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B978-3-437-55244-1.00012-6

10.1016/B978-3-437-55244-1.00012-6

978-3-437-55244-1

Übersicht über das Atmungssystem. Die oberen Luftwege sind rosa gezeichnet, die unteren Luftwege hellblau.

[L190]

Schnitt durch die NasenhöhleNasenhöhle. Die Nasenhöhle hat über Gangsysteme Verbindung zu verschiedenen Höhlen. In den oberen Nasengang mündet der Keilbeinhöhlengang, der mittlere Nasengang hat Verbindung zur Stirnhöhle, den Siebbeinzellen und der Kieferhöhle. In den unteren Nasengang mündet der Tränennasengang. Am hinteren Ende des Nasengangs liegt die Mündung der Ohrtrompete (Eustachio-Röhre).

[L190]

Flimmerepithel der Luftröhre (Trachea) im Elektronenmikroskop. Die leicht wellenförmige Oberfläche der Luftröhre ist von einem dichten FlimmerepithelFlimmerepithel überwuchert. Da alle Oberflächenzellen vollständig mit Härchen bedeckt sind, kann man die Zellgrenzen nicht erkennen.

[M375]

Nasennebenhöhlen in Projektion auf die Schädeloberfläche.

[L190]

Schnitt durch den Rachen.

[L190]

Aufbau des Kehlkopfes.

[L190]

Kreuzung von Atem- und Speiseweg im Rachen. Beim Schlucken wird der Nasenrachenraum durch Anhebung des Gaumensegels und Anspannung der Rachenwand abgedichtet. Durch eine Aufwärtsbewegung des Kehlkopfes legt sich der Kehldeckel automatisch über den Kehlkopfeingang und verschließt so den Luftweg.

[L190]

Die Stimmritze in Phonationsstellung bzw. mittlerer Atemstellung.

[L190]

Kehlkopf, Luftröhre und große Bronchien.

[L190]

Das Geäst des Bronchialbaums.

[L190]

Aufteilung der Lunge in Lappen und Segmente. Die oberen beiden Abbildungen zeigen die Ansicht vom Herzen aus, die unteren Abbildungen von der Seite. Der Rücken ist gestrichelt angedeutet.

[L190]

AtemmechanikAtemmechanik. Bei der Einatmung senkt sich die Zwerchfellkuppel, der Brustkorb hebt sich, und das Thoraxvolumen nimmt zu. Bei der Ausatmung hebt sich das Zwerchfell, der Brustkorb senkt sich und das Thoraxvolumen nimmt ab.

[L190]

Kutschersitz. Der Patient stützt sich mit den Armen auf den Oberschenkeln ab und beugt sich weit nach vorne; so können die Atemhilfsmuskeln optimal arbeiten.

[K183]

Gasaustausch in den Lungenbläschen. Kohlendioxidreiches, sauerstoffarmes Kapillarblut umströmt die Lungenbläschen, und es kommt zum Gasaustausch. Der ableitende Kapillarschenkel enthält sauerstoffreiches, kohlendioxidarmes Blut.

[L190]

Sauerstoff- und Kohlendioxidtransport im Blut.

[L190]

Lungenvolumina.Lungenvolumina. Die geatmeten Volumina sind durch eine Spirometerkurve angezeigt. AZV = Atemzugvolumen, IRV = inspiratorisches Reservevolumen, ERV = exspiratorisches Reservevolumen, VK = Vitalkapazität, RV = Residualvolumen, FRK = funktionelle Residualkapazität, TK = Totalkapazität.

[L190]

Ausgeprägte Thoraxdeformität mit Einziehung des Sternums in den Brustraum (Trichterbrust, Pectum exacavatum). Im Bereich der vorderen Axillarlinie ist auch ein bräunlicher bogig konturierter Pigmentfleck (Café-au-Lait-Fleck) zu sehen.

[M537]

Lymphatisch-hyperplastische Konstitution (3.7.4) mit Tendenz zu harnsaurer Diathese (rechte Iris). Zusätzlich zu der Überlastung des Lymphsystems verweisen das aufgelockerte Irisstroma und die Wolke im Lungensektor bei ca. 50 Min. auf eine Disposition zu Erkrankungen der Atemwege.

[O220]

Dermatome und Head-Zonen der Lungen und Bronchien. Bei Atemwegserkrankungen sind die Head-Zonen häufig aufgequollen oder eingezogen sowie berührungs- und schmerzempfindlich.

[L190]

Thoraxaufnahme als Negativaufnahme (heute Standard). Das Herz ist fast weiß und wird dennoch als Herzschatten (HS) bezeichnet, die dunkle Lunge als Aufhellung.

[E283]

Das Peak-flow-MeterPeak-Flow-Meter misst den Höchstwert des Ausatmungsstroms bei forcierter Ausatmung. Der Wert kann auf dem Gerät abgelesen werden, was z. B. Therapiekontrollen bei Asthmatikern ermöglicht. Dabei müssen immer die Normtabellen der Gerätehersteller berücksichtigt werden.

[K183]

Typische Pfötchenstellung bei Hyperventilationstetanie. Durch das gesteigerte Atemvolumen kommt es zu Störungen im Säure-Basen-Haushalt. Es resultiert eine Hypokalzämie mit Muskelkrämpfen.

[E494]

Normale und pathologische Atmungstypen.

[A400]

Der Gattungsname Echinacea leitet sich aus dem Griechischen (echoinos = Igel) ab und bezieht sich auf das igelartige Aussehen des Blütenbodens. Echinacea ist Bestandteil vieler Kombinationspräparate zur Steigerung der Immunabwehr und Behandlung von Infekten. Echinacea wird auch als Monopräparat verordnet.

[J787]

Sowohl die Wiesenschlüsselblume (Primula veris) als auch die Waldschlüsselblume (Primula elatior) werden zur Behandlung von Katarrhen der oberen Luftwege eingesetzt. Die Saponine wirken auswurffördernd (expektorierend), indem sie den zähen Schleim verflüssigen und den Abtransport des Bronchialschleims verstärken. Die Saponine haben auch schleimlösende (sekretolytische) Eigenschaften. Aus den Wurzeln und Blüten kann ein Teeaufguss oder ein Dekokt zubereitet werden.

[O216]

Efeu (Hedera helix) enthält Saponine, ätherisches Öl und Flavonoide und wirkt entzündungshemmend, schleimlösend, auswurffördernd und krampflösend. Aus Efeublättern hergestellte Fertigpräparate werden bei Atemwegskatarrhen und chronisch entzündlichen Bronchialerkrankungen eingesetzt. Ein Tee aus Efeublättern soll nicht verwendet werden, da er Schleimhautreizungen verursacht.

[O216]

Mitbeteiligung der Augenhöhle bei einer rechtsseitigen Sinusitis maxillaris.

[M117]

Salbei (Salvia officinalis) enthält Gerbstoffe und ätherische Öle, die entzündungshemmend wirken und das Wachstum von Bakterien, Pilzen und Viren hemmen. Die Bitterstoffe regen die Magensaftsekretion an. Zur äußerlichen Anwendung wird der wässrige Auszug oder die alkoholische Tinktur (Spülungen) bevorzugt.

[O562]

Je nach Konstitution (3.7.4) des Patienten muss trocken oder blutig geschröpft werden. Um die Funktion der Lungen zu harmonisieren, wird bei Atemwegserkrankungen auch häufig der Akupunkturpunkt „Tor des Windes“, in Höhe des 3. BWK direkt paravertebral, geschröpft.

[L190]

Die Inhaltsstoffe der Eibischwurzel (Althaea radix) sind zu 35 % Schleim, zu 38 % Stärke und zu je 10 % Pektin und Rohrzucker. Damit sich nur die kalt wasserlöslichen Schleime, nicht jedoch die Stärke lösen, ist Eibisch bei Bronchitis als Kaltauszug zuzubereiten.

[O216]

Spitzwegerich (Plantago lanceolata) enthält zusätzlich zu den Schleimen Gerbstoffe sowie antibakteriell wirkende Substanzen und eignet sich somit auch zu Spülungen des Mundes und des Rachens sowie bei entzündlichen Veränderungen der Haut.

[O216]

Schleim, Saponine und etwas ätherisches Öl sind die Wirksubstanzen der Königskerze (Verbascum densiflorum). Sie hat reizmildernde und auswurffördernde Eigenschaften und kann als Muzilaginosum (Schleimstoffdroge) und mildes Expektorans zugleich bezeichnet werden.

[O216]

Der Sonnentau (Drosera rotundifolia) zieht mit seinen klebrigen Fangdrüsen (Tentakel) Insekten an, die dann festgehalten und entsprechend dem Verdauungsvorgang im Magen enzymatisch aufgespalten und resorbiert werden. Sonnentau wirkt hustenreizstillend und krampflösend.

[O562]

„Teufelskreis“ bei chronischer Bronchitis, durch den sich die Erkrankung zunehmend verschlimmert.

[A400]

Pathogenese und Pathophysiologie des Lungenemphysems.

[A400]

„Blue Bloater“ (a) und „Pink Puffer“ (b). Beim „Blue Bloater“ steht die obstruktive Ventilationsstörung mit starker Schleimbildung (eitrig) im Vordergrund. Er leidet meist nicht unter Atemnot, es kommt aber zu einer Zyanose, und Zeichen der Rechtsherzinsuffizienz (Ödeme, Stauungsleber) treten auf. Der „Pink Puffer“ zeigt die Symptome eines Lungenemphysems mit ausgeprägter Dyspnoe und Hyperventilation sowie zunehmender Kachexie. Zu einer Zyanose und pulmonalen Hypertonie kommt es hingegen i. d. R. nicht.

[M537]

Pathogenese und Pathophysiologie des Asthma bronchiale. Starke Schwellung der Bronchialschleimhaut (Ödem), plötzliches, krampfartiges Zusammenziehen der Bronchialmuskulatur (Bronchospasmus) sowie übermäßige und zähe Schleimbildung (Hyper- und Dyskrinie) führen zum Atemnotanfall.

[A400]

Atemhilfsmuskulatur.Atemhilfsmuskulatur Links Hilfseinatmer: M. pectoralis major und minor, M. serratus anterior, Mm. scaleni, M. sternocleidomastoideus. Rechts Hilfsausatmer: die Bauchmuskeln M. rectus abdominis, M. obliquus internus und externus abdominis.

[L190]

Baunscheidtieren wirkt umstimmend und kann die Anfallsneigung bei Asthma bronchiale positiv beeinflussen.

[K167]

Die Rescue-Tropfen enthalten fünf verschiedene Bach-Blüten. Star of Bethlehem (gegen Schreck oder Schock), Rock Rose (gegen Terror- und Panikgefühle), Cherry Plum (gegen Verzweiflung und Angst vor Kontrollverlust), Impatiens (gegen geistige und körperliche Anspannung) und Clematis (gegen Benommenheit und Bewusstlosigkeit).

[K103]

Das Quaddelschema „thorakaler Raum“ hat sich bei Erkrankungen der Lunge und Bronchien sowie bei funktionellen Herzbeschwerden bewährt.

[L190]

Thymian (Thymus vulgaris) enthält ätherisches Öl und Gerbstoffe. Das ätherische Öl wirkt in den Bronchien schleimverflüssigend, auswurffördernd und krampflösend. Zudem wird das Wachstum von Bakterien, Viren und Pilzen gehemmt.

[O562]

„Dosierte Lippenbremse“ – durch die locker aufeinanderliegenden Lippen wird geräuschlos ausgeatmet.

[L157]

Mögliche Befunde in der Röntgenaufnahme des Thorax bei einem Bronchialkarzinom.

[L215]

Peripheres Bronchialkarzinom Unten: Wegen eines chronischen Hustens wurde bei einem 63-jährigen Patienten dieses Röntgenbild angefertigt, auf dem sich ein kleiner Rundherd zeigt. Oben: Der Herd ist in einer 3 Monate alten (Routine-)Aufnahme nur im Vergleich mit der neuen Aufnahme zu erkennen.

[T197]

Multiple Lungenmetastasen, wie sie z. B. beim Nierenkarzinom auftreten können. Das normale Lungengewebe ist durch die vielen Metastasen verdrängt, sodass dieser Patient an hochgradiger Luftnot leidet und mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr lange leben wird.

[E769]

Röntgenaufnahme des Thorax bei Pleuraerguss links.

[T170]

Verschiedene Formen des Pneumothorax. Beim offenen Pneumothorax:offenerPneumothorax tritt Luft durch einen Brustwanddefekt in den Pleuraspalt ein. Atmet der Patient aus, so wird die Luft wieder nach außen gepresst. Im Gegensatz dazu kann beim Spannungs- oder Ventilpneumothorax die bei jeder Atembewegung in den Pleuraspalt eindringende Luft nicht mehr entweichen, weil z. B. ein Hautlappen an der Wunde als (Einweg-)Ventil wirkt. Es besteht ein Überdruck im Pleuraraum der kranken Seite, der zur Verdrängung des Herzens und zu einer Kompression der gesunden Lunge führt. Dieser lebensbedrohliche Zustand muss sofort behandelt werden.

[A400]

Spannungspneumothorax links. Die linke Lunge ist völlig kollabiert und grenzt sich am linken Herzrand als Verschattung ab (rosa eingefärbt). Die Röntgenstrahlen werden nicht mehr (wie auf der rechten Thoraxseite) teilweise vom Lungengewebe absorbiert und schwärzen daher den Röntgenfilm mehr.

[T197]

Symptome und Komplikationen von Bronchiektasen.

[A400]

Untersuchungsbefunde bei verschiedenen Lungenerkrankungen.Pneumothorax:UntersuchungsbefundPneumonie:UntersuchungsbefundPleuraerguss:UntersuchungsbefundLungenemphysem:UntersuchungsbefundLinksherzinsuffizienz:UntersuchungsbefundAsthma bronchiale:Untersuchungsbefund

Tab. 12.1
Diagnose Veränderung Thoraxform Beweglichkeit Perkussion Stimmfremitus Atemgeräusch Nebengeräusche
Asthma bronchiale Verengung der Bronchien durch zähes Sekret und Schleimhautschwellung normal bisFassthorax beidseits vermindert; evtl. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur normal bis hypersonor normal bis vermindert abgeschwächt; verlängerte Ausatmung trockene Rasselgeräusche: Brummen, Giemen, Pfeifen
AkuteBronchitis Verengung der Atemwege durch große Mengen zähen Sekrets normal normal normal normal bis vermindert abgeschwächt evtl. feuchte Rasselgeräusche bei Ein- und Ausatmung
Pneumonie durch Exsudat verdichtetes Lungengewebe normal normal; evtl. Einsatz der Atemhilfsmuskulatur gedämpft normal bis verstärkt verstärkt feuchte Rasselgeräusche (bei atypischer Pneumonie häufig keine Rasselgeräusche)
Linksherzinsuffizienz mit Rückstau in die Lunge Übertritt von Flüssigkeit aus dem Lungeninterstitium in die Alveolen durch Blutrückstau aus dem Herzen normal normal normal oder gedämpft normal oder verstärkt normal evtl. feuchte Rasselgeräusche, v. a. bei der Einatmung
Lungenemphysem Lungenüberblähung durch chronische Atemwegsobstruktion Fassthorax beidseitig vermindert hypersonor vermindert abgeschwächt keine; außerdem Herztöne oft kaum hörbar
Pleuraerguss Flüssigkeit im Pleuraspalt; durch Entzündungen oder bösartige Tumoren hervorgerufen normal auf der betroffenen Seite vermindert gedämpft (lageveränderlich) aufgehoben abgeschwächt feuchte Rasselgeräusche an der Obergrenze; evtl. Pleurareiben
Pneumothorax Luft im Pleuraspalt normal evtl. auf der betroffenen Seite vermindert hypersonor aufgehoben fehlend; bei geringgradigem Pneumothorax abgeschwächt keine

Schweregrade der Atemnot. Grad I–III umfasst die Belastungsdyspnoe zunehmender Schwere und Grad IV die schwerste Form, die Ruhedyspnoe.

Tab. 12.2
Grad I Atemnot nur bei größeren körperlichen Anstrengungen wie etwa schnellem Gehen auf ebener Strecke, Bergaufgehen oder Treppensteigen
Grad II Atemnot schon bei mäßiger körperlicher Anstrengung, z. B. beim langsamen Gehen auf ebener Strecke
Grad III Atemnot bereits bei geringen körperlichen Anstrengungen wie An- und Ausziehen oder leichten Verrichtungen im Haushalt
Grad IV Atemnot auch in Ruhe (Ruhedyspnoe)

Überblick über die wichtigsten Ursachen einer Dyspnoe.

Tab. 12.3
Pulmonale Ursachen
erhöhter Atemwegswiderstand
Asthma bronchiale (12.8)
chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (12.6)
Fremdkörperaspiration (30.4.1)
verminderte Gasaustauschfläche und/oder Lungendehnbarkeit
Pneumonie (12.5.6)
Lungenfibrose (12.12.1)
Pleuraerguss (12.11.2)
Atelektasen
Lungenemphysem (12.7)
Tumoren (12.9)
Pneumothorax (12.11.3)
verminderte Alveolendurchblutung
Lungenembolie (12.10.1)
Lungeninfarkt
gestörte Atemmechanik
ThoraxverletzungenSkoliose (9.9.1)
Kardiale Ursachen
Herzinsuffizienz (10.7.1)
Myokardinfarkt (10.6.2)
Perikarditis, Perikarderguss (10.9.3)
angeborene Herzerkrankungen (10.11.5)
Mitralstenose (10.11.1)
Extrathorakale Ursachen
Hyperventilation bei metabolischer Azidose
Schock (11.5.3)
Coma diabeticum (15.5.5)
Urämie (16.5.1)
Störungen im Bereich des Atemzentrums
Schlaganfall (23.5.1)
Hirntumor (23.8.1)
Enzephalitis (25.16.1)
Anämie (20.4.1)
Adipositasemotionale Faktorenphysiologisch bei körperlicher Anstrengung

Übersicht über die verschiedenen Einteilungen der Pneumonien.Pneumonie:sekundärePneumonie:primärePneumonie:interstitiellePneumonie:infektiösePneumonie:infektiösePneumonie:infektiösePneumonie:healthcare-associated (HCAP)Pneumonie:ambulant erworbene (AEP)Pneumonie:alveolärePneumonie:StauungspneumoniePneumonie:AspirationspneumoniePleuropneumonieLobärpneumonieBronchopneumonie

Tab. 12.4
Einteilung nach … Pneumoniebegriff Definition und Ursache
Ätiologie infektiöse Pneumonie bedingt durch Bakterien, Viren, Pilze, Mykoplasmen (25.5.7) oder Protozoen (25.7)
nichtinfektiöse Pneumonie bedingt durch physikalisch-chemische Reize (Bestrahlung, Reizgasinhalation), allergische Mechanismen oder Aspiration („Einatmen“ von flüssigen oder festen Fremdkörpern mit nachfolgender bakterieller Besiedelung, sog. Aspirationspneumonie)
Epidemiologie primäre Pneumonie Pneumonie bei zuvor Gesunden
sekundäre Pneumonie Pneumonie bei Patienten mit Grunderkrankung wie z. B. Herzinsuffizienz (sog. Stauungspneumonie bei Linksherzinsuffizienz), Lungenerkrankung (z. B. COPD), Aspiration, Atelektase (nicht belüftete Lungenbezirke, z. B. bei Bettlägerigkeit)
ambulant erworbene Pneumonie (AEP) zu Hause erworben. Erregerprofil altersabhängig, häufigster Erreger Pneumokokken
Healthcare-Associated Pneumonia (HCAP) Pneumonie vo Patienten mit regelmäßigem Kontakt zum Gesundheitssystem (Pflegeheime, Dialyse, onkologische Patienten)
Nosokomiale Pneumonie im Krankenhaus erworbene Pneumonie (ab 48 Std. nach Aufnahme auftretend)
Ausdehnung/Röntgenbild Lobärpneumonie ein ganzer Lungenlappen ist betroffen, v. a. bei Kindern auftretend
Bronchopneumonie herdförmige Entzündung der Bronchiolen und des sie umgebenden Gewebes
interstitielle Pneumonie betroffen ist v. a. das Lungeninterstitium, selten der Alveolarraum. Vorkommen v. a. bei immungeschwächten Patienten, z. B. mit Aids (25.91) oder unter immunsuppressiver Therapie
pathologisch-anatomische Kriterien alveoläre Pneumonie Entzündung v. a. in den Alveolen
interstitielle Pneumonie betroffen ist das Lungeninterstitium, oft durch Viren oder Autoimmunprozesse verursacht. Häufig bei immungeschwächten Patienten
Pleuropneumonie Pneumonie unter Mitbeteiligung der Pleura (Pleuritis 12.11.1)

Verlaufsformen der chronischen BronchitisRaucherhustenLungenemphysem:obstruktives

Tab. 12.5
Erkrankung Symptome
einfache chronische Bronchitis („Raucherhusten“) Husten mit schleimig-weißem Auswurf ohne bronchiale Obstruktion
chronisch-obstruktive Lungenerkrankung(chronic obstructive pulmonary disease, COPD) chron. Husten mit Auswurf und Bronchialobstruktion
obstruktives Emphysem wie COPD, zusätzlich mit irreversibel vergrößertem Lungenvolumen nach maximaler Ausatmung (Residualvolumen)

Schweregradeinteilung und Therapie der COPD, vereinfacht nach den Empfehlungen der Globalen Initiative für chronisch-obstruktive Lungenerkrankungen. Grad 0 entfällt nach der neuen Klassifizierung.

Tab. 12.6
Schweregrad Therapie
1 leichte COPD zunehmende Lungenfunktionseinschränkung kurz wirksame Bronchodilatatoren bei Bedarf. Patientenschulung
2 mäßig schwere COPD inhalative Dauertherapie mit lang wirksamen Bronchodilatatoren
3 schwere COPD zusätzlich Therapie mit inhalativen Glukokortikoiden, möglichst in fixer Kombination mit lang wirksamen Bronchodilatatoren
4 sehr schwere COPD zusätzlich evtl. Sauerstoff-Langzeittherapie und nächtliche Heimbeatmung

Atemwege

  • 12.1

    Ganzheitliche Aspekte515

  • 12.2

    Anatomie und Physiologie516

    • 12.2.1

      Atmungssystem516

    • 12.2.2

      Nase516

    • 12.2.3

      Nasennebenhöhlen517

    • 12.2.4

      Rachen517

    • 12.2.5

      Kehlkopf519

    • 12.2.6

      Luftröhre520

    • 12.2.7

      Bronchien520

    • 12.2.8

      Lungen521

    • 12.2.9

      Pleura522

    • 12.2.10

      Atemmechanik522

    • 12.2.11

      Gasaustausch523

    • 12.2.12

      Lungen- und Atemvolumina524

    • 12.2.13

      Steuerung der Atmung525

  • 12.3

    Untersuchung und Diagnostik525

    • 12.3.1

      Anamnese525

    • 12.3.2

      Körperliche Untersuchung525

    • 12.3.3

      Naturheilkundliche Diagnostik528

    • 12.3.4

      Schulmedizinische Diagnostik529

  • 12.4

    Leitsymptome und Differenzialdiagnose531

    • 12.4.1

      Behinderte Nasenatmung531

    • 12.4.2

      Heiserkeit531

    • 12.4.3

      Husten531

    • 12.4.4

      Auswurf532

    • 12.4.5

      Atemgeruch532

    • 12.4.6

      Veränderung der Atmung533

    • 12.4.7

      Atemnot534

    • 12.4.8

      Atemgeräusche535

  • 12.5

    Atemwegsinfektionen535

    • 12.5.1

      Rhinitis535

    • 12.5.2

      Sinusitis537

    • 12.5.3

      Pharyngitis539

    • 12.5.4

      Laryngitis539

    • 12.5.5

      Akute Bronchitis540

    • 12.5.6

      Pneumonie543

  • 12.6

    Chronische Bronchitis und chronisch-obstruktive Lungenerkrankung 545

  • 12.7

    Lungenemphysem547

  • 12.8

    Asthma bronchiale548

  • 12.9

    Tumoren der Atemwege553

    • 12.9.1

      Larynxkarzinom553

    • 12.9.2

      Primäres Bronchialkarzinom554

    • 12.9.3

      Sekundäre Lungenmalignome555

  • 12.10

    Erkrankungen des Lungenkreislaufs556

  • 12.10.1

    Lungenembolie556

  • 12.10.2

    Pulmonale Hypertonie und chronisches Cor pulmonale557

  • 12.11

    Pleuraerkrankungen558

    • 12.11.1

      Pleuritis558

    • 12.11.2

      Pleuraerguss558

    • 12.11.3

      Pneumothorax559

    • 12.11.4

      Pleuramesotheliom560

  • 12.12

    Weitere Lungenerkrankungen560

    • 12.12.1

      Interstitielle Lungenerkrankungen und Lungenfibrosen560

    • 12.12.2

      Mukoviszidose561

    • 12.12.3

      Bronchiektasen562

    • 12.12.4

      Schlafapnoe-Syndrom562

    • 12.12.5

      Akutes Lungenversagen, Schocklunge (ARDS)563

Ganzheitliche Aspekte

Atem – Rhythmus des Lebens

AtemwegeDie Atmung ist die Grundlage allen Lebens. Sie begleitet uns von der ersten bis zur letzten Minute unseres Daseins. Nicht von ungefähr haben in vielen Kulturen die Worte Geist/Seele und Atmung denselben Wortstamm (z. B. lat. spirare = atmen, spiritus = Geist).
Atmung ist nicht nur Belüftung der Lungenalveolen, nicht nur Energieaustausch in den Zellen – Atmen ist Aktivität (Einatmung) und Passivität (Ausatmung), ist Zusammenziehen und Entfalten, ist Spannung und Entspannung, ist Geben und Empfangen. In der Atmung verschmelzen die Lebenspole zur Einheit. Somit kann die Atmung als fließende Bewegung zwischen den polaren Lebensvorgängen gesehen werden. Johann Wolfgang Goethe (1749–1832) fasste es treffend zusammen: „Im Atemholen sind zweierlei Gnaden, die Luft einziehen, sich ihrer entladen. Jenes bedrängt, dieses erfrischt. So wunderbar ist das Leben gemischt.“

Atemtherapie – das richtige Atmen will gelernt sein

Durch die Atemtherapie und insbesondere durch die Atemtherapie nach Middendorf (4.2.7) können dieser Lebensfluss, die Urbewegung der Ein- und Ausatmung und der Moment, in dem der Atem vor der Einatmung still steht, erfahren werden. Den Atem lassen, zulassen und sein lassen sind die Übungsqualitäten, die vermittelt werden, um gleichsam an die wesentlichen Prinzipien des Lebens zu erinnern. So wird „richtiges Atmen“ eingeübt, und gleichzeitig verändern sich die Einstellungen und Sichtweisen im seelischen Bereich.

Atem und Psyche

Der Atem verbindet uns, ob wir wollen oder nicht, unmittelbar mit der Umwelt. In vielen Redewendungen spiegelt sich dieser enge Zusammenhang zwischen dem Atem und dem augenblicklichen Erleben der Umwelt wider. Wir atmen dieselbe Luft wie Freund und „Feind“ und gönnen manchem „die Luft zum Atmen nicht“. Es „bleibt vor Schreck die Luft weg“, wir finden etwas „atemberaubend“, es schnürt einem die Luft ab, es verschlägt einem den Atem, man kann endlich wieder „aufatmen“, man macht seiner Wut Luft oder meint „in der Nähe des anderen ersticken zu müssen“. Macht man sich zudem klar, dass jeder halbe Liter Luft, den der Mensch einatmet, durchschnittlich ein Molekül enthält, das bereits vor Jahrhunderten eingeatmet worden ist, verbindet der Atem alles mit allem.
Auf der symbolischen Ebene werden die Atemwege als Kontaktorgan gesehen. Während das Organ Haut den direkten Kontakt repräsentiert, der willentlich beeinflusst und gestaltet werden kann, verbinden uns die Atemwege mit dem allgemeinen Lebensfluss.

Beziehung der Lunge zu anderen Organen

Nicht nur in der chinesischen Medizin (4.2.44) wird durch den Funktionskreis Lunge-Dickdarm eine Verbindung zwischen Lunge und Darm hergestellt. Auch in der westlichen Naturheilkunde ist bekannt, dass eine enge Beziehung zwischen Darm- und Bronchialschleimhaut besteht und Atemwegsinfekte oft Darmbeschwerden hervorrufen, wie auch umgekehrt chronische Darmstörungen häufig rezidivierende Atemwegsinfektionen verursachen.
Ebenso weiß die Naturheilkunde um die Wechselbeziehung zwischen Lunge und Haut: So bestätigt die Praxis immer wieder, dass z. B. durch das therapeutische Unterdrücken von Ekzemen (18.1), asthmatische Beschwerden hervorgerufen werden können. Es ist wichtig, diese Zusammenhänge in der naturheilkundlichen Diagnostik zu berücksichtigen und in das Behandlungskonzept einzubeziehen.

Bedeutung der Atemwegsschleimhaut

Erkältungen und Atemwegserkrankungen sind die am häufigsten auftretenden Erkrankungen bei Erwachsenen und Kindern – Tendenz steigend. Neben der zunehmenden Umweltbelastung begünstigen z. B. Fehlernährung, Schlaf- und Bewegungsmangel, negativer Stress und chronische Überforderung sowie fehlende Abhärtung die Entwicklung von Atemwegserkrankungen. Zudem schädigen vorausgegangene Antibiotikabehandlungen die schützende Schleimhautflora der Atemwege und des Darms. Da 90–95 % aller unspezifischen Atemwegsinfektionen durch Viren verursacht werden, ist der Einsatz von Antibiotika, die nur gegen Bakterien wirken, zweifelhaft und auf Infektionen begrenzt, bei denen zusätzlich Bakterien im Spiel sind.

Naturheilkundliche Therapie

Die naturheilkundliche Therapie der Atemwege zielt darauf ab, die vitalen Vorgänge zu harmonisieren und die Schwingungsfähigkeit des Atemorgans anzuregen. Durch phytotherapeutische und physikalische Therapiemaßnahmen können Atemwegsinfektionen (z. B. Erkältungskrankheiten, Sinusitis, Bronchitis) deutlich gelindert und Rezidive durch eine Umstimmungstherapie (z. B. Eigenblut) erfolgreich behandelt werden.
Bei chronischen Atemwegserkrankungen ist als Basisbehandlung häufig eine mikrobiologische Therapie erforderlich. Ebenso sollten konstitutionell ausgerichtete Therapieverfahren (z. B. Akupunktur, Homöopathie) bevorzugt eingesetzt werden. Atem- und Entspannungsübungen sind als seelisch ausgleichendes Moment empfehlenswert. Eine psychologische Unterstützung des Patienten im Umgang mit unbewältigten Konflikten, Ängsten oder unterdrückten Aggressionen sollte zudem Bestandteil eines ganzheitlichen Therapiekonzepts sein.

Anatomie und Physiologie

Atmungssystem

Mithilfe des Atmungssystems (respiratorisches System) ist der Körper in der Lage zu atmen, d. h. Atemgase in Form von Sauerstoff und Kohlendioxid mit der Umgebung auszutauschen (äußere Atmung:äußereAtmung). In den einzelnen Körperzellen wird Sauerstoff bei den Verbrennungsvorgängen des Stoffwechsels zur Energiegewinnung verbraucht und Kohlendioxid als Abfallprodukt Atmung:inneregebildet (innere Atmung). Die Lunge hat als zentrales Organ des respiratorischen Systems die Funktion, den benötigten Sauerstoff aus der Atemluft aufzunehmen und Kohlendioxid als Endprodukt des Körperstoffwechsels abzutransportieren.
Die Atemwege (Abb. 12.1) werden unterteilt in:
  • obere Luftwege, obere/untereLuftwege (oberer Respirationstrakt): Nase, Nasennebenhöhlen und Rachenraum

  • untere Luftwege (unterer Respirationstrakt): Kehlkopf, Luftröhre, Bronchien sowie die Lunge selbst

Nase

Aufbau der Nase
NaseNase:AufbauZu den sichtbaren äußeren Teilen der Nase gehören die Nasenlöcher, die Nasenscheidewand und die Nasenflügel. Am Naseneingang verhindern mehr oder weniger lange, starre Haare das Eindringen größerer Fremdkörper. Wesentlich größer als der äußere Anteil der Nase ist der innere, die NasenhöhleNasenhöhle (Abb. 12.2). Nach unten wird diese vom harten Gaumen begrenzt, nach oben vom Siebbein der Schädelbasis (Abb. 12.2) und seitlich von den Oberkieferknochen. So stellt die Nasenhöhle einen annähernd dreieckigen Hohlraum dar, der durch die teils knöcherne, teils knorpelige NasenscheidewandNasenscheidewand in eine rechte und linke Hälfte aufgeteilt wird. Den Übergang zum Rachenraum bilden die beiden hinteren Nasenöffnungen (ChoanenChoanen).
An den Seitenwänden der Nasenhöhle finden sich beidseits je eine untere, mittlere und obere Nasenmuschel (ConchaenConchae). Durch diese wulstartigen Vorwölbungen wird die Schleimhautoberfläche wesentlich größer. Sie begrenzen entsprechend rechts und links jeweils einen unteren, einen mittleren und einen oberen Nasengang.

Merke

Anatomische Nachbarstrukturen der Nasenhöhlen sind:

  • unten: harter Gaumen

  • oben: Siebbein der Schädelbasis

  • seitlich: Oberkieferknochen

  • hinten: Übergang zum Rachenraum

  • vorne: Naseneingang

Funktionen der Nase

Merke

Die Nasenhöhle hat im Wesentlichen drei Funktionen:

  • Erwärmung, Vorreinigung und Anfeuchtung der Atemluft

  • Beherbergung des Riechorgans (24.2.3)

  • Resonanzraum für die Stimme

Nase:Funktionen
Erwärmung, Vorreinigung und Anfeuchtung der Atemluft
Diese Funktionen gewährleistet die Schleimhaut der Nasenhöhle, an deren Oberfläche sich ein mehrreihiges Flimmerepithel befindet Flimmerepithel(Abb. 12.3). Zwischen den Flimmerepithelzellen sind zahlreiche schleimproduzierende Becherzellen eingelagert. Die Flimmerhärchen bewegen rhythmisch auf der feuchten Schleimhaut die niedergegangenen Staubteilchen in Richtung des Nasen-Rachen-Raum.
Das Flimmerepithel reinigt nicht nur die Einatemluft, sondern feuchtet sie auch an, sodass die Wasserdampfsättigung im Nasenrachenraum über 90 % beträgt. Gleichzeitig sorgt ein dichtes Geflecht feiner Blutgefäße für die Erwärmung der Atemluft. Je kälter sie ist, desto stärker werden die Schleimhaut durchblutet und die Atemluft erwärmt. Schleimhaut und Gefäße sind sehr empfindlich, sodass es schon bei kleineren Verletzungen, aber auch bei Entzündungen und Infektionen, leicht zu Nasenbluten (Epistaxis) kommt.
Riechfunktion
EpistaxisUnter der RiechfunktionSiebbeinplatte, dem Dach der Nasenhöhle, liegt die Riechschleimhaut mit den RiechschleimhautRiechzellen. Diese Riechzellen sind die Zellkörper des Riechnervs (N. Riechnervolfactorius = I. Hirnnerv), der mit vielen feinen Fasern durch die Siebbeinplatte in die vordere Schädelgrube aufsteigt und den Geruch der Einatemluft an das Riechhirn meldet (Riechhirn23.2.3).

Nasennebenhöhlen

In die NasennebenhöhlenNasenhöhle münden die klinisch bedeutsamen paarig angeordneten Nasennebenhöhlen.

Merke

Die Nasennebenhöhlen bestehen aus:

  • StirnhöhlenStirnhöhlen (Sinus frontales)

  • KieferhöhlenKieferhöhlen (Sinus maxillares)

  • SiebbeinzellenSiebbeinzellen (Cellulae ethmoidales)

  • KeilbeinhöhlenKeilbeinhöhle (Sinus sphenoidales)

Die Nasennebenhöhlen vermindern das Gewicht des knöchernen Schädels, dienen der Oberflächenvergrößerung der Nasenschleimhaut und stellen zudem einen Resonanzraum für die Stimme dar. Sie stehen mit der Schädelbasis, den Augenhöhlen, den Ohrtrompeten (24.2.4) und dem Rachen in Verbindung (Abb. 12.4). Diese Lagebeziehungen begründen mögliche Komplikationen einer Nebenhöhlenvereiterung, wie z. B. eine Meningitis, Sepsis sowie die Beteiligung der Nebenhöhlen bei entzündlichen Prozessen anderer Organe, z. B. einer Kieferhöhlenentzündung durch Zahnwurzeleiterung.

Rachen

Der Rachen (RachenPharynx) ist ein PharynxSchleimhaut-Muskelschlauch, der sich von der Schädelbasis bis zur Speiseröhre erstreckt. Er verbindet Mundhöhle und Speiseröhre (Funktion als Teil des Verdauungstrakts), aber auch Nase und Luftröhre (Funktion als Teil des Atemtrakts). Im Rachen kreuzen sich die Luft- und Speisewege und teilen sich am unteren Ende des Rachens (Abb. 12.5).
Als Schaltstelle dieser „Kreuzung“ zwischen Luft- und Speiseweg dient der Kehldeckel (Epiglottis, EpiglottisKehlkopfdeckel). Beim Ein- und Ausatmen steht der Kehldeckel gestreckt nach oben – die Atemluft kann aus den hinteren Nasenöffnungen nach unten in den Kehlkopf gelangen. Beim Schlucken aber verschließt sich der Kehlkopf, indem sich der Kehldeckel wie ein schützendes Dach über den Kehlkopfeingang legt (Schluckakt). Dadurch gelangt der Speisebrei vom Rachen in die Speiseröhre. Der Schluckakt wird reflektorisch durch mechanische Reizung der Rachenschleimhaut und des Zungengrunds ausgelöst (Schluckreflex). Beim Verschlucken gelangt durch einen gestörten Schluckvorgang Speise in den Kehlkopf und weiter in die Luftröhre.
Aufbau
  • Der Rachen:AbschnitteNasenrachen (NasopharynxNasenrachen): oberes DrittelNasopharynx des Rachenraums. In ihn münden die hinteren Nasenöffnungen und die Ohrtrompeten (24.2.4). Im Nasenrachen liegt auch die Rachenmandel (Tonsilla Rachenmandelpharyngea 21.2.6).

  • Tonsilla(ae):pharyngea Der Mundrachen (Oropharynx): Mundrachenmittlerer OropharynxAbschnitt des Rachenraums mit einer weiten Öffnung zur Mundhöhle. Er ist gemeinsamer Passageabschnitt für Luft sowie für flüssige und feste Nahrung. In ihm liegen seitlich die beiden Gaumenmandeln (Tonsillae Gaumenmandelnpalatinae 21.2.6). Tonsilla(ae):palatinaeDiese „Mandeln“ gehören – zusammen mit der Rachenmandel und den am Zungengrund gelegenen Zungenbälgen – zum lymphatischen System und dienen der Immunabwehr.

  • Der Kehlkopfrachen (KehlkopfrachenLaryngopharynx): unterer LaryngopharynxAbschnitt des Rachenraums; reicht vom Zungenbein bis zur Speiseröhre bzw. zum Kehlkopf. Hier findet der eigentliche Schluckakt statt.

Merke

Die drei Abschnitte des Rachens sind:

  • Nasenrachen (Nasopharynx)

  • Mundrachen (Oropharynx)

  • Kehlkopfrachen (Laryngopharynx)

Schluckakt
Der Schluckakt ist sehr kompliziert und Schluckaktkann nur z. T. willkürlich gesteuert werden.
Nachdem die Nahrung genügend gekaut und mit Speichel vermischt wurde, formt die Zunge daraus einen schluckfähigen Bissen. Sie schiebt ihn nach hinten in den Rachen. Als Reflex hebt sich der weiche Gaumen, und die Rachenmuskulatur zieht sich zusammen. Dadurch wird der Nasenrachenraum abgedichtet. Der Kehlkopfdeckel (Abb. 12.6) verschließt den Kehlkopf, damit keine Nahrung in die Luftröhre gelangt; es kommt zu einer kurzfristigen Atempause (Abb. 12.7). Gleichzeitig zieht sich die Rachenmuskulatur zusammen und schiebt den Bissen in die Speiseröhre.
Beim „Verschlucken“ gelangen feste oder flüssige Stoffe in die Atemwege. Dadurch wird sofort ein massiver Hustenreiz ausgelöst, durch den es meist gelingt, die Atemwege wieder zu reinigen. Ist dies nicht der Fall, spricht man von einer Aspiration. Mögliche Folge istAspiration die Verlegung der Atemwege mit Atemnot und Entstehung einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie 12.5.6).

Achtung

Bei Kindern kommt die Fremdkörperaspiration besonders häufig vor, bei alten (bettlägerigen) Patienten die Aspiration von Speisen. Bei Bewusstlosen oder Betrunkenen besteht die Gefahr, dass sie ihr Erbrochenes aspirieren.

Kehlkopf

Der Kehlkopf (Larynx) hat zwei KehlkopfFunktionen:
  • Larynx (Kehlkopf)Zum einen verschließt er die unteren Luftwege (Abb. 12.6) und regelt so ihre Belüftung.

  • Zum anderen ist er das Hauptorgan der Stimmbildung.

Aufbau des Kehlkopfes
Der Kehlkopf ist ein röhrenförmiges Knorpelgerüst, das sich vom Zungengrund bis hin zur Luftröhre erstreckt (Abb. 12.7). Zu seinen wichtigsten Strukturen zählen die Stimmbänder (Abb. 12.8). Seine Festigkeit erhält er durch Knorpelstücke, die durch Bänder und Muskeln verbunden sind.
Der größte Knorpel ist der Schildknorpel, dessen scharfkantiger SchildknorpelVorsprung bei vielen Männern als „Adamsapfel“ auffällt und dem Kehlkopf seine dreieckige Form gibt.
Auf dem Oberrand des Schildknorpels sitzt der Kehldeckel (Epiglottis), der wie Kehldeckelerwähnt beim EpiglottisSchluckakt eine große Rolle spielt.
Unterhalb des Schildknorpels liegt der siegelringförmige Ringknorpel, dessen Verdickung (dasRingknorpel „Siegel“) nach hinten gerichtet ist. Schildknorpel und Ringknorpel sind durch Gelenke miteinander verbunden. Das Siegel des Ringknorpels bildet außerdem die Basis für zwei kleine Stellknorpel, die für die Stellung und StellknorpelSpannung der Stimmbänder verantwortlich sind.
Der gesamte Kehlkopf, mit Ausnahme des Kehldeckels und der Stimmbänder, ist von einer gefäßreichen Schleimhaut ähnlich der Nasenschleimhaut bedeckt. Dadurch wird die Atemluft im Kehlkopfbereich weiter befeuchtet, von feinsten Staubteilchen befreit und angewärmt.

Merke

Die wichtigsten anatomischen Strukturen des Kehlkopfes von oben nach unten:

  • Kehldeckel

  • Schildknorpel

  • zwei Stellknorpel mit den Stimmbändern

  • Ringknorpel

Stimmbänder und Stimme
Die Kehlkopfschleimhaut bildet zwei waagerecht übereinanderliegende Faltenpaare: die unten gelegenen Stimmfalten und die darüber gelegenen Taschenfalten. Die Stimmfaltenfreien, oberen Ränder der TaschenfaltenStimmfalten in der Mitte des Kehlkopfinneren werden als Stimmbänder (Ligamenta vocalia, Stimmlippen) bezeichnet (StimmbandLigamenta:vocaliaAbb. 12.8). Sie verlaufen vonStimmlippen der Innenfläche des Schildknorpels nach hinten zu den beiden Stellknorpeln. An den Stellknorpeln setzen mehrere feine Muskeln an, die die Stimmbänder indirekt über eine Drehung der Stellknorpel bewegen können. Die Öffnung zwischen den beiden Stimmbändern wird als Stimmritze bezeichnet; die Weite dieser Öffnung kann über die StimmritzeKehlkopfmuskeln verändert werden. Die Stimmbänder werden vom N. recurrens innerviert, einem Ast des N. vagus (23.2.10Nervus recurrens).
Bei der Stimmbildung (Phonation) werden die StimmbildungStimmbänder durch die PhonationAusatemluft in regelmäßige Schwingungen versetzt. Die Frequenz der Schwingungen und damit die Höhe des Grundtons hängt von der Spannung der Stimmbänder ab, die willkürlich reguliert werden kann.
  • Soll ein hoher Ton erzeugt werden, so werden die Stimmbänder durch Kontraktion von Kehlkopfmuskeln stärker gespannt (vergleichbar mit dem Höherstimmen einer Gitarrensaite durch das Nachspannen).

  • Um einen tiefen Ton zu erzeugen, müssen die Stimmbänder entsprechend entspannt werden.

Die Lautstärke hängt von der Stärke des Luftstroms ab. Fülle und Klangfarbe der Stimme schließlich werden durch den Resonanzraum (auch Ansatzrohr genannt) bestimmt,Resonanzraum den Rachen, AnsatzrohrMundhöhle, Nasen- und Nasennebenhöhle bilden.
Für die Lautbildung oder Artikulation muss sich der LautbildungResonanzraum in seiner Form Artikulationändern können. Dadurch bekommt die Luftsäule im Ansatzrohr unterschiedliche Eigenfrequenzen und charakteristische Resonanzen, wodurch die verschiedenen Klangbilder der Laute entstehen.
So ist bei der Bildung der Mitlaute (Konsonanten) das Ansatzrohr stärker verengt als bei den Selbstlauten (Vokale). Die einzelnen Mitlaute werden dagegen v. a. durch unterschiedliche Stellungen der Zahnreihen, der Lippen und Zunge sowie des Gaumens gebildet.

Merke

Für die Stimmbildung sind notwendig:

  • Luftstrom

  • Resonanzraum

  • Stimmfalten mit den Stimmbändern

  • Taschenfalten

  • Kehlkopfmuskeln

  • N. recurrens

Kinder haben einen kleineren Kehlkopf mit kürzeren Stimmbändern und damit eine höhere Stimme als Erwachsene. In der Pubertät kommt es zu einer Gewichts- und Längenzunahme von Kehlkopf und Stimmbändern – bei Jungen in stärkerem Maße als bei Mädchen. Die Folge ist der Stimmbruch. Hierunter versteht man den Wechsel von der StimmbruchKinderstimme zur Erwachsenenstimme, wobei sich die Jungenstimme um etwa eine Oktave senkt.

Luftröhre

Unterhalb des Ringknorpels beginnt die Luftröhre (Trachea). Sie ist ein durchschnittlichLuftröhre 11 cm langer, muskulöser TracheaSchlauch, dessen Öffnung durch 16–20 C-förmige Knorpelspangen offengehalten wird. Diese verhindern, dass sich die Luftröhre durch den Unterdruck, der regelmäßig bei der Ausatmung entsteht, verschließt (Abb. 12.9).
Zwischen den einzelnen Knorpelspangen liegt elastisches Bindegewebe, wodurch die Luftröhre auch in Längsrichtung elastisch ist. Diese Elastizität im Längsverlauf ist z. B. beim Schluckakt wichtig, bei dem die Luftröhre mit dem nach oben steigenden Kehlkopf in der Länge gedehnt wird.
Auch die Luftröhre ist von einer Schleimhaut mit Flimmerepithel und schleimbildenden Becherzellen überzogen. Durch den Flimmerschlag werden Fremdkörper zurück zum Rachen und Mund befördert. An ihrer Hinterwand berührt die Luftröhre die Speiseröhre.

Bronchien

Die Luftröhre teilt sich etwa in Höhe des fünften Brustwirbels Bronchienin die beiden Hauptbronchien. Diese Gabelungsstelle nennt man Bifurkation. Der Wandaufbau der Hauptbronchien gleicht dem der BifurkationLuftröhre. Der rechte Hauptbronchus ist weiter und verläuft steiler nach unten als der linke.
Deswegen gelangen Fremdkörper häufiger in den rechten Hauptbronchus.
Lappen- und Segmentbronchien
Nach wenigen Zentimetern teilt sich jeder Hauptbronchus in kleinere Bronchien auf:
  • rechter Hauptbronchus: teilt sich in drei Hauptäste für die drei Lappen der rechten Lunge

  • linker Hauptbronchus: teilt sich nur in zwei Hauptäste für die zwei Lappen der linken Lunge, da er sich dem Herzen anpassen muss

Diese fünf Hauptäste, die Lappenbronchien, teilen sich dann wie das Geäst eines Baums weiter in LappenbronchienSegmentbronchien auf, die sich wiederum in immer kleinere Äste verzweigen.Segmentbronchien Durch mehr als 20 Teilungsschritte entsteht so das weitverzweigte System (Abb. 12.10) des Bronchialbaums.
Je kleiner die Bronchien werden, desto Bronchialbaumeinfacher und dünnwandiger wird ihr innerer Aufbau. So finden sich in den Lappenbronchien anstatt großer Knorpelspangen nur noch kleine unregelmäßige Knorpelplättchen. In den kleinsten Verzweigungen der Bronchien, den Bronchiolen mit einem Innendurchmesser von weniger als 1 mm, fehlen die BronchiolenKnorpeleinlagerungen völlig. Dafür sind sie reichlich mit glatten Muskelfaserzügen (7.5.3) versehen, die den Zu- und Abstrom der Atemluft aktiv regulieren.
Alveolen
Die Bronchiolen verzweigen sich noch einmal und gehen in das Alveoleneigentliche, „atmende“ Lungengewebe, die traubenförmig angeordneten Lungenbläschen (Alveolen) über. Hier sind Blut Lungenbläschenund Luft nur durch eine dünne AlveolenSchicht aus Alveolarepithelzellen und Kapillarendothelzellen voneinander getrennt (7.5.1): Durch diese sog. Blut-Luft-Schranke kann der Sauerstoff aus der Alveolarluft rasch ins Blut-Luft-SchrankeKapillarblut übertreten, das Kohlendioxid nimmt den umgekehrten Weg.
Damit die Lungenbläschen trotz der ständig bei der Atmung auftretenden Druckschwankungen nicht zusammenfallen oder platzen, ist ihre Innenfläche von einem stabilisierenden Oberflächenfaktor (Surfactant) überzogen. Dieser OberflächenfaktorOberflächenfaktor und die Surfactantelastischen Fasern, die die Lungenbläschen netzartig umgeben, beeinflussen maßgeblich die Dehnbarkeit der Lunge.

Merke

Die eingeatmete Atemluft nimmt folgenden Weg:

  • Nasenhöhle

  • Rachen (Pharynx): Nasenrachen, Mundrachen, Kehlkopfrachen

  • Kehlkopf (Larynx)

  • Luftröhre (Trachea)

  • Hauptbronchus

  • Lappenbronchus

  • Segmentbronchus

  • Bronchiolus

  • Lungenbläschen (Alveole)

Lungen

Die beiden Lungenflügel liegen in der Brusthöhle und werden nach außen von den Lunge(n)Rippen und nach unten vom Zwerchfell begrenzt. Nach oben hin ragen sie mit ihren Spitzen geringfügig über die Schlüsselbeine hinaus. Zwischen dem linken und dem rechten Lungenflügel befindet sich in der Mitte des Brustraums das bindegewebige Mediastinum (Mittelfellraum 7.3). Darin eingebettet liegt das Herz.Mediastinum Die großen Gefäße ebenso wie dieMittelfellraum Luft- und die Speiseröhre durchziehen das Mediastinum.
Aufbau der Lunge
Der Teil der Lunge, der dem Zwerchfell aufliegt, wird als Lungenbasis bezeichnet, Lunge(n):Aufbauder oberste Teil als Lungenspitze (Apex). Die Lungenbasis tritt Lungenbasisbei der Einatmung ca. 3–4 cm tiefer, um bei Lungenspitzeder Ausatmung wieder nach oben zu steigen.
Durch die nach links verschobene Position des Herzens ist der linke Lungenflügel kleiner als der rechte. Die linke Lunge wird durch eine gut erkennbare, schräg verlaufende Spalte in einen oberen und unteren Lungenlappen (Abb. 12.11) geteilt, während die rechte Lunge durch zwei SpaltenLungenlappen in drei Lappen aufgeteilt ist: Rechts sind es zehn, links neun Segmente. Ober-, Mittel- und Unterlappen. Die Lungenlappen werden wiederum in kleinere Lungensegmente unterteilt:
  • Auf der rechten Seite zweigt zunächst der LungensegmenteOberlappenbronchus (Segment 1–3) ab. Der verbleibende Bronchus teilt sich in den Mittellappen (Segment 4 und 5) und in den Unterlappen (Segment 6–10).

  • Auf der linken Seite teilt sich der Hauptbronchus direkt in den Unterlappen- und den Oberlappenbronchus, umso dem Herzen Platz zu machen. Von dem Oberlappenbronchus gehen die Segmente 4 und 5 ab, bevor der eigentliche Oberlappen erreicht wird. Im linken Unterlappen (Segment 6–10) ist im Gegensatz zum rechten Bronchialsystem das Segment 7 nicht angelegt, dieses wird bei der Zählung einfach übersprungen.

Daher werden 55 % der Vitalkapazität (12.2.12) von der rechten und nur 45 % von der linken Lunge erbracht.
Im Gegensatz zu den Lappengrenzen sind die Segmentgrenzen jedoch äußerlich nicht sichtbar. Sie sind als sog. bronchoarterielle Einheiten angelegt; d. h., jedes Segment wird jeweils von einem Segmentbronchus und einem Ast der Lungenarterie versorgt.

Merke

Anatomische Aufteilung der Lungen:

  • rechter Lungenflügel mit drei Lungenlappen und insgesamt zehn Lungensegmenten

  • linker Lungenflügel mit zwei Lungenlappen und insgesamt neun Lungensegmenten

Gefäße und Versorgung
Die Hauptbronchien sowie die versorgenden Blut- und Lymphgefäße treten über Lunge(n):Gefäße und Versorgungden jeweiligen Lungenhilum (Lungenwurzel) von medial in die Lungen ein.

Merke

  • Am Lungenhilum treten ein: Hauptbronchus, Bronchialarterien, Lungenarterie, Nerven.

  • Am Lungenhilum treten aus: Bronchialvenen, Lungenvene, Nerven, Lymphgefäße.

Die Bronchialarterien bringen sauerstoff-Lungenhilum und nährstoffreiches Blut aus der Aorta in die Lunge, wo es ausschließlich der Ernährung des Lungengewebes dient. Danach transportieren die Bronchialvenen das Blut in die obere Hohlvene und somit zurück zum Herzen (Ernährungskreislauf). Im Gegensatz dazu dienen die Lungenarterie und die Lungenvenen der Deckung des Sauerstoffbedarfs im Körper (Funktionskreislauf). Die Lungenarterie transportiert sauerstoffarmes, die Lungenvenen transportieren sauerstoffreiches Blut (kleiner Kreislauf oder Lungenkreislauf 11.2.1).
In den Lymphgefäßen wandern weiße Blutkörperchen und ein spezieller Typ von Abwehrzellen (Alveolarmakrophagen) zu den Lymphknoten im Lungenhilumbereich. Diese spezialisierten Abwehrzellen transportieren Fremdkörper oder Gifte ab.

Pleura

Beide Lungenflügel sind von einer hauchdünnen, mit Gefäßen versorgten Hülle überzogen, dem Lungenfell (PleuraPleura visceralis).
Das Lungenfell grenzt, nur durch einen flüssigkeitsgefüllten Spalt getrennt, an das Pleura visceralisRippenfell (Pleura parietalis), das die Brustwand, das Zwerchfell und das Mediastinum bedeckt und sensible, schmerzleitende Pleura parietalisNerven enthält. Beide Pleurablätter werden zusammen als Pleura (Brustfell) bezeichnet. Am Lungenhilum gehen die beiden PleuraPleurablätter ineinander über und bilden so einen Brustfellgeschlossenen Spaltraum (Pleuraspalt).
Damit die Lungenflügel bei der Atmung reibungsfrei im Brustraum gleiten können, sind beidePleuraspalt Pleurablätter von einer Schicht flacher Deckzellen überzogen, die als Gleitmittel eine wässrige Flüssigkeit in den Pleuraspalt absondern. Die dünne Flüssigkeitsschicht sowie der im Pleuraspalt herrschende Unterdruck (intrapleurale Druck) bewirken, dass die Lungenoberfläche der Brustkorbinnenwand anhaftet und alle Brustkorbbewegungen auf die Lungen übertragen werden.

Atemmechanik

Bei der Einatmung (Inspiration) gelangt frische, sauerstoffreiche AtemmechanikAtemluft in Einatmungdie Lungenbläschen. Bei der Ausatmung (Exspiration) Inspirationwird kohlendioxidreiche, sauerstoffarme Luft nach außen abgegeben.
Die Lunge selbst ist elastischExspiration und nicht aktiv beweglich. Sie folgt bei den Atembewegungen passiv der Erweiterung und Verengung des Brustkorbs. So führt die Brustkorberweiterung bei der Einatmung zwangsläufig zu einer Ausdehnung des Lungengewebes. Durch die Brustkorbverengung bei der Ausatmung wird das Alveolar- und damit das Lungenvolumen verkleinert. Die Weite des Brustraums wird durch die Rippenstellung und durch den Stand des Zwerchfells bestimmt.
Die volle Kapazität der Lunge wird nur bei maximaler körperlicher Leistung beansprucht. Bei körperlicher Ruhe ist ein erheblicher Teil der Lungenbläschen nicht belüftet. Durch einen Reflexmechanismus werden diese in Reserve stehenden Alveolargruppen auch weniger durchblutet. Erst bei körperlicher Belastung oder bei hohem Fieber öffnen sich die Zugänge zu den Reservealveolen, und die Gasaustauschkapazität (12.2.11) der Lunge wird größer.
Zwerchfell
Das Zwerchfell (9.2.8) ist eine breite, kuppelartig nach oben gewölbte Muskelplatte, die Brust- und Bauchhöhle voneinander trennt (Abb. 9.35). Die beiden Lungenflügel ruhen auf dem Zwerchfell. Das Herz, das zwischen den beiden Lungen liegt, ist über den Herzbeutel fest mit dem Zwerchfell verbunden. In der Mitte hat das Zwerchfell eine sehnige Platte, die den Zwerchfellmuskeln als Ansatz dient. Diese entspringen hinten an der Lendenwirbelsäule, vorne am Schwertfortsatz des Brustbeins und an den sechs unteren Rippen.
Einatmung
Spannt sich das Zwerchfell an, so senkt sich die Zwerchfellkuppel und dehnt die Lungenflügel, indem Einatmungsie diese nach unten zieht (Abb. 12.12). Unterstützend ziehen sich bei der Einatmung auch die zwischen den Rippen verspannten äußeren Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales externi 9.2.8) zusammen und erweitern den Brustkorb nach vorne und in geringerem Umfang auch zur Seite.
Bei verstärkter Atmung, z. B. bei Atemnot, wird dieser Mechanismus durch die sog. Atemhilfsmuskulatur (Abb. 12.38) ergänzt. Als „Hilfseinatmer“ dienen folgende Muskeln:
  • der Atemhilfsmuskulaturgroße und kleine Brustmuskel (Mm. pectorales major und minor)

  • die hinteren oberen und unteren Sägezahnmuskeln (M.Brustmuskel serratus posterior superior und M. serratus posterior inferior)

  • die Treppenmuskeln Sägezahnmuskelan der Brustwand (Mm. scaleni)

  • der Kopfwender (M. sternocleidomastoideus)

Damit Treppenmuskeldie Atemhilfsmuskeln optimal wirken können, muss eine besondere Körperstellung eingenommen werden: Typischerweise stützen sich Patienten mit Atemnot mit den Armen auf einer Unterlage ab und beugen sich weit nach vorne („Kutschersitz“ Abb. 12.13).
Wenn die Einatmung vorwiegend durch Senkung des Zwerchfells Kutschersitzmit Vorwölbung des Bauchs erfolgt, spricht man vom Bauchatmungstyp; erfolgt sie vorwiegend durch Hebung der Rippen, spricht man vom Brustatmungstyp (9.2.8).
Ausatmung
Während die Einatmung aktiv erfolgt, geschieht die BrustatmungstypAusatmung überwiegend passiv. Die Ausatmung beginnt Ausatmungzunächst mit der Erschlaffung der äußeren Zwischenrippenmuskeln und des Zwerchfells, sodass es bereits aufgrund der Eigenelastizität von Lungengewebe und Brustkorb zu einer Verengung des Brustkorbs kommt. Unterstützend können sich bei der Ausatmung die inneren Zwischenrippenmuskeln (Mm. intercostales interni) zusammenziehen. Durch ihren Faserverlauf wird die jeweils obere Rippe der darunterliegenden angenähert und der Brustkorb gesenkt.
Als Hilfsausatmungsmuskulatur können bei angestrengter Atmung, aber auch beim Husten und Niesen die Bauchmuskeln eingesetzt werden. Diese ziehen die Rippen herab und drängen als Bauchpresse die Eingeweide mit dem Zwerchfell nach oben. Die Bauchpresse spielt zudem eine wichtige Rolle bei derBauchpresse Stuhlentleerung und bei den Presswehen der Geburt.

Gasaustausch

In den Lungenbläschen (Alveolen) findet der Gasaustausch statt. Diese Gasaustauschwerden außen von netzförmig Alveolen:Gasaustauschangeordneten, kleinsten Blutgefäßen umsponnen, den Kapillaren des Lungenkreislaufs. Der zuführende Schenkel dieser Kapillaren enthält kohlendioxidreiches, sauerstoffarmes Blut, das aus der rechten Herzkammer über die Lungenschlagader in den Lungenkreislauf gepumpt wird (11.2.1).
Während der sehr kurzen Zeit, in der das Blut die Lungenkapillaren passiert, muss es Kohlendioxidmoleküle ins Lungenbläschen abgeben und sich gleichzeitig mit Sauerstoffmolekülen beladen. Dies geschieht passiv durch Diffusion (d. h. ohne Energieverbrauch 7.4.4) durch die Blut-Luft-Schranke (12.2.7). Dazu diffundiert Kohlendioxid (CO2) durch die Wände der Kapillare undBlut-Luft-Schranke des Lungenbläschens in die Alveole und wird abgeatmet. Gleichzeitig diffundiert in entgegengesetzter Richtung aus dem Lungenbläschen Sauerstoff (O2) in die Kapillare. Dieser Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff wird als Gasaustausch bezeichnet (Abb. 12.14). Der ableitende Schenkel der Lungenkapillaren enthält nun sauerstoffreiches, kohlendioxidarmes Blut. Dieses fließt durch die Lunge über die Lungenvenen in den linken Vorhof des Herzens und wird dann von der linken Herzkammer in den Körperkreislauf gepumpt.
Der ebenfalls in der Atemluft enthaltene Stickstoff kann die Blut-Luft-Schranke nicht passieren.
Die Atemluft ist somit ein Gemisch aus verschiedenen Gasen.

Merke

Einatemluft

Diese besteht aus:
  • ca. 78 % Stickstoff

  • ca. 21 % Sauerstoff

  • Spuren von Kohlendioxid, Wasserdampf und Edelgasen

Ausatemluft

Diese besteht aus:
  • ca. 78 % Stickstoff

  • ca. 15 % Sauerstoff

  • ca. 4 % Kohlendioxid

  • Spuren von Wasserdampf und Edelgasen

Jedes dieser Gase hat einen spezifischen Druck, der von seinem jeweiligen Anteil am Gasgemisch abhängig ist. Der Druck jedes einzelnen Gases wird Partialdruck genannt und ist ein Maß für die Konzentration des einzelnen Gases im Gemisch.
Der Partialdruck, GaseGasaustausch folgt stets einem Konzentrationsgefälle, und zwar von Orten hoher Konzentration (= hohem Partialdruck) zu Orten niedriger Konzentration (= niedrigem Partialdruck). Die Blut-Luft-Schranke stellt dabei beim Gesunden kein nennenswertes Diffusionshindernis dar. Ist diese Diffusionsstrecke Blut-Luft-Schrankezwischen Lungenbläschen und Blutkapillare jedoch verlängert – wie z. B. bei einer Pneumonie (12.5.6) aufgrund der abgesonderten Sekrete –, ist der Gasaustausch erschwert, und es kann Atemnot auftreten.
Sauerstofftransport im Blut
Der über die Lunge ins Blut aufgenommene Sauerstoff diffundiert sofort in die Sauerstofftransportroten Blutkörperchen und lagert sich an das Eisen des Blut:SauerstofftransportHämoglobins (roter Blutfarbstoff) an. Steht nur wenig Hämoglobin zur Verfügung, wie etwa bei der Anämie (Blutarmut), kann auch nur wenig Sauerstoff transportiert werden: Es treten Leistungsschwäche, Müdigkeit und Kurzatmigkeit auf.
Die Sauerstoffabgabe aus dem Blut an das Gewebe erfolgt wiederum durch Diffusion. Hierfür sorgt das Konzentrationsgefälle zwischen dem sauerstoffreichen Blut und dem sauerstoffarmen Gewebe.
Kohlendioxidtransport im Blut
Ähnlich wie in einer Mineralwasserflasche sind auch Blut:Kohlendioxidtransportim Blut immerhin 10 % des abzutransportierenden KohlendioxidtransportKohlendioxids (CO2) physikalisch gelöst. 80 % des Kohlendioxids werden direkt nach der Aufnahme ins Blut chemisch umgewandelt und in Form von Bikarbonat (HCO3) transportiert (Abb. 12.15).
Ein Teil des so gebildeten Bikarbonats befindet sich im BikarbonatPlasma, der Rest in den Erythrozyten. Weitere 10 % des Kohlendioxids werden direkt an das Hämoglobinmolekül angelagert und in dieser Form von den Erythrozyten zur Lunge transportiert.
Alle beschriebenen Reaktionen der Kohlendioxidbindung im Blut, laufen bei der Kohlendioxidabgabe in der Lunge wieder in umgekehrter Form ab:
  • physikalische Lösung im Plasma

  • Anlagerung an das Hämoglobin

  • Bindung als Bikarbonat im Erythrozyten und im Plasma

Bei der Lungenpassage werden jedoch lange nicht alle Kohlendioxid- bzw. Bikarbonatmoleküle aus dem Blut abgegeben, weil ein gewisser Kohlendioxidgehalt im Blut z. B. zur Aufrechterhaltung des physiologischen Blut-pH-Werts (16.2.7) und für die Steuerung der Atmung erforderlich ist.

Lungen- und Atemvolumina

Bei jedem Atemzug treten in Abhängigkeit von Körpergröße und Körperbau etwa 500 ml Luft in den Respirationstrakt ein (Atemzugvolumen). Davon gelangen jedoch nur 2/3 in die Lungenbläschen. Der Rest verbleibt in den größeren, Atemzugvolumendickwandigen Atemwegen wie Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien. Die Luft in diesem sog. Atemtotraum kann somit nicht am Gasaustausch teilnehmen.
Bei 14–16 Atemzügen pro Min. zu je 500 ml atmet ein gesunder AtemtotraumErwachsener etwa 7,5 l Luft ein und wieder aus (Atemminutenvolumen oder Atemzeitvolumen Abb. 12.16).
Durch verstärkte Einatmung (über die Atemminutenvolumennormale Einatmung hinaus) kann Atemzeitvolumenman bei einem einzelnen Atemzug über das normale Atemzugvolumen hinaus noch weitere 2–3,5 l Luft einatmen; dieses Volumen wird als inspiratorisches Reservevolumen bezeichnet.
Durch verstärkte Ausatmung (über die normale Ausatmung Reservevolumen:inspiratorisches / exspiratorischeshinaus) kann über das normale Atemvolumen hinaus eine weitere Luftmenge von ca. 1 l ausgeatmet werden (exspiratorisches Reservevolumen). Addiert man dazu das Atemzugvolumen und das inspiratorische Reservevolumen, so erhält man die Vitalkapazität, die dem maximalen ein- und ausatembaren Luftvolumen entspricht.
Aber auch nach stärkster Ausatmung bleibtVitalkapazität noch Luft in den Lungen zurück. Diese Restluft wird Residualvolumen genannt.
Die Summe aus Vitalkapazität und Residualvolumen ergibt die Totalkapazität. Sie ist das max. mögliche ResidualvolumenLuftvolumen, das die Lunge aufnehmen kann. Exspiratorisches Reservevolumen und TotalkapazitätResidualvolumen ergeben zusammen die funktionelle Residualkapazität.

Merke

  • Vitalkapazität =

    • Atemzugvolumen +

    • inspiratorisches Reservevolumen +

    • exspiratorisches Reservevolumen

  • Totalkapazität =

    • Vitalkapazität +

    • Residualvolumen

Steuerung der Atmung

Während das Herz weitgehend Residualkapazität, funktionelleautonom arbeitet und Impulse aus dem ZNS lediglich regulierend eingreifen, ist die ebenfalls rhythmischAtmung:Steuerung verlaufende Atemtätigkeit nur durch Taktgeber im ZNS möglich. Das Steuersystem für die Atmung liegt im verlängerten Mark, also unmittelbar oberhalb des Halsrückenmarks.
Dieses Atemzentrum steuert die gesamte Atemmuskulatur, indem es Impulse aussendet, die über Halsmark und periphere Nerven die Atemmuskeln und Hilfsmuskeln zur Kontraktion veranlassen.
Mechanisch-reflektorische Atemkontrolle
Dehnungsrezeptoren in den Lungenbläschen senden bei starker Dehnung bzw. Atmungskontrolle:mechanisch-reflektorischeVerkleinerung Reize aus, die dazu führen,Dehnungsrezeptoren:Lungenbläschen dass die entsprechende Gegenbewegung ausgelöst wird. Bei Dehnung erfolgt die Ausatmung, bei Verkleinerung die Einatmung.
Eine Feineinstellung der Atmung findet über die Zwischenrippenmuskeln statt, die wie die anderen quergestreiften Muskeln Muskelspindeln und Sehnenorgane enthalten (Dehnungsrezeptoren).
Atmungskontrolle über die Blutgase
Zusätzlich wird die Atemtätigkeit auch direkt durch Atmungskontrolle:BlutgaseVeränderungen des pH-Werts (16.2.7), des Blutgasanalyse (BGA):AtmungskontrolleKohlendioxidgehalts und die Sauerstoffsättigung im Blut beeinflusst. Bei erniedrigtem pH-Wert, erhöhtem Kohlendioxidgehalt oder erniedrigter Sauerstoffsättigung wird die Atemtätigkeit gesteigert und vermehrt O2 in die Lungen aufgenommen. Gleichzeitig wird vermehrt CO2 durch die Lungen abgegeben, sodass der pH-Wert wieder ansteigt und das innere Milieu wiederhergestellt wird.
O2- und CO2-Partialdruck sowie pH-Wert werden über sog. Chemorezeptoren gemessen und die Werte an das Atemzentrum übermittelt. Diese chemischen Fühler befinden sich in kleinen Atmungskontrolle:ChemorezeptorenGeflechten der peripheren Nervennetze des Parasympathikus (23.2.11), die aus dem IX. und X. Hirnnerv hervorgehen, z. B. an der Teilungsstelle der A. carotis communis sowie zwischen Lungenarterie und Aortenbogen (periphere Chemorezeptoren). Im verlängerten Mark befinden sich ebenfalls Chemorezeptoren (zentrale Chemorezeptoren). Sie reagieren auf eine Steigerung des CO2-Partialdrucks und den Abfall des pH-Werts.

Merke

Die Atemtätigkeit wird gesteigert bei:

  • erniedrigtem pH-Wert oder

  • erhöhtem CO2-Gehalt oder

  • erniedrigtem O2-Gehalt

Achtung

Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen sind an einen erhöhten CO2-Gehalt im Blut gewöhnt, d. h., bei ihnen reagiert das Atemzentrum nicht mehr auf erhöhte CO2-Partialdrücke, sondern der Atemantrieb wird nur noch durch den verminderten O2-Gehalt im Blut aufrecht erhalten. Gibt man solchen Patienten Sauerstoff, fällt der Atemantrieb ganz weg, und es kann zu einem Atemstillstand kommen. Eine O2-Therapie bei chronisch Lungenkranken muss daher unbedingt in der Klinik eingestellt werden!

Atemantrieb und körperliche Belastung
Bei körperlicher Belastung wird das Atemzentrum im verlängerten Mark körperliche Belastung, AtemantriebAtemantriebnicht nur durch zentrale und periphere Atmungskontrolle:körperliche BelastungChemorezeptoren erregt, sondern unmittelbar bei Beginn der Bewegung auch von den Anteilen der Hirnrinde, die für die Steuerung der Bewegung zuständig sind. Die Hirnrinde bereitet das Atemzentrum sozusagen auf den zu erwartenden erhöhten Sauerstoffbedarf vor.
Sowohl das Atemzugvolumen als auch die Atemfrequenz nehmen dabei zu. Gleichzeitig steigen Herzfrequenz und Herzschlagvolumen an.

Tipp

Das Atemminutenvolumen kann von 7 l bei Ruhe auf bis zu 50 l bei höchster körperlicher Belastung gesteigert werden.

Untersuchung und Diagnostik

Untersuchung der Nase 24.3.2

Anamnese

Fragen Sie immer detailliert nach:
  • Art der Beschwerden und Symptome: z. B. Husten (trocken oder feucht?), Auswurf (Farbe, Menge, Anamnese:AtemwegserkrankungenKonsistenz, Blutbeimengung), Atemnot (belastungsabhängig oder plötzlich auftretend?), Schmerzen (in- oder exspiratorisch?), Heiserkeit, Beinödeme, Fieber

  • Beginn der Beschwerden? Auslöser bekannt? Häufigkeit dieser Beschwerden?

  • Vor- und Begleiterkrankungen: Herzerkrankung (macht sich häufig durch Atemnot bemerkbar), z. B. Herzfehler, Herzschwäche? Tumoren (z. B. Lungenmetastasen)? Tuberkulose? Allergien? Asthma bronchiale? Tiefe Beinvenenthrombose (jetzt evtl. neue Thrombose mit Embolie)?

  • Zigarettenkonsum: Seit wann und wieviel raucht der Patient? Achtung: Häufig werden die Angaben geschönt! Rauchen ist der Hauptrisikofaktor für die Entstehung des Bronchialkarzinoms, der chronisch-obstruktiven Bronchitis und des Emphysems.

  • Beruf: Hat der Patient z. B. mit Gasen zu tun, die die Lunge schädigen?

Körperliche Untersuchung

Untersuchung von Thorax und Lunge 3.5.7
Inspektion
Bei der körperlichen oder „physikalischen“ Untersuchung der Lunge beurteilen Untersuchung:LungeSie zunächst den äußeren Brustkorb. Thoraxdeformitäten zeigen sich bereits auf den ersten Blick.
Thoraxdeformitäten
  • Fassthorax: fassförmig vergrößerter, starrer Brustkorb, mit Einsatz der ThoraxdeformitätenAtemhilfsmuskulatur; tritt z. B. bei Lungenemphysem (12.7) oder Asthma Fassthoraxbronchiale (12.8) auf.

  • Vorwölbung der Thoraxwand über dem Herzen, kommt bei angeborenen oder früh erworbenen Herzfehlern (10.11) vor.

  • Hühnerbrust (Kielbrust) oder Trichterbrust, treten familiär gehäuft nach Rachitis auf, beeinträchtigen Hühnerbrustdie Atmung Kielbrustin der Regel nicht (Abb. 12.17).

  • sog. Rosenkranz: perlenförmige TrichterbrustVerdickung der Knorpel-Knochen-Grenze der Rippen nach Rachitis (Abb. 9.76).

  • Auch eine ausgeprägte BWS-Kyphose Rachitis:Rosenkranzoder -Skoliose (9.9.1) kann zu Atemstörungen führen.

Atembewegungen und Atemtypus
  • BWS-KyphoseAtemfrequenz (12.4.6): Zählen Sie bei der Betrachtung des BrustkorbsBWS-Skoliose die Atemzüge pro Min. Normalwert des Erwachsenen: 14–16 Atemzüge pro Min.

  • AtemfrequenzAtemrhythmus (12.4.6): Normal sind regelmäßige Atemzüge mit gleichmäßiger Tiefe.

  • Die Atemhilfsmuskulatur wird z. B. bei Asthma bronchiale (12.8) oder Atemrhythmusdekompensierter Linksherzinsuffizienz (10.7.1) eingesetzt.

  • Als Nachschleppen wird eine einseitig verzögerte oder verminderte Atembewegung bezeichnet, z. B. bei Pleuritis (12.11.1).

  • Bei der paradoxen Atmung wird die betroffene Thoraxhälfte beim Einatmen kleiner und beim Ausatmen größer, etwa bei Rippenserienbrüchen oder einem Pneumothorax (12.11.3).

Auch dieAtmung:paradoxe genaue Betrachtung der Haut hinsichtlich Verletzungen oder anderer Veränderungen, z. B. Muttermale, gehört zur Inspektion des Thorax. Insbesondere bei Frauen müssen Sie sich immer auch Brust und Brustwarzen ansehen, ggf. gezielt untersuchen (17.5.2).
Bei chronischen Lungenerkrankungen finden sich bei der Inspektion häufig charakteristische Veränderungen der Finger und Nägel, die sog. Trommelschlägelfinger (Auftreibung der Fingerendglieder) bzw. Uhrglasnägel (rundlich gewölbte Nägel, Verstreichen des Nagelfalzes). Zudem kann eine Blaufärbung der Lippen und Fingerspitzen (Zyanose) auf eine unzureichende Oxygenation (Sättigung mit Sauerstoff) des Blutes hinweisen.
Palpation
Mit der Palpation können Sie erste Hinweise auf Veränderungen der Atembewegung und des Lungengewebes sowie Verletzungen des Brustkorbs gewinnen.
Zur Palpation:LungePrüfung des sog. Stimmfremitus legen Sie beide Hände von vorne so auf den Brustkorb des Patienten, dass die Daumen in der Mitte des Brustbeins sind. Lassen Sie den Patienten mit Stimmfremitustiefer Stimme die Zahl „99“ sagen, und fühlen Sie dabei mit der Handfläche die Vibration. Der Fremitus (lat. = „das Dröhnen“) ist ein Zeichen der Leitfähigkeit des Lungengewebes für niederfrequente Schwingungen. Er ist verstärkt, wenn das Gewebe zwischen FremitusBronchien und Thoraxwand dichter ist, wie z. B. bei Lungenentzündung oder Linksherzinsuffizienz. Die Vibration ist vermindert oder aufgehoben (und damit der Fremitus schwächer) z. B. bei Lungenemphysem (12.7), Pneumothorax (12.11.3) oder Pleuraerguss (12.11.2).
Zur Beurteilung des unteren Thoraxanteils legen Sie die Daumen jeweils an den unteren Rand des Rippenbogens und umgreifen mit den anderen Fingern die unteren Rippen von der Seite. Eine verminderte (weniger als 4 cm), aber seitengleiche Atembewegung findet sich bei schwerem Asthma bronchiale (12.6.2) oder bei Morbus Bechterew (9.12.2). Eine einseitig verminderte Atembewegung (Nachschleppen) zeigt sich auf der kranken Lungenseite, z. B. bei Pleuritis.
Gibt der Patient Schmerzen an, wenn Sie den Thorax von der Seite her Nachschleppen, Atembewegungzusammendrücken (Thoraxkompression), kann das ein Hinweis auf eine Rippenprellung oder -brüche, aber auch auf einen Morbus Bechterew sein.
Perkussion
Mit der Perkussion („Abklopfen“ mit den Fingerspitzen) können Sie die Lungengrenzen bestimmen und weitere Hinweise auf die Beschaffenheit des Perkussion:LungeLungengewebes erhalten. Man beginnt mit der Perkussion am Rücken über den oberen Lungenanteilen und schreitet dann seitenvergleichend nach unten und seitlich fort.
  • Bei der Perkussion der gesunden Lunge ergibt sich ein typischer Klopfschall, der als sonor bezeichnet wird.

  • Ist der Luftgehalt der Lunge erhöht (wie z. B. beim Emphysem oder Pneumothorax), so ist der Klopfschall lauter und tiefer (hypersonor) und erinnert an den Ton, den das Beklopfen einer leeren Schachtel erzeugt.

  • Bei einer Lungenentzündung oder einem Erguss ist derKopfschall:hypersonorer Schall dagegen deutlich leiser (gedämpft), vergleichbar dem beim Beklopfen des Oberschenkels (Schenkelschall).

  • Nur selten ist im Brustbereich ein tympanitischer Klopfschall zu hören (z. B. bei Kavernen = krankhaften Hohlräumen), wie er Schenkelschallz. B. über gasgefüllten Darmschlingen entsteht. Er hat einen hohlen,Klopfschall:tympanitischer beinahe paukenähnlichen Klang.

Die Lungengrenzen werden am Rücken etwa in der Höhe des 11. BWK jeweils bei tiefer Ein- und Ausatmung bestimmt. Sie verschieben sich beim Gesunden um etwa drei LungengrenzenQuerfinger (4–6 cm). Die Atemverschieblichkeit ist z. B. beim Lungenemphysem oder Erguss eingeschränkt.

Achtung

Die Perkussion reicht nur wenige Zentimeter in die Tiefe. Daher kann sie bei einer tief innen gelegenen Lungenentzündung unauffällig sein. Bei sehr adipösen Patienten ist die Perkussion nicht aussagekräftig.

Auskultation
Bei der Auskultation gibt Ihnen das Atemgeräusch Information über Veränderungen der Atemwege und des Lungengewebes.

Tipp

Lassen Sie den Patienten vor der Auskultation abhusten!

Mit dem Stethoskop auskultiert man Auskultation:Lungeseitenvergleichend Vorder- und Rückseite des Brustkorbs. Der Patient soll dabei tief ein- und ausatmen. Beim Gesunden ist während der Einatmung ein leises, rauschendes Atemgeräusch zu hören, das als Vesikuläratmen (Bläschenatmen) bezeichnet wird; das Geräusch bei der Ausatmung ist sehr leise.
Pathologische Auskultationsbefunde (Tab. 12.1):
  • Das Atemgeräusch ist z. B. Vesikuläratmenabgeschwächt über kollabierten Lungenpartien sowie beim Emphysem und Asthma bronchiale. Bei einem Pneumothorax kann es ebenfalls abgeschwächt sein Atemgeräuscheoder auch ganz fehlen. Bei großen Ergüssen ist nichts zu hören.

  • Ein verschärftes Atemgeräusch (laut, fauchend) entsteht z. B. bei beginnender Infiltration im Anfangsstadium einer Lungenentzündung.

  • Ein fauchendes Bronchialatmen (Röhrenatmen) ist beim Gesunden nur über der Luftröhre und den Hauptbronchien zu hören. Über anderen Bereichen spricht es z. B. für eine Lungenentzündung.

Achtung

Bei vergrößertem Abstand zwischen Stethoskop und Bronchien, z. B. durch Fettgewebe, ist das Atemgeräusch ebenfalls vermindert. Ein verschärftes Ausatemgeräusch kommt auch bei sehr schlanken Menschen vor.

  • Bronchialatmen Trockene Rasselgeräusche (trockene RGs; neuere Bezeichnung: kontinuierliche Nebengeräusche) wie Pfeifen, Brummen oder Giemen („quäkendes“ Geräusch) sind Folge Rasselgeräusche:trockeneschwingender Schleimfäden in den Luftwegen. Sie treten bei der Ein- und Ausatmung Nebengeräusche:kontinuierlicheauf und weisen auf eine Verengung der Atemwege sowie eine vermehrte Sekretion hin; z. B. bei spastischer Bronchitis und Asthma bronchiale,

  • Feuchte Rasselgeräusche (feuchte RGs; neuere Bezeichnung: diskontinuierliche Nebengeräusche) sind durch Flüssigkeitsansammlung in den Luftwegen oder Alveolen bedingt. Durch Rasselgeräusche:feuchtedie strömende Atemluft kommt es zur Blasenbildung. Feuchte Nebengeräusche:diskontinuierlicheRasselgeräusche sind am ehesten mit dem Perlen bzw. Blubbern von Mineralwasser zu vergleichen, können aber auch brodelnden Charakter haben. Sie kommen bei der Einatmung vor und werden je nach Klangcharakter als feinblasig (etwa bei Lungenentzündung oder auch bei Lungenödem), mittelblasig oder grobblasig beschrieben (die beiden letzteren Formen z. B. bei schwerem Lungenödem oder Bronchiektasen 12.12.3).

  • Knistern (Krepitationen) tritt im Anfangs- oder Endstadium einer Pneumonie auf. Achtung: Nicht verwechseln mit einem Knistern, Lungeknisternden Geräusch, das zu hören sein kann, wenn das Krepitationen, LungeStethoskop verrutscht, wenn der Patient viele Brusthaare hat oder wenn die Membran des Stetoskops nicht voll aufsitzt! Auch beim Gesunden kann im Bereich der unteren Lungengrenzen ein physiologisches Pleura-Entfaltungsknistern auftreten.

  • Pleurareiben (Lederknarren) ist nur bei einer bestimmten Form der Pleuritis in den unteren Lungenabschnitten entsprechend dem PleurareibenAtemrhythmus zu hören.

  • Bronchophonie: Hierbei lassen Sie den LederknarrenPatienten mit hoher Stimme wiederholt die Zahl „66“ flüstern. Bei einer Pneumonie ist das Flüstern durch die verstärkte Schallleitung Bronchophonielauter zu hören.

Tipp

Um die Ansteckungsgefahr zu mindern, sollte der Patient Sie bei der Auskultation nicht anhauchen, sondern seinen Kopf zur Gegenseite drehen.

Naturheilkundliche Diagnostik

Die Atem- und Verdauungsorgane entstammen Diagnostik, naturheilkundliche:Atemwegedem gleichen Keimblatt (Entoderm) und reagieren über vegetative und immunologische Vernetzungen oft gleichartig. So sind z. B. eine intakte Darmflora und das darmassoziierte Immunsystem (13.1) für die Abwehrlage des Körpers und gerade bei Erkrankungen der Atemwege von großer Bedeutung. Fragen Sie deshalb den Patienten nach vorausgegangenen Antibiotikabehandlungen und anderer Medikamenteneinnahme (v. a. Glukokortikoide), nach Magen-Darm-Erkrankungen sowie nach Meteorismus, Flatulenz, Diarrhö oder anderen Stuhlanomalien. Bei Verdacht auf eine gestörte Darmflora veranlassen Sie eine Stuhlprobe.

Ebenso wichtig sind Fragen nach psychischen Belastungen, nach ständiger Überforderung, negativem Stress oder nach vorliegenden Konflikten. Auch diese psychischen Faktoren können die Atemwege und das Immunsystem beeinträchtigen.

Antlitzdiagnose

Die Atmungsorgane zeigen sich nach Ferronato an der Nase: Die seitlichen Nasenfalten repräsentieren die Luftröhre, die seitlichen Nasenflügel die Bronchien und das funktionelle Lungengewebe ist an den Unterseiten der Nasenflügel erkennbar. Sind diese Zonen blass, matt, rötlich, violett oder bräunlich verfärbt, können Atemwegserkrankungen vorliegen. Je schwerer die Erkrankung, desto mehr verstärken sich die Verfärbungen auf den Nasenflügeln von hinten nach vorne.

Iridologie

Patienten mit einer blauen Iris und einer hellen, blassen Haut, die schlecht bräunt, weisen meist eine lymphatische Konstitution (3.7.4) auf. Aufgrund der erhöhten Reaktionsbereitschaft des lymphatischen Systems (Abb. 12.18) neigen sie verstärkt zu Lymphdrüsenschwellungen, Tonsillitis, entzündlichen Erkrankungen der Atemwege, zu allergischen Erkrankungen und Hauterkrankungen (z. B. Ekzeme, Neurodermitis). Bei Patienten mit lymphatischer Konstitution finden Sie als wichtige Zeichen eine Aufhellung der Krause und der humoralen Region (Blut-Lymphzone). Ist die Iris fein strukturiert, liegt eine neuropathisch-neurolymphatische Konstitution (3.7.4) vor. Die Vermehrung von Wolken und Tophi (weiße Flocken) spricht u. a. für die hydrogenoide Konstitution (3.7.4).
Bei Erkrankungen der Atemwege können Sie häufig im tracheonasalen Sektor (rechts zwischen 10–15 Min., links zwischen 45–50 Min.) sowie im Lungenfeld (rechts etwa zwischen 40–50 Min., links zwischen 10–20 Min.) Reizzeichen erkennen: Weiße Radiären, Wolken und Wische können entzündliche Prozesse, Verdunklungen im Stirn-Nasen-Bereich der Iris eine chronische Sinusitis anzeigen. Achten Sie auch auf Transversalen, die die Lokalisation von Störfeldern (z. B. vereiterte Mandeln, Zähne) angeben können.
Leidet der Patient an Asthma bronchiale, können Sie häufig Reizzeichen oder helle Zirkulärfurchen sehen, die zugleich auf eine allgemeine Krampfbereitschaft hinweisen.
Gefäßinjektionen in den Hornhautrand sind häufig im Zusammenhang mit Allergien zu beobachten.

Kinesiologie

Leidet der Patient an chronischen Atemwegserkrankungen, ist es hilfreich, mit kinesiologischen Testverfahren (3.7.5) Allergene nachzuweisen: So bestehen z. B. bei Asthma bronchiale und Bronchitis häufig Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

Reflexzonendiagnose

Prüfen Sie bei Patienten mit chronischen Sinusitiden, ob in der Reflexzone Schulterdreieck (Abb. 3.68), etwa in Höhe von C6 auf den Schultern im Verlauf des Drei-Erwärmer-Meridians, eine Füllegelose vorliegt. Gelosen in der Lungen- und Bronchialzone, die auch als Tor des Windes bezeichnet wird, sind als diagnostisches Zeichen einer Schwäche des Regulationssystems Lunge zu werten.

Segmentdiagnose

Die Head-Zonen der Lunge und Bronchien liegen in den Segmenten C 3–4 und Th 3–5 links (Abb. 12.19). Lokale Hautveränderungen (z. B. Farbe, Aufquellungen) sowie eine gesteigerte Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit können bei Patienten mit Atemwegserkrankungen vorhanden sein.

Störfelddiagnose

Bei chronisch-rezidivierenden oder hartnäckigen Atemwegserkrankungen sollten Sie abklären, ob potenzielle Störfelder (z. B. im Bereich der Zähne, Tonsillen, Nasennebenhöhlen) vorliegen, da ca. 20–30 % der Sinusitiden durch entzündliche Prozesse der Zähne (z. B. wurzelbehandelte Zähne, kariöse und tote Zähne) ausgelöst werden. Bei Asthma bronchiale liegt die Störfeldbelastung in einer anderen Gewichtung vor: Nasennebenhöhlen, Tonsillen, Zähne.
Achten Sie auch auf Auffälligkeiten im Verlauf der Meridiane, die über den Kopf ziehen.

Zungendiagnose

Nach den diagnostischen Kriterien der TCM können Sie an einer roten, trockenen Zunge mit gelblichem Belag erkennen, dass sich der Patient in einem Fülle- bzw. Hitze-Zustand befindet und ableitende Maßnahmen die Therapie der Wahl sind. Ist die Zunge blass und feucht, liegt eine Abwehrschwäche vor, und der Patient befindet sich in einem Leere- bzw. Kälte-Zustand.

Schulmedizinische Diagnostik

Untersuchung von Sputum und Bronchialsekret
Bei lang andauernden, schwer therapierbaren Infekten der Atemwege ist es sinnvoll, den Diagnostik, schulmedizinische:AtemwegeAuswurf (sichtbare Bronchialsekret, UntersuchungVeränderungen 12.4.4) mikrobiologisch und histologisch zu Sputumuntersuchunguntersuchen (Sputumuntersuchung). Es ist dabei wichtig, dass der Patient wirklich Sekret aus den unteren Abschnitten der Luftwege abhustet und nicht einfach Speichel ausspuckt. Das Sputum mussSputumuntersuchung in einem sterilen Gefäß aufgefangen werden. Da das Sputum oft v. a. Mund- oder Rachenflora enthält lassen sich die eigentlichen Krankheitserreger oft nicht anzüchten. Deshalb wird heute stattdessen meist das Bronchialsekret durch eine Bronchoskopie gewonnen, d. h. nach Spülung mit Kochsalzlösung (Bronchiallavage) direkt aus den tieferen Luftwegen angesaugt (s. unten).
Bakterien im Auswurf oder im Bronchialsekret sind nach entsprechender Färbung oft mikroskopisch sichtbar. Viren hingegen müssen indirekt mit immunologischen Methoden nachgewiesen werden. Zusätzlich wird i. d. R. auch eine Kultur angelegt, in der sich etwa vorhandene Keime vermehren. An dieser Kultur kann eine Resistenzbestimmung mit Antibiotika durchgeführt werden. Damit kann festgestellt werden, wie stark der Zusatz bestimmter Antibiotika das Keimwachstum hemmt (Antibiogramm).
Bildgebende Verfahren
Die häufigste radiologische Untersuchung zur Diagnostik von Lungenerkrankungen ist die Röntgennativaufnahme des Thorax in zwei AntibiogrammEbenen (Abb. 12.20). Flächige Verschattungen oder Verdichtungen, die im Röntgenbild hell erscheinen, können Röntgenaufnahme/-verfahren:Thoraxz. B. durch eine Lungenentzündung oder eine Lungenstauung bedingt sein. Hinter runden Gebilden verbirgt sich oft ein Tumor oder eine Tuberkulose (25.18.9). Eine Verbreiterung des Lungenhilum ist häufig Folge von Tumoren oder Lymphknotenvergrößerungen.
Bei der Röntgen-Tomografie (Schichtaufnahme) wird nicht der gesamte Thorax abgebildet, sondern nur auf eine Schicht „scharf gestellt“. Sie wird heute nur noch selten angewendet.
CT und MRT (Tomografie:Thorax 3.8.2) werden in erster Linie bei Verdacht auf bösartige Tumoren eingesetzt. Sie erlauben v. a. eine Darstellung des Mediastinums und kleiner Lungenveränderungen, was mit anderen Methoden kaum möglich ist. Das CT erlaubt nach Kontrastmittelgabe auch die Darstellung der Lungengefäße (Spiral-CT) und kommt heute bei Verdacht auf Lungenembolie zum Einsatz.
Die Lungenperfusionsszintigrafie macht die Lungendurchblutung durch Zuhilfenahme radioaktivSpiral-CT markierter Substanzen sichtbar und wird in erster Linie bei Verdacht auf Lungengefäßerkrankungen (Lungenperfusionsszintigraphiez. B. Lungenembolie) durchgeführt. Dieses Verfahren ist heute meist durch das Spiral-CT verdrängt. Dies gilt auch für das Kontrastmittel-Röntgen der Lungengefäße, die Pulmonalisangiografie (3.8.2).
Laboruntersuchungen
Wichtig ist die Bestimmung der Entzündungsparameter, z. B. CRP oder BSG, u. a. für die Verlaufsbeurteilung.
Im PulmonalisangiografieDifferenzialblutbild kann bei einer bakteriellen Pneumonie eine Linksverschiebung (20.4.3) zu sehen sein, bei einer allergischen Ursache der Erkrankung evtl. eine Erhöhung der Zahl der eosinophilen Granulozyten. Bei Verdacht auf eine Autoimmunerkrankung kann die Bestimmung von Autoantikörpern (22.8) sinnvoll sein.
Blutgasanalyse
Die Blutgasanalyse (BGA Tab. 31.11) erlaubt eine sichere Beurteilung der aktuellen Sauerstoffversorgung. Sie gibt primär Blutgasanalyseaber keinen Hinweis auf die mögliche Ursache der Störung. Für die Analyse ist Blutgasanalyse (BGA)arterielles Blut erforderlich.
In der Blutgasanalyse bestimmt man den aktuellen Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt des Blutes. Normalerweise liegt der pO2-Wert bei gesunden Erwachsenen bei ca. 80 mmHg, der CO2-Wert bei ca. 40 mmHg.

Merke

Abweichung der Blutgaswerte von der Norm werden wie folgt bezeichnet.

  • Hypoxie:Hypoxie verminderter Sauerstoffpartialdruck im Blut, im weiteren Sinn eine Unterversorgung des Gewebes mit Sauerstoff

  • Hypoxämie:Hypoxämie verminderter Sauerstoffgehalt des arteriellen Blutes

  • Hypokapnie:Hypokapnie verminderter Kohlendioxidpartialdruck im arteriellen Blut

  • Hyperkapnie: erhöhter Kohlendioxidpartialdruck im arteriellen Blut

Lungenfunktionsdiagnostik
Die Lungenfunktionsprüfung (kurz Lufu) dient der genauen Messung der Leistungsfähigkeit der Lunge. Sie wird zur Diagnose Lungenfunktionsdiagnostikund Verlaufskontrolle von Lungenerkrankungen und vor operativen Eingriffen Lungenfunktionsprüfungeingesetzt. Alle Lungenvolumina sind auch von Geschlecht, Größe, Gewicht und Alter des Patienten abhängig.
Mithilfe der Spirometrie können die verschiedenen Lungenvolumina und Ventilationsgrößen (Ventilation = Lungenbelüftung) gemessen werden. Das forcierte exspiratorische Volumen (FEV1 = Einsekundenkapazität) gibt an, wieviel SpirometrieLuft der Patient in einer Sekunde maximal ausatmen forciertes exspiratorisches Volumen (FEV1)kann. Wird das forcierte FEV1 (forciertes exspiratorisches Volumen)exspiratorische Volumen auf die Vitalkapazität bezogen (FEV1/VC), ergibt sich der sog. EinsekundenkapazitätTiffeneau-Wert, der beim Gesunden über 70 % liegt.
Aus Abweichungen der einzelnen Lungenvolumina vom jeweiligen Normwert kann auf die Art der Lungenveränderung geschlossen werden. Klinisch Tiffeneau-Wertwichtig ist die Unterscheidung zwischen restriktiver und obstruktiver Ventilationsstörung (Störung der Lungenbelüftung):
  • Obstruktive Ventilationsstörung (= Obstruktion, Verstopfung, Verlegung): Diese Form liegt z. B. bei der chronisch-obstruktiven Bronchitis (12.6.) und demVentilationsstörung:obstruktive Asthma bronchiale (12.8) vor. Durch eine Verengung der Atemwege wird der ObstruktionLuftstrom, v. a. bei der Ausatmung, behindert (erhöhter Strömungswiderstand). Folge ist eine zunehmende Überblähung der Lunge. In der Lungenfunktionsprüfung weist ein erniedrigtes FEV1 zusammen mit einem erhöhten Atemwegswiderstand auf eine bronchiale Verlegung hin.

  • Restriktive Ventilationsstörung (= Restriktion, Einschränkung): z. B. bei Pleuraschwarten (12.11.1) oder bei einer Lungenfibrose (12.12.1). Hier ist die Dehnungsfähigkeit der Lunge eingeschränkt, wodurch der Gasaustausch behindert istVentilationsstörung:restriktive. In der Lungenfunktionsprüfung ist die Vitalkapazität erniedrigt.

Die Ganzkörperplethysmografie ist eine aufwändige Methode, die die Berechnung des Atemwegswiderstands (Resistance) und der Lungenvolumina in Ruhe ermöglicht. Dabei sitzt der GanzkörperplethysmografiePatient in einer geschlossenen Kammer. Kammerdruck und AtemstromAtemwegswiderstand werden ständig am Mund des Patienten gemessen, und daraus wird der ResistanceAtemwegswiderstand errechnet.

Tipp

In Ihrer Praxis können Sie die Vitalkapazität kostengünstig mit einem Kleinspirometer oder einem Peak-Flow-Meter (Abb. 12.21) messen.

Endoskopische Untersuchungen
Bei der Bronchoskopie werden die Luftwege mit einem Spezialendoskop betrachtet. Die diagnostischeSpirometrie:Kleinspirometer Bronchoskopie wird bei vielen Lungenerkrankungen, z. B. bei Verdacht auf bösartige Tumoren durchgeführt. Bei einer Bronchoskopietherapeutischen Bronchoskopie werden Fremdkörper entfernt, Tumoren z. B. mittels Laser verkleinert oder Schleim aus den Atemwegen abgesaugt.
Im Rahmen einer Bronchoskopie ist auch eine bronchoalveoläre Lavage (Bronchiallavage) möglich. Dabei werden die Bronchien mit physiologischer Kochsalzlösung gespült, um z. B. Bronchialflüssigkeit, Lavage:bronchoalveoläreAbwehrzellen oder bei Infektionen den Erreger aus den Alveolen zu gewinnen.Bronchiallavage Zudem kann mit dem Endoskop auch eine „innere“ Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden (endobronchiale Ultraschalluntersuchung: EBUS) und ggf. mit einer Feinnadelpunktion kombiniert werden. Dabei können z. B. Lymphknoten im Mediastinum untersucht werden.
Punktionen
Große Bedeutung in der endobronchiale Ultraschalluntersuchung (EBUS)Lungenheilkunde hat die Pleurapunktion. Eine diagnostische Pleurapunktion wird bei Pleuraergüssen zur Artdiagnose des Ergusses durchgeführt. Bei therapeutischen Pleurapunktionen wird der Erguss zur Entlastung abgelassen oderPleurapunktion ein Medikament in den Pleuraspalt eingebracht. Bei rezidivierenden Ergüssen, z. B. bei Tumorerkrankungen, soll durch das Einbringen eines Zytostatikums z. B. eine lokale Entzündung ausgelöst werden, die zu einer Verklebung der Pleurablätter führt.

Checkliste zur Anamnese und Untersuchung bei Verdacht auf Erkrankungen der Atemwege

Checkliste, Anamnese und Untersuchung:Atemwege

  • Anamnese: Beginn der Beschwerden, möglicher Auslöser, wiederholtes Auftreten, Husten, Auswurf, atemabhängige Schmerzen, Atemnot, Heiserkeit, Beinödeme, Vor- und Begleiterkrankung (z. B. Herzerkrankungen, Allergien), Fieber, Nikotinkonsum, Beruf

  • Inspektion: Verletzungen des Thorax, Thoraxdeformitäten, Atemfrequenz, Atemrhythmus, Einsatz der Atemhilfsmuskulatur, Nachschleppen, paradoxe Atmung, Trommelschlägelfinger, Uhrglasnägel, Zyanose

  • Palpation: Stimmfremitus, Nachschleppen

  • Perkussion: Qualität des Klopfschalls (sonor, hypersonor, gedämpft, tympanitisch, Schenkelschall?)

  • Auskultation: Qualität des Atemgeräuschs (abgeschwächt, verschärft, fehlend, Bronchialatmen?), Rasselgeräusche (Pfeifen, Brummen, Giemen?), Knistern, Pleurareiben, Bronchophonie

  • apparative Diagnostik: Röntgennativaufnahme des Thorax, Bronchoskopie, evtl. CT, MRT oder Lungenperfusionsszintigrafie

  • Blutlabor: BSG, Differenzialblutbild, evtl. Blutgase, Autoantikörperbestimmung

  • Sputumuntersuchung: Farbe, Geruch, Konsistenz, Menge; Keimnachweis, evtl. Antibiogramm

  • Evtl. Lungenfunktionsdiagnostik: Spirometrie, Ganzkörperplethysmografie

  • Antlitzdiagnose: flache Nasenflügel als Hinweis auf konstitutionelle Schwäche der Lungen und Atemwege (nach Bach); violette oder bräunlich-violette Verfärbung auf bzw. unter den Nasenflügeln (Bronchien bzw. Lunge) und der Übergangsfalte zum Gesicht (Trachea) als Zeichen für Atemwegserkrankungen (nach Ferronato)

  • Iridologie: lymphatische Konstitution (blaue Iris, blasse, helle Haut); zusätzlich oft Aufhellung der Krause und humoralen Region; Reizzeichen (weiße Radiären, Wolken, Wische) oder Abdunklungen im tracheonasalen Sektor und im Lungenfeld; oft auch neuropathisch-neurolymphatische oder hydrogenoide Iriskonstitution; zurückgebildeter Pupillensaum (geschwächtes Immunsystem); Transversalen (Störfelder); bei Asthma bronchiale meist Krampfringe; bei Allergien Gefäßinjektionen in den Hornhautrand

  • Segmentdiagnose: Veränderungen der Hautfarbe, Aufquellungen sowie erhöhte Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit in den Segmenten C 3–4 und Th 3–5

  • Störfelddiagnose: potenzielle Störfelder (z. B. im Bereich der Nasennebenhöhlen, Tonsillen, Narben, v. a. Zähne) abklären

  • kinesiologische Testverfahren: ggf. Austesten von Allergenen

  • Zungendiagnose: Zunge rot und trocken (Füllezustand) oder blass und feucht (Leerezustand)

Leitsymptome und Differenzialdiagnose

Behinderte Nasenatmung

Die behinderte Nasenatmung ist das häufigste Leitsymptom bei Erkrankungen von Nase, Nasennebenhöhlen und Nasopharynx. Zu den bekanntesten Ursachen einer „verstopften Nase“ zählen Nasenatmung, behinderteneben der Septumdeviation (Verbiegung der Nasenscheidewand) der grippale Infekt (Rhinitis 12.5.1) und der Heuschnupfen (allergische Rhinitis). Bei Kindern sind Fremdkörper und Adenoide („Polypen“, Vergrößerung der Rachenmandel 24.7.3) häufig die Ursache. Auch manche Medikamente, z. B. die „Pille“ und bestimmte Antihypertensiva, können zu einer behinderten Nasenatmung führen.

Heiserkeit

Heiserkeit: Der Patient klagt über eine „raue, kratzige“ Stimme. Die Ursachen sind vielfältig.

Achtung: Jede Heiserkeit, die länger als drei Wochen besteht, muss unabhängig vom Lebensalter von einem HNO-Arzt abgeklärt werden, um einen bösartigen Larynxtumor als Ursache auszuschließen; besonders gefährdet sind Raucher.

Diagnostik
In der Anamnese fragen Sie nach:
  • Dauer der Heiserkeit

  • Beginn plötzlich oder Heiserkeitschleichend

  • Larynxtumor, Heiserkeitauslösenden Faktoren (z. B. grippaler Infekt, Stimmüberlastung)

  • beruflicher oder privater Situation (große Stimmbelastung: z. B. Lehrer, Sänger)

  • Begleitsymptomen (z. B. Halsschmerzen, Fieber, Rhinitis, Husten)

  • Nikotinkonsum

  • Medikamenteneinnahme

In vielen Fällen werden Sie nach einer Ganzkörperuntersuchung (wichtig ist das Abtasten der Halslymphknoten und der Schilddrüse) den Patienten zwecks Diagnosestellung zum HNO-Arzt überweisen müssen.
Differenzialdiagnose
Eine akute Heiserkeit tritt auf bei:
  • Kehlkopfentzündung (12.5.4), z. B. begleitend bei grippalem Infekt oder akuter Tonsillitis (21.5.1)

  • Stimmüberlastung

  • Kehlkopftrauma, äußeres Trauma oder inneres Trauma durch Einatmen von Giften

  • nach Intubationsnarkosen

Häufige Ursachen für eine chronische Heiserkeit sind Nikotinkonsum, Stimmüberlastung, einseitige Stimmbandlähmung (z. B. nach Schilddrüsenoperationen) und Tumoren. Gutartige Kehlkopftumoren (z. B. Stimmbandpolyp) sind relativ häufig die Ursache, dennoch müssen Sie immer differenzialdiagnostisch auch an ein Larynxkarzinom (bösartiger Kehlkopftumor) denken.

Husten

Husten: heftige Ausatmung gegen die zunächst geschlossene, dann plötzlich geöffnete Stimmritze (Glottis), wobei der ausströmende Atem Geschwindigkeiten bis 100 km/h erreichen kann.

Der Hustenreflex ist ein StimmbandpolypSchutzreflex, der die Atemwege von Fremdkörpern und anderen schädigenden Reizen befreit bzw. freihält. Auch das Aushusten von Sekret (HustenAuswurf, Sputum) und das Räuspern beruhen auf diesem Reflexmechanismus.

Achtung

Husten kann Ausdruck einer harmlosen Erkältung, aber auch Anzeichen einer ernsten Erkrankung wie z. B. eines Bronchialkarzinoms sein. Aus diesem Grund muss jeder Husten, der länger als 3–4 Wochen anhält, schulmedizinisch abgeklärt werden.

Unterschieden werden:
  • akuter Husten: z. B. bei einer akuten Bronchitis (12.5.5) oder Lungenentzündung (12.5.6)

  • chronischer Husten: z. B. bei langjährigem Rauchen, Tuberkulose (25.18.8) oder Bronchialkarzinom (2.9.2)

  • anfallsweise rezidivierenden Husten: immer wiederkehrend, z. B. bei Asthma bronchiale (12.8)

Ein trockener Reizhusten tritt v. a. zu Beginn einer Bronchitis auf, bei chronischen Reizungen, beim Keuchhusten (25.17.2) und beim Bronchialkarzinom. Er wird auch als unproduktiver Husten bezeichnet. Wird beim Husten Sekret aus dem ReizhustenBronchialbaum in die oberen Luftwege befördert, bezeichnet man diesen Husten als produktiv. Danach fühlt sich der Patient zumindest kurzzeitig erleichtert, während der unproduktive, „unnütze“ Husten oft als besonders quälend empfunden wird.
Begleitsymptome geben Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung:
  • Fieber und Auswurf → eitrige Bronchitis, Bronchopneumonie oder Lobärpneumonie

  • Heiserkeit → Kehlkopf-/Stimmbandbeteiligung

  • Thoraxschmerzen → Pleurabeteiligung (Pleuritis) oder Überlastung („Muskelkater“) der Interkostalmuskulatur

Auswurf

Auswurf (Sputum, Expektoration): ausgehustetes Bronchialsekret.

Farbe, Geruch, Menge und Konsistenz können erste Hinweise auf die zugrunde liegende Krankheit geben. Lediglich glasig-helles Sputum, das nur gelegentlich und in geringer Menge auftritt, ist nicht pathologisch (krankhaft).

Bei zahlreichen Erkrankungen wird vermehrt Auswurf gebildet; oft ist dann auch die Beschaffenheit Auswurfverändert. Die Menge des SputumAuswurfs kann bei massiven Infekten oder ExpektorationBronchiektasen (12.12.3) bis zu 2 l tgl. betragen. Auch der Geruch kann Hinweis auf die zugrunde liegende Erkrankung geben. Ein fade-süßlicher Geruch des Auswurfs spricht z. B. für bakteriell-entzündliche Erkrankungen, ein übel riechend-fauliger Geruch für Gewebszerfall wie etwa beim Karzinom.
Viele Patienten können Fragen bezüglich Menge, Geruch und Konsistenz jedoch nicht beantworten, da sie ihren Auswurf bewusst oder unbemerkt verschlucken. In dem Fall halten Sie den Patienten an, abzuhusten und den Auswurf in einem Gefäß aufzufangen. Wichtig ist, dass der Patient nicht einfach Speichel ausspuckt, sondern mithilfe geeigneter Techniken wirklich Sekret aus den unteren Abschnitten der Luftwege abhustet.
Hygienischer Umgang mit Sputum
Neben Menge, Konsistenz und Geruch sind v. a. Farbe und mögliche Beimengungen bedeutsam. Mit dem bloßen Auge erkennt man Blut, Gewebeteile, Eiter oder Nahrungsreste. Andere Beimengungen wie Bakterien oder Sputum:hygienischer UmgangTumorzellen können nur mikroskopisch im Labor festgestellt werden.
Sputum ist potenziell infektiös. Deshalb müssen Sie beim Umgang mit Auswurf unbedingt ein paar hygienische Regeln beachten:
  • Bei jedem Umgang mit Auswurf Handschuhe tragen, um eine Selbstansteckung und eine Verschleppung von Keimen mit den Händen zu vermeiden.

  • Direktes Anhusten durch den Patienten vermeiden.

  • Bei Verschmutzung mit Auswurf Haut bzw. Flächen desinfizieren.

Sichtbare Veränderungen des Auswurfs
Die Sputumbeschaffenheit gibt Aufschluss über die zugrunde liegende Erkrankung.
  • zäh-fadenziehender, glasiger Auswurf → Asthma bronchiale (12.8)

  • größere Mengen weißlichen Schleims, die v. a. morgens abgehustet Sputum:Beschaffenheitwerden, → bei Rauchern Zeichen einer chronischen Bronchitis (12.6; sog. Raucherhusten) gelblicher oder gelbgrün-eitriger Auswurf, mit oft leicht süßlichem Geruch, → bakterielle Infektion der Atemwege, wie z. B. eitrige Bronchitis (12.6) oder Lungenabszess

  • weißlich-schleimiger Auswurf → atypische Pneumonien (12.5.6)

  • dünnflüssiger oder schaumiger, leicht blutiger Auswurf → z. B. akutes Lungenödem (10.7.3)

  • rotbraune Verfärbungen des Auswurfs deuten auf Blutbeimengungen hin → z. B. bei Lungenentzündungen (12.5.6), Tuberkulose (25.18.8), blutigen Lungeninfarkten und besonders beim Bronchialkarzinom (12.9.2)

Hustet ein Patient Blut, müssen Sie unterscheiden, ob es sich dabei um Hämoptyse oder Hämoptoe handelt. Als Hämoptyse bezeichnet man das Aushusten von blutigem Auswurf oder geringen Blutmengen. Von Hämoptoe spricht man beim Aushusten größerer Blutmengen. Ursache kann eine starke Bronchitis, eine Pneumonie, ein HämoptyseBronchialkarzinom oder ein Lungeninfarkt sein. Aber auch Erkrankungen außerhalb der Lunge können zum HämoptoeAbhusten von Blut führen, z. B. Herzerkrankungen mit Lungenstauung oder Blutgerinnungsstörungen (20.4.7). Das Bluthusten ist unbedingt abzugrenzen vom Bluterbrechen (Hämatemesis). Jede Form des Bluthustens muss schulmedizinisch abgeklärt werden.

Atemgeruch

Der Atem des Gesunden ist nahezu geruchlos. Ein (unangenehmer) Geruch der Ausatmungsluft (Foetor ex ore) istHämatemesis oft Hinweis auf eine Krankheit.
  • Azetongeruch ist typisch für das diabetische Koma (15.6.5) und Atemgeruchtritt dann häufig zusammen mit einer abnorm tiefen Foetor ex oreAtmung (Kussmaul-Atmung) auf. Er kann aber auch auf langandauernden Hunger hinweisen. Vergleichbar Azetongeruch, Atmungist der Geruch mit dem Obstgeruch fauler Äpfel.

  • Ammoniakgeruch erinnert an den Geruch von Salmiakgeist. Er kommt z. B. beim Leberkoma (14.5.7) vor.

  • Fade-süßlicher Geruch (Eitergeruch) kennzeichnet bakterielle Infektionen wie etwa eine Bronchitis (12.5.5Ammoniakgeruch, Atmung) oder Pneumonie (12.5.6).

  • Fäulnisgeruch ist übel riechend und jauchig-stinkend und weist auf Zerfallsprozesse im Atemsystem (z. B. bei Bronchialkarzinom 12.9.2) oder im Magen-Darm-Trakt hin.

  • Urinöser Geruch tritt als Zeichen einer UrämieFäulnisgeruch, Atmung (16.5.1) im Endstadium einer Niereninsuffizienz auf.

Übler Mundgeruch kann aber auch durch weitere Erkrankungen im Mund-Rachen-Raum (z. B. Tonsillitis, kariöse Zähne) oder im Verdauungstrakt (v. a. Besiedlung des Magens mit dem Bakterium Helicobacter pylori) sowie durch längeres MundgeruchFasten bedingt sein.

Erstmaßnahmen bei Hämoptoe

  • Hämoptoe:Erstmaßnahmen Sofort Notarzt benachrichtigen.

  • Patienten beruhigen, Oberkörper hochlagern, Verweilkanüle (6.5) legen.

  • Bis zum Eintreffen des Notarztes Bewusstseinslage, Hautfarbe, Atmung, Blutdruck und Pulsfrequenz engmaschig kontrollieren.

  • Gegebenenfalls Schockmaßnahmen einleiten (30.7).

Veränderung der Atmung

Die Atmung gehört neben Puls, Blutdruck und Körpertemperatur zu den Vitalzeichen. Es handelt sich um einen unbewussten, also nicht willkürlich gesteuerten Vorgang, der erst beim Auftreten von Störungen ins Bewusstsein dringt. Eine gezielte Atembeobachtung ist bei Patienten mit Lungen- oder Herzerkrankungen besonders wichtig. Das kann evtl. schwierig sein, da jeder Mensch seine Atmung willkürlich beeinflusst, sobald er vermehrt darauf achtet. Versuchen Sie also, die Atmung des Patienten für ihn unbemerkt zu beobachten.

Tipp

Um die Atmung des Patienten zu beobachten und die Atemfrequenz zu zählen, ohne dass er es bemerkt, kann man z. B. die Zeit zur Pulsmessung etwas „verlängern“, d. h., man belässt am Ende der Pulsmessung seine Hand noch etwa eine Minute länger am Arm des Patienten und nutzt die Zeit zur „ungestörten Beobachtung“.

Atemtypus
Die Atemtypen werden nach der jeweils überwiegenden Muskelbeteiligung unterschieden.
  • Brust- oder Rippenatmung (kostale Atmung): Die Atemarbeit wird überwiegend von den Zwischenrippenmuskeln geleistet.Atemtypus Bei der Mehrzahl der Frauen ist dies der normale (physiologische) Atemtyp. Atmung:BrustatmungTritt sie nach Bauchverletzungen oder OP auf, ist sie als pathologisch anzusehen, im Sinne einer Schonatmung.

  • Bauch- oder Zwerchfellatmung (abdominale Atmung): Die Einatmung kommt überwiegend durch Senkung des Zwerchfells mit Vorwölbung des Bauches zustande. Atmung:BauchatmungDies ist der physiologische Atemtyp bei den meisten Männern und bei Säuglingen, Atmung: Zwerchfellatmungpathologischen Wert (Schonatmung) hat sie bei Thoraxverletzungen oder nach Thorax-OP.

  • Mischatmung: Hierbei werden Zwischenrippenmuskulatur und Bauchmuskulatur gleich stark eingesetzt. Die Mischatmung ist v. a. bei körperlicher Anstrengung zu beobachten.

  • Auxiliaratmung: Die Atmung wird durch Atmung:MischatmungAktivierung der Atemhilfsmuskulatur unterstützt. Diesen Atemtyp findet man bei Patienten mit schwerer Atemnot.

Atemfrequenz
Auxiliaratmung

Atemfrequenz (Atemhäufigkeit): Zahl der Atemzüge pro Min.; mit folgenden Normwerten:

  • Neugeborenes: 40–45 Atemzüge/Min.

  • Kleinkind: 25–30 Atemzüge/Min.

  • Erwachsener: 14–16 Atemzüge/Min.

Tachypnoe

Tachypnoe (beschleunigte Atmung): Atemfrequenz > 20 Atemzüge/Min. beim Erwachsenen; in schweren Fällen bis zu 100 Atemzüge/Min.

Neben psychischen Ursachen ist die Atmung:AuxiliarmungTachypnoe eine Reaktion des Körpers auf ein erniedrigtes SauerstoffangebotAtemfrequenz oder einen erhöhten Sauerstoffbedarf.
  • physiologische Ursachen:

    • körperlicheTachypnoe Anstrengung

    • kurzzeitiger Aufenthalt in großer Höhe ab ca. 2.000–3.000 m

    • Hitzeeinwirkung (Sauna, heißes Bad)

    • psychische Belastung

  • pathologische Ursachen:

    • mit erniedrigtem Sauerstoffgehalt des Blutes: Herz- und Lungenerkrankungen, Anämie (20.4.1), Schock (30.7) und Kohlenmonoxidvergiftung

    • mit erhöhtem Sauerstoffbedarf: Fieber oder bösartige Tumoren

Bradypnoe

Bradypnoe (verlangsamte Atmung): beim Erwachsenen Atemfrequenz < 12 Atemzüge/Min.

  • physiologische Ursachen: Schlaf (herabgesetzter Stoffwechsel), tiefe Entspannung (z. B. Meditation)

  • pathologische Ursachen:

    • Gehirnverletzungen mit Schädigungen des BradypnoeAtemzentrums

    • Vergiftung durch zentral wirksame Schlafmittel (z. B. Benzodiazepine wie etwa Rp Valium®)

    • Stoffwechselerkrankungen mit Schädigung des Atemzentrums (z. B. Koma bei Diabetes mellitus)

Atemintensität
Hypoventilation

Hypoventilation: im Verhältnis zum Sauerstoffbedarf des Körpers zu geringe Belüftung der Lungenbläschen bei vermindertem Atemminutenvolumen.

Durch die verminderte Belüftung der Lungenbläschen fällt der Sauerstoffpartialdruck im Blut ab und steigt der Kohlendioxidpartialdruck an. AtemintensitätDies wird als respiratorische Insuffizienz Hypoventilationbezeichnet.
Ursachen einer Hypoventilation sind:
  • Schmerzen im Brustkorb oder Abdomen, die zu einer Schonatmung führen (z. B. nach OP oder Verletzungen, bei Rippenfell- oder Lungenentzündungen)

  • schlechterInsuffizienz:respiratorische Allgemeinzustand des Patienten (z. B. altersbedingt, nach schweren Erkrankungen oder OP)

  • Behinderung der Atmung durch Störungen des SchonatmungAtemzentrums, der Atemmuskulatur oder der Atemwege

Hyperventilation

Hyperventilation: gesteigertes Atemminutenvolumen über die Stoffwechselbedürfnisse des Körpers hinaus. Typischerweise zu niedriger Kohlendioxidpartialdruck (Hypokapnie 12.3.4) bei normalem bis erhöhtem Sauerstoffpartialdruck.

Ursachen einer Hyperventilation sind:
  • psychogen (Hyperventilationstetanie)

  • metabolisch (stoffwechselbedingt)

  • zentral (ZNS-Schädigung)

  • kompensatorisch (als HyperventilationReaktion auf einen Sauerstoffmangel)

  • hormonell oder medikamentös

Bei der psychogenen Hyperventilationstetanie (Hyperventilationssyndrom) besteht eine respiratorische Alkalose (16.2.7), die dazu führt, dass die Kalziumionen im Serum abnehmen (Hypokalzämie 16.2.6). Die Hypokalzämie äußert sich durch Muskelkrämpfe, für die die Pfötchenstellung der Hände typisch ist (Abb. 12.22). Der Patient ist sehr ängstlich und unruhig. Beruhigen Sie ihn, und halten Sie ihm eine kleine Plastiktüte so vor Mund und Nase, dass er seine Ausatemluft wieder rückatmet. Dadurch nimmt der Patient vermehrt Kohlendioxid auf, und die Alkalose kann ausgeglichen werden.

Erstmaßnahmen bei Atemstillstand

Atemstillstand (Atemstillstand:ErstmaßnahmenApnoe) bedeutet immer akute Lebensgefahr für den Patienten und verlangt die sofortige Reanimation (Freimachen der Atemwege, ApnoeAtemspende, Pulskontrolle, falls kein Puls mehr tastbar Herzdruckmassage 30.4). Andernfalls stirbt der Patient innerhalb weniger Minuten. Ursache können eine Verlegung der Atemwege, eine Lähmung des Atemzentrums und/oder eine Lähmung der Atemmuskulatur sein.

Atemrhythmus und Atemtiefe
Die (unbewusste) Atmung eines Gesunden ist regelmäßig, und die Atemzüge sind gleichmäßig tief (Eupnoe), wobei die Einatmungsphase etwas kürzer ist als die Ausatmungsphase.
Folgende pathologische AtemrhythmusAtmungstypen (Abb. 12.23) lassen sich unterscheiden:
  • AtemtiefeBei der Kußmaul-Atmung handelt es sich um eine abnorm tiefe, aber regelmäßige Atmung mit normaler oder erniedrigter Atemfrequenz. Sie tritt bei einer metabolischen Azidose (16.2.7) auf, z. B. im diabetischen oder urämischen Koma (30.6). Durch die tiefe Atmung:Kussmaul-AtmungAtmung versucht der Organismus, CO2 abzuatmen und damit den zu niedrigen pH-Wert des Blutes zu korrigieren.

  • Für die Cheyne-Stokes-Atmung ist ein periodisches An- und Abschwellen der Atmung mit kurzen Pausen typisch: Flache Atemzüge werden zunächst immer tiefer und flachen dann wieder ab, bis die Atmung für ca. 20 Sek. völlig aussetzt. Hierauf beginnt der Zyklus von Atmung:Cheyne-Stokes-Atmungneuem. Die Cheyne-Stokes-Atmung ist in der Regel pathologisch. Sie tritt z. B. bei einer schweren Schädigung des Atemzentrums (z. B. bei Enzephalitis, schweren zerebralem Durchblutungsstörungen), aber auch bei Herzerkrankungen infolge der verlangsamten Blutzirkulation auf.

  • Die Schnappatmung tritt v. a. kurz vor dem Tod auf (agonale Atmung), oft im Gefolge einer Cheyne-Stokes-Atmung. Sie zeigt schwerste Schädigungen des Atemzentrums an und ist gekennzeichnet durch Atmung:Schnappatmungeinzelne, schnappende Atemzüge, die von langen Pausen unterbrochen werden.

  • Bei der Biot-Atmung (intermittierende Atmung)Atmung:agonale wechseln mehrere gleich tiefe, kräftige Atemzüge periodisch mit plötzlichen Atempausen ab. Ohne Krankheitswert kann sie bei Neugeborenen, v. a. bei „Frühchen“, sein. Bei Erwachsenen kommt sie bei erhöhtem Hirndruck (23.10) oder Störungen des Atmung:Biot-AtmungAtemzentrums durch Hirnverletzungen vor.

Atemnot

Atemnot (Dyspnoe): subjektive Empfindung einer erschwerten Atmung.

Orthopnoe („ortho“ = aufrecht): schwere Dyspnoe, die der Patient nur durch aufrechte Haltung und Einsatz der Atemhilfsmuskulatur kompensieren (ausgleichen) kann. Besteht eine Zyanose (10.4.4) muss sofort der Notarzt verständigt werden!

Patienten mit schwerer Dyspnoe ringen voller Panik nach Luft. Sie haben weit aufgerissene Augen, und in ihrem AtemnotGesichtsausdruck spiegelt sich Todesangst. DyspnoeAngst und Erregung verstärken die Atemnot weiterOrthopnoe, und so kann – auch bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen – ein Teufelskreis entstehen, aus dem der Patient alleine nicht mehr herausfindet. Das kann soweit gehen, dass der Patient überhaupt nicht mehr in der Lage ist zu sprechen. Dies steigert die Angst, in einer Krisensituation keine Hilfe zu bekommen, weil er sich nicht mehr mitteilen kann.
Die Atemnot wird in vier Schweregrade eingeteilt (Tab. 12.2).
Grad I–III sind Formen der Belastungsdyspnoe, Grad IV ist die schwerste Form der Dyspnoe, die Ruhedyspnoe.
Die Ursachen für eine Dyspnoe sind vielfältig (Tab. 12.3) und reichen von Lungenkrankheiten über Atemnot:SchweregradeHerzerkrankungen, Stoffwechselstörungen (z. B. Azidose bei Diabetes mellitus 15.6.5) und Lähmungen der Atemmuskulatur bis hin zu psychischen Komponenten. Häufig ist die Dyspnoe Folge einer Herzinsuffizienz und geht mit Symptomen einer pulmonalen Stauung einher (flacher, schneller Puls, gestaute Halsvenen, schaumiges, rötlich verfärbtes Sputum) oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (12.6).
Hilfreich ist es, auf Charakter und Begleitsymptome zu achten. Tritt die Dyspnoe z. B. anfallsweise auf, weist dies auf Asthma bronchiale (12.8) hin. Eine zusätzliche saisonale Abhängigkeit würde für eine allergische Ursache des Asthmas, z. B. durch Pollenflug, sprechen, eine Besserung der Dyspnoe an arbeitsfreien Tagen für eine berufsbedingte Allergie, wie beim Bäcker das „Bäckerasthma“. Atemnot im Liegen, die hauptsächlich nachts auftritt, ist häufig durch Herzerkrankungen bedingt. Geht die Dyspnoe mit Fieber und weiteren Zeichen einer Allgemeininfektion einher, ist an eine Pneumonie (12.5.6) zu denken.

Erstmaßnahmen bei Atemnot

  • Notarzt Notfall:Atemnotbenachrichtigen.

  • Patienten nicht alleine Atemnot:Erstmaßnahmenlassen, ihm das Gefühl von Ruhe und Geborgenheit vermitteln.

  • Atemunterstützende Lagerungen (z. B. Oberkörperhochlagerung oder die am ehesten tolerierte Position) empfehlen, Patienten zu ökonomischer Atmung anleiten, z. B. zur dosierten Lippenbremse (Abb. 12.44).

  • Beengende Kleidung entfernen, evtl. Fenster öffnen, ggf. Sauerstoffgabe (30.7).

  • Bis zum Eintreffen des Notarztes Bewusstseinslage, Hautfarbe, Atmung, Blutdruck und Pulsfrequenz engmaschig kontrollieren.

Atemgeräusche

Schnarchen
Das wohl häufigste Atemgeräusch ist das Schnarchen während des Schlafs. Es ist meist Folge einer Erschlaffung der Rachenmuskulatur oder einer behinderten Nasenatmung (z. B. Adenoide 24.7.3 bei Kindern) mit Atemgeräuscheeiner daraus resultierenden Verengung der Atemwege.
SchnarchenHat der Schnarcher allerdings längere Atempausen (> 10 Sek.) oder fühlt sich tagsüber müde und erschöpft, so besteht der Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom (12.12.4) mit gefährlichem Sauerstoffmangel. Dann ist die diagnostische Abklärung in einem Schlaflabor erforderlich. Eindeutig pathologische Atemgeräusche sind Stridor, Husten und Rasseln.
Stridor
Ein Stridor (lat.: Zischen, Pfeifen) ist ein pfeifendes Atemgeräusch und entsteht bei verengten Atemwegen oberhalb der Stimmritze. Die Verengung behindert den Luftstrom bei der Einatmung, sodass die Atmung meist verlängert und mühsam ist. Patienten mit Atemnot Stridorleiden meist gleichzeitig unter Atemnot (Dyspnoe). Ursachen sind, z. B. ein Pseudokrupp-Anfall (28.6.6) oder die teilweise Verlegung der Stimmritze bei Epiglottitis (28.8.4), Fremdkörperaspiration oder Stimmbandlähmung.

Achtung

Das gleichzeitige Auftreten von Atemnot und Stridor sind Zeichen eines Notfalls.

Schluckauf
Schluckauf (Singultus) ist Folge einer Reizung des Nervus phrenicus. Dieser versorgt das Zwerchfell und gibt den Impuls für eine ruckartige Kontraktion des Zwerchfells, die plötzlich Luft in den Brustkorb einströmen lässt.
Der N. phrenicus kann gereizt werden, wenn zu Schluckaufviel Luft geschluckt wurde und eine Luftblase im Magen auf den Nerv drückt. Auch kalte Getränke und Operationen im Oberbauch können einen Schluckauf auslösen. Gelegentlich tritt ein (besonders hartnäckiger) Schluckauf ohne erkennbare Ursache auf. Wenn bei extrem quälendem Schluckauf krampflösende oder beruhigende Arzneimittel keine Abhilfe schaffen, muss eine (seltene) ernste Ursache (z. B. ein Tumor) ausgeschlossen werden.

Atemwegsinfektionen

Rhinitis

Rhinitis (Schnupfen): abnorm gesteigerte Absonderung von Nasensekret; häufigste Erkrankung der Nasenhaupthöhle; man unterscheidet: akute, chronische, allergische und vasomotorische Rhinitis.

Akute Rhinitis

Akute Rhinitis: akuter Katarrh der Nasenschleimhaut mit Niesreiz, Brennen in Nase und Rachen, Nasensekretion und evtl. begleitendem allgemeinem Krankheitsgefühl.

Der akute Schnupfen ist meist virusbedingt (Rhino-, Corona-, Influenza-, Adenoviren), kann aber auch allergische Ursachen Schnupfen s. auch RhinitisRhinitishaben („Heuschnupfen“). Die Übertragung von Erregern erfolgt durch Tröpfcheninfektion, die Rhinitis:akuteInkubationszeit beträgt dann 3–7 Tage. Der Patient hat eine „laufende Nase“, wobei das Sekret anfangs wässrig, später auch gelblich-grün und manchmal leicht blutig ist. Die Nasenatmung ist behindert. Allgemeine Krankheitszeichen wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Fieber sind häufig. Die Nasenschleimhaut ist gerötet und geschwollen. Die schulmedizinische Therapie ist symptomatisch mit abschwellenden Nasentropfen (z. B. Nasivin®) für höchstens 5–8 Tage, Kamille-Inhalationen und Rotlicht. Bei unzureichender Behandlung besteht die Gefahr der Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis 12.5.2).
Chronische Rhinitis

Chronische Rhinitis: Überbegriff für chronische Schleimhauterkrankungen der Nasenhaupt- und Nasennebenhöhlen.

Ursachen des chronischen Schnupfens sind:
  • Reizstoffe wie z. B. Feinstaub

  • Allergien (z. B. Stauballergie)

  • extreme Dauertemperaturen

  • Polypen und Tumoren von Nase und Nasennebenhöhlen

Der Patient kann Rhinitis:chronischenur schlecht durch die Nase atmen und klagt über ständige schleimige Nasensekretion. Da Sekret aus der Nase in den Rachen läuft, muss der Patient sich ständig räuspern. Sind die Nasennebenhöhlen verlegt, hat der Patient zusätzlich Kopfdruck oder Kopfschmerzen. Differenzialdiagnostisch muss immer eine Allergie ausgeschlossen werden.
Die Therapie besteht zunächst in der Beseitigung der Ursache, ansonsten in symptomatischen Maßnahmen wie z. B. Nasenspülungen mit Salzwasser.
Allergische Rhinitis

Allergischer Schnupfen (Rhinitis allergica): tritt saisonal durch Pollen ausgelöst auf (Heuschnupfen) oder das ganze Jahr über durch Nahrungsmittel, Hausstaubmilben, Tierhaare, Bettfedern oder Berufsallergene.

Hauptsymptome sind behinderte Nasenatmung, Niesattacken, wässrige Nasensekretion sowie Juckreiz in Nase und Augen. Die Diagnostik erfolgt in der Naturheilpraxis (22.6Rhinitis:allergische.4) oder beim Allergologen. Der Patient muss die allergenen HeuschnupfenReizfaktoren möglichst meiden. Der Arzt verordnet meist abschwellende Nasentropfen (z. B. Nasivin®) für max. 5–8 Tage, Antihistaminika (22.6.7, Pharma-Info) und Substanzen, die die Freisetzung von Histamin hemmen (z. B. Cromoglicinsäure), sowie evtl. auch Kortisonsprays. Außerdem kann eine Hyposensibilisierung (22.6.7) versucht werden.
Zur naturheilkundlichen Therapie von Allergien 22.6.8.

Naturheilkundliche Therapie bei Atemwegsinfektionen

Handbuch für die Naturheilpraxis 5.2

naturheilkundliche Therapie:AtemwegsinfekteUnkomplizierte Erkrankungen der Atemwege sprechen auf eine naturheilkundliche Behandlung sehr gut an. Wird während der ersten Krankheitszeichen mit der Behandlung begonnen, kann der Verlauf deutlich verkürzt werden.

Eigenbluttherapie

Bei gehäuft auftretenden Infekten sollten Sie eine Eigenblutbehandlung in Erwägung ziehen. Die „Fremdkörperreaktion“ auf das injizierte Blut erhöht die Immunabwehr und bewirkt eine vegetative Umstimmung. Bei Kindern und sensiblen Patienten ist potenziertes, von autorisierten Herstellern angefertigtes Eigenblut, das in Tropfenform eingenommen wird, den Injektionen vorzuziehen.

Ernährungstherapie und orthomolekulare Therapie

Empfehlen Sie dem Patienten leichte vitaminreiche Kost. Um der Schleimeindickung vorzubeugen, sollte ausreichend Flüssigkeit (Tee, Wasser) zugeführt werden. Milchprodukte sind zu meiden, da sie die Verschleimung fördern.
Weisen Sie den Patienten darauf hin, dass er vermehrt Vitamin C (bis zu 1.000 mg tgl.) zu sich nehmen sollte, da bei Infekten der Vitamin-C-Bedarf erhöht ist. Vitamin C hat ebenso wie Zink immunmodulierende Eigenschaften. Sie mildern und verkürzen den Verlauf des Infekts.

Homöopathie

Bei einem akuten Geschehen ist oft ein organotropes Mittel auszuwählen, das ausschließlich die Schnupfensymptomatik berücksichtigt: Allium cepa (bei scharfem Sekret und Augentränen), Luffa (bei trockener Nasenschleimhaut) oder Euphorbium (bei Fließschnupfen, erheblichem Niesreiz). Auch Komplexmittel sind wirkungsvoll, z. B. Sinuvowen®. Als Alternative zu synthetischen Nasentropfen sind homöopathische Nasentropfen, z. B. Euphorbium SN Heel, zu empfehlen.
Auch bei Erkältungskrankheiten steht eine Vielzahl von Komplexmitteln zur Verfügung, z. B. Echtrosept®, toxi-loges®.
Bei chronischer Rhinitis ist eine konstitutionelle Behandlung sinnvoll. Neben der Vielzahl der Konstitutionsmittel, die zur Behandlung infrage kommen, sind oft angezeigt: Ammonium carbonicum, Barium muriaticum, Calcium carbonicum, Graphites, Hepar sulfuris, Natrium muriaticum, Kalium bichromicum, Kalium carbonicum, Silicea, Sulfur. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes Mittel verweisen.

Mikrobiologische Therapie

Rezidivierende und chronische Infekte lassen sich durch eine mikrobiologische Behandlung, z. B. mit Symbioflor® 1, die den Aufbau der geschädigten Schleimhaut fördert, günstig beeinflussen. Auch Kinder sprechen auf diese Therapie gut an.

Ordnungstherapie

Raten Sie Patienten mit rezidivierender oder chronischer Rhinitis zu täglicher Bewegung in frischer Luft, Sauna und zu Anwendungen nach Kneipp, z. B. Wechselduschen und Güsse. Durch diese Abhärtungsmaßnahmen wird die Abwehrfunktion von Haut und Schleimhaut gestärkt.
Abschwellende synthetische Nasentropfen sind nicht oder nur sehr kurz einzusetzen, da sie gefäßverengende Substanzen enthalten, die die Schleimhaut austrocknen, weil sie die Sekretion unterdrücken. Außerdem besteht eine starke Gewöhnungsgefahr.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie dem Patienten Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung, damit die Schleimhaut feucht gehalten und die Eindickung des Sekrets verhindert wird. Auch das Inhalieren von Meersalz hat sich als Maßnahme zur Schleimlösung bewährt.
Ein ansteigendes Fußbad (Steigerung der Wassertemperatur von 35 auf ca. 40 °C innerhalb von 5 Min.) wirkt als Reiztherapie einer weiteren Verschlimmerung entgegen. Klären Sie den Patienten auf, dass kalte Füße nicht nur Erkrankungen der Nieren und des kleinen Beckens, sondern auch Erkrankungen im Kopfbereich (Nase, Nasennebenhöhlen) begünstigen. Auf warme Füße ist aus diesem Grund unbedingt zu achten.

Phytotherapie

Sonnenhutkraut (Echinaceae purpurea herba Abb. 12.24), z. B. Echinacin® als Tropfen oder Lutschpastillen fördert die unspezifische Abwehr. Echinacea steigert die Phagozytoserate, wirkt immunmodulierend und antiviral und eignet sich besonders gut zur Behandlung chronisch-rezidivierender Infekte. Wie für alle pflanzlichen Immunstimulanzien gilt auch hier: Eine frühzeitige und häufig wiederholte Einnahme verbessert die Wirkung.
Nasensalben, z. B. Nasulind-Nasensalbe, zur kurzzeitigen Anwendung enthalten häufig u. a. Pfefferminzöl oder Menthol. Sie stimulieren die Kälterezeptoren der Haut, wirken schleimlösend und erleichtern die Atmung, bewirken jedoch keine Abschwellung der Nasenschleimhaut.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome wie z. B. eine Wind-Kälte-Invasion in die Lunge oder Lungen- und Milz-Qi-Mangel können eine Rhinitis hervorrufen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Sekretbeschaffenheit, Befund der Nasenschleimhaut sowie nach Begleitsymptomen, Zungenbelag und Pulsbefund.
Bewährte Akupunktur- bzw. Akupressurpunkte sind: Dickdarm 4 und Dickdarm 20, Blase 2 und die Extrapunkte Yintang und Bitong.
Vasomotorische Rhinitis

Vasomotorischer Schnupfen (Rhinopathia vasomotorica): Ursache sind vermutlich vegetative Störungen der Nasenschleimhautgefäße. Die Symptomatik ähnelt der des allergischen Schnupfens. Es ist jedoch kein Allergennachweis möglich.

Die Therapie einer vasomotorischen Rhinitis besteht zunächst in einer „Kneipp-Kur“ der Nase (mehrmals naturheilkundliche Therapie:allergische Rhinitistägliches Hochschnupfen von eiskaltem Wasser zum „Training“ der neurovegetativen Rhinitis:vasomotorischeRegulation). Bei therapieresistenten Formen verordnet der Arzt Rhinopathia:vasomotoricaabschwellende Nasentropfen, Antihistaminika und kortikoidhaltige Sprays.

Achtung

Bei Langzeitgebrauch abschwellender Nasentropfen besteht die Gefahr, dass sich eine Rhinopathia medicamentosa entwickelt. In diesem Fall atrophiert die Nasenschleimhaut. Es bilden sich Borken, die Nasenatmung ist behindert, und es kann zu Riechstörungen kommen. Deshalb dürfen abschwellende Nasentropfen nicht länger als ca. 1 Wo. genommen werden.

Sinusitis

Akute Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung): akute (bakterielle) Entzündung der Nasennebenhöhlenschleimhaut mit Sekretbildung;

häufig bei Schnupfen, begünstigt durch Verlegung der Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen durch die angeschwollene Nasenschleimhaut; betrifft oft nur eine Nasennebenhöhle.

Chronische Sinusitis: kann sich aus einer akuten Sinusitis entwickeln, wenn diese nicht vollständig abgeheilt ist; begünstigt wird die Entstehung zusätzlich durch anatomische Besonderheiten (z. B. eine Verbiegung der Nasenscheidewand), durch allergische Reaktionen der Nasenschleimhaut oder durch eine Immunschwäche.

Pansinusitis: Entzündung aller Nasennebenhöhlen.

Symptome und Diagnostik
Die Beschwerden des Patienten sind abhängig davon, welche Nebenhöhlen von der Erkrankung betroffen sind:
  • Sinusitis:chronischeSinusitis:akuteRhinopathia:medicamentosaBei der akutenPansinusitis Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis maxillaris) hat der Sinusitis:PansinusitisPatient starke, pochende Schmerzen im Bereich der Kieferhöhle, im angrenzenden Mittelgesicht und in der Schläfenregion. Diese Schmerzen verstärken sich typischerweise beim Bücken. Die KieferhöhlenentzündungNasenatmung ist behindert.

  • Eine Stirnhöhlenentzündung (Sinusitis frontalis) führt zu Sinusitis:maxillarisSchmerzen in der Stirnregion, die in den inneren Augenwinkel ausstrahlen.

  • Bei einer Entzündung der Siebbeinzellen (Sinusitis ethmoidalis) ist der Druck im Bereich der Nasenwurzel und Stirnhöhlenentzündungdes inneren Augenwinkels am größten.

  • Dagegen ist das Beschwerdebild einer Entzündung Sinusitis:frontalisder Keilbeinhöhlen (Sinusitis sphenoidalis) eher uncharakteristisch. Es bestehen folgende Symptome: Kopfschmerzen in der Mitte des Kopfes und Sinusitis:ethmoidalisSchmerzausstrahlung zum Hinterkopf.

Während die Sinusitis ethmoidalis bereits bei Neugeborenen vorkommen kann, tritt die Sinusitis maxillaris erst etwa ab dem 5. und eine Sinusitis frontalis und Sinusitis:sphenoidalisspheniodalis erst ab dem 10. Lebensjahr auf, da diese Nebenhöhlen sich erst während der Kindheit entwickeln.
Bei der chronischen Verlaufsform sind die genannten Beschwerden abgeschwächt vorhanden, der Patient klagt über Kopfdruck, behinderte Nasenatmung und verminderten Geruchssinn.
Zur Diagnosesicherung sind oft eine Rhinoskopie, eine Sonografie und evtl. eine Röntgenaufnahme der Nasennebenhöhlen durch den HNO-Arzt erforderlich. Dieser wird bei der genauen Untersuchung des Naseninneren eine entzündliche Schleimhautschwellung, Eiter oder Polypen finden. Prädisponierende Faktoren wie eine Nasenscheidewandverbiegung oder eine Vergrößerung der Nasenmuscheln werden ebenfalls ersichtlich.

Naturheilkundliche Therapie bei Sinusitis

Handbuch für die Naturheilpraxis 5.2.2

Eigenbluttherapie

naturheilkundliche Therapie:SinusitisEine Umstimmungstherapie mit Eigenblut ist bei chronischen Sinusitiden sinnvoll, da durch das reinjizierte Blut eine Immunreaktion ausgelöst wird, die zu einer „vegetativen Gesamtumschaltung“ führt (4.2.17).

Enzymtherapie

Die Zufuhr pflanzlicher Enzyme, die unverändert vom Darm aufgenommen und in Blut und Gewebe abgegeben werden, hat sich bei entzündlichen und degenerativen Erkrankungen bewährt.
Enzyme haben antivirale und antibakterielle Wirkungen und aktivieren so das unspezifische Immunsystem, greifen durch die Aktivierung von Phagozyten aber auch in spezifische immunologische Vorgänge ein. Bei hartnäckigen Sinusitiden wird Bromelain, z. B. Bromelain-POS®, eingesetzt, das u. a. entzündungshemmend und schleimlösend wirkt.

Ernährungstherapie

Scharfe Gewürze wie z. B. Meerrettich oder Ingwer „öffnen“ die Nase und schaffen Erleichterung. Der Patient sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern täglich (Wasser und Kräutertee) achten, um einer weiteren Eindickung des Sekrets vorzubeugen.

Homöopathie

Bei akuter Sinusitis ist aufgrund des akuten Geschehens ein organotropes Mittel hilfreich, das ausschließlich die lokalen Symptome berücksichtigt. Oft sind folgende Mittel angezeigt: Cinnabaris (bei Druck an der Nasenwurzel und zähem Schleim), Hydrastis (bei dickem gelbem fadenziehendem Sekret und dumpfem Stirnkopfschmerz), Luffa (bei trockener Nasenschleimhaut) oder Kalium bichromicum (bei dickem fadenziehendem Sekret und Stirnkopfschmerz). Alternativ kann auch ein Komplexmittel eingesetzt werden, z. B. Sinuvowen®, sowie als Begleittherapie Euphorbium Nasentropfen SN Heel.
Bei chronischer Sinusitis ist eine Behandlung mit folgenden Konstitutionsmitteln sinnvoll: Acidum nitricum, Aurum metallicum, Calcium carbonicum, Dulcamara, Hepar sulfuris, Kalium bichromicum, Kalium carbonicum, Kalium sulfuricum, Lycopodium, Medorrhinum, Mercurius solubilis, Natrium carbonicum, Psorinum, Sepia, Silicea, Sulfur, Thuja. Da charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome die Mittelwahl bestimmen, kann auch ein anderes Konstitutionsmittel das Mittel der Wahl sein.

Mikrobiologische Therapie

Bei chronischen und rezidivierenden Sinusitiden ist die physiologische Schleimhautflora der Atemwege und des Darms durch vorausgegangene antibiotische Behandlungen oft sehr geschädigt. Eine mikrobiologische Therapie baut die natürliche Schutzflora wieder auf, indem – je nach Stuhlbefund –, z. B. Symbioflor® verabreicht wird.

Nasenreflextherapie

Die Nasenreflextherapie, die Behandlung der Nasenschleimhaut mit einem speziellen Nasenreflexöl (mild und forte), ist indiziert bei akuter und chronischer Sinusitis. Sie verursacht das Abschwellen der entzündeten Nasenschleimhaut, wirkt zudem antimikrobiell, durchblutungsfördernd und beeinflusst reflektorisch andere Organe positiv. Die in der Respirationszone liegenden Reflexpunkte der Nasenschleimhaut werden vorsichtig mit einem Watteträger massiert. Der Patient hat die Augen geschlossen. Vorsicht bei empfindlichen Patienten!
Ist die Nasenschleimhaut gereizt und trocken, kann eine schützende Pflege mit Sesamöl sinnvoll sein, z. B. GeloSitin® Nasenpflege.

Neuraltherapie

Untersuchen Sie zunächst die druckschmerzhaften Punkte im Bereich der Nasennebenhöhlen, und klären Sie potenzielle Störfelder (z. B. Zähne, Tonsillen, Kiefer) ab. Bewährt hat sich die subkutane Injektion eines Lokalanästhetikums und/oder einer homöopathischen Injektionslösung (z. B. Schwörosin® A Injektion) an Akupunkturpunkten im Gesichtsbereich (4.2.44) oder an Nervenaustrittsstellen.
Wichtig ist, dass Sie den Patienten darüber aufklären, dass die Behandlung zwar sehr wirksam, aber auch schmerzhaft und unangenehm ist.

Ordnungstherapie

Raten Sie dem Patienten zu regelmäßiger körperlicher Bewegung in frischer Luft, so kann er aktiv den Heilungsverlauf unterstützen. Berücksichtigen Sie auch, dass einer chronischen Sinusitis oft ständige Überforderung und Stress zugrunde liegen, und geben Sie dem Patienten die Möglichkeit, seine Probleme zu schildern. Sind die Beschwerden chronisch, liegen evtl. Entzündungsherde im Kopfbereich vor, die eine Zahn- und Kiefersanierung notwendig machen.

Physikalische Therapie

Tägliche Bewegung an der frischen Luft, Wasseranwendungen wie Wechselduschen und Sauna dienen der Abhärtung sowie der Verbesserung der peripheren Durchblutung und der gestörten Wärmeregulation (kalte Füße). Verordnen Sie bei akuter Sinusitis keine Kaltwasseranwendungen im Gesicht.
Die Anregung des Lymphflusses im Kopf-Halsbereich fördert den Heilungsverlauf (z. B. Lymphdiaral® sensitiv Salbe N). Wirkungsvoll sind auch Infrarotbestrahlungen der Nasennebenhöhlen (Kontraindikation: eitrige Sinusitis!).

Phytotherapie

Eingesetzt werden auswurffördernde Heilpflanzen, sog. Expektoranzien wie z. B. Primelwurzel (Primulae radix Abb. 12.25) und Efeublätter (Hederae helicis folium Abb. 12.26), um das Abhusten des veränderten Schleims aus den Atemwegen zu erleichtern. Die Primel wirkt auch sekretolytisch, indem sie die Produktion von dünnflüssigem Sekret fördert und so die Bildung eines physiologisch zusammengesetzten Sekrets ermöglicht. Dadurch wird die Abwehrfunktion der Schleimhaut unterstützt. Sonnenhutkraut (Echinaceae purpurea herba Abb. 12.24) wird zur generellen Immunstärkung eingesetzt.
Beliebt sind auch ätherische Öle zum Einnehmen oder zur Inhalation wie Myrtol, z. B. Gelomyrtol® forte oder Cineol, z. B. Soledum®.
Bei eitrigen Sinusitiden sind antibiotisch wirksame Heilpflanzen wie Kapuzinerkressenkraut (Tropaeoli maji herba Abb. 21.14) und Meerrettichwurzel (Armoraciae rusticanae radix) indiziert, z. B. Angocin® Anti-Infekt N.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome, wie z. B. Wind-Hitze im Lungenmeridian oder Leber- und Gallenblasen-Feuer können eine Sinusitis hervorrufen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Sekretmenge und -beschaffenheit, Begleitsymptomen sowie nach Zungenbelag und Pulsbefund.
Häufig gewählte Akupunkturpunkte sind Ma 2, Ma 3, Bl 2, Gb 14, Di 4, Di 20 sowie die Extrapunkte Yintang und Bitong.

Tipp

20–30 % der Sinusitiden sind durch Zahnerkrankungen bedingt. Überweisen Sie den Patienten zur Abklärung zum Zahnarzt.

Schulmedizinische Therapie und Prognose
Die Prognose der akuten Sinusitis ist i. d. R. gut. Die meisten akuten Entzündungen der Nasennebenhöhlen heilen von selbst aus – also nicht wegen, sondern trotz der meist verordneten abschwellenden Nasentropfen (nicht länger als eine Woche), Antibiotika und schleimlösenden Maßnahmen wie z. B. Inhalationen. Selten ist eine Spülung der Höhle oder eine Operation erforderlich.
Greift die Entzündung auf die Augenhöhle über, sind die Augenlider des Patienten entzündlich gerötet und teigig geschwollen. Im Extremfall kann es zur Erblindung des Patienten und Fortleitung der Infektion in das ZNS kommen. Eine sofortige Überweisung zum HNO-Arzt bzw. in eine HNO-Klinik ist erforderlich!

Achtung

Bei unzureichender Behandlung besteht die Gefahr, dass die Entzündung auf benachbarte Organe und Gewebe übergreift, z. B. auf die Augenhöhle (orbitale Komplikation Abb. 12.27).

Pharyngitis

Pharyngitis: Entzündung der Rachenschleimhaut.

Akute Pharyngitis
Akute Pharyngitiden kommen meist bei Infektionen der oberen Atemwege vor. Sie können durch Bakterien (häufig Streptokokken 25.5.2) oder Viren (z. B. Influenza-, Parainfluenzaviren) bedingt sein.
Die Therapie richtet sich nach der PharyngitisUrsache. Schulmedizinisch wird bei bakterieller Genese Penizillin oral gegeben, bei viraler Genese erfolgt die Behandlung symptomatisch. Die Schmerzen können durch Analgetika (z. B. Azetylsalizylsäure, etwa in Aspirin®) und physikalische Maßnahmen mit kalten Halswickeln sowie durch Trinken warmer Flüssigkeiten (z. B. Tee mit Honig) gelindert werden.
Chronische Pharyngitis
Die chronische Pharyngitis ist Folge langfristiger Einwirkung verschiedener Noxen wie Staub, Nikotin, Alkohol, Chemikalien oder Reizgase. Sie kann aber auch bei chronisch behinderter Nasenatmung, etwa durch eine Abweichung der Nasenscheidewand, auftreten. Der Patient klagt über einen ständig trockenen Hals sowie Räusperzwang und zähen Schleim. Die Beschwerden nehmen besonders nach längerem Sprechen zu.
Nach Abklärung der Ursache sollte versucht werden, die auslösenden Noxen zu meiden. Außerdem können zusätzliche Maßnahmen versucht werden, z. B. die Befeuchtung der Atemwege durch Inhalation von Salbei oder Emser-Salz, das Lutschen von Salbeibonbons oder Emser-Salz-Pastillen sowie die Anwendung öliger Nasentropfen.

Laryngitis

Laryngitis: Kehlkopfentzündung.

Krankheitsentstehung
Die Laryngitis wird verursacht:
  • viral als Begleiterscheinungen von Infekten der Nase, Nasennebenhöhlen und Tonsillen

  • toxisch, z. B. durch Reizgase (auch bei LaryngitisZigarettenrauch oder starker Ozon-KehlkopfentzündungBelastung)

  • thermisch durch starke Temperaturschwankungen und trockenes oder heißes Raumklima

  • mechanisch durch akute Stimmüberlastung

  • selten auch durch Bakterien bedingt

Naturheilkundliche Therapie bei Pharyngitis

Handbuch für die Naturheilpraxis Pharyngitis:naturheilkundliche Therapie 5.2.3

Ernährungstherapie

Weisen Sie den Patienten darauf hin, dass Milchprodukte die Verschleimung fördern und deshalb zu meiden sind. Ungünstig sind auch scharf gewürzte Speisen, die die entzündete Schleimhaut zu sehr reizen. Empfehlenswert ist Zitronensaft, der mit reichlich warmem Wasser und mit etwas Honig verdünnt wird.

Homöopathie

Ein akutes Geschehen erfordert oft ein organotropes Mittel, das ausschließlich die körperliche Symptomatik berücksichtigt. Als organotrope Mittel haben sich u. a. bewährt: Belladonna (bei dunkler Rötung des Rachens und pulsierendem Schmerz), Phytolacca (bei dunkelrotem Rachen und entzündeten Mandeln, wenn warme Getränke die Schmerzen verschlimmern) oder Aconitum als Anfangsmittel (bei plötzlich einsetzender, fieberhafter Racheninfektion). Alternativ kann auch ein Komplexmittel eingesetzt werden, z. B. Entzündungstropfen N Cosmochema®.
Bei chronischer Pharyngitis ist eine Behandlung mit einem der folgenden Konstitutionsmittel sinnvoll: Apis mellifica, Argentum nitricum, Hepar sulfuris, Lac caninum, Lachesis, Lycopodium, Mercurius solubilis, Phosphorus, Silicea, Sulfur. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.

Mikrobiologische Therapie

Bei Racheninfekten kann die Einnahme eines Präparats mit natürlichen, immunstimulierenden Bakterien, je nach Stuhlbefund z. B. Symbioflor® 1, die Beschwerden erheblich lindern und den Heilungsverlauf verkürzen. Als „Stoßtherapie“ kann die Einnahme stündlich erfolgen und mit einem abwehrsteigernden Mittel, z. B. einem Echinacea-Präparat, kombiniert werden.

Physikalische Therapie

Ein Wärme entziehender Halswickel mit Salzwasser oder Quark – 250 g Magerquark fingerdick auf ein Tuch auftragen, Tuch um den Hals legen, mit einer Binde locker befestigen und nach ca. 20 Min. erneuern – wirkt schmerzlindernd, fördert die Durchblutung der Kopf- und Rachenschleimhäute und wird meist als angenehm empfunden. Wenn er sich erwärmt hat, kann er erneuert werden. Der Halswickel sollte allerdings nur angelegt werden, wenn die Füße warm sind.

Phytotherapie

Durch Mundspülungen und Gurgelanwendungen werden schwer zugängliche Stellen im Mund- und Rachenraum gereinigt, die Erreger abgespült und die Schleimhaut befeuchtet. Für diese Anwendungen haben sich Pflanzen mit entzündungshemmenden, antiseptischen (desinfizierenden) und adstringierenden (lat. adstringere = zusammenziehen) Eigenschaften bewährt; Adstringenzien bewirken, dass sich das Gewebe, auf das sie aufgetragen werden, verdichtet und eine Art Schutzmembran entsteht, z. B. Salbeiblätter (Salviae folium als Infus Abb. 12.28 oder Fertigpräparat, z. B. Salviathymol® N) und Kamillenblüten (Matricaria flos Abb. 13.39).
Schleimhautschützend und beruhigend wirken Schleimdrogen wie z. B. Isländisch Moos (Lichen islandicus, z. B. Isla Moos® Pastillen) oder Malvenblüten (Malvae flos). Indiziert sind auch antibiotisch wirksame Heilpflanzen wie Kapuzinerkressenkraut (Tropaeoli maji herba Abb. 21.17) und Meerrettichwurzel (Armoraciae rusticanae radix), z. B. Angocin® Anti-Infekt N, oder Ceres Tropaeolum majus Urtinktur. Eine immunstimulierende Behandlung mit Sonnenhutkraut (Echinaceae purpurea herba z. B. in Lymphozil® Lutschtabletten Abb. 12.24) wirkt sich günstig auf den Verlauf der Beschwerden aus. Wichtig ist, die Behandlung frühzeitig und mit der richtigen Dosierung zu beginnen.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome wie z. B. Wind-Kälte-Invasion oder Wind-Hitze-Invasion in die Lunge können eine Halsentzündung auslösen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Halssymptomen, Tonsillenbefund sowie nach Begleitsymptomen. Der Hauptakupunkturpunkt bei akuten Halsentzündungen ist Blase 10; er „stärkt“ den Rachenbereich.
Symptome und Diagnostik
Der Patient ist heiser oder völlig stimmlos (aphon). Oft hat er leichte Halschmerzen, Hustenreiz und subfebrile Temperaturen.
Bei der Spiegelung des Kehlkopfes durch den HNO-Arzt zeigen sich gerötete, ödematöse Stimmlippen.
Schulmedizinische Therapie
Medikamentös werden bei Reizhusten entsprechende hustenstillende Medikamente und bei produktivem Husten schleimverflüssigende Substanzen (z. B. Fluimucil®) gegeben. Antibiotika sind nur bei einer bakteriellen Kehlkopfentzündung indiziert.
Für den Behandlungserfolg entscheidend ist eine absolute Stimmruhe. Flüstern strapaziert die Stimmbänder mehr als normal lautes Reden. Außerdem darf der Patient nicht rauchen und sich auch nicht in der Umgebung von Rauchern aufhalten. Günstig ist ein Raumklima mit einer Luftfeuchtigkeit von mindestens 50 % und einer Raumtemperatur von 18–20 °C. Lokale Maßnahmen bestehen in warmen Halswickeln und Inhalationen mit Salbeitee.

Akute Bronchitis

Akute Bronchitis: Entzündung der Bronchien. Häufige Erkrankung mit Jahresgipfel im Winter, meist mit einer Entzündung der Luftröhre (Tracheitis) einhergehend und in ca. 90 % viral verursacht. Beim Gesunden meist folgenloses Aus-

heilen. Bei Patienten mit Lungenerkrankungen (z. B. Emphysem) erhöhtes Pneumonierisiko und Gefahr einer Verschlechterung der Lungenerkrankung bis zur respiratorischen Insuffizienz.

Chronische Bronchitis 12.6.

Krankheitsentstehung
Meist ist die akute Bronchitis Folge einer viralen Infektion der oberen Luftwege, die sich nach „unten“ ausbreitet. Auch eine Bronchitis:akuteViruserkrankung, die den gesamten Körper Trachea:Entzündungbetrifft (z. B. Masern), kann mit einer akuten Bronchitis Tracheitisbeginnen. Ursache können weiterhin chemische Reize sein (z. B. Inhalation von Rauch oder Säuren). Manchmal pfropft sich auf die Virusinfektion ein bakterieller Infekt auf (Sekundärinfektion). Selten ist die akute Bronchitis primär bakteriell bedingt.
Symptome
Bei der unkomplizierten Virusbronchitis hat der Patient zunächst für kurze Zeit Schnupfen, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl. Dann beginnt ein trockener Husten, der bald produktiv (12.4.3) wird. Das Sputum ist meist zäh und schleimig, bei einer bakteriellen Sekundärinfektion auch eitrig. Oft klagt der Patient über Brustschmerzen. Fieber über 39 °C ist selten.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Bei der körperlichen Untersuchung inspizieren Sie besonders den Rachen (Rötung?) und untersuchen die Lunge. Die Auskultation ergibt anfangs wenige trockene Rasselgeräusche, je nach Sekretion evtl. auch feuchte, grobblasige Rasselgeräusche. Bei schweren und hartnäckigen Verläufen kann die bakteriologische Untersuchung des Sputums hilfreich und eine Röntgenaufnahme des Thorax angebracht sein.

Fallbeispiel „Akute Bronchitis“

Eine 28 Jahre alte Erzieherin, die schon seit ihrer Jugend Patientin in der Praxis ist, kommt hustend in die Sprechstunde. „Es war nur eine Frage der Zeit. Im Kindergarten husten alle – jetzt hat mich die Bronchitis auch erwischt. Mein Hausarzt hat mich schon krankgeschrieben – und dann hat er mir ein Antibiotikum verordnet. Das mag ich aber nicht nehmen …“ Bevor die Heilpraktikerin eine Therapie verordnet, macht sie sich anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung ihr eigenes Bild von der Schwere der Erkrankung. Die Patientin ist Nichtraucherin. Bis zum Beginn der ersten Symptome sei sie wohlauf gewesen, nur am Vorabend sei sie früher als sonst zu Bett gegangen, weil sie sich kraftlos und müde fühlte. Außerdem habe sie leichte Kopf- und Gliederschmerzen gehabt. Am frühen Morgen habe dann ein trockener Husten mit kurzen, heftigen Stößen eingesetzt. Auf Nachfrage gibt die Patientin an, sie könne nur wenig Schleim abhusten, der aber weißlich und nicht gelblich-grün sei. Die Patientin hat 37,8 °C Körpertemperatur, der RR ist normal, der Puls unwesentlich erhöht. Die Haut zeigt keinerlei Exanthem. Rachen, Tonsillen, Zunge, Mund- und Wangenschleimhaut sind unauffällig, die Augenbindehäute nicht gerötet. Die Auskultation der Lunge ergibt nur wenige trockene Rasselgeräusche. Tatsächlich spricht alles für eine Bronchitis. Die Heilpraktikerin verordnet Bettruhe, schleimlösende Phytotherapeutika (Tropfen und Tee) sowie tagsüber Brustwickel und nachts Einreibungen der Brust. Darüber hinaus empfiehlt sie der Patientin, reichlich zu trinken sowie die Atemluft anzufeuchten, am besten durch Inhalationen. Sie bittet die Patientin, sich bei ihr zu melden, falls die Beschwerden sich innerhalb von drei Tagen nicht deutlich bessern würden. Sollten die Beschwerden gar zunehmen oder Blutspuren im Auswurf auftauchen, soll die Patientin sich telefonisch melden, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Differenzialdiagnostisch müssen Sie v. a. eine beginnende Pneumonie (12.5.6) und eine Virusgrippe (25.19.4) abgrenzen.
Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung erfolgt symptomatisch mit fiebersenkenden und evtl. schmerzlindernden Medikamenten (z. B. ASS, etwa in Aspirin®); bei behinderter Nasenatmung können zusätzlich Nasentropfen (z. B. Nasivin®) gegeben werden. Schleimlösende Präparate (z. B. ACC®) fördern das Abhusten von Schleim und vermindern dadurch den Hustenreiz (wissenschaftlich ist dies allerdings umstritten). Hilfreich sind Inhalationen und Einreibungen mit ätherischen Ölen. Nur bei einer (drohenden) bakteriellen Sekundärinfektion sind Antibiotika angezeigt. Hustendämpfende Medikamente (Antitussiva, z. B. Codeinpräparate 12.5.6, Pharma-Info) sind nur selten angebracht, etwa bei sehr quälendem Husten nachts, da sie das erwünschte Abhusten des Sputums hemmen. Solange Fieber besteht, soll der Patient Bettruhe einhalten. Empfehlenswert ist eine leichte, vitaminreiche Kost.
Wichtig ist auch ausreichend Frischluft. Der Patient sollte nicht rauchen.

Naturheilkundliche Therapie bei akuter und chronischer Bronchitis

naturheilkundliche Therapie:Bronchitis, akute/chronischeHandbuch für die Naturheilpraxis 5.2.4

Bronchitis:naturheilkundliche TherapieNaturheilkundliche Therapieverfahren wirken sich günstig auf den Verlauf einer akuten und chronischen Bronchitis aus, indem sie die Symptome lindern sowie Komplikationen und eine Chronifizierung der Beschwerden verhindern.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Blutiges oder trockenes Schröpfen im Schulter-Nacken-Bereich bzw. in der Lungen- und Bronchialzone (Abb. 12.29) wirkt ableitend und lindert die Beschwerden. Beziehen Sie in die Behandlung auch den Akupunkturpunkt Blase 12 („Tor des Windes“) ein, der die Funktionen der Lunge harmonisiert. Die Baunscheidt-Behandlung (Abb. 12.39) ist in den infektfreien Intervallen durchzuführen.

Biochemie nach Schüßler

Im ersten Entzündungsstadium kann Nr. 3 Ferrum phosphoricum, in halbstündlichen Gaben verabreicht werden. Bei Spasmen und Krämpfen ist Nr. 7 Magnesium phosphoricum, bei chronischen Eiterungen Nr. 11 Silicea angezeigt.

Ernährungstherapie

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (mindestens zwei Liter täglich) fördert die Schleimverflüssigung, hält die Schleimhäute feucht und fördert so die Abwehrfunktion. Zudem wird die Wirkung der auswurffördernden Pflanzen (Kräutertee) unterstützt. Da Milchprodukte die Verschleimung fördern, sind diese zu meiden.

Homöopathie

Bei akuter Bronchitis ist oft ein organotropes Mittel angezeigt, z. B. Bryonia (bei äußerst schmerzhaftem, trockenem, hartem Husten mit zähem Schleim sowie evtl. Würgen und Erbrechen beim Husten), Cuprum metallicum (bei langanhaltenden, heftigen, krampfartigen Hustenanfällen) oder Kalium jodatum (bei festsitzendem Husten). Alternativ kann auch ein Komplexmittel eingesetzt werden, z. B. Roth's Pulmonaria classic Tropfen. Für die konstitutionelle Behandlung einer chronischen Bronchitis eignen sich: Arsenicum album, Bryonia, Calcium carbonicum, Hepar sulfuris, Lachesis, Phosphor, Silicea. Entsprechend der charakteristischen Allgemein- und Gemütssymptome kann auch ein anderes Konstitutionsmittel angezeigt sein.

Ordnungstherapie

Weisen Sie den Patienten darauf hin, dass nicht nur Zigarettenrauch, sondern auch das Einatmen von Umweltgiften (z. B. Ozon, Lösungsmittel, Schwefeldioxid) und vermehrt auch Allergene eine Bronchitis mit verursachen können. Für Patienten mit chronischer Bronchitis sind Klimakuren in waldreichen Mittelgebirgen oder mildem Seeklima zu empfehlen.

Physikalische Therapie

Ein kalter Brustwickel wirkt bei akuter Bronchitis Wärme entziehend, entzündungshemmend und schmerzlindernd. Bei chronischer Bronchitis ist ein heißer Brustwickel (mit Zitrone) indiziert. Ein Heusack, der zuerst auf den Rücken, dann auf die Brust aufgelegt wird, hat sich bei chronischer Bronchitis ebenfalls bewährt.
Kalte Wickel nur auf warmer Haut anwenden. Bei Kältegefühl nicht durchführen.

Phytotherapie

Im Anfangsstadium, bei Reizhusten, helfen reizlindernde schleimhaltige Pflanzen (Muzilaginosa), Huflattichblätter (Farfarae folium), Eibischwurzel/-blätter (Althaea radix/-folium Abb. 12.30), Spitzwegerichkraut (Plantaginis lanceolatae herba Abb. 12.31) und Isländisch Moos (Lichen islandicus), die häufig in Kombinationen erhältlich sind (z. B. Heumann Bronchialtee Solubifix® T). Später, wenn der Husten produktiv geworden ist, werden bevorzugt saponinhaltige Heilpflanzen eingesetzt, wie z. B. Primelwurzel (Primulae radix Abb. 12.25), Königskerzenblüten (Verbasci flos Abb. 12.32) und Efeublätter (Hederae helicis folium Abb. 12.26), die als Expektoranzien das Abhusten erleichtern. Letztere haben, wie auch Thymiankraut (Thymi vulgaris, z. B. in Hustagil®) und Sonnentaukraut (Droserae herba z. B. in Tussovowen® Weber & Weber Abb. 12.33) zusätzlich krampflösende Eigenschaften.
Einreibungen oder Inhalationen mit ätherischen Ölen, z. B. Eukalyptusölen, wirken spasmolytisch, sollten aber nur in vorgeschriebener Verdünnung verwendet werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern dürfen ätherische Öle nicht im Nasenbereich angewendet werden.

Traditionelle Chinesische Medizin

Aus Sicht der chinesischen Medizin wird eine akute Bronchitis durch äußere pathogene Faktoren wie Wind, Kälte oder Hitze ausgelöst. Bei chronischen Bronchitiden ist dagegen ein Mangelzustand mit Beteiligung von Lunge, Milz und Niere festzustellen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Zungenbelag, Husten, Allgemeinsymptomen sowie nach Pulsbefund.
Bei akuter Bronchitis sind gute Erfolge mit Akupunktur zu erzielen, während bei chronischen Verläufen eher Kräuter bevorzugt werden. Häufig gewählte Akupunkturpunkte bei Bronchitis sind: Ni 27, Di 11, Bl 12, Bl 13, Lu 5, Lu 7 und Ren Mai 17.
Es werden folgende sekretlösenden Maßnahmen durchgeführt:
  • Die einfachste Maßnahme ist, regelmäßig und ausreichend zu trinken (mindestens 1.500 ml/Tag), sodass der Schleim verflüssigt wird und besser abgehustet werden kann. Auf Milchgetränke sollte dabei allerdings verzichtet werden, da diese eine Verschleimung eher fördern. Durch Bronchitis:sekretlösenden Maßnahmenfolgende Maßnahmen lässt sich die Schleimlösung weiterhin verbessern:

  • Einreibungen des Thorax mit ätherischen Ölen (z. B. Eukalyptus-, Thymian-, Pfefferminz- oder Anisöl): Achtung! Ätherische Öle dürfen wegen der Gefahr von Hautreizungen und allergischen Reaktionen nur sehr sparsam verwendet werden (daher bei der Anamnese immer nach Allergien fragen)! Bei Patienten mit bekannter Neigung zu obstruktiven Lungenerkrankungen (12.6) ist besondere Vorsicht geboten, da ätherische Öle nicht ausschließlich atemwegserweiternd wirken. Über einen reflektorischen Bronchospasmus (plötzliches, krampfartiges Zusammenziehen der Bronchien) können sie die Atemwege auch verengen. Bei Säuglingen und Kleinkindern dürfen nur speziell für diese Altersgruppe geeignete Präparate verwendet werden.

  • Brustwickel

  • Abklopfen und Vibration: Durch Abklopfen mit der hohlen Hand oder Bronchospasmus:bei Bronchitisder Kleinfingerkante und Vibration (z. B. mit entsprechenden Massagegeräten, etwa Vibrax®) werden Schwingungen am Brustkorb erzeugt, die das Sekret von den Wänden der Atemwege lösen, das Flimmerepithel stimulieren und so den Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege anregen.

  • Luftbefeuchtung und Inhalationen befeuchten trockenes Sekret und die Schleimhäute und unterstützen dadurch den Selbstreinigungsmechanismus der Atemwege.

Prognose
Die akute Virusbronchitis heilt beim Gesunden i. d. R. folgenlos aus. Bei Patienten mit vorbestehenden Lungenerkrankungen (z. B. Emphysem 12.7) ist dagegen die Gefahr einer Pneumonie (12.5.6) erhöht. Außerdem kann sich eine schwere Beeinträchtigung des Gasaustauschs entwickeln (respiratorische Insuffizienz). Bei Asthmatikern können gehäuft schwere Anfälle auftreten.

Achtung

Patienten mit einer akuten Bronchitis, deren Allgemeinzustand sich plötzlich verschlechtert sowie Patienten mit schweren, das Immunsystem schwächenden Grunderkrankungen sollten Sie an den Hausarzt, evtl. sogar an eine Klinik verweisen.

Pneumonie

Pneumonie (Lungenentzündung): Entzündung des Lungenparenchyms (Funktionsgewebe) durch infektiöse, allergische oder physikalisch-chemische Ursachen. Prognose für vorher Gesunde meist gut, für Herz-Lungen-Kranke oder Abwehrgeschwächte besteht hohe Komplikationsgefahr.

Die Pneumonie ist in den Industrieländern die häufigste letale Infektionserkrankung. In Deutschland werden ca. 800.000 Neuerkrankungen jährlich gezählt, etwa ⅓ der Patienten muss stationär behandelt werden.
Krankheitsentstehung und Einteilung
PneumonieEs gibt mehrere Einteilungen der LungenentzündungPneumonien, die sich z. T. überlappen (Tab. 12.4). Am wichtigsten, auch für die Wahl einer geeigneten Therapie, ist die Unterteilung in ambulant erworbene Pneumonie (AEP), ambulant erworbene Pneumonie (AEP)Community-Acquired Pneumonia (CAP), Healthcare-Associated Pneumonia (HCAP) und nosokomiale Pneumonie.
Symptome
Typische Pneumonie
Weit überwiegend werden Pneumonien (25.12.1) durch Bakterien (z. B. Pneumokokken, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis) CAP (Community-aquired pneumonia)verursacht. Bei dieser als typische HCAP (healtcare-associated pneumonia)Pneumonie bezeichneten Erkrankung entwickelt sich innerhalb von 12–24 Std. ein schweres Krankheitsbild mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Gleichzeitig trittPneumonie:typische Husten auf, nach kurzer Zeit hustet der Patient eitriges, gelbliches oder grünes Sputum aus. Blutbeimengungen färben den Auswurf rötlich-braun. Oft klagt der Patient über Atemnot (12.4.7) und Schmerzen beim Atmen.
Auffallend ist ein süßlicher oder übel riechender Mundgeruch. Einige Patienten atmen schnell und flach, wobei die Nasenflügel sich deutlich mitbewegen (Nasenflügeln) und die erkrankte Brustkorbhälfte sichtbar weniger an der Atmung teilnimmt (Schonatmung). Manchmal ist der Kranke zyanotisch (10.4.4). Bei der Perkussion der Lunge ist der Klopfschall über dem betroffenen Lungenabschnitt gedämpft, und es sind Nasenflügeln:PneumonieBronchialatmen und feuchte Rasselgeräusche auskultierbar.

Fallbeispiel „Pneumonie“

Ein 45 Jahre alter selbstständiger Versicherungskaufmann kommt am späten Freitagmittag in die Praxis, weil er – wie er sagt – eine heftige Bronchitis hat und am Montag wieder fit für die Agentur sein muss. Der Mann sieht krank und fiebrig aus. Tatsächlich beträgt seine Körpertemperatur 39,1 °C. Er erzählt, dass er seit eineinhalb Tagen trockenen Reizhusten habe, der plötzlich aufgetreten und immer stärker geworden sei. Heute seien auf der rechten Brustseite noch unangenehme, atemabhängige Schmerzen dazugekommen. Auswurf habe er nicht, ebensowenig Schnupfen, Hals- bzw. Kopfschmerzen. Der Mann raucht seit seinem 20. Lebensjahr tgl. 10–20 Zigaretten. Dem Heilpraktiker fällt die rasche Atemfrequenz des Patienten auf (35/Min.) und darüber hinaus die Bewegung der Nasenflügel (Nasenflügelatmen). Der RR beträgt 150/85, der Puls 92 Schläge/Min. Die Inspektion von Haut, Konjunktiven und Rachen verläuft ergebnislos, ebenso die Palpation der Lymphknoten. Bei der Lungenperkussion fällt rechts dorsal ein gedämpfter Klopfschall auf sowie ein verstärkter Stimmfremitus. Das Atemgeräusch ist in diesem Lungenareal verschärft, ansonsten ist die Auskultation der Lunge unauffällig. Der Einstundenwert der BSG liegt bei 38 mm und ist somit erhöht. Auf die Frage, ob er Kontakt zu Vögeln gehabt habe (DD Ornithose 25.12.4), antwortet der Patient: „Außer zu Brathähnchen – nein.“ Auch im Ausland war er nicht, dennoch zieht der Heilpraktiker auch eine Legionärskrankheit in Betracht, zumal der Patient sich oft in Hotels und Häusern mit Klimaanlage aufhält. Da unter der Telefonnummer des Hausarztes nur noch der Anrufbeantworter zu erreichen ist und der Patient außerdem mit niemandem zusammenlebt, der ihn versorgen kann und deshalb ohnehin in stationäre Behandlung muss, überweist der Heilpraktiker ihn mit Verdacht auf Lobärpneumonie direkt ins Krankenhaus. Die Untersuchungen dort bestätigen diesen Verdacht; es handelt sich um eine typische Pneumokokken-Pneumonie.

Atypische Pneumonien
Schonatmung:PneumonieAtypische Pneumonien (25.12.2) – v. a. Pneumonien durch Viren, Chlamydien, MykoplasmenAtmung:Schonatmung, seltener solche durch Bakterien – beginnen langsam und uncharakteristisch mit trockenem Husten und Fieber meist unter 39 °C („atypisch“). Das Allgemeinbefinden der Patienten ist i. d. R. nur mäßig beeinträchtigt. Diese Pneumonie:atypischePneumonien werden häufig zunächst als „Grippe“ fehldiagnostiziert. Die physikalische Untersuchung der Lunge ist meist wenig ergiebig.
Weil ein zuverlässiger Rückschluss vom klinischen Verlauf auf den ursächlichen Erreger nicht möglich ist, wurde die Einteilung in typische und atypische Pneumonien je nach Verlauf weitgehend verlassen.
Diagnostik
Bei der Anamnese fragen Sie speziell nach dem Beginn der Erkrankung (wann; womit, z. B. Schnupfen, Heiserkeit, „grippaler Infekt“?), nach Fieber, Thoraxschmerzen, Vorerkrankungen (z. B. Allergien, Diabetes mellitus, Lungenerkrankungen, Immunschwäche) sowie nach Auslandsaufenthalten.
Eine vollständige körperliche Untersuchung folgt. Inspizieren Sie auch den Rachen. Bei der Perkussion der Lunge ist der Klopfschall über dem betroffenen Lungenabschnitt gedämpft. Bronchialatmen und Rasselgeräusche sind auskultierbar. Der Stimmfremitus und die Bronchophonie sind verstärkt. Diese Befunde gelten jedoch nur für die typische Pneumonie. Bei der atypischen Pneumonie ist die physikalische Untersuchung der Lunge meist wenig ergiebig, selten können Sie fein- bis mittelblasige Rasselgeräusche hören.
In der Schulmedizin hat die Röntgenaufnahme des Thorax zentrale Bedeutung. Im BB ist bei einer typischen, bakteriellen Pneumonie häufig eine Leukozytose mit einer Linksverschiebung nachweisbar (20.4.3), bei einer atypischen Pneumonie dagegen nur selten. Die BSG (20.4.8) ist erhöht. Zum Ausschluss einer Tuberkulose ist ein Tuberkulintest erforderlich (25.18.9).
Komplikationen
Hauptkomplikationen bei Pneumonie sind respiratorische Insuffizienz und ARDS (akutes Lungenversagen 12.12.5), eitrige Einschmelzung von Lungengewebe (Lungenabszess), Pleuraerguss und Pleuraempyem (eitriger Pleuraerguss), Herzinsuffizienz, Kreislaufsymptome bis hin zum Schock, Thrombosen mit Thromboemboliegefahr und systemische Erregerausbreitung (z. B. mit Meningitis). Insbesondere nach (wiederholten) kindlichen oder nekrotisierenden Pneumonien können sich Bronchiektasen entwickeln, irreversible Erweiterungen von Bronchien oder deren Ästen, die Lungenbelüftungsstörungen und Infektionen begünstigen.
Schulmedizinische Therapie

Achtung

Bei Verdacht auf Pneumonie verweisen Sie den Patienten sofort an den Hausarzt. Patienten mit einer leichten Viruspneumonie werden, wenn möglich, zu Hause versorgt. Viele Patienten sind aber schwer krank und benötigen stationäre Pflege.

Grundlage der Behandlung infektiöser Pneumonien ist die antiinfektiöse Therapie: bei bakteriellen Pneumonien Antibiotika (entsprechend dem Antibiogramm 25.5.2, Pharma-Info), bei atypischen Pneumonien durch Mykoplasmen oder Chlamydien Makrolide und bei Pilzpneumonien Antimykotika. Bei viraler Pneumonie ist nur eine symptomatische Behandlung möglich.
Hinzu treten allgemeine Maßnahmen wie hustendämpfende Medikamente (bei unstillbarem Husten ohne Auswurf), Expektoranzien zur Schleimlösung (Pharma-Info) bei produktivem Husten sowie evtl. fiebersenkende und schmerzstillende Mittel.
Prognose
Bei vorher Gesunden ist die Prognose einer bakteriellen oder viralen Pneumonie heute meist gut. Bei vorbestehenden Herz-Lungen-Erkrankungen oder Immunschwäche sind Komplikationen häufiger. Hierzu gehören respiratorische Insuffizienz (12.4.6), eitrige Einschmelzung von Lungengewebe (Lungenabszess), Pleuraerguss (12.11.2) und Pleuraempyem (eitriger Pleuraerguss), Herzinsuffizienz (10.7), Kreislaufsymptome bis hin zum Schock, Thrombosen (Blutgerinnsel) mit Thromboemboliegefahr (11.7.3) und systemische Erregerausbreitung (z. B. mit Hirnhautentzündung). Bei entsprechenden Risikofaktoren, z. B. langjährigem Rauchen, ist eine Pneumonie jedoch mitunter erstes Zeichen eines Bronchialkarzinoms.

Pharma-Info: Expektoranzien

Expektoranzien: chemisch uneinheitliche Gruppe von ExpektoranzienMedikamenten mit folgenden Eigenschaften:

  • fördern Pharma-Info:Expektoranziendie Bronchialsekretion

  • verflüssigen den bereits gebildeten Schleim (Mukolytika, Sekretolytika)

  • fördern den Abtransport des Sekrets (MukolytikaSekretomotorika)

Wichtig bei der Einnahme ist, Sekretolytikadass der Patient ausreichend (2–3 l tgl.) trinkt. Vorsicht allerdings bei Herzinsuffizienz!

Bis heute gibt es keinen Sekretomotorikawissenschaftlichen Beweis, dass Expektoranzien tatsächlich wirken. Patienten sollten immer auch aufgeklärt werden, dass Husten ein wichtiger Schutzreflex des Körpers ist und sich selbst bei einer banalen Erkältung über Wochen hinziehen kann.

  • Für Inhalationen werden neben Acetylcystein, Ambroxol und Bromhexin v. a. auch Tyloxapol (Tacholiquin®) und Inhalationslösungen ätherischer Öle eingesetzt. Auch Kochsalzlösung ist Expektoranzien:Inhalationenzur Inhalation geeignet. Allerdings kann durch Inhalation gelegentlich akut ein Bronchospasmus ausgelöst werden.

  • Bei der oralen Gabe von Expektoranzien können Magen-Darm-Beschwerden (v. a. Übelkeit) auftreten. Präparate, die in Flüssigkeit aufgelöst werden müssen, haben sich bei den Patienten als vorteilhaft Expektoranzien:orale Verordnungerwiesen, die sonst nicht genug trinken.

  • Expektoranzien sollten nicht mit hustenstillenden Mitteln kombiniert werden – das Abhusten des Sputums kann nur durch einen ungestörten Hustenreflex funktionieren.

  • Häufig verwendet werden Salben und Gele zum Auftragen auf die Haut, die hauptsächlich ätherische Öle wie etwa Eukalyptus-, Anis- oder Pfefferminzöl enthalten (z. B. Pinimenthol®, Transpulmin®, Wick Expektoranzien:SalbenVapoRub®). Ihre Wirkung erklärt sich durch die Inhalation und z. T. auch die perkutane Resorption der wirksamen Substanzen. Gelegentlich werden Hautreizungen beobachtet. Säuglinge und Kleinkinder sollten nur für diese Altersgruppe zugelassene Präparate verordnet bekommen – diese dürfen wegen der Gefahr des Atemstillstands z. B. kein Campher oder Menthol enthalten. Viele Apotheken stellen für Kleinkinder unbedenkliche Salben auf Basis von Myrrhe oder Thymianextrakten her, und auch das auf die Kleidung aufzubringende Babix Inhalat® N ist eine gute Alternative.

Chronische Bronchitis und chronisch-obstruktive Lungenerkrankung

Chronische Bronchitis: Husten und Auswurf bestehen an den meisten Tagen von je mindestens drei Monaten in zwei aufeinanderfolgenden Jahren (WHO-Definition). Die chronische Bronchitis tritt in verschiedenen Formen und Schweregraden auf (Tab. 12.5).

Einfache chronische Bronchitis: lediglich durch eine Schleimhautschädigung ohne Obstruktion der Bronchien gekennzeichnet.

Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung, COPD: Im Verlauf tritt zunehmend eine bronchiale Obstruktion hinzu. Diese kann zu einer irreversiblen (unumkehrbaren) Erweiterung der kleinen Bronchien führen (obstruktives Emphysem, „Lungenemphysem“ Tab. 12.5, Tab. 12.7).

Die chronische Bronchitis mit ihren verschiedenen Formen und Schweregraden ist zum einen die häufigste chronische Lungenerkrankung und zum anderen auch die Bronchitis:chronischehäufigste Ursache chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD)der respiratorischen Insuffizienz. Etwa 20 % aller Männer erkranken, das Geschlechterverhältnis beträgt 3 (COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung)Männer) : 1 (Frauen).
Hauptrisikofaktor für alle diese Formen ist das Rauchen.

Merke

Die einfache chronische Bronchitis hat eine gute Prognose falls es gelingt mit dem Rauchen aufzuhören. Bei starker Obstruktion allerdings überleben nur ⅓ der Patienten länger als 5 Jahre.

Krankheitsentstehung
Der chronischen Bronchitis liegt bei der Mehrzahl der Patienten langjähriges, regelmäßiges (Zigaretten-)Rauchen zugrunde. Jeder zweite Raucher über 40 Jahre hat eine chronische Bronchitis, etwa 80–90 % der Patienten mit chronischer Bronchitis sind oder waren Raucher.
In ca. 20 % spielen weitere Faktoren eine Rolle, insbesondere Feinstaubbelastung in der Umwelt und am Arbeitsplatz (z. B. Bergbau), eventuell unterstützt durch genetische Faktoren und die zunehmende Lebenserwartung.
Eine chronische Bronchitis kann aber auch im Rahmen anderer Grunderkrankungen auftreten, man spricht dann von einer sekundären chronischen Bronchitis, z. B. bei Lungenfibrose (12.11.1) oder Antikörpermangelsyndromen (22.7). Sie kann sich ferner infolge einer Herzerkrankung (Stauungsbronchitis), Tracheobronchitis oder infolge einer Infektionskrankheit entwickeln.
Symptome
Typischerweise hat der Patient zunächst jahrelang kaum Beschwerden. Der (morgendliche) Husten mit schleimig-weißem Auswurf wird von den meisten Patienten nicht ernst genommen („Raucherhusten“). Im weiteren Verlauf (Abb. 12.34) leidet der Patient oft an Belastungsdyspnoe und es entwickeln sich v. a. im Herbst und Winter immer häufiger infektbedingte Verschlimmerungen (Exazerbationen) durch die bakterielle Besiedlung des vorgeschädigten Gewebes.
Im Endstadium der Erkrankung kommen Sauerstoffmangel und eine Kohlendioxidanreicherung hinzu, die sich durch Zittern und Bewusstseinsveränderung zeigt. Außerdem entwickelt sich aufgrund der Erhöhung des Lungengefäßwiderstands eine Rechtsherzbelastung und später eine Rechtsherzinsuffizienz (Cor pulmonale 10.7.4).
Diagnostik
Anamnestisch ist besonders wichtig zu wissen, ob der Patient raucht oder geraucht hat. Zudem sind zu erfragen: Dauer der Beschwerden, Schadstoffexposition im Beruf und evtl. bestehende Lungenerkrankungen.
Bei der körperlichen Untersuchung (12.3.2) zeigt sich oft ein Fassthorax. Der Klopfschall über der Lunge ist hypersonor. Die Lungengrenzen sind kaum verschieblich. Bei der Auskultation sind Giemen und Brummen als Ausdruck der Obstruktion hörbar (Zeichen des Emphysems 12.7). Evt. bestehen bereist Zeichen einer respiratorischen Insuffizienz: eine erhöhte Atemfrequenz, Atemnot und Zyanose, Trommelschlägelfinger, Uhrglasnägel.
Die Einschätzung des Schweregrads erfolgt anhand des klinischen Bilds, einer Lungenfunktionsprüfung sowie durch eine Röntgenaufnahme des Thorax. Bei Exazerbationen BSG, Blutbild, mikrobiologische und zytologische Sputumdiagnostik; bei schwerer Erkrankung BGA.

Achtung

Die Diagnose chronische Bronchitis ist eine Ausschlussdiagnose, d. h. sie darf erst gestellt werden, wenn andere Erkrankungen, v. a. das Bronchialkarzinom (12.9.2) ausgeschlossen sind. Die chronische Bronchitis ist die häufigste Fehldiagnose des Bronchialkarzinoms.

Schulmedizinische Therapie

Wichtigste Maßnahme in der Behandlung der chronischen Bronchitis ist die absolute Nikotinkarenz!

Für die medikamentöse Therapie gibt es heute einen etablierten Stufenplan (Tab. 12.6). Die eingesetzten Substanzen entsprechen im Wesentlichen denen der Asthmatherapie und werden dort ausführlich dargestellt. Atemwegsinfekte werden stets konsequent antibiotisch behandelt.

Lungenemphysem

Lungenemphysem (griech. emphysan = hineinblasen): Überdehnung des Lungengewebes mit unwiderruflicher Zerstörung von Alveolen und Alveolarsepten (lat. septum = Scheidewand). Dadurch Bildung immer größerer Emphysemblasen, Vergrößerung des Atemtotraums und Verminderung der Gasaustauschfläche. Unheilbares Endstadium der Erkrankung ist die respiratorische (Global-)Insuffizienz (12.4.6).

Krankheitsentstehung
Meist liegt dem Lungenemphysem eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung nach langjährigem Rauchen zugrunde (Abb. 12.35). Ein erblicher Enzymmangel (α1-Antitrypsin-Mangel), der ebenfalls zum Abbau des Lungengewebes führt, kann bei jungen Patienten ohne LungenemphysemRisikofaktoren Ursache sein. Beides führt zu einem Enzymungleichgewicht in der Lunge mit Überwiegen der Proteasen, welche die elastischen Fasern des Lungengewebes abbauen, sodass die Lunge irreversibel überdehnt wird. Gasaustauschfläche wie auch Lungengefäße sind verringert. Es kommt zu einer Druckerhöhung im Lungenkreislauf und infolgedessen zu einem chronischen Cor pulmonale (12.10.2).
Bei alten Menschen verliert das Lungengewebe seine Elastizität, und es entsteht ein sozusagen physiologisches Altersemphysem.
Symptome
Patienten mit einem Lungenemphysem haben chronische Atemnot, die bei Belastung rasch zunimmt. Manche zeigen eine Zyanose (10.4.4). Hinzu treten können die weiteren Symptome einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung.
In den medizinischen Lehrbüchern werden zwei Gruppen von Lungenemphysematikern unterschieden, für die die anschaulichen Begriffe „Blue Bloater“ („blauer Bläser“) und „Pink Puffer“ („rosa Schnaufer“) geprägt wurden:
  • Der „Blue Bloater“ ist im typischen Falle eher übergewichtig (Abb. 12.36a). Husten und Auswurf stehen im Vordergrund. Die Laboruntersuchungen zeigen eine Hypoxämie (12.3.3), Hyperkapnie (12.3.3) und Polyglobulie (20.4.2). Trotzdem besteht kaum Atemnot.

  • Der „Pink Puffer“ ist dagegen ein anlagemäßig hagerer Typ (Abb. 12.36b). Er wird von starker Blue BloaterAtemnot gequält. Der Sauerstoffgehalt des Blutes ist nur leicht erniedrigt. Bronchitische Beschwerden bestehen kaum.

In der Praxis überwiegen jedoch Mischformen.
Diagnostik
Bei der körperlichen Untersuchung des Emphysematikers fällt bereits bei der Inspektion ein Pink PufferFassthorax auf. Die Rippen stehen fast horizontal, d. h. der Brustkorb des Patienten verharrt ständig in Inspirationsstellung. Bei der Perkussion ist der Klopfschall durch den vermehrten Luftgehalt hypersonor. Die Lungengrenzen sind kaum mehr verschieblich (2–4 cm im Vergleich zu ca. 4–6 cm beim Gesunden). Atem- und Herzgeräusche sind bei der Auskultation nur ganz leise hörbar. Im Spätstadium der Erkrankung bestehen zusätzlich Zeichen einer Rechtsherzinsuffizienz (10.7.1); Trommelschlägelfinger oder Uhrglasnägel können auftreten.
Die Diagnosestellung ist anhand des klinischen Bilds möglich. Röntgen des Thorax, Lungenfunktionsprüfung und Blutuntersuchungen sind zur Einschätzung der respiratorischen Situation und zum Ausschluss einer Pneumonie erforderlich. Das EKG zeigt in Spätstadien die Zeichen der Rechtsherzhypertrophie. Bei jüngeren Patienten ist zur Ursachenklärung die α1-Antitrypsin-Bestimmung im Blut angezeigt.
Schulmedizinische Therapie
Eine Wiederherstellung der zerstörten Strukturen ist nicht möglich. Entscheidend ist also, das Fortschreiten der Emphysemerkrankung aufzuhalten. Schlüsselmaßnahme ist absolutes Rauchverbot, an das sich aber viele Patienten trotz erheblicher Beschwerden nicht halten.

Fallbeispiel „Lungenemphysem“

Ein 75 Jahre alter Rentner kommt in die Praxis, weil er eine „Sauerstoffkur“ machen will. Sein Nachbar, der die Kur vor einigen Monaten gemacht habe, habe ihm dies empfohlen. Er selbst leide seit etwa sechs Monaten zunehmend unter Atemnot. Auch fühle er sich längst nicht mehr so leistungsfähig wie noch vor einem Jahr. Der Patient ist normalgewichtig. Die Anamnese ergibt, dass er bis vor zehn Jahren starker Raucher war, jedoch nach einem leichten Herzinfarkt das Rauchen aufgegeben hat. Damals habe er auch begonnen, täglich eine Dreiviertelstunde spazierenzugehen. Seine Frau messe ihm einmal in der Woche den Blutdruck; der Wert sei meist „im grünen Bereich“. Der Patient ist offensichtlich sehr stolz darauf, eine gesunde Lebensweise zu pflegen und seit etwa acht Jahren nicht mehr beim Arzt gewesen zu sein. „Das einzige, was sich nicht gebessert hat, ist meine chronische Bronchitis. Die habe ich schon seit etwa 25 Jahren.“ Der morgendliche Auswurf sei weder eitrig noch blutig noch schaumig. Auch Nachtschweiß oder eine ungewollte Gewichtsabnahme habe er nicht festgestellt. Der Patient ist nicht zyanotisch, atmet jedoch rasch (27 Atemzüge/Min.). Die gründliche körperliche Untersuchung zeigt folgende Befunde: RR 150/90, Puls 95 Schläge/Min., gewölbter und starrer Brustkorb, perkutorisch tiefstehende Lungengrenzen mit geringer Atemverschieblichkeit, hypersonorer Klopfschall, sehr leises Atemgeräusch, schlecht wahrnehmbare Herztöne ohne erkennbare pathologische Zeichen. Die Untersuchungen mit dem Kleinspirometer und dem Peak-flow-Gerät ergeben eine deutlich eingeschränkte Lungenfunktion. Hals- und Unterzungenvenen sind leicht gestaut, Beinödeme oder eine Leberschwellung als Zeichen einer Stauung liegen nicht vor. Es besteht der Verdacht auf ein Lungenemphysem aufgrund einer chronisch-obstruktiven Bronchitis. Die Heilpraktikerin bittet den Patienten, doch unbedingt wieder seinen Hausarzt aufzusuchen. Sie empfiehlt ihm dringend, ein EKG durchführen zu lassen, damit eine evtl. Rechtsherzinsuffizienz rechtzeitig erkannt und behandelt werden kann. Weiterhin könne mittels BB eine Polyglobulie ausgeschlossen oder bestätigt werden. Der Hausarzt könne dem Patienten eine hoch dosierte Sauerstofftherapie verordnen, deren Kosten von der Krankenkasse getragen würden. Sie ermuntert den Patienten, unbedingt an seinen Spaziergängen festzuhalten, jedoch dabei die „dosierte Lippenbremse“ einzusetzen. Dann erklärt sie ihm das Warum und Wie. Ferner verordnet sie ihm ein abwehrstärkendes Phytotherapeutikum, um weiteren Bronchitiden möglichst vorzubeugen, und schlägt eine Eigenbluttherapie zur Umstimmung und Vitalisierung vor.

Wichtig ist es auch, dass die Patienten Techniken erlernen, die ihnen unter Belastung das Atmen erleichtern. Dazu gehören die dosierte Lippenbremse (Abb. 12.43) und ein gezieltes Ausdauertraining. Die medikamentöse antiobstruktive Therapie entspricht im Wesentlichen der beim Asthma bronchiale (12.8). Die häufigen bakteriellen Atemwegsinfekte werden antibiotisch behandelt.
Bei einer Rechtsherzinsuffizienz sind Diuretika (16.4.10, Pharma-Info) angezeigt, bei einer Polyglobulie (20.4.2) wiederholte Aderlässe. Häufig verbessert eine Sauerstoff-Langzeittherapie über 18 Std. tgl. das Befinden des Patienten erheblich (Achtung: muss unbedingt in der Klinik eingestellt werden 12.2.13).
Wichtige Hinweise für den Patienten
  • Sprechübungen mit gezielten Sprechpausen machen die Atmung effektiver.

  • Bei körperlicher Belastung (z. B. langsamem Gehen) soll der Patient tief einatmen und beim Ausatmen die dosierte Lippenbremse einsetzen.

  • Als gezieltes Ausdauertraining sind Gehen in der Ebene und Treppensteigen empfehlenswert. Beim Gehen in der Ebene soll der Patient das Tempo herausfinden, bei dem noch keine Atemnot auftritt, und dann das Tempo unter Einsatz der dosierten Lippenbremse steigern. Zwischendurch soll er immer wieder kurze Pausen einlegen. Beim Treppensteigen soll der Patient bereits ab der ersten Stufe die dosierte Lippenbremse anwenden und bei Atemerschwerung eine Pause einlegen. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien muss Treppensteigen aber auf das Nötigste beschränkt werden.

Prognose
Beim normalen Altersemphysem entwickelt sich die Erkrankung so langsam, dass damit die Lebenserwartung des Patienten kaum eingeschränkt ist. Dagegen schreiten die übrigen Formen der Erkrankung i. d. R. immer weiter fort.
Endstadium des Lungenemphysems ist die respiratorische Globalinsuffizienz, eine schwere Form der respiratorischen Insuffizienz, die mit Hypoxie und Hyperkapnie einhergeht. Die Globalinsuffizienz führt letztendlich zum Tod.

Asthma bronchiale

Asthma bronchiale (Bronchialasthma, oft kurz Asthma, griech.: Atemnot): entzündliche Erkrankung der Atemwege, die durch Überempfindlichkeit des Bronchialsystems und reversible Atemwegsobstruktionen gekennzeichnet ist. Leitsymptom sind Atemnotanfälle. Betrifft ca. 3–6 % der Erwachsenen und 5–10 % der Kinder.

Status asthmaticus: schwerste Ausprägung eines Asthma bronchiale, bei der ein Asthmaanfall 6–12 Std. dauert.

Krankheitsentstehung
Es werden zwei Hauptformen des Asthma bronchiale unterschieden:
  • Beim exogen-allergischen Asthma („Extrinsic“-Asthma) handelt es sich um eine allergische Typ-I-Reaktion, z. B. gegen Hausstaubmilben, Asthma bronchialeBlütenpollen, Mehlstaub, Nahrungsmittel (etwa Nüsse) Status asthmaticusoder Tierhaare. Diese Form des Asthmas ist dem atopischen Formenkreis zuzurechnen (22.6.3). Oft gibt es in der Eigen- oder Familienanamnese weitere atopischeExtrinsic-Asthma Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Neurodermitis.

  • Beim häufigeren Asthma bronchiale:exogen-allergischesnichtallergischen Asthma („Intrinsic“-Asthma, Infektasthma) lösen Infekte, körperliche Anstrengung, kalte Luft, psychische Faktoren (z. B. Stress) oder die Inhalation atemwegreizender Substanzen die Anfälle aus.

  • Mischformen sind häufig.

Die Pathogenese und Pathophysiologie des Asthma bronchiale zeigt Abb. 12.37.
Symptome
Leitsymptom Intrinsic-Asthmades Asthma bronchiale ist die plötzliche Atemnot mit typisch erschwerter und Asthma bronchiale:nicht allergischesverlängerter Ausatmung. Meist kann man mit bloßem Ohr Giemen und Pfeifen hören. Oft hat der Patient v. a. zu Beginn eines Anfalls auch Husten. Er wird im Extremfall von Erstickungs- und Todesangst gequält. Am Ende des Anfalls hustet der Patient häufig zähen, glasigen Schleim aus. Fast alle Patienten nehmen im Anfall eine „Asthmatikerstellung“ ein, d. h., sie sitzen aufrecht mit vornübergeneigtem Oberkörper und sprechen nur ganz leise nach der Ausatmung.
Alarmsymptome sind der Gebrauch der Atemhilfsmuskulatur (Abb. 12.38), eine verlangsamte, unregelmäßige Atmung, Atemholen nach nur wenigen Worten, ein vermindertes Atemgeräusch oder eine Zyanose (bläulich-rote Verfärbung z. B. der Lippen, AsthmatikerstellungFinger- und Nasenspitze). Oft hat der Patient auch einen paradoxen Puls (Pulsus paradoxus 11.3.2), d. h., der systolische Blutdruck ist bei der Einatmung mehr als 10 mmHg niedriger als bei der Ausatmung.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Zur Differenzierung des Asthmas dienen folgende Fragen zur Vorgeschichte des Patienten:
  • Besteht eine familiäre Krankheitshäufung? Leiden Sie oder ein Mitglied Ihrer Familie unter Puls:paradoxerHeuschnupfen oder Neurodermitis, oder hatten Sie als Säugling Milchschorf? Sind andere Allergien bekannt?

  • Konnten Sie irgendwelche Auslöser feststellen? Treten die Beschwerden z. B. zu bestimmten Jahreszeiten oder während der Arbeit gehäuft auf?

  • Wie ist Ihre häusliche Umgebung? (Fragen Sie z. B. nach Federbetten, Teppichboden, feuchten Wänden oder Haustieren.)

  • Hatten Sie einen Infekt?

  • Wie ist die soziale Situation? (Bestehen z. B. aktuell Probleme in der Partnerschaft oder im Beruf?)

  • Welche Medikamente haben Sie in letzter Zeit eingenommen?

Merke

Folgende Medikamente können Asthma auslösen: Betablocker, ASS, NSAR, Metamizol.

Die körperliche Untersuchung im anfallsfreien Intervall ist oft unauffällig. Während des Anfalls finden Sie bei der:
  • Inspektion oft einen ängstlichen Gesichtsausdruck, eine erschwerte Atmung und einen überblähten Brustkorb

  • Perkussion einen hypersonoren Klopfschall und eine verminderte Atemverschieblichkeit der Lungengrenzen

  • Auskultation eine verlängerte Ausatmung und einen beschleunigten Herzschlag, bei stärkerer Asthma bronchiale:AuskultationObstruktion auch Giemen und andere trockene Rasselgeräusche (Brummen)

Achtung

Lebensgefahr besteht bei verminderter Ansprechbarkeit, vermindertem Atemgeräusch, Pulsus paradoxus, allgemeiner Erschöpfung sowie bei Abfall der Herzfrequenz, z. B. im Status asthmaticus.

  • Notarzt benachrichtigen.

  • Patienten sicher mit erhöhtem Oberkörper lagern; ggf. je nach Situation Asthmatikerstellung beibehalten lassen.

  • Beengende Kleidungsstücke lösen.

  • Sicheren, großlumigen venösen Zugang legen und mit geringer Tropfzahl offenhalten.

  • Beruhigend auf den Patienten einwirken.

  • Kontinuierliche Kontrolle von Bewusstsein, Blutdruck und Puls.

Bei bekanntem Asthma bronchiale Asthma bronchiale:Perkussionist die Diagnose eines Asthmaanfalls i. d. R. offensichtlich. Um die Ursache zu klären und die Gefahr für den Patienten einzuschätzen, sind Asthma bronchiale:Auskultationweitere Untersuchungen erforderlich: Röntgenaufnahme des Thorax, Lungenfunktionsprüfung, EKG und Labor; bei Erstmanifestation Allergietestung im anfallsfreien Puls:paradoxerIntervall (22.6.4, 22.6.5).
Besonders wenn bei dem Patienten bisher kein Asthma bronchiale bekannt war, muss auch an ein Lungenödem (10.7.3), eine Lungenembolie (12.10.1), eine Fremdkörperaspiration oder an ein Hyperventilationssyndrom (12.4.6) gedacht werden.
Schulmedizinische Therapie

Achtung

Bei akutem Asthmaanfall verweisen Sie den Patienten an seinen Hausarzt, bei schwerem Asthmaanfall benachrichtigen Sie den Notarzt.

Die Asthmabehandlung umfasst medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen sowohl für den akuten Anfall als auch für die Dauerbehandlung.
Bei seltenen Anfällen reicht die Inhalation von β2-Sympathomimetika oder Anticholinergika im Anfall aus, die der Patient als Bedarfsmedikation erhält und stets bei sich führen sollte. Beide werden auch als Erleichterungsmedikamente oder Reliever bezeichnet, da sie im Anfall die Beschwerden vermindern (to relieve = erleichtern).

Fallbeispiel „Asthma bronchiale“

Eine 37 Jahre alte, übergewichtige Programmiererin, die mit naturheilkundlicher Begleitung eine Gewichtsreduktion begonnen hatte, erzählt in der Sprechstunde, sie habe am Vorabend ein Erlebnis gehabt, das sie als sehr bedrohlich empfand. „Bei meinem letzten Besuch hatten Sie mir ja empfohlen, mich mehr zu bewegen. Da bin ich mit meiner Freundin ins Fitnessstudio gegangen und habe dort ein Step-Aerobic-Training mitgemacht. Vielleicht habe ich da übertrieben – schließlich habe ich jahrelang keinen Sport gemacht – jedenfalls bekam ich nach etwa einer Viertelstunde plötzlich kaum noch Luft. Zuerst musste ich ein paarmal husten, und dann habe ich nur noch gejapst und gekeucht. Sie glauben es vielleicht nicht, aber ich hatte wirklich Angst zu ersticken!“ Der Anfall habe etwa 20 Min. gedauert, dann sei es an der frischen Luft langsam besser geworden. Die Atemgeräusche während des Anfalls beschreibt die Patientin als „pfeifend und quiekend“. Besonders das Ausatmen sei ihr schwergefallen. Der Karteikarte ist zu entnehmen, dass die vorausgegangene körperliche Untersuchung der Patientin keine Auffälligkeiten ergeben hatte. An diesem Tag sind bei der gründlichen Untersuchung ebenfalls keine pathologischen Befunde feststellbar. Auch die sorgfältige Auskultation und Perkussion der Lunge und die Tests mit dem Kleinspirometer und dem Peak-Flow-Gerät zeigen keine krankhaften Veränderungen. Die Anamnese gibt keine Hinweise auf Allergien. Potenziell asthmaauslösende Medikamente nimmt die Patientin nicht ein, und ein seelischer Auslöser scheidet aus. „Ich vermute, Sie hatten gestern einen Asthmaanfall“, erklärt der Heilpraktiker. „Sie sollten unbedingt zu Ihrem Hausarzt und ggf. zum Lungenfacharzt gehen. Dort können Allergie- und Lungenfunktionstests durchgeführt werden. Vermeiden Sie vorerst extreme körperliche Belastungen.“ Die schulmedizinischen Untersuchungen bestätigen den Verdacht des Heilpraktikers. Die Patientin bekommt von ihrem Hausarzt ein Dosieraerosol als Bedarfsmedikation verordnet.

Behandlung eines Asthmaanfalles
Der Notarzt wird die inhalative antiobstruktive Therapie intensivieren, Sauerstoff verabreichen und evtl. zusätzlich ein β2-Sympathomimetikum und evtl. Glukokortikoide (19.8.1, Pharma-Info) injizieren. Im Extremfall kann die Beatmung erforderlich werden. Im akuten Anfall gilt es, bis zum Eintreffen des Arztes durch ruhigen und einfühlsamen Umgang die Angst des Patienten zu mindern, da Angst die AsthmaanfallAtemnot verstärkt.
Langzeittherapie
Treten nur sehr selten Anfälle auf, ist eine Dauermedikation nicht notwendig. Im Bedarfsfall reicht die Inhalation von β2-Sympathomimetika aus. Die meisten Patienten benötigen jedoch eine antiobstruktive Dauertherapie. Diese besteht aus vier Stufen. Je nach Schweregrad der Erkrankung werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt: kurz und lang wirksame β2-Sympathomimetika sowie Glukokortikoide zur Inhalation, Cromoglicinsäure, Leukotrien-Hemmer und Theophyllin. Inhalierbare Glukokortikoide werden wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung heutzutage bevorzugt eingesetzt. Häufigste Nebenwirkungen sind hierbei der Candida-Befall (25.11.11) des Mund-Rachen-Raums sowie Heiserkeit. Zur Inhalation werden Dosieraerosole verwendet, die das Medikament wie einen feinen Nebel verteilen.

Pharma-Info: Bronchospasmolytika

Bronchospasmolytika

Dies sind Substanzen, die eine Erschlaffung Bronchospasmolytikader Bronchialmuskulatur bewirken und so die verengten Pharma-Info:BronchospasmolytikaAtemwege erweitern; sie werden bei chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen. Asthma bronchiale oder bei allergischen Reaktionen mit Bronchospasmus eingesetzt. Hauptvertreter sind β2-Sympathomimetika, Parasympatholytika und Theophylline.

β2-Sympathomimetika

Dies sind Substanzen, die die Wirkung des Sympathikus nachahmen. An der Oberfläche spezieller Muskelzellen empfangen α-, β1- und β2-Rezeptoren die <03B2>2-Sympathomimetikaerregenden bzw. hemmenden Impulse des Sympathikus. Während am Herzen die β1-Rezeptoren überwiegen, die einen Pulsanstieg sowie eine Erhöhung der Kontraktionskraft bewirken, sind an den Bronchien in erster Linie β2-Rezeptoren zu finden. Ihre Erregung führt zu einer Erschlaffung der Bronchialmuskulatur und so zu einer Erweiterung der Atemwege.
Die in der Lungenheilkunde verwendeten β2-Sympathomimetika wirken immer auch auf das Herz, was zu einer Steigerung der Herzfrequenz, Herzklopfen, Rhythmusstörungen, Angina pectoris und Blutdruckkrisen führen kann. Weitere Nebenwirkungen sind Unruhe, Zittern und Kopfschmerzen. Deshalb werden β2-Sympathomimetika bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen, koronarer Herzkrankheit, Bluthochdruck oder Hyperthyreose nur unter sorgfältiger Kontrolle eingesetzt.
Wichtigste Darreichungsformen sind Dosieraerosole und Trockenpulverzubereitungen. β2-Sympathomimetika können aber auch als Lösung über einen Vernebler inhaliert werden. Eine orale Gabe ist teilweise möglich, jedoch mit einer höheren Rate an Nebenwirkungen verbunden. Die Substanzen werden schnell über die Schleimhaut aufgenommen und wirken innerhalb von Sekunden. Sie sind bereits in niedriger Dosierung wirksam und dadurch relativ nebenwirkungsarm. Je nach Wirkungsdauer werden rasch oder langsam wirksame β2-Sympathomimetika unterschieden:
  • rasch wirksame β2-Sympathomimetika (RABA = rapidly acting beta2-agonists, Wirkdauer 4–6 h):

    • Salbutamol (z. B. Sultanol®)

    • Fenoterol (Berotec®, Partusisten®)

    • <03B2>2-Sympathomimetika:rasch wirksame (RABA)Reproterol (Bronchospasmin®)

    • Terbutalin (z. B. Bricanyl®)

  • lang wirksame β2-Sympathomimetika (LABA = long acting beta2-agonists, Wirkdauer bis 12 h):

    • Formoterol (z. B. Oxis Turbohaler®)

    • Salmeterol (z. B. Serevent Dosieraerosol®)

Parasympatholytika

<03B2>2-Sympathomimetika:lang wirksame (LABA)Parasympatholytika (Anticholinergika) sind Atropinabkömmlinge, die über eine Hemmung des Parasympathikus die Bronchien erweitern, z. B. Ipratropium (Atrovent®) Parasympatholytikaoder Oxitropium; als lang wirksames Parasympatholytikum steht Tiotropium (AnticholinergikaSpiriva®) zur Verfügung. Da die Parasympatholytika insgesamt weniger wirksam sind als β2-Sympathomimetika und auch von den kardiovaskulären Nebenwirkungen her keine Vorteile bringen, werden sie heute eher selten eingesetzt. Hauptnebenwirkungen sind eine Tachykardie, Mundtrockenheit sowie (selten) ein Harnverhalt.

Theophylline

Theophyllin und Theophyllinabkömmlinge erweitern u. a. die Bronchien und Gefäße durch Erschlaffung der glatten Muskulatur, senken den Lungengefäßwiderstand und steigern den TheophyllineAtemantrieb. Häufige Nebenwirkungen sind Herz- und Magen-Darm-Beschwerden sowie Symptome des ZNS wie Unruhe, zerebrale Krampfanfälle, Kopfschmerz und Muskelzittern. Wegen der teils erheblichen Nebenwirkungen und der schwierigen Einstellung auf die richtige Dosis ist Theophyllin allenfalls eine Reserveoption.
2011 wurde in Europa ein neuer, ähnlich wie Theophyllin wirkender Phosphodiesterasehemmer 4 zugelassen, das Roflumilast. Diese Substanz wirkt wie das Theophyllin antientzündlich. Möglicherweise können bestimmte Patienten bei COPD von dieser Therapie profitieren, dies ist jedoch nicht gesichert.
Bei allergischem Asthma ist die wichtigste Maßnahme im anfallsfreien Intervall, dass der Patient die auslösenden Stoffe meidet. Dies ist aber nicht immer möglich (z. B. bei Pollen). Insbesondere bei jüngeren Patienten mit einer Allergie gegen eine einzelne Substanz kann eine Hyposensibilisierung erfolgversprechend sein. Eine Asthmaschulung ist immer empfehlenswert (s. u.).
Besonders bei Patienten mit nichtallergischem Asthma spielen auch psychosoziale Faktoren als Anfallsauslöser eine Rolle. Dann können stützende psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen hilfreich sein.

Merke

Die Patienten müssen wissen, dass sie bei Schmerzen oder Fieber kein ASS (z. B. Aspirin®) einnehmen dürfen, da dies Asthmaanfälle provozieren kann. Will der Patient nicht auf Schmerzmittel verzichten, empfiehlt sich das ebenfalls rezeptfrei erhältliche Paracetamol (z. B. ben-u-ron®).

Naturheilkundliche Therapie bei Asthma bronchiale

Handbuch für die naturheilkundliche Therapie:Asthma bronchialeNaturheilpraxis5.3.1

Mit einer naturheilkundlichen Behandlung lassen sich die Asthma bronchiale:naturheilkundliche TherapieBeschwerden in den meisten Fällen deutlich bessern und somit die Menge an schulmedizinischen Medikamenten vermindern.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Maßnahmen wie Aderlass oder blutiges Schröpfen sind bei Patienten geeignet, die sich in einem Fülle-Zustand befinden. Bei energetisch geschwächten Patienten hingegen ist als tonisierende Maßnahme trockenes Schröpfen vorzuziehen. Beziehen Sie beim Schröpfen den Akupunkturpunkt Bl 12, in Höhe von BWK 3, in die Behandlung mit ein, da dieser auch als „Tor des Windes“ bezeichnete Akupunkturpunkt die Lungenfunktion harmonisiert.
Sind durch das Schröpfen keine positiven Änderungen erzielt worden, kann durch Baunscheidtieren des oberen Rückens oft ein ausgeprägterer Reiz gesetzt werden. Eine Baunscheidt-Kur mit ansteigender Behandlungsfläche (Abb. 12.39) wirkt ebenfalls sehr gut.

Bach-Blütentherapie

Bei einem akuten Anfall sind Rescue-Tropfen als unterstützende Maßnahme hilfreich (Abb. 12.40).
Achtung:Rescue-Tropfen sind keine ausreichende Notfallmedikation!

Eigenbluttherapie

Wirkungsvoll ist die Injektion homöopathischer Mittel wie Cuprum aceticum oder Acidum formicicum (z. B. zur Umstimmung bei allergischer Diathese) mit Eigenblut. Alternativ kann bei sensiblen Patienten oder Kindern potenziertes Eigenblut, das von einem autorisierten Hersteller angefertigt wurde, eingesetzt werden.

Ernährungstherapie

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hält die Schleimhäute feucht und wirkt abwehrsteigernd. Raten Sie dem Patienten, täglich mindestens zwei Liter an Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Milchgetränke sind zu meiden, da sie verschleimend wirken.
Bei allergischer Diathese sind Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z. B. von Getreide, Milch, Milcheiweiß, Eiern, Schalentieren, Zitrusfrüchten) häufig. Sie sollten bei entsprechendem Verdacht vom Speiseplan gestrichen werden. Als Therapieeinstieg und zur Umstimmung hat sich für einige Tage Heilfasten bewährt.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Da Asthma stark psychisch beeinflusst ist, können zahlreiche Konstitutionsmittel angezeigt sein, z. B. Argentum nitricum, Arsenicum album, Bryonia, Calcium carbonicum, Causticum, Ignatia, Kalium bichromicum, Kalium carbonicum, Kalium sulfuricum, Lycopodium, Medorrhinum, Natrium muriaticum, Nux vomica, Phosphorus, Pulsatilla, Psorinum, Silicea. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. A-Bomin) eingesetzt, enthalten diese häufig Ammi visnaga (bewährtes Mittel bei Asthma bronchiale und spastischer Bronchitis, wirkt auf die glatte Gefäßmuskulatur), Lobelia (bei Atemnot durch Anstrengung, nächtlichen Anfällen, starken Ängsten), Arsenicum album (bei großer Unruhe und Angst, bei asthenischen und sehr ordentlichen Patienten) oder Cuprum metallicum (bei Krampfhusten bis zum Ersticken).
Achtung:Der schwere akute Asthmaanfall ist keine Indikation für eine homöopathische Behandlung!

Mikrobiologische Therapie

Häufig ist bei Patienten mit Asthma bronchiale die Darmflora nachweislich gestört. Eine Ernährungsumstellung und mikrobiologische Therapie, je nach Stuhlbefund z. B. mit Synerga®, bewirken meist eine deutliche Besserung der Symptomatik

Neuraltherapie

Setzen Sie Quaddeln im thorakalen Raum (Abb. 12.41): Verwenden Sie hierzu ein Lokalanästhetikum und/oder eine homöopathische Injektionslösung, z. B. Allergie-Injektopas®, und quaddeln Sie sowohl ventral als auch dorsal im Verlauf der medialen Lungenränder, zusätzlich (3–4 Quaddeln) auch über dem Sternum.

Ordnungstherapie

Empfehlen Sie dem Patienten Atemtherapie, viel Bewegung an der frischen Luft, Ausdauersportarten wie Wandern oder Radfahren, die allerdings nicht über die Belastungsgrenze hinaus ausgeübt werden sollten.
Psychische Aspekte haben bei Asthma einen großen Einfluss, zum einen als Auslöser, zum anderen hinsichtlich des Gesamtverlaufs der Erkrankung. Raten Sie dem Patienten ggf. zu einer psychotherapeutischen Behandlung. Nikotinverzicht sowie – falls möglich – das Meiden von Allergenen und auslösenden Faktoren beeinflussen den Krankheitsverlauf positiv.

Physikalische Therapie

Patienten, die an Asthma leiden, sollten die dosierte Lippenbremse üben, um sich das Atmen unter Belastung zu erleichtern.
Empfehlen Sie Patienten mit chronischem Asthma vorwiegend warme Anwendungen, z. B. warme oder heiße Brustwickel. Zur Entspannung eignen sich ansteigende Armbäder (Temperatursteigerung von 35 auf 39 °C innerhalb von ca. 5 bis 10 Minuten). Intensive Warm- oder Kaltreize dürfen nur im beschwerdefreien Intervall bei stabilem Zustand gesetzt werden. Für Patienten mit allergischem Asthma haben sich Klimakuren im Gebirge oder an der See als sehr hilfreich erwiesen.

Phytotherapie

Heilpflanzen werden bei Asthma bronchiale adjuvant verwendet, u. a. Thymiankraut (Thymi herba Abb. 12.42), Efeublätter (Hederae helicis folium Abb. 12.26), Spitzwegerichkraut (Plantaginis lanceolatae herba Abb. 12.31) und Pestwurzwurzelstock (Petasitidis rhizoma Abb. 23.51). Sie wirken bronchospasmolytisch und expektorierend und werden bevorzugt als Fertigpräparate eingesetzt, z. B. Drosithym Efeu mono® oder Heumann Bronchialtee Solubifix T. Therapieziel ist die Verringerung der Asthmaanfälle. Falls spastische Beschwerden im Vordergrund stehen und kein Schleim vorhanden ist, sind Schleimdrogen, wie z. B. Malvenblätter/-blüten (Malvae folium/-flos) und Huflattichblätter (Farfarae folium) hinzuzufügen.
Bei langjährigem Verlauf können zusätzlich auch herzwirksame Pflanzen, z. B. Weißdornblätter mit -blüten (Crataegi folium cum flore Abb. 10.35), indiziert sein.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome wie z. B. Wind-Kälte-Invasion in die Lunge oder Lungen- und Milz-Qi-Mangel können Asthma bronchiale verursachen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Sputum, Begleitgeräuschen, Allgemeinsymptomen sowie nach Zungenbelag und Pulsbefund. Im akuten Anfall sind mit Akupunktur gute Erfolge zu erzielen. Durch eine Behandlung im beschwerdefreien Zeitraum kann die Anfallshäufigkeit gesenkt werden. Bei chronischem Verlauf ist eine Therapie mit Kräutern einer Akupunkturbehandlung vorzuziehen.
Im anfallsfreien Intervall muss der Patient geschult werden (Asthmaschulung).
Mittlerweile gibt es an vielen (Kur-)Kliniken Schulungskonzepte, durch die der Asthmatiker lernt, seine Lebensführung anzupassen, auslösende Faktoren zu vermei den, seine Atmung besser wahrzunehmen und einer beginnenden Atemnot mit geeigneten Atemtechniken gegenzusteuern, z. B. mit der dosierten Lippenbremse (Abb. 12.43).
Sinnvoll ist auch die Teilnahme an Selbsthilfegruppen.
Dosierte Lippenbremse
Durch die sog. Lippenbremse wird der Atemkanal verengt und damit der Druck in der Lunge bei der Ausatmung erhöht. Der Patient atmet bei geschlossenem Mund durch die Nase ein und lässt die Luft dann während der Ausatmung leicht und ohne Anstrengung langsam zwischen den locker aufeinanderliegenden Lippen ausströmen. Die Ausatmung bleibt dabei geräuschlos, v. a. soll der Patient nicht „drücken“ oder „blasen“. Diese Technik Lippenbremse, dosierteverhindert, dass die Lungenbläschen zusammenfallen, und ermöglicht ein langsames, gleichmäßiges Ausatmen. Auch einer erhöhten Atemfrequenz (Tachypnoe) wirkt sie entgegen.
Prognose
Für Patienten mit mäßig häufigen Asthmaanfällen ist die Prognose gut. Allerdings kann ein schwerer Asthmaanfall auch tödlich sein. Die Langzeitprognose hängt davon ab, ob sich – dann meist bei Zigarettenrauchern – im Verlauf Folgeerkrankungen entwickeln, z. B. ein Lungenemphysem (12.7).
Trotz wirkungsvoller Therapiemöglichkeiten und stetiger Weiterentwicklung der Medikamente ist eher eine Zunahme der Sterblichkeitsrate bei Asthma zu verzeichnen. Eine wichtige Ursache hierfür ist der unkritische Umgang mit den Dosieraerosolen durch die Patienten selbst. Jeder Patient muss wissen, dass im Asthmaanfall ein Arzt zu Rate gezogen werden sollte, wenn sich nach den ersten 3 bis 4 Sprühstößen die Atemnot nicht bessert.

Tumoren der Atemwege

Gutartige Bronchial- und Lungentumoren (8.7.1) wie z. B. Fibrome, Lipome, Neurinome oder Teratome sind selten und meist symptomlos.
Im Bereich des Kehlkopfs hingegen treten gutartige Neubildungen in Form von Polypen relativ häufig auf. Sog. Stimmlippenknötchen kommen vorwiegend bei Kindern („Schreiknötchen“) und bei starker Stimmbelastung vor („Tumor(en):BronchienSängerknötchen“).
Bösartige Bronchial- und Lungentumoren sind die häufigsten Tumoren überhaupt. Tumor(en):LungeSie werden in primäre und sekundäre (metastatische 8.7.5) Tumoren unterteilt.
Auch der Kehlkopfkrebs (Larynxkarzinom Stimmlippenknötchen12.9.1) ist ein verhältnismäßig häufiges Krankheitsbild.

Larynxkarzinom

Schreiknötchen Das Larynxkarzinom ist mit 40–50 % einer der häufigsten SängerknötchenTumoren im Kopf-Hals-Bereich. Vorwiegend betroffen sind Männer nach dem 60. Lebensjahr. Die wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung dieses Tumors sind ein langjähriger und hoher Nikotin- Kehlkopfkrebsund Alkoholkonsum (80 % der Patienten). Bemerkenswert ist, dass in den letzten Jahren – wie auch beim Bronchialkarzinom – der Anteil der weiblichen Patienten deutlich zugenommen hat.
Die Patienten klagen über Heiserkeit, Schluckstörungen, Fremdkörpergefühl, Husten (auch mit Blutbeimengung) und Schmerzen. In fortgeschrittenen Stadien können evtl. vergrößerte, derbe Lymphknoten am Hals zu tasten sein.
Bei Verdacht auf ein Kehlkopfkarzinom überweisen Sie den Patienten zu einem HNO-Arzt, der zur weiteren Diagnostik eine Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung), ein CT/MRT und ggf. eine Lymphknotenbiopsie (5.8.4) veranlassen wird. Der Tumor und die betroffenen Lymphknoten müssen operativ entfernt werden. Danach folgt i. d. R. eine kombinierte Chemo- und Strahlentherapie.

Primäres Bronchialkarzinom

Bronchialkarzinom (Lungenkarzinom, bronchogenes Karzinom): Weitaus häufigstes primäres Lungenmalignom mit Ausgang vom Bronchialepithel und häufigster bösartiger Tumor überhaupt. Altersgipfel 55–65 Jahre. Prognose insgesamt schlecht: 5-Jahres-Überlebensrate bei kurativ Behandelten ca. 25 %, bei palliativ Behandelten unter 5 %. Verantwortlich für ca. 25 % aller Krebstodesfälle!

Krankheitsentstehung und Einteilung
Eingeatmete Noxen spielen für die Entstehung der meisten Lungenkarzinome eine entscheidende Rolle. An erster Stelle steht das Rauchen. Nach langjährigem Konsum von 25 Zigaretten täglich ist das Risiko, im Vergleich zu einem Nichtraucher, auf das 25-fache erhöht. Noch sind v. a. Männer von der Erkrankung Bronchialkarzinombetroffen, doch steigt der Frauenanteil infolge zunehmenden Zigarettenkonsums.
Bedeutung kommt außerdem dem radioaktiven Radon zu; berufliche Karzinogene wie Asbest, Chrom, Toner oder Kohlenteer können ebenfalls eine Rolle spielen. Bei gleichzeitigem Rauchen potenziert sich das Risiko.
Die WHO-Klassifikation unterscheidet verschiedene histologische Typen. Wichtig für die Behandlungsstrategie ist v. a. die Differenzierung zwischen kleinzelligen und nicht kleinzelligen Karzinomen (z. B. Plattenepithelkarzinom).
Symptome

Merke

Die Erstsymptome des Bronchialkarzinoms sind in der Regel bereits Spätsymptome!

Dem Patienten fallen zunächst länger anhaltender, eher trockener Husten oder Veränderungen seines „Raucherhustens“ auf, wie z. B. vermehrtes nächtliches Husten. Auch blutiger Auswurf oder Atemnot können erste Zeichen der Erkrankung sein. Verlegt der Tumor einen Bronchus, so können sich dahinter gelegene Lungenabschnitte entzünden (Retentionspneumonie), was zu wiederholten „Atemwegsinfekten“ führt. Später kommen Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust und Leistungsknick hinzu.
Die körperlichen Untersuchungsbefunde sind je nach Tumorlokalisation und -ausdehnung sehr variabel.
Symptome invasiven Wachstums und Metastasierung
Heiserkeit durch Kompression (Quetschung) oder Infiltration (Durchdringung)
des N. laryngeus recurrens (23.2.10) oder gestaute RetentionspneumonieHalsvenen sind in der Regel Zeichen organüberschreitenden Wachstums. Eine OP ist dann nicht mehr möglich. Der Pancoast-Tumor, der in der Lungenspitze liegt, führt typischerweise zu schwer behandelbaren Thorax schmerzen. Sie entstehen durch Einwachsen des Tumors in die Bronchialkarzinom:MetastasierungThoraxwand und Nervenreizung. Manchmal klagt der Patient auch über Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Lähmungen, die Ausdruck einer bereits erfolgten Knochen- oder Gehirnmetastasierung sein können.
Paraneoplastisches Syndrom
Viele Bronchialkarzinome, v. a. die Pancoast-Tumorkleinzelligen, können ein sog. paraneoplastisches Syndrom hervorrufen. Dieser Begriff bezeichnet Erscheinungen, die in klarem Zusammenhang mit bösartigen Erkrankungen stehen, aber weder durch das Tumorwachstum selbst noch durch Metastasen erklärbar sind und dem Bronchialkarzinom:paraneoplastisches SyndromTumornachweis sogar vorangehen können. Häufig produziert der Tumor hormonähnliche Stoffe (Syndrom:paraneoplastisches, Bronchialkarzinom 8.7.6).
Diagnostik

Achtung

Verdacht auf ein Bronchialkarzinom besteht bei:

  • länger als 3–4 Wochen anhaltendem Husten

  • blutigem Auswurf

  • wiederholten Erkältungen, die auf Therapie nicht ansprechen

  • „kurzer“ Asthma- oder Bronchitisanamnese

Überweisen Sie den Patienten umgehend zum Arzt.

Fallbeispiel „Bronchialkarzinom“

Eine 59 Jahre alte Hotelfachfrau kommt in die Sprechstunde, weil sie ihren „chronischen Reizhusten nicht los wird“. Zwar leide sie schon seit Jahren unter morgendlichem Raucherhusten, doch seit etwa sechs Wochen huste sie auch tagsüber und in der Nacht. Hustenbonbons und Hustentee hätten nicht spürbar geholfen. Auf Nachfrage erklärt sie, dass sie kaum Auswurf habe, und wenn, dann sei er klar und nicht eitrig oder gar blutig. Atemwegsinfekte habe sie in letzter Zeit nicht gehabt, sie habe kein Gewicht verloren, und Nachtschweiß oder Temperaturerhöhungen habe sie nicht festgestellt. Die Patientin gibt an, dass sie bereits seit ihrem 17. Lebensjahr tgl. etwa eine Schachtel Zigaretten raucht. Ansonsten sei sie zweimal wöchentlich im Fitnesstraining, ernähre sich gesund und trinke keinen Alkohol. „Ein Laster muss der Mensch schließlich haben“, sagt sie. Die weitere Anamnese sowie die im Anschluss durchgeführte gründliche körperliche Untersuchung einschließlich sorgfältiger Lungenauskultation, -perkussion und -funktionsprüfung ergeben keine weiteren Hinweise. Der Heilpraktiker erntet einen ärgerlichen Blick, als er der Patientin dringend rät, zwecks weiterer Untersuchungen zum Arzt zu gehen. Er erklärt ihr daraufhin, dass aufgrund ihrer Anamnese unbedingt ein Bronchialkarzinom ausgeschlossen werden müsse. Die Patientin hat augenscheinlich die Möglichkeit einer bösartigen Erkrankung nie in Erwägung gezogen. Widerstrebend verspricht sie, baldmöglichst zum Arzt zu gehen. Wenige Tage später kommt sie wiederum in die Sprechstunde. Bei der Computertomografie wurde ein Karzinom in der rechten Lungenspitze festgestellt. Metastasen liegen derzeit nicht vor. In fünf Tagen soll sie operiert werden. Die Patientin ist verzweifelt, sie hat große Angst vor Schmerzen, vor Hinfälligkeit und vor dem Tod. „Und dabei wollte ich mit meinem Mann schöne Reisen unternehmen, wenn ich in Rente gehe …“ In einem langen Gespräch vereinbaren der Heilpraktiker und die Patientin folgendes Vorgehen: Die Patientin begibt sich zunächst vertrauensvoll in schulmedizinische Behandlung (OP, ggf. Strahlen- oder Chemotherapie) und macht im Anschluss eine Kur. Während dieser Zeit wird sie begleitend homöopathisch behandelt. Danach wird sie in der HP-Praxis eine naturheilkundliche Nachbehandlung sowie – falls dann noch nötig – eine Raucherentwöhnung durchführen lassen. Außerdem rät der Heilpraktiker der Patientin zum Besuch einer Selbsthilfegruppe.

Die körperlichen Untersuchungsbefunde sind in Abhängigkeit von Tumorlokalisation und Tumorausdehnung sehr variabel. Besonders sollten Sie auf vergrößerte Lymphknoten, Zeichen der oberen Einflussstauung (z. B. gestaute Halsvenen 10.4.5), Lebervergrößerung und Klopfschmerzhaftigkeit der Wirbelsäule achten. Bei vielen Patienten sind Perkussions- und Auskultationsbefund der Lunge normal.
An erster Stelle der diagnostischen Maßnahmen stehen Röntgen-Thorax-Aufnahmen (Abb. 12.44, Abb. 12.45) und das Thorax-CT. Auch die Bronchoskopie mit Biopsie bzw. mikroskopischer Beurteilung der Zellen im Bronchialsekret kann Aufschlüsse geben bzw. den Verdacht bestätigen. Für die Verlaufskontrolle kann die Bestimmung bestimmter Tumormarker (8.7.6) hilfreich sein.
Ist die Tumordiagnose gesichert, muss festgestellt werden, ob bereits Fernmetastasen vorliegen. Hierzu dienen CT von Schädel und Bauchorganen, Ultraschall, Knochenszintigramm und evtl. die bronchoskopische Feinnadelbiopsie mediastinaler Lymphknoten.
Schulmedizinische Therapie
Ob ein kurativer, d. h. auf Heilung gerichteter, Therapieansatz möglich ist, hängt von Größe und Art des Tumors ab:
  • Nicht kleinzellige Karzinome (ca. 75 % der Fälle) werden primär operativ behandelt. Nach der OP erfolgt je nach Art des Tumors oft eine Strahlen- oder Chemotherapie.

  • Kleinzellige Karzinome (ca. 25 % der Fälle) metastasieren sehr früh auf dem Blutweg, sodass zum Zeitpunkt der Diagnosestellung in aller Regel keine lokale, sondern eine generalisierte Tumorerkrankung anzunehmen ist, auch wenn zunächst noch keine Fernmetastasen nachgewiesen Bronchialkarzinom:nicht kleinzelligeswerden können. Eine kurative Zielsetzung ist also nur sehr selten möglich. Therapie der Wahl ist eine Chemotherapie.

Bei der Mehrzahl der Patienten ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose schon so Bronchialkarzinom:kleinzelligesweit fortgeschritten, dass eine kurative Therapie nicht mehr möglich ist. Und bei vielen mit kurativer Zielsetzung behandelten Patienten kommt es nach anfänglichen Therapieerfolgen zu einem Tumorrezidiv oder Metastasen. Auch dann können Laser-, Chemo- oder Strahlentherapie oft noch hilfreich sein. Der Tumor kann dadurch verkleinert werden, was meist die Lebensqualität des Patienten bessert und zu einer, wenn auch nur kurzfristigen, Lebensverlängerung führt. Dabei müssen aber immer die Nebenwirkungen der Therapie, z. B. Abgeschlagenheit, Übelkeit, Erbrechen oder Infektanfälligkeit, und die für die Chemotherapiezyklen notwendigen häufigen Krankenhausaufenthalte sorgfältig gegenüber dem Nutzen der Therapie für den Patienten abgewogen werden.
Im Spätstadium der Erkrankung sind meist umfangreiche palliative Maßnahmen erforderlich, etwa eine intensive medikamentöse Schmerzbehandlung, Hustendämpfer (Antitussiva, 12.9.3, Pharma-Info) zur Linderung des unstillbaren Hustenreizes oder Antiemetika gegen Übelkeit und Erbrechen.
Prognose
Die Prognose eines Bronchialkarzinoms ist u. a. abhängig von histologischem Typ, Lokalisation und Ausbreitung des Tumors. Insgesamt ist sie sehr schlecht. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt selbst bei kurativ behandelten Patienten nur 25 %. Für palliativ Behandelte liegt sie unter 5 %.

Sekundäre Lungenmalignome

Sekundäre Lungenmalignome: durch Metastasierung anderer Tumoren (am häufigsten Nieren-, Prostata- und Mammakarzinome) entstandene bösartige Lungentumoren.

Meist stehen die Symptome des Primärtumors im Vordergrund. Lungenmetastasen sind oft symptomlos, können aber auch Beschwerden wie das Bronchialkarzinom hervorrufen.

Pharma-Info: Antitussiva

Husten ist ein Schutzreflex, der die Atemwege von schädigenden Substanzen reinigen soll. Manchmal aber ist ein Husten Antitussivanutzlos, so etwa beim Bronchialkarzinom. Bei diesen Pharma-Info:AntitussivaPatienten oder bei Erschöpfung des Kranken durch den ständigen Husten kann es sinnvoll sein, den Husten mit Medikamenten zu unterdrücken.

Antitussiva (Hustendämpfer, Hustenmittel) blockieren über zentrale oder periphere Angriffspunkte den Hustenreflex. Im klinischen Einsatz zeigen sie sich jedoch oft wenig wirksam. Eingesetzt werden z. B. Noscapin (z. B. Capval®) und Pentoxyverin (z. B. Sedotussin®), andere früher häufig verwendete Substanzen wie etwa Clobutinol sind wegen teilweise lebensbedrohlicher Nebenwirkungen vom Markt genommen worden. Die meisten Antitussiva sind jedoch Opiatabkömmlinge (z. B. Codein). Sie zeigen v. a. Obstipation, anfänglich auch Übelkeit und Erbrechen, Atemdepression (das Atemzentrum reagiert kaum noch auf Atemreize) und Sedierung als Nebenwirkung. Suchtgefahr besteht zwar prinzipiell, Opiatabkömmlingeist aber bei Patienten mit nur noch kurzer Lebenserwartung (z. B. bei Bronchialkarzinom) oder bei kurzzeitigem Einsatz zu verantworten. Grundsätzlich sollten Antitussiva sehr zurückhaltend und in keinem Fall bei sekretbedingtem Husten, etwa im Rahmen von Erkältungskrankheiten, eingesetzt werden. Die Bronchialreinigung und -abwehr könnte sonst unterminiert werden.

Die Diagnose wird in erster Linie durch eine Röntgenaufnahme (Abb. 12.46) gestellt. Die Therapie ist abhängig vom Primärtumor. Manchmal können Lungenmalignome, sekundäreeinzelne Lungenmetastasen operativ entfernt werden. Evtl. werden die Metastasen auch bestrahlt, oder es wird eine Chemotherapie eingeleitet.
Die Prognose einer Tumorerkrankung Lungenmetastasenist bei Vorliegen von Lungenmetastasen in der Regel infaust, d. h., die Patienten werden daran versterben.

Erkrankungen des Lungenkreislaufs

Lungenembolie

Lungenembolie: plötzliche oder schrittweise Verlegung von arteriellen Lungengefäßen durch Thromben (Blutgerinnsel) aus dem venösen Gefäßsystem; eine der häufigsten „plötzlichen“ Todesursachen.

Akutes Cor pulmonale: Reaktion des Herzens auf eine akute Drucksteigerung im Lungenkreislauf, die durch eine Erkrankung der Lunge bedingt ist, mit Überlastung des rechten Herzens und Rückstau des Blutes in das zentralvenöse System.

Krankheitsentstehung
Bei ca. 90 % der Fälle liegt einer Lungenembolie eine tiefe Bein- oder Beckenvenenthrombose (11.7.3) zugrunde. Ausgehend von dieser Thrombose lösen sich kleinere Blutgerinnsel und gelangen aus der unteren Körperhälfte Lungenkreislauf:Erkrankungenüber die untere Hohlvene und das rechte Herz in die LungenstrombahnLungenembolie. Folge der Verlegung der Lungenarterien ist Cor pulmonale:akuteseine akute Widerstandserhöhung im kleinen Kreislauf. Das rechte Herz kann gegen diesen Druck kaum noch „anpumpen“, und das Herzzeitvolumen fällt ab (Dekompensation). Es entwickelt sich ein akutes Cor pulmonale. In Extremfällen (ca. 5 % der Fälle) stirbt der Betroffene sofort und ohne jedes Warnzeichen.
Symptome
Die Symptome einer Lungenembolie hängen vom Ausmaß der Gefäßverlegung ab (z. B. nur periphere Äste oder mehrere Lappenarterien). Typisch sind das plötzliche Auftreten von Atemnot, Zyanose und Husten (evtl. mit blutigem Auswurf). Charakteristisch sind (oft atemabhängige) Thoraxschmerzen, die beim Einatmen am stärksten sind. Der Patient ist sehr ängstlich und unruhig, seine Haut ist blass und schweißig, Herz- und Atemfrequenz sind erhöht, oft ist der Puls unregelmäßig und tachykard. Als Zeichen einer zentralvenösen Druckerhöhung sind die Halsvenen gestaut.
Zusätzlich bestehen meist die Symptome einer tiefen Beinvenenthrombose, die vom Patienten oft aber nicht bemerkt oder nicht ernst genommen wurden.

Achtung

Schwerste Atemnot, Schocksymptomatik und drohender Herz-Kreislauf-Stillstand können sich schnell entwickeln. Die Mehrzahl der tödlich verlaufenden Lungenembolien verläuft in Schüben!

Diagnostik
In der Anamnese des Patienten finden sich oft Risikofaktoren für eine tiefe Beinvenenthrombose, wie z. B. Bettlägerigkeit, Schwangerschaft, Infektionen, mehrstündige Flug-, Bahn- oder Autoreisen ohne zwischenzeitliches „Beine vertreten“ oder Nikotinabusus. Bei Frauen ist die Einnahme der „Pille“ ein zusätzlicher Risikofaktor. Ein plötzlicher Beginn ist charakteristisch für eine Lungenembolie. Bei der Inspektion des Patienten fallen evtl. gestaute Halsvenen als Zeichen einer zentralvenösen Druckerhöhung und eine Zyanose auf. Messen Sie Blutdruck und Puls. Der Puls des Patienten ist oft arrhythmisch und beschleunigt. Eine Bradykardie bei Thoraxschmerzen spricht eher gegen eine Lungenembolie. Perkussion und Auskultation der Lunge ergeben oft normale Befunde, denn das Geschehen spielt sich nicht in den Bronchien bzw. Alveolen ab, wo Veränderungen der Atemgeräusche entstehen. Achten Sie auf eine Beinschwellung oder -verfärbung, und prüfen Sie die Venendruckschmerzpunkte.

Fallbeispiel „Lungenembolie“

Eine Heilpraktikerin wird zu einer 42 Jahre alten Hausfrau und Mutter gerufen. Die Frau ist seit gut zwei Jahren ihre Patientin. An diesem Tag hat sie seit etwa vier Stunden starke Schmerzen in der linken Thoraxhälfte. Ihr Gesicht ist blass-grau, auf der Oberlippe und der Stirn perlt Schweiß. Sie hat Atemnot und ein „Gefühl von Kraftlosigkeit“ beim Atmen. Auf Nachfrage erklärt sie, dass die Schmerzen eindeutig atemabhängig seien. Die Patientin atmet flach und schnell (Atemfrequenz 28/Min.). Der RR beträgt 155/100 mmHg, der unregelmäßige Puls 120 Schläge/Min.; eine Zyanose oder Halsvenenstauung ist nicht zu erkennen. Es besteht der dringende Verdacht auf Lungenembolie. Die Heilpraktikerin fordert einen Notarztwagen an. Sie beruhigt die Patientin, lagert deren Oberkörper hoch, legt eine Verweilkanüle und gibt ihr Sauerstoff (5 l/Min.). Während sie die Vitalzeichen überwacht, erkundigt sie sich, ob die Patientin in den letzten Tagen Beschwerden in einem Bein oder im Bauchraum gehabt habe, um einer möglichen Venenthrombose als Ursache nachzugehen. Tatsächlich hatte die Patientin seit zwei Tagen ein ziehendes Gefühl in ihrer linken Wade verspürt und daraufhin mehrmals tgl. „Sportsalbe“ einmassiert. Das betroffene Bein ist nur leicht geschwollen. Die Heilpraktikerin vermutet, dass sich durch die Massage ein Thrombus gelöst und die Embolie verursacht hat. Dem eintreffenden Notarzt teilt sie diesen Verdacht mit; die Patientin wird umgehend in die Klinik gebracht.

Die Röntgenaufnahme des Thorax ist nur selten pathologisch. Das EKG zeigt meist Zeichen einer Rechtsherzbelastung und evtl. Rhythmusstörungen. Der Nachweis von D-Dimeren (Abbauprodukte des bei der Blutgerinnung abgelagerten Fibrins) spricht für eine Lungenembolie. Diagnostisch entscheidend ist aber v. a. das Spiral-CT der Lungengefäße.
Schulmedizinische Therapie
Die wichtigsten Erstmaßnahmen bei einer Lungenembolie sind die Schmerzbekämpfung, die Sedierung (Beruhigung) und die Sauerstoffgabe. In Extremfällen ist eine Beatmung erforderlich.
In der Klinik wird der Patient in hoher Dosierung heparinisiert, oder es wird die rasche Auflösung des Embolus (Lysetherapie) bzw. die Entfernung über einen Katheter versucht.
Nach Überwinden des Akutstadiums soll die medikamentöse Behandlung mit Antikoagulanzien (z. B. Marcumar® 20.8) Rezidive verhüten.
Prognose
Die Prognose ist abhängig vom Ausmaß der Gefäßverlegung, Alter des Patienten, Zeitpunkt der einsetzenden Therapie und von Vorerkrankungen sowie auftretenden Komplikationen (z. B. Rippenfellentzündung, Infarktpneumonie, Rechtsherzversagen). Die durchschnittliche Sterblichkeit beträgt ca. 10 %, die Rezidivrate ohne Antikoagulation (20.8) ca. 30 %.
Die Patienten müssen nach einer durchgemachten Lungenembolie wissen, wie sie sich vor einer (erneuten) Thrombose, v. a. der Beinvenen, schützen können (11.7.3). Sie müssen bereits beim geringsten Verdacht auf eine Thrombose den Arzt aufsuchen.

Pulmonale Hypertonie und chronisches Cor pulmonale

Pulmonale Hypertonie: Erhöhung des mittleren Pulmonalarteriendrucks auf > 20 mmHg. Ursache sind chronische Lungenerkrankungen: z. B. Emphysem, chronisch-obstruktive Bronchitis, Lungenfibrose, wiederholte Lungen(mikro)-embolien sowie das Schlafapnoe-Syndrom.

Chronisches Cor pulmonale: Hypertrophie (8.4.2) der rechten Herzkammer bei chronischer Rechtsherzbelastung als Folge einer pulmonalen Hypertonie.

Krankheitsentstehung
Um jederzeit einen optimalen Gasaustausch zu gewährleisten, reagiert die Lunge auf eine Minderbelüftung in einzelnen Lungenabschnitten mit einer Konstriktion der Arteriolen im entsprechenden Bereich. Diesen physiologischen Hypertonie, pulmonaleRegulationsmechanismus nennt man Euler-Liljestrand-Mechanismus. Er sorgt Cor pulmonale:chronischesdafür, dass die Durchblutung schlecht belüfteter (ventilierter) Schlafapnoe-SyndromLungenbezirke eingeschränkt und der Blutstrom in gut belüftete Gebiete umgeleitet wird. Kommt es jedoch bei chronischen Lungenerkrankungen zu einer generalisierten Minderbelüftung der Lunge, so führt der Euler-Liljestrand-Mechanismus zu einer übermäßigen Erhöhung des Gefäßwiderstandes in der Lunge und somit zu einer pulmonalen Hypertonie.

Erstmaßnahmen bei Verdacht auf Lungenembolie

  • Bei geringstem Verdacht auf eine Lungenembolie sofort den Notarzt benachrichtigen!

  • Patienten absolute körperliche Ruhe (Liegen) Notfall:Lungenembolieeinhalten lassen, um weitere Embolien zu vermeiden.

  • Oberkörper des Patienten hochlagern, v. a. bei eingeschränkter Atmung.

  • Verweilkanüle (6.5.2) legen.

  • Fenster öffnen, ggf. Sauerstoff geben.

  • Durch ruhiges Verhalten Sicherheit vermitteln.

  • Vitalzeichen (Bewusstsein, Atmung, Puls) ständig kontrollieren. Bei Schockzeichen (Blutdruckabfall, Pulsanstieg) Beine auf Herzniveau anheben, dabei leichte Oberkörperhochlagerung belassen. Bei Atem- oder Herzstillstand mit Atemspende und Herzdruckmassage (30.4) beginnen. Keine Kopftieflage!

  • Bei Verdacht auf eine Lungenembolie keine i. m.-Injektionen verabreichen, da diese eine Kontraindikation für die Lysetherapie darstellen.

Symptome
Euler-Liljestrand-MechanismusBeschwerden treten erst auf, wenn der Pulmonalarteriendruck über 25 bis 30 mmHg steigt (dieser Druck wird in der Schulmedizin gemessen, allerdings ist diese Untersuchung sehr aufwändig). Am Anfang sind die Beschwerden gering. Nur 20 % der Patienten zeigen die volle Symptomatik mit Atemnot bei Belastung, Schwindel (evtl. kurzzeitige Bewusstlosigkeit bei körperlicher Belastung oder Hustenattacken), leichter Zyanose und Beklemmungsgefühlen. Erst im fortgeschrittenen Stadium treten Zeichen der PulmonalarteriendruckRechtsherzinsuffizienz wie Halsvenenstauung, Ödeme und Leberstauung hinzu (10.7.1).
Diagnostik
Anamnestisch finden sich (chronische) Vorerkrankungen der Lunge, z. B. Lungenemphysem, chronisch-obstruktive Bronchitis, Lungenfibrose (12.12.1). Die körperliche Untersuchung zeigt bei der Inspektion evtl. nur eine leichte Blauverfärbung der Lippen, der Finger- und Zehenspitzen sowie der Nasenspitze.
Die Lungenauskultation ist meist unauffällig. Beim Abhören des Herzens sind evtl. ein betonter Pulmonaliston, ein Systolikum und ein 4. Herzton auffällig.
Überweisen Sie den Patienten bei Verdacht zum Hausarzt. Zur weiteren Abklärung dienen das EKG, Lungenfunktionsprüfung, Labor (Polyglobulie 20.4.1), Röntgenaufnahme des Thorax, Echokardiografie und ein Rechtsherzkatheter.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Im Frühstadium wird die Grunderkrankung behandelt, später entspricht die Therapie der Behandlung bei Rechtsherzinsuffizienz.
Die Prognose des chronischen Cor pulmonale ist insgesamt schlecht, da es über Jahre zu einer zunehmenden Rechtsherzinsuffizienz und schließlich zum Rechtsherzversagen kommt. Wie schnell sich dieser Prozess vollzieht, hängt davon ab, ob es gelingt, die Grunderkrankung zu bessern oder gar zu heilen.

Pleuraerkrankungen

Pleuritis

Pleuritis (Brustfellentzündung, Rippenfellentzündung): Entzündung der Pleura.

Krankheitsentstehung
Zu einer Pleuritis kommt es meist sekundär im Rahmen einer Lungenentzündung, einer Lungentuberkulose, eines Lungeninfarkts oder eines Lungen- oder Pleuratumors. Auch Herzinfarkt, Bauchspeicheldrüsenentzündung oder Kollagenosen (9.12.3) Pleuritiskönnen zu einer Pleuritis führen.
Als Pleuritis Brustfellentzündungsicca (Pleuritis fibrinosa, trockene Rippenfellentzündung (s. auch Panritis)Rippenfellentzündung) wird die „trockene“ Form der Pleuraentzündung ohne Erguss bezeichnet. Aus ihr entwickelt sich meist eine Pleuritis exsudativa (feuchte Rippenfellentzündung), bei der sich ein entzündlicher Pleuraerguss bildet.

Tipp

Bei jungen Patienten mit einer Pleuritis exsudativa ist auch heute noch eine Tuberkulose (25.18.8) sehr wahrscheinlich; bei älteren Patienten mit einem Pleuraerguss sind bösartige Erkrankungen der Lunge und Pleura die häufigste Ursache.

Symptome und Diagnostik
Bei der Pleuritis hat der Patient atemabhängige Thoraxschmerzen, die oft so stark sind, dass es zu einer ausgeprägten Schonhaltung mit Wirbelsäulenverkrümmung und Pleuritis:siccaVerminderung der Atembewegungen auf der erkrankten Seite kommt. Beim Übergang der Pleuritis sicca in eine Pleuritis exsudativa lassen die Schmerzen meist nach. Je nach Pleuritis:exsudativaGröße des Pleuraergusses treten dann Atemnot und ein Druckgefühl in der Brust in den Vordergrund. Zusätzlich bestehen die Symptome der jeweiligen Grunderkrankung. Kennzeichnend für eine Pleuritis sicca ist das „Pleurareiben“ oder „Lederknarren“ bei der Lungenauskultation.

Achtung

Bei Verdacht auf eine Pleuritis überweisen Sie den Patienten zum Hausarzt.

Wichtig ist, die Grunderkrankung der Pleuritis herauszufinden. Hierzu dienen Blutuntersuchungen, Röntgen-Thorax und immer auch ein Tuberkulosetest (Tuberkulintest 25.18.9).
Schulmedizinische Therapie
An erster Stelle steht die Behandlung der Grunderkrankung. Symptomatisch ist bei der Pleuritis sicca eine PleurareibenSchmerzmittelgabe erforderlich, damit der Patient durchatmen kann, die Lunge ausreichend Lederknarrenbelüftet wird und sich keine Lungenentzündung aufpfropft.
Prognose
Die Prognose der Erkrankung ist vom Grundleiden abhängig. Hauptkomplikationen sind eine Verdickung der Pleura oder Verwachsungen beider Pleurablätter, die sog. Pleuraschwarte. Bei großer Ausdehnung können sie die Entfaltung der Lunge beim Atmen behindern und somit zum Bild der „gefesselten Lunge“ mit restriktiver Ventilationsstörung führen.

Pleuraerguss

Pleuraerguss: Flüssigkeitsansammlung in der Pleurahöhle.

Krankheitsentstehung und Einteilung
Je nach Art der Flüssigkeit werden unterschieden:
  • seröser Pleuraerguss: klares, gelbliches Sekret; entsteht meist im Rahmen einer Herzschwäche, von Entzündungen oder bösartigen Tumoren

  • Pleuraempyem: eitriger Erguss bei bakterieller Pneumonie (12.5.6), Lungenabszess, Speiseröhrendurchbruch oder nach OP im Thoraxraum

  • Hämatothorax: Blut im Pleuraraum; Pleuraergussmeist durch Verletzungen hervorgerufen, seltener durch Tumoren (Pleuramesotheliom 12.11.4), Lungenembolie (12.10.1) oder Pleurakarzinose (Durchsetzung der Pleura mit zahlreichen Karzinommetastasen)

  • Chylothorax: milchig-trübes PleuraempyemSekret durch den Austritt von Lymphflüssigkeit in den Pleuraraum; durch Lymphabflussstörungen (z. B. bei malignen Lymphomen [ 21.6] oder HämatothoraxVerletzungen des Ductus thoracicus [Milchbrustgang, führt Lymphe zurück ins venöse System]).

Symptome und Diagnostik
Hauptsymptome eines (ausgedehnten) PleurakarzinosePleuraergusses sind Atemnot und atemabhängige Schmerzen im Brustkorb. Besonders langsam entstehende Pleuraergüsse werden aber lange nicht bemerkt.
Der Klopfschall Chylothoraxüber dem Erguss ist gedämpft und das Atemgeräusch mit dem Stethoskop nur noch leise oder gar nicht mehr hörbar.
Gesichert wird die Diagnose durch Röntgen-Thorax (Abb. 12.47), Ultraschalluntersuchung und diagnostische Pleurapunktion.

Fallbeispiel „Pleuritis“

Ein Heilpraktiker wird zu einem 71 Jahre alten Patienten gerufen. Nach Angaben der Ehefrau hatte dieser in den letzten fünf Tagen starken Husten. Lunge(n):gefesselteAnfänglich habe er nur wenig klaren Auswurf gehabt. Nach zwei Tagen sei er aber gelblich geworden. Diese „Bronchitis“ hätten sie mit Bettruhe, Brustwickeln und Hustentee behandelt. Ihr Mann habe weder zum Arzt noch zum Heilpraktiker gehen wollen. Die Körpertemperatur sei auch nur unwesentlich erhöht gewesen (37,8 °C). Seit der letzten Nacht habe der Mann jedoch über 39 °C Fieber und heftige Schmerzen in der rechten Brustkorbseite, die sich bei tiefer Einatmung und beim Husten noch deutlich verstärken würden. Der sonst recht agile Mann (keine wesentlichen Vorerkrankungen, Nichtraucher) wirkt sehr krank und schwach. Sobald er aufsteht, z. B. um zur Toilette zu gehen, wird er kurzatmig. Der RR beträgt 150/90 mmHg, der Puls 100 Schläge/Min. Bei der körperlichen Untersuchung fallen ein knarrendes, reibendes und atemabhängiges Geräusch über der rechten Lungenbasis sowie ein gedämpfter Klopfschall und ein verstärktes Atemgeräusch auf. Auch der Stimmfremitus ist verstärkt. Die genaue Inspektion des Brustkorbs zeigt, dass der Patient die betreffende Seite beim Atmen „nachschleppt“, d. h., dass die Atembewegung über dem betreffenden Areal vermindert ist. Der Heilpraktiker bittet die Ehefrau des Patienten, unverzüglich den Hausarzt zum Hausbesuch zu rufen, denn er habe den Verdacht auf eine Pleuritis, wahrscheinlich infolge einer nicht ausreichend behandelten Pneumonie. Der Hausarzt verordnet ein Antibiotikum, ein Antitussivum und ein Schmerzmittel. Als nach 3 Tagen aber keine Besserung eintritt, überweist er den Patienten ins Krankenhaus. Dort wird ein nicht kleinzelliges Bronchialkarzinom festgestellt, das den rechten Hauptbronchus einengt.

Achtung

50 % aller Pleuraergüsse entstehen durch bösartige Tumoren. Jeder Pleuraerguss muss schulmedizinisch abgeklärt werden.

Schulmedizinische Therapie und Prognose
Die Behandlung eines Pleuraergusses hängt von seiner Ursache ab. Bei entzündlichen Ergüssen steht die antiinfektiöse Therapie im Vordergrund. Zusätzlich muss der Erguss abpunktiert werden, um Pleuraschwarten vorzubeugen. Bei Pleuraempyemen ist eine Pleuradrainage erforderlich. Bei verletzungsbedingten Ergüssen ist i. d. R. eine OP notwendig.
Die Prognose ist abhängig von der Krankheitsursache.

Pneumothorax

Pneumothorax: Eindringen von Luft in den normalerweise spaltförmigen Raum zwischen den beiden Pleurablättern. Dadurch Aufhebung des Unterdrucks im Pleuraspalt mit einem teilweisen oder kompletten Kollaps des betroffenen Lungenflügels, der dann nur noch vermindert oder gar nicht mehr am Gasaustausch teilnehmen kann.

Krankheitsentstehung und Einteilung
Die häufigste Form des Pneumothorax ist der Spontanpneumothorax:
  • Vom idiopathischen Spontanpneumothorax, bei dem z. T. die Ruptur einer direkt unter der Pleura gelegenen Emphysemblase (12.7) nachgewiesen werden kann, sind v. a. Männer von 20–40 Jahren betroffen

  • Der symptomatische oder sekundäre Spontanpneumothorax ist Folge anderer Lungenerkrankungen wie etwa einem PneumothoraxAbszess oder einem Lungenkarzinom.

Demgegenüber steht der traumatische Pneumothorax. Unterschieden werden:
  • offener Pneumothorax mit Brustwanddefekt (z. B. nach einer Stichverletzung)

  • geschlossener Pneumothorax, bei dem nur die Pleura selbst verletzt ist (z. B. nach Rippenfraktur oder Bronchusriss)

  • Der iatrogene Pneumothorax als Komplikation einer Behandlungsmaßnahme (z. B. Akupunktur, Injektion)

Die Nomenklatur ist aber nicht einheitlich. Vielfach wird nur der idiopathische Pneumothorax als Spontanpneumothorax bezeichnet. Alle anderen Formen zählen hiernach zum symptomatischen Pneumothorax.
Sonderform des Pneumothorax ist der Mantelpneumothorax, bei dem die Luft die betroffene Lungenhälfte mantelförmig umhüllt.

Achtung

Auch eine falsch durchgeführte Akupunktur oder Neuraltherapie kann einen Pneumothorax verursachen.

Symptome
Meist hat der Patient akut einsetzende Atemnot, einseitige, Pneumothorax:iatrogenerstechende Schmerzen im Brustkorb und Husten. Während der Patient in leichten Fällen überhaupt keine Symptome zeigt, entwickelt sich bei einem Spannungspneumothorax oft innerhalb von Min. ein lebensbedrohlicher Schock mit stärkster Atemnot, Zyanose (10.4.4), beschleunigter Herzfrequenz und Blutdruckabfall. Durch den ansteigenden Druck in der betroffenen Thoraxhälfte wird das Mediastinum (Mittelfellraum) zur gesunden Lungenseite hin verdrängt. Der Blutrückfluss zum Herzen, Herzfunktion und Funktion der gesunden Lunge werden mit jedem Atemzug mehr beeinträchtigt (Abb. 12.48).
Der Notarzt führt beim Spannungspneumothorax mit einer großkalibrigen Kanüle, durch die die Luft entweichen kann, eine Entlastungspunktion durch: Dadurch wird der Spannungspneumothorax in einen offenen Pneumothorax umgewandelt.

Erstmaßnahmen bei Pneumothorax

  • Bei Verdacht auf einen Pneumothorax überweisen Sie den Patienten – je nach Zustand – an den Hausarzt bzw. sofort Notfall:Pneumothoraxin die Klinik.

  • Bei Atemnot sofort den Notarzt Pneumothorax:Erstmaßnahmenverständigen.

  • Patienten beruhigen und Oberkörper hochlagern.

  • Vitalfunktionen (Bewusstsein, Atmung, Puls) ständig kontrollieren.

  • Venenverweilkanüle (6.5.2) legen, nur offen halten.

Diagnostik
Dem Untersucher fallen eine beschleunigte Atmung (Tachypnoe) und asymmetrische Atembewegungen auf, oft auch bläuliche Verfärbung der Lippen und Fingerspitzen (Zyanose). Der Klopfschall ist einseitig hypersonor. Es sind nur sehr leise Pneumothorax:Spannungspneumothoraxoder gar keine Atemgeräusche auskultierbar. Der Stimmfremitus ist ebenfalls abgeschwächt.
Die Diagnose wird durch eine Röntgenaufnahme des Thorax gesichert, die anstelle des typischen Lungengewebes einen Luftsaum zeigt (Abb. 12.49). Ein EKG ist zum Ausschluss kardialer Erkrankungen, eine Blutgasanalyse (12.3.3) zur Einschätzung der respiratorischen Situation erforderlich.
Schulmedizinische Therapie
Bei einem kleinen Spontanpneumothorax wird die Luft meist innerhalb von 3–4 Tagen von selbst resorbiert. Ist dies nicht der Fall oder ist der Pneumothorax größer, muss die Luft durch eine (Saug-)Drainage (Absaugen über einen Drainageschlauch) im Krankenhaus entfernt werden.
Schließt sich die Verbindung zwischen Pleuraspalt und Bronchialsystem nach Wiederausdehnung der Lunge nicht, muss sie operativ verschlossen werden. Tritt an der gleichen Seite mehrfach ein Spontanpneumothorax auf, wird eine Verklebung der Pleurablätter oder eine OP vorgenommen.
Prognose
Die Prognose des Spontanpneumothorax ist meist gut. Allerdings tritt bei 1/3 aller Patienten ein weiterer Spontanpneumothorax auf (Rezidiv). Ansonsten ist die Prognose von der Grunderkrankung abhängig.

Pleuramesotheliom

Pleuramesotheliom: hochmaligner Tumor, der in der Pleura entsteht.

Das Pleuramesotheliom ist ungefähr tausendmal seltener als das Bronchialkarzinom, wobei Männer infolge beruflicher Schadstoffexposition häufiger erkranken: 65 % der Pleuramesotheliome sind durch Asbest bedingt, das früher v. a. bei Bauarbeiten zur Isolierung und in der Autoindustrie breite Anwendung fand. Leitsymptome der Erkrankung sind hartnäckiger Husten, zunehmende Atemnot, starke Thoraxschmerzen und trotz Pleurapunktionen rasch nachlaufende PleuramesotheliomPleuraergüsse.
Eine chirurgische Entfernung des Tumors ist i. d. R. nicht möglich. Palliative Maßnahmen umfassen Zytostatikatherapie und Strahlenbehandlung. Die Prognose der Erkrankung ist sehr schlecht.

Weitere Lungenerkrankungen

Interstitielle Lungenerkrankungen und Lungenfibrosen

Interstitielle Lungenerkrankungen: zusammenfassende Bezeichnung für zahlreiche chronische Entzündungen des Lungenparenchyms. Bei Fortschreiten Entwicklung einer Lungenfibrose.

Lungenfibrosen: Erkrankungen mit bindegewebig-narbigem Umbau (Fibrosierung) des Lungengerüsts und daraus resultierende restriktive Ventilationsstörung.

Neben der Bindegewebsvermehrung kommt es bei der Lungenfibrose auch zur Zerstörung von Lungenalveolen. In der Lungenfunktionsprüfung ergibt sich somit das Bild einer restriktiven Lungenerkrankung mit reduzierter Diffusionskapazität (12.2.11).
Zu den wichtigsten Lungenfibrosen gehören folgende Erkrankungen
  • Lungenfibrosendie Sarkoidose

  • die exogen-allergische Lungenerkrankungen:interstitielleAlveolitis

  • die Staublungenerkrankungen (Pneumokoniosen): Sie entstehen durch die LungenfibrosenInhalation anorganischer Stäube (z. B. Kohlenstaub). Hauptbeschwerden des Patienten sind Atemnot und trockener Husten. Zu diesen Staublungenerkrankungen zählen auch die Silikose, die durch Quarzstäube verursacht wird, und die Asbestose, die durch Asbeststaub verursacht wird. Bei der Silikose tritt bei 10 %

  • der Patienten eine Tuberkulose komplizierend hinzu, bei der Asbestose kann zusätzlich ein StaublungeBronchialkarzinom (12.9.2) Pneumokonioseoder ein Pleuramesotheliom (12.11.4) entstehen (v. a. bei Rauchern).

Lungensarkoidose

Sarkoidose (Morbus Boeck, Morbus Besnier-Boeck-Schaumann, gutartige Lymphogranulomatose): chronische Systemerkrankung (mehrere Organsysteme betreffend), bei der sich Granulome bilden. Bevorzugt sind Lymphknoten (meist des Lungenhilums), Lunge, Gelenke und Haut befallen; Altersgipfel 20. bis 40. Lebensjahr.

Löfgren-Syndrom: akute Form der Sarkoidose, an der v. a. junge Frauen erkranken.

Granulome: Granulomegutartige und knötchenförmige Gewebsneubildungen als Reaktion auf allergisch-infektiöse oder chronisch-entzündliche Prozesse.

Krankheitsentstehung
Die Ursache der Erkrankung ist bislang noch unklar. Diskutiert werden v. a. Silikoseimmunologische Reaktionen auf ein noch unbekanntes Antigen.
Symptome
Die schleichend beginnende chronische AsbestoseForm der Lungensarkoidose verläuft inLungensarkoidose Morbus:Boeckden Löfgren-SyndromAnfangsstadien häufig symptomlos oder symptomarm und wird oft nur zufällig Granulomdiagnostiziert. In späteren Stadien der Erkrankung hatMorbus:Besnier-Boeck-Schaumann der Patient Husten, Fieber, Atemnot bei Lymphogranulomatose:gutartigeBelastung und Gelenk- und Muskelbeschwerden.
Das Löfgren-Syndrom ist seltener als die chronische Verlaufsform. Es beginnt akut mit Fieber, Erythema nodosum (rotblaue schmerzhafte Knoten an den Streckseiten der Unterschenkel) und Gelenkschmerzen. Besonders typisch sind Schmerzen in beiden Sprunggelenken.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Anamnese und körperliche Untersuchung sind oft unauffällig. An erster Stelle der diagnostischen Maßnahmen stehen in der Schulmedizin die Röntgenaufnahme des Thorax, die Lungenfunktionsprüfung (Zeichen einer restriktiven Ventilationsstörung 12.3.3) und spezielle Laboruntersuchungen.
Ein Tuberkulintest (25.18.9) wird zum Tuberkuloseausschluss durchgeführt. Es sollte auch unbedingt eine Bronchoskopie (12.3.3) erfolgen, bei der oft eine auffällig gemusterte Schleimhaut zu sehen ist. Im Rahmen der Bronchoskopie wird auch eine Biopsie der Schleimhaut – durch die Bronchien hindurch – des Lungengewebes für eine feingewebliche Untersuchung durchgeführt. Diese Untersuchung weist spezielle Zellen und Zellformationen nach, die auf eine Sarkoidose hinweisen.
Wichtigste DD im Anfangsstadium sind die Tuberkulose, Lymphknotenmetastasen (z. B. von Bronchialkarzinomen 12.9.2) und maligne Lymphome (21.6).
Schulmedizinische Therapie
Im Anfangsstadium ist die Erkrankung wegen des günstigen Spontanverlaufs nur kontroll-, nicht aber therapiebedürftig. In späteren Stadien werden in erster Linie Glukokortikoide (19.8.1, Pharma-Info) eingesetzt. Beim Löfgren-Syndrom ist die Behandlung symptomatisch.
Zusätzlich wird entsprechend der Symptomatik therapiert, z. B. bei Verschleimung mit sekretlösenden und sekretentleerenden Maßnahmen (12.5.6, Pharma-Info).
Prognose
Da Spontanheilungen häufig sind, ist die Prognose für die Mehrzahl der Patienten gut. Die Patienten müssen aber auf die Notwendigkeit regelmäßiger Kontrollen hingewiesen werden.
Bei ca. 10 % der Patienten kommt es zu einer Lungenfibrose mit respiratorischer Insuffizienz (12.4.6) und chronischem Cor pulmonale (12.10.2).
Exogene allergische Alveolitis

Exogene allergische Alveolitis (Hypersensitivitätspneumonie, allergische interstitielle Pneumonie): chronische, entzündliche Lungenerkrankung, die unbehandelt zu einer irreversiblen Lungenfibrose führt. Hervorgerufen durch die Inhalation organischer Stäube, was bei entsprechend veranlagten Menschen zu einer Typ-III- und Typ-IV-Immunreaktion (22.6.1) mit nachfolgender Entzündung der Lunge führt.

Symptome und Diagnostik
Leitsymptome der exogen-allergischen Alveolitis sind rezidivierende Fieberschübe mit Schüttelfrost, Husten und Atemnot, oft in zeitlicher Abhängigkeit zur Antigenexposition.
Die exogene-allergische Alveolitis (EAA) kann entweder akut oder chronisch progredient verlaufen:
  • akuter Verlauf: 6–8 Std. nach Allergenkontakt kommt es zu Fieber Alveolitis:exogen-allergischemit Schüttelfrost, Husten, Auswurf und Atemnot. Bei der Untersuchung Hypersensitivitätspneumoniefindet sich eine zentrale Zyanose (10.4.4) sowie ein inspiratorisches Knisterrasseln über beiden Lungen (bei Pneumonie meist nur eine Lunge)

  • chronisch progredienter Verlauf: Entwicklung einer Lungenfibrose mit zunehmener respiratorischer Insuffizienz bis hin zum Cor pulmonale

Der Verdacht auf eine Alveolitis stützt sich auf die Trias aus klinischen Symptomen, Allergenexposition und Röntgen.
Die Diagnose wird in erster Linie durch Röntgenaufnahme des Thorax, bronchoalveoläre Lavage (12.3.3) und Blutuntersuchungen gestellt.
Kommen Patienten nur im Beruf mit dem auslösenden Antigen in Kontakt, besteht der Verdacht auf eine Berufskrankheit, der der Berufsgenossenschaft vom behandelnden Arzt, Heilpraktiker oder vom Arbeitgeber gemeldet werden muss. Bestätigt sich der Verdacht, hat der Patient Anspruch auf eine Entschädigung (z. B. Bezahlung von Umschulungsmaßnahmen).
Schulmedizinische Therapie
Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist das Meiden der auslösenden Substanz (Antigenkarenz), wenn die Therapie erfolgreich sein soll und die EAA als Berufskrankheit anerkannt werden soll. Medikamentös werden in der Schulmedizin Glukokortikoide (19.8.1, Pharma-Info) und Immunsuppressiva (22.7.2) eingesetzt. Infektionen müssen antibiotisch behandelt werden.
Die Prognose der Erkrankung ist nur bei rechtzeitiger Antigenkarenz gut.

Mukoviszidose

Mukoviszidose (zystische Fibrose, kurz CF): Infolge eines Gendefekts produzieren alle exokrinen (7.5.1) Drüsen, v. a. der Lunge und des Magen-Darm-Trakts, große Mengen eines abnorm zähen Sekrets; häufigste autosomal-rezessiv (7.4.9) vererbte Stoffwechselstörung. Durchschnittliche Lebenserwartung heute bei über 30 Jahren.

Krankheitsentstehung
Ursache der Mukoviszidose sind die verschiedenen autosomal-rezessiv vererbten Gendefekte, die über einen Chloridkanaldefekt in allen exokrinen Drüsen zur Bildung abnorm zäher Sekrete und damit zur Verstopfung der Drüsenausführungsgänge führen.
Symptome und Diagnostik
In ca. 10 % wird die Erkrankung schon im Neugeborenenalter durch einen Mekoniumileus manifest: Das abnorm zähe MukoviszidoseMekonium (Darminhalt des Neugeborenen) verlegt die Fibrose:zystischeDarmlichtung und führt kurz nach der Geburt zum Ileus.
In der Folge betreffen die Symptome den gesamten Organismus, wobei der Schweregrad sehr variabel ist:
  • Im Vordergrund stehen oft die Lungensymptome. Der zähe Bronchialschleim erschwert die (Selbst-)Reinigung der Atemwege und ist ein guter Nährboden für Bakterien. Die betroffenen Kinder haben immer wieder schwere Atemwegsinfekte. Sie husten typischerweise reichlich zähes, bei Infektionen gelbgrünes Sekret aus. Nach Infekten brauchen sie lange Zeit, bis sie sich wieder einigermaßen erholt haben, auf Dauer können Bronchiektasen (12.12.3) entstehen.

  • Sehr häufig ist eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung.

  • Die Bauchspeicheldrüsenbeteiligung führt zu einer Pankreasinsuffizienz mit massigen Fettstühlen.

  • Sowohl die Lungenprobleme als auch die Verdauungsstörungen münden oft schon frühzeitig in eine Gedeihstörung, die Kinder sind typischerweise klein und mager.

  • Durch Beteiligung der Leber und Gallenwege kommt es bei ungefähr 10 % der erwachsenen Patienten zu einer Leberzirrhose (14.5.7).

  • Bei Frauen ist die Fruchtbarkeit herabgesetzt, Männer sind in aller Regel unfruchtbar.

Die Diagnose kann meist durch den Nachweis eines erhöhten Chloridgehalts des Schweißes gesichert werden (Schweißtest).
Schulmedizinische Therapie
Eine kausale Behandlung der Erkrankung ist bis heute nicht möglich. Die Therapie muss sich also auf symptomatische Maßnahmen beschränken und wird am besten durch ein CF-Zentrum koordiniert.
Bakterielle Infektionen werden frühzeitig antibiotisch behandelt. Teilweise werden langfristig inhalierbare Antibiotika (z. B. Tobramycin) eingesetzt. In fortgeschrittenen Fällen kann ein DNA-spaltendes Enzym (Pulmozyme®) zur Sekretverflüssigung sinnvoll sein. Bei respiratorischer Insuffizienz ist eine Sauerstofflangzeittherapie angezeigt, letzter Ausweg ist die Lun gentransplantation (5-Jahres-Überlebensrate 50–60 %).
Die Funktionsstörung des Pankreas und die Resorptionsstörung erfordern eine ausreichende Enzymsubstitution mit fett-, eiweiß- und kohlenhydratabbauenden Enzymen (z. B. mit Kreon®) und die zusätzliche Zufuhr fettlöslicher Vitamine. Die Kost sollte kalorienreich und ausgewogen sein, nicht selten ist Zusatznahrung erforderlich.
Prognose
Die Lebenserwartung der Patienten ist deutlich verkürzt. Heute liegt die Chance, das Erwachsenenalter zu erreichen, bei über 50 %. Mukoviszidosepatienten werden am besten in spezialisierten Ambulanzen betreut, in denen Ärzte, Physiotherapeuten, Psychologen und Diätassistenten eng zusammenarbeiten. Die beruflichen und privaten Möglichkeiten der Kranken sind stark eingeschränkt.
Den Angehörigen des Patienten steht zur Abschätzung des Risikos für eigene Kinder eine molekulargenetische Untersuchung zur Verfügung.

Bronchiektasen

Bronchiektasen: irreversible Erweiterungen von Bronchien oder deren Ästen. Selten angeboren (z. B. Mukoviszidose) oder Folge frühkindlicher Infektionen z. B. nach bakterieller Pneumonie, Keuchhusten oder einer Tuberkulose. Häufig bleibt der Auslöser unbekannt.

Symptome und Diagnostik
Hauptsymptome der Erkrankung sind die klassischen drei Symptome: Husten, Auswurf und Atemnot. Der in Büchern gern als „maulvoll und übel riechend“ bezeichnete Auswurf (Abb. 12.50) lässt sich in der Praxis eher selten beobachten, häufiger kommt es zu einem potenziell lebensbedrohlicher Blutsturz (Hämoptysen) und rezidivierenden Pneumonien. Sekundär entwickeln sich Trommelschlägelfinger. Sind Kinder betroffen, können sie im BronchiektasenWachstum zurückblieben. Es gibt aber auch symptomarme Verläufe. Komplikation ist das chronische Cor pulmonale mit Ausbildung einer Rechtsherzinsuffizienz.
Das hochauflösende CT ist die beste Maßnahme zum Nachweis der Bronchiektasen. Eine Bronchografie wird schlecht vertragen.
Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung ist schwierig und besteht in erster Linie in konsequenter Physiotherapie mit Sekretdrainage. Eine Antibiotikatherapie sollte möglichst nach Keimidentifikation gezielt und über einige Wochen durchgeführt werden. Bei lokal begrenzten Bronchiektasen ist eine operative Entfernung der betroffenen Lungenpartien angebracht.

Schlafapnoe-Syndrom

Schlafapnoe-Syndrom: Störung der Atemregulation, die durch Atempausen während des Schlafs > 10 Sek. gekennzeichnet ist und zu einem verminderten Sauerstoffgehalt des Blutes (Hypoxämie) führt; typisch sind auch Schnarchen, Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf.

Das Schlafapnoe-Syndrom tritt bei ca. 4 % der Männer und 2 % der Frauen jenseits des 40. Lebensjahrs auf und wird durch Hypertonie, Adipositas oder eine Stoffwechselstörung begünstigt. Das Schlafapnoe-Syndrom ist damit ein häufiges Krankheitsbild, das erst in den letzten Jahren durch die Möglichkeiten einer ambulanten Diagnostik in seiner Bedeutung erkannt wurde. Klare diagnostische Kriterien und Therapieindikationen liegen noch immer nicht vor.
Symptome und Diagnostik
ZumSchlafapnoe-Syndrom Arztbesuch führt meist der Ehepartner, der über lautes Schnarchen mit Atemstillständen klagt, während der Patient selbst oft erstaunlich beschwerdefrei ist. Erst bei genauem Nachfragen offenbaren sich häufig Symptome und Einschränkungen des täglichen Lebens, wie z. B. Leistungsknick oder Konzentrationsstörungen. Die wichtigsten Symptome sind:
  • Tagesmüdigkeit mit Einschlafneigung (Gefahr von Unfällen!), sog. „Sekundenschlaf“

  • unregelmäßiges Schnarchen beim Schlafen (Fremdanamnese)

  • vom Partner bemerkte Atemstillstände während des Schlafs

Außerdem treten auf:
  • Konzentrations-/Gedächtnisstörungen,

  • morgendliche Kopfschmerzen und Mundtrockenheit,

  • Neigung zu Depressionen,

  • Impotenz,

  • Zuckungen der Beine.

Achtung

Die Patienten sind durch Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, nächtliche Blutdruckerhöhungen und ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall gefährdet.

Die Diagnose wird durch Messungen im Schlaflabor gestellt. Dort wird der Patient während einer Nacht kontinuierlich überwacht (z. B. EKG, EEG, Atemstrom durch Mund und Nase, Atembewegungen des Thorax und des Bauches); auch Muskel- und Augenbewegungen sowie der Sauerstoffgehalt des Blutes werden aufgezeichnet.
Schulmedizinische Therapie
Faktoren, die das Schlafapnoe-Syndrom verstärken, wie Rauchen, Alkohol sowie Schlaf- und Beruhigungsmittel, sind zu meiden. Eine veränderte Schlafposition mit Oberkörperhochlagerung erleichtert die Atmung. Bei Übergewicht ist eine Gewichtsabnahme unumgänglich.
Bei Erfolglosigkeit kommt die zu Hause durchgeführte kontinuierliche nächtliche Beatmung mit CPAP (Continuous Positive Airway Pressure – kontinuierlicher positiver Druck) über eine Nasenmaske in Frage. Der kontinuierlich – während der In- und Exspiration – auf demselben Druckniveau applizierte Strom der Raumluft wirkt dem Kollaps der oberen Atemwege entgegen (pneumatische Schienung). Damit können die allermeisten Patienten gut behandelt werden.

Akutes Lungenversagen, Schocklunge (ARDS)

ARDS (adult oder acute respiratory distress syndrome): akutes Lungenversagen, Atemnotsyndrom des Erwachsenen, Schocklunge, hyalines Membran-Syndrom. Schwere Lungenerkrankung mit akuter respiratorischer Insuffizienz bei vorher lungengesunden Patienten, oft Folge eines länger bestehenden Schocks.

Krankheitsentstehung
Neben einem Schock als häufigster Ursache können auch viele weitere direkte und indirekte Schädigungen der Lunge das ARDS verursachen.
  • indirekte Schädigung der Lunge z. B. durch:

    • länger dauernder Schock jeglicher Ursache

    • Sepsis

    • Polytrauma und Verbrennung

    • Massentransfusion, Verbrauchskoagulopathie

    • akute Pankreatitis

  • direkte Schädigung der Lunge z. B. durch:

    • Aspiration vonARDS (adult oder acute respiratory distress syndrome Mageninhalt

    • Aspiration von Süß- oder Salzwasser (Beinahe-Ertrinken)

    • Inhalation toxischer Gase

    • Vergiftungen z. B. mit Narkotika

Symptome und Diagnostik
Je nach Ursache und Ausmaß der Schädigung können die Symptome sofort oder nach einer Latenzphase von Stunden bis Tagen auftreten. Zunächst entwickeln sich Hyperventilation, Dyspnoe, Hypoxie und respiratorische Alkalose (16.2.7). Danach kommt es zur respiratorischen Globalinsuffizienz sowie zu einem interstitiellen Lungenödem.
Die Diagnose erfolgt meist unter klinischen, in der Regel intensiv-medizinischen Bedingungen, da sich der Patient bei Auftreten des ARDS meist schon wegen der schweren Grunderkrankung in stationärer Behandlung befindet.

Achtung

Denken Sie bei akuter Atemnot auch an die Möglichkeit eines ARDS, besonders bei bislang lungengesunden Patienten.

Die Diagnose wird durch Anamnese, BGA, Röntgenaufnahme des Thorax und Lungenfunktionsprüfung gestellt.
Schulmedizinische Therapie
Wichtigste Maßnahme ist die Behandlung der Grunderkrankung. Der Patient wird maschinell beatmet und das Lungenödem (10.7.3) behandelt. Maßnahmen zur Kreislaufstabilisierung und ausgewogene Nährstoffzufuhr begleiten die Therapie.
Ist die Lunge stark geschädigt, wird das Lungenersatzverfahren angewendet, bei dem das Blut außerhalb des Körpers von Kohlendioxid gereinigt und mit Sauerstoff gesättigt wird. In sehr schweren Fällen wird eine Lungentransplantation erwogen.
Prognose
Die Sterblichkeit beträgt beim ARDS 25–60 %. Diese schlechte Prognose ist begründet in der Schwere der Grunderkrankung und im oftmals hohen Alter der Patienten. Viele Patienten sterben an einem Multiorganversagen.

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