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B978-3-437-55244-1.00017-5

10.1016/B978-3-437-55244-1.00017-5

978-3-437-55244-1

Männliche Harn- und Geschlechtsorgane im Sagittalschnitt.

[L190]

Hoden, Nebenhoden und Anfangsteil des Samenleiters. Oben links ist das distale Ende des Samenstranges nach seinem Austritt aus dem Leistenkanal mit allen Gefäßen dargestellt. Der Ausschnitt oben rechts zeigt die Histologie der Nebenhodenkanälchen. Im Hohlraum der quer angeschnittenen Kanälchen sind die gespeicherten Spermien zu erkennen.

[L190]

Schema der Spermatogenese und Darstellung der Verhältnisse im Hodenkanälchen. Durch ständige Zellteilungen im Bereich der Basalmembran werden die reifenden Keimzellen immer mehr zum Zentrum des Hodenkanälchens verschoben. Die reifen Spermien gelangen von dort in den Nebenhoden, wo sie bis zur Ejakulation gespeichert werden.

[L190]

Verlauf der ableitenden Samenwege in der Übersicht. Der in den Hoden gebildete Samen wird im Nebenhoden mit Sekret angereichert und gespeichert. Bei der Ejakulation gelangt er über die paarig angelegten Samenleiter zur Prostata und von dort in die Harn-Samen-Röhre (Vereinigungsstelle markiert).

[L190]

Die weiblichen Geschlechtsorgane im Sagittalschnitt.

[L190]

Äußeres weibliches Genitale (Vulva).

[L190]

Die weiblichen Geschlechtsorgane in der Ansicht von hinten (teilweise aufgeschnitten).

[L190]

Schema der Keimzellbildung bei der Frau. Während beim Mann die 1. Reifeteilung der Meiose (7.4.8) erst in der Pubertät einsetzt, hat sie bei der Frau vor der Geburt begonnen. Die Meiose wird dann aber unterbrochen und erst in der Pubertät fortgesetzt.

[L190]

Ovulation und Gelbkörperbildung. Der Graaf-Follikel „springt“. Er entleert sich, wobei das Ei das Ovar verlässt. Es wird vom Eileitertrichter aufgefangen und wandert im Eileiter Richtung Gebärmutter. Der „entleerte“ Graaf-Follikel wandelt sich zum Gelbkörper (Corpus luteum) und produziert das Gelbkörperhormon Progesteron.

[L190]

Die Wirkungen der beiden weiblichen Sexualhormone. Östrogen und Progesteron werden unter dem Einfluss von FSH und LH im Ovar gebildet. Die orangefarbenen Felder zeigen die wichtigsten Effekte der Östrogene auf verschiedene Körperorgane, die violetten Felder die des Progesterons.

[L190]

Hormonelle Veränderungen und deren Effekte auf die Geschlechtsorgane beim Menstruationszyklus. Kommt es zur Befruchtung und zur Einnistung des Eis, so stirbt der Gelbkörper nicht ab, sondern wächst weiter bei steigender Progesteronbildung. Das Hormon HCG (27.2.7) wird bei Eintreten der Schwangerschaft durch die Zellen gebildet, die die befruchtete Eizelle versorgen. Es dient auch zum Schwangerschaftsnachweis.

[L190]

Die Entwicklung der weiblichen Brust:EntwicklungBrust.

a Präpubertäres Stadium. Keine palpable Brustdrüse.

b Beginnende Entwicklung der Brust. Ausbildung einer Brustknospe und Vergrößerung der Areola (Warzenhof). Im Bereich der Areola ist die Brust vorgewölbt.

c Weitere Vergrößerung des Brustdrüsenkörpers. Der Brustdrüsenkörper ist größer als die Areola.

d Im Bereich der Areola hebt sich die Brustdrüse gesondert von der übrigen Drüse ab.

e Die Entwicklung der Brust ist abgeschlossen und entspricht der Brust einer erwachsenen Frau.

[E662]

Basaltemperaturkurve eines normalen 28-tägigen Zyklus. Die grüne Zone markiert die sicher unfruchtbare Phase vom dritten Tag des Temperaturanstiegs bis zur Menstruation. Die unfruchtbaren Tage direkt nach der Menstruation dauern bis sechs Tage vor dem frühesten gemesssenen Temperaturanstieg. Diese erweiterte Form der Basaltemperaturmethode ist weniger zuverlässig, da durch Zyklusverschiebungen ein früherer Eisprung als in den vorangegangenen Zyklen beobachtet möglich ist.

[A400]

Basaltemperaturkurve eines normalen 28-tägigen Zyklus. Vorgehen siehe Text

[A400]

Selbstuntersuchung der Brust. Jede Frau sollte ihre Selbstuntersuchung:BrustBrust: SelbstuntersuchungBrüste einmal monatlich selbst untersuchen, am besten kurz nach der Menstruation (dann ist die Brust am besten beurteilbar). Die Untersuchung umfasst das Betrachten der Brüste vor dem Spiegel bei herabhängenden und bei erhobenen Armen sowie das Abtasten beider Brüste im Stehen und im Liegen einschließlich der Achselhöhle.

[E384]

Der abgedunkelte Ovarsektor bei 26 Min. (linke Iris) und Reizradiären weisen auf eine Organschwäche und einen entzündlichen Prozess des linken Eierstocks hin.

[O220]

Dermatome und Head-Zonen. Bei Erkrankungen von Uterus, Adnexen, Hoden und Nebenhoden können Verquellungen sowie eine gesteigerte Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit in den Segmenten Th 11–L 3 auftreten.

[L190]

Normaler Menstruationszyklus:StörungenMenstruationszyklus und Zyklusstörungen im Vergleich

[A400]

Bei funktionellen und organischen Genitalerkrankungen ist eine großflächige Trockenschröpfung häufiger angezeigt als blutiges Schröpfen. Die Genitalzone ist häufig nicht eindeutig zu lokalisieren. Sie projiziert sich auch in die Lumbalzone, die paravertebral zwischen L2–L4 auf den Ästen des Blasenmeridians liegt.

[L190]

Das aus dem Borretsch (Borago officinalis) gewonnene Öl enthält entkrampfend, gefäßerweiternd und entzündungshemmend wirkende Prostaglandine. Für einen Therapieerfolg ist die Einnahme über mehrere Zyklen notwendig.

[O562]

Hirtentäschel (Capsella bursa pastoris) hat zierliche Früchte und kleine weiße Blüten. Die Pflanze enthält Saponine, Flavonoide und wirkt blutstillend. Sie wird lokal und innerlich als Teeaufguss bei Menorrhagien und Metrorrhagien angewendet.

[O562]

Mönchspfeffer (Vitex agnus castus), auch unter dem bezeichnenden Namen Keuschlamm bekannt, wurde früher als Mittel zur Dämpfung der Libido eingesetzt. Präparate aus den pfefferkorngroßen Steinfrüchten, die u. a. Bitterstoffe, Flavonoide und ätherisches Öl enthalten, werden bei Menstruationsstörungen, prämenstruellen Beschwerden und Mastodynie eingesetzt.

[U224]

Häufige Ursachen des Fluor:UrsachenFluor genitalis (Ausfluss). Praktisch alle Abschnitte der weiblichen Geschlechtsorgane, auch die Vulva, können einen Fluor auslösen.

[L190]

Jackson-Test als Hinweis auf einen bösartigen Tumor der Brust. Wird die Brust behutsam zusammengedrückt, entsteht eine Hauteinziehung (Plateauphänomen).

[L190]

Seit ca. 100 Jahren werden Zubereitungen aus den Früchten der amerikanischen Zwerg- oder Sägepalmenfrüchte (Sabal serrulati fructus) zur Behandlung von Prostatabeschwerden eingesetzt. Den Inhaltsstoffen werden mehrere, sich ergänzende Wirkungen zugeschrieben: Sie hemmen u. a. die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT), das für das Prostata-Wachstum notwendig ist. Daneben fördern sie auch den Abbau von DHT.

[O432]

Übersicht über die Lageanomalien des Hodens.

[L190]

Akuter Skrotum.

[F353]

Varikozele mit typischer Schlängelung der Venen. Die Varikozele ist die häufigste Sterilitätsursache beim Mann. Durch eine frühzeitige operative Entfernung der „Krampfadern“ lässt sich die Fruchtbarkeit oft wieder herstellen

[F315]

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) enthält als Hauptbestandteile Gerbstoffe sowie Flavonglykoside. Die Pflanze wirkt adstringierend, wundheilend, entwässernd, krampfstillend sowie entzündungshemmend.

[O216]

Uterusmyome werden nach ihrer Wuchsrichtung benannt. Man unterscheidet subseröse (in Richtung Peritonelahöhle wachsende), submuköse (in die Gebärmutter wachsende) und die häufigen intramuralen (im Myometrium liegende) Myome. Auch gestiele Myome kommen vor.

[L190]

Typische Lokalisationen von Endometriumskarzinom:LokalisationenEndometriumskarzinom und Zervixkarzinom:LokalisationenZervixkarzinom.

[L190]

Physiologische Lage des Uterus.

[L190]

Beginnender Descensus:uteriDescensus uteri. Der Uterus tritt tiefer, und durch die enge Verbindung zwischen Scheidenvorhofwand und Blase sowie Scheidenhinterwand und Darm kommt es meist auch zur Senkung des Blase (Zystozele) des Mastdarms (Rektozele) oder beider (Zysto-Rektozele).

[L190]

Totalprolaps des UterusprolapsUterus mit „Umstülpen“ der Vagina.

[L190]

Mögliche Lokalisation von Endometrioseherden.

[L190]

Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) gehört wie auch Frauenmantel zur Familie der Rosengewächse. Es enthält Gerbstoffe, Flavonoide, Phenolcarbonsäuren und wirkt spasmolytisch und damit schmerzlindernd bei Menstruationsbeschwerden.

[O216]

Inflammatorisches Mammakarzinom mit apfelgroßem, entzündlichem, zentral nekrotisiertem Herd.

[T192]

Fortgeschrittenes Mammakarzinom mit Einziehung der Brustwarze.

[T192]

Das homöopathische Mittel Lachesis muta enthält das tödliche Gift der gleichnamigen Buschmeisterschlange. Bei entsprechenden Geistes- und Gemütssymptomen wird das Mittel zur konstitutionellen Behandlung von klimakterischen Beschwerden, aber auch bei vielen anderen Erkrankungen eingesetzt.

[F373]

Cimicifuga (Cimicifuga racemosa) enthält Triterpenglykoside und Flavonoide sowie Bitterstoffe, Harze und etwas ätherisches Öl. Zubereitungen aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze werden bei Menstruationsstörungen und klimakterischen Beschwerden verordnet.

[O209]

Baldrian (Valeriana officinalis) wird bei Unruhe und Spannungszuständen sowie bei Leistungs- und Konzentrationsschwäche eingesetzt. Baldrianwurzeln enthalten ätherisches Öl sowie Valepotriate, die beruhigend und vegetativ dämpfend wirken.

[O209]

Verschiedene Verhütungsmethoden (Kontrazeptiva) im Überblick.KalendermethodeEnthaltsamkeit, periodische nach Knaus-Ogino

Tab. 17.1
Verfahren Pearl-Index Anwendung/Wirkmechanismus
Natürliche Verhütungsmethoden: Begrenzung des Geschlechtsverkehrs auf die unfruchtbaren Tage im Zyklus
Billings-Methode ca. 25 Bestimmung der fruchtbaren-Tage durch Selbst-Beurteilung des Zervixschleimes (zum Zeitpunkt der Ovulation mehr, flüssiger, zu einem Faden ausziehbar)
Hormonspiegelmethode ca. 5 Bestimmung der unfruchtbaren Tage aufgrund der LH- und Östradiolkonzentration im Urin, bestimmt von der Frau selbst mithilfe eines entsprechenden Geräts und Teststreifen
Periodische Enthaltsamkeit nach Knaus-Ogino (Kalendermethode) ca. 20 Bestimmung der unfruchtbaren Tage aufgrund des Menstruationskalenders
Temperaturmethode (Abb. 17.14, Abb. 17.15) 1–3 Bestimmung der unfruchtbaren Tage aufgrund der Basaltemperatur, mittlerweile auch computergestützt möglich
Mechanische Verhütungsmethoden: „Barriere“ für die Spermien
Diaphragma 2–6* Einführen in die Vagina kurz vor dem Geschlechtsverkehr bis mehrere Stunden danach
Kondom 3–7 Überstreifen über den erigierten Penis zum Auffangen des Spermas. Gleichzeitig Schutz vor Infektionen
Portiokappe ca. 7 Einführen in die Vagina kurz nach der Menstruation bis kurz vor der nächsten Menstruation
Silikonkappe (Lea-Kontrazeptivum ® ) ca. 5 Kombination aus Diaphragma und Portiokappe, Liegedauer max. 48 Std.
Intrauterinpessare (IUP, Spirale): Einnistungshemmung
Ohne Hormonabgabe Levonorgestrel freisetzend (Mirena®) 0,2–3 Einlegen in die Gebärmutter durch den Arzt, Verweildauer 3–5 Jahre; regelmäßige Kontrolle; bei IUP ohne Hormongabe verstärkte, bei Gestagenabgabe schwache oder ausbleibende Menstruationen. Möglichst nicht bei Frauen, die noch nicht geboren haben. Selten Spontanausstoßung, sehr selten Uterusperforation
Hormonelle Empfängnisverhütung: Hemmen der Spermienwanderung durch zähen Zervikalschleim, veränderter Endometriumaufbau, bei Östrogen-Gestagen-Kombinationen Hemmen des Eisprungs
Östrogen-Gestagen-Präparate 0,2–0,5 Einnahme eines Hormonpräparats (orale Ovulationshemmer = „Pille“), Einlegen eines hormonhaltigen Kunststoffrings in die Vagina für drei Wochen oder Aufkleben eines Hormonpflasters (drei Wochen lang je ein Pflaster). Kontraindikationen z. B. Raucherinnen über 35 Jahren, hormonabhängige Tumoren, ausgeprägte Hypertonie, erhöhte Gerinnungsbereitschaft, bestimmte Lebererkrankungen.Ein großer Vorteil ist die etwa 40–50-prozentige Risikoreduktion von Eierstock-, Gebärmutter- und Darmkrebs.
Reine Gestagenpräparate 0,2–3 Minipille: tägliche Einnahme zur gleichen Tageszeit Dreimonatsspritze: i. m.-Injektion eines Depotgestagens Implanon®: Implantation eines hormonhaltigen Kunststoffstäbchens subkutan am Oberarm (Liegedauer drei Jahre). Auch für Frauen mit Kontraindikationen gegen Östrogene
Weitere
Sterilisation 0,2 Beim Mann Unterbindung der Samenleiter, bei der Frau in der Regel laparoskopische Unterbindung der Eileiter. Irreversibel

In Kombination mit Spermiziden = spermienabtötenden Cremes

Geruch, Farbe und Konsistenz des Fluors geben Hinweise auf die Ursache.

Tab. 17.2
Vorkommen Geruch Farbe Konsistenz
Ovulation geruchlos farblos, glasig schleimig, fadenziehend
Schwangerschaft geruchlos farblos dünnflüssig
Pilzinfektion (25.11.12) geruchlos weiß-gelblich krümelig
Trichomonadeninfektion (25.7) übelriechend gelblich schaumig
Hämophilusinfektion (25.5.4) fischartig (Amingeruch) farblos bis weißlich normal, aber Zunahme der Menge
Mykoplasmeninfektion (25.5.7) geruchlos farblos bis weißlich dünnflüssig
Gonokokkeninfektion (25.15.3) unspezifisch eitrig-trübe bis gelblich-grün Dickflüssig
Karzinome oft faulig blutig-bräunlich wässrig

Lokalisation des Unterbauchschmerzes bei der Frau.

Tab. 17.3
Linker Unterbauch Mittlerer Unterbauch Rechter Unterbauch
Gynäkologische Ursachen Ovarialzysten/Zystenruptur (17.11.2), Ovarialtumoren (17.11.1), Eileiterentzündung (17.11.1), Extrauteringravidität (27.2.5), Tubarruptur (27.2.5) Dysmenorrhö, Entzündungen der Vagina oder der Zervix, Fremdkörper in der Vagina Ovarialzysten und Zystenruptur, Ovarialtumoren, Eileiterentzündung, Extrauteringravidität, Tubarruptur
Nichtgynäkologische Ursachen Leistenbruch (13.10), Pyelonephritis (16.6.2), Nierenkolik (16.7.2), Sigmadivertikulitis (13.8.5), entzündliche Dünndarm- und Dickdarmerkrankungen, Ileus (13.4.9), Peritonitis (13.4.10) Zystitis (Harnblasenentzündung 16.6.1), Peritonitis Appendizitis (13.8.4), Leistenbruch, Pyelonephritis, Nierenkolik, entzündliche Dünndarm- und Dickdarmerkrankungen, Ileus, Peritonitis

Ovarialtumoren.

Tab. 17.4
Tumortyp Charakteristika
Epitheliale Tumoren (ca. 65–70 %)
  • seröse Kystome

  • muzinöse Kystome

  • Ovarialkarzinom

primär gutartige Tumoren, die aber in 5–20 % maligne entarten. Insbesondere bei muzinösen Kystomen Gefahr der Verschleppung der schleimbildenden Tumorzellen in die Bauchhöhle bei Spontanruptur oder intraoperativer Eröffnung des Kystoms. Dann Entwicklung eines Pseudomyxoma peritonei (Gallertbauch) mit schlechter Prognose trotz histologischer Gutartigkeit Bösartiger, vom Oberflächenepithel ausgehender Tumor des Eierstocks; 17.11.2
Keimzelltumoren (ca. 15–25 %)
  • gutartige Teratome

  • bösartige Teratome

  • Dysgerminome

  • Chorionkarzinome

  • Dottersacktumoren

  • Embryonalzellkarzinome

mit Ausnahme der gutartigen Teratome bösartige Tumoren, ausgehend von unreifen Keimzellen, embryonalen oder extraembryonalen Zellen (z. B. dem Dottersack). Häufig Mischtumoren. Bei einem Teil AFP (31.4) und/oder HCG als Tumormarker nutzbar
Keimstrangtumoren (ca. 4–8 %), Östrogene (Ö) und/oder Androgene (A) sezernierend
  • Granulosa- und Thekazelltumoren (Ö)

  • Androblastome (A)

  • Gynandroblastome (Ö + A)

primär gutartige Tumoren mit Entartungshäufigkeit bis zu 25 %. Durch Hormonbildung typische Symptomatik: Durch Östrogensekretion je nach Lebensalter zu frühe Pubertät, Zyklusstörungen und postmenopausale Blutungen. Bei Androgenproduktion Virilisierung (Vermännlichung)
Bindegewebige Tumoren (ca. 5 %)
Ovarialfibrom gutartiger Tumor. Bei ca. 40 % mit Aszites und Pleuraergüssen einhergehend (Meigs-Syndrom)

Meigs-SyndromGynäkologische Hormone und Antihormone (Auswahl), zu Wirkungen Pharma-Info.AntigestageneAntiöstrogeneGonadotropineGonadotropinhemmerProlaktinhemmerSelektive Östrogenrezeptormodulatoren

Tab. 17.5
Substanzgruppe Handelsname (Bsp.) Rp Indikationen in der Gynäkologie (Bsp.)
Geschlechtshormone und ihre Hemmstoffe
Östrogene,z. B. Estradiol, Estriol Progynon® C, Ethinylestradiol 25 μg Jenapharm®, Ovestin®; in Kombination mit Gestagenen: Gynodian® Depot, Nuriphasic® Zyklusstörungen, Östrogenmangelerscheinungen, z. B. Beschwerden in den Wechseljahren, häufig in Kombination mit Gestagenen
Antiöstrogenez. B. Tamoxifen, Toremifen, RaloxifenClomifen Nolvadex®, Fareston®, Evista®Dyneric®, Clomifen-ratiopharm® Hormontherapie des MammakarzinomsOvulationsauslösung bei Sterilität
Selektive Östrogenrezeptormodulatoren (SERM),z. B. Raloxifen EVISTA® Behandlung und Prophylaxe der Osteoporose in der Menopause
Gestagene niedrig dosiert Clinofem®, G-Farlutal® 5 mgPrimolut®-Nor 5 Zyklusstörungen, Endometriose, Sterilität oder drohende Fehlgeburt bei Gelbkörperinsuffizienz
hoch dosiert Clinovir®, Farlutal®,Megestat® Hormontherapie des Mammakarzinoms und Korpuskarzinoms
Antigestagene,z. B. Mifepriston (RU-486) Mifegyne® Schwangerschaftsabbruch (in Deutschland nur über Einrichtungen erhältlich, in denen Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen werden)
Antiandrogene niedrig dosiert in Kombination mit Östrogenen Diane®, Neo-Eunomin® androgenabhängige Erkrankungen, z. B. androgenetischer Haarausfall, bei gleichzeitiger Empfängnisverhütung
hoch dosiert Androcur® starke Vermännlichungserscheinungen bei Frauen
Aromatasehemmerz. B. Anastrozol, Formestan, Letrozol Arimidex®, Lentaron®, Femara® metastasierendes Mammakarzinom
Hypophysen- und Hypothalamushormone und ihre Hemmstoffe
Oxytocin 27.3.2, Pharma-Info
Gonadotropine Fertinorm®, Humegon®, Pregnesin® Stimulation der Follikelreifung und Ovulationsauslösung bei Sterilität
Gonadotropinhemmer Winobanin® Endometriose, fibrös-zystische Mastopathie
Prolaktinhemmer Pravidel®, Dostinex® prolaktinbedingte Sterilität und andere prolaktinbedingte Erkrankungen (z. B. Galaktorrhö, Milchfluss), (schnelles) Abstillen
GnRH-Analogaz. B. Buserelin, Goserelin Suprefact®, Zoladex® Uterusmyom, Endometriose, Mammakarzinom. WM: Blockierung der Gonadotropinausschüttung in der Hypophyse, dadurch Unterdrückung der Eierstockfunktion

Geschlechtsorgane

  • 17.1

    Ganzheitliche Aspekte741

  • 17.2

    Anatomie und Physiologie der Geschlechtsorgane des Mannes 742

    • 17.2.1

      Inneres und äußeres Genitale742

    • 17.2.2

      Hoden und Hodensack743

    • 17.2.3

      Männliche Sexualhormone744

    • 17.2.4

      Spermatogenese und Sperma744

    • 17.2.5

      Ableitende Samenwege und Geschlechtsdrüsen745

  • 17.3

    Anatomie und Physiologie der Geschlechtsorgane der Frau745

    • 17.3.1

      Inneres und äußeres Genitale745

    • 17.3.2

      Eierstöcke und Eileiter746

    • 17.3.3

      Gebärmutter747

    • 17.3.4

      Weibliche Sexualhormone748

    • 17.3.5

      Menstruationszyklus749

    • 17.3.6

      Weibliche Brust750

  • 17.4

    Sexualität750

    • 17.4.1

      Entwicklung der Geschlechtsorgane750

    • 17.4.2

      Geschlechtsverkehr750

    • 17.4.3

      Empfängnisverhütung751

  • 17.5

    Untersuchung und Diagnostik752

    • 17.5.1

      Anamnese752

    • 17.5.2

      Körperliche Untersuchung753

    • 17.5.3

      Naturheilkundliche Diagnostik755

    • 17.5.4

      Schulmedizinische Diagnostik756

  • 17.6

    Leitsymptome und Differenzialdiagnose757

    • 17.6.1

      Störungen der Sexualität757

    • 17.6.2

      Erektionsstörungen757

    • 17.6.3

      Menstruationsstörungen759

    • 17.6.4

      Fluor761

    • 17.6.5

      Unterbauchschmerzen bei der Frau762

    • 17.6.6

      Beschwerden im Bereich der weiblichen Brust762

    • 17.6.7

      Schmerzen beim Geschlechtsverkehr763

    • 17.6.8

      Ungewollte Kinderlosigkeit763

  • 17.7

    Erkrankungen der Prostata765

    • 17.7.1

      Prostatitis765

    • 17.7.2

      Benigne Prostatahyperplasie (BPH) und benignes Prostatasyndrom (BPS)765

    • 17.7.3

      Prostatakarzinom767

  • 17.8

    Erkrankungen der Hoden und Nebenhoden768

    • 17.8.1

      Lageanomalien des Hodens768

    • 17.8.2

      Hoden- und Nebenhodenentzündung769

    • 17.8.3

      Hodentorsion769

    • 17.8.4

      Varikozele und Hydrozele770

    • 17.8.5

      Bösartige Hodentumoren770

  • 17.9

    Erkrankungen des Penis770

    • 17.9.1

      Phimose770

    • 17.9.2

      Paraphimose771

    • 17.9.3

      Balanitis771

    • 17.9.4

      Peniskarzinom771

  • 17.10

    Erkrankungen der männlichen Brust771

  • 17.10.1

    Gynäkomastie771

  • 17.10.2

    Mammakarzinom des Mannes771

  • 17.11

    Erkrankungen der Ovarien und Tuben772

    • 17.11.1

      Eileiterentzündung772

    • 17.11.2

      Ovarialtumoren773

  • 17.12

    Erkrankungen der Gebärmutter774

    • 17.12.1

      Uteruspolyp774

    • 17.12.2

      Uterusmyom774

    • 17.12.3

      Uteruskarzinome775

    • 17.12.4

      Gebärmuttersenkung und Gebärmuttervorfall776

    • 17.12.5

      Endometriose777

  • 17.13

    Erkrankungen von Vulva und Vagina779

    • 17.13.1

      Bartholinitis779

    • 17.13.2

      Vulvitis und Kolpitis779

    • 17.13.3

      Karzinome der Vulva und der Vagina780

  • 17.14

    Erkrankungen der weiblichen Brust780

    • 17.14.1

      Milchstau und Mastitis780

    • 17.14.2

      Gutartige Brusttumoren781

    • 17.14.3

      Mammakarzinom der Frau781

  • 17.15

    Klimakterisches Syndrom784

Ganzheitliche Aspekte

Polarität der Geschlechter

Geschlechtsorgane verkörpern mehr als andere Organe das Bewusstsein, Frau zu sein bzw. Mann zu sein. Das eigene Geschlecht zu akzeptieren, darin eine positive Kraft wahrzunehmen und für sich zu definieren, was Frau- bzw. Mannsein im eigenen Lebenszusammenhang heißt, will auch in der heutigen Zeit nicht immer gelingen. Während die sog. Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen angestrebt wird und die Differenz der Geschlechter aufgehoben scheint, gilt es doch, die spezifischen Besonderheiten von Männern und Frauen zu erkennen und anzuerkennen.
Die Erfahrung zeigt, dass Erkrankungen der Geschlechtsorgane davon begleitet sein können, die eigene Geschlechtsrolle nicht anzunehmen oder die gegengeschlechtliche Rolle innerlich abzulehnen.

Begegnung mit dem Du

Sexualität und Liebe sind zwei Ausdrucksformen der menschlichen Ursehnsucht, dem Du zu begegnen. Das Du ermöglicht es uns, uns als Ganzes zu erfahren, eins mit uns selbst und dem Rest der Welt sein. Wir sind überzeugt davon, die vollkommene Ergänzung zu uns selbst gefunden zu haben, dank dem Zusammentreffen von Schicksal und Zufall. Viele Ausdrucksweisen in der Phase des ersten Verliebtseins erinnern gleichsam an religiöse oder spirituelle Erfahrungen: So ist z. B. von Ganzsein, Einssein und Erfüllung die Rede. Doch mit der Zeit beginnt die romantische Phase in den schwierigen Teil einer Partnerschaft überzugehen. Es ist immer wieder Arbeit, geschlechtsspezifisch geprägte Sprach- und Erfahrungswelten als solche zu erkennen, den Menschen dahinter zu sehen und sich in seinem eigenen Sosein infrage stellen zu lassen.
Trotz des Wunsches nach Verschmelzung und lebenserhaltender Symbiose die eigenen Grenzen zu wahren und aufzuzeigen, sowie die Grenzen des Partners zu respektieren, ist für den Erhalt und das Wachstum der eigenen Persönlichkeit unabdingbar. Gelingt dies nicht, können daraus nicht nur Partnerschaftsprobleme entstehen, sondern auch schwere seelische Krisen und körperliche Erkrankungen.

Kreativität und Selbstausdruck

In der chinesischen Medizin wird die sexuelle Kraft dem Funktionskreis Niere/Blase zugeordnet, der auch als Basis für die Vitalität, die genetisch festgelegte Lebenskraft und die körperliche und geistige Aktivität gesehen wird. Aus Sicht der TCM sind in diesem Funktionskreis ebenso ererbte Anlagen, Talente und Begabungen gespeichert.
Das energetische System der Chakren, das z. B. auch dem indischen Yoga und verschiedenen Meditationspraktiken zugrunde liegt, betont ebenfalls diese übergeordneten Aspekte. Chakren sind der altindischen Vorstellung nach (Chakra, sanskrit = Rad) Energieräder oder Kraftzentren, in denen sich Energie bündelt. Von der Basis der Wirbelsäule werden kopfwärts sieben Chakren unterschieden. Genitalorgane, Nieren, Blase, Blut, Lymphe und Verdauungssäfte repräsentieren das zweite Chakra, das Sakralchakra. Dieses sitzt am Kreuzbein und wird als Zentrum der Gefühle, der sexuellen Energien und des schöpferischen Ausdrucks angesehen. Das Sakralchakra symbolisiert zudem die Lebenskraft.
Auch in der westlichen Medizin ist eine – wenn auch rein anatomische – Verbindung zwischen Geschlechtsorganen und ableitenden Harnwegen bekannt: Sie entwickeln sich aus der gleichen Embryonalanlage. Zusammenfassend werden sie als „Urogenitalsystem“ bezeichnet. Ein Zusammenhang zwischen Erkrankungen der Geschlechtsorgane und ableitenden Harnwege (z. B. rezidivierende Harnwegsinfekte) mit Partnerschaftskonflikten und sexuellen Störungen ist ebenfalls bekannt.

Naturheilkundliche Therapie

naturheilkundliche Therapie:GeschlechtsorganeFunktionelle Störungen oder Dysregulationen, wie z. B. Menstruationsbeschwerden, prämenstruelles Syndrom sowie klimakterische Beschwerden, lassen sich mit naturheilkundlichen Therapieverfahren, z. B. mit Ernährungstherapie, Homöopathie, orthomolekularer Therapie, Phytotherapie oder Neuraltherapie, gut behandeln. Auch ab- und ausleitende Therapieverfahren haben sich bewährt.
Aus Sicht der Naturheilkunde hat die Menstruation eine wichtige Funktion im Sinne einer natürlichen Reinigung des Körpers. Bereits im Altertum vertrat man die Ansicht, dass mit der Menstruation auch belastende Stoffe ausgeschieden werden. Durch den gleichsam aderlassähnlichen Effekt werden – so wird auch heute angenommen – Frauen vor Risikokrankheiten, wie z. B. Hypertonie und Gefäßerkrankungen, geschützt. Um diese natürlichen Reinigungsvorgänge zu unterstützen, werden sog. Emmenagoga eingesetzt – Mittel oder therapeutische Maßnahmen, die die Menstruationsblutung fördern und regulieren.
Heilpflanzen, physikalische Maßnahmen, Schröpfen oder Baunscheidtieren fördern die Durchblutung des kleinen Beckens und aktivieren zugleich die Ausleitung von belastenden Stoffen.
In der Menopause, wenn die Menstruation versiegt ist, sind aus naturheilkundlicher Sicht die Ausscheidungsfunktionen der anderen Organe (z. B. Nieren, Darm und Haut) zu unterstützen.
Da Erkrankungen der Genitalorgane erfahrungsgemäß häufig durch psychische Ursachen mit verursacht werden, sollten Fragen nach dem Umgang mit Rollenkonflikten, nach Selbstakzeptanz, Selbstwertgefühl und Partnerschaftsproblemen ausreichend Raum gegeben werden. Dabei erfordert der Umgang mit diesen Themen äußerst große Sensibilität und Diskretion.

Anatomie und Physiologie der Geschlechtsorgane des Mannes

Die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane haben vielfältige Aufgaben:
  • Produktion der Geschlechtszellen (Eizellen bzw. Samenzellen)

  • Produktion der Sexualhormone, die die Differenzierung, Reifung und Funktion der Keimzellen ermöglichen

  • Bildung von Sekreten, die der Gleitfähigkeit der Geschlechtsorgane dienen und das optimale Milieu für den Transport und die Vereinigung der Keimzellen schaffen

  • Die äußeren Geschlechtsorgane dienen der geschlechtlichen Vereinigung (KohabitationKohabitation oder Koitus)

Sowohl beim männlichen als auch beim weiblichen Geschlecht unterscheidet man innere und äußere Geschlechtsorgane.

Inneres und äußeres Genitale

Zu den inneren Geschlechtsorganen (das „innere Genitale“ Abb. 17.1) des Mannes rechnet man:
  • Hoden (Testis)

  • Nebenhoden (Epididymis)

  • die Geschlechtsdrüsen, also Prostata (Vorsteherdrüse), die Samenbläschen (Vesiculae seminales) sowie die Cowper-Drüsen (Glandulae Glandula(ae):bulbourethralesbulbourethrales)

  • Samenleiter (Ductus deferens), der in den Samenstrang (Funiculus spermaticus) eingebettet ist

Zu den äußeren Geschlechtsorganen (äußeres Genitale) zählen:
  • das männliche Glied (Penis), Penisin dem Harn- und Samenwege gemeinsam verlaufen

  • der Hodensack (Skrotum).

Am sichtbaren Anteil des Penis unterscheidet man Penisschaft und Eichel (EichelGlans Glans penispenis). Der Penis ist von einer dehnbaren Haut überzogen, die in Form einer Duplikatur (Vorhaut Vorhautoder Präputium) Praeputiumdie Eichel bedeckt. Der Penisschaft besteht aus Penisschwellkörpern, die jeweils von einer derben Bindegewebskapsel (Tunica Tunica:albugineaalbuginea) umschlossen sind. Dies sind:
  • Das zweiteilige Corpus cavernosum Corpus:cavernosum penispenis. Bei der Erektion füllen sich durch parasympathisch gesteuerte Arteriolenerweiterung seine schwammartigen Hohlräume, Kavernen genannt, prall mit Blut; gleichzeitig wird der venöse Rückstrom durch die Penisvenen gedrosselt, und der Penis richtet sich auf.

  • Das an der Unterseite befestigte Corpus Corpus:spongiosumspongiosum, das mit der Eichel endet. Das Corpus spongiosum führt die ca. 20 cm lange Harn-Samen-Harn-Samen-RöhreRöhre oder Harnröhre (Urethra).

Hoden und Hodensack

HodensackHodenDie Hoden (Testis) Testissind paarig angelegt und im Hodensack elastisch aufgehängt. Sie sind eiförmig und messen ca. 5 cm im Längsdurchmesser. Während die Hoden eine pralle Konsistenz haben, ist der Hodensack von lockerem Bindegewebe durchzogen. Am obersten hinteren (dorsalen) Rand liegt dem Hoden der Nebenhoden auf (Abb. 17.2). Hoden und Nebenhoden sind von der Hodenhülle (Tunica vaginalis testis) umgeben, die aus einem inneren Blatt (Lamina visceralis) und einem äußeren Blatt (Lamina parietalis) besteht.
Vom Beginn des 3. Schwangerschaftsmonats an „wandern“ die Hoden aus der Lendengegend, wo sie ähnlich dem weiblichen Genitale ursprünglich angelegt wurden, mit ihren Versorgungsgefäßen als sog. SamenstrangSamenstrang (Funiculus Funiculus:spermaticusspermaticus) nach unten durch den Leistenkanal.
Zum Zeitpunkt der Geburt ist dieser „Hodenabstieg“ (Descensus Descensus:testistestis) in der Regel beendet, und die Hoden befinden sich im Hodensack. Im Skrotum sind die Hoden sozusagen ausgelagert und der Körperwärme des inneren Bauchraums entzogen, da die Samenzellen ansonsten nicht reifen können.

Achtung

Bei Körperkerntemperatur (ca. 37 °C) kann keine Samenreifung stattfinden.

Von der derben Bindegewebskapsel, die den Hoden umgibt, ziehen kleine Scheidewände (Bindegewebssepten) auf das Innere des Hodens zu. Hierdurch wird der Hoden in ca. 200 kleine Läppchen unterteilt (Abb. 17.2). Diese Hodenläppchen Hodenläppchenenthalten vielfach gewundene Hodenkanälchen (HodenkanälchenTubuli seminiferi),Tubuli:seminiferi die im hinteren Teil des Hodens in ein verzweigtes System von Ausführungsgängen münden, das Hodennetz (Rete testis). Rete testisDie Tubuli bestehen aus einer bindegewebigen Hülle und dem Keimepithel. Dieses setzt sich aus den Keimzellen und den sog. Sertoli-Stützzellen Sertoli-Stützzellenzusammen. Aus den Keimzellen entstehen über Zwischenstufen in der Spermienreifung (Spermatogenese) die Spermien (Samenzellen).
Die Sertoli-Stützzellen Sertoli-Stützzellensind für die Reifung der Spermien von großer Bedeutung, da sie zu deren Ernährung beitragen und das notwendige hormonelle Milieu schaffen.
Zwischen Hodenkanälchen und den dazugehörenden Blutgefäßen liegen Gruppen von Zellen, die man als Leydig-Zwischenzellen Leydig-Zwischenzellenbezeichnet und die das männliche Sexualhormon Testosteron produzieren.

Männliche Sexualhormone

Sexualhormone:männliche Mit dem Anbruch der Pubertät findet eine tiefgreifende hormonelle Umstellung statt: Der Hypophysenvorderlappen beginnt mit der Ausschüttung von FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon (LH)luteinisierendes Hormon). Diese Sekretion wird vom Releasing-Hormon GnRH Gn-RHeingeleitet und hält lebenslang an (19.2.2).
  • FSH regt beim Mann über die Sertoli-Stützzellen die Spermatogenese an; im Rahmen der Spermatogenese bilden die Sertoli-Stützzellen ein sog. androgenbindendes Globulin (ABG),androgenbindendes Globulin (ABG) das als Trägerprotein für die Wirkungen des Testosterons an den Zielzellen dient, also für die Spermatogenese notwendig ist.

  • LH regt die Leydig-Zwischenzellen zur Ausschüttung von Testosteron an.

Testosteron Testosteronist das Sexualhormon des Mannes und gehört zusammen mit seinen Varianten zur Gruppe der Androgene. Es ist chemisch mit den weiblichen Sexualhormonen Östrogen und Progesteron verwandt und unterstützt folgende Entwicklungen:
  • Hoden- und Peniswachstum in der Pubertät

  • Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale wie Stimmbruch, Bartwuchs, stärkere Körperbehaarung, Knochen- und Muskelwachstum

  • Glatzenbildung im höheren Alter

  • Förderung der Blutbildung, weshalb Männer einen höheren Hämoglobinwert haben als Frauen

  • Stimulation des Geschlechtstriebs (Libido) wie auch in gewissem Umfang „männliche“ Aggressionsbereitschaft

  • Stimulation im Verbund mit FSH, wichtiger Schritt der Spermienreifung.

Spermatogenese und Sperma

SpermatogeneseSperma Die Spermatogenese (Heranreifung der Spermien Abb. 17.3) beginnt mit der Pubertät in den Hodenkanälchen und läuft in mehreren Schritten ab. Sie beginnt peripher an der Kanälchenwand, weil sich dort die Urkeimzellen befinden, und endet zentral nahe dem Kanälchenlumen (Abb. 17.2).
Die vor der Geburt in den Hoden eingewanderten Ursamenzellen (Spermatogonien) Spermatogonienteilen sich täglich durch „normale“ Mitosen vielmillionenfach zu Spermatozyten I.Spermatozyten Ordnung. Dann erfolgen zwei sog. Reifeteilungen der Keimzellen. Durch die Reifeteilungen wird das Erbgut, die Chromosomen, genau halbiert – eine Voraussetzung dafür, dass das Erbgut nach der Vereinigung mit der Eizelle, die auch einen halbierten Satz Chromosomen enthält, wieder in „einfacher Ausführung“ vorliegt. Bei der ersten Reifeteilung (Reduktionsteilung) entstehen aus den Spermatozyten I. Ordnung die Spermatozyten II. Ordnung, die sich in der zweiten Reifeteilung nochmals in die doppelte Zahl kleiner Spermatiden aufteilen (7.4.8).
Die Spermatiden reifen über 80–90 Tage zu befruchtungsfähigen Spermien aus. Während dieser Reifungsperiode bildet sich die typische Form des 60 μm langen Spermiums mit den vier charakteristischen Abschnitten: Kopf, Hals, Mittelstück und Schwanz.
Die Samenflüssigkeit s.a SpermaSamenflüssigkeit (Sperma) des Spermageschlechtsreifen Mannes setzt sich aus Spermien sowie den Sekreten aus Nebenhoden, Samenblasen, Prostata und Cowper-Drüsen zusammen und ist schwach alkalisch (pH ca. 7,3). Das Sperma neutralisiert damit beim Geschlechtsverkehr den sauren pH-Wert der Scheide. Ferner enthält die Samenflüssigkeit Enzyme, welche die noch im Nebenhoden nahezu unbeweglichen Spermien aktivieren und beweglich machen.
Sperma wird durch Samenergüsse (Ejakulationen) Ejakulationabgegeben, die vom vegetativen Nervensystem ausgelöst werden. Das Ejakulat enthält in 2–6 ml Flüssigkeit ca. 70 bis über 600 Millionen Spermien.

Ableitende Samenwege und Geschlechtsdrüsen

Geschlechtsdrüsen Die ableitenden Samenwege bestehen aus Nebenhoden und Samenleitern (beidseits, Abb. 17.4).
Der Nebenhoden (NebenhodenEpididymis) Epididymisist ein Gangsystem, das der Speicherung von Samen dient. Er liegt der Rückseite des Hodens an und nimmt aus dem Hodennetz (Rete testis) etwa ein Dutzend stark gewundener Ausführungsgänge auf, die den Kopf des Nebenhodens bilden und sich dann zum Nebenhodengang (Ductus epididymidis) Ductus:epididymidisvereinigen.
Jeder Nebenhodengang ist ein fünf Meter langer, stark gewundener Gang, der den Hauptteil des Nebenhodens bildet. Er ist einem aufgewickeltem, aber voll gefülltem, langem Gartenschlauch vergleichbar. In ihm wird die Hauptmenge des produzierten Samens gespeichert und zudem mit einem Sekret angereichert, das die Bewegung der Spermien hemmt, sodass sie die in ihnen gespeicherte Energie nicht vorzeitig verbrauchen können.
Der Nebenhodengang geht ohne scharfe Grenze in den Samenleiter (SamenleiterDuctus deferens) Ductus:deferensüber. Dieser ist etwa 50 cm lang und zieht gemeinsam mit Gefäßen und Nerven im Samenstrang durch den Leistenkanal in den Bauchraum. Er wandert an der Wand des kleinen Beckens entlang, erreicht die untere seitliche Wand der Harnblase und bildet eine abschließende Verengung, den Ductus ejaculatorius (Ductus:ejaculatoriusErgusskanal). Die Ergusskanäle beider Samenleiter durchlaufen die unpaarige Prostata (ProstataVorsteherdrüse),Vorsteherdrüse s.a Prostata um schließlich in die Harnröhre (Urethra) zu münden. Die Wand des Samenleiters enthält eine starke Schicht aus glatter Muskulatur, die während der Ejakulation den Samen durch Kontraktionen in die Harnröhre schleudert.
Neben den kleineren Samenbläschen und den Cowper-Drüsen gehört die etwa kastaniengroße Prostata zu den Geschlechtsdrüsen des Mannes. Sie liegt zwischen der Unterfläche der Harnblase und der Beckenbodenmuskulatur und umschließt die Harn-Samen-Röhre (Abb. 17.1). Die Prostata besteht aus etwa 40 einzelnen Drüsen, die ein trübes, dünnflüssiges Sekret produzieren, das die Hauptmenge der Samenflüssigkeit darstellt.

Anatomie und Physiologie der Geschlechtsorgane der Frau

Inneres und äußeres Genitale

Geschlechtsorgane:Frau Analog zum männlichen Genitale unterscheidet man bei der Frau innere und äußere Geschlechtsorgane (Abb. 17.5).
Inneres Genitale
Alle inneren Geschlechtsorgane („inneres Genitale“) liegen geschützt im kleinen Becken der Frau; zu ihnen gehören: Eierstöcke (Ovarien), Eileiter (Tuben), Gebärmutter (Uterus) und Scheide (Vagina). VaginaEierstock und Eileiter mit dem umgebenden Bindegewebe nennt man auch Adnexe.
Äußeres Genitale
AdnexeZu den äußeren Geschlechtsorganen (äußeres Genitale) gehören Venushügel, Schamlippen, Klitoris und Scheideneingang; sie werden als Vulva Vulvazusammengefasst.
Die Scheide Scheideist ein 8–12 cm langer elastischer Schlauch aus Bindegewebe und Muskulatur, der die Verbindung zwischen Uterus und äußerem Genitale herstellt. Im Kindesalter ist die Scheidenöffnung (Introitus vaginae) meist durch eine dünne Membran, das sog. Jungfernhäutchen (JungfernhäutchenHymen), Hymenweitgehend verschlossen. Beim ersten Geschlechtsverkehr reißt es häufig ein.
Die Scheidenwand ist mit 3 mm Wandstärke relativ dünn und besteht aus Plattenepithel und einer dünnen Muskelschicht. Das Sekret der Scheide stammt aus den Drüsen des Gebärmutterhalses und aus abgestoßenen vaginalen Epithelzellen. Aus dem Glykogen dieser abgeschilferten Zellen entsteht mithilfe von Milchsäurebakterien Milchsäure (Laktat), die für das typisch saure Milieu der Vagina verantwortlich ist und vor aufsteigenden Krankheitskeimen schützt.
Während des sexuellen Reaktionszyklus passen sich die Geschlechtsorgane der Frau den Erfordernissen einer Empfängnis an: Das Vaginalsekret wird pH-neutral, durch die Sekretion von dünnflüssigem Schleim aus der Zervix wird die Fortbewegung der Samenfäden erleichtert.
Ins äußere Genitale (Abb. 17.6) münden über die etwa 4 cm lange Harnröhre der Harntrakt und über den Scheideneingang das innere Genitale. Scheideneingang, Klitoris und Harnröhre bilden die Schamspalte, die von den unbehaarten kleinen Schamlippen (SchamlippenLabienLabia minora) bedeckt werden. Die kleinen Schamlippen werden von den großen Schamlippen (Labia majora) bedeckt. Diese flachen, breiten Hautwülste bilden vorne den Venushügel (Mons pubis, Mons pubis„Schamberg“)
und laufen hinten im Damm, der Region zwischen Schamspalte und Darmausgang (Anus, After), aus. Sie sind mit Schamhaar (Pubes) Pubesbesetzt.
Bartholin-Drüsen: Bartholin-DrüsenDie großen Scheidenvorhofdrüsen (Glandula vestibularis major) Glandula(ae):vestibularis majorwerden nach ihrem Entdecker (Caspar Bartholin, 1677) benannt. Es sind etwa erbsgroße Drüsen, deren schleimiges Sekret den Scheidenvorhof befeuchtet. Sie münden an der Innenseite der kleinen Schamlippen, wobei ihre Mündungsstelle meist nur bei Entzündungen als roter Punkt sichtbar ist. Die Bartholin-Drüsen entsprechen den Cowper-Drüsen beim Mann.
Die Klitoris (KlitorisKitzler) ist Kitzlerein ca. 3–4 cm langer Schwellkörper, dessen Schleimhaut reichlich mit sensiblen Nervenendigungen versorgt ist. Die Klitoris entspricht in mancher Hinsicht der männlichen Peniseichel. Sie ist ebenfalls erektil, d. h. bei sexueller Stimulation schwillt sie an und richtet sich etwas auf.

Eierstöcke und Eileiter

  • Eierstöcke Eileiter Die Eierstöcke (Ovarien) Ovariender Frau sind paarig angelegt und sind je nach Alter pflaumengroß. Sie sind durch elastische Bänder am Uterus und der Tube aufgehängt. Aufgabe der Eierstöcke ist neben der Bildung der weiblichen Sexualhormone Östrogen und Progesteron die Bereitstellung von befruchtungsfähigen EizellenEizellen.

  • Die Eileiter (Tuben) Tubensind ebenfalls paarig angelegt und 10–17 cm lang. Ihr weit geöffneter Beginn (Eileitertrichter, Ampulla tubae) dient der Aufnahme des Eis nach dem Eisprung (Abb. 17.7). Außerdem finden in den Eileitern die Befruchtung des Eis und sein Transport zur Gebärmutter statt. Die Wand der Eileiter besteht aus einer stark gefältelten Schleimhaut- und einer dünnen Muskelschicht, die das Ei aktiv durch peristaltische Bewegungen in Richtung Gebärmutter transportiert.

Die Eizellbildung (Oogenese) Oogeneseist außerordentlich kompliziert (Abb. 17.8, Abb. 17.9):
  • Schon vor der Geburt teilen sich die Oogonien (Eianlagen) eines weiblichen Fetus zu sog. primären Oozyten. Jede Oozytenprimäre Oozyte tritt in die erste Reifeteilung ein, vollendet sie aber nicht. Die Oozyten sind von Follikelepithel umgeben und werden mit dieser Hülle als Primärfollikel (FollikelEibläschen) bezeichnet. Zum Zeitpunkt der Geburt enthält jedes Ovar etwa 400.000 solcher Primärfollikel. Die Reifeteilung ruht danach, bis sich ab der Pubertät im monatlichen Zyklus jeweils einige Primärfollikel weiter differenzieren.

  • Die Primärfollikel wachsen zu Sekundär- und schließlich Tertiärfollikeln. Sekundär- und Tertiärfollikel produzieren v. a. Östrogen, welches die Gebärmutterschleimhaut zum Wachstum anregt. Einer der Tertiärfollikel wandelt sich schließlich in den sprungreifen Graaf-Follikel Graaf-Follikelum.

  • In der Mitte eines Monatszyklus der geschlechtsreifen Frau „springt“ jeweils eine Eizelle (Ei, Ovum) aus seinem Graaf-Follikel (Eisprung, EisprungOvulation).Ovulation Kurz vor der Ovulation vollendet das Ei die 1. Reifeteilung und teilt sich in eine sekundäre Oozyte und ein kleineres Polkörperchen, das abgestoßen wird. Noch im Follikel tritt die Oozyte in die 2. Reifeteilung ein und verharrt dort erneut. Nach der Ovulation tritt das Ei eine Wanderung durch den Eileiter an, wo es innerhalb eines Zeitraums von nur wenigen Stunden auf Samenzellen treffen muss – andernfalls stirbt es ab. Erst unmittelbar nach einer Befruchtung wird die 2. Reifeteilung abgeschlossen, um den Chromosomensatz wie bei der Samenzelle zu halbieren.

  • Der „entleerte“ Graaf-Follikel bildet sich zum Gelbkörper (GelbkörperCorpus luteum) Corpus:luteumum.

Nach dem 45. Lebensjahr stellen die Eierstöcke ihre Tätigkeit allmählich ein – die Regelblutungen werden seltener und setzen schließlich endgültig aus.

Gebärmutter

Gebärmutter s.a UterusGebärmutter Die Gebärmutter (Uterus) Uterushat zwei Abschnitte. Der obere breitere Anteil, der Gebärmutterkörper (Corpus uteri),Corpus:uteri besteht aus kräftiger Muskulatur. Im Inneren des Gebärmutterkörpers befindet sich die Gebärmutterhöhle, deren Wand von der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) Endometriumausgekleidet ist. Während der Schwangerschaft dient der Gebärmutterkörper als „Fruchthalter“ und beteiligt sich am Aufbau des Mutterkuchens (MutterkuchenPlazenta), der das Ungeborene ernährt.
Der untere, bis in die Scheide hineinragende Anteil des Uterus ist der Gebärmutterhals (GebärmutterhalsCervix uteri),Cervix uteri meist nur kurz Zervix Zervixgenannt, der sichtbare Anteil in der Vagina heißt Muttermund (MuttermundPortio).Portio uteri Die Zervix besteht aus straffem Bindegewebe und glatter Muskulatur, die den Zervikalkanal umgeben. Die Drüsen der Zervixschleimhaut bilden einen zähen Schleim, der die Gebärmutterhöhle wie ein Pfropf verschließt und vor Keimen aus der Vagina schützt. Nur während der fruchtbaren Tage und bei der Menstruation verdünnt sich der Schleim, und der Kanal öffnet sich um wenige Millimeter. Während einer Schwangerschaft schließt die geschlossene Zervix die Fruchthöhle nach unten ab.
Am Wandaufbau der Gebärmutter sind drei Schichten beteiligt:
  • auf der Außenseite das Bauchfell (Peritoneum), an dieser Stelle Perimetrium Perimetriumgenannt

  • in der Mitte die dicke Schicht aus glatter Muskulatur (Myometrium)

  • Myometrium auf der Innenseite die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium)

Das Endometrium bereitet sich im Monatszyklus auf die Einnistung einer Frucht vor. Kommt es nicht zu einer Befruchtung, so wird ein Teil des Endometriums regelmäßig ca. einmal im Monat unter manchmal schmerzhaften Kontraktionen abgestoßen (Menstruation 17.3.5).

Merke

Anatomische Nachbarstrukturen der Gebärmuter sind:

  • vorne: Harnblase

  • hinten: Douglas-Raum, Mastdarm

  • unten: Scheide

  • oben: Bauchhöhle mit Dünndarm

Weibliche Sexualhormone

Beim Sexualhormone:weiblicheMädchen setzt mit Beginn der Pubertät durch Vermittlung des Releasinghormons GnRH (Gn-RHGonadotropin-Releasing-Hormon) die Ausschüttung (Sekretion) von FSH und LH ein (19.2.2):
  • FSH (follikelstimulierendes Hormon (FSH)follikelstimulierendes ((FSH) follikelstimulierendes HormonHormon), das v. a. in der ersten Zyklushälfte vom Hypophysenvorderlappen ausgeschüttet wird, bewirkt die Reifung einer Eizelle zum Graaf-Follikel und die Ausschüttung von Östrogen aus den Ovarien.

  • LH (luteinisierendes Hormon) wird v. a. in der Zyklusmitte ausgeschüttet. Es bewirkt zusammen mit FSH den Eisprung und die Umwandlung des Graaf-Follikels in den Gelbkörper. Dieser Gelbkörper produziert seinerseits das Gelbkörperhormon Progesteron sowie in geringeren Mengen auch Östrogen.

Die Wirkungen der eigentlichen weiblichen Sexualhormone, der Östrogene und des Progesterons, sind vielfältig (Abb. 17.10). Östrogene, die schwerpunktmäßig in der ersten Zyklushälfte sezerniert werden (Abb. 17.11), haben folgende Wirkung. Sie
  • bewirken den Wiederaufbau des Endometriums nach der Menstruation,

  • haben eiweißaufbauende Effekte – aber schwächer als das männliche Sexualhormon Testosteron,

  • fördern in der Pubertät die Ausprägung der primären und sekundären Geschlechtsmerkmale (z. B. Brustentwicklung Abb. 17.12),

  • steigern den SexualtriebSexualtrieb (Libido).

LibidoProgesteron wird Progesterongrößtenteils vom Gelbkörper in der zweiten Zyklushälfte sezerniert und
  • bereitet das Endometrium für die Aufnahme der Frucht vor,

  • bewirkt eine vermehrte Wassereinlagerung in das Gewebe,

  • bereitet Milchbildung in den Brüsten vor,

  • unterstützt in der Frühschwangerschaft die Einnistung und das Wachstum des Embryos.

Neben Östrogenen und Progesteron spielen bei den weiblichen Sexualhormonen zwei Hormone der Hypophyse eine wichtige Rolle: Prolaktin und Oxytocin.
Prolaktin wird vom ProlaktinHypophysenvorderlappen ausgeschüttet und stimuliert das Brustdrüsenwachstum. Nach der Geburt setzt das Hormon die Milchproduktion der Brustdrüsen in Gang. Seine Ausschüttung wird durch das Saugen an der Brustwarze angeregt und über das Releasing-Hormon PRL-IH (Prolaktin-Inhibiting-Hormon) gehemmt.
Oxytocin wird vom OxytocinHypophysenhinterlappen ausgeschüttet, jedoch vom Hypothalamus synthetisiert. Es stimuliert zudem im Rahmen des Geburtsvorgangs die Uterusmuskulatur zu rhythmischen Kontraktionen, den Wehen. Außerdem führt Oxytocin zur Kontraktion der Milchausführungsgänge in der Brustdrüse und damit zur Milchentleerung beim Stillen.

Menstruationszyklus

In Periode s.a MenstruationMenstruationden rund Menstruation30 Jahren zwischen dem Beginn der monatlichen Monatsblutung s.a MenstruationBlutungen (Menarche) und ihremMenarche Aufhören (Menopause) treten außerhalb der Phasen von Schwangerschaft und einem Teil der Stillzeit im Bereich des Endometriums (Gebärmutterschleimhaut) periodische Veränderungen auf. Diese werden von den Hormonen der Ovarien verursacht und haben das Ziel, in regelmäßigen Abständen optimale Bedingungen für die Einnistung einer befruchteten Eizelle zu schaffen. Parallel dazu wird in der Mitte dieser 25–35 Tage dauernden Periode – Menstruationszyklus genannt – ein befruchtungsfähiges Ei bereitgestellt.
Es bestehen starke Wechselbeziehungen zwischen dem Menstruationszyklus und dem Gesamtorganismus: Über das limbische System beeinflussen psychische Faktoren die GnRH-Ausschüttung. Hierdurch wird verständlich, warum bei übergroßem Stress oder in Notzeiten bei vielen Frauen die Monatsblutung aussetzt.
Umgekehrt wirken die vom Ovar ausgeschütteten Sexualhormone nicht nur auf die Geschlechtsorgane, sondern auch auf die übrigen Zellen des Körpers. Durch ihre Wirkung auf das zentrale Nervensystem bestimmen sie das gesamte menschliche Verhalten wesentlich mit – besonders das Sexualverhalten, aber auch Aggressionsbereitschaft, Vitalität oder Depressivität. So empfinden z. B. viele Frauen einen mehr oder weniger starken Stimmungsumschwung in den Tagen um die Periode herum (prämenstruelles Syndrom).
Der Menstruationszyklus wird in drei Phasen unterteilt (Abb. 17.11):
  • Menstruation oder Regelblutung, auch Desquamations- oder Abschuppungsphase genannt, während der die obersten Zelllagen des Endometriums abgestoßen werden (1. bis 4. Tag des Zyklus)

  • Proliferations- oder Aufbauphase vom 5. bis 14. Tag, in der sich eine neue Endometriumschicht aufbaut

  • Sekretionsphase vom 15. bis zum ersten Tag der nächsten Menstruation. In dieser Phase wird die Ausstattung des Endometriums mit Drüsen und Nährstoffen vervollständigt. Das Endometrium wird dadurch auf die Aufnahme einer befruchteten Eizelle vorbereitet

Kommt es nach einem Eisprung nicht zur Befruchtung der Eizelle, so bildet sich der Gelbkörper zurück und stellt seine Progesteronproduktion ein. Dadurch sinkt die Durchblutung der Funktionsschicht (Funktionalis) des Endometriums stark ab. Der entstehende Sauerstoffmangel führt zum Absterben der Funktionalis. Dies wird von teils recht schmerzhaften, durch Prostaglandine ausgelösten Uteruskontraktionen unterstützt. Die Funktionalis löst sich nun in Fetzen ab und wird mit Blut vermischt ausgestoßen: Die Menstruationsblutung und der 1. Tag des neuen Zyklus beginnen.
Dringt ein befruchtetes Ei in die Funktionsschicht ein, so bleibt diese bestehen und ernährt innerhalb der ersten zwei Wochen den Embryo.

Weibliche Brust

Die Brüste (lat. Brustmamma = Brust) der Frau zählen zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen.
Zu Beginn der Pubertät bildet sich beim Mädchen aus der flachen Anlage des Drüsenkörpers innerhalb von 1–3 Jahren unter dem Einfluss von Östrogenen und Progesteron die weibliche Brustdrüse aus (Abb. 17.12). Sie ist aus 15–20 Drüsenlappen aufgebaut, die durch lockeres Bindegewebe voneinander getrennt sind. Die Lappen der Brustdrüse setzen sich aus kleineren Läppchen und diese wieder aus Milchbläschen zusammen, die mit Zylinderepithel ausgekleidet sind. Jeder Lappen mündet mit einem Milchausführungsgang auf der Brustwarze (BrustwarzeMamille). Die MamilleBrustdrüse ist in ein mehr oder weniger ausgeprägtes Fettpolster eingelagert, das auch für die Brustgröße verantwortlich ist.
Die Entwicklung der Milchbläschen ist mit dem Ende der Pubertät nicht abgeschlossen. Erst in der ersten Schwangerschaft werden die Milchbläschen voll entwickelt, und beim Milcheinschuss zum Beginn der Stillperiode erreicht die Brust ihre maximale Größe.
Männer haben auch Brustdrüsen, die jedoch kaum entwickelt sind und weniger sensible Nervenendigungen besitzen.

Sexualität

Entwicklung der Geschlechtsorgane

SexualitätGeschlechtsorgane:Entwicklung Das Geschlecht drückt sich äußerlich in Geschlechtsmerkmalen aus.Geschlechtsmerkmale Man kann diese in drei Gruppen zusammenfassen:
  • Die primären Geschlechtsmerkmale sind die unmittelbar zur Fortpflanzung notwendigen Geschlechtsorgane, also Penis, Hoden, Nebenhoden, Samenwege bzw. Eierstöcke, Eileiter, Gebärmutter und Scheide. Sie sind bei der Geburt bereits vorhanden.

  • Die sekundären Geschlechtsmerkmale entwickeln sich während der Pubertät. Durch sie ergeben sich das typisch männliche bzw. typisch weibliche Aussehen sowie alle weiteren geschlechtsspezifischen Kennzeichen wie tiefe Stimme und Bartwuchs beim Mann, Brüste und weibliche Körperfettverteilung bei der Frau.

  • Die tertiären Geschlechtsmerkmale sind die angeborenen Attribute wie Körpergröße, Knochenbau u. a.

In der achten Entwicklungswoche des Embryos wird die äußere gemeinsame Geschlechtsanlage sichtbar. Diese Anlage teilt sich dann in den männlichen bzw. weiblichen Entwicklungstyp auf, der bis zur Geburt voll differenziert wird.
Zwischen Geburt und Pubertät vollziehen sich an den Geschlechtsorganen keine entscheidenden Veränderungen; die äußeren Geschlechtsorgane Vulva, Hodensack und Penis wachsen im Vergleich zum übrigen Körper nur sehr langsam.
Ab einem Alter von etwa 9 Jahren beginnt bei den Mädchen, vermittelt durch einen Konzentrationsanstieg von GnRH und Gn-RHnachfolgend der eigentlichen Sexualhormone der pubertäre Wachstumsschub. Bei den WachstumsschubJungen setzt er zwei Jahre später ein. Die Ausschüttung von LH und FSH setzt in den Eierstöcken und in den Hoden die Eizell- bzw. die Samenzellbildung in Gang. Als einschneidendes Ereignis erleben Mädchen mit 11–13 Jahren ihre erste Menstruationsblutung – die Menarche – zunächst allerdings meist noch ohne Eisprung. Jungen haben in der Regel erst mit 13–15 Jahren ihren ersten, meistens unwillkürlich durch Träume ausgelösten, Samenerguss.
Die Fähigkeit zur Fortpflanzung wird jedoch häufig erst ein bis zwei Jahre nach Einsetzen von Menstruation bzw. Samenergüssen erreicht. Meist kommt es erst dann zu Ovulationen bzw. werden genügend befruchtungsfähige Spermien gebildet.

Diese Darstellung an der Marienkirche in Würzburg zeigt die unbefleckte Empfängnis Marias von „oben“ über die sog. Empfängnisrutsche.

[K101]

Geschlechtsverkehr

In den Geschlechtsverkehrletzten Jahrzehnten entwickelte sich ein freierer Umgang mit der Sexualität. Von den meisten gegengeschlechtlichen Paaren wird der vaginale Geschlechtsverkehr (Koitus, lat. coireKoitus = sich vereinigen), auch Kopulation genannt, am häufigsten praktiziert. Andere Formen menschlicher Sexualität sind z. B. der manuelle (lat. manus = Hand), orale (lat. os = Mund) oder anale Verkehr (lat. anus = Darmausgang).
Um eine BefruchtungEmpfängnis (EmpfängnisKonzeption) Konzeptionmöglichst wahrscheinlich zu machen, sind während des Koitus die Funktionen der Genitalorgane beider Geschlechter im sexuellen Reaktionszyklus optimal aufeinander abgestimmt. Dieser Reaktionszyklus, gesteuert vom vegetativen Nervensystem, verläuft beim weiblichen und männlichen Geschlecht prinzipiell gleich. Es lassen sich nach Masters und Johnson vier Phasen unterscheiden: die Erregungsphase, die Plateauphase, die Orgasmusphase und die Rückbildungsphase.
Optische Reize, Berührungen, Gerüche und/oder psychische Empfindungen setzen ein kompliziertes biologisches System in Gang, das den Körper für den Geschlechtsverkehr vorbereitet. Erotische Empfindungen entstehen v. a. bei Berührung der erogenen Zonen, zu denen nicht nur Eichel, Hoden, Klitoris, kleine Schamlippen und die Brüste gehören. Auf der gesamten Körperoberfläche sind Zonen verteilt, die aufgrund ihrer großen Anzahl von Sinnesrezeptoren für sexuelle Anregung höchst empfänglich sind.
Bei sexueller Erregung erhöhen sich Pulsfrequenz und Blutdruck, die Muskelspannung steigt an, Hautrötungen treten auf, und die Atmung wird schneller. Bei der Frau wird während der Erregungsphase von der Scheidenwand und den Drüsen am Scheidenvorhof ein schleimiges Sekret abgesondert (Lubrikation), Lubrikationwodurch die Scheide angefeuchtet und ein Eindringen des erigierten Penis sowie die Stimulation der Klitoris erleichtert werden. Schamlippen und Klitoris schwellen an, die Brustwarzen stellen sich auf. Beim Mann füllen sich die Penisschwellkörper, und es kommt zur Erektion (ErektionSteifwerden des Glieds). Auch der Penis sondert als Gleitflüssigkeit etwas Sekret ab.
Die Merkmale der Erregungsphase prägen sich in der Plateauphase weiter aus. Indem sich die glatte Uterus- und Vaginalmuskulatur zusammenzieht, bildet sich im hinteren Scheidengewölbe der Frau ein Depot für den Samen.
Der Höhepunkt sexueller Erregung ist der Orgasmus, der Orgasmusals intensivster körperlicher Genuss empfunden wird und von kurzer Bewusstseinsveränderung begleitet sein kann. Während der nur Sekunden andauernden Orgasmusphase wird beim Mann die Samenflüssigkeit durch rhythmische, unwillkürliche Kontraktionen der Samengänge, der Harnröhre, der Muskeln an der Peniswurzel und schließlich des Penis selbst in das hintere Scheidengewölbe geschleudert (Ejakulation, Samenerguss). Bei der Frau verengt sich das untere Scheidendrittel; die Beckenbodenmuskulatur und der Uterus kontrahieren rhythmisch.
In der Rückbildungsphase kehren alle Organe in ihren ursprünglichen, nicht erregten Zustand zurück.

Empfängnisverhütung

EmpfängnisverhütungSchwangerschaftsabbruch 27.2.6
Die meisten Paare möchten über ihre Kinderzahl und den Zeitpunkt, zu dem die Kinder geboren werden, selbst entscheiden und wenden daher zumindest zeitweise empfängnisverhütende Maßnahmen an.

Tipp

Als Heilpraktikerin oder Heilpraktiker dürfen Sie Ihre Patienten über Methoden der Empfängnisverhütung beraten.

Eine absolut zuverlässige und dabei nebenwirkungsfreie Methode der Empfängnisverhütung (Kontrazeption) gibt es nicht (Tab. 17.1). Die Zuverlässigkeit einer Methode wird durch den Pearl-Index Pearl-Indexangegeben, mit der Anzahl der ungewollten Schwangerschaften pro 100 Frauenjahre, d. h. der Anzahl der Frauen, die schwanger werden, wenn 100 Paare die Methode ein Jahr lang anwenden. Ohne Empfängnisverhütung liegt der Pearl-Index bei ungefähr 80.
Die Morning-Morning After PillAfter-Pill (postkoitale Kontrazeption, „Pille danach“) hemmt oder verzögert durch Modulation am Progesteron Rezeptor den Eisprung und beeinflusst das Endometrium. Die Frau muss bis 120 Std. nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einmal eine Tablette einnehmen (Rp EllaOne!). Die Morning-After-Pill kann zu Übelkeit und Zyklusstörungen führen und ist nur als Notlösung geeignet.
Noch später greift die sog. Abtreibungspille (RU 486, Mifepriston 27.2.7) an. Durch Antihormonwirkungen wird der Keim auch nach der Einnistung abgestoßen. Die Abtreibungspille ist seit Juni 1999 in Deutschland zugelassen (Rp).

Untersuchung und Diagnostik

Anamnese

Bei Verdacht auf eine Erkrankung der Geschlechtsorgane sollten Sie zur Abklärung die Patienten an ihren Hausarzt oder evtl. Urologen verweisen, die Patientinnen an den Gynäkologen.
Bei den Männern müssen insbesondere Harnwegserkrankungen von Erkrankungen der Prostata unterschieden werden. Folgen de Fragen an die männlichen Patienten sind hilfreich:
  • Besteht eine Abschwächung des Harnstrahls?

  • Beginnt das Wasserlassen sofort oder verzögert? Ist der aktive Druck der Bauchpresse für das Wasserlassen notwendig?

  • Kommt es zu unwillkürlichem, tropfenweisem Urinabgang?

  • Bestehen Schmerzen im Dammbereich?

Zur Abgrenzung gynäkologischer Beschwerden von anderen organischen oder psychischen Erkrankungen fragen Sie die Patientin nach:
  • den aktuellen Beschwerden

  • dem Zeitpunkt der letzten Menstruation, der Möglichkeit einer Schwangerschaft, Zyklusstörungen und Ausfluss

  • der Einnahme von Medikamenten einschließlich der „Pille“

  • der Menarche (erste Periodenblutung) und evtl. der Menopause

  • Schwangerschaften und Geburten einschließlich Fehlgeburten, Extrauteringraviditäten (Schwangerschaften außerhalb der Gebärmutter, z. B. im Eileiter) und Schwangerschaftsabbrüchen

  • früheren Erkrankungen der Genitalorgane, z. B. Entzündungen oder Pilzinfektionen des äußeren Genitales

  • vorangegangenen OPs besonders im Unterbauch, denn dann können z. B. als Sterilitätsursache Verwachsungen in Frage kommen

  • Allgemeinerkrankungen, da z. B. ein Diabetes mellitus Vaginalinfektionen begünstigen kann

  • Veränderungen der Brust und ob sie ihre Brust monatlich selbst untersucht

Körperliche Untersuchung

Heilpraktiker dürfen auch die primären Geschlechtsorgane untersuchen und behandeln. Ausnahme: Die Behandlung sexuell übertragbarer Erkrankungen (25.15) ist verboten.
Die meisten Heilpraktiker werden in ihrer Praxis die Geschlechtsorgane nie oder nur sehr selten untersuchen. Einerseits werden Untersuchungen der Geschlechtsorgane von den meisten Patienten als belastend erlebt, und andererseits bedarf es großer Erfahrung, z. B. eine Kolposkopie (Betrachtung des Muttermunds 17.5.4) oder die Palpation der Nebenhoden richtig durchzuführen und die Untersuchungsergebnisse richtig zu bewerten. Diese praktische Erfahrung kann ein Heilpraktiker i. d. R. kaum erwerben.

Achtung

Seien Sie sich immer Ihrer Sorgfaltspflicht bewusst! Bei Verdacht auf Erkrankungen der Geschlechtsorgane sollten Sie Ihre Patientin zur weiteren Abklärung zum Gynäkologen und Ihren Patienten zum Urologen oder Hausarzt überweisen. Führen Sie selbst eine Untersuchung der Geschlechtsorgane durch, klären Sie vorher auf über Ihre Absicht und den Untersuchungsgang und bitten Sie um das Einverständnis. Bei der Untersuchung der Geschlechtsorgane sollte aus psychologischen Gründen immer eine dritte Person (z. B. Assistentin) anwesend sein. Dadurch wird auch eine sachlich-asexuelle Atmosphäre hergestellt und möglichen juristischen Problemen vorgebeugt.

Im Praxisalltag können Situationen entstehen, in denen eine erste Beurteilung von Symptomen der Geschlechtsorgane erfolgen muss. Dies erfordert, dass der Heilpraktiker in der Lage ist, bestimmte sondierende Untersuchungen durchzuführen. Im normalen Praxisalltag werden die im Folgenden beschriebenen Untersuchungen sicherlich die Ausnahme darstellen.
Palpation der Prostata
Im Rahmen Palpation:Prostataeiner Palpation des Rektums (13.3.2, z. B. bei Verdacht auf Hämorrhoiden) kann auch die Prostata palpiert werden. Es empfiehlt sich, zuerst systematisch die rechte laterale, die posteriore sowie die linke laterale Rektumoberfläche nach Knoten und Unregelmäßigkeiten abzutasten. Anschließend drehen Sie Ihre Hand so, dass Ihr Finger die anteriore Oberfläche des Rektums und somit die posteriore Seite der Prostata abtasten kann. Bereiten Sie Ihren Patienten darauf vor, dass nun die Untersuchung der Prostata erfolgen wird und er dabei das Gefühl verspüren kann, urinieren zu müssen, was aber nicht der Fall sein wird. Tasten Sie jetzt die Prostata ab. Sie fühlen eine runde, herzförmig-symmetrische Struktur, die ungefähr 2,5 cm lang ist und weniger als 1 cm in das Lumen des Rektums hineinragt. In der Mitte der Prostata verläuft eine tastbare Furche (Sulcus). Eine gesunde Prostata fühlt sich etwa so an wie der Daumenballen. Bedenken Sie, dass nur die hintere Oberfläche der Prostata tastbar ist; Veränderungen an der Vorderwand einschließlich jener, die die Harnröhre einengen können, entziehen sich der Tastuntersuchung.
Achten Sie auf folgende Veränderungen:
  • Benigne Prostatahyperplasie (17.7.2): Die Prostata ist fest, glatt und elastisch, aber symmetrisch vergrößert. Sie kann mehr als 1 cm in das Rektumlumen hineinragen. Die Furche in der Mitte kann verstrichen sein.

  • Prostatakarzinom (17.7.3): Jeder harte und/oder unebene Knoten, der zu einer Asymmetrie der Prostata führt oder ihre Konsistenz verändert, ist karzinomverdächtig. In seltenen Fällen können derartige Veränderungen auch verursacht sein durch eine chronische Prostatitis (17.7.1) oder Prostatasteine (KonkrementeProstatasteine durch Sekretstau oder Gewebsverkalkung).

  • Prostatitis (17.7.1): Eine akut entzündete Prostata ist geschwollen, druckschmerzhaft und oft etwas asymmetrisch. Eine chronische Prostatitis kann sich normal anfühlen, etwas vergrößert sowie druckempfindlich und „matschig“ sein oder verstreut feste Stellen enthalten.

Inspektion von Penis und Hoden
Die Inspektion:männliches GenitaleInspektion des Penis bezieht sich auf die Haut, Vorhaut und die Eichel. Falls vorhanden, bittet man den Patienten, die Vorhaut zurückzustreifen. Eine käsige, weiße Substanz (Smegma) kann sich normalerweise unter der Vorhaut ansammeln. Suchen Sie auf der Haut um den Penisansatz nach Kratzspuren (Filzläuse? 25.11.13; ansteckende Borkenflechte? 25.11.12) und Entzündungszeichen.
Achten Sie bei der Inspektion des männlichen Genitale besonders auf folgende Auffälligkeiten:
  • Inspektion des Penis: Ansammlung kleiner Bläschen (Herpes genitalis 25.11.7); hartes, schmerzloses Geschwür (Syphilis 25.15.2); Warzen (z. B. Feigwarzen oder Condylomata acuminata 25.11.14); Vorhautverengung (Phimose 17.9.1); Paraphimose (17.9.2); rot geschwollene Eichel und evtl. Vorhautentzündung bei Balanitis (17.9.3) oder Zeichen eines Peniskarzinoms (17.9.4) wie ein harter Knoten oder ein – oft schmerzloses – Ulkus, meist zwischen Eichel und Penisschaft.

  • Inspektion der Hoden: Abklärungsbedürftig ist jede Rötung oder Schwellung (Orchitis 17.8.2, Hodentorsion 17.8.3, Hodentumor 17.8.5) sowie eine Krampfaderbildung (Varikozele/Hydrozele 17.8.4).

Palpation des Skrotums
Bei der Palpation Palpation:Hodenvon Hoden und Nebenhoden werden diese zwischen den Daumen und die Zeige- und Mittelfinger genommen und systematisch von oben nach unten abgetastet. Druck auf den Hoden verursacht normalerweise einen tiefen (viszeralen) Schmerz; deshalb darf nicht zu viel Druck ausgeübt werden. Achten Sie besonders auf Schwellungen bzw. Knoten (abklärungsbedürftiger Verdacht auf Hodentumor 17.8.5; Zystenbildung) und Berührungsempfindlichkeit (z. B. Hodentorsion 17.8.3) oder Druckschmerz (z. B. Hoden- und Nebenhodenentzündung 17.8.2). Lageanomalien des Hodens (17.8.1) können z. B. als sog. „leerer Hoden“ auffallen.
Inspektion der Vulva
Achten Sie bei der Inspektion:VulvaInspektion des weiblichen Genitale besonders auf folgende Auffälligkeiten:
  • Behaarungstyp: Auffällig starke Schambehaarung als Zeichen einer Virilisierung (Vermännlichung 18.4.4), verminderte oder fehlende Schambehaarung (Hormonstörung?).

  • Zeichen einer Infektion: Ansammlung kleiner Bläschen (Herpes genitalis 25.11.7); hartes, schmerzloses Geschwür (Syphilis 25.15.2); Warzen (z. B. Feigwarzen oder Condylomata acuminata 25.11.14); weißlicher Belag (z. B. Befall mit Candida albicans 25.11.11); auffälliger Fluor (z. B. Gonorrhö 25.15.3) oder gerötete Schleimhaut (Vulvitis 17.13.2).

  • Zysten- oder Abszessbildung: Kleine, feste, runde, zystische Knoten in den Labien, manchmal gelblich gefärbt, mit dunklem Punkt, der die blockierte Drüsenöffnung markiert sprechen für eine Talgdrüsenzyste (Steatokystom). Bei einer Bartholinitis (17.13.1) fällt eine schmerzhafte Schwellung einer Labie auf; die Stelle ist heiß, gerötet und sehr berührungsempfindlich.

  • Zeichen bösartiger Erkrankungen: Eine ulzerierte oder erhabene, rote Läsion (v. a. bei einer älteren Frau) kann ein Vulvakarzinom sein; sehr selten ist z. B. ein malignes Melanom (18.11.3) im Genitalbereich. Als Präkanzerose gilt eine Leukoplakie (18.10.2).

Palpation des Unterbauchs der Frau
Bei der Palpation des weiblichen Abdomens (3.5.9) kann eine Abwehrspannung (13.3.1) im Unterbauch unter anderem auch auf Erkrankungen der Genitalorgane hinweisen, z. B. auf eine Eileiterentzündung (17.11.1), eine Ruptur oder Stieldrehung einer Eierstockzyste (17.11.2), eine Kolpitis (17.3.2), eine Endometritis oder Myometritis (beide 17.12.5) oder eine Extrauteringravidität (27.2.5).
Untersuchung der weiblichen Brust
Verhalten Brust:UntersuchungSie sich bei der Untersuchung der weiblichen Brust besonders behutsam und respektvoll Ihrer Patientin gegenüber. Untersuchen Sie jedoch aus falsch verstandenem Taktgefühl nicht oberflächlich.
Inspektion
Die Patientin sollte zunächst stehen, die Arme hängen lassen und dann langsam heben und hinter dem Kopf verschränken. Nochmalige Inspektion im Liegen. Achten Sie auf Größen- und Formungleichheiten der Brüste und Brustwarzen sowie auf Hautveränderungen, z. B. Rötungen, Vorwölbungen, Einziehungen, Orangenhaut.
Palpation
Zuerst Palpation:weibliche Brustpalpieren Sie mit beiden Händen vorsichtig den Drüsenkörper bei der stehenden Patientin. Dann sollte sie sich hinlegen und die Arme in den Nacken nehmen. Weil die Brust dadurch gleichmäßig auf der Brustwand liegt, sind Knoten und Verhärtungen leichter zu entdecken. Bitten Sie die Patientin, Schmerzen sofort zu äußern.
  • Palpieren Sie mit den mittleren drei Fingern gegen die Thoraxwand; dabei wird jeder Quadrant der Brust systematisch von außen nach innen getastet.

  • Dann palpieren Sie das Gebiet hinter der Brustwarze.

  • Suchen Sie mit dem Jackson-Test nach dem Jackson-TestPlateauphänomen: Plateauphänomen, BrustNormalerweise wölbt sich die Brusthaut über einem tastbaren Knoten vor, wenn sie zwischen zwei Fingern oder den Händen vorsichtig zusammengeschoben wird. Bei einem bösartigen Tumor kann es zur Entrundung der Brust (Plateaubildung) kommen, bei der eine Hauteinziehung sichtbar wird (positiver Jackson-Test Abb. 17.25).

  • Nach Vorankündigung drücken Sie die Brustwarze zwischen Daumen und Zeigefinger und achten auf Absonderungen.

  • Palpation der Lymphknotenregionen (3.5.6): Tasten Sie in den Achselhöhlen, ober- und unterhalb des Schlüsselbeins sowie am Hals, um vergrößerte Lymphknoten, z. B. durch Metastasen bei Brustkrebs, zu erfassen.

Merke

Selbstuntersuchung Brust

Im Rahmen Ihrer Sorgfaltspflicht sollten Sie jeder Patientin empfehlen, einmal monatlich ihre Brust selbst zu untersuchen, möglichst direkt nach der Menstruation, wenn das Brustgewebe locker ist. Erklären Sie ihr ggf. die Untersuchungstechnik (Abb. 17.16).

Naturheilkundliche Diagnostik

Bei allen Erkrankungen der Geschlechtsorgane ist aus Gründen der Sorgfaltspflicht eine fachärztliche Abklärung erforderlich! Doch ist es im Sinne einer ganzheitlichen Medizin wichtig, Störungen im Hormonhaushalt der Patienten zu erkennen. Hier gibt es im Rahmen der naturheilkundlichen Diagnosemethoden zahlreiche Hinweiszeichen.

Antlitzdiagnose

Störungen der Genitalorgane sind vorzugsweise im Gesicht, im Bereich von Mund und Kinn, zu erkennen. Unreine Haut, Pickel (besonders im Kinnbereich) und Verfärbungen können hormonelle Störungen anzeigen. Ein zuverlässiger Hinweis für die nachlassende Östrogenproduktion sind kleine Steilfalten über der Oberlippe. Auch die Verminderung der seitlichen Augenbrauen (DD: Schilddrüsenunterfunktion) ist im Zusammenhang mit Östrogenmangel zu beobachten. Die Oberlippenbehaarung bei Frauen kann auf eine Unterfunktion der Eierstöcke hinweisen.
Nach Ferronato liegt am medialen Ziliarrand des Unterlids eine winzige Stelle, die den Zustand von Ovarien und Hoden widerspiegelt. Senkrecht darunter liegen Korrespondenzzonen der Ei- bzw. Samenleiter. Sind diese Zonen rötlich verfärbt, kann ein entzündlicher Prozess vorliegen, während eine blasse Haut auf eine Insuffizienz hinweist. Dunkle Verfärbungen sind im Zusammenhang mit organischen Schäden zu beobachten. Unterhalb und neben des lateralen Ziliarrands findet sich eine Zone, die mit Myomen bzw. der Prostata korrespondiert.

Iridologie

Der Uterus- und Ovarsektor sind in der rechten und linken Iris zwischen 23 Min. und 37 Min. lokalisiert (Abb. 17.17). In der rechten Iris liegt der Uterussektor bei 23 Min., der Ovarsektor bei 37 Min. In der linken Iris ist der Uterussektor bei 37 Min., der Ovarsektor bei 23 Min. zu sehen. Dunkle Zeichen, z. B. graue bis dunkle Wische, Wolken oder Linien, treten im Zusammenhang mit einer Unterfunktion oder Organschwäche auf, während helle, weiße Zeichen auf akute, entzündliche Prozesse, z. B. im Uterussektor auf Fluor, hinweisen können.
Achten Sie besonders auf das hypophysäre Zeichen, eine Lakune bei 60 Min. (im Hypophysenbereich), die eine übergeordnete hormonelle Störung anzeigen kann.
Bei Dysmenorrhö finden Sie in der Iris häufig helle Zirkulärfurchen oder Reizfasern, die als Zeichen einer spastischen oder larviert-tetanischen Diathese auf eine Tendenz zu körperlichen oder seelischen Spannungszuständen und auf funktionelle Beschwerden (z. B. depressive Verstimmungen, Erkrankungen der Schilddrüse, Krämpfe und Koliken besonders im Abdomen) hinweisen.
Die Brustdrüsen (Mammae) sind in der rechten Iris zwischen 40 Min. und 45 Min. und links zwischen 20 Min. und 25. Min lokalisiert.

Segmentdiagnose

Die Head-Zonen von Uterus, Adnexen, Hoden und Nebenhoden liegen in den Segmenten Th 11–L 3 (Abb. 17.18). Achten Sie auf Verquellungen sowie auf eine gesteigerte Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit.

Störfelddiagnose

Klären Sie ab, ob potenzielle Störfelder (z. B. vereiterte Nasennebenhöhlen, Zähne, Mandeln) vorliegen, die den Krankheitsverlauf bestimmen. Achten Sie auf operationsbedingte Narben im Bereich des Unterbauchs oder Nabelpiercing, die den Energiefluss in den Meridianen unterbrechen können.

Schulmedizinische Diagnostik

Untersuchung der Geschlechtsorgane des Mannes
Die Diagnostik, schulmedizinische:GeschlechtsorganeUntersuchung der Geschlechtsorgane des Mannes beinhaltet die Inspektion der Genitalorgane, die Palpation der Hoden, der Nebenhoden, des Hodensacks und des Penis sowie die rektale Untersuchung der Prostata.
Neben den Blut- und Urinuntersuchungen gehören zu den einfachen technischen Untersuchungsmöglichkeiten die Sonografie der Prostata (abdominal oder transrektal), der Hoden, Nebenhoden und Schwellkörper des Penis. Technisch aufwändigere und oft für den Patienten belastendere Untersuchungen richten sich nach der speziellen Fragestellung (z. B. urodynamische Untersuchungen bei Verdacht auf Prostatahyperplasie, CT und MRT bei Tumorverdacht, Sterilitätsdiagnostik, Prostatabiopsie zur histologischen Abklärung einer Prostatavergrößerung oder -verhärtung).
Untersuchung der Geschlechtsorgane der Frau
Die gynäkologische Untersuchung beinhaltet die Inspektion der Vulva, die Spekulumuntersuchung (lat. speculum =Spekulumuntersuchung Spiegel) die der Entfaltung der Vagina und der Darstellung des Muttermunds dient, evtl. die Entnahme eines Abstrichs von Zervix, Muttermund oder Vagina, die Kolposkopie (Betrachtung des KolposkopieMuttermunds unter 6- bis 40-facher Lupenvergrößerung) sowie die manuelle vaginale und rektale Untersuchung.
In der gynäkologischen Diagnostik sind neben der körperlichen Untersuchung v. a. die bakteriologische und zytologische Untersuchung der Abstriche sowie die Sonografie von Bedeutung. Beim zytologischen Abstrich werden nach der Papanicolaou-Färbung (kurz Pap) die Papanicolaou-FärbungZellen des Abstrichs auf entartungsverdächtige Zellveränderungen oder Tumorzellen untersucht. Die Sonografie kann durch die Bauchdecken (transabdominal) oder durch die Vagina (transvaginal) erfolgen und erlaubt eine Beurteilung der Gebärmutter, der Eileiter und der Eierstöcke.
Zur apparativen Untersuchung der Brust wird nach wie vor v. a. die Mammografie eingesetzt, oft in Kombination Mammografiemit der Sonografie. Die Mammografie ist eine spezielle Röntgenaufnahme zur Darstellung der Brust (3.9.2). Sie dient in erster Linie der Früherkennung und Abklärung brustkrebsverdächtiger Veränderungen.
Während gutartige Knoten glatt begrenzt sind, weisen Karzinome oft Ausläufer in die Umgebung („Krebsfüßchen“) und viele kleine Verkalkungen auf (Mikrokalk). Die Mammografie wird zunehmend auch als Screening-Untersuchung (Reihenuntersuchung) bei beschwerdefreien Frauen eingesetzt. Eine einmalige Basismammografie sollte als „Ausgangsbild“ ab dem 30. Lebensjahr durchgeführt werden. Ab dem 50. Lebensjahr werden Routine-Kontrollen alle 2 Jahre empfohlen. Bei Risikofaktoren (Brustkrebs bei engen Verwandten oder in der anderen Brust) gelten jährliche Kontrollen als empfehlenswert. Bei unklaren Brustveränderungen ist stets eine sofortige Mammografie erforderlich, auch wenn die letzte Kontrolle noch nicht lange zurückliegt.
Inwieweit hochauflösender Ultraschall in den nächsten Jahren die Mammografie nicht nur ergänzen, sondern ersetzen wird, bleibt abzuwarten.
Mammografiegegner, die strahlenbedingte Langzeitschäden befürchten weisen darauf hin, dass die Mammografie erst Veränderungen ab ca. 1 cm Größe erfasst und bei Karzinomen ohne Kalkablagerungen unauffällig sein kann. Sie empfehlen die regelmäßige, sorgfältige Selbstuntersuchung der Brust. Diese alleine kann jedoch gerade bei größeren Brüsten und fibrös-zystischer Mastopathie sehr unsicher sein. Am sinnvollsten erscheint es, die Situation der Patientin und die Risiken abwägend, verschiedene Methoden der Tumorerkennung anzuwenden.
Weitere konventionelle Röntgenverfahren in der Gynäkologie sind die Galaktografie (Darstellung derGalaktografie Milchgänge durch Injektion von Kontrastmittel) und die HysterosalpingografieHysterosalpingografie (Röntgenkontrastdarstellung der Gebärmutterhöhle und der Eileiter). CT und MRT werden bei Tumorverdacht angeordnet.
An Blutuntersuchungen werden in der Gynäkologie häufig durchgeführt (31.4): Blutbild, CRP, Überprüfung spezieller Tumormarker, serologische Untersuchungen zum indirekten Erregernachweis bei Verdacht auf HIV-Infektion oder Syphilis, β-HCG besonders bei Verdacht auf Schwangerschaft. Urinuntersuchungen dienen v. a. der Feststellung einer Schwangerschaft und der differenzialdiagnostischen Abklärung von Unterbauchschmerzen.
Invasive Untersuchungsmethoden sind in der Gynäkologie häufig notwendig. Sie dienen einerseits der Abklärung von Beschwerden und ermöglichen andererseits oft die gleichzeitige Behandlung. Die Laparoskopie (BauchspiegelungLaparoskopie) erlaubt eine direkte Betrachtung der inneren Geschlechtsorgane. Therapeutisch kann die Laparoskopie zur Entfernung gutartiger Tumoren, zum Ausschälen von Zysten, zur Entfernung oberflächlicher Endometrioseherde, zum Lösen von Verwachsungen oder zur Durchführung einer Sterilisation eingesetzt werden. Durch die Hysteroskopie, die Spiegelung Hysteroskopieder Gebärmutterhöhle, können Verklebungen, Myome oder Polypen diagnostiziert und oft auch entfernt werden.
Besteht der Verdacht auf ein Karzinom in der Gebärmutterhöhle, wird die gesamte Funktionalis durch eine Abrasio (Abrasio uteri, Kürettage, AbrasioAusschabung) abgetragen und histologisch untersucht. Therapeutisch wird eine Abrasio z. B. bei Gebärmutterpolypen oder nach einer Fehlgeburt eingesetzt. Bei einem mit bloßem Auge sichtbaren Tumor der Vulva, Vagina oder Zervix kann Material für die histologische Untersuchung durch eine einfache Knips- oder Stanzbiopsie gewonnen werden. Mit der Konisation werden Konisationkarzinomverdächtige Befunde des Gebärmutterhalses abgeklärt. Der Arzt schneidet unter Vollnarkose ein kegelförmiges Gewebestück (griech. konos = Kegel) aus der Portio heraus und schickt es zur histologischen Untersuchung.

Achtung

Bei allen Leitsymptomen der Geschlechtsorgane ist eine ärztliche Abklärung unbedingt erforderlich. Überweisen Sie Ihre Patientin zum Gynäkologen und Ihren Patienten zum Urologen oder Hausarzt. Bei sexuell übertragbaren Erkrankungen (25.15) besteht für Heilpraktiker Behandlungsverbot (2.4.8).

Checkliste zur Anamnese und Untersuchung bei Verdacht auf Erkrankungen der Geschlechtsorgane

  • Anamnese: Häufigkeit des Wasserlassens, Schmerzen beim Wasserlassen, unwillkürlicher Urinabgang, bei Männern Abschwächung des Harnstrahls, bei Frauen genaue Zyklusanamnese, Vorerkrankungen, Begleiterkrankungen, genaue Medikamentenanamnese

  • allgemeine Inspektion: Formveränderungen, Hautveränderungen der Brust, ggf. Inspektion der Vulva bzw. des Penis und der Hoden

  • Palpation: Brust und zugehörige Lymphknotenstationen, Abdomen (Druckschmerz? Stand der Harnblase?), Leistenlymphknoten, ggf. Prostata oder Hoden

  • Blutlabor: Hormonstatus, BSG, Virusserologie (v. a. auch HIV), β-HCG

  • Harnlabor: Urinstatus

  • apparative Diagnostik: Sonografie (Eierstöcke, Gebärmutter, Hoden, Prostata, Brust), Mammografie, Galaktografie, CT, MRT, Hysterosalpingografie, Hysteroskopie, Abrasio (Ausschabung), Biopsie

  • Antlitzdiagnose: nach Bach bräunliche Pigmente und/oder Verdickungen seitlich und unterhalb der Unterlippe als Hinweis auf Genitalerkrankungen; Steilfalte über der Oberlippe, Verminderung der Augenbrauen lateral oder Oberlippenbehaarung bei Östrogenmangel bei Frauen. Nach Ferronato Rötung am medialen Ziliarrand und senkrecht darunter bei Entzündungen der Geschlechtsorgane

  • Iridologie: dunkle Zeichen im Uterus- und Ovarsektor bei Unterfunktion oder Schwäche der Geschlechtsorgane, helle Zeichen bei entzündlichen Prozessen; eine Lakune bei 60 Min. bei übergeordneten hormonellen Störungen

  • Segmentdiagnose: Hautveränderungen und gesteigerte Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit in den Segmenten Th 11–L 3

  • Störfelddiagnose: potenzielle Störfelder (z. B. vereiterte Nasennebenhöhlen, Zähne, Mandeln) abklären

Leitsymptome und Differenzialdiagnose

Störungen der Sexualität

Sexuelle Störungen: meist keine organische, sondern psychische Störung der Libido (lat. = Lust), der Potenz oder der sexuellen Erregbarkeit.

Sexualität:Störungen Findet sich keine körperliche Ursache für die sexuelle Störung, können oft psychotherapeutische Behandlungsmethoden dazu beitragen, dass der Patient zu einem erfüllten sexuellen Erleben findet.
  • Impotenz ist ein Sammelbegriff für die Unfähigkeit Impotenzzur Fortpflanzung, im eigentlichen Sinne bezeichnet sie das Unvermögen, den Geschlechtsakt auszuüben.

  • Erektionsstörungen, also die fehlende oder für denErektionsstörungen Geschlechtsverkehr unzureichende Versteifung des Penis (Impotentia coeundi), können begleitend bei zahlreichen organischen Erkrankungen auftreten.

  • Ejakulationsstörungen: Es werden drei FormenEjakulation:Störungen unterschieden: Der vorzeitige Samenerguss (Ejaculatio praecox), also der Samenerguss vor (Ejaculatio praecoxEjaculatio ante portas) oder unmittelbar nach Einführen des Gliedes, und die relativ seltene verspätete (Ejaculatio retardat) oder ausbleibende Ejakulation sind meist psychisch bedingt. Die retrograde Ejakulation tritt fast nur nach Prostata-OP aufEjakulation:retrograde; hier erfolgt der Samenerguss in die Harnblase.

  • Priapismus: Eine länger als drei Stunden Priapismusbestehende schmerzhafte Dauererektion ohne sexuelle Erregung. Sie muss sofort vom Arzt behandelt werden, da sie sonst zu Thrombose, Fibrose oder Impotenz führen kann.

  • Libidomangel: Es fehlt der Drang nach sexueller LibidomangelBetätigung. Wie die Orgasmusstörungen ist er am ehesten auf eine psychosexuelle Hemmung zurückzuführen, mitunter auch auf organische Hintergründe, z. B. bei schweren Krankheiten oder nach OP im Genitalbereich.

  • Anorgasmie: Unfähigkeit, zum Orgasmus zu gelangen.Anorgasmie Bei primärer Anorgasmie wurde noch nie ein Orgasmus erlebt; sekundäre Anorgasmie besteht nur in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Partnern. Orgasmusstörungen der Frau nannte man früher Frigidität.

  • Vaginismus (FrigiditätScheidenkrampf): Vaginismusmeist Folge psychosexueller ScheidenkrampfKonflikte; die Frau verkrampft so stark, dass der Penis nicht eindringen kann.

  • Dyspareunie (17.6.7): schmerzhafter DyspareunieGeschlechtsverkehr, hier liegen eher organische Ursachen zugrunde.

Erektionsstörungen

Erektionsstörungen (Impotentia coeundi, Impotenz, erektile Dysfunktion): fehlende oder für den Geschlechtsverkehr unzureichende Versteifung des Penis bei sexueller Erregung.

Erektion:StörungenErektionsstörungen sind in ca. 40–50 % der Fälle psychisch bedingt. Mangelndes Selbstwertgefühl, berufliche Belastung oder Konflikte mit der Partnerin setzen oft einen Teufelskreis in Gang, aus dem der Patient alleine nicht mehr herausfindet. Die Diagnose ist eine Ausschlussdiagnose, die Behandlung umfasst verschiedene psychotherapeutische Verfahren wie z. B. Verhaltens-, Gesprächs- und Sexualtherapie (26.16).
Schätzungsweise 50–60 % der Fälle sind auf körperliche Ursachen zurückzuführen. Dabei stehen im Vordergrund:
  • medikamentös-toxische Ursachen: z. B. Alkohol- und Nikotinabusus, aber auch Betablocker in der Hypertonietherapie

  • Gefäßerkrankungen, z. B. Arteriosklerose

  • hormonelle Störungen

  • neurologische Ursachen: v. a. Multiple Sklerose, diabetische Polyneuropathie und Querschnittslähmungen

Die Diagnose wird durch Anamnese, körperliche Untersuchung und spezielle technische Untersuchungen gestellt, z. B. Doppler- und Duplexsonografie der Penisarterien.
Eine ursächliche Behandlung der organisch bedingten Impotenz, z. B. durch mikroskopische Operationen zur Durchblutungsverbesserung ist nur selten möglich. Zur medikamentösen Behandlung stehen v. a. das über zentrale Mechanismen gefäßerweiternde Yohimbin (z. B. Yohimbin „Spiegel“®) und das bei Bedarf einzunehmende, peripher angreifende Sidenafial (Viagra®, nicht bei Einnahme von Nitraten) zur Verfügung. Yohimbin wird aus der Rinde eines tropischen Baumes (Corynanthe yohimbe) isoliert und ähnelt in seiner Struktur dem Blutdrucksenker Reserpin. Bei der empfohlenen Dosierung sind die Nebenwirkungen gering. Gelegentlich treten Schwindel, Erbrechen, Nervosität oder Ausschläge auf und das Reaktionsvermögen kann beeinträchtigt werden. Patienten mit Depressionen oder niedrigem Blutdruck dürfen das Medikament nicht einnehmen. Bei Überdosierung treten Erregungszustände, epileptische Anfälle, Bewusstlosigkeit, Blutdrucksteigerung, Herzrasen, Harnverhalt, Angst und Halluzinationen auf.

Menstruationsstörungen

Menstruationsstörungen: Abweichungen von der normalen Blutungsdauer, Blutungsstärke und Blutungshäufigkeit; können sowohl organisch als auch psychisch bedingt sein.

Eine Übersicht überMenstruation:Störungen die wichtigsten Zyklusstörungen gibt Abb. 17.19. Neben den dort genannten gynäkologischen Ursachen können auch Allgemeinerkrankungen wie z. B. Gerinnungsstörungen zu vaginalen Blutungen führen.
Als Amenorrhö wird das Ausbleiben der Menstruationsblutung Amenorrhöbezeichnet.
  • Primäre Amenorrhö: Die Regelblutung hat auch im Laufe des 16. Lebensjahrs noch nicht eingesetzt. Mögliche Ursachen: z. B. funktionsunfähige Eierstöcke, Störungen im Regelkreis von Hypothalamus und Hypophyse, Chromosomenstörungen sowie eine Atresie (angeborener Verschluss) der Gebärmutter oder der Vagina.

  • Sekundäre Amenorrhö: Die Regelblutung bleibt nach vorher normalen Zyklen mindestens drei Monate lang aus. Physiologisch ist eine Amenorrhö während der Schwangerschaft und in der Stillzeit. Weitere Ursachen sind z. B. körperliche oder psychische Belastungen, Magersucht, hormonelle Störungen, bestimmte Ovarialtumoren sowie Störungen im Bereich des Hypothalamus und der Hypophyse.

Als Dysmenorrhö werden starke, krampfartige Schmerzen im Unterleib Dysmenorrhöunmittelbar vor und während der Menstruation bezeichnet. Häufig besteht gleichzeitig ein allgemeines Krankheitsgefühl.
  • primäre Dysmenorrhö: besteht von der Menarche an

  • sekundäre Dysmenorrhö: tritt später im Leben auf

Sowohl die primäre als auch die sekundäre Dysmenorrhö können organisch bedingt sein. Bei der primären Dysmenorrhö wird v. a. eine gesteigerte Prostaglandinbildung im Endometrium diskutiert, die zu verstärkten Uteruskontraktionen und Durchblutungsstörungen führt. Der sekundären Dysmenorrhö liegt häufiger als früher angenommen eine Endometriose (17.12.5) zugrunde. Auch psychische Faktoren spielen eine Rolle.
Eine Zwischenblutung (Zusatzblutung zwischen zwei Regelblutungen) oder Schmierblutung (Spotting) muss wie alle Menstruationsstörungen durch den Arzt abgeklärt werden. Regelmäßig auftretende Zwischenblutungen, z. B. vor bzw. nach der Menstruation oder zum Zeitpunkt des Eisprungs, können auf hormonelle Störungen hindeuten. Auch bei der Einnahme mancher Pillenpräparate kann es v. a. am Anfang zu Schmierblutungen kommen, die sich dann meist wieder normalisieren.

Achtung

Zyklusunabhängige Zusatz- oder Schmierblutungen können Anzeichen einer gestörten Schwangerschaft oder eines Karzinoms sein.

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) gehört zu den prämenstruelles Syndrom (PMS)Menstruationsstörungen im Syndrom:prämenstruellesweiteren Sinne. Die Patientinnen leiden kurz vor der Menstruation unter Gereiztheit, depressiver Verstimmung, Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden, verstärkter Ödembildung und Spannungsgefühl in den Brüsten. Unmittelbar nach dem Einsetzen der Regelblutung normalisiert sich das Befinden wieder. Als Ursache wird eine Störung des Progesteronstoffwechsels vermutet. Entsprechend besteht die schulmedizinische Therapie in einer Behandlung mit Progesteron vor der Regelblutung oder in der Wahl eines Ovulationshemmers mit hohem Gestagenanteil. Bei psychovegetativer Labilität der betroffenen Frau können psychotherapeutische Gespräche hilfreich sein.

Naturheilkundliche Therapie bei Menstruationsstörungen

Handbuch für die Naturheilpraxis 10.3.1

Menstruationsstörungen zeigen generell eine hormonelle Dysbalance an. Naturheilkundliche Therapieverfahren eignen sich sowohl zur Behandlung der subjektiven Beschwerden als auch zur Regulierung des hormonellen Geschehens.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Schröpfen und Baunscheidtieren der Genitalzone (Abb. 17.20), die im Winkel von LWS, Os sacrum und Os ilium, in Höhe von L 4 liegt, hat sich als wirkungsvoll erwiesen. Stellen Sie fest, dass die Genitalzone schlecht durchblutet ist, sich also energetisch in einem Leere-Zustand befindet, führt trockenes Schröpfen zur verbesserten Durchblutung des kleinen Beckens. Bei Verquellungen dieser Zonen, liegt ein Fülle-Zustand vor, und blutiges Schröpfen ist das Mittel der Wahl – vorausgesetzt die Patientin ist in einem guten Allgemeinzustand.
Beginnen Sie mit der Behandlung (2–3-mal/Woche) 10–14 Tage vor der zu erwartenden Regelblutung.

Ernährungstherapie

Empfehlen Sie Patientinnen, die an PMS leiden, leichte, salzarme, entblähende und entwässernde Kost, die aus frischem Obst und Gemüse, aus Getreide und Ballaststoffen besteht. So lassen sich östrogenbedingte, vor der Menstruation einsetzende Wassereinlagerungen günstig beeinflussen. Zu raten ist außerdem zu einem Obst- oder Reistag einige Tage vor Einsetzen der Menstruation. Zudem sollte v. a. ca. 10 Tage vor Einsetzen der Blutung der Alkohol- und Koffeinkonsum (Kaffee, Cola) deutlich eingeschränkt werden, da dadurch die Aufnahme von Magnesium und Vitamin B vermindert und das Spannungsgefühl in den Brüsten verstärkt werden kann.

Homöopathie

Bei akuten PMS-Beschwerden ist oft ein symptomatisches Mittel hilfreich, wie z. B. Magnesium phosphoricum (bei scharfen, blitzartig einschießenden Schmerzen, die sich durch Wärme und Zusammenkrümmen bessern), Chamomilla (bei kolikartigen Schmerzen und Abgang von dunklem, klumpigem Blut) oder Viburnum opulus (bei nach unten drängenden Schmerzen, die bis in die Oberschenkel ausstrahlen). Es gibt zahlreiche Komplexmittel, z. B. Magnesium phosphoricum Pentarkan®, Mulimen® oder Spascupreel® (Zäpfchen, Tbl.), die sich bewährt haben.
Die Wahl eines Konstitutionsmittels kann im beschwerdefreien Zeitraum erfolgen. Folgende Konstitutionsmittel können, je nach vorhandenen Geistes- und Gemütssymptomen angezeigt sein: Belladonna, Chamomilla, Cimicifuga, Cocculus, Colocynthis, Crocus sativus, Lilium tigrinum, Magnesium carbonicum, Magnesium muriaticum, Magnesium phosphoricum, Nux moschata, Nux vomica, Platina, Pulsatilla, Sepia, Staphisagria, Thuja, Tuberkulinum.
Bei Amenorrhö kann Calcium carbonicum, Cyclamen, Graphites, Ignatia, Ferrum metallicum, Lycopodium oder Pulsatilla das Mittel der Wahl sein. Bei Menorrhagie und Hypermenorrhö ist v. a. an Cimicifuga, Crocus sativus, Ferrum metallicum, Phosphorus oder Tarantula zu denken. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes Mittel verweisen.
Eine bewährte Maßnahme aus der Biochemie nach Schüßler ist die sog. „Heiße 7“. Dazu werden 10 Tbl. Nr. 7 Magnesium phosphoricum in heißem Wasser aufgelöst und in kleinen Schlucken zu sich genommen.

Neuraltherapie

Im Bereich des Kreuzbeins und der Iliosakralgelenke wird gequaddelt, um die Schmerzen zu lindern und das hormonelle Geschehen zu regulieren. Dazu werden jeweils 5 Quaddeln ventral gesetzt: über der Symphyse, in Höhe von Kardinalgefäß 14 – und dorsal – über dem Iliosakralgelenk und dem Kreuzbein (Abb. 16.33).
Bei Erkrankungen der Genitalorgane muss oft die Schilddrüse mitbehandelt werden. Bei Dysmenorrhö und PMS kann oft mit einer Störfeldbehandlung vorzugsweise im Nasen-Rachen-Raum bei therapieresistenten Beschwerden der therapeutische Durchbruch erzielt werden.

Ordnungstherapie

Berücksichtigen Sie, dass durch die Menstruation immer auch das Thema „Frau sein“ und somit auch die Bereiche Partnerschaft und Sexualität (unbewusst) angesprochen sind. Gibt es Hinweise darauf, dass diesen Themen Raum gegeben werden muss, sollte eine Psychotherapie in Erwägung gezogen werden.
Bei Amenorrhö können situative Einflüsse wirksam werden, etwa die Auswirkung von Schreckmomenten, Angst oder Stress, ebenso die Erfahrung von Entwurzelung, die Trennung von vertrauten Personen sowie die Abwesenheit der vertrauten Umgebung. Eine Amenorrhö kann sich auch auf dem Hintergrund einer ambivalenten Haltung zwischen Ablehnung der eigenen Weiblichkeit und dem Wunsch eine Frau zu sein entwickeln. Bei Dysmenorrhö können sich Konflikte um die sexuelle Erfüllung, um das Gelingen einer Partnerbeziehung sowie die Einstellung zur und Erfüllung in der eigenen Weiblichkeit sehr deutlich manifestieren.

Orthomolekulare Therapie

Bei Amenorrhö kann die Gabe von Zink über mehrere Monate hilfreich sein. Bei PMS und Dysmenorrhö hat sich die Einnahme von Vitamin B6 (z. B. Bonasanit® oder Vit.-B6-Hevert® Tbl.) und Omega-6-Fettsäure als γ-Linolensäure (z. B. in Nachtkerzen- oder Borretschöl wie Neobonsen® Abb. 17.21) bewährt. Magnesiumpräparate, z. B. Magnesium Diasporal®, sind aufgrund ihrer spasmolytischen Wirkung ebenfalls zu empfehlen. Sie beeinflussen zudem den Prostaglandinstoffwechsel positiv. Mit der Einnahme sollte spätestens 10 Tage vor Beginn der zu erwartenden Menstruation begonnen werden.

Physikalische Therapie

Wärmeanwendungen im Bereich des Unterbauchs, wie z. B. eine Wärmflasche, feucht-warme Umschläge oder ein Heublumensack, wirken spasmolytisch und vegetativ ausgleichend.
Empfehlen Sie der Patientin auch durchblutungsfördernde bzw. entspannende und krampflösende Voll- oder Sitzbäder mit Rosmarin (Rosmarinus officinalis Abb. 11.31) bzw. Melisse (Melissa officinalis 13.40). Entspannend wirken auch ebenfalls ein Moorbad oder Einreibungen des Unterleibs mit Kupfer Salbe rot Wala®.
Empfehlen Sie den Patientinnen körperliche Bewegung in moderater Form auch während der Menstruation (z. B. Spazierengehen, orientalischer Tanz), da diese die Durchblutung verbessert und die Entspannung fördert. Frauen, die regelmäßig Sport treiben, leiden seltener an Dysmenorrhö und PMS. Regelmäßiges Beckenbodentraining ist zudem sehr empfehlenswert. Generell ist für warme Füße zu sorgen, da kalte Füße reflektorisch die Unterleibsdurchblutung vermindern.

Phytotherapie

Bei leichten gynäkologischen Blutungsstörungen (Menorrhagien, Metrorrhagien) wird vorzugsweise Hirtentäschelkraut (Bursae pastoris herba Abb. 17.22, z. B. Styptysat® Bürger Tbl.) eingesetzt. Dabei hat sich zur symptomatischen Behandlung v. a. die Tinktur (z. B. Bursae pastoris tinctura Rademacher 100 ml) bewährt, die bei beginnender Blutung (10–20 ml) und als zweite Gabe nach ca. 15 Min. eingenommen wird. Die Blutung sollte nach 30 Min. „stehen“ bzw. normal sein.
Bei Menstruationsbeschwerden werden in erster Linie spasmolytisch (krampflösend) wirkende Heilpflanzen zur Behandlung von eingesetzt. So wirkt Gänsefingerkraut (Potentillae anserinae herba Abb. 17.37) direkt auf die glatte Muskulatur des Uterus. Ebenfalls spasmolytisch wirken Frauenmantelkraut (Alchemillae herba Abb. 17.30), Schafgarbenkraut (Millefolii herba) und Kamillenblüten (Matricariae flos Abb. 13.39), die traditionell bei schmerzhafter Menses angewendet werden. Beachten Sie, dass mit der Einnahme mindestens eine Woche vor Einsetzen der Menstruation begonnen werden sollte.
Mönchspfefferfrüchte (Agni casti fructus, Abb. 17.23), auch Keuschlamm genannt, bewirken eine Normalisierung der Zyklusfunktion sowie eine Harmonisierung von Verstimmungszuständen (z. B. Angst- und Depressionszustände, Unruhe). Es wird angenommen, dass Mönchspfeffer auf die Hypophyse wirkt. Die Pflanze hat sich v. a. bei Mastodynie, prämenstruellem Syndrom und Regeltempoanomalien bewährt, z. B. Agnolyt® oder Castufemin®. Die Präparate müssen über mehrere Monate eingenommen werden.

Traditionelle Chinesische Medizin

Aus Sicht der TCM entsteht Dysmenorrhö infolge einer Behinderung des Qi- und des Blutflusses, die durch Fülle- oder Mangel-Syndrome hervorgerufen werden. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Schmerzsymptomatik, Blutungsstärke, Blutungsdauer sowie nach Puls- und Zungenbefund. Die Behandlung erfolgt etwa über drei Monatszyklen. Therapiebeginn ist jeweils eine Woche vor der bevorstehenden Menstruation mit ein- oder zweitägigen Sitzungen, bis die akuten Beschwerden nachlassen.
Verschiedene Syndrome wie Blut-Hitze, Blut-Kälte oder eine Leber-Qi-Depression können zu Abweichungen von der normalen Menstruationsdauer, -stärke und -häufigkeit führen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach der Pathogenese, Art der Blutung, Begleitsymptomen sowie nach Puls- und Zungenbefund.

Fluor

Fluor (Fluor genitalis, Fluor vaginalis, Ausfluss): physiologische oder pathologische Vaginalsekretion.

Ein leichter, farb- und Fluorgeruchloser, glasig-schleimiger Ausfluss ist normal. Er hält die Scheide feucht und schützt vor dem Eindringen von Bakterien und Pilzen. Dieser normale Ausfluss verstärkt sich bei sexueller Erregung, in der Zyklusmitte (periovulatorischer Fluor) und in der Schwangerschaft, aber gelegentlich auch bei psychischer Belastung.
Pathologischer Fluor (z. B. gelb-grünlicher oder fischartig riechender Ausfluss) ist ein häufiges Symptom in der Gynäkologie und ruft bei den betroffenen Patientinnen oft ein starkes Unsicherheitsgefühl hervor. Mögliche Ursachen (Abb. 17.24) eines pathologischen Fluors sind z. B. Infektionen oder Tumoren der weiblichen Geschlechtsorgane sowie Fremdkörper in der Vagina. Bei Fisteln (durch Krankheitsprozesse entstandene Verbindungsgänge) zwischen Harnwegen oder Darm und Vagina kann der Fluor sogar Urin- bzw. Stuhlbeimengungen enthalten, was für die Patientin oft sehr belastend ist (z. B. bei Morbus Crohn oder Tumoren).
Aus Aussehen und Konsistenz des Fluors sind oft bereits erste Rückschlüsse auf die Ursache möglich (Tab. 17.2).

Achtung

Berichtet die Patientin von blutigem oder fleischwasserfarbenem Fluor, besteht dringender Verdacht auf ein Gebärmutterkarzinom. Überweisen Sie sie umgehend zum Gynäkologen.

Unterbauchschmerzen bei der Frau

Unterbauchschmerzen können durch gynäkologische oder nichtgynäkologische Ursachen bedingt sein (Tab. 17.3). Bei unklaren Unterbauchschmerzen ist die Ursachenklärung oft schwierig. Unterschieden werden:
  • akute Unterbauchschmerzen, z. B. durch eine Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) oder Appendizitis

  • chronische Unterbauchschmerzen (Ursachen oft schwierig herauszufinden)

Akute Unterbauchschmerzen können das Symptomenbild des akutenSchmerz(en):Unterbauch, Frau Abdomens (30.11) darstellen. Entsprechend müssen Sie die Anamnese und die Untersuchungen schnell und sicher durchführen, um das weitere Vorgehen einschätzen zu können.

Achtung

Bei akuten starken Unterbauchschmerzen überweisen Sie die Patientin sofort zu ihrem Hausarzt oder rufen Sie evtl. sogar den Notarzt.

Bei der Diagnostik helfen besonders folgende Fragen:
  • Wann war die letzte Menstruation? Schmerzen kurz nach Ausbleiben der Menstruation können z. B. durch eine Extrauteringravidität bedingt sein.

  • Sind die Schmerzen zyklus- oder situationsabhängig? Die Beschwerden bei der Endometriose sind z. B. zyklusabhängig, Unterbauchschmerzen durch rezidivierende Harnblasenentzündungen jedoch nicht.

  • Welchen Charakter hat der Schmerz? Beispielsweise sind die Schmerzen bei Stieldrehung einer Ovarialzyste häufig kolikartig.

  • Sind die Schmerzen langsam oder rasch entstanden? Der Schmerz bei Perforation einer Extrauteringravidität setzt meist plötzlich ein, der Schmerz bei einer Endometriose oder Eileiterentzündung langsam über Stunden.

  • Bestehen zusätzlich Begleitsymptome wie eine vaginale Blutung oder Fieber? Beide können auf eine Eileiterentzündung hinweisen.

Bei chronischen Unterbauchschmerzen ist eine eindeutige Diagnosestellung ebenfalls sehr schwierig, zumal häufig mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen. Überweisen Sie die Patientin zur Diagnosesicherung zu ihrem Hausarzt bzw. Gynäkologen.

Beschwerden im Bereich der weiblichen Brust

Knoten in der Brust
Ein Knoten in der Brust wird meist von der Patientin selbst entdeckt, gelegentlich ist er aber auch ein Zufallsbefund bei der körperlichen Untersuchung.
  • Druckschmerzhafte Knoten können z. B. bei einer Mastitis (Brustdrüsenent zündung) auftreten. Auch Zysten im Brustdrüsenkörper und die Mastopathie sind häufig mäßig druckschmerzhaft.

  • Nicht schmerzhafte Knoten können einem gutartigen (z. B. Fibroadenom), aber auch einem bösartigen Tumor entsprechen. Einen ersten Hinweis kann der Jackson-Test geben (Abb. 17.25).

Achtung

Jeder Knoten in der Brust muss durch den Arzt abgeklärt werden. Besonders nicht druckschmerzhafte, derbe oder unregelmäßig begrenzte Knoten sind dringend karzinomverdächtig.

Schmerzen in der Brust
Ein schmerzhaftes Spannungsgefühl beider Brüste kurz vor der Menstruation wird als Mastodynie bezeichnet. Ihr kann z. B. eine Mastopathie (17.14.1) zugrunde liegen. MastodynieAuch Entzündungen, z. B. Brustdrüsenentzündungen beim Stillen, oder der Milcheinschuss nach der Geburt bereiten Schmerzen.
Von tastbaren Schmerzpunkten in der weiblichen Brust müssen andere, nicht eindeutig lokalisierbare Schmerzen des Brustkorbs abgegrenzt werden.
Ausfluss aus der Brustwarze
Bei Ausfluss (Sekretion) aus der Brustwarze (Mamille) werden ein spontaner Ausfluss Brust:Ausflussund ein provozierter Ausfluss unterschieden. Bei ca. 50 % der Frauen lässt sich durch Ausstreichen der Brust Richtung Mamille und abschließenden Druck auf den Bereich hinter der Mamille eine physiologische (nicht krankhafte) Sekretion provozieren.
Bei dem Ausfluss achten Sie auf die Farbe (rot, braun, milchig, wässrig, gelblich) und Beschaffenheit (Eiter, Sekret, Blut).
  • Beidseitiger Ausfluss aus den Mamillen weist auf eine Hormonstörung hin, z. B. einen erhöhten Prolaktinspiegel, er kann auch bei manchen Psychopharmaka (z. B. Neuroleptika) auftreten.

  • Einseitiger Sekretion liegen oft gut- oder bösartige Tumoren der Brust zugrunde, z. B. Milchgangspapillom.

Achtung

Jede Spontansekretion aus der Brustwarze außerhalb der Schwangerschaft und Stillzeit sowie jede provozierte Sekretion (bei Frauen über 40 Jahre) muss unbedingt gynäkologisch abgeklärt werden.

Hautveränderungen
Insbesondere einseitige Hautveränderungen der Brust, z. B. Hauteinziehungen, „Orangenhaut“ oder Schuppung und Juckreiz einer Brustwarze können auf eine bösartige Erkrankung der Brust hinweisen und müssen abgeklärt werden.
Tumor in der Axilla
Bei einer Schwellung in der Achselhöhle kann es sich um eine Schwellung der Lymphknoten handeln (reaktive Schwellung bei Mastitis 27.3.4, Metastasen) oder um eine Schwellung, die durch einen Schweißdrüsenabszess bedingt ist. Eine Abklärung der Ursache ist unbedingt erforderlich.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Schmerz(en):GeschlechtsverkehrDyspareunie) können psychische Ursachen haben, wie etwa eine Anspannung der Beckenmuskulatur zur Abwehr,Dyspareunie sind aber auch organisch bedingt, z. B. durch
  • Hauternährungsstörungen im Vulva- und Vaginalbereich, z. B. durch Östrogenmangel

  • Gewebsschäden nach Geburten oder Operationen

  • entzündliche Erkrankungen der Vulva, Vagina, Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke

  • Endometriose

  • Verwachsungen im kleinen Becken nach OP.

Auch ist daran zu denken, dass eine Dyspareunie zunächst organisch (z. B. postoperativ) ausgelöst und dann psychisch fixiert wurde (d. h., das Symptom besteht weiterhin, obwohl sich eigentlich keine organische Ursache mehr finden lässt, z. B. wenn die Vermeidung des Geschlechtsverkehrs der Patientin, wenn auch unbewusst, aus irgendeinem Grund von Vorteil scheint).

Ungewollte Kinderlosigkeit

In Deutschland bleibt jedes 7. Paar ungewollt Kinderlosigkeitkinderlos. Dabei liegt die Ursache zu je 30 % bei der Frau, beim Mann und bei beiden Partnern. In etwa 10 % bleibt die Ursache unklar.

Merke

Viele Paare in unserer Gesellschaft denken erst Anfang bis Mitte 30 an die Verwirklichung ihres Kinderwunsches. Die Fruchtbarkeit lässt jedoch auch bei gesunden Frauen jenseits des 30. Lebensjahrs deutlich nach.

Bei der Frau wird zwischen der Sterilität, d. h. dem Unvermögen, schwanger zu werden, und der Infertilität, d. h. dem Unvermögen, Sterilitätdie Schwangerschaft Unfruchtbarkeitauszutragen, unterschieden; beim Mann werden Infertilitätbeide Begriffe gleichgesetzt. Bei der primären Sterilität war die Frau noch niemals zuvor schwanger, während sie bei der sekundären Sterilität schon mindestens einmal schwanger war.
Auch bei einem gesunden Paar dauert es bei uneingeschränkter Möglichkeit zum Geschlechtsverkehr durchschnittlich vier Monate bis zur Empfängnis; ist die Frau über 30 Jahre alt, sogar sechs Monate. Daher ist eine weitergehende Sterilitätsdiagnostik in der Regel erst angezeigt, wenn es nach einem Jahr ungeschützten Geschlechtsverkehrs nicht zu einer Schwangerschaft gekommen ist.
Ungefähr der Hälfte aller ungewollt kinderlosen Ehen hilft eine Sterilitätsbehandlung, den Wunsch nach einem eigenen Kind zu erfüllen, wobei die Therapiemöglichkeiten der männlichen Infertilität unbefriedigender sind.
Sterilität des Mannes

Sterilität des Mannes (Impotentia generandi, Zeugungsunfähigkeit): Unfähigkeit eines Mannes, trotz normaler Erektion ein Kind zu zeugen.

Die Ursachen sind vielfältig:
  • medikamentös-Sterilität:Manntoxische Ursachen, z. B. Nikotin, Rauschgift, Alkohol, Medikamente wie Zytostatika und Beruhigungsmittel, Blei, Kadmium

  • Überwärmung des Hodens (durch Varikozele, Leistenhoden bei unvollständigem „Hodenabstieg“, zu enge Hosen, die den Hoden an den Körper pressen)

  • Erkrankungen der männlichen Geschlechtsorgane wie z. B. Hodenentzündungen, Prostatitis, Verklebungen nach Entzündungen von Hoden und Nebenhoden

  • hormonelle Ursachen

  • immunologische Ursachen, z. B. Autoantikörperbildung gegen das eigene Sperma

  • neurologische Erkrankungen wie Querschnittslähmung

  • Allgemeinerkrankungen wie schlecht eingestellter Diabetes mellitus

  • evtl. Zinkmangel (wird diskutiert)

  • genetische Ursachen (z. B. Klinefelter-Syndrom)

  • psychische Ursachen

Die ärztliche Diagnostik umfasst Anamnese, allgemeine körperliche Untersuchung einschließlich gründlicher Untersuchung des Genitales, Sonografie von Hoden und Nebenhoden, Untersuchung des Ejakulats (pH-Wert des Ejakulats, Spermiogramm mit Bestimmung der Spermienanzahl, -form, -beweglichkeit und biochemische Untersuchung des SpermiogrammSpermas), Urin- und Blutuntersuchungen sowie evtl. Hodenbiopsie.
Die Therapie und Prognose sind abhängig von der Ursache.
Sterilität der Frau
Ursachen der Sterilität
Nicht nur Veränderungen der Geschlechtsorgane, sondern auch Störungen übergeordneter Sterilität:FrauRegulationszentren im Gehirn oder Allgemeinerkrankungen beeinträchtigen die Fruchtbarkeit.
  • Bei der ovariell bedingten Sterilität kommt es durch Störungen der Ovarialfunktion zum Ausbleiben des Eisprungs (Anovulation) oder zu Funktionsstörungen des Gelbkörpers.

    • Von einer primären Ovarialinsuffizienz spricht man, wenn die Störung im Ovar selbst begründet ist, z. B. bei Fehlbildungen, genetischen Störungen.

    • Zur sekundären Ovarialinsuffizienz führen Störungen der Regulationszentren Hypothalamus und Hypophyse, z. B. durch prolaktinproduzierende Tumoren der Hypophyse, aber auch durch Stress und Partnerschaftskonflikte. Allein der Wunsch nach einem Kind mit entsprechend hohem Erwartungsdruck („Zeugungsstress“) kann zum Ausbleiben des Eisprungs führen.

  • Bei der tubar bedingten Sterilität liegt ein Verschluss oder eine Beweglichkeitsstörung der Eileiter (Tuben) vor. Häufige Ursachen sind frühere Eileiterentzündungen, Endometrioseherde oder Verwachsungen nach vorangegangenen Bauch-OP.

  • Bei der uterin bedingten Sterilität handelt es sich zumeist um eine Infertilität, die das Wachstum des Keims verhindert. Ursachen sind z. B. Myome, angeborene Fehlbildungen der Gebärmutter oder Verklebungen nach OP.

  • Bei der zervikal bedingten Sterilität vermögen die Samenzellen den Schleimpfropf vor dem Gebärmuttermund nicht zu durchdringen. Dies kann bedingt sein durch eine mangelnde Produktion von Zervixschleim (etwa bei Östrogenmangel), anatomische Veränderungen (z. B. nach einer Konisation), entzündliche Veränderungen (z. B. Infektionen) oder immunologische Faktoren (Antikörperbildung gegen das Sperma).

  • Auch Allgemeinerkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus, Magersucht oder Schilddrüsenstörungen beeinträchtigen die weibliche Fruchtbarkeit.

Sterilitätsdiagnostik und -therapie
Oft gibt bereits die Anamnese der Frau wichtige Hinweise für die Ursache der Sterilität: Beispielsweise weisen Zyklusstörungen auf anovulatorische Zyklen hin. Der Gynäkologe führt nach der normalen gynäkologischen Untersuchung eine vaginale Sonografie und Hormonbestimmungen durch. Zusätzlich führt die Patientin eine Basaltemperaturkurve (Abb. 17.15), die zeigt, ob ein Eisprung stattgefunden hat. Die Temperatur sollte nach dem Eisprung um ca. 0,5 °C ansteigen und dann mindestens 10–11 Tage deutlich erhöht bleiben. Hormonelle Funktionstests und v. a. invasive Untersuchungen wie Hysterosalpingografie, Hysteroskopie und Laparoskopie stehen am Ende der Untersuchungsreihe.
Die Behandlung ist von der Bauchspiegelung:UnfruchtbarkeitUrsache der Sterilität abhängig, mögliche Therapiemaßnahmen sind Zufuhr verschiedener Hormone, Mikrochirurgie bei Verklebungen des Eileiters, In-vitro-Fertilisation („Reagenzglasbefruchtung“) oder artifizielle Befruchtung:künstlicheInsemination (künstliches In-vitro-FertilisationEinbringen des Spermas in die Gebärmutterhöhle).

Naturheilkundliche Therapie bei ungewollter Kinderlosigkeit

Handbuch für die Naturheilpraxis 10.6.2

Zunächst müssen organische Ursachen ausgeschlossen werden, z. B. undurchlässige Eileiter, fehlender Eisprung, Infektionen oder eine gestörte Schilddrüsenfunktion bei der Frau und beim Mann keine ausreichende Samenproduktion, fehlende Beweglichkeit der Spermien, nicht durchlässige Samenleiter.

Naturheilkundliche Verfahren können eingesetzt werden, um direkt oder reflektorisch die Organe des kleinen Beckens zu tonisieren. Berücksichtigen Sie, dass bei einem nicht unerheblichen Teil der Frauen mit Fertilitätsproblemen eine Endometriose (17.12.5) zugrunde liegt.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Trockenes Schröpfen der Genitalzone, bei plethorischen Patienten blutiges Schröpfen, hat sich in der Erfahrungsheilkunde bewährt. Zudem kann es hilfreich sein, die Innenseiten der Oberschenkel in die Behandlung einzubeziehen. Eine Schröpfkopfmassage kann insgesamt eine Tonisierung und vegetative Umstimmung bewirken.

Homöopathie

In diesem Fall ist eine konstitutionelle Behandlung vorteilhaft. Folgende Konstitutionsmittel können angezeigt sein: Calcium carbonicum, Causticum, Cocculus, Ignatia, Lachesis, Mercurius solubilis, Natrium muriaticum, Nux vomica, Pulsatilla, Platina, Sepia, Thuja, Tuberkulinum. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes Mittel verweisen.

Neuraltherapie

Auch chronische Störfelder (z. B. Kaiser- oder Dammschnittnarben, chronische Mandelentzündung, wurzeltote Zähne) können eine Unfruchtbarkeit hervorrufen. In diesen Fällen ist die Störfeldsanierung Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Ordnungstherapie

Wird der intensive Wunsch nach einem Kind nicht erfüllt, kann dies eine enorme seelische Belastung darstellen. Dies scheint in vielen Fällen die Fruchtbarkeit geradezu zu blockieren, denn oft kommt es gerade dann zu einer Schwangerschaft, wenn das Paar sich z. B. für eine Adoption entschieden hat oder seine Lebensplanung völlig ändert. Somit kann es auch in dieser Lebenssituation ratsam sein, einen evtl. zu verkrampften Wunsch loszulassen und sich gleichsam seinem „Schicksal“ hinzugeben.
Relativ häufig verringern Umweltbelastungen die Fruchtbarkeit. Besonders bedenklich sind in diesem Zusammenhang Blei (z. B. schlecht gebranntes Keramikgeschirr, Trinkwasserrohre), Quecksilber (z. B. Amalgam in Zahnfüllungen, Unkrautvernichtungsmittel) und Kadmium (z. B. aus Müllverbrennungsanlagen, Meeresfrüchten, Innereien), aber auch PCP und Lindan (z. B. in Holzschutzmitteln). Werden z. B. bei einer Blutuntersuchung erhöhte Schadstoffwerte nachgewiesen, sollte unbedingt eine Ausleitung unter Laborkontrolle erfolgen. Auch Rauchen kann sich ungünstig auf die Fruchtbarkeit auswirken. Empfehlen Sie Ihren Patientinnen bei Bedarf Luna-Yoga, das einen besonderen Bezug zum Hormonhaushalt und zum kleinen Becken besitzt.

Orthomolekulare Therapie

Frauen mit Kinderwunsch sollten schon vor Eintritt der Schwangerschaft auf eine gute Folsäureversorgung achten. Achten Sie außerdem auf den Zinkstatus, denn ein Zinkmangel kann die Fruchtbarkeit bei Männern und Frauen beeinträchtigen.
Berücksichtigen Sie auch, dass bei Frauen, die lange Zeit die Pille genommen haben, häufig ein Mangel an Folsäure und Vitamin B2, B6 und B12 sowie Zink und Magnesium besteht.
Zu empfehlen sind folgende Nährstoffe:
  • Frau: Folsäure, Zink, Vit. B6, Vitamin-B-Komplex

  • Mann: Zink, Vitamin C, Multimineral-Präparat (Selen, Chrom), L-Arginin, Folsäure, γ-Linolensäure

Physikalische Therapie

Um die Durchblutung zu fördern, sind Teilwaschungen, ansteigende Sitzbäder und Moorbäder günstig. Ein Kuraufenthalt in einem Moorbad kann zusätzlich hilfreich sein. Die manuelle Lymphdrainage, über 3–4 Wochen durchgeführt, kann hilfreich sein, um den Lymphabfluss im Becken zu steigern. Zur reflektorischen Anregung des kleinen Beckens haben sich ergänzend Reibesitzbäder (nach Kühne) in der häuslichen Anwendung bewährt.

Phytotherapie

Bei Gelbkörperinsuffizienz ist die kurmäßige Einnahme von phytotherapeutischen Zubereitungen aus Mönchspfefferfrüchten (auch Keuschlamm genannt) (Agni casti fructus Abb. 17.23), z. B. Agnolyt®, sinnvoll.
Um eine generelle Umstimmung zu erzielen, können zusätzlich zu den gynäkologischen Phytotherapeutika leberwirksame Präparate, wie z. B. hepa-loges®, sowie zur Steigerung des Lymphabflusses sog. Lymphatika, z. B. Lymphdiaral® Basistropfen, Lymphomyosot® Tabletten oder Phönix® Thuja-Lachesis spag., verordnet werden.
Als Teerezeptur ist für die erste Zyklushälfte folgende Mischung (zu gleichen Teilen) zu empfehlen:
  • Himbeerblätter: östrogenähnliche Anteile

  • Rosmarin: regt die Keimdrüsentätigkeit an, fördert den Eisprung

  • Beifuß: fördert den Eisprung und entschlackt

  • Holunderblüten: unterstützen die Bildung von FSH

  • Salbei: östrogenartig

Für die zweite Zyklushälfte haben sich folgende Pflanzen (zu gleichen Teilen) bewährt:
  • Frauenmantel: gelbkörperregulierend

  • Schafgarbe: gestagenartig

  • Brennnessel: entgiftend

Aus den Pflanzen wird ein Infus (10–15 Min. ziehen lassen) zubereitet, 3-mal tgl. trinken.

Erkrankungen der Prostata

Prostatitis

Insemination:artifizielle

Prostatitis: Entzündung der Prostata. Bei konsequenter Behandlung meist gute Prognose.

Die akute Prostatitis wird meist durch ProstatitisProstata:Erkrankungengramnegative Bakterien verursacht, die über die Harnröhre aufsteigen.
Die chronische Prostatitis entsteht oft auf dem Boden einer nicht ausgeheilten akuten Prostatitis.
Symptome
Bei der akuten Prostatitis bestehen ein schweres allgemeines Krankheitsgefühl und Fieber (ggf. mit Schüttelfrost). Die übrigen Beschwerden des Patienten erklären sich aus der räumlichen Nähe der Prostata zu Harnblase und Rektum:
  • Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen)

  • Pollakisurie (häufige Entleerung geringer Harnmengen)

  • Hämaturie (Blut im Harn)

  • Ausfluss aus der Harnröhre

  • Spannungs- und Druckgefühl in der Dammregion

  • Stuhldrang und Schmerzen beim Stuhlgang

Diagnostik und Differenzialdiagnose
Diagnoseweisend ist für den Arzt die rektale Untersuchung: Die Prostata ist stark druckschmerzhaft und vergrößert tastbar. Zusätzlich werden Urinstatus, Urinkultur und Harnröhrenabstrich durchgeführt.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Die Behandlung der akuten Prostatitis besteht in der zu Beginn meist intravenösen Antibiotikagabe, möglichst nach Antibiogramm. Zur Linderung der Beschwerden erhält der Patient krampflösende Medikamente und Schmerzmittel.
Bei der chronischen Prostatitis müssen die Antibiotika über Monate gegeben werden, um die Entzündung auszuheilen und keine Komplikationen zu produzieren.
Als Komplikation droht ein Prostataabszess als hochakutes, schmerzhaftes Krankheitsbild mit Sepsisgefahr. Als weitere Komplikation ist der Prostata:AbszessÜbergang in die chronische Prostatitis zu nennen, die zur Infertilität führen kann.

Benigne Prostatahyperplasie (BPH) und benignes Prostatasyndrom (BPS)

Benigne Prostatahyperplasie (BPH; früher Prostatahypertrophie, Prostataadenom): beschreibt nur die histologische Veränderung der Prostata die nur postoperativ gestellt werden kann.

Fallbeispiel „Akute Prostatitis“

Ein 52 Jahre alter Postangestellter, der schon seit einigen Jahren aufgrund einer chronischen Polyarthritis den Heilpraktiker aufsucht, kommt an diesem Tag, weil er – wie er sagt – eine Blasenentzündung hat. Der Patient hat 38,6 °C Fieber und fühlt sich krank. Er beschreibt, dass die Beschwerden seit etwa drei Tagen immer schlimmer geworden seien. Er könne jeweils nur geringe Mengen Wasser lassen und habe dabei starke Schmerzen. Auch in der Dammregion habe er Schmerzen, die bis in die Leiste zögen. Ferner verspüre er ein unangenehmes Spannungs- und Druckgefühl. Sogar das Absetzen des Stuhl sei schmerzhaft. Einen Ausfluss aus der Harnröhre hat der Patient zwar nicht wahrgenommen, dennoch lassen die schilderten Symptome den Heilpraktiker sofort an eine akute Prostatits denken. Die Palpation der Blase ergibt einen hohen Blasenstand, die Perkussion der Nierenlager ist nicht schmerzhaft. Der Urin-Sticktest zeigt massiv Leukozyten. Der Heilpraktiker verzichtet auf eine Palpation der Prostata, um den Patienten nicht unnötig zu belasten. Er erklärt ihm, dass er eine entzündliche Erkrankung der Prostatata vermutet, und überweist ihn zur sofortigen weiteren Untersuchung und Behandlung zum Urologen. Dieser bestätigt die Verdachtsdiagnose und beginnt mit einer knapp viermonatigen Antibiotikatherapie. Während dieser Zeit begleitet der Heilpraktiker seinen Patienten homöopathisch. Im Anschluss an die antibiotische Therapie führt er eine Darmsanierung durch.

Benigne Prostatavergrößerung (benign prostatic enlargement, BPE): diagnostisch nachweisbare Organvergrößerung.

Untere Harntraktssymptome (Lower Urinary Tract Symptoms, LUTS); beschreibt die klinische Symptomatik prostatabedingter Miktionsbeschwerden, betroffen sind ca. 30 % der über 50-Jährigen.

Benignes Prostatasyndrom (BPS): vergrößerte Prostata (BPE) und dadurch verusachte Miktionsbescherden (LUTS). Eine der häufigsten Erkrankungen im fortgeschrittenen Lebensalter, ca. 50 % der über 50-Jährigen sind betroffen.

Die Prostatahyperplasie als gutartige Prostatavergrößerung, benigne (BPE)Prostatasyndrom, benignes (BPS)Prostatahyperplasie, benigne (BPH)Prostata:AdenomLower Urinary Tract Symptoms (LUTS)Geschwulstbildung (BPH) ist an sich völlig harmlos und hat keinen Krankheitswert. Häufig wird der Begriff inkorrekt verwendet für die Bezeichnung prostatabedingter Miktionsbeschwerden, die jedoch nur dann auftreten, wenn die benigne Prostatavergrößerung (BPE) auf die Harnwege und später auf die Nieren einwirkt und dadurch bedingte Beschwerden hervorruft. Das eigentliche klinische Symptomenbild wird als benignes Prostatasyndrom (BPS) bezeichnet, das durch die spezifischen Miktionsbeschwerden LUTS und die BPE gekennzeichnet ist. Die LUTS sind jedoch nicht spezifisch für das benigne Prostatasyndrom sie können auch im Rahmen anderer Erkrankungen (z. B. chronische Prostatitis, Harnröhrenstriktur, Prostatakarzinom, Blasenkarzinom, neurologische Erkrankungen) vorkommen, die differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen.
Krankheitsentstehung
Bei der BPE vergrößern sich v. a. die harnröhrennahen (periurethralen) Drüsen der Prostata, sodass die Harnröhre zunehmend eingeengt wird. Als Ursache des Prozesses werden insbesondere Veränderungen des Östrogen-Testosteron-Haushalts und ein „Wiedererwachen“ embryonaler Eigenschaften des prostatischen Bindegewebes diskutiert.
Symptome
Der Patient klagt über Beschwerden beim Wasserlassen, die durch Obstruktion oder Irritation hevrogerufen werden und sog. „Lower Urinary Tract Symptoms“ (LUTS) verursachen. Diese sind:
  • verzögerter Miktionsbegininn, abgeschwächter Harnstrahl, verlängerteLower Urinary Tract Symptoms (LUTS) Miktionsdauer, Nachträufeln

  • Pollakisurie, Nykturie

  • nächtliche Harninkontinenz

  • Durst, Gewichtsabnahme

Die Symptome entstehen durch die zunehmende Verengung der Harnröhre und die daraus resultierende Harnabflussbehinderung. Man unterscheidet drei Krankheitsstadien:
  • Im Stadium I (Reizstadium) ist der Harnstrahl abgeschwächt, und es dauert länger, bis die Miktion beginnt. Der Patient muss häufig auf die Toilette gehen (auch nachts) und die Bauchpresse einsetzen („drücken“), damit sich die Blase vollständig entleert.

  • Im Stadium II (Restharnstadium) ist die Harnröhre so stark eingeengt, dass sich Restharn bildet, d. h., dass eine vollständige Entleerung der Blase nicht mehr möglich ist. Der Patient hat fast ständig Harndrang, Restharnkann aber immer nur geringe Mengen Urin lassen. Der in der Blase zurückbleibende Harn fördert die Entstehung von Harnwegsinfekten.

  • Im Stadium III (Dekompensationsstadium) kommt es zur Überlaufblase mit Harnrückstau bis zu den Nieren und einer Schädigung der Nierenfunktion.

Achtung

Ein Harnverhalt, bei dem der Patient trotz voller Blase kein Wasser lassen kann, ist in jedem Krankheitsstadium möglich. Da dies zum Nierenversagen führen kann, ist sofortige Harnableitung durch den Arzt erforderlich.

Diagnostik
Bei der rektalen Untersuchung durch den Arzt istHarnverhalt die Prostata vergrößert tastbar. Als weitere Untersuchungen werden durchgeführt: Urinuntersuchung (Harnwegsinfekt?), Sonografie zur Größenbestimmung der Prostata und Restharnbestimmung, evtl. Urogramm und Urethrozystoskopie (Spiegelung der Harnblase und Harnröhre) sowie urodynamische Untersuchungen (16.3.5). Mithilfe der Blutuntersuchung kann eine mögliche Funktionseinschränkung der Nieren, durch die Bestimmung der Tumormarker die Wahrscheinlichkeit eines Prostatakarzinoms geprüft werden.
Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung ist stadienabhängig. Im Stadium I wirken pflanzliche Präparate, z. B. Prostagutt®, beschwerdelindernd. Eine Beratung bezüglich der Lebensführung ist wichtig: z. B. nicht zu lange sitzen, keine zu enge Unterwäsche tragen, Überdehnung der Blase (z. B. durch Trinken großer Flüssigkeitsmengen) vermeiden, keine kalten oder stark alkoholischen Getränke, keine Kälteexposition, lokal Wärme applizieren (erleichtert das Wasserlassen).
Ab Stadium II wird die Prostata entweder endoskopisch (Transurethrale Elektroresektion der Prostata, kurz TUR-Prostata oder TUR-P) oder in einer offenen OP (Prostataadenomenukleation) ausgeschält oder entfernt und TUR-Prostataso die freie ProstataadenomenukleationAdenomenukleation:ProstataHarnröhrenpassage wiederhergestellt.
Im Stadium III wird Prostataadenomenukleationzur Entlastung der Harnblase und der ableitenden Harnwege zunächst eine Blasenkatheterisierung vorgenommen. Nach Erholung der Nierenfunktion erfolgt die operative Entfernung.
Prognose
Ohne Behandlung schreitet das benigne Prostatasyndrom immer weiter fort, in vielen Fällen allerdings so langsam, dass der Patient auch in hohem Alter keine wesentlichen Beschwerden hat. Ist eine OP möglich, so ist die Prognose gut. Allerdings kann es nach der OP zu einer Harninkontinenz kommen, die jedoch durch Beckenbodengymnastik meist rasch gebessert wird. Die Potenz bleibt bei 90 % der Operierten erhalten, der Patient wird aber unfruchtbar, da sich das Ejakulat in die Blase ergießt (retrograde Ejakulation).

Naturheilkundliche Therapie bei Erkrankungen der Prostata

Ab- und Ausleitungsverfahren

naturheilkundliche Therapie:ProstataerkrankungenÜber die Stimulierung der Hautreflexzone im Bereich von L5 mittels Schröpfen oder Baunscheidtieren oder über das Anlegen eines Cantharidenpflasters (4.2.14) wird das hormonelle System reguliert sowie die Vitalität gesteigert. Je nach Konstitution bzw. notwendigem therapeutischem Reiz wird die Genitalzone trocken oder blutig geschröpft bzw. baunscheidtiert.

Ernährungstherapie

Empfehlen Sie dem Patienten Nahrungsmittel, die pflanzliche Östrogene (Lignane, Isoflavonoide) enthalten, wie z. B. Soja, Getreide, Leinsamen sowie Gemüse und Früchte. Sie blockieren die Östrogenwirkung im Körper, indem sie die Östrogenrezeptoren der Prostata besetzen, ohne einen wachstumsfördernden Reiz auszulösen.
Harntreibende Getränke, wie z. B. Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee sollten stark reduziert werden. Bei Entzündungen der Prostata bringen Enzympräparate, den entzündlichen Prozess schneller zur Ausheilung.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Folgende Konstitutionsmittel haben sich bei der Behandlung von Prostatabeschwerden und -hyperplasie bewährt: Barium carbonicum, Conium, Fluoricum acidum, Kalium carbonicum, Medorrhinum und Staphisagria. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Prostata-Gastreu® NR 25) eingesetzt, enthalten diese häufig Conium (Harndrang nachts und morgens, Harnträufeln auf dem Weg zur Toilette), Ferrum picrinicum (bewährte Indikation, falls Sabal serrulata nicht wirkt), Populus tremuloides (Prostata-Adenom alter Männer), Sabal serrulata („homöopathischer Katheter“; Gefühl, als ob Blase zu voll ist; Entleerungsschmerz, als ob der Strahl sich durch einen zu engen Ausgang zwängt).

Ordnungstherapie

Weisen Sie den Patienten darauf hin, dass langes Sitzen, Alkoholgenuss, Kälteeinwirkung, aber auch Obstipation die Prostatabeschwerden verstärken können.
Generell empfiehlt sich eine Darmsanierung, denn erfahrungsgemäß trägt dies zu einer Entstauung im Bereich des kleinen Beckens bei.

Physikalische Therapie

Wärme wirkt entspannend auf Prostata und Blase; gleichzeitig wird die Durchblutung gesteigert und somit der Selbstheilungsprozess gefördert. Deshalb sollte der Patient bei chronischen Prostataerkrankungen (auch bei Prostatitis) Wärmeanwendungen durchführen. Empfehlen Sie z. B. ansteigende Fußbäder, Sitz- oder Halbbäder (Zusatz von Kamille, Heublumen, Zinnkraut). Warme Packungen auf die Blasengegend (Peloide, Heublumen).
Vorsicht:Bei fortgeschrittenem Wachstum sind Wärmeanwendungen nicht zu empfehlen.

Phytotherapie

Bewährte Heilpflanzen zur Behandlung der Prostatahyperplasie sind die Sägepalmfrüchte (Sabal serrulati fructus Abb. 17.26) und Kürbissamen (Cucurbitae peponis semen). Auch pflanzliche Kombinationen, z. B. Prostamed® Tab., haben sich bewährt. Sie bewirken eine deutliche Besserung der Beschwerden, indem Harnmenge und Harnfluss gesteigert werden und der Restharn vermindert wird. Zudem wirken sie antiphlogistisch und antiödematös. Studien belegen, dass Präparate der Sägepalme weitaus wirksamer sind als synthetische Arzneimittel.
Zudem wird Brennnesselwurzel (Urticae radix), z. B. Natuprosta®, bei BPH eingesetzt.

Prostatakarzinom

Prostatakarzinom: Krebs der Vorsteherdrüse. Mittlerweile häufigster urologischer Tumor und dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern.

Seit Jahren nimmt die Prostataerkrankungen:naturheilkundliche TherapieHäufigkeit des ProstatakarzinomsTumor(en):Prostata kontinuierlich zuProstatakarzinom. Betroffen sind v. a. Männer über 50 Jahre. Inzwischen erkrankt jeder 2. Mann über 70 Jahren an Prostatakrebs, jedoch mit unterschiedlicher klinischer Bedeutung. In frühen Erkrankungsstadien ist die Prognose gut. Die Krankheitsentstehung ist ungeklärt.
Symptome
Da das Prostatakarzinom zu 80 % in den hinteren Drüsenanteilen fern der Harnblase entsteht, macht es lange Zeit keine Beschwerden. Erst spät klagt der Patient über zunehmende Rückenschmerzen bzw. Symptome ähnlich denen des Prostatasyndroms (17.7.2). Die Metastasierung erfolgt lymphogen in regionale Lymphknoten und hämatogen in das Skelett, v. a. in die untere Wirbelsäule und das Becken, sowie in Lunge und Leber. Oft sind die ersten Symptome bereits Zeichen einer Metastasierung.

Achtung

Bei erstmalig auftretenden Kreuzschmerzen, „Ischias“ und „Rheuma“ nach dem 50. Lebensjahr müssen Sie immer auch an ein Prostatakarzinom denken!

Fallbeispiel „Prostatakarzinom“

Ein 65 Jahre alter Gärtner kommt in die Praxis, weil er bereits seit drei Monaten Kreuzschmerzen hat. Seine Frau habe ihm bereits „Rheumasalbe“ und ein Wärmepflaster aus der Apotheke besorgt, doch das habe alles nicht so recht geholfen. „Ich sehe ja ein, dass ich älter werde und die Knochen nicht mehr so recht wollen,“ klagt der Patient. „Aber ich möchte doch noch meinem Sohn helfen, der letztes Jahr meinen Betrieb übernommen hat, und wenn es so weitergeht, kann ich das nicht mehr …“ Der Patient hat ca. 10 Kilogramm Übergewicht, wirkt sehr kräftig und hat eine frische Gesichtsfarbe. Die Anamnese ergibt gelegentliche Einschlafstörungen, eine Bruch-OP vor 15 Jahren und eine Kniegelenkverletzung bei einem Wanderurlaub vor etwa 8 Jahren. In den letzten Monaten stellten sich zunehmend Probleme beim Wasserlassen ein, v. a. „Startschwierigkeiten“ wie Tröpfeln und verzögerter Harnstrahl. „Und dabei habe ich auf Wunsch meiner Frau immer Kürbiskerne gefuttert – als ob ich ein Meerschweinchen wäre!“ Zur Vorsorgeuntersuchung ist er zum ersten Mal vor 11 Jahren gegangen – und dann nie wieder, denn die rektale Untersuchung war ihm sehr unangenehm. Ansonsten sind ihm keine weiteren Symptome aufgefallen, auch keine Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen im Bereich der Beine. Die körperliche Untersuchung ergibt folgendes Bild: RR 145/85 mmHg, Puls 92 Schläge/Minute. Der Patient kann problemlos sowohl auf den Zehen als auch auf den Fersen stehen. Im Schulter-Nacken-Bereich befinden sich zwei derbe Myogelosen, in der LWS-Region liegt ein muskulärer Hartspann vor. Die Perkussion der Wirbelsäule verläuft ohne pathologischen Befund, bereits die vorsichtige Palpation des Kreuzbeins ist dem Patienten jedoch unangenehm. Der Finger-Boden-Abstand ist für einen untrainierten Mann seines Alters normal (ca. 15 cm), allerdings ächzt der Patient, als er sich wieder aufrichten will. Das Lasègue-Zeichen ist negativ; ein Beckenschiefstand (z. B. durch Kniegelenkverletzung oder Arbeits- bzw. Schonhaltung verursacht und möglicher Auslöser von Rückenschmerzen) liegt nicht vor. Die Auskultation von Herz und Lunge verläuft ebenso wie die Palpation und Perkussion des Bauchraums und die orientierende neurologische Untersuchung ohne Auffälligkeiten. Der Heilpraktiker hat „ein ungutes Gefühl“; zwar führt er bei dem Patienten zur Entlastung der Muskulatur eine Schröpfbehandlung über den Myogelosen durch und baunscheidtiert die LWS- und Kreuzbeinregion; er besteht jedoch darauf, dass der Patient sich bei einem Arzt seines Vertrauens gründlich untersuchen lassen müsse, und zwar nicht nur wegen der Grenzwerthypertonie. Besonders müsse der Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung der Prostata ausgeschlossen werden. Danach würde er gerne die Behandlung weiterführen. Von der Ehefrau des Patienten, die ihn 3 Wochen später wegen einer schweren Erkältung aufsucht, erfährt er, dass der Urologe ein Prostatakarzinom festgestellt hat, das bereits in das Kreuzbein metastasiert ist.

Diagnostik
Meist kann der Arzt das Prostatakarzinom bei der rektalen Untersuchung als unregelmäßigen, fast steinharten Knoten tasten. Zur Diagnosesicherung dienen die Blutuntersuchung (Erhöhung von PSA = prostataspezifisches Antigen und PSP = prostataspezifische saure Phosphatase) und die Prostatapunktion oder -biopsie.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Ist das Karzinom noch auf die Prostata beschränkt und der Patient in gutem Allgemeinzustand, wird eine radikale Prostatektomie durchgeführt, d. h. eine Prostata:EntfernungEntfernung der gesamten Prostata einschließlich ihrer Kapsel, der Samenblasen und des durch die ProstatektomieProstata verlaufenden Harnröhrenabschnitts. Die regionären Lymphknoten werden ebenfalls reseziert. Alternativ kommt, z. B. bei Inoperabilität des Patienten, eine Strahlenbehandlung in Betracht.
In fortgeschrittenen Krankheitsstadien steht die Hormonbehandlung an erster Stelle. Da ein Großteil der Prostatakarzinome hormonabhängig ist, wird durch Entzug der männlichen Geschlechtshormone oft eine Besserung erzielt. Diese erfolgt heute in aller Regel medikamentös, z. B. durch Antiandrogene (etwa in Androcur®) oder LH-RH-Analoga (GnRH-Analoga 17.14.3, Pharma-Info).

Tipp

Motivieren Sie Ihren Patienten, regelmäßig zur kostenfreien Früherkennungs-Untersuchung zu gehen.

Antiandrogene

Erkrankungen der Hoden und Nebenhoden

Androcur®Die LH-RH-Analogameisten GnRH-AnalogaHodenerkrankungen treten bei Kindern oder jungen Männern auf. Da Erkrankungen der Hoden bei zu später Behandlung oft zu bleibender Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit führen, müssen Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Hoden prinzipiell ernst genommen werden.

Lageanomalien des Hodens

Hodenretention (Retentio testis, Maldescensus testis, Hodenhochstand, Hodendystopie): Ausbleiben des physiologischen Hodenabstiegs vom Bauchraum über den Leistenkanal in den Hodensack. Die Häufigkeit beträgt ca. 4 % aller neugeborenen Knaben (bei Frühgeborenen höher), gegen Ende des ersten Lebensjahrs noch ca. 1 %.

Krankheitsentstehung und Einteilung
HodenretentionUrsachen einer Hoden:HochstandLageanomalie des Hodens können z. B. eine verminderte mütterliche Hormonproduktion während der Schwangerschaft und Anomalien im Bereich des Samenstrangs sein. Das familiär gehäufte Auftreten weist auf eine genetische Disposition hin.
Je nach Lage des Hodens werden folgende Formen (Abb. 17.27) unterschieden:
  • Beim Bauchhoden befindet sich der Hoden innerhalb der Bauchhöhle.

  • Am häufigsten ist der Leistenhoden, bei dem der Hoden lediglich bis in den Leistenkanal hinabgestiegen ist.

  • Von einem Gleithoden spricht man, wenn ein Leistenhoden zwar bis in den oberen Hodensack hinuntergezogen werden kann, sich jedoch nach dem Loslassen sofort Gleithodenwieder zurückzieht.

  • Dagegen bleibt ein Pendelhoden zeitweilig im Hodensack, wandert aber z. B. bei Kälte hoch in die Leiste.

  • Ein ektoper Hoden hat einen völlig unphysiologischen Weg genommen, Pendelhodenetwa zur Peniswurzel oder in den Oberschenkel.

Symptome und Diagnostik
Krankheitswert gewinnen die Lageanomalien durch zwei Komplikationen:
  • Ist der Hoden bis zum zweiten Geburtstag nicht im Hodensack, drohen (wahrscheinlich durch die höhere Temperatur im Bauchraum) irreversible Schädigungen mit Verminderung der Fruchtbarkeit.

  • Zudem ist das Entartungsrisiko deutlich erhöht.

Daher prüft der Arzt bei allen Vorsorgeuntersuchungen des Kindes palpatorisch, ob sich beide Hoden im Hodensack befinden. Ist dies nicht der Fall, versucht er, den/die fehlenden Hoden in der Leiste zu ertasten. Gelingt dies nicht, hilft eine Sonografie weiter.
Schulmedizinische Therapie
Ein Pendelhoden ist in der Regel nicht behandlungsbedürftig. Bei Bauch-, Leisten- und Gleithoden wird spätestens zu Beginn des zweiten Lebensjahres eine mehrwöchige Hormontherapie durchgeführt. Verlagert sich der Hoden auch nach zwei Hormonzyklen nicht oder liegt ein ektoper Hoden oder eine begleitende Leistenhernie vor, wird der Hoden noch vor dem zweiten Geburtstag des Kindes operativ freigelegt, in den Hodensack verlagert und dort fixiert (Orchidopexie). Hauptkomplikationen des Eingriffs sind Blutungen, Infektionen (auch des Hodens) und Hodenatrophie.

Hoden- und Nebenhodenentzündung

Orchidopexie

Orchitis: Hodenentzündung.

Epididymitis: Nebenhodenentzündung.

Während die Orchitis meist durch hämatogene Erregerstreuung bei OrchitisNebenhoden:EntzündungHoden:EntzündungAllgemeininfekten (z. B. Mumps, EpididymitisPneumokokken, Brucellen) bedingt ist, entsteht die Epididymitis in der Regel durch fortgeleitete Infektionen von Prostata und Harnwegen sowie durch Gonorrhö.
Symptome, Diagnostik und Differenzialdiagnose
Die Beschwerden des Patienten sind bei der Hoden- und Nebenhodenentzündung praktisch gleich:
  • zunehmende Schwellung des Hodens bzw. Nebenhodens mit Rötung der Skrotalhaut (Abb. 17.28)

  • starke bzw. langsam zunehmende Schmerzen im Hodenbereich und – besonders bei Epididymitis – Ausstrahlung in Samenstrangbereich und Leiste

  • allgemeines Krankheitsgefühl mit Fieber

Oft kann der Arzt durch Tasten unterscheiden, ob Hoden oder Nebenhoden betroffen ist. Allerdings ist in fortgeschrittenen Krankheitsstadien eine Abgrenzung meist nicht möglich. Typisch für die Epididymitis ist eine Linderung der Beschwerden bei Hochlagerung des Hodens (positives Prehn-Zeichen).
Wichtig sind außerdem Sonografie, Urinuntersuchung zum Nachweis von Entzündungszeichen, Urin- und Blutkultur sowie Harnröhrenabstrich. Bei Prehn-ZeichenEpididymitis muss nach begünstigenden Ursachen wie z. B. Prostatahypertrophie mit Restharnbildung gesucht werden, um ein Rezidiv zu vermeiden.
Differenzialdiagnostisch muss immer die Hodentorsion ausgeschlossen werden.

Merke

Der Sammelbegriff „akuter Hoden“ umfasst alle akuten, schmerzhaften Hodenschwellungen unabhängig von der Ursache, z. B. die Epididymitis und Orchitis, bei der sich die Symptome langsam entwickeln, oder die schnell verlaufende, hochakute Hodentorsion.

Schulmedizinische Therapie und Prognose
Die Antibiotikabehandlung muss sofort beginnen, vorher wird eine Hoden:akuterBlut- und Urinkultur abgenommen, das Ergebnis allerdings nicht abgewartet (bei Erregerresistenz spätere Anpassung der Medikamente). Zusätzlich werden antientzündliche Medikamente gegeben. Bei Mumpsorchitis ist nur eine symptomatische Behandlung mit physikalischen Maßnahmen möglich, Antibiotika werden evtl. zur Prophylaxe einer Superinfektion gegeben. Bei chronisch rezidivierender Epididymitis oder Abszedierung (aufsteigende Infektion mit Abszessbildung) ist eine Entfernung der Nebenhoden erforderlich.
Die Prognose der Erkrankung ist sicher insgesamt gut, doch ist die Entzündung von Hoden und Nebenhoden mit nachfolgender Samenstrangverklebung eine der häufigsten Unfruchtbarkeitsursachen beim Mann.

Hodentorsion

Hodentorsion: einseitige, selten beidseitige Stieldrehung von Hoden und Samenstrang um die eigene Achse aufgrund abnormer Beweglichkeit; meist bei Säuglingen, Kindern und Jugendlichen. Hochakutes Krankheitsbild, das sofort behandelt werden muss.

Symptome
Typisch ist das plötzliche Einsetzen der Beschwerden (meist Hodentorsionnachts). Es kommt zu stärksten Schmerzen im betroffenen Hoden sowie einseitig im Unterbauch und in der Leistenregion, verbunden oft mit Übelkeit und Erbrechen. Der Patient kann kaum noch laufen. Im Gegensatz zur Orchitis bestehen aber kein Fieber und keine Zeichen eines Allgemeininfektes. Säuglinge fallen durch „Koliken“, Nahrungsverweigerung, Erbrechen und Unruhe auf. Der schmerzende Hoden steht höher als der gesunde, das betroffene Skrotum ist bläulich verfärbt. Das Prehn-Zeichen ist negativ, d. h. das Anheben des Hodens führt zu einer Schmerzverstärkung.

Achtung

Überweisen Sie den Patienten bei Verdacht auf eine Hodentorsion sofort in die Klinik! Die Hodentorsion muss innerhalb von 6 Stunden behoben werden, sonst drohen Sterilität oder gar eine Nekrose.

Schulmedizinische Therapie
Gelingt es dem Arzt nicht, den Hoden manuell in seine ursprüngliche Lage zurückzudrehen, wird schnellstmöglich operiert. Ist der Hoden bereits nekrotisiert, muss er entfernt werden.

Varikozele und Hydrozele

Varikozele: krampfaderähnliche Erweiterung, Verlängerung und Schlängelung der Hodenvene (V. testicularis) und des Venengeflechts im Hodensack (Plexus pampiniformis). Altersgipfel: 15.–25. Lebensjahr (Abb. 17.29).

Hydrozele: angeborene oder erworbene Ansammlung von seröser Flüssigkeit zwischen den Hodenhüllen.

Symptome
Eine Varikozele oder Hydrozele bereitet dem VarikozelePatienten meist keine Beschwerden.Hydrozele Nur wenige Betroffene klagen über ziehende Schmerzen in der Hoden- und Leistengegend, v. a. bei körperlicher Anstrengung. Die Varikozele beeinträchtigt aber über mehrere Mechanismen, darunter eine Erhöhung der Temperatur im Hodenbereich, die Fruchtbarkeit.
Diagnostik
Die Diagnose wird im Wesentlichen durch körperliche Untersuchung gestellt: Im Stehen sind die erweiterten Venen v. a. hinter und oberhalb des Hodens deutlich sichtbar. Während bei der idiopathischen Varikozele die Varizen im Liegen leer laufen, bleiben die Venen bei der symptomatischen Varikozele, die meist Folge eines (Nieren-)Tumoreinbruchs in die Hodenvene ist, Varikozele:idiopathischeerweitert. Nicht so offensichtlicheVarikozele Befunde werden u. a. mittels Doppler-Sonografie (3.6.2Varikozele:symptomatische) bestätigt.
Schulmedizinische Therapie
Eine Behandlung der Varikozele, die in der Regel gewöhnlich in einer Venenverödung (Sklerosierung) besteht, ist bei zunehmenden Beschwerden oder unerfülltem Kinderwunsch und pathologischem Spermiogramm (17.6.8) erforderlich.
Die Behandlung der Hydrozele ist vorwiegend operativ, da nach Punktionen erfahrungsgemäß häufig Rezidive auftreten.

Bösartige Hodentumoren

Hodentumoren sind meist bösartig. Nur ca. 5 % aller Hodentumoren sind gutartig, dazu Tumor(en):Hodenzählen Teratome, Fibrome, Adenome.

Bösartige Hodentumoren (Hodenkrebs): meist von den Keimzellen ausgehende, bösartige Tumoren, die insgesamt ca. 1–2 % aller bösartigen Tumoren beim Mann ausmachen, jedoch zu den häufigsten bösartigen Tumoren junger Männer zählen. Altersgipfel: 20.–40. Lebensjahr.

Krankheitsentstehung
Die Ursache der Entartung Hoden:Tumoren, bösartigeist ungeklärt. Als Risikofaktor bekannt ist die Hodenretention. Das erhöhte Risiko besteht auch dann, wenn der Hoden bereits im Kindesalter operativ in den Hodensack verlagert wurde.
Symptome und Diagnostik
Leitsymptom des Hodentumors ist die langsam entstehende, schmerzlose Schwellung eines Hodens. Der Patient wird erst durch Zufall oder durch ein Schweregefühl im Hoden darauf aufmerksam. Bösartige Hodentumoren metastasieren meist lymphogen in die regionären Lymphknoten, aber auch eine hämatogene Metastasierung in Skelett, Leber und Lunge kommt vor.
Bei der Untersuchung ist der Tumor als derber, meist nicht druckschmerzhafter Knoten tastbar. Weitere diagnostische Maßnahmen sind in erster Linie die Hodensonografie und eine Blutuntersuchung hinsichtlich spezifischer Tumormarker (31.4).
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Erste und dringlichste therapeutische Maßnahme ist die OP, bei der der erkrankte Hoden von einem Leistenzugang aus entfernt wird (inguinale Semikastration). Die weitere Behandlung ist abhängig von der Histologie des Tumors und seiner Ausbreitung. Oft ist eine Bestrahlung, evtl. auch eine aggressive Chemotherapie erforderlich.
Nicht nurSemikastration der Tumor, sondern auch die Behandlung kann die Fruchtbarkeit des Patienten beeinträchtigen. Der Arzt bietet dem Patienten deswegen die Möglichkeit der Spermakryokonservierung (Kältekonservierung) in einer Samenbank an.
Die Prognose der Erkrankung ist abhängig von Tumorart und Tumorstadium. Insgesamt liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 70Sperma:Kryokonservierung–90 % und ist damit deutlich höher als bei den meisten anderen bösartigen Tumoren.

Tipp

Motivieren Sie Ihre Patienten zur Selbstuntersuchung der Hoden.

Alle Männer sollten bereits ab dem Jugendalter – vergleichbar der Selbstuntersuchung der Brust bei Frauen – ihre Hoden einmal monatlich selbst untersuchen, am günstigsten in warmer Umgebung, da die Skrotalhaut dann erschlafft und Veränderungen besonders gut tastbar sind.

Erkrankungen des Penis

Phimose

Phimose: angeborene oder erworbene Verengung der Vorhaut.

Meist ist die Phimose angeboren.Phimose Die erworbene Phimose ist Vorhautverengungvielfach Folge von Entzündungen des Penis oder von zu frühen Versuchen während der Kindheit, die Vorhaut zurückzuziehen.
Als Folge der Vorhautverengung kann die Vorhaut nicht vollständig über die Eichel zurückgezogen und auch nicht gründlich gereinigt werden. Bei höhergradigen Verengungen sind Störungen der Harnentleerung und wiederholte Entzündungen von Eichel und Vorhaut (Balanitis) möglich.
Die Behandlung besteht in der Zirkumzision (Beschneidung), ab dem 3. Lebensjahr, bei der die verengte Vorhaut entfernt wird. Cave: Penis-Ca bei Phimose häufiger.Zirkumzision

Paraphimose

Paraphimose (früher Spanischer Kragen genannt): Schnürringbildung hinter der Eichel durch zu enge Vorhaut.

Bei relativer Vorhautenge Beschneidungbilden sich beim Zurückstreifen der Vorhaut ein Schnürring und eine schmerzhafte ödematöse Schwellung von Eichel und Vorhaut. Meist Paraphimosegelingt dem Arzt die manuelle Reposition unter Analgetikagabe. Ansonsten sind eine Inzision (Einschnitt) auf der Penisoberseite und eine spätere Zirkumzision erforderlich.

Achtung

Die Paraphimose muss baldmöglichst vom Arzt behandelt werden, da sie zur Nekrose der Eichel und Gangrän der Vorhaut führen kann.

Balanitis

Balanitis: Entzündung der Eichel, meist kombiniert mit Vorhautentzündung (Balanoposthitis).

Die Balanitis ist oft Folge einer einer Phimose (17.9.1) oder Balanitisunzureichender Genitalhygiene. Begünstigend wirkt ein Diabetes Balanoposthitismellitus.
Eichel und Vorhaut sind gerötet, sie jucken, brennen und schmerzen. Oft besteht zudem ein übel riechender Ausfluss.
Diagnostisch wird ein Abstrich entnommen und eine Urinkultur zur Erregeridentifizierung angelegt. Eine Urogenitaltuberkulose wird durch spezielle Kulturen, eine Syphilis durch serologische Blutuntersuchungen ausgeschlossen.
Die Balanitis wird mit Antibiotika behandelt.

Peniskarzinom

Peniskarzinom: Peniskrebs, meist in der Furche zwischen Eichel und Penisschaft (Kranzfurche) lokalisiert; histologisch fast ausschließlich Plattenepithelkarzinome; in Europa und den USA seltene Krebsform, tritt aufgrund ritueller Beschneidung fast nie bei Juden und Muslimen auf. Altersgipfel 50.–60. Lebensjahr.

Krankheitsentstehung
Höchstwahrscheinlich spielen das Smegma (Absonderungen der Eichel- und Vorhautdrüsen) Tumor(en):Penisund chronische Entzündungen bei der PeniskarzinomKrankheitsentstehung ursächlich eine Rolle. Bekannte Risikofaktoren sind eine unzureichende Genitalhygiene und eine Phimose sowie wiederholte SmegmaPenisentzündungen. Bei beschnittenen Männern kommt der Peniskrebs praktisch nicht vor.
Symptome und Diagnostik
Im Frühstadium der Erkrankung lässt sich die Vorhaut nicht mehr über die Eichel zurückschieben, und es tritt ein übel riechender, evtl. auch blutiger Ausfluss auf. Unbehandelt wird der zunächst kleine Tumor immer größer, ulzeriert und greift auf den Penisschaft über. Das Peniskarzinom metastasiert vorwiegend in lokale Lymphknoten. Die Diagnose wird durch eine Biopsie gesichert.
Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung ist primär operativ. Bei sehr kleinen Tumoren der Vorhaut kann eine Zirkumzision ausreichen. Meist ist aber eine Penisteilamputation, bei fortgeschrittenen Karzinomen sogar eine Penektomie (Entfernung des Penis) und Einpflanzung einer neu gebildeten Harnröhre am Damm erforderlich.
Bei einem lokalisierten Tumor beträgt die Überlebensrate nach OP 5–7 Jahre, bei Lymphknotenmetastasen nur 2–3 Jahre.Penektomie

Erkrankungen der männlichen Brust

Gynäkomastie

Gynäkomastie: meist beidseitige Vergrößerung der Brustdrüse beim Mann.

Krankheitsentstehung
Einer echten, d. h. durch vermehrtes Brustdrüsenwachstum entstandenen Gynäkomastie liegt entweder eine vermehrte Östrogenwirkung oder Gynäkomastieeine verminderte Androgenwirkung zugrunde. Eine vermehrte Östrogenwirkung kann bedingt sein durch Medikamente (z. B. Digitalis-Präparate, östrogenhaltige Hautsalben), Nahrungsmittelzusätze (mit Östrogen gefütterte Hühnchen), östrogenproduzierende Tumoren (z. B. Nebennierenrindentumoren, Leydig-Zell-Tumoren), Leberzirrhose (erhöhte Umwandlung von Androgenen in Östrogene).
Eine verminderte Östrogenwirkung kann verursacht werden durch primären Hypogonadismus. Hormonerkrankungen (wie z. B. Morbus Basedow, primäre Schilddrüsenunterfunktion, Akromegalie) sowie eine Hormontherapie bei Prostatakarzinom können ebenfalls die Entwicklung einer Gynäkomastie begünstigen. In der Pubertät tritt bei ca. 50 % der pubertierenden Knaben eine zeitweilige, ein- oder doppelseitige Brustdrüsenschwellung auf, die von alleine wieder zurückgeht, also keinen Krankheitswert hat.
Eine einseitige Pseudogynäkomastie tritt v. a. bei gutartigen Geschwulsten (Lipom, Fibrom oder Fibroadenom) auf. Eine „falsche“ Gynäkomastie besteht auch bei allgemeiner Adipositas (Fettleibigkeit) durch Fettansammlung in der Brust.
Symptome, Diagnostik und schulmedizinische Therapie
Zusätzlich zur Gynäkomastie bestehen evtl. Symptome der Grunderkrankung. Die Diagnose wird durch die Inspektion gestellt. Die Ursache der Gynäkomastie muss schulmedizinisch geklärt werden, v. a. muss bei einseitiger Vergrößerung ein Mammakarzinom ausgeschlossen werden. Die Therapie besteht in der Behandlung der Ursache.

Mammakarzinom des Mannes

Entstehung, Symptome, Metastasierung, Diagnostik, Therapie 17.14.3

Mammakarzinom (Brustkrebs): vorwiegend Erkrankung der Frau; nur etwa 2 % aller Mammakarzinome treten bei Männern auf; betroffen sind nahezu ausschließlich Männer im fortgeschrittenen Lebensalter.

Da sich die meisten Männer der Möglichkeit eines Mammakarzinoms nicht bewusst sind, sollten Sie aufgrund Mammakarzinom:MannIhrer Sorgfaltspflicht bei einer körperlichen Untersuchung auch auf Zeichen eines bösartigen Tumors (17.14.3) der männlichen Brust achten. Oft werden vom Patienten erst die Symptome bemerkt und ernst genommen, die durch Metastasen entstehen, z. B. Kopf- oder Kreuzschmerzen. Die Tumoren infiltrieren frühzeitig die Haut und die Thoraxwand.
Bei männlichen Brustkrebspatienten sind ca. 90 % der Tumoren im Bereich der Brustwarze oder des Warzenhofs lokalisiert, bei Frauen hingegen liegen mehr als 50 % der Karzinome im oberen äußeren Quadranten. Jährlich werden nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Deutschland 400 Fälle bei Männern bekannt, während jährlich 43.000 Frauen an Mammakarzinom erkranken.
Die Prognose ist im Allgemeinen wesentlich schlechter als beim Mammakarzinom der Frau.

Erkrankungen der Ovarien und Tuben

Eileiterentzündung

Eileiterentzündung (Salpingitis): Entzündung eines Eileiters; oft begleitend Entzündung eines Eierstocks (Oophoritis).

Adnexitis (Adnexe = Eileiter und Eierstöcke): gleichzeitige Entzündung von Eileiter und Eierstock.

Die Adnexitis ist ein relativ häufiges Krankheitsbild, ca. 10–15 % der Frauen im gebärfähigen Alter SalpingitisEileiterentzündungEierstockentzündungerkranken mindestens einmal in ihrem OophoritisLeben daran (Altersgipfel: um 20 Jahre). Bei Adnexitisunklaren Bauchschmerzen müssen Sie daher v. a. bei jüngeren Frauen immer auch an eine Entzündung von Eileiter und Eierstock denken.
Krankheitsentstehung
Begünstigt durch Menstruation oder Wochenbett kommt es durch Aufsteigen einer polybakteriellen (durch mehrere Bakterienarten bedingten) Infektion der unteren Geschlechtsorgane zu einer Entzündung der Tuben (aszendierende Infektion). Die Ovarien werden sekundär befallen. Neben Bakterien sind in bis zu 40 % der Fälle Chlamydien (25.5.8) beteiligt.
Symptome
Typische Symptome einer akuten Adnexitis sind:
  • akute, meist seitenbetonte, heftige Unterbauchschmerzen (obwohl meist beide Adnexen entzündet sind)

  • gelblich-grünlicher, übel riechender Fluor

  • Fieber

  • Übelkeit und Erbrechen bei Mitbeteiligung des Bauchfells (Peritonitis)

Eine subakute oder chronische Adnexitis zeigt sich durch Unterleibsschmerzen wechselnder Stärke und vielfältige andere Beschwerden, z. B. Schmerzen bei körperlicher Betätigung. Der Übergang zwischen beiden Formen ist fließend.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Bei Verdacht auf Eileiterentzündung muss eine gynäkologische Abklärung erfolgen. Die Verwechslungsgefahr mit einer Appendizitis (13.8.4) ist groß. Der Druckschmerz bei der Palpation liegt bei der Eileiterentzündung meist tiefer als bei der Appendizitis. Auch mit einer Eileiterschwangerschaft (Extrauteringravidität 27.2.5) kann sie verwechselt werden. Entscheidende Hinweise gibt hier eine genaue Regelanamnese. Der Diagnosesicherung dienen gynäkologische Untersuchung, Abstrichentnahmen, Blut-, Urinuntersuchung und transvaginale Sonografie.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Nach den Abstrichen beginnt der Arzt mit einer kombinierten, meist intravenösen und oralen Antibiotikatherapie, die sich gegen die häufigsten Erreger einer Adnexitis richtet. Zusätzlich verordnet er schmerzlindernde und antientzündliche Medikamente. Ist die Patientin Trägerin eines Intrauterinpessars, muss dieses entfernt werden, da es mit hoher Wahrscheinlichkeit infiziert ist. Als unterstützende Maßnahmen werden Bettruhe und sexuelle Abstinenz verordnet.
Akut lebensbedrohliche Formen sind selten, Komplikationen der Adnexitis jedoch häufig:
  • Chronifizierung der Erkrankung

  • Abszessbildung (z. B. Tuboovarialabszess) mit der Notwendigkeit einer OP

  • Sterilität infolge Eileiterverklebungen (in bis zu 30 % der Fälle)

Fallbeispiel „Eileiterentzündung“

Eine 23 Jahre alte angehende Pferdewirtin kommt mit rechtsseitigen Unterbauchschmerzen in die Praxis. Bereits als Kind habe sie öfter wiederkehrende „Blinddarmreizungen“ gehabt. Mehrfach sei sie „knapp an einer Operation vorbeigeschrammt“; schließlich hätten ihre Eltern eine Nosodenbehandlung durch einen erfahrenen Heilpraktiker gewagt, woraufhin sie tatsächlich nie wieder Beschwerden gehabt habe. Leider sei der Heilpraktiker mittlerweile in Ruhestand gegangen. „Aber bevor ich unters Messer gehe, möchte ich noch einmal eine solche Behandlung versuchen,“ erklärt sie. Sie beschreibt, dass sie zum ersten Mal vor drei Tagen beim Ausritt rechtsseitig einen Erschütterungsschmerz verspürt habe. Mittlerweile seien die Schmerzen deutlich stärker geworden, sie seien „ziehend und stechend“. Die Patientin hat eine Körpertemperatur von 37,0 °C axillar und 37,8 °C rektal; sie fühlt sich insgesamt matt, RR und Puls sind normal. Unter Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen leidet sie nicht; auch hatte sie in den letzten Tagen keine Schmerzen im Epigastrium. Ihre letzte Periode liegt eine Woche zurück. Der rechte Unterbauch ist druckschmerzhaft (unterhalb des McBurney-Druckpunkts). Das Blumberg-Zeichen ist negativ, es besteht eine geringe Abwehrspannung, allerdings keine regelrechte Verhärtung der Bauchdecke. Auf gezielte Nachfrage der Heilpraktikerin gibt die Patientin an, seit zwei Tagen vermehrt Ausfluss zu haben. „Rufen Sie doch mal bei Ihrem Gynäkologen an, und fragen Sie, ob Sie jetzt gleich noch einen Termin bekommen können,“ bittet die Heilpraktikerin. „Das muss nicht unbedingt eine Blinddarmentzündung sein. Ich vermute vielmehr, dass es sich um eine Eileiterentzündung handelt.“ Noch von der Praxis aus vereinbart die Patientin einen Termin bei ihrem Frauenarzt; ihr Freund, der im Wartezimmer sitzt, fährt sie sofort dorthin. Die gynäkologische Untersuchung bestätigt die Vermutung der Heilpraktikerin.

Naturheilkundliche Therapie bei Erkrankungen der Eierstöcke und Eileiter

Aromatherapie

Ätherische Öle können adjuvant zur schulmedizinischen Behandlung als pflanzliche Antibiotika eingesetzt werden. Eine entsprechende Mischung kann aus folgenden Trägerölen und ätherischen Ölen hergestellt werden: Johanniskrautöl (50 ml), Aloe-vera-Öl (20 ml), Teebaumöl (5 Tropfen) und Lavendelöl (5 Tropfen). Diese Mischung wird in einer Braunglasflasche gut verschüttelt, ein Tampon damit getränkt und dieser eingeführt. Der Tampon sollte morgens, mittags und abends gewechselt werden.

Enzymtherapie

Enzyme, z. B. Bromelain® POS Tabletten, unterstützen den Abbau der entzündlichen Gewebsveränderung und wirken somit schmerzlindernd.

Physikalische Therapie

Im akuten Stadium sind kalte Anwendungen (Eisbeutel auf dem Unterbauch) angezeigt, um eine weitere Ausbreitung der Entzündung zu verhindern und die Schmerzen zu lindern. Nach Abklingen des akuten Stadiums helfen feucht-warme Umschläge, das entzündlich veränderte Gewebe abzubauen und späteren Vernarbungen entgegenzuwirken. Empfehlen Sie der Patientin auch Bäder mit Moor-Schwefel-Pulver oder Sitzbäder mit Kamille. Bei chronischen Beschwerden ist zu einem Kuraufenthalt mit Moorbädern und Fangopackungen zu raten. Auch in der heimischen Badewanne können Moorbäder (2–3-mal wöchentlich, jeweils ca. 20 Min.) durchgeführt werden.

Phytotherapie

Bei bakteriellen Infektionen hat sich folgende Rezeptur (aa. 50 g) bewährt: Alchemillae herba, Calendulae flos, Chamomillae flos, Lavendulae flos, Malvae flos. Daraus wird ein Aufguss bereitet (3 EL auf ¾ l Wasser); diesem können 3 Tr. Eukalyptusöl zugesetzt werden. Mit diesem Infus kann bei chronisch rezidivierenden Beschwerden eine Vaginalspülung durchgeführt oder ein damit getränkter Tampon eingeführt werden. Zu empfehlen ist ebenfalls die Verordnung von phytotherapeutischen Leber-Nierenmitteln, um die Ausscheidungs- und Entgiftungsvorgänge anzuregen. Die kurmäßige Einnahme von Frauenmantelkraut (Alchemillae herba Abb. 17.30) hat sich ebenfalls bewährt, z. B. Ceres® Alchemilla Urtinktur.

Ovarialtumoren

Funktionelle Eierstockzysten

Funktionelle Eierstockzysten: keine echten Tumoren, sondern durch Flüssigkeitsansammlung bedingte Zysten; wichtig v. a. wegen der Differenzialdiagnosen mit bösartigen Ovarialtumoren. Am häufigsten sind Follikelzysten und Corpus-luteum-Zysten.

Krankheitsentstehung
Follikelzysten entstehen, wenn im Ovar zwar ein Eifollikel heranreift, der Eisprung jedoch aufgrund Ovarialtumor:gutartigeines hormonellen Ungleichgewichts ausbleibt und der Follikel Eierstockzystenweiterbesteht. Sie treten am häufigsten zu Zeiten hormoneller Umstellungen auf, also während und kurz nach der Pubertät und im Klimakterium.
Corpus-luteum-Zysten bilden sich aus dem Gelbkörper meist zu Beginn einer Schwangerschaft. Zysten, die durch den Sekretverhalt (Retention) von Drüsen entstehen, wie z. B. die Endometriosezysten, die eingedickte Blutabbauprodukte enthalten oder Dermoidzysten (enthalten z. B. Haare, Talg) treten seltener auf.
Symptome, Komplikationen, Diagnostik
Ovarialzysten zeigen sich durch Zyklusstörungen und geringe Unterbauchschmerzen. Viele Frauen haben keine Beschwerden. Die Hauptkomplikationen sind Zystenruptur oder Stieldrehung, die beide mit akuten Unterbauchschmerzen einhergehen.
Die Diagnose erfolgt durch die gynäkologische Untersuchung (vergrößert tastbarer Eierstock) und Ultraschalluntersuchung.
Schulmedizinische Therapie
Hat die Frau keine oder nur wenig Beschwerden und zeigt die Ultraschalluntersuchung keine Hinweise auf solide Anteile, kann zunächst abgewartet werden. Die meisten funktionellen Zysten bilden sich innerhalb von 2–3 Zyklen spontan zurück. Ansonsten werden im nächsten Zyklus Hormone gegeben. Ist die Zyste auch hierunter nicht zurückgegangen, besteht dringender Tumorverdacht, und eine weitere Abklärung ist notwendig.
Bei akuten Beschwerden muss sofort operiert werden.
Gutartige Ovarialtumoren
Das Ovar ist histologisch nicht einheitlich aufgebaut, und Tumoren können von allen naturheilkundliche Therapie:EierstockerkrankungenGewebetypenEierstockerkrankungen, naturheilkundliche Therapie ausgehen, also von Epithelien, Bindegewebe, Keimstrang und Keimzellen. Deshalb ist die präzise Einteilung der Ovarialtumoren Tumor(en):Ovarien, benignehochkompliziert (Überblick Tab. 17.4).
Etwa 1 % aller Frauen entwickelt einen gutartigen Ovarialtumor. Da sich die Symptome gut- und bösartiger Ovarialtumoren nicht unterscheiden, auch die Ultraschalluntersuchung keine Gewissheit bezüglich der Gutartigkeit des Tumors bringt und die Entartungsgefahr gutartiger Ovarialtumoren groß ist, muss bei jedem soliden oder solid-zystischen Tumor eine Laparoskopie (Bauchspiegelung) oder Laparotomie (Eröffnung der Bauchhöhle) vorgenommen werden und eine histologische Abklärung erfolgen. Erweist sich der Tumor als gutartig, wird daraufhin lediglich der Tumor selbst oder der befallene Eierstock entfernt. Die Prognose vollständig entfernter Tumoren ist gut.
Ovarialkarzinom

Ovarialkarzinom: vom Oberflächenepithel ausgehender, bösartiger Tumor des Ovars. Der Altersgipfel liegt im 6. Lebensjahrzehnt; es können aber auch Mädchen erkranken.

Krankheitsentstehung
Die genaue Ursache ist unbekannt, es konnte jedoch in 10 % der Fälle eine familiäre Veranlagung Tumor(en):Ovarialkarzinomnachgewiesen werden. Wahrscheinlich spielen auch hormonelle Ursachen Ovarialkarzinomeine Rolle, wobei Studien gezeigt haben, dass die langfristige Einnahme der „Pille“ das Risiko der Erkrankung erheblich (um 60 %) reduziert.
Symptome
Unabhängig von Gut- oder Bösartigkeit führen die meisten Ovarialtumoren erst sehr spät zu Beschwerden, da sie eine erhebliche Größe erreichen können, bevor sie andere Organe, z. B. die Harnleiter und den Damm, beeinträchtigen. Daher werden sie oft nur zufällig diagnostiziert.
Die Symptome sind meist unspezifisch:
  • unklare Unterbauchschmerzen, je nach Lage und Ausdehnung des Tumors

  • Fremdkörpergefühl durch den Tumor, evtl. Zunahme des Leibesumfangs durch den Tumor selbst oder infolge tumorbedingten Aszites

  • Blasenbeschwerden und unspezifische Darmsymptome wie Blähungen, Völlegefühl oder Schmerzen beim Stuhlgang

  • bei Stieldrehung oder Ruptur des Tumors akute Bauchschmerzen und lebensbedrohliches Krankheitsbild

  • in fortgeschrittenen Stadien Allgemeinsymptome wie Leistungsminderung und Gewichtsverlust

Ovarialkarzinome metastasieren vorwiegend diffus intraperitoneal. Die häufigsten hämatogenen Fernmetastasen finden sich in Lunge, Leber, Skelett und Gehirn.
Die Prognose ist meist schlecht, da in 2/3 der Fälle die Prognose erst im fortgeschrittenen Stadium gestellt wird, die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt im Stadium III < 25 %, im Stadium IV < 10 %.
Diagnostik und Differenzialdiagnose

Achtung

Bei unklaren Beschwerden im Unterbauch oder anamnestischem Verdacht auf ein Ovarialkarzinom müssen Sie die Patientin unverzüglich zum Gynäkologen überweisen.

Der Tumor lässt sich meist bei der gynäkologischen Untersuchung ertasten. Die technischen Untersuchungen bestehen v. a. in vaginaler und abdominaler Sonografie.
Die notwendige differenzialdiagnostische Abklärung gutartiger Ovarialtumoren (Tab. 17.4) ist oft erst während der OP möglich.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Bei allen unklaren Ovarialtumoren ist die OP Methode der Wahl. Ergibt der Schnellschnitt ein Ovarialkarzinom, erfolgt eine Radikal-OP mit Entfernung von Gebärmutter, beiden Eierstöcken und Eileitern, großem Netz und zahlreichen Lymphknoten, evtl. auch von Blasen- oder Darmanteilen.
Fast immer folgt der OP eine Chemotherapie, auf die ein Großteil der Ovarialkarzinome anspricht.
Bei Ovarialkarzinomen, die noch auf das Ovar beschränkt sind, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate um 80 %. Die Prognose der meisten Ovarialkarzinome ist jedoch schlecht (5-Jahres-Überlebensrate: < 50 %), da zum Zeitpunkt der Diagnose der Tumor oft weit fortgeschritten ist.

Erkrankungen der Gebärmutter

Uteruspolyp

Uteruspolyp: gutartige Schleimhautwucherung im Gebärmutterhalskanal (Zervixpolyp) oder in der Gebärmutterhöhle (Korpuspolyp).

Zervixpolypen führen teilweise zu Fluor oder Kontaktblutungen (etwa beim Geschlechtsverkehr), da sie häufig aus dem Gebärmuttermund herausragen. Sehr viele ZervixpolypZervixpolypen verursachen allerdings keinerlei KorpuspolypBeschwerden und werden nur zufällig diagnostiziert.
Hauptsymptome von Korpuspolypen sind Blutungen außerhalb der Menstruation, meist Schmierblutungen oder Blutungen nach der Menopause. Evtl. haben die Patientinnen auch Unterbauchschmerzen.
Zervixpolypen können fast immer, Korpuspolypen nur selten bei der gynäkologischen Untersuchung gesehen werden.
Ein Zervixpolyp wird – z. B. mit einer Kornzange – abgedreht, die Basis des Polypen durch eine anschließende Abrasio abgetragen. Bei Korpuspolypen ist immer eine Abrasio oder hysteroskopische Abtragung erforderlich.

Uterusmyom

Uterusmyom: gutartiger Tumor der glatten Uterusmuskulatur; häufige Erkrankung: ca. 20 % aller Frauen über 30 Jahre haben Uterusmyome.

Uterus myomatosus: Vorkommen zahlreicher Myome, sodass die Gebärmutterwand von Myomen durchsetzt ist.

Die Ursachen des Myomwachstums sind unklar, es gilt aber als sicher, dass das Myomwachstum durch Östrogene gefördert wird.

Symptome
Die Symptome sind abhängig von Lage (Abb. 17.31), Anzahl und Größe der Myome:
  • verlängerte und/oder zu starke Menstruationen (Menorrhagie bzw. Uterus:MyomHypermenorrhö Abb. 17.19), MyomZwischenblutungen und Dysmenorrhö

  • Fehlgeburten

  • bei Druck auf Blase oder Darm Harnstau, Schmerzen beim Wasserlassen, Obstipation

  • Druckgefühl im Unterleib

  • bei Stieldrehung Bild eines akuten Abdomens (30.11)

Viele Myome bereiten keine Beschwerden. Nach der Menopause beginnen die Myome durch die verminderte Östrogenproduktion in der Regel zu schrumpfen, und die Beschwerden der Patientin hören auf.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Die Diagnosesicherung eines Myoms erfolgt v. a. durch die gynäkologische Untersuchung und die Sonografie.
Bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor sind weitere Untersuchungen analog denen bei Verdacht auf ein Zervixkarzinom angezeigt.
Schulmedizinische Therapie
Bei vielen Myomen ist (zunächst) keine Therapie erforderlich. Regelmäßige Kontrollen in Abständen von 3–6 Monaten sollen eine eventuelle Entartung zum Myosarkom (von den glatten Muskelzellen ausgehender bösartiger Tumor) frühzeitig erfassen, die bei 0,2–0,5 % der Myom-Patientinnen auftritt.
Macht das Myom Beschwerden oder sind Komplikationen zu befürchten, ist eine OP erforderlich. Bei jungen Frauen mit Kinderwunsch kann das Myom Myosarkomzunächst mit Hormonen (GnRH-Analoga) verkleinert und dann – möglichst laparoskopisch – aus der Gebärmutter ausgeschält (enukleiert) werden. Ist die Familienplanung abgeschlossen, rät der Arzt in der Regel zu einer vaginalen oder abdominalen Hysterektomie, der Entfernung der Gebärmutter durch die Vagina bzw. Laparotomie.
Seit einiger Zeit wird auch in Deutschland zunehmend die sanftere Methode der Myom-Embolisation angewendet. Sie kommt für Myome mit einem Durchmesser unter 10 cm und für Frauen mit abgeschlossener Familienplanung Hysterektomieinfrage. Hierbei werden winzige Kunststoffkügelchen in die Blutgefäße eingeleitet, die das Myom versorgen. Dort setzen sie sich fest und schneiden das Myom vonEmbolisation:Myom der Blutzufuhr ab, wodurch es auf etwa die Hälfte seiner Größe schrumpft. Dies beseitigt meist bereits die Beschwerden.

Uteruskarzinome

Von den bösartigen Tumoren des Uterus ist das Uteruskarzinom (Gebärmutterkrebs) am bedeutsamsten. Je nach Lokalisation (Abb. 17.32) werden das Zervix- und das Korpuskarzinom Tumor(en):Gebärmutterunterschieden.
Mit einer Häufigkeit von 1–3 % aller bösartigen Uterustumoren recht Uterus:Karzinomselten ist das Uterussarkom, das durch Operation und Chemotherapie behandelt wird und dessen Prognose sehr schlecht ist.
Zervixkarzinom

Zervixkarzinom (Kollumkarzinom, Gebärmutterhalskrebs): entwickelt sich über die Stadien Dysplasie und Carcinoma in situ; früher häufigster Genitalkrebs der Frau; heute Rückgang der Häufigkeit in Mitteleuropa aufgrund der Früherkennung durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen mittels Zervix-Abstrich auf ca. 20 % aller Genitalkarzinome. Altersgipfel für ein Carcinoma in situ 25–40 Jahre, für ein Karzinom sowohl 35.–45. Lebensjahr als auch 65.–75. Lebensjahr.

Krankheitsentstehung
Das Zervixkarzinom entsteht bevorzugt im Übergangsbereich (Umwandlungszone) zwischen dem Plattenepithel der UterussarkomPortioZervixkarzinom und dem Zylinderepithel Kollumkarzinomder Zervix. 95 % der Karzinome sind Gebärmutterhals:KrebsPlattenepithelkarzinome, nur 4 % sind Adenokarzinome. Zunächst treten Zellabweichungen innerhalb des Epithels auf, die als zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN) oder (allgemeiner) Dysplasie bezeichnet werden und deren leichtere Formen z. T. reversibel sind. Es folgt das Carcinoma in situ, das die Basalmembran noch nicht durchbrochen hat, und zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN)schließlich das invasive Karzinom.
Nach heutigem Kenntnisstand ist das Zervixkarzinom infektiös bedingt und Folge Dysplasie:Zervixkarzinomeiner Infektion mit humanen Papilloma-Viren, kurz HPV. Früher erster Geschlechtsverkehr, häufiger Partnerwechsel, mangelnde Hygiene und auch Rauchen erhöhen das Risiko der Tumormanifestation. Die Ständige Papilloma-Viren, humane (HPV)Impfkommission (STIKO) empfiehlt, dass sich 12- bis 17-jährige Mädchen gegen eine Infektion mit humanenVerrucae:Papilloma-Viren, humane (HPV) Papilloma-Viren (HPV) impfen lassen sollen. Durch Safer Sex lässt sich das Risiko einer HPV-Infektion deutlich senken, aber nicht ganz verhindern.
Symptome
Das Zervixkarzinom bereitet lange Zeit keine Beschwerden. Erst wenn der Tumor größer wird und mit Geschwürsbildung zerfällt, kommt es zu:
  • fleischwasserfarbigem, süßlich riechendem Fluor

  • unregelmäßigen Zwischenblutungen

  • Kontaktblutungen, z. B. beim Geschlechtsverkehr

  • Schmerzen (erst sehr spät)

Das Zervixkarzinom wächst sehr früh in das seitlich der Zervix liegende Bindegewebe (Parametrium) und die Beckenlymphknoten, was zu einer Verengung der Harnleiter führen kann und in der Folge zu einem Nierenaufstau und schließlich zur Urämie (16.5.1), der häufigsten Todesursache bei diesem Karzinom. Relativ spät erfolgt die hämatogene Metastasierung in Leber, Lunge, Wirbelsäule und Becken.
Diagnostik
Bei der Sicherung der Diagnose stehen die gynäkologische Untersuchung, zytologische Untersuchung von Zellabstrichen und die histologische Untersuchung von entnommenem Gewebe (PE oder Konisation) an erster Stelle.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Die Behandlung des Zervixkarzinoms ist abhängig von der Ausbreitung des Tumors. Hauptpfeiler der Behandlung sind die OP (je nach Tumorausbreitung Konisation, einfache Gebärmutterentfernung oder radikale OP mit zusätzlicher Entfernung der Aufhängebändchen des Uterus und von oberem Scheidendrittel und Lymphknoten) und die Strahlentherapie. Hormon- und Chemotherapie bringen nur wenig Nutzen.
Bei Früherkennung, d. h. ohne Lymphknotenbefall, ist die Prognose des Zervix-karzinoms mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von ca. 90 % gut. Bei Überschreitung des Gebärmutterhalses liegt sie dagegen nur noch bei 40–63 %.
Wichtigster Prognosefaktor ist der Lymphknotenbefall.
Korpuskarzinom

Korpuskarzinom (Endometriumkarzinom): Gebärmutterhöhlenkrebs, ausgehend vom Endometrium. Häufigkeitszunahme in den letzten Jahren auf jetzt 30 % aller Genitalkarzinome. Altersgipfel 65.–70. Lebensjahr, selten vor der Menopause.

Krankheitsentstehung
Beim Endometriumkarzinom handelt es sich meist um ein Adenokarzinom. Als Ursache der Entartung wird ein lang andauerndes Überwiegen der KorpuskarzinomÖstrogene gegenüber den Gestagenen diskutiert (Endometrium:KarzinomÖstrogendominanz). Ferner sind Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes mellitus Risikofaktoren.

Fallbeispiel „Korpuskarzinom“

Eine 54 Jahre alte Drogistin und Mutter zweier erwachsener Kinder sucht erstmalig die Heilpraktikerin auf, weil sie unter starken klimakterischen Beschwerden leidet. Besonders Hitzewallungen und nervöse Unruhe quälen sie jeden Tag. Sie erzählt, dass sie nicht mehr zur Vorsorgeuntersuchung gewesen sei, nachdem ihre Frauenärztin vor drei Jahren ihre Praxis aus Altersgründen an einen jungen Kollegen übergeben habe. „Halten Sie mich bitte nicht für albern, aber zu einem Mann mag ich einfach nicht gehen … Außerdem weiß ich von einer Freundin, dass er Hormonpflaster empfiehlt, und damit kann ich mich nicht anfreunden.“ In der Anamnese bekommt die Heilpraktikerin folgende Hinweise: Die Patientin hat ihre Menstruation nur noch sehr unregelmäßig, allerdings sind die Blutungen relativ stark. Auf Nachfrage berichtet sie, mitunter wässrig-rosafarbenen Ausfluss zu haben. (Dieses Symptom weckt die besondere Aufmerksamkeit der Heilpraktikerin.) Ansonsten leidet die Patientin unter Schlafstörungen und gelegentlichen Kopfschmerzen. Anamnestische Hinweise auf eine Eisenmangelanämie (aufgrund der Metrorrhagien) liegen nicht vor. Die körperliche Untersuchung der mittelgradig übergewichtigen Patientin ergibt keine auffälligen Befunde, lediglich der Puls ist leicht erhöht, was die Heilpraktikerin jedoch v. a. auf die offensichtliche nervöse Anspannung der Patientin zurückführt. „Ich übernehme gerne Ihre Behandlung, und die Naturheilkunde hat gerade bei Wechseljahresbeschwerden sehr gute Therapiemöglichkeiten. Sie müssen jedoch unbedingt vorher zu einer gynäkologischen Untersuchung, denn Sie haben mir ein Symptom geschildert, das auf jeden Fall abgeklärt werden muss!“ Sie begründet behutsam, aber eindringlich die Notwendigkeit und empfiehlt der Patientin eine gute und verständnisvolle Frauenärztin in der nahe gelegenen Kreisstadt. Diese Vorsichtsmaßnahme erweist sich im Nachhinein als richtig, denn die Vaginalsonografie zeigt einen auffälligen Befund; die wenige Tage später durchgeführte Abrasio und zytologische Untersuchung ergeben ein Korpuskarzinom im Frühstadium, das durch eine Hysterektomie entfernt wird. Glücklicherweise sind noch keine Metastasen aufgetreten. Die Patientin fühlt sich bei der naturheilkundlich ausgerichteten Gynäkologin sehr wohl und geht regelmäßig zur Nachsorge und zur Behandlung der auch nach der OP andauernden klimakterischen Beschwerden zu ihr. Einmal monatlich besucht sie die Selbsthilfegruppe „Frauen nach Krebs“, die die Heilpraktikerin, die selbst vor Jahren an Brustkrebs erkrankte, in Zusammenarbeit mit einer Kirchengemeinde des Ortes leitet.

Symptome
Symptome des Korpuskarzinoms sind:
  • Blutungen nach der Menopause, bei Frauen im gebärfähigen Alter Metrorrhagien

  • eitriger, blutiger oder fleischwasserfarbener Fluor

  • evtl. Schmerzen im Unterbauch

Bei Verschluss des Gebärmuttermundes mit nachfolgender Entzündung kann es zur Pyometra (Eiteransammlung in der Gebärmutterhöhle) kommen.
Das Korpuskarzinom metastasiert lymphogen in benachbarte Lymphknoten, hämatogen v. a. in Lunge, Leber, Skelett und Gehirn.
Diagnostik
Die gynäkologische Untersuchung ist oft völlig unauffällig. Erst in Spätstadien fällt eine PyometraVergrößerung der Gebärmutter oder ein im Gebärmuttermund sichtbarer Tumor auf. Die Veränderungen des Endometriums können meist vaginalsonografisch dargestellt werden. Die Sicherung der Diagnose erfolgt durch eine Abrasio, evtl. in Kombination mit einer Hysteroskopie.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Wie beim Zervixkarzinom steht die operative Entfernung der Gebärmutter, einschließlich der Adnexen und Beckenlymphknoten im Vordergrund. Im fortgeschrittenen Stadium bei inoperablen Patientinnen erfolgt eine Strahlenbehandlung. Bei Fernmetastasen sprechen v. a. hochdifferenzierte Adenokarzinome auf eine Hormontherapie mit hoch dosierter Gestagengabe an. Eine Chemotherapie hat nur selten Erfolg.
Ist das Karzinom auf den Korpusbereich beschränkt, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate zwischen 75 und 90 %. In höheren Stadien sinkt sie auf < 50 % (Stadium I: 81–90 %, Stadium IV: 17–20 %).

Gebärmuttersenkung und Gebärmuttervorfall

Gebärmuttersenkung (Descensus uteri): Tiefertreten des Uterus und meist auch der Vaginalwände (Descensus uteri et vaginae) aufgrund einer Schwäche des bindegewebigen Halteapparats.

Gebärmuttervorfall (Uterusprolaps): Schwerstform des Descensus uteri mit „Umstülpen“ der Scheide. Beim Partialprolaps sinken die Scheidenwände und der Uterus teilweise, beim Totalprolaps (Abb. 17.35) vollständig vor die Vulva.

Krankheitsentstehung
Der Gebärmuttersenkung liegt ein Missverhältnis zwischen Belastbarkeit und tatsächlicher Belastung des GebärmuttersenkungBeckenbodens Gebärmuttervorfallzugrunde (Abb. 17.33, Descensus:uteriAbb. 17.34). Prädisponierende Faktoren sind Uterus:Prolapsinsbesondere körperliche Anstrengung (z. B. schweres Heben), Übergewicht und Geburten im Zusammenspiel mit anlagebedingter Bindegewebsschwäche.
Durch die Verbindung von Gebärmutter und Vagina mit Harnblase und Rektum können diese Organe beim Descensus uteri mit heruntergezogen werden. Dann führt der Deszensus der vorderen Vaginalwand zur Entstehung einer Zystozele (Blasensenkung) und der Deszensus der hinteren Scheidenwand zur Bildung einer Rektozele (Mastdarmsenkung). Die Kombination beider heißt entsprechend Zysto-Rektozele.
Symptome und Diagnostik
Viele Patientinnen haben keine Beschwerden. Hauptsymptome sind:
  • Druckgefühl nach unten („ich meine immer, mir würde alles da unten rausfallen“)

  • uncharakteristische RektozeleSchmerzen in Unterbauch und Kreuz

  • Fluor, da Scheidenwände und Zervix häufig gereizt oder entzündet sind

  • Harnwegsinfekte und Obstipation durch deszensusbedingte Veränderungen an Blase und Darm

  • Harninkontinenz

  • Geh- und Sitzbehinderung

Die Diagnosestellung erfolgt durch die gynäkologische Untersuchung. Technische Untersuchungen, in erster Linie urodynamische Druckmessungen (16.3.5) sowie röntgenologische und sonografische Darstellungen der Harnwege, Harninkontinenz:Blasensenkungdienen der Planung der geeigneten Therapie.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
In leichten Fällen können Beckenbodengymnastik und – bei älteren Frauen mit Östrogenmangel – die lokale oder systemische Gabe von Östrogenen (in Kombination mit Gestagenen) ausreichend sein.
Bei stärkerem Descensus besteht die Therapie in der OP mit vorderer und hinterer Scheidenplastik (Kolporrhaphie) zur Wiederherstellung des Stützmechanismus des Beckenbodens, bei abgeschlossener Familienplanung im Anschluss an eine meist vaginale Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter durch die Scheide).
Die Prognose des Descensus Scheidenplastikuteri ist insgesamt gut. Allerdings erleidet auch bei geeigneter und Kolporrhaphieindividuell abgestimmter OP fast ein Drittel der Patientinnen ein Rezidiv.

Endometriose

Endometriose: Vorkommen von ektoper (am falschen Ort befindlicher) Gebärmutterschleimhaut, d. h. außerhalb der Gebärmutterhöhle (Abb. 17.36). Endometriumzellen finden sich im Bereich der inneren und äußeren Geschlechtsorgane (z. B. Eileiter, Eierstöcke), aber auch in entfernten Organen oder Bauchoperationsnarben; betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter; wichtige Sterilitätsursache.

Krankheitsentstehung
Die Endometriose ist eine der häufigsten, gutartigen gynäkologischen Erkrankungen, sie betrifft 7–10 % aller Frauen (10–50 % der Frauen im gebärfähigen Alter). Die Anzahl der Erkrankungen steigt bis zur Menopause, nachEndometriose der Menopause tritt sie nur noch selten auf (aufgrund des Hormonabfalls). Während einer Schwangerschaft nehmen die Beschwerden meist ab. Es wird angenommen, dass während der Menstruation Endometriumzellen retrograd („rückwärts“) durch die Eileiter transportiert werden und sich in der Bauchhöhle einnisten Gebärmutterschleimhaut soll auch über den Blut- oder Lymphweg in andere Organe gelangen oder dort durch Veränderung ortsständiger Zellen entstehen können.
Symptome und Diagnostik
Ebenso wie die Gebärmutterschleimhaut reagiert auch das verschleppte Gewebe auf die Hormonschwankungen während des Zyklus. Die Symptome sind abhängig von der Lokalisation der Schleimhaut:
  • Dysmenorrhö und verstärkte Menstruationen bei Endometrioseherden in der Muskelschicht der Gebärmutter

  • Kreuzschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr bei Lokalisation dorsal (hinter) der Zervix

  • Makrohämaturie (sichtbare Rotfärbung des Urins durch Blut) und Blutung aus dem Darm bei Lokalisation in Blase bzw. Darm

  • zystische Auftreibungen des Ovars, die wegen ihrer Farbe auch als Teer- oder Schokoladenzysten bezeichnet werden, falls das Blut nicht abfließen kann

  • Dauerschmerzen bei Verwachsungen infolge der Endometriose

  • Sterilität, evtl. als einziges Symptom

Achtung

Alle Unterbauchbeschwerden einer Frau, die zyklusabhängig auftreten, weisen auf eine Endometriose hin und müssen vom Gynäkologen abgeklärt werden.

Die Diagnose kann meist durch eine Laparoskopie gestellt werden. Die Darm- oder Blasenendometriose werden durch DarmSchokoladenzysten- bzw. Blasenspiegelung nachgewiesen.
Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung besteht in leichten Fällen in der Gabe einer „Pille“ mit hohem Gestagenanteil. Sind die Beschwerden der Patientin stark oder verlegen die Endometrioseherde die Lichtung der Eileiter und führen so zur Sterilität, muss versucht werden, die Herde laparoskopisch oder durch offene OP zu entfernen. Mit der Menopause verschwinden die Beschwerden in der Regel von selbst, da der hormonelle Wachstumsreiz wegfällt.

Naturheilkundliche Therapie bei Erkrankungen der Gebärmutter

Naturheilkundliche Therapieverfahren naturheilkundliche Therapie:Gebärmuttererkrankungeneignen sich sowohl zur Behandlung der subjektiven Beschwerden als auch zur Regulierung Gebärmuttererkrankungen:naturheilkundliche Therapiedes hormonellen Geschehens.

Bei Endometriose empfiehlt es sich, zusätzlich immunmodulierende Maßnahmen anzuwenden, um die veränderte Abwehrlage – Fehlfunktionen der Killerzellen, Bildung von Abwehrstoffen gegen körpereigenes Gewebe können beobachtet werden – regulationstherapeutisch zu beeinflussen.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Über die Stimulierung der Hautreflexzone im Bereich von L5 mittels Schröpfen oder Baunscheidtieren oder über das Anlegen eines Cantharidenpflasters (4.2.14) wird das hormonelle System reguliert sowie die Vitalität gesteigert. Je nach Konstitution bzw. notwendigem therapeutischen Reiz wird die Genitalzone trocken oder blutig geschröpft bzw. baunscheidtiert.

Aromatherapie

Bei Endometriose ist Thymian mit seinen immunmodulierenden Eigenschaften zu empfehlen. Das Öl wirkt gleichzeitig beruhigend sowie harmonisierend bei Stressbeschwerden. Außerdem können Bergamotte (beruhigend, krampflösend), Geranium (belebend) und Zypresse (entstauend) einem Vollbad zugesetzt werden.

Ernährungstherapie

Empfehlen Sie eine Vollwerternährung bestehend aus ballaststoffreichen Vollkornprodukten, Obst und Gemüse, damit die Versorgung mit den notwendigen Mineralstoffen und Vitaminen gewährleistet ist und einer potenziellen Obstipation, die die Symptome verstärkt, vorgebeugt werden kann. Blähungstreibende Nahrungsmittel sollten bei Endometriose gemieden werden, damit keine zusätzlichen Unterleibsbeschwerden provoziert werden. Salz sollte zurückhaltend eingesetzt werden, da es Wassereinlagerungen begünstigt.
Bei Endometriose sowie bei Myomen sollte die Zufuhr von tierischem Eiweiß, v. a. von rotem Fleisch und Wurst, eingeschränkt werden, weil es u. a. die Bildung von Entzündungsstoffen fördert. Ungesättigte Fettsäuren, z. B. in Leinöl oder Fisch, wirken dagegen antientzündlich.

Ordnungstherapie

Prüfen Sie insbesondere bei Patientinnen mit Endometriose, ob eine Schwächung des Immunsystems, eine erhöhte Belastung durch Umweltschadstoffe, aber auch seelische Verletzungen und krankmachender Stress vorliegen. Raten Sie zur Einhaltung eines geordneten Lebensrhythmus mit ausreichend Ruhe und Entspannung. Yoga und Luna-Yoga verbessern die Energieversorgung des Beckens.

Physikalische Therapie

Bei Unterleibskrämpfen hilft ein heißer Heublumensack, der auf den Bauch gelegt wird. Das Torfbreibad hat sich bei Endometriose insbesondere bei gleichzeitig bestehender Sterilität bewährt. Es wirkt krampflösend und fördert die Durchblutung, die Peristaltik der Eileiter sowie den Lymphstrom und soll dadurch sogar leichte tubuläre Verklebungen lösen können. Zur Belebung der Durchblutung im kleinen Becken sind bei Myomen Reibesitzbäder günstig.

Phytotherapie

Um die schmerzhafte Regelblutung zu mildern, sind spasmolytisch wirksame „Frauenpflanzen“ einzusetzen, wie z. B. Gänsefingerkraut (Potentillae anserinae herba Abb. 17.37), Schafgarbenkraut (Millefolii herba) und Mönchspfefferfrüchte, auch Keusch lammfrüchte genannt (Agni casti fructus Abb. 17.23). Bei stärkeren Blutungen wirkt Hirtentäschelkraut (Bursae pastoris herba) regulierend (z. B. Styptysat® Bürger).

Traditionelle Chinesische Medizin

Bei gynäkologischen Beschwerden sind v. a. der Milz-Pankreasmeridian, der Nieren-, Dickdarm-, Gallenblase- und Lebermeridian betroffen und in die differenzialdiagnostischen Überlegungen einzubeziehen. Bei Endometriose wird die Akupunktur zur Schmerztherapie angewendet sowie zur Behandlung jeweiliger Syndrombilder, wie z. B. eines Qi-Mangels, Nieren-Yin-Mangels oder der Hitze im Blut.
Bei Myomen ist zu differenzieren zwischen einem Fülle-Syndrom, z. B. Blut-Hitze, stagnierendes Leber-Qi, Blut-Stase, und einem Leere-Syndrom, z. B. Milz-Qi-Schwäche, Nieren-Yang-Mangel, Leber-Qi-Stase.

Erkrankungen von Vulva und Vagina

Sexuell übertragbare Krankheiten 25.15

Bartholinitis

Bartholinitis: meist einseitige Entzündung der im dorsalen Teil der großen Schamlippen gelegenen Bartholin-Drüsen und ihrer Ausführungsgänge; evtl. entzündlicher Verschluss des Drüsenausführungsgangs; dadurch Bildung großer Zysten möglich (bis Tischtennisballgröße).

Es findet sich eine große, bis ca. 5 cm messende Zyste an der Innenseite der kleinen Labie; die Haut ist dünn und gerötet. Erreger sind v. a. Anaerobier. Jede Berührung ist schmerzhaft. Die Patientin Bartholin-Drüsen:Entzündungkann daher nur schlecht sitzen und laufen.
Therapie
BartholinitisRotlichtbehandlung und Zugsalbe, falls die Abszessbildung noch nicht abgeschlossen ist. Bei akutem Befund Inzision (Eröffnung) in Vollnarkose mit Entleerung der Zyste. Nachbehandlung mit Sitzbädern (Kamille oder Kaliumpermanganat).
Differenzialdiagnose
Bartholin-Zyste: Infolge einer Sekretansammlung im Ausführungsgang der Bartholin-Drüse vergrößert sich diese zunehmend und ähnelt zuletzt der Bartholinits, weist aber keine Entzündungszeichen auf.

Vulvitis und Kolpitis

Vulvitis: Entzündung der Vulva.

Kolpitis: Entzündung der Vagina (Vaginitis, Scheidenkatarrh).

Vulvitis und Kolpitis sind häufig Erkrankungen, die oft auch gemeinsam auftreten (Vulvovaginitis).

Vulvitis
Ursache der primären Vulvitis ist Bartholin-Drüsen:Zystezumeist die Reizung des äußeren Genitales:
  • mechanisch, z. B. durch zu enge Wäsche oder ungewöhnliche VulvitisSexualpraktiken

  • chemisch, z. B. durch Seifen oder Deos

  • Kolpitisinfektiös, z. B. Herpes-Viren (25.11Vulvovaginitis.11), Papilloma-Viren (25.6)

Die sekundäre Vulvitis entsteht als Folge von Entzündungen höher gelegener Abschnitte der Genitalorgane (z. B. einer Kolpitis), eines Östrogenmangels oder einer Allgemeinerkrankung (z. B. Diabetes mellitus).
Leitsymptome der Vulvitis sind brennende Schmerzen und Juckreiz des äußeren Genitales.
Kolpitis
Die gesunde Vagina ist durch ihren sauren pH-Wert widerstandsfähig gegen Entzündungen. Jedoch können Scheidenspülungen und Antibiotika das Scheidenmilieu so verändern, dass pathogene Bakterien (z. B. Entero-, Staphylo- und Streptokokken) Pilze oder Trichomonaden überwiegen und zu einer Kolpitis führen. Der Östrogenmangel nach der Menopause oder Diabetes mellitus begünstigt die Entwicklung einer Kolpitis.
Bei der Kolpitis stehen Schmerzen und Wundgefühl der Vagina sowie ein pathologischer Fluor (Ausfluss) im Vordergrund. Häufig hat die Patientin Schmerzen (beim Wasserlassen) und beim Geschlechtsverkehr.
Diagnostik
Bei der gynäkologischen Untersuchung sind die erkrankten Bezirke deutlich an ihrer Rötung und Schwellung zu erkennen. Die Berührung ist für die Patientin schmerzhaft.
Bläschen weisen auf eine Infektion mit Herpes genitalis hin, Condylomata acuminata (spitze Kondylome, Feigwarzen) zeigen eine Infektion durch Papilloma-Viren und weiße Beläge Pilze an. Mithilfe eines Abstrichs wird im Labor der Erreger identifiziert.

Achtung

Heilpraktiker dürfen keine sexuell übertragbaren Erkrankungen (Tab. 25.15) behandeln! (§ 24 IfSG)

Bei älteren Patientinnen mit Vulvitis oder Kolpitis muss immer ein Karzinom von Vulva oder Vagina ausgeschlossen werden.
Schulmedizinische Therapie
Konnte ein Erreger nachgewiesen werden, steht dessen Beseitigung im Vordergrund. Oft reicht dabei eine lokale Behandlung mit Cremes oder Scheidenzäpfchen aus. Condylomata acuminata werden z. B. mit Laser, elektrischer Schlinge oder scharfem Löffel entfernt. Zur Wiederherstellung des sauren Scheidenmilieus und zur Vermeidung von Rückfällen empfehlen sich Scheidenzäpfchen mit Milchsäurebakterien, z. B. Vagiflor®.
Bei älteren Patientinnen wird oft durch eine lokale oder systemische Östrogengabe die Scheidenschleimhaut wieder aufgebaut.
Häufig sind bei allen Patientinnen Sitzbäder erforderlich; kühle Kompressen helfen gegen den Juckreiz. Die Patientin soll begünstigende Faktoren meiden, also z. B. Waschmittelreste in der Wäsche, den pH-Wert verändernde Seifen, Deos oder Scheidenspülungen oder eng sitzende Wäsche.
Um Rezidive zu vermeiden, ist eine Behandlung der Grunderkrankung sowie bei infektiöser Ursache eine Behandlung des Partners erforderlich, da es sonst zu erneuten Infektionen (Reinfektion) durch den nicht behandelten, manchmal völlig beschwerdefreien Partner kommt („Ping-Pong-Infektion“).

Karzinome der Vulva und der Vagina

Vulvakarzinom und Vaginalkarzinom: Scheidenkarzinom. Mit 4 % bzw. 1,5 % aller bösartigen Genitaltumoren eher seltene Karzinome. Altersgipfel über 65 Jahre.

Krankheitsentstehung
Etwa 90 % der Tumoren sind Plattenepithelkarzinome.
Obwohl sich bei ca. 90 % aller Patientinnen mit Vulvakarzinom zugleich auch PapillomaVulvakarzinom-Viren Vaginakarzinomoder HPV nachweisen lassen, ist die TumorentstehungTumor(en):Vulva des Vulvakarzinoms ebenso wie die des Vaginalkarzinoms Tumor(en):Vaginaunklar.
Symptome und Untersuchungsbefund
Bei einem Vulvakarzinom leidet die Patientin meist unter quälendem, chronischem Scheidenjuckreiz.
Leitsymptome des Vaginalkarzinoms sind fleischwasserfarbener Ausfluss, Blutungen und Beschwerden beim Wasserlassen. Große Tumoren können auch Druckgefühl und Schmerzen verursachen.
Bei der gynäkologischen Untersuchung ist der Tumor meist als Verhärtung, Knoten oder Geschwür sicht- und tastbar. Wichtig ist das Abtasten der regionalen Lymphknoten, da beide Karzinome bevorzugt und rasch lymphogen metastasieren. Ein Lymphödem der unteren Extremität kann Zeichen einer bereits fortgeschrittenen Erkrankung sein.

Achtung

Bei Verdacht auf ein Vulva- oder Vaginakarzinom überweisen Sie die Patientin zur weiteren Abklärung zum Gynäkologen.

Diagnostik
Die Diagnose wird durch die histologische Untersuchung gesichert. Zystoskopie (16.3.5), Rektoskopie (13.3.4), i. v.-Urogramm (16.3.5 – die Harnleiter können durch den Tumor verengt werden) und CT dienen der Feststellung der Tumorausbreitung und Metastasierung.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Bei sehr kleinen Tumoren reicht die Tumorentfernung mit Sicherheitsabstand aus. Ansonsten ist beim Vulvakarzinom eine großflächige radikale Vulvektomie (Entfernung der großen und kleinen Schamlippen und der regionalen Lymphknoten) erforderlich. Das Vaginalkarzinom wird meist mittels radiologischer Bestrahlung therapiert.
Beim Vulvakarzinom ohne Lymphknotenmetastasen (Stadium I) ist die Prognose mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von ca. 82 % gut. Beim Vorliegen von Lymphknotenmetastasen (Stadium III und IV) sinkt sie auf bis zu 20 %. Ist ein Vaginalkarzinom auf die Scheidenwand beschränkt (Stadium I), liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei 60 %. Bei Infiltration oder Ausdehnung bis zur Beckenwand (Stadium IV) sinkt sie auf 17 %.

Erkrankungen der weiblichen Brust

Milchstau und Mastitis

Mastitis (Mastitis perperalis): Brustdrüsenentzündung im Wochenbett. Neben dem Milchstau eine der häufigsten Wochenbettkomplikationen, v.a. bei Erstgebärenden. Beginn typischerweise gut eine Woche nach der Geburt, kann aber während der gesamten Stillzeit auftreten. In 75% einseitig. Bei rechtzeitiger Behandlung meist gute Prognose.

Krankheitsentstehung
Ein Milchstau ist eine normale (physiologische) Erscheinung, die alle Mütter betrifft. Verstärkt werden können die Probleme durchMilchstau einen VulvakarzinomMastitisgestörten Milchspendereflex mit Abflussbehinderung (begünstigt durch Stress) sowie durch mangelnde Entleerung der Brust beim Stillen.
Erreger der Mastitis puerperalis Mastitis:Mastitispuerperalissind Bakterien, meist Staphylokokken. Die Keime gelangen meist über kleine Einrisse (Rhagaden) in Brustwarze und Warzenvorhof in die Brust. Ursache ist entweder eine direkte Kontamination durch mangelnde Hygiene, z.B. die Berührung der Brust nach dem Umgang mit Lochien oder eine Übertragung der Bakterien aus dem keimbesiedelten Nasenrachenraum von Mutter, Kind und/oder Krankenhauspersonal. Im lockeren Bindegewebe führen die Erreger rasch zu einer Entzündung. Auch ein Milchstau kann durch ungenügende Entleerung der Brust eine Mastitis begünstigen, da vorhandene Keime sich wie im „stehenden Gewässer“ rasch vermehren können (Stauungsmastitis).
In 30% der Fälle tritt eine Mastitis außerhalb des Wochenbettes auf (Mastitis nonpuerperalis). Mastitis:Mastitisnonpuerperalis
Symptome und Diagnostik
Symptome und Untersuchungsbefund von Milchstau und Mastitis sind ähnlich, die Übergänge fließend:
  • schmerzhafte Schwellung der betroffenen Brustpartie mit Rötung und Überwärmung der Haut

  • häufig (hohes) Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl mit Kopf- und Gliederschmerzen (bei Mastitis immer vorhanden)

  • Schwellung der Achsellymphknoten

  • Abszessbildung nach 1–3 Tagen (bei Mastitis in 4–12% der Fälle)

Die Diagnose erfolgt anhand des klinischen Bildes. Zusätzlich sind die Bestimmung der Entzündungszeichen im Blut und bei Verdacht auf Abszessbildung eine Sonografie notwendig.
Bei der Mastitis nonpuerperalis muss ein Mammakarzinom (17.14.3) ausgeschlossen werden.
Schulmedizinische Therapie
Im Anfangsstadium der Mastitis wird versucht, die Erkrankung durch Brustentleerung, Ruhigstellung der Brust (fester BH), Kühlung und körperliche Schonung aufzuhalten. Bei fortgeschrittener Entzündung werden Prolaktinhemmer und später Antibiotika gegeben.
Beginnt der Abszess einzuschmelzen, wird nicht mehr gekühlt, sondern durch Wärmeanwendungen die Abkapselung des Abszesses gefördert. Danach wird eine Inzision (Eröffnung) zur Sekretableitung durchgeführt.
Nach Abszessspaltung kann es zu Vernarbungen und unschönen Formveränderungen der Brust kommen. Außerdem können durch die Narbenbildung die Beurteilbarkeit von Mammografie-Aufnahmen eingeschränkt werden, da sich Mikroverkalkungen und narbige Verschattungen zeigen können, die nur schwer von Veränderungen durch ein Karzinom zu unterscheiden sind.
Prävention
Um eine Mastitis zu vermeiden, sollten stillende Mütter Folgendes beachten:

Naturheilkundliche Therapie bei Mastitis

Wird die Mastitis frühzeitig behandelt, können durch physikalische Maßnahmen und eine Behandlung mit pflanzlichen oder homöopathischen Immunmodulatoren gute Ergebnisse erzielt werden. Bei fortgeschrittener Entzündung kann die naturheilkundliche Behandlung adjuvant eingesetzt werden. Weisen Sie darauf hin, dass beim Stillen sorgfältige Hygiene die wichtigste präventive Maßnahme ist.

Homöopathie

Da es sich um ein akutes Geschehen handelt, ist oft ein organotropes Mittel angezeigt: z.B. Belladonna (bei heißer, hochrot entzündeter Haut mit Fieber), Bryonia (bei stechenden, scharfen Schmerzen, Patientin möchte alleine sein), Castor equi (bei entzündeten Brustwarzen, Kleidung wird nicht ertragen), Hepar sulfuris (bei beginnender Abszessbildung), Lac caninum (bei starker Empfindlichkeit gegenüber Kälte und Erschütterung), Pyrogenium (bei septischen Prozessen mit Schüttelfrost, Frieren bei ansteigendem Fieber) oder Lachesis (bei düsterroten Entzündungen, Sepsisneigung Abb. 17.39).
Auch Echinacea ist ein bewährtes Mittel bei Mastitis. Alternativ können Komplexmittel (z.B. Naranotox® comp. Tr.) eingesetzt werden.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie kalte Kompressen mit Kamille, Retterspitz® oder Auflagen mit Quark, die kühlend und entzündungshemmend wirken. Die betroffene Brust wird hochgebunden, um einen Milchstau zu beseitigen.

Phytotherapie

Verordnen Sie bei beginnender Mastitis zur inneren Anwendung immunstimulierende Heilpflanzen wie z.B. Sonnenhutkraut (Echinaceae purpureae herba Abb. 22.12) als Fertigarzneimittel (z.B. Lymphozil® Lutschtabletten) oder auch Pflanzen mit antiödematösen und antiphlogistischen Eigenschaften wie z.B. Rosskastaniensamen (Hippocastani semen Abb. 11.44). Um den Milchfluss zu unterstützen, empfiehlt es sich, Mönchspfefferfrüchte, auch Keuschlammfrüchte genannt (Agni casti fructus Abb. 17.23), einzusetzen.
Bei rissigen, rauen Brustwarzen helfen pflegende Einreibungen mit Johanniskrautöl oder Kamille- oder Hamamelissalben.

Traditionelle Chinesische Medizin

Aus Sicht der TCM entsteht eine Mastitis meist durch eine Leber-Depression mit Qi-Stagnation. Sie lässt sich – ergänzend zur konventionellen Medizin – gut mit Ohrakupunktur behandeln. Häufig gewählte Punkte im Ohr sind: 22 (Endokrinum), 28 (Hypophysenpunkt), 55 (Shen Men), 34 (Graue Substanz), 98 (Leber), 42 (Thorax) und 44 (Mamma).
  • Kind nach Bedarf (auch nach dem Bedarf der Mutter) richtig anlegen, eventuell zusätzlich die Brust ausstreichen und Brust sorgfältig pflegen.

  • Für regelmäßige Ruhephasen der Mutter sorgen.

  • Rhagaden der Brustwarzen sofort behandeln, z. B. mit sparsam aufgetragener Lansinoh®-Salbe (reines Lanolin). Evtl. Brustwarzenschoner benutzen lassen.

  • Kontakt zwischen Brust und Lochien vermeiden.

Gutartige Brusttumoren

Fibroadenome sind gutartige Tumoren, die sich aus Drüsen- und Bindegewebe zusammensetzen und bei knapp 1⁄3 aller Frauen (meist multipel) vorkommen. Am häufigsten sind Frauen vor der Tumor(en):Brust, gutartigeMenopause betroffen, besonders jüngere Frauen Anfang 20. Brusttumoren, gutartigeFibroadenome erhöhen das Brustkrebsrisiko nicht.
Milchgangpapillome sind einzeln oder multipel vorkommende, Fibroadenome, Brustzottenartige Wucherungen, die vom Milchgangsepithel ausgehen und sich durch blutige oder seröse Sekretion aus der Brustwarze bemerkbar machen. Sie kommen v. a. im mittleren Lebensalter vor. Ein Mammakarzinom muss stets ausgeschlossen werden.
Durch Sekretverhalt (Sekretretention) entstehen Zysten, Milchgangspapillomepithelumkleidete Hohlräume mit flüssigem, durch Einblutung häufig blau-grünlich verfärbtem Inhalt. Zysten kommen oft bei der fibrös-zystischen Mastopathie vor. Sie lassen sich sonografisch sehr gut darstellen.
Als fibrös-zystische Mastopathie (Mastopathia cystica fibrosa, Dysplasie der Mamma) werden hormonbedingte Veränderungen des Brustgewebes mit Vermehrung des Bindegewebes (Fibrosierung), Proliferationen (Wucherung) des Milchgangepithels, Milchgangerweiterungen und Zystenbildung bezeichnet. In schweren Fällen fühlt sich die ganze Brust knotig an. Die fibrös-zystische Mastopathie kommt bei Mastopathie40–50 % aller Frauen vor, der Altersgipfel liegt bei 45–55 Jahren. Bei einer Mastopathie Grad I und II ist das Brustkrebsrisiko nicht erhöht, bei einer Mastopathie Grad III (ca. 10 % der Patientinnen) steigt das Brustkrebsrisiko um den Faktor 5.
Bei Patientinnen mit einer fibrös-zystischen Mastopathie ist die Krebsvorsorge-Diagnostik erschwert. Durch die zahlreichen Knoten im Brustdrüsengewebe ist die Palpation nur bedingt aussagekräftig.
Auch der Aussagewert einer Mammografie ist eingeschränkt, da sie in der Regel zahlreiche Veränderungen zeigt, die häufig keine Unterscheidung zwischen gut- und bösartig zulassen. Heute hat auch die Sonografie einen festen Platz in der Diagnostik.
Das wichtigste für diese Patientinnen ist es aber, ihre Brust regelmäßig selbst zu untersuchen und vom Gynäkologen untersuchen zu lassen. Eine konsequente Verlaufsbeobachtung ist die sicherste Möglichkeit, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Diese müssen dann auch immer entsprechend weiter abgeklärt werden (17.14.1).
In schweren Fällen wird die Mastopathie behandelt durch Gabe von Hormonen. Engmaschige gynäkologische und ggf. mammografische Kontrollen dienen der frühzeitigen Erkennung eines eventuellen Mammakarzinoms.

Mammakarzinom der Frau

Mammakarzinom (Brustkrebs): an Häufigkeit zunehmende Krebserkrankung, mit knapp 25 % aller Tumoren der häufigste bösartige Tumor bei Frauen überhaupt und bei den 40–50-jährigen Frauen die häufigste Todesursache. Langzeitüberlebensrate 35–40 %.

Nahezu jede zehnte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom. Der Altersgipfel der Erkrankung liegt zwischen dem 45. und 70. Lebensjahr, doch es können auch schon junge Frauen unter 30 Jahren ein Mammakarzinom bekommen.
Krankheitsentstehung
Mammakarzinom:FrauDas Mammakarzinom entsteht aus einer Entartung des Tumor(en):BrustBrustdrüsengewebes, wobei es sich in ca. 80 % um vom Gangepithel ausgehende duktale Karzinome, in ca. 10 % um lobuläre Karzinome der Drüsenläppchen und in den übrigen 10 % um Sonder formen wie das Paget-Karzinom der Mamille handelt.
Die genaue Ursache dieser Entartung ist unbekannt, jedoch jedoch konnten verschiedene Risikofaktoren definiert werden:
  • genetische Mammakarzinom:duktalesDisposition, Mammakarzinom:lobuläresinsbesondere Vorhandensein von BRCA-1- und BRCA-2-Gen-Mutationen (unten)

  • Mammakarzinom der anderen Brust

  • Paget-Karzinom:MamilleMammakarzinom bei engen Verwandten, z. B. der MutterMamille:Paget-Karzinom

  • Mastopathie Grad III (17.14.1) mit schweren Zellatypien

  • Krebserkrankung der Gebärmutter, Eierstöcke oder des Darms

  • (Übergewicht oder Diabetes mellitus)

  • Einsetzen der Menarche (erste Menstruation) vor dem 12. Lebensjahr

  • Einsetzen der Menopause nach dem 50. Lebensjahr

  • Kinderlosigkeit

  • erste Schwangerschaft nach dem 35. Lebensjahr

Bei schätzungsweise 5–10 % der Betroffenen ist die Erkrankung auf eine erbliche Veranlagung zurückzuführen. Dabei sind v. a. das BRCA-1- und das BRCA-2-Gen (Breast-Cancer-Gen-1 bzw. -2) von Bedeutung. Sie zählen zu den sog. Tumorsuppressorgenen, die die Zelle vor maligner Entartung schützen. Mittlerweile sind eine Reihe verschiedener Mutationen bekannt, die das Risiko eines Mammakarzinoms und teilweise auch des Ovarialkarzinoms unterschiedlich stark erhöhen (beim Mammakarzinom auf bis zu 85–90 %!). Die Mutationen können auch im Blut nachgewiesen werden. Dieser Test ist aber nur sinnvoll für Frauen mit erheblicher familiärer Belastung, auf freiwilliger Basis und eingebettet in ein umfangreiches Gesamtkonzept zur Betreuung der betroffenen Frauen.
Symptome

Achtung

Leitsymptom des Mammakarzinoms ist der nicht druckschmerzhafte Knoten in der Brust, besonders wenn er fest, höckrig und unverschieblich mit der Haut verwachsen ist. Bei hautnahem Tumor oder in fortgeschrittenem Krankheitsstadium können auch eine Rötung oder ein umschriebener (Druck-)Schmerz auftreten.

Weitere Symptome können sein:
  • eine einseitige, meist derbe und nicht druckschmerzhafte Verhärtung in der Achselhöhle

  • Orangenhautphänomen, d. h. Grobporigkeit und Lymphödem der Haut über dem Tumor

  • Einziehung der Haut (z. B. der Brustwarze Abb. 17.39), wenn der Tumor mit der Haut verwächst, Plateauphänomen

  • Unverschieblichkeit der Haut über der Verhärtung und Unverschieblichkeit des Drüsengewebes auf dem Brustmuskel

  • unterschiedliches Verhalten der Brüste beim OrangenhautphänomenHeben der Arme

  • Sekretion aus der Brustwarze

  • ekzemartige Hautveränderungen an der Brust, in späteren Stadien Geschwürsbildung (Ulzerationen)

  • Hautveränderungen ähnlich denen einer starken Entzündung bei massiver Ausbreitung des Karzinoms in die Lymphspalten (inflammatorisches Karzinom Abb. 17.38)

  • Asymmetrie der Brüste. Bei vielen gesunden Frauen ist eine Brust etwas größer oder steht etwas höher als die andere. Immer verdächtig hingegen sind neu aufgetretene Asymmetrien

Das Mammakarzinom metastasiert lymphogen in die regionären Lymphknoten, je nach Lymphabfluss vorwiegend in die Achsellymphknoten bzw. in die Karzinom:inflammatorischesLymphknoten hinter dem Brustbein. Auf hämatogenem Weg entstehen Metastasen in Wirbelsäule, Becken, Leber, Lunge, Eierstöcken, zentralem Nervensystem und Brustfell.
Fernmetastasen treten auch noch mehr als zehn Jahre nach Diagnosestellung und Erstbehandlung auf. Daher sind langjährige Nachkontrollen nach festem Schema erforderlich. Denken Sie bei Patientinnen, bei denen anamnestisch ein Mammakarzinom bekannt ist, daran, dass jeder Kopfschmerz Hinweis auf Hirnmetastasen, jeder Kreuzschmerz Symptom von Knochenmetastasen, jede Atemnot und jeder Husten Anzeichen von Lungenmetastasen sein kann.
Diagnostik
Bei der körperlichen Untersuchung stehen Inspektion und Palpation der Brust im Vordergrund. Vermuten Sie einen Tumor, bewegen oder drücken Sie die Brust vorsichtig und achten dabei besonders auf Einziehungen. Wegen einer möglichen Metastasierung werden nicht nur die beiden Brüste, sondern auch die Lymphknoten in den Achselhöhlen, am Hals sowie ober- und unterhalb des Schlüsselbeins untersucht.
Ärztlicherseits sind folgende technische Untersuchungen bei Verdacht auf Mammakarzinom angezeigt: Sonografie der Brüste und Mammografie (3.9.2), Kontrolle der allgemeinen Tumormarker im Blut, Sonografie der inneren Geschlechtsorgane und Sonografie des Oberbauchs zur Metastasensuche, Skelettszintigrafie und außerdem Röntgen-Thorax.
Gesichert wird die präoperative Diagnose durch die histologische Untersuchung (Stanzbiopsie). Der verdächtige Tumor wird entfernt und noch während der OP unter dem Mikroskop auf freie Ränder untersucht („Schnellschnitt“).
Schulmedizinische Therapie
Bei fast allen Frauen mit Mammakarzinom gelangen heute multimodale Therapiekonzepte zur Anwendung. Grundlage der Therapie ist die operative Entfernung des Tumors.
Brusterhaltende Operation (BET)
Bei einer brusterhaltenden Operation (BETSchnellschnittuntersuchung, Brustkrebs) werden lediglich Teile der Brustdrüse (Quadrantektomie, Segmentresektion oder Lumpektomie = Entfernung Mammakarzinom:Therapiedes Tumors mit ausreichendem Sicherheitsab stand) oder die gesamte Brust:EntfernungBrustdrüse unter Belassen der Haut und der Mamille entfernt (subkutane Mammakarzinom:brusterhaltende OperationMastektomie). Stets werden die axillären Lymphknoten derQuadrantektomie gleichen Seite aufgesucht, reseziert (Axilladissektion, axilläre Ausräumung) und Segmentresektion:Mammahistologisch auf Metastasen untersucht. Eine Lumpektomiebrusterhaltende Operation wird heute häufiger als früher durchgeführt und ist unter folgenden Mastektomie:subkutaneVoraussetzungen möglich:

Fallbeispiel „Mammakarzinom“

Eine 48 Jahre alte Verwaltungsangestellte kommt wegen einer akuten Bronchitis in die Sprechstunde. Die Patientin ist der Heilpraktikerin schon seit Jahren bekannt, sie war jedoch längere Zeit nicht mehr in der Praxis. Während der Auskultation der Lunge bemerkt die Heilpraktikerin zufällig, dass die Patientin an der rechten Brust, dicht neben der Mamille, eine im Durchmesser etwa 2 cm große grobporige, leicht aufgequollene Hautregion hat (sog. Orangenhaut). Sie fragt die Patientin, ob ihr dies bereits aufgefallen sei. „Ach, das habe ich schon eine Weile. Es stört mich aber nicht weiter.“ Auf Nachfrage erklärt die Patientin, das letzte Mal vor ungefähr zwei Jahren zur Vorsorgeuntersuchung einschließlich Mammografie gewesen zu sein. Ihre Brüste taste sie nicht selbst ab. Die Heilpraktikerin bittet die Patientin, deren Brüste untersuchen zu dürfen. Die gründliche Palpation ergibt unterhalb des Orangenhautphänomens eine deutliche Verhärtung. Die Lymphknoten beider Achselregionen sind unauffällig. Die Heilpraktikerin hilft der Patientin, die auffällige Stelle selbst zu ertasten, damit sie den Knoten nicht zu Hause alleine zum ersten Mal fühlen muss. „Sie müssen diesen Knoten baldmöglichst von Ihrem Frauenarzt untersuchen lassen. Man muss unbedingt feststellen, ob es sich dabei um eine gutartige oder bösartige Veränderung handelt. Allein vom Tastbefund kann man darüber überhaupt nichts sagen.“ Die Patientin ist völlig verstört und möchte wissen, was denn passieren wird, wenn es sich tatsächlich um „Krebs“ handelt. Noch einmal betont die Heilpraktikerin, dass sich hinsichtlich „gut- und bösartig“ noch nichts sagen lasse, schildert ihr aber dennoch kurz die verschiedenen Therapiemöglichkeiten der Schulmedizin und der Naturheilkunde. Die Patientin will sofort am nächsten Tag ihren Gynäkologen aufsuchen. Die Untersuchung beim Frauenarzt und die anschließende Mammografie weisen ebenfalls auf ein Mammakarzinom hin. Der Tumor wird im Krankenhaus entfernt, und die Schnellschnittuntersuchung bestätigt die Diagnose. Es wird ein Teil der Brust entfernt und eine nachfolgende Strahlentherapie geplant. Die anfängliche Befürchtung der Heilpraktikerin, dass die Bronchitis ein erstes Anzeichen einer Lungenmetastasierung sein könnte, bestätigt sich nicht. Die Bronchitis hatte tatsächlich eine infektiöse Ursache.

  • Der Tumor darf weder in die Haut noch in den Brustmuskel eingewachsen sein.

  • DerAxilladissektion:Mammakarzinom Tumor darf nicht multizentrisch wachsen, d. h. an mehreren Stellen Mammakarzinom:Axilladissektionder Brust.

  • Der Tumor muss mit ausreichendem Sicherheitsabstand im Gesunden entfernt werden können.

Mastektomie
Sind die Voraussetzungen für eine brusterhaltende Operation nicht gegeben, ist die modifiziert radikale Mastektomie mit Entfernung der Brustdrüse einschließlich der Haut und der Mamille sowie der Achsellymphknoten Methode der Wahl. Die Brustmuskeln (Mm. pectorales) werden nur entfernt, wenn der Tumor bereits in sie eingewachsen ist (radikale Mastektomie). Nach der OP wird oft eine Strahlen-, Chemo- oder Mastektomie:modifiziert-radikaleHormontherapie durchgeführt (Pharma-Info).
Die Hauptkomplikationen der Mastektomie sind ein Lymphödem Brust:Amputationund Sensibilitätsstörungen des Arms der betroffenen Seite. Das Lymphödem wird verursacht durch die chirurgische oder radiologische Schädigung der Lymphabflusswege des Arms und zeigt Mastektomie:radikalesich durch Anschwellen des Arms, glatte und gespannte Haut, Parästhesien und Schmerzen. Eine Komplikation des Lymphödems ist das Erysipel, bei dem Keime durch kleine Wunden eindringen, sich wegen des schlechten Lymphabflusses rasch Lymphödem:nach Mastektomieausbreiten und vermehren und zu einer flächenhaften Entzündung führen. Ein Lymphödem kann durch spezielle Lymphdrainage (21.5.2) und konsequente Armhochlagerung behandelt werden.
Brustrekonstruktion
Die Entfernung einer Brust beeinträchtigt das Körpergefühl einer Frau sehr. Heute gibt es mehrere Möglichkeiten, den betroffenen Frauen zu helfen, z. B. durch Epithesen (Büstenhalterprothesen), Klebeprothesen, die direkt am Körper befestigt werden, Einlage von Prothesen unter die Haut oder den Muskel oder operative Brustrekonstruktion.

Tipp

Weisen Sie die Patientin auf Selbsthilfegruppen hin. Vielen Frauen hilft eine solche Gruppe sehr, die Erkrankung besser zu verarbeiten.

Prognose
Die Prognose hängt v. a. ab von der Ausbreitung des Tumors (Größe des Primärtumors, Befall der axillären Lymphknoten, Vorhandensein vonEpithese Fernmetastasen), vom hormonabhängigen Brust:ProtheseTumorwachstum und vom Alter der Patientin, d. h. davon, ob sich die Frau vor, in oder nach der Menopause befindet (Menopausenstatus). Etwa 60–70 % der Patientinnen überleben die ersten fünf Jahre nach Therapiebeginn; die 10-Jahres-Überlebensrate liegt bei ca. 50 %.

Pharma-Info Gynäkologische Hormone und Antihormone

Antihormone:Pharma-InfoOrale Kontrazeptiva 17.4.3

Hormon(e):Antihormone, Pharma-InfoIn der Gynäkologie spielt der therapeutische Einsatz von Hormonen und Pharma-Info:Antihormoneihren Abkömmlingen, aber auch der Einsatz von Hemmstoffen (Antihormone) eine große Rolle. Die Anwendung dieser Präparate (Tab. 17.5) erfordert eine strenge Indikationsstellung und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Die Nebenwirkungen und Risiken hängen von Antihormoneder entsprechenden Substanz und ihrer Dosierung ab. Am bedeutsamsten sind Brustspannen, Appetitzunahme, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, depressive Verstimmungen, Thromboembolien, Blutdrucksteigerung und eine Verminderung der Glukosetoleranz (also eine Neigung zu Diabetes mellitus). Der Einsatz von östrogenhaltigen Präparaten zur postmenopausalen Hormonersatztherapie (etwa bei klimakterischen Beschwerden) ist wegen teils schwerwiegender Nebenwirkungen (erhöhtes Risiko für Brustkrebs sowie Herzinfarkt) heute obsolet.

Achtung:Alle Hormonpräparate sind verschreibungspflichtig.

Klimakterisches Syndrom

Klimakterium (der Frau): Wechseljahre (der Frau). Lebensphase zwischen dem Ende der Fortpflanzungsfähigkeit und dem Senium (Greisenalter).

Menopause: Zeitpunkt der letzten von den Eierstöcken gesteuerten Menstruationsblutung.

Postmenopause: Zeit ab etwa einem Jahr nach der Menopause.

Klimakterisches Syndrom (Menopausensyndrom, Wechseljahresbeschwerden): typische Beschwerdekombination, bedingt durch das Erlöschen der Ovarialfunktion mit den Hauptsymptomen Hitzewallungen und Schweißausbrüche.

Symptome
Beginn und Dauer des Klimakteriums sind von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Sie liegen zwischem Pharma-Info:HormoneHormon(e):gynäkologische, Pharma-Infodem 45. und 60. Lebensjahr. Die Syndrom:klimakterischesklimakterisches Syndromnachlassende KlimakteriumOvarialfunktion mit immer geringer Menopausewerdender Gestagen- und Östrogenproduktion führt zu einer WechseljahresbeschwerdenReihe von Symptomen:
  • Blutungsstörungen, z. B. durch Gelbkörperinsuffizienz

  • vasomotorisch bedingte, meist anfallsartige Hitzewallungen, Schweißausbrüche und fleckige Hautrötungen

  • neurovegetative und psychosomatische Beschwerden, in erster Linie Schwindel, Herzklopfen, Schwächegefühl, erhöhte Reizbarkeit und Nervosität, Depressionen und Schlafstörungen

  • allmähliche Rückbildung der Brust und Atrophie der Genitalien, die sich z. B. durch Trockenheit und Entzündungsanfälligkeit der Vagina und Vulva zeigt

  • in späteren Jahren Osteoporose

Wie eine Frau das Klimakterium erlebt, hängt von zahlreichen Faktoren ab:
  • Während ein Mann Mitte 40 in unserer Gesellschaft trotz erster Falten gemeinhin als „Mann in den besten Jahren“ angesehen wird, gilt eine gleichaltrige Frau oft schon als weniger attraktiv. Diese Geringschätzung erschwert vielen Frauen, die altersbedingten Veränderungen an Gesicht und Körper zu akzeptieren.

  • Häufig fällt das Klimakterium zeitlich zusammen mit dem Auszug des jüngsten Kindes. Frauen, die sich bis dahin nur der Familie gewidmet haben, möchten dann oft in den Beruf zurück und müssen erkennen, dass sie in vielen Bereichen kaum Chancen haben.

  • Sicher spielt auch die Persönlichkeit der Frau eine Rolle und ihre Art, mit körperlichen Beschwerden umzugehen und sich auf veränderte Lebensbedingungen einzustellen.

Die meisten Frauen haben während des Klimakteriums verschiedene Beschwerden; besonders von Hitzewallungen und Schweiß ausbrüchen bleiben nur wenige verschont. Einige Frauen fühlen sich dadurch in ihrem täglichen Leben kaum beeinträchtigt oder kommen mit eigenen „Rezepten“ gut zurecht. Nicht wenige aber empfinden die Wechseljahre als so belastend, dass sie Hilfe suchen.
Es gehört dann sehr viel Fingerspitzengefühl dazu herauszufinden, was die Patientin wirklich bedrückt. Sind es die organischen Probleme aufgrund der hormonellen Umstellung, oder befindet sich die Patientin in einer tiefgreifenden Lebenskrise, in der körperliche Veränderungen nur ein Problem von vielen sind? Dann ist der Frau mit der alleinigen Verordnung eines Medikaments nur wenig gedient. Vielmehr muss sie motiviert werden, das Klimakterium nicht nur als Ende eines Lebensabschnitts, sondern auch als Beginn eines neuen und ebenfalls lebenswerten Abschnitts zu sehen. Viele Frauen haben z. B. nach jahrelanger Erziehungsarbeit um die Zeit der Wechseljahre herum erstmals die Möglichkeit, unabhängig von Pflichten gegenüber anderen eigenen Wünschen nachzugehen und neue Fähigkeiten und Aspekte ihrer Persönlichkeit auszuleben.

Naturheilkundliche Therapie beim klimakterischen Syndrom

Handbuch für die Naturheilpraxis 10.5

Davon ausgehend, dass das Klimakterium keine Krankheit, sondern eine Lebensphase Klimakterium:naturheilkundliche Therapieist, in der meist auch soziale und familiäre Veränderungen stattfinden, zielt naturheilkundliche Therapie:klimakterisches Syndromein ganzheitlich-naturheilkundliches Behandlungskonzept darauf ab, mögliche Beschwerden zu lindern und Hilfen zu geben, diesen Prozess als „unverwechselbare“ Lebensphase zu erfahren und zu gestalten.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Gute Ergebnisse sind mit Schröpfen und Baunscheidtieren im Bereich der dorsalen und ventralen Head-Zonen (Th 11–L 3) (Abb. 17.18) zu erzielen. Finden Sie Verquellungszonen im Lenden-Kreuzbein-Bereich, wirkt blutiges Schröpfen entlastend und beeinflusst das Gesamtbefinden (z. B. Hitzegefühl) und die Blutdruckregulation der Patientin äußerst positiv.
Bei Osteoporose wirken Baunscheidtieren und trockenes Schröpfen ebenfalls günstig, da die Durchblutung gesteigert und der Knochenstoffwechsel reflektorisch beeinflusst wird (9.5.1).

Ernährungstherapie und orthomolekulare Therapie

Im Rahmen der Osteoporosevorbeugung steht die Ernährungstherapie im Vordergrund. Raten Sie der Patientin, wie bereits im Kapitel Osteoporose (9.5.1) aufgeführt, zu kalziumreicher Kost sowie kieselsäurehaltigen Nahrungsmitteln, und geben Sie die anderen, dort aufgeführten Ernährungstipps. Günstig ist eine basenreiche Ernährung, reich an pflanzlichen Östrogenen (Lignane, Isoflavonoide), wie z. B. Soja, Leinöl, Leinsamen sowie Gemüse und Früchte.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Folgende Konstitutionsmittel haben sich zur Behandlung klimakterischer Beschwerden bewährt: Belladonna, Cimicifuga, Lachesis (Abb. 17.40), Mancinella, Pulsatilla, Sabina, Sanguinaria, Sepia, Sulfur, Sulfuricum acidum. Ausgeprägte Geistes- und Gemütssymptome können allerdings auch zu einem anderen konstitutionellen Mittel führen.
Werden Komplexmittel (z. B. Pascofemin® SL Tropfen) eingesetzt, enthalten diese häufig Sepia (bei Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Abneigung gegen Sex, Senkungsbeschwerden), Lachesis (bei Blut- und Hitzewallungen, Herzbeschwerden, Beklemmungsgefühlen, starken Stimmungsschwankungen) Cimicifuga (Neigung zu Depressionen, Unruhe- und Angstzuständen, Rücken- und Kopfschmerzen) oder Sanguinaria (bei „fliegender“ Hitze; trockenen, brennenden Schleimhäuten).
Auch pflanzliche Urtinkturen, wie z. B. Ceres® Alchemilla comp., haben sich bewährt.

Neuraltherapie

Besonders vegetative Fehlregulationen sprechen gut auf eine neuraltherapeutische Behandlung an. Häufig wird bei klimakterischen Beschwerden auch die Schilddrüse bzw. werden die Schilddrüsenpole gequaddelt, um Symptome wie erhöhte Reizbarkeit, innere Unruhe und Nervosität positiv zu beeinflussen.
Leidet die Patientin an nervösen Herzbeschwerden, können Quaddeln im Bereich des Herzsegments gesetzt werden. Ebenfalls bewährt hat sich die Quaddelung der dorsalen und ventralen Head-Zonen (Abb. 17.18) mit einem Lokalanästhetikum und/oder einer homöopathischen Injektionslösung.

Ordnungstherapie

Berücksichtigen Sie, dass aufgrund der negativen gesellschaftlichen Bewertung des Älterwerdens klimakterische Beschwerden häufig durch psychische Faktoren stark beeinflusst werden. Doch Wechseljahre und die Menopause sind keine Krankheiten, sondern ein natürlicher Prozess. Sie bieten die Möglichkeit, die erworbene seelische und geistige Reife zu genießen und sich entlang dieser inneren Werte neu zu orientieren. Eine derartige Sichtweise, die Sie als Therapeut fördern sollten, stärkt den positiven Umgang mit diesem Lebensabschnitt. Die Wechseljahre können in gewissem Sinne auch als eine „Erleichterung“ für die Frau gesehen werden: Sexualität kann nun frei und ohne Angst vor Schwangerschaft gelebt werden, und evtl. früher störende Menstruationsbeschwerden gehören der Vergangenheit an.
Zur Osteoporosevorbeugung und -behandlung steht neben der Ernährungstherapie die körperliche Bewegung an ebenso zentraler Stelle, da mit der Nahrung aufgenommenes Kalzium nur dann in den Knochen eingebaut werden kann, wenn Bewegungsreize den Knochen entsprechend belasten. Da zudem bekannt ist, dass Frauen, die vor der Menopause wenig Sport getrieben haben, häufiger unter Osteoporose leiden, ist allen Frauen als Schutz vor Osteoporose viel Bewegung zu empfehlen, v. a. Ausdauertraining, wie z. B. Radfahren, Wandern, Schwimmen sowie Gymnastik. Tai-Chi und Qigong, können auch bei bestehender Osteoporose bzw. eingeschränkter Beweglichkeit noch gut ausgeführt werden. Geben sie der Patientin auch die im Kapitel Osteoposose (9.5.1) aufgeführten Empfehlungen.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie der Patientin physikalische Maßnahmen, die ohne großen Aufwand zu Hause durchgeführt werden können, um z. B. Hitzewallungen, Schweißneigung und Schlafstörungen zu lindern. Je nach Beschwerdebild kommen Wärme- und Kälteanwendungen in Frage: Empfehlen Sie bei Hitzewallungen und erhöhter Schweißneigung kühle Abwaschungen oder lauwarme Halbbäder.
Bei Schlafstörungen helfen abendliche Wechselfußbäder. Lokale Mooranwendungen, die zu Hause oder im Rahmen einer Kur durchgeführt werden können, wirken ebenfalls günstig.
Zur Steigerung der Durchblutung und zur vegetativen Umstimmung eignen sich Trockenbürsten, Wechselduschen, Luftbäder, Atemübungen, Ganzwaschungen, Saunabäder. Regelmäßige körperliche Bewegung (Ausdauer- und Spielsportarten, Tanzen) verringert körperliche Begleitsymptome, erhöht die seelische Spannkraft und baut innere Unruhezustände ab.

Phytotherapie

Der Wurzelstock der Traubensilberkerze (Cimicifugae racemosae rhizoma Abb. 17.41, auch Wanzenkraut genannt) wirkt östrogenartig. Er wird zur Behandlung neurovegetativer Beschwerden (z. B. Hitzewallungen, Schweißausbrüche, depressive Verstimmungen) infolge nachlassender Östrogenproduktion im Klimakterium eingesetzt, z. B. Remifemin®. Rotkleeblätter (Trifolii pratensis folium, z. B. Menoflavon®) besitzen ebenfalls einen hohen Gehalt an Phytoöstrogenen.
Mönchspfefferfrüchte, auch Keuschlammfrüchte genannt (Agni casti fructus, z. B. Agnolyt®) haben ebenfalls hormonähnliche Wirkungen, diese werden jedoch v. a. bei präklimakterischen Störungen und Zyklusanomalien angewendet. Auch Hopfenzapfen (Lupuli strobulus) und Rhapontik-Rhabarberwurzel (Rhei rhapontici radix, z. B. femi-loges®) haben östrogenartige Eigenschaften.
Günstig ist eine Kombination von hormonell wirksamen Pflanzen mit psychovegetativ harmonisierenden bzw. sedierenden Pflanzen wie Johanniskraut (Hyperici herba Abb. 26.12) und Baldrianwurzel (Valerianae radix Abb. 17.42). Bei vermehrter Schweißneigung sind Salbeiblätter (Salviae folium Abb. 12.28) eine bewährte Wahl, z. B. Salvysat® Bürger.
Klagen Frauen über nervöse Herzbeschwerden, sind herzwirksame Pflanzen wie Herzgespann (Leonurus cardiaca) oder Weißdorn (Crataegus laevigata Abb. 10.43), z. B. Oxacant®-mono, indiziert.

Traditionelle Chinesische Medizin

Aus Sicht der TCM sind klimakterische Beschwerden auf verschiedene Mangel-Syndrome, z. B. auf einen Nieren-Yin-Mangel oder einen Milz- und Nieren-Yang-Mangel, zurückzuführen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Zyklusregelmäßigkeit und Blutungsstärke, Wärme- und Kälteempfinden, nach Fluorsymptomen sowie dem psychischen Befinden.
Da es sich bei klimakterischen Beschwerden aus dieser Sicht um Energie-Mangel-Syndrome handelt, sind sie durch Akupunktur nur eingeschränkt zu beeinflussen. Zu behandeln sind am ehesten noch die einzelnen Symptome wie Schlafstörungen oder Hitzewallungen. Heilkräuter werden bevorzugt eingesetzt.
Diagnostik und schulmedizinische Therapie
Die typische Anamnese ist diagnoseweisend. Eine gynäkologische Abklärung ist indiziert, weitere Maßnahmen sind abhängig von den Beschwerden, z. B. bei Zwischenblutungen eine Abrasio (Ausschabung), um Tumorerkrankungen auszuschließen.
Wünscht die Patientin eine medikamentöse Therapie, kommen folgende Methoden in Betracht:
  • naturheilkundliche Verfahren, z. B. die Phytotherapie

  • lokale Hormontherapie (z. B. mit Ovestin® Vaginalovula) gegen Beschwerden im Bereich der Vagina

  • systemische Hormonersatztherapie, wenn die Patientin sich stark beeinträchtigt fühlt oder nach entsprechender Beratung eine Osteoporose-Prophylaxe wünscht. Welches Präparat gewählt wird, hängt z. B. davon ab, ob die Frau sich vor oder nach der Menopause befindet, ob sie eine gleichzeitige Empfängnisverhütung wünscht oder ob sie hysterektomiert ist. Die Kontraindikationen entsprechen in etwa denen für die Gabe oraler Ovulationshemmer.

Nachdem die Befürworter einer (langjährigen) Kombinationstherapie mit (natürlichen) Östrogenen und Gestagenen lange Zeit in der Mehrheit waren, wird die Hormongabe seit einiger Zeit skeptisch beurteilt. Zwar lindert sie eindrucksvoll viele Wechseljahresbeschwerden und vermindert das Risiko einer Osteoporose, doch erhöht sie nach heutigem Kenntnisstand das Risiko von Schlaganfall, venösen Thrombosen und auch Brustkrebs.
Derzeit empfehlen die meisten Mediziner bei ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden der Frau eine auf wenige Jahre beschränkte Hormontherapie, wohingegen eine langjährige Hormongabe nur bei erhöhtem Osteoporoserisiko nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung und nach entsprechender Aufklärung der Frau angeraten wird.

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