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B978-3-437-55244-1.00006-0

10.1016/B978-3-437-55244-1.00006-0

978-3-437-55244-1

Die häufigsten Injektionen sind die intrakutane, die subkutane, die intramuskuläre und die intravenöse Injektion. Vorteile der Verabreichung eines Medikaments als Injektion sind v. a. der rasche Wirkungseintritt, die genaue Dosierbarkeit und die Steuerbarkeit von Wirkungseintritt und -dauer.

[L190]

Spritzenabszess. Zu 80 % sind Spritzenabszesse auf eine unsachgemäße Injektion zurückzuführen und lassen sich vermeiden, wenn die Technik beherrscht wird und die Hygieneregeln beachtet werden. Gefährdet sind allerdings abwehrgeschwächte Patienten, z. B. bei Diabetes mellitus.

[E365]

Kunststoff-Einwegspritze nach Luer mit Beschriftung der Einzelteile.

[K183]

Tuberkulinspritze (links) und Insulinspritzen (Mitte und rechts) fassen 1 ml. Die Skala der Tuberkulinspritze ist in 1/100 ml aufgeteilt; ein Teilstrich entspricht 0,01 ml. Insulinspritzen haben ein Volumen von 1 oder 2 ml. Ihre Skala ist in Internationale Einheiten (IE bzw. IU = international units) eingeteilt, wobei 1 ml 40 IE entspricht. Sie werden auch mit integrierter Kanüle geliefert.

[K183]

Links 10-ml-Spritze mit exzentrischem Konus und Luer-Steckansatz, rechts 10-ml-Spritze mit zentralem Konus und Luer-Lock-Ansatz.

[K183]

Einmal-Injektionskanüle. Der Kanülenansatz ist transparent, damit ein etwaiger Bluteintritt bei Aspiration (6.4.2) schnell sichtbar wird.

[K183]

Sicherheitskanüle mit aktiv auslösbarem Schutzmechanismus. Nach der Blutentnahme Monovette aus der Safety-Kanüle lösen. Safety-Kanüle am Adapter fassen und (z. B. auf einer flachen Oberfläche) Nadel nach unten in den Kanülenschutz fühl-, und hörbar einrasten. Kanüle entsprechend den gültigen Vorschriften entsorgen.

[V153]

Die verschiedenen Einmalkanülen und ihre Verwendungszwecke (Gauge [G] = spezielles Eichmaß).

Verschiedene Ampullen.

[K183]

Öffnen einer Brechampulle. Mit dem Zeigefinger sterilisierten Tupfer hinter den Ampullenhals klemmen …

[K183]

… und Ampullenkopf mit dem Zeigefinger als Hebel abbrechen.

[K183]

Aufziehen aus der Glasampulle. Die Spitze der Aufziehkanüle sitzt auf dem Boden der Ampulle. Der Zeigefinger bietet ein Widerlager an der Spritzengriffplatte; Daumen und Mittelfinger ziehen den Spritzenkolben zurück.

[K183]

Stechampulle mit Aufziehkanüle durch Stopfen verschlossen wird nicht mehr empfohlen; Kanüle fachgerecht sofort entsorgen.

[K183]

Mehrfachentnahmekanüle mit Verschlusskappe

Überleitungskanüle mit aufgesteckten Stechampullen während des Überleitungsvorgangs.

[K183]

Gerichtetes Spritzentablett mit aufgezogener Spritze, leerer Ampulle des aufgezogenen Arzneimittels, Hautdesinfektionsmittel, Ersatz-Injektions-Kanüle, sterilisierten Tupfern und Kanülenabwurfgefäß.

[K115]

Die Kanüle wird mit dem Schliff nach oben angesetzt, flach in die Haut eingestochen und unter leichtem Anheben vorsichtig vorgeschoben. Nach Injektion von 0,05–0,1 ml bildet sich eine deutliche Quaddel, insgesamt werden ca. 0,1–0,3 ml injiziert.

[E501]

Injektionsorte der ersten und zweiten Wahl für subkutane Injektionen.

[A400–215]

Subkutane Injektion – mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte abheben …

[K183]

… im schrägen Winkel einstechen (ggf. aspirieren), umgreifen und dann injizieren.

[K183]

Die großen Nerven und Gefäße in der Gesäßregion und die Orientierungshilfen zum Auffinden der Injektionspunkte. Die Abbildung zeigt die hohe Verletzungsgefahr des N. ischiadicus bei nicht fachgerechter i. m.-Injektion in die Gesäßmuskulatur.

[L190]

Ertasten der knöchernen Anhaltspunkte und Drehung der Hand um ca. 2 cm (s. Text in Tab. 6.4).

[K115]

Ermittelte Injektionsstelle (hier rot gekennzeichnet).

[K115]

Auffinden der Injektionsstelle nach der Crista-Methode. Als Linkshänder steht man zur Injektion links hinter dem Patienten.

[L190]

Auffinden der Injektionsstelle nach der Crista-Methode. Als Rechtshänder steht man zur Injektion links vor dem Patienten.

[L190]

Die Patientin liegt mit leicht angewinkelten Beinen auf der Seite. Der Behandler steht vor ihr. Seine rechte Hand liegt so in der Flanke, dass der Zeigefinger am Darmbeinkamm anliegt.

[K115]

Die Einstichstelle befindet sich bei Erwachsenen und bei Kindern ab zwölf Jahren drei Querfinger unterhalb des Darmbeinkamms.

[K115]

Die Injektion erfolgt in Richtung Nabel.

[K115]

Injektionstechnik nach Lanz und Wachsmuth. Das Injektionsfeld liegt oberhalb der Verbindungslinie zwischen dem vorderen oberen und dem hinteren oberen Darmbeinstachel.

[L190]

Injektionsstelle bei der intramuskulären Injektion in den Oberschenkel nach von Hochstetter.

[K183]

Lange und normale Kanüle der Größe 1 zur i. m.-Injektion bei adipösen und normalgewichtigen Patienten.

[K183]

Nachdem Sie den Stauschlauch angelegt haben, wählen Sie eine Vene aus. Tasten Sie den Arm dazu auch ab, denn manchmal sind die sichtbaren Venen nicht unbedingt am besten geeignet. Desinfizieren Sie die Einstichstelle sorgfältig. Mit der freien Hand spannen Sie die Haut und stechen die Kanüle dann leicht schräg ein.

[B220]

Prüfen Sie durch Aspiration, ob die Kanüle in der Vene liegt. Das Blut soll sich ohne Kraftanstrengung ansaugen lassen.

[B220]

Öffnen Sie nun den Stauschlauch und injizieren Sie langsam den Inhalt der Spritze.

[B220]

Für einen Patienten, der eine Infusion bekommt, ist es angenehm, wenn er sich an einem bequemen, ruhigen Platz aufhalten kann. Der Infusionsständer sollte Rollen haben, damit sich der Patient frei bewegen kann, wenn er möchte (z. B. auf die Toilette gehen). Venenverweilkanüle und Infusionsschlauch können z. B. mit einem Pflaster und einer Mullbinde fixiert werden, damit sich die Kanüle nicht lockert.

[J787]

InfusionsbesteckInfusionsbesteck.

[K183]

IN-Stopfen, Kombiverschlussstopfen und Braunülen®-Mandrin.

[K183]

Set für das Legen eines periphervenösen Zugangs zur Infusion. Man sollte sich immer Venenverweilkanülen in verschiedenen Größen bereitlegen, da man erst eine Kanüle auswählen kann, wenn man – nach dem Stauen – entschieden hat, welche Vene man punktiert.

[K115]

Größe und Durchflussrate verschiedener Venenverweilkanülen (die Durchflussrate gilt für NaCl 0,9 %). Bei Notfällen mit hohem Infusionsbedarf wird die größtmögliche Kanüle gewählt. Größenbezeichnung und Farbkodierung gemäß ISO-Standard (International Standards Organization).

[A400]

Vasofix® Braunüle®, zerlegt in ihre Einzelteile. Über die Öffnung oben kann auch während einer Infusion eine Injektion verabreicht werden.

[K183]

Vasofix® Braunüle® in zusammengesetztem Zustand.

[K183]

Die zuvor ausgewählte Kanüle im Winkel von 30–40° leicht lateral der Vene in die Haut einführen.

[K115]

Nach zufriedenstellender Einbettung in die Vene Hohlnadel mit einer Hand fixieren, die andere Hand schiebt die Kunstoffkanüle mit sanftem Druck herzwärts.

[K115]

Stauung öffnen, Hohlnadel zurückziehen (bei Sicherheitskanülen ist hierbei ein leichter Widerstand zu spüren). Die korrekte Lage wird durch die Blutfüllung im Luer-Lock-Einsatz nochmals gesichert. Vene va. 1 cm proximal der Punktionsstelle komprimieren, Hohlnadel entfernen und im Spritzenabwurfbehälter entsorgen. Zugang entweder mit entlüftetem Infusionssystem verbinden, mit NaCl 0,9-prozentig spülen oder mit einer Verschlusskappe verschließen.

[K115]

Venenverweilkanüle mit einem vorgesehenen Pflaster fixieren.

[K115]

Benötigte Materialien zur Blutentnahme aus Kapillaren (hier Blutzuckerbestimmung mit Teststreifen). Salben, die die Durchblutung lokal steigern, können die Abnahme erleichtern. Fingerbeere oder Ohrläppchen dürfen nicht gequetscht werden, da sich dadurch die Werte verändern!

[K330]

Der spezielle Sperrmechanismus dieser Stechhilfe verhindert die mehrmalige Benützung von Lanzette und Andruckplatte. So ist gewährleistet, dass wirklich alle kontaminierten Teile gewechselt und entsorgt werden.

[E366]

Die Lanzette wird zügig eingestochen.

[K115]

Der erste Blutstropfen wird abgewischt.

[K115]

Der nächste Tropfen saugt sich durch Adhäsionskräfte in die Glaskapillare.

[K115]

Bei der direkten Venenpunktion (a) droht die Vene wegzugleiten, oder sie wird versehentlich durchstochen. Daher bevorzugen viele die indirekte Venenpunktion (b). Es wird neben der Vene in die Haut eingestochen und erst dann die Vene punktiert. Wegen der Verwechslungsgefahr mit einer Arterie wählt man im Zweifelsfall ein Gefäß der radialen (daumennahen) Seite.

[K183]

Korrekt gerichtete Materialien für die venöse Blutentnahme.

[M161]

Spezielles System zum Aderlass mit je einer großlumigen Kanüle zur Venenpunktion und zur Überleitung in spezielle Auffangflaschen, die mit einem Gummipfropfen verschlossen sind. In diesen Flaschen herrscht ein Unterdruck, wodurch mehr Blut abfließen kann.

[J787]

(von links nach rechts). Durchführung der venösen Blutentnahme. Staubinde anlegen und durch Einlegen eines Fingers das Einklemmen von Haut vermeiden. Arm auf einem Polster lagern und Vene auswählen. Punktionsstelle desinfizieren. Vene punktieren (Punktionstechnik 6.4.4). Nach Umgreifen (dabei Kanüle nicht bewegen!) Blut entnehmen. Tupfer auf die Punktionsstelle legen, jedoch erst aufdrücken, wenn die Kanüle entfernt ist. Patienten noch 2–3 Min. Tupfer auf die Punktionsstelle pressen lassen.

[K183]

Verschiedene Injektionsarten.

Tab. 6.1
Injektionsart Injektion in Gewebe/Struktur Ausführung für HP
intrakutan (i. c.) Lederhaut (Dermis, Corium) unter der Oberhaut (Epidermis) = äußerste Hautschicht gelegen prüfungs- und praxisrelevant
subkutan (s. c.) Unterhaut (Subkutis) = Schicht unterhalb von Epidermis und Lederhaut prüfungs- und praxisrelevant
intramuskulär (i. m.) Muskel prüfungs- und praxisrelevant
intravenös (i. v.) Vene prüfungs- und praxisrelevant
intraarteriell (i. a.) Arterie bei Zusatzausbildung (Sorgfaltspflicht)
intraartikulär Gelenk bei Zusatzausbildung und OP-Hygiene(Sorgfaltspflicht)
intrakardial Herz nur durch Ärzte (Sorgfaltspflicht)
intrathekal Liquorraum nur durch Ärzte (Sorgfaltspflicht)
intratracheal Luftröhre nur durch Ärzte (Sorgfaltspflicht)

Schutzmaßnahmen in den verschiedenen Risikogruppen

Tab. 6.2
Risikogruppe Punktionsart Tupferart Abdeckung Zusätzliche Schutzkleidung
Durchführende Person Assistenz
RG 1
einfacher Punktionsablauf und geringes Risiko einer punktionsassoziierten Infektion
i. c.-Injektion keimarm nicht erforderlich nein keine Assistenz erforderlich
s. c.-Injektion keimarm nicht erforderlich nein
Blutentnahme mit Lanzette keimarm nicht erforderlich keimarme Handschuhe
Blutentnahme keimarm nicht erforderlich keimarme Handschuhe
i. v.-Injektion (peripher) keimarm nicht erforderlich keimarme Handschuhe
i. m.-Injektion keimarm nicht erforderlich nein
RG 2
einfacher Punktionsablauf und geringe Infektionsgefahr, doch dokumentierte schwerwiegende Infektionsfolgen beim (seltenen) Eintritt einer Infektion; zwischenzeitliche Ablage von sterilem Punktionszubehör nicht notwendig
s. c.-Punktion mit nachfolgender Dauerapplikation sterile nicht erforderlich keimarme Handschuhe keine Assistenz erforderlich
i. m.-Injektion (Risikopatient), Injektion von Kortikoiden oder gewebstoxischen Substanzen sterile nicht erforderlich keimarme Handschuhe
RG 3
Punktion von Organen oder Hohlräumen
oder
komplexer Ablauf der Punktion mit zwischenzeitlicher Ablage von sterilem Punktionszubehör
Gelenkpunktion (diagnostisch bzw. mit Einzelinjektion sterile steriles Abdeck- oder Lochtuch sterile HandschuheMund-Nasen-Schutz bei Punktion mit Spritzenwechsel Mund-Nasen-Schutz bei Punktion mit Spritzenwechsel

Mögliche Komplikationen und Maßnahmen bei Injektionen.SpritzenabszessInjektion:UnverträglichkeitsreaktionenInjektion:allergische Reaktionen

Tab. 6.3
Komplikation/Ursache/Symptome Maßnahmen
Schmerzen
durch Medikament bedingt, meist jedoch infolge fehlerhafter Injektionstechnik, z. B.:
  • Wahl eines für diese Injektionsart nicht zugelassenen Medikaments

  • zu zaghaftes Einstechen der Kanüle

  • unruhige Führung der Kanüle

  • zu schnelles injizieren

  • versehentliche paravenöse Injektion (bei i. v.) oder intraarterielle Injektion (bei i. m. oder i. v.)

  • evtl. Wahl einer zu kurzen Kanüle bei adipösen Patienten (s. c. statt i. m.) bzw. einer zu langen Kanüle bei sehr schlanken Patienten (i. m. statt s. c.)

  • Ursache abklären und beheben

  • ggf. Injektion sofort abbrechen

  • Injektionstechnik verbessern

  • bei versehentlicher paravenöser oder intraarterieller Injektion Kanüle liegenlassen, langsam 2–5 ml physiologische Kochsalzlösung zur „Verdünnung“ injizieren, bei drohendem Gewebeschaden Überweisung zum Arzt oder Klinikeinweisung

Hämatome
infolge des Durchstechens einer Gefäßwand („blauer Fleck“)
  • Druckverband anlegen

  • Arm hoch lagern

  • Kühlen mit Eisbeutel oder Vereisungsspray (Chlorethylspray)

  • heparinhaltige Salbe oder Arnikasalbe auftragen (Vorsicht bei bekannter Allergie auf Korbblütler 22.6.2)

Synkope (11.5.2)
mitunter als psychische Reaktion; Achtung: Dies geschieht häufiger bei Männern als bei Frauen! Vorgehen 10.4.3
Allergische Reaktionen
können nach jeder Medikamentengabe auftreten, sie sind bei parenteraler Applikation jedoch ausgeprägter und setzen schneller, oft ohne jegliche Vorboten, ein
mögliche Symptome:
  • Hitzewallungen, Übelkeit, Unruhe, Angstgefühl, Hautrötung, Juckreiz, Hautausschlag

  • Atemnot und Kreislaufstörungen

  • Glottisödem (30.10)

  • anaphylaktischer Schock (22.6.2)

  • vorbeugende Maßnahmen:

    • nach Allergiepass, bekannten Allergien und früheren allergischen Reaktionen auf Medikament oder Wirkstoff fragen

    • vor erster Applikation eines potenziell allergieauslösenden Medikaments (z. B. Procain), Probeinjektion durchführen (22.6.2); Probeinjektion vor jeder neuen Applikation durchführen

  • bei allergischer Reaktion: Medikament absetzen, Vermerk in Karteikarte, ggf. nicht verschreibungspflichtiges antiallergisches Medikament (z. B. Tavegil®) verordnen. Patient ist zu überwachen

  • bei anaphylaktischer Reaktion: Vorgehen entsprechend den Stadien des anaphylaktischen Schocks (22.6.2)

Unverträglichkeitsreaktionen
  • überstarke Wirkung des Medikaments

  • Überdosis des Medikaments

  • bei Leber- oder Nierenschwäche, wenn Medikament nicht abgebaut oder ausgeschieden werden kann

  • evtl. bei Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Symptome sind sehr unterschiedlich, z. B.:
  • Übelkeit, Hitzegefühl, Kopfschmerzen

  • Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck

  • Lungenödem, Herzversagen

  • vorbeugende Maßnahmen:

    • Angaben des Beipackzettels und der Fachinformationen beachten (z. B. Dosierung, Wechselwirkungen, Kontraindikationen)

    • auf Leber- und Nierenschwäche achten

  • bei Unverträglichkeitsreaktion: je nach Zustand des Patienten Überweisung zum Arzt oder Notarzt rufen und Maßnahmen der Notfalltherapie einleiten (30.7)

Nervenschädigungen
v. a. infolge einer falsch durchgeführten i. m.-Injektion
Symptome: akute, elektrisierende Schmerzen oder Lähmungen (Spritzenlähmung 6.4.3)
  • sofortiger Abbruch der Injektion

  • neurologische Untersuchung durch einen Arzt; je nach Schwere wird eine konservative oder operative Therapie durchgeführt werden

Gewebeschädigung
infolge mancher Medikamente, die Gefäße und das Gewebe reizen
  • wenn Medikament statt intravenös versehentlich paravenös oder intraarteriell injiziert wird

  • wenn Medikament bei einer intramuskulären Injektion in eine Arterie gelangt, weil z. B. nicht aspiriert (6.4.2) wurde

Symptome: (heftigste) Schmerzen, bei versehentlicher i. a.-Injektion wird Extremität außerdem blass, kalt und zyanotisch
Folgen: In beiden Fällen kann es durch einen reflektorischen Gefäßspasmus zum Gefäßverschluss oder zur Gewebsnekrose kommen
  • je nach Art des Medikaments, Applikationsort und Heftigkeit der Symptome

  • Überweisung zum Arzt oder sofortige Klinikeinweisung

Spritzenabszess
durch Keimeinschleppung nicht nur bei Missachtung der Hygienevorschriften (meist Staphylokokken Abb. 6.2); lebensbedrohende Folgen sind möglich, z. B. Sepsis (25.4.3)
  • vorbeugende Maßnahme: strikte Befolgung der Hygienevorschriften

  • bei V. a. Spritzenabszess: Überweisung zum Arzt

Infektionskrankheiten
v. a. Hepatitis (25.13) und Aids (25.19.1), durch Missachtung der Hygienevorschriften vorbeugende Maßnahme: strikte Befolgung der Hygienevorschriften

Schritt-für-Schritt-Vorgehen bei der ventroglutealen Injektion nach von Hochstetter. Zuvor ist auf eine sorgfältige Desinfektion zu achten.

Tab. 6.4
Patient liegt auf der linken Seite Patient liegt auf der rechten Seite
Der Patient liegt entspannt auf der Seite und zieht die Knie leicht an (wenn ein Patient nicht auf der Seite liegen kann oder darf, ist die ventrogluteale Injektion auch in Rückenlage möglich). Man steht hinter dem Patienten.
Beim Rechtshänder ertastet der Zeigefinger der linken Hand, beim Linkshänder der Mittelfinger der rechten Hand den vorderen oberen Darmbeinstachel und bleibt dort liegen. Beim Rechtshänder ertastet der Mittelfinger der linken Hand, beim Linkshänder der Zeigefinger der rechten Hand den vorderen oberen Darmbeinstachel und bleibt dort liegen.
Beim Rechtshänder gleitet der Mittelfinger der linken Hand, beim Linkshänder der Zeigefinger der rechten Hand etwa 7 cm (abhängig von den Körpermaßen) entlang des Darmbeinkamms. Beim Rechtshänder gleitet der Zeigefinger der linken Hand, beim Linkshänder der Mittelfinger der rechten Hand etwa 7 cm (abhängig von den Körpermaßen) entlang des Darmbeinkamms (Abb. 6.21).
Die Hand wird so gedreht, dass der eine Finger auf dem vorderen oberen Darmbeinstachel bleibt und der andere vom höchsten Punkt des Darmbeinkamms in einer leichten Drehung um ca. 2 cm nach unten rutscht, sodass der Handteller auf dem großen Rollhügel liegt (Abb. 6.22). Das Maß von „ca. 2 cm“ variiert je nach Größe des Patienten und Fingerlänge des Behandlers!
Die Spitze des Dreiecks zwischen Zeige- und Mittelfinger ist der Injektionsort (Abb. 6.21). Man desinfiziert die Haut in diesem Dreieck und führt dann die Injektion durch. Will man vorher die Hand vom Injektionsort wegnehmen, kann man die exakte Stelle mit dem Daumennagel, der Kanülenschutzkappe oder durch Tupferreibung markieren; die Haut rötet sich dort.
Der Einstich erfolgt senkrecht zur Hautoberfläche.

Injektion, Infusion und Blutentnahme

  • 6.1

    Rechtliche Grundlagen223

  • 6.2

    Regeln für Injektion, Infusion und Punktion224

  • 6.3

    Injektionen224

    • 6.3.1

      Vorteile und Komplikationen224

    • 6.3.2

      Vorbereitung einer Injektion227

  • 6.4

    Injektionstechniken231

    • 6.4.1

      Intrakutane Injektion231

    • 6.4.2

      Subkutane Injektion231

    • 6.4.3

      Intramuskuläre Injektion232

    • 6.4.4

      Intravenöse Injektion236

  • 6.5

    Infusionen238

    • 6.5.1

      Grundlagen238

    • 6.5.2

      Vorbereiten einer Infusion240

    • 6.5.3

      Subkutane Infusionen241

    • 6.5.4

      Periphervenöse Infusion und periphervenöser Zugang241

  • 6.6

    Blutentnahmen243

    • 6.6.1

      Entnahme von Kapillarblut243

    • 6.6.2

      Intravenöse Punktion und Blutentnahme244

Rechtliche Grundlagen

Punktion Injektion Infusionen Blutentnahme

Punktion: Einstich einer Hohlnadel in Blutgefäße, physiologische oder pathologische Körperhohlräume, Hohlorgane, parenchymatöse Organe (z. B. Leber, Niere) oder in Tumoren. Punktionen dienen zur Entnahme von Flüssigkeit (z. B. Blutentnahme), als diagnostische Probepunktion oder therapeutisch zur Entlastung. Gewebepunktionen zur Probenentnahme werden als Biopsie bezeichnet. Über eine Punktion können auch Medikamente appliziert werden (Injektion, Infusion).

Injektion: Applikation einer sterilen Flüssigkeit mit einer Kanüle (Hohlnadel) und einer Spritze (z. B. Medikament, Eigenblut). Das Volumen einer Injektion beträgt 0,1–20 ml.

Infusion: Über dauerhaft (Venenverweilkanüle) oder vorübergehend (z. B. Butterfly) liegende Injektionskanülen werden langsam, meist tropfenweise, größere Mengen (arzneimittelhaltiger) Flüssigkeit in den Körper eingebracht.

Blutentnahme: Blutentnahme aus Kapillaren oder Venen mit Hämostiletten (Einmallanzette) oder über eine Hohlnadel.

In rechtlicher Hinsicht sind die Regelwerke der Richtlinie für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert Koch-Instituts (RKI-Richtlinie) sowie die TRBA (Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe) Grundlage einer rechtssicheren Ausführung invasiver Maßnahmen. Dies gilt besonders für eine risikoreiche Injektionsart (z. B. i. m.-Injektion). Punktion, Injektion, Infusion und Blutentnahme können diagnostische und therapeutische Zwecke haben.

Merke

Jede Punktion, Injektion und Infusion stellt einen Eingriff dar, der juristisch einer Beeinträchtigung der körperlichen Unversehrtheit (Körperverletzung) gleichkommt, wenn der Patient nicht sein Einverständnis gegeben hat (§ 223 ff. und § 226a StGB).

Die Einwilligung muss Injektion:Einwilligungnicht Infusionen:Einwilligungunbedingt Punktion:Einwilligungschriftlich vorliegen, obwohl dies aus Beweisgründen vorteilhaft sein kann. Die Einwilligung ist nur dann rechtswirksam, wenn der Patient über den Zweck und die eventuellen Risiken aufgeklärt wurde. Der Patient darf auch auf diese Aufklärung verzichten. Auch Kinder unter sieben Jahren können ihre Einwilligung geben oder verweigern. Ist jedoch davon auszugehen, dass ihnen die nötige Einsicht noch fehlt, sind die gesetzlichen Vertreter zu befragen.
Eine Einwilligung ist nicht erforderlich, wenn der Patient sie nicht abgeben kann (z. B. wegen Bewusstlosigkeit), die Behandlung (z. B. eine lebensrettende Infusion nach einem Unfall) aber in seinem Interesse erfolgt und seinem mutmaßlichen Willen entspricht. Man nennt das „Geschäftsführung ohne Auftrag“ (§ 677 BGB). Dies hat wichtige Konsequenzen: Sollten bei einer derartigen Maßnahme, z. B. während der „Ersten Hilfe“, Schäden entstehen, haftet man nur, wenn Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann (§ 680 BGB).
Der Heilpraktiker darf im Prinzip alle Injektions- und Punktionsarten durchführen. Die Sorgfaltspflicht (2.3.4) gebietet jedoch, dass er ausschließlich Injektions- und Punktionstechniken anwendet, zu denen er befähigt ist. Er muss die möglichen Komplikationen von Injektionen und Punktionen kennen und wissen, wie man sie verhindert. Das Risiko des Eingriffs muss im Verhältnis zum Nutzen gering sein. Sollte es zu einer Komplikation (6.3.1) kommen, muss der Heilpraktiker fachlich und rechtlich in der Lage sein, sie zu behandeln. Ist dies nicht gewährleistet, muss er darauf verzichten, eine bestimmte Injektions- oder Punktionstechnik anzuwenden.
In der Patientenkartei werden jeweils sowohl die erfolgte Aufklärung und Einwilligung als auch die Durchführung der Injektion (Medikament, Injektionsort) dokumentiert. Dies kann z. B. auch durch ein Kürzel oder Symbol geschehen.

Regeln für Injektion, Infusion und Punktion

Hygiene und Sicherheit
  • Punktion:RegelnInjektion:RegelnInfusionen:RegelnBeachten Sie unbedingt die Hygienevorschriften (5.4). Erforderliche Maßnahmen sind im praxisbezogenen Hygieneplan festzulegen. Sie orientieren sich an den Risikogruppen, die vom RKI für die verschiedenen Punktionsarten festgelegt wurden (Tab. 6.2).

  • Achten Sie darauf, bei der Injektion anfallenden Müll ordnungsgemäß zu entsorgen (5.4.10). Dies gilt v. a. für die gebrauchten Kanülen, um Verletzungen und Infektionen zu vermeiden. Zur Vermeidung von Stich- und Schnittverletzungen müssen sichere Arbeitsgeräte (Sicherheitskanülen 6.3.2) eingesetzt werden, insbesondere für Blutentnahmen sowie Punktionen zur Entnahme anderer Körperflüssigkeiten (TRBA 250 5.4).

  • Der Patient sollte bei Injektionen und Blutentnahmen grundsätzlich sitzen oder liegen. Die Gefahr ist zu groß, dass er kollabiert und sich dabei verletzt. Außerdem kann es zu unkorrekten Injektionen kommen, wenn der Patient unruhig steht, bei der Injektion zusammenzuckt oder gar schwankt.

Fürsorge
  • Bereiten Sie Ihren Patienten darauf vor, wenn die Injektion schmerzhaft sein wird. Dies gilt ganz besonders für Kinder. Doch auch viele Erwachsene haben Angst vor Injektionen. Schaffen Sie eine gute Vertrauensbasis, indem Sie diese Angst ernst nehmen.

  • Leidet der Patient unter extrem großer „Spritzenangst“, sollten Sie nach Alternativen suchen und diese möglichst einsetzen.

  • Sorgen Sie für eine ruhige, entspannte und geschützte Atmosphäre. Dazu gehört auch, dass keine andere Person (z. B. Assistent) den Raum betritt, wenn der Patient teilweise entkleidet ist.

  • Fürchten Sie sich nicht vor dem evtl. Schmerz Ihres Patienten! Er wird weniger oder gar keinen Schmerz spüren, wenn Sie gelassen und sicher sind.

Körperhaltung und Technik
  • Setzen Sie sich möglichst hin. Dadurch vermeiden Sie leichte Körperschwankungen, die zu einer unkorrekten Injektion führen können. Gleichzeitig schonen Sie dadurch Ihren Rücken. Wenn Sie sitzen, vermitteln Sie außerdem mehr Ruhe.

  • Halten Sie mit mindestens einer Hand Körperkontakt zum Patienten. Sie können die Spritze ruhiger führen, wenn Sie Ihre Hand leicht auf ihm abstützen. Durch die Berührung vermitteln Sie Ihrem Patienten zudem ein Gefühl von Sicherheit.

  • Der Einstich erfolgt zügig; das Einspritzen, also die eigentliche Injektion, wird jedoch langsam durchgeführt. Beides ist so weniger schmerzhaft.

  • Fragen Sie während der Injektion nach Schmerzen oder Empfindungsstörungen. Diese können ein Hinweis auf eine unkorrekte Lage der Kanüle oder eine allergische Reaktion sein.

Tipp

Sie erleichtern Ihrem Patienten die Injektion oder Punktion, wenn Sie ihn ablenken. Unterhalten Sie sich mit ihm oder – noch besser – lassen Sie ihn erzählen. Sie können Ihren Patienten auch auffordern einzuatmen. In dieser Phase sollte der Einstich erfolgen. Da fast alle Menschen unwillkürlich tief einatmen, wenn sie einen Schmerz verspüren, wird der Atemrhythmus nicht gestört; Ihr Patient bleibt trotz des (geringen) Schmerzes beim Einstich entspannt.

Injektionen

Vorteile und Komplikationen

Injektion: Einspritzen von sterilen Arzneimitteln in den Körper mit einer Spritze und einer Hohlnadel. Im Gegensatz zur Infusion (6.5) wird das Arzneimittel innerhalb von Sekunden bis zu wenigen Minuten verabreicht.

Die Injektionverschiedenen Injektionsarten werden nach dem jeweiligen Gewebe oder nach der anatomischen Struktur benannt, in die injiziert wird (Tab. 6.1).
Ob Sie als Heilpraktiker in Ihrer Praxis Injektionen durchführen werden oder nicht, hängt davon ab, für welche Therapieverfahren Sie sich entscheiden. Laut Prüfungsordnung aller Bundesländer kann in der amtsärztlichen Überprüfung unabhängig davon der Nachweis verlangt werden, dass Sie die folgenden vier praxisrelevanten Injektionstechniken beherrschen (Abb. 6.1):
  • intrakutane Injektion

  • subkutane Injektion

  • intramuskuläre Injektion

  • intravenöse Injektion

Risikoreiche Techniken dürfen aufgrund der Sorgfaltspflicht nur angewendet werden, wenn die erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten in einer entsprechenden Ausbildung erworben wurden und bei sorgfältiger Abwägung aller Risiken der Nutzen überwiegt. Außerdem müssen alle hygienischen Voraussetzungen erfüllt sein. Injektionen werden in verschiedene Risikogruppen eingeteilt,Injektion:Risikogruppen denen folgende Schutzmaßnahmen zugeordnet werden (Tab. 6.2). Diese gilt es unbedingt einzuhalten.
Vorteile von Injektionen
Folgende Injektion:VorteileGründe sprechen für eine Injektionstherapie:
  • Schneller Wirkungseintritt: Ein injiziertes Medikament wirkt schneller als ein oral verabreichtes, weil der Verdauungstrakt umgangen wird (parenteraleMedikamente:parenterale Verabreichung Verabreichung). Bei der i. v.- und i. a.-Injektion tritt die Wirkung schon nach Sek. ein, bei der i. m.-Injektion innerhalb von 10–15 Min. (bei öligen Injektionslösungen verzögert) und bei s. c.-Injektionen innerhalb von 20–30 Min.

  • Kein Wirkstoffverlust: Bei der parenteralen Verabreichung können Medikamente gegeben werden, die sonst aufgrund von Resorptionsstörungen nicht aufgenommen werden können (z. B. Vitamin B12 bei perniziöser Anämie 20.5.2) oder die durch Verdauungsenzyme inaktiviert werden. Somit wird ein Wirkstoffverlust vermieden.

  • Lokale Wirkung: Beispielsweise können mit der intrakutanen Injektion Medikamente direkt an den Ort des Geschehens gebracht werden.

  • Exakte Dosierbarkeit: Während z. B. bei Tabletten oder Dragees ein Zerteilen schwer oder gar nicht möglich ist, kann von einer Injektionslösung jede beliebige Menge exakt dosiert werden.

  • Steuerung des Wirkungseintritts und der Wirkungsdauer: Durch die Auswahl von Injektionsart und Injektionslösung (bis hin zum Einsatz sog. Depotpräparate) können Wirkungsbeginn und -dauer beeinflusst werden.

  • Gute Verträglichkeit: Weil der Verdauungstrakt umgangen wird, können Medikamente verabreicht werden, die die Schleimhaut des Verdauungskanals reizen und somit zu Magen-Darm-Beschwerden führen könnten. Sind die Beschwerden (z. B. Übelkeit) allerdings Folge der systemischen Wirkung des Medikaments, können sie auch durch eine parenterale Gabe des Medikaments nicht verhindert werden.

  • Einsatzmöglichkeit in der Notfalltherapie: Wegen der Aspirationsgefahr (12.2.4) darf einem bewusstlosen oder bewusstseinsgetrübten Patienten keinesfalls ein Medikament oral gegeben werden. In der Notfalltherapie werden Medikamente fast ausschließlich parenteral verabreicht.

  • Unabhängigkeit von den Möglichkeiten des Patienten: Patienten, die ihre Medikamente unzuverlässig einnehmen, bekommen auf diese Weise die erforderliche Dosis zum gewünschten Zeitpunkt. Die Medikamentengabe ist möglich bei bewusstlosen Patienten, Patienten mit Schluckstörungen oder verwirrten, desorientierten Patienten.

  • Psychologische Wirkung: Einige Patienten vertrauen der Wirkung einer „Spritze“ mehr als der einer Tabletteneinnahme. Man kann hier durchaus von einem „psychologischen Therapieverstärker“ sprechen.

Komplikationen bei Injektionen

Achtung

Komplikationen (Tab. 6.3) können entstehen, wenn

  • unsachgemäß injiziert wird,

  • bei der Wahl des Medikaments Kontraindikationen und Wechselwirkungen nicht berücksichtigt werden,

  • eine falsche Dosis gewählt wird,

  • der Patient das Medikament nicht verträgt, z. B. aufgrund einer Allergie oder einer Organinsuffizienz.

Grundregeln zur Vermeidung von Komplikationen
Injektion:Komplikationen
  • Überprüfen Sie Ihre Kenntnisse und Fähigkeiten. Wenden Sie nur Injektionstechniken an, die Sie genau beherrschen, und injizieren Sie nur Mittel, deren Wirkungen, Nebenwirkungen und Gefahren Sie sehr gut kennen. Rufen Sie sich Letztere vor jeder Injektion ins Gedächtnis, und überprüfen Sie, ob Sie in der Lage sind und auch alle Mittel zur Verfügung haben, um tatsächlich eintretende Gefahrensituationen zu beherrschen.

  • Informieren Sie sich über das Medikament. Lesen Sie gründlich den Beipackzettel und die Fachinformation. Hier stehen wichtige Hinweise über die Anwendung, Nebenwirkungen, Kontraindikationen, Wechselwirkungen, möglichen Reaktionen und Besonderheiten bei der Verabreichung. Notieren Sie sich wichtige Hinweise zu dem Medikament (z. B. Kontraindikationen oder Gegenmittel) gut sichtbar auf der Verpackung.

  • Informieren Sie sich über Ihren Patienten. Fragen Sie bei der Anamnese, welche Medikamente der Patient einnimmt und ob Allergien oder Medikamentenunverträglichkeit bestehen. Wenn der Patient einen Allergiepass besitzt, sehen Sie nach, auf welche Stoffe er allergisch reagiert.

  • Informieren Sie Ihren Patienten. Klären Sie ihn über die geplante Injektionsart auf sowie über mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen. Bitten Sie um seine Einwilligung. Machen Sie ihn auf mögliche „normale“ Begleiterscheinungen aufmerksam, wie z. B. Wärmegefühl, ungewöhnliche Geschmacksempfindung, Brennen an der Injektionsstelle. Dokumentieren Sie, dass die Aufklärung erfolgte.

Achtung

Die wichtigste Kontraindikation einer Injektion stellt die Tatsache dar, dass das Medikament bei gleicher Wirksamkeit auch auf andere (risikolosere) Weise verabreicht werden kann.

Vorbereitung einer Injektion

Injektionsspritzen
Es gibt InjektionsspritzenInjektionsspritzen zum einmaligen und zum mehrmaligen Gebrauch. Heute überwiegen steril verpackte Einmalspritzen aus Kunststoff mit Injektionsspritzen:Einmalspritzeneinem Volumen von 1, 2, 5, 10 und 20 ml. Die Standardspritze besteht aus zwei Teilen, dem Kolben und dem Zylinder (Abb. 6.3). Die Insulinspritze ist Insulinspritzeals 1-ml-Spritze für 40 IE (Internationale Einheiten) Insulin mit und ohne integrierte Kanüle und als 2-ml-Spritze für 80 IE erhältlich.
Die Skala der Tuberkulinspritze zu Tuberkulinspritze1 ml ist in 0,01 ml unterteilt. Durch die Spezialgraduierung kann die Injektionslösung exakt dosiert werden (Abb. 6.4). Zwar werden in der Heilpraktikerpraxis keine Insulininjektionen oder Tuberkulintests (25.18.9) durchgeführt, doch wegen der feinen Maßeinteilung und der praktischen Handhabung zweckentfremden manche Heilpraktiker diese Spritzen für spezielle Injektionen.
Spritzen zum mehrmaligen Gebrauch gehören zu den Injektionsspritzen:mehrmaliger Gebrauchkritischen Medizinprodukten, für die mangels dokumentierter, validierter Verfahren eine Aufbereitung nicht zu vertreten ist. Eine erneute Anwendung für sterile Zwecke verbietet sich damit.
Beim Konus gibt es unterschiedliche KonusAusführungen (Abb. 6.5). Am gebräuchlichsten sind folgende:
  • Luer-Steckansatz mit großer Auflagefläche,Luer-Steckansatz sodass die Kanüle nach dem Aufstecken gut sitzt

  • Luer-Lockansatz, der aufgeschraubt wird

Luer-LockansatzBei Kanülen ab 5 ml kann der Steckansatz auch exzentrisch sitzen.
Injektionskanülen
Zur Injektion werden in Injektionskanülender Heilpraktikerpraxis Einwegkanülen in genormten Größen verwendet (Abb. 6.6). Sterile, einzeln verpackte Einmalkanülen sind mit unterschiedlichem Durchmesser und verschiedener Länge erhältlich und können aufgrund ihrer Farbmarkierung leicht auseinandergehalten werden (Abb. 6.8).
Verwenden Sie nur sichere Injektionskanülen (Sicherheitskanülen auch 5.4.1). Eine Sicherheitskanüle hat – je nach System – z. B. ein integriertes Kanülenschutzschild. Dieses wird nach der Punktion mittels Fingerdruck irreversibel über die Kanüle gelegt und rastet mit hörbarem Klick ein (Abb. 6.7).
Vorbereitung der Materialien
Die Grundvoraussetzung sind hygienische Arbeitsbedingungen. Spritzentablett und Hände werden desinfiziert. Anschließend werden alle Materialien so vorbereitet, dass das Medikament ohne Unterbrechung aufgezogen und so die Kontaminationsgefahr verringert werden kann.
  • Spritzentablett, alternativ Nierenschale

  • Medikament

  • sterilisierte Tupfer (5.4.4)

  • ggf. Ampullensäge

  • Haut- und Händedesinfektionsmittel

  • Aufziehkanüle oder Belüftungskanüle mit Bakterienfilter für Stechampulle

  • Injektionskanüle, Spritze

  • Pflaster

  • Abwurfgefäß für Glas und Kanülen

  • Abwurfgefäß für sonstigen Abfall (Papier, Tupfer, Spritzen)

  • unsterile Handschuhe

Erforderlich sind folgende Kontrollen:
  • Ist das Verfalldatum des Medikaments noch nicht überschritten?

  • Wurde das Medikament korrekt gelagert, z. B. im Kühlschrank?

  • Ist die Ampulle unbeschädigt, und liegt das erste Anstechen einer Stechampulle weniger als die vom Hersteller angegebene Haltbarkeitsdauer zurück?

  • Ist das Medikament in Farbe und Konsistenz unverändert?

  • Einmalspritzen nicht durch das Verpackungsmaterial durchdrücken, sondern Papier und Plastik an der vorgesehenen Stelle am Spritzenstempel auseinanderziehen. Ansonsten wird die Spritze – besonders beim Durchdrücken des Konus – unsteril.

Aufziehen des Medikaments
Injektionslösungen Injektionsspritzen:Aufziehen des Medikamentswerden in unterschiedliche Ampullen abgefüllt (Abb. 6.9). Das Aufziehen hängt von der Art der Ampulle ab.
Aufziehen aus der Glasampulle
  • Befördern Sie die GlasampullenInjektionslösung ggf. aus dem Ampullenkopf in die Ampulle zurück, beispielsweise durch Beklopfen des Ampullenkopfes oder eine Bewegung aus dem Handgelenk heraus, wie beim Herunterschlagen eines Thermometers.

  • Der Ampullenhals wird durch 2–3 AmpullenSägebewegungen mit der Ampullensäge angesägt. Dieser Arbeitsgang entfällt bei den sog. Brechampullen, deren Brechampullen„Sollbruchstelle“ entweder am Ampullenhals durch einen farbigen Ring oder am Ampullenkopf durch einen Farbpunkt gekennzeichnet ist.

  • Die Ampulle in die Hand nehmen. Zur Vermeidung von Schnittverletzungen einen sterilisierten Tupfer mit dem Zeigefinger hinter den Ampullenhals klemmen. Den Ampullenhals mit einer ruckartigen Bewegung nach hinten abbrechen (Abb. 6.10, Abb. 6.11).

  • Die Injektionslösung mit einer Spritze und der Aufziehkanüle restlos aufziehen, dabei die Ampulle schräg halten und die Kanüle mit dem Schliff so drehen, dass auch der letzte Tropfen aufgezogen werden kann (Abb. 6.12).

  • Die Aufziehkanüle Kanüle:Aufziehkanüleabziehen und sofort in den dafür vorgesehenen Abwurfbehälter entsorgen, ohne den Kanülenschutz noch einmal aufzustecken (d. h. ohne sog. Recapping).

  • Die Luft aus der RecappingSpritze entfernen. Dazu den Konus nach oben halten. Durch leichtes Beklopfen des Spritzenzylinders sammeln sich die Luftblasen am Konus und können ohne gleichzeitiges Austreten von Injektionslösung herausgespritzt werden.

  • Die Injektionskanüle auf die Spritze aufsetzen (Kanülenschutz nicht abziehen).

  • Das Spritzentablett mit Spritze, leerer Ampulle (wenn Sie nicht selbst aufgezogen haben bzw. zeitversetzt spritzen), unsterilen Tupfern, Haut- und Händedesinfektionsmitteln, Abwurfgefäß für Kanülen und Pflaster ausstatten.

Merke

Die Aufziehkanüle wird nach Gebrauch wegen der Verletzungs- und Infektionsgefahr nicht in ihre Schutzhülle (Kanülenschutz) zurückgesteckt (kein sog. Recapping), sondern in den Kanülenabwurfbehälter entsorgt.

Aufziehen aus der Stechampulle
AufziehkanüleDa bei Verwendung von StechampullenMehrdosisbehältern ein Risiko der Übertragung und Ausbreitung von Infektionskrankheiten besteht, sollte deren Einsatz gut abgewogen werden. Wenn möglich, sollten Medikamente und Infusionslösungen aus Eindosisbehältern entnommen werden. Die Einhaltung streng aseptischer Techniken ist bei der Benutzung von Mehrdosisbehältern unabdingbar. Anbruchdatum und Verwendungsdauer sind bei der ersten Entnahme auf dem Behälter zu vermerken. Die Verwendungsdauer und Lagerbedingungen sind den Herstellerangaben zu entnehmen.
Aus Stechampullen (Inhalt 1–200 ml Abb. 6.13) werden Medikamente folgendermaßen entnommen:
  • Den Metall- bzw. Plastikverschluss entfernen.

  • Die Gummikappe desinfizieren (Einwirkzeit beachten).

  • Vor dem Einstechen der Aufziehkanüle die Menge Luft aufziehen, die der Stechampulle an Injektionslösung entnommen werden soll, und diese anschließend zur Vermeidung eines Unterdrucks in die Ampulle einbringen. In der Regel kann die Luft nur unvollständig eingespritzt werden, da sie zunächst zu einem Überdruck führt. Zum Abbau des Überdrucks dann so viel Injektionslösung aus der mit dem Gummistopfen schräg nach unten gehaltenen Ampulle entnehmen, bis wieder ein Unterdruck in der Ampulle erreicht ist. Dann restliche Luft einspritzen und Restmenge an Injektionslösung aufziehen.

  • Bei der Entnahme von Teilmengen eine Mehrfachentnahmekanüle (Abb. 6.14) verwendenMehrfachentnahmekanüle, die eine hygienische Entnahme von Injektionslösung ermöglicht und durch die das Einspritzen von Luft in die Ampulle überflüssig wird.

  • Ist keine Belüftungskanüle verfügbar, 1–2 Teilstriche mehr als benötigt aufziehen, um ein Hin- und Herspritzen des Medikaments zwischen Stechampulle und Spritze mit zusätzlicher Kontaminationsgefahr zu vermeiden. Das zuviel aufgezogene Medikament später beim Entlüften der Spritze verwerfen.

  • Entnahmekanüle nicht in der Stechampulle belassen, sondern für jede Punktion des Mehrdosisbehälters neue Kanüle und Spritze verwenden.

  • Bei Entnahme des kompletten Ampulleninhalts und Verwendung einer Aufziehkanüle diese entfernen und richtig entsorgen.

  • Die Spritze entlüften und ggf. zuviel aufgezogenes Medikament vorsichtig herausspritzen.

  • Die Injektionskanüle aufsetzen (Kanülenschutz belassen) und, wenn überhaupt nötig, erst unmittelbar vor der Injektion luftleer machen.

  • Das Spritzentablett mit Spritze, leerer Stechampulle, unsterilen Tupfern, Haut- und Händedesinfektionsmitteln, Abwurfgefäß für Kanülen und Pflaster ausstatten.

Auflösen von Trockensubstanzen
Nur wenige Medikamente,Medikamente:Auflösen von TrockensubstanzenTrockensubstanzen, Medikamente die in der Heilpraktikerpraxis injiziert werden, basieren auf Trockensubstanzen. Diese müssen vor der Injektion vollständig aufgelöst werden. Dabei dürfen zum Auflösen nur die mitgelieferten oder die auf der Ampulle bzw. dem Beipackzettel angegebenen Lösungsmittel verwendet werden.
Befinden sich Lösungsmittel und Trockensubstanz in Glasampullen:
  • Glasampullen öffnen.

  • Lösungsmittel aus der Glasampulle aufziehen.

  • Lösungsmittel mit nur geringem Druck auf die Trockensubstanz spritzen (Schaumbildung vermeiden).

  • Abwarten, bis sich die Trockensubstanz restlos aufgelöst hat; nicht mit der Kanüle rühren oder die Ampulle schütteln.

Vorgehen bei Stechampullen:
  • Den Metall- bzw. Plastikverschluss entfernen.

  • Die Gummikappe desinfizieren (Einwirkzeit beachten).

  • Eine Überleitungskanüle in Überleitungskanüledie Stechampulle mit Kanüle:Überleitungskanüledem Lösungsmittel einstechen.

  • Die Stechampulle mit der Trockensubstanz auf das andere Ende der Überleitungskanüle aufstecken (Abb. 6.15).

  • Das gesamte Lösungsmittel überleiten.

  • Die vollständige Auflösung der Trockensubstanz abwarten; das Auflösen der Trockensubstanz kann durch vorsichtiges Rollen der Stechampulle zwischen den Handflächen beschleunigt werden.

Einige Medikamente werden in sog. Zweikammerspritzen angeboten, in die Trockensubstanz und Lösungsmittel getrennt eingebracht wurden. Durch Betätigung eines speziellen Mechanismus, der aus dem Beipackzettel ersichtlich ist, werden Trockensubstanz und Lösungsmittel gemischt. Auch hier wird vor der Injektion die vollständige Auflösung der Trockensubstanz abgewartet. In der Heilpraktikerpraxis werden derartige Medikamente selten eingesetzt.

Merke

Jede Spritze, über deren Inhalt keine Gewissheit herrscht, muss verworfen werden. Deshalb die leere Ampulle mit dazulegen (lassen); besonders wenn Sie das Mittel nicht selbst aufziehen (Abb. 6.16).

Injektionstechniken

Vor jeder Injektion sind folgende Maßnahmen zu treffen und mit dem Patienten spezielle Punkte abzuklären:
  • Patienten aufklären über den Sinn der Injektion, über Injektionsart, Nebenwirkungen, Komplikationen sowie möglicherweise auftretende „normale“ Empfindungsstörungen (auch 2.3.3)

  • Einverständnis des Patienten einholen

  • Bestehen Kontraindikationen gegen die spezielle Injektionsart?

  • Gibt es Unverträglichkeiten/Allergien gegen das zu injizierende Medikament oder den Wirkstoff?

  • Besteht Spritzenangst oder Neigung zu Synkopen?

Intrakutane Injektion

Intrakutane Injektion (kurz: i. c.-Injektion): Einspritzen einer Injektionslösung in die Lederhaut (Dermis, Corium Abb. 6.1). Typisch für diese Injektion ist die Bildung einer Quaddel, die jedoch nach wenigen Minuten wieder verschwindet.

Die intrakutane intrakutane InjektionInjektion:intrakutane (i.c.)Injektion wird in Heilpraktikerpraxen häufig eingesetzt, z. B. bei der Segmenttherapie (4.2.41), neuraltherapeutischen Narbenentstörung (4.2.30), Allergentestung (22.6.2) und Injektionsakupunktur (4.2.3). Weil in der Epidermis (18.2.2) die sensiblen Nervenenden auslaufen, kann diese Injektion sehr schmerzhaft sein, jedoch verschwindet der Schmerz sofort, nachdem die Quaddel gesetzt ist. Sorgfältiges und trotzdem zügiges Arbeiten erleichtert dem Patienten die Behandlung sehr.
Komplikationen und Kontraindikationen
Diese Injektionsart ist relativ risikoarm. Meist spielt es keine Rolle, wenn zu tief injiziert wird. Nur sehr wenige Medikamente, die für die i. c.-Injektion zugelassen sind, verursachen bei versehentlicher subkutaner Injektion eine Gewebsnekrose (z. B. bestimmte Mistelpräparate). Allergische Reaktionen auf das Medikament können dagegen immer auftreten. Kontraindikationen für intrakutane Injektionen sind Entzündungen, Ödeme, Störungen der Hautdurchblutung, Hauterkrankungen im Injektionsgebiet oder Schockzustände.
Injektionsorte
Je nach therapeutischer Zielsetzung kann an fast allen Körperstellen injiziert werden, z. B. seitlich entlang der Wirbelsäule (z. B. bei Lumbago), an Nervenaustrittspunkten (z. B. bei Trigeminusneuralgie), um Gelenke herum (z. B. bei Kniegelenkarthrose) und in Narben (zur Störfeldsanierung).
Materialien
Die Injektionskanüle sollte dünn sein (Abb. 6.8). Je nach Verwendungszweck wird eine kürzere oder längere Kanüle gewählt. Die meisten Heilpraktiker bevorzugen wegen der guten Handhabung eine Kanüle mit 16 oder 20 mm Länge.

Merke

Zur i. c.-Injektion benötigen Sie folgende Materialien:

  • Spritzentablett oder Nierenschale

  • Hände- und Hautdesinfektionsmittel

  • Einmalhandschuhe

  • sterilisierte Tupfer

  • Spritze mit aufgezogenem Medikament

  • Kanüle (z. B. grau, braun) oder Insulinspritze (Abb. 6.8)

  • Kanülenabwurfbehälter zur Abfallentsorgung

Durchführung
  • Einverständnis des Patienten einholen, Patienten hinsetzen oder -legen lassen.

  • Spritzentablett vorbereiten (Abb. 6.16).

  • Hände und Einstichstelle desinfizieren, Einwirkzeit abwarten (5.4.5, 5.4.6).

  • An der Einstichstelle die Haut zwischen den Fingern spannen.

  • Der Kanülenschliff zeigt zu Ihnen. Der Einstich erfolgt fast parallel zur Haut. Unter leichtem Anheben der Haut wird die Kanüle vorsichtig zwei bis drei Millimeter weit vorgeschoben. Achten Sie darauf, dabei weder zu tief zu stechen noch die Haut wieder zu durchstoßen (Abb. 6.17).

  • Es werden 0,1–0,3 ml injiziert. Bildet sich dabei keine Quaddel, liegt die Kanüle bereits subkutan. In diesem Quaddel:bei i.c.-InjektionFall die Kanüle wieder etwas zurückziehen oder die Injektion abbrechen und an anderer Stelle wiederholen.

  • Wenn mehrere Quaddeln gesetzt werden sollen, zügig eine Quaddel neben die andere platzieren. Dabei nicht mit den Händen Hautareale berühren, an denen sich bereits Quaddeln befinden oder noch gesetzt werden sollen.

  • Kanüle in den Abwurfbehälter werfen.

  • Eventuell aus der Quaddel austretende Injektionsflüssigkeit mit sterilem Trockentupfer abwischen.

  • Abfall entsorgen, Spritzentablett oder Nierenschale desinfizieren.

  • Dokumentation

Subkutane Injektion

Subkutane Injektion (kurz: s. c.-Injektion): Einspritzen einer Injektionslösung in die Unterhaut (Subkutis Abb. 6.1).

Aspiration: hier Ansaugen von Flüssigkeit durch Zug am Spritzenkolben, um zu erkennen, ob die Kanülenspitze in einem Blutgefäß liegt. Ob bei einer s. c.-Injektion aspiriert wird, ist abhängig von Medikament, Injektionsort und -zweck sowie von der Kanülenlänge.

Bei Benutzung kurzer Kanülen und Injektion:subkutane (s.c.)Aspiration vor InjektionInjektion in die Injektionsorte erster und zweiter Wahl (Abb. 6.18) ist eine versehentliche intravasale Injektion nicht zu befürchten, da in diesen Regionen keine größeren Gefäße in der Subkutis verlaufen. Die Frage, ob vor einer s. c.-Injektion aspiriert werden soll, lässt sich nicht grundsätzlich beantworten. In der Pflege wird dies z. B. bei der Injektion von Rp Heparin wegen der möglichen Hämatombildung nicht empfohlen. Bei der Injektion von Medikamenten, die nicht intravasal injiziert werden dürfen, kann hingegen eine Aspiration notwendig sein. Beachten Sie die Angaben der Hersteller.
Die subkutane Injektion wird angewendet, um Arzneimittel in das Unterhautfettgewebe einzubringen, aber auch bei der Neuraltherapie (4.2.30, z. B. Entstörung tiefer Narben).
Geeignet für die subkutane Injektion sind alle isotonischen, wässrigen Lösungen. Homöopathische Injektionen können z. B. meist als s. c.-Injektion verabreicht werden.
Komplikationen und Kontraindikationen
Komplikationen treten bei der subkutanen Injektion nur selten auf. Wird versehentlich ein Blutgefäß durchstochen, kann sich ein Hämatom bilden. Allergische Reaktionen auf das Medikament können aber immer auftreten.
Kontraindikationen für subkutane Injektionen sind Entzündungen, Ödeme, Störungen der Hautdurchblutung oder Hauterkrankungen im Injektionsgebiet. Auch wenn der Patient sich im Schockzustand befindet, darf nicht subkutan injiziert werden, da Haut und Muskulatur dann nur unzureichend durchblutet werden, sodass injizierte Medikamente nicht (vollständig) resorbiert werden und das Gewebe schädigen können.
Injektionsorte
Alle Körperregionen mit ausgeprägtem Unterhautfettgewebe sind zur subkutanen Injektion geeignet. Bevorzugt werden:
  • die Bauchdecke rund um den Nabel; allerdings nicht zu nahe am Nabel, da dort das Unterhautfettgewebe sehr dünn ist

  • die seitlichen und vorderen Flächen beider Oberschenkel

  • die seitlichen Flächen beider Oberarme

Materialien
Die Injektionskanüle sollte dünn sein (Abb. 6.8). Die Länge der Kanüle hängt vom Körperbau des Patienten, Injektionsort und Zweck der Injektion ab. Beispielsweise ist die braune Kanüle mit einer Länge von 25 mm bei einem adipösen Patienten der mit 12 mm Länge vorzuziehen.

Merke

Zur s. c.-Injektion benötigen Sie folgende Materialien:

  • Spritzentablett oder Nierenschale

  • Hände- und Hautdesinfektionsmittel, Einmalhandschuhe

  • sterilisierte Tupfer

  • Spritze mit aufgezogenem Medikament

  • Kanüle (z. B. braun, blau) oder Insulinspritze (Abb. 6.8)

  • evtl. Pflaster

  • Kanülenabwurfbehälter zur Abfallentsorgung

Durchführung
  • Einverständnis des Patienten einholen; Patienten sich hinsetzen oder -legen lassen.

  • Spritzentablett vorbereiten (Abb. 6.16).

  • Hände und Einstichstelle desinfizieren, Einwirkzeit abwarten (5.4.5, 5.4.6).

  • Mit Daumen und Zeigefinger eine Hautfalte abheben (Abb. 6.19).

  • Zügig in die Hautfalte einstechen, wobei der Einstichwinkel abhängig ist von der Länge der benutzten Kanüle; 12-mm-Kanülen werden senkrecht, längere Kanülen schräg im Winkel von 45° eingestochen. Bei kachektischen Patienten wird ein spitzer Einstichwinkel gewählt.

  • Je nach Kanülenlänge, Medikament (intravasal nicht injizierbar, z. B. Procain®), Zweck und Ort der Injektion aspirieren oder nicht aspirieren.

  • Nicht aspirieren (ansaugen): Bei Benutzung kurzer Kanülen und Injektion in die Injektionsorte erster und zweiter Wahl (Abb. 6.18) ist eine i. v.-Injektion nicht zu befürchten, da in diesen Regionen keine größeren Venen in der Subkutis verlaufen. Eine Aspiration führt dagegen zu Gewebeschäden, eventueller Lageveränderung der Kanüle und zu einer zeitlichen Verlängerung der Injektion.

  • Medikament langsam injizieren (ca. 2 ml/Min.; Abb. 6.20).

  • Kanüle zügig entfernen, Hautfalte loslassen.

  • Kanüle entsorgen.

  • Einstichstelle mit einem trockenen Tupfer komprimieren.

  • Evtl. Pflaster aufkleben.

  • Durch kreisende Bewegungen mit einem trockenen Tupfer das Medikament im Gewebe verteilen.

  • Abfall entsorgen, Spritzentablett oder Nierenschale desinfizieren.

  • Dokumentation.

Intramuskuläre Injektion

Intramuskuläre Injektion (kurz: i. m.-Injektion): Einspritzen einer Injektionslösung in einen Skelettmuskel. Die Arzneimittelaufnahme ist schneller als bei subkutaner, aber langsamer als bei intravenöser Medikamentengabe.

Für bestimmte Medikamente, wie z. B. für einige Injektion:intramuskuläre (i.m.)Vitamin-B-Präparate oder ölige Injektionslösungen, ist die intramuskuläre Injektion ausdrücklich vorgeschrieben. In anderen Fällen ist zu überprüfen, ob nicht eine orale Einnahme zu bevorzugen ist.
Komplikationen und Folgeschäden
Wie bei allen Injektionsarten können auch bei i. m.-Injektionen Hämatome, Synkopen, allergische Reaktionen und Unverträglichkeitsreaktionen auftreten und Infektionskrankheiten übertragen werden (Tab. 6.2). Zusätzlich können Lokalinfektionen, Spritzenabszesse und eine Spritzenlähmung als Zwischenfälle und Folgeschäden auftreten.
Lokalinfektion und Spritzenabszess
Nicht nur bei Missachtung der Hygienevorschriften, sondern auch bei sachgerechter SpritzenabszessInjektionstechnik können Keime, oft Staphylokokken (Abb. 6.2), ins Gewebe eingeschleppt werden. Vor diesem Hintergrund sind eine Reihe von Rechtsentscheidungen zu sehen, nach denen vor Durchführung einer i. m.-Injektion der Patient zumindest bei der Verabreichung von Medikamenten, die auch oral gegeben werden könnten, darauf hingewiesen werden muss, dass sich auch bei sachgerechter Durchführung ein Abszess als Komplikation entwickeln kann.
Ein Abszess ist heute zwar selten, hat aber unter Umständen lebensbedrohliche Folgen, z. B. eine Sepsis (25.4.3). Besonders bei adipösen Patienten ist der lokale Befund möglicherweise so gering, dass er übersehen wird. Berichtet der Patient einige Tage nach einer i. m.-Injektion über Schmerz, Schwellung oder Rötung im entsprechenden Gebiet, überweisen Sie ihn sofort zum Arzt. Ein Abszess muss in der Regel chirurgisch gespalten und oft auch antibiotisch behandelt werden, häufig stationär. Besonders gefährdet sind abwehrgeschwächte Patienten, z. B. langjährige Diabetiker oder Tumorkranke.
Spritzenlähmung
Die Spritzenlähmung tritt fast ausschließlich dann auf, wenn nicht nach der Methode Spritzenlähmungnach von Hochstetter oder nach der Crista-Methode (beide unten beschrieben) injiziert wird.
Die Nervenschädigung macht sich meist schon während des Einstichs bemerkbar: Der Patient äußert einen „elektrisierenden“, meist ins Bein ausstrahlenden Schmerz. In diesem Fall darf nicht injiziert werden. Bei ausschließlichem „Anstechen“ eines Nervs bilden sich die Beschwerden dann meist sofort wieder zurück. Dauerhafte neurologische Ausfälle treten meist nur nach Injektion des Spritzeninhalts in den Nerv oder seine Umgebung auf und oft auch erst verzögert. Sie können – je nach betroffenem Nerv – sensibel, motorisch oder beides sein und abhängig vom gespritzten Mittel nur von kurzer Dauer oder aber irreversibel.

Achtung

  • Die Injektion in den „oberen äußeren Quadranten“ sollte nicht mehr durchgeführt werden und kann als Behandlungsfehler gewertet werden.

  • Überweisen Sie den Patienten bei Verdacht auf Spritzenlähmung umgehend zum Arzt.

Kanülenbruch
In sehr seltenen Fällen kann sich die Muskulatur Kanüle:Bruchverkrampfen und dadurch die Kanüle brechen. Injektion:KanülenbruchDeshalb ist es wichtig, die Kanüle nicht bis zum Konus einzustechen, sondern einen ca. 10 mm großen Sicherheitsabstand zwischen Haut und Kanülenkonus einzuhalten, damit die Kanüle von Hand herausgezogen werden kann. Durch Knochenkontakt kann die Kanülenspitze absplittern.

Achtung

Gelingt es nicht, die abgebrochene Kanüle vollständig herauszuziehen, oder fehlt die Kanülenspitze, darf der Patient sich nicht mehr bewegen, damit die Kanüle bzw. die Kanülenspitze nicht „wandert“. Rufen Sie den Rettungswagen; der Patient muss umgehend ins Krankenhaus gebracht, die Kanüle mit Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen lokalisiert und chirurgisch entfernt werden.

Weitere Folgeschäden
Insgesamt sehr selten. Einige schulmedizinische Rp-Medikamente (z. B. Penicillin, manche Antirheumatika) können bei unsachgemäßer Injektion zu schwerwiegenden Komplikationen führen, z. B.
  • zur Fettgewebsnekrose (versehentliche subkutane Injektion),

  • zur Embolia cutis Nekrose:Fettgewebemedicamentosa, einer schwerwiegenden FettgewebsnekroseGewebsnekrose nach versehentlicher Embolia cutis medicamentosaintraarterieller Injektion,

  • zu Haut-, Unterhaut- und Muskelatrophien.

Manche Medikamente können sehr selten auch bei korrekter Injektionstechnik aseptische Muskelnekrosen hervorrufen, z. B. manche Glukokortikoidpräparate.
Kontraindikationen
Es dürfen keine i. m.-Injektionen vorgenommen werden
  • bei Entzündungen, Ödemen, Störungen der Hautdurchblutung oder Hauterkrankungen im Injektionsgebiet,

  • im Schock (11.5.3), da Haut und Muskulatur dann nur unzureichend durchblutet und injizierte Medikamente nicht (vollständig) resorbiert werden und das Gewebe schädigen können,

  • bei Patienten, die Gerinnungshemmer (z. B. Rp Marcumar® 20.8) einnehmen, unter Gerinnungsstörungen leiden oder Bluter (20.7.3) sind; es kann zu massiven Einblutungen in die Muskulatur kommen, die zum hypovolämischen Schock führen können. Gleiches gilt, wenn anzunehmen ist, dass bei einem Patienten (z. B. bei Verdacht auf Lungenembolie, Herzinfarkt) eine Lysetherapie (10.6.2) eingeleitet werden wird,

  • bei gelähmten Muskeln, da auch hier aufgrund der mangelhaften Durchblutung Gewebsschädigungen entstehen können,

  • bei Verdacht auf Herzinfarkt; da hierdurch die Enzymdiagnostik in der Klinik erschwert wird, denn eine i. m.-Injektion führt zum CK-Anstieg (31.4).

Injektionsorte
Zur Lokalisation des Injektionsortes bieten sich folgende Methoden an.
  • Musculus gluteus medius:

    • ventrogluteale Methode nach von Hochstetter

    • Crista-Methode (ventrogluteale Injektion nach Sachtleben)

    • Injektion nach Lanz und Wachsmuth

  • Musculus vastus lateralis: Methode nach von Hochstetter

Merke

Aufgrund der mitunter verschiedenen Auffassungen über die sicherste Methode der intramuskulären Injektion müssen Sie die von Ihnen bevorzugte Methode in Theorie und Praxis mit allen Risikofaktoren sicher beherrschen.

Ventrogluteale Injektion nach von Hochstetter
Dies ist die am häufigsten angewendete und sicherste Methode der i. m.-Injektion.

Tipp

Mit der ventroglutealen Methode nach von Hochstetter (Tab. 6.4) kann der korrekte Injektionspunkt am M. gluteus medius zuverlässig bestimmt werden.

DerInjektion:nach von Hochstetter Injektionspunkt (Abb. 6.23) liegt im oberen Bereich eines Hochstetter, Injektion nach vonDreiecks zwischen dem vorderen oberen Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior), Darmbeinkamm (Crista iliaca) und großem Rollhügel (Trochanter major). Die Tab. 6.4 zeigt das Vorgehen Schritt für Schritt.
Intramuskuläre Injektion nach der Crista-Methode nach Sachtleben
Sachtleben entwickelte eine zweite Methode, den sicheren Injektionspunkt am M. gluteus medius zu bestimmen, dieInjektion:Crista-Methode Crista-Methode (ventrogluteale Injektion nach Sachtleben). Sie wird bevorzugt bei Säuglingen und Kindern Crista-Methode, Injektionangewendet, bei denen die Glutealmuskulatur nach von Hochstetter nicht identifizierbar sind.
Der sichere Injektionspunkt (Abb. 6.24, Abb. 6.25) liegt auf einer gedachten Linie zwischen Darmbeinkamm (Crista iliaca) und großem Rollhügel (Trochanter major):
  • Der Patient liegt entspannt auf der Seite und hat die Knie leicht angewinkelt (Abb. 6.26).

  • Beim Rechtshänder liegt der Kopf des Patienten rechts, beim Linkshänder links.

  • Der Rechtshänder legt den Zeigefinger der rechten Hand, der Linkshänder den Zeigefinger der linken Hand parallel zum Darmbeinkamm zwischen dem vorderen oberen Darmbeinstachel und dem höchsten Punkt des Darmbeinkamms (im klinischen Sprachgebrauch gelegentlich auch als Eminentia cristae iliacae bezeichnet) an.

  • Der Injektionsort liegt beim Erwachsenen drei Querfinger, beim Kleinkind zwei Querfinger und beim Säugling einen Querfinger unterhalb des Zeigefingers in Richtung großer Rollhügel (Abb. 6.27): Steht man vor dem Patienten, liegt der Injektionsort eher unterhalb des proximalen Drittels des Zeigefingers, steht man hinter dem Patienten, eher unterhalb des distalen Drittels des Zeigefingers (allerdings abhängig von der Länge des Zeigefingers und dem Körperbau des Patienten).

  • Man desinfiziert die Haut unterhalb der Querfinger und führt dann die Injektion durch. Wird die abmessende Hand vor dem Einstich entfernt, wird der Injektionsort mit dem Daumennagel, der Kanülenschutzkappe oder Tupferreibungen (Haut rötet sich) markiert.

  • Der Einstich erfolgt in Richtung des Nabels und soll tief hineingehen (Abb. 6.28).

Injektion nach Lanz und Wachsmuth
Bei der i. m.-Injektion nach Lanz und Wachsmuth (Abb. 6.29) wird ebenfalls in den M. gluteus mediusInjektion:nach Lanz und Wachsmuth injiziert. Das Auffinden des hinteren oberen Darmbeinstachels kann oft Schwierigkeiten bereiten, da dieser nicht immer als Grübchen sichtbar ist. Zudem sind die Muskelschichten in diesem Bereich dünner. Die Crista iliaca (der bogenförmig verlaufende Darmbeinkamm) stellt die obere Begrenzung des Injektionsfeldes dar.
  • Der Patient liegt mit leicht angewinkelten Beinen auf der linken Seite, der Behandler steht hinter ihm. Zeigefinger und abgewinkelter Daumen seiner rechten Hand liegen auf dem vorderen und hinteren oberen Darmbeinstachel. Sie bilden die untere, nahezu gerade Begrenzung des Injektionsfeldes.

  • Die linke Handkante liegt auf dem Beckenkamm. Zwischen beiden Händen entsteht so ein flacher Halbmond, in dessen vorderes und mittleres Drittel injiziert werden kann.

  • Liegt der Patient auf der rechten Seite, liegt die rechte Hand des Behandlers auf dem Beckenkamm, und der linke Zeigefinger und der linke Daumen ertasten den vorderen bzw. hinteren oberen Darmbeinstachel.

  • Die Injektionsrichtung ist immer nabelwärts. Sie schließt Schädigungen der dort verlaufenden Nerven und Gefäße aus. Der Muskel wird bei normalgewichtigen Patienten in 4–5 cm Tiefe erreicht.

Achtung

Die früher übliche i. m.-Injektion in den „oberen äußeren Quadranten“ ist veraltet und kann als Behandlungsfehler gewertet werden.

Intramuskuläre Injektion in den Oberschenkel
Als Alternative zur ventroglutealen Injektion (z. B. bei Lähmungen oder Entzündungen im Bereich des M. Injektion:in den Oberschenkelgluteus medius) kann – ebenfalls nach der Beschreibung durch von Hochstetter – in den Oberschenkelmuskel (M. vastus lateralis des M. quadriceps femoris) injiziert werden (Abb. 6.30). Für ölige Medikamente ist dieser Muskel nicht geeignet.
Der Injektionsort liegt im mittleren Drittel einer gedachten Linie zwischen großem Rollhügel (Trochanter major) und Kniescheibe (Patella), sozusagen zwischen „Hosennaht und Bügelfalte“:
  • Patienten in eine entspannte Rückenlage bringen.

  • Das zur Injektion vorgesehene Bein leicht nach innen rotieren.

  • Großen Rollhügel ertasten und eine Linie zwischen ihm und der Kniescheibe denken.

  • Im mittleren Drittel dieser Linie liegt der Injektionspunkt. Die Stelle kann mit gefärbtem Desinfektionsmittel, Tupferreibungen oder Kratzen mit dem Daumennagel markiert werden.

  • Der Einstich erfolgt senkrecht, also im rechten Winkel zur Hautoberfläche.

Merke

Eine Handbreit unterhalb des großen Rollhügels und eine Handbreit oberhalb des Knies darf nicht injiziert werden.

Intramuskuläre Injektion in den Oberarm
Nur in Ausnahmefällen sollte in den Oberarm injiziert werden, da ein hohes Risiko für Gefäß- und Nervenverletzungen Injektion:in den Oberarmbesteht. Wegen der geringen Muskelmasse dürfen hier jedoch keine öligen Injektionslösungen oder Mengen über 2 ml injiziert werden. Der Arm hängt entspannt an der Körperseite herab und darf nicht rotiert sein. Die Injektionsstelle befindet sich am M. deltoideus (9.2.5) an der Außenseite des Oberarms, ca. 5 cm (ca. 3 Querfinger) unterhalb der Schulterhöhe (Akromion). Auch hier erfolgt der Einstich senkrecht zur Hautoberfläche, also im rechten Winkel zum Oberarmknochen (Humerus).
Materialien zur i. m.-Injektion
Die Länge der Injektionskanüle hängt v. a. davon ab, wie dick die Fettgewebeschicht ist, die durchdrungen werden muss, damit das Medikament in den Muskel eingespritzt werden kann (Abb. 6.31). Bei adipösen Patienten können bei der ventroglutealen Injektion 70 mm lange Kanülen nötig sein (in Extremfällen auch 120 mm), bei schlanken Patienten reicht eine 40 mm lange Kanüle aus. Häufig werden zu kurze Kanülen benutzt, was zu versehentlicher s. c.-Injektion führt. Der Außendurchmesser der Kanüle sollte an das Medikament angepasst und nicht zu gering sein: Eine ölige Injektionslösung ist leichter zu verabreichen, wenn der Außendurchmesser 0,90 mm beträgt (Abb. 6.8).

Merke

Zur i. m.-Injektion benötigen Sie folgende Materialien:

  • Spritzentablett oder Nierenschale

  • Hände- und Hautdesinfektionsmittel

  • Einmalhandschuhe

  • sterilisierte Tupfer

  • Spritze mit aufgezogenem Medikament

  • ausreichend lange Kanüle (z. B. grün, gelb)

  • Pflaster

  • Kanülenabwurfbehälter zur Abfallentsorgung

Durchführung
Bei der Injektion sollte der Patient grundsätzlich liegen. Wird die ventrogluteale Injektion ausnahmsweise (!) im Stehen durchgeführt, so verlagert der Patient das Gewicht auf die Gegenseite und entspannt das Bein auf der Injektionsseite so gut wie möglich.

Achtung

Plötzliche Bewegungen im Stehen bewirken unter Umständen Scherkräfte im Muskel, sodass die Injektionskanüle am Übergang zwischen Kanülenschaft und -konus abbrechen kann (Kanülenbruch 6.4.3).

Die Injektion wird folgendermaßen durchgeführt:
  • Einverständnis des Patienten einholen, Patienten hinlegen lassen.

  • Spritzentablett vorbereiten (Abb. 6.16).

  • Hände desinfizieren, Einwirkzeit abwarten (5.4.3).

  • Injektionsort sorgfältig lokalisieren.

  • Haut sorgfältig und großflächig desinfizieren (5.4.4). Die i. m.-Injektion ist mit nicht unerheblicher Infektionsgefahr (Spritzenabszess Abb. 6.2) verbunden.

  • Injektionskanüle zügig senkrecht bis in die gewünschte Tiefe einstechen (Ausnahme: Crista-Methode). Ein zaghaftes, stückweises Einstechen der Injektionskanüle löst hingegen eine Abwehrspannung im Muskel aus; der Patient hat unnötigerweise Schmerzen, und das Muskelgewebe wird übermäßig geschädigt. Zwischen Haut und Kanülenkonus einen ca. 10 mm großen Sicherheitsabstand lassen, da Injektionskanülen zwischen Kanülenschaft und -konus abbrechen können und der Schaft bei genügend Sicherheitsabstand noch von Hand herausgezogen werden kann.

  • Nach dem Einstich aspirieren (6.4.2), d. h. die Spritze in der Position halten und den Spritzenstempel leicht zurückziehen.

  • Wird Blut aspiriert (irrtümliche i. v.- oder i. a.-Injektion), mit neuer Kanüle an einer anderen Stelle injizieren, da sonst das Medikament in die Blutbahn geraten könnte. Ist das Medikament stark mit Blut vermischt, muss es ggf. verworfen und neu aufgezogen werden (je nach Art des Medikaments).

  • Wurde bei der Injektion der Knochen getroffen, Kanüle 1–2 cm zurückziehen, sodass die Kanülenspitze sicher im Muskel liegt (Kanülenspitze nach der Injektion inspizieren und auf Vollständigkeit prüfen!).

  • Das Medikament langsam injizieren (ca. 2 ml/Min.), damit sich die Lösung schmerzlos im Muskelgewebe verteilen kann.

  • Nach beendeter Injektion die Kanüle rasch zurückziehen.

  • Injektionsort mit einem Tupfer komprimieren und kreisend massieren, um die Verteilung des Medikaments im Muskel zu unterstützen.

  • Pflaster aufkleben.

  • Kanüle in den Abwurfbehälter werfen, anderen Abfall ebenfalls ordnungsgemäß entsorgen, Spritzentablett oder Nierenschale desinfizieren.

  • Dokumentation.

Intravenöse Injektion

Intravenöse Injektion (kurz i. v.-Injektion): Arzneimittelgabe direkt in eine Vene (Abb. 6.32a–c). Wird durchgeführt, wenn eine schnelle Wirkung des Medikaments erforderlich ist, Kontraindikationen für andere Injektionsarten bestehen oder keine andere Verabreichungsform für das Medikament erlaubt ist.

Komplikationen und Kontraindikationen
Folgende Komplikationen können entstehen:
  • Injektion:intravenöse (i.v.)Synkope

  • anaphylaktische Reaktion

  • Hämatombildung

  • paravenöse Injektion

  • versehentliche intraarterielle Injektion

  • Nerven- oder Gewebeschädigung

Die jeweiligen Symptome und Maßnahmen sind in der Tab. 6.3 aufgelistet.

Achtung

  • Bei Dialysepatienten, die einen Shunt (dauerhaft implantierter Venenzugang) haben, darf an diesem Arm keine Injektion oder Punktion vorgenommen werden.

  • Eine versehentliche intraarterielle Injektion kann – je nach Art und Menge des injizierten Medikaments – aufgrund eines reflektorischen Gefäßspasmus bis hin zur Nekrose und zum Verlust der Extremität führen (z. B. bei 40-prozentiger Glukoselösung).

Kontraindiziert ist eine intravenöse Injektion von Mitteln,
  • die nicht für diese Darreichungsform zugelassen sind,

  • gegen die der Patient bekanntermaßen überempfindlich reagiert (Unverträglichkeitsreaktion).

Injektionsorte
Intravenöse Injektionen erfolgen in der Regel in die Armvenen im Ellenbogenbereich. Bei schlechten Venenverhältnissen in der Ellenbeuge können auch die Unterarminnenseiten- oder die Handrückenvene für die Injektion gewählt werden.
Dabei hängt die Wahl der Vene auch von der Erkrankung des Patienten ab. Bei leichten Erkrankungen kann die „beste Vene“, also meist eine der radialen (daumenseitigen) Ellenbeugenvenen, punktiert werden. In Notfallsituationen wird jedoch meist in die Handrücken- oder Unterarmvene injiziert, denn hier ist eine Venenverweilkanüle am sichersten zu fixieren.
Materialien
Länge und Dicke der Injektionskanüle hängen von Ihren individuellen Vorlieben ab. In den meisten Fällen werden gelbe oder grüne Kanülen (Nr. 1 bzw. 2) bevorzugt (Tab. 6.4).
Sind beispielsweise anstelle einer Mischinjektion mehrere i. v.-Injektionen nacheinander erforderlich, wird in sehr vielen Fällen ein Butterfly (Flügelkanüle Abb. 31.6) oder eine Venenverweilkanüle gelegt (Abb. 6.39).
Verwenden Sie nur sichere Injektionskanülen (6.3.2).

Merke

Zur i. v.-Injektion benötigen Sie folgende Materialien:

  • Spritzentablett oder Nierenschale

  • unsterile Einmalhandschuhe (Eigenschutz)

  • Hautdesinfektionsmittel

  • sterilisierte Tupfer

  • Spritze mit aufgezogenem Medikament

  • Kanüle (z. B. grün, gelb), Butterfly oder Venenverweilkanüle

  • Staubinde oder -schlauch

  • Unterarmpolster und ggf. flüssigkeitsdichte Unterlage

  • Pflaster

  • Kanülenabwurfbehälter zur Abfallentsorgung

Durchführung
Wie bei jeder Injektion sollte man sich auch für eine i. v.-Injektion Zeit lassen (ruhige, entspannte Atmosphäre, sich hinsetzen). Die Venen sollten abgetastet werden, da die „besten“ Venen mitunter nicht sichtbar, aber deutlich fühlbar sind. Bei schlechten Venenverhältnissen kann die Venenfüllung durch feuchtwarme Wickel, ein warmes Armbad, ein Heizkissen oder einfaches Herabhängen lassen des Arms für ein paar Minuten verbessert werden. Weitere Möglichkeiten sind, nach dem Anlegen der Staubinde oder unmittelbar vor der Injektion die ausgewählte Vene zu beklopfen, die Venen von distal zur Punktionsstelle hin auszustreichen oder den Patienten „pumpen“ (d. h. mehrmals die Hand zur Faust ballen) zu lassen.

Achtung

Achten Sie darauf, dass Sie keinesfalls die Kanüle vor der Injektion „zurechtbiegen“, um eine „bessere Führung“ zu haben und einen spitzeren Einstichwinkel zu ermöglichen. Einerseits könnte sich dabei die Nadel vom Kanülenansatz lösen, andererseits könnte sie unsteril und damit unbrauchbar werden.

Gehen Sie folgendermaßen vor:
  • Einverständnis des Patienten einholen, Patienten sitzen oder liegen lassen.

  • Spritzentablett vorbereiten (Abb. 6.16).

  • Hände desinfizieren, Einwirkzeit abwarten (5.4.5, 5.4.6).

  • Staubinde proximal der vorgesehenen Injektionsstelle anlegen (arterielle Pulse müssen noch tastbar sein).

  • Punktionsort mit Unterarmpolster unterstützen.

  • Nochmals kontrollieren, ob tatsächlich das richtige Medikament in der richtigen Dosierung und der richtigen Darreichungsform hergerichtet wurde.

  • Vene mit behandschuhter Hand ertasten.

  • Haut desinfizieren, Einwirkzeit abwarten.

  • Vene punktieren und Lage durch Blutaspiration kontrollieren.

  • Staubinde lösen und Medikament langsam injizieren (ca. 1–3 ml/Min.); je nach Situation und Medikament ggf. auch schneller. Zwischendurch immer wieder aspirieren, um eine Dislokation der Nadel auszuschließen; darauf achten, dass beim Aspirieren die Kanülenspitze nicht in der Vene „herumwackelt“, um Durchstechen der Vene und Schmerzen beim Patienten zu verhindern.

  • Trockenen Tupfer auflegen, Nadel herausziehen und Punktionsstelle einige Minuten lang komprimieren (lassen); Arm dabei möglichst heben und nicht beugen. Dies vermindert die Hämatombildung, da beim Ausstrecken des Armes nach vorherigem Beugen (aber auch bei intensiven Bewegungen) die durch die Punktion verletzten Gewebe erneut voneinander gelöst und so Blutungen hervorgerufen werden. Gegebenenfalls Pflaster aufkleben (Kleiderschutz und bei Kindern), allerdings erst, wenn die Blutung zum Stillstand gekommen ist.

  • Kanüle in den Abwurfbehälter werfen, anderen Abfall ebenfalls ordnungsgemäß entsorgen, Spritzentablett oder Nierenschale desinfizieren.

  • Dokumentation.

Infusionen

Grundlagen

Infusion (lat. infundere = hineingießen): im klinischen Sprachgebrauch die intravenöse Infusion (in eine Vene hinein); über dauerhaft liegende Injektionskanülen werden langsam, meist tropfenweise, größere Mengen (arzneimittelhaltiger) Flüssigkeit in den Körper eingebracht.

In Krankenhäusern und Arztpraxen hat die Infusionstherapie einen hohen Stellenwert; sie wird jedoch auch in Heilpraktikerpraxen angewendet (Abb. 6.33Infusionen).
Ziele der Infusionstherapie sind:
  • Erhaltung oder Wiederherstellung der Homöostase, d. h. des Gleichgewichts des inneren Milieus: physiologischer Wasser-, Elektrolyt-, Säure-Basen-Haushalt

  • Nährstoffzufuhr

  • Arzneimittelverabreichung

  • Offenhalten von Gefäßen in der Notfalltherapie

Infusionsarten
Je nach Art der punktierten Vene unterscheidet man:
  • Periphervenöse Infusionen (6.5.3), die über oberflächliche Venen appliziert werden. Hauptindikationen sind Kurzinfusionen und die (meist kurzzeitige) Infusionstherapie mit isotonen Lösungen.

  • Zentralvenöse Infusionen, die mit Infusionen:periphervenöseHilfe eines zentralen Venenkatheters (kurz ZVK, z. B.: Kavakatheter) in Krankenhäusern meist für die länger dauernde parenterale Infusionen:zentralvenöseErnährung oder zur Messung des Venenkatheter, zentralerzentralvenösen Drucks angewendet werden. Zentralvenöse Katheter werden von der V. subclavia oder der V. Kavakatheterjugularis bzw. den Venen der Ellenbeuge (V. basilica oder V. cephalica) bis unmittelbar vor das rechte Herz vorgeschoben. Sie müssen unter sterilen Bedingungen gelegt und sorgfältig gepflegt werden, da die Infektionsgefahr besonders hoch ist (tägl. Inspektion).

Je nach Zeitdauer der Infusion unterscheidet man:
  • Dauerinfusion, die über mehrere Stunden, oft auch über 24 Stunden am Tag (z. B. zur parenteralen Ernährung) läuft

  • Kurz(zeit)infusion, die in höchstens drei Std. (oft in 15–30 Min.) gegeben wird.

Die Infusionstherapie Infusionen:Dauerinfusiongewinnt hingegen enorme Bedeutung Kurzzeitinfusionenin Notfallsituationen, v. a. für die Volumensubstitution im Schock (30.7).
Infusionen:KurzzeitinfusionAuch wenn keine Indikation für eine Volumensubstitution besteht, werden in Notfallsituationen Venenverweilkanülen gelegt, damit der Notarzt schnell mit der Verabreichung von Medikamenten beginnen kann. Außerdem besteht bei Schockzuständen die Gefahr, dass aufgrund der Kreislaufzentralisation (11.5.3) die peripheren Venen schlecht gefüllt und dadurch nicht mehr oder nur schwer zu punktieren sind. Deshalb ist in Notfallsituationen, besonders im (drohenden) Schock, das rasche Legen eines periphervenösen Zugangs (6.5.2, 6.5.3) besonders wichtig, damit die Gefäße „offengehalten“ werden.
Infusionslösungen
In ärztlichen Praxen oder Krankenhäusern werden viele verschiedene Infusionslösungen zu unterschiedlichen Zwecken verwendet, z. B.:
  • Lösungen zur InfusionslösungenElektrolytzufuhr: z. B. Ringer-Lösung oder Infusionen:LösungenLösungen zum Ersatz bestimmter Elektrolyte, mit dem Ziel den Wasser- und Elektrolythaushalt zu korrigieren.

  • Lösungen zur Energie- und Nährstoffzufuhr:

    • z. B. Fett- oder Kohlenhydratlösungen, v. a. Glukoselösungen

    • Aminosäurelösungen, die z. B. nach OP oder Verletzungen sowie bei mehrtägiger Nahrungskarenz Eiweißbausteine liefern, um den Abbau von körpereigenem Eiweiß zu verlangsamen und die (anabolen) Heilungsprozesse zu unterstützen

    • Kombinationslösungen zur parenteralen Ernährung, z. B. nach schweren OP am Magen-Darm-Trakt oder bei komatösen Patienten

  • Lösungen zur Osmotherapie: Diese stark wasserbindenden und osmotisch wirksamen Lösungen sorgen dafür, dass Flüssigkeit aus dem Interstitium (wieder) in den Blutkreislauf gelangt, andererseits direkt im Glomerulumfiltrat der Niere die Wasserrückresorption vermindern und dadurch die Urinausscheidung erhöhen. Osmotherapeutische Lösungen werden z. B. bei Patienten mit Lungen- oder Hirnödemen eingesetzt.

  • Lösungen zum Volumenersatz und bei Mikrozirkulationsstörungen: sog Volumenersatzmittel (Plasmaexpander); sie werden besonders im hypovolämischen Schock oder bei mangelhafter Hirndurchblutung angewendet.

  • Lösungen für diagnostische Maßnahmen, z. B. Kontrastmittelinfusionen im Rahmen einer Angiografie zur Darstellung der Herzkranzgefäße.

Merke

Viele Infusionslösungen sind verschreibungspflichtig, z. B. aufgrund des hohen Risikos anaphylaktischer Reaktionen (v. a. bei einigen Plasmaexpandern).

Osmolarität
Die Osmolarität (Menge der gelösten Teilchen pro Liter Wasser, osmol/l; bei kleineren Einheiten mosmol/l) ist wichtig für die praktische Arbeit mit Infusionslösungen; sie ist jeweils im Beipackzettel bei der Zusammensetzung angegeben.
  • Isotone Infusionslösungen entsprechen in ihrer Osmolarität (aber nicht in ihrer Zusammensetzung) dem Blutplasma, d. h., die Osmolarität liegt um 300 mosmol/l, z. B. isotone Kochsalzlösung.

  • Hypotone Infusionslösungen:isotoneInfusionslösungen haben eine Osmolarität unter 270 mosmol/l, hypertone Infusionslösungen eine von über 310 mosmol/l. Diese Lösungen können die Venenwände und Erythrozyten schädigen: Erythrozyten „saugen“ in Infusionslösungen:hypotonehypotoner Lösung Wasser auf, bis sie platzen, in hypertoner Lösung geben sie Infusionslösungen:hypertoneWasser ab und schrumpfen, bis sie die sog. Stechapfelform annehmen.

Alle Infusionslösungen müssen ebenso wie die Injektionslösungen steril (keimfrei) und pyrogenfrei, d. h. frei von fiebererzeugenden Substanzen, sein.
Infusionslösungen für die Heilpraktikerpraxis und die Notfalltasche
Erythrozyten:StechapfelformBis auf sehr wenige Ausnahmen werden in der Heilpraktikerpraxis und für die Notfalltasche nur drei Arten von Infusionslösungen benötigt:
  • Infusionslösungen:PraxisIsotone Kochsalzlösung besteht aus 9 g Natriumchlorid (NaCl) auf Infusionslösung:Notfall1 l Wasser für Injektionszwecke, z. B. isotone Kochsalz-Lösung 0,9 % Kochsalzlösung:isotoneBraun. Sie wird z. B. dann infundiert, wenn eine rasche Infusionslösungen:KochsalzlösungVolumensubstitution (30.7) erfolgen muss, wie beim hypovolämischen oder anaphylaktischen Schock.

  • Glukoselösungen gibt es in unterschiedlichen Konzentrationen.

  • Ringer-Lösung (z. B. Ringer-Lösung Fresenius) ist eine isotone Lösung, dieGlukoselösung Natriumchlorid, Kaliumchlorid und Infusionslösungen:GlukoselösungKalziumchlorid in bestimmter Konzentration enthält und dem Flüssigkeitsersatz sowie der Ringer-LösungElektrolytsubstitution dient. Sie wird z. B. bei Dehydratation (16.2.5, z. B. bei Infusionslösungen:Ringer-Lösungschweren Durchfällen) oder auch zur Volumensubstitution beim hypovolämischen Schock eingesetzt. Sie kann ebenfalls als Träger für Medikamente verwendet werden.

Infusionszubehör
Von der Industrie werden drei Behältertypen angeboten: Glasflaschen, Kunststoffflaschen, Kunststoffbeutel. Die Behältergrößen reichen von 50 ml über 100 ml, 250 ml und 500 ml bis zu 1.000 ml.
Infusionen:ZubehörInfusionssysteme (-geräte, -bestecke) stellen die Verbindung zwischen Infusionsflasche und Kanüle her (Abb. 6.34). Evtl. werden noch Verschlusskappen mit und ohne Mandrin (Einlagedraht oder -stab in Kanülen) benötigt, z. B. zum Offenhalten Infusionen:Systemevon Kanülen bei nichtlaufender Infusion (Abb. 6.35).
Venenkanülen
In der Praxis werden folgende zwei Venenkanülen (Abb. 6.36) eingesetzt:
  • Mandrin Venenverweilkanüle (Braunüle®, Venüle®, Viggo®): Kanüle aus Kunststoff von ca. 19–50 Venenkanülenmm Länge mit eingelegtem Kanüle:VeneStahlmandrin. Der Mandrin dient Venenverweilkanüleals BraunüleFührungsschiene und wird nach dem Legen der BraunüleVenüle entfernt, sodass nur noch die Kunststoffhülle in der Vene Viggoliegen bleibt (Abb. 6.37, Abb. 6.38). Sie wird v. a. in der Notfalltherapie angewendet. Da die Stahlinnennadel nach der Venenpunktion entfernt wird und nur die Kunststoffkanüle in der Vene bleibt, ist die Gefahr gering, dass die Kanüle während der Liegezeit das Gefäß perforiert.

  • Butterfly-Kanüle: Silikonbeschichtete Dünnwandnadel, die v. a. bei der Punktion dünner, feiner Venen eingesetzt wird. Sie ist nicht als Venenverweilkanüle geeignet, sondern muss nach beendeter Kanüle:ButterflyInfusion entfernt werden (Abb. 31.4). Nur bei Butterfly-KanüleKurzinfusionen oder Einzelinfusionen, die lediglich kurze Zeit laufen, ist eine Butterfly-Kanüle sinnvoll, da die scharf geschliffene Hohlnadel aus Stahl das Gefäß bereits bei geringfügigen Bewegungen des Patienten perforieren kann. Sie eignet sich auch zur intravenösen Injektion oder Blutabnahme, wenn z. B. ein (alter) Patient dünne, „brüchige“ Venen hat.

  • Verwenden Sie nur sichere Injektionskanülen (6.3.2).

Vorbereiten einer Infusion

Für das Verabreichen von Infusionen gelten die vom Robert Koch-Institut veröffentlichten Empfehlungen zur Prävention gefäßkatheterassoziierter Infektionen. Die vorbereitenden Maßnahmen entsprechen denen Infusionen:Vorbereitungbei einer intravenösen Injektion (6.4.4).

Tipp

Infusionen dürfen erst kurz vor dem „Anhängen“ gerichtet werden, damit evtl. eingebrachte Erreger keine Zeit zur Vermehrung haben.

Als Infusionsbehälter werden Glas- und Kunststoffflaschen/Kunststoffbeutel sowie Mehrkammersysteme angeboten. Die Behältergrößen reichen von 50 ml über 100 ml, 250 ml und 500 ml bis zu 1.000 ml.
Vorbereiten der Infusionslösung
Jegliches Zubereiten von Infusionen, insbesondere beim Herstellen von Mischlösungen, muss in einem reinen Raum unter aseptischen Bedingungen vorgenommen werden.
Zunächst werden alle benötigten Materialien Infusionslösung:Vorbereitenbereitgelegt:
  • Infusionsflasche mit Aufhängevorrichtung

  • Spritzentablett oder Nierenschale

  • steriles Infusionsbesteck (Abb. 6.34)

  • Händedesinfektionsmittel

  • Infusionsständer; wenn nicht vorhanden (z. B. im Notfall), muss die Infusionsflasche hochgehalten werden, möglichst von einer dritten Person

  • ggf. Medikamente zum Zumischen

In folgenden Arbeitsschritten wird die Infusion gerichtet:
  • Infusionsflasche/-beutel auf Unversehrtheit, Verfallsdatum, Trübung, Kristallisierung oder Ausflockung kontrollieren.

  • Gegebenenfalls Aufhängevorrichtung an der Infusionsflasche anbringen.

  • Arbeitsfläche (übersichtlich, ausreichend groß) desinfizieren und eine hygienische Händedesinfektion durchführen (5.4).

  • Verschlussabdeckung der Infusionsflasche entfernen und Einstichstelle desinfizieren (Einwirkzeit beachten).

  • Infusionsleitung auspacken, Durchflussregler und Belüftungsventil/Bakterienfilter schließen, bei nicht geschlossenem Ventil kann dieses feucht und damit unbrauchbar werden.

  • Dorn der Infusionsleitung in die stehende Flasche bzw. den schräg gehaltenen Beutel stechen.

  • Infusionsflasche/-beutel aufhängen.

  • Tropfkammer durch Komprimieren und Loslassen zu ⅔ füllen.

  • Belüftungsventil (Luftfilter) öffnen.

  • Unmittelbar vor Applikation Durchflussregler (Rollenklemme) langsam öffnen, Infusionsleitung blasenfrei füllen und Durchflussregler wieder schließen. Bei Plastikbeuteln bleibt der Belüftungsfilter geschlossen.

Achtung

Wegen Kontaminationsgefahr dürfen zur Belüftung keine Kanülen in Infusionsbeutel gestochen werden. Der Druckausgleich stellt sich durch das Zusammenziehen der Plastikbeutel her, bei Flaschen durch das Einströmen am Belüftungsventil.

Zumischen von Medikamenten
Wenn ein Medikament zur Infusion zugemischt werden soll, muss die richtige Trägerlösung gewählt werden. Gut geeignet sind z. B. physiologische Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %), Glukose 5 %, Infusionen:Zumischen von MedikamentenElektrolytlösungen mit niedriger Konzentration. Zu beachten sind die Hinweise auf der Gebrauchsinformation (Beipackzettel + Fachinformation).
  • Hände desinfizieren.

  • Verschlussstopfen des Infusionsbehältnisses desinfizieren (Einwirkzeit beachten).

  • Medikament erst unmittelbar vor dem Richten und Anlegen der Infusion aufziehen (6.5.3).

  • Injektionskanüle an der markierten Stelle des Verschlussstopfens bei stehender Flasche bzw. schräg gehaltenem Beutel einstechen und das Medikament vorsichtig einspritzen (Schaumbildung vermeiden) um beim Einspritzen größerer Medikamentenvolumina (> 5 ml) einen Überdruck in der Glasinfusionsflasche zu vermeiden: Einspritzen unterbrechen, Luft aus der Infusionsflasche in die Injektionsspritze aspirieren, dann eine weitere Teilmenge einspritzen und diesen Vorgang ggf. wiederholen, bis das gesamte Medikament eingespritzt ist.

  • Infusionslösung zur gleichmäßigen Durchmischung mehrmals vorsichtig kippen (nicht schütteln) und auf Ausflockung, Kristallisierung und Trübung kontrollieren. Tritt nach der Medikamentenzugabe eine ungewöhnliche Veränderung der Infusionslösung auf, darf sie nicht infundiert werden.

Achtung

Die Medikamente zumischen, bevor der Dorn der Infusionsleitung in die Infusionsflasche eingestochen ist. Ein nachträgliches Zuspritzen ist nur bei Infusionsflaschen zulässig, die konstruktionsbedingt speziell für diesen Zweck eine eigene Einstichstelle haben (z. B. Firma Braun).

Vorbereiten des venösen Zugangs
Voraussetzung für eine periphervenöse Infusion ist ein periphervenöser Zugang. Heute werden in der Regel einzeln steril verpackte Venenverweilkanülen (z. B. Vasofix® Braunüle® Abb. 6.38, Abb. 6.39) verwendet.
Venenzugänge zur Infusionstherapie
Periphervenöse Kanülen werden bei Erwachsenen in die Venen des Unterarms oder am Handrücken eingebracht. Bei Kleinkindern sollen periphere Verweilkanülen am Kopf, an der Hand oder am Fuß angelegt werden.
Materialien
Infusionen:Venenzugänge
  • evtl. flüssigkeitsdichte Unterlage als Liegen- und Kleidungsschutz

  • unsterile Handschuhe (Eigenschutz)

  • Haut- und Händedesinfektionsmittel

  • Staubinde

  • unsterile Tupfer

  • Venenverweilkanüle passender Größe oder alternativ eine Butterfly-Kanüle mit kurzer Anschlussleitung

  • Materialien für die Fixierung und den Schutz des Venenzugangs (spezielles, hautfreundliches Heftpflaster, ggf. Folienverband, sterile Kompresse)

  • durchstichfestes Abwurfgefäß

  • sterile Verschlusskappe mit oder ohne Mandrin

  • Infusion zum sofortigen Anschließen oder 5 ml NaCl-Lösung 0,9 % zum „Durchspülen“ (z. B., wenn in einem Notfall keine Infusion erfolgen, sondern der Venenzugang für den Notarzt vorbereitet werden soll)

  • evtl. Einmalrasierer bei starker Behaarung

  • evtl. Lagerungskissen

Subkutane Infusionen

Alternativ zur intravenösen Infusion hat sich, meist für pflegebedürftige Menschen, die subkutane Infusion bewährt. Sie dient der Vorbeugung oder Behandlung einer Exsikkose, die Ursache für Verwirrtheit, Somnolenz und Infusionen:subkutaneSturzgefahr darstellen kann.
  • Indikationen:

    • nicht ausreichende orale Flüssigkeitsaufnahme

    • negative Flüssigkeitsbilanz, z. B. durch Fieber, Diarrhö, forcierte Diurese

  • Kontraindikationen:

    • Schockzustände

    • Blutgerinnungsstörungen, auch bei Antikoagulanzientherapie

    • schwere Elektrolytstörungen

    • ausgeprägte Ödeme oder Aszites

Infundiert werden können 0,9-prozentige NaCl-Lösung, Ringer-Lösung oder 5-prozentige Glukoselösung. Dafür wird am Oberschenkel (lateral, ventral), dem Abdomen oder infra-/supraklavikulär z. B. eine Butterfly-Kanüle in das Unterhautfettgewebe eingestochen und mit sterilem Verband fixiert. Innerhalb von 4–8 Stunden werden 1.000–1.500 ml vom Gewebe resorbiert. Dies ist bei Berechnung der Tropfenzahl, die pro Minute infundiert werden darf, zu berücksichtigen.

Periphervenöse Infusion und periphervenöser Zugang

Periphervenöse Infusionen werden über kleinere, oberflächliche Venen eingebracht, bei Erwachsenen in die Venen des Unterarms oder am Handrücken, bei Kleinkindern (eher in der Klinik oder beim Arzt) bevorzugt am Kopf, an Infusionen:periphervenöseder Hand oder am Fuß. Hauptindikationen sind Kurzinfusionen und die (meist kurzzeitige) Infusionstherapie mit isotonen Lösungen. Voraussetzung für eine periphervenöse Infusion ist ein periphervenöser Zugang. Heute werden in der Regel steril verpackte Venenverweilkanülen (z. B. Braunüle® Venüle®, Viggo®) verwendet. Butterfly-Kanülen sind bei Kurzzeitinfusionen sinnvoll, allerdings besteht aufgrund der scharfen Hohlnadel bereits bei geringfügigen Bewegungen des Patienten die Gefahr der Gefäßperforation.
Gefahren und Komplikationen
Eine Infusionstherapie ist immer auch mit Risiken für den Patienten verbunden. Löst der Patient z. B. versehentlich den Zugang, kann es zu Blutungen kommen. Mangelhafte Hygiene kann eine Thrombophlebitis (11.7.2), im Extremfall eine Sepsis (25.4.3) durch eingeschleppte Bakterien verursachen. Liegt die Verweilkanüle nicht korrekt, d. h. nicht innerhalb der Vene, kann es – abhängig von dem verabreichten Medikament – evtl. zu schweren Gewebeschäden kommen.
Die größte Gefahr besteht bei falsch gewählter Indikation: Eine Volumensubstitution kann z. B. bei einem Patienten mit Lungenembolie oder Herzinfarkt durch Steigerung der Vorlast des Herzens zum Tode führen.
Als allergische Reaktion auf die infundierte Lösung bzw. das gelöste Medikament ist auch ein anaphylaktischer Schock möglich.
Durchführung
  • Übliche Vorbereitungen durchführen, z. B. den Patienten informieren und sein Einverständnis einholen, die Hände waschen.

  • Patienten in eine entspannte, für die Venenpunktion geeignete Lage bringen Venenverweilkanüle:Durchführung(meist Rückenlage, je nach Situation auch Schock- oder stabile Seitenlage).

  • Störende Bekleidung ausziehen – meistens reicht es nicht, nur den Ärmel des Kleidungsstücks emporzuschieben.

  • Bei Bedarf – und wenn dazu Zeit ist – Haut im Bereich der vorgesehenen Punktionsstelle rasieren.

  • Gegebenenfalls die Venenfüllung verbessern.

  • Ängstliche Patienten z. B. durch ein Gespräch ablenken.

  • Punktionsort mit Unterarmpolster unterstützen.

  • Hände desinfizieren.

  • Eigentliche Venenpunktion durchführen: Vene stauen (distaler Puls bleibt tastbar). Punktionsstelle wählen und die Haut unter Beachtung der Einwirkzeit desinfizieren.

  • Zum Eigenschutz Einmalhandschuhe anlegen.

  • Haut mit der passiven Hand spannen und fixieren. Einstichstelle vor der Venenpunktion nicht mehr palpieren. Mit der Venenverweilkanüle Haut rasch im Winkel von 45° durchstechen, dann Vene flach punktieren (indirekte Venenpunktion 6.6.2).

  • Wenn Blut am transparenten Kanülenansatz erscheint, Venenverweilkanüle ein kurzes Stück ins Venenlumen vorschieben, Punktionsnadel zurückziehen (aber nicht ganz herausziehen) und gleichzeitig Plastikkanüle vorschieben.

  • Staubinde lösen. Nadel unmittelbar in das Abwurfgefäß entsorgen, dabei die Vene auf der Höhe der Kanülenspitze abdrücken (Abb. 6.40 bis Abb. 6.43).

  • Venenverweilkanüle mit NaCl 0,9 % durchspülen und mit einem Mandrin verschließen oder sofort Infusion anschließen und korrekte Tropfgeschwindigkeit einstellen.

  • Kanüle fixieren; unsterile Pflasterstreifen dürfen nicht in der Nähe des Einstichs angebracht werden. Punktionsstelle steril abdecken.

  • Auf Veränderungen im Bereich der Punktionsstelle achten (Hämatom? Paravenöse Infusion?) und Patienten erst verlassen, wenn sicher ist, dass die Lösung korrekt einfließt, im Notfall beim Patienten bleiben und weitere Maßnahmen der Ersten Hilfe sowie Kontrolle der Vitalfunktionen durchführen.

  • Gebrauchte Materialien entsorgen, Spritzentablett oder Nierenschale desinfizieren.

  • Dokumentation durchführen.

Bei länger als einen Tag liegenden Verweilkanülen ist ein Verbandswechsel (aseptisch!) nur bei Verschmutzung, Ablösung oder Infektverdacht notwendig. Zur Erkennung einer Phlebitis ist jedoch eine tägliche Inspektion und bei nicht transparenten Verbänden die Palpation erforderlich, ohne den Verband zu öffnen.
Wird der periphervenöse Zugang entfernt, geht man vor wie bei einer beendeten intravenösen Injektion (6.4.4).
Maßnahmen während einer Infusion
Während der Infusion muss der ordnungsgemäße Ablauf regelmäßig überwacht und der Zustand bzw. das Befinden des Patienten überprüft werden.
Die benötigte Tropfenzahl wird über die Rollenklemme am Infusionssystem eingestellt: Je schneller die Flüssigkeit infundiert werden soll, desto mehr Lumen muss die Rollenklemme freigeben. In Notfallsituationen wie einem anaphylaktischen Schock wird üblicherweise „im Schuss“ infundiert (z. B. physiologische Kochsalzlösung), d. h. mit maximaler Tropfgeschwindigkeit.

Blutentnahmen

Blutlabor, Interpretation 31.3
Standardblutabnahme 31.2.1

Entnahme von Kapillarblut

Kapillarblutentnahme: subkutane Punktion der Fingerbeere oder des Ohrläppchens zur Gewinnung eines Tropfens Kapillarblut.

Kapillarblut wird in der Heilpraktikerpraxis z. B. zu folgenden Zwecken verwendet:
  • schnelle Blutzuckerbestimmung (15.5.3Blutentnahme)

  • Hb-Bestimmung (20.3.3)

  • Blutentnahme:KapillarblutLeukozytenauszählung (20.3.3)

Komplikationen
Diese Punktionsart ist sehr risikoarm. Wird jedoch nicht ausreichend Blutzuckerbestimmung:Blutentnahmedesinfiziert, kann es zu einer meist geringfügigen, aber doch schmerzhaften lokalen Entzündung kommen. Damit die kleine Wunde nicht nachträglich verunreinigt wird (z. B. bei Gartenarbeit oder beim Putzen), sollte der Patient gebeten werden, das Pflaster mindestens einen Tag lang zu tragen.
Punktionsorte
Man entnimmt das Blut entweder aus dem Ohrläppchen oder aus der seitlichen Fingerbeere. Wählen Sie möglichst keinen „Arbeitsfinger“, denn der Einstich schmerzt oft Punktion:Kapillarblutnoch einige Zeit und beeinträchtigt Blutentnahme:Ohrläppchendas Tastempfinden. Bei einem Rechtshänder sollten Sie z. B. die seitliche Fingerbeere des linken Blutentnahme:FingerbeereRingfingers punktieren.
Material

Merke

Zur Blutentnahme benötigen Sie folgende Materialien (Abb. 6.44):

  • Spritzentablett oder Nierenschale

  • Hände- und Hautdesinfektionsmittel

  • sterilisierte Tupfer

  • steril verpackte EinmallanzetteEinmallanzette (HämostiletteHämostilette) oder Stechhilfe mit wählbarer Stichtiefe (z. B. Accu-Chek Softclix® Pro; nur dieser Typ verhindert eine Blutkontamination im Inneren des Geräts, die zur Vermeidung von mit Blut übertragbaren Infektionen unabdingbar ist Abb. 6.45), für besonders schmerzarme Punktionen (Gebrauchsanweisung beachten!). Die „Classic“-Version ist nicht zulässig, da nur bei der Version „Pro“ die Lanzetten so konstruiert sind, dass eine Blutkontamination im Inneren des Geräts vermieden wird (Hepatitis B!). Darauf ist auch bei der Auswahl jeder anderen Stechhilfe zu achten.

  • unsterile Handschuhe zum Eigenschutz

  • Pflaster

  • evtl. eine Warmwasserkompresse oder eine durchblutungsfördernde Salbe (z. B. Finalgon®)

  • Material zur Aufnahme der Blutprobe, z. B. Glaskapillare für Hb-Bestimmung, Objektträger für die Leukozytenzählung oder Teststreifen für die Blutzuckerbestimmung

  • Kanülenabwurfbehälter zur Abfallentsorgung

Durchführung
  • Einverständnis des Patienten einholen, Patient soll sich setzen.

  • Tablett mit Material vorbereiten.

  • Rund um die Einstichstelle die Durchblutung durch Warmwasserkompresse oder sanfte Massage fördern (nicht quetschen!); evtl. kann eine durchblutungsfördernde Salbe (z. B. Finalgon®) eingesetzt werden, die jedoch vor der Desinfektion wieder abgewischt werden muss.

  • Einstichstelle desinfizieren, Einwirkzeit abwarten, Handschuhe anziehen.

  • Sterile Lanzette der Packung entnehmen bzw. Stechhilfe vorbereiten.

  • An der Einstichstelle die Haut durch leichten Druck auf Ohrläppchen oder Finger spannen; nicht kneten, da dies die Erythrozyten schädigen und das Ergebnis verfälschen kann.

  • Lanzette mit der ganzen Spitze zügig und gerade einstechen und augenblicklich wieder zurückziehen (Abb. 6.46); das bei Anfängern oft zu beobachtende zögernde und vorsichtige Einstechen ist schmerzhafter und oft nicht erfolgreich. Die Stechhilfe bietet hier wesentliche Vorteile.

  • Lanzette in bereitstehende Kanülenabwurfbehälter werfen.

  • Den ersten Blutstropfen mit der Kante eines Trockentupfers aufsaugen (Abb. 6.47).

  • Den zweiten Blutstropfen entsprechend der vorgesehenen Untersuchung auf den Teststreifen oder Objektträger tropfen lassen bzw. die Kapillare an den Tropfen halten (Abb. 6.48).

  • Vor einer evtl. zweiten Abnahme die Einstichstelle erneut mit einem Tupfer abwischen.

  • Nach der Blutentnahme die Punktionsstelle mit einem Tupfer komprimieren (lassen) und ein Pflaster aufkleben.

  • Blutprobe entsprechend weiterverarbeiten.

  • Abfall entsorgen, Spritzentablett oder Nierenschale desinfizieren.

  • Dokumentation.

Achtung

  • Die Einstichstelle darf weder vor noch bei der Blutentnahme gequetscht werden, um mehr Blut zu gewinnen. Dabei könnten Erythrozyten zerstört werden oder es könnte Lymphflüssigkeit austreten. Beides kann das Untersuchungsergebnis verfälschen.

  • Eine Glaskapillare saugt sich automatisch voll, wenn man sie an den Blutstropfen hält. Wichtig ist, dass man das Röhrchen dabei nicht absetzt. Dadurch entstehende Luftbläschen könnten ebenfalls zu falschen Untersuchungsergebnissen führen.

Da es sich bei der Kapillarblutentnahme um einen vergleichsweise geringfügigen Eingriff handelt, besteht die Gefahr, dass in der Hektik des Praxisalltags die Desinfektion nachlässig durchgeführt oder auf das Tragen von Handschuhen verzichtet wird. Dabei wird das Risiko einer Infektion unterschätzt. Halten Sie grundsätzlich die Hygienevorschriften ein, um Entzündungen und Infektionskrankheiten vorzubeugen!

Intravenöse Punktion und Blutentnahme

Verschiedene Entnahmesysteme 31.2.1

Intravenöse Punktion: Punktion einer oberflächlichen Vene mit einer Hohlnadel.

Indikationen für eine venöse Blutentnahme in der Heilpraktikerpraxis sind z. B.
  • Gewinnung von Untersuchungsmaterial für die Labordiagnostik (31.2.1)

  • Gewinnung von Blutentnahme:venöseEigenblut (4.2.18)

  • Aderlass (4.2.2)

Komplikationen
Beim Durchstechen einer Vene kann es zu einem (ausgedehnten) Hämatom kommen. Sensible Patienten können ohnmächtig werden. Erfahrungsgemäß sind hiervon eher Männer als Frauen betroffen. Bei Patienten, die Aderlass:Venenpunktiongerinnungshemmende Medikamente (20.8) einnehmen, kann die Wunde evtl. längere Zeit nachbluten, weshalb sie mit besonderer Sorgfalt versorgt und länger (mehrere Minuten) komprimiert werden sollte. Bei mangelhafter Hygiene besteht die Gefahr, dass eine Infektionskrankheit übertragen oder eine Thrombophlebitis (11.7.2), im Extremfall sogar eine Sepsis (25.4.3) verursacht wird.
Tipps zur Venenpunktion
Abb. 6.49 bis Abb. 6.51 Die Punktionsorte entsprechen den Stellen zur intravenösen Injektion (6.4.4). Folgende Ratschläge haben sich in der Praxis bewährt:
  • Eine fehlerhafte Blutentnahme (z. B. zu dünne Kanüle, zu starke Punktion:VeneAspiration) kann Untersuchungsergebnisse verfälschen.

  • Sich nicht unter Zeitdruck setzen (lassen); in Ruhe eine geeignete Vene suchen (abtasten, nicht nur schauen!), auch mehrfach und an beiden Armen. Falls gestaut wurde, Stauung zwischendurch lösen.

  • Statt Staubinde Blutdruckmanschette benutzen; Blutdruck messen, dann zwischen systolischen und diastolischen Wert aufpumpen (nicht höher, da sonst auch der arterielle Blutfluss unterbrochen wird).

  • Bei schlechten Venenverhältnissen vor der Punktion feucht-warme Wickel oder Heizkissen auflegen, Punktionsstelle leicht beklopfen („Vene locken“), ggf. Alkohol auf die Haut sprühen (wegen Hämolysegefahr nicht die Venen von distal zur Punktionsstelle hin ausstreichen oder den Patienten „pumpen“, d. h. mehrmals die Hand zur Faust ballen lassen wie bei der intravenösen Injektion!).

  • Bei „Rollvenen“ Y-förmigen Venenzusammenfluss wählen.

  • Bei schwierigen Venenverhältnissen ggf. eine Butterfly-Kanüle verwenden.

  • Gegebenenfalls indirekte Punktion wählen.

  • Nach Abnahme einer größeren Blutmenge (z. B. Aderlass) den Patienten ca. 30 Min. warm zugedeckt ruhen lassen und den Kreislauf überwachen (RR, Puls).

Material
Folgende Materialien werden benötigt:
  • Spritzentablett oder Nierenschale

  • Hände- und Hautdesinfektionsmittel

  • sterilisierte Tupfer

  • Kanüle oder Butterfly; um die Blutkörperchen nicht zu schädigen, großlumige Kanülen bevorzugen (z. B. Nr. 1 gelb oder Nr. 2 grün), ebenso beim Aderlass

  • Spritze, die die benötigte Blutmenge fasst, Blutentnahmesystem (z. B. Vacutainer®-System, Sarstedt®-Monovetten-System) oder spezielles System für den Aderlass. Verwenden Sie nur sichere Arbeitsgeräte (6.5.3).

  • unsterile Handschuhe zum Eigenschutz

  • Staubinde

  • Unterarmpolster

  • evtl. flüssigkeitsdichte Unterlage

  • Trockentupfer, ggf. Kompresse und Pflaster

  • evtl. Warmwasserkompresse oder Heizkissen

  • Material zur Weiterverwendung des entnommenen Blutes, z. B. spezielle Blutprobenröhrchen für verschiedene Untersuchungen (31.2.2)

  • Kanülenabwurfbehälter zur Abfallentsorgung

Vorbereitung und Durchführung von Venenpunktion und Blutentnahme
Im Weiteren gehen Sie folgendermaßen vor:
  • Einverständnis des Patienten einholen.

  • Für ausreichend Licht und ruhige Atmosphäre sorgen.

  • Patienten liegen lassen (Patienten sollten nur in Ausnahmefällen bei der Blutentnahme sitzen) und störende Kleidung entfernen (Ärmel aufkrempeln reicht oft nicht aus).

  • Punktionsort mit Unterarmpolster unterstützen.

  • Evtl. wasserdichte Unterlage als Kleider- und Liegenschutz unterlegen (z. B. beim Aderlass).

  • Hände desinfizieren, Einwirkzeit beachten.

  • Staubinde proximal der Punktionsstelle anlegen (arterieller Puls muss noch tastbar sein).

  • Vene palpieren.

  • Handschuhe anziehen.

  • Haut desinfizieren, Einwirkzeit abwarten. Prüfen, dass versehentlich keine Arterie punktiert wird. In Injektionsgebiet dürfen keine StaubindePulsationen tastbar sein.

  • Vene im flachen Winkel punktieren (Abb. 6.52) und Blut abnehmen, dafür erforderliche Probenröhrchen nacheinander aufstecken bzw. Spritze füllen oder Aderlass-Set anschließen. Röhrchen, die Gerinnungshemmer enthalten (31.2.1), genau bis zur Markierung füllen und durch mehrfaches, vorsichtiges Kippen gründlich vermischen.

  • Staubinde öffnen, Kanüle entfernen und sofort in den Abwurfbehälter werfen.

  • Punktionsstelle noch mehrere Min. komprimieren (lassen). Dabei im Gegensatz zur früher geübten Praxis den Arm in der Ellenbeuge gestreckt lassen und möglichst hoch lagern.

  • Punktionsstelle versorgen (in der Regel reicht ein Pflaster). Bildet sich ein Hämatom, dieses kühlen und später z. B. mit einer heparinhaltigen Salbe behandeln.

  • Abfall ordnungsgemäß entsorgen, Spritzentablett oder Nierenschale desinfizieren.

  • Mit Blut verschmierte Röhrchen reinigen (Handschuhe anziehen!), mit geeignetem Desinfektionsmittel desinfizieren und neu beschriften.

  • Blutproben nicht unnötig lange stehen lassen, sondern für den baldigen Transport ins Labor sorgen.

  • Vorgang dokumentieren.

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