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[L143]

Der Beruf des Heilpraktikers

  • 1.1

    Selbstverständnis und Berufsbild1

    • 1.1.1

      Selbstverständnis des Heilpraktikers1

    • 1.1.2

      Naturheilkunde und naturwissenschaftliche Medizin2

    • 1.1.3

      Ausübung der Heilkunde2

    • 1.1.4

      Der Heilpraktiker als freier Beruf3

    • 1.1.5

      Organisationen der Heilpraktiker4

    • 1.1.6

      Berufsordnung4

    • 1.1.7

      Ethische Rahmenrichtlinien4

  • 1.2

    Praxisgründung4

    • 1.2.1

      Gründungsphase4

    • 1.2.2

      Praxiskosten und Praxiskalkulation5

    • 1.2.3

      Finanzierung6

    • 1.2.4

      Versicherungen6

  • 1.3

    Praxisführung6

    • 1.3.1

      Vorratshaltung und -überprüfung6

    • 1.3.2

      Wartung und Reinigung7

    • 1.3.3

      Dokumentation7

    • 1.3.4

      Buchführung7

    • 1.3.5

      Qualitätsmanagement und -sicherung9

  • 1.4

    Erstellung der Liquidation9

    • 1.4.1

      Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker9

    • 1.4.2

      Abrechnung von Arzneimitteln in der Naturheilpraxis10

    • 1.4.3

      Durchführung der Liquidation10

    • 1.4.4

      Kostenerstattung durch Krankenversicherungen10

    • 1.4.5

      Honorarfestlegung bei Selbstzahlern11

Selbstverständnis und Berufsbild

Der Beruf des Heilpraktiker:BerufsbildHeilpraktikers ist ein selbstständiger und freier Heilberuf auf der Rechtsgrundlage des Heilpraktikergesetz (HPG)Heilpraktikergesetzes. Der Heilpraktiker übt die Heilkunde berufsmäßig und eigenverantwortlich aus. Er leistet einen unverzichtbaren Beitrag zur Therapievielfalt und Therapiefreiheit, indem er die Behandlungsmöglichkeiten durch das große Spektrum komplementärer und alternativer Methoden vervollständigt. Dadurch erfüllt er auch eine gesellschaftliche Aufgabe.
Seine Tätigkeit zur Feststellung, Linderung und Heilung von Krankheit gründet in der Tradition der Naturheilkunde, die in Diagnostik und Therapie nach dem Ganzheitsprinzip vorgeht und sich an den Gesetzmäßigkeiten der Natur (4.1.2), d. h. auch an der inneren Natur des Menschen orientiert. Auf der Grundlage seiner umfassenden Kenntnisse in allen medizinischen Grundlagenfächern sowie seines Wissens über diagnostische und therapeutische schulmedizinische Verfahren kann der Heilpraktiker – im Gegensatz zu den medizinischen Assistenzberufen wie Masseuren, Physiotherapeuten oder Logopäden – eigenständig Diagnosen stellen und Behandlungskonzepte durchführen. Nach der Einordnung und Bewertung der Krankheit nach den Kriterien der medizinischen Wissenschaft kommen aber sein ganzheitliches Verständnis und seine Kenntnisse unkonventioneller Methoden zum Tragen.

Selbstverständnis des Heilpraktikers

Heilpraktiker:Selbstverständnis Entsprechend der Orientierung des Heilpraktikers an einer ganzheitlichen Sichtweise steht nicht die Erkrankung, sondern der Mensch in seinem Kranksein im Mittelpunkt der Behandlung. Den Patienten als den Menschen zu sehen, der er ist und den möglichen Sinnzusammenhang einer Krankheit zu begreifen, all das will in die therapeutische Arbeit des Heilpraktikers integriert sein. Erst dadurch kann das geistig-seelisch-körperliche Gleichgewicht wieder gewonnen, Sinnerfahrung gefördert und durch gezielte naturheilkundliche therapeutische Maßnahmen dem Patienten zu einem möglichst natürlichen Heilungsverlauf verholfen werden.
Aufgabe des Heilpraktikers
Heilpraktiker:AufgabeDie Aufgabe des Heilpraktikers besteht also darin, durch gezielte Maßnahmen die Heilkraft der Natur, damit ist auch die im kranken Menschen angelegte Selbstheilungskraft zu verstehen, einzusetzen und dauerhaft zu heilen. Um die Therapie verantwortungsvoll durchführen zu können, sollte der Therapeut – die Beherrschung der Behandlungstechniken vorausgesetzt – auch die eigenen Grenzen und die der Naturheilkunde kennen. Dies erfordert eine realistische Selbsteinschätzung sowie die Fähigkeit, Krankheiten zuverlässig diagnostizieren zu können.
Es ist ebenfalls wichtig, das Behandlungskonzept sowie die Art und Weise der Zusammenarbeit immer wieder neu zu überdenken, da sich während des Therapieverlaufs die Lebensumstände des Patienten, seine innere Einstellung sowie die Beziehung zwischen Therapeut und Patient häufig verändern.
Patient-Heilpraktiker-Beziehung
Der Heilpraktiker begreift sich nicht als „Fachautorität für Krankheitsreparatur“, sondern sieht seine Aufgabe auch darin, Wegbegleiter des Patienten zu sein. Heilpraktiker:SelbstverständnisSomit ist die Beziehung zwischen Patient und Behandler zugleich davon geprägt, dass eine menschliche Begegnung stattfindet, die auch den Behandler fordert und fördert.
Da das Menschsein von Patient und Behandler wesentliches Element der Behandlung ist, hat auch der Heilpraktiker die Aufgabe, seiner eigenen seelischen, geistigen und körperlichen Gesundheit gerecht zu werden. Nur so bleibt er in seiner Arbeit authentisch und überzeugend und kann dem Patienten frei und unvoreingenommen begegnen.

Naturheilkunde und naturwissenschaftliche Medizin

naturwissenschaftliche MedizinNaturheilkunde Seit dem Mittelalter hatte sich verstärkt eine Art „Heilerhierarchie“ herausgebildet zwischen der sog. „zünftigen“ Medizin, zu der akademisch ausgebildete Ärzte, handwerklich ausgebildete Wundärzte, Apotheker und Hebammen gehörten, und den Heilkundigen unterschiedlicher Herkunft und Ausbildung. Obwohl sich die angewandten Verfahren beider Medizinrichtungen oft nicht voneinander unterschieden, unterstand die eine Gruppe der Genehmigung durch die Obrigkeit, um den Beruf ausüben zu können, während Heilkundigen diese gesellschaftspolitische Einbindung verwehrt blieb. So gab es den wissenschaftlich gelehrten und studierten Arzt (Medicus) und den nicht approbierten ErfahrungsheilkundeErfahrungsheilkundler. Er wurde u. a. „Empiricus“, „Quacksalber“, „Scharlatan“, „Kurpfuscher“, aber auch „Naturheilkundiger“ genannt.
„Wissenschaftliche Medizin“
Einen Höhepunkt erreichte die Auseinandersetzung um die Monopolstellung der Ärzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich, ausgelöst durch Fortschritte in Chemie, Physik und Mikrobiologie, deren Berufsstand gesellschaftlich durchzusetzen begann und infolgedessen Ärzte die ausschließliche Sachkompetenz in medizinischen Fragen zugeschrieben haben wollten.
Bis zu diesem Zeitpunkt war die „wissenschaftliche Medizin“ stark zersplittert und konnte erst allmählich an Boden gewinnen. Auch Ärzte wendeten zu dieser Zeit den Aderlass, Brech- und Abführmittel aber auch „specifische, resolvierende, anti-miasmatische, excitierende und andere Methoden“ an und standen den neuen naturwissenschaftlichen Methoden zurückhaltend gegenüber. So beklagt sich Rudolf Virchow, RudolfVirchow (1821–1902), der Begründer der Zellularpathologie und Hauptvertreter der neuen Medizin Mitte des 19. Jahrhunderts, dass naturwissenschaftliche Methoden, wie die Auskultation mittels Stethoskop, die Perkussion sowie die mikroskopische Untersuchung als „sehr anrüchig“ in der Ärzteschaft gelten würden. 1873, das Blatt hatte sich inzwischen gewendet, erklärte Virchow auf einem Kongress, dass nun diese 2.000 Jahre alte Tradition gebrochen sei. Der Aderlass und andere „ausleerende Verfahren“ wurden jetzt als „alte Therapie“ betrachtet. Nun galt das ausschließliche Interesse der Suche nach dem Ort oder Sitz der Krankheit. Infolgedessen verengte sich der Blick, er richtete sich auf das kranke Organ; die Einheit von Leib und Seele wurde nicht mehr berücksichtigt.
Als Reaktion auf die junge wissenschaftliche Medizin formierte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts auch die empirische Heilkunde (Erfahrungsheilkunde) neu mit dem Gebot, in ihren Heilweisen den Weg der Natur nachzuvollziehen, möglichst natürlich zu behandeln, auf jeden Fall aber nicht zu schaden. Diese Heilkunde speiste sich aus der geistig-philosophischen Bewegung des ausgehenden 18. Jahrhunderts, z. B. der Lehre vom „élan vital“ (VitalismusVitalismus), aus der volksmedizinischen Bewegung zu Beginn des 19. Jahrhunderts sowie aus den Impulsen, die sich auf antikes Gedankengut beriefen.
Wegbereiter der Naturheilkunde
Naturheilkunde:WegbereiterDie auch als Viersäftelehre bezeichnete HumoralpathologieHumoralpathologie (4.1.4) geht auf die hippokratische Schule zurück, derzufolge Gesundheit das harmonische Fließgleichgewicht der vier Säfte ist, während Kranksein aus der falschen Mischung der Körpersäfte resultiert.
Paracelsus stand der Humoralpathologie und den therapeutischen Maßnahmen äußerst kritisch gegenüber, da diese oft willkürlich und missbräuchlich eingesetzt wurden. Er stellte die Heilkraft der Natur in den Mittelpunkt seines Denkens und Handelns und betonte, dass in der Natur für jede Krankheit ein Heilmittel gefunden werden könne. Er unterschied zwischen der toxischen Wirkung und der Arzneikraft einer Substanz und machte darauf aufmerksam, dass eine Substanz richtig dosiert sein muss, um als Heilmittel zu wirken. Paracelsus bereicherte den zeitgenössischen Arzneischatz gewaltig und befasste sich intensiv mit der Anwendung von Bädern und Thermalwässern.
Bis zum 19. Jahrhundert bezogen sich sowohl die Ärzte als auch die nicht approbierten Heilkundigen auf die humoralpathologische Säftelehre. Beide Richtungen sahen also lange Zeit in der Ab- und Ausleitung durch Aderlass, Erbrechen und Abführen, Schröpfen und Schwitzkuren geeignete Therapiemaßnahmen.
Die NaturheilbewegungNaturheilbewegung des 19. Jahrhunderts berief sich dagegen vorwiegend auf den Einsatz natürlicher Mittel. Sie wurde maßgeblich von nicht akademisch ausgebildeten Heilkundigen getragen, die vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erkrankung und Genesung Behandlungskonzepte entwickelten: So erneuerte der katholische Theologe und „Wasserdoktor“ Sebastian Kneipp, SebastianKneipp (1821–1897) die Hydrotherapie (4.2.23) und veröffentlichte in seinem Buch „So sollt ihr leben“ Grundsätze einer gesunden Lebensweise. Der Landwirt Prießnitz, VinzenzVinzenz Prießnitz (1790–1851), ein Zeitgenosse von Kneipp, hat die Hydrotherapie mit allen denkbaren Varianten von Teil- und Ganzanwendungen bereichert, wie z. B. auch mit dem heutzutage hochgeschätzten Prießnitzwickel. Johann Schroth, JohannPrießnitz, VinzenzSchroth (1789–1856), der ein Fuhrunternehmen leitete, heilte seine Kniegelenkverletzung durch hydrotherapeutische Maßnahmen und entwickelte ein eigenes Behandlungskonzept, das neben der Hydrotherapie die Diätetik in den Vordergrund stellte (Schroth-Packung, Schroth-Diät). Der Physiker Arnold Rikli, ArnoldRikli (1823–1906) gilt als Begründer der neuzeitlichen Lichtheilkunde und der Luftkur. Der Mechaniker Carl Baunscheidt, CarlBaunscheidt (1809–1873) begründete das nach ihm benannte Baunscheidt-Verfahren (4.2.10), das der Ableitung schädlicher Stoffe dient. Felke, EmanuelEmanuel Felke (1856–1926), der aufgrund der von ihm entwickelten Lehmbäder auch den Beinamen „Lehmpastor“ erhielt, wendete nicht nur Augendiagnose und Phytotherapie an, sondern auch Homöopathie. Felke gilt als Pionier der sog. Komplexmittelhomöopathie und praktizierte somit eine breit gefächerte naturheilkundliche Therapie.

Ausübung der Heilkunde

Heilpraktiker:Ausübung der HeilkundeHeilpraktikergesetz 2.1.1
Die Auseinandersetzungen im 19. Jahrhundert zwischen der sich formierenden Ärzteschaft und den nicht akademisch ausgebildeten Heilkundigen waren gleichzeitig eine Auseinandersetzung um das Kurierverbot Kurierverbot: Dieses bestand seit 1851 und untersagte allen Laienbehandlern die Ausübung der Heilkunde – nur Ärzten war die Behandlung kranker Menschen gestattet. Das Für und Wider des Kurierverbots, das also nur einer bestimmten Berufsgruppe die Behandlung kranker Menschen gestattete, wurde auch von Politikern heftig diskutiert.
Auseinandersetzung um das Kurierverbot
Obwohl das KurierverbotKurierverbot den Ärzten das Behandlungsmonopol sicherte, waren sie an seiner Aufhebung interessiert, denn sie wurden darin gleichzeitig verpflichtet, arme Patienten kostenlos zu behandeln; eine Aufgabe, die aufgrund der damals herrschenden großen sozialen Not eine große Belastung war.
Durch die Neufassung der Gewerbeordnung im Jahr 1869 wurde die KurierfreiheitKurierfreiheit eingeführt. Es war nun jedem bis auf Weiteres gestattet, ohne Zulassung oder Nachweis einer Ausbildung Kranke zu behandeln. Allerdings durfte sich niemand als Arzt bezeichnen oder ähnlich lautende Titel führen, der nicht approbiert (2.1.1) war oder eine entsprechende staatliche Erlaubnis besaß. Somit war die Trennung zwischen Arzt und Heilkundigem neu festgelegt.
Nachdem diese Regelung im Jahr 1873 zum Reichsgesetz wurde, stieg die Anzahl der nicht approbierten Heilkundigen rapide an, die z. B. als Kräuterheilkundige, Hypnotiseure oder Homöopathen die Heilkunde ausübten. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg gab es in Deutschland mehr nichtärztliche Behandler als Ärzte – und das, obwohl die 1883 eingeführte gesetzliche Krankenversicherung für Arbeiter und ihre Familien nur die Kosten einer ärztlichen Behandlung erstattete. Da die Berufsbezeichnung „Arzt“ geschützt war, ersannen nichtärztliche Behandler immer neue Namen für ihre Tätigkeit: Spezialist für Naturheilverfahren, nichtpraktischer Arzt, praktischer Vertreter der arzneilosen Heilkunst, Praktiker der Naturheilmethoden – und die heute noch gebräuchliche Bezeichnung Heilpraktiker. Es entstanden die ersten Heilpraktikerschulen, an denen Nachwuchs ausgebildet und vor Heilpraktikerkollegen einer „kollegialen Abschlussprüfung“ unterzogen wurde.
Heilpraktikergesetz und Durchführungsverordnung
Heilpraktikergesetz (HPG):EntwicklungDurchführungsverordnung zum HeilpraktikergesetzDie Auseinandersetzungen um ein Kurierverbot für Nicht-Ärzte hielten an. Um gemeinsam für die Sicherung des Berufsstands eintreten zu können, formierten sich die naturheilkundlich behandelnden Laien in Naturheil- und Heilpraktikerverbänden, die jedoch 1935 unter einem Oberkommissar der NSDAP aufgelöst und zum Heilpraktikerbund Heilpraktikerbund DeutschlandDeutschland gleichgeschaltet wurden. Bis 1939 gab es heftige Interessenkonflikte zwischen den Vertretern des Heilpraktikerbunds und denen der Ärzteschaft. Innerhalb der NSDAP wurde intensiv über die Abschaffung der Kurierfreiheit diskutiert, bis schließlich am 17.2.1939 das „Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung“ (Heilpraktikergesetz 2.1.1) und am darauf folgenden Tag dessen Durchführungsverordnung in Kraft traten.
Die nationalsozialistische Regierung beabsichtigte, den Heilpraktikerberuf abzuschaffen. Um dies durchführen zu können, musste der Berufsstand erstmals definiert und die Berufsbezeichnung Heilpraktiker festgelegt werden. Dies erfolgte durch das Heilpraktikergesetz, das einerseits den praktizierenden Heilpraktikern nach einer Überprüfung die Ausübung der Heilkunde sicherte, andererseits die Zulassung des Nachwuchses unterband, weshalb es auch als „Wiege und Grab“ des Berufsstands bezeichnet wurde.
Aufgrund des Heilpraktikergesetzes und seiner Durchführungsverordnung wurden Heilpraktikerschulen geschlossen sowie praktizierende Heilpraktiker durch die Vergabe von Tätigkeitserlaubnissen kontrolliert: Nur jeder vierte tätige Heilpraktiker erhielt im Rahmen der Besitzstandswahrung eine solche Tätigkeitserlaubnis, allen anderen Antragstellern sowie v. a. auch allen zukünftigen nichtärztlichen Behandlern wurde sie von vornherein verwehrt.
Nach dem Zusammenbruch des Nationalsozialismus wurden in den 1950er-Jahren die ursprünglichen Texte des Heilpraktikergesetzes und seiner Durchführungsverordnungen von den Gerichten teilweise als unvereinbar mit dem Grundrecht auf freie Berufsausübung angesehen. Alle Passagen, die nationalsozialistisches Gedankengut enthielten bzw. grundgesetzwidrig waren, wurden gestrichen. Am 24. Januar 1957 wurde die Tätigkeit des Heilpraktikers durch einen Richterspruch des Bundesverwaltungsgerichts als Beruf anerkannt.
Aufgrund der ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte des Heilpraktikerberufs gibt es keine verbindliche Ausbildungsordnung und auch kein klar umrissenes Berufsbild des Heilpraktikers. Die in der 2. Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz geregelte Überprüfung vor dem Gesundheitsamt stellt rechtlich die einzige Kontrollinstanz dar. Sie gewährleistet, dass jeder Heilpraktiker fundierte medizinische Kenntnisse hat und sowohl seine gesetzlichen als auch seine fachlichen Grenzen genau kennt und erkennt. Dies ist nicht nur wichtig für das Wohl der Patienten, sondern auch für das Ansehen des Berufsstands der Heilpraktiker.

Der Heilpraktiker als freier Beruf

Der Beruf des Heilpraktikers wird zu den „freien Berufen“ Heilpraktiker:freier Berufgezählt. Eine freiberufliche freiberufliche TätigkeitTätigkeit ist nicht – wie bei den Gewerbetreibenden – handwerklicher oder kaufmännischer Natur, sondern eher geistiger Art. Die freiberufliche Tätigkeit – gleich welcher Ausrichtung – liegt zudem im besonderen „Interesse der Allgemeinheit“.
Die Leistung wird persönlich und eigenverantwortlich erbracht. Ein besonderes Vertrauensverhältnis ist die Grundlage der Beziehung zwischen dem Freiberufler und dem, der seine Dienste beansprucht. Die Gegenseite ist nicht „Kunde“ oder „Käufer“, sondern „Patient“, „Klient“, „Mandant“. In § 1 des Partnerschaftsgesellschafts-Gesetzes sind die freien Berufe definiert und aufgezählt.

Partnerschaftsgesellschafts-Gesetz

Partnerschaftsgesellschafts-Gesetzfreiberufliche Tätigkeit:Partnerschaftsgesellschafts-Gesetz§ 1 (Sinngemäßer Textauszug)
„Die Freien Berufe haben im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt.
Ausübung eines Freien Berufes im Sinne dieses Gesetzes ist die selbstständige Berufstätigkeit der Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Heilpraktiker, Krankengymnasten, Hebammen, Heilmasseure, Diplom-Psychologen, Mitglieder der Rechtsanwaltskammern, Patentanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Beratenden Volks- und Betriebswirte, vereidigten Buchprüfer (vereidigte Buchrevisoren), Steuerbevollmächtigten, Ingenieure, Architekten, Handelschemiker, Lotsen, hauptberuflichen Sachverständigen, Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher, Übersetzer und ähnlicher Berufe sowie der Wissenschaftler, Künstler, Schriftsteller, Lehrer und Erzieher.“
Da der Heilpraktiker der Berufsgruppe der freien Berufe zugehörig ist, muss er keine Gewerbesteuer zahlen. Es besteht jedoch Einkommenssteuerpflicht.
Im Gegensatz zu den meisten anderen freien Berufen haben Heilpraktiker keine berufsständische Organisation als Körperschaft des öffentlichen Rechts und somit keine Möglichkeit, berufliche Belange für alle Heilpraktiker rechtsverbindlich zu regeln. Diese Aufgaben werden bei anderen freien Berufen von sog. Kammern übernommen. In diesen sind alle Angehörigen dieses Berufs automatisch und zwangsweise Mitglied. Es besteht die Möglichkeit, in demokratischer Wahl die beruflichen Angelegenheiten verbindlich zu regeln. Diese Regelungen können mithilfe besonderer Gerichte („Ehrengerichte“) und sogar mit staatlichen Zwangsmitteln durchgesetzt werden.
Für Heilpraktiker gibt es als freiwillige Übereinkunft der Heilpraktikerverbände die Berufsordnung für Heilpraktiker (BOH Berufsordnung für Heilpraktiker (BOH) 1.1.6), die allerdings nicht in der Weise verbindlich ist, wie z. B. die Berufsordnung der Ärzte, die durch deren Kammern zu öffentlichem Recht wird.

Organisationen der Heilpraktiker

OrganisationenWeil es für Heilpraktiker keine berufsständischen Kammern (1.1.4) gibt, besteht ein besonderes Bedürfnis, ja eine Notwendigkeit, sich zu organisieren, um ein Forum zu haben, das Ansprechpartner in gesundheitspolitischen und gesellschaftlichen Fragen ist und die Belange der Fortbildung praktizierender sowie die Ausbildung zukünftiger Heilpraktiker organisiert. Dieses Forum kann sich aufgrund der fehlenden Standesorganisation allerdings nur als bürgerlich-rechtlicher Verein (e. V.) formieren. Die Vielzahl der existierenden großen und kleinen Vereine erschwert ein einheitliches Auftreten der Heilpraktikerschaft und die Möglichkeit, Ansprechpartner in gesundheitspolitischen Angelegenheiten zu sein und zu finden. Andererseits kann man die Vielzahl unterschiedlicher, sich in Sachfragen z. T. heftig widersprechender oder eng miteinander kooperierender Verbände auch positiv sehen als Ausdruck der Lebendigkeit und Eigenwilligkeit des Berufsstands.
Eines der umstrittensten Themen ist vor allem die Frage, ob der Heilpraktikerberuf zu einem Beruf weiterentwickelt werden soll mit öffentlich-rechtlicher Standesvertretung, Berufs-, Prüfungs- und Ausbildungsordnung oder ob die historisch bedingte Situation so belassen und akzeptiert wird, um mögliche Verschlechterungen zu vermeiden.
Weitere Meinungsdifferenzen bestehen z. B. über ein Qualitätsmanagement in Fortbildung und Praxisführung.
Ein HeilpraktikerverbandHeilpraktikerverband ist als privatrechtlicher Verein (e. V.) ein freiwilliger Zusammenschluss zum Zweck der Unterstützung der Mitglieder in ihren beruflichen Belangen. Dazu gehört auch die Interessenvertretung in Politik und Gesellschaft. Die Tätigkeit als Heilpraktiker setzt keinesfalls eine Mitgliedschaft in einem Verband voraus. Eine Mitgliedschaft in einem Verband kann praktische Vorteile haben:
  • Beratung der Mitglieder in Fragen von Praxisgründung und Praxisführung

  • Hilfe bei medizinischen und berufspolitischen Fragen

  • Gutachten und juristische Beratung

  • verbands- und schulneutrale objektive Beratung in Ausbildungsfragen

  • Angebot von Fortbildungsveranstaltungen

  • Stellung von Beisitzern bei amtsärztlichen Überprüfungen, sofern dies bei der jeweiligen Behörde möglich ist

  • Förderung kollegialer Kontakte zu Meinungs- und Erfahrungsaustausch

  • regelmäßige Mitteilung medizinischer und berufspolitischer Neuigkeiten, z. B. über eine Verbandszeitschrift

Berufsordnung

In der Berufsordnung für Heilpraktiker (BOH) BOH(Berufsordnung für Heilpraktiker)Berufsordnung für Heilpraktiker (BOH) sind die grundlegenden Rechte und Pflichten des Heilpraktikers zusammenfassend gut dargestellt. Die meisten Heilpraktikerverbände haben sich 1992 auf diese Berufsordnung geeinigt. Aufgrund der Änderung rechtlicher Grundlagen wurde diese 2007 überarbeitet. Wie der offizielle Vorspann besagt, ist die BOH als Vereinsrecht nur verbindlich für die Verbandsmitglieder und kein allgemeines Recht. Da sie also kein allgemein verbindliches Recht für alle Heilpraktiker setzen kann, fasst sie im Wesentlichen die Gesetzeslage unter Bezugnahme auf verschiedene Gesetze und Gerichtsurteile zusammen. Die BOH stellt also den sich aus den verschiedenen gesetzlichen Regelungen ergebenden Standard zusammenfassend dar.

Tipp

Mitglieder erhalten die jeweils aktuelle Berufsordnung von ihrem Berufsverband.

Ethische Rahmenrichtlinien

ethische RahmenrichtlinienZwei Heilpraktikerverbände (FDH, UDH) haben zusätzlich sog. ethische Rahmenrichtlinien (Stand 2007) formuliert, die die BOH vertiefen und ergänzen. Sie haben das Ziel, ein Bewusstsein für Konfliktsituationen im Umgang mit Patienten und Kollegen zu wecken und die Wahrnehmung bestehender rechtlicher Aspekte zu schulen. Sie können verbandsunabhängig für jeden Heilpraktiker eine ethische Leitlinie sein.

Praxisgründung

PraxisgründungGründung und Führung einer Praxis 2.8
Der Heilpraktiker als Arbeitgeber 2.9

Gründungsphase

Praxisgründung:Gründungsphase Viele Heilpraktiker sind hervorragende Therapeuten, haben jedoch wenig Interesse an wirtschaftlichen und praxisorganisatorischen Fragen. Einigen scheint es gar unmöglich, ideelle Werte und materielle Notwendigkeiten zu verknüpfen. Wenn Sie jedoch Ihren Patienten auf Dauer helfen wollen, muss Ihre Praxis auch finanziell auf sicheren Füßen stehen. Bevor Sie Ihre eigene Praxis gründen, sollten Sie sich also gründlich informieren und möglichst von Fachleuten beraten lassen, um sich gut auf die Gründungsphase vorzubereiten.

Tipp

Bei allen Fragen zur Praxisgründung wenden Sie sich an Ihren Heilpraktikerverband (32.1.4). Dort erhalten Sie von Fachleuten eine Existenzgründungsberatung.

Besonders empfehlenswert sind spezielle Praxisgründungsseminare für Heilpraktiker, die z. B. von den Berufsverbänden, Heilpraktikerschulen oder Marketingfirmen angeboten werden. Vergleichen Sie bereits hier das Preis-Leistungs-Verhältnis; einige Angebote sind eindeutig zu teuer. In manchen Fällen lohnt sich die längerfristige begleitende Betreuung (Coaching) eines Unternehmensberaters. Kritisch zu betrachten sind Beratungen durch Pharma- oder Gerätehersteller.
Es hat sich bewährt, bei der optischen Gestaltung der Praxis – vom Türschild über Wartezimmer und Behandlungsraum bis hin zum Logo auf Visitenkarten, Rezeptformularen und Briefpapier – ein durchgängiges Konzept erkennen zu lassen. Dieses Grundkonzept sollte den angewendeten Therapieverfahren entsprechen und die Persönlichkeit des Behandlers und seine Arbeitsweise repräsentieren (Abb. 1.1, Abb. 1.2).
Diagnose- und Therapiekonzepte
Prüfen Sie selbstkritisch, ob Sie genug diagnostisches Wissen haben, um die Individualität (Konstitution, Situation) Ihrer Patienten wahrzunehmen. Außerdem benötigen Sie einen „Handwerkskasten“ sich gut ergänzender Therapiemethoden, um möglichst viele Patienten erfolgreich behandeln zu können. Trotz individueller Behandlung sollten Sie ein „Repertoire“ allgemeiner Behandlungsstrategien anwenden können. Mit diesen Voraussetzungen erhöhen Sie Ihren Behandlungserfolg und somit die Zahl der zufriedenen Patienten.
Praxisorganisation
Praxisgründung:PraxisorganisationKenntnisse über sinnvolle Terminvergabe, Zeit- und Arbeitsplanung, rationelle Büroorganisation (Arbeitsmittel, Ablage- und Ordnungssysteme), Buchführung und Rechnungswesen, Patienten- und Mitarbeiterführung (Praxismanagement) erleichtern Verwaltungsaufgaben.
Marketing
Praxisgründung:MarketingBefassen Sie sich frühzeitig mit folgenden Themen:
  • Optimaler Standort: Die Standortwahl ist z. B. abhängig von der Anzahl der bereits ansässigen Heilpraktiker und dem Angebot unterschiedlicher Therapieverfahren sowie der Mentalität der Bevölkerung, dem Durchschnittseinkommen und -alter in diesem Wohnbezirk, der Verkehrslage (Parkplätze, Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel).

  • Werbung und Praxismarketing: Bestellen Sie rechtzeitig den Eintrag ins Branchenbuch, organisieren Sie z. B. Vorträge/Kurse in Volkshochschulen oder Gesundheitsvereinen, gestalten Sie Informationsbroschüren für Patienten zur Auslage in der Praxis (z. B. „Unser Praxisteam stellt sich vor“, „Was ist Homöopathie?“, „Ernährung, Bewegung, Luft, Wasser, Licht – Die fünf Säulen für Ihre Gesundheit“). So machen Sie auf sich aufmerksam und bieten sinnvolle Serviceleistungen. Zeitungsanzeigen kosten viel Geld und bringen erfahrungsgemäß nur selten den gewünschten Erfolg. Eine Internetseite ist jedoch heutzutage für viele Patienten eine wichtige Informationsquelle zum Abbau einer gewissen „Schwellenangst“.

Tipp

Qualität spricht sich herum – und Mund-zu-Mund-Propaganda ist die beste und billigste Werbung. Es gilt: Ein zufriedener Patient wirbt drei neue; ein unzufriedener Patient „vergrault“ sieben potenzielle Patienten.

Leider gibt es unredliche Einzelpersonen und Unternehmen, die Berufsanfänger mit lukrativen (Zusatz-)Geschäften ködern und oft genug irreführen oder gar betrügen. Auf dem Papier amortisieren sich z. B. hohe Kaufsummen schnell – die Realität sieht leider häufig anders aus. Der Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln (2.5.3), der Heilpraktikern als zusätzliche Erwerbsquelle von entsprechenden Firmen häufig angeboten wird, befindet sich im rechtlichen Grauzonenbereich; namhafte Heilpraktikerorganisationen warnen ausdrücklich davor. Vertreter oder Telefon-Akquisiteure werben z. B. für Reklametafeln, Internet-Einträge oder Heilpraktiker-Verzeichnisse, deren Verbreitung und Seriosität sehr fraglich sind.
Seien Sie auch skeptisch, wenn Sie hohe „Lizenzgebühren“ zahlen sollen, um z. B. ein Therapieverfahren unter einem bestimmten Namen anwenden zu können oder wenn damit geworben wird, dass Sie – gegen „Kostenerstattung“ – auf einer Therapeutenliste aufgeführt werden.
Übernahme einer bestehenden Praxis
Die Praxisgründung:Übernahme einer bestehenden PraxisGrundfrage bei der Praxiseröffnung lautet „Eigengründung oder Übernahme“? Haben Sie die Möglichkeit, eine bestehende Praxis zu übernehmen, sollten Sie folgende Fragen klären: Warum soll die Praxis übergeben werden? Ist die Lage schlecht oder hat der Vorbesitzer die Praxis nicht gut geführt? Selbst bei einer Übernahme unter neuem Namen wird von vielen Patienten die Praxis mit dem Ruf des Vorbesitzers in Verbindung gebracht. Wird eine alteingesessene und renommierte Praxis jedoch z. B. aus Altersgründen übergeben, ist die Übernahme durchaus in Erwägung zu ziehen.
Ein Indiz für den Kaufpreis ist der Jahresumsatz. Hier sollte der Verkäufer dem Käufer Einsicht in die Jahresabschluss-Bilanzen der letzten Jahre gewähren.
Beste Voraussetzungen sind gegeben, wenn der Praxiskäufer einige Monate parallel mit dem Altbesitzer gemeinsam in der Praxis therapiert. So kann er langsam in sein neues Aufgabenfeld hineinwachsen, der Patientenstamm kann den Neubesitzer kennenlernen und Vertrauen aufbauen, und der Vorbesitzer kann sich allmählich aus dem Praxisgeschehen zurückziehen.

Praxiskosten und Praxiskalkulation

Praxis:KostenPraxis:Kalkulation Die Kosten einer Praxisführung müssen sorgfältig errechnet werden, um darauf die Kalkulation des Geldbedarfs zur Praxisgründung und der Behandlungshonorare aufzubauen. Wichtige Kostenfaktoren sind z. B.:
  • Praxiskosten: z. B. Miete, Heizung, Wasser, Müllabfuhr, Reinigung, Instandhaltung

  • Praxisbedarf: z. B. Praxis- und Therapiegeräte, Leasinggebühren, Praxiskleidung, therapeutischer Praxisbedarf (Einwegmaterialien, Arzneimittel zur Anwendung in der Praxis)

  • Organisation: z. B. Büromaterialien und -geräte, Kosten für Porto, Telefon, Fax, ggf. PC, E-mail, Internet

  • Kosten des Geldverkehrs: z. B. Bankgebühren, Zinsen, Steuerberater; Tilgungsraten – obwohl nicht zur Kalkulation – gehörig, sollten nicht vergessen werden

  • Mitarbeiter: z. B. Lohn, Honorar, Gehalt, Versicherungen, Berufsgenossenschaft, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Fahrtkosten, Geschenke (Weihnachten, Geburtstag)

  • Beiträge: z. B. Versicherungsbeiträge (1.2.4), Berufsverband, naturheilkundliche Vereine

  • Fortbildung: z. B. Fachliteratur, Fachzeitschriften, Seminargebühren, Kongresse, Reisekosten

  • Sonstiges: z. B. Auto- und Fahrtkosten (Anfahrt, Hausbesuche), Spesen, Verpflegungsmehraufwand, Beratungskosten (Unternehmensberater), GEMA-Gebühren

Finanzierung

Praxis:Finanzierung Die Finanzierung der Praxisgründung muss solide geplant werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die vermuteten Einkünfte in der Gründungsphase nicht zu hoch angesetzt werden. Es vergehen meist 1–5 Jahre, bis eine Praxis floriert. Der Geldbedarf in dieser Anlaufzeit muss sorgfältig kalkuliert werden.

Tipp

Diese bewährte Faustregel schont Ihre Nerven: Zur Deckung Ihres Geldbedarfs sollten Sie soviel finanzielle Rücklagen haben, dass Sie die ersten sechs Monate nach Ihrer Praxisgründung völlig unabhängig von jeglicher Einnahme Ihre Lebenshaltungs- und Praxiskosten bestreiten können.

Um die Praxis zu finanzieren, kann ein Existenzgründungsdarlehen beantragt werden, vorausgesetzt der Antragsteller hat zuvor noch kein Existenzgründungsdarlehen bezogen. Erkundigen Sie sich nach speziellen Förderprogrammen der Länder und des Bundes zur Existenzgründung (z. B. für Frauen oder Arbeitslose). Auskunft erteilen z. B. die Berufsverbände der Heilpraktikerschaft, die regionale Industrie- und Handelskammer, das Arbeitsamt oder die Banken und Sparkassen.
Um ein mögliches Darlehen zu erhalten, muss der Antragsteller Eigenkapital einbringen. Das Geld darf nicht aufgenommen werden. Hierdurch unterstreicht der Praxisgründer seine längerfristig bestehende Bereitschaft, sich selbstständig zu machen.
Die Höhe der Darlehenssumme errechnet sich aus der Kalkulation, die durch eine Vorausplanung belegt werden muss. In der Regel muss zur Antragstellung auch eine Kalkulation eines Steuerberaters oder einer anerkannten Beratungsstelle (z. B. eines Heilpraktikerverbands) eingereicht werden. Im Internet gibt es zahlreiche Hilfen zur Erstellung dieses sog. „Businessplans“.
Eine Stellungnahme des Berufsverbands zur Person des Antragstellers und zum Heilpraktikerberuf hat sich oft als hilfreich erwiesen.

Tipp

Die Kreditbedingungen der verschiedenen Banken und Sparkassen sind sehr unterschiedlich – Vergleichen lohnt sich! Bedenken Sie, dass Sie nicht Bittsteller, sondern Kunde des Geldinstituts sind, und verhandeln Sie um günstige Konditionen.

Versicherungen

Welche Versicherungen für Sie notwendig sind, ist von Ihrer Lebenssituation und Ihrem Sicherheitsbedürfnis abhängig. Lassen Sie sich diesbezüglich von unabhängigen Fachleuten beraten! Über die Berufsverbände werden von den einzelnen Versicherungen sog. Gruppenverträge angeboten, die deutlich preiswerter sind als die marktüblichen Angebote.
Eine Krankenversicherung ist unter normalen Umständen unverzichtbar. Bei der Wahl der Absicherung spielen Alter, Geschlecht und evtl. die Anzahl mitversicherter Familienangehöriger eine Rolle. Aufgrund der (vermuteten) gesundheitsbewussten Lebensführung, der Möglichkeit der Selbstdiagnostik und -behandlung und eines niedrigen Krankenstands bei Selbstständigen erhalten Heilpraktiker oft bessere Konditionen als Angehörige anderer Berufe. Um günstigere Tarife zu erhalten, ist es auch möglich, die Erstattung von Leistungen eines Allgemeinmediziners aus dem Versicherungspaket streichen zu lassen, da der Heilpraktiker dies durch Kollegen oder selbst durchführen (lassen) kann. Die Kostenerstattung der Leistungen von Fachärzten oder von Krankenhausaufenthalten bleibt hierbei gewährleistet.
Eine Berufshaftplichtversicherung ist für Unfälle oder Therapiefolgeschäden in der Praxis dringend zu empfehlen. Mit Anerkennung der Berufsordnung (1.1.6) verpflichtet sich außerdem der Heilpraktiker, eine ausreichende Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Hier werden verschiedene Summen zur Abdeckung angegeben. Therapieverfahren, die laut Statistik als besonders risikoreich eingestuft sind, werden mit Extrakonditionen belegt. Auch ist es möglich, Angestellte und Assistenten mitzuversichern.
Der Abschluss einer privaten Haftpflichtversicherung sowie einer Unfall- und ggf. einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist ebenfalls anzuraten.
Sobald Mitarbeiter (Assistent, Reinigungskraft) in der Praxis tätig sind, besteht die gesetzliche Pflicht einer Mitgliedschaft bei der Berufsgenossenschaft (2.9.2), die Selbstständigen auch die freiwillige Mitgliedschaft und somit eine kostengünstige Berufsunfallversicherung anbietet.

Tipp

Vergleichen Sie kritisch mehrere Angebote. Lassen Sie sich ggf. von unabhängigen Versicherungsagenten oder Verbraucherschutzorganisationen beraten. Die Beitragssummen verändern sich fast täglich.

Praxisführung

Vorratshaltung und -überprüfung

In regelmäßigen Abständen sollte der Vorrat an Gebrauchsmaterialien überprüft werden. Es ist denkbar ungünstig, wenn das Fehlen von Material erst auffällt, nachdem das letzte Produkt benutzt wurde – und der Patient bereits auf der Liege wartet. Somit gewährleistet rechtzeitiges Nachbestellen einen reibungslosen Praxisablauf. Ist eine gewisse Mindestvorratsmenge erreicht, muss – je nach Material und Häufigkeit des Gebrauchs – für Nachschub gesorgt werden. Es ist außerdem verboten, Arzneimittel (2.5.1), deren Verfallsdatum überschritten ist, in der Praxis anzuwenden.
Überprüfen Sie regelmäßig die Produkte, die Sie zur Diagnostik und Behandlung benötigen, wie z. B. Spritzen, Kanülen, Desinfektionsmittel, Einmal-Handschuhe, Holzspatel, Akupunkturnadeln, Tupfer, Laborröhrchen, Stuhlröhrchen, Laborchemikalien, Harnteststreifen. Achten Sie auf Verfalldaten.
Ebenso ist der Bestand an Büromaterialien, die Sie für organisatorische Aufgaben benötigen, wie z. B. Karteikarten, Rezeptblöcke, Visitenkarten und täglich verwendetes Verwaltungsmaterial, regelmäßig zu überprüfen.

Tipp

Legen Sie in Ihrem Tageskalender schriftlich fest, wann Sie den Bestand an Praxis- und Büromaterial überprüfen (z. B. jeden 1. Mittwoch im Monat) – und halten Sie sich daran.

Wartung und Reinigung

Medizinproduktegesetz und Medizingeräteverordnung 2.6.1
Hygieneplan für die Naturheilpraxis 7.5
Der Heilpraktiker ist verpflichtet, verwendete und bereitgestellte Geräte zu warten. Nur durch regelmäßiges Überprüfen und Instandhalten medizinisch-technischer Geräte können Defekte frühzeitig erkannt und somit durch schadhafte Geräte verursachte Fehldiagnosen, mangelhafte Therapieerfolge oder gar Schäden durch defekte Geräte ausgeschlossen werden.
Der Therapeut darf sich nicht ausschließlich auf die Kontrolllampen verlassen. Zudem spürt der Patient bei bestimmten Verfahren, so z. B. bei der Bioresonanz- und der Magnetfeldtherapie, nicht immer direkt bei der Anwendung, dass das Gerät tatsächlich funktioniert und kann diesbezüglich auch keine Auskunft geben. Ob ein Gerät zuverlässig funktioniert und zur Zufriedenheit eingesetzt werden kann, muss auch durch spezielle Tests, die der Gebrauchsanleitung zu entnehmen sind, überprüft werden.
Geräte, die regelmäßig überprüft werden müssen, sind z. B. Sterilisator, Hochfrequenzgerät, Magnetfeldgerät, Elektroakupunkturgerät, Sauerstoffgerät, Bioresonanzstation. In bestimmten Fällen – und wenn Sie sich über den Ablauf des Tests nicht sicher sind – muss bzw. sollte die Überprüfung von einer Wartungsfirma oder dem Gerätehersteller durchgeführt werden.

Merke

Beachten Sie, dass Sie verpflichtet sind, bestimmte Geräte in einem Medizinproduktebuch bzw. einem Bestandsverzeichnis aufzuführen (2.6.1). Fragen Sie den Gerätehersteller!

Die Art und Medizinproduktebuchdie zeitlichen Abstände der Praxisreinigung gibt der Hygieneplan (5.5) vor, der in jeder Praxis sichtbar aufgehängt wird.

Dokumentation

Praxis:DokumentationHeilpraktiker:DokumentationDokumentation Dokumentationspflicht 2.3.5
Anamneseerhebung 3.3
Heilpraktiker sind dazu verpflichtet, alle Untersuchungs- und Behandlungsschritte und den aktuellen Gesundheitszustand des Patienten bzw. seine Beschwerden zu dokumentieren. Dies geschieht nicht nur zur „Gedächtnisstütze“ für den Behandler, sondern ist im Schadensfall ein wichtiges Beweisstück. Zum Schutze des Patienten, also des Verbrauchers, gilt bei fehlender Dokumentation die umgekehrte Beweislast: Der Patient muss in Beweislastumkehreinem Prozess nicht nachweisen, dass er durch die (Fehl)Diagnose oder Behandlung einen Schaden erlitten hat. Vielmehr muss der Heilpraktiker belegen, dass er dem Patienten nicht geschadet hat! Deshalb dient eine lückenlose Dokumentation nicht nur der Sicherheit des Patienten, sondern auch der des Heilpraktikers.
Ob die Anamnese, die Diagnose sowie die angewendeten Therapieverfahren auf der Patientenkarteikarte oder mithilfe des Computers dokumentiert werden, ist vom persönlichen Stil und Patientenaufkommen abhängig.
Bei Speicherung von Daten im Computer müssen sowohl die Datensicherung (Aufbewahrungsdauer 10 Jahre) als auch der Datenschutz gewährleistet sein (keine Einsichtnahme durch Familienmitglieder). Es empfiehlt sich also, einen separaten Computer als Praxiscomputer zu verwenden und die Daten zu verschlüsseln.
Für den Anfänger ist auch aus Kostengründen die Karteikarte (Abb. 1.3) Dokumentation:Karteikarteempfehlenswert. Hier sind speziell für Heilpraktiker Vordrucke auf dem Markt, die neben Abschnitten für die persönlichen Angaben des Patienten z. B. auch Rubriken für irisdiagnostische und konstitutionelle Einträge enthalten. Für die Einträge ist ein dokumentenechter Stift zu verwenden.
Die Karteikarten sind ebenfalls so aufzubewahren, dass kein Unbefugter, z. B. die Reinigungskraft, Einsicht nehmen kann.
Bei der Erstanamnese (5.3) werden die persönlichen Daten des Patienten erfasst, wie Name, Vorname, Geburtsdatum, Adresse und Telefonnummer. Bei allen Folgekonsultationen sind Datum, Befunde (ggf. mit Schemazeichnung zur genauen Lokalisation), die erfolgte Behandlung, Medikamentierung sowie der Krankheitsverlauf aufzuführen.
Name, Adresse und Telefonnummer des behandelnden Haus- oder Facharztes sollten für evtl. Rückfragen notiert werden. Um die Schweigepflicht (2.3.6) zu wahren, muss der Patient allerdings zu einem solchen Gespräch seine Einwilligung erteilen. Dokumentieren Sie jegliche Entbindung von der Schweigepflicht. Bei riskanten Verfahren sollte auch die Aufklärung und Einwilligung des Patienten ausdrücklich dokumentiert werden (2.3.3), wobei hierfür z. B. Kürzel oder festgelegt Symbole verwendet werden können.
Ebenso werden alle Telefonate und telefonischen Anweisungen (z. B. Halbieren der Einnahmemenge) dokumentiert, alle Beratungen (z. B. Anlegen eines Leberwickels) oder auch nur einfache Tipps (z. B. Sport betreiben)!
Es ist auch unerlässlich, zwischendurch ausgestellte Folgerezepturen, die an der Rezeption oder außerhalb eines Behandlungstermins ausgestellt wurden, in der Karteikarte oder im Computer zu notieren. Aufforderungen an den Patienten, zur weiteren Abklärung einen (Fach-)Arzt aufzusuchen (z. B. für eine Röntgenaufnahme), sind ebenfalls festzuhalten. Inwiefern es sinnvoll ist, sich die Aufforderung vom Patienten schriftlich bestätigen zu lassen, muss der Behandler für sich beantworten. So könnte es einerseits von mangelndem Vertrauen zeugen und das Behandlungsverhältnis trüben, sich die Aufforderung schriftlich bestätigen zu lassen, andererseits unterstreicht dies die Wichtigkeit der Maßname. Eine Alternative ist es, derartige Aufforderungen dem Patienten schriftlich zu geben und eine Zweitschrift aufzubewahren.

Merke

Alle Karteikarten bzw. Computer-Daten müssen zehn Jahre lang aufbewahrt werden (2.3.5).

Buchführung

Steuerrecht 2.8.5
Heilpraktiker wie auch andere Angehörige der freien Berufe (1.1.4) unterliegen im Gegensatz zu Kaufleuten nicht der Buchführungspflicht im juristischen Sinne. Um Ihren steuerlichen Pflichten ordnungsgemäß nachzukommen, ist es ausreichend, die Einnahmen den Ausgaben gegenüberzustellen. Diese Art der Buchführung kann z. B. in einem Kassenbuch erfolgen.
Denken Sie immer daran: Keine Buchung ohne Beleg! Sammeln Sie deshalb sorgfältig alle relevanten Quittungen und Rechnungen. Archivieren Sie die einzelnen Belege des Geschäftskontos nach aufsteigender Nummerierung, heften Sie dazu die jeweiligen Belege.
Diese Arbeiten sind die Grundlage, um Ihre Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit zu ermitteln, die für die Besteuerung herangezogen werden.

Tipp

Wenn Sie nicht ausreichend sachkundig sind, sollten Sie die gesammelten Belege einem Steuerberater übergeben.

Der Steuerberater wird Ihre Einnahmen und Ausgaben nach Kontenklassen (beispielsweise Personal-, Raum-, Betriebskosten, Abschreibungen) zusammenstellen und unter Berücksichtigung steuerlicher Vorschriften den Jahresüberschuss ermitteln.

Qualitätsmanagement und -sicherung

Unter Qualitätsmanagement versteht man in der Medizin Qualitätsmanagementdie Summe Praxis:Qualitätsmanagementaller Maßnahmen, die geeignet sind, die Qualität einer Gesundheitsdienstleistung zu verbessern. In einem Qualitätsmanagementsystem werden die internen Abläufe erfasst, um diese zu optimieren und Fehler zu erkennen: Abläufe und Prozesse werden standardisiert, in einzelne Schritte zerlegt, sodass sie erfasst und dokumentiert werden können.
Qualitätssicherung besteht im Vergleich dazu Qualitätssicherungaus einzelnen Maßnahmen, wie z. B. Fortbildungen, Supervision, Hygienepläne, Patientendokumentation, ohne dass eine systematische Einbindung in ein Gesamtkonzept erfolgt. Beide Begriffe werden aber oft verwechselt.
Für Kassenärzte ist mit § 135a des Fünften Sozialgesetzbuchs ein Qualitätsmanagement vorgeschrieben; es musste bis Ende 2009 in der Arztpraxis eingeführt werden; allerdings ist eine Zertifizierung – noch – nicht vorgeschrieben und Kassenärzte, die kein Qualitätsmanagement einführen, werden nicht belangt.
Es gibt zahlreiche Systeme zur Einführung eines Qualitätsmanagements, die von Behörden und Privatfirmen angeboten werden. Am bekanntesten ist das System DIN EN ISO 9000:2000, weitere sind das EFQM und das IKF. Sie unterscheiden sich z. B. darin, ob sie mehr auf die Selbstbewertung der Praxis durch den Inhaber setzen oder ob eine externe Bewertung im Vordergrund steht. Gemeinsam ist ihnen, dass sie nicht leicht verständlich sind, externe Berater oder zumindest Einführungsseminare benötigen und mit Kosten verbunden sind. Außerdem bedeuten sie, zumindest in der Einführungsphase, Mehrarbeit, was sich aber später auch als Zeitersparnis auswirken kann.
Unter den Heilpraktikern wird die Einführung eines Qualitätsmanagements zurzeit stark diskutiert. Für eine endgültige Bewertung der Vor- und Nachteile ist es noch zu früh und der Begriff selbst ist zu einem Reizwort geworden. Es wäre deshalb hilfreich, sich eher um das inhaltliche Anliegen eines Qualitätsmanagements Gedanken zu machen:
  • Wie kann ein absolut zuverlässiger Hygieneablauf in der Naturheilpraxis erreicht werden?

  • Wie kann im Sinne des Verbraucherschutzes der Patient optimal informiert werden?

  • Wie kann am besten erreicht werden, dass sowohl die Ausbildung als auch die Fortbildung einem hohen Anspruch genügen?

  • Wie kann die Erfüllung der Sorgfaltspflicht bei der Behandlung bestimmter Krankheiten am besten gewährleistet werden?

  • Wie kann gleichzeitig mit der Einhaltung bestimmter Standards eine patientenzentrierte Heilkunde erhalten und verbessert werden?

  • Wie muss eine Zertifizierung aussehen, die auch die speziellen heilpraktikerlichen Fähigkeiten wie Einfühlung, Zeit für den Patienten, Gesprächsbereitschaft, Kreativität, seelische Unterstützung erfasst?

  • Wie kann eine Erfolgskontrolle der Behandlungstätigkeit aussehen?

Von diesen komplexen Themen ausgehend, könnte der Heilpraktikerberuf weiterentwickelt werden, gleichgültig, ob dies unter dem Schlagwort „Qualitätsmanagement“ stattfindet oder mit anderen Begriffen bezeichnet wird.
Steuerrecht 2.8.5
Patient und Behandler – Behandlungsvertrag 2.3

Erstellung der Liquidation

Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker

Der Heilpraktiker lebt hinsichtlich seines Honorars in einer rechtlich nicht gesicherten Position. Im Gegensatz dazu gibt es für Ärzte und andere freie Berufe staatlich geregelte Gebührenordnungen, in denen die Höhe des Honorars für bestimmte Tätigkeiten festgelegt ist. So enthält z. B. die GOÄ (Gebührenordnung für GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte)Ärzte) über 1.000 Abrechnungsziffern, die die Honorare bei Behandlung ihrerGebührenordnung für Ärzte (GOÄ) Privatpatienten regeln – für die Abrechnung der Behandlung von Kassenpatienten gibt es andere Bestimmungen. Für Heilpraktiker gibt es keine derartige rechtliche Grundlage. Das Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker (GebüH) ist keine Rechtsvorschrift, sondern eine aus Umfragen erstellte Liste. Sie ist der Versuch der Heilpraktikerverbände, eine Grundlage für ein einheitliches Abrechnungsverfahren zu schaffen. Dazu wurden die Mitglieder befragt, welches Honorar sie für welche Tätigkeiten fordern. Das statistisch ausgewertete Umfrageergebnis ist folglich eine rein beschreibende Liste. Es darf auch nicht mehr als eine beschreibende Liste sein, weil Heilpraktiker untereinander keine Vereinbarungen über bestimmte Honorare treffen dürfen. Das wäre nach dem Kartellrecht eine gesetzeswidrige Preisabsprache.
Der Heilpraktiker ist also in seinen Honorarforderungen durch das GebüH nicht gebunden. Das GebüH gilt jedoch als vereinbarte „übliche Vergütung“ nach dem Dienstvertragsrecht des BGB, sofern der Heilpraktiker den Patienten nicht im Vorfeld darüber aufklärt, dass er andere Honorare verlangt. Dazu gehört nicht nur, dass er konkrete Beträge nennt („Diese Injektion kostet 30 Euro“), sondern er muss deutlich machen, dass er mit seiner Honorarforderung von der GebüH abweicht. Er kann z. B. auch nach der GOÄ abrechnen – vorausgesetzt er hat den Patienten darüber aufgeklärt (am besten schriftlich), damit dies Bestandteil des Behandlungsvertrags wird. Da private Krankenkassen sehr unterschiedliche Erstattungsmodalitäten haben, empfiehlt es sich, den Patienten darauf hinzuweisen, dass er sich ggf. bei seiner Krankenkasse erkundigen muss, ob und nach welchen Maßstäben seine geplante Behandlung erstattet werden wird.

Tipp

Fordern Sie das Gebührenverzeichnis für Heilpraktiker bei Ihrem Berufsverband an. Berücksichtigen Sie bei Ihrer Honorargestaltung, dass die aufgelisteten Beträge auf Angaben aus den Jahren 1983/84 beruhen!

Die Bezahlung erfolgt – je nach Praxisstruktur und Wunsch des Patienten – sofort in bar mit der Aushändigung einer Quittung oder per geforderter schriftlicher Liquidation (1.4.3).

Abrechnung von Arzneimitteln in der Naturheilpraxis

Arzneimittelgesetz 2.5.1
Der Heilpraktiker darf Arzneimittel (außer Muster) nicht abgeben, wohl aber direkt in der Praxis bzw. bei einem Hausbesuch direkt am Patienten anwenden. Die angewendeten Arzneimittel kann er folgendermaßen abrechnen:
  • Abgeltung über das Honorar: Die Abgabe oder Verabreichung eines Arzneimittelmusters hat laut Arzneimittelgesetz immer kostenfrei zu erfolgen.

  • Selbst hergestellte Arzneimittel: Arzneimittel, die der Arzneimittel:selbst hergestellteHeilpraktiker in der Praxis herstellt (z. B. Eigenblutinjektion) und gemäß Arzneimittelgesetz nur dort anwenden, aber nicht an den Patienten abgeben darf, kann er zu einem Preis berechnen, der sich aus dem Behandlungsvertrag (2.3) ergibt.

  • Praxisbedarf: Arzneimittel, die der Heilpraktiker aus der Arzneimittel:PraxisbedarfApotheke bezogen hat und in der Praxis anwendet, z. B. Infusions- und Injektionspräparate, darf er zu dem gleichen Preis, zu dem er sie eingekauft hat (Gestehungspreis), als „Auslagen“ auf die Rechnung setzen. Er darf aber z. B. nur die tatsächlich verabreichten Ampullen berechnen, nicht die ganze Packung. Art, Menge und Einzelpreis sind anzugeben. Die Einmalgabe eines homöopathischen Fertigarzneimittels wird in der Regel nicht berechnet.

  • Auch Infusionsbestecke, Pflaster, Akupunkturnadeln und dergleichen können dem Patienten zum Gestehungspreis in Rechnung gestellt werden.

Arzneimittel dürfen nicht über die Praxis verkauft (abgegeben) werden.
Wenn der Heilpraktiker Einzelhandel mit freiverkäuflichen Arzneimitteln betreiben will, sind ein Arzneimittel:freiverkäuflicheSachkundenachweis (2.5.1) und eine Anmeldung Sachkundenachweiseines Gewerbes erforderlich. In diesem Fall darf ein Heilpraktiker außerhalb seiner Praxistätigkeit freiverkäufliche Arzneimittel gewinnbringend verkaufen. Es ist einzuwenden, dass dies dem Ansehen des einzelnen Heilpraktikers bzw. des Berufsstands letztlich doch schadet. Außerdem gerät die eigene Therapiefreiheit und Objektivität in Gefahr durch den Zwang, die eingekauften Produkte verkaufen zu müssen.

Durchführung der Liquidation

Es empfiehlt sich, für die Liquidation(serstellung)Liquidation (Rechnungsstellung freier Berufe) spezielle Vordrucke zu verwenden, in denen Name, Anschrift, Telefonnummer und Bankverbindung angegeben sind. Computer-Abrechnungsprogramme, die sich aufgrund ihrer steigenden Qualität immer mehr durchsetzen, geben meist alle nötigen Daten vor. Bei korrekter Liquidation sind das Rechnungsdatum, der vollständige Name und der Wohnsitz des Patienten anzugeben. Weiterhin müssen die vollständige Diagnose (nicht Symptombeschreibung!) sowie der Ausschluss von Verdachtsdiagnosen und die nach Datum aufgelisteten und korrekt bezeichneten Leistungen aufgelistet sein.
Die Einzelleistungen werden mit der entsprechenden Ziffer des GebüH, evtl. auch mit denen der GOÄ (1.4.4) versehen. Hinter der Leistung steht der entsprechende berechnete Einzelbetrag.
Injektions- und Infusionspräparate, die in der Praxis verabreicht wurden, sollten nach Art, Menge und Einzelpreis (bei Homöopathika Potenz angeben) aufgelistet werden, falls die Ampullen nicht auf Rezept vom Patienten aus der Apotheke bezogen wurden (1.4.4).
Fremdleistungen (z. B. mit der Praxis abgerechnete Laborarbeiten) können ebenfalls berechnet, müssen aber mit einem Nachweis belegt werden. Es ist einfacher, Fremdleistungen direkt mit dem Patienten abzurechnen.
Ist der Heilpraktiker Mitglied in einem Berufsverband, sollte er die Liquidation absiegeln: Der Verbandsstempel zeigt den Patienten und den Kostenerstattern an, dass sich der Heilpraktiker unter die Berufsordnung stellt.
Pflichtangaben in einer Rechnung
Eine Rechnung muss folgende Liquidation(serstellung):Rechnung, PflichtangabenAngaben enthalten:
  • den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers und des Leistungsempfängers

  • die dem leistenden Unternehmer vom Finanzamt erteilte Steuernummer oder die ihm vom Bundeszentralamt für Steuern erteilte Umsatzsteuer-Identifikationsnummer

  • das Ausstellungsdatum der Rechnung

  • eine fortlaufende Rechnungsnummer mit einer oder mehreren Zahlenreihen, die zu Identifizierung der Rechnung einmalig vergeben wird

  • die Menge und die Art (handelsübliche Bezeichnung) der gelieferten Gegenstände oder den Umfang und die Art der sonstigen Leistung

  • den Zeitpunkt der Lieferung oder der sonstigen Leistung

Es empfiehlt sich ein Hinweis, z. B. in der Form: „Aufgrund § 19 UStG wird die Umsatzsteuer nicht erhoben“. So kann Rückfragen von Kunden vorgebeugt werden.
Ist der Heilpraktiker kein Kleinunternehmer, so müssen die Rechnungen zusätzlich enthalten:
  • den anzuwendenden Umsatzsteuersatz oder einen Hinweis darauf, dass die Leistung von der Umsatzsteuer befreit ist

  • den auf das Entgelt entfallenden Umsatzsteuerbetrag

Für Beträge unter 150 € brutto gilt jedoch – gleichgültig, ob Kleinunternehmer oder Unternehmer mit Umsatzsteuerpflicht – zusätzlich die sog. Kleinbetragsregelung, die von einigen Rechnungsangaben befreit. Auch diese Rechnung muss jedoch folgende Angaben enthalten:
  • Namen und Anschrift des leistenden Unternehmers, nicht aber seine eigene Steuernummer und auch keine Angaben vom Kunden

  • Ausstellungsdatum

  • Menge und die Art der Lieferung oder Hinweis auf die ausgeführte Dienstleistung

  • Bruttobetrag – nicht bei Kleinunternehmern

  • Angabe des Steuersatzes, nicht aber der separate Ausweis des Umsatzsteuerbetrags – nicht bei Kleinunternehmern

  • bei einer Steuerbefreiung den Hinweis auf die entsprechende Vorschrift

Verjährung
Der Honoraranspruch verjährt in Liquidation(serstellung):Verjährungdrei Jahren. Die Verjährungsfrist beginnt mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch fällig geworden ist. Also verjährt der Honoraranspruch für eine Behandlung im Jahr 2013 mit Ablauf des 31.12.2016.

Kostenerstattung durch Krankenversicherungen

Versicherungsträger 2.8.6
Gesetzliche Krankenversicherungen erstatten nicht die Kosten für Krankenversicherung:gesetzlicheeine Heilpraktikerbehandlung. Ist der Patient Mitglied einer privaten Krankenversicherung, ist die ordnungsgemäße Krankenversicherung:privateLiquidation sehr wichtig.
Hier muss man unterscheiden zwischen dem Vertrag zwischen Heilpraktiker und Patient und dem Vertrag zwischen Patient und Versicherung. Der Heilpraktiker als nicht Beteiligter des Versicherungsvertrags hat gegenüber der Versicherung keine Pflichten (und keine Rechte). Aufgrund des Behandlungsvertrags (2.3) mit dem Patienten hat er jedoch die Pflicht, eine Rechnung zu schreiben, die den formellen Anforderungen entspricht, damit der Patient diese bei seiner Versicherung einreichen kann (1.4.3). Der Heilpraktiker sollte dem Patienten helfen, realistisch einzuschätzen, was die Versicherung erstatten wird – eine genaue, gar rechtsverbindliche Auskunft, kann jedoch angesichts der Vielzahl unterschiedlicher Versicherungsverträge nicht erteilt werden. Strafbar ist es, die Rechnung des Patienten abweichend von den tatsächlich erbrachten Leistungen so zu gestalten, dass der Patient einen möglichst hohen Betrag erstattet bekommt. Abgesehen davon, dass in diesem Fall strafrechtlich ein Betrugsdelikt vorliegt, begibt sich der Behandler in Abhängigkeit vom Patienten. Wenn dieses Verhältnis im Streit endet und der Patient das Gesundheitsamt informiert, liegt ein ausreichender Grund vor für den Entzug der Heilpraktikererlaubnis wegen beruflicher Unzuverlässigkeit.
Eine analoge Abrechnung ist möglich, indem Leistungen, die nicht im GebüH aufgelistet sind, über vergleichbare Leistungen analog abgerechnet werden dürfen.
Der Heilpraktiker kann mit dem Patienten im Behandlungsvertrag im Vorfeld individuelle Beträge vereinbart haben, die der Patient auch bezahlen muss (1.4.1).
Was von den einzelnen Positionen in welcher Höhe von der Krankenversicherung dem Patienten erstattet wird, richtet sich dann nur nach dessen Versicherungsvertrag. Je nach Versicherungsbedingungen werden bestimmte Verfahren überhaupt nicht erstattet, bestimmte Leistungen nur einmal pro Krankheitsfall und es werden bestimmte Höchstsätze festgelegt, z. B. der sog. Schwellenwert der GOÄ, der in der Regel dem 2,3-fachen des einfachen GOÄ-Gebührensatzes entspricht.
Viele Privatversicherte haben einen festgelegten Eigenanteil, bis zu dessen Höhe sie die Kosten selbst tragen müssen.
Nach § 4 Abs. 3 der Musterversicherungsbedingungen der privaten Krankenversicherung werden Arzneimittel grundsätzlich nur dann Arzneimittel:Kostenerstattungerstattet, wenn sie vom Behandler verordnet und vom Patienten aus der Apotheke bezogen werden. Ohne Rechtspflicht erstatten einige Leistungsträger Arzneimittelkosten auch dann, wenn nicht der Patient das Mittel aus der Apotheke bezieht, sondern aus einer Packung mit mehreren Ampullen aus Praxisvorräten nur eine verwendet wird und diese mit Namen und Preis auf der Rechnung erscheint.
Fremdleistungen (wie z. B. Laboruntersuchungen) sowie sonstige Materialien und Auslagen können nur mit dem tatsächlichen Gestehungspreis zur Berechnung kommen. Der Leistungsträger kann den Kostennachweis durch Belege verlangen.
Die Blutdruckmessung ist grundsätzlich Bestandteil der Untersuchung oder Beratung und daher nicht gesondert berechnungsfähig.
Im Rahmen einer umfassenden und ganzheitlichen Behandlung ist der Heilpraktiker berechtigt, alle zur Verfügung stehenden diagnostischen und therapeutischen Methoden anzuwenden, sofern keine einschränkenden gesetzlichen Bestimmungen vorhanden sind. Leistungen, die nicht im GebüH enthalten sind, können entsprechend einer gleichwertigen oder ähnlichen Leistung berechnet werden. In der Rechnung ist die analog bewertete Leistung verständlich zu beschreiben und mit der Ziffer sowie der Bezeichnung der als gleichwertig angesehenen Leistung zu versehen. Fehlt eine vergleichbare Leistung, erfolgt die Festlegung des jeweiligen Honorars nach billigem Ermessen.

Tipp

Bei der Liquidation sind viele Faktoren zu berücksichtigen, damit der Patient auch tatsächlich die Kosten von seiner Krankenversicherung erstattet bekommt. Die Heilpraktikerverbände bieten regelmäßig Fortbildungen an, in denen der aktuelle Stand vermittelt wird.

Honorarfestlegung bei Selbstzahlern

HonorarfestlegungUnter Berücksichtigung der bisher aufgeführten Punkte sollte beim „Selbstzahler“, also z. B. bei einem gesetzlich krankenversicherten Patienten, dessen Behandlungskosten nicht erstattet werden, eine gewisse Pauschalabrechnung erfolgen. Es ist unüblich, dass – wie beim privat versicherten Patienten – jede Leistung einzeln abgerechnet wird. So könnte eine Pauschale plus Zeiteinheit erfolgen; z. B. ein Gespräch und eine manuelle Behandlung mit festgelegter Summe plus möglichem Mehraufwand. Die Höhe des Honorars ist abhängig von der Therapieform: Es ist einleuchtend, dass eine Injektion nicht genauso hoch liquidiert wird wie eine homöopathische Repertorisation von eineinhalb Stunden Dauer. Psychotherapeutische Verfahren wie z. B. Gesprächstherapie, Hypnose und die katathymimaginative Psychotherapie können nach Zeitaufwand abgerechnet werden. Die Höhe des Honorars kann sich auch an der finanziellen Situation („Robin-Hood-Prinzip“) oder den sozialen Gegebenheiten („Familientarife“) des Patienten orientieren.

Tipp

Weisen Sie Patienten, die Selbstzahler sind, darauf hin, dass viele Versicherungsunternehmen kostengünstige Zusatzversicherungen für gesetzlich Versicherte anbieten, die die Behandlung durch Heilpraktiker erstatten!

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