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B978-3-437-55244-1.00018-7

10.1016/B978-3-437-55244-1.00018-7

978-3-437-55244-1

Übersicht über den Aufbau der unbehaarten Haut (Leistenhaut). Man erkennt Epidermis und Korium. Die Subkutis ist nicht abgebildet. Die Hautoberfläche ist durch feine Rillen (Hautlinien) in Hautleisten aufgeteilt, an deren Kämmen die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen enden.

[L190]

Felderhaut mit Haaren, Talg- und Schweißdrüse. Die Haarwurzel entspringt in einer bis zur Grenze zwischen Haut und Unterhaut reichenden Ausstülpung der Oberhaut. Jedes Haar besitzt eine Talgdrüse, die ihr Sekret entlang dem Haar an die Hautoberfläche abgibt.

[L190]

Aufbau des Fingernagels.

[L190]

Zur Austestung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind kinesiologische Testverfahren (3.7.5) geeignet. Dabei wird die zu testende Substanz in einem Fläschchen in der Hand gehalten oder auf den Nabel gelegt und geprüft, ob der Muskel ein- oder abschaltet.

[T210]

Zur Diagnosefindung ist die genaue Beschreibung der Effloreszenzen wesentlich.

[L143]

Vitiligo. Zu Beginn der Erkrankung sind die Flecken münzengroß und scharf umschrieben. Später nehmen sie an Umfang und Zahl zu, bis sie zusammenlaufen und bizarre Formen annehmen.

[M123]

Papeln im Gesicht (Papula).

[E426]

Knötchen (Noduli).

[M123]

Mehrere Blasen (Bullae) bei Herpes Herpesgestationisgestationis, einer in der Schwangerschaft auftretenden Autoimmunerkrankung.

[M111]

Zahlreiche stecknadelkopfgroße Pusteln bei Follikulitis.

[M123]

Quaddel (Urtica).

[E442]

Zwei Atherome am Hinterkopf.

[M111]

Überschießende Schuppenbildung an der Fußsohle.

[M123]

Krustenbildung auf einer OP-Wunde.

[M123]

Narbenbildung nach langjähriger Gesichtsakne.

[M123]

Mundwinkelrhagaden.

[M537]

Exkoriationen mit feinen hämorrhagischen Krusten bei einem Patienten mit PorphyriePorphyrie (Sammelbezeichnung für verschiedene Störungen der Hämsynthese).

[M111]

Erosion am Oberarm.

[M123]

Chronisches Ulkus am Knöchel.

[M123]

Androgenetische Alopezie des Mannes. Schubweise lichten sich die Haare zunächst im Stirn-Schläfen-Bereich („Geheimratsecken“), später auch im Scheitelbereich. Außerdem bildet sich eine tonsurartige Haarlichtung am Hinterkopf. Die einzelnen Lichtungsareale fließen immer weiter zusammen, bis der Betroffene haarlos ist.

[L143]

Androgenetische Alopezie der Frau. Typischerweise lichten sich die Haare diffus im Scheitelbereich, wobei in der Regel ein dünner Haarstreifen stehen bleibt.

[L143]

Alopecia Alopecia:areataareata. Typisch für die Alopecia areata sind fast kreisrunde Herde mit stummelartigen Resthaaren.

[M123]

Exsikkationsdermatitis mit netzförmigen, oberflächlichen, rötlichen Einrissen der Haut.

[M123]

Lokalisation der Panaritien.

[L190]

Viele Faktoren sind am Ausbruch und an der Ausprägung einer Neurodermitis beteiligt.

[V492]

Säugling mit Milchschorf. Typische Rötung und feinlamellöse Schuppung, besonders im Wangen- und Halsbereich.

[F354]

Neurodermitis über beiden Handgelenksbeugen unscharf begrenzte Rötung, vergröberte Hautfelderung (Lichenifikation), Schuppung. Die Symptomverschlechterung wurde bei der 28-jährigen Jurastudentin vermutlich durch Stress im Rahmen der Prüfungsvorbereitung zum Staatsexamen ausgelöst.

[E385]

Sog. Atopiefalte am medialen Unterlid (doppelte Unterlidfalte = Dennie-Morgan-Falte).

[M123]

Weißer Dermografismus. Nach Dermografismus:weißerKratzen, z. B. des Unterarms, mit einem Spatel, einem Stift oder einer Münze rötet sich normalerweise die Haut (roter Dermografismus). Ein Abblassen (weißer Dermografismus) deutet auf eine atopische Konstitution.

[M123]

Aus der reinen Kieselsäure des Bergkristalls wird das homöopathische Mittel Silicea aufbereitet. Bei entsprechenden Allgemein- und Gemütssymptomen wird es zur Behandlung von Hauterkrankungen eingesetzt, v. a. bei schlecht heilender Haut und hartnäckigen Eiterungen. Kennzeichen für das Mittelbild ist eine große Kälteempfindlichkeit sowie rezidivierende HNO-Erkrankungen.

[T208]

Bittersüß (Solanum dulcamara) enthält adstringierend wirkende Gerbstoffe, Steroidglykoside mit entzündungshemmender, mild glukokortikoidähnlicher und juckreizstillender Wirkung sowie Stereoidsaponine. Bittersüß wird innerlich und äußerlich bei nässenden und juckenden Hauterkrankungen eingesetzt.

[O216]

Stiefmütterchen (Viola tricolor) enthält Saponine und Flavonoide und wird aufgrund seiner adstringierenden Wirkung innerlich und äußerlich bei Ekzemen und seborrhoischen Hauterkrankungen eingesetzt. Bei Säuglingen kann Stiefmütterchentee anstelle von Wasser zur Zubereitung der Nahrung verwendet werden.

[O216]

Typischer Psoriasis-Herd am Ellenbogen.

[K183]

Tüpfelnägel. Diese grübchenförmigen Vertiefungen der Nagelplatte sind charakteristisch für eine Psoriasis.

[E365]

Ölflecknägel. Die „Ölflecke“ bei Psoriasis sind gelblich-braun und unscharf begrenzt.

[M123]

Schwere Form der Psoriasis. Deutlich erkennbar sind zahlreiche erythematosquamöse Herde, die z. T. zusammenfließen.

[M123]

Psoriasis pustulosa palmare. Auf den Handteller beschränkte Form der Psoriasis pustulosa. Erkennbar sind unscharf begrenzte, gerötete Herde mit zusammenfließenden Pusteln und Schuppenkrusten.

[E422]

Die Abbildung zeigt, welche exogenen und endogenen Faktoren erfahrungsgemäß zu einer Verschlechterung (lila) oder Verbesserung (gelb) der Psoriasis führen. Im Einzelfall können aber auch entgegengesetzte Wirkungen beobachtet werden.

[V492]

Erdrauch (Fumaria officinalis) enthält Alkaloide und wird vorrangig als Cholagogum bei krampfartigen Beschwerden der Gallenblase und Gallenwege aber auch des Magen-Darm-Trakts eingesetzt. Zur Behandlung stoffwechselbedingter Hautkrankheiten kann Erdrauch der Teerezeptur zugefügt oder als Kombinationspräparat verordnet werden.

[O216]

Die Sarsaparille, eine Sammelbezeichnung für verschiedenen Smilax-Arten (z. B. Smilax regelii, Smilax aristolochiaefolii), ist eine Kletterpflanze mit rankenförmigen Blättern. Die Wurzel der in Mittelamerika heimischen Sarsaparille (Smilax regelii) enthält wie auch Bittersüß Steroidsaponine, die entzündungshemmend und, so wird angenommen, auf das Hormon- und Immunsystem wirken. Zur Behandlung der Psoriasis, chronisch entzündlicher Hauterkrankungen sowie rheumatischer Erkrankungen können ein über Nacht hergestellter Kaltauszug oder Fertigpräparate eingesetzt werden.

[O612]

Akutes allergisches Kontaktekzem mit Streuung infolge einer Parfümallergie.

[E325]

Das allergische Kontaktekzem an der Hand mit Streuherden am Unterarm wurde bei der Patientin durch eine erstmals verwendete Hautcreme verursacht.

[E426]

Das Verteilungsmuster eines allergischen Kontaktekzems am Körper erlaubt oft Rückschlüsse auf den Auslöser.

[L157]

Toxisch degeneratives Ekzem. Die Haut am Knie zeigt eine unscharf begrenzte Rötung, Schuppung, Rhagadenbildung. Insgesamt ist die Haut verdickt und lichenifiziert.

[M123]

AngioödemAngioödem mit erheblicher Schwellung um die Augen. Der Patientin war kurz zuvor wegen einer neu diagnostizierten Hypertonie ein ACE-Hemmer verordnet worden, der der Auslöser des Ödems gewesen sein dürfte.

[E426]

Fixes Arzneimittelexanthem. Das Exanthem trat beim Patienten immer nach Einnahme eines bestimmten Schmerzmittels auf. Nach Abheilung blieb die bräunliche Pigmentierung zurück.

[E385]

Multiple Nävuszellnävi. Diese Nävi sind nicht behandlungsbedürftig, sollten aber in regelmäßigen Abständen auf Veränderungen kontrolliert werden.

[M123]

Feuermal am rechten Unterkiefer, typischerweise nicht über die Mittellinie hinausreichend.

[M123]

Kutanes kavernöses Hämangiom am Unterarm eines Säuglings.

[M123]

Gestielte Fibrome treten häufig in größerer Anzahl auf.

[M123]

Keloid am Rumpf.

[M111]

Lentigo maligna. 5 cm × 3 cm großes Areal mit mehreren, unregelmäßig geformten Flecken, die eine sehr unterschiedliche Pigmentierung von hellbraun bis schwarzbraun zeigen.Leukoplakie

[E685]

Leukoplakie an der Zunge. Die weißen Beläge machen keine Beschwerden und sind nicht abwischbar. Leukoplakiengelten als Präkanzerosen.

[E545]

Basaliom am Rumpf. Deutlich zu sehen sind der perlschnurartige Rand und die Teleangiektasien.

[M123]

Basaliom im Gesicht.

[M123]

Spinaliom an der Stirn mit zentraler Ulzeration.

[M123].

Malignes Melanom auf dem Rücken eines 40-jährigen Patienten. Typisch sind die polyzyklische Randkontur und die unregelmäßige Pigmentverteilung.

[M123]

Malignes Melanom an der Außenseite des Oberschenkels. Typisch sind die unterschiedliche Pigmentierung, die unregelmäßige und unscharfe Begrenzung der Flecken sowie die Papelbildung.

[E688]

Malignes Malignom an der Stirn, das mit einem malignen, zellreichen, blauen Nävus assoziiert ist. Zu sehen sind ebenfalls Satellitenmetastasen.

[E478]

Die Blätter des Walnussbaums (Juglans regia) enthalten adstringierend wirkende Gerbstoffe. Walnuss wird häufig zusammen mit Stiefmütterchen (Viola tricolor) zur Behandlung von Hautkrankheiten bei Kindern eingesetzt. Zu gleichen Teilen wird ein Aufguss bereitet, der als Tee eingenommen oder als Umschlag appliziert werden kann.

[O216]

Patient mit Rosazea.

[M123]

Seborrhoisches Ekzem des Säuglings. Die Hauterkrankung begann in der 6. Lebenswoche. Über den ganzen Köper verstreut finden sich zahlreiche Erytheme mit fettiger Schuppung.

[E696]

Dyshidrotische Dermatitis mit Bläschenbildung an der Hand.

[E503]

Die wichtigsten Effloreszenzen im Überblick.Effloreszenzen:Überblick

[L190]

Tab. 18.1
Effloreszenz Morphologische Eigenschaft
Der Hautfleck, der infolge der Änderung des Pigmentgehalts oder der Durchblutung oder durch Blutaustritt entsteht, liegt im Hautniveau.
Das Knötchen (Nodulus), eine umschriebene tastbare Gewebsverdickung, ragt über das Hautniveau hinaus und ist meist von derber Konsistenz.
Papeln ragen ebenfalls über das Hautniveau hinaus. Sie entstehen durch eine Verdickung der Epidermis (epidermale Papeln, z. B. Warzen 25.11.16) oder über eine Gewebsvermehrung im Korium (kutane Papeln; z. B. bei der Syphilis 25.15.2 durch ein entzündliches Infiltrat).
Die leicht vorgewölbten, mit Flüssigkeit gefüllten Bläschen werden je nach Lage und Ursprung unterschieden. Sie liegen in oder unter der Oberhaut (Epidermis) oder unter der Hornhaut (Kornea) und werden erbs- bis eigroß.
Die Quaddel wird durch ein Ödem in der Oberhaut (Epidermis) oder Lederhaut (Korium) hervorgerufen. Sie kann stecknadelkopf- bis handtellergroß sein, weiß bis hellrosa und von runder oder auch unregelmäßiger Form.
Die Zyste ist ein mit Epithel ausgekleideter und mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum, der durch eine Gewebskapsel abgeschlossen ist.
Krusten bilden sich als Auflagerungen aus eingetrockneten Absonderungen (Serum, Blut oder Eiter) auf zuvor geschädigter Haut.
Liegt nach einer Wundheilung die Narbe durch überschießende Bindegewebsneubildung über dem Hautniveau, spricht man von einer hypertrophischen Narbe, liegt sie unter dem Hautniveau, spricht man von einer atrophischen Narbe.
Rhagaden, lineare Hauteinrisse, entstehen v. a. in der Umgebung natürlicher Körperöffnungen.
Die Erosion und Exkoriation sind oberflächliche, auf die Epidermis beschränkte Substanzdefekte aufgrund eines Mikrotraumas, ein Ulkus kann auch die Unterhaut (Subcutis) betreffen.

Erkrankungen, die mit starkem Juckreiz einhergehen können.Juckreiz:Allgemeinerkrankungen

Tab. 18.2
Neurodermitis 18.6
Schuppenflechte 18.7
Pilzinfektionen 25.11,
25.12,
25.13
parasitäre Erkrankungen 25.9,
25.10
allergisches Kontaktekzem 18.8.1
Urtikaria 18.8.2
Insektenstichreaktionen 30.12.5
Sonnenbrand 30.15.3
Arzneimittelreaktionen 18.8.3
Leberzirrhose 14.5.4
Cholestase 14.4.1
Hepatitis 25.13
Diabetes mellitus 15.6
Schilddrüsenüberfunktion 19.6.2
Polycythaemia vera 20.5.4
Morbus Hodgkin 21.6.1
Leukämien 20.6.1
andere bösartige Tumoren 4.5.4
Niereninsuffizienz 16.5.1
Neuropathien 23.12.4

Einige Ursachen des Haarausfalls.TrichotillomanieThalliumvergiftungHaarrupf-TicHaarausfall:UrsachenArsenvergiftungAlopecia:specificaAlopecia:areata

Tab. 18.3
Befallsmuster Ursache
diffuser Haarausfall
  • medikamentös, z. B. durch Zytostatika, Antikoagulanzien, Thyreostatika, Betablocker, Lipidsenker, Ovulationshemmer

  • stoffwechselbedingt, z. B. bei Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus

  • postpartal (Hormonumstellung nach Entbindung)

  • Eisenmangel

  • Lebererkrankungen

  • chronische Infektionen

  • toxisch, z. B. durch Thallium- oder Arsenvergiftung

  • aggressive haarkosmetische Maßnahmen

Haarausfall v. a. der Schläfen- und Scheitelregion androgenetische Alopezie des Mannes (Abb. 18.8)
Haarausfall v. a. derScheitelregion androgenetische Alopezie der Frau (Abb. 18.9)
Haarausfall v. a. der Stirn- und Scheitelregion Traktionsalopezie (Zugalopezie), mechanisch bedingter Haarausfall durch kontinuierlichen Zug an den Haarwurzeln, am häufigsten durch „Pferdeschwanz“-Frisuren oder exzessives Bürsten der Haare
kreisrunder Haarausfall Alopecia areata, eine relativ häufige Erkrankung unbekannter Ursache mit schubartigem Verlauf, bei der Spontanheilungen möglich sind (Abb. 18.10)
mottenfraßähnlicher Haarausfall Alopecia specifica bei Syphilis
unscharf begrenzte haarlose Areale mit verschieden langen Haarstümpfen
  • Mikrosporie

  • Trichotillomanie (Haarrupf-Tic), ein v. a. bei psychisch gestörten Kindern auftretendes zwanghaftes Reißen oder Zupfen der Haare

haarlose Areale mit Narben oder Atrophie
  • bestimmte Systemerkrankungen, z. B. Lupus erythematodes, Sklerodermie

  • tiefreichende Lokalinfektionen

Anhand der Farbveränderungen kann das Alter eines Hämatoms geschätzt werden.

Tab. 18.4
Farbe Alter
Rot, rötlich-blau Bis 24 Std.
Purpur dunkel, dunkelblau 1–4 Tage
Grünlich, gelbgrünlich 5–7 Tage
Gelblich, bräunlich 8–10 Tage
Verschwinden der Verfärbung 1–3 Wochen

Schulmedizinische Therapie der Neurodermitis in Abhängigkeit von der Symptomatik.

Tab. 18.5
Akutes Stadium Subakutes Stadium Chronisches Stadium
Symptome starke Rötung, Hautödem, Bläschenbildung, nässende Erosionen, Verkrustungen Rötung, Papeln, geringes Ödem, einzelne Schuppen Lichenifikationen, Schuppung der Haut, Rhagaden, geringe Entzündung
Therapie feuchte Umschläge z. B. mit Tannolact®, Farbstofflösungen, Zink-Schüttelmixturen (z. B. Fissan®-Zinkschüttelmixtur), Rp Glukokortikoidlösungen weiche Zinkpaste, Rp Glukokortikoidcreme, Ichthyol-Creme, gerbende Bäder (Eichenrinde) fettende Salben, Harnstoffsalbe, Ölbäder, juckreizstillende Mittel, z. B. Teer (als Schüttelmixtur, Paste oder Badezusatz)

Übersicht der allergisch bedingten Hauterkrankungen.

Tab. 18.6
Typ der allergischen Reaktion
(auch 22.6.1)
Krankheitsbild
Sofortreaktion (Typ I) allergische Urtikaria, Quincke-Ödem (18.8.2)
zytotoxische Immunreaktion (Typ II) thrombozytopenische Purpura (Morbus Werlhof 20.4.6)
Immunkomplexreaktion (Typ III) Arzneimittelexanthem (18.8.3)
Immunreaktion vom Spättyp (Typ IV) allergisches Kontaktekzem, allergische Photodermatitis (18.8.1)

Kriterien zur Differenzierung zwischen allergischem und toxischem Kontaktekzem.Kontaktekzem:toxischesKontaktekzem:toxischesKontaktekzem:allergischeFotopatch-TestEpikutantest:Krescendo-/Dekrescendo-ReaktionDermatitis:Berloque-Dermatitis

Tab. 18.7
Toxische Kontaktdermatitis Fototoxische Kontaktdermatitis Allergische Kontaktdermatitis Fotoallergische Kontaktdermatitis
Definition Dosis- oder konzentrationsabhängige Reaktion auf obligat toxisch bzw. irritierend wirkende Substanzen durch Kontakt mit Substanzen, die erst bei Lichteinwirkung toxisch wirken, z. B. Furocumarine in Kosmetika mit Bergamottöl (Berloque-Dermatitis) oder Teer in Lokaltherapeutika (Teersonnendermatitis) dosis- oder konzentrationsunabhängige Reaktion nach vorangegangener Sensibilisierung durch Kontakt mit Substanzen, die bei Lichteinwirkung allergische Reaktionen hervorrufen, z. B. Tetrazykline
Symptome Hautveränderungen nach Min. bis Std., beschränkt auf das Einwirkungsgebiet Hautveränderungen nach 12–48 Std., wobei einzelne Herde auch außerhalb des exponierten Gebiets auftreten können (Streuphänomen) Hautveränderungen nach 24–72 Std.; evtl. Streuherde Hautveränderungen nach einigen Std.; Maximum nach ca. 24–48 Std.
Diagnostik Dekrescendo-Reaktion im Epikutantest, d. h. Nachlassen der Reaktion nach Entfernen der Substanz belichteter Epikutantest (Fotopatch-Test) Krescendo-Reaktion im Epikutantest, d. h. Verstärkung der Reaktion innerhalb von 24–48 Std. nach Entfernen der Substanz belichteter Epikutantest (Fotopatch-Test)

Überblick über die Arzneimittelexantheme. Zusätzlich sind alle Typen allergischer Reaktionen möglich, insbesondere allergische Urtikaria (18.8.2) und ein (photo–)allergisches Kontaktekzem (18.8.1).

Tab. 18.8
Arzneimittelexanthem Kurzcharakterisierung
Ampicillin-Exanthem makulopapulöses, konfluierendes Exanthem ca. eine Woche nach Ampicillingabe; bei fast allen Patienten, die bei infektiöser Mononukleose unter der Fehlannahme einer Angina tonsillaris Ampicillin erhalten
Erythema nodosum rote subkutane Knoten, bevorzugt an den Schienbeinen; bei Kindern am häufigsten im Rahmen von Infektionen, bei Erwachsenen durch Arzneimittel oder Sarkoidose
fixes Arzneimittelexanthem arzneimittelinduzierte, nach Einnahme des Arzneimittels immer an der/den gleichen Stelle/n auftretende, scharf begrenzte, rot-braune Hautveränderung, in ausgeprägten Fällen mit Blasenbildung
Purpura (pigmentosa) progressiva symmetrische Petechien (v.a. der Beine), die unterschiedlich stark zusammenfließen, dann bräunlich werden (Hämosiderineinlagerung) und teils erst nach Wochen abklingen

Haut und Hautanhangsgebilde

  • 18.1

    Ganzheitliche Aspekte789

  • 18.2

    Anatomie und Physiologie790

    • 18.2.1

      Aufgaben und Aufbau der Haut790

    • 18.2.2

      Oberhaut791

    • 18.2.3

      Leder- und Unterhaut791

    • 18.2.4

      Hautanhangsgebilde792

  • 18.3

    Untersuchung und Diagnostik793

    • 18.3.1

      Anamnese793

    • 18.3.2

      Körperliche Untersuchung794

    • 18.3.3

      Naturheilkundliche Diagnostik794

    • 18.3.4

      Schulmedizinische Diagnostik795

  • 18.4

    Leitsymptome und Differenzialdiagnose796

    • 18.4.1

      Effloreszenzenlehre796

    • 18.4.2

      Exanthem, Enanthem, Erythem und Ekzem799

    • 18.4.3

      Juckreiz800

    • 18.4.4

      Veränderung der Haardichte800

    • 18.4.5

      Veränderung der Haarstruktur801

    • 18.4.6

      Nagelveränderungen802

    • 18.4.7

      Trockene Haut803

  • 18.5

    Hautverletzungen803

    • 18.5.1

      Wundheilungsstörungen803

    • 18.5.2

      Dekubitus804

    • 18.5.3

      Panaritium804

    • 18.5.4

      Hämatom805

  • 18.6

    Neurodermitis805

  • 18.7

    Schuppenflechte809

  • 18.8

    Allergisch bedingte Hauterkrankungen und Urtikaria812

    • 18.8.1

      Allergisches Kontaktekzem812

    • 18.8.2

      Urtikaria814

    • 18.8.3

      Arzneimittelexanthem815

  • 18.9

    Gutartige Fehlbildungen und Tumoren der Haut816

    • 18.9.1

      Nävi816

    • 18.9.2

      Blutgefäßnävi816

    • 18.9.3

      Hämangiom817

    • 18.9.4

      Fibrom817

    • 18.9.5

      Veränderungen des Bindegewebes817

  • 18.10

    Präkanzerosen der Haut818

    • 18.10.1

      Lentigo maligna818

    • 18.10.2

      Leukoplakie818

  • 18.11

    Bösartige Hauttumoren818

    • 18.11.1

      Basaliom819

    • 18.11.2

      Spinaliom819

    • 18.11.3

      Melanom820

  • 18.12

    Weitere Hauterkrankungen821

    • 18.12.1

      Acne vulgaris821

    • 18.12.2

      Intertrigo822

    • 18.12.3

      Rosazea823

    • 18.12.4

      Seborrhoisches Ekzem823

    • 18.12.5

      Dyshidrotische Dermatitis823

    • 18.12.6

      Ichthyosis824

    • 18.12.7

      Epidermolysis bullosa824

    • 18.12.8

      Erythema nodosum824

    • 18.12.9

      Lyell-Syndrom824

    • 18.12.10

      Pemphigus vulgaris824

    • 18.12.11

      Neurofibromatose824

Ganzheitliche Aspekte

In der Antike sah man – entsprechend der Säftelehre – die Ursache von Hautleiden in krankhaften innerlichen Prozessen, die auf der Körperoberfläche zum Ausdruck kommen. Hippokrates (460–377 v. Chr.) vermutete, dass „Lepra, juckende Krankheit, Krätze, Flechten, Vitiligo und Haarausfall durch Schleim entstehen.“ Paracelsus (1491–1541), der sich von den Vorstellungen der Säftelehre löste, empfahl Heilmittel, die teilweise noch heute in der Dermatologie verwendet werden: Schwefel, Teer, Schieferöl und bestimmte Salbengrundlagen. Er war es auch, der die sog. Kardinalsymptome der Entzündung (8.3.2) unterschied, von denen Rötung, Schmerz, Schwellung und Überwärmung an der Haut wahrnehmbar sind.

Die Haut als Kontakt- und Sinnesorgan

Die Haut ist das unmittelbarste Kontaktorgan zum anderen Menschen. Durch sie werden Zärtlichkeit und Schmerz, Nähe und Distanz, Wärme und Kälte empfunden. Die Haut umgibt den Körper wie eine schützende Hülle und bildet die Grenze zwischen dem Körper und der Außenwelt. Sie ist die physische Grenze des Ich-Bewusstseins. Alles jenseits der Grenze ist „Nicht-Ich“ und damit das Andere.
Wie alle Grenzen weist sie Schutz- und Abwehrmechanismen auf und ist gleichsam ein Schild gegen schädliche Einflüsse der Umwelt. Durch ihre Rezeptoren übernimmt sie wichtige Anpassungsleistungen (z. B. Druck, Temperatur) und reagiert auf vegetative Prozesse sehr schnell. Diese enge Verbindung zwischen Haut und Nervensystem beruht auf der gemeinsamen embryonalen Entwicklung aus dem Ektoderm, dem äußeren Keimblatt.
Auf der symbolischen Ebene wird der Zusammenhang zwischen dem Organ Haut und der emotionalen Empfindsamkeit durch zahlreiche Redewendungen – „sich in seiner Haut wohlfühlen“, „das geht mir unter die Haut“, „dünnhäutig sein“, „ein dickes Fell haben“, „mit heiler Haut davonkommen“ oder „nicht aus seiner Haut können“ – deutlich. Hauterkrankungen spiegeln oft einen Konflikt zwischen dem Wunsch nach Kontakt, nach der Hinwendung zum Du und der gleichzeitigen Abwehr dieses Wunsches wider („Nähe-Distanz-Konflikt“).

Die Haut als Ausscheidungsorgan

Hauterkrankungen sind aus naturheilkundlicher Sicht ein Zeichen für Störungen, die den gesamten Organismus betreffen. Vergleichbar einem Ventil, das sich der Körper zur Ausleitung sucht, dienen sie der Entlastung des Organismus. Die Haut fungiert also als Ausscheidungsorgan. Dieses Wissen wird in der Naturheilkunde therapeutisch genutzt, indem bei vielen Erkrankungen durch Ab- und Ausleitungsverfahren (z. B. Schröpfen, Baunscheidtieren) belastende Stoffe über die Haut ausgeleitet werden.
Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (4.2.44) wird der Ausscheidungsaspekt der Haut betont, indem die Haut dem Funktionskreis Lunge-Dickdarm zugeordnet ist und somit zu den Organen eine Beziehung hat, die der Ausscheidung von Substanzen dienen.
Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie, postulierte, dass Hauterkrankungen keine Lokalerkrankungen sind, sondern Manifestationen einer inneren Störung des biologischen Gleichgewichts. Die Haut zeigt die Symptome der systemischen Erkrankung an der äußeren Stelle zuerst. Aus diesem Grund – so Hahnemann weiter – dürfen Hauterkrankungen nicht als „Lokalübel“ mit Salben, Lotionen oder Tinkturen behandelt werden. Dies kommt – unabhängig davon, ob allopathische (z. B. lokale Antibiotika und Glukokortikoide) oder naturheilkundliche Externa (z. B. Tinkturen, Salben) eingesetzt werden – einer Unterdrückung gleich, die oft eine Symptomverlagerung zur Folge hat. In der Praxis ist dieser Ablauf sehr häufig zu beobachten. So berichten Patienten mit Atemwegserkrankungen wie Asthma bronchiale häufig von einem Hautausschlag in ihrer Kindheit, der scheinbar erfolgreich behandelt wurde.

Hering-Regel

Homöopathie:Hering-RegelHering-RegelEin in der Homöopathie gültiges Heilungsgesetz ist die sog. Hering-Regel. Ausgehend davon, dass sich Krankheiten zunächst auf der Hautoberfläche manifestieren, um später auf innere, lebenswichtigere Organe überzugehen, verlaufen Heilungsprozesse nur folgerichtig, wenn die Beschwerden von innen nach außen, von oben nach unten sowie in der umgekehrten Reihenfolge ihres Auftretens verschwinden. Somit vollzieht sich Heilung nur dann, wenn zunächst akute Beschwerden und Symptome der inneren Organe besser werden. Erst danach kann die Haut gesunden. Verlaufen Heilungsprozesse in anderer Reihenfolge, so kommt die Behandlung einer Unterdrückung der Symptome gleich.

Naturheilkundliche Therapie

naturheilkundliche Therapie:HautDa aus naturheilkundlicher Sicht eine Hauterkrankung eine Störung des gesamten Organismus zum Ausdruck bringt, zielen naturheilkundliche Therapieverfahren darauf ab, die Ausscheidung von Giftstoffen zu fördern und eine Umstimmung des Organismus zu erreichen. Wie die Praxis immer wieder bestätigt, bessern sich zahlreiche Hauterkrankungen insbesondere durch die Mitbehandlung des Lymphsystems und Magen-Darm-Trakts. Therapieschwerpunkte sind neben den Umstimmungstherapien (4.1.3), die Ernährungstherapie, Phytotherapie, Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und orthomolekulare Therapie.
Bei chronischen Hauterkrankungen sollte zusätzlich eine mikrobiologische Therapie durchgeführt werden. Eine psychologische Unterstützung kann zudem helfen, seelische Belastungen abzumildern, die häufig mit der Veränderung des Hautbilds einhergehen.

Anatomie und Physiologie

Aufgaben und Aufbau der Haut

Aufgaben der Haut
Haut:AufgabenMit einer Fläche von 1,5–2 m2 (beim Erwachsenen), einer Dicke zwischen 1,5 und 4 mm und einem Gesamtgewicht von 3,5–10 kg ist die Haut das größte Organ des menschlichen Körpers. Die Haut hat mehrere Funktionen:
  • Sie trennt die „Innenwelt“ von der „Außenwelt“ und schützt den Körper so vor schädlichen Umwelteinflüssen wie Hitze und Kälte, Fremdstoffen und Krankheitserregern.

  • Die Haut ist mit ihren diversen Tastkörperchen und Sinneszellen besonders für Schmerz und Temperaturveränderungen ein wichtiges Sinnesorgan und stellt somit eine Verbindung zur Außenwelt her.

  • Sie ist ein wichtiger Regulator, indem sie über die Abgabe von Flüssigkeit (z. B. in Form von Schweiß) sowie durch Verengung und Erweiterung der Hautgefäße die Körpertemperatur konstant hält. Darüber hinaus greift die Haut ausgleichend in den Wasserhaushalt ein, dadurch, dass sie einerseits als natürliche Barriere einem extremen Wasserverlust entgegenwirkt und andererseits über Drüsensekrete Wasser und Salz abgibt.

  • Schließlich ist die Haut eine Art „Spiegel der Seele“ und in diesem Sinne auch Kommunikationsorgan – man denke nur daran, wie wir vor Schreck erblassen oder vor Scham erröten!

Aufbau der Haut
Unterhaut Oberhaut Korium Haut:Aufbau Epidermis Cutis

Merke

Grob unterteilt, besteht die Haut aus drei Schichten: der Oberhaut (Epidermis) als äußerster Schicht, der Lederhaut (Korium) und der darunterliegenden Unterhaut (Subkutis). Epidermis und Korium, also die oberen beiden Schichten, werden oft auch zur Kutis zusammengefasst.

Ferner unterscheidet man zwei Hauttypen, die die gleiche oben genannte Grobunterteilung aufweisen: die Leisten- Leistenhautund die Felderhaut. FelderhautIn der Felderhaut stehen die Bindegewebspapillen gruppenförmig zusammen. So erscheint die Hautoberfläche in Felder aufgeteilt. Die Felderhaut enthält Haare, Schweiß- und Talgdrüsen, wobei die Schweißdrüsen in der Mitte der Felder münden und die Haare in den Furchen zwischen den Feldern liegen.
In der Leistenhaut liegen die Bindegewebspapillen dagegen kammartig zusammen. So wird die Oberfläche in Hautleisten aufgeteilt. Sie enthält nur Schweißdrüsen, aber keine Haare und Talgdrüsen. Man findet diesen Hauttyp ausschließlich an den Handflächen und Fußsohlen (alle anderen Hautflächen entsprechen der Felderhaut).

Oberhaut

Die Oberhaut (OberhautEpidermis) Epidermisist gefäßlos und je nach Körperregion zwischen 30 μm (= 0,03 mm) und 4 mm dick.
Sie besteht aus einem mehrschichtigen verhornten Plattenepithel (7.5.1), das hauptsächlich aus Keratinozyten (Keratinozytenkernhaltige Hornzellen) aufgebaut ist. Diese Zellen produzieren den Hornstoff Keratin, der eine wasserabweisende und mechanisch schützende Schicht bildet und zugleich der Haut Festigkeit verleiht. Zusätzlich enthält die Oberhaut noch melaninproduzierende Zellen und Sinneszellen.
Schichten der Oberhaut
Die Keratinozyten der Oberhaut sind normalerweise in vier, an Handtellern und Fußsohlen in fünf Lagen aufgeschichtet. Man unterscheidet vom Körperinneren zur Oberfläche hin:
  • Basalzellschicht (BasalzellschichtStratum basale):Stratum:basale Eine einfache Zellschicht aus sich ständig teilenden, länglichen Zellen. Die durch fortlaufende Vermehrung neu gebildeten Zellen schieben sich Richtung Oberfläche und werden dabei allmählich zu Zellen der Stachelzellschicht.

  • Stachelzellschicht (StachelzellschichtStratum spinosum):Stratum:spinosum Sie besteht aus acht bis zehn Reihen von Zellen mit stacheligen Ausläufern (lat. spinosus = stachelig), über welche die Zellen miteinander verbunden sind. Die Zellen bilden über diese Brücken ein Gerüst, das die Oberhaut stabil macht. In dieser Schicht befinden sich auch die melaninhaltigen Zellen.

  • Stratum germinativum (Keimschicht) ist die gemeinsame Bezeichnung von Stratum basale und Stratum spinosum, da hier durch Zellteilung die an der Epidermisoberfläche abgeschilferten verhornten Zellen ersetzt werden. In dieser Schicht befinden sich die Merkel-Tastscheiben.

  • Körnerschicht (Körnerschicht, HautStratum granulosum):Stratum:granulosum Diese Schicht setzt sich aus drei bis fünf Reihen flacher Zellen zusammen, die Keratohyalin enthalten, eine zur Hornbildung (Keratinbildung) wichtige Substanz. Ferner scheidet die Körnerschicht ölähnliche Substanzen aus, die die Epidermis geschmeidig machen. In dieser Hautschicht verlieren die lebenden Keratinozyten ihren Kern und werden zu den kernlosen Keratozyten (KeratozytenHornzellen).

  • Stratum lucidum: Stratum:lucidumDiese Schicht findet sich ausschließlich an Handtellern und Fußsohlen. Sie besteht aus mehreren Reihen von durchsichtigen, flachen Zellen (lat. lucidus = leuchtend), die ebenfalls die Haut vor mechanischer Belastung schützen.

  • Hornschicht (HornschichtStratum corneum):Stratum:corneum Sie wird aus 25–30 Reihen flacher und vollständig mit Keratin gefüllter Zellen (Korneozyten) gebildet. Zwischen ihnen liegt ein Fettfilm, der ähnlich wie Mörtel zwischen Steinen für die Festigkeit dieser Hautschicht sorgt und außerdem vor Verdunstung schützt. Die Korneozyten werden ständig abgeschilfert und stellen die eigentliche Trennschicht zwischen dem Körperinneren und der Außenwelt dar.

Verhornung der Oberhaut
Das „Horn“ gibt der Haut seine wasserabweisende Eigenschaft. Die Verhornung erfolgt während der Wanderung der in der Basalschicht neu gebildeten Zellen in Richtung Hautoberfläche. Dabei verschwinden Zytoplasma, Zellkern und Zellorganellen und werden durch den Hornstoff Keratin ersetzt. Im Stratum lucidum und in der Hornschicht kann kein Stoffwechsel mehr stattfinden – die Zellen sind tot. Zuletzt werden die verhornten Zellen an der Oberfläche abgerieben.

Tipp

Der Prozess der Verhornung und Erneuerung der Zellen sowie der Wanderung der Keratozyten von innen nach außen dauert insgesamt ungefähr 30 Tage.

Hautfarbe
Die HautfarbeHautfarbe wird bestimmt durch:
  • das Melanin, ein Pigment der Oberhaut

  • Melanindas Karotin, einKarotin Pigment der Leder- und Unterhaut

  • die Blutkapillaren der Lederhaut – die durch die Durchblutung erzeugte Hautfarbe erlaubt Rückschlüsse auf die Sauerstoffsättigung des Blutes; z. B. Blaufärbung (Zyanose) der Lippen bei Sauerstoffmangel, rosige Wangen bei guter Sauerstoffsättigung.

Melanin wird von den Melanozyten produziert, die in der Basal- und Stachelzellschicht liegen. Je nach Melaninanteil der Haut variiert die Hautfarbe zwischen blass, gelb und schwarz. Bei Sonneneinstrahlung nimmt die Melaninproduktion zu. Melanin wirkt außerdem wie ein Sonnenschirm, der die tieferen Hautschichten vor dem – v. a. in höherer Dosierung – gefährlichen ultravioletten Licht (UV-Licht) schützt. Dabei ist ein Melanozyt verantwortlich für den Schutz von ca. 4 bis 10 Keratinozyten. Man findet pro Quadratmillimeter Oberhaut ca. 1.000 dieser Zellen.

Tipp

Die Zahl der Melanozyten ist bei allen menschlichen Rassen in etwa gleich. Die unterschiedliche Hautfarbe ist auf die unterschiedliche Pigmentmenge zurückzuführen, die die Melanozyten produzieren.

Leder- und Unterhaut

Lederhaut
Lederhaut Die unter der Oberhaut liegende, bindegewebige Lederhaut (Korium) ist im CoriumBereich der Leistenhaut (Hand- und Fußsohlen) bis zu 2,4 mm dick, dagegen nur 0,3 mm dünn an den Augenlidern, am Penis und Hodensack. Sie verleiht der Haut einerseits Reißfestigkeit, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit zur elastischen Dehnung. Der Ausdruck Lederhaut rührt daher, dass beim Gerben von Tierhäuten aus dieser Schicht Leder gewonnen wird.
Der obere Abschnitt der Lederhaut, die Papillarschicht (Papillarschicht, HautStratum papillare), Stratum:papillarebesteht aus lockerem Bindegewebe, das feine, elastische Fasern besitzt. Die Grenze zur Oberhaut ist durch kleine, zapfenartige Ausziehungen vergrößert, die dermale Papillen genannt werden und aus Bindegewebsfaserschleifen bestehen (Abb. 18.1). In ihnen verlaufen Blutkapillaren, die die Oberhaut versorgen. Die dermalen Papillen dienen nicht nur einer festen Verzahnung mit der Oberhaut, sondern werfen die Oberhaut auch zu linienartigen Mustern auf, den Hautlinien. Diese Linien erleichtern das Greifen und geben jedem Finger seinen charakteristischen Fingerabdruck. In die Papillen eingelagerte Rezeptoren (Meißner-Tastkörperchen) Meissner-Tastkörperchenreagieren sensibel auf Druck.
Der untere Abschnitt der Lederhaut, die Geflechtschicht (Geflechtschicht, HautStratum reticulare), ist Stratum:reticulareaus festem Bindegewebe aufgebaut, das neben kollagenen und elastischen Fasern auch Blutgefäße, Fettgewebe, Haarfollikel, Nerven, Talgdrüsen und Gänge von Schweißdrüsen enthält. Die Kombination von kollagenen und elastischen Fasern macht die Haut elastisch und trotzdem reißfest.
Unterhaut
Die UnterhautUnterhaut (Subcutis) bestehtSubcutis aus lockerem Bindegewebe. Sie ist die Verschiebeschicht der Haut zu den darunterliegenden Schichten wie Muskelfaszien (Muskelscheiden) oder Periost (Knochenhaut).
In der Unterhaut liegen die Schweißdrüsen, die unteren Abschnitte der Haarbälge sowie spezielle Druck- und Vibrationstastkörperchen, die nach ihren Entdeckern Ruffini-Ruffini-KörperchenKörperchen bzw. Vater-Pacini-Lamellenkörperchen genanntVater-Pacini-Lamellenkörperchen werden. Die Krause-Endkolben dienen Krause-Endkolbenals Kälterezeptoren.
In die Unterhaut sind je nach Körperstelle und Körperbau mehr oder weniger viele Fettzellhaufen eingelagert. Dieses subkutane Fettgewebe dient Fettgewebe:subkutanesals Stoßpuffer, als Kälteschutz und als Energiespeicher.

Hautanhangsgebilde

Unsere Haut ist nicht nackt: Sie besitzt Hautanhangsgebilde, Hautanhangsgebildenämlich Haare, Hautdrüsen und Nägel. Alle Hautanhangsgebilde durchstoßen den Oberhautbereich und münden auf die Hautoberfläche.
Haare
Haare (Pili) Haarfinden Pilisich an fast der ganzen Körperoberfläche im Bereich der Felderhaut. Ihre wichtigste Aufgabe ist der Schutz des Körpers vor Kälte und mechanischer Belastung.
Anatomisch gesehen, muss man sich ein Haar als einen Faden von zusammengeflochtenen, verhornten Zellen vorstellen. Es besteht jeweils aus einem Haarschaft, der über die Hautoberfläche hinausragt, und einer Haarwurzel.
Die Wurzel reicht bis ins Korium, manchmal auch bis in die Unterhaut. Die Haarwurzel wird durch den Haarfollikel Haarfollikelumschlossen. Er besteht aus zwei Schichten von epidermalen Zellen: dem externen und dem internen Wurzelblatt. Umgeben werden die beiden Schichten von einem Bindegewebsblatt. Um die Haarfollikel herum enden Nervenfasern. Sie sind sehr empfindlich und registrieren auch feinste Haarbewegungen, wie z. B. einen leichten Luftzug.
Die in der Haut gelegene Haarwurzel eines jeden Haares verbreitert sich in eine zwiebelförmige Struktur, die Bulbus genanntBulbus:Haar wird. In seinem Kern befindet sich die Haarpapille, die viele Blutgefäße enthält und das wachsende Haar mit Nahrung versorgt. Der Bulbus enthält außerdem die Zellschicht, von der aus neue Haarzellen gebildet werden. Sie wird Matrix genanntMatrix, Haut. Entlang dem Haarfollikel verläuft ein Bündel von glatten Muskelzellen. Dieses Bündel wird auch als M. arrector pili Musculus/Musculi:arrector pilibezeichnet. Bei Kälte und Stress kontrahieren die Muskelfasern und stellen so die Körperhaare senkrecht: Es bildet sich die sog. Gänsehaut.
Jedes Haar ist mit einer Talgdrüse Talgdrüseversehen, deren Ausführungsgang am Haarschaft auf die Hautoberfläche mündet.
Ein gesunder Erwachsener verliert durchschnittlich 70–100 Haare pro Tag. Die normale Wachstumsgeschwindigkeit von 0,4 mm pro Tag und der natürliche Regenerationszyklus kompensieren diesen Verlust.

Tipp

Die Haarfarbe wird vom Melaningehalt in den verhornten Zellen bestimmt. Dieser nimmt mit den Jahren ab. Durch eine verminderte Melaninproduktion und gleichzeitige Lufteinschlüsse im Haarschaft erscheinen die Haare für das menschliche Auge weiß. Graue Haare gibt es jedoch nicht. Der Eindruck entsteht durch eine Mischung aus pigmentierten und pigmentlosen Haaren.

Hautdrüsen
HaarfarbeBei den Hautdrüsen Hautdrüsenunterscheidet man Talgdrüsen, Schweißdrüsen und SchweißdrüsenDuftdrüsen. Außerdem Duftdrüsengibt es im äußeren Gehörgang noch Drüsen, die Ohrschmalz produzieren. Die größte Hautdrüse ist eigentlich die weibliche Brust. Sie gehört aber funktionell zu den Geschlechtsorganen und wird deshalb in Kapitel 17 behandelt.
Talgdrüsen
Talgdrüsen Talgdrüsen(Haarbalgdrüsen) sind, wie schon oben erwähnt, im Allgemeinen an Haarfollikel gebunden. Der sekretproduzierende Anteil der Drüsen liegt in der Kutis und öffnet sich direkt neben dem Haarschaft auf die Hautoberfläche. Lippen, Penis, Eichel, kleine Schamlippen, Augen und Augenlider enthalten Talgdrüsen, die jeweils unabhängig von Haaren an der Oberfläche münden. Hand- und Fußsohlen besitzen keine Talgdrüsen. Das von den Talgdrüsen produzierte Sekret (Talg = Sebum, SebumAbsonderungsprodukt) ist eine Mischung aus Fetten, Cholesterin, Protein und Elektrolyten. Der Talg bewahrt das Haar Talgvor Austrocknung und erhält die Haut geschmeidig, zudem verhindert er eine übermäßige Wasserverdunstung und das Wachstum von Bakterien.
Schweißdrüsen
SchweißdrüsenSchweißdrüsen verteilen sich über die ganze Körperoberfläche, lediglich Lippenrand, Nagelbett, Eichel, Klitoris, kleine Schamlippen und Trommelfell sind ausgespart. Schweißdrüsen haben die größte Dichte im Bereich der Hand- und Fußsohlen. Die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen enden in einer Hautpore Haut:Pore(Abb. 18.2). Der Schweiß ist eine SchweißMischung aus Wasser, Salz, Harnstoff, Harnsäure, Aminosäuren, Ammoniak, Zucker, Milchsäure und Ascorbinsäure (Vitamin C).
Aufgabe des Schweißes ist einerseits die Regulation der Körpertemperatur, zum anderen die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten. Zusätzlich wird durch das saure Sekret der Schweißdrüsen (pH 4,5 16.2.7) der sog. Säureschutzmantel der Haut Säureschutzmantel, HautHaut:Säureschutzmantelhergestellt, der das Keimwachstum auf der Haut hemmt.
Unter Normalbedingungen gibt der Körper, ohne dass wir es merken, etwa 500 ml Wasser pro Tag durch die Schweißdrüsen ab. Bei anstrengender Tätigkeit und in heißen Regionen wird sehr viel mehr Flüssigkeit abgesondert, da der Schweiß beim Verdunsten die Haut abkühlt und der Körper sich so von überschüssiger Abwärme befreien kann.

Tipp

Patienten mit Fieber können bis zu 5 Liter Schweiß pro Tag „ausschwitzen“.

Die Sekretion der Schweißdrüsen wird durch den Sympathikus (23.2.11) gesteuert. Wenn die Wärmebildung im Körperinneren im Rahmen von Muskelarbeit oder einer fiebrigen Infektion zunimmt, so gelangen vom Temperaturregulationszentrum des Hirnstamms Impulse über vegetative Fasern an die Drüsenzellen, welche dann die Schweißsekretion rasch verstärken.
Duftdrüsen
Duftdrüsen produzieren Duftdrüsenein duftendes Sekret. Sie sind entwicklungsgeschichtlich mit den Schweißdrüsen verwandt und werden auch als apokrine Schweißdrüsen bezeichnet. Sie finden sich in den Achselhöhlen, der Schamregion und im Bereich der Brustwarzen. Die Ausführungsgänge enden an Haarfollikeln. Ihre Sekretproduktion beginnt in der Pubertät. Die Sekretion ist unter anderem abhängig von psychischen Faktoren.
Nägel
Nägel (Abb. 18.3) Nägelsind Platten von dicht gepackten, harten, verhornten Zellen der Oberhaut. Sie erleichtern das Greifen und die Feinmotorik im Umgang mit kleinen Gegenständen. Außerdem verhindern sie Verletzungen an den Finger- und Zehenenden.
Der überwiegende Teil des sichtbaren Nagels, die Nagelplatte, erscheint wegen des darunterliegenden, gut durchbluteten Nagelbetts rosafarben. NagelbettAls Nagelfalz wird der Hautwulst an den Rändern der Nagelplatte bezeichnet, als Nagelwall der Hautwulst am proximalen Ende des Nagels. Auf dem Nagelbett schiebt sich der Nagel nach vorne. Der weißliche halbmondförmige Abschnitt am proximalen Nagelende wird Lunula genannt. Die Lunula Lunulaerscheint weißlich, weil das darunterliegende Nagelbett wegen des dazwischenliegenden, dichten Stratum basale (auch Nagelmatrix genannt) nicht mehr durchscheinen kann. Die Nagelmatrix reicht bis in die von der Haut gebildeten, etwa 0,5 cm tiefe Nageltasche hinein. Das Nagelhäutchen (Cuticula) hatNagelhäutchen keine direkte CuticulaFunktion, es entspricht vom Aufbau her der Hornschicht der Epidermis.
Der Nagel wächst, indem sich die Oberflächenzellen der Nagelmatrix in verhornte, tote Nagelzellen umwandeln. Durchschnittlich beträgt der Längenzuwachs eines Fingernagels 0,5–1 mm pro Woche.

Untersuchung und Diagnostik

Anamnese

Bei der Anamnese fragen Sie nach:
  • bestehenden Hautveränderungen (Effloreszenzen) sowie Veränderungen der Haare und Nägel

  • Beginn der Veränderungen und evtl. Auslösern. Besonders bei Verdacht auf allergisch bedingte Hauterkrankungen muss der Patient überlegen, ob ein Zusammenhang besteht zwischen der Erkrankung und dem Kontakt mit Tieren, der Einnahme von Arzneimitteln, der Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel oder auch der Verarbeitung spezieller Stoffe im Beruf

  • Zusammenhang mit Sonnenexposition, jahreszeitlicher Abhängigkeit, äußeren Noxen (z. B. Pflegemittel Kosmetika, Textilien) oder sonstigen Einwirkungen (Kälte, Wärme)

  • sonstigen Beschwerden, z. B. kann die Schuppenflechte (18.7) mit Gelenkerkrankungen einhergehen, außerdem kann Juckreiz viele Hauterkrankungen begleiten (z. B. Neurodermitis 18.6)

  • früheren Hauterkrankungen, wie z. B. Milchschorf, Ekzeme

  • Begleiterkrankungen, z. B. HIV-Infektion, Diabetes mellitus, früheren Allgemeinerkrankungen

  • bisherige Therapie der Hautveränderungen

  • Familienanamnese, denn Erkrankungen bei Familienangehörigen können auf eine erbliche Veranlagung (z. B. bei Atopie 22.6.3) hinweisen

  • bei Frauen: Schwangerschaft

  • Alkohol- und Drogenkonsum

Körperliche Untersuchung

Tipp

In der Regel sind eine sorgfältige Anamnese und die Inspektion der Haut für die Diagnosestellung einer Hauterkrankung völlig ausreichend („Blickdiagnose“).

Für die körperliche Untersuchung sind gute Lichtverhältnisse notwendig. Außerdem sollte die Untersuchung vor einer weißen Wand erfolgen, da ansonsten die Farbe einer Hautveränderung schwer zu beurteilen ist. Bei der Erstuntersuchung entkleidet sich der Patient zur Inspektion des Hautorgans Inspektion:Hautvollständig, bei Kontrolluntersuchungen reicht häufig das Freimachen der betroffenen Hautpartien.
Abhängig von der Verdachtsdiagnose inspizieren Sie außerdem Haare, Nägel, Mundhöhle und Anal- und Genitalbereich (17.5.2). Tragen Sie zum Eigenschutz Handschuhe. Tasten Sie die Pulse und die Lymphknoten ab. Evtl. müssen Sie eine allgemeine Ganzkörperuntersuchung anschließen (3.5), wenn die Hautveränderungen nur das Symptom einer Systemerkrankung sind (z. B. bläulich-rötliche Knoten, das sog. Erythema nodosum, bei TuberkuloseErythem(a):nodosum 25.18.9).
Um einen Überblick über die Hautveränderungen zu erhalten, betrachten Sie die Haut zunächst aus einiger Entfernung, dann aus etwa 30 cm (Leseabstand) und zuletzt ggf. mithilfe einer Lupe.
Diagnostische Hilfsmittel
  • Lupe

  • Lampe

  • Einmalhandschuhe

  • Holz- oder Kunststoffspatel zur Inspektion der Mundhöhle, zum Entfernen von Auflagerungen und zum Überprüfen des Dermografismus

  • stumpfes Skalpell oder Klinge zum Abschaben von Hautschuppen

  • Glasspatel zum „Wegdrücken“ des Glasspateldurch die Effloreszenz fließenden Blutes, um die Eigenfarbe einer Hautveränderung darstellen zu können

  • Wood-Lampe (Lichtquelle von UVA-Strahlen,Wood-Lampe die mit speziellen Filtern ausgestattet ist) zur Diagnostik bestimmter Hauterkrankungen, v. a. Pilzinfektionen, deren Herde im Wood-Licht fluoreszierend aufleuchten

Prüfung des Dermografismus
Nach Kratzen der Haut,Dermografismus z. B. des Unterarms, mit einem Spatel, einem Stift oder einer Münze rötet sich normalerweise die Haut infolge der Vasodilatation (roter Dermografismus, Dermografismus ruber). Ein Abblassen (weißer Dermografismus, Dermografismus albus Abb. 18.17) deutet auf eine atopische Dermografismus:ruberKonstitution hin. Diese veränderte Hautreaktion wird durch eine neurovegetative Dysregulation verursacht.

Naturheilkundliche Diagnostik

Antlitzdiagnose

Es ist wichtig, die bei Hauterkrankungen auftretenden vielfältigen klinischen Symptome diagnostizieren und differenzialdiagnostisch (18.4) abklären zu können.
Achten Sie auf Zeichen, die eine Stoffwechselbelastung und eine Schwäche des Verdauungssystems anzeigen können. So korrespondieren die Nasolabialfalten und die Lippen sehr eng mit Störungen der Verdauungsorgane.
Nach Ferronato sind Verfärbungen und Erhebungen in einer Zone direkt unter der rechten Unterlippenseite als Zeichen von Störungen der Leber, Gallenwege und Gallenblase anzusehen.

Iridologie

Die Hautzone in der Iris, die sechste kleine Zone, die mit dem Ziliarrand abschließt, gibt Aufschluss über den Zustand und die Funktion der Haut und zeigt somit Störungen im Hautstoffwechsel und in der Durchblutung der Haut an.
Ist diese Zone abgedunkelt, ist die Haut in ihrer wichtigen Ausscheidungsfunktion gestört. Sind zudem in der Zone der aktiven Schleimhäute, die am Übergang von der fünften und sechsten kleinen Zone (3.7.4) liegt, Tophi und Wolken zu finden (Abb. 18.5), kann dies als Hinweis gewertet werden, dass die Grundsubstanz (6.1.4) „verschlackt“ ist. Achten Sie in diesem Zusammenhang auch auf Struktur- und Reizzeichen (z. B. Lakunen, Radiären) in der Magen-Darm-Zone sowie im Bereich von Leber und Nieren, die eine Ausscheidungsschwäche bestätigen können: So muss bei einem dunklen Hautrand immer auch an Störungen der Leber und Nieren gedacht werden. Allerdings kann ein dunkler Hautrand, v. a. bei kälteempfindlichen Patienten, die zu kalten Händen und Füßen neigen, eine periphere Durchblutungsstörung anzeigen. Ist

Die abgedunkelte Hautzone, die um die gesamte Iris (linke Iris) verläuft, zeigt eine gestörte Ausscheidungsfunktion der Haut an, die bei der abgebildeten harnsauren Diathese (3.7.4) Folge einer Ausscheidungsschwäche der Harnwege ist. Der Übergang in die carbonitrogenoide Konstitution (Milztransversale bei 20 Min., abgedunkelte Krausenzone mit Krypten) ist sichtbar.

[O220]

der abgedunkelte Hautrand nur im Bereich des Gehirns ausgebildet, können zerebrale Durchblutungsstörungen vorliegen.
Ist die Hautzone aufgehellt und ein „verschmierter“ Hautrand zu sehen, neigt der Patient zu ekzematösen Hauterkrankungen und zu starker Schweißabsonderung. Auch hier sollte auf mögliche Zeichen in der Zone der aktiven Schleimhäute geachtet werden.
Eine Vaskularisierung auf dem Hornhautrand kann eine Neigung zu allergischen Erkrankungen anzeigen.

Kinesiologie

Da viele Neurodermitiker Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten haben, die das Krankheitsbild verstärken, empfiehlt es sich, z. B. mithilfe kinesiologischer Testverfahren (3.7.5) die Nahrungsmittel auszutesten (Abb. 18.5), auf die der Patient mit einer Verschlimmerung der Hautbeschwerden reagiert. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten und allergischer Disposition ist zudem eine Eliminations- und Suchdiät erforderlich.

Störfelddiagnose

Die Neuraltherapie sieht in einer durch Störfelder bedingten Sensibilisierung der Haut eine Ursache für die Entstehung chronischer Hauterkrankungen. Klären Sie potenzielle Störfelder (z. B. im Bereich der Tonsillen, Zähne, Nebenhöhlen) ab, wenn sich die Beschwerden des Patienten trotz gut gewählter Behandlungsmaßnahmen nicht bessern. Auch eine Darmdysbiose (4.2.27) kann als Störfeld therapeutische Maßnahmen blockieren.

Zungendiagnose

Da chronische Hautleiden oft mit einer gestörten Verdauungsfunktion einhergehen, ist auf die Farbe des Zungenbelags zu achten. Zeigt der hintere Teil der Zunge einen bräunlichen Belag, ist eine Darmerkrankung bzw. Darmdysbiose wahrscheinlich, während eine gelblich belegte Zunge auf eine Erkrankung der Leber, Gallenblase oder Gallenwege hinweisen kann.

Schulmedizinische Diagnostik

Diagnostik, naturheilkundliche:HautBei vielen, v. a.Diagnostik, schulmedizinische:Haut infektiösen Hautveränderungen fertigt der Hautarzt (Dermatologe) Abstriche an und Dermatologelässt diese mikroskopisch oder mikrobiologisch untersuchen. Häufig wird auch eine Kultur zur Erregerbestimmung angelegt.
Bei unklaren Hauttumoren und entzündlichen Hautveränderungen entnimmt der Dermatologe Gewebe sowohl aus der veränderten als auch gelegentlich aus der unveränderten Haut (Biopsie). Besonders wennBiopsie:Haut der Verdacht auf Hautkrebs besteht, werden kleinere Tumoren häufig auch komplett entfernt und einer genauen feingeweblichen (histologischen) Untersuchung unterzogen.
In manchen Fällen kann eine Laboruntersuchung diagnostische Hinweise geben, z. B. IgE-Bestimmung bei allergischem Geschehen oder BSG und Antistreptolysin-Titer bei Erysipel. Oft schließt sich eine ausführliche allergologische Diagnostik an.
Viele Autoimmunerkrankungen gehen auch mit Hauterscheinungen einher. Dann hilft die Bestimmung spezifischer Antikörper bei der Diagnostik.

Checkliste zur Anamnese und Untersuchung bei Veränderungen der Haut

  • Anamnese: Zeitpunkt des Auftretens der Hauterscheinung, Verlauf, früheres Auftreten, möglicher Zusammenhang mit einem Kontakt zu bestimmten Substanzen, Allergien, Begleiterkrankungen, Medikamenteneinnahme, Familienanamnese

  • Inspektion: von Haut, Hautanhangsorganen und Schleimhäuten mit genauer Angabe der Hautveränderung, dazu gehören Lokalisation (z. B. Unterarm), Verteilung (z. B. symmetrisch, ein-, doppelseitig, diffus, gruppiert), Begrenzung (z. B. scharf, unscharf), Form (Konfiguration, z. B. oval, rund, unregelmäßig), evtl. unter Verwendung einer Lupe; genaue Bezeichnung der einzelnen Hautveränderung (Effloreszenzen), z. B. Fleck, Knoten oder Quaddel

  • Palpation: Lymphknoten und Pulse, v. a. bei Hautveränderungen im Bereich der Unterschenkel und Füße. Evtl. allgemeine Ganzkörperuntersuchung

  • Evtl. Blutlabor: z. B. BSG, Anti-Streptolysintiter, Antikörperbestimmung

  • Antlitzdiagnose: nach Ferronato farbliche Hautveränderungen unter der rechten Unterlippe

  • Iridologie: abgedunkelte Hautzone bei Störungen der Ausscheidungsfunktion der Haut oder Belastung des Organismus durch Stoffwechselprodukte; oft auch Struktur- und Reizzeichen in der Magen-Darm-Zone oder dem Bereich von Leber und Niere; heller, verschmierter Hautrand bei ekzematösen Hauterkrankungen; Vaskularisierung auf dem Hornhautrand bei allergischer Disposition

  • Kinesiologie: Nahrungsmittelunverträglichkeiten austesten

  • Störfelder (z. B. chronisch entzündete Tonsillen, Nasennebenhöhlen, aber auch Darmdysbiose) abklären

  • Zungendiagnose: bräunlicher (Darmdysbiose) oder gelblicher (Leber-Gallenerkrankung) Belag

  • Dermografismus-Prüfung: evtl. weißer Dermografismus als Hinweis auf atopische Konstitution

Leitsymptome und Differenzialdiagnose

Effloreszenzenlehre

Checkliste, Anamnese und Untersuchung:Haut

Effloreszenzen (Hautblüten): durch Krankheiten ausgelöste sichtbare Hautveränderungen. Diese werden mithilfe der Effloreszenzenlehre (Terminologie der Hautveränderungen) eingeteilt und beschrieben.

HautblütenHaut:VeränderungenEffloreszenzenlehreEffloreszenzen sind Einzelelemente einer Hauterkrankung (Dermatose) und bestimmen deren Dermatosetypisches klinisches Erscheinungsbild. Die Effloreszenzenlehre bildet die Basis für eine eindeutige und nachvollziehbare Befundbeschreibung.
Primäre und sekundäre Effloreszenzen
Effloreszenzen werden nicht nur nach ihren morphologischen Eigenschaften (Form und Struktur) eingeteilt, sondern auch nach ihrer Entstehung:
  • Primäre Effloreszenzen werden unmittelbarEffloreszenzen:primäre durch die Hauterkrankung hervorgerufen.

  • Sekundäre Effloreszenzen entstehen auf dem Effloreszenzen:sekundäreBoden von Primäreffloreszenzen, z. B. durch Entzündungen oder äußere Manipulationen wie Kratzen.

Für die Diagnostik sind v. a. die Primäreffloreszenzen von Bedeutung. Leider sind diese manchmal nur sehr schwer zu erkennen, etwa wenn der Patient juckende Primäreffloreszenzen aufgekratzt hat und in erster Linie Kratzeffekte sichtbar sind oder wenn der Patient sich so spät vorstellt, dass sich aus den Primäreffloreszenzen schon Sekundäreffloreszenzen gebildet haben.
Außerdem ist die Zuordnung zu den Primär- oder Sekundäreffloreszenzen nicht eindeutig. So zählt ein Fleck an sich zu den primären Effloreszenzen, er kann aber auch nach Rückbildung z. B. einer entzündeten Papel entstanden sein, wäre dann also eine sekundäre Effloreszenz. Ebenso können die meist als Sekundäreffloreszenz auftretenden Schuppen gelegentlich primär auftreten.
Häufig besteht eine Dermatose aus einer Kombination von mehreren Effloreszenzen. So sind etwa Rötung und Schuppung der Haut die Hauptsymptome der Schuppenflechte, die deshalb auch zu den erythematosquamösen Dermatosen gerechnet wird (vonDermatose:erythematosquamöse Erythem = Rötung und Squama = Schuppe). Eine papulovesikuläre Dermatose, z. B. bei Skabies, besteht dementsprechend aus Papeln und BläschenDermatose:papulovesikuläre (Vesiculae).
Charakterisierung der Effloreszenzen
Die Lokalisation Effloreszenzen:Charakterisierungder Hautveränderungen kann wertvolle diagnostische Hinweise auf die zugrunde liegende Erkrankung geben:Areale, an denen krankheitsspezifische Hautveränderungen bevorzugt auftreten, heißen Prädilektionsstellen (z. B. Mund- und Prädilektionsstellen:HautveränderungenGenitalschleimhaut bei der Candidamykose). Ferner wird auf Form, Begrenzung und Anordnung (Verteilung) der Effloreszenzen:AnordnungEffloreszenzen geachtet (Abb. 18.6):
  • Form: Effloreszenzen sind z. B. rund, polygonal (vieleckig) oder elliptisch.

  • Begrenzung: Der Übergang zur gesunden Haut ist scharf oder unscharf; eine unscharfe Begrenzung bei einem Naevus („Leberfleck“) weist z. B. auf NaevusBösartigkeit hin.

  • Anordnung: Beispielsweise treten die Bläschen bei einer Gürtelrose gruppiert auf, während diejenigen bei Windpocken einzeln über den Körper verteilt sind (disseminiert) und die bei Masern zusammenfließen (konfluieren).

Nomenklatur der Effloreszenzen
Neben der korrektenEffloreszenzen:Nomenklatur Beschreibung ist auch die richtige Bezeichnung der Effloreszenzen wichtig.
Fleck (Makula Tab. 18.1)
Als Fleck Fleck, Hautbezeichnet man eineMacula, Haut umschriebene Farbänderung der Haut im Hautniveau. Als Ursache kommen infrage:
  • Veränderte Gefäßfüllung: Eine Gefäßweitstellung (Vasodilatation, etwa bei Wärme oder durch Medikamente) führt zu flächenhafter Hautrötung (Erythem), die sich mit einem Glasspatel wegdrücken lässt. Bei Gefäßverengung (Vasokonstriktion) wird die Haut dagegen blass.

  • Pigmentschwund oder Pigmenteinlagerung: Bei der Vitiligo (VitiligoWeißfleckenkrankheit) treten aufgrund Weißfleckenkrankheiteines umschriebenen Melanozytenverlusts weiße Flecken auf (Abb. 18.7a). Beispiele für Pigmenteinlagerungen sind Sommersprossen oder Leberflecke (Naevi). Bei Tätowierungen entstehen farbige Flecken durch künstliches Einbringen von Farbstoffen in die Haut

  • Blutaustritt ins Gewebe: Punktförmige Hautblutungen heißen Petechien (Abb. 20.25), münzgroße Sugillationen und Petechiengrößere, Sugillationenflächenhafte Blutungen Ekchymosen oder Suffusionen. Eine Ekchymosentiefe Einblutung inSuffusionen Haut oder Gewebe heißt Hämatom. Blutungsbedingte HämatomRötungen lassen sich nicht mit dem Glasspatel wegdrücken.

Papel (Papula), Knötchen (Nodulus), Knoten (Nodus Tab. 18.1)
Eine feste (derb PapulaPapel, HautNodulusKnoten, HautKnötchen, Hautzu tastende) NodusErhabenheit der Haut durch Zellvermehrung oder Zellansammlung nennt man in Abhängigkeit von der Größe Papel (Papula), Knötchen (Nodulus) oder Knoten (Nodus).
Eine Papel ist meist < 0,5 cm, ein Nodulus meist 0,5–1 cm und ein Nodus meist > 1 cm. Herdförmig angeordnete Papeln fließen zu einer Einheit zusammen.
Als Lichenifikation wird eine Verdickung der Haut mit Vergröberung der Hautfelder bezeichnet.
Differenzialdiagnose:
  • Papel (Abb. 18.7b): Warzen, Papeln bei Syphilis, Basaliom, Nävuszellnävus, Lichen ruber planus (Knötchenflechte: Lichen:ruber planusstark juckende Knötchenflechterötlich-bläuliche Papeln unbekannter Ursache, meist schleichender Beginn mit zunehmender Papelzahl)

  • Knötchen (Abb. 18.7c): Rheumaknötchen bei rheumatoider Arthritis, Xanthome

  • Knoten: Xanthome, bösartiger Tumor: Lymphom, Metastase, Hauttumor, Erythema nodosum (schmerzhafte hellrote bis blaurote, glatte Knoten, meist an der Unterschenkelstreckseite) nach Streptokokken-Infektion, bei Tuberkulose, Sarkoidose, Darminfektion (mit Yersinien, Salmonellen oder Shigellen), Toxoplasmose und Morbus Crohn

  • Lichenifikation (Abb. 18.15): chronisches Kontaktekzem, Neurodermitis

Bläschen (Vesiculae) und Blase (Bullae Tab. 18.1)
Bläschen (VesiculaBläschenVesiculae) bzw. BlaseBlasen (Vesicae, Bullae) sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume < bzw. > 1 cm, die über dem Hautniveau liegen (Abb. 18.7d).
Sie können in oder unter der Oberhaut (intra- oder subepidermal) entstehen. Bläschen und Blasen fluktuieren, d. h., ihr Inhalt lässt sich durch Fingerdruck verschieben. Wasserklare Blasen enthalten seröse Flüssigkeit, rötliche bis schwarze Blasen Blut. Oberflächlich lokalisierte Blasen haben eine schlaffe, tiefliegende dagegen eine straffe Blasendecke.
Differenzialdiagnose: Herpes, Windpocken, Kontaktekzem.
Pustel (Pustula, Eiterbläschen)
Ein mit Eiter Pustelgefüllter Hohlraum Pustulain oder unter der Oberhaut (Abb. 18.7e) wird als Pustel bezeichnet.
Differenzialdiagnose: Pusteln entstehen entweder primär oder sekundär. Die primäre Pustel geht nicht auf eine Infektion zurück, ihr Inhalt ist steril („steriler Eiter“, z. B. bei der Schuppenflechte). Sekundär entwickeln sich Pusteln häufig aus Bläschen oder Blasen durch Eintrübung des primär serösen Inhalts, z. B. bei Impetigo contagiosa.
Quaddel (Urtica Tab. 18.1)
Bei einer Quaddel (Quaddel:EffloreszenzUrtica) handelt es sich um ein umschriebenes, akutes Ödem in der Lederhaut (Korium), das durch Plasmaaustritt aus den Gefäßen bedingt ist (Abb. 18.7f). Quaddeln lassen sich als leichte Erhabenheit tasten und bilden sich in der Regel innerhalb von Std. wieder zurück. Ihre Farbe ist durch die Gefäßweitstellung blassrosa oder bei Kompression der Kapillaren durch das Ödem weiß. Sie beeinträchtigen den Patienten durch starken Juckreiz.
Künstlich hervorgerufene Quaddeln entstehen z. B. durch intrakutene Injektion eines Medikaments im Rahmen der Neuraltherapie (Quaddelung).
Differenzialdiagnose: Kontakt mit Brennnesseln, Urtikaria (Nesselsucht).
Zyste (Zystis Tab. 18.1)
Einen epithelumkleideten CystisHohlraum, der mit flüssigem, gallertigem oder festem Inhalt gefüllt ist, nennt man Zyste (Zystis).
Differenzialdiagnose: Atherome (Grützbeutel, ZystenAtherom der Oberhaut im BereichGrützbeutel der Haarfollikel, Abb. 18.7g).
Schuppe (Squama)
Bei Schuppen (Schuppe(n)Squamae) handelt esSquama sich um locker oder fest anliegendes, lamellenartig angeordnetes Hornzellenmaterial (Abb. 18.7h). Eine Schuppung ist Folge einer krankhaften oder vermehrten Verhornung, bei der sich das Hornzellenmaterial sichtbar von der Hornschicht (äußerste Schicht der Oberhaut) löst. Trockene Schuppen sehen weißlich aus, fettdurchtränkte gelblich. In Abhängigkeit von der Größe spricht man von klein- oder groblamellärer Schuppung (lat. lamella = dünnes Blättchen).
Differenzialdiagnose: Schuppenflechte, Ichthyosen, Pityriasis versicolor (durch einen Pityriasis:versicolorHefepilz verursachte scharf begrenzte, großflächige, buntscheckige Flecken v. a. am Oberkörper; harmlos, nur kosmetisch störend).
Kruste (Crusta, Borke Tab. 18.1)
Krusten entstehen KrusteCrustadurch Eintrocknung Borkevon Sekret (Serum, Blut oder Eiter) auf Erosionen oder Ulzera (Abb. 18.7i).
Differenzialdiagnose: v. a. nach Verletzungen oder bei Neurodermitis.
Narbe (Cicatrix Tab. 18.1)
Nach einem NarbeSubstanzverlust derCicatrix Lederhaut wird das zerstörte Gewebe durch Bindegewebe ersetzt. Die Narbenbildung ist eine Form der Defektheilung, da nach Abschluss der Heilung nicht der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wird, d. h. der Defekt wird nicht durch Lederhaut ersetzt (Abb. 18.7j). Der Verlust der elastischen Fasern macht die Haut wenig dehnbar. Eine frische Narbe ist rötlich, eine ältere weiß. Liegt die Narbe durch überschießende Bindegewebsneubildung über dem Hautniveau, spricht man von einer hypertrophischen Narbe, liegt sie unter dem Hautniveau, von einer atrophischen Narbe.
Differenzialdiagnose: Nach traumatischen Hautverletzungen oder Hauterkrankungen.
Rhagade (Schrunde Tab. 18.1)
Bei Rhagaden Rhagadenhandelt es sich um Schrundespaltförmige Hauteinrisse bis in die Lederhaut (Korium), die durch Dehnung ausgetrockneter oder stark verhornter Hautareale entstehen, z. B. am Mundwinkel. Aber auch bei Vorschädigung der Haut können Rhagaden auftreten. Beispielsweise reißt die Haut häufig in den Zehenzwischenräumen ein, wenn sich dort eine Mykose entwickelt hat.
Als Fissur werden radiäre, also Fissurstrahlenförmige (Schleim-)Hauteinrisse bezeichnet (z. B. Analfissur).
Differenzialdiagnose: Mundwinkelrhagaden durch Candidainfektion oder bei Anämie (Abb. 18.7k), Hand- und Fußrhagaden durch Austrocknung der Haut.
Erosion (Tab. 18.1)
Oberflächliche Substanzdefekte, Erosiondie auf die Oberhaut beschränkt sind und ohne Narbenbildung ausheilen, werden als Erosionen bezeichnet (Abb. 18.7m). Am häufigsten bilden sie sich durch das Platzen von Bläschen, Blasen oder Pusteln. Reicht der Substanzdefekt bis in den oberen Anteil der Lederhaut, spricht man von einer Exkoriation (Abb. 18.7l). Erosionen und Exkoriationen Exkoriationentstehen oft auch durch Kratzen.
Differenzialdiagnose: Kratzeffekt bei verschiedenen Hauterkrankungen (z. B. Neurodermitis, allergisches Kontaktekzem), Pilzinfektion in den Zwischenzehenräumen, Impetigo contagiosa.
Ulkus (Ulcus, Geschwür, Plural: Ulzera, Ulcera Tab. 18.1)
Ulzera sind tiefe Ulkus\t \"s.a. UlcusDefekte von GeschwürOberhaut, Lederhaut und manchmal auch Unterhaut, die eine schlechte Selbstheilungstendenz aufweisen und immer eine Narbe hinterlassen.
Differenzialdiagnose: vorgeschädigte Haut, z. B. bei chronischem Venenleiden (Ulcus cruris Abb. 18.7n) oder nach einer Röntgenbestrahlung.

Exanthem, Enanthem, Erythem und Ekzem

Exanthem: Sammelbegriff für entzündliche Veränderungen der Haut (z. B. bei Röteln, Ringelröteln, Masern, Scharlach), die aus vielen Einzelelementen (z. B. Bläschen, Flecken, Quaddeln, Papeln, Erythemata) bestehen, häufig typische Verteilungsmuster bilden und größere Körperpartien betreffen.

Enanthem: entzündliche Veränderungen der Schleimhäute, z. B. bei Masern, Scharlach, infektiöser Mononukleose.

Die ExanthemEnanthemEffloreszenzen bei Exanthemen und Enanthemen müssen einen zeitlichen Ablauf zeigen (Anfang, Höhepunkt, Ende).
  • Ein Erythem hingegen ist eine ausschließliche ErythemHautrötung, die oft nur kleine Körperpartien betrifft und Folge einer Vasodilatation und damit einhergehenden stärkeren Durchblutung ist.

  • Als Ekzem (Juckflechte) werden Ekzemverschiedene Juckflechteentzündliche, in der Regel juckende Hauterkrankungen bezeichnet. Sie zeigen meist nässende Effloreszenzen und Krustenbildung im akuten Schub und trockene, schuppige Haut sowie gesteigerte Verhornung und Rhagaden im chronischen Stadium.

Juckreiz

Juckreiz (Pruritus): häufiges, manchmal sogar erstes oder einziges Symptom vieler Haut- und Allgemeinerkrankungen. Er kann den Patienten unerträglich quälen.

Diagnostik
Wenn Pruritus"\t""s.a. JuckreizJuckreizder Patient über Juckreiz klagt, sind folgende Fragen von Bedeutung:
  • Tritt der Juckreiz am ganzen Körper oder nur an bestimmten Stellen auf?

  • Wenn der Juckreiz nur an bestimmten Stellen auftritt: Sind an diesen Stellen Hautveränderungen auffällig?

  • Seit wann besteht der Juckreiz? Besteht der Juckreiz immer? Verschlimmert er sich zu bestimmten Tageszeiten?

  • Sind Allgemeinerkrankungen wie z. B. Stoffwechselerkrankungen bekannt?

  • Bestehen neben dem Juckreiz weitere Beschwerden, z. B. Fieber, Nachtschweiß oder ungewollter Gewichtsverlust (als Symptom z. B. eines Lymphoms)?

Auf die Anamnese folgt eine Inspektion der Haut. Bei Allgemeinerkrankungen sieht man meist keine Primäreffloreszenzen, sondern Rötungen, Verletzungen, Krusten oder Entzündungen, die durch Kratzen verursacht wurden. Je nach Verdachtsdiagnose schließen sich eine Ganzkörperuntersuchung und entsprechende Labordiagnostik an.

Achtung

Die Ursache eines Juckreizes sollte immer diagnostiziert werden, ggf. überweisen Sie den Patienten zum Arzt zur Abklärung (u. a. Tumorausschluss)!

Differenzialdiagnose
Juckreiz tritt bei Allgemeinerkrankungen eher generalisiert und bei Hauterkrankungen eher lokalisiert auf. Die in Tabelle 18.2 genannten Allgemein- und Hauterkrankungen können mit Juckreiz einhergehen.
Weitere Ursachen für einen Juckreiz sind Maßnahmen, die zu einem Austrocknen der Haut führen, z. B. eine übertriebene Körperhygiene (zu häufiges Waschen bei ungenügender Rückfettung). Auch trockene Haut (18.4.7) aufgrund anderer Ursachen führt zum Juckreiz, z. B. kann die trockene Haut alter Menschen stark jucken (Pruritus senilis).
Juckreiz kann aber auch psychisch Pruritus:senilisbedingt sein, z. B. bei somatoformen Störungen (26.9.1).
Schulmedizinische Therapie
An Medikamenten werden meist Antihistaminika verordnet, in Ausnahmefällen auch Sedativa oder Glukokortikoide.
Juckreiz kann den Patienten sehr quälen und sollte daher gelindert werden, auch wenn die zugrunde liegende Erkrankung dadurch nicht beeinflusst wird. Durch antipruriginöse (gegen den Juckreiz gerichtete) Maßnahmen werden zudem kratzbedingte Folgeschäden verhindert.
In der Regel sind äußere Maßnahmen zur Linderung des Juckreizes ausreichend, eine systemische Behandlung ist nur selten erforderlich (z. B. mit Tavegil®).
Äußere Anwendungen sind:
  • Abreibungen der Haut mit Essigwasser (3 Teelöffel Weinessig auf 1 l Wasser) oder alkoholischen Lösungen mit Menthol (2 %)

  • Trockenpinselung bei sehr schmerzhaften Hauterkrankungen mit erhöhter Flüssigkeitsabsonderung, z. B. mit Oberflächenanästhetika

  • bei chronischen Ekzemen lokale Behandlung mit Teerpräparaten (z. B. Teer-Linola®-Fett N-Creme oder Tannolact®-Fettcreme)

  • Hautpflege, z. B. mit medizinischen Hautschutz- und Hautpflegemitteln wie Balneum Hermal® Flüssiger Badezusatz oder Euraxil® Lotio. Nicht zu lange und nicht zu warm baden, auf die Rückfettung der Haut achten.

Wichtige Hinweise für den Patienten
  • Da Wärme den Juckreiz erfahrungsgemäß fördert, sollte der Patient auf eine kühle Raumtemperatur achten.

  • Damit sich der Patient nicht im Schlaf aufkratzt, sollte er evtl. nachts Baumwollhandschuhe tragen. Dies schützt auch vor Superinfektionen.

  • Äußere Reizungen durch harte Kleidungsstücke oder ungeeignete Seifen und Waschmittel sind zu vermeiden.

  • Bei psychogenem Juckreiz kann eine Psychotherapie hilfreich sein (z. B. eine Verhaltenstherapie).

  • Besteht der Juckreiz schon sehr lange, können Entspannungsübungen den Patienten helfen, die „Juckreiz-Spirale“ zu durchbrechen, die alleine schon durch die Erwartung des Juckreizes entstehen kann.

Veränderung der Haardichte

Unterschieden werden eine verminderte Körperbehaarung (Hypotrichose, Haarmangel) und eine HypertrichoseHypotrichoseverstärkte Körperbehaarung bei ansonsten geschlechtstypischem Behaarungsbild. Eine Hypotrichose kommt selten vor und geht oft mit angeborenen Fehlbildungen oder Stoffwechselanomalien einher.
Hypertrichose
Bei der Hypertrichose gilt es zu Hypertrichoseberücksichtigen, dass das normale Behaarungsmuster und die Behaarungsintensität individuell, familiär, ethnisch (abhängig von der Volksgruppe), alters- und geschlechtsbedingt unterschiedlich stark variieren. So kann eine starke Behaarung bei Frauen familiär bedingt und muss nicht automatisch Folge hormoneller Störungen sein.

Merke

Einteilung der Hypertrichosen

  • lokalisierte Hypertrichosen, z. B. auf einem Leberfleck

  • generalisierte Hypertrichosen, etwa im Rahmen von Stoffwechselerkrankungen (z. B. Schilddrüsenunterfunktion), Tumoren oder nach Einnahme bestimmter Medikamente (u. a. Glukokortikoide, Antihypertonikum Minoxidil, Antiepileptikum Phenytoin)

Hirsutismus
Eine pathologische Vermehrung und Verdickung der HirsutismusHaare bei Frauen oder Kindern ohne sonstige Zeichen einer Vermännlichung (sog. Virilisierung, z. B. männliche Körperformen, Tieferwerden der VirilisierungStimme, Klitorishypertrophie, Brustatrophie, Ausbleiben der Menstruation) nennt man Hirsutismus. Unter dem Einfluss von Androgenen (Sammelbezeichnung für männliche Sexualhormone) tritt bei Frauen und Kindern ein männliches Behaarungsmuster auf. Die Schambehaarung der Patientinnen läuft spitz zum Bauchnabel hin zu und breitet sich deutlich auf die Oberschenkel aus, und es kann eine Brustbehaarung hinzukommen. Außerdem beklagen die Frauen Bartwuchs und oft einen Ausfall des Kopfhaares.
  • Ist keine Ursache für den Hirsutismus zu finden, spricht man von einem idiopathischen Hirsutismus. Da die Androgenspiegel im Serum nicht erhöht sind, nimmt man als Ursache eine erhöhte Empfindlichkeit der Androgenrezeptoren in den Haarfollikelzellen an.

  • Der medikamentöse Hirsutismus kann z. B. nach Gabe von Anabolika, Androgenen und Glukokortikoiden entstehen. Wird das Medikament abgesetzt, normalisiert sich die Behaarung wieder.

  • Außerdem tritt ein Hirsutismus bei endokrinen Störungen auf, z. B. beim Nebennierenrindenkarzinom, beim Morbus Cushing oder bei androgenproduzierenden Eierstocktumoren.

Haarausfall

Haarausfall: vermehrter Haarausfall (Effluvium), der zur Kahlheit (Alopezie) führen kann (> 100 Haare pro Tag).

Die wohl häufigste HaarausfallAlopezieEffluvium ist Alopeziedie „Glatzenbildung“ des Mannes, auch androgenetische Alopezie genannt (Glatzenbildung Abb. 18.8). Ursache der androgenetischen Alopezie ist eine Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber Androgenen. Die Alopezie tritt also bereits bei normalen Androgenspiegeln auf.
Auch Frauen können eine androgenetische Alopezie entwickeln, allerdings mit anderer Lokalisation (Abb. 18.9).
Im Gegensatz zur androgenetischen Alopezie des Mannes, die bis heute nicht behandelbar ist (auch wenn dies in der Werbung immer wieder behauptet wird), kann die androgenetische Alopezie der Frau mit Antiandrogenen gebessert werden.
Männern kann der Arzt Finasterid (Propecia®) verordnen; Frauen und Kinder dürfen dieses Medikament grundsätzlich nicht einnehmen. Der Patient muss das Präparat so lange einnehmen, wie die Wirkung anhalten soll. Bisher gibt es allerdings noch keine abschließenden Stellungnahmen zu (Langzeit-)Nebenwirkungen.
Die Ursachen für Haarausfall sind zahlreich. Erste Hinweise gibt die Beobachtung des Befallsmusters (Tab. 18.3).
Der Haarausfall ist irreversibel, wenn es zur Zerstörung sowie zur Vernarbung des Haarfollikels kommt, wie z. B. nach Verbrennungen, tiefen Infektionen oder vernarbenden Entzündungen (z. B. bei der Sklerodermie).

Veränderung der Haarstruktur

Veränderungen der Haarstruktur können durch kosmetische Maßnahmen entstehen, z. B. durch zu massives Kämmen und Bürsten der Haare, zu häufiges Haarewaschen, Färben, Bleichen oder Dauerwellung. Diese exogen bedingten Veränderungen sind in der Regel reversibel.
Neben der exogenen Haarstrukturveränderung gibt es noch angeborene und erworbene endogene Haarstrukturveränderungen, z. B. die Spaltung der Haare (Trichoschisis) bei den Ichthyosen oder das dünne, brüchige Haar bei TrichoschisisMalabsorption, Malnutrition (Fehlernährung), Stoffwechselerkrankungen oder Kachexie (Auszehrung).
Therapie: Ausschaltung der Noxen, Behandlung von Stoffwechselerkrankungen. Bei ungeklärter Ursache oder Fehlernährung kann versucht werden, mit Vitaminen, Biotin und Gelatine die Haarstruktur und -dicke zu verbessern.

Nagelveränderungen

Nagelveränderungen: Veränderungen von Farbe, Form oder Konsistenz; ursächlich sind Erkrankungen des Nagels (z. B. Pilzinfektion) oder Allgemeinerkrankungen (z. B. Eisenmangelanämie).

Schwere Nagelveränderungen sind Nagelveränderungennicht nur kosmetisch störend, sondern beeinträchtigen den Patienten auch im tgl. Leben, denn der Fingernagel ist ein wichtiges Hilfsinstrument beim Öffnen von Verpackungen und Knoten, beim Aufheben winziger Gegenstände, beim Kratzen usw.
Veränderungen der Nagelfarbe
Die wichtigsten Veränderungen der Nagelfarbe sind:
  • Nagelveränderungen:Farbe Weißliche Verfärbungen – weiße Nagelflecken und -streifen (Leukonychia punctata oder striata) – können umschrieben Leukonychiaauftreten oder zu einer kreideweißen Verfärbung der ganzen Nagelplatte (Leukonychia totalis) führen. Noch ist nicht geklärt, warum die Flecken weiß aussehen, ob es sich um eingelagerte Luft handelt (unwahrscheinlich) oder um eine gestörte Verhornung im Bereich der Nagelmatrix, z. B. durch Zurückschieben und -schneiden des Nagelhäutchens. Als Ursache für die partielle Leukonychie kommen Traumen oder Mykosen infrage. Die totale Leukonychie wird meist vererbt, tritt aber auch bei Leberzirrhose oder Herzfehlern auf.

  • Bläuliche Verfärbungen entstehen z. B. bei Zyanose und beruhen auf einer verminderten Durchblutung des Nagelbettes.

  • Gelbe Verfärbungen treten bei der Schuppenflechte (Abb. 18.22) auf.

  • Gelbgraue Verfärbungen weisen meist auf eine Nagelpilzerkrankung (Onychomykose) hin. Sie können sowohl am distalen Nagelrand als auch nahe dem Nagelfalz auftreten.

  • Braune Verfärbungen kommen beim Morbus Addison (19.8.2) durch Melanineinlagerung sowie bei Einwirkung verschiedener Chemikalien vor. Umschriebene Braunverfärbungen treten z. B. bei einem (harmlosen) Nävus oder einem (bösartigen) Melanom auf.

  • Für schwarze Verfärbungen kommen ursächlich ein Hämatom, ein Nävus oder ein Melanom in Betracht. Bei Melanomen greift die Verfärbung oft auf den Nagelfalz über.

  • Halb-und-halb-Nägel: Hier ist die körpernahe Nagelhälfte weißlich, dieHalb-und-halb-Nägel distale Nagelhälfte rotbraun verfärbt. Sie treten bei vielen Patienten mit einer chronischen Niereninsuffizienz auf und verschwinden wieder bei Besserung der Grunderkrankung.

  • Yellow-nail-Syndrom: Dabei kommt esSyndrom:Yellow-nail-Syndrom im Rahmen eines Lymphödems oder Yellow-nail-Syndrombei Atemwegserkrankungen zu einer Gelbfärbung und einer Verlangsamung des Wachstums aller Nägel.

Veränderungen der Nagelform
Zu den Veränderungen der Nagelform gehören Nagelveränderungen:Formdie Reliefveränderungen (Rillen, Furchen), die Gestaltveränderungen (Uhrglasnägel, Löffelnägel) und die Veränderungen der Nageldicke:
  • Längsriffelung: Diese etwas erhabenen, parallel verlaufenden Riffel stellen sich im Alter bei vielen Menschen ein. Sie kommen aber auch z. B. bei Durchblutungsstörungen oder der Schuppenflechte (Abb. 18.21) vor.

  • Beau-Reil-Furchen (Querlinien, Querfurchen): rissartige Furchen, Beau-Reil-Furchendie sich an allen Nägeln quer über die ganze Nagelplatte erstrecken. Ursache ist eine vorübergehende Schädigung der Matrixzellen, z. B. durch Systemerkrankungen, schwere Infekte oder Zytostatikatherapie.

  • Trommelschlägelfinger und Uhrglasnägel (Abb. 10.20): Die TrommelschlegelfingerEndglieder der Finger sind infolge einer UhrglasnägelWeichteilverdickung kolbenförmig aufgetrieben (Trommelschlägelfinger). Der Nagel ist vergrößert, rundlich und stark nach außen gewölbt (Uhrglasnagel). Trommelschlägelfinger können vererbt sein, am häufigsten treten sie jedoch bei Herzfehlern oder chronischen Lungenerkrankungen mit Sauerstoffmangel auf.

  • Löffelnägel (Koilonychie, Hohlnägel): Die Nagelplatten sind Löffelnägeldünn und Koilonychielöffelartig eingedellt, am Rand Hohlnägelneigen sie zum Splittern. Sie kommen meist an den Fingernägeln vor und treten v. a. bei Eisenmangelanämien auf. Weitere Ursachen sind das Arbeiten im feuchtwarmen Milieu und ein langer Kontakt mit Waschmitteln oder Chemikalien.

Veränderungen der Nagelkonsistenz
Häufigste Ursache brüchiger Nägel (Nagelveränderungen:KonsistenzOnychorrhexis) sind ständiger Wasserkontakt oder häufige AnwendungOnychorrhexis von Nagellackentfernern. Weitere Ursachen sind innere Erkrankungen wie Schilddrüsenüberfunktion, Vitamin-A-, Vitamin-B-, Biotin-Mangel und Unterernährung. Liegt ein Eisenmangel vor, ist die abnorme Brüchigkeit der Nägel nicht selten mit Löffelnägeln kombiniert.
Seltener kommt es zu einer Aufspaltung der Nagelplatte (Onychoschisis): Hierbei spaltet sich der Nagel vom freien Rand aus in Onychoschisiszwei horizontal aufeinanderliegende Platten. Als Ursache werden traumatische Faktoren vermutet, z. B. das Spielen von Saiteninstrumenten oder Schreibmaschineschreiben, eine starke Entfettung der Nägel oder eine Eisenmangelanämie.
Nagelablösung
Eine partielle Ablösung der Nagelplatte vom Nagelbett kommt recht häufig vor und ist oft exogen bedingt, z. B. durch Verletzungen mit Hämatombildung oder mechanische Belastung. Eine totale Nagelablösung ist selten und meist Folge von Nagelentzündungen oder Allgemeinerkrankungen (z. B. von Schilddrüsenerkrankungen, Eisenmangel, Diabetes mellitus).

Trockene Haut

Trockene Haut (Sebostase): verminderte Talgproduktion der Haut mit Schuppung und evtl. Rhagadenbildung.

Im Extremfall entwickelt sich Haut:trockeneaus Sebostaseeiner Sebostase eine Exsikkationsdermatitis (Austrocknungsekzem) mit schmalen Einrissen in der Oberhaut. Besonders bei alten Menschen kommt dieses Krankheitsbild häufig vor. Als Ursache kommen zahlreiche innere und äußere Faktoren infrage. Begünstigt wird die Exsikkationsdermatitis durch falsches Bade-/Dusch-/Waschverhalten, Sauna und geringe Luftfeuchte bei geheizten Räumen.
Symptome und Diagnostik
Häufig klagen die Patienten über Juckreiz und Spannungsgefühl der Haut. Bei der Inspektion sehen Sie eine trockene, raue und faltige Haut, evtl. mit diffuser Schuppung (Pityriasis simplex corporis). Die Exsikkationsdermatitis erkennen Sie Pityriasis:simplex corporisdurch zusätzliche Dermatitis:Exsikkationsdermatitisnetzförmige Exsikkationsdermatitisoberflächliche, rötliche Einrisse (Eczème craquelé Abb. 18.11) der oberen Epidermis, v. a. imEczème craquelé Bereich der Unterschenkel sowie an den Streckseiten der Arme.
Eine Hauterkrankung als Ursache müssen Sie ausschließen, ggf. überweisen Sie den Patienten zum Dermatologen.
Differenzialdiagnose
Eine trockene Haut tritt bei entsprechender Veranlagung (sebostatischer Konstitutionstyp) und bei exzessiver Körperhygiene mit Konstitution:sebostatischemangelndem Nachfetten auf, ist aber auch Symptom verschiedener Hauterkrankungen, wie z. B. der Neurodermitis (18.6) und der Ichthyosen (18.12.6), sowie hormoneller Erkrankungen (z. B. Hypothyreose 19.6.3, Diabetes mellitus 15.6).
Maßnahmen gegen trockene Haut
Einer trockenen Haut kann durch regelmäßige Hautpflege vorgebeugt werden, am besten mit Wasser-Öl-Emulsionen (z. B. Dermatop® Basis-Salbe), wasserfreien Salben (z. B. Vaseline) oder harnstoffhaltigen Salben (z. B. Basodexan®, Harnstoff fördert die Wasserbindungskapazität der Hornschicht). Zum Waschen (nur kurz und nicht zu heiß duschen, Baden vermeiden) sollten möglichst pH-neutrale Seifen oder Syndets (synthetische waschaktive Substanzen, z. B. Eubos®) bzw. nicht schäumende Duschlotionen (z. B. Veladerm® Duschlotion) verwendet werden.

Hautverletzungen

Wundheilungsstörungen

Wundheilungsstörungen: Störungen der physiologischen Vorgänge, die zum Verschluss einer Wunde und zur Regeneration des zerstörten Gewebes führen.

Keimfreie oder -arme, gut durchblutete WundheilungsstörungenWunden mit aneinanderliegenden Wundrändern heilen in der Regel komplikationslos und unter minimaler Narbenbildung ab (primäre Wundheilung).
Kommt es zu einer Infektion oder ist die Wundheilung:primäreDurchblutung des Gewebes gestört, heilen Wunden verzögert. Häufig ist das bei klaffenden und/oder bakteriell kontaminierten/infizierten Wunden der Fall.
Eine Wundinfektion zeigt sich durch die klassischen lokalen Entzündungszeichen Rubor (Rötung), Calor (Überwärmung), Tumor (Schwellung) und Dolor (Schmerz). Wundrandnekrosen (Nekrose 8.5.2) entstehen v. a. in zerfetzten Wunden mit mangelhafter Blutversorgung einzelner Gewebebezirke und zeigen sich durch schwärzliche Verfärbung. Solche Wundheilungsstörungen können zu ausgedehnten Narben mit Funktionsbeeinträchtigung des betroffenen Gewebes führen (sekundäre Wundheilung).

Achtung

Aus einer Wundinfektion kann sich eine Sepsis entwickeln.

Entstehung von Wundheilungsstörungen
Wundheilung:sekundäreStörfaktoren der Wundheilung sind v. a.:
  • Keimbesiedelung der Wunde

  • unzureichende Ruhigstellung der verletzten Region

  • Nekrosen, Wundtaschen, Hämatome

  • Fremdkörper innerhalb der Wunde

  • Spannung der Wundränder

  • schlechte Durchblutung, z. B. durch einen zu festen Verband oder arterielle Durchblutungsstörungen (11.6.2)

  • Stoffwechselstörungen, z. B. Diabetes mellitus

  • Vitaminmangel

  • schwere Allgemeinerkrankungen, z. B. Tumoren

  • bestimmte Medikamente, z. B. Glukokortikoide

Symptome und Diagnostik
Bei Infektion der Wunde sehen Sie eine Schwellung, Rötung und evtl. eitrige Sekretion. Breitet sich die Entzündung weiter aus, entwickelt der Patient Allgemeinsymptome wie z. B. Fieber, geschwollene Lymphknoten und Lymphangitis.
Schulmedizinische Therapie
Wundinfektionen müssen stets ärztlich behandelt werden. Der Sekretabfluss wird durch Drainagen sichergestellt. Außerdem wird die Wunde mit Lokaltherapeutika behandelt. Manchmal ist eine systemische Antibiotikatherapie erforderlich. Größere Wundrandnekrosen werden chirurgisch abgetragen.

Dekubitus

Dekubitus: Druckschädigung der Haut oder Schleimhaut; oft bis in tiefe Gewebeschichten; am häufigsten sind bettlägerige Patienten betroffen.

Dekubitusentstehung
Lastet auf ein und Dekubitusderselben Körperstelle über längere Zeit ein so hoher Druck, dass die örtliche Durchblutung behindert ist, kommt es zu Gewebeschäden. Dies ist ganz besonders dann der Fall, wenn Patienten nicht in der Lage sind, sich ohne fremde Hilfe zu bewegen und damit auch, sich in ihrem Bett umzudrehen.
Die Entstehung eines Dekubitus begünstigen:
  • Übergewicht/Untergewicht

  • Neigung zu Ödemen, z. B. bei Herzinsuffizienz

  • Feuchtigkeit

  • Fieber

  • Scherkräfte

  • Anämie

  • Diabetes mellitus

Symptome und Diagnostik
Man unterscheidet vier Schweregrade des Dekubitus:
  • Grad I: unverletzte Haut, lokale Rötung

  • Dekubitus:SchweregradeGrad II: Blasen, Abschilferungen; Hautdefekt, der aber nicht bis zur Subkutis reicht

  • Grad III: Defekt reicht über die Epidermis hinaus.

  • Grad IV: Zusätzlich zu Grad III ist der Knochen mitbeteiligt (Osteomyelitis).

Die Hautdefekte sind oft sehr schmerzhaft, umgekehrt entstehen sie aber auch bevorzugt an Körperstellen, an denen die Sensibilität gestört ist (z. B. bei Polyneuropathie an den Füßen).

Achtung

Oft ist der Defekt größer als auf den ersten Blick zu sehen und dehnt sich in das umliegende Fett- und Muskelgewebe aus.

Schulmedizinische Therapie
Das wichtigste bei der Behandlung eines Dekubitus ist die konsequente Druckentlastung des betroffenen Bereichs, da dies die bestmögliche Durchblutung gewährleistet. Teilweise gibt es hierfür spezielle mit Luft gefüllte Kissen mit Aussparungen, z. B. wenn die Ferse betroffen ist. Eine weitere Säule der Behandlung ist die sorgfältige Hautpflege und eine regelmäßige Mobilisation des Patienten.
Lokale Therapie
  • Druckstellen bei intakter Haut: Eine Verschlechterung muss durch sorgfältige Hautpflege und konsequente Druckentlastung vermieden werden.

  • Blasen werden bei Erweiterung oder Entzündung steril punktiert oder abgetragen und dann steril und feucht verbunden, vorzugsweise mit einem Hydrokolloidverband (z. B. Varihesive® E).

  • Ein nässendes Ulkus muss mehrfach täglich desinfiziert (z. B. mit Betaisodona®) und feucht (z. B. mit NaCl) verbunden werden.

  • Eitrige Wunden werden mit Enzymsalben (z. B. Fibrolan®-Salbe) und Hydrokolloidverbänden versorgt. Bei Ausweitung der Infektion (systemische Infektion) muss der Patient zur systemischen Gabe von Antibiotika in eine Klinik eingewiesen werden.

  • Nekrosen: Das abgestorbene Gewebe muss von einem Chirurgen abgetragen werden, anschließend wird die Wunde gereinigt und versorgt wie eine eitrige Wunde.

Dekubitusprophylaxe
Bei gefährdeten Patienten lässt sich die Entstehung eines Dekubitus in der RegelDekubitus:Prophylaxe mit ganz einfachen Maßnahmen vermeiden, die auch die Angehörigen kennen sollten.
  • Mobilisation: Bettlägerige Patienten müssen ca. alle 2 Stunden umgelagert werden.

  • Die Patienten sollen auf glatten, faltenfreien Laken liegen.

  • Wichtig sind eine ausgewogene vitamin- und eiweißreiche Ernährung sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.

  • Hautpflege: Auf trockene Haut achten (bei inkontinenten Patienten besonders wichtig), v. a. in den Hautfalten; keine alkalihaltige Seife verwenden; Wasser-Öl-Emulsionen zum Eincremen verwenden, die die Poren nicht verstopfen.

Panaritium

Panaritium: eitrige Entzündung an Fingern oder Zehen, meist nach Bagatellverletzung mit nachfolgender bakterieller Infektion (v. a. Staphylokokken und Streptokokken).

Nach der Ausdehnung werden unterschieden Nagel:Entzündung(Abb. 18.12):
  • oberflächliche Panaritien: Panaritium cutaneum, periunguale, subunguale oder subcutaneum. Panaritium periunguale und Panaritium subunguale können aus einer fortschreitenden Paronychie (eitrige Infektion des Nagelfalzes oder Nagelwalls) entstehen.

  • tiefe Panaritien: ParonychiePanaritium tendinosum, articulare und periostale.

Symptome und Diagnostik
Der Patient klagt über pulsierende Schmerzen im Finger, evtl. mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung. Bei der Inspektion sehen Sie eine Rötung, Schwellung und evtl. eine beginnende Abszessbildung. Bei der Palpation ist der Finger überwärmt, und im fortgeschrittenen Stadium gibt der Patient Druckschmerzen entlang den Sehnen oder in der Hohlhand an.
Die Laboruntersuchung zeigt erhöhte Leukozytenzahl und eine erhöhte BSG. Um eine Knochenbeteiligung auszuschließen, ist in bestimmten Fällen eine Röntgenaufnahme indiziert.
Komplikationen
Bei Panaritien besteht die große Gefahr, dass sich die Entzündung in die Tiefe ausbreitet. Es kann zu einer Beteiligung der Sehnen, der Knochen und der Gelenke kommen. Entlang den Sehnen kann sie bis zur Hohlhand fortschreiten und zur Hohlhandphlegmone führen.
  • Hohlhandphlegmone und Sehnenbeteiligung: Die Hohlhand istHohlhandphlegmone eitrig Phlegmone:Handentzündet. Es kommt zu einem Ödem des Handrückens mit allgemeinen Entzündungszeichen. Der Verlauf der Sehnenscheiden ist gerötet. Der Patient schont den Finger und klagt über Schmerzen beim Strecken des Fingers im Grundgelenk und beim Beugen im Mittel- und Grundgelenk sowie über einen starken Druckschmerz in der Hohlhand. Folge ist häufig der Funktionsverlust oder eine erheblich Bewegungseinschränkung der gesamten Hand. Wird eine solche Entzündung nicht sofort chirurgisch und antibiotisch behandelt, so kann es zur Zerstörung der Sehnen und Muskeln der Hand kommen.

  • Knochenbeteiligung: Trotz Ruhigstellung hat der Patient starke Schmerzen.Die Hand ist gerötet, geschwollen und überwärmt.

  • Gelenkbeteiligung: Das Gelenk ist geschwollen, und die Schmerzen sind bei Zug größer als bei Stauchung.

Achtung

Überweisen Sie den Patienten unverzüglich zu einem Hand-Chirurgen bei Verdacht auf eine Ausbreitung der Entzündung, d. h. bei Schwellung, Rötung und Überwärmung der Hand.

Schulmedizinische Therapie
Nur in eindeutig unkomplizierten Fällen genügen Ruhigstellung (z. B. mit Alufingerschiene), Hochlagerung, Rivanol®-Umschläge und Handbäder (z. B. mit Betaisodona®). Meist ist eine zusätzliche orale Antibiotikagabe erforderlich, in komplizierten Fällen sogar eine operative Sanierung.

Hämatom

Hämatom (Bluterguss, blauer Fleck): Blutansammlung im Weichteilgewebe, traumatisch bedingt, durch Prellungen und Quetschungen, aber auch bei Brüchen und Wunden.

Blutet eine Gefäßverletzung längere Zeit nach, bildet sich ein Hämatom im Verletzungsbereich. Die Region schwillt an, spannt, schmerzt und wird druckempfindlich. Hämatome im Bereich von Wunden vergrößern den Wundspalt und verzögern dadurch die Heilung. Kleinere Hämatome resorbieren sich meist von selbst (Tab. 18.4). Größere und/oder infizierte Hämatome müssen chirurgisch ausgeräumt werden. Besteht ein Hämatom längere Zeit, bildet es sich bindegewebig um (organisiertes Hämatom).

Neurodermitis

Neurodermitis (atopische Dermatitis, atopisches Ekzem, endogenes Ekzem): chronisch-rezidivierende Entzündung der Haut mit Juckreiz, Rötung, Nässen, Schuppung und Krustenbildung; Erkrankung aus dem atopischen Formenkreis (22.6.3). Betrifft ca. 5 % der Erwachsenen und 10–20 % der Kinder, Tendenz zunehmend. Erstmanifestation meist bereits im Säuglingsalter (unten), oft deutliche Besserung mit zunehmendem Alter.

Krankheitsentstehung
Die Krankheitsentstehung Ekzem(a):endogenes(Abb. 18.13) ist trotz aller wissenschaftlicher Fortschritte noch immer nicht ganz geklärt. Gesichert ist, dass mehrere Faktoren zusammenspielen und eine erbliche Veranlagung besteht (Neigung zur familiären Atopie). Folge ist in jedem Fall eine Unterfunktion der Talg- und Schweißdrüsen, die über noch nicht genau bekannte Zwischenschritte zu IgE-vermittelten allergischen Hautreaktionen führt und dadurch den intensiven Juckreiz verursacht.
Symptome und Krankheitsverlauf
Neurodermitis im Säuglingsalter
Bei der Neurodermitis im Säuglingsalter beginnen die Hautveränderungen oft etwa imNeurodermitis:Säuglingsalter 3. Lebensmonat an Wangen und Stirn und greifen dann auf den behaarten Kopf, das ganze Gesicht und später auf Rumpf und Streckseiten der Extremitäten über. Zunächst treten umschriebene Rötungen mit vesikulösen und papulösen Effloreszenzen auf, die sehr stark jucken und massiv gekratzt werden. Dadurch entstehen entzündlich-nässende oder entzündlich-krustige Hauterscheinungen, im weiteren Verlauf kommt eine feinlamellöse Schuppung der betroffenen Stellen hinzu. Da das Aussehen der Haut mit ihren gelbbraunen Krusten dem verbrannter Milch ähnelt, heißt dieses Bild auch Milchschorf (Abb. 18.14). Im Krabbelalter sind häufig die Knie betroffen. Wegen des Milchschorfquälenden Juckreizes können die Kinder nicht schlafen und sind tagsüber oft unleidlich. Die Neigung zu bakteriellen Sekundärinfektionen ist groß.
Neurodermitis im Kindesalter
Bei der Neurodermitis im Kindesalter ist die Talgproduktion vermindert, die Haut ist trocken, Neurodermitis:Kindesalterund die Haare sind glanzlos (Sebostase). Es treten entzündliche Rötungen und Papeln sowie Kratzeffekte mit Verkrustungen oder Vergröberung Sebostaseder Hautfelderung (Lichenifikation Abb. 18.15) auf. Lokalisiert sind die Veränderungen v. a. an den großen LichenifikationGelenkbeugen (Ellenbeugen, Handgelenke, Kniekehlen), außerdem am Nacken, am seitlichen Gesicht, an den Lidern, an den Fußrücken und Händen. Um dem Wundkratzen betroffener Partien vorzubeugen, kann den Kindern ein spezieller Neurodermitis-Overall angezogen werden.
Neurodermitis bei Jugendlichen und Erwachsenen
Die Neurodermitis bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigt Neurodermitis:Jugendlichesymmetrische Hautveränderungen. Neurodermitis:ErwachseneBevorzugt befallen werden Gesicht, Hals, oberer Brustbereich, Schultergürtel, Handrücken und Gelenkbeugen. In schweren Fällen ist die Kopfhaut gerötet, entzündet und weist wegen des starken Juckreizes Kratzeffekte auf. Die Haare sind trocken und glanzlos. Manchmal kommt es auch zu Haarausfall. Im Augenbereich sind gelichtete Augenbrauen, eine doppelte Unterlidfalte und eine Fältelung der Haut kennzeichnend.
Da die Betroffenen häufig eine graugelbliche Gesichtsfarbe aufweisen, sehen sie älter aus. Häufig leiden sie auch unter eingerissenen Mundwinkeln, trockenen Lippen und Schrunden am Ohrläppchenansatz. Am Körper findet man verstreute Einzelknötchen mit zentralen Krusten, im Bereich des Nackens und der Gelenkbeugen entzündliche Lichenifikationen mit Schuppung.
Die Betroffenen berichten oft über eine Verschlimmerung der Erkrankung durch psychische Belastungen, kaltes Wetter und gut geheizte Innenräume sowie durch bestimmte Waschmittel und Kleidermaterialien (v. a. Wolle). Eine deutliche Besserung der Symptome tritt bei Klimawechsel auf. Günstig sind Gebirgsklima in Höhen über 1.500 m und Meeresklima.

Merke

Befallene Körperregionen bei Neurodermitis

  • Säuglinge: behaarter Kopf, Gesicht, Rumpf, Streckseiten der Extremitäten

  • Krabbelalter: Knie

  • Kindesalter: Ellenbeuge, Handgelenke, Kniekehlen, Nacken, seitliches Gesicht, Lider, Hände, Füße

  • Jugendliche und Erwachsene: Gesicht, Hals, oberer Brustbereich, Schultergürtel, Handrücken, Gelenkbeugen

Komplikationen
  • Superinfektion mit Staphylokokken, die sich Neurodermitis:Befallmusterdurch zusätzliche Pusteln und gelbe Krusten zeigt

  • Superinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus (Eczema herpeticatum), die bei Säuglingen und Kleinkindern zu einer generalisierten Herpesinfektion mit hohem Fieber und schlechtem Ekzem(a):herpeticatumAllgemeinbefinden führen und sogar lebensbedrohlich sein kann

  • ausgedehnter Dellwarzenbefall (Eczema molluscatum)

  • Erythrodermie (Rötung der gesamten Haut)

Diagnostik
Die Diagnose wird aufgrund der Anamnese und der Symptomatik gestellt:
  • positive Familienanamnese für eine atopische Erkrankung

  • Juckreiz und typisches klinisches Bild (s. o.)

  • Neigung zu Hautreizungen, besonders durch Wolle und Seifen

  • Veränderungen im Gesicht, z. B. die Atopiefalte im Bereich der Unterlider (Dennie-Morgan-Falte Abb. 18.16), das Fehlen der lateralen AtopiefalteAugenbrauen (Hertoghe-Zeichen) und Dennie-Morgan-Faltetrockene Lippen

  • vermehrte und vertiefte Furchungen der Haut, v. a. an der Hand

  • Hertoghe-Zeichenfunktionelle Störungen der Haut: verminderte Schweißbildung, gesteigerte Reaktion der Haaraufrichter bei Berührung, Kälte oder emotionalen Reizen (Piloarrektion), weißer Dermografismus (weiße Verfärbung statt der physiologischen roten Verfärbung der Haut nach einem Dermografismus:weißermechanischen Reiz, z. B. Kratzen Abb. 18.17)

  • „Dirty neck“: schmutzig-braune Verfärbung im Nacken nach wiederholten Entzündungen der Haut, verstärkte Nackenfalten

  • Neigung zu dirty neckKopfschuppen und Schuppung im Gesicht sowie an den oberen Extremitäten, zu nichtallergischem Handekzem, Mamillenekzem, zu Entzündungen der Lippen sowie zu Hautinfektionen

  • Nahrungsmittelempfindlichkeit (Eliminations- und Suchdiät)

  • wiederholte Bindehautentzündungen (Konjunktivitis)

  • Hornhautverformungen und Linsentrübung (augenärztliche Untersuchung).

Schulmedizinische Therapie
Die Neurodermitis ist bis heute nicht zu heilen, aber zu lindern. Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach Lokalisation und Schweregrad der Erscheinungen und besteht in (Tab. 18.5) folgenden Maßnahmen:
  • lokale Applikation fettender Salben (Achtung: nicht im akut nässenden Stadium!)

  • Behandlung mit teerhaltigen (5- bis 10-prozentig) Lokaltherapeutika und Schieferölen (Ichthyol 2- bis 5-prozentig) im Intervall und glukokortikoidhaltigen Präparaten während eines akuten Schubs

  • orale Gabe von Antihistaminika und in schweren Fällen auch Sedativa zur Juckreizstillung

  • UV-Therapie bei Erwachsenen

Prognose
Oft kommt es mit zunehmendem Alter zu einer deutlichen Besserung der Erkrankung. Von den betroffenen Säuglingen sind ca. 70 % bis zur Pubertät beschwerdefrei. Entscheidend ist die „Optimierung der Lebensumstände“. So kann die Erkrankung meist in erträglichem Rahmen gehalten werden. Allerdings bleibt die Haut trocken und empfindlich, und ein Teil der Betroffenen entwickelt im Lauf der Zeit eine andere Erkrankung des atopischen Formenkreises.

Naturheilkundliche Therapie bei Neurodermitis

Mit naturheilkundlichen Verfahren können die Beschwerden bei Neurodermitis deutlich abgemildert und die allergische Reaktionslage umgestimmt werden.

Eigenbluttherapie

Zur Umstimmungstherapie hat sich eine Behandlungsserie mit Eigenblut in ansteigender Dosierung bewährt. Aufgrund der allergischen Reaktionsbereitschaft eines Neurodermitikers verzichten viele Therapeuten auf den Zusatz eines Medikaments. Die Beimischung einer homöopathischen Injektionslösung, wie z. B. Allergie-Injektopas®, kann erfahrungsgemäß allerdings die Wirkung der Eigenbluttherapie potenzieren.
AchtungEine Eigenblutbehandlung darf nicht im akuten Schub durchgeführt werden.

Ernährungstherapie

Erfahrungsgemäß besteht bei Neurodermitikern oft eine Unverträglichkeit v. a. auf Milch und Milchprodukte, Hühnereiweiß, Nüsse, Zitrusfrüchte, Meeresfrüchte, Fisch, Getreide (besonders Weizen). Da jeder Patient individuelle Nahrungsmittelunverträglichkeiten aufweist, können nur allgemeine ernährungstherapeutische Grundregeln formuliert werden.
Raten Sie dem Patienten zu einer einfachen, naturbelassenen Nahrung, die Produkte, die eine Übersäuerung fördern (z. B. Zucker, Schweinefleisch), meidet. Ebenso sollte auf Nahrungsmittel, die Zusatzstoffe enthalten, verzichtet werden, um mögliche Unverträglichkeitsreaktionen auf Konservierungsstoffe, Emulgatoren oder Farbstoffe auszuschließen.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und gründliche Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Oft sind folgende konstitutionelle Mittel zur Behandlung der Neurodermitis angezeigt: Anacardium orientale, Antimonium crudum, Arsenicum album, Calcium carbonicum, Calcium sulfuricum, Carbo vegetabilis, Causticum, Graphites, Hepar sulfuris, Kalium sulfuricum, Ledum, Lycopodium, Medorrhinum, Mercurius solubilis, Natrium muriaticum, Petroleum, Phosphorus, Psorinuum, Silicea (Abb. 18.18), Staphisagria, Sulfur, Tuberkulinum. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes Konstitutionsmittel verweisen.
Werden Komplexmittel, z. B. Cistus Similiaplex® eingesetzt, enthalten diese häufig Graphites (bei trockener, rissiger Haut, Rhagaden, gelblichen klebrigen Sekreten), Sulfur (Reaktions- und Stoffwechselmittel bei chronischen Ekzemen) oder Silicea (bei chronischen Entzündungen der Haut, Neigung zu Eiterungen Abb. 18.18).
Setzen Sie bei Neurodermitis besser die „sanfteren“ LM-Potenzen und nicht die D- und C-Potenzen ein, um starke Erstverschlimmerungen zu vermeiden.
Einige homöopathische Mittel können als Akutmittel in niedrigen Potenzen den Behandlungsverlauf positiv unterstützen: So wird Cardiospermum eine glukokortikoidähnliche Wirkung nachgesagt und in niedrigen Potenzen (D2–D4) bei entzündlichen und allergischen Hauterkrankungen eingesetzt. Ebenfalls bewährt hat sich Dolichos D2–D3 zur Behandlung des Juckreizes.
Zur äußerlichen Anwendung können auch homöopathische Externa eingesetzt werden, die Cardiospermum Urtinktur enthalten, z. B. Halicar® Creme.

Mikrobiologische Therapie

Erfahrungsgemäß liegen bei Neurodermitis häufig Störungen des Verdauungssystems vor. Besteht bei einem Patienten eine Darmdysbiose, ist eine mikrobiologische Therapie mit einem Präparat, das apathogene Kolibakterien (z. B. Synerga®) enthält, erforderlich.

Ordnungstherapie

Berücksichtigen Sie, dass eine enge Verbindung zwischen Haut und Psyche besteht und unbewältigte emotionale Konflikte oft die Symptome verschlechtern. Sieht man die Haut als Kontaktorgan (18.1), kann es sinnvoll sein – vorausgesetzt, Sie spüren eine Offenheit seitens des Patienten – über dieses Thema ins Gespräch zu kommen. Ziehen Sie auch in Erwägung, dass eine psychotherapeutische Behandlung Ihrem Patienten eine Möglichkeit bieten kann, sich sein spezifisches Verhalten im zwischenmenschlichen Kontakt (Abwehr und Aktivität) bewusst zu machen.
Zudem können Entspannungsverfahren, z. B. Autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobson, Yoga, den Juckreiz und die Schmerzempfindung lindern sowie die innere Anspannung günstig beeinflussen.
Geben Sie dem Patienten auch die unter „Wichtige Hinweise für den Patienten“ angegebenen Empfehlungen (18.6).

Orthomolekulare Therapie

Bei Neurodermitikern ist oft eine veränderte Lipidzusammensetzung der Hornschicht festzustellen, die vermutlich auf einen Enzymmangel (Delta-6-Desaturase) zurückzuführen ist. Aufgrund des Enzymmangels ist der Umbau der Linolensäure zur Gammalinolensäure und somit die Bildung entzündungshemmender Prostaglandine (8.3.3) beeinträchtigt. Durch Zufuhr ungesättigter, aus Nachtkerzen- oder Borretschsamen gewonnener Fettsäuren (Abb. 18.19, z. B. Neobonsen® oder Borretschöl-Kapseln®) kann diese genetisch bedingte Fettstoffwechselstörung ausgeglichen werden.
Allerdings sollten Sie die Substitution nicht im Rahmen einer Akutbehandlung, sondern nur als Basistherapie durchführen, da sich die beabsichtigte Umstimmung des Stoffwechsels erst nach einiger Zeit einstellt. Berücksichtigen Sie, dass Patienten sehr unterschiedlich auf diese Nährstoffergänzungspräparate ansprechen.

Physikalische Therapie

Im akuten, entzündlichen Stadium der Neurodermitis werden kühlende Anwendungen mit antiphlogistischer und juckreizlindernder Wirkung als angenehm empfunden. Empfehlen Sie dem Patienten Abwaschungen und Umschläge mit Heilerde oder einem Aufguss der unten genannten Heilpflanzen. Es können auch gut wirksame Fertigpräparate, z. B. Brandessenz Wala®, eingesetzt werden.
Vollbäder, v. a. heiße, sind zu meiden, da sie die Haut austrocknen und dadurch den Juckreiz verstärken; zu bevorzugen ist kurzes, lauwarmes Duschen.
Im chronischen, nichtentzündlichen Stadium der Neurodermitis soll der Patient die betroffenen Hautpartien durch Öl- oder Kleiebäder (z. B. Balneum Hermal® oder Kleiebad Töpfer®) pflegen. Cremes und Salben, z. B. auch harnstoffhaltige Salben, sind im Hinblick auf ihre individuelle Verträglichkeit zu überprüfen und dementsprechend einzusetzen. Sie können dem Patienten auch Einreibungen mit Eigenurin empfehlen, um den Juckreiz zu lindern.

Phytotherapie

Zur äußeren Lokalbehandlung werden vorrangig gerbstoffhaltige Heilpflanzen eingesetzt, die durch Bildung einer schützenden Membran entzündungshemmend wirken sowie durch oberflächlich anästhesierende Eigenschaften den quälenden Juckreiz günstig beeinflussen. Bewährt haben sich z. B. Bittersüßstängel (Dulcamarae stipites Abb. 18.19), Eichenrinde (Quercus cortex) und Walnussblätter (Juglandis folium Abb. 18.48) sowie Johanniskraut (Hyperici herba z. B. Bedan®). Stiefmütterchenkraut (Violae tricoloris herba z. B. Ekzevowen® derma Creme Abb. 18.20) ist reich an Saponinen und v. a. zur Behandlung von Kindern geeignet.
Für die innere Anwendung können stoffwechselanregende Pflanzen, wie z. B. Löwenzahnwurzel und -kraut (Taraxaci radix cum herba Abb. 14.31), und entzündungshemmende Pflanzen, v. a. Bittersüßstängel (Dulcamarae stipites) und Stiefmütterchenkraut (Violae tricoloris herba), verordnet werden.
Ist die psychische Befindlichkeit des Patienten eingeschränkt, ist die Kombination mit vegetativ und sedativ wirkenden Pflanzen wie Johanniskraut (Hyperici herba Abb. 26.12) und Baldrianwurzel (Valerianae herba Abb. 29.8) sinnvoll.

Traditionelle Chinesische Medizin

Aus Sicht der TCM entstehen Hauterkrankungen wie Neurodermitis häufig durch emotionale Unausgeglichenheit sowie durch das Eindringen pathogener Energien (Wind, Hitze) in den Organismus. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Hautbefund, Krankheitsverlauf sowie nach Zungen- und Pulsbefund. Eine Kombinationstherapie aus Akupunktur und Kräutern hat sich bewährt.

Fallbeispiel „Milchschorf“

Ein junges Elternpaar bringt seinen 4 Monate alten Sohn in die Praxis. Das Kind hat an den Wangen, an der Stirn und am Hinterkopf dicht stehende vesikulopapulöse Effloreszenzen. Offensichtlich jucken diese Hautveränderungen stark, denn das Kind hat sich stellenweise blutig gekratzt, worauf sich nässende, gelbbraune Krusten gebildet haben. Der Kleine ist an sich sehr munter, manchmal allerdings auch extrem unruhig, was die Mutter auf den Juckreiz zurückführt. Auf Nachfrage erzählt sie dem Heilpraktiker, dass sie seit ihrem 16. Lebensjahr jedes Frühjahr Heuschnupfen habe. Der Vater hingegen habe noch nie unter einer Allergie gelitten. Der Heilpraktiker stellt die Diagnose Milchschorf und leitet eine homöopathische Konstitutionsbehandlung ein, um die atopische Veranlagung des Kindes frühzeitig positiv zu beeinflussen und dem Ausbruch einer Neurodermitis vorzubeugen. Außerdem verordnet er ein hautfreundliches Ölbad und eine Salbe, um die akuten Hautveränderungen baldmöglichst zum Abheilen zu bringen.

Wichtige Hinweise für den Patienten
  • Hautaustrocknende naturheilkundliche Therapie:NeurodermitisExterna vermeiden (alkoholische Lösungen, Gele).

  • Nach dem (meist therapeutischen) Bad die noch feuchte Haut mit fetthaltigen Salben nachfetten, ebenso nach dem tgl. Waschen.

  • Häufiges Baden und Duschen unter Verwendung alkalischer Seifen vermeiden. Keine Schaumbäder!

  • Nicht in chlorhaltigem Wasser schwimmen.

  • Kleidung sollte aus atmungsaktiven Stoffen bestehen, da ein Wärmestau die Hautveränderungen aufgrund der Schweißretention verschlechtert. Generell ist Baumwollkleidung zu bevorzugen. Kleidung aus Wolle sollte nicht getragen werden.

  • Ernährung: Im Allgemeinen können die Patienten alles essen, jedoch sollten sie auf eine ausgewogene Ernährung achten. Bei Überempfindlichkeit sind die symptomverstärkenden Nahrungsmittel (oft Zitrusfrüchte, Kuhmilchprodukte, starke Gewürze, Nüsse) und andere Noxen (Tabak, Alkohol) zu meiden. Übergewicht sollte abgebaut werden. Empfehlenswert ist bei familiär belasteten Neugeborenen das ausschließliche Stillen über mindestens sechs Monate.

  • Starke Belastungen im Privatleben und im Beruf („Karrierestress“ der oft ehrgeizigen Neurodermitiker) sollten nach Möglichkeit abgebaut werden. Bei stark psychischer Komponente ist evtl. Verhaltenstherapie empfehlenswert.

  • Die Wohnräume sollten nicht zu trocken (Luftfeuchtigkeit mindestens 55 %) und warm sein.

  • Auf Haustiere sollte verzichtet werden.

  • Durch die Bettwärme wird der Juckreiz oft verstärkt oder ausgelöst. Daher sollte nachts so wenig wie möglich geheizt und möglichst dünne Bettwäsche benutzt werden.

  • Spaziergänge und sportliche Betätigung in frischer Luft wirken sich oft günstig aus.

  • Angehörige (v. a. die Eltern) betroffener Kinder müssen in die Behandlung einbezogen und über alle therapeutischen Schritte informiert werden.

Schuppenflechte

Schuppenflechte (Psoriasis, Psoriasis vulgaris): chronische, meist schubförmig verlaufende Hauterkrankung mit genetischer Disposition; kennzeichnend sind gesteigerte Zellneubildung der Oberhaut und eine Verhornungsstörung; Häufigkeit: ca. 1–3 % der Bevölkerung; Altersgipfel der Erstmanifestation 10.–30. Lebensjahr.

Krankheitsentstehung
Wahrscheinlich ist die Psoriasis durchSchuppenflechte s.a Psoriasis ein PsoriasisZusammenspiel genetischer Faktoren und exogener Auslöser bedingt.
Symptome und Komplikationen
Psoriasis-Herde sind klassischerweise (Abb. 18.21)
  • entzündlich gerötet (erythematös),

  • scharf begrenzt und

  • von silbrig glänzenden Schuppen bedeckt (squamös).

Merke

Prädilektionsstellen sind die Streckseiten der Extremitäten (Ellenbogen, Knie), die Region des Steißbeins und der behaarte Kopf. Bei Kindern sind exanthemartige Bilder mit punktförmigen Hautveränderungen häufig.

Die Effloreszenzen schmerzen nicht und jucken selten. Die Herde können punktförmig, aber – v. a. bei chronisch verlaufenden Formen – auch über handtellergroß sein. Sie sind symmetrisch auf beide Seiten des Körpers verteilt.
Bei vielen Patienten treten auch Nagelveränderungen auf:
  • Tüpfelnägel Psoriasis:Befallmuster(grübchenförmige Einsenkungen der Nagelplatte Abb. 18.22)

  • Ölflecke (gelbliche Verfärbungen), die durch VeränderungenTüpfelnägel des Nagelbetts bedingt sind (Abb. 18.23)

  • Ölflecke:NägelKrümelnägel mit vollständiger Zerstörung der Nagelplatte

Ist die ganze Haut des Patienten gerötet und psoriatisch verändert, Krümelnägelspricht man von einer psoriatischen Erythrodermie ( Abb. 18.24). Die schwerste Form, die auch lebensbedrohlich verlaufen kann, ist die Erythrodermie, psoriatischePsoriasis pustulosa generalisata, bei der sich am gesamten Körper zahllose sterile (keimfreie) Pusteln bilden. Bei der weitaus Psoriasis:pustulosa generalisataweniger bedrohlichen Psoriasis palmarum et plantarum (Abb. 18.25) bleibt die Pustelbildung auf Handteller und Fußsohlen beschränkt, Psoriasis:palmarum et plantarumdabei ist der Allgemeinzustand des Patienten nicht beeinträchtigt. Daneben gibt es Minimalformen der Psoriasis, bei denen der Betroffene lediglich über verstärktes „Kopfschuppen“ klagt.
Oft berichten die Patienten, dass sich ihre Erkrankung unter verschiedenen Einflüssen verbessert oder verschlechtert (Abb. 18.26).
Bei ca. 5–10 % der Patienten ist das Skelettsystem beteiligt (Psoriasis arthropathica). Betroffen sind v. a. die distalen Finger- und Zehengelenke sowie die Iliosakralgelenke. Bei schweren Verlaufsformen, die mit Knochen- und Gelenkdeformierungen einhergehen, sind die Patienten erheblich behindert.
Diagnostik
Die Diagnosestellung ist in der Regel aufgrund des typischen Hautbefunds und einiger charakteristischer Untersuchungsbefunde möglich. Zu diesen gehören die drei typischen Psoriasis-Phänomene, die an allen Erkrankungsherden auszulösen sind:
  • Kerzen(wachs)phänomen: Bei vorsichtigem Kratzen lösen sich silbrige Schüppchen, die Phänomen:Kerzen(wachs)phänomenaussehen, als habe man sie von einer Kerze Kerzen(wachs)phänomenabgeschabt.

  • Phänomen des letzten Häutchens: Kratzt man weiter, erscheint ein glänzendes Häutchen.

  • Phänomen des blutigen Taus (Auspitz-Phänomen): Phänomen:des letzten HäutchensEntfernt man das Häutchen, so treten punktförmige Blutungen auf.

Phänomen:des blutigen TausDurch Reizung der Haut, z. B. durch Abriss der Auspitz-PhänomenHornschicht mit Klebefilm, kann ein neuer Psoriasis-Herd provoziert werden (Köbner-Phänomen, isomorpher Reizeffekt).
Schulmedizinische Therapie
Bei der Psoriasis können zwar die Köbner-PhänomenHautveränderungen behandelt werden, nicht aber die Disposition zur psoriatischen Hautreaktion.
Zu Beginn (und evtl. auch noch während) der Behandlung müssen die Schuppenauflagerungen beseitigt werden, weil diese das Eindringen antipsoriatisch wirksamer Substanzen verhindern. Hierzu dienen Salizylsäurepräparate, z. B. Squamasol®.
Die weitere äußerliche Therapie erfolgt durch UV-Bestrahlung und mit v. a. folgenden Pharmaka: Dithranolhaltige Salben (z. B. Rp Psoradexan®) wirken lokal zytostatisch, hindern die Zellen also an der Zellteilung. Alternativ wird Calcipotriol (Rp Psorcutan®) verwendet, ein Vitamin-D-Abkömmling. Zusätzlich werden teerhaltige Salben oder Teerölbäder in Kombination mit UV-Bestrahlung und Glukokortikoiden verordnet. Teer wirkt antientzündlich, antipruriginös (juckreizstillend) und hemmt das Zellwachstum.
Viele Patienten sprechen auch gut auf eine Bestrahlungstherapie an. Sie reduziert die Entzündungen und bremst den verstärkten Zellumsatz. Der Dermatologe unterscheidet die SUP-Therapie und die PUVA-Therapie.
Bei der SUP-Therapie (Selektive Ultraviolett-Phototherapie) wird der Patient v. a. mit UV-A-Strahlen behandelt. Die PUVA-Therapie (kurz fürSUP-Therapie Psoralen plus UVA) ist eine Photochemotherapie. Vor der Bestrahlung nimmt der Patient eine PUVA-TherapieSubstanz ein, die die Lichtempfindlichkeit der Haut steigert (Psoralen). Bei einem neueren Behandlungskonzept nimmt der Patient vor der Bestrahlung ein Wannenbad, wobei dem Badewasser die lichtsensibilisierende Substanz zugesetzt wird (PUVA-Bad-Photochemotherapie).
In schweren Fällen ist eine systemische Behandlung erforderlich. Dabei werden v. a. Retinoide (Abkömmlinge der Vitamin-A-Säure), in schwersten Fällen sowie bei ausgeprägter Psoriasis arthropathica Methotrexat (ein Zytostatikum) und Cyclosporin (ein Immunsuppressivum) eingesetzt.

Naturheilkundliche Therapie bei Psoriasis

Psoriasis:naturheilkundliche TherapieHandbuch für die Naturheilpraxis 11.5

Die Psoriasis erfordert eine konstitutionelle Behandlung, die darauf abzielt, den Stoffwechsel anzuregen und den Organismus umzustimmen. Obwohl diese chronische Erkrankung selten erfolgreich behandelt werden kann, lassen sich die Beschwerden durch naturheilkundliche Therapieverfahren lindern.

Eigenbluttherapie

Mit der Eigenblutbehandlung als Reiz- und Umstimmungstherapie werden teilweise sehr gute Erfolge, teilweise auch kaum Verbesserungen erzielt. Reagiert der Patient auf die Behandlung positiv, können Sie die Wirkung verstärken, indem Sie dem Eigenblut die homöopathische Injektionslösung Acidum formicicum zufügen.
Eine Eigenblutbehandlung darf nicht im akuten Schub durchgeführt werden.

Enzymtherapie

Eine Therapie mit hoch dosierten, entzündungshemmend wirkenden Enzymen, z. B. Phlogenzym®, ist bei entzündlichen Formen (18.7) sowie bei einer Beteiligung der Gelenke (18.7) sinnvoll.

Ernährungstherapie

Die Erfahrung zeigt, dass durch Umstellung auf basenreiche Vollwertkost mit hohem Rohkostanteil der Verlauf positiv beeinflusst werden kann. Um die Leber in ihrer Stoffwechsel- und Ausscheidungsfunktion zu entlasten, sollte der Patient Zucker und zuckerhaltige Produkte, Zitrusfrüchte, Genussmittel (Alkohol, Kaffee), (Schweine-)Fleisch und fettreiche Speisen meiden. In einigen Fällen bringt eine Eliminationsdiät gute Erfolge.
Eine Besserung lässt sich auch durch Heilfasten erzielen, v. a. bei Patienten, die zu Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen neigen.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und gründliche Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Oft sind folgende Konstitutionsmittel zur Behandlung der Psoriasis angezeigt: Arsenicum album, Calcium carbonicum, Graphites, Kalium carbonicum, Kalium sulfuricum, Lycopodium, Mancinella, Mercurius bijodatus, Mercurius solubilis, Natrium muriaticum, Petroleum, Phosphorus, Psorinum, Pulsatilla, Sepia, Silicea, Staphisagria, Sulfur, Syphilinum, Thuja. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Hydrocotyle Synergon Nr. 144, Mahonia-Gastreu® R65) eingesetzt, enthalten diese häufig Arsenicum album (bei juckender, brennender Haut, kälteempfindlichen, ängstlichen und unruhigen Patienten), Berberis aquifolium (bewährtes Ausleitungsmittel bei Psoriasis), Hydrocotyle (bei juckendem Exanthem mit starker Abschuppung) oder Graphites (bei chronischem, trockenem oder seborrhoischem Ekzem, rissiger und schuppiger Haut).
Bei leichten bis mittelschweren Formen der Psoriasis kann Mahonie (Mahonium aquifolium) äußerlich angewendet werden, z. B. als Rubisan® Creme oder Salbe N.

Mikrobiologische Therapie

Finden Sie Hinweise auf eine gestörte Darmflora (z. B. Meteorismus, Flatulenz), empfiehlt es sich, eine Darmsanierung, z. B. mit Symbioflor®, durchzuführen. Auch die Zufuhr von Milchsäure (z. B. Buttermilch) oder die kurmäßige Einnahme von Präparaten mit rechtsdrehender Milchsäure, z. B. Sanuvis D2 wirken sich positiv auf die Beschwerden aus.

Ordnungstherapie

Häufig geht einem psoriatischen Schub eine Infektion, die Einnahme eines Medikaments (z. B. Betablocker), eine Verletzung oder Stress voraus. Im psychischen Bereich ist oft eine erhöhte Sensibilität auf seelische Reize zu beobachten.
Klären Sie gemeinsam in einem Gespräch, wie Stresssituationen abgebaut werden können und der Tagesablauf verändert werden kann, damit sich der Patient ein Umfeld schafft, das ihn stärkt. Empfehlen Sie in diesem Zusammenhang auch tägliche Bewegung an der frischen Luft (z. B. Radfahren, Jogging und Spazierengehen), Entspannungsverfahren (z. B. Autogenes Training, Yoga Abb. 18.36) sowie die Einhaltung eines regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus.
Um die Belastung durch Reize möglichst gering zu halten, sollte der Patient auf Nikotin und Alkohol verzichten sowie thermische und chemische Irritationen vermeiden.

Orthomolekulare Therapie

Da Zink im Vitamin-A-Stoffwechsel eine entscheidende Rolle spielt, kann sich eine Substitution mit Zink, z. B. Unizink® 50 positiv auf die geschädigte Haut auswirken.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie Ihrem Patienten – vorausgesetzt, die Haut reagiert nicht empfindlich auf Sonne – Sonnenbäder oder die Bestrahlung: So kann der Verlauf günstig beeinflusst und ein eventueller Schub abgefangen werden. Besonders wirkungsvoll ist eine Kombination von Sonne und Baden im Meer, z. B. Heilaufenthalte am Toten Meer (Salzwasser). Zu Hause kann der Patient Umschläge mit Heilerde auf die betroffenen Hautpartien auflegen und Kleiebäder nehmen. Mechanische Hautreize wie Abbürstungen oder Peelings sind zu vermeiden.

Phytotherapie

Traditionell werden bei Psoriasis stoffwechselanregende Heilpflanzen eingesetzt wie z. B. Erdrauchkraut (Fumariae herba Abb. 18.27), Salbeigamanderkraut (Teucrii herba) und Sarsaparillenwurzel (Sarsaparillae Salbeigamanderradix Abb. 18.28). Juckende, durch Stoffwechselstörungen verursachte Hautausschläge, werden durch die abführenden, harn- und schweißtreibenden Eigenschaften der Sarsaparillenwurzel gebessert. Stoffwechselvorgänge werden ebenfalls durch Erdrauchkraut günstig beeinflusst, der die Gallensekretion reguliert und somit die Leber entlastet.
Bei Psoriasis ist es sinnvoll, die Leber zusätzlich in ihrer Funktion zu unterstützen, indem z. B. ein Mariendistelpräparat (Legalon® Protect) verordnet wird.

Traditionelle Chinesische Medizin

Aus Sicht der TCM verursachen Wind und Feuchtigkeit als pathogene Faktoren Wind-Hitze oder Blut-Mangel, die wiederum die Schuppenflechte hervorrufen können. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach dem Hautbefund, den Begleitsymptomen sowie nach Puls- und Zungenbefund. Im akuten Stadium wird die Akupunktur eingesetzt, während bei chronischem Verlauf eine Behandlung mit Kräutern bevorzugt wird.

Allergisch bedingte Hauterkrankungen und Urtikaria

naturheilkundliche Therapie:Psoriasis Von einer allergisch bedingten Hauterkrankung spricht man, wenn eine Antigen-Antikörper-Reaktion (22.3.2) die Hauterscheinungen hervorruft (Tab. 18.6). Viele Patienten mit allergischen Hautreaktionen leiden gleichzeitig unter anderen allergischen Erkrankungen, wie z. B. allergischem Schnupfen mit begleitender Bindehautentzündung (12.5.1), allergischem Asthma bronchiale (12.8), Nahrungsmittelallergie, Insektengiftallergie, Latexallergie.

Allergisches Kontaktekzem

Allergisches Kontaktekzem: akute oder chronische Dermatitis (entzündliche Hautreaktion) durch eine allergische Reaktion nach Hautkontakt mit einer allergisierenden Substanz.

Das allergische Kontaktekzem ist eine der häufigsten Hauterkrankungen Kontaktekzem:allergischesüberhaupt. Da viele Menschen in ihrem Beruf zwangsweise mit allergisierenden Substanzen in Kontakt kommen, hat dieses Krankheitsbild auch erhebliche soziale Bedeutung: 20 % aller Berufskrankheiten sind allergische Kontaktekzeme. Prädisponiert sind z. B. Maurer, Friseure, Maler/Lackierer sowie Krankenschwestern und -pfleger (Latexallergie 5.4.6).
Manche Substanzen (z. B. Tetrazykline) entwickeln erst nach Lichteinfluss (z. B. einem Sonnenbad) eine allergisierende Wirkung. In diesem Fall liegt eine allergische Photodermatitis (gr. photos = Licht) vor.
Symptome
Die Symptome beginnen typischerweise ungefähr 12–48 Std. nach dem Allergenkontakt und erreichen nach zwei Tagen ihr Maximum. Beim akuten Kontaktekzem kommt es zu Rötung, Schwellung und Bläschenbildung am Einwirkungsort des Allergens, und der Patient verspürt starken Juckreiz. Die Blasen platzen und hinterlassen nässende Läsionen, die später verkrusten und unter Schuppenbildung abheilen (Abb. 18.29, Abb. 18.30).
Bei fortdauerndem Allergenkontakt kann ein chronisches Kontaktekzem entstehen. Die Haut des Patienten ist gerötet, verdickt, lichenifiziert (mit vergröbertem Hautfaltenrelief) und schuppt. Da der Kranke meist unter Juckreiz leidet, sind Kratzeffekte häufig. Oft sind auch Rhagaden und entzündungsbedingte Pigmentverschiebungen zu beobachten.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Die Verdachtsdiagnose stellen Sie aufgrund der typischen Symptome und der Anamnese. Der Dermatologe sichert die Diagnose durch Epikutantestung. Allerdings ist es oft schwierig, das verursachende Allergen herauszufinden. Die Lokalisation der Effloreszenzen gibt hierbei erste Hinweise (Abb. 18.31). Dabei ist aber zu bedenken, dass die Patienten die allergenen Substanzen auch mit den Händen über den Körper verteilen können (z. B. beim Kratzen) und so das Bild verschleiern.
Abgegrenzt werden muss das toxische Kontaktekzem (toxische Kontaktdermatitis), bei dem die toxischen Substanzen, z. B. Chemikalien, direkt (also nicht über Kontaktekzem:toxischeseine allergische Reaktion) die Zellen der Oberhaut schädigen (Tab. 18.7).
Von einem toxisch-degenerativen Ekzem (Abnutzungsdermatose Abb. 18.32) spricht man, wenn gering toxische Substanzen bei vorgeschädigter Ekzem(a):toxisch-degenerativesHaut ein toxisches Kontaktekzem hervorrufen. Dann kann die toxische Substanz den schon vorgeschädigten Schutzmantel der Haut leicht durchbrechen. Dies ist bei vielen Hausfrauen nach häufigem Kontakt mit Wasser, Putz- oder Waschmitteln der Fall.
Fototoxische Substanzen wirken erst nach Lichteinfluss toxisch.

Tipp

Ist die Erkrankung berufsbedingt, sind oft mehrere Beschäftigte betroffen.

Schulmedizinische Therapie und Prognose
Wichtigste therapeutische Maßnahme beim allergischen Kontaktekzem ist das Meiden der auslösenden Substanz – die Allergenkarenz. Ein akutes Kontaktekzem behandelt der Dermatologe lokal mit Glukokortikoiden. Bei nässenden Läsionen sind feuchte Umschläge, z. B. Allergenkarenzmit Kaliumpermanganat-Lösung, angezeigt. Nachts eignen sich Zink-Schüttelmixturen (z. B. Tannosynt® Lotio) oder Zinköle.
Die Behandlung chronischer Kontaktekzeme erfolgt ebenfalls durch steroidhaltige Salben und evtl. Teerpräparate. Vor allem beim chronischen Kontaktekzem und beim toxisch-degenerativen Ekzem ist darüber hinaus eine sorgfältige Hautpflege mit rückfettenden Salben wichtig, um den Säureschutzmantel der Haut zu stabilisieren.
Ein akutes allergisches Kontaktekzem heilt nach Antigenkarenz in der Regel narbenlos ab. Kann das Allergen nicht gemieden werden, so wird die Erkrankung chronisch. Eine Ausheilung ist dann nicht möglich. Bei sehr ausgeprägtem Kontaktekzem kann eine kurzzeitige, systemische Glukokortikoidtherapie angezeigt sein.

Urtikaria

Urtikaria (Nesselsucht, Quaddelsucht): aus Quaddeln bestehendes Exanthem, das typischerweise stark juckt.

Neben dem allergischen Kontaktekzem gehört die Urtikaria zu den am UrtikariaNesselsuchthäufigsten Quaddelsuchtauftretenden Hauterkrankungen. Man schätzt, dass insgesamt 20–30 % der Bevölkerung einmal im Leben davon betroffen sind.
Krankheitsentstehung und Einteilung
Man unterscheidet die akute Urtikaria (Abb. 18.33), bei der ein Schub weniger als 6 Wochen dauert, von der chronischen Urtikaria mit einer Dauer vonUrtikaria:akute mehr als 6 Wochen. Zudem werden entsprechend des auslösenden Faktors (Tab. 18.7) folgende Formen unterschieden:
  • allergische Urtikaria, z. B. durch Arzneimittel, Insektenstiche oder Nahrungsmittel

  • Urtikaria durch nichtallergische Intoleranzreaktionen, z. B. gegen Arzneimittel oder Nahrungsmittelzusätze

  • Kontakturtikaria durch Hautkontakt z. B. mit Quallen, Brennnesseln oder Schalen von Zitrusfrüchten

  • physikalische Urtikaria durch Kälte, Wärme, Licht oder mechanischen Reiz, z. B. Druck

  • cholinergische Urtikaria durch Stimulation der Schweißdrüsen; oft auch als Sonderfall der physikalischen Urtikaria betrachtet, da Wärme häufiger Auslöser ist

Durch die verschiedenen Auslöser wird Histamin aus Mastzellen und basophilen Granulozyten freigesetzt. Als Folge dessen werden die Kapillaren durchlässiger, und das austretende Plasma führt zu einem Ödem und damit zur Quaddelbildung.
Ein Großteil der chronischen Urtikaria (50–60 %) verläuft autonom ohne feststellbaren Auslöser, d. h. es handelt sich um eine idiopathische Urtikaria. Eine Urtikaria kann aber auch als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen auftreten, z. B. eines Lupus Urtikaria:idiopathischeerythematodes, einer Wurminfektion oder einer chronischen Nasennebenhöhlen- oder Zahnvereiterung.
Symptome
Innerhalb von Minuten schießen unterschiedlich große, leicht erhabene und meist rötliche Quaddeln auf. Sie ähneln denen nach Brennnesselkontakt und bilden sich in der Regel nach Stunden oder Tagen von selbst zurück. Der Patient klagt über heftigen Juckreiz. Typischerweise werden die Quaddeln aber nicht zerkratzt, sondern gescheuert oder gerieben. Im Rahmen der allergischen Reaktion können außerdem Magen-Darm-Beschwerden (v. a. Durchfall), Luftnot und Kopfschmerzen auftreten. Ein anaphylaktischer Schock ist ebenfalls möglich, aber selten.
Als Sonderform der Urtikaria wird das erworbene Angioödem angesehen (auch bekannt unter den älteren Bezeichnungen Quincke-Ödem, angioneurotisches Ödem), bei dem es hochakut zu Angioödem:erworbeneseiner entstellenden Gesichtsschwellung v. a. um dieQuincke-Ödem Augen (Abb. 18.33) und den Mund kommt. Bei Ödem:angioneurotischesBeteiligung der Luftwege, insbesondere der Stimmritzen, gerät der Patient rasch in lebensbedrohliche Atemnot. Die Auslöser sind die Gleichen wie bei Urtikaria.
Diagnostik
Die Diagnose können Sie meist durch den Hautbefund stellen. Im Vordergrund steht dann die Suche nach dem Auslöser, die mit der Anamnese beginnt. Oft ist eine Allergiediagnostik erforderlich (22.6.5), bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie eine Suchdiät. Bei mehr als der Hälfte der Patienten, v. a. denen mit einer chronischen Urtikaria, bleibt der Auslöser jedoch unklar.
Schulmedizinische Therapie
Erste Behandlungsmaßnahme ist das Ausschalten der Urtikaria:naturheilkundliche Therapieauslösenden Faktoren. Bei ausgeprägteren Erscheinungen und beim Quincke-Ödem injiziert der Arzt Antihistaminika (z. B. Tavegil® Injektionslösung) und Glukokortikoide, außerdem kann beim Angioödem eine Intubation erforderlich sein. In leichten Fällen werden kühlende antihistaminikahaltige Gele aufgetragen (z. B. Soventol®).

Naturheilkundliche Therapie bei Urtikaria

naturheilkundliche Therapie:UrtikariaHandbuch für die Naturheilpraxis 11.4

Überweisen Sie den Patienten mit akuter Urtikaria wegen der evtl. lebensbedrohlichen Komplikationen (Atemnot bis hin zum anaphylaktischen Schock) umgehend an den Arzt.

Die naturheilkundliche Behandlung der chronischen Urtikaria orientiert sich an der Behandlung von Allergien (22.6.8 Immunsystem, Allergien).

Bach-Blütentherapie

Bei akuter Urtikaria können Sie unterstützend Rescue-Tropfen verabreichen. Rescue-Tropfen sind allerdings kein Ersatz für die Notfallmedikation!

Eigenbluttherapie

Bei chronischen Verläufen ist eine Eigenblutbehandlung sinnvoll, um den Körper umzustimmen und so die verstärkten Abwehrreaktionen auf „harmlose“ Substanzen abzubauen. Bei allergischer Urtikaria empfiehlt es sich, dem Eigenblut eine homöopathische Injektionslösung z. B. Acidum formicum zuzufügen.

Ernährungstherapie

Nahrungsmittel, die als Allergene wirken, sollten mithilfe einer Such- und Eliminationsdiät diagnostiziert werden. Empfehlen Sie Ihrem Patienten eine möglichst einfache und (überwiegend) laktovegetabile Kost. Fertiggerichte, die zahlreiche Konservierungs- und Zusatzstoffe enthalten, soll er meiden. Um allergisierende Substanzen (z. B. „gespritzes“ Obst und Gemüse) weitestgehend auszuschließen, sollte der Patient Lebensmittel aus biologischem Anbau bevorzugen.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und gründliche Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Häufig sind folgende Konstitutionsmittel angezeigt: Apis mellifica, Crotalus cascavella, Crotalus horridus, Dulcamara, Graphites, Hepar sulfuris, Medorrhinum, Natrium muriaticum, Pulsatilla, Rhus toxicodendron. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel, z. B. Urtica Synergon Nr. 9a, Cutro spag. Peka Tropfen, eingesetzt, enthalten diese häufig Apis (bei ödematös geschwollener Haut, Brennen, Jucken und Rötung), Urtica urens (bei urtikariellen Hautausschlägen) oder Hepar sulfuris (bei chronischer und wiederkehrender Nesselsucht).

Mikrobiologische Therapie

Aufgrund des allergischen Geschehens ist es oft sinnvoll, im Rahmen einer mikrobiologischen Therapie, z. B. mit Synerga®, eine gesunde Darmflora (4.2.27) aufzubauen und somit die unspezifische Abwehr des Körpers zu aktivieren.

Ordnungstherapie

Das Auffinden und Ausschalten der Allergene ist die dringlichste Therapiemaßnahme. Als Allergene kommen z. B. in Betracht: Metalle (Nickel, Chrom), Leder (Chromat), Konservierungsstoffe (Lebensmittel, medizinische Lösungen), Duftstoffe (Kosmetika, Waschpulver), Medikamente.
Berücksichtigen Sie, dass auch ein potenzielles Störfeld (z. B. vereiterte Nasennebenhöhlen, Zahnwurzeln, Mandeln) allergische Hautreaktionen hervorrufen kann.

Orthomolekulare Therapie

Bei akuter und chronischer Urtikaria wird häufig Kalzium (oral, intravenös) verabreicht, das die Zellmembranen stabilisiert und dadurch die Freisetzung von Histamin aus den Speicherzellen verhindert. So werden allergische Reaktionen gedämpft und die Einnahme von Antihistaminika überflüssig.
Keine intravenöse Kalziumgabe bei Urtikaria im Rahmen eines anaphylaktischen Schocks (22.6.2). Kalzium ist kontraindiziert, wenn die Möglichkeit besteht, dass im weiteren Verlauf der Notarzt Adrenalin injizieren muss. In diesem Fall könnte es durch die vorherige i. v.-Kalziumgabe zum Herzstillstand kommen.

Physikalische Therapie

Leidet der Patient an akuten Beschwerden, können durch kühlende Maßnahmen, z. B. Auflagen mit Eiswürfeln oder Cold Packs die Beschwerden gelindert werden. Ebenso hilfreich kann es sein, die betroffene Stelle unter kaltes Wasser zu halten.
Bei kleinen Quaddeln nach Insektenstich wirken lokale Anwendungen mit Heilerdeauflagen oder Zwiebelscheiben abschwellend und juckreizlindernd.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome wie Wind-Hitze oder Wind-Kälte sind aus Sicht der chinesischen Medizin verantwortlich für das Entstehen der Urtikaria. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach dem Aussehen der Quaddeln, Krankheitsverlauf sowie nach Zungenbelag und Pulsbefund.
Bei akuter Urtikaria lassen sich gute Ergebnisse mit Akupunktur erzielen, bei chronischer Urtikaria ist eine Behandlung mit Kräutern der Akupunkturbehandlung vorzuziehen.
Kann – besonders bei chronischen Verläufen – die Ursache nicht festgestellt werden, steht eine symptomatische Therapie mit oraler Antihistaminikagabe im Vordergrund.

Achtung

Es besteht – wie bei jeder allergischen Reaktion – die Gefahr eines allergischen Schocks. Rufen Sie bei den geringsten Anzeichen wie z. B. Kreislaufstörungen, Übelkeit, Atembeschwerden sofort den Notarzt, und beginnen Sie mit den Erstmaßnahmen (22.6.2).

Arzneimittelexanthem

Arzneimittelexanthem: Immunkomplexreaktion vom Typ III (22.6.1) auf Arzneimittel mit Exanthemen und Enanthemen.

Schätzungsweise 6 % aller Arzneimittelverordnungen werden nach der Berner Exanthem:ArzneimittelArzneimittelexanthemDrug-Monitoring Studie vonEnanthem:Arzneimittel allergischen Nebenwirkungen begleitet. Die bedrohlichste Manifestation ist der anaphylaktische Schock (22.6.2), die häufigste das Arzneimittelexanthem.
Arzneimittelexantheme treten meist nach der ersten Behandlungswoche auf, bei vorheriger Sensibilisierung (durch Einnahme des Medikaments in der Vergangenheit) bereits innerhalb von 48 Stunden. Das häufigste Arzneimittelexanthem ist das Ampicillin-Exanthem (Tab. 18.8). Weitere typische allergieauslösende Medikamente sind unter anderem Sulfonamide, Penicilline, Phenylbutazon, Barbiturate, Salicylate, Pyrazolonderivate. Aber auch naturheilkundliche Arzneimittel können Exantheme verursachen, besonders häufig sind z. B. Allergien auf Medikamente mit Korbblütlern (z. B. Echinacea).
Die Exantheme sind sehr unterschiedlich; sie können
  • rosafarben, rot oder bläulich sein,

  • verschiedene Größen haben (von Punktgröße bis über Handtellergröße),

  • einzeln stehen oder zusammenfließen (konfluieren),

  • mit Bläschen- (bullöses Exanthem) oder Papelbildung (papulöses Exanthem) einhergehen,

  • jucken oder nicht jucken,

  • überall am Körper entstehen (generalisiert, Haut und Schleimhäute).

Deshalb ist die Differenzialdiagnose von Arzneimittelexanthemen mitunter recht schwierig. Die Exantheme gleichen oft den Ausschlägen bei Kinderkrankheiten wie Windpocken und Masern.
Manche Medikamente können zu einer Photosensibilisierung führen, z. B. Sulfonylharnstoffe oder Tetrazykline. Das Exanthem beginnt dann an den dem Licht ausgesetzten Körperpartien (z. B. Gesicht) und hat an diesen Stellen auch seine stärkste Ausprägung.
Im Gegensatz zu den generalisierten Arzneimittelexanthemen ist das fixe oder toxische Arzneimittelexanthem (Abb. 18.34) auf wenige Körperstellen beschränkt. Es entstehen scharf begrenzte, rundliche, münz- bis handtellergroße, violette bis tiefrote, leicht ödematöse oder blasige Exantheme, die bei erstmaliger Medikamenteneinnahme häufig einzeln, bei wiederholter Medikamentengabe oft an mehreren und immer identischen Körperstellen auftreten. Sie hinterlassen bei Abheilung eine schiefergraue Pigmentierung.
Die Exantheme entstehen vorwiegend an Hand- und Fußflächen, den Extremitäten, der Mundschleimhaut und im Genitalbereich.
Lesen Sie bei Verdacht auf Arzneimittelexanthem den Beipackzettel. Ein Epikutantest (Aufstreichen des verdächtigen Medikaments im Bereich der Exantheme) ist nur relativ selten positiv. Überweisen Sie den Patienten bei Verdacht auf ein Arzneimittelexanthem zu dem Arzt, der das Medikament verordnet hat.

Tipp

Denken Sie bei unklarem Exanthem an ein Arzneimittelexanthem!

Gutartige Fehlbildungen und Tumoren der Haut

Gutartige Fehlbildungen der Haut oder gutartige Haut:FehlbildungenHauttumoren sind v. a. aus Haut:Tumoren, benignekosmetischen Gründen und wegen ihrer Ähnlichkeit mit bösartigen Hauttumoren, gutartigeHauttumoren bedeutsam.

Nävi

Pigmentzellnävus und Nävuszellnävus (Leberfleck, Mal, Muttermal): Anhäufung pigmentbildender Zellen (Melanozyten) in der Haut.

Nävi gehören zu den umschriebenen Fehlbildungen der Haut und kommen sehr häufigNaevusNaevuszellnaevus vor. LeberfleckIhre Oberfläche ist Muttermalmeist glatt, kann aber auch warzenähnlich, behaart oder tierfellartig sein (Abb. 18.35). Bei Entzündungen, Verletzungen oder Veränderungen der Form, Farbe, Größe und Begrenzung müssen Sie den Patienten zur operativen Therapie zum Dermatologen überweisen. Großflächige Nävi werden wegen ihres Entartungsrisikos vor der Pubertät herausgeschnitten (exzidiert).

Blutgefäßnävi

Feuermal (Naevus flammeus, Weinmal): angeborener, hellroter, rotweinfarbener oder blauroter Fleck, der durch Kapillarerweiterungen bedingt ist.

Ein Feuermal zählt zu den gutartigen, angeborenen Gefäßfehlbildungen. Bei der FeuermalBlutgefäßnäviGeburt Naevus:flammeuserscheint es meist als hellWeinmal- bis dunkelroter Fleck unterschiedlicher Größe im Gesicht und Nacken (Abb. 18.36), seltener im Bereich des Oberkörpers. Mit zunehmendem Alter vergrößert es sich nur proportional zum Größenwachstum, nimmt aber an Farbintensität (von hellrot nach dunkelblau) deutlich zu. Die Färbung ist durch einen Spatel wegdrückbar.
Die Therapie des Feuermals sollte erst im Erwachsenenalter erfolgen, da es bei Kindern oft zu Vernarbungen kommt und somit keine guten kosmetischen Ergebnisse erzielt werden. Bewährt hat sich die Lasertherapie.

Hämangiom

Hämangiom (Blutschwamm): schwammartiger Blutgefäßherd, der histologisch (feingeweblich) zwischen den gutartigen Blutgefäßtumoren und den Fehlbildungen steht. Bei größeren Hohlräumen kavernöses Hämangiom genannt.

Im Gegensatz zu Feuermalen zeigen Hämangiome eigenständiges Wachstum und auch Rückbildung.Hämangiom
Die kavernösen Hämangiome des BlutschwammSäuglings sind angeboren oder treten in den ersten Lebenstagen auf (Abb. 18.37). Ca. 3 % aller Neugeborenen und 25 % aller Frühgeborenen kommen mit einem Blutschwämmchen zur Welt. 30 % aller Hämangiome sind bereits bei der Geburt sichtbar. Die restlichen 70 % zeigen sich ein bis vier Wochen nach der Geburt. Da sie häufig sehr auffällig sind, wünschen die Eltern der betroffenen Kinder meist eine möglichst frühzeitige Behandlung. Jedoch sollte nur in schweren Fällen früh gelasert oder operiert werden, da das Wachstum nach ca. einem Jahr aufhört und sich über 80 % der Blutschwämme bis zur Pubertät von selbst zurückbilden. Ein zufriedenstellendes kosmetisches Ergebnis erzielt man eher durch Abwarten und ggf. durch eine spätere Operation von Restzuständen.
Bei den Hämangiomen unterscheidet man kutane, kutan-subkutane und subkutane Hämangiome:
  • Das kutane Hämangiom tritt als oberflächliche Erhabenheit mit sattroter Farbe auf.

  • Beim kutan-subkutanen Hämangiom tritt nur ein Teil des Hämangioms an die Oberfläche (wie die Spitze eines Eisbergs).Am Rand des Tumors schimmert der subkutane Anteil bläulich durch.

  • Das subkutane Hämangiom schimmert bläulich, ist erhaben und als weicher, manchmal schwammartig ausdrückbarer Tumor zu tasten.

Fibrom

Das harte Fibrom (Dermatofibrom, Histiozytom) ist ein gutartiger Tumor des Bindegewebes mit Fibroblasten- und Kollagenvermehrung. Es Fibromhandelt sich um einen derben, leicht erhabenen, kugelförmigen HistiozytomKnoten. Da er Lipide und Pigmente speichern kann, ergibt sich meist ein gelb-bräunlicher Farbton.
Ein weiches Fibrom ist eine meist gestielte, weiche Papel und kommt häufig an Augenlidern, am Hals und unter der Achsel vor. Es kann von einer runzeligen Hülle umgeben sein oder gestielt herabhängen (Abb. 18.38).

Veränderungen des Bindegewebes

Keloid (Wulstnarbe): gutartige Bindegewebswucherung; tritt v. a. nach Verbrennungen oder Verätzungen, aber auch bei Akne, bakteriellen Wundinfektionen oder Operationswunden auf (Abb. 18.39); im Gegensatz zur hypertrophen Narbe nicht auf den Ort des Traumas beschränkt.

Da Keloide familiär gehäuft vorkommen, wird eine genetische Disposition vermutet. KeloidBindegewebe:VeränderungenPrädilektionsstellen sind Wulstnarbe;Narbe:Wulst-Gesicht, Ohren, Hals, oberer Rumpf und die proximalen Extremitätenanteile. An Handflächen und Fußsohlen kommen sie nur sehr selten vor. In Operationsnarben sind die Keloide eher wulstartig und fingerdick, während sie nach Verbrennungen plattenartig ausfallen. Haben sie eine gewisse Größe erreicht, wachsen sie nicht weiter, spontane Rückbildungen sind möglich. Überziehen Keloide Gelenke (z. B. nach großflächigen Verbrennungen), kann es zu einer narbenbedingten Bewegungseinschränkung des betroffenen Gelenks kommen. Bei Berührung können die Keloide schmerzen, häufig jucken sie auch.
Die schulmedizinische Behandlung eines frischen Keloids besteht in einer örtlichen Glukokortikoidgabe, einer Röntgenweichstrahlentherapie, einer Kryotherapie (Kältetherapie) oder einer Lokaltherapie mit bestimmten Pflanzenextrakten, z. B. Contractubex®. Bei älteren Keloiden wirken diese Maßnahmen nur noch wenig. Eine operative KryotherapieEntfernung wird von den Patienten häufig gewünscht, ist aber wegen des hohen Rezidivrisikos mit Befundverschlechterung problematisch.

Präkanzerosen der Haut

Bei Präkanzerosen der Haut handelt es sich um Hauterscheinungen, die potenziell entarten können. Typische Präkanzerosen der Haut sind Lentigo maligna (18.10.1) und die Präkanzerosen:HautLeukoplakie (18.10.2). Allerdings können auch andere chronisch-entzündliche Hautveränderungen entarten, z. B. nach rezidivierenden Herpes-simplex-Infektionen, bei Lupus vulgaris oder Condylomata acuminata.

Lentigo maligna

Lentigo maligna (lat. lentigo = Leberfleck, melanotische Präkanzerose): horizontal in der Oberhaut wachsender, rundlicher, ungleichmäßig pigmentierter Fleck; langsame Größenzunahme, Durchmesser bis zu mehreren Zentimetern; kann in ein Lentigo-maligna-Malignom übergehen.

Die Lentigo maligna (Abb. 18.40) ist Folge langjähriger UV-Exposition. Auf aktinisch (durch Strahlen) geschädigter Haut im Lentigo:malignaBereich der lichtexponierten Hautareale (v. a. Gesicht, Hals, Hände, Unterarme) entwickeln sich über Jahre bis Jahrzehnte graubraune bis schwarze, unscharf und unregelmäßig begrenzte, flache Herde verschiedenster Größe. Je größer der Herd ist, desto unregelmäßiger ist seine Pigmentierung. Die Basalmembran ist intakt. Wird sie durchbrochen, liegt ein Lentigo-maligna-Melanom (LMM) vor.
Operable Herde der Lentigo maligna werden exzidiert, große Herde in ungünstiger Lokalisation mit Röntgenbestrahlung behandelt. Bei ausreichender Behandlung ist die Prognose gut, d. h., der Herd entartet nicht.

Leukoplakie

Leukoplakie (gr. leukos = weiß, Weißschwielenkrankheit): Schleimhautveränderungen aufgrund einer umschriebenen Verhornungsstörung; Übergang in ein Spinaliom (18.11.2) möglich, aber selten.

Leukoplakien (Abb. 18.41) kommen v. a. im Bereich der Mund- und Wangenschleimhaut vor sowie im Bereich der Zunge, der LeukoplakieLippen und des Genitales.
Die weißen, nicht abwischbaren, flachen oder papillomatösen Schleimhautveränderungen jucken und schmerzen nicht. Chronische mechanische, physikalische oder chemische Reize führen zur Bildung von Leukoplakien. Typisch ist z. B. die Lippenleukoplakie des Rauchers (durch Teer) oder die Leukoplakie der Zungen- und Wangenschleimhaut des Pfeifenrauchers (durch Teer und Hitze). Im Genitalbereich können z. B. Herpes-simplex-Infektionen Leukoplakien verursachen.
Üblicherweise heilen Leukoplakien innerhalb von 2–4 Wochen ab, wenn die Noxe gemieden wird. Auch bei Rezidiven ist dies oft noch der Fall. Erst länger als 4 Wochen anhaltende Leukoplakien ohne Heilungstendenz und erosive oder gar ulzerierende Leukoplakien bedürfen der Behandlung durch den Hautarzt, weil sie in diesem Stadium zu einer echten Präkanzerose geworden sind.

Fallbeispiel „Leukoplakie“

Ein 51 Jahre alter Zimmermannsmeister kommt wegen arterieller Durchblutungsstörungen zum ersten Mal in die Praxis. Bei der gründlichen Ganzkörperuntersuchung fällt der Heilpraktikerin auf, dass der Patient an der Lippe drei weiße, flache Flecken hat, die so dicht beieinanderliegen, dass man sie für einen halten könnte; dennoch sind sie scharf begrenzt. Die Flecken lassen sich nicht mit dem Spatel abwischen. Die Heilpraktikerin fragt den Patienten, ob er sich vorstellen könne, worauf diese Flecken zurückzuführen seien. Er lacht und erklärt ihr, dass er dies schon öfter gehabt habe. Die Flecken kämen daher, dass er bei der Arbeit ständig die großen Zimmermannsnägel zwischen den Lippen festhalte. „Im Urlaub heilt das immer wieder ab.“

Nach den Untersuchungen bespricht sie mit dem Patienten den Therapieplan für die nächsten Wochen. Dann erklärt sie ihm, dass es sich bei den Flecken um eine Leukoplakie handele und diese Hautveränderung mitunter entarten. Sie rät ihm dringend, sich eine andere Arbeitsweise anzugewöhnen. Es sei sehr wichtig, die Stellen keinerlei Reizen auszusetzen (der Patient ist Nichtraucher, deshalb erübrigt sich der Hinweis auf Zigarettenabstinenz). Sollten die Flecken nicht innerhalb von vier Wochen vollständig abgeheilt sein oder sich gar offene Stellen bzw. Verhornungen bilden, müsse er sich sofort einem Hautarzt vorstellen. Dann verordnet sie ihm zusätzlich eine Heilsalbe für die Lippen.

Bösartige Hauttumoren

Bösartige Hauttumoren (Hautmalignome, Hautkrebs): z. B. als Basaliom, Spinaliom oder Melanom; in unseren Breiten stark zunehmende Krebsart.

Vor allem Basaliome und Spinaliome entwickeln sich bevorzugt an den Stellen der Haut, die am Tumor(en):HautHaut:Tumoren, malignestärksten dem Sonnenlicht ausgesetzt sind wie HautkrebsGesicht, Arme und Beine (sog. „Sonnenterrassen“ der Haut).
Bei allen drei Tumorarten wird eine übermäßige Sonneneinstrahlung als Hauptrisikofaktor für die Entstehung angesehen; gefährlich ist die sog. UVB-Strahlung. Der beste Schutz für einen hellhäutigen Mitteleuropäer ist es, im Sommer höchstens 20 Min. ungeschützt in der Sonne zu verbringen. Sonnenöle oder -cremes bieten keinen 100-prozentigen Schutz. Mit Lichtschutzfaktor 10 kann man z. B. nur 10-mal länger in der Sonne bleiben als ohne. Sonnenbrände sollte man unbedingt vermeiden, v. a. bei Kindern. Sie können Hautveränderungen bewirken, aus denen sich Jahrzehnte später bösartige Hauttumoren entwickeln.

Tipp

Klären Sie Ihre Patienten darüber auf, dass auch die Verwendung von Sonnencremes keinen 100%igen Schutz vor Hautkrebs bietet.

Eine frühzeitige Diagnose verbessert die Heilungsaussichten ganz entscheidend. Wichtig ist daher bei ausnahmslos allen Patienten die genaue HautkrebsInspektion und Beobachtung der Haut. Die Aussage des Patienten, dass sich an einem Fleck „etwas tut“, dass es „dort arbeitet“, könnte ein Hinweis auf ein Melanom sein!

Achtung

Raten Sie dem Patienten, wenn Sie den Verdacht auf einen bösartigen Hauttumor haben, die Veränderung umgehend vom Dermatologen weiter abklären zu lassen.

Basaliom

Basaliom (Basalzellkarzinom): häufiger Hauttumor; entsteht vermutlich aus atypischen, unreifen pluripotenten („vielkönnenden“) Epithelzellen (Basalzellen), die z. B. unter verstärkter UVB-Exposition beschleunigt wachsen; Lokalisation zu über 80 % im Gesicht; Manifestation in der Regel nach dem 50. Lebensjahr; Häufigkeitsgipfel: 6.–8. Lebensjahrzehnt.

Symptome
Das Basaliom kommt überwiegend im Gesicht vor und hier v. a. im oberen Gesichtsdrittel. BasaliomEs Basalzellkarzinomentwickelt sich ohne Vorstufen Tumor(en):Hautauf gesund aussehender Haut. Oft bildet sich zunächst eine kleine, grauweiße Verhärtung mit einzelnen Teleangiektasien (Gefäßerweiterungen), die oftmals durch Kratzen oder Rasieren lädiert werden (Abb. 18.42). Leitsymptom des Basalioms sind daher immer wieder an der gleichen Stelle auftretende Blutkrusten oder TeleangiektasienVerletzungen, die „nicht heilen wollen“. Im weiteren Verlauf nehmen die Knötchen (knotiges Basaliom) eine derbe Konsistenz an oder sinken im Zentrum ein (ulzerierendes Basaliom) und haben einen perlschnurartig aufgeworfenen Rand. Unbehandelt zerstört das Basaliom im Verlauf von Monaten und Jahren die angrenzenden Knochen und Weichteile (Abb. 18.43), wächst also örtlich infiltrierend und destruierend. Es setzt aber keine Metastasen. Daher wird es auch als semimaligner Tumor bezeichnet.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Beim Basaliom hängt die Therapie von Größe und Sitz des Tumors ab. Destruierendes Wachstum im Bereich lebenswichtiger Organstrukturen kann jedoch zum Tode führen. Häufig ist die Exzision („Ausschneidung“) ausreichend, mitunter muss zusätzlich eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Beim Einbruch in Knochen und Weichteile sind radikale operative Maßnahmen notwendig, z. B. die Entfernung Exzision:Hautder Ohrmuschel bei einem Basaliom am äußeren Ohr. Die Prognose ist bei vollständiger Entfernung des Tumors gut. Alle Basaliompatienten sollten aber über einen längeren Zeitraum nachkontrolliert werden.

Spinaliom

Spinaliom (spinozelluläres Karzinom, Stachelzellenkarzinom, verhornendes Plattenepithelkarzinom): bösartiger Hauttumor; vorwiegend bei älteren Menschen; entsteht durch Entartung von Epithelzellen der Stachelzellschicht in der Oberhaut (Abb. 18.44)

Krankheitsentstehung
Auch bei den Spinaliomen – sie treten seltener auf als Basaliome – spielt das StachelzellenkarzinomSpinaliomKarzinom:spinozelluläresAusmaß Plattenepithelkarzinom:Hautder Sonnenexposition (v. a. UVBTumor(en):Haut-Strahlen) im Laufe des Lebens im Zusammenhang mit dem genetisch bedingten Hauttyp eine entscheidende Rolle. Prädilektionsstellen sind Hautareale, die häufig dem Licht ausgesetzt sind (Gesicht, Kopf, Handrücken). Weitere begünstigende Faktoren sind chronisch-degenerative und chronisch-entzündliche Hautveränderungen, z. B. Hautatrophien oder Narben etwa nach Verbrennungen. Infektionen mit humanen Papillomaviren gehen ebenfalls mit einem höheren Spinaliomrisiko einher (Penis- oder Vulvakarzinom). Die Kombination von Alkohol- und Nikotinabusus erhöht das Risiko, an einem spinozellulären Karzinom der Mundschleimhaut oder der Zunge zu erkranken.

Merke

Die Lokalisation der Hautveränderung lässt erste Rückschlüsse darauf zu, ob es sich um ein Spinaliom oder ein Basaliom handelt:

  • Im Bereich der Haut entstehen zehnmal häufiger Basaliome als Spinaliome. Spinaliome liegen häufig an Stellen, an denen die Haut durch Lichtexposition sichtbar vorgeschädigt ist.

  • Im Bereich der Übergangsschleimhäute (z. B. Lippen) entstehen fast ausschließlich Spinaliome.

  • Im Bereich der Schleimhäute entstehen ausschließlich Spinaliome.

Symptome
Zuerst entsteht ein kleiner schmerzloser Knoten in der Oberhaut, der rasch wächst und ulzeriert (Abb. 18.44). Dabei vernichtet er das umliegende Gewebe und die von ihm erreichten Knochen. Die lymphogene und hämatogene Metastasierung ist abhängig von dem genauen histologischen Typ des spinozellulären Karzinoms, erfolgt meist aber relativ spät.

Fallbeispiel „Spinaliom“

Ein 72 Jahre alter Rentner kommt missgelaunt in die Praxis. Früher war er hier wegen seiner Arthritis in Behandlung gewesen und hatte sich auch recht gut mit der Heilpraktikerin verstanden. Doch diesmal findet er den Besuch bei ihr völlig unnötig und „albern“; seine Frau habe ihm jedoch „die Hölle heiß gemacht“. Er zeigt auf seinen Kopf. Seit etwa einem Jahr, so berichtet er, wachse am seitlichen Oberhaupt eine Warze. „Wen stört schon 'ne Warze bei einem alten Mann wie mir!“ Auf dem kahlen Kopf des Mannes ist das Gebilde gut zu erkennen; es ist ein grau-weißer, leicht verhornter Tumor, der tatsächlich aufgrund seiner höckerigen Oberflächenstruktur an eine Warze erinnert. Seitlich sind dunkelbraun-rote Blutkrusten aufgelagert. Die umgebende Haut ist leicht gerötet. Die Heilpraktikerin weiß aus ihrer Patientenkartei, dass der Mann Landwirt und deshalb wohl auch viel dem Sonnenlicht ausgesetzt war. Auf Nachfrage erklärt der Mann, dass er immer nur im Winter einen Hut oder eine Mütze getragen habe. Die Heilpraktikerin erklärt ihrem Patienten freundlich, aber sehr bestimmt, dass sie den Verdacht auf ein Spinaliom, einen bösartigen Hauttumor, habe und er sich unbedingt in die Behandlung eines Hautarztes begeben müsse. Der Patient sieht etwas brummig drein, verspricht aber, noch am Nachmittag zu einem Hautarzt zu gehen, den die Heilpraktikerin ihm empfiehlt. „Sonst lasst Ihr Frauen mir ja sowieso keine Ruhe …“ Tatsächlich ergibt die spätere histologische Untersuchung ein hochdifferenziertes Spinaliom. Es wird mit großer Sicherheitszone herausgeschnitten; der Hautdefekt wird durch ein Transplantat verdeckt. Metastasen wurden keine gefunden.

Schulmedizinische Therapie und Prognose
Neben einer operativen Entfernung im Gesunden (d. h. mit weiträumiger Sicherheitszone) kommt, v. a. bei Patienten in schlechtem Allgemeinzustand, auch eine Röntgenbestrahlung in Betracht.
Die Prognose hängt von der Tumorgröße, der Metastasierung und dem feingeweblichen Differenzierungsgrad ab. Sie ist bei Zungen-, Vulva- und Peniskarzinomen am schlechtesten.

Melanom

Malignes Melanom: hochmaligner Tumor; entsteht durch Entartung der Melanozyten; bildet frühzeitig lymphogene und hämatogene Metastasen; zurzeit in der weißen Bevölkerung zunehmende Erkrankungshäufigkeit (pro Jahr 5–10 %) mit einem Altersgipfel im mittleren Lebensalter.

Symptome
Die Symptome des Melanoms sind nicht einheitlich. Folgende Kriterien wecken bei einem Nävus den MelanomVerdacht aufMelanom:malignes ein malignes Melanom (ABCDE-RegelTumor(en):Haut):
  • Asymmetrie des Herds: Während ein gutartiger Leberfleck symmetrisch und kreisförmig ist, wächst das Melanom ungleichmäßig und asymmetrisch.

  • Begrenzung unscharf, ABCD-Regel:malignes Melanomunregelmäßig, ausgefranst oder polyzyklisch (Abb. 18.45, Abb. 18.46): Gutartige Hautveränderungen grenzen sich in der Regel scharf von der umgebenden Haut ab. Beim Melanom zeigt sich häufig ein eingekerbter oder undeutlicher Rand, der auf das weitere Wachstum hinweisen kann.

  • Colorit (Färbung) variabel mit unterschiedlichen Farbnuancen, d. h. innerhalb des Pigmentflecks lassen sich hellbraune, dunkle und schwarze evtl. auch rötliche Anteile (Abb. 18.45, Abb. 18.46) erkennen.

  • Durchmesser: Ein Melanom ist größer als 5 mm.

  • Erhabenheit und Entwicklung: Kennzeichnen ist ebenfalls, dass ein Melanom neu und in kurzer Zeit auf sonst flachem Grund entstanden ist.

Weitere Hinweise sind rasche Größenzunahme eines Flecks, Bluten bei geringen Reizen (z. B. beim Abtrocknen) oder Juckreiz.
In 60 % der Fälle entsteht ein malignes Melanom aus einem seit Jahren bestehenden Nävuszellnävus (18.9.1), in 15 % der Fälle auf bis dahin klinisch gesunder Haut, in weiteren 15 % der Fälle auf einer melanotischen Präkanzerose (Lentigo maligna 18.10.1), die häufig erst nach Jahren oder Jahrzehnten in ein Lentigo-maligna-Melanom (LMM) übergeht. Bei 10 % der Erkrankten liegen Sonderformen vor.
Maligne Melanome können auch an der Schleimhaut, der Aderhaut oder der Melanom:Lentigo-maligna-Hirnhaut auftreten.
Besonders schwer zu diagnostizieren sind die sog. LMM (Lentigo-maligna-Melanom)amelanotischen Melanome, die sich farblich kaum von der Umgebung abheben und so meist erst spät erkannt werden. Aufgrund der Entartung produzieren die Zellen kein Melanin mehr.
Das maligne Melanom metastasiert lymphogen undMelanom:amelanotisches hämatogen, meist zuerst in die regionären Lymphknoten; später bildet es Fernmetastasen in Haut, Subkutis oder Lymphknoten jenseits der regionären Lymphstationen und in inneren Organen. Es entstehen aber auch sog. Satellitenmetastasen, d. h. Metastasen, die in unmittelbarer Nähe des Primärtumors (Ersttumors) liegen (Abb. 18.47). Die Prognose ist abhängig vom klinischen und histologischen Stadium.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Maligne Melanome werden operativ entfernt und dabei weit im gesunden Gewebe exzidiert. Chemotherapie und Immuntherapie, z. B. mit Interferon, werden bei fortgeschrittenen Tumoren unterstützend eingesetzt.
Die Prognose hängt maßgeblich von der Eindringtiefe des Melanoms ab, die deshalb im histologischen (feingeweblichen) Schnitt gemessen wird. Bei einer max. Tumordicke von bis zu 0,75 mm und fehlenden Metastasen liegt die 5-Jahres-Überlebensrate um 90 %, bei mehr als 3 mm dagegen unter 50 %. Patienten mit Fernmetastasen haben eine sehr schlechte Prognose und versterben meist rasch nach Diagnosestellung.

Fallbeispiel „Malignes Melanom“

Eine 40 Jahre alte Diplom-Biologin kommt wegen einer bereits seit 17 Jahren bestehenden Psoriasis erstmalig in die Praxis. Bei der Ganzkörperuntersuchung fällt dem Heilpraktiker auf ihrem linken Schulterblatt ein ovaler, 1,5 × 2 cm großer, dunkelbrauner Fleck auf, der eine leicht höckerige Oberfläche hat und unscharf begrenzt ist. Stellenweise ist der Herd schwarz, in der Mitte des Flecks ist die Haut nicht dunkel pigmentiert, sondern hell und glatt. Der Heilpraktiker fragt nach, ob die Patientin von diesem Fleck wisse und seit wann er bestünde. „Den habe ich schon als Kind gehabt“, antwortet sie. Als der Heilpraktiker der Patientin den Fleck mithilfe von zwei Spiegeln zeigt, ist sie über die Größe des Flecks doch sehr erstaunt. Die regionären Lymphknoten sind unauffällig. Nach der Untersuchung teilt der Heilpraktiker der Patientin mit, dass sie zuallererst zu einem Hautarzt gehen müsse. „Diesen Fleck müssen Sie unbedingt abklären, vielleicht sogar entfernen lassen. Bitte erschrecken Sie nicht, aber es könnte sich um ein malignes Melanom handeln. Je eher es behandelt wird, desto besser!“ Leider bestätigt die feingewebliche Untersuchung nach der Entfernung des Tumors den Verdacht des Heilpraktikers.

Weitere Hauterkrankungen

Acne vulgaris

Acne vulgaris (kurz Akne): Bildung von Komedonen (Mitessern) aufgrund übermäßiger und veränderter Talgdrüsensekretion (Seborrhö) und verstärkter Verhornung der Talgdrüsenausführungsgänge und eine daraus folgenden Perifollikulitis.

Krankheitsentstehung
Die typische Pubertätsakne ist multifaktoriell bedingt: Auf dem Boden einer genetischen Akne\t \"s.a. AcneAcne\t \"s.a. AkneAcne:vulgarisVeranlagung kommt es durch die hormonelle KomedonenUmstellung in der Pubertät zu einer Talgdrüsenüberfunktion (Seborrhö) mit Verhornungsstörung der Ausführungsgänge. Auch Bakterien (v. a. Propionibacterium acnes) spielen eine Rolle.
Chemische Noxen (z. B. bestimmte Öle, Teerprodukte) und Arzneimittel (z. B. Glukokortikoide, Antiepileptika) können altersunabhängig eine Akne hervorrufen.
Symptome und Diagnostik
Vor allem in Gesicht sowie oberem Brust- und Rückenbereich bilden sich die allen bekannten Komedonen (Mitesser), aus denen sich durch Entzündung Papeln und Pusteln entwickeln. Je nach vorherrschendem Effloreszenzentyp unterscheidet man die Acne comedonica mit Mitessern und die Acne papulopustulosa mit „Pickeln“. KomedonenSchwerste Form ist die Acne conglobata mit Riesenkomedonen, Abszessen, Fistelungen und keloidartigen Narben.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Acne:comedonicaDie lokale Acne:papulopustulosaTherapie umfasst eine Schälbehandlung z. B. mit Benzoylperoxid in niedriger Konzentration (z. B. Acne:conglobataAknefug®-oxid mild), Azelainsäure (z. B. Skinoren®) oder Vitamin-A-Säure-Präparaten (z. B. Isotrex®), bei starker entzündlicher Komponente ggf. in Kombination mit lokalen Antibiotika (v. a. Erythromycin, z. B. Aknemycin®).
In schweren Fällen ist eine systemische Antibiotikagabe (v. a. niedrig dosiertes Doxycyclin oder Minozyklin, z. B. Klinomycin®) oder die Einnahme von systemischen Vitamin-A-Säure-Präparaten (Isotretinoin, z. B. Roaccutan®, teratogen!), bei Frauen auch einer „Pille“ mit antiandrogener Wirkung wie etwa Diane® angezeigt.

Naturheilkundliche Therapie bei Akne

Handbuch für die Naturheilpraxis 11.2.2

Akne:naturheilkundliche TherapieErfahrungsgemäß lassen sich bei naturheilkundliche Therapie:AkneAkne mit naturheilkundlichen Maßnahmen gute bis befriedigende Erfolge erzielen. Bei schweren Formen der Akne können durch naturheilkundliche Therapieverfahren konventionelle Medikamente eingespart werden.

Eigenbluttherapie

Bei Akne hat sich eine Behandlung mit Eigenblut bewährt, dem eine homöopathische Injektionslösung, z. B. Cutis comp. Heel®, zugesetzt wird. Das Eigenblut sollte in ansteigender Dosierung verabreicht werden.

Ernährungstherapie

Raten Sie dem Patienten zu einer säurearmen Vollwertkost, die fettreiche und denaturierte Nahrungsmittel, Fast-Food-Produkte sowie scharfe Gewürze, süße und fette Speisen meidet und Obst und Gemüse, also basische Nahrungsmittel, bevorzugt. Dadurch wird die Talgproduktion vermindert und der Hautstoffwechsel günstig beeinflusst.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und gründliche Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Als konstitutionelle Mittel zur Behandlung der Akne sind oft angezeigt: Abrotanum, Acidum nitricum, Arnica montana, Calcium carbonicum, Calcium sulfuricum, Carcinosinum, Causticum, Graphites, Hepar sulfuris, Kalium bromatum, Mercurius solubilis, Psorinum, Silicea, Sulfur, Thuja. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes Konstitutionsmittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Juglans-Gastreu® R53) eingesetzt, enthalten diese häufig Kalium bromatum (bewährte Indikation bei Gesichtsakne), Hepar sulfuris (bei Neigung zu Eiterungen, jugendliche Akne) oder Juglans regia (bei Jucken, Ausschlag mit kleinen, roten Pusteln, Mitessern). Auch Lymphmittel haben sich bewährt, z. B. Lymphdiaral®.

Mikrobiologische Therapie

Wie bei allen Hauterkrankungen wirkt sich der Aufbau einer gesunden Darmflora, z. B. mit Synerga®, positiv aus. Häufig liegt eine Dysbiose durch vorangegangene Antibiotikagabe vor.

Ordnungstherapie

Der Verlauf der Akne kann durch bestimmte Lebensgewohnheiten beeinflusst werden: So kann Stress die Talgproduktion verstärken oder das gewohnheitsmäßige Drücken der Aknestellen zu einer Verschlechterung des Hautbilds führen. Berücksichtigen Sie, dass v. a. Jugendliche unter der „Entstellung“ durch Akne sehr leiden, und nehmen Sie sich ausreichend Zeit, um den Patienten psychisch zu unterstützen.

Orthomolekulare Therapie

Das Spurenelement Zink ist für den Vitamin-A-Stoffwechsel von entscheidender Bedeutung und unterstützt den Heilungsprozess bei entzündlichen Hauterkrankungen. Aus diesem Grund kann die Gabe von Zink als Nahrungsergänzung, z. B. Zinkorotat-POS®, sinnvoll sein. Ebenso ist die verstärkte Zufuhr von Vitamin A (Cave: fettlöslich, genaue Dosierung einhalten) in Kombination mit Zink für 10–12 Wochen zu empfehlen. Auch γ-Linolensäure aus Nachtkerzen- oder Borretschöl kann den Zustand der Haut verbessern.

Physikalische Maßnahmen und Hautpflege

Empfehlen Sie dem Patienten dosierte Sonnenanwendungen und tägliche Bewegung an der frischen Luft.
Zuviel Sonne schwächt das Immunsystem.
Bei akuten Beschwerden sind Umschläge mit Stiefmütterchentee, Walnussblättersud, Eichenrinde oder mit Heilerde, z. B. Luvos® 2, oft hilfreich. Bewährt hat sich auch die Eigenurintherapie, innerlich oder äußerlich angewendet.

Phytotherapie

Für die äußere Anwendung werden Pflanzen mit adstringierenden und entzündungshemmenden Eigenschaften eingesetzt, z. B. Walnussblätter (Juglandis folium Abb. 18.48) oder Stiefmütterchenkraut (Violae tricoloris herba Abb. 18.20). Aus beiden Pflanzen kann zur innerlichen Einnahme auch ein Tee zubereitet werden. Ebenso gibt es fertige Kombinationen zur äußerlichen Anwendung, z. B. Akne-Wasser Wala®.
Zur inneren Anwendung kann ein Tee verordnet werden, der neben pflanzlichen Diuretika, wie z. B. Goldrutenkraut (Solidaginis herba Abb. 16.40), Ackerschachtelhalmkraut (Equiseti herba Abb. 20.29), Hauhechelwurzel (Ononidis radix) oder Queckenwurzelstock (Graminis rhizoma Abb. 20.21) auf Leber und Galle wirkende Heilpflanzen, wie z. B. Löwenzahnwurzel und -kraut (Taraxaci radix cum herba Abb. 14.37), Erdrauchkraut (Fumariae herba Abb. 18.27) enthält. Dadurch werden Leber und Nieren in ihrer Entgiftungs- und Ausscheidungsfunktion entlastet und Stoffwechselvorgänge aktiviert. Die Haut ist ein wichtiges, durch die entzündlichen Prozesse nun überlastetes, Ausscheidungsventil. Deshalb ist es sinnvoll, über einen längeren Zeitraum sog. Stoffwechseltees zu verordnen, die z. B. auch mit Brennnesselkraut (Urticae herba Abb. 20.28), Löwenzahnwurzel und -kraut (Taraxaci radix cum herba) und Ackerschachtelhalmkraut (Equiseti herba) kombiniert werden. Alternativ kann auch eine Kombination eingesetzt werden, z. B. Akne-Kapseln Wala®.

Traditionelle Chinesische Medizin

Aus Sicht der TCM sind mehrere Faktoren an der Entstehung der Akne beteiligt: Wind-Hitze in der Lunge oder ein durch süße, scharfe und ölige Nahrungsmittel hervorgerufener Nahrungsstau in Magen und Milz sowie ein Hitzeaufstau in der Haut. Besonders eine Disharmonie zwischen den beiden Meridianen Ren Mai (Konzeptionsgefäß) und Chong Mai (Lenkergefäß) beeinträchtigt die Öffnungsfunktion der Hautporen.
Je frühzeitiger die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Erfolge. Sinnvoll ist es, eine Akupunkturbehandlung mit der Verordnung von Kräutern zu kombinieren.
Die Betroffenen sollten alkalifreie Syndets zum Waschen benutzen. Das Einhalten einer Diät ist dagegen – abgesehen von im Einzelfall beobachteten Unverträglichkeiten – nicht erforderlich. Dennoch sollten die Patienten auf einen übermäßigen Genuss von fettreicher Nahrung und Genussmitteln (z. B. Süßigkeiten, Nikotin) verzichten. In schweren Fällen verordnet der Arzt Antibiotika auch systemisch.
Die Prognose ist für die meisten Patienten gut. In der Regel verschwinden die Krankheitserscheinungen bis zum 31. Lebensjahr von selbst. Einmal entstandene Narben bleiben aber bestehen und können kosmetisch sehr störend sein.

Intertrigo

Intertrigo (lat. Wundreiben, Wolf): Hautveränderungen in den Körperfalten, meist bei Säuglingen (Windeldermatitis Abb. 28.16), adipösen Menschen und Sportlern (durch Schweiß und Dauerreiben).

Intertrigo entsteht durch Reibung aufeinanderliegender Hautflächen und Aufweichen der Haut (Mazeration) unter starker Schweißbildung oder (bei Säuglingen) durch länger dauernden Kontakt derIntertrigo Haut mit Urin und Fäzes sowie durch sekundäre Infektion mit Bakterien oder Candida. Die Prädilektionsstellen befinden sich besonders unter Mazeration:Hautden Brüsten, am Damm, in der Analfalte, unter den Achseln oder zwischen den Oberschenkeln. Dort bilden sich scharf begrenzte, hochrote, erosive, nässende, schuppende und stark juckende Effloreszenzen. Nach Infektion mit Pilzen oder Bakterien bilden sich Pusteln und Krusten. Auch Rhagaden kommen vor.
Die betroffenen Stellen sollten trocken gehalten werden, z. B. durch Pudern oder Einlage von dünnen Baumwollstreifen. Bei Windeldermatitis ist ein häufiges Wechseln der Windel angezeigt – stundenweise sollte die Windel ganz entfernt werden – sowie intensiver Hautschutz mit zinkhaltigen Pasten. Bakterielle Superinfektionen oder Mykosen werden mit entsprechenden Salben behandelt.

Rosazea

Rosazea (Kupferfinne): chronisch-entzündliche Hauterkrankung des Erwachsenenalters, die zu Rötung, Teleangiektasien, Papeln und Pusteln im Gesicht führt.

Die Ursache der Rosazea ist nach wie vor unbekannt.
Erstes Zeichen ist oft eine schmetterlingsförmige Hautrötung im Gesicht (Abb. 18.49), gefolgt von erweiterten Blutgefäßen (Teleangiektasien), RosazeaPapeln und Pusteln. Komplikationen sind ein Rhinophym (Knollennase durch Hyperplasie des Bindegewebes und der Talgdrüsen im Bereich der Nase, fast nur bei Männern vorkommend) sowie eine Augenbeteiligung.
Die ärztliche Behandlung der Rosazea besteht in leichteren Fällen in antibiotischen Cremes (z. B. Metronidazol, etwa in Metrocreme®) und Azelainsäure (Skinoren®). Reicht dies nicht oder liegt eine Augenbeteiligung vor, werden Tetrazykline oral gegeben, in sehr ausgeprägten Fällen Isotretinoin (z. B. Roaccutan®).
Zur Hautreinigung sollten milde Syndets verwendet werden, auf Kosmetika sollte möglichst verzichtet werden (abdeckende Lotionen sind aber möglich). Da Sonne die Beschwerden erfahrungsgemäß verschlechtert, ist konsequenter Sonnenschutz anzuraten.

Seborrhoisches Ekzem

Seborrhoisches Ekzem (seborrhoische Dermatitis): Ekzemform mit scharf begrenzten rundlichen, zu Beginn an Follikel gebundenen Hautrötungen, die von gelb-bräunlichen, fettigen (seborrhoischen) Schuppen bedeckt sind; Ursache unklar.

Möglicherweise ist das seborrhoische Ekzem (Abb. 18.50) durch eine Abwehrreaktion gegen den Pilz Pityrosporum ovale Ekzem(a):seborrhoischesmitbedingt.
Das seborrhoische Säuglingsekzem beginnt oft Dermatitis:seborrhoischeschon im ersten Lebensmonat, meist am Kopf (Stirn, Augenbraue, Nase, Wangen). Bei stärkerer Ausprägung sind die erythematosquamösen Herde auch in Leisten und Achseln zu finden. Juckreiz besteht in aller Regel Ekzem(a):Säuglingsekzemnicht. Die bei vielen Säuglingen vorhandenen dunklen, festen Schuppen am behaarten Kopf sind jedoch auf eine normale Abschilferung der Kopfhaut zurückzuführen und kein Ekzem. Da das seborrhoische Säuglingsekzem in aller Regel nach Wochen bis Monaten von selbst abheilt, ist die Behandlung wenig invasiv. Meist reichen viel frische Luft und Ölbäder (z. B. Ölbad Cordes®), evtl. wird kurzzeitig mit lokalen Antimykotika oder lokalen Glukokortikoiden behandelt.
Das seborrhoische Ekzem des Erwachsenen ist v. a. im Gesicht, am behaarten Kopf sowie in der Brust- und Rückenrinne lokalisiert. Die Behandlung erfolgt durch lokale Antimykotika, ggf. auch als Shampoo. Im akuten Schub kommen externe Glukokortikoide in Betracht.

Dyshidrotische Dermatitis

Dyshidrotische Dermatitis: chronisch wiederkehrende, entzündliche Hauterkrankung mit Bläschenbildung (Abb. 18.51) an Händen und Füßen sowie Juckreiz; viele Faktoren sind an der Entstehung beteiligt, am häufigsten Kontaktallergie; Altersgipfel 20.–30. Lebensjahr; Häufung im Frühjahr und Herbst.

Die häufig vorkommende Minimalform der dyshidrotischen Dermatitis zeigt eine trockene halskrausenartige Schuppung an den Handinnenflächen als Folge des Aufplatzens winzigster (mit Dermatitis:dyshidrotischebloßem Auge nicht erkennbarer) Bläschen.
Mögliche Komplikationen sind Infektionen mit Bakterien und Pilzen.
Die Therapie des Hautarztes besteht in der Gabe von lokal austrocknenden Mitteln wie z. B. Puder und Zinkschüttelmixturen sowie bei stärkerer Ausprägung glukokortikoidhaltigen Tinkturen. Keine fettenden Salben geben!

Ichthyosis

Ichthyosis (Fischschuppenkrankheit): erbliche Verhornungsstörung mit Schuppenbildung am ganzen Körper (außer an den Gelenkbeugen).

Der Name „Fischschuppenkrankheit“ ist irreführend, da die Schuppen nicht übereinanderliegen, sondern pflasterartig nebeneinander (IchthyosisReptilienhaut) und eher ein Muster wie die Haut eines FischschuppenkrankheitReptils bilden.
Die Ichthyosis tritt in unterschiedlicher Ausprägung auf. Leichte Formen werden vom Patienten lediglich als „trockene Haut“ empfunden. Schwere Formen führen bereits kurz nach der Geburt zum Tod.

Epidermolysis bullosa

Epidermolysis bullosa: Gruppe erblicher Erkrankungen, bei denen geringste mechanische Traumen zu Blasenbildung der Haut führen.

In der Regel kommt es kurz nach der Geburt zu Blasenbildungen an mechanisch beanspruchten Körperregionen, die je nach vorliegendem Typ beim Abheilen ausgedehnte Narben hinterlassen können. Bei Epidermolysis bullosaschweren Formen stirbt das Neugeborene innerhalb kurzer Zeit.

Erythema nodosum

Erythema nodosum: wahrscheinlich immunologisch bedingte Hauterkrankung mit roten Knoten, bevorzugt an den Schienbeinen; meist sehr druckschmerzhaft; häufig zusätzlich Allgemeinsymptome wie Fieber und Gelenkschmerzen.

Die insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen schubweise auftretende Erkrankung wird auch als Knotenrose bezeichnet.
Die Erkrankung steht häufig in Zusammenhang mit einem Streptokokkeninfekt derErythem(a):nodosum oberen Luftwege, einer Darminfektion (v. a. Yersinien, Salmonellen, Shigellen), einer Tuberkulose, einer Sarkoidose oder einem Morbus Crohn. Aber auch verschiedene Medikamente kommen als Auslöser in Frage.
Im Verlauf kommt es durch den Hb-Abbau zu einer bläulich-grünlichen Verfärbung der Herde.

Lyell-Syndrom

Lyell-Syndrom (toxische epidermale Nekrose, TEN, Syndrom der verbrühten Haut): großflächige, blasige Abhebung der Epidermis mit schmerzhaften Erosionen, die an Verbrühungen erinnern; auch Befall der Schleimhäute.

Die lebensbedrohliche Erkrankung wird als allergisch-toxische Arzneimittelreaktion angesehen, die am häufigsten durch AntibiotikaLyell-Syndrom, Syndrom:Lyell-SyndromNekrose:toxisch epidermaleAntiepileptika, Schmerzmittel (NSAD), Barbiturate, Diuretika Syndrom:der verbrühten Hautverursacht wird und meist in Kombination mit einem Infekt auftritt. Sie wird mit Glukokortikoiden und intensivmedizinischen Maßnahmen behandelt.
Tritt das Lyell-Syndrom bei Säuglingen und Kleinkindern als Folge einer Staphylokokkeninfektion auf, spricht man auch von einem SSS-Syndrom (staphylococcal scalded skin syndrome). Dieses entwickelt sich oft im Anschluss an eine eitrige Konjuktivitis, Otitis oder Pharyngitis oder Nabelstumpf-Infektion. In der Regel ist eine intensivmedizinische Betreuung angezeigt, die Behandlung erfolgt mit SSS-SyndromAntibiotika und lokaltherapeutischen Maßnahmen wie bei ausgedehnten Verbrennungen.

Pemphigus vulgaris

Pemphigus vulgaris: seltene, schwere, autoimmun bedingte Erkrankung von Haut und Schleimhaut mit schmerzhaften, flächigen Erosionen und schlaffen Blasen.

Die Ursache des Pemphigus vulgaris ist letztlich unklar. In 50 % der Fälle beginnt die Erkrankung im Bereich der Schleimhäute. Die Erosionen heilen schlecht ab. Blasen treten v. a. im Gesicht, am Stamm, im Bereich Pemphigus vulgarisder Axilla und der Leiste auf. Die Blasen platzen rasch, und es entstehen Erosionen mit Krusten. Charakteristisch ist, dass die Schleimhaut auch ohne vorherige Blasenbildung durch Reiben abgehoben werden kann. Die Veränderungen heilen in der Regel folgenlos aus, gelegentlich bleibt eine Hyperpigmentierung zurück. Zudem kann Mundgeruch und vermehrter Speichelfluss bestehen.
Durch die Behandlung mit Glukokortikoiden konnte die Letalität von fast 100 % auf ca. 10 % gesenkt werden.

Neurofibromatose

Neurofibromatose (Morbus von Recklinghausen, Neurofibromatosis generalisata): Auftreten gutartiger Tumoren v. a. an den peripheren Nerven oder den Nervenwurzeln am ganzen Körper (Neurofibrome). Erblich bedingte Erkrankung, Häufigkeit ca. 1:3.000.

Zu den Leitsymptomen der Neurofibromatose gehören:
  • Multiple Neurofibrome, weiche, eindrückbare Knoten, die sich nach dem Herunterdrücken wieder aufwölben (Klingelknopf-Phänomen).

  • Café-au-Lait-Flecken, scharf Neurofibromatosebegrenzte, unregelmäßige, hellbraune (milchkaffeefarbene) Flecken. Diese ab Geburt oder in der Kindheit Neurofibrome, multipleentstehenden Pigmentflecken treten in 80 % der Fälle auf.

  • Lisch-Knötchen, pigmentierte, geschwulstähnliche Fehlbildungen der Iris (Café-au-Lait-Fleckenrundliche, bräunliche Knötchen) aufgrund einer fehlerhaften Gewebszusammensetzung.

  • Multiple Lentigines, (Einz. Lentigo = Linsen- oder Leberfleck) runde, bis linsengroße, dunkle, umschriebene Lisch-KnötchenHautflecken in Achseln und Leisten.

Bei gemeinsamem Auftreten von Neurofibromen, mindestens fünf Café-au-Lait-Flecken und kleinfleckiger Hyperpigmentierung der Achseln Lentigines, multiplegilt die Diagnose als nahezu sicher.
Außerdem treten Skelettanomalien, gutartige Tumoren der Hirnnerven (Akustikusneurinom 23.8.1), andere Tumoren des ZNS (Meningeome 23.8.1) und Tumoren v. a. des lymphatischen oder blutbildenden Systems gehäuft auf.
Eine kausale Therapie gibt es nicht. Behindernde oder wegen ihrer Lokalisation gefährliche Neurofibrome werden entfernt. Aufgrund des Entartungsrisikos zum Neurofibrosarkom – in 5 % der Fälle – sind regelmäßige Kontrollen unverzichtbar.

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