitet, bevor sie auf dem Bildschirm erscheinen.

Röntgenstrahlen werden nicht nur zu Röntgenaufnahme/-verfahren:digitale Verfahrendiagnostischen, sondern auch zu therapeutischen Zwecken eingesetzt.
Grundlagen der Röntgendiagnostik
Als Strahlenquelle dient eine sog. Röntgenröhre. Dabei bestimmt die Röhrenspannung den Energiegehalt der Strahlung. Energiereiche, „harte“ Strahlung (physikalisch gesprochen solche mit kurzer Wellenlänge) dringt tieferRöntgenröhre in das Gewebe ein als relativ energiearme, „weiche“ Strahlung (mit längeren Wellenlängen). Ausgehend von Röntgenaufnahme/-verfahren:technische Grundlageneinem möglichst kleinen Brennfleck verlassen die Röntgenstrahlen den Röntgenapparat. Zwischen Röntgenröhre und Röntgenfilm oder Röntgenschirm steht der Patient, dessen Gewebe die Röntgenstrahlen in unterschiedlichem Ausmaß abschwächen (absorbieren). Der Strahlenanteil, der den Körper durchdrungen hat (also nicht absorbiert Röntgenapparatworden ist), wird auf einem Röntgenfilm sichtbar gemacht (Abb. 3.70).
Röntgendichte Gewebe, z. B. Knochen, haben einen hohen Absorptionsanteil, d. h. sie lassen nur wenig Strahlung durch. Der Röntgenfilm wird also nur gering geschwärzt und erscheint im Negativ hell.
RöntgenfilmDie im Körper absorbierte Röntgenstrahlung kann biologische Wirkungen auf die Körperzellen entfalten und die Gewebe schädigen. Daher hat der Strahlenschutz von Patient und Personal große Bedeutung. Zwei Hauptprinzipien des praktischen Strahlenschutzes sind Abschirmung der Strahlung und Abstandhalten (2.7.1).
Konventionelle Röntgenleeraufnahmen
Bei den konventionellen Röntgenleeraufnahmen resultieren die Helligkeitsunterschiede im Röntgenbild allein aus der Strahlenschutzunterschiedlichen Abschwächung der Röntgenstrahlen durch die Gewebe. Typische Anwendungsgebiete sind z. B.:
  • Röntgenleeraufnahme des Brustkorbs auch kurz Rö-RöntgenleeraufnahmeThorax genannt, die Aussagen ermöglicht über Lungen, Herzgröße und -form sowie über benachbarte Strukturen Röntgenleeraufnahmewie Ösophagus, Lunge, Mediastinum und Aorta und deswegen nicht nurRöntgenaufnahme/-verfahren:Leeraufnahme beim Verdacht auf Lungen- oder Herzerkrankungen, sondern auch zum präoperativen Screening eingesetzt wird

  • Abdomenleeraufnahme bei Verdacht auf Magen-Darm-Perforationen (Luftsicheln unter dem Zwerchfell) oder Ileus (typische „Spiegel“ an der Grenze Abdomenleeraufnahmezwischen Flüssigkeit und Luft in den Darmschlingen)

  • Röntgenleeraufnahme eines Röntgenaufnahme/-verfahren:Abdomenleeraufnahmemöglicherweise gebrochenen Knochens

Die Tomografie (Schichtaufnahme) bildet einzelne Schichten des Gewebes scharf ab, während die darüber- und darunterliegenden Schichten durch eine spezielle Aufnahmetechnik verwaschen TomografieSchichtaufnahme\t \"s. Tomografiedargestellt werden. Liegen im Untersuchungsgebiet mehrere Strukturen dicht zusammen, kann so die Röntgenaufnahme/-verfahren:TomografieDetailerkennbarkeit deutlich verbessert werden. Die konventionelle Tomografie ist heute weitgehend durch die Computertomografie (s. u.) verdrängt.
Durchleuchtungen erlauben durch „kontinuierliches Röntgen“ die Beobachtung funktioneller Abläufe, z. B. die Bewegungen von Magen und Darm nach einem Kontrastmittelbreischluck oder Gefäßdarstellungen mit Kontrastmittel (Angiografie). Trotz moderner DurchleuchtungBildverstärkungstechniken ist die Strahlenbelastung durch die lange Expositionszeit relativ hoch. Daher ist die Indikation zur Durchleuchtung eng zu stellen. Bei manchen Fragestellungen, z. B. bei Herzkatheteruntersuchungen oder Schrittmacherimplantationen, ist die Durchleuchtung allerdings unbedingt erforderlich.
Röntgenverfahren mit Kontrastmittel
Oft reichen bei DurchleuchtungRöntgenleeraufnahmen die natürlichen Dichteunterschiede der Gewebe nicht zur zuverlässigen Differenzierung der verschiedenen Organe und Strukturen aus. Dann ermöglichen Röntgenkontrastmittel durch Kontrastverstärkung eine bessere Darstellung:
  • Positive Röntgenkontrastmittel wie z. B. Jod oder Barium absorbieren die Röntgenstrahlen besonders stark und erscheinen daher im Röntgenbild hell. Sie werden v. a. im Bereich des Magen-Darm-Trakts und der Nieren (Magen-Darm-Passage, Röntgenkontrastmittel:positiveKolonkontrasteinlauf, Urografie) sowie zur Darstellung der Gefäße (Angiografien) verwendet.

  • Magen-Darm-Passage:RöntgenNegative Kolon:KontrasteinlaufRöntgenkontrastmittel, z. B. Luft oder CO2, haben eine sehr niedrige DichteUrogramm und erscheinen im AusscheidungsurogrammRöntgenbild dunkel. Sie verbessern die Darstellung z. B. des Peritonealraums und bei Doppelkontrastmethoden (z. B. des Dickdarms Abb. 3.71).

Je nach Art der Röntgenkontrastmittel:negativeZubereitung und der Fragestellung werden die Röntgenkontrastmittel geschluckt, durch Sonden oder mittels eines Einlaufs in den Magen-Darm-Trakt eingebracht oder in Hohlräume oder Gefäße injiziert. Dabei besteht immer die Gefahr einer Kontrastmittelallergie. Weitere Komplikationen sind durch die Art der Untersuchung bestimmt. So kann sich nach einer arteriellen Gefäßpunktion ein Thrombus bilden und zu Durchblutungsstörungen führen, im schlimmsten Fall zum Gefäßverschluss.
Computertomografie

Computertomografie (kurz CT): modernes Röntgenverfahren, mit dem der Körper schichtweise geröntgt werden kann. Ein Computer erstellt dann Querschnittsbilder des Körpers (Abb. 3.72). Auch das CT wird durch Kontrastmittelgabe oft aussagekräftiger.

Die Computertomografie ist heute aus der Diagnostik in fast allen medizinischen Fachgebieten nicht mehr wegzudenken. Neuere Entwicklungen mit besonders genauer Darstellung sind Spiral-ComputertomografieCT (mit kontinuierlichem Vorschieben des Tisches), hoch auflösende CT (high resolution CT, HRCT, mit sehr dünnen Schichten und Kontrastanhebung) oder Mehrzeilen-CT (Mehrschicht-CT, Multidetektor-Spiral-CTCT, MDCT) mit mehreren Detektorzeilen nebeneinander. Sie bilden außerdem die Basis für Gefäßdarstellungen (CT-high resolution CTAngiografie, Angio-CT) oder 3-D-Rekonstruktionen, z. B. zur Operationsplanung (3-D-Computertomografie).
Nach wie vor wird zwar die Computertomografie v. a. bei Tumorverdacht, Schädel-Hirn-Verletzungen oder Schlaganfall eingesetzt. Die neueren Verfahren haben jedoch z. B. bei der Diagnostik kleiner Lungenveränderungen oder der 3D-ComputertomografieLungenembolie sowie des Polytraumas mittlerweile einen hohen Stellenwert.
Kernspintomografie

Kernspintomografie (KST, auch Kernspinresonanztomografie, Kernspin, Magnetresonanztomografie, MRT, NMR von nuclear magnetic resonance): bildgebendes Verfahren, das im Gegensatz zur Computertomografie ohne ionisierende Strahlung auskommt und ebenfalls eine schichtweise Darstellung des Körpers ermöglicht (Abb. 3.73).

Die Kernspintomografie arbeitet nicht mit Strahlung, sondern mit Magnetfeldern: Im Magnetfeld desKernspintomografie MRT + KernspintomografieKST + KernspintomografieKernspintomografen werden die Wasserstoffkerne (Protonen) im Körper NMR + Kernspintomografieausgerichtet und diese Ausrichtung dann durch kurze Hochfrequenzimpulse gestört. Bei Rückkehr in den ursprünglichen Zustand senden die Kerne ihrerseits elektromagnetische Wellen aus, die durch Sensoren registriert werden. Ein Computer erstellt daraus die Schichtbilder. Die gesunden und kranken Gewebe unterscheiden sich in ihrer Protonendichte und deren chemischen Bindungen. Die MRT eignet sich sehr gut zur Darstellung von Weichteilen, z. B. von Gehirn und Rückenmark, Halsweichteilen, Bandscheiben, aber auch der weiblichen Brust. Auch Gelenke mit ihren komplexen Strukturen sind gut darstellbar. Die MR-Angiografie (MRT-Angio) erspart heute manchen Patienten eine invasive Gefäßdarstellung.
Bei der funktionellen Kernspintomografie werden Organfunktionen abgebildet (z. B. die Gehirnaktivität beim Sprechen). Sie befindet sich noch in der Entwicklung. Bei der sich ebenfalls noch in der Entwicklung befindlichen Kernspinspektroskopie (MR-Spektroskopie) werden nicht die Signale der Protonen, sondern die anderer MR-Kerne untersucht. So sollen Stoffwechselveränderungen z. B. in Gehirn, weiblicher Brust oder Prostata dargestellt und zur Differenzierung von Entzündungen, Tumoren oder Durchblutungsstörungen genutzt werden.
Nuklearmedizinische Untersuchungsverfahren

Nuklearmedizin: medizinisches Fachgebiet, das sich mit dem Einsatz von radioaktiven Substanzen und kernphysikalischen Verfahren im Rahmen diagnostischer Maßnahmen sowie der therapeutischen Anwendung radioaktiver Substanzen befasst.

Radionuklide (Radioisotope) sind radioaktive Isotope eines chemischen Elements, die instabil sind und sich nach statistischen Gesetzmäßigkeiten wieder in stabile (nicht radioaktive) Isotope umwandeln. Bei dieser Umwandlung senden sie Strahlen aus, die mit Radionuklide/-isotopeentsprechenden Geräten registriert und bildlich dargestellt werden können (Szintigrafie). Die gesamte Nuklearmedizin beruht darauf, dass der Körper des Menschen die radioaktiven Isotope eines Elements genauso aufnimmt und verarbeitet wie die nicht radioaktiven. Dies erlaubt einen Einblick in Stoffwechselvorgänge, ohne dass die untersuchten SzintigrafieOrgane in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Häufige Szintigrafien sind z. B. die Schilddrüsenszintigrafie, die Nierenszintigrafie und die Myokardszintigrafie.
Moderne nuklearmedizinische Verfahren sind die SPECT (Single-Photon-Emissions-Computertomografie) und die PET (Positronenemissionstomografie), bei der die Daten der γ-Kamera (SPECT) bzw. spezieller Ringdetektoren (PET) im Computer zu Schnittbildern Single-Photon-Emissions-Computertomografie (SPECT)wie bei der Computertomografie weiterverarbeitet werden. SPECT und PET unterscheiden sich in der Art der verwendeten Positronenemissionstomografie (PET)Radionuklide und werden derzeit v. a. im Bereich des Herzens, des Gehirns und zur Tumorsuche eingesetzt. Allgemein spricht man auch von Emissions-Computer-Tomografie, kurz ECT.
Sonografie

Sonografie (Ultraschalldiagnostik): verschiedene bildgebende Verfahren, die darauf beruhen, dass Ultraschall durch menschliche Gewebe teils reflektiert, teils absorbiert und teils gestreut wird und dann mithilfe spezieller Sensoren und Geräte als Bild darstellbar ist.

Ultraschall: mechanische Schwingungen mit einer Frequenz oberhalb der menschlichen Hörgrenze von ca. 20 kHz (1 kHz = 1 Kilohertz = 1.000 Schwingungen pro s).

Die Ultraschallwellen werden von einem speziellen Schallgeber (Schallkopf) produziert und impulsförmigEmissions-Computer-Tomografie (in Sonografieregelmäßigen Abständen) oder als SonografieDauerschall ausgesendet. Ein abwaschbares Gel dient als Kontaktmedium zwischen Schallkopf und Körperoberfläche Ultraschalldes Patienten, um Luftbrücken zu vermeiden. Die von den Geweben reflektierten Schwingungen („Echos“) werden dann durch den gleichen Schallkopf wieder aufgefangen (Abb. 3.74). Eine aufwändige elektronische Weiterverarbeitung im Gerät liefert schließlich das Ultraschallbild.
Die Sonografie wird v. a. zur Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen, Erkrankungen des Bauchraums (abdominale Sonografie), des Herzens (Echokardiografie) und der Gelenke eingesetzt. Auch gynäkologische Erkrankungen und Erkrankungen des Fetus (Schwangerenvorsorge) können mithilfe der Ultraschalluntersuchung diagnostiziert werden.
Bei einer Ultraschalluntersuchung entsteht keine EchokardiografieStrahlenbelastung. Daher können auch Schwangere nach heutigen Erkenntnissen ohne Bedenken und beliebig oft untersucht werden. Die Ultraschalluntersuchung ist schmerzlos.
Verschiedenste Sonografieverfahren ermöglichen es, die unterschiedlichsten Körperstrukturen zu untersuchen. Beispielhaft genannt seien die Folgenden.
Doppler- und Duplex-Sonografie
  • Bei der Doppler-Sonografie sendet der Schallkopf kontinuierlich oder schnell hintereinander Ultraschallwellen aus. Treffen diese auf eine sich bewegende Grenzfläche, z. B. die Membran eines Blutkörperchens, werden die Ultraschallwellen mit veränderter Frequenz zurückgeworfen (Doppler-Sonografiereflektiert), wobei die Frequenzänderung unter anderem von der Strömungsgeschwindigkeit abhängt (Doppler-Effekt). So können Strömungsgeschwindigkeiten dargestellt werden. Die Darstellung erfolgt als Ton oder als Fläche ober- und unterhalb einer Nulllinie.

  • Die Farb-Doppler-Darstellung (farbkodierter Doppler) zeigt Geschwindigkeit und Richtung des Blutstromes in verschiedenen Farben an: Rot bedeutet Fluss in Richtung auf den Schallkopf, blau bedeutet Farb-Doppler-SonografieFluss vom Schallkopf weg. Helle Farbtöne zeigen eine schnelle, dunkle eine langsame Strömung. Die Doppler-Sonografie:farbkodierteDarstellung ist sowohl ein- als auch zweidimensional möglich.

  • Die Duplex-Sonografie stellt Gefäßstenosen und -ablagerungen und die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes dar. Eine Farbkodierung neuester Geräte erlaubt mittlerweile auch die direkte Darstellung der Strömungsrichtung und Turbulenzen (Farb-Duplex-Sonografie, farbkodierte Doppler-Duplex-SonografieSonografie, Triplex-Sonografie).

  • Bei Schwangeren können die Herztöne des Kindes mit dem Doppler-Sonografie überwacht werden. In Kardiologie und Farb-Duplex-SonografieAngiologie dienen Doppler- und Duplex-Untersuchungen der Beurteilung der Strömungsverhältnisse im Herzen bzw. in den Gefäßen, etwaTriplex-Sonografie zur Diagnose von Herzfehlern, Gefäßstenosen, Aneurysmen oder Thrombosen. Sogar die Beurteilung von Gefäßen im Schädelinneren ist mittlerweile möglich (transkranielle Doppler-Sonografie).

Sonderformen der Sonografie
  • Die Endosonografie kombiniert Sonografie und Endoskopie: Sonografiert wird nicht von der Körperoberfläche aus, sondern der Arzt führt den an einem Endoskop befestigten Schallkopf in Sonografie:SonderformenKörperöffnungen des Patienten ein. So kann der Arzt z. B. von einem im Ösophagus gelegenen EndosonografieSchallkopf Teile des Herzens besser einsehen (transösophageale Echokardiografie) oder bei Tumoren des Magen-Darm-Trakts von einem tumornah gelegenen Schallkopf aus die Ausdehnung des Tumors besser abschätzen.

  • Die diagnostische interventionelle Sonografie ist mit einem diagnostischen Eingriff, in erster Linie einer Punktion, verbunden. Die dafür erforderlichen Pflegemaßnahmen hängen von der Art des Eingriffs ab.

  • Bei der intraoperativen Sonografie (intraoperativer Ultraschall, kurz IOUS) Sonografie:interventionelleführt der Chirurg die Sonografie im Operationsgebiet durch, also z. B. im eröffneten Abdomen.

Endoskopische Untersuchungen

Endoskopie: direkte Betrachtung von Körperhöhlen oder -hohlräumen mittels spezieller,

röhrenförmiger Instrumente (Endoskope), die über optische Systeme mit Beleuchtung verfügen und oft auch kleinere therapeutische Eingriffe erlauben.

Endoskopien sind Sonografie:intraoperativeheute in praktisch allen Fachdisziplinen unentbehrlich für die Diagnostik (Tab. 3.7). Insbesondere EndoskopieSchleimhautdetails lassen sich endoskopisch sehr gut Diagnose/Diagnostik:endoskopische Untersuchungendarstellen. Auch therapeutische Eingriffe wie etwa die Entfernung kleinerer Dickdarmpolypen (13.8.7) oder die Eröffnung der Papilla Vateri im Dünndarm (14.3.4) können vom Internisten mithilfe der Endoskopie durchgeführt werden. In der Chirurgie werden einige Eingriffe, die früher eine offene Operation erforderten, endoskopisch in minimal invasiver Technik durchgeführt.

Punktionen und Biopsien

Punktion: Einstechen mit spezieller Nadel in Gefäße, Körperhohlräume oder Organe, um normale oder krankhafte Körperflüssigkeiten oder Gewebe zu entnehmen (z. B. Schilddrüsenpunktion oder venöse Blutentnahme).

Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe am lebenden Patienten. Dabei können aus dem Gewebeverband herausgelöste Zellen (z. B. Aspirationsbiopsie) oder Gewebestücke entnommen werden (z. B. Magen- oder Darmbiopsien bei Endoskopien).

Viele Punktionen dienen (gleichzeitig) auch therapeutischen Zwecken (Abb. 3.75), z. B. der Entlastung vonDiagnose/Diagnostik:Punktionen Diagnose/Diagnostik:Biopsieneinem Pleuraerguss (12.11.2) Punktion (Gewebeprobe)oder Aszites (14.4.2), der Spülung von Körperhöhlen oder Biopsie (Gewebeprobe)dem Einbringen von Medikamenten.
Bei jeder Punktion und Biopsie sind Komplikationen möglich. Grundsätzlich sind oberflächliche Eingriffe mit weniger Gefahren behaftet als tiefer reichende Punktionen und Biopsien wie die Nieren- oder Leberbiopsie.

Laparotomie und andere offene Operationen

Abdomenleeraufnahme
Manchmal kann die Erkrankung des Patienten trotz aller Diagnostik nicht zweifelsfrei aufgeklärt werden. Häufig lässt sich z. B. nicht feststellen, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist. Dann ist eine Laparotomie, d. h. eine Eröffnung des Bauchraums oder Diagnose/Diagnostik:Laparotomieeine andere offene Operation erforderlich. Manchmal dient eine solche Operation allein der Diagnose, oft aber erfolgt in der gleichen Sitzung die Therapie, z. B. Tumorentfernung.

Auswertung von Röntgenbildern

Prinzipien

In der Röntgenaufnahme können normale und krankhafte Gewebestrukturen nur ab einer bestimmten Größe dargestellt werden. Auch muss die Verschattung im Röntgenbild relativ kontrastreich sein und möglichst eine typische Form haben, damit sie diagnostisch verwertbar ist (Tab. 3.8). Aus dem Röntgenbild allein kann nicht immer auf die Krankheit geschlossen werden, sondern es müssen die Symptome, die körperlichen Untersuchungsbefunde und evtl. zusätzliche diagnostische Verfahren (z. B. Labor) zur Beurteilung einer Röntgenaufnahme Röntgenaufnahme/-verfahren:Bildauswertunghinzugezogen werden.
Um eine Röntgenaufnahme korrekt beurteilen zu können, bedarf es einer langjährigen Schulung (Facharzt der Radiologie). Die in diesem Kapitel dargestellten Röntgenaufnahmen können Ihnen deshalb lediglich Anhaltspunkte für die Betrachtung eines Röntgenbilds geben und das Verständnis für den ärztlichen Röntgenbefund erleichtern.

Häufig durchgeführte Röntgenaufnahmen

Thorax-Röntgen
Pathologische Veränderungen 12.3.2, 10.3.2
Ungefähr die Hälfte aller Röntgenuntersuchungen sind Thoraxuntersuchungen. Der Thorax wird häufig in zwei Ebenen, nämlich im Thorax:Röntgenaufnahmeposterior-anterioren (p. a. Aufnahme) und im Röntgenaufnahme/-verfahren:Thoraxaufnahmeseitlichen Strahlengang in tiefer Inspiration geröngt. Häufig wird bei Patienten unter 50 Jahren auf die seitliche Aufnahme verzichtet. Die klassischen Indikationen zur Thorax-Aufnahme sind:
  • Trauma (z. B. Pneumothorax)

  • schwere Entzündung (z. B. Pneumonie)

  • präoperative Diagnostik (bei anästhesiologischen Fragestellungen)

  • Abklärung von Herzerkrankungen

Die Lungen sind mit Luft gefüllt, daher ist auf der Thoraxaufnahme die Luftdichte dargestellt. Die Pulmonalarterien und -venen, Aorta und das Herz sind auf der Thoraxaufnahme sichtbar, da ihre wasserdichten Strukturen von den luftdichten Lungen umgeben sind. Alle Veränderungen höherer Dichte, wie z. B. Pneumonien, Ödeme, Tumoren, werden auf dem Hintergrund der Dichte der Lunge abgebildet.
Eine Übersicht über die Thoraxorgane geben die Standard-Thorax-Aufnahmen p. a. und seitlich (Abb. 3.76).
Sichtbare Strukturen des Thorax
  • Zwerchfell: Projiziert sich in p. a. Aufnahme auf die 10.–11. hintere Rippe, die rechte Zwerchfellkuppe steht normalerweise bis zu 3 cm höher als linke Zwerchfellkuppe (einseitiger Hochstand). Ist das Zwerchfell abgrenzbar? Verkalkungen?

  • Lungen: Sichtbar sind v. a. die Blutgefäße (bis zu einer Lumenweite von ca. 1,5 mm, d. h. bis zu den Lobulararterien), die Bronchien und interstitielles Lungengewebe sind nicht sichtbar (im Normalfall). Ist die Lunge seitengleich belüftet? Durchmesser der Lungen:RöntgenLungengefäße, Verschattungen? Rundherde, andere pathologische Veränderungen?

  • Lungenhilum: wird durch die Stämme der Pulmonalarterien geprägt. Zu achten ist auf Form, Größe, Lage und Verkalkungen des Lungenhilum.

  • Herz: Einzelne Herzkammern sind nicht sichtbar, Beurteilung nur durch Veränderung der Randkonturen.

  • große Gefäße: V. cava superior, Aortenbogen, Pulmonalarterien

  • Thoraxskelett (überlagert durch Thoraxorgane): BWS, Rippen, Schlüsselbeine, Brustbein

Sichtbare pathologische Veränderungen
(Beispiele)
  • Lungen: Verschattungen bei Pneumonie (Abb. 3.77, Abb. 3.78), Tumoren

  • Lungenhilum: Verschattungen durch Lymphknotenpakete

  • Herz: Änderungen der Größe durch Klappenfehler (z. B. Aorteninsuffizienz Abb. 3.79)

  • große Gefäße: Verkalkungen

  • Zwerchfell: Verschattungen im Rippen-Zwerchfellwinkel bei Pleuraerguss, Aufhellungen unterhalb des Zwerchfells durch freie Luft im Bauchraum bei Durchbruch eines Bauchorgans (Abb. 3.80; Zufallsbefund; bei Verdacht wird eine Abdomenleeraufnahme angefertigt)

Gefahren der Thoraxdiagnostik
Die Indikation zur Thoraxdiagnostik muss bei Kindern, Jugendlichen und Schwangeren aufgrund der Strahlendosis strenger als üblich gestellt werden. Allerdings ist diese durch sehr kurze Schaltzeiten bei fast allen Geräten außerordentlich niedrig.
Es wird diskutiert, die präoperative Thoraxdiagnostik, die das Hauptkontingent ausmacht, ganz fallen zu lassen. Doch lassen sich hiermit mögliche Komplikationen rasch und einwandfrei diagnostizieren – Anamnese und klinische Untersuchung sind vergleichsweise aufwändig und ungenauer.
Für die spezifische bildgebende Diagnostik des Abdomens wird die Sonografie (3.8.2) eingesetzt. Für den Notfall wird die Abdomenleeraufnahme zusammen mit dem Ultraschall bevorzugt: Abgebildet wird der Bereich zwischen den Röntgenaufnahme/-verfahren:AbdomenleeraufnahmeZwerchfellkuppeln und der Symphyse. Die klassische Indikation zur Nativaufnahme (Abdomenleeraufnahme ohne Kontrastmittelgabe) ist das akute Abdomen mit der Frage nach freier Luft (bei intestinaler Perforation) und/oder Luft-/Flüssigkeitsspiegeln (bei Ileus).
Sichtbare Strukturen des Abdomens
Auf der Abdomenleeraufnahme (Abdomenübersichtsbild, Abb. 3.81) sind die Weichteilschatten von Leber, Milz und Nieren meistens gut abgrenzbar. Im Lendenbereich ist der Schatten des M. psosas als scharfkantige Kontur zu sehen. Auch die LWS und die Kreuzdarmbeinfugen (ISG) sind bei der Aufnahme im Stehen beurteilbar.
Sichtbare pathologische Strukturen
Sichtbar sind z. B. folgende Strukturen:
  • abnorme Gasansammlungen, z. B. beim Darmverschluss Abdomen:Leeraufnahmemit typischen Flüssigkeitsspiegeln an der Grenze zwischen Flüssigkeit und Luft in den Darmschlingen (Abb. 3.82) oder bei Durchbruch eines Hohlorgans mit Luftansammlung unter den Zwerchfellkuppeln bei Aufnahme im Stehen (Abb. 3.81)

  • kalkhaltige Steine in Gallenblase, -wegen, Nieren und ableitenden Harnwegen

  • Verkalkungen in den großen Gefäßen oder in der Bauchspeicheldrüse bei chronischer Entzündung

  • muskuläre Strukturen und Organstrukturen: z. B. Abgrenzbarkeit des M. psoas (Luft im Retroperitoneum?), Tumormassen bzw. Organverlagerungen, Aszites

  • mit abgebildete, nicht zum Abdomen gehörende Körperabschnitte (Pneumonie? Pneumothorax? Pleuraerguss?), Zwerchfellkontur, Hernien

Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule
Bei der Röntgenaufnahme der Wirbelsäule können Sie wie bei allen knöchernen Strukturen nur die kalkhaltigen Anteile des Knochens sehen. Knorpel, Bandscheiben, Knochenmark und Knochenhaut sind im Röntgenbild nicht zu sehen. Wie bei fast allenRöntgenaufnahme/-verfahren:Wirbelsäulenaufnahmen anderen Skelettanteilen wird die Wirbelsäule immer in zwei Ebenen geröntgt, im Bereich der HWS werden oft zusätzlich Schrägaufnahmen angefertigt und spezielle Aufnahmen zur Darstellung der Kopfgelenke. Zu beachten sind zudem folgende Gegebenheiten:
  • Deformierungen (z. B. Skoliosen) sind im Stehen besser zu erkennen als im Liegen.

  • Die Frage nach Blockierungen, Bandläsionen oder sonstigen Verletzungen werden am besten mithilfe von Funktionsaufnahmen und Flexion und Extension beantwortet.

Beurteilungskriterien der HWS
(Beispiele Abb. 3.83, Abb. 3.84)
  • Lordose der HWS?

  • Anzahl, Form und Größe der Wirbel – regelrecht?

  • Knochenstruktur normal?

  • Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper glatt begrenzt?

  • Halswirbelsäule (HWS):RöntgenUnkovertebralgelenke, kleine Wirbelgelenke, Dorn- und Querfortsätze regelrecht?

  • korrekter Abstand der Zwischenwirbelräume C 2 < C 3 < C 4 < C 5 < C 6 > C 7?

Der Dens axis und das Gelenk zwischen Dens und Atlas sind in einer normalen a. p.-Aufnahme nicht ausreichend zu beurteilen, da sie von den Kieferknochen verdeckt werden. Hierfür muss eine Aufnahme bei geöffnetem Mund bzw. bei raschen Unterkieferbewegungen gemacht werden.

Tipp

Der Dornfortsatz des 7. Halswirbels ist in der Regel gut zu sehen und zu tasten und ist daher eine ideale Orientierungshilfe.

Beurteilungskriterien der BWS
(Beispiele Abb. 3.85)
  • Kyphose normal?

  • keine Seitenabweichung?

  • Rippen regelrecht?

  • Anzahl, Form und Größe der Wirbel regelrecht?

  • Knochenstruktur normal?

  • Grund- und Deckplatten der Wirbelkörper Brustwirbelsäule (BWS):Röntgenglatt begrenzt?

  • Unkovertebralgelenke, kleine Wirbelgelenke, Dorn- und Querfortsätze regelrecht?

  • korrekter Abstand der Zwischenwirbelräume?

Tipp

Fehlende Rippen am 12. Brustwirbelkörper oder vorhandene Rippen am 1. Lendenwirbelkörper sind häufige anatomische Variationen, die meist erst im Rahmen einer Röntgenaufnahme festgestellt werden.

Beurteilungskriterien der LWS
(Beispiele Abb. 3.86)
  • Lordose normal?

  • Weite der Zwischenwirbelräume L 1 < L 2 < L 3 < L 4 > L 5?

  • Übergangswirbel: Lumbalisation (Integration des ersten Kreuzbeingelenks in die LWS) oder Sakralisation (vollständige Lendenwirbelsäule (LWS):RöntgenVereinigung des 5. LWK mit dem Kreuzbein)?

  • Kreuzdarmbeinfuge regelrecht?

  • keine Spondylolyse oder Spondylolisthesis (9.9.5)?

  • weitere Kriterien wie HWS

Die häufigsten pathologischen Befunde der Wirbelsäule sind folgende degenerativen Veränderungen (Abb. 3.87).
  • Chondrose: Bandscheibenschädigung; der Bandscheibenschaden selbst ist im Röntgenbild nicht sichtbar, sondern nur eine Höhenminderung des Zwischenwirbelraums

  • Osteochondrose: röntgenologisch fassbare Veränderungen des Bandscheibenschadens, da die angrenzenden Boden- und Deckplatten der Wirbelkörper in den degenerativen Prozess einbezogen werden, z. B. vermehrte Sklerosierung und unregelmäßige Konturierung der Boden- und Deckplatten und exphytäre (nach außen herauswachsende) Randzackenbildung

  • Spondylose: Bildung von vorderen und seitlichen Randzacken an den Deck- und Bodenplatten

  • Spondylarthrose: unregelmäßige, sklerosierte Gelenkflächen der kleinen Wirbelgelenke und verschmälerter Gelenkspalt.

Die wichtigste pathologische Veränderung der Wirbelsäule und auch des übrigen Skeletts, die nicht übersehen werden darf, ist die von Knochenmetastasen und Knochentumoren.
Leider sind diese Veränderungen sehr vielfältig (knochenbildend oder -auflösend), sodass auch eine nur grobe Einschätzung durch den „röntgenologischen Laien“ nicht möglich ist.
Beckenübersichtsaufnahme
Die Beckenübersichtsaufnahme (Abb. 3.88) ist eine a. p.-Aufnahme und wird als orientierende Röntgenaufnahme bei Verdacht auf Hüftgelenkerkrankungen vom Arzt angeordnet.
BeckenübersichtsaufnahmeGelegentlich wird zur weiteren Abklärung noch in Röntgenaufnahme/-verfahren:Beckenübersichtsaufnahmeeiner zweiten Ebene geröntgt.
Die auf dem Röntgenbild des Beckens sichtbaren wichtigsten Strukturen sind:
  • Pfannendach, Hüftgelenk und Gelenkkopf (Deformierung, regelrechte Überdachung des Hüftkopfs durch die Pfanne)

  • Weite des Hüftgelenkspalts

  • Winkel zwischen der vom Hüftkopfzentrum ausgehenden Schenkelhalsachse und Diaphysenachse (CCD-Winkel = Centrum-Collum-Diaphysen-Winkel)

  • Höhe der Beckenschaufeln

  • Kreuzdarmbeingelenk

  • Weite des Symphysenspalts

  • mit dargestellte Anteile der LWS

Typische Zeichen der häufigen Arthrose des Hüftgelenks (Coxarthrose 9.11.1, Abb. 9.118) sind Gelenkspaltverschmälerung, Sklerosierung, Bildung von knöchernen Randzacken (Osteophyten), Pfannenrandausziehungen und Hüftkopfentrundung.
Röntgenaufnahme des oberen Sprunggelenks
Das obere Sprunggelenk (OSG) wird bei Verdacht auf Sprunggelenkarthrose oder Knochenbruch in zwei Ebenen geröntgt, und bei Verdacht auf chronische Instabilität oder Außenbandruptur werden sog. gehaltene Aufnahmen durchgeführt. Bei gehaltenen Röntgenaufnahme/-verfahren:SprunggelenkaufnahmeAufnahmen wird das Sprunggelenk mit Haltegeräten (oder heute seltener mit den Händen) in O-Stellung (Varusstellung) gebracht und in dieser Stellung geröntgt.
Bei der nicht gehaltenen Aufnahme werden v. a. die Form der Malleolengabel und des Talus (9.2.13), die Gelenkflächen, die Knochenstruktur und die umgebenden Weichteile (Verkalkungen?) beurteilt. Auch auf akzessorische (zusätzliche) Fußknochen wird geachtet.
Bei den gehaltenen Aufnahmen wird die „Aufklappbarkeit“ des Sprunggelenks im Seitenvergleich gemessen.
Röntgenaufnahmen der Schulter
Die Schulter wird wie auch die meisten anderen Gelenke in zwei Ebenen geröntgt (a. p.). Ähnlich wie beim Hüftgelenk beurteilt der Arzt v. a. die Form und Stellung des Oberarmkopfs, die Schulter:RöntgenSchultergelenkpfanne, den Winkel zwischen Oberarmknochenachse und CollumRöntgenaufnahme/-verfahren:Schulteraufnahme anatomicum (9.2.4), die Gelenkfläche und die Knochenstruktur. Besonders wichtig ist beim Schultergelenk die Beurteilung der Weichteile, z. B. Verkalkungen in der Supraspinatussehne.
Mammografie
Die Mammografie ist nach wie vor das wichtigste technische Diagnoseverfahren, wenn ein verdächtiger klinischer Befund der weiblichen Brust vorliegt, z. B. ein tastbarer Knoten oder Veränderungen der Haut bzw. der MammografieMamille. Mittlerweile wird allerdings meist Röntgenaufnahme/-verfahren:Mammografieergänzend eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, evtl. auch eine Magnetresonanztomografie. Die Ultraschalluntersuchung eignet sich besonders gut, um einen soliden Tumor von einer Zyste zu unterscheiden. Die weibliche Brust wird v. a. im kraniokaudalen (Abb. 3.89) und seitlichen (mediolateralen, Abb. 3.90) Strahlengang geröntgt. Es werden immer beide Brüste geröntgt, da viele Befunde nur im Seitenvergleich beurteilbar sind. Eine sichere Unterscheidung zwischen gut- und bösartigen Veränderungen ist durch die Röntgentechnik nicht möglich, auch wenn es röntgenologische Zeichen gibt, die einen malignen Tumor wahrscheinlich machen, z. B. Mikroverkalkungen mit Ausläufern in die Umgebung. Karzinome können in manchen Fällen durch mastopathische Veränderungen (17.14.2) oder Narben verdeckt sein.
Für die Planung einer Operation wird anhand der Mammografie auch die genaue Lokalisation der Veränderung bestimmt. Es wird der Quadrant angegeben (Abb. 3.91) sowie die Entfernung von der Mamille und der Haut.
Die Beurteilung einer Mammografie kann immer nur durch einen erfahrenen Arzt erfolgen.
Neben der diagnostischen Abklärung wird die Mammografie auch zum sog. Screening eingesetzt, d. h. die Untersuchung wird ohne klinischen Befund vorgenommen, um ein sich entwickelndes Mammakarzinom frühzeitig zu erkennen. Diese Screening-Untersuchung wird für verschiedene Gruppen von Patientinnen in unterschiedlichen Zeitabständen empfohlen. Tritt aus der Mamille Sekret aus (blutig, serös, braun), wird der betroffene Milchgang von der Mamille sondiert und erweitert. Dann wird ein Kontrastmittel eingespritzt und eine Röntgenkontrolle in zwei Ebenen durchgeführt (Galaktografie). Zu erkennen sind evtl. Unregelmäßigkeiten der Weite des Milchgangs, die Hinweis auf ein Karzinom sein können.

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