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B978-3-437-55244-1.00024-2

10.1016/B978-3-437-55244-1.00024-2

978-3-437-55244-1

Struktur des Augapfels mit Hornhaut und Sehnerv.

[L190]

Ziliarkörper, Linse und Aufhängeapparat.

[L190]

Schichtaufbau der Netzhaut (Detailzeichnung).

[L190]

Schnitt durch die Augenhöhle mit Blick von lateral auf die vier geraden und die zwei schrägen quergestreiften Augenmuskeln.

[L190]

Die Schutzeinrichtungen des Auges.

[L190]

Oben Computermodell des optischen Apparats, Mitte Fernakkommodation, unten Nahakkommodation des Auges.

[L190]

Verteilung von Geschmacksrezeptoren auf der Zunge.

[L190]

Übersicht über äußeres Ohr, Mittelohr und Innenohr (beide vergrößert). Die Pfeile markieren den Weg der Schallwellen zu den Sinneszellen.

[L190]

Schnitt durch die Schnecke; rechts häutige Schnecke im Detail.

[L157]

Schnecke und Bogengänge als Ausgussmodell.

[L190]

Schnitt durch die knöcherne Schnecke, den Vorhof und die Bogengänge sowie ihre räumliche Beziehung zum VII. und VIII. Hirnnerv.

[L190]

Aufbau der Sinnesfelder (Makulae) in Sacculus und Utriculus. Über den Sinnes- und Stützzellen liegt die gallertige Statolithenmembran. Bei Bewegung kommt es zu einer Auslenkung der Sinneszellen, die dadurch erregt werden.

[L190]

Ablenkung der Statolithenmembran bei Lagewechsel.

[L190]

Ablenkung der Cupula bei einer Drehbeschleunigung.

[L190]

Beim Ektropionieren wird das Oberlid um einen Gegenstand nach oben gewendet. Fassen Sie dazu die Wimpern mit der einen Hand, und legen Sie mit der anderen z. B. einen Glasstab oder ein Streichholz auf das Oberlid. Mit einer schnellen Bewegung wird das Lid nun um den Gegenstand geklappt.

[L190]

Otoskopie. Oben links: Schemazeichnung eines normalen Trommelfells. Unten links: normales Trommelfell. Oben rechts: Trommelfellbefund bei akuter Mittelohrentzündung mit Vorwölbung und Rötung des Trommelfells sowie Fibrinauflagerungen. Unten rechts: zur Behandlung eines chronischen Mittelohrergusses eingesetztes Paukenröhrchen.

[Links: L190, E707; Rechts: E387, E739]

Weber-Weber-VersuchVersuch: Eine angeschlagene 440-Hz-Stimmgabel wird in der Scheitelmitte des Patienten aufgesetzt. Der Gesunde hört den Ton auf beiden Ohren gleich laut, während der Mittelohrschwerhörige den Ton ins kranke Ohr projiziert (lateralisiert) und der Innenohrschwerhörige ins gesunde Ohr.

[L215]

Rinne-Rinne-VersuchVersuch: Die Stimmgabel wird auf den Warzenfortsatz gesetzt und nach Verklingen des Tons vor das Ohr des Patienten gehalten. Gesunde und Innenohrschwerhörige hören den Ton über die Luftleitung wieder. Bei Schallleitungsschwerhörigkeit hört der Patient den Ton länger über die Knochenleitung.

[L215]

Beginnende hypoplastische Konstitution, Nasen-Zwerchfell-Linie (linke Iris zwischen 52 und 22 Min.). Die Nasen-Zwerchfell-Linie wird auch als Schmerzlinie bezeichnet.

[O220]

Ohr-Blasen-Linie (linke Iris, zwischen 7 Min. und 37 Min.), verquollene Reizradiäre im Ohrensektor bei ca. 8–9 Min., kreisrunde abgedunkelte sechste Region. Die Ohr-Blasen-Linie wird auch als Infektionslinie bezeichnet.

[O220]

Augenhintergrund eines Gesunden. In diesem ophthalmoskopischen Bild (re. Auge) ist links der blinde Fleck, der Austritt des Sehnervs, gut zu erkennen. Dort verlassen auch die Gefäße die Netzhaut bzw. treten in sie ein. Etwa in der Bildmitte liegt der fast gefäßfreie gelbe Fleck, der Ort des schärfsten Sehens (Fovea centralis).

[T132]

Vordere Rhinoskopie mit dem Nasenspekulum.

[L157]

Hintere Rhinoskopie. Oben: Schemazeichnung der Sicht bei der hinteren Rhinoskopie. Unten: Durchführung der hinteren Rhinoskopie.

[L157, L143]

Rötung des Auges bei Bindehautentzündung. Vorherrschend sind die geröteten Gefäße. Ihre Anzahl nimmt zur Übergangsfalte hin zu.

[E391]

Rötung des Auges bei Entzündung der Iris und des Ziliarkörpers. Die Iris ist wolkig aufgelockert und die Hornhaut getrübt.

[E508]

Hyposphagma: flächenhafte Blutung unter die Augenbindehaut.

[F255]

Hordeolum externum links: Gerstenkorn des Unterlids.

[E336]

Augentrost (Euphrasia officinalis) hilft bei akuten und subakuten Entzündungen der Augen. Rötung und Schwellung bilden sich durch die äußerliche Anwendung oft überraschend schnell zurück.

[O216]

Ringelblume (Calendula officinalis) enthält Saponine, Flavonoide und Karotinoide. Die wundheilenden Eigenschaften werden auf die Karotinoide zurückgeführt, die chemisch dem Vitamin A nahe stehen. Vitamin A fördert die Granulation.

[O209]

Hagelkorn: rötliche Schwellung am Oberlid.

[E325]

Hypopyon. Eiteransammlung in der vorderen Augenkammer.

[E426]

Angeborener grauer Star bei einer 25-jährigen Frau. Hier ist die Linsentrübung bereits so weit fortgeschritten, dass sie mit bloßem Auge sichtbar ist.

[E371]

Augenhintergrund bei massiver Netzhautablösung: Nur im Bereich des blinden Flecks haftet die Netzhaut noch dem Untergrund an.

[E426]

Strahlengang bei den verschiedenen Brechungsfehlern und deren Ausgleich durch spezielle Brillengläser (Linsen).

[A400]

Kompensatorische (ausgleichende) Kopfschiefhaltung bei Schädigung des N. abducens rechts. Die Schädigung dieses Augennervs führt zu einer Lähmung des M. rectus lateralis rechts, der den rechten Augapfel zur Seite bewegt. Beim Blick nach rechts kann der rechte Augapfel nicht über die Mittellinie hinaus bewegt werden; der Patient schielt und sieht Doppelbilder. Diese kann er durch eine Kopfhaltung vermindern, in der der gelähmte Muskel kaum oder nicht benötigt wird, in diesem Falle also durch eine Kopfdrehung nach rechts, denn dann überwiegt das Blicken nach links.

[L190]

Narbenektropium. Nach einem Autounfall (Schnittverletzung durch die Windschutzscheibe) wird das rechte Unterlid durch einen keloidartigen Strang nach unten auswärts gezogen.

[E426]

Nasenfurunkel.

[M117]

Polyposis nasi links, durch das Nasenspekulum betrachtet.

[M117]

Blutegelbehandlung bei Tinnitus. Besonders plethorische Patienten sprechen gut auf die lokal entstauende und durchblutungsfördernde Wirkung an. 2–3 Blutegel werden an das Mastoid gesetzt.

[K167]

Ginkgo (Ginkgo biloba), ein widerstandsfähiger Baum, der viele hundert Jahre alt werden kann, blüht erst nach 20–30 Jahren. Die Blätter enthalten Flavonoide, Ginkgolide und Bilobalide. Ginkgo-biloba-Präparate beeinflussen sowohl die zerebrale als auch die periphere Durchblutung positiv.

[O209]

Abstehende Ohrmuschel rechts bei akuter Mastoiditis. Die akute Mastoiditis ist die häufigste Komplikation einer Mittelohrentzündung.

[M117]

Kleine reizlose Trommelfellperforation in kalknarbig verändertem Trommelfell bei Otitis media chronica.

[M117]

Funktion und Nervenversorgung der sechs quergestreiften Augenmuskeln.TrochleaMusculus(i):rectus superiorMusculus(i):rectus medialisMusculus(i):rectus lateralisMusculus(i):rectus inferiorMusculus(i):obliquus superiorMusculus(i):obliquus inferior

Tab. 24.1
Augenmuskel Funktion Innervation
M. rectus superior
(oberer gerader Augenmuskel)
Hebung und Innenrollung des Auges N. oculomotorius
(N. III)
M. rectus inferior
(unterer gerader Augenmuskel)
Blicksenkung und Außenrollung N. oculomotorius
(N. III)
M. rectus lateralis
(äußerer gerader Augenmuskel)
Abduktion des Auges (Auswärtsbewegung) N. abducens (N. VI)
M. rectus medialis
(innerer gerader Augenmuskel)
Adduktion des Auges (Nasalbewegung) N. oculomotorius
(N. III)
M. obliquus superior
(oberer schräger Augenmuskel)
Abduktion, Einwärtsrollung, Blicksenkung. Sehne zieht durch ein rinnenförmiges Knorpelstückchen, die Trochlea (Abb. 24.4) N trochlearis (N. IV)
M. obliquus inferior
(unterer schräger Augenmuskel)
Blickhebung, Abduktion und Außenrollung N. oculomotorius
(N. III)

Symptome häufiger Erkrankungen, die mit einer plötzlichen Sehstörung einhergehen.Gesichtsfeldausfall:Differenzialdiagnose

Tab. 24.2
Erkrankung Symptome
Akuter Glaukomanfall
(24.5.6)
Nebel- oder Schleiersehen, Sehen von farbigen Ringen um Lichtquellen und teils hochgradige Sehverschlechterung, verbunden mit heftigen Augen- und Kopfschmerzen sowie häufig Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Auge stark gerötet, Hornhaut matt und ödematös
Amaurosis fugax vorübergehende, schmerzlose Erblindung meist eines Auges (Dauer Sek. bis Min.) meist durch Mikroembolien oder Durchblutungsstörungen der Netzhaut bedingt
Arteriitis temporalis
(11.6.4)
plötzlicher, weitgehender Sehverlust, evtl. auch Doppelbilder, verbunden mit starkem, ein- oder beidseitigem Schläfenkopfschmerz, Kauschmerzen und Störungen des Allgemeinbefindens
akute zentrale Chorioretinitis (Netzhaut-Aderhaut-Entzündung) plötzliche, hochgradige Sehverschlechterung mit zentralem Gesichtsfeldausfall
Glaskörperblutung je nach Ausmaß der Blutung Sehen von „Wolken“, „Bienenschwärmen“, „Rußregen“, aber auch hochgradige Sehverminderung
Netzhautablösung (24.5.7) je nach Lokalisation der Ablösung „Vorhang vor dem Auge“, „aufsteigende Mauer“, Schleier oder Schatten in bestimmten Bereichen des Gesichtsfelds. Evtl. zusätzlich Verzerrtsehen, Visuseinschränkung und Gesichtsfeldausfälle. Keine Schmerzen
Neuritis nervi optici (Sehnervenentzündung) einseitige, hochgradige Sehschärfenverminderung und zentraler Gesichtsfeldausfall, verbunden mit einem leichten, dumpfen Augenschmerz, der sich bei Druck auf den Augapfel verstärkt
Verschluss der Zentralarterie schlagartige, schmerzlose Erblindung des betroffenen Auges
Verschluss der Zentralvene zunächst Schleiersehen, dann in Std. bis Tagen stärkere Gesichtsfeldverdunkelung, evtl. mit Beeinträchtigung der Sehschärfe

Die wichtigsten Sehstörungen, die plötzlich auftreten, und ihre häufigsten Ursachen. Plötzliche Sehstörungen müssen immer umgehend vom Augenarzt abgeklärt und behandelt werden. Gefahr von dauerhafter Sehverschlechterung oder Erblindung!

Tab. 24.3
Leitsymptom Mögliche Ursachen
plötzlicher einseitiger Sehverlust
  • Amaurosis fugax (kurzzeitige Erblindung 23.5.1)

  • Arteriitis temporalis (11.6.4)

  • Thrombose, Embolie oder Infarkt der Netzhautgefäße

  • Sehnervenentzündung oder -infarkt

  • Glaskörper-, Netzhaut-, Aderhautblutung

  • Netzhautablösung (24.5.7)

  • Augenverletzung

plötzlicher beidseitiger Sehverlust Allgemeinerkrankungen, etwa Vergiftungen (z. B. mit Methylalkohol),
Durchblutungsstörungen gehirnversorgender Arterien
akutes Nebel-, Schleier- oder Schattensehen
  • akuter Glaukomanfall (24.5.6)

  • Erkrankungen der Netzhaut (Netzhautablösung) und des Sehnervs

  • Trübungen von Hornhaut, Linse oder Glaskörper

  • Glaskörperblutung

Doppeltsehen
  • Augenmuskellähmungen, z. B. bei Multipler Sklerose (23.7.2), Botulismus (25.16.5), Borreliose (25.16.2)

  • einseitiges Doppeltsehen bei Linsentrübung

  • Arteriitis temporalis

Verzerrtsehen
  • Makuladegeneration

  • Makulablutung (z. B. bei Kurzsichtigkeit, Hypertonie, Diabetes mellitus)

  • Netzhautablösung

  • verrutschte Kontaktlinse

Übersicht über Lokaltherapeutika in der Augenheilkunde.

Tab. 24.4
Medikamentengruppe Beispiele für gebräuchliche Wirkstoffe in Fertigarzneimitteln
Mydriatika zur Pupillenerweiterung Atropin, z. B. Rp Atropinol® (Wirkdauer bis 2 Wochen)
Tropicamid, z. B. Rp Mydraticum „Roche“®
(Wirkdauer 3–4 Std.)
Cyclopentolat, z. B. Rp Cyclopentolat®
(Wirkdauer bis 1 Tag)
Miotika zur Pupillenverengung Pilocarpin, z. B. Rp Isopto®-Pilocarpin 0,5–4 %
Carbachol, z. B. Rp Isopto-Carbachol®
Weitere augeninnendrucksenkende Medikamente (Indikation: Weitwinkel- und Sekundär-Glaukom) Betablocker, z. B. Rp Betoptima®
Carboanhydrasehemmer, z. B. Rp Trusopt®
Adrenalinabkömmlinge, z. B. Rp Epifrin®
Antibiotika gegen bakterielle Infektionen Erythromycin plus Colistimethat, z. B. Rp Ecolicin®
Gentamicin, z. B. Rp Refobacin®
Tetrazykline, z. B. Rp Aureomycin®
Antimykotika gegen Pilzinfektionen Natamycin, z. B. Rp Pima Biciron®N
Virustatika gegen virale Infektionen Aciclovir, z. B. Rp Zovirax®
Lokalanästhetika zur Schmerzausschaltung Procain, z. B. Rp Novesine® 0,4 %
Glukokortikoide bei nichtinfektiösen entzündlichen Prozessen Prednisolon, z. B. Rp Inflanefran® forte und viele andere
(Antiallergika)
Antiallergika Cromoglycinsäure, z. B. Allergocrom®
Nedocromil, z. B. Irtan®
Antihistaminika, z. B. Levocabastin, Azelastin, Ketotifen
Glukokortikoide, z. B. Betamethason, Dexamethason, Hydrocortison, Prednisolon
Wund- und Heilsalbe zur Förderung der Epithelisierung Dexpanthenol, z. B. Bepanthen® Augensalbe
Filmbildner („Künstliche Tränen“) bei trockenen Augen Povidon, z. B. Vidisept® N
Polyvinylalkohol, z. B. Liquifilm®

Mögliche Ursachen für Geruchsstörungen.StinknaseOzäna

Tab. 24.5
Leitsymptome Mögliche Ursachen
Geruchsstörung und behinderte Nasenatmung
Geruchsstörung, behinderte Nasenatmung, Schnupfen
  • akute Rhinitis (12.5.1)

  • chronische Rhinitis

  • allergische Rhinitis

  • Sinusitis (12.5.2)

Geruchsstörung, behinderte Nasenatmung, kein Schnupfen
  • Septumdeviation (24.6.5)

  • Nasenpolypen (24.6.4)

  • Austrocknung der Nasenschleimhäute

  • Stinknase (Ozäna, Atrophie der Nasenschleimhaut mit Borkenbildung und Absonderung von übel riechendem Sekret)

  • Nasentumor

  • Nasennebenhöhlentumor

Geruchsstörung ohne behinderte Nasenatmung
Geruchsmissempfindungen (Parosmie), evtl. mit unangenehmem Charakter
  • oft keine Ursache feststellbar

  • gelegentlich nach Erkältungen

  • psychische Ursachen

  • Diabetes mellitus (15.6)

  • nach operativer Entfernung des Kehlkopfes (Laryngektomie)

  • Schläfenlappenepilepsie (Epilepsie 23.6.2)

Geruchsstörung nach Kopfverletzung oder Sturz, evtl. erst Wochen später auftretend
  • Gehirnerschütterung (23.9.1)

  • Verletzung des Gesichtsschädels, der Schädelbasis, der Riechnerven oder des Gehirns

Geruchsstörung, evtl. zusätzlich Kopfschmerzen
  • Hirntumor (23.8.1)

  • toxische Schädigung des Riechepithels (durch Chemikalien)

  • Virusgrippe (25.19.4)

  • Morbus Alzheimer (23.13.2)

  • Morbus Parkinson (23.13.1)

  • Verletzung der Riechschleimhaut nach HNO-ärztlicher Operation oder Hypophysenoperation

Häufige Ursachen für Ohrenschmerzen und deren typische Symptome.

Tab. 24.6
Leitsymptome Mögliche Ursachen
Ohrenschmerzen mit Fieber
heftige, oft klopfende Schmerzen in der Tiefe des Ohrs, Schwerhörigkeit, Erkältungszeichen, evtl. Ohrgeräusch
  • Mittelohrentzündung (24.8.5)

Druck oder Stechen im Ohr, Hörminderung, evtl. im Rahmen einer Erkältung
  • Unterdruck im Mittelohr (z. B. im Flugzeug)

  • Tubenkatarrh (24.8.4)

Schmerzen beim Kauen und nach Druck auf den Gehörgang, eitriger Ausfluss aus dem Ohr, geschwollene Lymphknoten vor oder hinter dem Ohr
  • Gehörgangsentzündung (24.8.1)

  • Gehörgangsfurunkel

  • durchgebrochene oder chronische Mittelohrentzündung (24.8.5)

Schwellung und Druckschmerz hinter dem Ohr, Hörminderung, Ohrenlaufen
  • Mastoiditis (Entzündung des Warzenfortsatzes)

Schmerzen beim Kauen, Schwellung der Ohrspeicheldrüse
  • Mumps (25.17.4)

  • Abszess oder Speichelstein der Ohrspeicheldrüse

Ohrenschmerzen ohne Fieber
einseitige starke Schmerzen und bläschenförmiger Ausschlag im Bereich des Ohrs, allgemein schweres Krankheitsgefühl, evtl. Hörminderung, Gleichgewichtsstörung
  • Zoster oticus (Herpes zoster 25.11.8)

stechende Schmerzen in einem oder beiden Ohren, Schwerhörigkeit, z. B. nach sehr lautem Knall oder Ohrfeige
  • Trommelfellperforation

Schmerzen und Juckreiz im Gehörgang
  • Gehörgangsentzündung (24.8.1)

  • Gehörgangsekzem Fremdkörper im Gehörgang (24.8.3)

Mögliche Ursachen für Ohrgeräusche und deren typische Symptome.

Tab. 24.7
Leitsymptome Mögliche Ursachen
Plötzlich oder anfallsweise auftretende Ohrgeräusche
Ohrensausen mit heftigem Schwindel, Schwerhörigkeit, Übelkeit, Erbrechen
  • Morbus Menière (24.8.8)

  • Innenohrentzündung

Schwindel und fluktuierende Hörminderung
  • Morbus Menière (24.8.8)

  • Innenohrentzündung

plötzlicher starker Hörverlust
  • Hörsturz (24.8.7)

  • Gefäßerkrankung

ein- oder beidseitige Ohrgeräusche ohne Hörminderung
  • Stress

  • psychische Belastung

  • Kieferfehlstellung

heftige Ohrenschmerzen, Hörminderung, Kopfschmerzen, Fieber, evtl. Ohrenlaufen
  • Mittelohrentzündung (24.8.5)

Hörminderung während oder nach starker Lärmbelastung (z. B. Arbeitsplatz, Disco)
  • Lärmtrauma

Ohrensausen und Druckgefühl im Ohr, evtl. mit Hörminderung
  • Blutdruckveränderungen (Hypertonie 11.5.1, Hypotonie 11.5.2)

  • Anämie (20.4.1)

  • Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum, z. B. Tubenkatarrh (24.8.4)

beidseitige Ohrgeräusche und Schwerhörigkeit unter Medikamenteneinnahme, evtl. Schwindel, Kopfschmerzen
  • Medikamentennebenwirkung, z. B. bei Rp Aminoglykosidantibiotika, Azetylsalizylsäure in hoher Dosierung

Schleichend auftretende Ohrgeräusche
tiefes Ohrensausen mit Hörminderung
Ohrgeräusch, Hörminderung, evtl. Schwindel, Kopfschmerzen
  • Altersschwerhörigkeit

  • HWS-Syndrom

streng einseitiges Ohrgeräusch, einseitige, langsam zunehmende Hörminderung, evtl. leichter Schwindel
  • Tumor des Ohrs oder des Gehirns, z. B. Akustikusneurinom (23.8.1)

Augen, Nase, Ohren

  • 24.1

    Ganzheitliche Aspekte1027

  • 24.2

    Anatomie und Physiologie1028

    • 24.2.1

      Anatomie des Auges1028

    • 24.2.2

      Sehfunktion1031

    • 24.2.3

      Geruchs- und Geschmackssinn1031

    • 24.2.4

      Anatomie des Ohrs1033

    • 24.2.5

      Hör- und Gleichgewichtsfunktion1034

  • 24.3

    Untersuchung und Diagnostik1035

    • 24.3.1

      Anamnese1035

    • 24.3.2

      Körperliche Untersuchung1036

    • 24.3.3

      Naturheilkundliche Diagnostik1038

    • 24.3.4

      Schulmedizinische Diagnostik1039

  • 24.4

    Leitsymptome und Differenzialdiagnose (Augen)1041

    • 24.4.1

      Plötzliche Sehstörungen1041

    • 24.4.2

      Augenschmerzen1041

    • 24.4.3

      Rötung des Auges1042

    • 24.4.4

      Lagophthalmus1043

  • 24.5

    Erkrankungen der Augen1043

    • 24.5.1

      Gerstenkorn1043

    • 24.5.2

      Hagelkorn1044

    • 24.5.3

      Bindehautentzündung1044

    • 24.5.4

      Hornhautentzündung1045

    • 24.5.5

      Grauer Star1045

    • 24.5.6

      Glaukom1045

    • 24.5.7

      Netzhautablösung1046

    • 24.5.8

      Altersbedingte Makuladegeneration1047

    • 24.5.9

      Brechungsfehler1047

    • 24.5.10

      Schielen1048

    • 24.5.11

      Übersicht über weitere Augenerkrankungen1049

  • 24.6

    Leitsymptome (Geruchs- und Geschmackssinn) und Erkrankungen der Nase1051

    • 24.6.1

      Geruchs- und Geschmacksstörungen1051

    • 24.6.2

      Nasenfurunkel1051

    • 24.6.3

      Nasenbluten1052

    • 24.6.4

      Polypen1052

    • 24.6.5

      Septumdeviation1053

  • 24.7

    Leitsymptome und Differenzialdiagnose (Ohren)1053

    • 24.7.1

      Ohrenschmerzen1053

    • 24.7.2

      Schwerhörigkeit1054

    • 24.7.3

      Ohrgeräusche1054

  • 24.8

    Erkrankungen der Ohren1056

    • 24.8.1

      Entzündung des äußeren Gehörgangs1056

    • 24.8.2

      Ohrenschmalzpfropf1056

    • 24.8.3

      Fremdkörper im Ohr1057

    • 24.8.4

      Tubenkatarrh1057

    • 24.8.5

      Mittelohrentzündung1058

    • 24.8.6

      Otosklerose1060

    • 24.8.7

      Hörsturz1060

    • 24.8.8

      Morbus Menière1061

Ganzheitliche Aspekte

Die Sinnesorgane sind für den Menschen das Tor zu seiner Umwelt. Verantwortlich für die Reizaufnahme, sind sie wichtige Kontakt- sowie Kommunikationsorgane. Diagnostisch sind sie in zweifacher Hinsicht von Bedeutung: Zum einen werden zahlreiche Krankheiten frühzeitig durch Veränderungen der Sinnesorgane sichtbar, zum anderen sind die eigenen Sinnesorgane für den Behandler die natürlichsten und damit einfachsten Mittel, die ihm aus sich selbst heraus für die Diagnostik zur Verfügung stehen.

In früheren Zeiten, als es noch keine apparativen Diagnosemethoden gab, waren die Behandler in besonderem Maße auf ihre Sinne angewiesen, um zu einer Diagnose zu gelangen. Mittels Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken waren sie in der Lage, eine Aussage über Erkrankungen des Patienten zu treffen. Schon Hippokrates (460–377 v. Chr.) war überzeugt: „Es gibt keine andere Sicherheit in unserer Kunst, als die Empfindung.“

Die Sinnesorgane als Projektionsflächen des Körpers

Antlitzdiagnose, Iridologie, Zungendiagnose und Reflexzonendiagnose sind wichtige Bestandteile einer ganzheitlichen Untersuchung. Durch sie lassen sich Erkenntnisse über die Konstitution des Patienten und seine aktuelle gesundheitliche Verfassung gewinnen, spiegeln sich doch aus naturheilkundlicher Sicht in diesen besonders empfindlichen und empfindsamen Bereichen des Körpers alle Organsysteme wider. Eine Aussage über die Konstitution und Krankheitsneigung des Patienten lässt sich z. B. besonders gut anhand der Augen bzw. der Iris treffen. Auch die konventionelle Medizin bindet die Betrachtung der Augen in die Diagnostik ein, wenn auch mit einer anderen Gewichtung und Zielsetzung: Beispielsweise sind besonders blasse Bindehäute und Skleren ein zusätzlicher Hinweis auf eine bestehende Anämie, gelbe Skleren sind Zeichen einer erhöhten Serumkonzentration von Bilirubin, z. B. bei einem Gallenstau.
Die Naturheilkunde begreift das äußere Ohr als Reflexzone des gesamten Körpers (3.7.7, 4.2.31) und entwickelte entsprechende Diagnose- und Therapieverfahren. Und selbst über das Aussehen des Geschmacksorgans Zunge lassen sich wichtige Erkenntnisse über den Zustand des Organismus gewinnen (Zungendiagnose 3.7.8).
In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist jedes Sinnesorgan einem Funktionskreis zugeordnet. Die Augen gehören danach zum Funktionskreis Leber, die Zunge (Sprache) zum Herzen, die Nase zur Lunge, und die Ohren sind mit der Niere verbunden.

Diagnostik mit den fünf Sinnen

Eine Diagnose mit allen Sinnen zu stellen heißt, den Patienten „ganz“ – im Sinne von „ganzheitlich“ – wahrzunehmen. Sein Gegenüber zu sehen, umfasst nicht nur den rein optischen Eindruck durch genaue Inspektion, sondern auch das Erfassen von Zusammenhängen zwischen äußerer Erscheinung und inneren Vorgängen. Ebenso ist das Zuhören nicht nur wichtig, um die Krankengeschichte des Patienten zu erheben, sondern auch, um Einblicke in die Bereiche seiner Persönlichkeit zu gewinnen, die sich über die anderen Sinne nicht erschließen. Das beinhaltet einmal seine psychische und soziale Situation, zum anderen gilt es aber auch, auf Zwischentöne zu achten. Ist die Sprache lebhaft und farbig oder gedämpft, eintönig und grau? Ist die Stimme kräftig und selbstbewusst oder zurückgenommen und schwach? Das Tasten und Fühlen liefert Informationen, die Augen und Ohren verschlossen bleiben: Temperatur und Feuchtigkeit, Form, Größe, Lage und Konsistenz sowie Vibrationen.
Speziell in der Osteopathie kommt dem Tastsinn eine ganz besondere Bedeutung zu. Die Fähigkeit des Tastens und Fühlens ist die Grundlage dieses diagnostischen und therapeutischen Verfahrens und erfordert intensives Üben im Rahmen der Ausbildung. William Garner Sutherland (1873–1954), der Begründer der kraniosakralen Osteopathie (4.2.34), empfahl seinen Studenten immer wieder „Hirnzellen in ihren Fingerspitzen zu entwickeln und die Finger fühlen, denken und sehen zu lehren“.
Geruch (z. B. Atem oder Körpergeruch) und Geschmack schließlich runden den Sinneseindruck ab, wobei der Geschmack in unserer Zeit eine eher untergeordnete Rolle spielt. Früher war es aber z. B. noch üblich, den Urin des Patienten zu „schmecken“, um festzustellen, ob er süß ist und damit wahrscheinlich Zucker enthält (bei Diabetes mellitus).

Psychologische Aspekte

Zahlreiche Redewendungen wie „eine kurzsichtige Entscheidung treffen“, „jemand nicht riechen können“, „taub oder blind für etwas sein“, „die Dinge so sehen, wie sie sind“ verdeutlichen den Zusammenhang zwischen der Wahrnehmung der äußeren Welt und dem inneren Erleben. Das innere Erleben entspricht der Welt der Gefühle. Sinneseindrücke haben stets eine „persönliche Note“ und sind immer mit Gefühlsregungen verknüpft, auch mit intensiven Körpergefühlen wie Lust, Freude, Angst oder Schmerz. Alles, was der Mensch auf diese Weise erfährt, wird von ihm verarbeitet und in seine Realität integriert.
Beeinträchtigungen der Sinnesfunktionen gehen oft mit psychischen Störungen einher. Das Gefühl, von der Umwelt abgeschnitten zu sein, ganz unabhängig davon, welches Sinnesorgan betroffen ist, kann z. B. Auslöser einer Depression sein. Umgekehrt führen psychische Belastungen auch zu Störungen der Sinnesorgane, z. B. Hörsturz, Tinnitus oder Schwindel. Bei diesen Erkrankungen sollten die Lebensumstände und die Situation, in der die Beschwerden erstmalig auftraten, genau analysiert werden. Überforderung kann eine Ursache der Symptome sein, die dem Patienten mehr oder weniger unbewusst als Schutzschild gegen die Reize der Außenwelt dienen.

Anatomie und Physiologie

Anatomie und Physiologie der Nase 12.2.2
Augen, Nase und Ohren zählen zu den Sinnesorganen. Neben Sehen, Riechen und Hören gehören auch Schmecken und Tasten zu den typischen 5 Sinnen. Darüber hinaus ist der Mensch in der Lage, noch weitere Sinneseindrücke wie Kälte und Wärme, Schmerz sowie die Bewegung und Stellung einzelner Gelenke wahrzunehmen. Außerdem verfügt er über den Gleichgewichtssinn (24.2.5).
Einen Sinneseindruck, der durch ein bestimmtes Sinnesorgan vermittelt wird, bezeichnet man als Sinnesmodalität. Sinneseindrücke stellen Reize dar, die über Rezeptoren an das zentrale Nervensystem weitergeleitet werden.
Rezeptoren sind spezialisierte Zellen, i. d. R. Nervenzellen, die einen Reiz in elektrische Impulse oder chemische Reaktionen umwandeln. Dadurch verändert sich die Spannung an der Zellmembran, und bei ausreichender Stärke des Reizes wird dieser über den Nervenfortsatz einer sensiblen Nervenzelle fortgeleitet. Nicht jeder Rezeptor ist für jeden Reiz empfänglich. Für die unterschiedlichen Reizarten gibt es spezifische Rezeptoren („Messfühler“).

Merke

Rezeptoren

  • Berührungsrezeptoren (Mechanorezeptoren) reagieren auf mechanische Einwirkungen wie Druck- und Zugkräfte.

  • Temperaturrezeptoren (Thermorezeptoren) reagieren auf Temperaturveränderungen.

  • Photorezeptoren reagieren auf Licht.

  • Chemorezeptoren reagieren auf Geschmacksstoffe im Mund bzw. Geruchsstoffe in der Nase.

  • Nozizeptoren reagieren auf Schmerzreize infolge von Gewebsschädigungen.

Mit Hilfe der Rezeptoren kann der Mensch den Ort des Reizes angeben und die Stärke einschätzen, was dazu beiträgt, Schäden zu vermeiden oder zumindest zu vermindern.
Ab einer gewissen Intensität können alle Reize Schmerzempfindungen auslösen; ein extrem lautes Geräusch z. B. wird nicht nur als laut, sondern auch als schmerzhaft empfunden.

Anatomie des Auges

Der Auge(n):Anatomie/Physiologiekugelförmige Augapfel liegt in der mit Fettgewebe ausgekleideten Augenhöhle. Seine Wand ist aus drei unterschiedlichen Schichten aufgebaut; in seinem Inneren liegen lichtbrechende und stützende Strukturen. Über den Sehnerv, der am hinteren Pol aus dem Auge austritt, werden die Sinneseindrücke an das Großhirn weitergeleitet. Die Bewegungen des Augapfels erfolgen über sechs äußere Augenmuskeln. Schutzeinrichtungen des Auges sind Augenbrauen, Augenlider, Wimpern, Bindehaut und Tränenapparat.
Augapfel
Der Augapfel (Bulbus Augapfeloculi) ist Bulbus:oculizwiebelschalenartig aus drei Schichten aufgebaut: der äußeren, mittleren und inneren Augenhaut (Abb. 24.1).
Äußere Augenhaut – Lederhaut
Die weiße Lederhaut (Sklera)Lederhaut: Auge besteht aus festem SkleraBindegewebe. Sie umhüllt den ganzen Augapfel und gibt ihm seine Form (äußere Augenhaut). Vorne geht die Lederhaut in die lichtdurchlässige, gefäßlose Hornhaut (Cornea)Hornhaut, Auge über. Diese weist eine Corneaetwas stärkere Wölbung als der übrige Augapfel auf und ist maßgeblich an der Lichtbrechung beteiligt.
Mittlere Augenhaut – Aderhaut
Die mittlere Augenhaut ist gefäßreich und wird in ihrem hinteren Abschnitt als Aderhaut (AderhautChorioidea) bezeichnet. Ihre Chorioideazahlreichen Blutgefäße versorgen die Netzhaut mit Nährstoffen. Im vorderen Augenbereich geht die Aderhaut in den Ziliarkörper (Corpus ciliareZiliarkörper, Corpus:ciliareStrahlenkörper Abb. 24.2) Strahlenkörperüber, an dessen bindegewebigen Fasern die Linse aufgehängt ist. Der Ziliarkörper enthält zudem einen Muskel (Ziliarmuskel), der den ZiliarmuskelKrümmungszustand der Linse beim Nah- und Fern-Sehen verändern kann. In den gefäßreichen Bindegewebsfortsätzen des Ziliarkörpers wird das Kammerwasser gebildet, das die Kammerwasservor der Linse liegende vordere Auge(n):KammerAugenkammer und die neben der Linse liegende hintere Augenkammer füllt und für die Ernährung von Hornhaut und Linse sorgt. Der Abfluss des Kammerwassers erfolgt über den Schlemm-Kanal am Übergang Schlemm-Kanalzwischen Lederhaut und Hornhaut.
Weiter vorne schließt sich an den Ziliarkörper die Iris (IrisRegenbogenhaut) an. Diese ist Regenbogenhauteine kreisrunde Scheibe, die in der Mitte ein Loch hat, die Pupille. Neben Pupillezahlreichen Pigmenten, die dem Auge seine Farbe geben, enthält die Iris ringförmig und strahlenförmig angeordnete glatte Muskelfasern, die je nach Lichtverhältnissen – wie die Blende eines Fotoapparats – die Weite der Pupille verändern können. Diese Muskeln werden als M. sphincter pupillae (Musculus(i):sphincter pupillaePupillenverenger) und M. dilatator pupillae (Musculus(i):dilatator pupillaePupillenerweiterer) bezeichnet; beide werden vom vegetativen Nervensystem (23.2.4) innerviert. So tritt z. B. bei starker Helligkeit, Müdigkeit oder Nahsicht reflektorisch eine Pupillenverengung (Miosis) ein; bei MiosisDämmerung, Fernsicht oder Stressreaktionen kommt es hingegen zu einer Erweiterung der Pupille (Mydriasis). Die MydriasisFähigkeit der Pupille, sich bei plötzlicher starker Lichteinstrahlung durch ein automatisches Engerwerden an die neue Lichtintensität anzupassen, wird als Lichtreflex bezeichnet.

Merke

Als Mydriasis wird die Pupillenerweiterung bezeichnet, z. B. bei starker Dunkelheit. Die Pupillenverengung, z. B. bei Helligkeit, nennt man Miosis.

Innere Augenhaut – Netzhaut
LichtreflexZur innersten Schicht des Augapfels gehören die Netzhaut (Retina) mit den RetinaNetzhautbildaufnehmenden Sinneszellen und das Pigmentepithel, das die Netzhaut umkleidet und den Stoffwechsel zwischen Netz- und Aderhaut unterstützt. Zwischen Pigmentepithel und Netzhaut besteht nur im Bereich des Sehnervenaustritts (Papille, Papille: AugeSehnervenkopf) und am SehnervenkopfZiliarkörper eine feste Verbindung. An den übrigen Stellen wird der notwendige Kontakt der Schichten durch den Augeninnendruck gewährleistet.
Die Netzhaut erhält ihre Nährstoffe über die zentrale Netzhautarterie (A. centralis Netzhautarterieretinae), die Arteria(-ae):centralis retinaezusammen mit dem Sehnerv in das Auge eintritt. Der venöse Blutabfluss erfolgt über die mit der Arterie parallel verlaufende zentrale Netzhautvene (V. centralis retinae).Netzhautvene
Die Vena(-ae):centralis retinaeNetzhaut selbst ist aus mehreren Schichten aufgebaut, die unterschiedliche Arten von Nervenzellen enthalten: Die wichtigsten sind die Sinneszellen- und die Nervenzellenschicht (Abb. 24.3). Die Sinneszellenschicht enthält die lichtempfindlichen Stäbchen und Zapfen. Die Zapfen nehmen ZapfenFarbunterschiede und genaue Abbildungen wahr; sie sind sozusagen für das Sehen bei Tage zuständig. Sie befinden sich v. a. im Zentrum der Netzhaut, direkt gegenüber dem Mittelpunkt von Hornhaut und Pupille (Sehachse). Dieses Sehachsezapfenreiche Gebiet wird als gelber Fleck (Macula lutea) gelber Fleckbezeichnet und ist Macula, luteader Ort des schärfsten Sehens. Die Stäbchen hingegen sind mehr in der StäbchenNetzhautperipherie angesiedelt und enthalten den sog. Sehpurpur. Der Sehpurpur besteht Sehpurpuraus einem Eiweißkörper und einem Vitamin-A-Abkömmling. Die Stäbchen erkennen unterschiedliche Helligkeitsstufen und mehr schemenhafte Bewegungseindrücke; daher sind sie besonders für das Dämmerungssehen geeignet.
Anpassung an Lichtreize
Die Möglichkeit des Auges, sich an Lichtreize unterschiedlicher Intensität – Sehen bei Tag und Nacht – anpassen zu können, wird als Adaptation bezeichnet. Bei Blendung wird innerhalb von ca. einer Min. die Lichtempfindlichkeit der Netzhaut herabgesetzt. Der Anpassungsvorgang der Netzhaut an plötzliche Dunkelheit dauert hingegen bis zu 30 Min.
Bevor jedoch die Licht- und Farbreize die Sinneszellenschicht erreichen, durchdringen sie die Nervenzellenschicht der Netzhaut (Abb. 24.2). Die Sinneseindrücke von Stäbchen und Zapfen werden an diese Nervenzellen übermittelt und über deren Fortsätze, die sich im Bereich der Papille zum Sehnerv (N. opticus) vereinigen, an die Sehzentren im Gehirn (Rindenfelder 23.2.3) weitergeleitet.
An der Stelle, wo der Sehnerv aus dem Auge austritt (Papille, Sehnervenkopf), gibt es weder Stäbchen noch Zapfen, sodass hier das Sehvermögen völlig fehlt. Diese Stelle wird deshalb auch blinder Fleck genannt.
Lichtbrechende Organe
blinder FleckDie Auge(n):lichtbrechende Organelichtbrechenden Strukturen bilden den optischen Apparat des Auges. Sie sind optischer Apparatvergleichbar mit dem Linsensystem eines Fotoapparats. Ihre Aufgabe ist es, einfallende Strahlen stets so zu bündeln, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht.
Alle von außen eindringenden Lichtreize müssen diese lichtbrechenden Schichten durchdringen, bevor sie die eigentliche Sinneszellenschicht erreichen.

Merke

Zum optischen Apparat des Auges zählen die Hornhaut, die Linse, der Glaskörper und das Kammerwasser (Abb. 24.1).

Linse
Die LinseLinse (Lens) ist der Auge(n):Linseeinzige Bestandteil Lensdieses optischen Apparats, der veränderbar ist. Sie ist ein gefäßloser, transparenter linsenförmiger Körper, der von einer festen Kapsel umgeben ist. Mittels bindegewebiger Fasern ist die Linse hinter der Regenbogenhaut am Ziliarkörper aufgehängt. Durch Anspannung bzw. Erschlaffung dieser Fasern kann die Form der Linse stärker abgeflacht oder gewölbt werden. Dadurch variiert die Brechkraft des Auges, sodass einfallende Strahlen sich immer auf der Netzhaut vereinigen und dort ein scharfes Bild entwerfen. Dieser Vorgang, der beim Sehen in der Nähe und Ferne eine Rolle spielt, wird als Akkommodation bezeichnet.
Glaskörper
Der Innenraum des Augapfels hinter der Linse wird vom Glaskörper (Corpus vitreum) Glaskörperausgefüllt. Er besteht aus Corpus:vitreumeiner durchsichtigen, gallertigen Masse und erzeugt durch konstanten Druck auf die Netzhaut einen festen Kontakt zwischen Netzhaut und Pigmentepithel. Das ist notwendig, damit die Netzhaut ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird.
Augenmuskeln
Der Augapfel wird in der AugenmuskelnAugenhöhle durch sechs quergestreifte Muskeln bewegt (Tab. 24.1, Abb. 24.4). Diese ziehen von der knöchernen Wand der Augenhöhle zu ihren Ansatzpunkten an der außen gelegenen Lederhaut. Das Fettgewebe der Augenhöhle wirkt bei allen Bewegungen wie ein Gleitlager. Die nervale Versorgung erfolgt über verschiedene Hirnnerven (23.2.10) und ermöglicht normalerweise ein koordiniertes Zusammenspiel der Augenmuskeln beider Augen.
Schutzeinrichtungen des Auges
Zu den Auge(n):SchutzeinrichtungenSchutzeinrichtungen des Auges zählen Augenbrauen, Augenlider, Wimpern, Bindehaut und Tränenapparat (Abb. 24.5).
Auge und Bindehaut
Die Augenbrauen bilden oberhalb der Augen einen Schutzwall vor zu intensiver Sonnenstrahlung, Fremdkörpern und dem salzigen Stirnschweiß.
Durch das obere und untere Augenlid (Palpebra) wird die Lidspalte begrenzt. PalpebraNeben zahlreichen Talgdrüsen befinden sich in den Augenlidern dünne Muskeln, die das Auge willkürlich und unwillkürlich (Abwehrreflex) schließen können. Die Innenseite der Augenlider ist von Bindehaut bedeckt. An den Kanten der Augenlider befinden sich die Augenwimpern, die – ähnlich wie die Augenbrauen – ebenfalls vor Fremdkörpern und Sonneneinstrahlung schützen.
Die Bindehaut (Conjunctiva) Bindehautist eine gefäßreiche ConjunctivaSchleimhaut. Sie bedeckt den vorderen sichtbaren Abschnitt der Lederhaut sowie die Innenseiten der Augenlider und verbindet Augapfel und Augenlider. Da sie viele Schmerz- und Berührungsrezeptoren enthält, ist sie bei äußeren Reizungen (z. B. durch Fremdkörper) sehr schmerzempfindlich.
Tränenapparat
Der Tränenapparat besteht aus den Tränendrüsen und den Tränenwegen. TränendrüsenDie Tränendrüsen liegen oberhalb der äußeren Augenwinkel in den Augenhöhlen und produzieren die Tränenflüssigkeit. Der Lidschlag verteilt sie und bewahrt die der Luft ausgesetzten Augenabschnitte vor Austrocknung. Fremdkörper werden durch die Tränenflüssigkeit aus dem Bindehautsack ausgeschwemmt. Die salzreiche Tränenflüssigkeit enthält ein bakterienabtötendes Enzym, das Lysozym. Sie gelangt über zahlreiche Ausführungsgänge im Bereich der Oberlider in den Bindehautsack und sammelt sich in den inneren Augenwinkeln. Dort befinden sich zwei feine Tränenkanälchen, die in einen gemeinsamen Tränensack münden. Vom Tränensack fließt die Tränenflüssigkeit über den Tränennasengang in die Nasenhöhle (Abb. 12.2).
Kommt es durch äußere Reize oder psychische Einflüsse zu verstärktem Tränenfluss, reichen die normalen Abflusswege nicht mehr aus, und die Tränen fließen über die Lidränder ab (Augentränen, Weinen).

Sehfunktion

Auf dem Weg Sehfunktionzu den Auge(n):SehfunktionSinneszellen in der Netzhaut müssen eintreffende Lichtstrahlen zunächst die lichtbrechenden Elemente Hornhaut, Kammerwasser, Linse und Glaskörper passieren. Auf der Netzhaut entsteht infolge des physikalischen Strahlengangs ein verkleinertes, spiegelbildliches und umgekehrtes Bild des betrachteten Objekts (Abb. 24.6). Um sowohl von nahen als auch von entfernten Gegenständen stets scharfe Bilder zu erhalten, muss die Brechkraft des Auges ständig variiert werden. Dies erfolgt hauptsächlich über die Linse, die ihren Krümmungsgrad und somit ihre Brechkraft ändern kann (Akkommodation).
Beim Nahsehen Akkommodationkommt es zum Zusammenziehen des Ziliarmuskels, sodass die Linse eine kugelige Form annimmt und die Brechkraft des Auges sich erhöht. Beim Sehen in die Ferne passiert das Gegenteil: Der Ziliarmuskel erschlafft, die Linse flacht ab, und die Brechkraft verringert sich.
Der von den Sinneszellen aufgenommene Licht- bzw. Farbeindruck wird über den Sehnerv an das Gehirn weitergeleitet, und in der Sehrinde des Hinterhauptlappens (23.2.2) Sehrindeerfolgt dann erst die visuelle Wahrnehmung, also das eigentliche Sehen. Hier verschmelzen die aus beiden Augen eintreffenden Informationen. Das Gehirn lernt schon bald nach der Geburt, sie zu einem einheitlichen, aufrechten, wirklichkeitsgetreuen Bild zu korrigieren.

Geruchs- und Geschmackssinn

Anatomie und Nase(n):Geruchs-und GeschmackssinnPhysiologie der Nase 12.2.2, der Zunge 13.2.7
Geruchs- und Geschmackssinn sind eng miteinander und mit dem vegetativen Nervensystem verbunden. Bekanntlich löst schlechter Geschmack oder Geruch Erbrechen und Übelkeit aus; dagegen regen angenehme Gerüche die Speichel- und Magensaftsekretion an.
Nase
Die Nase hat drei wichtigeNase(n):Funktionen Funktionen: Sie erwärmt die Atemluft, reinigt sie vor und feuchtet sie an, sie beherbergt das Riechorgan und bildet den Resonanzraum für die Stimme. Die Rezeptoren des Geruchssinns sind Chemorezeptoren, die in den Riechfeldern in beiden Nasengängen Riechfelderim oberen Bereich der Nasenscheidewand und an der oberen Nasenmuschel liegen. Die Riechfelder bestehen mikroskopisch aus drei verschiedenen Zellarten: Stützzellen, Basalzellen Stützzellen, Innenohrund Riechzellen.
Basalzellen (Riechfunktion)Die oberflächlichRiechzellen liegenden Stützzellen gehen vermutlich aus den tieferliegenden Basalzellen hervor. Zwischen mehrere Stützzellen eingebettet liegen die Riechzellen. Diese haben zwei gegenüberliegende Endungen: Am einen Ende befinden sich jeweils sechs bis acht feine Riechhärchen, die mit den Geruchsstoffen in der vorbeiströmenden Einatmungsluft reagieren; am anderen Ende ziehen ihre ableitenden Nervenfortsätze, die sich zum ersten Hirnnerv (N. olfactorius 23.2.10) vereinigen, durch die Löcher der Siebbeinplatte zum Riechkolben (Bulbus olfactorius).Riechkolben Diese liegen beiderseits in der vorderen Schädelgrube unter den Stirnlappen des Großhirns.
Zunge
Die Rezeptoren für den Geschmackssinn befinden sich in den sog. Geschmacksknospen im Bereich der Zunge, der GeschmacksknospenMundschleimhaut, des Rachens und des Kehldeckels. Jugendliche haben etwa 9.000 Geschmacksknospen, alte Menschen nur noch die Hälfte. Besonders konzentriert liegen sie in den verschiedenen Zungenpapillen. Ähnlich wie die Riechfelder sind auch die Geschmacksknospen aus Stütz- und Sinneszellen – den Geschmackszellen – aufgebaut. Die Stützzellen sind spezialisierte Epithelzellen der Mundschleimhaut, die aus den Basalzellen hervorgehen. Die Stütz- und Basalzellen formen zwiebelschalenartig um die Sinneszellen eine Kapsel. Jede der länglichen Sinneszellen hat an einem Ende einen kleinen Fortsatz, das Geschmacksstiftchen. Es ragt an einer Öffnung, dem Geschmacksporus, aus der Geschmacksknospe in die Mundhöhle hervor und dient zur Reizaufnahme. An seinem gegenüberliegenden Ende befinden sich die ableitenden Nervenfortsätze (Dendriten), über die die Sinneseindrücke schließlich zum Großhirn weitergeleitet werden. Die Chemorezeptoren des Geschmackssinns werden durch in der Mundhöhle gelöste Substanzen erregt. An den Geschmacksempfindungen ist jedoch auch der Geruchssinn beteiligt. Ist dieser gestört (z. B. bei behinderter Nasenatmung durch einen Schnupfen), so ist auch der Geschmackssinn deutlich beeinträchtigt. Alle Geschmacksempfindungen können auf vier Grundqualitäten zurückgeführt werden: süß, salzig, bitter und sauer. Für jede ist wahrscheinlich ein eigener Rezeptor zuständig, wobei die Verteilung der Rezeptoren auf der Zunge unterschiedlich ist (Abb. 24.7).
  • Süßrezeptoren: Zungenspitze

  • Salzigrezeptoren: Zungenspitze, vorderer seitlicher Zungenrand

  • Sauerrezeptoren: hinterer seitlicher Zungenrand

  • Bitterrezeptoren: hinterer Zungenbereich

Anatomie des Ohrs

Merke

Das Ohr lässt sich in das äußere Ohr, das Mittelohr und das Innenohr unterteilen (Abb. 24.8).

Äußeres Ohr
Ohr(en):AnatomieZum äußeren Ohr gehören die Ohr(en):äußeresknorpelige Ohrmuschel und Ohr(en)der äußere Gehörgang. Die Ohrmuschel besteht u. a. aus der Helix, der Antihelix (Abb. 26.22), dem Tragus und dem Antitragus. Der äußere Gehörgang, der leicht abgewinkelt von der Ohrmuschel zum Trommelfell verläuft, enthält Drüsen, die das Ohrenschmalz (Cerumen) bilden, und Ohrenschmalzeinzelne Haare. Sie Cerumenschützen vor eindringenden Fremdkörpern. Das Trommelfell, eine dünne bindegewebige Membran, ist die Grenze zwischen äußerem Ohr und Mittelohr.
Mittelohr
Das Mittelohr Mittelohrliegt in der Ohr(en):MittelohrPaukenhöhle, einer kleinen, luftgefüllten PaukenhöhleKnochenhöhle im Felsenbein (9.2.2). Diese ist mit Epithel ausgekleidet und erstreckt sich vom Trommelfell bis zu einer knöchernen Wand des Innenohrs. In dieser Wand befinden sich zwei membranverschlossene Knochenfenster – das ovale und das runde Fenster, Fenster:ovalesdie eine Verbindung Fenster:rundesmit dem Innenohr herstellen. Nach hinten geht die Paukenhöhle in die Hohlräume des Warzenfortsatzes über.
Die Ohrtrompete (Tuba Eustachii, Tuba Ohrentrompeteauditiva, Tuba:EustachiiEustachio-Röhre) stellt Tuba:auditivaeine Verbindung Eustachio-Röhrezwischen Mittelohr und oberem Rachenraum her. Diese bewirkt einen Luftdruckausgleich zwischen den beiden Räumen, indem sie bei jedem Schluckakt automatisch geöffnet wird.
In der Paukenhöhle selbst liegen die drei Gehörknöchelchen: Hammer, Amboss und GehörknöchelchenSteigbügelHammer (AmbossAbb. 24.8). Der SteigbügelHammergriff ist mit dem Trommelfell fest verbunden. Sein kürzerer Fortsatz ist gelenkig mit dem Amboss und dieser wiederum gelenkig mit dem Steigbügel verknüpft. Der Steigbügel ist mit seiner „Fußplatte“ im ovalen Fenster befestigt. Die Gehörknöchelchenkette wandelt die auf das Trommelfell treffende Luftschwingung in eine Knochenschwingung um und dämpft starke Trommelfellschwingungen, damit das Innenohr nicht durch extreme Vibrationen oder Lärm geschädigt wird.
Innenohr
Es enthält die Ohr(en):InnenohrInnenohrSinnesrezeptoren für Gehör und Gleichgewichtssinn (24.2.5) und liegt in einem komplizierten Hohlraumsystem, dem knöchernen Labyrinth des Felsenbeins, das aus Vorhof, Bogengängen und Schnecke besteht. Im Vorhof und in den Bogengängen liegen die SinnesrezeptorenBogengänge des Gleichgewichtsorgans. Die Schnecke enthält die Sinnesrezeptoren für das Gehör.
Knöcherne Schnecke
Die knöcherne Schnecke (Cochlea) ist einSchnecke:knöcherne spiralig gewundener CochleaKnochenraum, der mit liquorähnlicher Flüssigkeit (Perilymphe) gefüllt ist. Eine Zwischenwand Perilympheteilt den Schneckengang in zwei Etagen (Abb. 24.9): Die obere Scala vestibuli (Vorhoftreppe, lat. scala = Treppe) beginnt am Vorhoftreppeovalen Fenster und geht an der Schneckenspitze in die unten gelegene Scala tympani (Scala tympani/vestibuliPaukentreppe) über, die am runden Fenster endet.
Häutige Schnecke
PaukentreppeVon der knöchernen Schnecke wird die häutige Schnecke umgebenSchnecke:häutige. Diese ist ein membranöser, ebenfalls mit Lymphe (Endolymphe) gefüllter Schlauch. In ihr befindet Endolymphesich die Basilarmembran mit den Sinneszellen. Die Sinneszellen für das Gehör heißen Haarzellen, da sie an ihrem freien Haarzellen, InnenohrEnde feine Härchen tragen, die in die Endolymphe des häutigen Schneckengangs ragen und mit einer gallertigen Membran (Membrana tectoria) in Verbindung stehen. An Membrana:tectoriaihrer Basis werden die Haarzellen von Fasern des VIII. Hirnnervs (N. vestibulocochlearis 23.2.10) umfasst. Das Sinnesepithel der häutigen Schnecke heißt Corti-Organ.
Vorhof
Vom Vorhof (Corti-OrganVestibulum), dem Zentrum des knöchernen VestibulumLabyrinths, gehen nach hinten die drei Bogengänge und nach vorn die Schnecke des Hörorgans ab (Abb. 24.10). Wie die knöcherne Schnecke ist auch er mit Perilymphe gefüllt und enthält mit Endolymphe gefüllte membranöse Strukturen, die im Vorhof als Utriculus (großes Vorhofsäckchen) Utriculusund Sacculus (Vorhofsäckchenkleines Vorhofsäckchen) bezeichnet Sacculuswerden. Sie sind durch zwei feine Gänge miteinander verbunden (Abb. 24.11).
Utriculus und Sacculus enthalten in ihrer Wand jeweils ein Sinnesfeld (Makula), welches im Utriculus Makula: Innenohrhorizontal, im Sacculus vertikal liegt. Diese Sinnesfelder sind – ähnlich wie im Hörorgan – aus Sinneszellen und Stützzellen aufgebaut. Die Sinneszellen sind Haarzellen, deren Härchen in eine gallertige Membran hineinragen. Diese Membran (Statolithenmembran) bedeckt das gesamte StatolithenmembranSinnesfeld und hat an ihrer Oberfläche feine Kalziumkarbonatkristalle (Statolithen) eingelagert (Abb. 24.12).
Bogengänge
StatolithenDie drei Bogengänge stehen etwa im Bogengänge, Ohrrechten Winkel zueinander in den drei Raumebenen (Abb. 24.10). Es gibt je einen vorderen und hinteren vertikalen sowie einen seitlichen horizontalen Bogengang. Alle beginnen und enden im Vorhofbereich, sodass sie zusammen mit diesem einen Ring bilden. In den knöchernen Bogengängen verlaufen die membranösen, mit Endolymphe gefüllten häutigen Bogengänge. Jeder Bogengang ist am Ende zur Ampulle erweitert. Dort befinden sich Ampulle, Innenohrdie Sinneszellen des Bogengangsystems. Es sind Haarzellen, die von Stützzellen umgeben sind. Ihre Härchen ragen in eine gallertartige, kuppelförmige Masse (Cupula).

Hör- und Gleichgewichtsfunktion

Das Hör- und das Schnecke:knöcherneGleichgewichtsorgan sind in verschiedenen Strukturen des Innenohrs lokalisiert und haben unterschiedliche Funktionen:
  • Das Gehör dient der Aufnahme von Schallreizen; seine Sinneszellen sind in der Schnecke enthalten.

  • Das Gleichgewichtsorgan (GleichgewichtsorganVestibularapparat) registriert Körperlage und Vestibularapparatbewegung im Raum und dient zusammen mit anderen Sinnesorganen (Augen, Tiefensensibilität) der Orientierung im Raum und der Aufrechthaltung von Kopf und Körper in Ruhe und bei Bewegungen; seine Sinneszellen befinden sich im Vorhof und in den Bogengängen.

Die Informationen aus beiden Organen werden über den N. vestibulocochlearis (VIII. Hirnnerv 23.2.10) an das Gehirn übermittelt. Dieser Nerv verläuft zusammen mit den ohrversorgenden Blutgefäßen vom Innenohr durch den inneren Gehörgang in das Schädelinnere.
Hörfunktion
Schallwellen sind LuftschwingungenHörfunktion, die sich wellenförmig ausbreiten. Auf das Ohr treffende Schallwellen werden von der Ohrmuschel aufgenommen und durch den äußeren Gehörgang zum Trommelfell geleitet. Das Trommelfell wird durch die Schallwellen in Schwingungen versetzt, die sich auf die Gehörknöchelchenkette übertragen und schließlich das ovale Fenster erreichen.
Die Steigbügelschwingungen am ovalen Fenster versetzen die Perilymphe der Scala vestibuli in Schwingungen, durchlaufen diese als Wanderwellen bis zur Schneckenspitze und laufen von dort die Scala tympani hinab zum runden Fenster, wo sie verebben. Die Wanderwellen in der Perilymphe versetzen auch die Basilarmembran innerhalb der häutigen Schnecke in Schwingung. Dadurch werden zwischen den Haarzellen auf der Basilarmembran und der gallertigen Membrana tectoria Bewegungen erzeugt, die dazu führen, dass die Härchen der Sinneszellen verbogen werden. Aufgrund dieses mechanischen Biegungsreizes werden die Haarzellen erregt, die ihre Reize an die basal gelegenen Nervenfasern weitergeben. Diese Nervenfasern vereinigen sich später zusammen mit den Nervenfasern des Gleichgewichtsorgans zum N. vestibulocochlearis und ziehen zum Hörzentrum im Großhirnschläfenlappen.
Gleichgewichtsfunktion
Die GleichgewichtsfunktionSinneszellen Ohr(en):Gleichgewichtsfunktionder Makulae des Vorhofs reagieren auf Schwerkraft und Beschleunigungen in vertikaler oder horizontaler Ebene. Hierbei ändert sich der Druck, der von der Statolithenmembran erzeugt wird, die Sinneshärchen verbiegen sich und werden dadurch als Mechanorezeptoren erregt (Abb. 24.13). Die Verarbeitung ihrer Signale im ZNS vermittelt verschiedene bewusste Empfindungen wie „Fallen“, „Bremsen“ oder „Steigen“ und führt reflektorisch zur Anpassung von Tonus und Bewegung der Körpermuskulatur.
Die Sinneszellen der Bogengänge reagieren auf Drehbewegungen. Hierbei kommt es zu einer Auslenkung der Endolymphe und der Cupula, was wiederum zu einem Zug an den darin Cupulaeingebetteten Härchen führt und den entsprechenden Reiz für die Sinneszellen darstellt (Abb. 24.14). Die Nervenimpulse aus den Haarzellen führen im zentralen Nervensystem zur bewussten Empfindung von Drehbewegungen und zur reflektorischen Anpassung der Körperhaltung an die Erfordernisse der jeweiligen Situation.
Von den Haarzellen des Gleichgewichtsorgans werden die Erregungsimpulse zunächst an Nervenzellen weitergeleitet, die im inneren Gehörgang liegen. Ihre Fasern bilden den vestibulären (zum Vorhof gehörenden) Anteil des N. vestibulocochlearis.
Dieser leitet ihre Informationen an zahlreiche Hirngebiete weiter: Rückenmark, Kleinhirn, Formatio reticularis, Thalamus und Hirnnervenkerne. Über diese Verbindungen werden die Erregungen des Gleichgewichtsapparats mit dem motorischen System verknüpft, sodass die Muskelbewegungen für eine normale Stellung des Kopfes, des Körpers und der Augen reflektorisch entsprechend den jeweiligen Erfordernissen in Ruhe, bei Lagewechsel oder Bewegung gesteuert werden können.

Untersuchung und Diagnostik

Anamnese

Bei allen Beschwerden der Sinnesorgane sind neben der aktuellen Anamnese eine etwaige Medikamenteneinnahme, Allergien (z. B. bei geröteten und tränenden Augen) und bestehende Allgemeinerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus bei Sehverschlechterung) von Bedeutung. Deshalb müssen Sie bei folgenden Allgemeinsymptomen unbedingt auch immer an eine mögliche Erkrankung der Sinnesorgane denken:
  • Übelkeit, Erbrechen (z. B. bei akutem Glaukom 24.5.6)

  • Kopfschmerzen (z. B. durch Sehstörungen oder durch einen erhöhten Augeninnendruck)

  • Fieber (z. B. bei Mittelohrentzündung 24.8.5)

  • Schwindel (bei Schädigung des Gleichgewichtsorgans)

  • Schlafstörungen (bei chronisch behinderter Nasenatmung durch Nasenpolypen 24.6.4)

Umgekehrt müssen Sie bei Erkrankungen der Sinnesorgane auch mögliche Erkrankungen anderer Organsysteme ausschließen.

Tipp

Augenerkrankungen sind oft die ersten Vorboten einer inneren Erkrankung oder einer Erkrankung des zentralen Nervensystems.

Wenn der Patient von Schmerzen im Bereich der Augen, Ohren oder Nase berichtet, fragen Sie nach dem Schmerzbeginn (plötzlich z. B. bei Glaukomanfall oder Mittelohrentzündung), Schmerzlokalisation (ein- oder beidseitig) und Schmerzcharakter.
Bei Verschlechterung der Sinnesfunktionen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken) ist der Verlauf von Bedeutung: akuter oder allmählicher Beginn, ständige oder nur zeitweise Minderung der Sinnesfunktion.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung umfasst v. a. die Inspektion und Palpation der Augen, Nase und des äußeren Ohrs und ihrer Umgebung. Die Beurteilung der Umgebung der Sinnesorgane ist besonders wichtig, z. B. können bestimmte Gesichtsveränderungen Hinweise auf die Art der Augenerkrankung geben (z. B. kann ein Herpes zoster im Trigeminusbereich die Hornhaut befallen).
Untersuchung der Augen
Untersuchung von Sehfunktion:UntersuchungAuge(n):UntersuchungKopf und Hals 3.5.5
Bei der Inspektion der Augen beurteilen Sie bei Inspektion:Augeguter Beleuchtung folgende Strukturen:
  • Augenlidhaut: Prüfen Sie, ob Zeichen einer Entzündung, eines Ödems, Ekzems vorliegen, achten Sie auf die Lidbeweglichkeit und Lidstellung.

  • Bindehaut – Normalbefund: zartrosa gefärbt, durchsichtig, glatt, glänzend, hellrote Gefäße

  • Hornhaut: Sie begutachten diese, indem Sie den Patienten mit dem Gesicht zum Fenster sitzen lassen und das Hornhautspiegelbild des Fensters betrachten. Durch Augenbewegungen „wandert“ das Spiegelbild über die ganze Hornhaut; normalerweise glatte Konturen sowie scharfe und glänzende Kanten.

  • Iris: Sie wird mit Lupe und bei seitlich einfallendem Licht (Untersuchungslämpchen) beurteilt; auf Oberfläche, Lücken und evtl. Farbeinlagerungen achten.

  • Pupille: Normalerweise sind beide Pupillen gleich groß und rund, den Lichtverhältnissen entsprechend bei Helligkeit klein, bei Dämmerlicht groß.

Zur Betrachtung der Oberlidinnenseite muss das Oberlid ektropioniert (umgestülpt) werden (Abb. 24.15).
Die Palpation der Augen dient der Abschätzung des Augeninnendrucks. Lassen Sie den Patienten nach unten blicken, und legen Sie die Spitzen beider Zeigefinger auf das Oberlid. Normalerweise ist der Augapfel leicht eindrückbar (Lid geschlossen!), und das Eindrücken schmerzt nicht. Ein harter und druckempfindlicher „Tennisball-Augapfel“ deutet auf ein Glaukom (24.5.6). Vergleichen Sie beide Augäpfel miteinander.

Tipp

Geringe Druckerhöhungen sind nur durch apparative Messung feststellbar.

Zusätzlich gehört zur Augenuntersuchung die Überprüfung der Pupillenreaktionen (23.4.7) und der Pupillenreaktion, ÜberprüfungAugenmuskelfunktionen. Zur Prüfung der Funktion Augenmuskelfunktionen, Überprüfungder Augenmuskeln lassen Sie den Patienten zunächst geradeaus sehen und beobachten, ob ein Auge nach innen, außen oder in der Höhe abweicht (Schielen). Danach lassen sie den Patienten in alle neun möglichen Blickrichtungen schauen, also zuerst geradeaus, dann nach links oben, Mitte oben, rechts oben, nach innen, nach außen, nach links unten, Mitte unten und rechts unten. Liegt eine Funktionsstörung eines Augenmuskels vor, so ist die Abweichung von der vorgegebenen Blickrichtung immer dann am größten, wenn es sich um die Hauptzugrichtung des funktionsgestörten Augenmuskels handelt.
Schielt der Patient, wird der Abdecktest durchgeführt. Dabei decken Sie Abdecktest, Augewechselseitig nacheinander jeweils ein Auge ab und fordern den Patienten auf, weiter geradeaus zu sehen, z. B. Ihre Nasenspitze zu fixieren. Wird das gesunde, geradeaus blickende Auge abgedeckt, kommt es zu einer Einstellbewegung des schielenden Auges, das nun das fixierende Auge ist. Zur Erkennung eines latenten (versteckten) Schielens wird der Aufdecktest durchgeführt. Auch hierbei wird Aufdecktest, Augewechselseitig ein Auge zugedeckt. Sie beobachten hierbei aber, ob das soeben aufgedeckte Auge eine Korrekturbewegung (Fusionsbewegung) ausführt. Das bedeutet, dass das latent schielende Auge während der Abdeckphase von der geraden Blickrichtung abweicht und nach dem Aufdecken eine Einstellbewegung zum Blick geradeaus ausführt.
Augenhintergrundspiegelung und Gesichtsfeldprüfung in der Heilpraktikerpraxis
Die Durchführung Augenhintergrundspiegelungeiner Gesichtsfeldprüfung inAugenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie) ohne Anwendung eines Ophthalmoskopieverschreibungspflichtigen Medikaments zur Pupillenerweiterung (Mydriatikum) – hierbei wird die notwendige Pupillenerweiterung nur durch Abdunkelung des Raums hervorgerufen – ist mühsam und bringt nur mit sehr viel Übung zuverlässige Ergebnisse. Somit sollte die Ophthalmoskopie besser von einem Augenarzt durchgeführt werden.
Das Gleiche gilt auch für die Überprüfung des Gesichtsfelds, da der Augenarzt hierfür ein spezielles Untersuchungsverfahren anwendet, das sehr verlässliche Ergebnisse liefert. Jedoch ist in der Heilpraktikerpraxis eine grobe Orientierung mit dem folgenden Untersuchungsgang möglich: Setzen Sie sich etwa in 0,5 m Abstand Ihrem Patienten gegenüber, und zwar so, dass Sie mit ihm auf gleicher Augenhöhe sind. Fordern Sie den Patienten auf, Sie direkt anzuschauen. Dabei soll er ein Auge abdecken. Schließen Sie Ihr eigenes Auge auf der entsprechenden Seite, sodass Ihr Gesichtsfeld in etwa mit dem des Patienten übereinstimmt. Dann führen Sie einen Bleistift oder einen ähnlichen Gegenstand von der Seite her aus verschiedenen Richtungen in das Gesichtsfeld. Sie sollten den Gegenstand – mit Ausnahme des Gesichtsfelds im Schläfenbereich – immer im gleichen Abstand zwischen Ihnen und dem Patienten halten. Normalerweise kann man, auch wenn man geradeaus schaut, ein sich bewegendes Objekt oft bereits bei einem Winkel von 90° wahrnehmen. Deshalb müssen Sie den Gegenstand etwas hinter den Patienten halten, bevor Sie ihn in sein Gesichtsfeld führen. Damit befindet sich das Testobjekt immer in Ihrem eigenen Gesichtsfeld. Bewegen Sie den Gegenstand langsam, damit der Patient ihn wahrnehmen kann. Bitten Sie den Patienten, Ihnen mitzuteilen, wann das Objekt in seinem Gesichtsfeld auftaucht. Dabei vergleichen Sie Ihr Gesichtsfeld mit dem des Patienten. Wiederholen Sie die Untersuchung mit dem anderen Auge. Stellen Sie Auffälligkeiten fest, überweisen Sie den Patienten zum Augenarzt.
Untersuchung der Nase, der Riech- und Geschmacksfunktion
Bei der äußerlichen Riechfunktion:UntersuchungGeschmacksfunktion, UntersuchungUntersuchung der Nase achten Sie auf Entzündungszeichen, Nase(n):UntersuchungSchwellungen und Formveränderungen. Palpieren Sie das Nasengerüst (z. B. Reiben oder Stufenbildung nach Knochenbruch?). Die Luftdurchgängigkeit der Nase überprüfen Sie durch Beobachten der Nasenflügelbewegung und durch wechselweises Zuhalten eines Nasenloches beim Ein- und Ausatmen. Sie können den Patienten auch auffordern, auf einen vor die Nasenlöcher gehaltenen Spiegel auszuatmen, und Sie vergleichen die Größe und Form des Atemniederschlags rechts und links.
Aufschluss über die Nasennebenhöhlen erhalten Sie durch Prüfung der Druck- und Klopfempfindlichkeit über Stirn und Wangen (3.5.5) und indem Sie den Patienten sich nach vorne bücken lassen (Schmerzen bei Sinusitis).
Die Riechfunktion testen Sie, indem Sie folgende Stoffe vor jedes Nasenloch halten:
  • reine Riechstoffe (wie Vanille, Lavendel oder Terpentinöl)

  • Riechstoffe mit Trigeminusreizkomponente (z. B. Formalin, Essigsäure oder Salmiak)

  • Riechstoffe mit Geschmackskomponente (z. B. Chloroform oder Pyridin)

Bei Ausfall der Riechfunktion werden die reinen Riechstoffe nicht wahrgenommen, die kombinierten aber gespürt oder geschmeckt.
Der Geschmackssinn wird mit Zucker-, Zitronen-, Geschmackssinn, ÜberpüfungKochsalz- und Chininlösung geprüft. Die Lösungen werden nacheinander in verschiedenen Konzentrationen auf die Zungenoberfläche rechts, links, vorne und hinten aufgetropft. Zwischen den einzelnen Prüfungen muss der Mund gespült werden. Süß wird v. a. an der Zungenspitze, salzig an der Zungenspitze und am vorderen seitlichen Zungenrand, sauer am hinteren seitlichen Zungenrand und bitter im hinteren Zungenbereich wahrgenommen (Abb. 24.7).
Untersuchung der Ohren, Hör- und Gleichgewichtsfunktion
Wichtig bei der Ohr(en):UntersuchungGleichgewichtsfunktion, UntersuchungGehör:UntersuchungUntersuchung des Ohrs und des Gehörs ist die Beobachtung des Patienten bei der Anamnese, denn eine Hörstörung kann auch vorliegen, ohne dass sich der Patient dessen bewusst ist.

Tipp

Hinweise auf Hörstörung

  • Der Patient versteht schlecht, wenn man sich beim Sprechen abwendet oder mehrere Personen gleichzeitig reden.

  • Der Patient antwortet nicht in der adäquaten Lautstärke, sondern (meistens) zu laut.

Bei der Inspektion des äußeren Ohrs können Rötung, Schwellung, Inspektion:OhrNeubildungen (z. B. Hauttumor), Absonderung aus dem Gehörgang (Eiter, Blut, Liquor) oder Fehlbildungen auffällig sein. Anschließend palpieren Sie folgende Strukturen:
  • Ohrmuschel (z. B. Überwärmung)

  • Warzenfortsatz (Processus mastoideus): Druckschmerz bei (komplizierter) Mittelohrentzündung oder Mastoiditis

  • Tragus: Druckschmerz bei Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa), mitunter auch bei Otitis media

  • Halslymphknoten

Eine Otoskopie (Ohrenspiegelung) schließt sich an. Nach Otoskopieder Inspektion der Ohrmuschel Ohrenspiegelungwird ein Ohrenspiegel (Otoskop) mit passendem Ohrtrichter in den äußeren Gehörgang eingeführt und der Gehörgang durch Zug an der Ohrmuschel nach hinten oben gestreckt. Nun können Trommelfell und äußerer Gehörgang beurteilt werden (Abb. 24.16):
  • Gehörgangsschwellung?

  • Gehörgangsfurunkel?

  • Ohrenschmalz?

  • Blutung, Rötung oder Vorwölbung des Trommelfells?

  • Mittelohrerguss bei Tubenkatarrh, evtl. liegendes Paukenröhrchen?

  • Verletzung (Perforation Abb. 24.42) oder Narben des Trommelfells?

Die einfachsten, grob orientierenden Untersuchungsmethoden der audiologischen Diagnostik (Hörprüfungen) sind die Stimmgabelprüfungen nach HörprüfungWeber und Rinne (Abb. 24.17, Abb. 24.18Stimmgabelprüfung:Gehör). Sie haben allerdings nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit, ermöglichen aber eine grobe Prüfung des Hörvermögens im Seitenvergleich und erste Aussagen über die Ursache der Schwerhörigkeit.
Bei der Gleichgewichtsprüfung fordern Sie den Patienten auf, mit Gleichgewichtsprüfunggeschlossenen Augen bestimmte Anweisungen auszuführen (z. B. Auf-der-Stelle-Treten oder ruhig Stehen). Anhand seiner Reaktionen lässt sich in vielen Fällen der Ursprung der Gleichgewichtsstörung lokalisieren. Beim Tretversuch tritt der Patient ca. 1 Min. auf der Stelle. Bei TretversuchKleinhirnstörungen oder bei einer einseitigen Störung des Gleichgewichtsorgans dreht sich die Körperachse um mehr als 45° zur kranken Seite. Im Stehversuch steht der Patient mit geschlossenen Füßen Stehversuchzunächst mit geöffneten, dann mit geschlossenen Augen. Tritt nach dem Schließen der Augen ein unsicherer Stand mit Fallneigung nach einer Seite auf, ist dies ein Hinweis auf eine gleichseitige Störung des Gleichgewichtsorgans oder eine Störung des Kleinhirns.
Zusätzlich beobachten Sie den Patienten auf unwillkürliche rasche rhythmische Augenbewegungen (Nystagmus 23.4.8). Diese können sowohl physiologisch als auch Nystagmusdurch einen einseitigen Ausfall des Gleichgewichtsorgans z. B. nach Verletzung bedingt sein. Physiologisch tritt ein Nystagmus z. B. während oder nach Drehbeschleunigungen auf. Auch Wärme- oder Kältereize, die auf das Gleichgewichtsorgan (z. B. durch Spülung des äußeren Gehörgangs mit warmem oder kaltem Wasser) einwirken, lösen beim Gesunden einen Nystagmus aus. Im Gegensatz dazu ist ein Spontannystagmus, der ohne äußere Reize auftritt, i. d. R. krankhaft.

Naturheilkundliche Diagnostik

Antlitzdiagnose

In der Traditionellen Chinesischen Medizin repräsentiert jedes Sinnesorgan einen Funktionskreis und die für den Funktionskreis typischen Energien: Die Augen sind demnach der Leber, die Zunge (Sprache) dem Herzen, die Nase ist beiden Lungen und die Ohren den Nieren zugeordnet. Veränderungen an den Sinnesorganen können demnach auf Störungen dieser inneren Organe hinweisen. So können gerötete und geschwollene Augen Zeichen einer Wind-Hitze-Invasion oder des lodernden Leber-Feuers sein. Gelbe Skleren zeigen eine Feuchtigkeitsretention oder – wie auch entsprechend der schulmedizinischen Diagnostik – einen Ikterus an.

Iridologie

Die Organzonen der Sinnesorgane sind in der Iris topografisch wie folgt angeordnet:
  • Nase: rechte Iris bei ca. 12 Min., linke Iris bei ca. 57 Min.

  • Ohr: rechte Iris bei ca. 57 Min. und linke Iris bei ca. 12 Min.

  • Auge: rechte Iris bei ca. 7 Min. und linke Iris bei ca. 57 Min.

Da die Zonen für Nase (Abb. 24.19) sowie Kiefer- und Stirnhöhlen in der Iris dicht gedrängt zusammenliegen, muss diese funktionelle Einheit zusammen betrachtet werden. Bedenken Sie auch, dass Nase, Kiefer- und Stirnhöhlen oft potenzielle Störfelder sind.
Achten Sie auf Reizzeichen (Flocken, Wische, Wolken) in der rechten Iris zwischen 5 Min. und 13 Min., in der linken Iris zwischen 47 Min. und 55 Min., die den Bereich Nase, Kiefer- und Stirnhöhlen repräsentieren.
Häufig sind diese aufgrund chronischer Entzündungen gelblich verfärbt sowie zusätzliche Reizzeichen in der Region der aktiven Schleimhäute (3. bis 6. Zone 3.7.4) zu finden. Diese Region weist als Ausgleichsfeld der einzelnen Organzonen auf Schleimhautstörungen des jeweiligen Organs hin sowie auf den Gesamtzustand des Grundgewebes.
Entzündungen des Ohrs können durch einen aufgehellten Organsektor (Abb. 24.20) angezeigt werden, gelblich verfärbte Reizzeichen verweisen auf chronische Entzündungen.
Störungen im Auge können in der Iris nicht festgestellt werden.

Manuelle Diagnose

Da Blockaden im Bereich der Halswirbelsäule Seh- und Hörstörungen sowie Schwindel verursachen können, sollten Sie zusätzlich die Beweglichkeit der Halswirbelsäule untersuchen. Eine Untersuchung kann anzeigen, ob die Rotation durch die Kopfgelenke oder durch die untere Halswirbelsäule eingeschränkt wird. Prüfungen der Kopfneigung nach vorne und hinten sowie der Seitneigung können ebenfalls auf eine Dysfunktion der Halswirbelsäule hinweisen.

Störfelddiagnose

Klären Sie ab, ob potenzielle Störfelder (z. B. vereiterte Zähne, Tonsillen, Nasennebenhöhlen) vorliegen. Berücksichtigen Sie, dass Narben sowie eine Darmdysbiose ebenfalls Störfelder sein können, und achten Sie auf Narben, die im Verlauf der Meridiane lokalisiert sind und den Energiefluss im Kopfbereich unterbrechen können.

Schulmedizinische Diagnostik

Untersuchung der Augen
Die Prüfung der Sehschärfe erfolgt i. d. R. mithilfe eines Sehzeichenprojektors,Sehschärfenprüfung der die Sehprobenzeichen auf einen 5 m vom Patienten entfernten Wandschirm projiziert. Übliche Sehprobenzeichen sind verschieden große Zahlen- oder Buchstabenreihen. Die Berechnung der Sehschärfe erfolgt nach der Formel Ist-Entfernung/Soll-Entfernung. Normal ist eine Sehschärfe von 1,0. Durch Vorschaltung unterschiedlicher Linsen (Brillengläser) können Brechungsfehler bestimmt werden, indem der Patient angibt, mit welcher Linse er am besten sieht.
Bei der Spiegelung des Augenhintergrunds (Funduskopie, AugenhintergrundspiegelungOphthalmoskopie, FunduskopieNetzhautspiegelung Abb. 24.21) werden OphthalmoskopieVeränderungen der NethzautspiegelungNetzhautgefäße, Netzhautablösungen, Netzhautblutungen oder eine Stauungspapille (24.5.10) sichtbar. Dabei wird ein starkes Licht von vorne durch die Pupille eingestrahlt und mit einer Lupe die Netzhaut betrachtet.
Mit Hilfe der Spaltlampe werden die vorderen Augenabschnitte und die Spaltlampebrechenden Augenmedien in 6- bis 60-facher Vergrößerung untersucht. Die (verschiebbare) Spaltlampe ist auf einem besonderen Tisch montiert. Die Reflexion des Lichts aus der Spaltlampe ergibt ein „Schnittbild“ durch die vorderen Augenabschnitte, das durch Vergrößerungsgläser hindurch betrachtet werden kann.
Die Messung des Augeninnendrucks wird als Tonometrie bezeichnet. NachAugeninnendruck:Messung Tropfanästhesie wird die Hornhaut mit einemTonometrie runden, platten Messstempel abgeplattet (applaniert), was umso mehr Druck erfordert, je härter der Augapfel ist. Heutige Geräte verwenden für die Applanation lediglich einen kurzen Luftstoß – eine Tropfanästhesie ist nicht mehr erforderlich.
Das Gesichtsfeld, d. h. das Wahrnehmungsfeld des unbewegten Auges, kann besonders bei Erkrankungen des Sehnervs (z. B. Schädigung durch Glaukom), der Netzhaut (z. B. Netzhautablösung) oder bei Krankheiten des Gehirns (z. B. Gehirntumor) eingeschränkt sein. Gesichtsfeldausfälle (Skotome) können sowohl am Gesichtsfeldausfall:DiagnostikRand des Gesichtsfelds beginnen als Skotomauch von seinen zentralen Bereichen ausgehen. Zur seitengetrennten Prüfung der Gesichtsfelder (Perimetrie) wird jeweils Gesichtsfeldprüfung:Augenarztpraxisein Auge abgedeckt. Der Blick des anderen PerimetrieAuges ist auf einen zentralen Fixationspunkt innerhalb der jeweiligen Messanordnung gerichtet. Dann werden verschiedene Leuchtmarken in das Gesichtsfeld eingespielt, und der Patient gibt an, wann er diese erstmalig registriert, ohne aber den Blick vom zentralen Fixationspunkt zu wenden. Beispielsweise treten bei Tumoren im Bereich der Sehnervenkreuzung schläfenseitige Gesichtsfeldausfälle (sog. Scheuklappenphänomen) auf.
Mit Hilfe des Schirmer-Tests wird die ScheuklappenphänomenTränenproduktion geprüft. Ein mehrere Schirmer-TestZentimeter langer Streifen Lackmus-Filterpapier wird an einem Ende um ca. 0,5 cm umgeknickt und hinter das Unterlid eingelegt. Das Filterpapier saugt die leicht alkalische Tränenflüssigkeit auf und verfärbt sich dadurch blauviolett. Normalerweise sind nach 5 Min. mindestens 10–20 mm benetzt.
Untersuchung der Nase
Die vorderen Nasenabschnitte betrachtet Nase(n):Untersuchungder HNO-Arzt mit dem Stirnreflektor und dem Nasenspekulum (vordere Rhinoskopie Abb. 24.22). Zur Beurteilung der hinteren RhinoskopieNasenabschnitte bzw. der Nasennebenhöhlenausführungsgänge und des Nasopharynx (hintere Rhinoskopie Abb. 24.23) wird meist ein starres oder flexibles Endoskop (3.9.3) benutzt. Es wird durch die Nase hindurch oder über die Mundhöhle eingeführt. Oft müssen vor dieser Untersuchung abschwellende Nasentropfen und eine örtliche Betäubung verabreicht werden.
Besteht der Verdacht z. B. auf einen allergischen Schnupfen oder Nasenpolypen (24.6.4), ist ein Allergietest notwendig. Hierzu stehen im Wesentlichen vier diagnostische Methoden zur Verfügung: Pricktest (22.6.5), serologische Diagnostik (Bestimmung der IgE-Antikörper im Blut des Patienten), Nasensekretchemie (durch Einlegen eines Wattebausches in die Nase wird Sekret gewonnen, das auf IgE untersucht wird) und ein intranasaler Provokationstest (Allergenlösung wird in die Nasenhöhle eingebracht).
Untersuchung des Gehörs
Die häufigste und wichtigste Hörprüfung, die der HNO-Arzt durchführt, ist das Tonaudiogramm. Damit wird die individuelle Hörschwelle bestimmt. Der AudiogrammUntersucher stellt im Audiometer Töne einer definierten Frequenz ein, deren Lautstärke langsam zunimmt. Der Patient gibt an, wann er den Ton erstmalig hört. Hiermit lassen sich die meisten Hörstörungen diagnostizieren.
Um festzustellen, ob es sich um eine Innenohr- oder eine Hörnervenschädigung (kochleäre bzw. retrokochleäre Störung) handelt, können sog. überschwellige Tests notwendig sein.
Die Sprachaudiometrie prüft einen Großteil der Signalverarbeitung des AudiometrieGehörs. Neben der Hörweitenprüfung (Verstehen von Flüster- und normaler Sprache aus bestimmten Entfernungen) stehen in der Sprachaudiometrie verschiedene standardisierte Sprachtests mit Testwörtern zur Verfügung.
Die elektrische Reaktionsaudiometrie stellt eine objektive Hörprüfung dar, Reaktionsaudiometrie, elektrischedie von der Mitarbeit des Patienten unabhängig ist. Daher gibt sie auch Aufschluss über Hörstörungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Dabei werden mithilfe von Oberflächenelektroden an der Kopfhaut Spannungsänderungen abgeleitet, die durch akustische Signale ausgelöst werden.
Sonstige HNO-ärztliche Untersuchungen
Einige anatomische Strukturen im HNO-Bereich (z. B. Nasopharynx, Larynx, obere Trachea und Ösophagus) sind nur endoskopisch beurteilbar. Die Endoskopie wird diagnostisch oder therapeutisch genutzt, z. B. zur Entfernung von Polypen.
Zu den wichtigsten bildgebenden Verfahren gehören konventionelle Röntgenuntersuchungen, Sonografie, CT sowie MRT. Traditionelle Techniken in der Röntgendiagnostik sind die Nasennebenhöhlen-Übersichtsaufnahme und die Aufnahme nach Schüller (ermöglicht die Diagnostik v. a. von Erkrankungen des Mittelohrs oder des Warzenfortsatzes).

Checkliste zur Anamnese und Untersuchung bei Verdacht auf Erkrankungen der Sinnesorgane

  • Anamnese: Art der Beschwerden; zeitlicher Verlauf; Schmerzbeginn, Schmerzlokalisation (ein- oder beidseitig) und Schmerzcharakter; Verschlechterung von Sinnesfunktionen (akut oder allmählich, ständig oder anfallsweise); Medikamenteneinnahme; Allergien; bestehende Allgemeinerkrankungen

  • apparative Untersuchungen: Augeninnendruckmessung, Spaltlampenuntersuchung, Gesichtsfeldprüfung, Audiometrie, evtl. Endoskopie, Sonografie, CT, MRT

Untersuchung bei Augenbeschwerden

  • Auge(n):UntersuchungInspektion: Augenlider (Schwellung?), Bindehaut (Rötung?), Hornhaut (Trübung?), Iris, Pupille (Entrundung?), Augenumgebung (Bläschen bei Herpes zoster?)

  • Palpation des Augapfels zur Einschätzung des Augeninnendrucks

  • Prüfung der Pupillenreaktion

  • Prüfung der Augenmuskelfunktion

  • Gesichtsfeldprüfung

  • evtl. Spiegelung des Augenhintergrunds

Untersuchung bei Nasenbeschwerden

  • Nase(n):UntersuchungInspektion der äußeren Nase (Formveränderungen? Rötung? Schwellung?)

  • evtl. Palpation der Nase (Schmerz? Knochenreiben bei Verdacht auf eine Fraktur?)

  • Klopfschmerz über den Nasennebenhöhlen (Stirn, Wange), z. B. bei Sinusitis

  • Prüfung der Nervenaustrittspunkts des N. trigeminus auf Schmerz

  • Durchgängigkeitsprüfung der Nase

  • Test der Riechfunktion, evtl. auch der Geschmacksfunktion

Untersuchung bei Ohrenbeschwerden

  • Ohr(en):UntersuchungInspektion des äußeren Ohrs

  • Palpation des Warzenfortsatzes, des Tragus, der Halslymphknoten

  • Stimmgabeltests

  • Ohrenspiegelung

Naturheilkundliche Hinweisdiagnostik

  • Antlitzdiagnose: Im System der TCM zeigen die Sinnesorgane den energetischen Zustand spezieller Funktionskreise an: Augen (Leber), Zunge (Herz), Nase (Lunge) und Ohr (Niere)

  • Iridologie: Reizzeichen im Nasen-, Kiefer- und Stirnhöhlensektor und in der Region der aktiven Schleimhäute oft auch verfärbt; Aufhellungen und Farbe der Reizzeichen im Ohrsektor

  • Manuelle Diagnose: Beweglichkeit der Halswirbelsäule

  • Störfelddiagnose: potenzielle Störfelder (z. B. an Zähnen, Nasennebenhöhlen, Darmdysbiose, Narben auch im Meridianverlauf) abklären

Leitsymptome und Differenzialdiagnose (Augen)

Plötzliche Sehstörungen

Checkliste, Anamnese und Untersuchung:Sinnesorgane

Plötzliche Sehstörungen: Sehverschlechterung oder gar Erblindung; dramatisches Ereignis für den Patienten; muss sofort augenärztlich abgeklärt und behandelt werden.

Da an der Entstehung des Sehstörungen, plötzlicheSeheindrucks viele anatomische Strukturen beteiligt sind, sind die Ursachen einer Sehstörung vielfältig. Die Tab. 24.2 fasst die Symptome der häufigsten Erkrankungen, die mit plötzlicher Sehstörung einhergehen, zusammen. Die Tab. 24.3 gibt, ausgehend von der Art der Sehstörung, zusätzliche differenzialdiagnostische Hilfestellung.

Achtung

  • Bei plötzlicher Sehverschlechterung überweisen Sie den Patienten sofort zum Augenarzt oder in eine Augenklinik!

  • Der Patient darf in dieser Akutsituation keinesfalls aktiv am Straßenverkehr teilnehmen; vielmehr muss er – je nach Verdachtsdiagnose und Situation – von Angehörigen, mit dem Taxi oder im Rettungswagen dorthin gefahren werden!

Augenschmerzen

Augenschmerzen: Symptom bei Erkrankungen des Auges selbst, aber auch bei Erkrankungen oder Verletzungen der unmittelbaren Umgebung des Auges sowie Folge von allgemeinen Erkrankungen.

Diagnostik
Bei der Anamnese fragen Auge(n):SchmerzenSie nach:
  • Schmerzbeginn: plötzlich (z. B. bei akutem Glaukom 24.5.6) oder allmählich (z. B. bei zunehmendem Hirndruck 23.10)

  • Schmerzlokalisation: ein- oder beidseitig, Augenhöhlenschmerz (z. B. bei Glaukom) oder eher Schläfenschmerz (z. B. Arteriitis temporalis 11.6.4)

  • Schmerzcharakter: z. B. extrem starke Schmerzen (Vernichtungsschmerz) bei akutem Glaukom oder bewegungsabhängige Schmerzen bei Entzündung des Sehnervs

  • Sehstörungen: Verschwommensehen, Doppelbilder, Gesichtsfeldausfälle

  • Allgemeinsymptomen wie Fieber, Erbrechen, Kopfschmerz, Schwindel oder Übelkeit

Anschließend untersuchen Sie zunächst die Augen des Patienten. In den meisten Fällen werden Sie den Patienten zur weiteren Abklärung zum Augenarzt überweisen müssen, manchmal kann eine Ganzkörperuntersuchung noch zusätzliche Hinweise auf die Ursache geben.
Differenzialdiagnose
Häufige Ursache von Augenschmerzen sind lokale Entzündungen, z. B. ein Gerstenkorn (24.5.1), eine Lid- bzw. eine Tränendrüsenentzündung (Dakryoadenitis 24.5.10), eine Bindehautentzündung (24.5.3) oder eine Iritis (Regenbogenhautentzündung). Auch ein Hornhautdefekt bereitet Schmerzen. Manchmal kann der Patient nicht genau angeben, ob der Schmerz im Augapfel selbst oder z. B. an der Lidinnenseite lokalisiert ist.
Sind die Augenschmerzen mit Kopfschmerzen verbunden, denken Sie in erster Linie an ein Glaukom, eine Arteriitis temporalis, eine Migräne (23.15.1), eine Trigeminusneuralgie (23.15.4) oder an eine Infektion mit Herpes zoster (25.11.8).
Schmerzen beim Bewegen der Augen treten z. B. bei der Neuritis nervi optici (Sehnervenentzündung), auf, ferner bei Entzündungen der Augenmuskeln oder bei Fremdkörpern im Auge. Bei einer Orbitalphlegmone (Phlegmone der Augenhöhle) ist das Auge durch eine pralle Schwellung Orbitalphlegmoneder Lider und Umgebung gewissermaßen eingemauert; die Schmerzen sind typischerweise pulsierend.
Schmerzen nach längerem Lesen weisen oft auf einen nicht oder nur unzureichend korrigierten Brechungsfehler hin (24.5.9).

Rötung des Auges

Rötung des Auges: meist durch Gefäßerweiterung aufgrund einer Entzündung oder eines erhöhten Augeninnendrucks bedingt.

Diagnostik
Für die Diagnostik sind Auge(n):RötungFragen nach begleitenden Augenschmerzen, allgemeinen Symptomen, vorangegangenem Unfall sowie nach der Miterkrankung von Kontaktpersonen und Allergien hilfreich. Nach der Inspektion und Palpation des Auges ist meist eine Überweisung zum Augenarzt zur weiteren Diagnostik und Therapie erforderlich.
Differenzialdiagnose
Je nachdem welche Anteile des Auges betroffen sind, werden folgende Differenzierungen getroffen:
  • Sind dabei die einzelnen Gefäße erkennbar und ist der Farbton hellrot, so spricht man von einer konjunktivalen Injektion. Bei einer Bindehautentzündung (Injektion:konjunktivaleKonjunktivitis Abb. 24.24) liegt das Maximum der Rötung eher in der Peripherie zu den Lidern und Augenwinkeln hin. Ist vornehmlich der hornhautnahe Bereich betroffen, muss z. B. an eine Hornhautentzündung (Keratitis) gedacht werden.

  • Eine bläulich-rote Verfärbung der Bindehaut nahe dem Hornhautrand, ohne dass einzelne Gefäße erkennbar sind, heißt ziliare Injektion und weist v. a. auf eine tieferliegende Entzündung (z. B. eine Injektion:ziliareEntzündung der Regenbogenhaut und des Ziliarkörpers: Iridozyklitis Abb. 24.25) hin, kann aber auch bei einer Hornhautentzündung auftreten.

  • Eine Kombination aus konjunktivaler und ziliarer Injektion nennt man gemischte Injektion; sie kommt z. B. bei einer Hornhautentzündung oder einem Glaukomanfall (24.5.6) vor.

Eine Rötung des Auges kann aber auch durch eine Blutung bedingt sein. Ein Hyposphagma, d. h. eine flächenhafte Blutung unter die Augenbindehaut (subkonjunktivale HyposphagmaBlutung Abb. 24.26), kann Zeichen einer Hypertonie, Blutung(en):subkonjunktivaleeines Diabetes mellitus oder einer Blutgerinnungsstörung sein. Es tritt aber auch nach starkem Husten (typisch für Keuchhusten!) oder Pressen (z. B. nach Geburtswehen) und natürlich nach Verletzungen auf.

Lagophthalmus

Lagophthalmus (Hasenauge): erweiterte Lidspalte mit unvollständigem Lidschluss.

Bedingt durch Narben, einen LagophthalmusExophthalmusHasenauge (19.4.2), ein Koma oder eine Fazialisparese mit Lähmung des ringförmigen M. orbicularis oculi kann der Patient ein oder beide Lider nicht mehr vollständig schließen. Der normalerweise geschlossene Tränenfilm reißt auf, und die Hornhaut trocknet aus. Ohne Behandlung entwickeln sich eine Hornhautentzündung und ein Hornhautgeschwür.
Bewusstseinsklare Patienten klagen über andauerndes Trockenheitsgefühl und Brennen im Auge, evtl. auch über eine herabgesetzte Sehschärfe.
Bei Lagophthalmus überweisen Sie den Patienten zur weiteren Therapie (z. B. Augensalben, Verband, eine weiche Kontaktlinse oder tränenersetzende Augentropfen) zum Augenarzt.

Erkrankungen der Augen

Achtung

Die Diagnostik von Augenerkrankungen ist meist schwierig und erfordert spezielle apparative Untersuchungen. Daher müssen Sie den Patienten i. d. R. zum Augenarzt überweisen.

Die wichtigste Untersuchung des Auge(n):ErkrankungenAugenarztes ist die Spaltlampenuntersuchung, die dem Heilpraktiker i. d. R. nicht zur Verfügung steht. Die Spaltlampe hat u. a. die Funktion einer Lupe, mit ihrer Hilfe können aber auch Strukturen in der Tiefe des Auges, z. B. die Linse oder der Glaskörper beurteilt werden.

Gerstenkorn

Gerstenkorn (Hordeolum): meist staphylokokkenbedingte, akute, eitrige Infektion der Liddrüsen, die im Lidkanten- oder Wimpernbereich (Hordeolum externum) oder an der Lidinnenseite (Hordeolum internum) lokalisiert sein kann.

Leitsymptome des Gerstenkorns sind GerstenkornRötung, HordeolumSchwellung und starke Schmerzen des betroffenen Lids. Innerhalb weniger Tage bildet sich ein Abszess, und eine Eiterkuppe an der Lidaußen- oder -innenseite wird sichtbar (Abb. 24.27). Manche Patienten sind in ihrem Allgemeinbefinden beeinträchtigt.
Schulmedizinisch wird mit trockener Wärme (z. B. Rotlicht) sowie antibiotischen und desinfizierenden Augensalben behandelt. Trockene Wärme beschleunigt die Abkapselung bzw. den Durchbruch des Eiters.
Ein Verband ist wegen des dann auftretenden Sekretstaus eher ungünstig, kann aber bei Kindern erforderlich sein, um ein Reiben der Augen zu unterbinden. In der Regel öffnet sich das Gerstenkorn nach einigen Tagen und heilt dann komplikationslos ab.

Tipp

Bei wiederholtem Auftreten von Gerstenkörnern sollten Sie einen Diabetes mellitus ausschließen lassen.

Naturheilkundliche Therapie bei Gerstenkorn

Handbuch für die Naturheilpraxis 15.2.1

Eigenbluttherapie

naturheilkundliche Therapie:GerstenkornBerücksichtigen Sie, dass bei rezidivierenden Gerstenkörnern eine Behandlungsserie mit Eigenblut sinnvoll ist.

Homöopathie

Bei einem akuten Geschehen wird oft ein symptomatisch wirkendes Mittel eingesetzt: Als organotrope Mittel können bei einem Gerstenkorn z. B. angezeigt sein: Staphisagria (bei wiederholten Gerstenkörnern, Neigung zu Lidrandentzündungen; bei den ersten Anzeichen geben), Mercurius solubilis (bei Neigung zu eitrigen Augenentzündungen) oder Hepar sulfuris (bei chronischen Eiterungen). Ist keine eindeutige Mittelwahl zu treffen, sind mit einem Komplexmittel ebenfalls gute Erfolge zu erzielen, z. B. mit Euphrasia Synergon Nr. 39.
Bei Rezidiven kann nach ausführlicher Anamnese und Repertorisation eines der folgenden Konstitutionsmittel das Mittel der Wahl sein: Graphites, Hepar sulfuris, Pulsatilla, Silicea, Staphisagria, Tuberkulinum. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie dem Patienten warme Anwendungen, wie z. B. Kompressen mit Augentrost und Leinsamenbrei: Ein kleines Säckchen mit abgekochtem Leinsamenbrei (2 Teile Wasser, 1 Teil Leinsamen) füllen und so heiß wie möglich auf das Gerstenkorn legen, um so die Entleerung des Gerstenkorns zu fördern. Achten Sie bei der Herstellung auf hygienisches Arbeiten. Für Augentrostkompressen verwenden Sie einen Aufguss aus Augentrost oder verdünnen 20 Tropfen eines Fertigpräparats mit einer Tasse abgekochtem Wasser.

Phytotherapie

Augentrostkraut (Euphrasiae herba Abb. 24.28) enthält Bitter- und Gerbstoffe und wird bei akuten und subakuten Entzündungen der Augen eingesetzt. Der Bitterstoff Aucupin wirkt zudem antibakteriell. Das Kraut wird zu Umschlägen oder als Tee verwendet und ist in zahlreichen Kombinationspräparaten enthalten. Bei entzündlichen Augenerkrankungen können auch andere gerbstoffhaltige Pflanzen wie z. B. Hamamelisblätter/-rinde (Hamamelidis folium et cortex) oder Eichenrinde (Quercus cortex) äußerlich angewendet werden. Sie wirken schwach adstringierend, antiseptisch und lokal entzündungshemmend.
Auch die Ringelblumenblüten (Calendulae flos Abb. 24.29) mit ihren entzündungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften kann äußerlich angewendet werden.
Kamillenblüten (Matricariae flos) dürfen nicht am Auge angewendet werden, da die Gefahr besteht, dass die Schleimhaut gereizt und dadurch eine Konjunktivitis verursacht wird.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome wie Feucht-Hitze in Milz und Magen oder pathogene Wind-Hitze können Ursachen eines Gerstenkorns sein. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach den Allgemein- und Lokalsymptomen sowie nach Puls- und Zungenbefund. Bei chronischem Verlauf ist eine Kombinationstherapie aus Akupunktur und Kräutern zu empfehlen.

Hagelkorn

Hagelkorn (Chalazion): chronische Entzündung durch Sekretstau in den sog. Meibom-Talgdrüsen (Talgdrüsen der Augenlider, die am freien Lidrand enden) im Ober- oder Unterlid.Chalazion

Das Hagelkorn zeigt sich Gerstenkorn:naturheilkundliche Therapieals derber, nichtHagelkorn Meibom-Talgdrüsenverschieblicher, etwa hagelkorngroßer Knoten des Lids (Abb. 24.30). Der Patient hat zwar keine (Druck-)Schmerzen, aber ein störendes Spannungsgefühl. Meist muss ein Hagelkorn vom Augenarzt operativ entfernt werden. Der Eingriff findet in Lokalanästhesie statt und kann ambulant durchgeführt werden. Die Wunde wird mit einem antibiotischen Augensalbenverband versorgt. In Zweifelsfällen und bei Rezidiven wird das Gewebe histologisch untersucht, um ein Karzinom oder eine tuberkulöse Entzündung auszuschließen.

Bindehautentzündung

Bindehautentzündung (Konjunktivitis): akute oder chronische Entzündung der Augenbindehaut, der zahlreiche Ursachen zugrunde liegen können.

Krankheitsentstehung
Je nach Ursache werden KonjunktivitisBindehaut:Entzündungunterschieden:
  • infektiöse Konjunktivitis, verursacht durch Bakterien (25.15.2, 25.15.3), Chlamydien, Pilze oder Viren

  • nichtinfektiöse Konjunktivitis, ausgelöst z. B. durch Fremdkörper, chemisch-physikalische Reizungen (Verätzungen, Verbrennungen), Tabakrauch, Staub, ultraviolette Strahlung, Benetzungsstörungen (z. B. zu seltenes Blinzeln bei PC-Arbeit), unbehandelte Brechungsfehler, Allergien oder (ungepflegte) Kontaktlinsen. Bei Störung der Tränenbildung kommt es zur Conjunctivitis sicca („trockene Konjunktivitis“) mit spärlichem, zähem Sekret.

Symptome und Diagnostik
Auch wenn ein Auge stärker betroffen ist als das andere, befällt die Bindehautentzündung meist beide Augen.
Es bestehen:
  • Jucken, Brennen, Fremdkörpergefühl („Sand in den Augen“) und geringe bis mäßige Schmerzen der Augen

  • Abwehrtrias aus Lichtscheu, Tränenfluss und krampfhaftem Lidschluss (Blepharospasmus)

  • Rötung der Bindehaut (Abb. 24.24)

  • Schwellung unterschiedlichen Ausmaßes

  • BlepharospasmusSekretion, die je nach Krankheitsursache wässrig, schleimig oder eitrig ist

Die Symptome der akuten Konjunktivitis sind i. d. R. stärker als die der chronischen Konjunktivitis.

Achtung

Bei Verdacht auf eine Bindehautentzündung überweisen Sie den Patienten zum Augenarzt, er diagnostiziert die Ursache (z. B. durch Bindehautabstriche) und schließt eine Hornhautbeteiligung aus.

Schulmedizinische Therapie
Bei bakteriellen Entzündungen der Konjunktiven verordnet der Augenarzt antibiotikahaltige Augentropfen oder -salben. Bei mechanischen Reizungen der Bindehäute wirken gefäßverengende Augentropfen und eine Wund- oder Heilsalbe beschwerdelindernd. Evtl. braucht der Patient zusätzlich ein Schmerzmittel. Bei allergischer Ursache werden antiallergische Augentropfen verabreicht, manchmal kann die zusätzliche Gabe eines oralen Antihistaminikums (22.6.7, Pharma-Info) erforderlich sein. Ist die Tränenproduktion des Patienten unzureichend und wird dadurch eine Bindehautentzündung ausgelöst, können „künstliche Tränen“ Abhilfe schaffen.

Hornhautentzündung

Hornhautentzündung (Keratitis): Entzündung der Hornhaut des Auges, am häufigsten durch Viren verursacht.

Krankheitsentstehung und Symptome
Durch das HerpesHornhaut, Auge:Entzündung-Keratitissimplex-Virus (25.11.7) wird der sog. Herpes corneae hervorgerufen. Zwei Verlaufsformen werden unterschieden, die oberflächliche Keratitis dendritica und die Keratitis Herpes:corneaedisciformis, bei der das tiefere Hornhautepithel betroffen und die Hornhaut getrübt ist. Der Patient klagt über Lichtscheu, Fremdkörpergefühl, Schmerzen und Tränenträufeln sowie – bei Keratitis disciformis – über eine deutliche Sehverschlechterung.
Eine Verletzung der Hornhaut mit verschmutzten Gegenständen oder das Eindringen von Bakterien in Epitheldefekte führt zu einer tiefen bakteriellen Keratitis und oft innerhalb weniger Std. zu einem Ulcus serpens (kriechendes Hornhautulkus) oder gar einer Hornhautperforation. Der Patient hat Schmerzen, es Ulcus:serpensbestehen Lichtscheu und Tränenträufeln sowie eine starke Bindehautreizung. Typischerweise entwickelt sich eine Eiteransammlung in der Vorderkammer (Hypopyon Abb. 24.31).
Diagnostik und schulmedizinische Therapie
Beim geringsten Verdacht auf HypopyonHornhautentzündung überweisen Sie den Patienten sofort zum Augenarzt zur Diagnostik und Therapie. Die Diagnose wird durch Spaltlampenuntersuchung, Sensibilitätsprüfung und Anfärben der Epitheldefekte mit Fluoreszenzlösung gestellt. Horn- und Bindehautabstriche dienen der Erregersicherung.
Je nach Ursache wird die Entzündung mit virostatischen oder antibiotischen Augentropfen behandelt. Evtl. werden die Virostatika oder Antibiotika auch systemisch gegeben.

Grauer Star

Grauer Star (Katarakt): Trübung der Augenlinse.

Krankheitsentstehung
Meist werden die LinsentrübungenGrauer Star nach Kataraktihrer Entstehung eingeteilt.
  • Eine angeborene Linsentrübung kann erblich bedingt sein, wird aber auch durch verschiedene (v. a. virale) Infektionen der Mutter während der Schwangerschaft hervorgerufen (z. B. Röteln!).

  • Die häufigste erworbene Linsentrübung ist der Altersstar (Cataracta senilis), dessen Entstehung noch nicht völlig geklärt ist. Veränderungen der Linseneiweiße führen zu einer vermindertenCataracta:senilis Lichtdurchlässigkeit und einer Streuung der einfallenden Lichtstrahlen.

Linsentrübungen treten aber auch bei einigen Allgemeinerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, Dialyse), unter Glukokortikoidmedikation oder nach einer Röntgenbestrahlung im Augenbereich gehäuft auf. Als Cataracta complicata wird eine Linsentrübung bei anderen Augenerkrankungen (z. B. Netzhautablösung, Glaukom), als Cataracta traumatica Cataracta:complicatadiejenige nach Augenverletzungen bezeichnet.
Symptome
Die Patienten sehen unscharf und wie durch einen „Cataracta:traumaticagrauen Nebel“, Farben und Konturen verschwimmen, evtl. treten auch Doppelbilder auf. Sie klagen über Blendungserscheinungen bei Tageslicht und können typischerweise in der Dämmerung besser sehen, weil sie bei weiter Pupille an der meist zentral gelegenen Trübung vorbeischauen können und die Lichtstreuung geringer ist.
Schmerzen treten nicht auf. Die Sehstörungen nehmen allmählich zu und schränken den Erkrankten schließlich in allen Aktivitäten erheblich ein.
Diagnostik
Der Augenarzt diagnostiziert den grauen Star am Spaltlampenmikroskop. Eine fortgeschrittene Linsentrübung ist bereits bei bloßer Betrachtung des Auges erkennbar (Abb. 24.32).
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Bei Allgemeinerkrankungen kann der graue Star durch eine Behandlung des Grundleidens aufgehalten werden. Bei allen anderen Starformen hat die medikamentöse Therapie keinen nachweisbaren Erfolg gezeigt. Die einzige Behandlungsmethode bleibt die Operation unter dem Mikroskop, die heute oft ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt wird. Der Linsenkern wird durch Ultraschall zertrümmert und dann abgesaugt. Anschließend wird in den verbleibenden Kapselsack eine Kunststoff-Linse eingesetzt.
Die Prognose des erworbenen grauen Stars ist heute meist gut. Für den Patienten bedeutet das verbesserte Sehen nach einer Staroperation eine deutliche Verbesserung seiner Lebensqualität. Beim angeborenen grauen Star hängt die Prognose ganz entscheidend von der rechtzeitigen Diagnosestellung und Operation ab, da sonst eine Schwachsichtigkeit droht.

Glaukom

Glaukom (grüner Star): Erhöhung des Augeninnendrucks (Intraokulardruck).

Durch die Druckerhöhung besteht die Gefahr einer Grüner StarGlaukomDruckschädigung des IntraokulardruckSehnervs mit nachfolgender Erblindung (absolutes Glaukom). Die häufigste Form ist das symptomarme Glaucoma simplex, das vornehmlich den älteren Menschen betrifft (ca. 3 % der über 60-Jährigen).
Krankheitsentstehung und Einteilung
Die Augeninnendruckerhöhung ist i. d. R. durch eine Abflussbehinderung des Kammerwassers bedingt. Der erhöhte Augeninnendruck wirkt auch auf die zuleitenden Gefäße des Sehnervenkopfes ein und führt zu einer Versorgungsstörung mit nachfolgender Atrophie des Sehnervs.
Man unterscheidet das primäre, sekundäre und kongenitale Glaukom.
Primäres Glaukom
Das primäre Glaukom ist eine eigenständige Erkrankung:
  • Beim Glaucoma simplex (Weitwinkelglaukom, primär chronisches Offenwinkelglaukom) ist der Kammerwasserabfluss durch altersbedingte, mikroskopische Ablagerungen im feinen Maschenwerk des Kammerwinkels erschwert.

  • Beim Winkelblockglaukom ist die Vorderkammer anatomisch so verändert, dass der Abfluss des Kammerwassers erschwert wird.

    • Beim akuten Winkelblockglaukom (akutes Glaukom) ist die Vorderkammer anlagebedingt so flach, dass die Regenbogenhaut den Kammerwinkel blockieren kann. Dies tritt typischerweise durch Pupillenerweiterung in dunkler Umgebung oder bei Schreckreaktionen auf.

    • Beim chronischen Winkelblockglaukom (chronisches Engwinkelglaukom) ist der Abfluss durch Verklebungen und Verwachsungen des Kammerwinkels erschwert.

Sekundäres Glaukom
Bei sekundären Glaukomen dagegen liegt der Augeninnendruckerhöhung eine Ersterkrankung zugrunde, z. B. Verletzungen, Gefäßneubildung bei Diabetes mellitus, Entzündungen oder Tumoren des Auges. Diese behindern dann z. B. durch Vernarbungen den Kammerwasserabfluss.
Kongenitales Glaukom
Beim kongenitalen Glaukom (angeborenes Glaukom, Hydrophthalmus, Buphthalmus = Ochsenauge) wird der Kammerwinkel durch mesodermales GewebeHydrophthalmus (27.2.1) Buphthalmusverlegt. Die Augeninnendrucksteigerung führt zu einer OchsenaugeVergrößerung des kindlichen Auges.
Symptome
  • Das Heimtückische am Glaucoma simplex ist, dass der Patient keinerlei Beschwerden hat. Erst in Spätstadien, wenn die Gesichtsfelddefekte das zentrale Sehen erfassen, bemerkt der Patient den hochgradigen, irreversiblen (nicht mehr umkehrbaren) Sehverlust. Daher sollte der Augeninnendruck ab dem 40. Lebensjahr auch bei völliger Beschwerdefreiheit regelmäßig gemessen werden.

  • Vorboten des akuten Winkelblockglaukoms (Glaukomanfall) wie etwa leichte Sehverschlechterung, Nebelsehen oder das Sehen farbiger Ringe um Lichtquellen (Newton-Ringe) nimmt der Patient oft nicht ernst. Als Auslöser des Anfalls sind häufig psychische Erregung oder pupillenerweiternde Newton-RingeMedikamente (z. B. Anticholinergika in krampflösenden Mitteln) eruierbar.

  • Beim chronischen Winkelblockglaukom schwankt der Augeninnendruck stark. Während der Druckspitzen sehen die Patienten Newton-Ringe, Nebel oder Schleier und haben evtl. Kopfschmerzen oder bemerken eine Augenrötung.

Die Symptome der Sekundärglaukome entsprechen im Wesentlichen denjenigen des primären Glaukoms. Die Behandlung des Grundleidens ist vorrangig.
Diagnostik
Bei (anamnestischem) Verdacht auf ein Glaukom überweisen Sie den Patienten zur Abklärung zum Augenarzt. Die Diagnosestellung und Differenzierung der verschiedenen Formen ist durch Messung des Augeninnendrucks, Gesichtsfelduntersuchungen, Inspektion des Kammerwinkels und Beurteilung der Papille möglich. Der normale Augeninnendruck liegt bei etwa 15–22 mmHg und schwankt im Tagesverlauf um höchstens 4 mmHg. Bei einem akuten Glaukomanfall kann er Augeninnendruck:Normwertbis auf 80 mmHg ansteigen.

Achtung

Zeichen eines akuten Glaukomanfalls

  • stärkste Schmerzen im Auge mit dumpfer Ausstrahlung in den gesamten Trigeminusbereich und auch in den Körper

  • aufgrund der Vagusreizung evtl. Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, die so heftig sein können, dass eine Baucherkrankung vermutet wird

  • deutlich herabgesetztes Sehvermögen (kein Erkennen von Handbewegungen)

  • steinharter Augapfel bei der Untersuchung

  • Auge stark gerötet mit gestauten Gefäßen

  • entrundete, erweiterte und lichtstarre Pupille

Schulmedizinische Therapie

Achtung

Die Behandlung des Glaukomanfalls muss sofort einsetzen, da höchste Gefahr für das Augenlicht besteht. Schicken Sie den Patienten sofort mit dem Taxi in eine Augenklinik oder – falls es keine in der Nähe gibt – zum Augenarzt. Je nach Situation und Zustand des Patienten (Kreislaufsymptome?) muss ggf. der Notarzt gerufen werden.

Weitwinkeglaukom
Das Glaucoma simplex Glaukomanfallwird möglichst konservativ behandelt, z. B. durch die lokale Anwendung von Prostaglandin-Abkömmlingen (z. B. Latanoprost) oder Betablockern (z. B. Betoptima® s. a. 11.5.1, Pharma-Info), welche die Kammerwasserproduktion vermindern. Alternativ oder zusätzlich können Carboanhydrasehemmer oder pupillenverengende Mittel gegeben werden. Konsequentes Tropfen ist entscheidend für den Therapieerfolg.
Bei Erfolglosigkeit der konservativen Behandlung wird operiert (Trabekulotomie – das Kammerwasser wird durch ein Zerschneiden der Trabekel des Kammerwinkels unter die Bindehaut abgeleitet). Eine Alternative ist die Lasertrabekulotomie (Lasertrabekuloplastik): Mit einem Laserstrahl werden kleine Entzündungsherde gesetzt; dadurch kann das Kammerwasser besser abfließen.
Winkelblockglaukom
Beim akuten Winkelblockglaukom muss die Behandlung sofort einsetzen, da höchste Gefahr für das Augenlicht besteht. Die Pupille wird durch Tropfen von Pilocarpin (z. B. Borocarpin®) verengt. Ein verbesserter Kammerwasserabfluss kann auch direkt durch das Eintropfen von Prostaglandinen (z. B. Latanoprost) oder Alpha-Agonisten wie Brimonidin oder Clonidin erreicht werden. Gleichzeitig wird die Kammerwasserbildung durch orale oder intravenöse Gabe von Carboanhydrasehemmern (z. B. Brinzolamid) und Betablockern (z. B. Timolol oder Betaxolol) gehemmt sowie die Schmerzen bekämpft. Später wird dann ein Shunt (Verbindung) zwischen vorderer und hinterer Augenkammer angelegt, entweder operativ durch eine basale Iridektomie (Entfernung eines kleinen Irisstückchens) oder mit einem Laser (YAG-Laseriridotomie).
Beim chronischen Winkelblockglaukom droht jederzeit ein akutes Winkelblockglaukom, auch hier wird zunächst die Pupille durch das Tropfen von Pilocarpin verengt, anschließend wird wie beim akuten Winkelblockglaukom eine basale Iridektomie oder YAG-Laseriridotomie durchgeführt.

Netzhautablösung

Netzhautablösung (Ablatio retinae, Amotio retinae): Ablösung von Netzhaut (Abb. 24.33) oder Netzhautanteilen vom Pigmentepithel mit nachfolgender Ernährungsstörung der Netzhaut und Untergang der bildaufnehmenden Rezeptorschicht im abgelösten Bezirk; drohender Sehverlust.

Krankheitsentstehung
Die meisten Formen der Netzhautablösung sind Netzhautablösungdurch Amotio retinaeAblatio:retinaeRisse in der Netzhaut bedingt (rissbedingte Formen). Sie entstehen bei starker Kurzsichtigkeit oder nach einer Augapfelprellung. Durch die kleinsten Risse dringt Glaskörperflüssigkeit ein und schiebt sich wie ein Keil zwischen Retina und Pigmentepithel. Andere Formen entstehen, wenn ein durch Narben oder Verwachsungen krankhaft veränderter Glaskörper Zug auf die Netzhaut ausübt (zugbedingte Formen = Traktionsablatio). Zugrunde liegen Entzündungen, Frühgeborenenretinopathie, diabetische Netzhautschäden, eine vorausgegangene Netzhautablösung oder eine altersbedingte Degeneration. Eine Netzhautablösung kann auch dadurch entstehen, dass Flüssigkeit aus geschädigten Netzhautgefäßen austritt und zwischen die Netzhautschichten gelangt (exsudative Ablatio), etwa bei Aderhaut- oder Netzhautentzündungen, schwerem Bluthochdruck oder Leukämien.
Symptome und Diagnostik
Alarmsymptome sind das Sehen von Lichtblitzen, von Mouches Volantes (durch kleine Trübungen im Glaskörper hat der Patient den Eindruck von kleinen „fliegenden Mücken“) oder schwarzen Punkten, die auf Zug an der Mouches volantesNetzhaut hinweisen. Nach erfolgter Netzhautablösung sieht der Patient plötzlich Schatten in dem der abgelösten Netzhaut entsprechenden Teil des Gesichtsfelds. Besonders typisch sind ein „sich senkender Vorhang“ oder eine „aufsteigende Mauer“. Weitere Symptome sind Verzerrtsehen und Abnahme der Sehfähigkeit. Schmerzen verspürt der Patient nicht.
Gibt der Patient bei der Anamnese die genannten Symptome an, überweisen Sie ihn sofort an die nächste Augenklinik oder zum Augenarzt zur Augenspiegelung.

Achtung

Schicken Sie den Patienten sofort mit dem Taxi zur augenärztlichen Untersuchung, da durch eine frühzeitige Diagnosestellung bei beginnender Netzhautablösung eine Operation evtl. vermieden werden kann.

Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung ist stadienabhängig. Bestehen lediglich ein winziger Netzhautriss, Netzhautlöcher oder eine sehr kleine Netzhautablösung, kann der Herd durch eine Lasertherapie „abgeriegelt“ und dadurch an der weiteren Ausbreitung gehindert werden. Die Laserbehandlung ruft eine entzündliche Reaktion mit Narbenbildung hervor, die zur „Verklebung“ von Netzhaut, Pigmentepithel und Aderhaut führt und dadurch den Ablöseprozess stoppt.
Manifeste Netzhautablösungen erfordern eine Operation.

Altersbedingte Makuladegeneration

Altersbedingte Makuladegeneration (altersabhängige Makuladegeneration, AMD): fortschreitende Degeneration der Makula (gelber Fleck); sie ist die häufigste Ursache für eine Sehbehinderung im Alter.

Krankheitsentstehung
Aus unbekannten, teils genetisch mitbedingten Gründen lagernMakuladegeneration sich bei den Betroffenen in der zentralen Netzhaut Eiweißstoffe ab, wodurch das zentrale Sehen zunehmend beeinträchtigt wird. Unterschieden werden folgende Formen:
  • Die mit 85 % weitaus häufigere trockene Form; sie kann über Monate oder Jahre bei einigermaßen erhaltener Sehschärfe stabil bleiben, aber auch jederzeit in die feuchte Form übergehen.

  • Die mit 15 % seltenere, aber gefährlichere feuchte Form. Hier führen Durchblutungsstörungen zu Gefäßneubildungen im Bereich der Makula. Diese neuen Gefäße wuchern unter die Netzhaut, und geben beständig Serum ab. Die Netzhaut schwillt dadurch an (sie wird „feucht“), es kommt zu verzerrtem, welligem Sehen und langfristig zu einer Zerstörung der Sehsinneszellen mit fortschreitendem, zentralem Gesichtsfeldausfall.

Symptome und Diagnostik
Die Patienten berichten über eine langsame Abnahme der Sehschärfe in Form von Verschwommensehen, Verzerrtsehen und Verblassen der Farben im Zentrum des Gesichtsfelds. Die Patienten finden sich aber häufig noch in ihrer Umgebung zurecht. Die Diagnosesicherung erfolgt durch Spiegelung des Augenhintergrunds sowie durch einen speziellen Sehtest mit einem Rastermotiv (Amsler-Netz). Detailliertere Ergebnisse ergibt die Fluoreszenzangiografie, bei der abnorme Gefäße nach i. v. Injektion eines Farbstoffes unter Beleuchtung der Netzhaut mit blauem Licht dargestellt werden können.
Schulmedizinische Therapie
Bei der trockenen Form wird versucht, das Fortschreiten durch hoch dosierte Vitamingaben (Vitamine C, E, β-Karotin) zu verlangsamen. Bei der feuchten Form wird die Gefäßneubildung medikamentöse unterdrückt. Hierzu werden Antikörper wie z. B. Ranibizumab, welche die Neubildung von Gefäßen hemmen können, unter sterilen Bedingungen in den Glaskörper gespritzt. Eine Besserung der Sehkraft ist bei 90 % der Behandelten zu erwarten. Andere Therapien sind allenfalls Ergänzungen, etwa die Laserbehandlung zur Verödung abnormer Gefäße bei gut abgrenzbaren feuchten Befunden.

Brechungsfehler

Brechungsfehler (Refraktionsanomalie, Ametropie): durch abnorme Brechkraft der Hornhaut oder der Linse oder durch abnorme Länge des Augapfels bedingte unscharfe Abbildung der Außenwelt auf der Netzhaut, die sich in Kurz-, Weit-, Alters- und Stabsichtigkeit unterscheiden lässt.

Die Brechkraft optischer Linsen wird in Dioptrien Brechungsfehlerangegeben: [dpt] = 1/RefraktionsanomalieLinsenbrennweite [m]. Man unterscheidet Sammel- Ametropieund Zerstreuungslinsen. Dioptrien (dpt)Sammellinsen haben eine dpt (Dioptrien)positive, Zerstreuungslinsen eine negative Brechkraft.
Kurzsichtigkeit
Linsenbrennweite

Kurzsichtigkeit (Myopie): Vereinigung parallel einfallender Lichtstrahlen vor der Netzhaut (Abb. 24.34).

Ursache der Myopie ist meist ein zu langer Augapfel (Achsenmyopie, Dehnungsmyopie),Kurzsichtigkeit seltener eine zu starke Brechkraft der Myopieoptischen Medien (Brechungsmyopie). Patienten können Gegenstände in der Nähe klar erkennen, in der Ferne aber nur verschwommen sehen. Die Kurzsichtigkeit wird durch konkave Brillengläser (Zerstreuungsgläser, Minusgläser) korrigiert, die die einfallenden Strahlen zerstreuen. Bei hochgradiger Kurzsichtigkeit sind meist ZerstreuungsgläserKontaktlinsen günstiger.
Eine Sonderform der Myopie ist die maligne MyopieMinusgläser (Myopia magna, progressive Myopie), bei der sich der Augapfel kontinuierlich weiter dehnt (die „normale“ Myopie kommt i. d. R. um das 20. Lebensjahr zu einem weitgehenden StillstandMyopia magna). Als Komplikation droht eine Überdehnung der inneren Augenhäute mit Netzhautrissen und -ablösung.
Weitsichtigkeit

Weitsichtigkeit (Hypermetropie, Hyperopie, Übersichtigkeit): Vereinigung parallel einfallender Strahlen hinter der Netzhaut (Abb. 24.34).

Bei der Weitsichtigkeit ist entweder der Augapfel zu kurz (häufig) oder die WeitsichtigkeitHyperopieHypermetropieBrechkraft des optischen Systems zu gering (Übersichtigkeitselten). Die Betroffenen können in der Ferne gut sehen, da durch Akkommodation ein scharfes Bild auf der Netzhaut erreicht wird. Nahe Gegenstände erscheinen aber unscharf. Die Weitsichtigkeit kann durch konvexe Brillengläser (Sammelgläser, Plusgläser) korrigiert werden, die die einfallenden Strahlen zusätzlich bündeln und dadurch problemloses Sehen im Nahbereich Sammelgläsergewährleisten.
Alterssichtigkeit

Alterssichtigkeit (Presbyopie): altersbedingte Weitsichtigkeit (Abb. 24.34); kein eigentlicher Brechungsfehler, sondern durch (physiologische) Alterungsprozesse bedingt.

Mit zunehmendem PlusgläserAlter nimmt die Eigenelastizität der Linse ab, und die AlterssichtigkeitAkkommodationsfähigkeit wird immer geringer, bis Presbyopieum das 65. Lebensjahr keine Akkommodation mehr möglich ist. Anfänglich kann das Auge die Störung noch selbst ausgleichen. Etwa um das 45. Lebensjahr sind die Veränderungen der Linse aber soweit fortgeschritten, dass die Betroffenen Gegenstände in einer Entfernung von weniger als 30–40 cm nicht mehr klar erkennen können („die Arme werden zu kurz zum Zeitunglesen“). Das Sehen in der Ferne ist normal. Die Korrektur erfolgt wie bei der „normalen“ Weitsichtigkeit durch Konvexgläser.
Stabsichtigkeit

Stabsichtigkeit (Astigmatismus): linienförmige Abbildung eines Punkts auf der Netzhaut.

Aufgrund einer meist angeborenen abnormen Hornhautkrümmung werden die von einer Stabsichtigkeitpunktförmigen Lichtquelle ausgehenden Lichtstrahlen Astigmatismusauf der Netzhaut nicht als Punkt, sondern als Linie abgebildet, und der Patient sieht unscharf und verzerrt.
Aufgrund der unregelmäßigen Lichtbrechung kommt es auch zur Blendung. Meist kann der Astigmatismus durch zylindrisch geschliffene Brillengläser oder Kontaktlinsen ausgeglichen werden. In Extremfällen ist eine Operation oder sogar eine Hornhauttransplantation notwendig.

Schielen

Schielen (Strabismus): Abweichung der Augenachsen von der (normalen) Parallelstellung beim Blick in die Ferne; tritt bei ca. 4 % der Gesamtbevölkerung auf.

Begleitschielen

Begleitschielen (Strabismus concomitans): Das schielende Auge macht die Bewegungen des anderen Auges mit („begleitet“ es); zu über 80 % ein- oder wechselseitiges (alternierendes) Einwärtsschielen; häufigste Form des Schielens; Altersgipfel in den ersten 4 Jahren.

Die Ursache kindlichen Schielens bleibt meist ungeklärt. SchielenManifestationsfördernd wirken Strabismuseine (höhergradige) Weitsichtigkeit, Anomalien Strabismus:concomitansder Augenmuskeln oder eine angeborene oder z. B. durch Infektionskrankheiten erworbene Fusionsschwäche (Fusion hier im Sinn von „Verschmelzung der Bildausdrücke beider Augen zu einem räumlichen Bild im Gehirn“). Auf Dauer wird das schielende Auge immer mehr „abgeschaltet“, es wird schwachsichtig (amblyop).
Leichtes Schielen bleibt oft unbemerkt. Ein hoher Schielwinkel dagegen ist ästhetisch störend. Manchmal fällt das Kind auch durch große Ungeschicklichkeit auf, da das räumliche Sehen beeinträchtigt ist. Die Diagnose kann meist durch eine gründliche Inspektion (Abdecktest, Aufdecktest) gestellt werden.

Achtung

Schielen ist kein Schönheitsfehler, sondern eine behandlungsbedürftige Erkrankung! In erster Linie droht bei einseitigem Schielen eine Schielamblyopie, d. h. eine Schwachsichtigkeit des schielenden Auges, da der „nicht passende“ Bildeindruck des schielenden Auges im Gehirn unterdrückt wird. Fällt Ihnen bei einem Patienten (v. a. bei einem Kind) ein Schielen auf, schicken Sie ihn zur Abklärung zum Augenarzt.

Die Behandlung muss so früh wie möglich einsetzen. Sie umfasst v. a. die Korrektur einer evtl. Weitsichtigkeit; abwechselnde Okklusion der Augen (SchielamblyopieAbdecken z. B. mit speziellen Pflastern), um beidseits eine gute Sehstärke zu erreichen; eine Übungsbehandlung in der „Sehschule“ und evtl. eine oder mehrere Schiel-Operationen, bei denen Augenmuskeln gekürzt oder verlagert werden.
Das Ergebnis der Behandlung ist i. d. R. sehr gut, und bei frühem Behandlungsbeginn kann meist eine gute Sehschärfe erlangt werden. Ein normales räumliches Sehen wird aber selbst unter optimalen Bedingungen nur bei einem Teil der Kinder erreicht.
Lähmungsschielen

Lähmungsschielen (Strabismus paralyticus): durch Augenmuskellähmung bedingtes Schielen, das in jedem Alter auftreten kann.

Wie alle anderen Muskeln können auch die sechs quergestreiften Augenmuskeln durch Verletzungen (z.Lähmungsschielen B. Schädelbasisfraktur), Entzündungen (z.Strabismus:paralyticus B. Meningitis, Enzephalitis, Multiple Sklerose) oder Tumoren gelähmt werden.
Das dann auftretende Lähmungsschielen ist typischerweise in Zugrichtung des gelähmten Muskels am größten, weil der betroffene Augapfel in der Bewegung immer mehr zurückbleibt. Beim Blick in die Gegenrichtung wird der Schielwinkel kleiner, da der gelähmte Muskel weniger benötigt wird. Im Gegensatz zum Begleitschielen sehen die Patienten Doppelbilder und versuchen häufig, die Doppelbilder durch eine Kopfschiefhaltung (Abb. 24.35) zu vermeiden.
Behandlung und Prognose sind ursachenabhängig.

Übersicht über weitere Augenerkrankungen

Hornhautverätzung 30.12.3
Retinoblastom 28.8.3
  • Chorioretinitis disseminata: Die herdförmige Netz-Aderhaut-Entzündung ist nach heutigem Kenntnisstand oft durch Toxoplasmose (25.20.3) bedingt. Es besteht ein (bleibender) Gesichtsfeldausfall, der in der Chorioretinitis disseminataPeripherie oft unbemerkt bleibt, bei Befall der Makula (bei fetaler Toxoplasmose) aber zu hochgradigem Sehverlust führt. Symptomatische Gabe von (entzündungshemmenden) Glukokortikoiden, bei Verdacht auf infektiöse Genese unbedingt gleichzeitig Antibiotikatherapie erforderlich.

  • Dakryoadenitis: Akute oder chronische Entzündung der Tränendrüse mit (Druck-)Schmerz, Rötung und typische „Paragrafen“-Form der Lidspalte durch Vorwölbung der geschwollenen Tränendrüse nach außen oben. Bei Dakryoadenitisakuter Entzündung liegt eher eine hohe, bei chronischer dagegen eine zu geringe Tränensekretion vor. Die Entzündungsursachen sind vielfältig (z. B. Viren, Bakterien, Pilze, Sarkoidose), die Therapie erfolgt je nach Grunderkrankung.

  • Dakryozystitis: Tränensackentzündung, oft infolge einer Verengung der ableitenden Tränenwege mit nachfolgender bakterieller Infektion. Bei der akuten Form liegt eine druckschmerzhafte Rötung und Schwellung im Dakryozystitisgesamten Unterlid- und Tränensackbereich vor. Eine hoch dosierte Antibiotikatherapie ist erforderlich. Nach Abklingen der akuten Entzündung Operation zur Beseitigung der Verengung. Bei der chronischen Form oft nur Tränenträufeln, Schwellung auf unteren Teil des nasalen Lidwinkels beschränkt. Therapie: OP.

Achtung

Bei Dakryozystitis besteht die Gefahr der Keimeinschleppung in das Gehirn!

  • Ektropium: Auswärtskehrung des Lids durch Narben (Abb. 24.36) oder im Alter. Die Symptome sind Tränenträufeln, Binde- und Hornhautreizung, Therapie: OP.

  • Entropium: Einwärtskehrung des Lids durchEktropium Narben oder im Alter. Durch das Scheuern des Lids und der Wimpern entwickelt sich zuerst eine Hornhautreizung bis hin zur Ulzeration. Therapie: OP.

  • Fundus hypertonicus: Diese Entropiumtypische Veränderungen des Augenhintergrunds bei Bluthochdruck ist ein hohes Risiko für plötzliche arterielle oder venöse Gefäßverschlüsse der Netzhaut.

  • Hornhauterosion: Oberflächlicher Fundus hypertonicusEpitheldefekt der Hornhaut, hervorgerufen z. B. durch Zweige, Fingernägel oder UV-Strahlen (Schweißen, Höhensonne = Keratitis photoelectrica). Es bestehen Fremdkörpergefühl, oft starke Schmerzen sowie eine Abwehrtrias aus Lichtscheu, Tränenfluss, Lidkrampf. Das Auge ist gerötet. Therapie: Ruhigstellung des Auges, desinfizierende sowie evtl. antibiotikahaltige Augensalben. Gute Prognose.

  • Iritis und Iridozyklitis: Entzündung der Iris bzw. der Iris und des Ziliarkörpers. Durch bakterielle Infektion bedingt oder im Rahmen von Allgemeinerkrankungen Iritisauftretend, v. a. bei chronischer Polyarthritis, Morbus Bechterew, IridozyklitisMorbus Reiter, Morbus Boeck. Symptome sind Rötung des Auges, Lichtscheu, Schleiersehen, enge, nur träge reagierende Pupillen, Hypopyon (Abb. 24.36). Zudem besteht ein dumpfer Lokalschmerz. Gefahr der Bildung einer Fibrinmembran in der Pupille oder von Verwachsungen zwischen Iris und Hornhaut bzw. Iris und Linse, Sekundärglaukom und Katarakt. Lokal werden Glukokortikoide eingesetzt sowie Medikamente zur Weitstellung der Pupille, bei bakterieller Ursache Antibiotika.

  • Papillitis: Entzündung des Sehnervenkopfes. Ursache sind z. B. Virusinfektionen oder immunologische Erkrankungen. Akute Sehverschlechterung und Makuladegenerationleichter, dumpfer Orbitaschmerz. Diagnose durch Augenspiegelung. PapillitisTherapeutisch systemische Gabe von Glukokortikoiden. Bleibende Defekte möglich.

  • Pterygium (Flügelfell): Gefäßreiche, gutartige Bindegewebswucherung der Konjunktiva, die – meist von nasal – in Richtung Hornhaut wächst. Es ist eine Pterygiumfrühzeitige operative Entfernung nötig, da sonst Hornhautnarben Defekte möglich.das Sehen beeinträchtigen.

  • Retinopathia diabetica: Veränderungen der Netzhautgefäße bei Diabetes mellitus. Bis zu 70 % aller Diabetiker entwickeln eine diabetische Retinopathie. Im Spätstadium droht der völlige Sehverlust. In den Industrienationen ist die diabetische Retinopathie die häufigste Erblindungsursache. Die Diagnose erfolgt durch (regelmäßige!) Augenhintergrundspiegelungen. Der typische Netzhautbefund zeigt dabei: Schlängelungen kleiner Arterien, die sog. Mikroaneurysmen, Lipidablagerungen in der Netzhaut, sog. harte Exsudate, weißlich flockige Herde, die sog. weichen Exsudate bzw. Cotton-Wool-Herde, Gefäßneubildungen, die zu schweren Einblutungen und Sehverlust führen können.Therapie: optimale Diabeteseinstellung, Laser- oder Lichtkoagulation.

  • Retrobulbärneuritis: Entzündung des Sehnerventeils hinter dem Augapfel, die meist durch eine Multiple Sklerose (23.7.2) oder wie bei Papillitis (s. o.) durch Virusinfektionen und immunologische Erkrankugen Retrobulbärneuritisverursacht wird. Hochgradige Sehverschlechterung bei normalem Fundusbefund („Patient und Arzt sehen nichts“). Heute jedoch Frühdiagnose durch elektrophysiologische Untersuchung möglich. Therapie und Prognose wie bei Papillitis (s. o.).

  • Skleritis: Entzündung der Sklera (Lederhaut), die oft im Zusammenhang mit rheumatischen Erkrankungen auftritt. Hauptsymptome sind Augenrötung und starke Augenschmerzen. Entzündungshemmende Therapie mit systemischerSkleritis Gabe von Glukokortikoiden, evtl. auch Immunsuppressiva. Therapie der Grunderkrankung, falls diese bekannt. Zweifelhafte Prognose, denn es besteht Rezidivgefahr.

  • Stauungspapille: Typische Vorwölbung, Unschärfe und Trübung der Papille bei der Augenspiegelung infolge Hirndrucksteigerung.

  • (Netzhaut-)Zentralarterienverschluss: Oft durch eine Embolie verursachter StauungspapilleVerschluss der A. centralis retinae mit schlagartiger, schmerzloser Erblindung des betroffenen Auges. Diagnose durch Fundusbetrachtung und Netzhaut:ZentralarterienverschlussFluoreszenzangiografie (Kontrastmitteldarstellung der Netzhautgefäße). Therapeutisch z. B. rheologisch wirksame (die Fließeigenschaft des Blutes beeinflussende) Infusionen (z. B. Rp HAES®), Antikoagulanzien, Thrombolyse, Glukokortikoide, Augeninnendrucksenkung. Unbedingt Behandlung der Grunderkrankung. Prognose für das Sehvermögen ausgesprochen schlecht.

Pharma-Info: Medikamente in der Augenheilkunde

Lokaltherapeutika

Bei vielen Augenerkrankungen reicht eine lokale medikamentöse Therapie aus (Tab. 24.4), die mit weniger Nebenwirkungen behaftet ist als die systemische Medikamentengabe. Die Lokaltherapeutika verteilen sich rasch auf Binde- und Hornhaut und werden gut aufgenommen. Allerdings müssen sie relativ häufig aufgetragen werden, da die Wirksubstanz schnell durch die Tränenwege in die Nase fortgespült wird.

Systemische Medikation

Bei der systemischen Medikation stehen folgende Medikamente bzw. Medikamentengruppen im Vordergrund (Tab. 24.4):
  • Antibiotika gegen Infektionen (25.5.2, Pharma-Info)

  • Glukokortikoide v. a. gegen nicht-infektiöse Entzündungen (19.8.1, Pharma-Info)

  • Immunsuppressiva gegen schwere immunologisch bedingte Erkrankungen, die das Augenlicht bedrohen (22.8.2, Pharma-Info)

  • Medikamente zur Senkung des Augeninnendrucks: Bewährt haben sich v. a. Rp Acetazolamid, das die Kammerwasserproduktion hemmt und leicht diuretisch wirkt, sowie die Infusion 20-prozentiger Mannitollösung oder die orale Gabe von ca. 100 ml eines 50–75-prozentigen Glyzerintrunks, die beide über eine osmotische Wirkung Wasser entziehen.

  • (Netzhaut-)Zentralvenenverschluss: Thrombotischer Verschluss der V. centralis retinae z. B. bei Hypertonie, Blutveränderungen oder „Pillen“-Einnahme bei Raucherinnen. Schmerzlose Verdunkelung des Gesichtsfelds Netzhaut:Zentralvenenverschlussund Sehschärfeverlust, meist über Stunden. Die Diagnose erfolgt durch eine Fundusbetrachtung und Fluoreszenzangiografie. Die Prognose ist trotz Hämodilution oder Thrombolyse als schlecht zu bezeichnen.

Achtung

  • Beim Zentralarterienverschluss handelt es sich um einen augenärztlichen Notfall, denn die Retina kann ohne Blutzufuhr nur kurze Zeit überleben. Der Patient muss umgehendzum Augenarzt bzw. in eine Augenklinik gebracht werden.

  • Beim Zentralvenenverschluss muss der Patient umgehend zum Augenarzt bzw. in eine Augenklinik gebracht werden.

Leitsymptome (Geruchs- und Geschmackssinn) und Erkrankungen der Nase

Rhinitis 12.5.1

Geruchs- und Geschmacksstörungen

Geruchsstörungen

Anosmie: Komplettausfall der Riechfunktion.

Hyposmie: zunächst Verlust der Erkennungsschwelle des Geruchs, dann Verlust der Wahrnehmungsschwelle.

Parosmie (Fehlriechen): Dem Patienten erscheint z. B. alles übel riechend.

Geschmacksstörungen

Ageusie: Ausfall der Empfindung für einzelne oder alle Geschmacksrichtungen.

Hypogeusie: Abschwächung des Geschmacksempfindens.

Parageusie: Fehlwahrnehmung von Geschmacksstoffen.

Diagnostik
Nach der Anamnese und körperlichen Untersuchung der Nase und der Mundhöhle führen ParosmieNase(n):ErkrankungenHyposmieGeruchsstörungenAnosmieSie Ageusieden RiechtestHypogeusie und/oder den Test auf die vierParageusie Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter durch. Bei Verifizierung einer Geruchs- und/oder Geschmacksstörung müssen Sie den Patienten in vielen Fällen zur weiteren Ursachenabklärung zum HNO-Arzt überweisen.
Differenzialdiagnose
Im einfachsten Fall kann eine Hypo- oder Anosmie auf eine behinderte Nasenatmung (z. B. durch Schnupfen) zurückgeführt werden. Aber auch seltenere neurologische Ursachen oder Tumoren sind möglich (Tab. 24.5).
Zu Geschmacksstörungen Geschmacksstörungenkommt es bei einer Schädigung der Geschmacksnerven durch Unfälle, Hirntumoren, Entzündungen, toxische oder medikamentöse Schädigung, aber mitunter auch bei Zinkmangel. Ebenso können Papillenveränderungen (z. B. bei Glossitis oder Atrophie) oder Zungenbelag den Geschmackssinn beeinträchtigen.

Nasenfurunkel

Nasenfurunkel: eitrige Entzündung an Nasenspitze oder Naseneingang, die sich aus einer Haarbalgentzündung entwickelt, Erreger sind i. d. R. Staphylokokken.

Oft sind abwehrgeschwächte Patienten betroffen, z. B. Diabetiker oder Patienten mit Tumorerkrankungen. Die Nasenspitze des Patienten ist gerötet und geschwollen (Abb. 24.37). Der NasenfurunkelPatient hat bereits spontan oder bei leichtem Druck starke Schmerzen. Häufig ist auch die Oberlippe aufgetrieben. Gefährlich an diesem Krankheitsbild ist die Möglichkeit der Verschleppung von Keimen in das Gehirn (Gefahr einer Hirnhautentzündung).
Die schulmedizinische medikamentöse Therapie besteht in lokaler und systemischer Antibiotikagabe. Zusätzlich ist eine Ruhigstellung der Oberlippe sinnvoll, soweit möglich: „wenig reden“, Breikost oder flüssige Ernährung, z. B. über einen Strohhalm.

Achtung

An einem Nasenfurunkel darf niemals herumgedrückt werden, da dies das Komplikationsrisiko (z. B. Meningitis 25.16.1) erheblich steigert.

Nasenbluten

Nasenbluten (Epistaxis): Blutungen aus der Nase können vielfältige Ursachen haben, sind oft harmlos, beunruhigen jedoch den Patienten (und die Angehörigen) meist sehr.

Krankheitsentstehung
Nasenbluten kann durch lokale Veränderungen oder Erkrankungen der Nase bedingt sein:
  • In der NasenblutenBlutung(en):Nasevorderen Nasenscheidewand liegt ein oberflächliches Gefäßnetz (Locus Kiesselbachi), aus dem es beim „EpistaxisNasebohren“, aber auch heftigem Schnäuzen leicht blutet.

  • Verletzungen bei Knochenbrüchen oder durch Fremdkörper in der Nase können die Blutgefäße betreffen.

  • Tumoren wie z. B. gutartige Locus KiesselbachiPolypen, Karzinome oder das jugendliche Nasenrachenfibrom (gutartiger, gefäßreicher Tumor) können sich durch Nasenbluten zeigen.

Symptomatisches Nasenbluten dagegen ist Ausdruck einer Allgemeinerkrankung. Häufige Ursachen sind Störungen der Blutgerinnung, fieberhafte Infekte und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z. B. eine Hypertonie.
Symptome und Diagnostik
Allein Anamnese und Art der Blutung machen eine Verdachtsdiagnose möglich: Während die Blutung bei fieberhaften Infekten i. d. R. nur gering ist und gleichzeitig typische Infektionssymptome bestehen, kann es z. B. bei Hypertonikern zu einer starken arteriellen Blutung kommen.
Den Blutungsort stellt der HNO-Arzt meist durch Rhinoskopie fest. Findet sich keine lokale Ursache, muss eine gründliche Allgemeinuntersuchung erfolgen.
Schulmedizinische Therapie
Bei mäßigen Blutungen aus dem Locus Kiesselbachi führt der HNO-Arzt eine vorsichtige lokale Ätzung mit Silbernitrat, eine Elektrokoagulation oder eine Laserung durch. Ansonsten muss eine beidseitige vordere Nasentamponade angelegt werden (beidseits, um einen Gegendruck zu erzeugen). Bei Blutungen aus dem hinteren Nasenabschnitt ist eine Blutstillung z. B. mit speziellen Ballonkathetern erforderlich.
Maßnahmen bei Nasenbluten
Viele Patienten neigen dazu, den Kopf nach hinten zu legen und das Blut zu verschlucken. Größere Mengen Blut im Magen lösen eine starke Übelkeit und Erbrechen aus. Außerdem besteht Aspirationsgefahr, und es ist nicht feststellbar, wieviel Blut der Patient verliert. Besser ist folgendes Vorgehen:
  • Der Patient sitzt aufrecht mit etwas nach vorn gebeugtem Oberkörper.

  • Der Patient drückt die Nasenflügel fest zusammen, um die Blutung durch Kompression zu stillen. Blutstillend wirkt auch eine Eiskompresse im Nacken, da der Kältereiz zu einer reflektorischen Kontraktion der Blutgefäße führt.

  • Bei starkem Nasenbluten kontrollieren Sie Blutdruck und Puls und achten auf Schockzeichen (Blässe, Kaltschweißigkeit), da in ganz seltenen Fällen ein Patient auch an Nasenbluten verbluten kann.

  • Gelingt die Blutstillung nicht, muss der Patient zu einem HNO-Arzt zur Nasentamponade überwiesen werden.

Eine HNO-ärztliche Abklärung zur Lokalisation der Blutungsquelle sollte immer erfolgen. Bei Kindern ist Nasenbluten i. d. R. harmlos, lediglich häufigeres Nasenbluten sollte abgeklärt werden.

Polypen

Achtung

Polypen: Unterschieden werden Polypen der Nase (Polyposis nasi) und Polypen des Rachens (Adenoide).

Polyposis nasi

Polyposis nasi (Nasenpolypen): ödematöse, polypöse Schleimhauthyperplasie (Abb. 24.38) in Nase und Nasennebenhöhlen.

Die Ursache der Polyposis nasi ist zumeist eine chronische Rhinitis oder Nasennebenhöhlenentzündung (PolypenSinusitis),Nase(n):Polypen in ca. 25 %Nasenpolypen der Fälle ein allergischer Schnupfen. Bei Kindern tritt das Polyposis nasiKrankheitsbild auch im Rahmen der Mukoviszidose auf. Die Nasenatmung der Patienten ist behindert. Außerdem klagen sie häufig über Kopfschmerzen und Riechstörungen (durch Verlegung der Riechspalte). Angehörige sagen, dass der Patient nachts schnarche. Die Diagnose sichert der HNO-Arzt durch Atmung:behinderte Nasen-Inspektion der Nasenhaupthöhle. Schulmedizinisch besteht die Möglichkeit, zunächst konservativ mit kortikoidhaltigen Nasensprays und Antihistaminika vorzugehen. In der Regel wird aber eine operative Entfernung der Nasenpolypen durch Nebenhöhlenoperation nötig. Allerdings sind auch bei sorgfältiger Ausräumung aller Polypen Rezidive sehr häufig.
Adenoide

Adenoide (adenoide Vegetationen): Hyperplasie der Rachenmandel, die fast ausschließlich bei (Klein-)Kindern auftritt und durch ein besonders aktives Immunsystem bedingt ist.

Symptome und Diagnostik
Kinder mit einer vergrößerten Rachenmandel atmen ständig durch den Mund, da die Nasenatmung erheblich behindert ist. Deshalb entsteht oft ein etwas unbeholfener GesichtsausdruckAdenoide. Die Eltern berichten, das Kind habe immerzu Infekte, esse wenig, höre schlecht und schnarche. Da die vergrößerte Rachenmandel die Mündung der Ohrtrompete im Nasopharynx verlegt und so zu Tubenbelüftungsstörungen führt, kommt es zu gehäuften Mittelohrentzündungen mit Paukenergüssen. Die Schwerhörigkeit birgt längerfristig die Gefahr einer Sprachentwicklungsverzögerung. Die Diagnose lässt sich in aller Regel durch Anamnese und HNO-ärztliche Untersuchungen (vordere und hintere Rhinoskopie) sowie Hörtests sichern.

Naturheilkundliche Therapie bei Polypen

Polypen:naturheilkundliche TherapieMit naturheilkundlichen Therapieverfahren lassen naturheilkundliche Therapie:Polypensich bei frühzeitiger Behandlung gute Ergebnisse erzielen. Sind die Beschwerden stark ausgeprägt oder liegen bei Kindern durch Polypen verursachte Entwicklungsstörungen vor, ist eine Operation unumgänglich. Eine naturheilkundliche Behandlung kann in diesem Fall begleitend oder unterstützend eingesetzt werden.

Homöopathie

Polypen weisen auf eine lymphatische Konstitution hin (3.7.4). Bei frühzeitiger konstitutioneller Behandlung ist es möglich, dass sich die Polypen zurückbilden und die meist bestehende Infektanfälligkeit abnimmt. Oft sind z. B. folgende Konstitutionsmittel angezeigt: Arsenicum album, Calcium carbonicum, Kalium bichromicum, Sanguinaria, Sulfur, Thuja occidentalis. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel eingesetzt, enthalten diese häufig Calcium carbonicum (bei dicklichen Kindern, Spätentwicklern, Tonsillenhypertrophie), Calcium phosphoricum (bei schlanken Kindern, häufigen Erkältungen, Nasenpolypen) oder Graphites (bei dicken, phlegmatischen Kindern, die leicht frieren; Verstopfung).

Mikrobiologische Therapie

Eine gestörte Darmflora beeinträchtigt das darmassoziierte Immunsystem und kann – wie die Praxis immer wieder bestätigt – die den Polypen zugrunde liegende Rhinitis oder Sinusitis mit verursachen. Hinweise auf eine Darmdysbiose (z. B. Meteorismus, Flatulenz, Stuhlanomalien) sollten Sie abklären und ggf. eine mikrobiologische Therapie, z. B. mit Symbioflor®, durchführen.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie dem Patienten Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung (Verdünnung: 0,9 % – frisch abgekochtes Wasser verwenden), um die Schleimhäute zu reinigen und deren lokale Abwehrfunktion zu stärken. Der Patient kann die Flüssigkeit abwechselnd durch jedes Nasenloch „hochziehen“ oder hierfür eine spezielle Nasendusche verwenden. Kaltwaschungen wirken ebenfalls abwehrstärkend.
Schulmedizinische Therapie
Therapie der Wahl ist die operative Entfernung der hyperplastischen Rachenmandel (Adenotomie, „Polypenentfernung“). Häufig wird in gleicher Sitzung eine Parazentese (kleiner Trommelfellschnitt) durchgeführt, um begleitende Mittelohrergüsse, die durch die Funktionsstörungen der Ohrtrompete entstanden Adenotomiesind, abzulassen.

Septumdeviation

Septumdeviation: Verbiegung oder Abweichung der Nasenscheidewand. Oft symptomlos.

Eine Septumdeviation kann zur Behinderung der Nasenatmung führen sowieParazentese zu Sinusitis, Pharyngitis, Tubenkatarrh und Tonsillitis. Sie ist angeboren oder durch Verletzungen erworben. Die Diagnose stellt der HNO-Arzt Septumdeviationdurch vordere Rhinoskopie. Eine operative Begradigung der Nasenscheidewand (Septumplastik) ist nur bei stärkeren Beschwerden des Patienten notwendig. In manchen Fällen muss zusätzlich die äußere Nase mit operiert werden. Bei weniger ausgeprägter Septumdeviation ist eine Operation nicht erforderlich, eine anderweitige Besserung der dann meist nur Septumplastikleicht behinderten Nasenatmung allerdings auch nicht möglich.

Leitsymptome und Differenzialdiagnose (Ohren)

Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen (Otalgien): Begriff wird oft vieldeutig verwendet, häufig bestehen nicht Schmerzen, sondern Reizempfindungen wie Völlegefühl, Druck und Juckreiz.

Ohrenschmerzen sind meist durch Erkrankungen des äußeren Ohres oder Mittelohrs bedingt, z.B. durch eine Gehörgangs- (24.8.1) oder Mittelohrentzündung (24.8.5). Schmerzen können aber auch von anderen Organen ins Ohr fortgeleitet werden, etwa bei Tonsillitis (21.5.1), Parotitis (24.7.1) oder einem Rachentumor.
Bei Ohrenschmerzen hat der Patient oft noch weitere Beschwerden wie z. B. eine Hörminderung bei Mittelohrentzündung (24.8.5) oder „Ohrlaufen“, d. h. eine Sekretion aus Ohrenschmerzendem Ohr (Otorrhö), bei einer Gehörgangsentzündung (Otalgien24.8.1). Babys und Kleinkinder, die ihre Schmerzen noch nicht richtig lokalisieren und nur durch Schreien oder Weinen äußern können, fallen oft dadurch auf, dass sie sich mit der Hand immer wieder ans schmerzende Ohr fassen.
Diagnostik
Wichtige Hinweise liefert die Anamnese:
  • Plötzliches Auftreten nach Duschen oder Schwimmen mit Tragusdruckschmerz spricht für eine Entzündung des äußeren Gehörgangs (24.8.1).

  • Plötzliches Auftreten heftiger pulsierender Ohrenschmerzen im Zusammenhang mit Erkältungskrankheiten und Fieber ist typisch für die akute Mittelohrentzündung (24.8.5).

  • Bei Ohrdruck und gleichzeitiger plötzlicher Hörminderung müssen Sie an einen Hörsturz denken (Notfall! 24.8.7).

Die Inspektion des äußeren Ohrs kann ebenfalls zur Diagnose führen: Evtl. liegen entzündliche oder tumorartige Veränderungen an der Ohrmuschel vor. Bei der Otoskopie (24.3.2) können Sie evtl. Veränderungen des äußeren Gehörgangs oder des Trommelfells sehen. Untersuchen Sie auch die Halsweichteile (Muskeln, Lymphknoten), die Mundhöhle und die Halswirbelsäule.
Differenzialdiagnose
Zumeist sind Ohrenschmerzen durch Erkrankungen des äußeren Ohrs oder des Mittelohrs bedingt, z. B. durch eine Gehörgangs- oder Mittelohrentzündung. Schmerzen können aber auch von anderen Organen ins Ohr fortgeleitet werden, etwa bei Tonsillitis, Parotitis (Entzündung der Ohrspeicheldrüse) oder einem Rachentumor. Auch Halswirbelsäulenveränderungen und eine Kiefergelenkarthrose können ins Ohr projizierte Schmerzen verursachen. Die typischen Symptome verschiedener Erkrankungen mit Ohrenschmerzen beschreibt Tab. 24.6.

Schwerhörigkeit

Schwerhörigkeit: ein- oder beidseitige Verminderung des Hörvermögens.

Unterschieden werden:
  • Schallleitungsschwerhörigkeit: Ursache des eingeschränkten Hörvermögens ist eine eingeschränkten Weiterleitung der Geräusche, sie Schwerhörigkeitentsteht im äußeren Gehörgang oder im Mittelohr (Mittelohrschwerhörigkeit).

  • Schallempfindungsschwerhörigkeit: Sie entsteht entweder im Innenohr (SchalleitungsschwerhörigkeitInnenohrschwerhörigkeit: sensorische Schwerhörigkeit), durch Hirnnervenstörung, z. B. durch Tumoren oder Multiple Sklerose (Nervenschwerhörigkeit: neurale Schwerhörigkeit) oder durch zentrale Störungen (z. B. durch SchallempfindungsschwerhörigkeitTumoren oder Gefäßprozesse im Gehirn: zentrale Schwerhörigkeit).

Diagnostik
Neben der Anamnese (akuter, chronischer Verlauf; Begleitbeschwerden wie Schwindel, Ohrgeräusche, -schmerzen) geben die Stimmgabeltests erste diagnostische Hinweise. Zur genauen Differenzierung überweisen Sie den Patienten zum HNO-Arzt zu weiteren Hörprüfungen.
Differenzialdiagnose
Die Ursache einer Schwerhörigkeit liegt zumeist im Mittelohr (z. B. Mittelohrentzündung, Tubenkatarrh, Otosklerose) oder Innenohr (z. B. Hörsturz, chronische oder akute Lärmschädigung). Aber auch ein Ohrenschmalzpfropf mit Verlegung der Gehörgangslichtung kann zu einer akuten Hörminderung führen. Seltener ist eine Schwerhörigkeit durch einen Tumor bedingt (z. B. Akustikusneurinom). Je nach der zugrunde liegenden Ursache kann sich eine Schwerhörigkeit rasch (z. B. bei einer Mittelohrentzündung) oder langsam (z. B. Lärmschwerhörigkeit) entwickeln.

Ohrgeräusche

Ohrgeräusche (Tinnitus aurium, Ohrensausen): rauschende, klingende oder pfeifende Geräusche im Ohr, die nur vom Patienten wahrgenommen werden; Charakter und Intensität sind sehr variabel (z. B. Brummen, Summen, Pfeifen, Zischen).

Ursachen von Ohrgeräuschen (Tab. 24.7) können u. a. sein:
  • Innenohrschädigung durch:

    • Lärmbelastung in Freizeit oder Beruf (Ohrgeräuscheakutes Lärmtrauma)

    • Hörsturz

    • Tinnitus:auriumMorbus Menière

    • Otosklerose

    • OhrensausenInfektionen (v. a. Chlamydien)

  • Minderdurchblutung des Ohrs bei:

    • Hypotonie

    • Hypertonie

    • Anämie

    • Veränderungen des Halswirbelsäule

  • Mittelohrerkrankung: Erguss in der Paukenhöhle (akuter oder chronischer Tubenkatarrh)

  • sonstige Ursachen:

    • Multiple Sklerose

    • Hirntumor

    • Akustikusneurinom

    • psychische Ursachen

Ehe man auf einen ausschließlichen psychischen Hintergrund der Beschwerden schließt, sollten alle anderen Erkrankungen ausgeschlossen sein. Insbesondere starker Stress und extreme psychische Belastungssituationen können jedoch zum Auftreten eines Ohrgeräuschs führen – Faktoren, die auch für die Entstehung eines Hörsturzes oder des Morbus Menière mitverantwortlich gemacht werden. Umgekehrt können aber auch erst durch das Ohrgeräusch selbst ausgeprägte psychische Beschwerden auftreten.
Symptome
Charakter und Intensität der Geräusche sind sehr variabel, z. B. Brummen, Summen, Pfeifen, Zischen.
Viele Patienten empfinden den Tinnitus z. B. in stiller Umgebung als unangenehm, fühlen sich aber im Alltag nicht (wesentlich) gestört (kompensierter Tinnitus). Ein dekompensierter Tinnitus ist so stark und belastend, dass sich der Betroffene deutlich beeinträchtigt fühlt bis zu Depressionen und Angstzuständen als Folge.
Je nach zeitlichem Verlauf werden akuter, subakuter und chronischer Tinnitus unterschieden.
Bei manchen Patienten sind die Ohrgeräusche so stark und belastend, dass sie als Folge nicht nur unter Einschlaf- und Konzentrationsstörungen leiden, sondern zusätzlich Depressionen und Angstzustände auftreten.

Tipp

Bei vielen Patienten wird selbst bei gründlicher HNO-ärztlicher Untersuchung keine Ursache für das Ohrgeräusch gefunden. Diese Patienten müssen trotzdem ernst genommen und dürfen nicht als „persönlichkeitsgestört“ abgedrängt werden. Helfen können ihnen oft der Kontakt zu Selbsthilfegruppen (z. B. der Tinnitus-Liga), übende Verfahren und Verhaltenstherapie.

Schulmedizinische Therapie
An erster Stelle steht die Beseitigung der Ursache. Ist diese jedoch nicht bekannt, wird meist eine Kombination von gefäßerweiternden Medikamenten und Medikamenten, die die Fließeigenschaften des Blutes verbessern, eingesetzt. Begleitende Maßnahmen sind Entspannungsverfahren, Vermeidung von Lärm („Lärmdiät“) und Stress oder das Tragen eines Tinnitusmaskers. Der Masker sieht von außen wie ein Hörgerät aus, erzeugt aber ein Rauschen, durch das der Patient die eigenen Ohrgeräusche nicht mehr wahrnehmen kann. Bei einigen Patienten zeigen Aufenthalte in Druckkammern gute Erfolge, denn hierbei steigt der Sauerstoffgehalt des Blutes um ein Vielfaches an, was die Regeneration des Innenohrs anregen kann.

Naturheilkundliche Therapie bei Tinnitus

Tinnitus:naturheilkundliche TherapieHandbuch für die Naturheilpraxis 15.3.5

Bei Tinnitus gilt die Regel, dass die Chancen auf Heilung naturheilkundliche Therapie:Tinnitusmit der Dauer der Erkrankung abnehmen. Mit naturheilkundlichen Therapieverfahren lassen sich die Beschwerden lindern.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Berücksichtigen Sie, dass ausleitende Verfahren die Durchblutung des Innenohrs und die Fließeigenschaften des Blutes verbessern können. Setzen Sie Blutegel (Abb. 24.39) an den Processus mastoideus, oder bringen Sie hier ein Cantharidenpflaster an.
Ebenso kann es hilfreich sein, die Nackenzone (C 3–C 5) im Verlauf des Blasenmeridians zu schröpfen oder zu baunscheidtieren, da hierdurch Störungen im HNO-Bereich sowie zerebrale Durchblutungsstörungen positiv beeinflusst werden. Ist der Patient in einem Fülle-Zustand (Hitze-Zustand), sollten Sie blutig, bei einem Leere-Zustand (Kälte-Zustand) trocken schröpfen.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Folgende Konstitutionsmittel sind zur Behandlung des Tinnitus geeignet: Calcium carbonicum, China officinalis, China sulfuricum, Coffea, Graphites, Hyoscyamus, Kalium carbonicum, Phosporus. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel eingesetzt, enthalten diese häufig Cocculus (bei Brummen, Labyrinthausfall), Kalium jodatum (bei arteriosklerotischen Veränderungen), Asarum (bei Verschlechterung durch Lärm, Ohr wie zugepfropft) oder Causticum (bei Klingeln und Dröhnen, mit Taubheit).

Manuelle Therapie

Berücksichtigen Sie, dass auch Dysfunktionen im HWS-Bereich Ohrgeräusche mit verursachen können. Durch sanfte manuelle Therapien wie z. B. eine osteopathische Behandlung (speziell die kraniosakrale Osteopathie) werden energetische Störungen ausgeglichen und Dysfunktionen korrigiert.

Ordnungstherapie

Rauchen ist ungünstig, weil es die Durchblutung der feinen Gefäße beeinträchtigt und sollte unbedingt eingestellt werden.
Klären Sie den Patienten darüber auf, dass sich seine Beschwerden möglicherweise nur partiell positiv beeinflussen lassen. Damit er ggf. diesen Zustand annehmen kann, ist es notwendig, dass Sie ihm psychologische Unterstützung anbieten. Auch Stressbewältigungsverfahren (z. B. Autogenes Training, Yoga) können dem Patienten helfen, auf emotionale Faktoren Einfluss zu nehmen und die innere Anspannung zu lösen. Denn nicht selten sind Ohrgeräusche ein Hinweis, dass eine persönliche Grenze der Belastung überschritten wurde.

Orthomolekulare Therapie

Als flankierende Maßnahme hat sich Magnesium, 300 mg tgl. bewährt, wegen der entspannenden und vegetativ ausgleichenden Wirkung.

Phytotherapie

Mistelkraut (Visci albi herba Abb. 8.12), Knoblauchzwiebel (Allii sativi bulbus Abb. 15.23) und Bärlauch (Allium ursinum Abb. 15.24) werden eingesetzt, um arteriosklerotische Prozesse günstig zu beeinflussen. Knoblauch und Bärlauch senken z. B. die Blutfettwerte und hemmen die Thrombozytenaggregation.
Um die zerebrale Durchblutung zu erhöhen, wird meist ein Extrakt aus Ginkgoblättern (Ginkgo bilobae folium Abb. 24.40, z. B. Kaveri®, Rökan® Novo 120 mg) verordnet. Er verbessert die Fließeigenschaften des Blutes.

Sauerstofftherapie

Während einer Sauerstofftherapie steigt der Sauerstoffgehalt des Blutes deutlich an; seine Fließeigenschaften und somit die Durchblutung werden verbessert. Dies kann den Tinnitus lindern oder ganz abklingen lassen. Das Verschwinden der Ohrgeräusche kann dauerhaft sein; ggf. muss die Sauerstoffkur jedoch wiederholt werden.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome wie z. B. das lodernde Leber-Feuer oder ein Nieren-Jing-Mangel können Tinnitus hervorrufen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach auslösenden Faktoren, Modalitäten sowie nach Zusatzsymptomen.
In der TCM wird das Sinnesorgan Ohr dem Funktionskreis Niere/Blase zugeordnet: Demnach sind akut einsetzende, laute Ohrgeräusche Zeichen eines Fülle-Zustands, während langsam beginnende, schwache Geräusche auf einen Leere-Zustand im Funktionskreis Niere/Blase verweisen. Die energetische Behandlung erfolgt vorzugsweise mit Akupunktur.

Erkrankungen der Ohren

Entzündung des äußeren Gehörgangs

Entzündung des äußeren Gehörgangs (Otitis externa): begünstigt durch Hautschädigung von außen, z. B. unsauberes Badewasser, mechanische Irritation wie z. B. durch Wattestäbchen; Erreger: vorwiegend Bakterien (z. B. Staphylokokken, Pseudomonas, Proteus), selten auch Pilze.

Symptome und Diagnostik
Bei der Otitis externa ist die Gehörgangshaut schmerzhaft geschwollen, gerötet, und der Druck auf den Tragus Ohr(en):Erkrankungenschmerzt. In GehörgangsentzündungExtremfällen ist der äußere Gehörgang vollständig verlegt und Otitis externazeigt zusätzlich eine schmierige Sekretion. In diesem Fall klagt der Patient auch über Schwerhörigkeit.
Bei Pilzbefall steht weniger die Schmerzhaftigkeit, sondern mehr ein Juckreiz im Vordergrund der Symptomatik.
In schweren Fällen haben die Patienten Fieber und lokale Lymphknotenschwellungen.
Schulmedizinische Therapie
Der HNO-Arzt reinigt den Gehörgang nach Entnahme eines Abstrichs zum Erregernachweis und legt einen alkohol-, antibiotika- oder kortisonhaltigen Salbenstreifen (bei Pilzbefall antimykotikahaltige Salbe) ein. In leichteren Fällen sind entsprechende Ohrentropfen ausreichend.

Ohrenschmalzpfropf

Ohrenschmalzpfropf (Cerumen obturans, Zeruminalpfropf): Ohrenschmalz = Sekret aus Ohrenschmalzdrüsen und abgeschilfertes Epithel, führt mitunter zur vollständigen Verlegung des äußeren Gehörgangs mit Hörminderung.

Ein gestörter Selbstreinigungsprozess des äußeren Gehörgangs kann dazu führen, dass Ohrenschmalz nicht abtransportiert wird. Den OhrenschmalzpfropfGehörgang Zerumenverlegende Ohrenschmalzpfröpfe sind häufig Cerumen:obturansFolge einer regelmäßigen „Ohrsäuberung“ mitZeruminalpfropf Wattestäbchen. Daher sollten Wattestäbchen am besten gar nicht und wenn, dann nur im Bereich der Ohrmuschel benutzt werden.
Die Diagnose erfolgt durch Inspektion des äußeren Gehörgangs mit dem Ohrtrichter (Abb. 24.16 Otoskopie). Der Pfropf wird durch Ohrspülung oder durch mechanische Extraktion durch den HNO-Arzt entfernt.
Einer Ohrspülung sollte immer eine Otoskopie vorausgehen, da Ohrspülungen z. B. bei einer Trommelfellperforation (Abb. 24.42) kontraindiziert sind.
An Material werden eine Ohrspritze (100–250 ml) oder ein spezielles Spülsystem, körperwarmes Leitungswasser, eine Nierenschale, ein Abdecktuch, ein Handtuch, ein Otoskop und ggf. Cerumenex®-Tropfen benötigt.
Ist der Ohrpfropf sehr hart, kann er durch Einträufeln z. B. von Cerumenex®-Tropfen vor der Ohrspülung aufgeweicht werden. Für die Ohrspülung soll der Patient bequem sitzen. Seine Kleidung sollte durch ein (wasserdichtes) Abdecktuch geschützt werden. Die Nierenschale wird unter das betreffende Ohr gehalten, evtl. vom Patienten selbst. Dann ziehen Sie die Ohrmuschel des Patienten nach hinten oben, um den Gehörgang zu strecken, und spritzen das Wasser unter mäßigem Druck zügig in den Gehörgang ein. Das Wasser (und die darin enthaltenen Ohrpfropfanteile) laufen wieder in die Nierenschale ab. Die Spülung kann ggf. mehrfach wiederholt werden. Der Erfolg wird mit dem Otoskop kontrolliert, bei Nichterfolg muss der Patient zum HNO-Arzt überwiesen werden. Da die Spülung des Gehörgangs durch Reizung des Gleichgewichtsorgans zu Schwindel und Übelkeit führen kann, sollte der Patient zwischendurch nach seinem Befinden gefragt werden und nach der Ohrspülung für ca. 10 Min. unter Kreislaufkontrolle ruhen.

Fremdkörper im Ohr

Fremdkörper wie Murmeln oder Glasperlen werden meist von Kleinkindern in den äußeren Gehörgang gesteckt und müssen dann vorsichtig unter ohrmikroskopischer Kontrolle vom HNO-Arzt mit einem speziellen Häkchen entfernt werden.

Achtung

Fremdkörper im Ohr belassen! Die Entfernung muss durch den HNO-Arzt erfolgen, denn es besteht die Gefahr, dass der Fremdkörper noch weiter in den Gehörgang rutscht und Trommelfell und Gehörknöchelchenkette verletzt.

Tubenkatarrh

Tubenkatarrh: akut oder chronisch auftretende Tubenfunktionsstörung mit Verschluss der Ohrtrompete (24.2.4), die zu einer Belüftungsstörung in der Paukenhöhle mit Unterdruck im Mittelohr und Sekretansammlung führt; besonders häufig bei Kindern.

Akuter Tubenkatarrh

Akuter Tubenkatarrh (Serotympanon): meist entzündlich bedingte, durch Schleimhautschwellung der Tube ausgelöste vorübergehende Tubenfunktionsstörung.

Symptome und Diagnostik
Fremdkörper:OhrIm Rahmen einer Erkältung oder ausgelöst durch einen akuten Heuschnupfen treten Druck im Ohr, evtl. auch stechende TubenkatarrhOhrenschmerzen, Knacken im Ohr beim Schlucken und eine Hörminderung auf. Begünstigt wird die Entstehung Serotympanoneines Tubenkatarrhs auch durch vergrößerte Rachenmandeln und Nasennebenhöhlenentzündung. Bei der Otoskopie zeigt sich ein retrahiertes (zurückgezogenes) Trommelfell, evtl. ist auch ein Sekretspiegel im Mittelohr erkennbar. Bei der Impedanzaudiometrie (Tympanometrie) in der HNO-ärztlichen Praxis können Trommelfellbeweglichkeit und Druck im Mittelohr messtechnisch bestimmt werden.
Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung besteht im Einträufeln abschwellender Nasentropfen 4-mal tgl. (z. BImpedanzaudiometrie. Nasivin®). Selten ist darüber hinaus Tympanometrieeine schmerzstillende Behandlung, z. B. mit Paracetamol, erforderlich. Antibiotika werden nur gegeben, wenn die Gefahr besteht, dass sich eine Mittelohrentzündung entwickelt.

Naturheilkundliche Therapie bei Tubenkatarrh

Tubenkatarrh:naturheilkundliche TherapieWenn auch Tubenkatarrhe zu einer Spontanheilung neigen, gibt es naturheilkundliche Therapie:Tubenkatarrhdoch viele Fälle, in denen sich die Beschwerden hartnäckig halten. Speziell bei kleineren Kindern bleibt ein Tubenkatarrh oft unerkannt, da sie die Hörminderung nicht mitteilen können.

Naturheilkundliche Therapien können den Heilungsprozess wirkungsvoll unterstützen.

Ab- und Ausleitungstherapie

Treten die Beschwerden im Zusammenhang mit rezidivierenden Infekten (z. B. Sinusitis, Erkältungen) auf, sollten Sie zur Abwehrsteigerung eine Eigenblutbehandlung durchführen. Auch eine lokale ausleitende Maßnahme, z. B. ein daumennagelgroßes Cantharidenpflaster am Mastoid, kann wirksam sein.

Homöopathie

Bei akutem Tubenkatarrh ist die Behandlung mit einem organotropen Mittel sinnvoll. Häufig eingesetzte Mittel sind z. B. Pulsatilla (bei einem Gefühl, als ob etwas nach außen gedrückt würde oder das Ohr wie verstopft ist, bei verminderter Hörleistung), Cinnabaris (bei subakuten und chronischen Sinusitiden), Kalium bichromicum (bei Neigung zu chronischen katarrhalischen Entzündungen der Schleimhäute), Causticum (bei Klingeln, Dröhnen oder Pulsieren im Ohr, Schwerhörigkeit) oder Luffa operculata (bei Tubenkatarrh im Zusammenhang mit allergischer Rhinitis).
Wenn keine eindeutige Mittelwahl möglich scheint, sind mit einem Komplexmittel ebenfalls gute Erfolge zu erzielen, z. B. Euphorbium comp. SN Tropfen, Nasentropfen oder Otovowen®. Abschwellende Nasentropfen führen zu einer raschen Erleichterung der Beschwerden.
Als Konstitutionsmittel zur Behandlung rezidivierender Beschwerden kommen die im Kapitel Mittelohrentzündung (24.8.5) aufgeführten Homöopathika in Betracht.
Ohrentropfen, z. B. Levisticum Ohrentropfen Wala®, wirken schleimhautberuhigend. Das körperwarme Öl (1 Tr.) ist mehrmals täglich in das Ohr einzuträufeln.

Ordnungstherapie

Lassen Sie den Patienten regelmäßig Kaugummi kauen oder (zuckerfreie) Bonbons lutschen, um den Schluckakt anzuregen. Diese kleine Maßnahme führt meist schon zu einer Verbesserung der Tubenventilation.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie warme Auflagen, z. B. Zwiebelwickel, um die Beschwerden zu lindern. Weisen Sie darauf hin, dass die Temperatur der Auflage dem individuellen Wärme- oder Kältebedürfnis angepasst werden soll.
Auch die Behandlung mit Rotlicht kann die Beschwerden lindern.
Um eine bessere Belüftung der Tuben zu erzielen, gibt es für Kinder spezielle Nasenballons zum Aufblasen (Apotheke).

Phytotherapie

Sonnenhutwurzel (Echinacea pallidae radix Abb. 22.12) besitzt immunmodulierende Eigenschaften. Wie bei allen pflanzlichen Immunstimulanzien ist es sinnvoll, beizeiten und in ausreichend hoher Dosierung mit der Einnahme zu beginnen – je frühzeitiger der Behandlungsbeginn, desto günstiger die Wirkung.
Kapuzinerkressekraut (Tropaeoli maji herba Abb. 21.17 z. B. Angocin® Anti-Infekt N) hat abwehrsteigernde und antibiotische Eigenschaften und kann zur weiteren Therapie (3-mal tgl. 4 Tbl.) eingesetzt werden. Auch Inhalationen mit Kamille können die Beschwerden bessern.

Traditionelle Chinesische Medizin

Ähnlich der akuten Otitis media wird auch der Tubenkatarrh durch das Eindringen pathogener Faktoren, z. B. eine Wind- oder Kälteinvasion, verursacht. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Lokal- und Zusatzsymptomen, Puls- und Zungenbefund. Akupunktur wird bei Tubenkatarrh nur begleitend eingesetzt. Mögliche Punkte sind Di 4, Gb 2, 20, 41, 3E 5, 3E 17, 3E 21 und Dü 19.

Tipp

Viele Patienten haben Schwierigkeiten, Nasentropfen richtig einzubringen: Da die Tropfen bei diesem Krankheitsbild den Rachen erreichen sollen (dort liegt die Öffnung der Ohrtrompete), soll der Patient die Nasentropfen in Rückenlage bei zurückgelegtem Kopf eintropfen und mindestens weitere 2 Min. in Rückenlage bleiben.

Chronischer Tubenkatarrh

Chronischer Tubenkatarrh (Seromukotympanon): durch eine anhaltende Tubenfunktionsstörung bedingte chronische Sekretansammlung in der Paukenhöhle mit Hörminderung.

Symptome und Diagnostik
Der chronische Tubenkatarrh kommt häufig bei (Klein-)Kindern vor und ist oft durch Adenoide, Virusinfekte, aber auch durch eine Allergie bedingt. Bei Erwachsenen mit einseitigem chronischem Tubenkatarrh kann ein Tumor auslösend sein. Der Patient hat eine erhebliche Hörminderung, die bei Kindern auch zu einer verzögerten Sprachentwicklung führen kann. Es bestehen Druck- und Völlegefühl im Ohr, evtl. auch ein Ohrgeräusch sowie „gluckernde“ Geräusche beim Gähnen oder Schneuzen. Schmerzen treten nur auf, wenn sich auf dem Boden des chronischen Tubenkatarrhs ein akute Mittelohrentzündung entwickelt.
Bei der Otoskopie zeigt sich ein verdicktes, gefäßinjiziertes, meist retrahiertes (zurückgezogenes) Trommelfell, evtl. ist auch ein Sekretspiegel im Mittelohr erkennbar. Bei der Impedanzaudiometrie (Tympanometrie) in der HNO-ärztlichen Praxis können Trommelfellbeweglichkeit und Druck im Mittelohr messtechnisch bestimmt werden.
Schulmedizinische Therapie
Die symptomatische Therapie besteht im Einträufeln abschwellender Nasentropfen 4-mal tgl. (z. B. Nasivin®), evtl. auch der Gabe schleimlösender Medikamente. Außerdem muss die Ursache der chronischen Tubenfunktionsstörung behandelt werden (z. B. bei Kindern Adenotomie). Führt dies nicht zum Erfolg, macht der HNO-Arzt einen kleinen Schnitt ins Trommelfell (Parazentese) und legt ein Paukenröhrchen (Abb. 24.16) ein, welches die Mittelohrbelüftung und den Sekretabfluss gewährleistet. Das Paukenröhrchen muss für mindestens 6 Monate belassen werden. Nur ein Teil der Patienten kann dauerhaft geheilt werden, langfristig kann es ansonsten zu einer Verknöcherung der Paukenhöhle kommen.

Mittelohrentzündung

Otitis media acuta

Otitis media acuta: acutameist bakteriell bedingte Entzündung des Mittelohrs; besonders häufiges Krankheitsbild bei (Klein-)Kindern.

Krankheitsentstehung
Die akute Mittelohrentzündung entsteht am häufigsten dadurch, dass bei einem Infekt der oberen Luftwege die Infektion „von innen“ über die Ohrtrompete aufsteigt. Eine hämatogene (über den Blutweg bedingte) Infektion oder ein Mittelohr:EntzündungEindringen der Erreger von außen (bei Trommelfellverletzungen) sind selten. Die Paukenhöhlenschleimhaut entzündet sich, und es bildet sich (eitriges) Sekret.
Symptome und Diagnostik
Die Patienten klagen über heftige, pulsierende Ohrenschmerzen und Schwerhörigkeit. Sie fühlen sich krank und haben Fieber und Kopfschmerzen. Säuglinge und Kleinkinder haben oft unspezifische Symptome wie leichtere Durchfälle, Erbrechen und Gedeihstörungen, nicht selten klagen sie außerdem über Bauchschmerzen. Auch sind kleine Kinder häufig sehr unruhig und greifen sich an das schmerzende Ohr („Ohrzwang“). Bereits die Berührung des Ohrs kann Schmerzen auslösen.
Kommt es zu einer Spontanperforation des Trommelfells, die der Patient durch Austritt von Flüssigkeit aus dem Gehörgang (Otorrhö, Ohrlaufen) bemerkt, lassen die Schmerzen fast schlagartig nach. Bei der Otoskopie (Abb. 24.16) ist das Trommelfell gerötet und Ohrzwangvorgewölbt. Bei Kindern liegen mitunter positive Meningismuszeichen (23.3.2) vor.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Zur OtorrhoeVerbesserung der Tubenbelüftung verordnet der Arzt Ohrenlaufenabschwellende Nasentropfen (z. B. Nasivin®) und zur Bekämpfung des bakteriellen Infekts orale Antibiotika. Bei Bedarf bekommen die Patienten schmerzstillende Medikamente. Je nach Schwere der Erkrankung sind zusätzlich Wärmebehandlung, Ohrspülungen oder fiebersenkende Maßnahmen erforderlich.
Bei sehr starken Schmerzen und vorgewölbtem Trommelfell ist ein kleiner Trommelfellschnitt nötig, damit der Paukenerguss abfließen kann (Parazentese). Bei Nichtansprechen auf die Therapie oder beim Auftreten von Komplikationen wie einer Schädigung des Innenohrs wird ein Paukenröhrchen (Abb. 24.16) eingelegt, das eine dauerhafte Drainage (Ableitung) des Sekrets der Paukenhöhle gewährleistet.
Die Prognose der akuten Mittelohrentzündung ist bei entsprechender Behandlung gut.
Komplikation Mastoiditis
Bei unzureichender Behandlung besteht die Gefahr der Entzündung des Warzenfortsatzes (Mastoiditis), der häufigsten Komplikation einer Mittelohrentzündung. Klassische Symptome sind ein Wiederanstieg des Fiebers (Temperaturmessung dreimal täglich), Verschlechterung des Allgemeinbefindens ca. 2–3 Wochen nach einer Mastoiditisakuten Otitis media, Druckschmerz über dem Mastoid und Schwellung hinter dem Ohr mit abstehendem Ohr (Abb. 24.41). Der HNO-Arzt sichert die Diagnose durch eine Röntgenaufnahme.

Achtung

Wird die Diagnose nicht rechtzeitig gestellt, müssen die entzündeten Warzenfortsatzzellen evtl. operativ ausgeräumt werden (Mastoidektomie). Die Mastoiditis stellt wegen der Gefahr von Gehirnkomplikationen (z. B. Hirnabszess) eine sehr ernste Erkrankung dar.

Weitere Komplikationen
Weitere mögliche Komplikationen sind eine Jochbogenentzündung, eine Fazialislähmung, ein Hirnabszess, eine Meningitis sowie ein Hydrozephalus. Haben Streptokokken die Otitis media verursacht, drohen StreptokokkenzweiterkrankungenMastoidektomie. Ferner kann sich bei wiederkehrenden Mittelohrentzündungen eine Otitis media chronica entwickeln.
Otitis media chronica

Otitis media chronica: chronische Entzündung des Mittelohrs durch Tubenventilationsstörungen oder eine gestörte Physiologie im Bereich der Mittelohrschleimhaut; häufig bei Patienten, die als Kind wiederholte akute Mittelohrentzündungen hatten, nach Pharyngitis und Laryngitis; Sonderform: Cholesteatom.

Fallbeispiel „Mastoiditis“

Eine Mutter bringt ihren vier Jahre alten Sohn in die Praxis und Otitis media:chronicaberichtet, dass er vor einigen Tagen über Ohrenschmerzen geklagt habe, die immer heftiger geworden seien. Daraufhin habe sie ihm Zwiebelsäckchen aufgelegt und aus einem „Homöopathiebuch“ für Laien ein Mittel für ihn herausgesucht. Zum Arzt habe sie nicht mit ihm gehen wollen, weil der Kleine aufgrund hartnäckiger Bronchitiden innerhalb eines halben Jahrs bereits zweimal Antibiotika bekommen und danach immer sehr unter Durchfällen gelitten habe. Der Junge wirkt völlig verstört vor Schmerz und hat 38,4 °C Fieber. Seine linke Ohrmuschel ist deutlich gerötet und steht ab. Der Heilpraktiker erklärt dem Kind die folgende Untersuchung; es soll sagen, wenn es Schmerz verspürt. Nur sanft palpiert der Heilpraktiker den Processus mastoideus, dennoch schluchzt der Junge vor Schmerz auf und beginnt zu weinen. Auf die (belastende) Otoskopie verzichtet der Heilpraktiker. Er vermutet eine Mastoiditis infolge einer unzureichend behandelten Otitis media und macht der Mutter klar, dass ihr Sohn dringend zum Arzt muss, da sonst weitere Komplikationen drohen, z. B. eine Meningitis. Noch vom Praxistelefon vereinbart die Mutter einen Termin bei einem HNO-Arzt, den der Heilpraktiker ihr empfohlen hat. Sie macht sich große Vorwürfe. Der Heilpraktiker erklärt ihr: „Natürlich kann Homöopathie bei einer Otitis media helfen, aber es muss das richtige Mittel sein!“ Er verordnet zur Unterstützung ein symptomatisches Mittel und empfiehlt der Mutter, den Jungen unbedingt antibiotisch behandeln zu lassen und telefonisch Kontakt mit ihm zu halten, damit er die Aktualität des Mittels überprüfen und ggf. ein neues verordnen kann.

Symptome und Diagnostik
Patienten mit Otitis media chronica berichten über ständiges Ohrlaufen (Sekret meist geruchlos) und Schallleitungsschwerhörigkeit. Schmerzen bestehen i. d. R. nur bei einer aufgepfropften akuten Mittelohrentzündung.
Bei der Otoskopie ist die Perforation des Trommelfells zu sehen (Abb. 24.42). Zur Diagnosesicherung und weiteren Therapie ist meist eine Überweisung zum HNO-Arzt erforderlich.
Schulmedizinische Therapie
Im Akutstadium wird die Otitis media chronica mit oralen Antibiotika behandelt. Im entzündungsfreien Intervall muss der Trommelfelldefekt operativ verschlossen werden (Tympanoplastik), da es sonst immer wieder zu Rezidiven kommt.
Cholesteatom

Cholesteatom: chronischer Entzündungsprozess der Mittelohrräume, bei dem es durch fehlgeleitetes Wachstum von Gehörgangsepithel zur Zerstörung der knöchernen Mittelohrstrukturen kommt.

Symptome und Diagnostik
Symptome sind eine rezidivierende, meist stinkende (fötide) Ohrsekretion und zunehmende Schwerhörigkeit. Im akuten Stadium hat der Patient Tympanoplastikauch Ohrenschmerzen.
In der Otoskopie sind meist eine (ausgedehnte) Trommelfellperforation sowie weißeCholesteatom Cholesteatom-Schuppen zu sehen. Je nach Fortschreiten der Zerstörung ergibt die Hörprüfung eine Einschränkung des Hörvermögens. Eine Röntgenaufnahme zeigt das Ausmaß der Knochendestruktion.
Schulmedizinische Therapie
Im Unterschied zur chronischen Mittelohrentzündung stellt das Cholesteatom eine absolute Operationsindikation dar.
Der fortschreitende Zerstörungsprozess der knöchernen Strukturen im Mittelohr muss aufgehalten werden, um Komplikationen des Gehirns (z. B. Meningitis, Hirnabszess) und den Hörverlust zu verhindern. Die Operation besteht in der Entfernung des Cholesteatoms mit Verschluss des Trommelfelldefekts und Rekonstruktion der Gehörknöchelchenkette.

Naturheilkundliche Therapie bei Otitis media

Handbuch für die Naturheilpraxis 15.3.2

Durch die rechtzeitige Behandlung einer Mittelohrentzündung kann der Krankheitsverlauf oft gestoppt, zumindest jedoch abgemildert werden. naturheilkundliche Therapie:Otitis mediaTritt bei akuter Otitis media allerdings nach einigen Stunden keine Besserung ein, müssen Sie den Patienten wegen möglicher Komplikationen (Ausbreitung der Infektion auf benachbarte Gebiete, z. B. Mastoiditis) sofort zum Arzt überweisen. Besondere Alarmzeichen sind hohes Fieber, Ausfluss aus dem Ohr oder Schwellungen hinter dem Ohr.

Bei chronischer oder rezidivierender Otitis media sollten Sie die Behandlung der Nasennebenhöhlen einbeziehen.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Ein briefmarkengroßes Cantharidenpflaster, das an das Mastoid angebracht wird, hat sich bei der Behandlung der Otitis media bewährt. Es fördert die regionale Durchblutung und regt den Lymphfluss an. Bei rezividierenden Entzündungen wird durch die Eigenbluttherapie die Abwehr gestärkt.

Ernährungstherapie

Raten Sie dem Patienten mit akuter Otitis media zu Saftfasten oder einer Rohkostdiät, um den Organismus zu entlasten.
Bei rezidivierenden Otitiden ist eine Ernährungsumstellung zu Vollwertkost, wenig Zucker und Süßigkeiten sinnvoll.

Homöopathie

Bei akuter Otitis media sind oft folgende symptomatische Mittel angezeigt: Aconitum (bei plötzlichen Ohrenschmerzen), Belladonna (bei plötzlichem Beginn, heftigen Symptomen und hohem Fieber), Chamomilla (bei Stichen im Gehörgang, Ohrgeräuschen) oder Ferrum phosphoricum (bewährte Indikation bei beginnender Otitis media, Fieber). Ist keine eindeutige Mittelwahl zu treffen, sind mit einem Komplexmittel, z. B. Otovowen® Tropfen, Vowen® T-Tabletten oder Otimed® ebenfalls gute Erfolge zu erzielen.
Bei chronischen oder rezidivierenden Mittelohrentzündungen fällt die Wahl nach ausführlicher Anamnese und Repertorisation häufig auf eines der folgenden Konstitutionsmittel: Acidum nitricum, Aconitum, Barium carbonicum, Belladonna, Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum, Calcium sulfuricum, Chamomilla, China officinalis, Dulcamara, Ferrum phosphoricum, Graphites, Hepar sulfuris, Kalium sulfuricum, Lachesis, Mercurius solubilis, Psorinum, Pulsatilla, Silicea, Tuberkulinum. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes Mittel verweisen.
Auch Komplexpräparate werden angeboten, z. B. Phönix® Aufbautherapie.

Mikrobiologische Therapie

Eine gestörte Darmflora beeinträchtigt das darmassoziierte Immunsystem und steht oft – wie die Praxis immer wieder bestätigt – mit einer Infektion der oberen Atemwege in Zusammenhang, die der Otitis media meist zugrunde liegt. Hinweise auf eine Darmdysbiose (z. B. Meteorismus, Flatulenz, Stuhlanomalien) sollten Sie abklären und ggf. – v. a. bei Kindern, die aufgrund rezidivierender Mittelohrentzündungen wiederholt Antibiotika bekommen haben – eine mikrobiologische Therapie (z. B. – je nach Stuhlbefund – mit Synerga® Kinder) durchführen.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie dem Patienten bei den ersten Anzeichen einer Mittelohrentzündung warme Zwiebelwickel, die die Beschwerden lindern. Hierzu eine halbe sehr fein geschnittene Zwiebel in ein Baumwolltuch wickeln, auf das Ohr legen und mit einem Schal oder Stirnband leicht fixieren.
Zur Anregung des Lymphflusses hat sich eine entsprechende Salbe, z. B. Lymphdiaral® sensitiv N, bewährt.

Phytotherapie

Zur Immunmodulation und zur Linderung der Beschwerden haben sich Pflanzen wie z. B. Sonnenhutwurzel (Echinacea pallidae radix Abb. 22.12) bewährt.
Um die oft gleichzeitig entzündeten Nasenschleimhäute günstig zu beeinflussen, ist es wichtig, kurzzeitig Salben mit ätherischen Ölen, z. B. Nasulind® Nasensalbe zu verordnen, um so ein Abschwellen der Nasenschleimhäute zu erzielen.

Traditionelle Chinesische Medizin

Eindringende pathogene Energien, wie z. B. eine Wind-Invasion, können eine akute Mittelohrentzündung hervorrufen, während chronische Formen durch verschiedene Syndrome, wie z. B. einen Milz-Qi-Mangel, Leber-Yin- und Nieren-Yin-Mangel verursacht werden können. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Lokal- und Zusatzsymptomen sowie nach Zungenbefund. Um Schmerzen zu lindern und den Heilungsprozess zu beschleunigen, kann eine Akupunkturbehandlung (bei Kindern ab ca. 12 Jahren) unterstützend zur schulmedizinischen Therapie sinnvoll sein.

Otosklerose

Otosklerose: herdförmige Mineralstoffwechselstörung des knöchernen Labyrinths, die mit Schwerhörigkeit und Tinnitus (24.7.2) einhergeht; Erstmanifestation meist im mittleren Erwachsenenalter, betrifft Frauen häufiger als Männer.

Bei der Otosklerose kommt es zu Verknöcherungsherden v. a. im Bereich des ovalen Fensters und damit zu einer Fixierung der Steigbügelfußplatte. Hierdurch wird die Beweglichkeit der Gehörknöchelchenkette behindert; es entsteht zunehmende Schwerhörigkeit. DieOtosklerose Diagnose sichert der HNO-Arzt durch verschiedene Hörprüfungen. Die operative Behandlung besteht in einem Ersatz des Steigbügels durch eine Teflon-Platin-Prothese (Stapesplastik).

Hörsturz

Hörsturz: plötzlich auftretende, (meist) einseitige Schwerhörigkeit bis Taubheit, häufig von Ohrgeräuschen begleitet, ohne Schwindelsymptomatik; ursächlich sind wahrscheinlich Durchblutungsstörungen im Innenohr.

Symptome und Diagnostik
Beim Hörsturz tritt innerhalb von Sek. bis wenigen Std. eine meist einseitige Schwerhörigkeit auf, die mit Tinnitus einher-geht.

Achtung

Der Hörsturz ist ein HNO-ärztlicher Notfall! Bei Verdacht auf Hörsturz überweisen Sie den Patienten sofort zum HNO-Arzt – noch besser in eine HNO-Klinik – zur weiteren Diagnostik (Tonschwellenaudiogramm) und Therapie.

Schulmedizinische Therapie und Prognose
Die Behandlung besteht in Infusionen zur Verbesserung der Innenohrdurchblutung, wie Pentoxifyllin (z. B. Rp Pentohexal®). Die Prognose ist umso günstiger, je früher die Therapie einsetzt. Deshalb muss die Therapie innerhalb weniger Std. nach dem akuten Hörverlust einsetzen, max. bis 24 Std. nach dem Ereignis. Auch nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sollte der Patient Stresssituationen vermeiden.

Fallbeispiel „Hörsturz“

Eine 44 Jahre alte Hausfrau kommt in die Praxis, weil sie seit dem frühen Morgen auf Hörsturzdem linken Ohr – bis auf gelegentliches Pfeifen – so gut wie nichts mehr hören kann. „Vielleicht bin ich ja albern, und es hat nichts zu bedeuten. Aber ich dachte, ich schaue besser bei Ihnen vorbei. Ich habe schon selbst versucht, mit einem Wattestäbchen Ohrenschmalz herauszuholen, aber das hat nicht geholfen.“ Auf Nachfrage berichtet sie, dass sie keine Schmerzen habe, weder im Ohr noch im Kopf. Schwindelig oder übel sei ihr auch nicht, Stress habe sie in letzter Zeit „eigentlich nicht gehabt“. Die Heilpraktikerin führt eine Otoskopie durch: Das Trommelfell ist intakt und normal gefärbt, Zerumen kaum zu sehen. Deshalb erübrigt sich auch eine Ohrspülung. „Gut, dass Sie so schnell gekommen sind. Ich möchte, dass Sie umgehend vom HNO-Arzt untersucht werden, denn ich habe den Verdacht auf einen Hörsturz – und das muss unbedingt heute noch behandelt werden!“ erklärt die Heilpraktikerin. Sie ruft für die Patientin in einer renommierten HNO-Praxis an und kündigt das baldige Eintreffen der „Notfallpatientin“ an. Außerdem ruft sie ein Taxi, das die Patientin – trotz Hörstörung und Aufregung – sicher zum Arzt bringt. „Und übrigens, in Zukunft sollten Sie lieber keine Wattestäbchen zum Ohrreinigen verwenden“, rät sie noch zum Schluss. „Sie können damit Entzündungen hervorrufen und sich außerdem das empfindliche Trommelfell verletzen.“ Das Tonschwellenaudiogramm bestätigt die Diagnose der Heilpraktikerin. Aufgrund der rasch einsetzenden schulmedizinischen Therapie lassen die Symptome der Patientin bereits nach wenigen Infusionen nach. Zurück bleibt ein leichter Tinnitus, den die Heilpraktikerin jedoch erfolgreich behandeln kann; sie führt eine Sauerstofftherapie durch und lehrt die Patientin das Autogene Training, das diese gewissenhaft regelmäßig durchführt.

Morbus Menière

Morbus Menière (Menière-Krankheit): ursächlich noch nicht eindeutig geklärte Innenohrerkrankung mit der Symptomentrias Drehschwindel mit Fallneigung zur Seite des betroffenen Ohrs, Schwerhörigkeit und Ohrgeräusch.

Symptome und Diagnostik
Beim Morbus Menière steht meist der „aus heiterem Himmel“ einsetzende, anfallsartige Drehschwindel im Vordergrund, der Min. bis Std. anhält. Die typischen Symptome sind:
  • Morbus:Menièreanfallsartiger Drehschwindel mit Übelkeit, Erbrechen undMenière-Krankheit spontanem Nystagmus

  • einseitige Schwerhörigkeit

  • einseitiges Ohrgeräusch

Während es im Frühstadium Scheindel:bei Morbus Menièreder Erkrankung wieder zu einer Normalisierung des Hörvermögens kommt, nimmt es mit zunehmender Krankheitsdauer und rezidivierenden Anfällen ab. Bei der Menière-Krankheit liegt eine Störung im LabyrinthLabyrinth vor. Dadurch ist das Balancesystem des Körpers gestört. Im Labyrinth kommt es zu einer erhöhten Flüssigkeitsansammlung und somit zu einer Druckerhöhung im Innenohr. Als Ursache wird eine Elektrolytstörung zwischen Endo- und Perilymphe angenommen.

Fallbeispiel „Morbus Menière“

Ein 52 Jahre alter Fahrlehrer kommt in die Praxis. Seit einigen Wochen ist ihm immer wieder für Minuten so schwindelig, dass er sich kaum auf den Beinen halten kann; gleichzeitig hört er auf dem rechten Ohr deutlich schlechter. Dafür hat er jedoch häufig „Rauschen, Sausen und Brummen im Ohr“. Er ist deutlich frustriert. „Ich traue mich ja gar nicht mehr ins Auto – was ist, wenn es mich mal im Fahrunterricht so umhaut?“ Die Anamnese ergibt einen Drehschwindel ohne Übelkeit oder Kopfschmerzen, auch liegen keine Augensymptome vor. Die Inspektion des Ohrs und die Untersuchung der Halswirbelsäule sowie weitere orientierende körperliche Untersuchungen geben keine zusätzlichen Hinweise; auch der Rinne- und der Weber-Test sind zum Zeitpunkt der Konsultation ohne pathologischen Befund. Mit der Verdachtsdiagnose Morbus Menière überweist der Heilpraktiker seinen Patienten zum HNO-Arzt, damit dieser – ggf. in Zusammenarbeit mit einem Neurologen – weitere Erkrankungen (z. B. Akustikusneurinom, Hirntumor) ausschließe. Die Diagnose wird bestätigt und eine Anfallsprophylaxe mit Betahistin eingeleitet. Leider ist der Erfolg dieser Behandlung nur von kurzer Dauer; bereits nach einigen Wochen leidet der Patient wiederum unter ähnlichen Symptomen. Erneut sucht er den Heilpraktiker auf. Eine Blutegeltherapie (am Processus mastoideus angesetzt) sowie phytotherapeutische Medikamente und mehrere Laserbehandlungen bringen schließlich den gewünschten Erfolg.

Die Diagnose wird meist anhand der typischen Symptome gestellt. Darüber hinaus wird eine Audiometrie durchgeführt.

Merke

Symptomentrias bei Morbus Menière

  • anfallsweises Ohrensausen

  • anfallsweise Schwerhörigkeit

  • anfallsweiser Drehschwindel

Schulmedizinische Therapie
Die schulmedizinische Therapie des akuten Anfalls besteht neben der Gabe von Antiemetika in einer Infusionstherapie mit durchblutungsfördernden Substanzen. Zur Anfallsprophylaxe sollten Alkohol, Nikotin, Kaffee und salzreiche Kost gemieden werden, oft wird außerdem Betahistin (Rp Vasomotal®), ein Medikament gegen Schwindel, verordnet. Im späteren Verlauf der Erkrankung wird bei schweren Fällen mit operativen Maßnahmen versucht, dem Patienten das belastende Schwindelgefühl zu nehmen.

Achtung

Bei Verdacht auf Morbus Menière überweisen Sie den Patienten zum HNO-Arzt, in schweren Fällen ist eine Therapie in der Klinik erforderlich.

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