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B978-3-437-55244-1.00028-X

10.1016/B978-3-437-55244-1.00028-X

978-3-437-55244-1

Somatogramm Mädchen bis 24 Monate.

[L157]

Somatogramm Jungen bis 24 Monate.

[L157]

Somatogramm Mädchen bis 18 Jahre.

[L157]

Somatogramm Jungen bis 18 Jahre.

[L157]

Schreitphänomen: Hält man das Kind aufrecht am Rumpf, sodass seine Füße die Unterlage berühren, macht es Schreitbewegungen. Dieser Reflex verschwindet etwa in der 4. Woche.

[L143]

Saugreflex: Legt man einen Finger zwischen die Lippen des Kindes, fängt es an, rhythmisch zu saugen. Dieser Reflex verschwindet etwa im 3. Monat.

[J787]

Handgreifreflex (tonischer Handreflex): Legt man einen Finger oder Gegenstand quer in die Handinnenfläche des Kindes, greift es kräftig zu. Dieser Reflex verschwindet etwa im 5. Monat.

[L157]

Stehen mit Unterstützung: Ab dem 9. Monat geht der Säugling an Gegenständen bzw. Möbeln entlang.

[L157]

Die Durchbruchszeiten der Zähne im Milch- und Erwachsenengebiss. Die Weisheitszähne sind oft nur unregelmäßig angelegt, bei manchen Menschen brechen sie erst im fortgeschrittenen Alter oder gar nicht durch. Ihr Durchbruch führt häufig zu lokalen entzündlichen Komplikationen, sodass die Weisheitszähne operativ entfernt werden müssen.

[L190]

Die Entwicklung der kindlichen Motorik bis zum 18. Lebensmonat. Sie zeigt allerdings relativ große individuelle Unterschiede. So lernen etwa 15 % der motorisch normal entwickelten Kinder frei gehen, bevor sie auf allen Vieren krabbeln konnten. Zur groben Orientierung über den Entwicklungsstand eines Kindes sind die Beobachtung des spontanen Verhaltens und die Auskunft der Eltern über bestimmte Fähigkeiten des Kindes geeignet. Zur eingehenden Entwicklungsdiagnostik stehen spezielle Entwicklungstests zur Verfügung.

[L190]

Knapp zwei Monate alter Säugling im typischen Unterarmstütz.

[M121]

Sieben Monate alter Junge, der intensiv seine Zehen „erforscht“.

[M121]

Frei sitzende Kinder von etwa sieben Monaten.

[J787]

Für viele Kinder hat eine Untersuchung neben der beängstigenden auch eine spannende Seite, die „Stoff“ für zahlreiche Spiele bietet.

[J787]

Zum Fiebermessen bei Säuglingen und Kleinkindern ist ein Ohrthermometer einfach anzuwenden, einem digitalen rektalen Thermometer jedoch nicht überlegen.

[J787]

Bei Kindern, die unter einer schweren Exsikkose (Austrocknung) leiden, lässt sich die Haut abheben und die entstandene Hautfalte bleibt längere Zeit bestehen („stehende Hautfalte“).

[E747]

Säugling mit Neugeborenenakne. Die nicht entzündlich veränderten Knötchen treten v. a. im Bereich der Wangen und der Stirn auf, können sich jedoch über den gesamten Körper ausbreiten. Es handelt sich dabei um eine Talgdrüsenhyperplasie.

[J787]

Das aus der Kamille aufbereitete homöopathische Mittel Chamomilla eignet sich bei entsprechenden Allgemein- und Gemütssymptomen zur Behandlung von Zahnungsbeschwerden und Blähungskoliken.

[K103]

Säugling im „Fliegergriff“. Eine Hand stützt den Oberkörper, die zweite greift von hinten zum Unterbauch.

[L143]

Windeldermatitis, die durch Besiedelung mit Pilzen oder Bakterien verstärkt werden kann. Sie breitet sich unbehandelt rasch vom Genitalbereich und Gesäß zum Unterbauch und zu den Oberschenkelinnenseiten aus.

[M123]

Kinder haben einen anderen Schlafrhythmus als Erwachsene. Für sie kann Sonntag morgen 5 Uhr eine normale Aufstehzeit sein, für die Eltern aber nicht. Von einer „Schlafstörung“ zu sprechen, wäre hier fehl am Platz.

[T210]

Für viele Kinder ist es anfangs schwer, in der Schule ruhig auf dem Platz sitzen zu bleiben. Dies darf aber nicht pauschal als „Hyperaktivität“ bewertet werden.

[T210]

Das aus dem Stechapfel (Datura stramonium) gewonnene homöopathische Mittel Stramonium ist bei entsprechenden Gemüts- und Allgemeinsymptomen ein wichtiges Mittel zur Behandlung von gewalttätig-aggressiven Zuständen. Kennzeichnend für das Mittelbild sind auch eine ausgeprägte Schreckhaftigkeit und tiefe Angst.

[O430]

Durch Klettern und Herumtollen kann die überschüssige Energie in konstruktive Bahnen gelenkt werden.

[T210]

Eine infantile Zerebralparese kann unterschiedliche Symptome hervorrufen. Charakteristisch sind aber gesteigerte Muskeleigenreflexe, spastische Muskeltonuserhöhungen, positive Pyramidenbahnzeichen und extrapyramidalmotorische Symptome.

[E376]

Amaurotisches Katzenauge bei Retinoblastom. Einseitige Retinoblastome treten i. d. R. sporadisch auf. Beidseitige Tumoren werden autosomal-dominant vererbt.

[F375]

Durchschnittliches Gewicht in Relation zum Alter.

Tab. 28.1
Alter des Kindes Ungefähres Körpergewicht
1 Monat 3–4 kg
6 Monate 7 kg
1 Jahr 10 kg
3 Jahre 15 kg
6 Jahre 20–25 kg
12 Jahre 40–45 kg

Im Kindesalter auftretende Krankheitsbilder und ihre Leitsymptome.Schluckstörungen:KinderOhrenschmerzen:KinderNeugeborenenakneKopfschmerz:KinderHusten:KinderHautausschlag\t \"s.a. ExanthemHalsschmerzen:KinderErbrechen:KinderDurchfall:KinderBauchschmerzen:KinderAtemnot:KinderAkne:KinderAcne:neonatorumohne Fiebermit Fieber

Tab. 28.2
Leitsymptome Erkrankung
Hautausschlag ohne Fieber
trockene, gerötete, häufig auch schuppende Hautstellen, starker Juckreiz, Kratzspuren, evtl. kleine weiße oder rote Pickelchen, besonders betroffen sind die Gelenkbeugen, bei Säuglingen oft Milchschorf am Kopf und/oder im Gesicht Neurodermitis 18.6
kleine, rote, leicht erhabene Pickelchen auf stark geröteter, nässender Haut im Windelbereich Windeldermatitis 28.6.4
2–4 Wochen nach der Geburt auftretende Mitesser und Papulopusteln, meist bei Jungen, Spontanheilung in Wochen bis Monaten (hervorgerufen durch Empfindlichkeit der kindlichen Talgdrüsen gegenüber mütterlichen Androgenen) Acne neonatorum (Neugeborenenakne Abb. 28.14)
Hautausschlag mit Fieber
kleine gerötete Flecken, die sich in Bläschen und Pusteln umwandeln. Flecken, Bläschen und Pusteln liegen gleichzeitig vor, auch behaarter Kopf und Schleimhäute sind befallen, starker Juckreiz; zudem besteht mäßiges Fieber Windpocken 25.17.8
gerötete, bis 1 cm große, unregelmäßige, z. T. zusammenlaufende Flecken, hinter den Ohren beginnend und sich von oben nach unten ausbreitend, mit hohem Fieber, Bindehautentzündung, Schnupfen sowie Husten Masern 25.17.3
feinfleckiger, dicht stehender, rauer Hautausschlag, v. a. in der Leisten-, Hals-, Schulterregion, Blässe um den Mund, geschwollene Lymphknoten im Kieferwinkel, Mandelentzündung, „Himbeerzunge“ Scharlach 25.17.8
linsengroße, einzeln stehende und sich über den ganzen Körper ausbreitende Flecken, beginnt im Gesicht, Lymphknotenschwellung im Nacken, nur leichtes Fieber Röteln 25.17.6
bis münzgroße ringförmige, teils landkartenartige Flecken, v. a. an den Armen, aber auch am übrigen Körper, Rötung der Wangen (schmetterlingsförmig), leichtes Fieber Ringelröteln 25.17.5
3 Tage hohes Fieber bei relativ gutem Wohlbefinden, nach Entfieberung feinfleckiger, nur leicht geröteter Hautausschlag am Rumpf, der sich auf die Extremitäten ausbreitet Dreitagefieber 25.17.1
gerötete Flecken am ganzen Körper, besonders am Rumpf, gerötete Handinnenflächen und Fußsohlen, hohes Fieber, Bindehautentzündung, Lymphknotenschwellung am Hals, betrifft insbesondere Säuglinge und Kleinkinder Kawasaki-Syndrom 28.8.5
Schnupfen und/oder behinderte Nasenatmung
behinderte Nasenatmung mit Niesen, wässrigem Schnupfen, häufig Halsschmerzen und Schluckstörungen, Abgeschlagenheit, evtl. Fieber, Husten, Lymphknotenschwellung Rhinitis 12.5.1
einseitig behinderte Nasenatmung mit einseitigem, oft eitrigem Schnupfen und manchmal Geruchsbildung Fremdkörper in der Nase (z. B. Perle, Erbse)
beidseitig behinderte Nasenatmung, kein Schnupfen, gehäufte Infekte, Schnarchen, Mundatmung, Appetitlosigkeit Adenoide („Polypen“) 24.7.3, Verkrümmung der Nasenscheidewand
Halsschmerzen, Schluckstörungen und/oder Ohrenschmerzen
Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, geschwollene, gerötete Mandeln, evtl. mit Eiterpünktchen, hohes Fieber, Schüttelfrost, evtl. Hautausschlag Angina tonsillaris 21.5.1, Scharlach 25.17.8
Schluckstörungen, Halsschmerzen, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, geschwollene Mandeln, Lymphknotenschwellung Infektiöse Mononukleose 25.19.3
Schluckbeschwerden, ein- oder beidseitig vor den Ohren schmerzhafte Schwellung, Schmerzen beim Kauen, evtl. Ohrenschmerzen Mumps 25.17.4
heftige, oft klopfende Ohrenschmerzen in der Tiefe des Ohrs, Schwerhörigkeit, Fieber, Erkältungszeichen, evtl. Ohrgeräusche Otitis media 24.8.5
Halsschmerzen, Schluckstörungen und/oder Ohrenschmerzen
Druck oder Stechen im Ohr, Hörminderung, meist im Rahmen einer Erkältung Tubenkatarrh 24.8.4
starke Schluckbeschwerden, Speichelfluss, hohes Fieber, Apathie, Atemnot, kloßige Sprache Epiglottitis 28.8.4
Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, Fieber, geschwollene Mandeln mit grau-weißen Belägen, bellender Husten, süßlicher Mundgeruch Diphtherie (echter Krupp) 25.12.6
Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung
Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und Fieber, Rückenschmerzen, evtl. Bewusstseinsstörungen Meningitis 25.16.1
Hustenanfall mit Blaufärbung der Lippen und evtl. ziehende Einatmung Fremdkörperaspiration 30.4.1
anfangs Husten mit Brennen und Wundsein hinter dem Brustbein, später lockerer, produktiver Husten mit Auswurf, allgemeine Erkältungssymptome, evtl. Fieber Bronchitis 12.5.5
bellender, trockener Husten mit Heiserkeit, meist im Rahmen einer Erkältung abends oder nachts auftretend Pseudokrupp 28.6.5
stakkatoartiger Husten mit 10–20 Hustenstößen, danach ziehende Einatmung, evtl. Zyanose, Würgen oder Erbrechen, glasiger Schleim; Achtung: beim Säugling keine Hustenanfälle, sondern Atemstillstände! Keuchhusten 25.17.2
Schmerzen beim Atmen, hohes Fieber, Husten und Auswurf, häufig auch Schüttelfrost, Mundgeruch, Nasenflügelatmung, manchmal Atemnot, selten Blaufärbung der Lippen Pneumonie 12.5.6
anfallsartiger Husten, erst oft trockener Reizhusten, dann Husten mit zähem, glasig-weißem Schleim, Atemnot, pfeifende Ausatmung; bei Kindern typisch: Husten und evtl. Atemnot nach dem Toben oder Lachen Asthma bronchiale 12.8
Bauchschmerzen, Erbrechen und/oder Durchfall
Bauchschmerzen beim Säugling, geblähter Bauch, Schreiattacken (oft am Spätnachmittag), krampfhaftes Anziehen der Beine, kein Fieber Dreimonatskolik 28.6.3
Spucken oder schwallartiges Erbrechen nach einer Mahlzeit und anschließendes Schreien, Kind gedeiht gut zu hastiges Trinken, Luftschlucken
schwallartiges Erbrechen nach jeder Mahlzeit, Gedeihstörung, häufig im rechten Oberbauch tastbare Walze, meist Knaben betroffen Pylorusstenose 28.8.1
Erbrechen und heftiges Schreien oder Apathie, gespannte Bauchdecke, evtl. tastbare Walze, Blässe, Schweißausbrüche, Kollaps Ileus (z. B. Invagination, Volvulus) 13.4.10
unstillbares Erbrechen, verstärkt nach der Nahrungsaufnahme, trockene Schleimhäute, evtl. stehende Hautfalten, obstartiger Mundgeruch azetonämisches Erbrechen 28.5.4
Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit, evtl. Erbrechen, Fieber infektiöse Gastroenteritis 25.14.2
rechtsseitige Unterbauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, evtl. Durchfall Appendizitis 13.8.4

Die wichtigsten Kriterien zur Differenzierung zwischen Pseudokrupp und Epiglottitis (28.8.4).

Tab. 28.3
Pseudokrupp Epiglottitis
Allgemeinzustand befriedigend stark reduziert
Fieber nur leicht Ca. 39–40 °C
Schluckstörung nein Leitsymptom!
Halsschwellung nein meist stark
Speichelfluss nein Leitsymptom!
Kloßige Stimme nein Leitsymptom!
Heiserkeit Leitsymptom! nein
bellender Husten Leitsymptom! nein
inspiratorischer Stridor bei schwereren Formen unterschiedlich
Position des Kindes unterschiedlich sitzend
bevorzugtes Lebensalter ½–3 Jahre 2–6 Jahre
Jahreszeit gehäuft im Herbst, Spätwinter ganzjährig
Rezidive häufig sehr selten

Kinder

  • 28.1

    Ganzheitliche Aspekte1275

  • 28.2

    Wachstum und Entwicklung des gesunden Kindes1276

    • 28.2.1

      Entwicklung von Länge, Gewicht und Körperproportionen1277

    • 28.2.2

      Entwicklung der Organsysteme1278

    • 28.2.3

      Motorische, sprachliche und soziale Entwicklung1281

  • 28.3

    Umgang mit kranken Kindern1283

  • 28.4

    Medikamentöse Therapie bei Kindern1285

  • 28.5

    Häufige Krankheitszeichen des Kindes1285

    • 28.5.1

      Das fiebernde Kind1286

    • 28.5.2

      Durchfall bei Säuglingen und Kindern1287

    • 28.5.3

      Erbrechen bei Säuglingen und Kindern1289

    • 28.5.4

      Azetonämisches Erbrechen1290

  • 28.6

    Häufige Erkrankungen im Kindesalter und ihre Leitsymptome1290

    • 28.6.1

      Tabellarische Übersicht1290

    • 28.6.2

      Icterus neonatorum1292

    • 28.6.3

      Exzessives Schreien, „Dreimonatskoliken“1292

    • 28.6.4

      Windeldermatitis1294

    • 28.6.5

      Pseudokrupp1295

  • 28.7

    Häufige Störungen im Kindesalter1296

    • 28.7.1

      Schlafstörungen1296

    • 28.7.2

      Enuresis1296

    • 28.7.3

      ADS und ADHS1297

    • 28.7.4

      Lernschwierigkeiten und Legasthenie1300

    • 28.7.5

      Essunlust1300

    • 28.7.6

      Wachstums- und Gedeihstörungen1300

  • 28.8

    Seltene Erkrankungen des Kindesalters1301

    • 28.8.1

      Angeborene Erkrankungen1301

    • 28.8.2

      Infantile Zerebralparese1301

    • 28.8.3

      Bösartige Tumoren im Kindesalter1302

    • 28.8.4

      Epiglottitis1303

    • 28.8.5

      Kawasaki-Syndrom1303

  • 28.9

    Plötzlicher Kindstod (SIDS)1304

  • 28.10

    Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch1305

Ganzheitliche Aspekte

Kindsein

Kinder sind im Vergleich zu Erwachsenen in der Regel vitaler und gesünder. Sie haben eine nahezu unerschöpfliche Energie, mit der sie die Umgebung erkunden und entdecken. Ihr Hineinwachsen in die Welt durchläuft verschiedene körperliche Reifungsphasen und seelische Entwicklungsprozesse. Auf diesem Weg bedürfen sie einer liebevollen Begleitung und Unterstützung.

Zeit der Infekte und des Fiebers

Viele Erkrankungen der Kinder sind Bestandteil des natürlichen Entwicklungsprozesses und haben die Funktion, die körperliche, seelische und geistige Entwicklung zu fördern. Vor allem Erkältungs- und Infektionskrankheiten, die gehäuft zwischen der Säuglingszeit und dem Zahnwechsel auftreten, also in der Phase, in der das Kind seine motorischen und geistigen Fähigkeiten entwickelt, sind Bestandteil dieses Prozesses. Das dabei auftretende Fieber ist ein gutes Zeichen dafür, dass der Körper all seine Kräfte mobilisiert, um die Infektion aus eigener Kraft zu heilen. Um diese regulativen, selbstheilenden Kräfte nicht zu unterdrücken, sollte das Fieber aus naturheilkundlicher Sicht nicht vorschnell durch Antipyretika und Antibiotika gesenkt werden.
Ging eine entsprechende Behandlung voraus, empfiehlt sich eine Umstimmung des kindlichen Organismus. Diese sollte in einer gesunden Periode erfolgen – geeignete Maßnahmen zur „Entgiftung“ sind z. B. eine Ernährungsumstellung, die Anregung der Verdauung sowie eine Ausleitung mit pflanzlichen oder homöopathischen Mitteln.
Die kindliche Entwicklung ist auch davon geprägt, dass die körpereigene Abwehr aufgebaut werden muss. So sind ständige Erkältungen oder geschwollene Lymphknoten ein Zeichen dafür, dass das lymphatische System sozusagen Probeläufe macht und dabei eindringende Krankheitserreger identifiziert und zerstört. Vor allem für Kinder mit lymphatischer Konstitution (3.7.4) ist diese Zeit, in der das Immunsystem die passive Immunität ausbildet, eine Phase chronischer Infekte.

Das Kind in der Praxis

Neben einer erhöhten Infektanfälligkeit sind Erkrankungen aus dem atopischen Formenkreis (z. B. Neurodermitis, Heuschnupfen und allergisches Asthma) die häufigsten kindlichen Erkrankungen, mit denen der Behandler in der Naturheilpraxis konfrontiert wird.
Kommen Eltern wegen sog. Verhaltensauffälligkeiten (z. B. Aggressivität, hyperkinetisches Syndrom) in die Praxis, ist auch zu prüfen, inwiefern das Verhalten der Eltern Ursache oder Auslöser für die Probleme des Kindes sein können. Eltern ist oft nicht bewusst, wie sehr sie ihr Kind in der Seelenentwicklung durch eigene Vorstellungen beeinflussen. Zu berücksichtigen ist auch, dass kindliche Erkrankungen in vielen Fällen die psychische Verfassung der betreuenden Bezugsperson oder den Zustand des Familienlebens widerspiegeln können.
Edward Bach, der einstige Begründer der Bach-Blütentherapie (4.2.9) geht davon aus, dass ein glückliches Kind weder das Glück anderer stören noch gestatten wird, dass sein eigenes Glück gestört wird. Kann man sich dieser Sichtweise anschließen, so hat man eine erste Möglichkeit zu unterscheiden, ob das Problem eher durch das Kind oder die Eltern verursacht wurde: Ist z. B. das scheinbar aggressive Verhalten des Kindes ein berechtigter Versuch, sich gegen störende Einflüsse der Eltern zu wehren, so stellt sich die Frage, ob nicht die Eltern eines therapeutischen Impulses bedürfen. Ist das Kind in seiner Aggressivität gefangen und kann es kaum andere Ausdrucksmöglichkeiten zulassen, steht hingegen die therapeutische Unterstützung des Kindes im Vordergrund.

Naturheilkundliche Therapie

Der kindliche Organismus verfügt in der Regel über eine hohe Regulationsfähigkeit. Kinder reagieren auf eine naturheilkundliche Behandlung viel unmittelbarer als Erwachsene. Sie sind dem Leben gegenüber geöffnet und nehmen äußere Eindrücke intensiv und unvoreingenommen auf. Sie haben, ablesbar an dieser Empfänglichkeit für alle äußeren Reize, eine stärkere Lebenskraft als Erwachsene, deren Regulationsfähigkeit durch körperliche Erkrankungen, fixierte Gemütszustände und Verhaltensweisen vergleichsweise eher eingeschränkt ist.
Als kindgerechte Therapieverfahren sind insbesondere die Bach-Blütentherapie (4.2.9) und die Homöopathie (4.2.22) zu empfehlen. Sie berücksichtigen bei der Auswahl der Mittel die spezifischen seelischen Grundhaltungen und konstitutionellen Gegebenheiten und wirken impulsgebend auf die kindliche Entwicklung ein. Diese Therapieverfahren können eingesetzt werden bei akuten Erkrankungen (z. B. grippale Infekte, Kinderkrankheiten), bei chronischen Erkrankungen mit psychosomatischem Anteil (z. B. Neurodermitis, Asthma bronchiale), bei auffälligen oder schwierigen Verhaltensweisen sowie zur Förderung einer gesunden psychischen Entwicklung. Insbesondere in schwierigen Zeiten, wie z. B. dem Eintritt in Kindergarten und Schule sowie bei auftretenden Schwierigkeiten mit Geschwistern oder anderen Kindern können diese Therapieverfahren zudem die Entwicklung des Kindes fördern und die schwierigen Zeiten erleichtern.
Physikalische Maßnahmen, wie z. B. Wickel, Bäder, Einläufe und Inhalationen, eignen sich ebenfalls gut zur Behandlung von Infektionskrankheiten. Sie können zudem auch problemlos zu Hause von den Eltern durchgeführt werden.
Bei allen Anwendungen ist darauf zu achten, dass Kinder keine „kleinen Erwachsenen“ sind. Längst nicht jedes Verfahren ist für Kinder geeignet, und auch die Dosierung und die Dauer der Behandlung müssen speziell auf das Kindesalter abgestimmt sein.
Zu berücksichtigen ist ferner, dass Liebe und Zuwendung vonseiten der Eltern mindestens genauso notwendig für den Heilungsprozess sind wie eine Arznei.

Wachstum und Entwicklung des gesunden Kindes

Die meisten Fragen der Eltern – auch an die Heilpraktikerin oder den Heilpraktiker – beziehen sich nicht auf Krankheiten, sondern auf die normale Entwicklung des normalen Kindes: Warum schläft mein Kind nicht durch? Was kann ich tun, damit es sein Gemüse isst? Warum schreit mein Baby so viel – liegt das vielleicht an einem Geburtstrauma? Wie gehe ich mit den Zornanfällen um? Wie mit der „Pubertätskrise“? Ein gutes Verständnis der kindlichen Entwicklung ist deshalb die wichtigste Grundlage für jede Beratung und Behandlung ratsuchender Familien.
Die kindliche Entwicklung folgt keiner Willkür, sondern hat sich in der Menschheitsgeschichte eingeschliffen, von Generation zu Generation. Sie stellt eine Anpassung an die Herausforderungen dar, vor denen die Kinder immer wieder standen. Bei der Erklärung der kindlichen Entwicklung hat es sich bewährt, diese evolutionäre „Tiefenstruktur“ der kindlichen Entwicklung mit zu berücksichtigen. Auch die für die Eltern manchmal „schwierigen“ Verhaltensweisen (wie etwa die häufigen Schlafprobleme am Lebensanfang, das „Fremdeln“ des älteren Säuglings, die Zornanfälle des Kleinkindes oder die Schwierigkeiten mit dem Gemüse ab dem zweiten Lebensjahr) sind zunächst einmal entwicklungsgeschichtliche Anpassungen, deren Sinn verstanden und bei der Beratung berücksichtigt werden sollte.

Merke

Dass Kinder in ihrer Entwicklung auf das bekannte und teilweise berüchtigte Repertoire setzen (von der Trotzphase bis zur Pubertät), hat einen einfachen Grund: Es hat ihnen geholfen, besser in der Umwelt zurechtzukommen, in der sie über Hunderttausende von Jahren gelebt haben. Es hat ihnen geholfen, erfolgreich groß zu werden.

Wie sehr die evolutionäre Geschichte auch heute fortwirkt, zeigt der Blick auf die Epidemie des Übergewichts bei Kindern. Die ewig hungrige, auf Vorratsbildung bedachte Fettzelle war ein Erfolgsmodell, als Menschen als Jäger und Sammler von der Hand in den Mund leben mussten und auch die Kinder sich in ihrem normalen Leben regelmäßig bewegten. Doch in der heutigen Welt, in der Kinder sozusagen neben dem Kühlschrank aufwachsen, ist der Segen zum Fluch geworden: Die Fettzelle hortet für schlechte Zeiten, die nie kommen werden. Insofern wirken die Triebfedern der kindlichen Entwicklung noch heute: Kinder brauchen in der modernen Welt das gleiche Maß an Bewegung, um gesund zu bleiben, wie vor Tausenden von Jahren. Sie brauchen dieselben Zutaten, um ihr Urvertrauen auszubilden, und sie entwickeln ihr Einfühlungsvermögen, ihre soziale Kompetenz und ihr „Rückgrat“ nicht anders als Kinder früherer Generationen.
Und ihre Entwicklung ist auch heute noch genauso abhängig von der Unterstützung durch den „Stamm“ wie früher. Denn verglichen mit anderen Tierarten sind Menschenjunge ungewöhnlich groß, ungewöhnlich hilflos, sie entwickeln sich ungewöhnlich langsam und werden dazuhin noch geboren, solange das Geschwisterkind noch nicht ausgewachsen ist – ein Rezept für die Überlastung auch noch so motivierter Eltern. Evolutionsbiologen haben berechnet, dass Kinder auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit in der menschlichen Frühgeschichte mit etwa 13 Millionen Kilokalorien „subventioniert“ werden mussten – mehr als die Eltern alleine jemals hätten aufbringen können. Kein Wunder also, dass Biologen den Menschen zu den „kommunal“ aufziehenden Arten rechnen.
Stammesgeschichtlich gesehen ist die Entwicklung des Menschenkindes (die ja immerhin ein Viertel der menschlichen Lebensspanne umfasst) also ein sozialer Prozess: Sie kann nur erfolgreich sein, wenn sie von der Gemeinschaft unterstützt und mit getragen wird.
Dass dies auch hier und heute gilt, zeigen alle verfügbaren Daten aus der Sozialpädiatrie und der Entwicklungspsychologie: Kinder entwickeln sich umso besser, je reichhaltiger, verlässlicher und abgesicherter ihr soziales Netz ist. So werden Sprachentwicklungsstörungen bei etwa 4 % der sozial gut gestellten Kinder beobachtet, bei den sozial benachteiligten Kindern dagegen bei 17 %. Ähnliches gilt für die emotionale und die kognitive Entwicklung – hier sind Störungen bei den Kindern mit niedrigem Sozialstatus etwa 17-mal häufiger als bei der gebildeten Mittelschicht.

Merke

Die kindliche Entwicklung und Gesundheit stehen und fallen mit den sozialen Ressourcen, auf die ein Kind zurückgreifen kann. Oft ist deshalb eine Stärkung des sozialen Bindegewebes wichtiger als Rezepte, Verordnungen und Behandlungen.

Entwicklung von Länge, Gewicht und Körperproportionen

Die Kinder:EntwicklungEntwicklung:LängeEntwicklung:Körperproportionenmeisten Kinder sind bei der Geburt zwischen 46 und 54 cm lang und wiegen zwischen 2,5 und 4,2 kg.

Merke

Faustregel für die Gewichtsentwicklung von Kindern

Im Alter von 5 Monaten hat sich das Geburtsgewicht verdoppelt, mit 1 Jahr verdreifacht, mit 2½ Jahren vervierfacht, mit 6 Jahren versechsfacht und mit 10 Jahren verzehnfacht.

Kinder:GewichtsentwicklungNicht minder rasant Kinder:Wachstumverläuft die Längenzunahme. In keinem Lebensalter wächst das Kind schneller als in den ersten Lebensmonaten. Mit 4 Jahren haben die meisten Kinder die Körperlänge verdoppelt, also 100 cm meist überschritten. Danach verlangsamt sich das Körperwachstum, um sich erst wieder mit der Pubertät in einem zweiten Wachstumsschub zu beschleunigen.
Es gibt Diagramme, sog. Somatogramme (SomatogrammeAbb. 28.1 bis Abb. 28.4), anhand derer sich Größe und Gewicht bezogen auf das Alter eines Kindes mit Durchschnittswerten einer Gruppe Gleichaltriger vergleichen lassen. Für gestillte Kinder liegen inzwischen eigene Somatogramme vor, da Brustkinder anders wachsen als „Flaschenkinder“. Die 75. Längenperzentile bedeutet z. B., dass von 100 Kindern eines bestimmten Alters 74 kleiner und 25 größer sind. Wichtig ist weniger die Einzelmessung als die Verlaufsbeobachtung.
Der Kopfumfang ist bei gesunden Kindern sehr unterschiedlich. Aufschlussreicher als Einzelmessungen sind deshalb auch hier Verlaufsbeobachtungen.
Bezogen auf ihr Gewicht besitzen Säuglinge und Kleinkinder eine ca. 2- bis 3-mal größere Körperoberfläche als Erwachsene. Dadurch sind Kinder zum einen besonders rasch durch Auskühlung und Flüssigkeitsverluste gefährdet. Zum anderen können auch kleinere Verbrennungen bei Säuglingen rasch bedrohlich werden, da es über die große Körperoberfläche schnell zu hohen Flüssigkeits- und Eiweißverlusten kommt (Gefahr des Volumenmangelschocks 11.5.3).

Entwicklung der Organsysteme

Entwicklung der Ausscheidungsfunktionen
Urin Organsysteme:EntwicklungwirdAusscheidungsfunktionen:Kinder bereits im Mutterleib produziert und macht einen großen Anteil des Fruchtwassers aus. Nach einer bis zu 48 Stunden anhaltenden „Pinkelpause“ unmittelbar nach der Geburt wird Urin 10- bis 20-mal pro Tag ausgeschieden.
Der erste Stuhlgang (Mekonium, KindspechMekonium) wird im Rahmen der Kindspechpostpartalen (nachgeburtlichen) Anpassungsvorgänge abgegeben, spätestens nach 48 Stunden. Die danach bis zum 4.–5. Lebenstag abgesetzten helleren Stühle werden als Übergangsstühle bezeichnet. Sie werden bei gestillten Kindern von goldgelben, leicht säuerlich riechenden Muttermilchstühlen abgelöst.

Merke

Die Stuhlhäufigkeit schwankt besonders bei gestillten Kindern erheblich – von zehnmal tgl. bis einmal alle zehn Tage!

Die „reife“, d. h. vom Willen kontrollierte, Ausscheidung von Stuhl und Urin beruht auf einem komplexen Zusammenspiel von Willkürmotorik und Reflexen. Das Sauberkeitstraining beginnt im dritten Lebensjahr und führt meist in sechs Monaten bis zwei Jahren zum Erfolg. Zuletzt verliert sich das nächtliche Einnässen.
Flüssigkeitshaushalt
Bezogen auf Flüssigkeitshaushalt:Säuglingedas Körpergewicht haben Säuglinge einen viel höheren Flüssigkeitsbedarf als ältere Kinder und Erwachsene. Insbesondere Neugeborene sind auf eine gleichmäßige Flüssigkeitszufuhr angewiesen.
Entwicklung des Immunsystems
Gesunde Neugeborene Immunsystem:Entwicklunghaben reichlich Antikörper der Klasse IgG, die plazentagängig sind und deshalb größtenteils noch von der Mutter stammen (Leihimmunität, Nestschutz),Leihimmunität d. h., sie verfügen über eine Nestschutzpassive Immunität (22.5.2) gegenüber verschiedenen Erregern (z. B. Masern-, Röteln-, Mumps-Virus). Nach deren Abbau kommt es im Alter von 3–12 Monaten zu niedrigen Antikörperspiegeln im kindlichen Blut. Die Säuglinge sind ab diesem Alter anfälliger für Infektionen. Sie bilden nun durch Auseinandersetzung mit verschiedenen Erregern und Impfstoffen ihre eigene Immunität mit verstärkter körpereigener Produktion von Antikörpern aus.

Tipp

Wegen der noch nicht voll entwickelten Abwehr reagieren Neugeborene und junge Säuglinge auf Infektionen oft mit (scheinbar) leichten und unspezifischen Krankheitszeichen (kaum Fieber, lediglich „schlechtes Trinken“ oder „komische“ Hautfarbe). Diese Symptome sollte man unbedingt ernst nehmen, da sie bei Neugeborenen auch einziges Anzeichen einer beginnenden schweren Erkrankung, wie z. B. einer Sepsis, sein können. Eine genaue Beobachtung ist deshalb unerlässlich.

Entwicklung einzelner Organsysteme
Die Entwicklung:OrgansystemeHerzfrequenz Organsysteme:Entwicklunggeht nach der Geburt im Laufe des ersten Lebensjahres kontinuierlich auf ca. 100/Min. zurück und nähert sich erst mit der Adoleszenz (Lebensabschnitt zwischen Pubertät und Erwachsenenalter) den Erwachsenenwerten.

Merke

Herzfrequenz beim Kind

  • Neugeborene: 140 Schläge/Min.

  • zweijähriges Kind: 120 Schläge/Min.

  • vierjähriges Kind: 100 Schläge/Min.

  • zehnjähriges Kind: 90 Schläge/Min.

  • Jugendliche: 85 Schläge/Min. (bei Leistungssportler in Ruhe erheblich geringer)

Der Herzfrequenz:KinderBlutdruck nimmt kontinuierlich mit der Körpergröße zu.

Merke

Blutdruckwerte beim Kind

  • Neugeborene: systolisch 60–80 mmHg

  • bis zehn Jahre: 90/60 mmHg

  • ab zehn Jahre: 110/75 mmHg

Die Kinder:BlutdruckwerteAtemfrequenz ist im Kindesalter, mit ca. 40 Atemzügen/Min. beim Atemfrequenz:KinderNeugeborenen und immer noch ca. 20/Min. beim Schulanfänger, deutlich höher als beim Erwachsenen und erreicht ebenfalls erst mit der Adoleszenz Erwachsenenwerte (12–16 Atemzüge/Min.). In den ersten Lebensjahren trägt v. a. das Zwerchfell zur Atembewegung bei (Zwerchfellatmung). Bei jedem Atemzug wölbt sich der Bauch durch das herabsinkende Zwerchfell vor (deshalb auch „Bauchatmung“ genannt).

Merke

Atemfrequenz beim Kind

  • Neugeborene: 40–45 Atemzüge/Min.

  • Kleinkind: 25–30 Atemzüge/Min.

  • Schulkinder und Jugendliche: 20–25 Atemzüge/Min.

Eine Atemfrequenz:KinderKörpertemperatur bis 37,8 °CKinder:Atemfrequenz rektal ist normal.
Die Nieren sind erst im Alter von Körpertemperatur:Kinderein bis zwei Jahren voll ausgereift. Nieren:EntwicklungBesonders im ersten Lebensmonat ist sowohl die Konzentrations- als auch die Verdünnungsfähigkeit eingeschränkt. Schwankungen im Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt führen deshalb leicht zur Überwässerung mit Neigung zu Ödemen, andererseits trocknet ein Säugling leicht aus (Exsikkose).
Während des gesamten Lebens fällt durch den ständigen Abbau des Hämoglobins Bilirubin an, das über die Leber mit der Gallenflüssigkeit ausgeschieden wird (14.2.2). Leber:EntwicklungDiese „Entgiftung“ kommt erst nach der Geburt in Gang – im Mutterleib wird das Blut über die Plazenta und damit über die mütterlichen Organe entgiftet. In den ersten Lebenstagen ist die Bilirubinausscheidung nur äußerst eingeschränkt möglich, da ein relativer Mangel eines an der Ausscheidung beteiligten Enzyms besteht (28.6.2). Das Bilirubin lagert sich in die Gewebe ein und führt zur physiologischen Gelbsucht (physiologischer Ikterus 14.4.1).
Die hintere Fontanelle Ikterus:physiologischerschließt sich in den ersten drei Lebensmonaten oder kann bereits beiFontanellenschluss Geburt geschlossen sein. Die vordere Fontanelle schließt sich zwischen 9 und 18 Monaten, die Schädelnähte mit ca. zwei Jahren.

Merke

Wichtige Laborparameter beim Kind

  • BSG: höhere Normwerte als bei Erwachsenen (1. Wert < 10 mm/Std., 2. Wert < 20 mm/Std.)

  • Leukozyten: ebenfalls höhere Normwerte (Säuglinge: 6.000–17.000/μl, Kinder: 5.000–14.000/μl)

  • Hämoglobin: in den ersten Lebenstagen sehr hoch (14–22 g/dl), allmählich Werte wie Erwachsene (mit 1 Jahr: 11–15 g/dl, 7–12 Jahre: 13–15,5 g/dl, Mädchen mit 13–17 Jahren: 11–16 g/dl, Jungen mit 13–17 Jahren: 13 bis 18 g/dl)

Nervensystem
Bei der Laborwerte:KinderKinder:LaborparameterGeburt sind zunächst nur die „lebensregulierenden“ Hirnstrukturen, Nervensystem:Entwicklungbesonders die Stammhirnfunktionen zur Steuerung von Atmung, Temperatur, Herz- und Kreislauftätigkeit, Saug- und Schluckreflex, voll ausgereift. Die komplexeren Körperbewegungen dagegen sind zunächst auf relativ ungerichtete „Massenbewegungen“ beschränkt und stark von Reflexen mit Stammhirnbeteiligung, den Primitivreflexen, beeinflusst. Diese dienen v. a. dem Schutz und der Nahrungsaufnahme (Abb. 28.5a–dPrimitivreflexe). Mit fortschreitender Entwicklung Reflexe:Säuglingdes Nervensystems verschwinden diese Reflexmuster und werden von Stellreflexen und Gleichgewichtsreaktionen abgelöst, mit denen der Körper den „Kampf mit der Schwerkraft“ aufnehmen kann. Sie sind somit eine Voraussetzung für die Entwicklung des aufrechten Gangs.
Bleiben die Primitivreflexe, z. B. bei einer frühkindlichen Hirnschädigung, bestehen, so kann eine normale motorische Entwicklung nicht in Gang kommen. Die Folge ist eine zerebrale Bewegungsstörung. Zum Beispiel wäre ein Laufenlernen bei erhaltenem Fußgreifreflex gar nicht möglich, da sich der Fuß bei Kontakt mit dem Boden zusammenkrallt.
Entwicklung des Gebisses
Der erste Zahn erscheint durchschnittlich im 6. Gebiss:EntwicklungLebensmonat. Gewöhnlich erscheinen zuerst die unteren Zahnungsphasemittleren Schneidezähne. Mit 2,5 Jahren sind in der Regel alle 20 Milchzähne vorhanden. Für einen Teil der Kinder ist der Zahndurchbruch eine Leidenszeit: Das Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen, und oft ist der Po wund. Die Kinder haben Schmerzen, sie sind unruhig, fiebern eventuell und schlafen schlecht. Der Aufbau des bleibenden Gebisses mit seinen 32 Zähnen beginnt ab dem 6. Lebensjahr (Abb. 28.6).
Zahnpflege
  • Die Zahnpflege durch regelmäßiges Zähneputzen muss bereits mit dem Durchbruch der MilchzähneKariesprophylaxe:Kinder beginnen.

  • Eine dauernde Einwirkung von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln sollte unbedingt vermieden werden. Das beständige Nuckeln an den Fläschchen mit gezuckerten Tees, Säften, aber auch Milch, die gerne zum Einschlafen gegeben werden, führt ansonsten zu schweren kariösen Milchzahnzerstörungen („Nursing-bottle-Syndrom“).

  • Die Zahnhärtung kann durch Zufuhr von Fluorid unterstützt Nursing-bottle-Syndromwerden (z. B. ab dem 7. Lebensmonat).

Naturheilkundliche Therapie während der Zahnungsphase

Mithilfe naturheilkundliche Therapie:Zahnungsphasenaturheilkundlicher Therapieverfahren lassen sich Beschwerden während der für Eltern und Kind oft sehr anstrengend verlaufenden Zahnungsphase abmildern.

Bach-Blütentherapie

Bei akuten Beschwerden sind Rescue Remedy, die sog. Notfalltropfen, hilfreich. Weitere Bach-Blüten, die häufig passen, sind Nr. 18 Impatiens (Unruhe, Ungeduld) und Walnut Nr. 33 (Durchbruch, Neubeginn).

Homöopathie

Bei akuten Zahnungsbeschwerden ist die Behandlung mit einem symptomatischen Mittel hilfreich, z. B. mit Chamomilla (bei schmerzhafter Zahnung und unleidlichen Kindern), Calcium fluoratum (wenn die Zähne nicht durchkommen) oder Magnesium phosphoricum (bei Zahnkrämpfen mit Erschöpfung und großer Erregung).
Gibt es klare Symptome, die auf ein konstitutionelles Mittel verweisen, kann die Behandlung mit einem der folgenden Konstitutionsmittel hilfreich sein: Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum, Chamomilla, Magnesium muriaticum, Magnesium phosphoricum, Phytolacca, Podophyllum.
Alternativ kann auch ein Komplexmittel (z. B. Zahnungstropfen Escatitona® oder Fieber- und Zahnungszäpfchen Weleda®, Viburchol® N Zäpfchen) verordnet werden.
Bei Störungen des Zahnaufbaus ist Nr. 1 Calcium fluoratum hilfreich.

Ordnungstherapie

Kinder mögen gerne feste Gegenstände, wie z. B. einen Beißring oder ein Stück harte Brotrinde, zum Draufbeißen. In der traditionellen Volksheilkunde ist die Veilchenwurzel bekannt, die aus dem Wurzelstock der Schwertlilie (Iris germanica) gewonnen wird. Sie wird zahnenden Kindern auch aufgrund ihrer schmerzlindernden Inhaltsstoffe gegeben. Das Beißen auf echten Bernsteinketten kann die Beschwerden ebenfalls lindern.
Es dürfen nur Gegenstände gegeben werden, die ausreichend groß sind, also nicht verschluckt werden können. Das Kleinkind sollte aufgesetzt und nicht alleine gelassen werden.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie für Kinder, die älter als sechs Monate sind, Fußsohlenwickel mit Zwiebeln. Sie wirken beruhigend und leiten die überschüssige Energie aus dem Kopfbereich ab.
Hierzu werden zwei klein geschnittene Zwiebeln erwärmt und in zwei Kompressen gewickelt. Diese auf die Fußsohlen legen und Söckchen darüber ziehen. Die Wickel können bei Bedarf über Nacht aufgelegt bleiben.

Phytotherapie

Es ist sinnvoll, bei empfindlicher oder verletzter Mundschleimhaut die betroffenen Stellen mit Salbei- oder Kamillentee zu betupfen. Wird dem Tee zusätzlich ein Tropfen der Rescue-Tropfen (Bach-Blütentherapie 4.2.9) zugefügt, kann die beruhigende und schmerzlindernde Wirkung gesteigert werden.

Motorische, sprachliche und soziale Entwicklung

Sowohl für Eltern als auch für medizinische Therapeuten ist es nicht immer leicht zu entscheiden, ob das Verhalten eines Kindes altersgemäß ist. Hier hat es sich bewährt, den Entwicklungsstand in klaren Kategorien „einzufangen“, den Meilensteinen der Entwicklung (Abb. 28.7).

Merke

Wichtige Entwicklungsabschnitte

  • Neugeborenenperiode: 1.–28. Lebenstag

  • Säuglingsalter: 29. Lebenstag bis 12. Lebensmonat

  • Kleinkind-/Vorschulalter: 2. bis 6. Lebensjahr

  • Schulkindalter: 7. Lebensjahr bis Pubertätsbeginn

  • Pubertät und Adoleszenz (Reifungs- und Jugendlichenalter): Zeitraum von der Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale bis zum Abschluss des Körperwachstums

Neugeborenes (Saugkind)
Das Verhalten des Neugeborenen wird stark durch reflektorische Abläufe bestimmt. Ganz im SaugkindVordergrund der Wachaktivität steht das Saugen. Ansonsten schläft das Neugeborene bis zu 20 Std. am Tag. Die Körperhaltung entspricht noch der räumlichen Enge im Mutterleib: Arme und Beine sind sowohl in Bauch- als auch in Rückenlage gebeugt, die Hände gefaustet.
Das Neugeborene kann den Körperstamm nur wenig bewegen – wohl aber Arme und Beine. Es kann den Kopf zwar von der einen Seite zur anderen drehen, jedoch nicht länger „halten“ (fehlende Kopfkontrolle). Sehen und Hören sind bereits weit entwickelt. Schon in der ersten Woche erkennt das Baby die einfachsten Gesichtszüge (horizontaler Mund, senkrechte Nase, punktförmige Augen) und reagiert auf Glockenläuten o. ä. Geräusche.
Neugeborene zeigen früh Interesse am menschlichen Gesicht und beruhigen sich durch An-den-Körper-Nehmen. Das erste Lächeln tritt oft im Schlaf auf („Engelslächeln“). Etwa ab der 7. Woche entwickelt sich das soziale Lächeln als Antwort auf Zuwendung, das die Eltern-Kind-Beziehung vertieft.
Drei Monate (Schaukind)
Lächeln, sozialesDas Baby von drei Monaten kann Kopf und Schultern 45–90° von der Unterlage heben und für längere Zeit halten (SchaukindKopfkontrolle). Dabei stützt es sich typischerweise auf die Unterarme (Unterarmstütz Abb. 28.8). Beim Hochziehen aus der Rückenlage hängt der Kopf nur noch geringfügig nach hinten.
Das Kind betrachtet zunehmend seine Umwelt. Es beobachtet die eigenen Hände, folgt bewegten Objekten von einer Seite zur anderen und reagiert sichtbar mit Begeisterungsstürmen („Freudenzappeln“), wenn etwas Angenehmes in Aussicht ist (z. B. das Stillen).

Merke

Zeichen für eine gestörte Entwicklung bis zum 3. Lebensmonat sind ständig gestreckte Gliedmaßen, ausgeprägte Schlaffheit, beständige Asymmetrie der Muskelgrundspannung oder der Bewegungen, fehlendes Fixieren/Folgen von Objekten mit den Augen, Augenzittern (Nystagmus), schwaches Saugen oder fehlendes Lächeln.

Sechs Monate – Greifkind
Arme und Beine sind nun bereits seit längerem gestreckt. Dies zeigt die allmähliche motorische Vorbereitung auf den Greifkindaufrechten Gang an. Das Baby stützt sich gerne in Bauchlage auf die geöffneten Hände, wobei Brust und Oberbauch von der Unterlage gehoben werden. Der Säugling dreht sich ohne Hilfe vom Bauch auf den Rücken und umgekehrt. Er kann den Kopf jetzt in allen Positionen voll halten (Kopfkontrolle). Er greift gezielt, wobei die Gegenstände zwischen allen Fingern und Handfläche gehalten werden. Die Umwelt wird mit dem Tastsinn erforscht und auf Essbarkeit überprüft; alles (einschließlich der eigenen Zehen Abb. 28.9) verschwindet im Mund. Hören und Sehen sind weitgehend ausgereift. Nach einer Phase des äußerst freundlichen Verhaltens gegenüber Fremden kann nun bereits das „Fremdeln“ beginnen; das Baby lässt sich nicht mehr ohne Protest von jedem auf den Arm nehmen oder streicheln.

Merke

Zeichen für eine gestörte Entwicklung im 3.–6. Lebensmonat sind ausgeprägte Schlaffheit, mangelnder Gebrauch beider Hände, konstantes Schielen, mangelnde Hinwendung zu Geräuschquellen, geringe oder fehlende Reaktion auf Personen.

Neun Monate – Krabbelkind
Fremdeln“\"Der Bewegungsraum erweitert sich schlagartig: Das Baby sitzt frei (Abb. 28.10), steht mit Festhalten und beginnt zu Krabbelkindkrabbeln. Feinmotorisch erlernt es nun den Pinzettengriff (Gegenstände werden zwischen Zeigefinger und Daumen gehalten). Es wirft Spielzeug absichtlich auf den PinzettengriffBoden (hierdurch erwirbt es das Raumgefühl) und kann sich zunehmend selbst beschäftigen.

Achtung

Besonders bei 6–12 Monate alten Säuglingen darauf achten, dass keine verschluckbaren oder spitzen, scharfkantigen Gegenstände in der Nä he des Kindes sind. Kind auf der Untersuchungsliege nie aus den Augen/Händen lassen!

Zwölf Monate – Gehkind
Weitere Schranken fallen: Das Kind krabbelt viel (teils mit gestreckten Knien), läuft mit GehkindFesthalten an einer Erwachsenenhand und macht erste freie Gehversuche. Es Krabbelnahmt gerne nach (winkt z. B.), versteht seinen Namen und einige einfache Begriffe und beginnt zu sprechen („Mama“, „Papa“). Es isst Fingermahlzeiten selbstständig und Sprachentwicklungbeginnt mit dem Löffel zu essen. Es liebt Gib-und-Nimm-Spiele und genießt es, im Mittelpunkt zu stehen.
Zwei Jahre – Trotzkind
Die „lebenspraktischen“ Fähigkeiten nehmen rasant zu. Das Kind steigt Treppen (zwei Füße pro Stufe) und kann rennen. Es isst „gut“ Trotzkindmit dem Löffel und trinkt aus dem Becher. Das Kind befolgt einfache Anweisungen. Manche Kinder sind tagsüber sauber und trocken. Zweijährige brauchen feste Rituale (z. B. beim Zubettgehen). Ab dem 2. Lebensjahr konzentriert sich das Schlafbedürfnis auf die Nacht.
Typisch für die Altersgruppe sind außerdem ausgeprägtes „Besitzdenken“ (Kind teilt ungern) und die Erprobung des eigenen Willens mit voller Energie und großen Emotionen (Trotzphase).

Merke

Zeichen für eine gestörte Entwicklung vom 6. bis 24. Lebensmonat sind Unfähigkeit zu sitzen (auffällig ab 9 Monaten), Unfähigkeit zu stehen (auffällig ab 12 Monaten), fehlender Pinzettengriff (auffällig ab 12 Monaten), Asymmetrie der Bewegungen, fehlende Reaktion auf Geräusche; zitternde Bewegungen (Tremor), mangelnde Koordination und die Unfähigkeit, einfache Aufforderungen oder Verbote zu verstehen (auffällig ab spätestens 18. Monat).

Drei Jahre – Ichkind
Das Kind kann sekundenlang auf einem Fuß stehen Trotzphaseund Dreirad fahren. Rechts- bzw. Linkshändigkeit sind nun ausgebildet. Das Kind kennt einigeIchkind Kinderlieder, zählt evtl. bis zehn und kann unter Aufsicht seine Hände waschen und abtrocknen. Es ist bei Tag sauber und trocken, gelegentlich auch während der Nacht. Es beginnt, mit anderen Kindern zu spielen und fragt ständig „warum?“. In Denken und Verhalten ist das Kind stark auf sich selbst bezogen (egozentrisch) und strebt – zurecht beharrlich – nach Unabhängigkeit.

Förderung der kindlichen Entwicklung durch Naturheilkunde

Nach naturheilkundlicher Ansicht Kinder:naturheilkundliche Entwicklungsförderunghat jeder Mensch – seiner Konstitution (3.7.4) entsprechend – von Geburt an bestimmte Organstärken und -schwächen. Werden die konstitutionellen Schwächen frühzeitig erkannt und behandelt, lässt sich die daraus folgende typische Erkrankungsneigung positiv beeinflussen. Allerdings sollte eine solche konstitutionelle Therapie über einen längeren Zeitraum erfolgen.

Achtung:Eine vorbeugende konstitutionelle Therapie darf nur im beschwerdefreien Zeitraum durchgeführt werden, da sonst eine Verschlechterung der Erkrankung droht.

Biochemie nach Schüßler

Von den zwölf biochemischen Mineralsalzen gilt Calcium phosphoricum D 6 als das Aufbau- und Kräftigungsmittel. Es wird Kindern gegeben, die zu schnell wachsen, schnell erschöpft sind, oft unter „Schulkopfschmerzen“ leiden und anfällig für Infekte aller Art sind.

Ernährungstherapie

Eine möglichst natürliche vitalstoffreiche Vollwerternährung fördert das Wohlbefinden und ist die beste Basis für ein starkes Immunsystem. Gesüßte Getränke, z. B. Cola, Limonaden sowie zuckerhaltige Produkte, sollten gemieden und Weißmehlerzeugnisse reduziert werden, um Karies und Übergewicht zu verhindern. Kinder, die vollwertig essen, besitzen meist ein weniger ausgeprägtes Verlangen nach Süßigkeiten. Viele Nahrungsmittel, die von der Lebensmittelindustrie speziell für die Ernährung von Kindern hergestellt und empfohlen werden, enthalten zuviel Fett und Zucker sowie zahlreiche Lebensmittelzusatzstoffe. Die Eltern sollten angeregt werden, die Aussagen der Werbung zu hinterfragen und die Zusammensetzung der Produkte kritisch zu beurteilen.

Homöopathie

Bei Neigung zu rezidivierenden Infekten ist eine konstitutionelle Behandlung mit einem der folgenden Konstitutionsmittel sinnvoll: Calcium carbonicum, Barium carbonicum, Phosphorus, Silicea, Sulfur, Sepia. In der Praxis zeigen Komplexmittel (z. B. Phönix® Aufbautherapie) ebenfalls gute Erfolge.
Vielfach werden in der Kinderheilkunde bei Entwicklungsstörungen auch sog. Nosoden (4.2.22) eingesetzt; v. a., wenn das bestgewählte Mittel die Symptome nicht dauerhaft bessert und somit eine Therapieblockade vorliegt. Mögliche Reaktionsmittel, die Blockaden aufheben, sind Psorinum, Tuberkulinum, Carcinosinum und Medorrhinum. Auch diese Mittel können nur nach ausführlicher Anamnese und Repertorisation verordnet werden:
  • Psorinum ist angezeigt bei mageren, ungesund aussehenden Kindern mit Neigung zu Hauterkrankungen und geringer Vitalität, die sich nach einer akuten Erkrankung nicht erholen.

  • Kinder, die Tuberkulinum benötigen, sind eigensinnig, neigen zu rezidivierenden Infekten und haben in der Familie oft eine tuberkulinische Vorbelastung.

  • Carcinosinum wird eingesetzt bei Kindern, die äußerst sensibel auf Kritik und Ermahnungen reagieren. Sie sind mitfühlend, leicht verletzt und wachsen oft in einer repressiven Umgebung auf.

  • Medorrhinum wird gegeben bei blassen, „rachitischen“ Kindern mit Wachstumsstörungen, chronischen katarrhalischen Zuständen und geistiger Trägheit.

Mikrobiologische Therapie

Bei Kindern, die wiederholt Antibiotika einnehmen mussten, ist die Darmflora meist geschädigt und infolgedessen das Immunsystem geschwächt. Die erhöhte Infektanfälligkeit wird oft erneut mit Antibiotika behandelt und so eine Krankheitsspirale in Gang gesetzt. In diesen Fällen ist es sinnvoll, mikrobiologische Präparate nach Stuhlbefund zu verordnen, die apathogene Kolibakterien (z. B. Symbioflor) oder Milchsäurebakterien (z. B. Paidoflor® Kautabletten) enthalten und so den Aufbau einer physiologischen Darmflora positiv beeinflussen.

Ordnungstherapie

Die ideale und natürliche Ernährung für das Neugeborene ist die Muttermilch, die auch wesentlich zum nachgeburtlichen Infektionsschutz des Säuglings beiträgt. Allgemein wird ein mindestens sechsmonatiges Stillen empfohlen.
Hinter zahlreichen unspezifischen Beschwerden (z. B. Hauterscheinungen, Erbrechen, Durchfall, asthmatische Symptome) können sich Allergien und auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten verbergen. Dies müssen Sie bei der Anamnese und klinischen Untersuchung berücksichtigen. Achten Sie speziell auf Hinweise auf eine allergische Disposition.
Auch psychische Faktoren beeinflussen das körperliche Befinden: So kann ehrgeiziges Leistungsdenken der Eltern oder vonseiten der Schule ein Kind in seelische Nöte bringen. Zeichen der Überforderung sind dann oftmals „psychosomatische“ Störungen wie Konzentrationsmangel, Bauch- oder Kopfschmerzen.
Empfehlen Sie den Eltern, für einen geregelten Schlaf- und Wachrhythmus zu sorgen, damit ausreichende Ruhe- und Erholungsphasen Bestandteil des kindlichen Alltags sind. Kinder sollten auch vor Reizüberflutung (Fernsehen, Computer) geschützt werden.

Physikalische Therapie

Wärme- und Kälteanwendungen sind sehr gut geeignet, um den kindlichen Organismus umzustimmen. Durch Spielen und Bewegung an frischer Luft bei jedem Wetter, durch Licht- und Sonnenbäder wird der Körper auf natürliche Weise abgehärtet. Allerdings sollte gleichermaßen dem Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit Rechnung getragen werden. Wasseranwendungen, wie z. B. Wickel, Umschläge, Einläufe, Auflagen, Bäder, Abwaschungen und Inhalationen, sind ideale Anwendungen für den kindlichen Organismus und setzen zudem milde hydrotherapeutische Reize.

Umgang mit kranken Kindern

Anamnese und Untersuchungen bei Kindern 3.6.1, 3.6.2
„Bloß“ krank oder „echt krank“?
Es ist weder für die Kinder:kranke, Umgang mitEltern noch für den hinzugezogenen Heilpraktiker leicht einzuschätzen, ob ein Kind „einfach krank“ oder bedrohlich erkrankt ist. Zudem ergeben sich oft aus der Anamnese und der körperlichen Untersuchung (3.6.1, 3.6.2) so viele Puzzlestücke, dass es schwer ist, die Übersicht zu behalten. Treten Sie also einen Schritt zurück, und versuchen Sie im Gespräch mit den Eltern und durch eigene Beobachtung herauszufinden, ob sich das Kind altersgerecht verhält:
  • Säuglinge sind wegen des hohen Stoffwechselbedarfs obligate Vielfraße. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist das Trinken.Säugling:Krankheitszeichen Ein Säugling, der mehr als 1–2 Mahlzeiten verstreichen lässt, ist „echt krank“ und sollte dem Kinderarzt vorgestellt werden.

  • Kleinkinder sind wegen der jetzt rasch erfolgenden Differenzierung des zentralen Nervensystems obligate Erforscher.Kleinkinder:Krankheitszeichen Sie interessieren sich für ihre Umgebung, wollen zumindest ab und zu, z. B. wenn das Fieberzäpfchen „anschlägt“, ihre Spielzeuge benutzen, und sie verfolgen die Tätigkeiten ihrer Umwelt mit Interesse (oder Sorge). Ein apathisches Kleinkind ist „echt krank“ und sollte ebenfalls zum Kinderarzt gebracht werden.

  • Ältere Kinder können meist sagen, was ihnen fehlt und sind ähnlich wie Erwachsene dem allgemeinen Eindruck nach zu beurteilen. Die KInder:Krankheitszeichenzwei wichtigsten Fragen sind dabei stets: Wie sieht das Kind aus? Was macht das Kind?

Tipp

Anzeichen eines ausreichenden Allgemeinzustands

  • Lebendigkeit (z. B. Geschrei, Tränen): je mehr Mimik und Lärm, desto undramatischer der Zustand. Zorniges Schreien ist besser als klagendes Wimmern.

  • Interesse: Spielende Kinder sind halb so krank. Apathie ist ein Alarmzeichen.

  • „Sport“ (z. B. Krabbeln, Klettern, Laufen): Ein auf den eigenen Füßen ins Untersuchungszimmer wanderndes Kind ist meist in ausreichendem Allgemeinzustand. Sorgen machen sollte man sich über die auf dem Arm der Mutter hängenden Kinder (hohes Fieber? Exsikkose? Meningitis?)

  • Hunger (wichtig beim Säugling): Ein mehr als eine Fütterung „auslassender“ Säugling ist krank!

Krankheit aus Sicht des Kindes
Krankheit verunsichert sowohl Kinder KInder:Allgemeinzustandals auch Erwachsene. Kinder erleben Krankheit jedoch anders. Im Gegensatz zu Erwachsenen können sie kein Wissen gegen die Verunsicherung einsetzen. Auch die Hoffnung hilft den ganz Kleinen kaum weiter, da sie ein Verständnis für zeitliche Abläufe voraussetzt, das sie noch nicht haben. Dies gilt auch für das Schmerzerleben. Ein Erwachsener weiß z. B., dass eine Blutentnahme „nun mal eben sein muss“. Für ein Kind ist sie eine undefinierbare Bedrohung. Kranke Kinder ziehen sich – noch stärker als Erwachsene – auf ihre Grundbedürfnisse zurück.

Tipp

Kranke Kinder erwarten Sicherheit primär von den Eltern und anderen nahen Bezugspersonen: Das kranke Kind braucht deshalb Vertrautheit und verlässliche Beziehungen.

Umgang mit (kranken) Kindern
Die Krankheit und der damit verbundene Besuch beim Heilpraktiker ist ein „Ausnahmezustand“ für das Kind (Abb. 28.11). DaherKInder:kranke, Umgang mit sind einige Verhaltensregeln hilfreich:
  • Ruhige, freundliche Atmosphäre: Kinder reagieren sehr sensibel auf Hektik, z. B. trinken Säuglinge in hektischer Umgebung schlecht oder schreien mehr als sonst. Daher Hektik vermeiden, sich dem Kind langsam nähern und mit ruhiger Stimme sprechen. Kleine Kinder mit Schnullern, Spielzeug und ähnlichen Tricks spielerisch einbeziehen oder ablenken.

  • Freundlicher Umgang mit den anwesenden Eltern: Kinder registrieren Differenzen und Streitigkeiten in ihrer Umgebung sehr genau. Unstimmigkeiten zwischen Ihnen und den Eltern lassen das Kind zwischen zwei Fronten geraten und schüren Misstrauen. Wer sich dagegen mit Mama gut versteht, kann nicht der Schlimmste sein. Daher stets freundlich mit den Eltern umgehen und Diskussionen ohne das Kind führen.

  • Ehrliche Kommunikation: Kinder brauchen verlässliche Partner. Nur wer die Wahrheit sagt, kann langfristig das Vertrauen des Kindes gewinnen und es wirklich begleiten. Es ist für ein Kind schon schwer genug zu verstehen, dass die Person, die gerade vertraulich mit ihm gespielt hat, im nächsten Moment mit einem beängstigenden Blutdruckmessgerät daherkommt oder einen bei der Blutabnahme gegen seinen Willen festhält. Kinder verzeihen keine Lügen. Daher niemals Dinge versprechen, die nicht zu halten sind („Das tut gar nicht weh!“). Auch wenn es zunächst schwerer erscheint: Vor schmerzhaften oder unangenehmen Untersuchungen stets erklären, was passieren wird und wie das Kind evtl. dabei helfen kann.

  • Für Wärme sorgen: V. a. bei Säuglingen sind warme Instrumente (Stethoskop möglichst mit Gummiring, in den Handflächen vorwärmen) und warme Hände wichtig. Beim Ausziehen möglichst nicht alle Kleidungsstücke auf einmal entfernen. Dies verhindert Auskühlung und Widerstand des Kindes.

  • Kinder sind in ihren Reaktionen auf Schmerzen oder unangenehme Empfindungen unberechenbar. Deshalb müssen sie zum Schutz vor Verletzungen bei allen diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen gut festgehalten werden. Eltern sind für diese Aufgabe selten geeignet, da sie das Leiden ihrer Kinder nur schwer ertragen und zudem nicht wissen, wie man ein Kind richtig fixiert. Außerdem entsteht ein Rollenkonflikt: Für das Kind hat die Mutter/der Vater die Rolle des Beschützers!

Abwehrreaktionen von (kranken) Kindern
Nach unangenehmen Ereignissen wie einem Krankenhausaufenthalt oder nach schmerzhaften Untersuchungen bzw. Behandlungen können Kinder eine typische Abfolge psychischer Reaktionen zeigen:
  • Protest: Das Kind zeigt Angst und Aggression z. B. durch Weinen, Trotzreaktionen, die sich oft auch gegen die Eltern Abwehrreaktionen:Kinderwenden, da diese ja aus Sicht des Kindes in ihrer Schutzfunktion versagt haben.

  • Apathie: Das Kind wendet sich ab und wird still.

  • Depression und Resignation: Das Kind zieht sich ganz in sich zurück, wehrt Gefühlsbeziehungen ab (verweigert sich z. B. tröstendem Zuspruch), weint und spielt nicht mehr.

  • Regression (lat. regressio = Rückkehr): Erworbene Fähigkeiten gehen wieder verloren. Das Kind fällt z. B. in die Baby-Sprache zurück („Hamm, hamm!“ statt: „Ich habe Hunger!“).

Tipp

  • Jede anstehende Maßnahme wird dem Kind altersentsprechend erklärt.

  • Eltern werden ausdrücklich zu Zuspruch und Trost ermutigt.

  • Ein Kind, das geschickt abgelenkt und gut gehalten wird, verspürt häufig nur den halben Schmerz.

  • Nach jedem Eingriff wird das Kind getröstet und möglichst auf den Arm genommen. Evtl. hilft auch eine kleine Belohnung (z. B. nach Blutabnahme ein Anstecker).

Eltern kranker Kinder
Eltern eines kranken Kindes zu sein, ist komplex und kompliziert: Anstatt ihr Kind schützen und behüten zu können, müssen sie hilflos zusehen, wie es Beschwerden erleidet. Waren sie sonst immer die Experten im Leben ihres Kindes, sind es jetzt fremde Personen (Ärzte, HP). Oft leiden Eltern an Schuldgefühlen („Hätte ich nur besser aufgepasst“).
Bereits während der Anamnese wird die Grundlage für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit geschaffen. Die Eltern sind oft ängstlich bezüglich dessen, was ihr Kind erwartet. Die (vermuteten) Fragen und Sorgen der Eltern müssen ernst genommen werden, auch wenn die Eltern nicht alles in Worte fassen können. Ungewöhnliche Verhaltensweisen der Eltern sollten nicht gleich verurteilt werden. Eltern haben ihr eigenes Verhalten und ihren eigenen Stil im Umgang mit ihren Kindern.

Tipp

Auch wenn man einige Ansichten der Eltern nicht teilt, sollte man sie respektieren, solange sie die Gesundheit des Kindes nicht gefährden.

Medikamentöse Therapie bei Kindern

Therapeutische Maßnahmen sollten möglichst wenig belastend für die Kinder sein. Bei der Kinder:medikamentöse Therapiemedikamentösen Therapie wird meist die orale Gabe bevorzugt, gelegentlich Medikamente:Kindersind auch Zäpfchen gut geeignet. In der Regel wird versucht, „kinderfreundliche“ Formen eines Medikaments anzubieten: Ein Saft ist leicht zu schlucken und sieht meist hübsch aus (z. B. knallrosa). Intramuskuläre Injektionen sind unnötig: Die Resorption ist unsicher und die Injektion schmerzhaft.
Das Verabreichen von Medikamenten erfordert häufig Geduld. Ehrlichkeit ist auch hier unabdingbar. Beispielsweise sollte man den Kindern auf keinen Fall vormachen, dass das Medikament gut schmeckt, wenn es in Wahrheit einen bitteren Beigeschmack hat. Bereits kleinen Kindern kann man außerdem Sinn und Zweck des Medikaments altersgerecht erklären.
Die Bereitschaft, die Medikamente einzunehmen, sinkt mit der steigenden Anzahl der täglich einzunehmenden Einzeldosen. Verordnen Sie daher möglichst wenige Einzeldosen pro Tag.
Die korrekte Dosierung orientiert sich an dem Körpergewicht. Es gibt Medikamente, die exakt nach dem Körpergewicht dosiert werden müssen. In der Praxis ist es allerdings oft einfacher, sich an Altersgruppen zu orientieren (Tab. 28.1). Beachten Sie aber immer die Hinweise auf dem Beipackzettel.

Tipp

Ein Medikament niemals direkt in die Trink-Flasche geben. Zum einen könnte es durch die Nahrung verändert werden, zum anderen weiß man nicht, wieviel das Kind von dem Medikament tatsächlich bekommen hat, wenn es einen Rest in der Flasche lässt. Vielmehr ein Medikament immer mit einem Löffel, einem Medikamentenbecher oder einer Spritze eingeben.

Dosierung naturheilkundlicher Medikamente bei Kindern
Im Säuglings- und Kleinkindesalter richtet sich die Medikamentendosierung nach dem Körpergewicht, bei älteren Kindern nach der Körperoberfläche bzw. der Kinder:Medikamente, DosierungAltersregel, d. h., 6- bis 9-jährige Kinder erhalten etwa die Hälfte und 10- bis 12-jährige Kinder etwa zwei Drittel der Erwachsenendosis. Ein einfaches Kinderdosierungsschema, das sich bewährt hat, ist: Tropfenanzahl = Alter plus 2–3 Tropfen.
Verabreichung homöopathischer Mittel
Die ideale Darreichungsform von homöopathischen Mitteln in der Kinderheilkunde sind Globuli. Sie können bereits Kleinkindern problemlos verabreicht werden und lösen sich zudem rasch im Mund auf. Einige homöopathische Komplexmittel werden auch als Zäpfchen angeboten. Auch diese Applikationsform ist für Säuglinge und Kleinkinder sehr geeignet.
Sind alkoholhaltige Arzneimittel für Kinder ungefährlich?
Für die Herstellung pflanzlicher und homöopathischer Tropfen ist Alkohol oft ein unverzichtbarer Bestandteil und zugleich ein natürliches Konservierungsmittel. Da bei Kindern nicht immer auf alkoholhaltige Arzneimittel verzichtet werden kann, wird in der Sprechstunde oft die Frage nach der Unbedenklichkeit alkoholischer Lösungen gestellt.
Besorgte Eltern überschätzen jedoch meist den Alkoholgehalt in medizinischen Tropfen und halten diese für ihr Kind für ungeeignet oder gefährlich. Doch ist sich fast niemand darüber im Klaren, dass Alkohol auch in Lebensmitteln enthalten ist, in denen man auf den ersten Blick keinen Alkohol vermuten würde, wie z. B. in Fruchtsäften, Kefir, Brot und Sauerkraut: So enthält ein Glas Apfelsaft (0,2 l) 1 g Alkohol, ein Becher Kefir (0,5 l) 5 g Alkohol Alkohol:Medikamenteund im Vergleich dazu ein Glas Bier (0,3 l) 10 g Alkohol. Mit einer Einzeldosis von 5 Tropfen eines homöopathischen Arzneimittels mit 53 Vol.-% Alkohol werden nur 0,09 g Alkohol aufgenommen; dies entspricht 1∕₁₀ eines Glases Apfelsaft oder einer Scheibe Graubrot.
Es ist auch zu Medikamente:alkoholhaltigeberücksichtigen, dass beim Eintropfen in warmes Wasser der Alkohol zum großen Teil verfliegt.

Häufige Krankheitszeichen des Kindes

Krankheiten haben verständlicherweise einen schlechten Ruf: Das hustende Kind hält die Familie ganze Nächte lang wach, Durchfall und Erbrechen setzen besonders Kinder dem Risiko der Austrocknung (Exsikkose) aus. Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass Krankheiten in der Entwicklung des Kindes eine wichtige Rolle spielen, weil sich Kinder im Spiegel der Krankheit neu erfahren, in neue Räume und Rollen vorstoßen, und durch die Auseinandersetzung mit einem „veränderten Ich“ oft rasche Entwicklungen und Initiationen durchlaufen. Vielen Eltern fällt auf, dass ihre Kinder nach einer durchlittenen Krankheit innerlich gewachsen sind.
Auch aus einem anderen Blickwinkel sind Krankheiten nicht nur Ausdruck einer bösen Laune der Natur: Viele Krankheitszeichen, unter denen Kinder (und auch Erwachsene) leiden, sind kein Resultat einer „fehlerhaften Konstruktion“, sondern biologisch sinnvolle Abwehrmechanismen. Erbrechen etwa verhindert, dass in den Magen aufgenommene Giftstoffe oder Erreger sich im Körper festsetzen können. Auch Durchfall schützt vor einer tiefer gehenden Erkrankung, indem er Giftstoffe oder Krankheitserreger aus dem Körper austreibt. Diese Liste kann weiter fortgesetzt werden: Übelkeit verhindert die weitere Aufnahme eines Toxins, Husten schützt die Luftwege vor Aspiration von Nahrungsbestandteilen, Fremdkörpern und infektiösem Schleim aus den oberen Luftwegen. Angst ist zwar subjektiv unangenehm, schützt jedoch auch vor Unfällen. Auch Müdigkeit hat eine schützende Funktion, indem sie uns vor der übermäßigen Inanspruchnahme unserer Energiereserven bewahrt. Kurzum: Ohne diese evolutionär entwickelten Schutzmechanismen können Menschen nicht überleben.
Dies ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum solche „Krankheitszeichen“, die eigentlich Ausdruck der gesunden Funktion des Körpers sind, nur schwer zu unterdrücken sind: Obwohl z. B. Schulmediziner wissen, dass ein Kind selbst im Koma noch husten kann, steht die Behauptung, dass der Hustenreflex durch irgendein Medikament einfach „ausgeschaltet“ werden kann, wie eine Art Aberglauben im Raum. Die Schutzwirkung vieler Krankheitszeichen bedeutet auch, dass nicht jedes Krankheitszeichen aggressiv unterdrückt werden sollte. Auch der Heilpraktiker sollte vielen Symptomen des Kindes mit einer gewissen Zurückhaltung begegnen, die Eltern gut verstehen können, wenn ihnen die obigen Zusammenhänge erklärt werden.

Das fiebernde Kind

Fieber: eines der häufigsten Symptome in der Kinderheilkunde (Pädiatrie), meist durch Infektionen bedingt; es kann Ausdruck sowohl einer leichten als auch einer schweren Erkrankung sein, jedoch können gerade beim Säugling auch schwere Erkrankungen bis hin zur Sepsis (25.4.3) nur mit geringer Temperaturerhöhung einhergehen.

Nützlich oder schädlich?
Die Frage, ob dem Fieber eine wichtige Rolle in der fiebendes KindKrankheitsbewältigung zukommt, ist Kinder:Fiebernicht abschließend geklärt, jedoch wahrscheinlich mit ja zu beantworten. Denn die Messung der Immunantwort im Labor hat gezeigt, dass einige Immunreaktionen bei erhöhten Temperaturen schneller ablaufen. Außerdem nimmt die Virulenz („Angriffslust“) bestimmter Mikroorganismen bei höheren Temperaturen ab. Es konnte auch gezeigt werden, dass die Dauer der durch Influenza A bedingten Grippe beim Menschen drei Tage kürzer ist, sobald auf eine fiebersenkende Behandlung verzichtet wird.
Andererseits kann Fieber bei Kindern aus zwei Gründen gefährlich werden:
  • Je jünger ein Kind ist, desto labiler ist sein Flüssigkeitshaushalt (28.2.2). Bei Fieber besteht infolge der häufigen Trinkunlust und des erhöhten Wasserverlusts durch Schwitzen die Gefahr einer Exsikkose (Austrocknung). Meist kann dies jedoch durch zusätzliches Trinken ausgeglichen werden.

  • Entsprechend disponierte Kinder neigen im Fieberanstieg zu Fieberkrämpfen. Dies sind meist unter 15 Min. anhaltende Krampfanfälle bei Säuglingen oder Kleinkindern (Altersgipfel zwischen 1 und 4 Jahren). Sie treten nur bei Fieber auf, ihre FieberkrämpfeUrsache ist unbekannt. So dramatisch sie erscheinen, so harmlos sind sie in aller Regel, d. h. sie vergehen ohne Folgeschäden. Fieberkrämpfe treten bei ca. 5 % aller Kinder auf, sie lassen sich leider durch medikamentöse Fiebersenkung nicht sicher verhindern.

Symptome

Tipp

Bei Kindern kann sich die Körpertemperatur durch Schreien, sonstige körperliche Aktivität, emotionale Erregung und Nahrungsaufnahme bis auf 38 °C erhöhen, ohne dass dies krankhaft ist.

Die Symptome des Fiebers und die Fieberstadien entsprechen denen beim Erwachsenen (25.4.1). Allerdings sind viele fiebernde Kinder trotz des Fiebers in einem erstaunlich guten Allgemeinzustand. Bei fiebendes Kind:Symptomehohem Fieber sind die meisten Kinder aber schläfrig, wollen weder essen noch trinken und erbrechen sogar.
Die Höhe des Fiebers (Abb. 28.12) hat mit der Bedrohlichkeit der zugrunde liegenden Infektionskrankheit nichts zu tun: Besonders Kinder zwischen 1–4 Jahren haben auch bei banalen Infekten rasch Fieber um 40–40,5 °C. Entscheidender sind vielmehr die Begleitsymptome: Bei einem rosig aussehenden, „genervten“ Kind liegt eher eine harmlose Infektion vor, bei einem grau-blass erscheinenden, schlaffen oder apathischen Kind dagegen eher eine bedrohliche Erkrankung.

Merke

Im Fieberanstieg sind die Extremitäten kühl und der Bauch warm (Kreislaufzentralisation). Im Fieberabfall ist der gesamte Körper warm, das Kind schwitzt.

Diagnostik beim fiebernden Kind
Wichtige Hinweise liefert schon der erste Eindruck des Kindes (Spielverhalten, Bettlägerigkeit, Apathie). In der Anamnese fragen Sie die Eltern nach:
  • Höhe, Beginn und fiebendes Kind:DiagnostikVerlauf des Fiebers

  • Trinkverhalten, Appetit und Ernährung

  • möglicher Ursache, z. B. Kinderkrankheiten im Kindergarten

  • bereits erfolgter Selbstbehandlung

  • Impfungen, möglichem Zeckenbiss, Vorerkrankungen, Fernreisen

Kleine Kinder projizieren Schmerzen und Unwohlsein häufig in den Bauch, obwohl die Ursache der Beschwerden an anderer Stelle liegt. Daher ist immer eine Ganzkörperuntersuchung vorzunehmen, v. a. muss nach Meningismuszeichen gefahndet werden.

Merke

Beim Säugling mit Meningitis können aufgrund der noch weichen Fontanelle alle charakteristischen Zeichen (Meningismuszeichen 23.3.2) fehlen. Umgekehrt ist eine leichte Nackensteife bei hochfiebernden Kindern auch ohne Meningitis nicht ungewöhnlich.

Ein fieberndes Kind muss engmaschig untersucht werden. Jedes Fieber bei einem Säugling unter drei Monaten muss vom Kinderarzt abgeklärt werden. Auch Kinder zwischen drei Monaten und vier Jahren mit Fieber > 39 °C ohne offensichtliche Ursache müssen dem Kinderarzt vorgestellt werden, da hier evtl. Blutkulturen und weitere Labortests angezeigt sind.

Achtung

Bei folgenden Alarmzeichen überweisen Sie den kleinen Patienten sofort – je nach Zustand – zum Kinderarzt oder in eine Kinderklinik:

  • Meningismuszeichen

  • Bewusstseinsstörungen

  • Petechien (punktförmige Hautblutungen)

  • Krampfanfälle

  • Schocksymptomatik (schwacher Puls, marmorierte Haut und Exsikkosezeichen)

  • gespannte oder eingefallene Fontanelle

Differenzialdiagnose
Fieber tritt am häufigsten als Symptom eines banalen Virusinfekts auf. Bei einem fiebernden Kind (Abb. 28.12) müssen Sie jedoch auch an zahlreiche andere Ursachen denken, z. B.:
  • Angina tonsillaris (zusätzlich Halsschmerzen)

  • Laryngitis (Pseudokrupp mit typischem Stridor beim Einatmen), Pharyngitis, Bronchitis, Pneumonie

  • Otitis media (mit Ohrenschmerzen)

  • Meningitis

  • infektiöse „Kinderkrankheiten“

  • infektiöse Enteritis (mit Bauchschmerzen und Brechreiz)

  • Appendizitis (McBurney-Punkt, Lanz-Punkt, Blumberg-Zeichen Abb. 13.19)

  • Harnwegsinfekt (pathologischer Sticktest)

Schulmedizinische Therapie
Da Fieber wahrscheinlich die Krankheitsabwehr unterstützt, sollte nicht jedes banale Fieber unterdrückt werden. Außerdem wird durch die Fiebersenkung nicht die Krankheit selbst, sondern nur eines ihrer Symptome bekämpft. Ist das Kind jedoch in seinem Allgemeinbefinden stark beeinträchtigt oder sind Fieberkrämpfe zu befürchten (z. B. bei einem Kind, das früher bereits einen Fieberkrampf hatte), ist eine Fiebersenkung angezeigt. Hier werden sowohl physikalische Maßnahmen (z. B. Wadenwickel) als auch Medikamente angewendet.
Medikament der ersten Wahl zur Fiebersenkung bei Kindern ist Paracetamol, z. B. in ben-u-ron®. Auch Ibuprofen (z. B. in Nurofen®) ist für Kinder zugelassen. Azetylsalizylsäure, z. B. in Aspirin®, sollte wegen der Gefahr eines Reye-Syndroms (akute, teils lebensbedrohliche Funktionsstörung von Leber und ZNS) bei Kindern unter 16 Jahren nicht gegeben werden.

Erstmaßnahmen bei Fieberkrampf

  • Bis medizinische Hilfe Notfall:Fieberkrampfeintrifft, ist der Krampfzustand meist schon vorbei. Fieberkrampf:ErstmaßnahmenAnsonsten gibt der Arzt ein krampfunterdrückendes Medikament, z. B. Rp Diazepam Desitin®-Rektiole. Zusätzlich sind fiebersenkende Maßnahmen erforderlich.

  • Ungefähr ein Drittel der Kinder mit einem ersten Fieberkrampf bekommt bei erneutem Fieber wieder einen Krampfanfall. Etwa 2 % der Kinder mit einem ersten Fieberkrampf leiden später an einer Epilepsie. Die Eltern müssen wissen, dass bei Fieber immer wieder ein Fieberkrampf auftreten kann und daher bei ihrem Kind auch mäßiges Fieber gesenkt werden sollte.

  • Da auch eine Meningitis oder Enzephalitis mit Fieber und Krampfanfällen einhergehen kann, muss eine weitere ärztliche Abklärung erfolgen.

Häusliche Pflege fiebernder Kinder
Um ein komplikationsloses Abklingen fiebriger Reye-SyndromErkrankungen zu unterstützen, sollten die Eltern folgende Verhaltensregeln befolgen:
  • Fiebernde Kinder nie alleine lassen, möglichst in Sichtnähe, aber fiebendes Kind:häusliche Pflegeimmer in Rufnähe bleiben. Die Kinder nachts bei sich schlafen lassen.

  • Kind in möglichst ruhigem, abdunkelbarem Zimmer unterbringen; Raum gut lüften, aber Zugluft vermeiden.

  • Bettruhe einhalten lassen.

  • Warme Kleidung durch locker sitzende, dünne, luftige Kleidung ersetzen; oft wird das Fieber durch dicke Decken und warme Kleidung künstlich hochgehalten.

  • Leichte Kleidung anziehen und nur leicht zudecken.

  • Durchgeschwitzte Kleidung und Bettwäsche sofort wechseln.

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr gewährleisten, da der Flüssigkeitsverlust hoch ist (pro Grad Celsius Fieber und m2 Körperoberfläche werden tgl. 0,5 l mehr gebraucht). Je jünger das Kind, desto labiler ist der Flüssigkeitshaushalt. Zwischendurch z. B. Tee oder Saft anbieten. Älteren Kindern verdeutlichen, dass viel Trinken wichtig ist.

  • (Leichte) Wunschkost geben.

  • Evtl. fiebersenkende physikalische Maßnahmen durchführen, z. B. Wadenwickel oder kühle Abwaschungen (bei älteren Kindern), nicht jedoch bei kalten Extremitäten (Zeichen der Zentralisation, bei kalten Extremitäten wird keine Wärme abtransportiert). Die Temperatur des Wickels darf nicht zu kalt sein (ca. 25–30 °C, lieber oft wechseln!), da sonst durch Verengung der Blutgefäße kein Wärmetransport mehr erfolgt.

Achtung

Alle physikalischen Maßnahmen zur Fiebersenkung sind zu unterbrechen, sobald der Patient zu frieren beginnt, sich unwohl fühlt, Schüttelfrost oder Kreislaufstörungen hat.

Durchfall bei Säuglingen und Kindern

Durchfall (Diarrhö): Von Durchfall wird gesprochen, wenn der Stuhlgang häufiger als normal und dabei ungewöhnlich flüssig oder wässrig ist. Dabei muss bedacht werden, dass (insbesondere gestillte) Säuglinge oft 10–12-mal pro Tag Stuhlgang haben, der teilweise flüssig ist (Muttermilchstuhl). Dem Durchfall liegt entweder eine erhöhte Wassersekretion des Darms, eine mangelnde Absorption von Nahrungsbestandteilen oder eine erhöhte Motilität des Darms zugrunde.

Diarrhö ist ein Symptom vieler Darmerkrankungen mit sehr unterschiedlichen Ursachen.
  • Akute Diarrhö:KinderDurchfallerkrankungen Kinder:Diarrhöwerden meist durch verschiedene Viren und Säuglinge:DiarrhöBakterien ausgelöst. Häufig gehen der Erkrankung eine ½–1½ Tage dauernde Phase mit Fieber, Bauchschmerzen und evtl. Erbrechen voraus.

  • Bei blutiger Diarrhö – ein Warnzeichen für eine schwere Erkrankung – sollte das Kind möglichst umgehend dem Kinderarzt vorgestellt werden.

  • Bei chronischer Diarrhö können folgende Erkrankungen zugrunde liegen: Zöliakie, chronische Infektionen, chronische entzündliche Darmerkrankungen, Nahrungsmittelallergien (Differenzialdiagnose).

Diagnostik
Die Diagnostik sollte v. a. beim akuten Durchfall die Fragen beantworten: Ist der Durchfall gefährlich? Unterliegt der Durchfall dem Behandlungsverbot? Hierzu wird der Stuhl inspiziert (bzw. die Eltern befragt) und der Patient gründlich untersucht. Solange das Kind trinkt und den Kinderalltag noch irgendwie aufregend findet, brauchen Sie sich keine Sorgen machen. Überweisen Sie zum Kinderarzt wenn:
  • der Stuhl blutig ist,

  • das Kind starke Bauchschmerzen oder zunächst Bauchschmerzen im Bereich des Nabels hat, die dann allmählich zur rechten unteren Seite des Bauches wandern (mögliches Zeichen einer Blinddarmentzündung 13.8.4)

  • hohes Fieber besteht (über 39 °C) oder das Kind bereits seit 2–3 Tagen Fieber hat

  • der Durchfall von Gelbsucht (gelbe Verfärbung des Auges) oder einem Hautausschlag (nicht nur am Po) begleitet wird,

  • Zeichen der Austrocknung vorliegen (unten)

Tritt bei einem Säugling unter 6 Monaten Durchfall auf, was relativ ungewöhnlich ist, ist der Rat des Kinderarztes einzuholen. Auch wenn das Kind auf einer Fernreise Durchfall entwickelt oder von dort nach Hause „mitbringt“, sollte ein Arzt konsultiert werden, da hier oft ungewöhnliche Erreger vorliegen.

Achtung

Denken Sie bei Durchfall auch immer an ein evtl. Behandlungsverbot! Bei Verdacht auf eine Erkrankung oder Situation aus dem § 6 IfSG müssen Sie den Patienten an einen Arzt überweisen und unverzüglich melden.

Wenn es sich um einen im § 7 IfSG genannten Erreger handelt. In einem solchen Fall besteht ebenfalls Behandlungsverbot, aber Sie sind nicht zur Meldung verpflichtet (2.4.8).

Differenzialdiagnose
Bei Kindern muss an dieselben Ursachen wie bei Erwachsenen gedacht werden (13.4.7). Zusätzlich können folgende Faktoren eine Rolle spielen:
  • Infektionen an anderen Stellen des Körpers: Bei vielen kindlichen Infektionskrankheiten, z. B. Pharyngitis (12.5.3) oder Otitis media (24.8.5), reagiert der Darm oft mit Durchfall, seltener mit Verstopfung.

  • Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten: Diese sind v. a. beim Säugling und Kleinkind bei länger andauerndem oder immer wiederkehrendem, insbesondere blutigem Durchfall zu bedenken. Etwa 5 % Nahrungsmittelallergien/-unverträglichkeiten:Kinderder älteren Kinder sind gegenüber Laktose intolerant, d. h. sie reagieren auf Milchprodukte mit Durchfall. Seltener treten Unverträglichkeiten gegen das in manchen Getreidearten enthaltene Gluten (sog. Zöliakie 13.8.2) auf. In diesem Fall liegen oft zusätzliche Krankheitszeichen vor (z. B. Gedeihstörung).

  • Genussmittel: Bei Kindern lösen auch manche Genussmittel Durchfall aus, z. B. Koffein (nicht nur Bestandteil von Kaffee und Schwarztee, sondern auch von Coca-Cola oder anderen „Softdrinks“); auch übertrieben gezuckerte Nahrung oder Obstsäfte können so viel Wasser in den Darm „ziehen“, dass Durchfall entsteht.

  • Antibiotika stören fast vorhersehbar die natürliche Darmflora.

  • Reizdarm des Kleinkinds: Manche Kleinkinder und Vorschulkinder gehen durch eine manchmal Monate bis Jahre anhaltende Phase, in der sie häufigen, breiigen Stuhlgang haben („Reizdarm des Kleinkinds“, toddler's diarrhea). SieReizdarm:Kleinkind gedeihen dabei gut und haben keine Bauchbeschwerden, und die genaue Ursache bleibt meist im Dunkeln; manchmal ist der übermäßige Konsum von Fruchtsäften schuld.

  • Nervöser Durchfall: Bei älteren Kindern kann Durchfall auch bedeuten, dass sie „Schiss“ haben, z. B. vor Klassenarbeiten.

Chronische Formen des Durchfalls sind auch beim Kind selten und gehen mit anderen Krankheitszeichen wie Gedeihstörung oder chronischen Bauchschmerzen einher, z. B. Durchfall bei Mukoviszidose (12.10.3) oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn. Sie sollten mit einem Kinderarzt besprochen werden.
Häusliche Pflege
Da Durchfall den Darm ausspült, sollte der Natur hier nicht ins Handwerk „gepfuscht“ werden, auch nicht durch die in der Apotheke oder im Reformhaus zu findenden „Anti-Durchfall-Mittel“ (Antidiarrhoika). Von den beliebten koffeinhaltigen „Hausmitteln“ wie Coca-Cola oder Schwarztee ist ebenfalls abzuraten, da sie eher den Flüssigkeitsverlust fördern (Koffein ist ein Diuretikum). Auch Fruchtsäfte sind wegen ihres hohen Zucker- und Säuregehalts ungünstig. Folgende Maßnahmen sind zu empfehlen:
  • Ernährung: Solange das Kind nicht spuckt und Hunger oder Durst hat, sollte es die Nahrungsmittel bekommen, die es sonst zu sich nimmt. Der gestillte Säugling trinkt weiterhin seine Muttermilch, Flaschenkinder nehmen weiterhin ihre gewohnte Flaschenmilch zu sich. Studien zeigen, dass Kinder die weiterhin ihre Milch trinken, schneller gesund werden – möglicherweise bauen die in der Milch enthaltenen Nährstoffe die von den Erregern geschädigte Darmschleimhaut rascher wieder auf.

  • Kamillen- oder Fencheltee können die Darmschleimhaut beruhigen und das beeinträchtigte Wohlbefinden stärken. Eine schwache Gemüsebrühe, die von Kindern jenseits des Säuglingsalters gerne getrunken wird, kann den häufigen Salzverlust ausgleichen. Dies kann auch durch das Knabbern von Salzgebäck (z. B. Salzstangen) erreicht werden.

  • Spuckt das Kind oder hat es keinen Appetit, ist das Verhindern der Austrocknung (unten) die vordringlichste Aufgabe.

  • Die zarte Haut des gewickelten Kindes sollte bei Durchfall besonders gut geschützt werden: die Windeln häufig wechseln, die Haut immer wieder ungewickelt der Luft aussetzen und evtl. eine Schutzcreme (z. B. Vaseline) auftragen. Nicht selten wird der Anus durch den Durchfall so stark gereizt, dass beim Abwischen etwas hellrotes Blut am Tupfer zu sehen ist. Solange der Stuhl selbst nicht blutig ist, ist dies kein Grund zur Sorge, die „Po-Pflege“ sollte dann jedoch intensiviert werden.

Tipp

Da die meisten Durchfallerreger über die Hände übertragen werden, sollten Behandler und Familienmitglieder die Hände stets gut waschen, um Infektionen im Umfeld des Betroffenen zu vermeiden.

Der „normale“, durch Viren bedingte Durchfall begrenzt sich durch die Kraft der Natur von selbst. Wissenschaftlich gut untermauert ist die Gabe der in Naturjoghurt enthaltenen „probiotischen“ Keime Lactobacillus. Diese können auch als Pulver (z. B. Rp Infectodiarrstop LGG®) gegeben werden, auch beim Säugling (mit Muttermilch mischen). Lactobacillus-Keime verkürzen die Dauer v. a. des antibiotikabedingten und des durch Rotaviren bedingten Durchfalls.
Austrocknung bei Kindern – rechtzeitig erkennen
Menschen haben starke „natürliche“ Schutzmechanismen, die einen Wasserverlust begrenzen. So kann die Niere z. B. den Urin etwa 100-fach konzentrieren, um nur kein Wasser zu Dehydratation:Kindervergeuden. Zudem hat der Körper einige Wasservorräte (er Kinder:Dehydratationbesteht immerhin zu etwa zwei Dritteln aus Wasser) und funktioniert auch dann noch problemlos, wenn er 5 % seines Gewichts an Wasser verliert. Dennoch kann er unter bestimmten Umständen „austrocknen“, v. a. dann, wenn ein Kind sowohl erbricht als auch Durchfall hat oder dabei hohes Fieber besteht.
Zeichen der Austrocknung
  • Leichte Dehydratation: bei Wasserverlust von ca. 5 % des Körpergewichts bei Säuglingen (3 % bei Kindern); der Hautturgor ist nicht vermindert, trockene Lippen, konzentrierter Urin, das Kind nur leicht unruhig, jedoch nicht bewusstseinsgetrübt. Tränen sind vermindert, aber noch vorhanden.

  • Mittelschwere Dehydratation: bei Wasserverlust von ca. 10 % des Körpergewichts bei Säuglingen (6 % bei Kindern): verminderter Hautturgor (Hautfalten verstreichen träge), trockene Lippen und Schleimhäute, halonierte und leicht eingefallene Augen; seltener Lidschlag; Oligurie; bei Säuglingen eingesunkene Fontanelle. Kinder werden still, Säuglinge sind apathisch.

  • Schwere Dehydratation: bei Wasserverlust von ca. 15 % des Körpergewichts bei Säuglingen (9 % bei Kindern): stark verminderter Hautturgor, die Hautfalten bleiben stehen (am besten an Bauchhaut und Waden zu testen), extrem trockene und brüchige Lippen, stark eingefallene Augen, Fontanelle ist eingesunken; seltener bis aufgehobener Lidschlag. Schockzeichen/Zeichen der Minderdurchblutung: kalte Extremitäten, marmorierte Haut, periphere Zyanose, kollabierte Venen, kaum bis nicht tastbarer Puls. Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma.

Strategien zur Flüssigkeitszufuhr (Rehydrierung)
In der Regel können Kinder oral rehydriert werden. Dieser Weg bietet erhebliche Vorteile, denn er vermeidet für alle Beteiligten den Stress des Infusionlegens, verhindert einen Rehydrierung:Kinderevtl. Krankenhausaufenthalt und garantiert durch die Kinder:Rehydrierunggeringeren Schleimhautveränderungen des Darms eine leichtere Entwöhnung und schnellere Heilung.
Allerdings darf die orale Flüssigkeitstherapie nur bei nicht akut bedrohlichem Krankheitsbild durchgeführt werden. Bei schwerer Dehydratation oder „schlecht aussehendem“ Kind sollte ein Arzt hinzugezogen werden. Erbrechen ist keine Kontraindikation, bedarf jedoch der genauen Beobachtung (mittelfristig muss mehr „drin“ bleiben als „raus“ kommt). Meist muss das Kind für die orale Rehydrierung geduldig „gewonnen“ werden.
  • Welche Flüssigkeit? Säuglinge werden weiterhin gestillt (häufig anlegen!), nicht gestillte Kinder bekommen ihre gewohnte Säuglingsmilch (auch Kuhmilch). Zusätzlich wird den Kindern eine Rehydrierungslösung angeboten, die aufgrund des optimalen Elektrolyt- und Glukosegehalts ideal ist (z. B. Elotrans®, Oralpädon®). Da diese vielen Kindern nicht schmeckt, muss oft auf ein den Kindern gewohntes Getränk ausgewichen werden (Wasser, verdünnte Säfte, Tee). Längere Nahrungspausen sollten nicht eingelegt werden. Sobald die Kinder nicht mehr erbrechen, bekommen sie wieder ihre gewohnte Säuglings- oder Kleinkindkost; lediglich hoch konzentrierter Zucker, etwa als Saft oder Nachtisch sind zu meiden. „Heilnahrung“ ist überflüssig.

  • Wie viel? Soviel Flüssigkeit zuführen, wie die Kinder wollen. Bei Erbrechen nicht hastig trinken lassen, sondern kleine Mengen häufig anbieten (1 Teelöffel alle 5 Minuten versorgt das Kind in 4 Stunden mit ¼ l Flüssigkeit); erfolgreich ist die orale Rehydratation, wenn mindestens 30–40 ml/kg Körpergewicht in den ersten 4–6 Stunden getrunken/gelöffelt werden.

  • Wie? Das „Wie“ ist für den Erfolg entscheidend! Es können auch unkonventionelle Formen versucht werden: z. B. mit Löffel einträufeln (auch bei Säuglingen, jedoch vorsichtig, sie verschlucken sich leicht), Schoppen (auch wenn bereits „entwöhnt“), Schnabeltasse, Becher mit Strohhalm, mit dem in Flüssigkeit eingetauchten Finger („bahnt“ manchmal, d. h. das Durstgefühl beginnt sich zu entwickeln, sobald ein bisschen Flüssigkeit in den Mund gekommen ist).

Erbrechen bei Säuglingen und Kindern

„Speikinder sind Gedeihkinder“ sagt der Volksmund und meint mit Speien das Herauslaufen kleiner Nahrungsmengen nach Erbrechen:Kinderder Fütterung (oft mit Aufstoßen).
Tatsächlich tritt dieses Erbrechen:SäuglingePhänomen, dass Kinder nach der Nahrungsaufnahme verschieden Kinder:Erbrechengroße Mengen der Mahlzeit erbrechen, relativ häufig auf und ist – solange die Kinder tatsächlich gedeihen – nicht beunruhigend.
Symptome
„Echtes Erbrechen“ hingegen, das schwallartige Erbrechen größerer Nahrungsmengen, das mit vegetativen Symptomen, d. h. Schwitzen, Übelkeit, Speichelfluss und auch Herzklopfen einhergeht, ist eine ernste Störung.
Je nach Ausmaß der Erkrankungen können folgende Zeichen auftreten: reduzierter Hautturgor, trockene Schleimhäute, halonierte Augen, stehende Hautfalten, spärlicher Urin (Zeichen der Dehydratation), ferner azetonämischer Foetor ex ore, Apathie und Somnolenz.
Krankheitsentstehung
Erbrechen tritt oft als Symptom verschiedener Erkrankungen auf, v. a. bei:
  • Infektionskrankheiten (häufigste Ursache): Hierbei ist nicht nur an die Gastroenteritis und die Nahrungsmittelvergiftung zu denken, sondern auch an Infektionen außerhalb des Magen-Darm-Trakts, z. B. Otitis media, Atemwegs- und Harnwegsinfektionen. Meningitis und Enzephalitis sind selten die Ursache, aber schwerwiegend (23.7.1).

  • Azetonämisches Erbrechen (28.5.4): Bei Kleinkindern und Kindern im frühen Schulalter kommt es zu schwer beeinflussbaren Brechattacken mit gleichzeitiger azetonämischer Entgleisung (obstähnlicher Geruch), Apathie, Azidose-Atmung.

Weitaus seltener tritt Erbrechen als Symptom folgender Erkrankungen oder während eines bestimmten Lebensalters auf:
  • Pylorushypertrophie bzw. „Pylorusstenose“: Entwickelt sich oft bei männlichen Säuglingen (1. Woche–6. Monat) mit folgenden Symptomen: Erbrechen im Schwall nach jeder Mahlzeit, schlechtes Gedeihen, oft Exsikkose.

  • Gastroösophagealer Reflux:Pylorushypertrophie Das „Spucken“ nach den Mahlzeiten von kleinen Mengen, nicht im Schwall geht in der Regel einher mit gutem Gedeihen und ist selten akut. Manche Säuglinge verlieren durch häufigen Reflux allerdings so viele Kalorien, dass sie nicht gedeihen; andere Säuglinge aspirieren den zurückfließenden Mageninhalt in die Lunge und fallen durch häufige Lungenentzündungen auf; die in den Ösophagus aufgestaute Säure kann auch den Vagusnerven reizen und eine Luftwegsverengung hervorrufen (asthmaartiges Bild).

  • Appendizitis: Geht mit Bauchbeschwerden und typischen Zeichen (13.8.4) einher, das Kind ist meist älter als 2 Jahre.

  • Invagination (Säuglinge und Kleinkind 28.6.3): Symptome sind intermittierende, kolikartige Bauchschmerzen, Erbrechen. Später Blässe, Apathie, schockartiges Bild; blutig-schleimiger Stuhl als Spätsymptom.

  • Seltene Ursachen des Erbrechens sind Nahrungsmittelintoleranzen/-allergien, metabolisch und toxisch bedingtes Erbrechen (z. B. adrenogenitales Syndrom mit Salzverlust, diabetische Ketoazidose), erhöhter Hirndruck (auch bei Sonnenstich), Migräne (ab Schulkind).

Diagnose
Kinder neigen zum Erbrechen; die Ursachen sind häufig banal. Wichtigstes Ziel ist der Ausschluss einer schwerwiegenden Form.
  • Meningitis: Erbrechen wird begleitet von Nackensteifigkeit bzw. anderen meningitischen Zeichen (23.7.1). Typisches Alter: 1–5 J.; meist hohes Fieber; die Kinder sind „komisch“ (opisthotone Schonhaltung, oft leichte Bewusstseinstrübung, Berührungsempfindlichkeit, Lichtscheu). Notfall!

  • Akutes Abdomen (z. B. Appendizitis, Invagination): Erbrechen im Zusammenhang mit akuter Bauchsymptomatik (13.4.9); wenn Fieber besteht, dann meist nur mäßig.

Komplikationen des Erbrechens: Exsikkose (28.5).

Fallbeispiel „Azetonämisches Erbrechen“

Am frühen Mittwochabend – der Heilpraktiker ist darin vertieft, Liquidationen zu schreiben – ruft eine ratlose Patientin in der Praxis an. „Wie gut, dass ich Sie noch erreiche. Beim Hausarzt läuft nur der Anrufbeantworter. Ich weiß nicht, was mit unserem Julian los ist. Er bricht schon den ganzen Tag – eigentlich dürfte gar nichts mehr kommen – aber es hört einfach nicht auf. Er kann noch nicht einmal Kamillentee bei sich behalten. Können Sie mir sagen, was ich tun soll?“ „Ich denke, ich muss mir das Kind ansehen. In einer Viertelstunde kann ich bei Ihnen sein.“ Bei der Familie angekommen, beginnt der Heilpraktiker mit der Anamnese. Die ganze Familie litt in den letzten zwei Tagen kurzzeitig unter Übelkeit und Brechreiz. „Wir haben uns alle etwas eingefangen“, erklärt die Mutter. „Aber Julian hat es am schlimmsten erwischt.“ Insgesamt habe der Junge über 20-mal erbrochen. Das Erbrochene ist unauffällig, Durchfall besteht nicht. Der vier Jahre alte Junge, ein sonst sehr temperamentvolles Kerlchen, sitzt apathisch und völlig erschöpft in einer Sofaecke und hält eine Schüssel auf dem Schoß. Er hat eine Körpertemperatur von 37,4 °C, sein Puls ist relativ erhöht (120 Schläge/Min.), der RR, mit der „Kindermanschette“ gemessen, liegt bei 75/55 mmHg und ist somit noch ausreichend. Seine Haut und Schleimhäute sind trocken; die abgehobene Hautfalte bleibt glücklicherweise noch nicht stehen. Durst hat er nicht (mehr). Sogar löffelweise gegebenen Tee erbricht er sofort wieder. Der Sticktest zeigt eine Ketonurie ohne Glukoseausscheidung, was auf eine Dehydratation infolge von azetonämischem Erbrechen hinweist. „Ihr Sohn muss in die Klinik. Er ist wegen des ständigen Erbrechens völlig ausgetrocknet“, erklärt der Heilpraktiker. Die Eltern möchten ihren Sohn selbst ins nahe gelegene Kinderkrankenhaus bringen, und da der Zustand des Kleinen (noch) stabil ist, stimmt der Heilpraktiker zu. Auf die Infusion einer Natriumchlorid-Lösung mit Glukose verzichtet er, um den Jungen nicht zu belasten, zumal die Klinik in der Nähe und schnelle Hilfe abzusehen ist. Aufgrund des recht stabilen Zustands spricht deshalb nichts dagegen, den kleinen Patienten ohne Notarztbegleitung in die Klinik zu bringen. Dort werden die Elektrolyte kontrolliert und die weitere Therapie durchgeführt.

Achtung

Bei länger anhaltendem Erbrechen kommt es v. a. bei Säuglingen schnell zur Exsikkose: Hydratationszustand beachten (28.5).

Azetonämisches Erbrechen

Azetonämisches Erbrechen: Sonderform der Dehydratation (Mangel an Gesamtkörperwasser),

ausgelöst durch Brechattacken infolge eines Infekts, Ernährungsfehlers (Süßigkeiten, Fettexzess) oder Erregung; typischerweise erkranken Kinder im Vorschulalter.

Symptome und Diagnostik
Die Kinder erbrechen bis zu 50-mal tgl. (mitunter sogar mit Blut!), können weder Nahrung noch Flüssigkeit bei sich behalten und zeigen zunehmend Erbrechen:azetonämischesZeichen der Dehydratation (16.2.5) wie z. B. trockene Schleimhäute, verminderten Hautturgor und in ausgeprägten Fällen stehende Hautfalten (f. 28.13). Sie haben oft einen „obstähnlichen“ Mundgeruch.
Die Diagnose wird anhand der typischen Symptomatik, der körperlichen Untersuchung und der Urinuntersuchung (Sticktest zeigt Ketonurie ohne Glukoseausscheidung) gestellt.

Achtung

Bei häufigem Erbrechen müssen Sie die Kinder wegen der Gefahr der Elektrolytentgleisung und der Dehydratation zum Kinderarzt bzw. bei schlechtem Allgemeinzustand in die Kinderklinik überweisen.

Schulmedizinische Therapie
Abhängig von der Symptomatik ist eine orale Flüssigkeitszufuhr oder eine i. v.-Infusion mit Glukose 5–10 % erforderlich. Für die orale Gabe eignetElektrolytstörung:Kinder sich eine fertige Rehydratationslösung, von der regelmäßig alle 5 Min. 1 TL gegeben wird. Der Kinderarzt gibt möglicherweise ein Beruhigungsmittel sowie Antiemetika.

Häufige Erkrankungen im Kindesalter und ihre Leitsymptome

Tabellarische Übersicht

Viele infektiöse und nichtinfektiöse Erkrankungen verlaufen beim Kind ähnlich wie beim Erwachsenen. Besonders häufig im Kindesalter auftretende Erkrankungen zeigt Tab. 28.2. Die Erreger der sog. Kinderkrankheiten waren früher weit verbreitet (endemisch) – klassischerweise werden dazu Masern, Mumps, Röteln, Ringelröteln, Windpocken, Dreitagefieber, Scharlach und Keuchhusten gezählt. An diesen Erkrankungen erkrankten fast ausschließlich (und praktisch alle) Kinder. Da diese Infektionskrankheiten eine bleibende Immunität (22.3.2) hinterlassen, waren die Erwachsenen nach einem früheren Kontakt meist immun – daher der Name „Kinderkrankheiten“. Heute sind viele Kinderkrankheiten durch Impfungen weitgehend zurückgedrängt.
Insbesondere bei Kleinkindern treten z. B. bei leichten Virusinfekten unspezifische Hautausschläge auf. Es ist häufig nicht einfach, diese den jeweiligen Erkrankungen zuzuordnen – auch nicht mithilfe einer ausführlichen Labordiagnostik.

Icterus neonatorum

Icterus neonatorum (Neugeborenenikterus, Hyperbilirubinämie des Neugeborenen): gelbe Verfärbung von Haut, Schleimhäuten und Skleren durch Einlagerung von Bilirubin; bei sehr hohen Bilirubinkonzentrationen gefährlich durch Einlagerung von Bilirubin in die sich entwickelnden Kerngebiete des Gehirns (Kernikterus) mit daraus resultierenden irreversiblen Schädigungen.

Krankheitsentstehung und Einteilung
Ein gewisses Maß an Gelbfärbung tritt als normale (physiologische) Erscheinung bei Ikterus:NeugeboreneIcterus:neonatorumetwa der NeugeborenenikterusHälfte der Neugeborenen und insbesondere bei KernikterusFrühgeborenen um den 2.–3. Lebenstag auf und ist auf die Unreife der Leberfunktion zurückzuführen.
Ein Ikterus erreicht am 4.–5. Tag das Maximum und ist nach 2–3 Wochen verschwunden. Er kann jedoch selten auch ein ernst zu nehmendes Krankheitszeichen sein. Unterschieden werden:
  • Icterus gravis: stark ausgeprägter Ikterus, z. B. bei schweren Erkrankungen des Neugeborenen wie Sepsis

  • Icterus praecox: verfrüht auftretender Ikterus (vor dem 2. Tag), i. d. R. durch vermehrten Anfall von Bilirubin bei Hämolyse (etwa Icterus:gravisbei Blutgruppenunverträglichkeit)

  • Icterus prolongatus: länger als normal anhaltender Ikterus, z. B. bei einer Icterus:praecoxAbflussstörung der Gallenflüssigkeit

  • Muttermilchikterus: ebenfalls lang anhaltender Ikterus, der jedoch selten auftritt: Eine in der Muttermilch enthaltene Icterus:prolongatusEiweißsubstanz beeinträchtigt die enzymatische Ausscheidung des Bilirubins in der Leber.

Symptome und Diagnostik
Bei einer evtl. Icterus:Muttermilch-behandlungsbedürftigen Gelbsucht erscheint das Kind „gelber als normal“. Die „Gelbsucht“ tritt nicht nur im Gesicht und oberen Körperstamm (wie beim physiologischen Ikterus), sondern auch über Bauch und unteren Extremitäten auf. Mit ansteigendem Bilirubinspiegel werden viele Kinder auch apathisch und trinken schlecht. Die Diagnose wird durch eine Blutuntersuchung gestellt.
Aufgrund frühzeitig einsetzender Therapie kommt es heute praktisch nicht mehr zu bilirubinbedingten ZNS-Schädigungen (Kernikterus).
Schulmedizinische Therapie
Ob und ggf. welche Therapie erforderlich ist, hängt vom Bilirubinwert sowie von Alter, Gewicht und Gesamtzustand des Kindes ab. Es gilt folgendes Stufenschema:
  • 1. Stufe: häufiges Füttern, Kind immer wieder möglichst nackt oder nur leicht bekleidet in die durchs geschlossene Fenster scheinende Sonne stellen – das Fensterglas lässt den blauen Lichtanteil durch.

  • 2. Stufe: Fototherapie – bestimmte Wellenlängen im blauen Bereich des Lichtes wandeln das in der Haut vorhandene indirekte Bilirubin in wasserlösliche Formen um, die dann mit dem Urin ausgeschieden werden können; heute kann die Fototherapie auch zuhause durchgeführt werden.

  • 3. Stufe: Austauschtransfusion – bei schweren Formen des Ikterus muss das Bilirubin schnell entfernt werden, um einen Kernikterus zu verhindern.

Exzessives Schreien, „Dreimonatskoliken“

Exzessives Schreien: regelmäßiges, unstillbares Schreien, das in den ersten 3 Lebensmonaten v. a. abends auftritt. Die Diagnose wird gestellt, wenn ein Baby mehr als 3 Stunden am Tag, an mehr als 3 Tagen in der Woche und während mehr als 3 Wochen quengelt oder schreit. Betroffen sind 15 % der Säuglinge. Die Ursache ist unbekannt. Wegen des oft geblähten Bauches werden traditionell Koliken als Auslöser verdächtigt, heute wird jedoch angenommen, dass die Blähungen eher Folge als Ursache der Schreiattacken sind. Deshalb werden heute neutralere Begriffe wie „anhaltendes Abend schreien“ oder „exzessives Schreien“ bevorzugt.

Der im Volksmund teilweise auch gebrauchte Begriff „Schreibaby“ sollte vermieden werden, da er das Baby über sein Schreien definiert. Die Symptome verschwinden meist von alleine, manche Babys bleiben jedoch in ihrer Dreimonatskolikemotionalen Regulation (Schreien, Schlafen, Trinken) auch im weiteren Säuglingsalter „schwierig“, man spricht dann von einer frühkindlichen Regulationsstörung.
Symptome
Die Säuglinge schreien nach der Mahlzeit (v. a. am späten Nachmittag) und ziehen die Beine an; der Bauch ist gebläht. Obwohl die Kinder oft Schmerzen leiden, haben sie eine „gute“ Hautfarbe und sind nach Abklingen der Attacken „wieder ihr eigenes Selbst“, d. h. auch wieder am Trinken interessiert. Sie lassen sich meist durch Herumtragen und bäuchlings Über-die-Schulter-Legen beruhigen.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Die Diagnose stellen Sie meist anhand der typischen Symptomatik und des Lebensalters. Differenzialdiagnostisch müssen Sie aber v. a. bei erstmaliger Kolik die beiden folgenden lebensbedrohlichen Erkrankungen ausschließen:
  • Invagination: Einstülpung eines höheren Darmabschnitts in einen tieferen. Zu 90 % sind die Kinder unter 2 Jahre alt und leiden akut unter kolikartigen Bauchschmerzen (heftigstes Schreien) und evtl. Erbrechen. Die Schreiattacke kann plötzlich abbrechen, die Kinder liegen Invaginationblass im Bett und werden zunehmend apathisch. Anfangs wird noch etwas Stuhl entleert, später dann evtl. blutiger Schleim.

  • Volvulus: Drehung des Darms um seine Achse. Er tritt v. a. in der frühen Säuglingszeit und im Schulalter auf. Die Erkrankung beginnt plötzlich mit Bauchschmerzen und galligem Erbrechen. Die Kinder wirken schwer krank. Der Volvulus ist eine Sonderform des mechanischen VolvulusIleus (13.4.10).

Achtung

Bei Verdacht auf Invagination oder Volvulus ist eine sofortige Einweisung in eine Kinderklinik dringend erforderlich (operative Therapie)!

Bei über Monate anhaltenden Beschwerden, besonders wenn sie mit Erbrechen, Gedeihstörung und/oder Durchfällen einhergehen, muss immer auch an eine Kuhmilchallergie gedacht werden.
Unter einer Nabelkolik versteht man ungeklärte Bauchschmerzen beim Kind. Unter diesem Begriff werden sowohl organische und funktionelle Baucherkrankungen als auch Erkrankungen außerhalb des Bauchraums, die das Kind in den Bauch projiziert, zusammengefasst. Es handelt sich hierbei folglich nicht um Nabelkolikeine Diagnose, sondern um eine unspezifische Sammelbezeichnung. Die Ursache muss sorgfältig abgeklärt werden.
Schulmedizinische Therapie
Es gibt keine „medizinische“ Therapie der Dreimonatskoliken. Die Eltern sollten wissen, dass ihr Kind nicht „krank“ ist und sich das Problem „auswächst“. Entschäumer (z. B. Dimeticon, sab simplex®) werden oft verordnet, wirken jedoch meist nicht. Eventuell können probiotische Tropfen (z. B. BiGaia®) verordnet werden. Immer wird auch die Kommunikationsebene mit einbezogen, d. h. es wird versucht, eine feinfühlige, verlässliche Kommunikation zu unterstützen. Hier hilft oft auch körperliche Nähe, etwa das Tragen im Tragetuch. Bei akutem „Kolikschreien“ kann es sinnvoll sein, dem Baby einmal die Brust zu geben: Sollte es nur kurz und hektisch trinken, ist häufiges Stillen oder gar „Abfüllen“ nicht die richtige Strategie. Manche Babys lassen sich eher durch einen Schnuller oder durch geduldiges Herumtragen – fest am Körper tragen oder schaukeln, andere mögen es eher leicht, etwa im „Fliegergriff“ – beruhigen. Auch „weißes Rauschen“ durch Flüstern, Zischen oder einen laufenden Föhn bzw. Staubsauger kann helfen, indem andere Reizquellen ausgeblendet werden. Rhythmen wirken ebenfalls besänftigend, etwa der Gehrhythmus beim Spazierengehen, der sich auf das Kind überträgt. Auch das leichte Klopfen auf den Rücken, etwa in Herzschlagfrequenz (80- bis 140-mal pro Minute, also etwa 2-mal pro Sekunde) soll manche Babys beruhigen, das übertriebene Schaukeln im Kinderwagen oder Gehopse auf dem Gummiball hingegen macht viele Babys eher hektisch und bringt nur kurzfristig Ruhe. Wichtig ist, dass sich die betroffenen Eltern gegenseitig unterstützen und sich gerade für die Abendstunden Hilfe organisieren. In hartnäckigen oder anhaltenden Fällen kann eine Überweisung an eine Schreiambulanz (z. B. an großen Kinderkliniken) hilfreich sein.
Leider lässt sich zur Vorbeugung nur wenig unternehmen. Häufigeres Anlegen bzw. häufigere Flaschenmahlzeiten sowie das Beachten der kindlichen Signale (ein müdes Kind will nicht bespielt oder stimuliert werden, ein waches Kind will nicht dauern abgelegt werden) sind immer günstig. Die Angst vor „Verwöhnung“ bringt oft zusätzlichen Stress in das Familiensystem und sollte durch eine kundige Beratung entschärft werden. Eine Nahrungsumstellung bei der Mutter oder der Verzicht auf „blähende Speisen“ sind nach vergleichenden Studien wirkungslos.

Fallbeispiel „Invagination“

Eine junge Mutter kommt mit ihrem 16 Wochen alten Sohn in die Praxis. Der Säugling, ein zartes, aber gut entwickeltes Kind, hat nach jeder Mahlzeit starke Blähungen, die sog. Dreimonatskoliken. „Ich kann es kaum aushalten, wenn ich sehe, wie der Kleine leidet“, gesteht die Mutter. „Wir haben schon alles mögliche probiert, aber jede Mahlzeit entwickelt sich zur Tortur! Und gestern war es ganz entsetzlich.“ Am Vortag hatte der Junge stundenlang nicht mehr mit dem Schreien aufgehört. Die Mutter erzählt, was sie und ihr Lebensgefährte alles unternommen haben, um dem Kleinen Erleichterung zu bringen. Auch der Entschäumer, den der Kinderarzt verordnete, wirkte nicht. Heute wirkt der Junge hingegen sehr ruhig und mag nicht trinken. Die Heilpraktikerin versucht, das Interesse des Kindes zu wecken, es schaut jedoch förmlich durch sie und die Mutter hindurch. Seine Gesichtshaut ist blass, fast gräulich. Die Heilpraktikerin bittet die Mutter, das Kind zu entkleiden. Auf den ersten Blick fällt der stark geblähte Bauch auf. Die Windel ist leer, beim letzten Windelwechsel war ebenfalls kein Stuhl vorhanden, das Mal davor war die Stuhlmenge sehr klein. Die Heilpraktikerin fragt, ob der Junge erbrochen habe, was die Mutter bejaht. Der Puls des Säuglings ist tachykard (160 Schläge/Min.) und er hat 39,3 °C Fieber (mit Baby-Thermometer im Ohr gemessen). Die Auskultation mit dem angewärmten Stethoskop zeigt spärliche Darmgeräusche. Ganz sanft beginnt die Heilpraktikerin mit der Palpation des Bauchraums, und schlagartig fängt der Junge an, „wie aufgespießt“ zu brüllen. Die Heilpraktikerin fühlt deutlich im rechten Mittelbauch eine Verhärtung, die Bauchdecke scheint dort gespannt. „Ihr Sohn muss sofort ins Krankenhaus. Ich fürchte, er hat einen Darmverschluss.“ Sie ruft augenblicklich den Notarzt. Dieser findet bei der vorsichtigen rektalen Untersuchung Blut an seinem Handschuh, was die Verdachtsdiagnose erhärtet. Umgehend wird der Säugling samt seiner bestürzten Mutter in die nächste Kinderklinik gebracht. Dort wird eine Invagination diagnostiziert und durch einen Kontrastmitteleinlauf erfolgreich behandelt.

Naturheilkundliche Therapie bei Dreimonatskoliken

Ernährungstherapie

Nach Ansicht mancher Praktiker können die Beschwerden des Kindes durch eine Ernährungsumstellung der stillenden Mutter deutlich gebessert werden. Eine gewürzarme Vollwerternährung, die tierische Eiweiße, Zucker und zuckerhaltige Produkte sowie Kaffee und ggf. Kuhmilch reduziert, ist zu empfehlen.
Auf blähende Speisen (z. B. Zwiebeln, Hülsenfrüchte und Kohl) sollte die stillende Mutter verzichten.

Fußreflexzonentherapie

Die vorsichtige Behandlung der Reflexzonen der Verdauungsorgane bringt oftmals eine Besserung. Die Füße können auch während des Trinkens sanft massiert werden.

Homöopathie

Bei akuten Beschwerden ist die Behandlung mit einem symptomatischen Mittel angezeigt: z. B. Colocynthis (bei Nabelkoliken, bei denen sich das Kind krümmt), Chamomilla (bei ärgerlichen, sehr gereizten Kindern Abb. 28.15) oder Carbo vegetabilis (bei stark geblähtem Bauch, blassen und kälteempfindlichen Kindern), Magnesium phosphoricum (bei Blähungskoliken, begleitet von Luftaufstoßen, das aber nichts bessert).
Alternativ haben sich auch Komplexmittel, z. B. Carum carvi Kinderzäpfchen Wala® bewährt.

Ordnungstherapie

Erfolgt die Nahrungsaufnahme in einem regelmäßigen Rhythmus, d. h. alle vier bis fünf Stunden, kann die Kolikneigung vermindert werden. Raten Sie aus diesem Grund der Mutter zur Einhaltung dieser Abstände beim Stillen oder Fläschchengeben. So wird vermieden, dass zur unvollständig verdauten Nahrung im Magen erneut Milch gegeben und der empfindliche Magen-Darm-Trakt des Kindes durch unverdaute und neue Nahrung gestört wird.
Weisen Sie die Mutter auch darauf hin, dass das Kind, das zwischen den Nahrungsintervallen schreit, nicht mit Milch, sondern mit Tee und Zuwendung beruhigt werden sollte. Die Eltern sollten viel Hautkontakt mit dem Baby herstellen und es z. B. oft unbekleidet, aber gut gewärmt in Bauchlage auf die nackte Brust oder den Bauch der Mutter oder des Vaters legen. Berücksichtigen Sie auch, dass der psychische Zustand der Mutter die Situation des Babys häufig mitbestimmt und sich z. B. Anspannung oder auch Ängste der Mutter auf das Kind übertragen. Hat das Baby Koliken, weil die Mutter erschöpft und gereizt ist, ist es oft sinnvoll, die Mutter für einige Tage zu entlasten. Durch die verordnete Ruhe sowie eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme werden die Milchproduktion angeregt, sodass das Kind abends und nachts besser gestillt werden kann.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie Wärmeanwendungen, wie z. B. warme Bauchkompressen, die insbesondere während des Trinkens entspannend und krampflösend wirken. Bei Bedarf können zur Wirkungsverstärkung die Kompressen mit Kamillen-, Kümmel- oder Fencheltee getränkt werden.
Vorsicht:Vor jeder Anwendung ist die Temperatur an der Innenseite des Unterarms des Erwachsenen zu prüfen.
Auch eine vorsichtige und liebevolle Bauchmassage im Uhrzeigersinn in Verlaufsrichtung des Dickdarms kann die Beschwerden lindern.

Phytotherapie

Entblähend wirken Heilpflanzen wie Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus Abb. 13.30), Kümmelfrüchte (Carvi fructus Abb. 13.29) und Anisfrüchte (Anisi fructus Abb. 13.28). Sie werden vorzugsweise als Tee verabreicht und von Kindern sehr gut vertragen. Für die äußerliche Anwendung gibt es z. B. Bäuchlein-Salbe.

Praktische Tipps für Eltern

  • Das Kind häufig tragen („Fliegergriff“ Abb. 28.16) und schaukeln.

  • Kind evtl. in Tragetuch legen.

  • Kümmel-, Anis-, Fencheltee geben.

  • Feuchtwarme Leibwickel, z. B. mit Kamille anwenden.

  • Bauchmassage im Uhrzeigersinn durchführen.

Windeldermatitis

Windeldermatitis: Hautreizung im Windelalter durch Urin und Stuhl, begünstigt durch den Wärmestau und Luftabschluss („feuchte Kammer“) in der Windel, nicht selten besteht auch eine Besiedelung der Haut mit Candida albicans (Windelsoor 25.11.13) oder Bakterien.

Fast alle Kinder im Windelalter werden ein oder mehrere Male „wund“. In leichten Fällen ist die Haut nur gerötet. In schweren Fällen bestehen Papeln, Bläschen und Erosionen (Abb. 28.17).
Das wichtigste ist, den Windelbereich Windeldermatitistrocken zu halten. Oft reicht es aus, das Kind häufiger zu wickeln. Dabei wird der Windelbereich vorsichtig saubergetupft (nicht reiben) und die Haut danach z. B. mit einer zinkhaltigen Creme oder Vaseline abgedeckt. Evtl. empfiehlt sich vorübergehend die Benutzung von Stoff- statt „Plastik“-Windeln. Außerdem sollte man das Kind öfter nackt liegen lassen. Ist dies nicht möglich, kann „offen“ gewickelt werden, d. h., die Windel wird nur umgeschlagen. Zusätzliche Maßnahmen, etwa der Einsatz von Farbstofflösungen wie Pyoktanin 0,5 % oder antimykotischen Cremes sind gelegentlich notwendig.

Naturheilkundliche Therapie bei Windeldermatitis

Ernährungstherapie

Ernährungsgewohnheiten und Hautzustand stehen häufig in engem Zusammenhang. Stillt die Mutter, sollte sie auf scharfe Gewürze und Zitrusfrüchte verzichten. Auch Obstsäfte, Erdbeeren und Tomaten können die empfindliche Kinderhaut reizen.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und gründliche Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Als Konstitutionsmittel können folgende Mittel angezeigt sein: Calcium carbonicum, Medorrhinum, Sulfur. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes Konstitutionsmittel verweisen. Werden Komplexmittel eingesetzt, so enthalten diese häufig Calcium carbonicum (wiederkehrende oder chronische Windeldermatitis, Schweißabsonderung an Kopf und Füßen, bei Säuglingen kalte Füße, Abneigung gegen Milch, häufiger Schnupfen mit Laufnase), Kreosotum (Jucken, Brennen der Haut), Mezereum (nässende Haut, Wärme verschlechtert), Sulfur (häufig auftretende Hautbeschwerden, aktive und unruhige Kinder, trockene, raue Haut, gerötete Schleimhäute, Abneigung gegen Wasser, Verschlechterung durch Hitze, Bettwärme). Bei geröteter Haut kann die biochemische Salbe Creme Nr. 3 Ferrum phosphoricum hilfreich sein.

Ordnungstherapie

  • Windeln häufig wechseln, ggf. Windelmarke und Pflegeprodukte austauschen.

  • Reinigung mit lauwarmem Wasser ohne Seife, Haut gut trocknen lassen, evtl. vorsichtig trocken föhnen. Möglichst keine Feucht- und Reinigungstücher verwenden, wegen Konservierungs- und Zusatzstoffen.

  • Kind häufig ohne Windel strampeln lassen.

  • Das Betupfen der Haut mit Muttermilch wirkt dem Wundsein entgegen.

  • Bei Stoffwindeln: keinen Weichspüler verwenden. Dem Spülwasser etwas Essig zufügen.

  • Wenn die Haut nässt, keine Pasten oder Salben verwenden, eher feuchte Umschläge oder Bäder.

  • Bei Soorbefall am Po besteht häufig ein Zusammenhang mit Mundsoor und/oder Pilzinfektion des Darmes. In diesen Fällen sollte ein Mittel verordnet werden, das die Darmflora aufbaut.

Physikalische Therapie

Das Kind sollte mehrmals täglich lauwarme Sitzbäder mit schwarzem Tee (aus dem 2. Aufguss) bekommen. Auch Zusätze wie Kleie (z. B. Kleiebad Töpfer®) oder Eichenrinde (Quercus cortex) wirken lindernd.

Phytotherapie

Heidelbeermuttersaft (100 % reiner Presssaft) aus dem Reformhaus, der dünn auf die Haut aufgetragen wird, ist ein gutes Mittel bei gereizter Haut. Zu empfehlen ist auch eine Heilsalbe auf Calendula- oder Kamillenbasis, z. B. Calendula Wundsalbe Weleda®.

Pseudokrupp

Pseudokrupp (stenosierende Laryngotracheitis, subglottische Laryngitis): meist viral bedingte Atemwegsentzündung mit Heiserkeit und typischem, „bellendem“ Husten durch Schwellung der Kehlkopf- und Luftröhrenschleimhaut.

Als (echter) Krupp hingegen wird die heute seltene Kehlkopfentzündung im Rahmen einer Diphtherie (25.12.6) bezeichnet – alle übrigen Krankheitsbilder mit entzündlicher PseudokruppSchwellung von Kehlkopf und Luftröhre werden in LaryngotracheitisAbgrenzung dazu als Pseudokrupp („scheinbarer Krupp“) bezeichnet.
Symptome
Die Erkrankung tritt vorwiegend zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 4. Lebensjahr auf. Typischerweise bekommt das Kind im Rahmen eines viralen Infekts bellenden Husten und wird heiser. Die Beschwerden treten meist abends oder nachts auf. Der Pseudokrupp hat einen Häufigkeitsgipfel im Herbst, einen zweiten im Spätwinter. In schweren Fällen ist bei der Einatmung ein pfeifendes Geräusch zu hören (inspiratorischer Stridor). Die komplette Verlegung der Atemwege ist selten.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Die Diagnose wird anhand der typischen Symptomatik gestellt, darf aber auf keinen Fall mit der lebensbedrohlichen Epiglottitis (28.8.4) verwechselt werden, die ähnliche Symptome zeigt (Tab. 28.3).

Achtung

Besteht auch nur der geringste Verdacht auf eine Epiglottitis, dürfen Sie keinesfalls eine Racheninspektion durchführen! Es kann zu einer kompletten Verlegung der Atemwege kommen. Überweisen Sie das Kind umgehend zum Kinderarzt, bzw. fordern Sie bei schlechtem Allgemeinzustand eine Notarztbegleitung zum Transport in die nächste Kinderklinik an.

Schulmedizinische Therapie
Oft reichen einfache physikalische Maßnahmen (Frischluftbehandlung, Kaltluftvernebler, feuchte Tücher im Zimmer) zur Behandlung aus.
In schweren Fällen sind Inhalationen mit Adrenalin zur Erweiterung der Atemwege erforderlich.
Auch die Gabe von Glukokortikoiden, z. B. Rp Infektokorti Krupp® 100 mg Supp. führt zu einer Abschwellung der entzündeten Schleimhaut (Wirkungseintritt nach 1–2 Std.). Selten ist eine Intubation mit Beatmung nötig. Die Anfälle wiederholen sich oft in der nächsten Nacht.

Tipp

Verhaltenstipps bei Pseudokrupp

  • Aufregung und Stress vermeiden (keine ängstlichen Eltern!)

  • kalte, feuchte Luft zur Schleimhautabschwellung: Kind am offenen Fenster oder vor dem geöffneten Kühlschrank atmen lassen, evtl. nasse Tücher ins Zimmer hängen

Häufige Störungen im Kindesalter

Schlafstörungen

Kindliche Schlafstörungen: Schlafstörungen sind bei Kindern oft schwierig zu objektivieren, häufig entspricht das kindliche Schlafverhalten einfach nicht dem hierzulande favorisierten Schlafideal (Kind im eigenen Bett). Kleine Kinder sind aus evolutionär sinnvollen Gründen nämlich auf Schlafstörungen:Kinderdas Schlafen im Nähebereich ihrer Bezugspersonen prädisponiert – zu 99 % der menschlichen Geschichte hätte ein allein schlafendes Kind die Nacht nicht überlebt, da es von um das Lager streifenden Wildtieren verschleppt oder durch mögliche Temperaturschwankungen unterkühlt worden wäre. Der hierzulande bei kleinen Kindern häufige Schlafprotest stellt damit v. a. ein „Passungsproblem“ dar.
Entstehung
Unzählige Faktoren können die Schlafqualität des Kindes beeinflussen, nur eine Auswahl davon kann hier genannt werden:
  • organische Ursachen: Dreimonatskoliken, Blähungen, Juckreiz, Atemnot

  • familiäre Probleme: z. B. Konflikte der Bezugspersonen oder ständiges Ermahnen und Verbieten tagsüber kann zu nächtlicher Unruhe führen

  • psychische Probleme des Kindes: (unausgesprochene) Ängste oder Kindergarten-/Schulprobleme

  • situative Faktoren: hoher Lärmpegel, ungünstige Lichtverhältnisse, zu warme oder zu kalte Raumtemperatur

Diagnostik
Bei der Vielzahl der möglichen Ursachen ist eine ausführliche Anamnese besonders wichtig. Stellen Sie zunächst Fragen, um festzustellen, ob wirklich eine Schlafstörung besteht:
  • Wie lange schläft das Kind?

  • Wie oft wacht es in der Nacht auf?

  • Schläft das Kind unruhig, hat es z. B. Albträume?

  • Wie ist der Schlafrhythmus (Mittagsschlaf)? Ein zweijähriges Kind wird nach einem vierstündigen Mittagsschlaf nicht wieder so schnell schlafen können und wollen (Abb. 28.18).

Erfragen Sie dann mögliche organische Ursachen:
  • Bestehen Atemprobleme, Juckreiz (z. B. bei Neurodermitis oder am After bei Wurminfektion) oder Schmerzen (v. a. Bauchschmerzen, Blähungen)?

  • Muss das Kind nachts zur Toilette?

Die meisten Fragen werden Sie zur Psyche des Kindes (Probleme, Ängste, Trauer, evtl. nicht altersgemäße Fernsehsendungen), zum sozialen und familiären Umfeld (Geschwistern-, Elternbeziehung, Freunde) und zur Schlafsituation (Lärm, Schlafraum, Licht) stellen.
Eine der wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang ist: Wie ist das Befinden der Mutter bzw. der Bezugsperson? Bestehen Übermüdung, Unzufriedenheit? Liegen evtl. eine allgemeine Überforderung vor, evtl. eine Nichtanerkennung oder bestehen sonstige Probleme? Konflikte, unter denen die Hauptbezugsperson leidet, übertragen sich häufig auf das Kind.
An die Anamnese schließt sich immer eine Ganzkörperuntersuchung an, um organische Ursachen auszuschließen.
Schulmedizinische Therapie
Sekundäre, also auf krankhafte Einflüsse zurückzuführende Schlafstörungen werden, wenn möglich, kausal behandelt (z. B. durch juckreizlindernde Therapie).
Feststehende Empfehlungen für den Umgang mit schlafgestörten Kindern können nicht gegeben werden; jedes Kind, jede Familie muss individuell betrachtet werden. In manchen Fällen ist eine Überweisung in eine Schlafsprechstunde (an Kinderkliniken) zu empfehlen.

Tipp

Einfache Schlafhilfen

  • Schlafrituale: Schnuller, Schmusetier, Vorlesen, eingeschaltetes Licht, Spieluhr

  • ruhiger, geregelter Tagesablauf: keine unnötigen akustischen und optischen Reize, besonders abends nicht mehr fernsehen (Reizüberflutung!)

  • angenehme Schlafumgebung: Ruhe, gelüftetes Zimmer, Nachtlicht

Enuresis

Enuresis (Einnässen): Einnässen häufiger als einmal wöchentlich nach Vollendung des 4. Lebensjahres; mit einem Vorkommen bei ca. 20 % aller Fünfjährigen häufiges Problem; keine eigenständige Erkrankung, sondern Symptom, meist durch Reifungsverzögerung oder eine funktionelle Blasenkontrollstörung bedingt.

Einteilung und Symptome
Je nachdem, wann das Einnässen auftritt und ob das Kind bereits trocken gewesen ist, werden mehrere Formen unterschieden:
  • Enuresis nocturna: Einnässen nur nachts, ca. 70 % der EnuresisFälle

  • Enuresis diurna: Einnässen nur Einnässentags, ca. 5 %

  • Enuresis diurna et nocturna: Einnässen sowohl tags als auch nachts, ca. 25 %

  • primäre Enuresis: Kind war noch nie längere Zeit trocken

  • sekundäre Enuresis: Kind beginnt Enuresis:nocturnawieder einzunässen, nachdem es mindestens ein halbes Jahr trocken gewesen war

Einkoten (Enkopresis) tritt wesentlich seltener als Einnässen auf. Unter einer Enkopresis versteht man regelmäßiges Einkoten nach Vollendung des 4. Lebensjahrs bei sonst altersgerechter Entwicklung. Es ist ein häufiges Begleitsymptom bei chronischer Verstopfung (EinkotenVerflüssigung hinter dem „Pfropf“ angestauter Stuhlmassen), Enkopresisselten ist es auch psychisch bedingt (Ausschlussdiagnose!).
Diagnose und Differenzialdiagnose
Eine sorgfältige Anamneseerhebung und das Achten auf Begleitsymptome geben wichtige Hinweise auf die Ursache des Einnässens:
  • Die weitaus häufigste Ursache des primären nächtlichen Einnässens ist eine Reifungsverzögerung der Blasenfunktion. Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Oft ergibt die Anamnese, dass es in der Familie schon häufiger Probleme mit dem (nächtlichen) Trockenwerden gab. Typischerweise sind die betroffenen Kinder nachts nur schwer weckbar. Auch ist bei diesen Kindern häufig die Sekretion des antidiuretischen Hormons vermindert.

  • Andere Ursachen sind selten. Eine gesteigerte Urinproduktion und nächtliches Trinken sind Hinweise auf einen Diabetes mellitus (15.6) oder Diabetes insipidus. Bei Harnwegsinfektionen haben die Kinder zusätzlich oft Beschwerden beim Wasserlassen und gehen häufig (für kleine Portionen) zur Toilette. Weitere Ursachen sind funktionelle Blasenentleerungsstörungen und Harnleiter- oder Harnröhrenfehlbildungen.

  • Psychische Komponenten wie z. B. falsches (in der Regel zu frühes und zu strenges) Sauberkeitstraining, Familienkonflikte, Überforderung oder „Regressionssituationen“ (etwa die Geburt eines Geschwisterchens) können zum Einnässen beitragen.

Wegen der Vielzahl der in Frage kommenden Ursachen ist eine urologische Abklärung (Urinuntersuchung, Ultraschalluntersuchung, Blasenfunktionsdiagnostik) angezeigt.

Fallbeispiel „Enuresis“

Eine Frau bringt ihre sechs Jahre alte Tochter in die Praxis. Die Kleine macht seit etwa sieben Wochen wieder regelmäßig nachts ins Bett. Bevor das Mädchen hereingebracht wird, erzählt die Mutter: „Anna war schon lange zuverlässig trocken! Der Arzt hat sie gründlich untersucht und nichts gefunden. Er hat uns gesagt, dass sie wohl mehr Aufmerksamkeit von uns braucht und uns das auf diese Weise mitteilt. Natürlich haben wir uns dann noch mehr um sie gekümmert als vorher. Aber ich glaube nicht, dass es das ist! Ich fürchte eher, sie bekommt mit, dass mein Mann und ich in letzter Zeit heftige Eheprobleme haben …“ Im Kindergarten gebe es keine Schwierigkeiten, und auf die Einschulung freue das Mädchen sich sehr. Die körperliche Untersuchung der kleinen Patientin (einschließlich Urinsticktest) ergibt keinen pathologischen Befund. Die Heilpraktikerin unterhält sich eine Weile mit dem aufgeweckten Mädchen, um sich ein eigenes Bild zu machen. Dann schickt sie die Kleine wieder zu ihrem Vater ins Wartezimmer. Sie bespricht mit der Mutter, jeden Abend ein „Pipi-Ritual“ durchzuführen, z. B. eine „Klogeschichte“ zu erzählen, die das Kind auf das Wachwerden in der Nacht einstimmt, und für Anna eines ihrer geliebten Glanzbildchen auf der Toilettenspüle zu deponieren, das sie behalten darf, wenn sie in der Nacht trockengeblieben bzw. den rechtzeitigen Gang zur Toilette geschafft hat. Da das Mädchen sich wegen ihres Bettnässens schämt und Selbstvorwürfe macht, verordnet die Heilpraktikerin eine entsprechende Bach-Blütenmischung. „Ich vermute jedoch, dass es mit diesen Maßnahmen allein nicht getan sein wird und Sie die eigentliche Ursache bereits selbst erkannt haben. Sie sollten – wenn irgend möglich – Auseinandersetzungen in Gegenwart des Kindes vermeiden. Eine Kollegin von mir begleitet Paare in Krisensituationen, z. B. mit einer Form der systemischen Familientherapie und hilft ihnen, ihre Konflikte aufzuarbeiten. Ich kann Ihnen gerne die Adresse geben. Und viele Institutionen, z. B. auch die Kirchen, bieten die klassische Eheberatung an. Vielleicht könnte dies Ihre familiäre Situation entkrampfen, zum Wohle aller …“ Die Patientin will über diesen Vorschlag mit ihrem Mann sprechen. Sie möchte nicht nur ihre Ehe retten, sondern auch die seelische Belastung der Tochter verringern.

Schulmedizinische Therapie
Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Bei der Enuresis nocturna sind v. a. Geduld und Ermutigung gefragt. Bettnässer sind nicht krank, sie werden aber oft durch die Reaktionen der Eltern (Druck, Verspottung oder Ablehnung) krank gemacht. Viele Tipps haben sich als erfolglos erwiesen, wie etwa kein Trinken am Abend. Versucht werden können folgende Maßnahmen:
  • Blasenentleerung vor dem Schlafengehen

  • Einstimmung auf nächtliches Wachwerden durch abendliche Gespräche am Bett

  • Bekräftigung durch kleine Belohnungen (kann versucht werden, aber in der Regel wünschen sich die Kinder selbst, dass sie trocken bleiben)

  • bei älteren Kindern (ab 6 Jahre), die auf dieses Training nicht ansprechen, werden Weckgeräte („Klingelhosen“) eingesetzt, die gezielt wecken bei gerade beginnender Miktion; die Kinder sollen dadurch lernen, selbstständig auf die Signale ihrer Harnblase zu reagieren

  • Für einzelne Nächte (z. B. bei Übernachten außer Haus) kann Desmopressin (Minirin®) als Tablette verordnet werden, es vermindert die auszuscheidende Wassermenge

ADS und ADHS

  • ADS: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom

  • ADHS: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität

Symptomkomplex aus motorischer Unruhe (Abb. 28.19), Konzentrationsstörungen und impulsivem Verhalten; Ursache unklar. 5 % der Kinder sind betroffen. Ältere Bezeichnung: hyperkinetisches Syndrom.

Symptome
Leitsymptome des ADHS sind:
  • Hyperaktivität: motorische Unruhe, ständiges, zielloses Bewegungsbedürfnis

  • Aufmerksamkeitsstörung: Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS)ADS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom)geringe ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität)Konzentration und Ausdauer, leichte Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit Hyperaktivität (ADHS)Ablenkbarkeit

  • Impulsivität: Neigung zu impulsivem Verhalten, Stimmungsschwankungen.

Weitere Symptome wie soziale Anpassungsschwierigkeiten und Hyperaggressivität sind meist Folgen oder Begleitprobleme dieser Leitsymptome.
Aufmerksamkeitsstörung:KinderBeim ADS steht die Aufmerksamkeitsstörung im Vordergrund.
Welche Ursachen das ADS bzw. ADHS bedingen, ist umstritten. Eine erbliche Komponente ist mit Sicherheit nachgewiesen, aber auch Umwelteinflüsse (v. a. Alkohol- und Nikotinexposition in der Schwangerschaft und Frühgeburtlichkeit) sowie eine stressbeladene frühkindliche Beziehung zur primären Betreuungsperson können eine Rolle spielen. Dass hinter der Diagnose nicht selten auch eine Überforderungssituation (etwa durch zu frühe Einschulung) liegt, zeigt die Statistik: Danach werden die relativ jüngsten Kinder in der Klasse um etwa 50 % häufiger mit Ritalin behandelt als die relativ älteren Kinder.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien werden oft als Faktor vermutet, es gibt für eine auslösende Rolle jedoch keine seriösen Beweise.
Immer stellt sich bei einem möglichen ADHS die Frage, ob die Probleme vielleicht gar nicht beim Kind, sondern eher bei seiner heutigen Umwelt zu suchen sind (Soll das Kind geändert werden, damit es zur Schule passt, oder soll die Schule geändert werden, dass sie zum Kind passt?).
Diagnostik
In der Anamnese stellen Sie Fragen zur Schwangerschaft, Geburt, frühkindlichen Entwicklung sowie zur familiären und sozialen Situation (z. B. Kontaktschwierigkeiten des Kindes). Durch eine körperliche Untersuchung und evtl. Labordiagnostik (z. B. Schilddrüsenhormonwerte) muss eine organische Ursache ausgeschlossen werden. Eine weitere ärztliche (z. B. neurologische oder kinderpsychiatrische) Diagnostik ist zu empfehlen. Die Diagnose darf nicht leichtfertig gestellt werden, sondern verlangt umfangreiche Tests.
Schulmedizinische Therapie
Eine kausale Therapie ist nicht möglich. Eltern, Schule, Kindergarten müssen über die Schwierigkeiten des Kindes informiert werden, damit die erzieherischen Erwartungen zur Entlastung des Kindes geändert werden. Günstig ist es, dem Kind mehr Ordnung und Struktur zu geben. Insbesondere auf ausreichenden, geregelten Schlaf ist zu achten. Reizüberflutung (z. B. Fernsehen) sowie koffeinhaltige Getränke sind zu meiden. Das Kind wird an einen Kinder- oder Jugendpsychologen überwiesen zum heilpädagogischen oder verhaltenstherapeutischen Training der Selbstkontrolle. Eine medikamentöse Therapie mit Psychopharmaka (z. B. Ritalin®), die den Neurotransmitterstoffwechsel beeinflusst, wird kontrovers und häufig sehr emotional diskutiert. Sie erscheint in Einzelfällen indiziert, in anderen Fällen sollte v. a. gefragt werden, ob dem Kind zu einer günstigen Entwicklung wirklich nur ein Medikament fehlt.

Naturheilkundliche Therapie bei Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Bach-Blütentherapie

naturheilkundliche Therapie:Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)Hyperaktive Kinder sind oft in einem bestimmten seelischen Zustand gefangen. Um die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS):naturheilkundliche Therapievordergründige Stimmung positiv zu beeinflussen, können Sie folgende Bach-Blüten verordnen: Impatiens (bei Ungeduld, Ruhelosigkeit, überschießenden Reaktionen), Scleranthus (bei Sprunghaftigkeit und der Unfähigkeit, sich mit einer Sache zu beschäftigen) oder Wild Oat (bei Orientierungslosigkeit; Kinder probieren vieles aus, um es schnell wieder aufzugeben). Nehmen Sie noch andere Gefühlsqualitäten wahr, unter denen das Kind leidet, können Sie nach den Grundregeln der Bach-Blütentherapie (4.2.10) weitere Blüten zusätzlich einsetzen.

Ernährungstherapie

Bestimmte Ernährungsgewohnheiten können – so wird vermutet – die Ausbildung von Hyperaktivität begünstigen. Geben Sie den Eltern zur Orientierung die folgenden naturheilkundlichen Ernährungsrichtlinien:
  • Die übermäßige Zufuhr von Phosphaten (z. B. in Wurstwaren und industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln, Limonaden, Süßigkeiten und Fast Food) soll die Hyperaktivität verstärken. Eltern sollten versuchsweise für einige Monate eine phosphatarme Ernährung einhalten. Bei Besserung der Symptome sollte diese beibehalten werden.

  • Zucker kann Unruhe und Anspannung hervorrufen und sollte weggelassen bzw. stark eingeschränkt werden. Ebenso sind Reizstoffe wie z. B. Cola, Kaffee und schwarzer Tee sowie künstliche Farb- und Geschmacksstoffe (z. B. Aspartam), die in vielen Süßigkeiten enthalten sind, zu meiden.

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien sind unbedingt abzuklären, da sie die Hyperaktivität verschlimmern, in manchen Fällen sogar auslösen können.

  • Auf einen konstanten Blutzuckerspiegel achten: Das Auslassen einer Mahlzeit kann ein Absinken des Blutzuckerspiegels und dadurch Konzentrationsschwäche und Unruhe hervorrufen. Um dem vorzubeugen, sollten die Kinder in Ruhe frühstücken.

Ein Teil der Kinder profitiert auch von der sog. oligoantigenen Diät: Die Ernährung besteht zunächst aus 6–8 ausgewählten, als gering allergen eingestuften Nahrungsmitteln (z. B. Kartoffeln, Reis, Putenfleisch, Kohlsorten, Birnen). Nach etwa drei Wochen werden nach und nach neue Nahrungsmittel zugeführt und die Reaktion der Kinder beobachtet. Unter dieser Diät bessert sich das Verhalten der Kinder oft.
Nahrungsmittel, die am häufigsten Reaktionen auslösen im Sinne von verstärkter Unruhe und Verhaltensauffälligkeiten, sind Kuhmilch, Weizen, Eier, Schokolade, Nüsse, Käse und Tomaten.
Bedenken Sie jedoch, dass einseitige Diäten bei Kindern sehr rasch eine Mangelernährung hervorrufen. Außerdem kann eine ungeliebte Diät das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kind belasten und ein rigider Kostplan leicht zu einer sozialen Isolierung des Kindes führen.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und gründliche Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Zur Behandlung der Hyperaktivität können folgende Konstitutionsmittel angezeigt sein: Agaricus, Calcium phosphoricum, Stramonium (Abb. 28.20), Tarantula hispanica, Tuberkulinum, Veratrum album. Charakterische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Zappelin® N Globuli) eingesetzt, enthalten diese häufig Staphisagria (bei heftigen Wutausbrüchen, Gedächtnisschwäche, launischer Stimmung), Kalium phosphoricum (bei großer Nervosität, Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche) oder Chamomilla (bei unruhigen empfindlichen, reizbaren Kindern, mit großer Ungeduld).

Ordnungstherapie

Die Erfahrung zeigt, dass hyperaktive Kinder eine stark strukturierte Umwelt benötigen, um sich stabil und sicher zu fühlen. Um dem Kind eine haltgebende Ordnung anzubieten, sollten die Eltern den Tagesablauf nach festen Uhrzeiten und Regeln strukturieren und für die Einhaltung eines regelmäßigen Schlaf-wach-Rhythmus und regelmäßiger Mahlzeiten Sorge tragen. Ebenso wichtig ist es, feste Zeiten einzuplanen, in denen die Eltern dem Kind ihre ungeteilte Aufmerksamkeit widmen.
Eine Reizüberflutung ist unbedingt zu vermeiden; Fernsehen, Radio sowie Computerspiele sollten dem Kind nicht frei zugänglich sein. Vorteilhaft wirken sich kreative Beschäftigungen aus; ideal sind Malen, Musik oder Tanzen. Eltern sollten auch darauf achten, dass das Kind seine Aktivität und den ausgeprägten Bewegungsdrang durch Bewegung an frischer Luft, durch (Ball-)Spiele ohne Leistungsanspruch mit anderen Kindern ungehemmt ausleben kann (Abb. 28.21).
Nicht selten sind die Eltern durch das Verhalten ihres Kindes überfordert oder schämen sich wegen dessen Verhaltensauffälligkeit. Spürt das Kind allerdings, dass es trotz seines – oft unausstehlichen – Verhaltens geliebt wird, können sich gesunde Strukturen entwickeln. Berücksichtigen Sie auch, dass übersteigerter Ehrgeiz der Eltern das Kind erheblich belasten und die Aufmerksamkeitsstörung verstärken kann. Generell sollten Eltern das Kind möglichst nicht rügen oder kritisieren, sondern Verständnis zeigen und Geborgenheit vermitteln. Streit und eindringliche Gespräche steigern die Hyperaktivität eher, als dass sie sie senken. Bedenken Sie, dass die Kinder – einige auch im Schutz einer pädagogischen Sondereinrichtung – individuell unterstützt und gefördert werden müssen.
Ein Zusammenhang zwischen Hyperaktivität und Schwermetallbelastungen (u. a. Blei, Aluminium, Cadmium, Quecksilber) wird diskutiert. Andere Studien weisen erhöhte Serumkupferwerte bei hyperaktiven Kindern nach. Liegt ein Verdacht auf Belastungen dieser Art vor, sollten Sie entsprechende Untersuchungen durchführen. Auch eine Störfeldsuche ist in Betracht zu ziehen.

Orthomolekulare Therapie

Kinder mit ADHS können von einer täglichen Gabe γ-Linolensäure oder Omega-3-Fettsäuren (z. B. Omega-3 Doppelherz system junior) profitieren.
Auch ein Mangel an Magnesium und/oder Zink oder Eisen kann vorliegen, der die Symptome verschlimmert. Lernstörungen und Konzentrationsschwäche lassen sich durch B-Vitamine, insbesondere Vitamin B1 und B6, in gewissen Grenzen beeinflussen. Auch Kalziumgaben kommen in Betracht, da sie beruhigend wirken und die Konzentrationsfähigkeit verbessern.

Phytotherapie

Auch bei hyperaktiven Kindern sind die klassischen beruhigend wirkenden Heilpflanzen wie Baldrianwurzel (Valerianae radix Abb. 29.8) und Melissenblätter (Melissae folium Abb. 13.40) gut geeignet. Sie rufen keine Müdigkeit hervor, sondern wirken entspannend und entkrampfend. Die Heilpflanzen werden als mildes Tagessedativum oder als Badezusatz eingesetzt.

Psychotherapeutische Verfahren

Die anhaltende Ruhelosigkeit mit ständiger motorischer Aktivität und die erheblichen Konzentrationsstörungen des Kindes können die Eltern-Kind-Beziehung erheblich belasten. Zudem haben viele Eltern ausgeprägte Schuldgefühle und meinen, sie hätten in der Erziehung des Kindes Fehler gemacht. Um die Eltern zu entlasten und zugleich die Entwicklung des Kindes zu fördern, ist die Einbeziehung der Familie in die Therapie unbedingt anzuraten. Empfehlen Sie den Eltern, sich zunächst an Familienberatungsstellen oder den Dachverband der Selbsthilfegruppen zu wenden, um die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner zu erleichtern. Das Marburger Konzentrationstraining (MKT) kann zusätzlich hilfreich sein, ebenso wie Neurofeedback.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der TCM gibt es keine Entsprechung zu dem Krankheitsbild der Hyperaktivität. Verschiedene Syndrome wie Leber- und Nieren-Yin-Mangel oder Qi-Mangel von Herz und Milz können eine Hyperaktivität auslösen. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach psychischen Symptomen, Begleitsymptomen sowie nach Zungen- und Pulsbefund.
Es empfiehlt sich eine Kombinationsbehandlung aus Kräutern und Akupunktur, die sich auch begleitend zu einer psychotherapeutischen Behandlung einsetzen lässt. Für Kinder ist besonders die Laserakupunktur geeignet.

Lernschwierigkeiten und Legasthenie

Lernstörungen und spezifische Leistungsschwächen (z. B. Legasthenie): Störungen in Teilbereichen intellektueller Fähigkeiten werden auch als Teilleistungsschwächen bezeichnet, da insgesamt die Intelligenz im Normbereich liegt; das Kind fällt oft erst im Grundschulalter durch schlechte Schulleistungen auf.

Die wichtigsten Teilleistungsschwächen sind:
  • Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie): Jungen sind dreimal häufiger betroffen als Mädchen; in einem Drittel der Fälle liegt Lernschwierigkeitengleichzeitig eine Verzögerung Legasthenieder Sprachentwicklung vor.

  • Rechenschwäche (TeilleistungsschwächenDyskalkulie) tritt sehr viel seltener auf.

Die betroffenen Kinder verfügen über eine normale Intelligenz und über dasselbe RechtschreibschwächeEntwicklungspotenzial wie nicht betroffene Kinder. Nur gelegentlich finden sich bei Kindern mit Teilleistungsschwächen auch Rechenschwächeneurologische Auffälligkeiten wie z. B. Überaktivität oder eine nicht voll Dyskalkulieentwickelte Körperhaltungs- und Bewegungskontrolle, die der Umwelt z. T. als Ungeschicklichkeit auffällt.
Kinder mit einer Teilleistungsschwäche müssen so gefördert werden, dass sie in der normalen Schule einen ihrer Intelligenz und ihrem Fleiß entsprechenden Erfolg haben können. Leider ist dies an vielen Schulen nicht möglich, die betroffenen Kinder machen dort stattdessen häufig Versagenserfahrungen. Fachärztliche Beratung durch einen Kinder- und Jugendpsychiater sowie pädagogische Unterstützung sind für die betroffenen Kinder und Familien entscheidend.

Essunlust

Essunlust: Nahrungsverweigerung organischer oder psychischer Ursache.

Diagnostik
In der Anamnese fragen Sie die Eltern und das Kind, was und wieviel es isst. Sagt die Mutter z. B.: „Das Kind isst nichts“, so kann die genaue Erfragung ergeben, dass das Kind viel Milch trinkt und nur bei den Hauptmahlzeiten dann so gut wie nichts Essunlust, KInderisst. Oft ist auch die Erwartung der Eltern nicht adäquat: So ist es z. B. natürlich, dass Kinder nach der stürmischen Wachstumsphase des Säuglingsalters mit weniger Nahrung auskommen („Kleinkindanorexie“, „Abschied vom Babyspeck“). Die Appetitlosigkeit besteht zuweilen auch nur scheinbar, weil die Eltern falsche Vorstellungen davon haben, wie viel ein Kind essen muss. Möglicherweise wird das Kind auch fehlerhaft ernährt.
Ganz wichtig ist die körperliche Untersuchung, denn die angegebene Essunlust wird bei einem untergewichtigen Kind ganz anders gewertet als bei einem normalgewichtigen Kind. Die Beurteilung des Wachstumsverlaufs im Somatogramm (28.2.1) zeigt den längerfristigen Trend. Organische Ursachen müssen Sie ausschließen.
Differenzialdiagnose
Eine organisch bedingte, länger anhaltende Essunlust kann z. B. bei chronischen Infekten, Entzündungen oder bösartigen Erkrankungen auftreten. Akute Nahrungsverweigerung tritt bei Kleinkindern schon bei leichtem grippalen Infekt auf und natürlich bei Magen-Darm-Infektionen.
Häufiger ist die Essunlust entweder entwicklungsbedingt (Kinder essen ab dem 2. Lebensjahr entwicklungsbedingt nur noch sehr wenig Gemüse), seltener ist sie durch ungünstige Ernährungsweisen (süße Getränke und Süßigkeiten) bedingt. Bei jungen Mädchen in der Pubertät müssen Sie v. a. an eine beginnende Magersucht (Anorexia nervosa 26.12.1) denken.
Schulmedizinische Therapie
Organische und schwerwiegendere psychische Störungen müssen ärztlicherseits behandelt werden. Einfache (Verhaltens-)Regeln zur Appetitsteigerung sind z. B.:
  • Kind nicht zum Essen zwingen, es isst, soviel es mag.

  • Ess- und Trinkpause unmittelbar vor den Mahlzeiten: bereits ein halbes Glas Saft, 20 Minuten vor dem Abendessen getrunken, kann dem Kind den Appetit nehmen.

  • Abwechslungsreiche, gemischte Kost immer wieder, auch bei initialer Ablehnung, anbieten.

  • Mineralwasser, verdünnten Obstsaft, nur schwach gesüßte Tees und nicht zuviel Milch (bei Klein- und Schulkindern < 250–500 ml/Tag) zum Trinken geben.

  • Gern akzeptierte Regeln: „Drei Löffel werden von allem gegessen, was auf den Tisch kommt. Jedes Kind hat eine Speise, von der es nie essen muss.“

Wachstums- und Gedeihstörungen

Wachstumsstörung: Abweichung von der normalen Größenentwicklung, unterteilt in Minderwuchs und Hochwuchs.

Gedeihstörung: mangelhafte gesamtkörperliche Entwicklung, d. h. Beeinträchtigung des Gewichts- und des Längenwachstums; typischerweise ist bei den Gedeihstörungen zunächst die Gewichtszunahme und erst später das Längenwachstum betroffen.

Einteilung und Symptome
Von Minderwuchs spricht man, wenn das Kind kleiner ist als 97 % der Kinder im gleichen Alter (Abb. 28.1 bis Abb. 28.4 Somatogramm). WachstumsstörungenGedeihstörungenLeitsymptom der Gedeihstörung ist eine MinderwuchsHochwuchsverzögerte somatische Entwicklung. Diese offenbart sich durch Unterschreiten der 3. Perzentile für Körpergewicht und evtl. Körperlänge, durch ein erniedrigtes MinderwuchsLängensollgewicht oder einen Abfall der Gewichts- oder Wachstumsperzentile im Vergleich zu den Voruntersuchungen um mehr als 2 Hauptperzentilen.
Bei Wachstums- und Gedeihstöungen können zusätzlich folgende Symptome auftreten:
  • Untergewicht mit reduziertem subkutanem Fettpolster

  • trockene, faltige Haut (dies führt selbst bei Säuglingen zu einem greisenhaften Gesicht und zu hängenden Hautfalten v. a. im Bereich des Gesäßes = Tabaksbeutelgesäß)

  • mangelhaft entwickelte Muskulatur

  • Wachstumsverzögerung

  • evtl. Ödeme (Wassereinlagerungen) durch Eiweißmangel, Blässe durch die oft begleitende Eisenmangelanämie

Differenzialdiagnose
Die unterschiedlichsten Faktoren können Wachstum und Entwicklung eines Kindes stören:
  • ungenügendes TabaksbeutelgesäßNahrungsangebot: durch Armut oder elterliche Vernachlässigung; neben unzureichendem quantitativem Nahrungsangebot kann auch die qualitative Fehlernährung für Gedeihstörungen verantwortlich sein, z. B. Vitaminmangel

  • ungenügende Nahrungsaufnahme: z. B. durch Nahrungsverweigerung, Appetitlosigkeit (etwa bei chronischen Erkrankungen), aber auch durch Passagehindernisse (z. B. bei Enge des Magenausgangs: Pylorusstenose 28.8.1)

  • ungenügende Nahrungsverwertung: z. B. durch Veränderungen der Dünndarmschleimhaut mit nachfolgender Malabsorption (z. B. bei Zöliakie 13.8.2) oder durch Mangel an Verdauungsenzymen mit verringerter Nahrungsaufschlüsselung (Maldigestion, z. B. bei Mukoviszidose 12.10.3)

  • erhöhter Kalorienbedarf z. B. bei schweren chronischen Erkrankungen, wie chronisch-entzündliche oder rheumatische Erkrankungen, schweren Herzfehlern oder Niereninsuffizienz; oft auch bei endokrinologischen Störungen (z. B. Diabetes mellitus 15.5, Hyperthyreose 19.6.2)

In mehr als 80 % der Fälle ist mangelhaftes Wachstum jedoch auf eine konstitutionelle, familiäre Entwicklungsverzögerung zurückzuführen.
Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung erfolgt durch den Kinderarzt oder die Kinderklinik und richtet sich nach der Ursache. Möglicherweise ist in der Akutphase einer schweren Gedeihstörung eine konsequente Realimentation angezeigt. Die Unterernährung kann verbessert werden durch zusätzliche Nahrungszufuhr (Sondenernährung), bei schwerer Malabsorption durch parenterale Ernährung evtl. auch längerfristig. Bei Erkrankungen mit exokriner Pankreasinsuffizienz (z. B. bei Mukoviszidose) ist die Substitution mit Pankreasenzymen erforderlich. Außerdem besteht gelegentlich die Notwendigkeit, einzelne besonders betroffene Nahrungsbestandteile (Vitamine, Eisen, Zink, Spurenelemente) zusätzlich zu substituieren.

Seltene Erkrankungen des Kindesalters

Angeborene Erkrankungen

Zöliakie 13.8.2
Mukoviszidose 12.10.3
Angeborene Herzfehler 10.11.5
Meningo- und Myelomeningozele 23.11.1
Pylorusstenose

Pylorusstenose (Pylorushypertrophie, Magenpförtnerverengung): angeborene Verengung des Magenausgangs, betrifft zu 80 % Jungen; Manifestation im Neugeborenenalter typischerweise zwischen der 2. und 4. Lebenswoche.

Die Ursache der Pylorusstenose ist unklar. Die Muskulatur des Magenausgangs verdickt und verkrampft sich zunehmend, sodass selbst die flüssige Nahrung des Säuglings den PylorusstenoseMagenausgang kaum passieren kann.
Die Symptome Pylorushypertrophiesetzen um die 3. Lebenswoche ein. Nach jeder Mahlzeit Magenpförtnerverengungerbricht der Säugling im Schwall oder im Bogen (spastisches Erbrechen). Typischerweise ist das Kind nach dem Erbrechen gleich wieder hungrig, trinkt eine angebotene zweite Portion gierig und erbricht wieder. Oft ist die gesteigerte Magenperistaltik sichtbar. Durch die fehlende Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr verfallen die Kinder körperlich rasch.
Die Verdickung des Magenpförtners lässt sich durch Erbrechen:spastischesUltraschall nachweisen. In leichten Fällen kann konservativ behandelt werden mit 12–24 kleinen Mahlzeiten tgl. Meist ist aber eine operative Spaltung der verdickten Pförtnermuskulatur erforderlich.
Morbus Hirschsprung

Morbus Hirschsprung (Megacolon congenitum, Megacolon = Riesendarm): angeborene Enge des Dickdarms mit Erweiterung des oberhalb der Enge gelegenen Darmabschnitts.

Beim Morbus Hirschsprung sind bestimmte Nervenzellen innerhalb der Darmwand (meist im Enddarm) nicht angelegt. Dadurch kann der betroffene Darmabschnitt nicht erschlaffen, ist also vollständig enggestellt. Der Kot staut sich vor der Morbus:HirschsprungEngstelle auf, sodass sich die betroffenen, davor gelegenen Megacolon congenitumDarmabschnitte enorm erweitern.
Die erkrankten Kinder fallen durch fehlenden Mekoniumabgang in den ersten 48 Lebensstunden oder eine hartnäckige, bereits im Säuglingsalter bestehende Obstipation (Verstopfung) auf. Der Bauch ist oft aufgetrieben, evtl. kommen Erbrechen und eine Gedeihstörung hinzu.
Die Diagnose wird durch eine Biopsie der Darmschleimhaut gestellt. Die Behandlung besteht in der operativen Entfernung des erkrankten Darmabschnitts.

Infantile Zerebralparese

Infantile Zerebralparese (kurz CP, zerebrale Kinderlähmung): durch eine vor, während oder kurz nach der Geburt erlittene (frühkindliche) Hirnschädigung ausgelöstes Krankheitsbild mit spastischen Lähmungen und Koordinationsstörungen, manchmal auch mit Intelligenzminderung und Epilepsie einhergehend.

Als Ursachen einer infantilen Zerebralparese kommen z. B. Infektionen des Ungeborenen während der Schwangerschaft, Asphyxie oder Hirnblutung während der Geburt sowie Zerebralparese, infantileZNS-Infektionen oder ein Kernikterus Lähmung(en):Zerebralparesein der Neugeborenenzeit in Betracht.
Betroffene Säuglinge fallen zunächst durch Veränderungen des Muskeltonus sowie ein Bestehenbleiben der Primitivreflexe auf. Im 6.–18. Lebensmonat treten die typischen Lähmungen mit spastischer Muskeltonuserhöhung (Spastik 23.4.3) und gesteigerten Muskeleigenreflexen auf. Häufig bestehen zusätzlich sog. extrapyramidale Bewegungsstörungen (23.3.2, v. a. ausfahrende, unkoordinierte, z. T. schraubenartige Bewegungen) und eine Beeinträchtigung der Körperhaltungs- und Bewegungskontrolle. In schweren Fällen zeigen die Kinder auch geistige Entwicklungsstörungen, Krampfanfälle, Sehstörungen und Sprachentwicklungsstörungen (Abb. 28.22).
Eine Heilung ist nicht möglich, wohl aber sind bei vielen betroffenen Kindern langsame Entwicklungsfortschritte zu erzielen. Die Behandlung erfolgt vorrangig durch regelmäßige Krankengymnastik, bevorzugt nach Bobath oder Vojta (Bewegungstraining nach dem Kinderneurologen Vojta, es werden durch Auslösen von verschiedenen Reflexen bestimmte Bewegungen hervorgerufen und eingeübt). Bisweilen ist eine medikamentöse Senkung des erhöhten Muskeltonus erforderlich.

Bösartige Tumoren im Kindesalter

Krebserkrankungen bei Kindern sind zwar insgesamt selten (Neuerkrankungsrate ca. 2.000 Kinder pro Jahr in Deutschland), nehmen aber einen relativ hohen Anteil an den Todesursachen bei Kindern ein.
Die Symptome der meisten bösartigen Erkrankungen im Kindesalter sind unspezifisch und deshalb leicht zu übersehen. Die Kinder sind oft in einem Tumoren:Kindesalterguten Allgemeinzustand (sogar bei Metastasen).
Viele Krebserkrankungen im Kindesalter haben bei frühzeitiger Therapie eine gute Prognose.

Achtung

Denken Sie bei folgenden Symptomen differenzialdiagnostisch immer an eine maligne Krankheit:

  • Abgeschlagenheit

  • Spielunlust

  • Appetitlosigkeit

  • Gewichtsverlust

  • geringes Fieber

  • Nachtschweiß

  • Schmerzen

Überweisen Sie das Kind sofort zum Kinderarzt oder in eine Kinderklinik zur weiteren Abklärung und Therapie.

Leukämien
Akute Leukämien (Details 20.6.1) – vorwiegend die akute lymphatische Leukämie – machen gut ein Drittel aller kindlichen Krebserkrankungen aus. Meist erkranken Kinder von 1–5 Jahren.
Die Symptome kindlicher Leukämien entsprechen denen beim Erwachsenen. Häufig werden die Kinder von ihren Eltern zum Arzt oder zu Ihnen gebracht, weil sie seit einigen Wochen Leukämie:Kinderständig müde und blass sind oder viele blaue Flecken haben, ohne hingefallen zu sein. Auch unerklärliche Fieberschübe und Knochenschmerzen können auf eine Leukämie hinweisen.
Die Diagnose sichert der Arzt durch Knochenmarkpunktion. Hauptpfeiler der Behandlung ist wie beim Erwachsenen die Chemotherapie (8.7.8).
Die Prognose kindlicher Leukämien hat sich seit Einführung der Chemotherapie wesentlich verbessert. Heute überleben schätzungsweise 70 % der Kinder mit einer akuten lymphatischen Leukämie und ca. 50 % derjenigen mit einer akuten myeloischen Leukämie.
Medulloblastom
Die zweithäufigsten Krebserkrankungen bei Kindern – nach der Leukämie – sind Tumoren des ZNS, z. B. das hochmaligne Medulloblastom von Kleinhirn und Brücke. Nicht alle Kinder sind neurologisch auffällig.
Wegen der uncharakteristischen Symptome wie Kopfschmerzen, Wesensveränderungen, Erbrechen vergeht oft eine lange Zeitspanne, bis die Diagnose gestellt wird.
Die MedulloblastomDiagnose sichert der Arzt durch eine computer- bzw. kernspintomografische Untersuchung. Die Therapie besteht in der operativen Entfernung des Tumors und Bestrahlung.

Achtung

Denken Sie bei geistigen oder emotionalen Verhaltensänderungen, morgendlichem Nüchternerbrechen, vegetativen Störungen (z. B. Blutdruckveränderungen, Atemstörungen) und erst recht bei (leichten) Meningismuszeichen bzw. Zeichen des gesteigerten Hirndrucks auch an die Möglichkeit eines Hirntumors. Überweisen Sie das Kind zwecks Abklärung zum Neurologen.

Weitere bösartige Erkrankungen im Kindesalter
Weitere typische bösartige Erkrankungen im Kindesalter sind:
  • Maligne Lymphome: Einteilung in Morbus Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphome (21.6). Diese sind häufig im Mediastinum oder im Bauchraum lokalisiert. Sie zeigen zu Beginn nur trockenen Husten, wiederholt Bronchitiden und Pneumonien. Erst spät treten Schluckbeschwerden sowie Atemnot auf. Lymphome im Bauchraum werden oft nur zufällig entdeckt, entweder bei der Tastuntersuchung oder Lymphom:Kinderals sichtbare Schwellung. Kolikartige Bauchschmerzen sind das erste Symptom.

  • Wilms-Tumor (Nephroblastom): häufigster bösartiger Nierentumor bei Kindern, Erkrankungsalter meist 1–5 Jahre; trotz hoher Malignität verhältnismäßig gute Prognose. Häufig verursacht der Wilms-Tumor keine Beschwerden und durch Zufall als (schmerzlose) Schwellung im Bauch getastet. Unspezifische Erstsymptome wie z. B. Wilms-TumorAbgeschlagenheit, Verstopfung, Durchfall, Erbrechen, Gewichtsstillstand, NephroblastomBauchschmerzen, Mikrohämaturie.

  • Neuroblastom: bösartiger Tumor des sympathischen Nervensystems, oft von der Nebenniere ausgehend; Altersgipfel im Säuglings- und Kleinkindalter. Meist fallen zunächst unspezifische Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Schwäche oder Gewichtsverlust auf. Spezifische Symptome hängen von der Lokalisation des Tumors und bereits vorhandenen Metastasen ab (z. B. Augensymptome bei NeuroblastomBefall des Gehirns).

  • Maligne Knochentumoren: Häufigste bösartige Knochentumoren des Kindesalters sind das Osteosarkom, dessen Tumorzellen Osteoid produzieren, und das Ewing-Sarkom, das vom bindegewebigen Gerüst des Knochenmarks ausgeht. Die malignen Knochentumoren verursachen Schmerzen, Schwellung und evtl. Bewegungseinschränkung, meist im Bereich der langen Röhrenknochen (z. B. Oberarm, -schenkel).

  • Osteosarkom:KinderRetinoblastom: bösartiger Tumor der Netzhaut, z. T. beidseits auftretend; Manifestation in den ersten drei Lebensjahren. Ewing-Sarkom:KinderManche Retinoblastome werden durch die Abklärung eines neu entstandenen Schielens bemerkt. Die meisten Tumoren werden aber erst diagnostiziert, wenn die Tumormasse hell in der Pupille schimmert und das Kind auf dem betroffenen Auge praktischRetinoblastom blind ist („blindes Katzenauge“ Abb. 28.23).

Epiglottitis

Epiglottitis: akute, lebensbedrohliche Entzündung des Kehldeckels (Epiglottis) und eines der gefürchtetsten Krankheitsbilder in der Pädiatrie überhaupt; Leitsymptome sind Schluckstörung und kloßige Sprache; in der Regel durch das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b verursacht.

Durch Einführung der aktiven Impfung (Hib-Impfung) 1990 ist die Epiglottitis in Deutschland heute selten.
Symptome und Diagnostik
Typischerweise beginnt die Epiglottitis mit beeinträchtigtem Katzenauge, blindesAllgemeinbefinden, Fieber und Halsschmerzen. Innerhalb kurzer Zeit schwillt dann die Epiglottis ballonartig an. Das Kind Epiglottitisbekommt eine „schnorchelnde“ Ausatmung, eine kloßige Stimme („Heiße-Kartoffel-Stimme“), erhebliche Schluckbeschwerden und starken Speichelfluss. Evtl. besteht auch ein inspiratorischer Stridor. In späteren Krankheitsstadien haben die Kinder stärkste Atemnot.
Die rechtzeitige Unterscheidung von (harmloserem) Pseudokrupp und Epiglottitis ist von vitaler Bedeutung (Tab. 28.3).

Achtung

Gerade bei (Klein-)Kindern ist eine Epiglottitis wegen der engen anatomischen Verhältnisse im Kehlkopfbereich lebensbedrohlich. Bereits „harmlose“ Maßnahmen wie eine Racheninspektion können eine komplette Verlegung der Atemwege provozieren. Führen Sie deshalb nie (!) bei nur geringstem Verdacht auf Epiglottitis eine Racheninspektion durch. Setzen Sie das Kind auf, und alarmieren Sie sofort den Notarzt!

Schulmedizinische Therapie und Prophylaxe
Das Kind muss sitzend mit dem Notarzt in die Intensivstation einer Kinderklinik gebracht werden. In der Regel ist eine Intubation oder ein Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) erforderlich, um die Durchgängigkeit der Atemwege zu sichern.

Merke

Wegen der Gefährlichkeit der Erkrankung wird heute die Hib-Impfung ab dem 3. Lebensmonat empfohlen.

Fallbeispiel „Epiglottitis“

Die kleine Sarah, Luftröhrenschnittfünf Jahre alt, wird in die Praxis gebracht. Das Mädchen hat Fieber (39,6 °C) und „Halsschmerzen“. Der Heilpraktiker sieht, dass es sich hierbei nicht um eine gewöhnliche Angina handelt, denn das Mädchen atmet schnorchelnd, und bei jedem Einatmen gibt es deutlich pfeifende oder quiekende Geräusche von sich (inspiratorischer Stridor). Es hat erhebliche Schluckbeschwerden, weshalb ihm Speichel in kleinen Bächen aus den Mundwinkeln fließt. Seine Stimme klingt sehr dumpf. Der Mundgeruch ist unauffällig (im Unterschied zu Diphtherie). Husten oder Erkältungssymptome hat das Kind nicht. Es ist nicht gegen Hib geimpft. Auf die Inspektion des Mund- und Rachenraums verzichtet der Heilpraktiker, um keinen Erstickungsanfall zu provozieren. „Wir müssen sofort den Notarzt rufen! Ihre Tochter hat eine Epiglottitis.“ Der Heilpraktiker ruft in der Rettungsleitstelle an und schildert den Fall. Die erschrockene Mutter macht sich große Vorwürfe, die Erkrankung nicht ernst genug genommen zu haben. „Gestern abend war Sarah noch völlig gesund!“ beteuert sie. Auf eine RR-Messung verzichtet der Heilpraktiker, um das Kind nicht unnötig aufzuregen, da dies den Zustand verschlechtern könnte. Sarah wird auf den Schoß der Mutter gesetzt, wodurch sie sich etwas sicherer fühlt. Der Heilpraktiker stellt Sauerstoffflasche und Atemmaske bereit. Um das Kind nicht zusätzlich zu verängstigen, lässt er die Mutter die vorhandene Atemmaske in einigen cm Entfernung vom Mund des Kindes halten. Damit kann die Zeit bis zum Eintreffen des Notarztes überbrückt werden.

Kawasaki-Syndrom

Kawasaki-Syndrom (mukokutanes Lymphknotensyndrom): akute fieberhafte Erkrankung von Kleinkindern, die als Vaskulitis mehrere Organsysteme befallen kann und durch die Kardinalsymptome Fieber, Exanthem und Lymphknotenschwellung gekennzeichnet ist.

Das Kawasaki-Syndrom kommt nur selten vor (ca. 250 Fälle pro Jahr in Deutschland) und betrifft meist Kinder unter 4 Jahren. Der Erkrankungsgipfel liegt bei einem Alter von 12–18 Monaten.
Symptome und Diagnostik
DieKawasaki-Syndrom wichtigsten Symptome sind:
  • hohes Fieber, das Syndrom:Kawasaki-Syndrommindestens fünf Tage anhält und therapieresistent ist

  • Lymphknotensyndrom, mukokutanesbeidseitige konjunktivale Injektion (Rötung der Bindehäute)

  • masernähnliches Exanthem am Stamm

  • Schleimhautveränderungen wie hochrote, rissige Lippen, geröteter Rachen, Rötung der Mundschleimhaut, „Himbeerzunge“

  • Lymphknotenschwellung am Hals

  • Rötung und Verhärtung von Handflächen und Fußsohlen, später Schuppung von Zehen und Fußsohlen

Begleitsymptome können sein:
  • Gelenkschmerzen

  • Meningismus

  • Herzbeteiligung (Myokarditis, Herzinfarkt)

  • Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall

Die Diagnose wird anhand der typischen klinischen Symptome gestellt. Himbeerzunge:Kawasaki-SyndromZusätzlich sind auch Laborwerte wie BSG, CRP und Thrombozyten erhöht. Zum Ausschluss einer Herzbeteiligung werden ein EKG und eine Echokardiografie durchgeführt.

Achtung

Da bei einem Kawasaki-Syndrom immer auch die Herzkranzgefäße beteiligt sein können (besonders bei Kindern unter einem Jahr!), muss jedes Kind sofort zur weiteren Diagnostik und Therapie zu einem Kinderarzt oder an die nächste Kinderklinik überwiesen werden. Ca. 1 % der Kinder (bei Säuglingen 4 %) sterben aufgrund der Herzbeteiligung!

Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung erfolgt stationär. Betroffene Kinder erhalten einmalig hochdosiert ein Immunglobulin-G-Präparat, anschließend für 3 Monate Azetylsalizylsäure in sinkender Dosierung.

Plötzlicher Kindstod (SIDS)

Plötzlicher Kindstod (Sudden Infant Death Syndrome, Krippentod): plötzlicher, unerwarteter Tod eines Säuglings, ohne dass eine Todesursache feststellbar ist. Häufigkeit ca. 0,5/1.000 Lebendgeborene, damit zwar seltene, aber dennoch bedeutendste Ursache der Säuglingssterblichkeit nach der Neugeborenenphase; Altersgipfel 2.–6. Lebensmonat.

Pro Jahr versterben in Deutschland ca. 300 Säuglinge daran. 60 % der verstorbenen Kinder sind Jungen. Auffällig scheint, dass in den Wintermonaten mehr Kinder einem SIDS zum Opfer fallen, als in den Kindstod, plötzlicher (SIDS)Sommermonaten. Der Tod tritt fast immer im Schlaf ein, vermehrt in Sudden Infant Death Syndrome (SIDS)den frühen Morgenstunden. Am häufigsten sind Babys zwischen 2 und 4 SIDS (Sudden Infant Death Syndrome)Monaten betroffen. Das Risiko sein Kind durch SIDS zu verlieren, nimmt mit zunehmendem Alter stetig ab.
SIDS ist bei gestillten Kindern insgesamt etwa 2–3-mal seltener, durch eine gesunde Schlafumgebung kann das Risiko auf ein Minimum gesenkt werden.
Typischerweise finden die entsetzten Eltern beim plötzlichen Kindstod ihr Kind tot im Bett vor, nachdem es wenige Stunden zuvor noch völlig gesund erschien. Reanimationsmaßnahmen kommen fast immer zu spät. Auch die weitere postmortale Diagnostik einschließlich der unbedingt erforderlichen Obduktion enthüllt keine Grunderkrankung, die den Tod erklären würde (z. B. Sepsis, Meningitis oder Verlegung der Atemwege).
Da beim plötzlichen Kindstod äußerlich keine Todesursache feststellbar ist, muss der Arzt auf dem Leichenschauschein „Todesursache nicht geklärt“ angeben. Damit wird aus juristischen Gründen eine Obduktion zwingend erforderlich. Eine Obduktion ist aber evtl. auch für die Eltern hilfreich, da hierdurch eine Kindesmisshandlung mit Todesfolge ausgeschlossen werden kann und so die Eltern von diesem Verdacht reingewaschen werden. Außerdem ist bei Verdacht auf einen plötzlichen Kindstod eine zugrundeliegende unerkannte Erkrankung nicht auszuschließen.
Krankheitsentstehung und Symptome
Die Ursache ist im Grunde noch immer ungeklärt – man muss davon ausgehen, dass mehrere Faktoren zu einem Stillstand von Herz- und Atemtätigkeit führen. Eine Hypothese besagt, dass eine Unreife des Hirnstamms mit einer ungenügenden Kontrolle des Atem- und Kreislaufzentrums im Gehirn einhergeht und zu Atempausen (Apnoen) führt. Folgende Risikofaktoren begünstigen die Entwicklung eines SIDS:
  • Frühgeborene und untergewichtige Neugeborene

  • Mehrlinge

  • SIDS bei Geschwistern

  • Rauchen, Drogenkonsum oder Unterernährung der Mutter während der Schwangerschaft, aber auch schon der Aufenthalt der Schwangeren in verrauchten Räumen

  • Bauchlage des Kindes, v. a. in einem zu warmen Schlafsack

Als ALTE (Apparent Lifetheratening Event, „offenbar lebensbedrohliches Ereignis“; früher auch als Near-SIDS bezeichnet) wird ein akut lebensbedrohlicher Zustand mit Atemstillstand, Zyanose und Bradykardie bezeichnet. Das Kind kann aber durch Reanimationsmaßnahmen noch gerettet werden oder erholt sich von selbst. Nach einem solchen Ereignis ist das Risiko für einen plötzlichen Kindstod erhöht. Im Gegensatz zum SIDS kann beim ALTE oft ein auslösender Faktor nachgewiesen (und behandelt) werden, z. B. ein gastroösophagealer Reflux, die Aspiration von Mageninhalt, eine schwere Infektion (z. B. Pneumonie, Meningitis), ein Krampfanfall oder ein Herzfehler bzw. eine Herzrhythmusstörung.
Prävention
Die Prävention des SIDS beginnt bereits während der Schwangerschaft.
  • Rauchen sollte ein Tabu für jede schwangere Frau sein – Rauchen erhöht das Risiko für einen späteren SIDS, auch Passivrauchen sollte vermieden werden

  • Gestillte Säuglinge haben ein deutlich niedrigeres SIDS-Risiko.

  • Schlafen auf einer ebenen, festen Unterlage – weder auf der Coach noch auf einem Wasserbett.

  • Ob Säuglinge bei ihrer Mutter im Bett schlafen dürfen (Familienbett), wird kontrovers diskutiert – einerseits unterstützt das gemeinsame Schlafen nachweislich das Stillen, welches seinerseits ein wichtiger Schutzfaktor ist. Andererseits kann das gemeinsame Schlafen für den Säugling gefährlich sein, wenn die intuitive Kommunikation eingeschränkt ist – etwa wenn die Mutter Drogen, Alkohol oder Schlafmittel nimmt oder wenn die Schlafumgebung ungünstig ist (z. B. Sofa, s. o.). Auch wenn die Mutter nicht stillt, sollte das Baby in einem eigenen Bettchen schlafen (nicht gestillte Kinder haben einen tiefereren Schlaf). Darüber hinaus kann wissenschaftlich weder für oder gegen das gemeinsame Familienbett geraten werden, sodass jede Familie die Frage des „Familienbettes“ selbst entscheiden muss.

  • Überwärmung ist zu vermeiden, denn dies ist ein maßgeblicher Faktor, der zum Kindstod führen kann. Die ideale Schlaftemperatur beträgt daher zwischen 16–18 °C. Ab einem Alter von vier Wochen braucht das Baby keine wärmere Kleidung als die Erwachsenen. Ob es dem Baby zu warm oder zu kalt ist, lässt sich mit einem einfachen Griff in den Nacken feststellen. Kalte Händchen oder Füßchen sind beim Baby eher normal und stellen keinen Anhaltspunkt für Frieren oder Schwitzen dar. Im Haus sollte das Baby kein Mützchen tragen, denn es gibt über den Kopf überschüssige Wärme ab.

  • Kein Lammfell im Babybettchen, Stuben- oder Kinderwagen verwenden. Es kann zu Überwärmung führen: Bei überhitzten Kindern ist die Aufwachreaktion herabgesetzt, während Kinder, denen kalt ist, automatisch aufwachen. Um das Kind im Kinderwagen gegen Kälte von unten zu schützen genügt eine Isomatte.

  • Bauchlage des Babys ist als Schlafposition zu vermeiden. Das Kind hat den Reflex seinen Kopf zur Seite zu drehen, sollte es sich erbrechen! Auch bei Seitenlage ist das Risiko für einen drohenden SIDS etwas höher als in der Rückenlage. Seit die Bauchlage im Schlaf als eigenständiger Risikofaktor erkannt wurde und man den Eltern empfiehlt, Säuglinge auf den Rücken oder die Seite zu legen, fiel in Deutschland die Rate der plötzlichen Kindstode auf ein Drittel der vorherigen Fallzahlen ab.

Heimmonitoring
Eine typische Reaktion der Eltern nach dem SIDS eines Kindes sind Selbstvorwürfe („Hätte ich doch öfter nach ihm geguckt!“) und Schuldgefühle. Aufklärende Gespräche und die Vermittlung von Kontakten zu Selbsthilfegruppen können hier helfen. Leider hat sich gezeigt, dass eine wirkungsvolle Vorbeugung gegen SIDS bei Geschwisterkindern durch eine Monitorüberwachung nicht möglich ist. Die Eltern haben mit vielen Fehlalarmen zu kämpfen, und bei einem „echten“ Alarm kommen die Wiederbelebungsmaßnahmen zu spät.
Ein Heimmonitoring wird heute jedoch für die betroffenen Kinder nach einem ALTE (oben) verordnet. Dabei werden mithilfe von Elektroden, die man auf den Kopf und die Brust des Kindes klebt, Herz- und Atemfrequenz im Schlaf überwacht. Beim Absinken der Werte unter eine vorgegebene Grenze schlägt der Monitor Alarm. Eine Heimüberwachung macht aber nur Sinn, wenn immer eine erwachsene Person anwesend ist, die das Kind bei Bedarf durch Atemspende und Herzmassage wiederbeleben kann. Ein Problem bei der Heimüberwachung stellen die häufigen Fehlalarme dar. Weiterhin sollten die Kinder im ersten Lebensjahr auf keinen Fall den als risikoreich erkannten Umweltfaktoren ausgesetzt werden. Das gilt im Prinzip für alle Kinder, in besonderem Maß aber für Kinder mit erhöhtem Risiko für einen plötzlichen Kindstod.

Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch

Kindesmisshandlung: aktive körperliche oder sexuelle Misshandlung eines Kindes oder passive Schädigung eines Kindes durch Vernachlässigung, meist durch die Erziehungsberechtigten oder nahe Verwandten, in der Regel mit bleibenden psychischen Schäden des Kindes einhergehend.

Eine Definition der Kindesmisshandlung ist nicht einfach. In der Praxis hat sich folgende Definition bewährt: „Kindesmisshandlung und -vernachlässigung ist die körperliche oder seelische Verletzung oder Ausbeutung, die Gesundheit und Wohlergehen des Kindes einschränken oder gefährden“. Diese Kinder:MisshandlungDefinition umfasst auch die Vernachlässigung oder Nichtdurchführung Kinder:Missbraucheiner medizinisch notwendigen Behandlung. Ein Sonderfall der Kindesmisshandlung ist der sexuelle Missbrauch.
Die Häufigkeit von Kindesmisshandlungen ist nur schwer abschätzbar. Opfer von Misshandlung und Vernachlässigung sind besonders Säuglinge und Kleinkinder. Die meisten Misshandlungen spielen sich im häuslichen Umfeld des Kindes ab, die Dunkelziffer ist hoch (ca. 100 Fälle von Kindstötungen im Jahr in Deutschland!).
Ursachen und Auslöser
Für Außenstehende ist es schwer nachvollziehbar, dass Misshandlung:Kinderhilflose und schutzbedürftige Kinder von ihren nächsten Bezugspersonen misshandelt werden. Die Erfahrung vieler „ganz normaler“ Eltern zeigt allerdings, dass die Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern nicht immer so stabil sind, wie wir es uns wünschen. Selbst Liebe kann „umkippen“. Viele Eltern berichten z. B., dass sie „unter Stress“ (Schlaflosigkeit, familiäre Sorgen, „angeknackstes“ Selbstwertgefühl) schlechtere Eltern sind als sonst. Auch hat praktisch jedes Elternteil Erfahrungen mit affektbedingten Entgleisungen gegenüber Kindern, die in ruhigen Momenten bereut werden. Um daraus allerdings das „Verhaltensmuster Kindesmisshandlung“ entstehen zu lassen, müssen einige Faktoren zusammenkommen:
  • In den meisten Fällen von Kindesmisshandlung sind soziales und familiäres Umfeld nicht intakt. Armut, Arbeitslosigkeit, schlechte Wohnbedingungen, Beziehungsprobleme der Eltern und Beziehungsprobleme zum Kind („entfernte“, reglementierende Beziehung) sind die häufigsten Probleme. Die Eltern fühlen sich überfordert, und das schwächste Glied in der Kette, das Kind, wird somit zum „Ventil“ für Ärger und Frustration.

  • Charakteristische Probleme von Misshandlern sind weiter ein niedriges Selbstwertgefühl, Depression, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Viele Misshandler sind als Kind selbst Opfer von Misshandlungen gewesen – sie haben nicht gelernt, Konflikte anders als durch Gewalt zu lösen.

  • Kindesmisshandlung hat auch einen kulturellen Hintergrund. Nicht nur im Fernsehen, sondern auch im täglichen Leben wird oft genug Gewalt verherrlicht und über Unrecht hinweggesehen.

Symptome
Vielfach werden die Kinder mit einer misshandlungsbedingten, schweren Verletzung von den Eltern selbst in die Praxis oder Klinik gebracht. Der geschilderte Unfallhergang erklärt die Verletzungen aber nur unzureichend.
In der Anamnese können folgende Auffälligkeiten erscheinen:
  • Die Aussagen der Eltern stehen oft im Gegensatz zum klinischen Befund.

  • Man stößt – meist zufällig – auf Familienstreit, finanzielle Probleme, Alkoholismus, Psychosen, Perversionen, Drogensucht u. a.

  • Die Eltern äußern sich widerstrebend.

  • Das Kind wird unter einem anderen Vorwand gebracht, z. B. wegen Erkältung, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und ähnlichem mehr, die Folgen der Misshandlung werden überhaupt nicht erwähnt.

  • Der Zeitpunkt der Verletzung liegt früher, als zugegeben wird.

  • Die Reaktion der Eltern entspricht nicht der Schwere der Verletzung.

  • Die Eltern machen widersprüchliche Angaben über die sozialen Verhältnisse.

Folgende körperliche Symptome, die Sie evtl. auch in Ihrer Praxis sehen, sind dann Hinweise auf eine Kindesmisshandlung:
  • Blutergüsse unterschiedlichen Alters an verschiedenen, für Kinder „untypischen“ Körperstellen, z. B. Gesicht oder oberem Rücken (dagegen sind Hämatome am Schienbein meist normal)

  • striemenförmige Hämatome oder solche, auf die genau eine Erwachsenenhand passt

  • Bissspuren, Haarausrisse

  • Abdrücke brennender Zigaretten

  • Verbrühungen und Verbrennungen, besonders solche mit symmetrischer Verteilung (durch Eintauchen in heißes Wasser)

  • Gedeih- und Wachstumsstörungen

Oft zeigen die Kinder Verhaltensstörungen. Am häufigsten ist ein verängstigtes oder überangepasstes Verhalten. Es gelingt oft nicht, „Kontakt“ zu dem Kind herzustellen.
Sonderform der Kindesmisshandlung: sexueller Missbrauch
Die Häufigkeit des sexuellen Missbrauchs ist noch schwerer einzuschätzen als die der Kindesmisshandlung. Es herrscht eine hohe Dunkelziffer. Vor allem Jungen, die sexuell missbraucht wurden, schweigen lange, da sie fürchten, für homosexuell gehalten zu werden.

Tipp

Kindesmissbrauch kommt in allen sozialen Schichten vor im Gegensatz zur äußeren Vernachlässigung, bei der meist ein Zusammenhang zur sozialen Lage der Eltern besteht.

Betroffen sind in 75 % der Fälle Mädchen. Meist gehört der Täter dem engeren Familienkreis an (Vater, Stiefvater, Onkel). Nicht selten weiß die Mutter des Mädchens von dem Missbrauch (oder ahnt ihn zumindest), schweigt aber aus Angst oder Abhängigkeit. Die familiären Verhältnisse sind häufig scheinbar intakt.
Sexueller Missbrauch hat viele Formen, vom erzwungenen Geschlechtsverkehr bis zum Betrachten von pornografischen Fotos oder Filmen oder Manipulationen am Genitale des Täters. Entsprechend reichen die körperlichen Befunde von völliger Unauffälligkeit über Scheidenentzündungen kleiner Mädchen bis hin zu schwersten Verletzungen im Genital- und Analbereich. Dominierend sind oft Verhaltensauffälligkeiten, z. B. Kontaktstörungen, Depressionen oder Nachlassen der Schulleistungen.
Vorgehen bei Verdacht auf Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch
Wenn Sie vermuten, dass ein Kind bzw. Jugendlicher misshandelt oder sexuell missbraucht wird, müssen Sie diesem Verdacht unbedingt nachgehen. Stellen Sie behutsame und altersgerechte Fragen (möglichst ohne Anwesenheit des Erziehungsberechtigten). Die Situation erfordert sehr viel Einfühlungsvermögen: Nicht alle Äußerungen des Kindes sind tatsächlich Hinweise. Umgekehrt können kleinste Bemerkungen bereits „stumme Hilfeschreie“ sein. Fragen Sie – je nach Situation – auch die Eltern, und bitten Sie diese um Erklärungen für fragwürdige Symptome. Wägen Sie kritisch die Glaubwürdigkeit dieser Darstellung ab. Bei jedem Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch wird das Kind genauestens körperlich untersucht, das Ergebnis wird (evtl. sogar fotographisch) dokumentiert und die Erklärung der Eltern schriftlich fixiert. Das weitere Verhalten muss der jeweiligen Situation angepasst werden. Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung kann juristisch ein Problem mit dem Datenschutz bzw. der Schweigepflicht (2.3.6) entstehen, wenn man den vermuteten Sachverhalt anderen Personen offenbaren will. Es müssen jedoch sobald wie möglich jegliche Fortsetzung unterbunden und therapeutische Hilfe für das Kind und seine Familie gegeben werden.

Tipp

Heilpraktiker sollten bei Verdacht auf Kindesmissbrauch oder Kindesmisshandlung wie folgt vorgehen und Folgendes bedenken.

  • 1.

    Schaffen Sie eine Vertrauensbasis.

  • 2.

    Sprechen Sie den Elternteil bzw. die Begleit- oder Betreuungsperson auf eine mögliche Überforderungssituationen und hren Verdacht an, aber ohne zu verurteilen.

  • 3.

    Sprechen Sie ältere Kinder oder Jugendliche ggf. selbst an. Dafür dürfen Sie die Eltern oder Begleiter hinausschicken, wenn das Kind mindestens 12–14 Jahre alt ist.

  • 4.

    Finden Sie, wenn möglich, gemeinsam einen Weg, wie die Familie Hilfe bekommt.

  • 5.

    Falls das nicht möglich ist, steht der Schutz des Kindes über Ihrer Schweigepflicht.

  • 6.

    Bei einem entsprechenden Verdacht sollten Sie die weitere Abklärung und daraus folgende Schritte Fachleuten überlassen:

    • Beratungsstellen in freier Trägerschaft, z. B. dem Kinderschutzbund, Familien- und Erziehungsberatungsstellen oder dem Jugendamt, hier werden solche Informationen auf Wunsch vertraulich behandelt (auch das Jugendamt ist nicht zur Anzeige verpflichtet).

    • der Polizei, hier werden in jedem Fall die entsprechenden Ermittlungen aufgenommen und Strafanzeige erstattet.

    • In akuten Notsituationen vermitteln Kinder-, Jugend-, Sorgen- und Nottelefone, aber auch die Polizei sofort Hilfe. Dies ist besonders wichtig außerhalb der Dienstzeiten der Beratungsstellen und Jugendämter.

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