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B978-3-437-55244-1.00030-8

10.1016/B978-3-437-55244-1.00030-8

978-3-437-55244-1

Noch ehe das Rettungsteam eintrifft, müssen – evtl. lebensrettende – Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören: Bergen, Lagern, ggf. Reanimation, Wundversorgung und Schockbehandlung.

[J787]

Rettungskette.

[A400]

Rautek-Griff. Von hinten an den Kopf des (liegenden) Verletzten treten, den Nacken umfassen und den Verletzten in die sitzende Stellung aufrichten (1). Danach auf die Schultern greifen, um den Verletzten abzustützen (2). Anschließend die Arme von hinten durch die beiden Achseln schieben und einen der Unterarme so umgreifen, dass Daumen und Finger auf der gleichen Seite des Arms liegen, sog. Affengriff (3). Den Verletzten mit Schwung auf die eigenen Oberschenkel ziehen und im Rückwärtsgang aus der Gefahrenzone schleppen (4).

[L157]

a–d Abnehmen des Helms. Es sind zwei Helfer erforderlich. Einer muss Kopf und Hals stützen (unter leichtem Zug), während der andere den Helm vorsichtig abzieht.

[J747]

Prüfung der Atemfunktion durch Sehen, Hören und Fühlen.

[L190]

Pulskontrolle an der Halsschlagader (A. carotis communis). Zeige- bis Ringfingerkuppen tasten seitlich am Kehlkopf entlang und rutschen dann in die seitliche Halsgrube.

[L190]

Überstrecken des Kopfes nackenwärts und zusätzliches Anheben des Unterkiefers zur Schaffung freier Atemwege.

[L190]

Esmarch-Esmarch-HandgriffHandgriff: Beide Hände fassen das Kinn des Verletzten und schieben den Unterkiefer so nach vorne, dass die untere Zahnreihe vor die obere kommt; gleichzeitig muss der Hals des Patienten maximal überstreckt sein.

[L190]

Heimlich-Handgriff. Der Helfer drückt mit beiden Fäusten gegen den Oberbauch des Patienten. Durch kräftige Druckstöße in Richtung Zwerchfell kann evtl. ein Fremdkörper aus den Luftwegen entfernt werden.

[E410]

Herzmassage: Aufsuchen des Druckpunkts und Durchführung der Massage. Der Ersthelfer spart Kraft, wenn er seine Arme zur Massage gestreckt hält, die Bewegungen aus der Hüfte entwickelt und dabei das Gewicht seines Oberkörpers voll einsetzt.

[L138]

Wirkung der Herzmassage: Schnitt durch den Brustkorb. Mit gestreckten Armen wird das Brustbein 4–5 cm tief eingedrückt und dann vollständig entlastet. Der Auflagepunkt des Handballens wird immer beibehalten.

[L190]

Übersicht über die kardiopulmonale Reanimation mit der Ein- bzw. Zwei-Helfer-Methode bei Erwachsenen.

[A400]

Herzdruckmassage beim Säugling. Der Thorax darf nur mit 2 Fingern und geringer Kraft komprimiert werden.

[L215]

Mund-zu-Nase-Beatmung. Das leichte Anheben des Brustkorbs ist ein sicheres Zeichen dafür, dass die eingeblasene Luft auch die Lunge erreicht.

[L190]

Beatmung beim Säugling. Der Helfer umfasst mit dem Mund Nase und Mund des Säuglings.

[L190]

Beutel-Masken-Beatmung mit „C-Griff“ (= Fixieren der Maske mit Zeigefinger und Daumen).

[A400]

Defibrillation eines Patienten mit Kammerflimmern. Man defibrilliert zunächst mit der Stärke 200 Joule (Joule = Einheit für Energie), dann mit 300 Joule und evtl. noch 360 Joule, bis der Patient auf die Therapie anspricht. Während der Defibrillation jede Berührung mit dem Patienten oder der Unterlage/Liege vermeiden!

[J787]

Korrekte Lagerung in Abhängigkeit von Verletzungen oder Erkrankungen des Patienten. In Notfallsituationen ist grundsätzlich Improvisationsvermögen gefragt. Für die Lagerung können verschiedenste Gegenstände herangezogen werden: Decken, Kleidung, Taschen, Stühle, Eimer usw. Zur Hochlagerung der Beine in stabiler Seitenlage kann z. B. eine ausgehängte Tür verwendet werden.

[A400]

Stabile Seitenlagerung.

[A400]

Angelegte O2-Brille. Man muss darauf achten, dass die Einflussstutzen korrekt beidseits in die Nasenlöcher eingeführt werden. Die O2-führenden Schläuche liegen wie Brillenbügel hinter dem Ohr.

[J787]

Die Sauerstoffmaske ist eine einfache Möglichkeit, dem Patienten Sauerstoff zuzuführen. Allerdings können viele diese Maske nur schwer ertragen, sie löst oft Angst und Panik aus.

[J787]

Druckverband. Auf eine sterile Wundauflage (z. B. Kompresse) wird unter kräftigem Zug mit einer Binde ein Druckpolster (z. B. noch verpackte Mullbinden) fixiert.

[L190]

Blutstillung bei stark blutenden Verletzungen mit Kompression des eröffneten Gefäßes und gleichzeitigem Hochhalten der blutenden Extremität.

[L190]

Augenspülung. Auge mit Tupfer weit offen halten und Spülflüssigkeit aus ca. 10 cm Entfernung von nasal nach temporal über das Auge laufen lassen.

[L157]

Abschätzung der Saugdauer bei Zecken anhand der Größenzunahme (vergrößerte Abbildung).

[L190]

Selbstschutz bei Stromunfällen.

[A492]

Armverband mit zwei Dreieckstüchern. Ein Dreieckstuch wird um den Hals geknotet und dient als Tragetuch für den Arm. Das andere Dreieckstuch wird gefaltet und über dem Arm um den Oberkörper gebunden. Dadurch ist der Arm ruhiggestellt.

[E700]

Transport eines Amputats. Das Amputat darf keinesfalls direkt mit dem Eis in Berührung kommen, da sonst Schädigungen des Gewebes auftreten.

[L190]

Möglichkeiten der Giftaufnahme. Für die Erstversorgung ist es auch wichtig zu wissen, auf welchem Weg das Gift in den Körper gelangt ist, um Maßnahmen zu ergreifen, die eine weitere Resorption verhindern, z. B. Magenspülung, Abwaschen der Haut.

[A400]

Ätzende und reizende Stoffe sind grundsätzlich mit einem Gefahrensymbol gekennzeichnet, z. B. auf Haushaltsflaschen oder Gefahrenguttransporten.

[E243]

Figurenschema zur Neunerregel und zur Abschätzung der verbrannten Körperoberfläche bei Erwachsenen, Kindern und Säuglingen. Faustregel: Der Handteller des Verletzten entspricht etwa 1 % seiner Körperoberfläche.

[E701]

Frostbeule. Bei Erfrierungen 2. Grades kommt es zu ausgeprägten Schwellungen – frühestens nach einem Tag. Die Schmerzempfindung ist erhalten.

[M123]

Lagerung bei einer NotgeburtNotgeburt. Der Oberkörper soll erhöht sein. Am besten umfasst die Frau mit den Armen ihre Oberschenkel und zieht sie beim Pressen zu sich heran. Dadurch kann der Druck im Geburtskanal gesteigert werden.

[L190]

Dammschutz. Die rechte Hand umschließt den Damm und versucht ihn zusammenzudrücken, damit er nicht reißt. Dabei nicht den Kopf in den Geburtskanal zurückdrängen! Die linke Hand stützt den Kopf.

[L190]

Vorgehen bei der kardiopulmonalen Reanimation im Überblick.

Tab. 30.1
Maßnahmen Ersthelfer, in diesem Fall der Heilpraktiker Arzt
Vitalzeichen prüfen
  • Ansprechen, ggf. Schütteln an der Schulter

  • Atemtätigkeit überprüfen

  • ggf. Karotispuls tasten

  • fortlaufende, umfassende Kontrolle der Vitalparameter, meist apparativ assistiert

Atemwege freimachen
  • mechanische Reinigung von Mund und Rachen; falls vorhanden, gezieltes Absaugen mit Gerät (Handabsaugpumpe)

  • Überstrecken des Kopfes, evtl. Esmarch-Handgriff (Abb. 30.8)

  • stabile Seitenlage (sofern Atmung vorhanden)

  • gezieltes Absaugen mit Gerät

  • endotracheale Intubation

Herzdruckmassage Thoraxkompressionen: Arbeitsfrequenz 100/Min. (Tab. 30.2)
Atemspende Mund-zu-Nase-Beatmung oder Mund-zu-Mund-Beatmung (30.4.3)
  • Beutelbeatmung mit Maske oder über Endotrachealtubus

  • maschinelle Beatmung

Defibrillation falls ein automatischer externer Defibrillator vorhanden ist
  • Defibrillation

  • Schrittmachertherapie

Drugs (Medikamente)
  • Adrenalin

  • evtl. Amiodaraon, Atropin, Dopamin

Vorgehen bei der kardiopulmonalen Reanimation bei Erwachsenen.

Tab. 30.2
Patient ist bewusstlos, zeigt keine Reaktionen, nicht ansprechbar
Um Hilfe rufen oder (Verdacht auf Kammerflimmern) Notruf – „call first“ – wenn möglich
Atemwege freimachen, Kopf überstrecken
Wenn keine Spontanatmung einsetzt oder keine suffiziente Atmung besteht
Notruf!
Beginn der Reanimation mit 30 Herzdruckmassagen
2-mal beatmen – mit Mund-zu-Nase-Beatmung oder Mund-zu-Mund-Beatmung (30.4) oder Beutelbeatmung mit Maske
Sofort wieder 30 Herzdruckmassagen gebenRhythmus von 30:2 mindestens 5-mal durchgeführen
Zeigt der Patient keine Reaktionen (z. B. Husten oder Bewegungen), muss der 30:2-Rhythmus fortgesetzt werden, bis der Notarzt/Rettungsdienst den Patienten übernimmt
Wenn der Patient aus der Bewusstlosigkeit erwacht, Atmung und Puls prüfen! Erst wenn der Pat. normal atmet und ein stabiler Kreislauf festzustellen ist, wird die Reanimation abgebrochen.
Achtung! Der Patient muss weiterhin überwacht werden

Beatmung und Herzdruckmassage bei Kindern.

Tab. 30.3
Altersgruppe Beatmungsfrequenz Herzmassage
Technik Frequenz Kompressionstiefe Verhältnis Brustkompression:Beatmung
Säugling (< 1 J.) mindestens 20 pro Min. zwei Finger oder thoraxumfassend mindestens 100 pro Min. 2–3 cm 5: 1Neugeborene (3: 1)
Kleinkind (≤ 8 J.) 20 pro Min. Handballen einer Hand ca. 100 pro Min. 3–4 cm 5: 1
Kinder > 8 J. wie beim Erwachsenen

Korrekte Lagerung des Patienten in Abhängigkeit von den bestehenden Beschwerden. Wirbelsäule:Lagerung bei VerletzungVena-cava-Kompressionssyndrom:LagerungTrauma:Lagerungen, NotfallThrombose:LagerungSchwangerschaft:Lagerungen, NotfallSchädel-Hirn-Trauma:LagerungpAVK:LagerungLagerungen:Beschwerden, bei bestimmtenHypertensive KriseHochdruckkrise:LagerungFraktur:LagerungBewusstlosigeit:Lagerungen, NotfallAtemstörungen:Lagerungen, NotfallAtemstörungen:Lagerungen, Herz-Kreislauf-Störungen

Tab. 30.4
Erkrankung oder Verletzung Lagerung Ziel
Atemstörungen bei erhaltenem Bewusstsein
Atemnot bei Lungenerkrankungen Oberkörper erhöht Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (12.2.10)
Lungenödem (10.7.3) Aufrecht sitzen, Beine tief Entlastung des Lungenkreislaufs
Herz-Kreislauf-Störungen bei erhaltenem Bewusstsein
Volumenmangelschock (11.5.3) Schocklagerung: Beine hoch, Kopf tief Blutumverteilung von peripheren zu zentralen venösen Blutgefäßen wird als Autotransfusion bezeichnet
kardiogener Schock (11.5.3) Oberkörper ca. 30° erhöht Senkung des venösen Rückflusses zum Herzen
pAVK (11.6.2) Extremität tieflagern Verbesserung des arteriellen Zuflusses über die Kollateralen
Thrombose (11.7.3) Extremität flach, eben Oberkörper leicht erhöht Verbesserung des venösen Abflusses über die Kollateralen, Verminderung der Emboliegefahr
Hochdruckkrise (11.5.1) Oberkörper erhöht Senkung der Hirndurchblutung
Trauma bei erhaltenem Bewusstsein
Schädel-Hirn-Trauma Oberkörper ca. 30° erhöht, Kopf in Mittelstellung Senkung der Hirndurchblutung und des Hirndrucks
Wirbelsäulentrauma Verletzten lassen wie vorgefunden, Umlagerung nach Eintreffen des Notarztes auf vorgeformte Vakuummatratze, wenn Verletzter noch bei Bewusstsein Vermeiden weiterer Schäden
Thoraxtrauma Oberkörper hoch, möglichst auf verletzte Seite lagern Ruhigstellung und Schmerzlinderung, vermehrte Belüftung des unverletzten Lungenflügels
Bauchtrauma Rückenlage, angezogene Beine mit Knierolle, Kopfpolster Senkung der Bauchdeckenspannung, Schmerzlinderung
Extremitätentrauma Ruhigstellung (30.12.8), evtl. Schocklagerung Blutstillung, Schmerzlinderung, Vermeiden weiterer Schäden
Störungen in der Schwangerschaft bei erhaltenem Bewusstsein
drohende Frühgeburt, vorzeitiger Blasensprung bei Beckenendlage Linksseitenlagerung mit erhöhtem Oberkörper verbesserte Uterusdurchblutung, Druckentlastung auf Beckenboden, bei vorzeitigem Blasensprung Vermeiden eines Nabelschnurvorfalls (27.3.2), Dekompression der Vena cava
Vena-cava-Kompressionssyndrom (27.2.3), Blutungen Linksseitenlage verbesserte Uterusdurchblutung
drohende Eklampsie Linksseitenlage mit erhöhtem Becken Freihalten der Atemwege bei drohender Bewusstlosigkeit, Druckentlastung auf Beckenboden
außerklinische Geburt erhöhter Oberkörper, Beine angezogen, Hände umfassen Oberschenkel entspricht der physiologischen „Geburtsrichtung“
Bewusstlosigkeit mit erhaltener Spontanatmung
eklamptischer Anfall stabile Seitenlagerung (30.5.2) Freihalten der Atemwege, Vermeiden einer Aspiration (12.2.4)
Bewusstlosigkeit ohne Spontanatmung
Herzinfarkt Rückenlage auf harter Unterlage Beginn der kardiopulmonalen Reanimation nach der AHA-Regel (30.4)

Metabolisch bedingte Bewusstlosigkeit. Besonders bei komatösen Patienten ist das Stellen der Verdachtsdiagnose sehr schwierig. Deshalb ist es wichtig, die charakteristischen Diagnosehinweise zu kennen und auf sie zu achten.Nebenniereninsuffizienz:KomaKoma.thyreotoxischesKoma:hypophysäresKoma:ErstmaßnahmenKoma:diabetischesKoma:hypothyreotesKoma:hypoglyämischesKoma:hepatischesHyperthyreose:KomaAddison-Krise:Erstmaßnahmn

Tab. 30.5
Koma Charakteristische Diagnosehinweise Maßnahmen
diabetisches Koma(ketoazidotisches oder hyperosmolares Koma 15.6.5) langsame Komaentwicklung bei beiden Formen:
  • ketoazidotisches Koma: Typ-1-Diabetiker aus Fremdanamnese bekannt, Azetongeruch der Atemluft, vertiefte Atmung, bretthartes Abdomen

  • hyperosmolares Koma: Typ-2-Diabetiker, Zeichen starker Exsikkose (trockene, warme Haut, stehende Hautfalten, hoher Puls)

  • Schocktherapie (30.7)

  • BZ-Stick; Infusion von 0,9 % NaCl-Lösung (500 ml)

hypoglykämisches Koma(15.6.5, auch als hypoglykämischer Schock bezeichnet)
  • medikamentös behandelter Diabetes mellitus, Alkoholkrankheit oder schwerer Leberschaden bekannt

  • schnelle Komaentwicklung (innerhalb Min.)

  • feuchte Haut

  • evtl. zerebrale Krampfanfälle

  • Schocktherapie (30.7)

  • bei den ersten Anzeichen dem Pat. schnellstmöglich oral Traubenzucker, Glukosesirup, im Notfall auch andere Süßigkeiten geben. Diese Maßnahme ist wegen der Aspirationsgefahr beim somnolenten oder gar bewusstlosen Patienten verboten. Je nach Zustand und Situation Anforderung des Notarztes oder Überweisung zum Hausarzt, wenn vorhanden Glukagon-Injektion (Notfall-Kit).

hepatisches Koma(14.5.7)
  • Leberzirrhose meist bekannt (Fremdanamnese)

  • langsamer Beginn des Komas: Schläfrigkeit

  • grobschlägiger Tremor

  • erdiger, leberartiger Mundgeruch

  • Ikterus

  • Leberhautzeichen

  • Schocktherapie (30.7)

urämisches Koma (16.5.1)
  • Nierenerkrankung meist bekannt (Fremdanamnese)

  • urinartiger Geruch der Atemluft und der Haut

  • vertiefte Atmung (Kußmaul-Atmung)

  • Zeichen der Hyper- und Dehydratation möglich (16.2.6)

  • trockene, bräunlich-graue Haut

  • gesteigerte Reflexe

  • hoher Blutdruck

  • Schocktherapie (30.7)

Koma bei akuter Nebenniereninsuffizienz(Addison-Krise 19.8.2)
  • Erbrechen, Bauchschmerzen

  • Zeichen der Exsikkose

  • Zyanose

  • schneller Puls, leise Herztöne

  • erniedrigte Körpertemperatur

  • Hyperpigmentierung (Merkmal: braune Handlinien)

  • Schocktherapie (30.7)

  • kaliumarme und natriumreiche Infusionslösungen anhängen, zunächst evtl. NaCl 0,9 %

thyreotoxisches Koma(19.6.2)
  • Angehörige berichten evtl. von starker Unruhe vor dem Koma

  • Fieber bis 40 °C

  • Puls 140–200/Min., Herzrhythmusstörungen, große Blutdruckamplitude mit Hypertonie, später Hypotonie

  • warme, meist feuchte Haut

  • feinschlägiger Tremor

  • tastbares „Schwirren“ über der Schilddrüse

  • Schocktherapie (30.7)

hypothyreotes Koma(Myxödemkoma 19.6.3)
  • erniedrigte Körpertemperatur < 30 °C

  • langsamer Puls

  • erloschene oder träge Reflexe

  • raue verdickte, schuppende Haut; prall-elastisches Ödem ohne Dellenbildung, schuppige, brüchige Haare

  • Schocktherapie (30.7)

hypophysäres Koma
  • langsamer Puls

  • niedrige Körpertemperatur

  • Zeichen der Hypoglykämie

  • spärliche Körperbehaarung

  • blasse, alabasterartige (weißlich-durchscheinende) Haut

  • Schocktherapie (30.7)

Glasgow-Coma-Skala (GCS): Die Summe der Punkte ergibt den „Coma-Score“ und ermöglicht eine standardisierte Einschätzung des Schweregrads einer Bewusstseinsstörung. Je weniger Punkte, desto schwerer ist die Bewusstseinsstörung.

Tab. 30.5a
Neurologische Funktion (Beste) Reaktion des Patienten Bewertung (Punkte)
Augen öffnen spontan 4
auf Ansprechen 3
auf Schmerzreiz 2
kein Öffnen 1
verbale Reaktion orientiert 5
verwirrt/desorientiert 4
unzusammenhängende Worte 3
unverständliche Laute 2
keine verbale Reaktion 1
motorische Reaktion auf Schmerzreize Befolgen 6
gezielte Schmerzabwehr 5
ungezielte Schmerzabwehr (sog. Massenbewegungen) 4
Beugesynergien (Beugehaltung) 3
Strecksynergien (Streckhaltung) 2
keine motorische Reaktion 1

Differenzialdiagnose und Erstmaßnahmen der häufigsten Schockformen (hypoglykämischer Schock bzw. Koma Tab. 30.5).Schock:ErstmaßnahmenSchock:DifferenzialdiagnoseSchock:kardiogenerErstmaßnahmen\bLagerung

Tab. 30.6
Schockformen Charakteristische Diagnosehinweise Ursachenorientierte Erstmaßnahmen zusätzlich zu den allgemeinen Erstmaßnahmen
hypovolämischer Schock
  • anamnestisch Hinweise auf Trauma, Organblutung (Bluterbrechen, anale Blutung, Bluthusten), Erbrechen, Durchfall, Verbrennung, Peritonitis (13.4.11), Ileus (Darmverschluss 13.4.10), akute Pankreatitis (14.7.1), Aortenaneurysmaruptur (11.6.5), usw.

  • starker Durst

  • leere Halsvenen

  • Schocklagerung bei erhaltenem Bewusstsein: Beine hoch und Kopf tief; nicht bei Blutungen im Bereich von Kopf, Lunge und oberem Magen-Darm-Trakt

  • Kompression sichtbarer Blutungen

  • Volumensubstitution: z. B. 1.000 bis 1.500 ml isotonische Kochsalzlösung (0,9 %) mit max. Tropfgeschwindigkeit infundieren

kardiogener Schock
  • anamnestisch Hinweise auf Herzinfarkt (10.6.2), -Herzinsuffizienz (10.7), Herzrhythmusstörungen (10.8), entzündliche Herzerkrankungen (z. B. Myokarditis 10.9.2), Herzklappenfehler (10.11) oder Lungenembolie (12.10.1)

  • sitzende Position des Patienten

  • Atemnot

  • Zeichen einer Herzinsuffizienz wie „Brodeln“ über der Lunge, Beinödeme, Halsvenenstauung

  • häufig akute Brustschmerzen

  • Herzauskultation: unregelmäßige, sehr langsame oder sehr schnelle Herzaktionen, Herzgeräusche (10.3.2)

  • Oberkörper hochlagern, bei Lungenödem (10.7.3) mit herabhängenden Beinen

  • keine Infusionslösung zuführen bzw. nur in geringer Menge, um venösen Zugang offen zu halten

  • Sofern Patient ein Notfallmedikament (Nitropräparat) mit sich führt, Verabreichung von 1–2 Hüben Spray bzw. einer Zerbeißkapsel, wenn systolischer Blutdruck > 100 mmHg

septischer Schock
  • anamnestisch bekannte Abwehrschwäche (Diabetes mellitus, Tumor, Zytostatika- oder Glukokortikoidtherapie) mit gleichzeitiger bakterieller Infektion, z. B. Infektion der ableitenden Harnwege (16.6), Gallenwegsinfektion (14.6.3), Peritonitis (13.4.11), Lungenentzündung (12.5.6)

  • hohes Fieber, evtl. mit Schüttelfrost, auch Fieberkrämpfe sind v. a. bei Kindern und Greisen möglich

  • anfangs warme, gut durchblutete Haut (Patient sieht gesünder aus, als er ist!)

  • später kalte, schweißbedeckte, bläuliche (zyanotische) Haut

  • Einblutungen in die Haut

  • Schocklagerung

  • Volumensubstitution

  • warm zudecken

anaphylaktischer Schock (22.6.2, dort auch Stadium 0–II)
  • anamnestisch Allergie(neigung), Insektenstich, Medikamenteneinnahme, Reaktion auf Nahrungsmittel

  • Vorzeichen: Kribbeln im Rachen und/oder in den Handflächen, generalisierte Urtikaria, Ödeme, Atemnot, Übelkeit, Bauch- oder Unterleibskrämpfe, Hautrötung (Flush), schneller Puls, niedriger Blutdruck, evtl. auch Angstreaktion, Schwindel

  • Stadium III: Bewusstseinsverlust, Pulsbeschleunigung > 100, Abfall des systolischen RR < 100

  • Stadium IV: Kreislauf- und Atemstillstand, Zyanose

  • Maßnahmen, Lagerung und Medikation unbedingt den Stadien anpassen! (22.6.2)

  • Allergenzufuhr stoppen – bei i. v.-Injektion Kanüle unbedingt in der Vene belassen und dort sichern

  • i. v.-Gabe eines Antihistaminikums (z. B. Tavegil® Injektionslösung 5 ml langsam über 2 Min.)

  • vorbehaltlich der Verfügbarkeit: 100 mg Dexamethason i. v. (z. B. Fortecortin Injekt 40 mg, 2,5 Amp. langsam i. v.)

  • vorbehaltlich der Verfügbarkeit: 0,3 mg (Erwachsene) Epinephrin (Adrenalin, z. B. Fastjekt) i. m. in die Oberschenkelaußenseite, notfalls durch die Hose

  • Infusion von 1,5–2,5 l Ringer-Lösung mit maximaler Tropfgeschwindigkeit, d. h. mit geöffneter Rollklemme und Kompression des Infusionsbeutels

  • ständige Vitalzeichenkontrolle, ggf. Schocklagerung

  • bei Herz-Kreislauf-Stillstand: kardiopulmonale Reanimation (30.4)

neurogener Schock (gestörte Kreislaufregulation durch Weitstellung der arteriellen und venösen Gefäße bei Störungen im ZNS; dadurch drastische Abnahme des venösen Rückflusses mit nachfolgendem Volumenmangel)
  • Zeichen einer Wirbelsäulen-, Rückenmarksverletzung oder Hinweise auf Vergiftungen mit Schlaf- oder Beruhigungsmitteln (Suizidversuch)

  • warm-schweißige Haut

  • stark getrübtes Bewusstsein

  • neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sensibilitätsstörungen, keine Reflexe, Blasen-, Mastdarmstörungen

  • bei erhaltenem Bewusstsein und Verdacht auf Trauma Verletzten nicht bewegen

  • bei Verdacht auf Vergiftung Schocklagerung, bei Bewusstlosigkeit in Kombination mit stabiler Seitenlage

  • Volumensubstitution

Differenzialdiagnose der Nackensteife und Erstmaßnahmen.Nackensteife:DifferenzialdiagnoseMeningitis:ErstmaßnahmenMeningismus:ErstmaßnahmenMeningismus:DifferenzialdiagnoseEnzephalitis:Erstmaßnahmen

Tab. 30.7
Ursache Charakteristische Diagnosehinweise (zusätzlich zur Nackensteife) Erstmaßnahmen: immer Kontrolleder Vitalfunktionen (30.3)
Meningitis (23.7.1)
  • anamnestisch evtl. Infektion, z. B. Kinderkrankheit, Sinusitis

  • hohes Fieber

  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • bei Verdacht sofortige Einweisung in Klinik (evtl. mit Notarztbegleitung)

  • stabile Seitenlage (30.5.2) bei Erbrechen und gestörter Bewusstseinslage

Enzephalitis (23.7.1)
  • wie Meningitis und zusätzlich:

  • Bewusstseinsstörungen

  • neurologische Ausfälle: Lähmungen, Sprachstörungen, Krampfanfälle

  • wie bei Meningitis

Subarachnoidalblutung (23.5.3)
  • akute stärkste (vernichtende) Kopfschmerzen, meist im Hinterkopf- oder Nackenbereich, typischerweise nach plötzlicher Anstrengung (Heben, Stuhlgang, Geschlechtsverkehr, Sport) einsetzend, aber auch spontan

  • verschiedengradige neurologische Ausfälle, z. B. Bewusstseinstrübung bis Bewusstlosigkeit, Hirnnervenausfälle (23.3.2) mit Augenmuskel- und Pupillenstörungen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • kein Fieber

  • bei Verdacht sofort Notarzt benachrichtigen

  • Reanimationsbereitschaft wegen Gefahr der plötzlichen Verschlechterung

  • Lagerung des Patienten mit 30° erhöhtem Oberkörper und geradem Kopf bei erhaltenem Bewusstsein

  • i. v.-Zugang legen

Sinusvenenthrombose (23.5.2)
  • Kopfschmerzen, auch Übelkeit, Erbrechen

  • nach Stunden oder Tagen evtl. Lähmungen, zerebrale Krampfanfälle, Bewusstseinstrübung

  • sofortige Klinikeinweisung bei Verdacht

  • Oberkörperhochlagerung (30°), falls Patient bei Bewusstsein

Epiduralblutung (23.5.4) Subduralblutung (23.5.5/6)
  • anamnestisch vor Stunden bis Tagen, evtl. auch Monaten Kopfverletzung (z. B. Sturz)

  • häufig nach Verletzung zunächst beschwerdefreies Intervall von unterschiedlicher Dauer

  • Bewusstlosigkeit, Halbseitenlähmung, evtl. Krämpfe

  • bei Verdacht sofort Notarzt benachrichtigen

  • Oberkörperhochlagerung (30°), falls Patient bei Bewusstsein

Metastasen in den Hirnhäuten (Meningeosis carcinomatosa)
  • anamnestisch Tumorerkrankung meist bekannt

  • Nackensteife und Kopfschmerzen entwickeln sich zunehmend

  • Überweisung in die Klinik

Sonnenstich (30.15.1)
  • anamnestisch längerer Aufenthalt in der Sonne

  • Kopfschmerz

  • hochroter, heißer Kopf

  • Übelkeit und Erbrechen

  • evtl. Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle

  • sofort Notarzt benachrichtigen bei Bewusstlosigkeit oder Krämpfen

  • bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

  • bewusstseinsklaren Patienten an einen kühlen Ort bringen und mit erhöhtem Kopf lagern

  • den Kopf mit nassen Tüchern kühlen

HWS-Syndrom(z. B. Blockade bei degenerativen Veränderungen 9.9.2)
  • anamnestisch „Rückenprobleme“ bekannt

  • (Nacken-)Kopfschmerzen, Schwindel

  • evtl. Beginn mit ungewöhnlicher Kopfbewegung

  • muskulärer Hartspann im HWS- und Nackenbereich sowie Bewegungseinschränkung der HWS

  • naturheilkundliche Behandlung

  • bei Therapieresistenz innerhalb angemessener Zeit Überweisung zur ärztlichen Abklärung

Differenzialdiagnose akut auftretender Lähmungen und Erstmaßnahmen.Lähmung(en):ErstmaßnahmenLähmung(en):ErstmaßnahmenLähmung(en):DifferenzialdiagnoseBandscheibe(n):-vorfall, Erstmaßnahmen

Tab. 30.8
Ursache Charakteristische Diagnosehinweise Erstmaßnahmen
Schlaganfall (23.5.1)
  • Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen und Rauchen in der Anamnese

  • Halbseitenlähmung: Arm, Bein und mimische Muskulatur einer Seite gelähmt

  • halbseitige Sensibilitätsstörung

  • Störungen des Sprachverständnisses und der Sprachproduktion

  • evtl. Hirnnervenausfälle (23.3.2), Horner-Syndrom (19.4.1), Nystagmus (23.4.8)

  • Benachrichtigung des Notarztes

  • ständige Kontrollen der Vitalfunktionen

  • stabile Seitenlagerung bei Bewusstlosigkeit

  • i. v.-Zugang legen

Bandscheibenvorfall (9.9.4)
  • „Rückenprobleme“ in der Anamnese, evtl. Einsetzen der Beschwerden nach körperlicher Bewegung (Heben)

  • Lähmungen und Sensibilitätsstörungen im Bereich einer oder mehrerer Nervenwurzeln (meist untere, seltener obere Extremität betroffen)

  • akute Schmerzen in Gesäß, Leiste, Bein und Fuß

  • Blasen-, Mastdarm-, Potenzstörungen

  • fehlende oder abgeschwächte Reflexe

  • Bewegungseinschränkung der LWS

  • Stufenbettlagerung (Abb. 9.108)

  • Überweisung zum Neurologen

  • im Fall von Blasen-, Mastdarm- und Potenzstörungen sofortige Klinikeinweisung (Kaudasyndrom 23.14.8)

traumatische Querschnittslähmung (23.11.3)
  • Funktionsverlust der Muskeln und der Sensibilität unterhalb der Rückenmarksschädigung, z. B. Arme werden lebhaft bewegt, Beine weniger oder gar nicht („Blitz“-Untersuchung: Faustschluss und Zehenbewegungen prüfen, wenn beides möglich, liegt zurzeit keine Querschnittslähmung vor)

  • beim bewusstlosen Patienten fehlende Muskeleigenreflexe (23.2.9), Tipp: zur Überprüfung motorische Reaktion auf Schmerzreiz an allen Extremitäten untersuchen

  • Störung der Blasen- und Mastdarmfunktion

  • Atemstörungen

  • bewusstseinsklaren Patienten auffordern, sich nicht zu bewegen

  • bewusstlosen Patienten fest lagern wie vorgefunden, Atemwege durch vorsichtiges Anheben des Unterkiefers freimachen

  • Notarzt benachrichtigen

  • Atemfunktion kontrollieren

  • i. v.-Zugang legen

psychogene Lähmung normale Reflexe (23.2.9) Überweisung zur ärztlichen Abklärung

Differenzialdiagnose des akuten Schwindels und Erstmaßnahmen.Schwindel:Erstmaßnahmen

Tab. 30.9
Ursache Charakteristische Diagnosehinweise Erstmaßnahmen: Patient hinlegen lassen
akute Hirnstammfunktionsstörung (z. B. durch Hirnstammblutung)
  • akuter Dreh- oder Schwankschwindel (23.4.1)

  • Nystagmus (23.4.8)

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Hirnnervenausfälle (23.3.2), z. B. Doppelbilder, Schluckstörungen

  • evtl. Halbseitenlähmung oder Tetraparese (23.4.4)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Kontrolle der Vitalfunktionen

  • stabile Seitenlage bei Erbrechen

  • i. v.-Zugang legen (z. B. 0,9 % NaCl), da Bewusstlosigkeit, evtl. mit Kreislaufstillstand, auftreten kann

Morbus Menière (24.8.8)
  • akuter Drehschwindel mit längeren Attacken

  • einseitiges Ohrgeräusch

  • einseitig vermindertes Hörvermögen

  • Übelkeit/Erbrechen

  • Nystagmus

  • Fallneigung zur Seite des betroffenen Ohrs

  • Überweisung zum HNO-Arzt; die Behandlung muss baldmöglichst einsetzen

  • in schweren Fällen Überweisung in eine Klinik

phobischer Schwankschwindel(durch Phobie 26.7.3 bedingter Schwindel)
  • situationsbedingter Schwindel (z. B. Höhenschwindel)

  • Stand- und Gangunsicherheit

  • Panikattacke

  • massiver Leidensdruck

  • keine zusätzlichen pathologischen Befunde

  • Beruhigung des Patienten

  • bei diagnostischer Unsicherheit ärztliche Abklärung veranlassen

Augenerkrankung Augenbeweglichkeitsstörungen durch Augenmuskellähmung: Doppelbilder, Schwindel Überweisung zum Augenarzt, evtl. auch zum Neurologen (bei Verdacht auf Multiple Sklerose 23.7.2)
entzündliche oder -verletzungsbedingte Schädigung des Gleichgewichtsorgans
  • plötzlich einsetzender, anhaltender Drehschwindel

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Fallneigung

  • Nystagmus, evtl. auch Hörminderung

Überweisung zum HNO-Arzt
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt, Karotissinus-Syndrom, Hypo-, Hypertonie)
  • vom Patienten selbst wird Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankung vermutet

  • Benommenheit

  • Schwindel ohne konstante Richtung und ohne Nystagmus

  • „Herzbeschwerden“: Brustschmerzen, Herzklopfen, -rasen

abhängig von den Begleitsymptomen, z. B.:
  • bei Brustschmerzen, Verdacht auf Herzrhythmusstörungen oder bei Bluthochdruckkrise (11.5.1) Benachrichtigung des Notarztes, Kontrolle der Vitalfunktionen, i. v.-Zugang legen

  • bei Hypotonie Beine hochlagern und zu trinken geben, Korodin®-Tropfen

Stoffwechselstörungen(v. a. Hypo-, Hyperglykämie, Schilddrüsenüberfunktion)
  • Stoffwechselstörung (z. B. Diabetes mellitus) bekannt

  • weitere Symptome entsprechend der Ursache Tab. 30.5

entsprechend der Verdachtsdiagnose

Differenzialdiagnose des akuten Kopfschmerzes und Erstmaßnahmen.Kopfschmerz:Erstmaßnahmen

Tab. 30.10
Ursache Charakteristische Diagnosehinweise Erstmaßnahmen
Migräne (23.15.1)
  • Migräneanamnese

  • evtl. Sehstörungen auf einem Auge (Flimmern, Funken, Blitze)

  • halbseitige klopfende Kopfschmerzen

  • Übelkeit/Erbrechen

  • kein Meningismus

  • sehr selten Lähmungen, Sensibilitätsstörungen

  • schmerzlindernde Maßnahmen

  • bei Erfolglosigkeit oder bestehender Lähmung Überweisung zum Arzt

Trigeminusneuralgie(23.15.4)
  • blitzartig einsetzende, einseitige Gesichtsschmerzen

  • Attackendauer nur wenige Sek., evtl. Wiederholung alle paar Min.

  • ausgelöst z. B. durch Kauen, Beißen, Berührung

schmerzlindernde Maßnahmen
akuter Spannungskopschmerz (23.15.2)
  • meist beidseitige Kopfschmerzen: „drückend wie Schraubstock“

  • keine sonstigen Krankheitszeichen

schmerzlindernde Maßnahmen
Subarachnoidalblutung(23.5.3)
  • stärkste (vernichtende) Kopfschmerzen oft explosionsartig, aber auch über Minuten zunehmend; meist im Hinterkopf oder Nackenbereich, typischerweise nach plötzlicher Anstrengung

  • Meningismus (23.3.2)

  • verschiedengradige neurologische Ausfälle, z. B. Bewusstseinstrübung bis Bewusstlosigkeit, Hirnnervenausfälle (23.3.2) mit Augenmuskel- und Pupillenstörungen

  • Rückenschmerzen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • bei Verdacht sofortige Benachrichtigung des Notarztes

  • Reanimationsbereitschaft wegen plötzlicher Verschlechterung

  • Lagerung des Patienten mit 30° erhöhtem Oberkörper und geradem Kopf

  • i. v.-Zugang legen

Hirntumor (23.8.1)
  • eher subakute Kopfschmerzen, morgens am stärksten

  • neurologische Ausfälle

Überweisung zum Neurologen zur Abklärung
Meningitis/Enzephalitis(23.7.1)
  • Kopfschmerzen (können bei Kindern fehlen!)

  • Fieber

  • Meningismus (23.3.2)

  • Übelkeit und Erbrechen

  • evtl. Bewusstseinstörungen

  • bei Verdacht sofortige Einweisung in Klinik (evtl. mit Notarztbegleitung)

  • stabile Seitenlage (30.5.2) bei Erbrechen und gestörter Bewussteinslage

  • Fiebersenkung, z. B. mit Paracetamol

Influenza und virusbedingte „Erkältungskrankheiten“ (25.19.4)
  • Fieber, Kopfschmerzen

  • Schnupfen, Husten, Heiserkeit

  • Rücken-, Gliederschmerzen

  • symptomatisch

  • bei Influenza Überweisung zum Arzt (IfSG)

Glaukom (24.5.6)
  • stärkste Augenschmerzen, Rötung des Auges

  • subakute Kopfschmerzen

  • Sehverschlechterung

  • Übelkeit

  • harter Augapfel bei der Palpation

sofortige Überweisung zum Augenarzt bzw. in Augenklinik

Differenzialdiagnose des akuten Brustschmerzes und Erstmaßnahmen.Pankreatitis:akukte SofortmaßnahmenGalle(n):-kolik, SofortmaßnahmenBrustschmerz(en):Erstmaßnahmen

Tab. 30.11
Ursache Charakteristische Diagnosehinweise Erstmaßnahmen nach Kontrolle derVitalfunktionen (30.3)
Herzerkrankungen
Angina pectoris(10.6.1),Herzinfarkt(10.6.2)
  • heftigste Schmerzen, oft mit Todesangst

  • Ausstrahlung der Schmerzen in die Arme und Schultern bzw. in den Unterkiefer, Nacken, Rücken oder Bauch

  • Schocksymptome (11.5.3)

  • Atemnot

  • Übelkeit, Erbrechen

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • halbsitzende Lagerung des Patienten

  • Gabe von 250–500 mg Acetylsalicylsäure (= ½–1 Tbl. Aspirin®)

  • falls der Patient Nitrospray oder -kapseln bei sich führt, soll er diese entsprechend seiner ärztlichen Verordnung nehmen, wenn systolischer Blutdruck > 100 mmHg

  • Patienten beruhigen

  • Reanimationsbereitschaft

  • i. v.-Zugang legen

  • wenn vorhanden, Sauerstoffgabe über Maske oder Nasensonde (6 l pro Minute)

Seltener:Perikarditis (10.9.3)
  • Lage- und atemabhängiger Schmerz, nicht so gravierend wie bei Infarkt

  • allgemeine Schwäche

  • Atemnot

  • Perikardreiben bei der Auskultation

  • Überweisung ins Krankenhaus zur Diagnosesicherung und Therapie

Lungenerkrankungen
Lungenembolie(12.10.1)
  • anamnestisch Hinweis auf Immobilität oder Ruhigstellung eines Beins

  • plötzliches Auftreten von Atemnot, (blutigem) Husten und Zyanose

  • v. a. atemabhängige Brustschmerzen

  • gestaute Halsvenen, arrhythmischer, schneller Puls, hohe Atemfrequenz

  • evtl. geschwollenes Bein mit glänzender bläulich-roter Haut (Thrombosezeichen)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Oberkörper des Patienten hochlagern

  • Patienten beruhigen

  • Reanimationsbereitschaft

  • i. v.-Zugang legen

  • wenn vorhanden, Sauerstoffgabe über Maske oder Nasensonde (6 l pro Minute)

Spontanpneumothorax(12.11.3)
  • typischerweise männlicher Patient zwischen 20. und 40. Lebensjahr

  • akut eingesetzte Atemnot

  • einseitige Schmerzen

  • asymmetrische Atembewegungen

  • einseitig hypersonorer Klopfschall bei abgeschwächtem Atemgeräusch und Stimmfremitus (12.3.2)

sofortige Überweisung ins Krankenhaus (bei Schocksymptomatik mit Notarztbegleitung)
Erkrankungen der Bauchorgane
Magen-, Zwölffingerdarmgeschwür, v. a.Komplikationen wieBlutung, Perforation,Penetration
  • anamnestisch Schmerzen im Zusammenhang mit Nahrungsaufnahme

  • Druckschmerz im Oberbauch

  • bei Komplikationen evtl. Bluterbrechen, Teerstuhl, bretthartes Abdomen, Schockzeichen

  • Überweisung zur Magenspiegelung bei Komplikationen:

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • i. v.-Zugang legen (Volumensubstitution)

  • bei Blutung Flachlagerung (Vorsicht bei Erbrechen)

akute Pankreatitis (14.7.1)
  • anamnestisch sind oft Gallenwegserkrankungen oder erhöhter Alkoholkonsum bekannt

  • schlagartig einsetzende, oft gürtelförmig in den Rücken strahlende Oberbauchschmerzen

  • Übelkeit, Erbrechen

  • evtl. Schockzeichen

  • evtl. Fieber und Ikterus (14.4.1)

  • Meteorismus bei der Perkussion des Abdomens

  • evtl. Palpationsschmerz am Pankreasdruckpunkt (14.3.2)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • i. v.-Zugang legen (Volumensubstitution)

  • kein Essen und keine orale Medikation

Gallenkolik(14.6.1)
  • häufig anamnestisch Gallensteine bekannt

  • krampfartige Schmerzen im rechten Ober- und Mittelbauch mit Ausstrahlung in den Rücken oder in die rechte Schulter

  • Übelkeit, Erbrechen

  • evtl. Kreislaufkollaps

  • Oberbauchdruckschmerz oder -abwehrspannung, Klopfschmerz am Leberrand

  • bei geringen Beschwerden schmerzlindernde und krampflösende Maßnahmen

  • bei stärkeren Schmerzen und v. a. bei Verdacht auf beginnende Cholezystitis (14.6.2, Temperaturerhöhung) sofortige Überweisung zum Hausarzt oder ins Krankenhaus

Differenzialdiagnose der akuten Atemnot und Erstmaßnahmen.Glottisödem:ErstmaßnahmenAspiration:Fremdkörper, ErstmaßnahmenAortenaneurysma:Ruptur, Erstmaßnahmen

Tab. 30.12
Ursache Charakteristische Diagnosehinweise Besonderheiten bei den Erstmaßnahmen
Lungenerkrankungen
Asthma bronchiale/Status asthmaticus (12.8)
  • „Asthmaanamnese“

  • erschwerte, verlängerte Ausatmung

  • quälender Husten

  • Erstickungs-, Todesangst

  • Gebrauch der Atemhilfsmuskulatur (12.2.10): Patient sitzt aufrecht mit vorne übergebeugtem Oberkörper

  • anfänglich Giemen, bei länger dauerndem Asthmaanfall vermindertes Atemgeräusch bei der Auskultation

  • klinischer Aspekt: überblähter Brustkorb, hochgezogene Schultern

  • sofort Notarzt benachrichtigen, besonders bei Erschöpfung, verminderter Ansprechbarkeit, Abfall der Herzfrequenz

  • wenn vorhanden, Sauerstoffgabe 2–4 l pro Minute über Nasensonde

  • i. v.-Zugang legen und Flüssigkeit zuführen

  • Patienten beruhigen

  • sitzende Haltung beibehalten, Patienten am besten an einen Tisch setzen, sodass er die Unterarme aufstützen kann (Kissen oder Decke unterlegen!)

Lungenerkrankungen
Lungenembolie(12.10.1)
  • anamnestisch Hinweis auf Immobilität oder Ruhigstellung eines Beins

  • plötzliches Auftreten von Atemnot, (blutigem) Husten und Zyanose

  • atemabhängige Thoraxschmerzen

  • gestaute Halsvenen

  • arrhythmischer, schneller Puls

  • hohe Atemfrequenz

  • evtl. geschwollenes Bein mit glänzender bläulich-roter Haut (Thrombosezeichen)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Oberkörper des Patienten hochlagern

  • Patienten beruhigen

  • Reanimationsbereitschaft

  • i. v.-Zugang legen

  • wenn vorhanden, Sauerstoffgabe über Maske oder Nasensonde (6 l pro Minute)

Pneumothorax(12.11.3), meist Spontanpneumothorax, sonst Trauma bekannt
  • typischerweise männlicher Patient zwischen 20. und 40. Lebensjahr

  • akut eingesetzte Atemnot

  • einseitige Schmerzen

  • asymmetrische Atembewegungen

  • einseitig hypersonorer Klopfschall bei abgeschwächtem Atemgeräusch und Stimmfremitus (12.3.2)

sofortige Überweisung ins Krankenhaus (bei Schocksymptomatik mit Notarztbegleitung)
Lungenödem (10.7.3)
  • häufig Herzerkrankungen bekannt

  • anfangs Atemnot und Husten

  • später (innerhalb von Stunden) brodelnde, ohne Stethoskop hörbare Rasselgeräusche sowie schaumig-rotes Sputum, Zyanose

  • Schocksymptome (11.5.3)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Oberkörper hochlagern mit herabhängenden Beinen

  • wenn vorhanden, O2-Gabe 6–8 l pro Minute

  • i. v.-Zugang legen, aber keine Infusionslösung zuführen bzw. nur geringe Menge, um venösen Zugang offen zu halten

Thoraxtrauma
  • Trauma bekannt

  • atemabhängige Schmerzen

  • evtl. paradoxe Atmung (12.3.2)

  • evtl. Zeichen des Pneumothorax (12.11.3)

  • evtl. Schocksymptome

Abhängig von der Symptomatik, in schweren Fällen evtl.:
  • Freimachen der Atemwege (30.4.1)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Lagerung auf der verletzten Thoraxseite: zusätzlich bei Atemnot Oberkörperhochlagerung, bei Schock Schocklagerung (30.5.1)

  • bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage

  • wenn vorhanden, O2-Gabe 6–8 l pro Minute

  • großlumige venöse Zugänge legen, Volumen zuführen

  • Wunde steril abdecken (Achtung: bei offenem Pneumothorax nicht mit luftdichtem Verbandsmaterial abkleben!)

Erkrankungen von Luftröhre und Bronchien
Fremdkörperaspiration (12.2.4)
  • Aspiration anamnestisch bekannt

  • meist Kinder oder ältere Menschen

  • Husten, Stridor (12.4.8), Atemnot

  • in schweren Fällen Zyanose und Atemstillstand

bei Atemnot:
  • Benachrichtigung des Notarztes

  • evtl. Heimlich-Handgriff (Abb. 30.9)

  • wenn vorhanden, O2-Gabe 4–8 l pro Minute

  • i. v.-Zugang legen, Volumen zuführen

Kehlkopferkrankungen
Glottisödem(akutes Kehlkopfödem)
  • anamnestisch Allergie (22.6), Urtikaria (18.8) oder Insektenstich in Mund bzw. Rachen bekannt

  • Stridor (12.4.8), Heiserkeit, Schluckbeschwerden

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7) und bei allergischer Ursache Therapie wie bei anaphylaktischem Schock (22.6.2)

Pseudokrupp (28.6.6)
  • Kinder ≤ 6 Jahre

  • anamnestisch Infekt bekannt

  • inspiratorischer Stridor (12.4.8), bellender Husten

  • Überweisung zum Kinderarzt bzw. sofortige Überweisung in Kinderklinik (evtl. mit Notarztbegleitung) bei schwerer Atemnot, inspiratorischen Einziehungen, Zyanose

  • Beruhigung der Eltern und des Kindes

  • Inhalation mit physiologischer Kochsalzlösung, falls Inhalator vorhanden; ansonsten Kind in kalte Luft bringen oder feuchte Tücher aufhängen

Epiglottitis (28.8.4)
  • meist Kinder > 6 Jahre

  • „schnorchelnde“ Atmung, häufig mit Stridor, später stärkste Atemnot

  • Schluckstörung

  • Speichelfluss

  • kloßige Sprache

  • Halsschwellung

  • 39–40 °C Fieber

  • schlechter Allgemeinzustand, apathisches Kind

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Kind möglichst wenig beunruhigen

  • Achtung: auf keinen Fall Racheninspektion bei Verdacht auf Epiglottitis!

  • sofern vorhanden, O2-Gabe 4–8 l pro Minute (möglichst über Maske, die dem Kind nur lose vor das Gesicht gehalten wird)

Herzerkrankungen
Herzinfarkt/Angina pectoris (10.6)
  • heftigste Brustschmerzen, oft mit Todesangst

  • Ausstrahlung der Schmerzen in die Arme, Unterkiefer oder in den Bauch

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Schocksymptome (11.5.3)

  • Atemnot

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • halbsitzende Lagerung des Patienten

  • Falls der Patient Nitrospray oder -kapseln bei sich führt, soll er diese entsprechend seiner ärztlichen Verordnung nehmen, wenn systolischer Blutdruck > 100 mmHg

Herzerkrankungen
Herzinfarkt/Angina pectoris (10.6)
  • Patienten beruhigen

  • Kontrolle der Vitalfunktionen (30.3)

  • Reanimationsbereitschaft

  • i. v.-Zugang legen

  • wenn vorhanden, Sauerstoffgabe über Maske oder Nasensonde (6 l/Min.)

akute Herzinsuffizienz (10.7.2)
  • Anamnestisch evtl. Hinweise auf Herzerkrankungen

  • Atemnot, evtl. „Brodeln“ über der Lunge

  • Halsvenenstauung, Beinödeme

  • Schocksymptome (11.5.3)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Oberkörper hochlagern, bei Lungenödem (10.7.3) mit herabhängenden Beinen

  • 2–8 l/Min O2-Gabe

  • i. v.-Zugang legen, aber keine Infusionslösung zuführen bzw. nur geringe Menge, um venösen Zugang offen zu halten

Sonstige Ursachen
psychogen bedingte Hyperventilation (12.4.6)
  • anamnestisch Hinweise auf Stress-, Angst- oder Konfliktsituationen

  • Kribbeln und Taubheitsgefühl in Lippen und Händen

  • Muskelkrämpfe mit Pfötchenstellung der Hände

  • Beruhigung des Patienten

  • Rückatmung der CO2-haltigen Ausatemluft durch Halten einer Plastiktüte vor Nase und Mund

  • bei Erfolglosigkeit und diagnostischer Unsicherheit Alarmieren des Notarztes

Störungen des Atemzentrums, z. B. bei Schlaganfall (23.5.1) zusätzlich neurologische Ausfälle wie:
  • Halbseitenlähmung: Arm, Bein und mimische Muskulatur einer Seite gelähmt

  • halbseitige Sensibilitätsstörung

  • Störungen des Sprachverständnisses und der Sprachproduktion

  • evtl. Hirnnervenausfälle (23.3.2)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • stabile Seitenlagerung bei Bewusstlosigkeit

  • i. v.-Zugang legen

anaphylaktischer Schock (22.6.2, dort auch Stadium 0–II)
  • anamnestisch Allergie(neigung), Insektenstich, Medikamenteneinnahme, Reaktion auf Nahrungsmittel

  • Vorzeichen: Kribbeln im Rachen und/oder in den Handflächen, generalisierte Urtikaria, Ödeme, Atemnot, Übelkeit, Bauch- oder Unterleibskrämpfe, Hautrötung (Flush), schneller Puls, niedriger Blutdruck, evtl. Angstreaktion

  • Stadium III: Bewusstseinsverlust, Pulsbeschleunigung > 100, Abfall des systolischen RR < 100

  • Stadium IV: Kreislauf- und Atemstillstand, Zyanose

  • Maßnahmen, Lagerung und Medikation unbedingt den Stadien anpassen! (22.4.1)

  • Allergenzufuhr stoppen – bei i. v.-Injektion Kanüle unbedingt in der Vene belassen und dort sichern

  • i. v.-Gabe eines Antihistaminikums (z. B. Tavegil® Injektionslösung 5 ml langsam über 2 Min.)

  • vorbehaltlich der Verfügbarkeit: 100 mg Dexamethason i. v. (z. B. Fortecortin Injekt 40 mg, 2,5 Amp. langsam i. v.)

  • vorbehaltlich der Verfügbarkeit: 0,3 mg (Erwachsene) Epinephrin (Adrenalin, z. B. Fastjekt) i. m. in die Oberschenkelaußenseite, notfalls durch die Hose

  • Infusion von 1,5–2,5 l Ringer-Lösung mit maximaler Tropfgeschwindigkeit, d. h. mit geöffneter Rollklemme und Kompression des Infusionsbeutels

  • ständige Vitalzeichenkontrolle, ggf. Schocklagerung

  • bei Herz-Kreislauf-Stillstand: kardiopulmonale Reanimation (30.4)

Aortenaneurysmaruptur (11.6.5)
  • akut einsetzende Rücken-Schulter-Schmerzen

  • Schocksymptome (11.5.3)

  • Blutdruckdifferenz zwischen oberer und unterer Extremität

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7), v. a. massive Volumensubstitution über mehrere (!) möglichst großlumige i. v. Zugänge

Differenzierung viszeraler und somatischer Schmerz.Schmerz(en):viszeralerSchmerz(en):somatischer

Tab. 30.13
Schmerz Viszeraler Schmerz Somatischer Schmerz
Ursprung abdominale Hohlorgane Peritoneum parietale (13.2.15)
Ursache Dehnung und Spasmus Dehnung oder Gewebsschädigung
Charakter dumpf, bohrend oder nagend, kolikartig scharf, schneidend und anhaltend
Lokalisation unbestimmt in Nabelgegend: Patient deutet grob mit flacher Hand begrenzt umschrieben: Patient zeigt genau mit Fingerspitze
Abnahme bei Bewegung durch Schonhaltung, oberflächliche Atmung
Zunahme in Ruhe durch Bewegung, Erschütterung, Husten, Niesen

Differenzialdiagnose des akuten Bauchschmerzes und Erstmaßnahmen.Nierenkolik:NotfallHarnverhalt

Tab. 30.14
Ursache Charakteristische Diagnosehinweise Erstmaßnahmen
Schmerzen im rechten Oberbauch
Gallenkolik (14.6.1)
  • häufig anamnestisch Gallensteine bekannt

  • krampfartige Schmerzen im rechten Ober- und Mittelbauch mit Ausstrahlung in den Rücken oder in die rechte Schulter

  • Übelkeit, Erbrechen

  • evtl. Kreislaufkollaps

  • Oberbauchdruckschmerz oder -abwehrspannung, Klopfschmerz am Leberrand

  • bei geringen Beschwerden schmerzlindernde und krampflösende Maßnahmen

  • bei stärkeren Schmerzen und v. a. bei Verdacht auf beginnende Cholezystitis (Temperaturerhöhung) sofortige Überweisung zum Hausarzt oder ins Krankenhaus

perforiertes Ulcus duodeni(13.7.2)
  • Ulzera anamnestisch oft bekannt

  • anhaltender, vernichtender Schmerz, ganz akut einsetzend, oft auch starke Rückenschmerzen

  • brettharter Bauch

  • Schockzeichen (11.5.3)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

Leberruptur
  • anamnestisch Bauchtrauma oder Rippenfraktur bekannt

  • Druckschmerz rechter Oberbauch

  • aufgetriebenes Abdomen

  • Schockzeichen (11.5.3)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

Schmerzen in der Mitte des Oberbauchs
akute Pankreatitis(Bauchspeicheldrüsenentzündung 14.7.1)
  • anamnestisch sind oft Gallenwegserkrankungen oder erhöhter Alkoholkonsum bekannt

  • schlagartig einsetzende, oft gürtelförmig in Rücken strahlende Schmerzen

  • Übelkeit, Erbrechen, evtl. Schockzeichen

  • evtl. Fieber und Ikterus (14.4.1)

  • Meteorismus bei der Perkussion des Abdomens

  • evtl. Palpationsschmerz am Pankreasdruckpunkt (Abb. 14.8)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7) und besonders wichtig: kein Essen, kein Trinken und keine orale Medikation

perforiertes Ulcus ventriculi(13.7.3)
  • wie bei perforiertem Ulcus duodeni

  • Schmerz evtl. auch im linken Oberbauch

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

Schmerzen im linken Oberbauch
Milzruptur
  • Bauchtrauma oder Rippenfraktur bekannt

  • Flankenschmerz mit Ausstrahlung in linke Schulter

  • lokale Bauchdeckenspannung

  • perkutorische Flankendämpfung links, positives Kehr-Zeichen, positives Saegesser-Zeichen (21.7)

  • Druckschmerz im linken Oberbauch

  • aufgetriebenes Abdomen

  • Schockzeichen (11.5.3)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

Schmerzen im rechten oder linken Oberbauch
Nierenkolik(16.8)
  • evtl. Steinleiden bekannt

  • evtl. rot gefärbter Urin (Makrohämaturie), evtl. Mikrohämaturie (Stick-Test)

  • krampfartige Schmerzen in der Flanke, unruhiger Patient

  • je nach Lokalisation des Steins auch Schmerzen im Rücken, seitlichen Unterbauch mit Ausstrahlung in die Schamlippen bzw. Hodensack

  • evtl. Zeichen eines reflektorischen (paralytischen) Ileus

  • schmerzlindernde und krampflösende Medikation bei sicherer Diagnose

  • Patienten – nur bei sicherer Diagnose! – viel trinken lassen

  • körperliche Bewegung

  • Überweisung zum Arzt, ggf. Benachrichtigung des Notarztes

Schmerzausstrahlung in den (Ober-)Bauch
extraabdominale Ursachen:
  • v. a. Herzinfarkt (10.6.2)

  • weniger akut Pneumonie (12.5.6), Pleuritis (12.11.1), Perikarditis (10.9.3)

  • diabetische Ketoazidose (15.6.5)

  • Herzinfarkt: Schmerzen nie unterhalb des Nabels

  • Pneumonie, Pleuritis, Perikarditis: Fieber, ggf. Infekt in der Anamnese, evtl. atemabhängige Schmerzen

  • diabetische Ketoazidose: Diabetes mellitus bekannt, Stick-Test zeigt Ketoazidose, BZ erhöht, Glukosurie

abhängig von der Ursache
Diffuser Bauchschmerz bzw. Schmerzen, die an verschiedenen Stellen vorkommen können
infektiöse Gastroenteritis (25.14.2)
  • krampfartige Schmerzen, oft periumbilikal (um den Nabel)

  • Übelkeit, Erbrechen

  • Diarrhö, Zeichen der Exsikkose (16.2.6)

  • weiches Abdomen, hyperperistaltische Darmgeräusche

von mehreren Faktoren abhängig (z. B. Stärke und Dauer der Beschwerden, Patientenalter) – ggf. Meldepflicht beachten!
Ileus (Darmverschluss 13.4.9)
  • meist Wind- und Stuhlverhalt zusätzlich bei

  • mechanischem Ileus: evtl. Bauch-OP in Anamnese, krampfartige Schmerzen, „metallische“ Darmgeräusche

  • paralytischem Ileus: Druckgefühl, keine Darmgeräusche („Totenstille“)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

generalisierte Peritonitis (13.4.10)
  • abdominale Erkrankung wie z. B. Ulcus duodeni bekannt

  • zunächst bretthartes Abdomen

  • später Zeichen des paralytischen Ileus (13.4.9)

  • Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen

  • Schockzeichen (11.5.3)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

Aneurysmaruptur(11.6.5)
  • starke Schmerzen mit Ausstrahlung in Rücken oder Schulter

  • Schocksymptome (11.5.3)

  • Blutdruckdifferenz zwischen oberer und unterer Extremität

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

Mesenterialinfarkt(11.6.3)
  • heftiger, schlagartig einsetzender Schmerz, danach schmerzfreie Zeit (< 12 Std.) und dann wieder diffuse abdominale Beschwerden

  • schlechter Allgemeinzustand, evtl. Schockzeichen (11.5.3): oft auffallende Diskrepanz zwischen minimaler Abwehrspannung und schlechtem Allgemeinzustand

  • Erbrechen, evtl. blutiger Stuhl

  • Herzrhythmusstörungen (absolute Arrhythmie 10.8.2)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Sterblichkeit ca. 70 %

  • allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

Schmerzen im rechten Unterbauch
Appendizitis(13.8.4)
  • zunächst Schmerzen in der Nabelgegend oder im Epigastrium

  • nach einigen Stunden Schmerzverlagerung in den rechten Unterbauch

  • Übelkeit und Erbrechen

  • mäßiges Fieber, rektal-axilläre Temperaturdifferenz > 0,8 °C

  • lokaler Druck-, Klopf- und Loslassschmerz im rechten Unterbauch am McBurney- und Lanz-Punkt (13.3.2)

  • gekreuzter Loslassschmerz (Blumberg-Zeichen 13.8.4)

  • lokale Abwehrspannung

  • Druckschmerz bei rektaler Untersuchung

sofortige Überweisung ins Krankenhaus zur operativen Therapie, bei Schockzeichen mit Notarztbegleitung
Invagination(28.6.3)
  • meist Kinder < 2 Jahre

  • Schreiattacken

  • stärkste krampfartige Schmerzen (Lokalisation eigentlich nicht möglich)

  • weiches Abdomen meist mit Invaginationsresistenz im rechten Unterbauch

  • Erbrechen

  • grau-blasses Aussehen

  • je nach Zustand sofort Notarzt benachrichtigen oder Überweisung in Kinderklinik

  • ggf. allgemeine Schockmaßnahmen (30.7)

Schmerzen in der Mitte des Unterbauchs
Harnverhalt, akuter
  • meist ältere Männer, anamnestisch oft Prostatahyperplasie/-syndrom (17.7.2) bekannt

  • unruhiger Patient

  • Unfähigkeit, trotz vorhandenem Harndrang Wasser zu lassen

  • gespannter Unter- und Mittelbauch, Schmerzen

  • bei der Palpation große Raumforderung im mittleren Unterbauch

sofortige Überweisung zum Arzt zur Katheterisierung
Schmerzen im linken Unterbauch
Divertikulitis, akute (13.8.5)
  • meist ältere Menschen

  • in der Anamnese Stuhlunregelmäßigkeiten

  • krampfartige Schmerzen

  • Symptome wie akute Appendizitis, nur linksseitig lokalisiert

  • evtl. Schleim- und Blutbeimengungen im Stuhl

  • Fieber

Krankenhauseinweisung zur parenteralen Therapie
Extraabdominale bzw. im kleinen Becken gelegene Ursachen; Symptome und Erstmaßnahmen sind von der Ursache abhängig:
  • Adnexitis (Eierstock- und Eileiterentzündung 17.11.1)

  • stielgedrehte Ovarialzyste (17.11.2)

  • Extrauteringravidität (27.2.5)

  • inkarzerierte Hernie (13.10.1)

  • Hodentorsion (17.8.3)

  • Epididymitis (Nebenhodenentzündung 17.8.2)

Übersicht über die verschiedenen mechanischen Wunden und ihre Bezeichnung. Die genannten Wundarten können auch kombiniert auftreten, etwa als Riss-Quetsch-Wunde.

Tab. 30.15
Bezeichnung Zeichnung Kurzcharakterisierung
Platzwunden durch starken Druck oder Schlag bedingte oberflächliche Wunden mit ausgerissenen Wundrändern (Aufplatzen der Haut) und Prellung benachbarter Gewebe
Schnittwunden durch scharfe Instrumente entstandene, unterschiedlich tiefe Wunden mit glatten Rändern ①
Quetschwunden Wundentstehung ähnlich wie bei der Platzwunde, jedoch oft Zerstörung tieferer Gewebeschichten mit Bildung tiefer Wundtaschen. Hautoberfläche evtl. intakt ②
Risswunden durch scharfe/spitze Instrumente (z. B. Nägel) bedingte Wunden mit unregelmäßigen, zerfetzten Wundrändern (Haut ist zerrissen und nicht zerschnitten) ③
Stichwunden durch spitze Instrumente verursachte Wunden mit oft nur kleiner äußerer Wunde, aber tiefem Stichkanal ①
Ablederungswunden (Décollement) durch tangential einwirkende Kräfte (Scherkräfte) hervorgerufene, meist großflächige Wunden mit Ablösung oberflächlicher von tiefen Hautschichten bzw. der Haut von tiefer liegenden Weichteilen ②
Schürfwunden oberflächliche Wunden mit Zerstörung nur der oberen Hautschichten bis zur Lederhaut. Durch Eröffnung der Blutgefäße in der Lederhaut punktförmige Blutungen ③
Kratzwunden in der Regel durch Tierkrallen verursachte oberflächliche Risswunden ④
Schusswunden durch Schuss entstandene Wunden mit oft erheblicher Gewebezerstörung ①
Pfählungsverletzungen durch Einstoßen pfahlartiger Gegenstände verursachte Wunden. Oft sehr tief und mit erheblicher Gewebezerstörung einhergehend ②
Bisswunden durch Tier- oder Menschenbiss bedingte Wunden mit unterschiedlicher Gewebequetschung in Abhängigkeit von der Größe des Tiers ③

Erstversorgung von blutenden Wunden und Gefäßverletzungen.

Tab. 30.16
Blutung bzw. Verletzung Erstmaßnahmen
geringe Blutung
  • sterile Wundabdeckung

  • mit elastischer Binde komprimieren

schwere Blutung Druckverband (Abb. 30.22) anlegen:
  • zunächst normaler Wundverband

  • Druckpolster (z. B. Verbandpäckchen, gefaltetes kleines Tuch oder Kompresse) über der Blutungsquelle auf den Wundverband legen

  • Druckpolster mit Binde kräftig anwickeln (von distal nach proximal)

schwere Blutung, die trotz Druckverband nicht steht
  • Druckverband belassen

  • zusätzliche Lage mit Druckpolster und Binde darüberwickeln

schwere Extremitätenblutung
  • Blutdruckmanschette proximal der Verletzung anlegen und über systolischen Blutdruck aufpumpen

  • Druckverband anlegen

  • Manschette wieder entleeren

  • alternativ auch Kompression der zuführenden Arterie möglich (z. B. A. femoralis unterhalb des Leistenbandes, A. brachialis medial des Oberarmknochens)

lebensbedrohliche arterielle Blutung (z. B. Amputationsverletzung 30.12.10) Wenn andere Möglichkeiten erfolglos waren: Abbinden mit Blutdruckmanschette (Abb. 11.47) oder Krawatte (Beginn der Abbindung unbedingt dokumentieren)

Zeichen der Fraktur und Luxation.LuxationenFrakturen

Tab. 30.17
Unsichere Zeichen Sichere Zeichen
Fraktur (9.5.7)
  • Schmerz

  • Schwellung

  • Bluterguss

  • Störungen der Beweglichkeit

  • Fehlstellung durch eine Frakturverschiebung

  • abnorme Beweglichkeit

  • fühl- oder hörbare Krepitation bei Bewegung

  • sichtbare Fraktur (z. B. bei durchgespießtem Knochenfragment)

Luxation (9.6.4)
  • Schmerz

  • Schwellung

  • Bluterguss

  • beeinträchtigte Funktion des Gelenks

  • Fehlstellung

  • federnde Fixation im Gelenk

  • abnorme Lage des Gelenkkopfs

  • leere Gelenkpfanne

Schweregrade einer Vergiftung.

Tab. 30.18
Schweregrad Symptomatik
I Patient schläfrig, aber ansprechbar.
II Patient ist nicht ansprechbar, reagiert aber auf leichtere Schmerzreize.
III Patient reagiert gering auf starke Schmerzreize.
IV Patient reaktionslos auch auf max. Schmerzreize, alle Reflexe fehlen.

Wichtige Drogenintoxikationen und Entzugssyndrome.

Tab. 30.19
Art der Intoxikation Symptome Maßnahme
Opiatintoxikation (z. B. Morphium, Heroin, Methadon)
  • Miosis, im Spätstadium auch Mydriasis

  • Lungenödem

  • Koma, Atemdepression (Herabsetzung der Ansprechbarkeit des Atemzentrums auf Atemantriebe)

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Atemwege freimachen, möglichst O2-Gabe

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper bei Lungenödem, bei Bewusstlosen stabile Seitenlage

  • ggf. AHA-Maßnahmen

Opiatentzugssyndrom
  • Frieren und Gänsehaut trotz Schwitzen

  • laufende Nase, Tränenfluss

  • Mydriasis

  • Schlaflosigkeit, quälende Unruhe

  • Tachypnoe, Tachykardie, Blutdruckanstieg, Kreislaufinsuffizienz

  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

  • Krämpfe, Delirium

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Patienten beruhigen

  • ggf. Volumensubstitution

  • ggf. AHA-Maßnahmen

Halluzinogenintoxikation (z. B. LSD, Mescalin, Psylocybin)
  • Mydriasis, Tachykardie (evtl. später Bradykardie), Hyperreflexie

  • akute Angstpsychose, Halluzinationen

  • psychomotorische Unruhe, gesteigerte Reflexe

  • Temperatursteigerung (Hyperthermie)

  • selten auch Ataxie (23.4.12), spastische Lähmungen

  • Blutdruckabfall, Atemdepression

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Patienten beruhigen

  • ggf. AHA-Maßnahmen

Kokainintoxikation
  • Erregungszustand

  • Wahnideen, Halluzinationen

  • Blutdrucksteigerung, Tachykardie, Arrhythmie

  • Tremor

  • Schwindel

  • Mydriasis, Hyperreflexie

  • Temperatursteigerung

  • Krampfanfälle, Ataxie

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Patienten beruhigen

  • ggf. AHA-Maßnahmen

Amphetaminintoxikation (z. B. Amphetamin, Methamphetamin, Methylphenidat und entsprechende Abkömmlinge, z. B. Designerdrogen wie Ecstasy)
  • Akute Psychose (26.12.2), Halluzinationen, motorische Unruhe

  • Schweißausbruch, Temperatursteigerung

  • Blutdrucksteigerung, Tachykardie, Arrhythmie, Tachypnoe (12.4.6)

  • Mydriasis

  • bluthochdruckbedingte Hirnschädigung (hypertensive Enzephalopathie), Hirnblutung

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Lagerung mit erhöhtem Oberkörper

  • Patienten beruhigen

  • ggf. AHA-Maßnahmen

Weitere Vergiftungen.KohlenmonoxidvergiftungKohlendioxidvergiftungKnollenblätterpilzvergiftung

Tab. 30.20
Substanz Symptome Erstmaßnahmen (30.13.1)
Kohlenmonoxid (CO) je nach Schweregrad:
  • Kopfschmerzen, leichte Sehstörungen, Atemnot, Schwindel

  • hellrote Haut, Koordinationsstörungen, Atemstörungen

  • Bewusstlosigkeit, Krämpfe, Atemlähmung, Herzversagen, Hirnödem

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Eigensicherung beachten (Atemschutz)

  • Feuerwehr einschalten

Kohlendioxid (CO2) je nach Schweregrad:
  • Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindel

  • Bewusstlosigkeit, Krämpfe, Schock

  • schlaganfallähnlicher Verlauf

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • Eigensicherung beachten (Atemschutz)

  • Feuerwehr einschalten

Reinigungsmittel(z. B. Spül-/Waschmittel)
  • lokale Reizerscheinungen an Schleimhäuten

  • oral kaum toxisch, da nur geringe Resorption

  • Schaumbildung mit Aspirationsgefahr

  • bei Aspiration: Lungenentzündung und bei Kindern Kehlkopfkrampf

  • Entschäumer wie Dimeticon (z. B. sab simplex®) geben

  • auf keinen Fall Erbrechen induzieren, da hohe Aspirationsgefahr

  • sofortigen Arztbesuch veranlassen, ggf. Notarzt rufen

Insektizide(z. B. Parathion, Dimethoat) je nach Schweregrad:
  • Miosis, Sehstörungen

  • Speichel-, Tränenfluss, Schwitzen

  • Bradykardie

  • Magen-Darm-Krämpfe

  • Muskellähmungen, Ataxie

  • Krampfanfälle

  • Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchien), Lungenödem

  • Atemlähmung, Bewusstlosigkeit

  • sofort Notarzt benachrichtigen

  • falls Patient bei Bewusstsein, Erbrechen auslösen

  • bei Vergiftung über die Haut giftgetränkte Kleider entfernen, mit Wasser und Seife Haut reinigen (Handschuhe zum Selbstschutz!)

  • bei Atemstillstand keine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung (Vergiftungsgefahr des Helfers!), nur Maskenbeatmung, falls vorhanden, O2-Gabe

Reizgase
  • zunächst lokale Reizerscheinungen an Auge, Nase, Rachen

  • nach symptomfreiem Intervall Lungenödem möglich

  • sofort Notarzt benachrichtigen, da sich auch bei zunächst gutem Zustand nach Stunden ein Lungenödem bilden kann

  • Haut und Schleimhäute spülen

Knollenblätterpilz Pilzverzehr in der Anamnese; Vorkommen Juni bis OktoberVergiftungen zeigen einen typischen dreiphasigen Verlauf:
  • Nach einem 8- bis 12-stündigen (4 bis 48 Std.) symptomfreien Intervall nach Pilzverzehr kommt es plötzlich zu massiven gastrointestinalen Beschwerden mit Übelkeit/Erbrechen, kolikartigen Bauchschmerzen, wässrigen Durchfällen. Mögliche Folge sind Exsikkose und Volumenmangelschock.

  • Nach ausreichender Therapie folgt nun ein weiteres ca. 12- bis 24-stündiges symptomfreies Intervall, in der Patient und Behandler sich in falscher Sicherheit wiegen.

  • Etwa 2–4 Tage nach Pilzverzehr beginnt die hepatorenale Phase mit Anstieg der lebertypischen Enzyme (GOT, GPT), Hyperbilirubinämie mit Ikterus, Abfall von Gerinnungsfaktoren, Blutungen, hepatischer Enzephalopathie, Coma hepaticum, Anstieg harnpflichtiger Substanzen, Nierenversagen.

  • bei Verdacht auf Knollenblätterpilzvergiftung – je nach Zustand – Notarzt- oder Rettungswagen anfordern.

  • primäre Giftentfernung: Magenentleerung durch Erbrechen (mehrfach Carbo medicinalis; Erwachsene mindestens 30–40 g) und forcierte Diarrhö (Glaubersalz, Sorbitlösung) über mindestens 24 Std.

  • bei Exsikkose Flüssigkeits- und Elektrolytersatz.

  • die Klinikeinweisung muss in jedem Fall erfolgen; die Vergiftung erfordert meist intensivmedizinische Behandlung!

Stadien der Unterkühlung.

Tab. 30.21
Stadium Körpertemperatur Symptome
I 37–34 °C Patient bewusstseinsklar, Muskelzittern, Schmerzen, RR und Puls erhöht, Haut blass und kalt
II 34–30 °C Schläfrigkeit, Reflexe abgeschwächt, keine Schmerzen, RR und Puls erniedrigt, nach einem Tag Hautödem und -blasen
III 30–27 °C Koma (Scheintod), Puls nicht tastbar, minimale Atmung, keine Reflexe, evtl. Herz-Kreislauf-Stillstand, Pupillenerweiterung, bei erfolgreicher Erwärmung/Reanimation nach einer Woche Hautnekrosen

Notfälle in der Schwangerschaft.

Tab. 30.22
Auftreten im Schwangerschaftsverlauf Typische Symptome Notfall Querverweis
1. Trimenon zunehmende, einseitige, wehenartige Unterbauchschmerzen (seltener auch plötzlich einsetzende, stärkste Unterbauchschmerzen), vaginale Blutung, evtl. Schocksymptome Extrauteringravidität 27.2.5
1.–2. Trimenon leichte vaginale Blutung ohne Schmerzen (drohender Abort) bis hin zu mittelstarker bis starker Blutung mit Abgang von Koageln und ziehenden, wehenartigen Unterbauchschmerzen (irreversibles Abortgeschehen), evtl. Fieber (fieberhafter/septischer Abort) Abort 27.2.6
2.–3. Trimenon regelmäßige Wehentätigkeit vor der 37. SSW, Blasensprung mit Fruchtwasserabgang, Zeichnen (Abgang blutig tingierten Schleims) drohende Frühgeburt 27.3.2
bei Rückenlage der Schwangeren Blutdruckabfall, Tachykardie, Blässe, Kaltschweißigkeit, Schwindel, Übelkeit bis hin zum Schock und zur Bewusstlosigkeit Vena-cava-Kompressionssyndrom 27.2.3
3. Trimenon generalisierte Ödeme, Bluthochdruck, Eiweißausscheidung im Urin, Kopfschmerzen, Sehstörungen, Ohrensausen, Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Unruhe Präeklampsie 27.2.3
tonisch-klonische Krämpfe, Zyanose, Zungenbiss, Bewusstlosigkeit Eklampsie 27.2.3
Schmerzen im rechten Oberbauch oder Epigastrium, Übelkeit und/oder Erbrechen, evtl. in Verbindung mit starken Kopfschmerzen und Sehstörungen (als Zeichen der Präeklampsie) HELLP-Syndrom 27.2.3
schwallartiger Abgang von Fruchtwasser vor Beginn der Eröffnungswehen vorzeitiger Blasensprung 27.3.1
schmerzlose, anhaltende oder wiederkehrende vaginale Blutung vor Einsetzen von Wehentätigkeit und Blasensprung Placenta praevia 27.2.8
heftiger, plötzlich auftretender Unterbauchschmerz, meist auch vaginale Blutung, brettharter Uterus (Dauerkontraktion), Angst, Schwindel, Atemnot, Ohnmacht, evtl. Schocksymptome vorzeitige Plazentalösung 27.2.8

Symptome und Erstmaßnahmen bei psychiatrischen Notfällen.Verwirrtheit:ErstmaßnahmenPrädelir:ErstmaßnahmenErregungszustand:ErstmaßnahmenDelir:Erstmaßnahmen

Tab. 30.23
Syndrome Symptome Erstmaßnahmen
akute Suizidalität(26.14)
  • Patient hat Suizidversuch unternommen

  • Äußerung aktueller Suizidgedanken

  • Patient in schwer depressivem oder wahnhaftem Zustand oder mit akuter Intoxikation (z. B. Drogenintoxikation 30.13.4) mit Gefühlen der Hoffnungs- und Ausweglosigkeit

bei Suizidversuch:
  • Patient ggf. aus Gefahrenzone bergen

  • Notarzt benachrichtigen

  • situationsangepasste Notfalltherapie (abhängig von der Art des Suizidversuchs), evtl. Schocktherapie (30.7) oder evtl. kardiopulmonale Reanimation (30.4)

  • Versorgung von Verletzungen

  • bei Intoxikation Suche nach Hinweisen auf verwendete Substanz.

  • ansonsten:

  • beruhigendes Gespräch

  • situationsangepasst: Überweisung zum Psychiater bzw. Überweisung in eine psychiatrische Klinik zur Überwachung oder Unterbringung (2.6.1)

Erregungszustände
  • psychomotorische und innere Unruhe: Patient läuft umher, bleibt nicht sitzen, spricht oder weint ständig

  • Steigerung bis zum Bewegungssturm mit Schreien, Schlagen, Toben, plötzlichen fremd- oder selbstgefährdenden Impulshandlungen

  • häufige Ursachen sind Angstzustände

  • je nach Schweregrad: Alarmieren des Notarztes oder Überweisung zum Psychiater oder in eine psychiatrische Klinik

  • Versuch der Erregungsdämpfung durch sicheres Auftreten und beruhigenden Zuspruch

  • wenn möglich, Klärung der Erregungsursache (keine Interpretationsversuche)

  • unbedingt im Gespräch mit dem Patienten bleiben

  • keine dämpfenden Medikamente geben

Verwirrtheitszustände
  • zeitliche, örtliche und situative Desorientiertheit

  • Umtriebigkeit

  • Verkennung der Umgebung

  • unzusammenhängende Sprache

  • geordnetes Gespräch nicht möglich

je nach vermuteter Ursache (z. B. senile Demenz, Intoxikation, Trauma):
  • alarmieren des Notarztes

  • i. v.-Zugang legen

  • Therapie der Grunderkrankung

Bewusstseinsstörungen(30.6) Wachheit eingeschränkt von Bewusstseinstrübung bis Koma
  • Notarzt benachrichtigen

  • i. v.-Zugang legen

  • Notfalltherapie (AHA-Maßnahmen)

delirante Syndrome (Prädelir und Delir) (26.12.2)
  • vegetativ: Schwitzen, Puls und Atmung beschleunigt, Fieber, Erbrechen, Diarrhö

  • neurologisch: Zittern, Koordinations-, Sprechstörungen

  • psychopathologisch: Bewusstseinstrübung, Wahrnehmungsstörung, Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Denkstörungen, Unruhe, Erregung, abrupter Wechsel zwischen Übererregung und scheinbarer Ruhe, Desorientiertheit, optische Halluzinationen, Angst, Wechsel zwischen Euphorie und Depression

  • Notarzt benachrichtigen

  • situationsangepasste Notfalltherapie (AHA-Maßnahmen)

Notfälle

  • 30.1

    Was ist ein Notfall?1329

  • 30.2

    . Rettung1330

    • 30.2.1

      Die Rettungskette1330

    • 30.2.2

      Grundregeln von Retten und Bergen1331

    • 30.2.3

      Rautek-Griff1332

    • 30.2.4

      Abnehmen des Helms bei Zweiradfahrern1332

  • 30.3

    Basismaßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen1332

    • 30.3.1

      Prüfung des Bewusstseins1333

    • 30.3.2

      Prüfung der Atmung1333

    • 30.3.3

      Prüfung des Kreislaufs1333

    • 30.3.4

      Maßnahmen bei nicht erforderlicher Reanimation1334

  • 30.4

    Wiederbelebung: kardiopulmonale Reanimation1334

    • 30.4.1

      A = Atemwege freimachen1334

    • 30.4.2

      H = Herzdruckmassage1335

    • 30.4.3

      A = Atemspende1337

    • 30.4.4

      D = Defibrillation1338

    • 30.4.5

      D = Drugs = Medikamente für die kardiopulmonale Reanimation1338

  • 30.5

    Lagerungen1339

    • 30.5.1

      Übersicht1339

    • 30.5.2

      Stabile Seitenlagerung1340

  • 30.6

    Bewusstseinsstörungen1341

  • 30.7

    Schock1343

  • 30.8

    Akute neurologische Symptome1345

  • 30.9

    Akute Brustschmerzen1347

  • 30.10

    Akute Atemnot1348

  • 30.11

    Akute Bauchschmerzen (akutes Abdomen)1350

  • 30.12

    Unfälle und Verletzungen1353

    • 30.12.1

      Suche nach Verletzungen1353

    • 30.12.2

      Blutstillung und Wundverband1353

    • 30.12.3

      Augenverletzungen1355

    • 30.12.4

      Kanülenstichverletzung1355

    • 30.12.5

      Verletzung durch Tiere1355

    • 30.12.6

      Unfälle mit elektrischem Strom1356

    • 30.12.7

      Schädelbasisfraktur1357

    • 30.12.8

      Stumpfes Bauchtrauma1357

    • 30.12.9

      Polytrauma1357

    • 30.12.10

      Erstversorgung bei Amputationsverletzungen1358

    • 30.12.11

      Versorgung von Frakturen und Luxationen1358

  • 30.13

    Vergiftungen und Rauschzustände1359

    • 30.13.1

      Überblick1359

    • 30.13.2

      Alkoholvergiftung1359

    • 30.13.3

      Benzodiazepinvergiftung1360

    • 30.13.4

      Drogenintoxikation und Entzugssyndrome1360

    • 30.13.5

      Weitere Vergiftungen1361

  • 30.14

    Verätzungen1362

  • 30.15

    Hitze- und kältebedingte Notfälle1362

    • 30.15.1

      Sonnenstich1362

    • 30.15.2

      Hitzschlag1362

    • 30.15.3

      Verbrennungen1363

    • 30.15.4

      Erfrierung und Unterkühlung1364

  • 30.16

    Beinaheertrinken1366

  • 30.17

    Geburtshilfe im Notfall1366

  • 30.18

    Psychiatrische Notfälle1367

Was ist ein Notfall?

Notfall: Es werden zwei Arten unterschieden

  • akut lebensbedrohlicher Notfall, bei dem die lebenswichtigen Funktionen (Vitalfunktionen: Bewusstsein, Puls, Atmung) des Patienten gestört sind oder eine solche Störung unmittelbar droht

  • potenziell bedrohlicher Notfall mit der Gefahr von bleibenden Schäden oder Tod des Patienten – dies ist die in der Praxis deutlich häufigere Situation

In jeder Notfallsituation muss der Patient möglichst rasch in ärztliche Behandlung.

Einem Notfall können nicht nur Verletzungen, Notfälle\bsondern auch eine plötzliche Krankheit (z. B. Notfälle:Einteilung\bHerzinfarkt), eine Verschlechterung bestehender Erkrankungen (z. B. Dekompensation einer Herzinsuffizienz) oder eine Vergiftung (Intoxikation) zugrunde liegen. Häufige Symptome von Notfällen sind:
  • Störungen des Bewusstseins, z. B. durch Ausfall der Atmung oder des Kreislaufs, Gewalteinwirkung auf den Kopf (Schädel-Hirn-Trauma), Schlaganfall, hirnbedingte Krampfanfälle oder Vergiftungen

  • Störungen der Herzaktion, z. B. durch Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Blutungen in die Herzhöhle oder schwerwiegende Herzrhythmusstörungen

  • Störungen des Kreislaufs, z. B. durch Blutverlust bei inneren Blutungen, aber auch als Folge eines Pumpversagens des Herzens oder Flüssigkeitsmangel

  • Störungen der Atmung, z. B. durch Verlegung der Atemwege (Zurückfallen der Zunge beim Bewusstlosen, Aspiration von Gegenständen, Schwellung durch Insektenstich), bei Brustkorbverletzun

  • gen oder als Folge von Herz-Kreislauf-Störungen.

  • akute Schmerzen, hohes Fieber, Stoffwechselentgleisungen oder Störungen von z. B. Sinnesorganen

Im Notfall (Abb. 30.1) wird auch ein Erwachsener hilflos. Psychische Stressreaktionen wie Angst und Panik können z. B. einen Schock verschlimmern und durch gesteigerten Sauerstoffverbrauch zum Versagen der Vitalfunktionen beitragen. Versuchen Sie deshalb, dem Patienten v. a. das Gefühl der Angst und des Alleinseins zu nehmen. Beruhigung und Beistand sind auch dann unabdingbar, wenn der Betroffene keinerlei Reaktionen zeigt. Sein psychisches Erleben kann noch erhalten sein, auch wenn sein Reaktionsvermögen stark vermindert ist! Bei einem Bewusstlosen verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über die lebenswichtigen Körperfunktionen. Diese Prüfung der Vitalfunktionen geschieht in der angegebenen Reihenfolge durch:
  • Prüfung des Bewusstseins

  • Prüfung der Atmung

  • Prüfung des Pulses und Vitalfunktionendamit der Kreislaufsituation

Die Prüfung der Vitalzeichen bildet die Entscheidungsbasis für die folgenden Maßnahmen. Je nach Situation des Notfalls sind vor der Ersten Hilfe noch andere Sofortmaßnahmen erforderlich, wie z. B. Absichern der Gefahrenstelle beim Verkehrsunfall oder Abschalten der Stromzufuhr bei Stromunfall.

Merke

Zu den Sofortmaßnahmen gehören:

  • Sichern

  • Retten

  • Vitalzeichen-Kontrolle zur Einschätzung der Situation

  • Lagern

  • lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen, also Beatmung und Herzdruckmassage

  • Blutstillung, Wundverband

  • Schockerstbehandlung

In einer Notfallsituation hat jeder Mensch die moralische und rechtliche Pflicht zu helfen. Im § 323c StGB sind die rechtlichen Grundlagen zur Hilfeleistung verankert. Danach wird jeder bestraft, der im Unglücksfall keine Hilfe leistet, obwohl Hilfe erforderlich und dem Helfenden zumutbar ist. Zumutbar sind Hilfeleistungen, soweit sie keine erhebliche Gefahr für die eigene Person darstellen und ohne Verletzung eigener wichtiger Pflichten möglich sind.

Tipp

  • Mit Notfallsituationen frühzeitig auseinandersetzen, diese regelmäßig in entsprechenden Kursen üben.

  • Immer Ruhe bewahren.

  • Überblick über Gesamtsituation verschaffen, dann Entscheidungen treffen.

  • Befunden und Maßnahmen (auch „negativer“ Ergebnisse wie z. B. Rippenbruch bei einer Herzdruckmassage) sorgfältig dokumentieren.

Rettung

Die Rettungskette

RettungsketteDer Ablauf der Hilfeleistungen bei einem Notfall außerhalb der Praxis kann wie eine Kette gesehen werden, die aus fünf Gliedern besteht.
Notfälle:Rettung\bDer Ersthelfer, also derjenige, der als erster an der Unfallstelle erscheint und oftmals Laie ist, ist im Bereich der ersten drei Kettenglieder tätig und leistet so einen entscheidenden Beitrag zur Rettung des Verunglückten (Abb. 30.2).
Das erste Glied: Sofortmaßnahmen
Das erste Glied der Kette besteht in den Maßnahmen, die sofort am Notfallort zu ergreifen sind. Hierzu zählen
  • Absichern der Unfallstelle

  • Retten des Verunglückten aus Erstmaßnahmender Gefahrenzone

Ebenfalls im Rahmen der Sofortmaßnahmen prüft und sichert der Ersthelfer die Vitalfunktionen und leitet ggf. die Wiederbelebung ein. Jeder kann sich vorstellen, dass es für den Ersthelfer am Notfallort nicht einfach ist, einen Überblick darüber zu gewinnen, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge ergriffen werden müssen.
Auch ist die Reihenfolge des Vorgehens von der vorgefundenen Situation abhängig. So steht beim Verkehrsunfall meist das Absichern der Unfallstelle, beim Hausbrand die Rettung aus der Gefahrenzone im Vordergrund.
Möglichst rasch nach diesen Maßnahmen wird sich der Ersthelfer jedoch um professionelle Unterstützung bemühen (Notruf) und sich der verunglückten Person zuwenden (Erste Hilfe).
Das zweite Glied: Notruf
Der Ersthelfer hat die Aufgabe, möglichst schnell für einen Notruf zu sorgen. Da er nach Möglichkeit an der Unfallstelle bleiben und Erste Hilfe leisten sollte, schickt er, sofern die Gegebenheiten es erlauben, einen weiteren Helfer, um den Notfall zu melden.
Der Notruf kann über Telefon, über die Funknetze von Linienbussen oder Taxen, über die Notruftelefone an Fernstraßen sowie an Polizei- und Feuerwehrrufsäulen getätigt werden. Hinweise auf Meldeeinrichtungen sind an den Leitpfosten der Autobahnen sowie auf speziellen Hinweisschildern angebracht. Europaweit gilt als einheitliche Notrufnummer die 112.
Jeder Notruf muss die folgenden fünf Punkte umfassen (5 × W):
  • Wo geschah es? Durch eine genaue Angabe des Unfallorts mit Straße und Hausnummer kann sich der Rettungsdienst unnötiges Suchen ersparen.

  • Was geschah? Kurze Beschreibung der Unfallsituation.

  • Wie viele Verletzte?

  • Welche Art von Verletzungen?

  • Warten auf Rückfragen: Die Leitstelle wird evtl. zur Einschätzung der Situation Rückfragen stellen.

Die Rettungsleitstelle entscheidet über das geeignete Rettungsmittel:
  • Rettungswagen (RW): mit Behandlungsraum zur Versorgung von NotfallpatientenRettungsleitstelle, besetzt mit Rettungsassistenten

  • Notarztwagen (NAW): mit Notarzt Rettungswagenbesetzter Rettungswagen

  • Notarzteinsatzfahrzeug: meist Kombi-Pkw mit umfangreicher notfallmedizinischerNotarztwagen Ausrüstung zur schnellen Beförderung eines Notarztes und NAWRettungsassistenten

  • Rettungshubschrauber

Achtung

Nach Prüfung der Vitalfunktionen sollte die Anforderung des Arztes bzw. Notarztes – bis auf seltene Ausnahmesituationen – immer die erste Maßnahme sein, bevor Sie mit der eigentlichen Versorgung des Notfallopfers beginnen.

Das dritte Glied: Erste Hilfe
Als drittes Glied der Rettungskette folgt die Erste Hilfe. Diese setzt ein, nachdem die erforderlichen Sofortmaßnahmen und der Notruf getätigt sind.
Die Erste Hilfe besteht in der regelmäßigen Erste HilfePrüfung der Vitalfunktionen, beim Bewusstlosen mit Herz-Kreislauf-Versagen in der kardiopulmonalen Reanimation (Herzdruckmassage und Atemspende), beim atmungs- und kreislaufstabilen Verunglückten v. a. in der bequemen sowie verletzungsgerechten Lagerung (beim Bewusstlosen stabile Seitenlagerung). Außerdem gehören folgende Maßnahmen zur Ersten Hilfe:
  • Schockbekämpfung

  • Suche nach Verletzungen

  • Blutstillung

  • Anlegen von Verbänden

  • Ruhigstellung von Knochenbrüchen

Viertes und fünftes Glied
Das vierte Glied umfasst die Arbeit des Rettungsdienstes und das fünfte die (intensivmedizinische) Versorgung im Krankenhaus.

Grundregeln von Retten und Bergen

Retten: Befreiung von Personen aus einer Lebensgefahr, der sie sich nicht selbst entziehen können. Im Unterschied dazu spricht man vom „Bergen“ beim Einbringen von Verstorbenen, also z. B. von getöteten Unfallopfern.

Abhängig von der Notfallsituation sind allgemeine BergungSicherheitsmaßnahmen erforderlich. Bei Verkehrsunfällen müssen Sie folgende Besonderheiten Rettenbeachten:
  • Rauchverbot

  • BergenAbsicherung der Unfallstelle

  • Ausschalten der Zündung, Autoschlüssel stecken lassen

  • evtl. die Feuerwehr alarmieren bei eingeklemmten Personen, brennendem Fahrzeug oder Brandgefahr

Bei Stromunfällen muss als erstes zum Schutz des Helfers der Stromkreis unterbrochen werden. Bei einem Niederspannungsunfall (< 1.000 Volt) schaltet der Ersthelfer die Sicherung aus, zieht den Netzstecker und achtet für sich selbst auf einen isolierten Standort (z. B. trockenes Brett, dicke Zeitungen). Bei Hochspannungsunfällen (> 1.000 Volt) darf nur der Fachmann eingreifen.
Besteht der Verdacht auf gasverseuchte Räume, dürfen keine Lichtschalter oder Klingeln betätigt werden (Gefahr der Funkenbildung), es müssen die Fenster geöffnet und die Feuerwehr alarmiert werden.

Rautek-Griff

Zur Rettung hat sich der Rautek-Griff bewährt (Abb. 30.3). Beim liegenden Verletzten tritt der Helfer an das Kopfende des Patienten, fasst mit beiden Händen flach unter den Nacken, hebt Rautek-Griffden Oberkörper des Patienten an und neigt ihn vornüber. Der Helfer stützt den Rücken mit seinem Knie, greift mit beiden Armen unter den Achselhöhlen durch, beugt einen Arm des Verletzten im Ellenbogengelenk und fasst den Unterarm von oben her mit beiden Händen. Dabei drückt er ihn gegen den Oberbauch des Verletzten. Zum Transport wird der Patient rückwärts gezogen, wobei man das Gewicht des Patienten auf die Oberschenkel des Helfers verlagert. Der sitzende Patient wird auf die gleiche Weise transportiert.

Abnehmen des Helms bei Zweiradfahrern

Merke

Der Helm muss in folgenden Fällen abgenommen werden:

  • Bewusstlosigkeit

  • Beeinträchtigung der Vitalfunktionen

  • Erbrechen (Aspirationsgefahr)

Zur Entfernung des Helms sind zwei Helfer notwendig (Abb. 30.4). Ein Helfer kniet hinter dem Kopf des Verunglückten, der zweite HelmabnahmeHelfer kniet neben dem Patienten:
  • Visier des Helms öffnen, evtl. Brille abnehmen, evtl. Kinnriemen des Helms durchschneiden.

  • Erster Helfer fixiert den Kopf des Betroffenen: Helmunterrand und Unterkiefer fassen und Längszug ausüben.

  • Zweiter Helfer öffnet den Helmverschluss und übernimmt die Fixierung des Kopfes: mit den Fingern Hinterkopf und Nacken stützen, Daumen auf den Unterkiefer auflegen und Längszug ausüben.

  • Erster Helfer entfernt vorsichtig den Helm: erst im Nackenbereich bewegen, dann mit Kippbewegung über die Nase ziehen.

  • Nach Helmabnahme: erster Helfer übernimmt vorsichtig den Kopf unter Längszug

  • Falls vorhanden, legt der zweite Helfer eine Halskrawatte an.

Tipp

Beim Abnehmen des Helms muss die ganze Zeit ein Längszug aufrechterhalten werden, damit evtl. vorliegende Verletzungen der HWS nicht zu irreversiblen Schäden oder gar zum Tode des Verletzten führen.

Basismaßnahmen zur Sicherung der Vitalfunktionen

Nach den Richtlinien des European Resucitaion Council (ERC) beginnt die Wiederbelebung bei Erwachsenen sofort, sobald eine Vitalfunktionen:Überprüfungineffektive, d. h. fehlende oder schnappende Atmung festgestellt Notfälle:Vitalfunktionen, Überprüfen derwird.
Wenn Sie einen Patienten in einem bedrohlichen Zustand vorfinden (z. B. in Ihrer Praxis oder auf der Straße) oder zu einem Unfallgeschehen dazu kommen, müssen Sie sich einen Überblick verschaffen über die lebenswichtigen Körperfunktionen des Patienten.
  • Kontrollieren Sie das Bewusstsein (30.3.1) durch laute Ansprache und Rütteln.

  • Reagiert der Patient nicht, rufen Sie um Hilfe.

  • Anschließend prüfen Sie die Atmung (30.3.2). Zunächst werden die Atemwege frei gemacht, indem der Nacken des Betroffenen leicht überstreckt wird. Die nachfolgende Atemprüfung – Schauen auf Brustkorbbewegungen, Hören auf Atemgeräusche, Fühlen von Luftbewegungen – sollte nicht länger als 10 Sek. dauern.

  • Atmet der Verletzte normal, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage.

  • Ist keine normale Atmung vorhanden, wird sofort der Rettungsdienst alarmiert. Sind Sie als Helfer alleine, müssen Sie möglicherweise den Patienten für kurze Zeit alleine lassen.

  • Bei bewusstlosen Erwachsenen ohne „normale“ Atmung, wegen des Verdachts auf Kammerflimmern, sofort den Rettungsdienst alarmieren („call first“), erst dann reanimieren (s. u.). Bei anderen Ursachen, wie z. B. Trauma, Vergiftung, Ertrinkungsunfall kann ggf. eine andere Reihenfolge (Durchführung eines Reanimationszyklus von 5 × 30:2, dann Notruf) sinnvoll sein, ebenso das Prüfen der Kreislaufsituation (30.3.3).

  • Beginnen Sie schnellstmöglich mit der Herzdruckmassage (30.4.2).

  • Nach 30 Thoraxkompressionen werden 2 Beatmungen gegeben. Wenn die Atemspenden zu keiner sichtbaren Hebung des Brustkorbs führen, muss der Mundraum untersucht und ggf. ausgeräumt (Gebiss, Erbrochenes) werden.

  • Die Wiederbelebung durch jeweils 30 Thoraxkompressionen und 2 Beatmungen wird mindestens bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes fortgesetzt.

Bei Kindern unterscheiden sich die Basismaßnahmen in folgenden Punkten:
  • Ist der Helfer alleine, führt er erst eine Minute lang Wiederbelebungsmaßnahmen durch und tätigt dann den Notruf.

  • Zuerst werden fünf Beatmungen gegeben, und danach wird geprüft, ob ein Kreislauf vorhanden ist. Erst dann wird mit der Thoraxkompression begonnen. Bei Kindern vom 2. Lebensjahr an bis zum Beginn der Pubertät werden die Basismaßnahmen wie bei den Erwachsenen durchgeführt: Im Verhältnis von 30:2 erfolgen die Thoraxkompressionen und die Atemspende. Sind allerdings zwei professionelle Helfer zur Stelle, wird eine Wiederbelebung im Rhythmus von 15 Thoraxkompressionen und 2 Beatmungen (15:2) durchgeführt.

  • Bei Neugeborenen wird nach wie vor im Verhältnis von 3 Thoraxkompressionen zu einer Beatmung (3:1) reanimiert.

Prüfung des Bewusstseins

Bewusstlosigkeit: schwere Bewusstseinsstörung, bei der der Mensch nicht ansprechbar ist, d. h., er hat die Fähigkeit der räumlichen und zeitlichen Orientierung verloren und reagiert weder auf Fragen zur Person (z. B. nach dem Namen) noch auf Reize (z. B. Schmerzreize).

Die Ursache der Bewusstlosigkeit ist in der Regel zunächst unklar. Einer Bewusstlosigkeit können zahlreiche Störungen innerhalb des Zentralnervensystems zugrunde liegen:Bewußtseinsprüfung
  • Durchblutungsstörungen oder Blutungen des Gehirns (etwa beim Schlaganfall 23.5.1)

  • Entzündungen des Gehirns oder der Hirnhäute (Enzephalitis oder Meningitis)

  • Schädel-Hirn-Verletzungen in Folge eines Sturzes

  • Hirntumoren und -metastasen

  • epileptische Krampfanfälle

Aber auch Störungen, die primär nicht im Gehirn liegen, können zu Bewusstlosigkeit führen, z. B.:
  • Vergiftungen (etwa mit Alkohol oder Schlaftabletten)

  • Stoffwechselentgleisungen, z. B. durch Funktionsstörungen der Leber, der Nieren, der Schilddrüse und beim Diabetes mellitus

  • Schock, z. B. bei zuvor nicht erkanntem „stummem“ Herzinfarkt (10.6.2)

Tipp

Reagiert ein angesprochener, ruhig daliegender Verletzter oder Erkrankter nicht, sollte er direkt, z. B. an den Schultern, angefasst werden. Erfolgt auch bei kräftigem Anfassen keine Reaktion, so ist er bewusstlos. Vorgehensweise:

  • Patienten laut ansprechen („Hallo, hören Sie mich?“).

  • Berührungsreize setzen (z. B. Rütteln an den Schultern).

  • Schmerzreize setzen (Kneifen in Oberarm- oder Oberschenkelinnenseite).

Prüfung der Atmung

Um die Atemfunktion zu prüfen, beugt der Ersthelfer seine Wange über Mund und Nase des Verletzten und blickt gleichzeitig zu dessen Brustkorb (Abb. 30.5). Die Atemwege des Verletzten müssen dabei für den Luftstrom Atmung:Prüfungfrei sein. Hierfür werden sichtbare Fremdkörper wie Zahnprothese oder Erbrochenes mit den Fingern oder einer Magill- oder Kornzange aus dem Mund entfernt oder Schleim ausgewischt, damit diese beim Überstrecken des Kopfes nicht in den Rachen rutschen können. Nun wird der Kopf nackenwärts überstreckt (30.7), da eine erschlaffte Muskulatur zum Zurückfallen der Zunge und dadurch verlegten Atemwegen führt.

Tipp

Atmet der Bewusstlose, so kann der Helfer dies sehen (Heben und Senken des Brustkorbs), hören (Atemgeräusche) und fühlen (Luftbewegung an seiner Wange). Die Atemprüfung soll nicht länger als 10 Sekunden dauern.

Atmet der Verletzte normal, wird er in die stabile Seitenlage gebracht. Bei nicht normaler, d. h. z. B. schnappender oder fehlender Atmung wird der Notruf getätigt und sofort mit der Thoraxkompression begonnen.

Prüfung des Kreislaufs

Bei fehlender oder ineffektiver Atmung leitet der Laienhelfer die kardiopulmonale Reanimation sofort ein, denn wer nicht atmet, hat auch bald keinen Puls mehr. Medizinisches Fachpersonal, also auch ein Heilpraktiker, kann ggf. vor Einleitung der kardiopulmonale Reanimation noch den Puls an der A. carotis tasten, jedoch nicht länger als 5 Sekunden.
Beim Nicht-Bewusstlosen kann der Puls am Handgelenk geprüft werden; ist ein Stethoskop zur Hand, wird der Herzschlag direkt über dem Herzen auskultiert. Prüfen Sie den Puls beim Bewusstlosen an der Halsschlagader (A. carotis communis Abb. 30.6), da beim Schock in Folge des eingeschränkten Kreislaufs die Körperperipherie nur wenig durchblutet ist und der Puls am Handgelenk womöglich „fehlt“. Sie tasten dabei mit den Zeige- bis Ringfingerkuppen seitlich am Kehlkopf entlang und rutschen dann mit den Fingern in die seitliche Halsgrube. Der Puls wird etwa 10 Sekunden lang getastet, bei kürzerer Prüfung könnte ein langsamer, schwacher oder unregelmäßiger Puls evtl. übersehen werden.

Achtung

Niemals beide Halsschlagadern gleichzeitig tasten. Die Zufuhr von Blut zum Gehirn wird dadurch evtl. eingeschränkt. Außerdem nicht zu stark drücken: Es kann ein bedrohlicher Kreislaufreflex ausgelöst werden, der im Extremfall zum Herzstillstand führen kann.

Maßnahmen bei nicht erforderlicher Reanimation

Ist der Atmung normal oder der Puls tastbar, muss zunächst nicht reanimiert werden, d. h. es müssen keine Thoraxkompressionen durchgeführt werden. Stattdessen sind folgende Maßnahmen zu ergreifen:
  • Verunglückte mit erhaltenem Bewusstsein je nach zugrunde liegender Erkrankung lagern.

  • Bewusstlose Verunglückte mit ausreichender Atmung in die stabile Seitenlage bringen.

  • Ist zwar ein Kreislauf vorhanden, die Atmung jedoch trotz anfänglicher Atemspende weiterhin ineffektiv, muss die Atemspende fortgeführt werden.

  • Regelmäßig Vitalzeichen kontrollieren: RR, Puls, Bewusstseinslage (mindestens alle fünf Minuten bis Hilfe kommt).

  • Dem Verunglückten gegenüber beruhigend und sicher auftreten.

  • Notarzt verständigen.

  • Patienten möglichst nicht alleine lassen.

Wiederbelebung: kardiopulmonale Reanimation

Kardiopulmonale Reanimation (cardiopulmonale reanimation, CPR, Herz-Lungen-Wiederbelebung): Maßnahmen zur Wiederbelebung, die immer dann beginnt, wenn die Prüfung der Vitalfunktionen eine vitale Bedrohung des Betroffenen ergibt (nicht vorhandene Atmung, nicht vorhandener Kreislauf).

Die Wiederbelebung erfolgt nach der ERC-Richtlinie (30.3). Hiernach erfolgt die Wiederbelebung nach dem AHA-Schema: Atemwege Reanimation:kardiopulmonale\bfreimachen, Herzdruckmassage und erst dann folgt die AtemspendeNotfälle:Reanimation.

A = Atemwege freimachen

Nur wenn die Atemwege des Patienten frei sind, kann die Luft aus dem Mund-Rachen-Raum in die Lunge gelangen. Verlegte Atemwege müssen als erstes freigemacht werden:
  • Der Helfer entfernt alle sichtbaren Fremdkörper, z. B. Erbrochenes, Atemwege:freimachenaus dem Mund (Ausräumung mit dem Finger, bei Verfügbarkeit auch mit Magill- oder Kornzange und Tupfer). Fest sitzende Zahnprothesen werden belassen, lockere herausgenommen.

  • Eine Handabsaugpumpe erleichtert das Entfernen von Blut, Schleim oder Erbrochenem sehr. Das kleine Gerät ist empfehlenswert für jede Notfalltasche.

  • Beim Bewusstlosen sackt die Zunge oft nach hinten und verlegt die Atemwege. Überstrecken des Kopfes nackenwärts und zusätzliches Anheben des Unterkiefers beseitigen das Hindernis (Abb. 30.7). Die maximale Überstreckung des Kopfes sollte am besten schon bei der Prüfung der Atmung (Abb. 30.5) durchgeführt werden.

  • Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um eine Spontanatmung in Gang zu setzen, so wird der Unterkiefer durch einen speziellen Griff weit nach vorn geschoben (Esmarch-Handgriff Abb. 30.8).

Achtung

Bei Verdacht auf eine Halswirbelsäulenverletzung besteht bei Drehung oder Überstreckung des Kopfes des Verletzten die Gefahr einer Querschnittslähmung! Eine sehr vorsichtige Durchführung des Esmarch-Handgriffs ist in einer Mittelposition des Kopfes aber möglich. Bei einem Atemstillstand ist zur Lebensrettung die vorsichtige Überstreckung des Kopfes trotzdem erforderlich, damit der Verletzte beatmet werden kann. Die Lebensrettung geht in diesem Fall vor.

Bei Erstickungsgefahr durch Fremdkörper kann der so genannte Heimlich-Handgriff hilfreich sein (Abb. 30.9), der nur bei vitaler Indikation und wenn keine sofortige Intubationsmöglichkeit besteht, angewendet werden sollte. Beim stehenden oder sitzenden Patienten umfasst der Helfer den Patienten von hinten Heimlich-Handgriffund legt seine zu Fäusten geballten Hände auf dessen Oberbauch. Durch mehrere Druckstöße in Richtung Zwerchfell kommt es zu einer Druckerhöhung in den Atemwegen, und der Fremdkörper kann evtl. so entfernt werden.
Beim liegenden bewusstlosen Patienten kniet der Helfer über dem Patienten und drückt mit seinen übereinander gelegten, auf dem Oberbauch liegenden Händen in Richtung Zwerchfell.
Bei beiden Methoden besteht die Gefahr von inneren Verletzungen, der Patient muss deshalb immer durch einen Arzt nachuntersucht und beobachtet werden.

Achtung

Die Effektivität des Heimlich-Handgriffs ist umstritten, und die Verletzungsgefahr ist groß. Er sollte nur in lebensbedrohlichen Situationen angewandt werden!

Wichtig: Dokumentation der Maßnahme für weiterbehandelnde Ärzte (Abdomenultraschall: Leber, Milz).

H = Herzdruckmassage

Sobald feststeht, dass der Verletzte bewusstlos ist und nicht ausreichend atmet, beginnen die Ersthelfer mit der Herzdruckmassage (kurz: Herzmassage bzw. Thoraxkompression). Da die Herzmassage immer gleichzeitig mit der Atemspende ablaufen muss, spricht man Herzdruckmassageauch von kardiopulmonaler Reanimation (Herz-Lungen-Wiederbelebung).

Achtung

Unerlässlich ist eine harte Unterlage (z. B. Fußboden, Brett im Bett), da sonst die Kompressionsbewegungen des Helfers „verpuffen“ und der Verletzte lediglich tiefer in die Unterlage hineingedrückt wird.

Auffinden des Druckpunkts
Zur Durchführung der Herzmassage muss der Brustkorb zügig frei gemacht werden. Der Druckpunkt befindet sich beim Erwachsenen in der Mitte des Sternums.
  • Mit der einen Hand vom Hals abwärts das obere Ende des Sternums aufsuchen, an dem seitlich die Schlüsselbeine zusammenlaufen. Diese Stelle ist als knöcherne Grube zu tasten.

  • Mit der anderen Hand an einem der unteren Rippenbögen entlang aufwärts Richtung Körpermitte bis zu der Stelle fahren, an der der andere Rippenbogen beginnt. Hier findet sich das untere Ende des Brustbeins.

  • Ballen einer Hand genau in die Mitte zwischen die getasteten Punkte legen, Handballen darüber legen und Finger verschränken.

  • Beide Ellenbogen durchstrecken.

Durchführung der Herzmassage
Für eine erfolgreiche Herzmassage bei einem Erwachsenen muss mindestens 80-mal pro Minute „gedrückt“ (Tab. 30.1, Tab. 30.2) werden. Der Helfer muss dabei das Brustbein etwa 4–5 cm tief eindrücken (was einige Kraft erfordert Abb. 30.10). Ebenso wesentlich ist es, dass er den Druck danach vollkommen lockert – allerdings ohne den Kontakt zum Körper zu verlieren! –, damit das Herz sich wieder mit Blut füllen kann.
Herzmassage und Atemspende müssen immer im rhythmischen Wechsel erfolgen. Die Helfer beginnen beim Erwachsenen grundsätzlich mit der Herzdruckmassage. Das empfohlene Verhältnis von Herzkompression (Abb. 30.10, Abb. 30.11) zu Atemspende beträgt 30:2; d. h. auf 30 Kompressionen des Brustkorbs folgen 2 Atemspenden
Ein-Helfer-Methode
Steht nur ein Helfer zur Verfügung, beginnt er die Reanimation mit 30 Brustkorbkompressionen und führt anschließend zwei Atemspenden durch (Verhältnis 30:2 Abb. 30.12). Dieser Rhythmus wird beibehalten. Da die Ein-Helfer-Methode Herzdruckmassage:Ein-Helfer-Methodesehr anstrengend ist, sollte möglichst schnell ein zweiter Helfer gefunden werden (z. B. durch Rufe). Gemeinsam gehen sie ohne Zeitverzug zur Zwei-Helfer-Methode über.
Zwei-Helfer-Methode
Bei der Zwei-Helfer-Methode beatmet der eine Helfer, während der andere die Herzmassage durchführt. Die beiden Helfer stimmen sich dabei so ab, dass auf jeweils 30 Herzkompressionen zwei Atemspenden folgen (Verhältnis 30:2 Abb. 30.12). Da die Herzdruckmassage_Zwei-Helfer-MethodeHerzmassage über längere Zeit sehr anstrengend ist, sollten sich die beiden Helfer im Abstand von 1–2 Minuten abwechseln. Zur Effektivitätskontrolle kann der beatmende Helfer während der Herzdruckmassage die erzeugte Pulswelle an der A. carotis fühlen.

Merke

Die geglückte Wiederbelebung erkennt der Helfer daran, dass der Puls am Hals tastbar wird und die Atmung wieder einsetzt. Daher wird der Puls an der A. carotis nach je vier Zyklen (oder einmal pro Minute) überprüft. Die Hautfarbe des Reanimierten sollte sich normalisieren und die Pupillen klein bleiben. Vorher erweiterte Pupillen werden wieder eng.

Herzdruckmassage bei Kindern
Während der Druckpunkt beim Erwachsenen nach der ERC-Richtlinie in der Mitte der Brust liegt, wird beim Kind das untere Drittel des Brustbeins empfohlen. Dazu wird der Punkt aufgesucht, an dem sich die untersten Rippen in der Mitte (d. h. am Brustbein) treffen. Der Herzdruckmassage:KinderDruckpunkt liegt ein Fingerbreit darüber. Der Brustkorb soll bei jeder Kompression etwa um ein Drittel eingedrückt werden.
Bei Kindern nach dem ersten Geburtstag (Tab. 30.3) ist es dem Helfer überlassen, ob er für die Kompression nur eine Hand oder, wie beim Erwachsenen, zwei Hände verwendet. Bei Säuglingen hingegen wird die Zwei-Finger-Technik (Abb. 30.13) oder die thoraxumfassende Technik durchgeführt.

A = Atemspende

Ist bei der Prüfung der Atmung keine normale Atmung vorhanden, Herzdruckmassage:Säuglingerfolgen beim Erwachsenen zunächst 30 Thoraxkompressionen, danach werden zwei Atemspenden gegeben. Beim nicht ausreichend atmenden Kind werden dagegen noch vor Beginn der Herzmassage fünf Atemspenden Beatmung/Atemspendeverabfolgt.
Behelfsweise erfolgt die Atemspende zunächst durch Mund-zu-Nase-Beatmung bzw., falls die Nase verletzt oder beim Einblasen nicht durchlässig ist, durch Mund-zu-Mund-Beatmung. Wegen der Gefahr von Infektionen und der besseren Wirksamkeit sollte die Beatmung aber mit Maske und Beatmungsbeutel (z. B. Ambu®-Beutel) durchgeführt werden.
So früh wie möglich sollte eine Intubation durch den Arzt erfolgen. Unter Intubation versteht man das Einführen eines Atmungsrohrs (Tubus) in die Atemwege. Diese so genannte Intubationsbeatmung beugt zusätzlich der Aspiration vor.
Mund-zu-Nase- und Mund-zu-Mund-Beatmung
  • Als erstes überstreckt der Helfer den Kopf des Patienten.

  • Der Helfer verschließt bei der Mund-zu-Nase-Beatmung den Mund durch Druck des Daumens Beatmung/Atemspende:Mund-zu-Mund-Beatmungauf die Unterlippe in Richtung Oberlippe (Abb. 30.14). Ist der Mund Beatmung/Atemspende:Mund-zu-Nase_Beatmungnicht richtig verschlossen, kann die in die Nase eingeblasene Luft wieder entweichen! Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung wird die Nase mit Daumen und Zeigefinger der auf der Stirn liegenden Hand verschlossen. Gleichzeitig wird das Kinn nach oben gezogen.

  • Ist der Mund verschlossen, bläst der Helfer seine Ausatemluft vorsichtig in die Nase des Patienten ein. Das anschließende Luftholen erfolgt am besten zur Seite hin.

  • Bei richtiger Beatmungstechnik hebt und senkt sich der Brustkorb. Ist dies nicht der Fall sind evtl. die Atemwege verlegt. Oberste Priorität hat dann die Thoraxkompression.

  • Danach setzt er die Beatmung nach seinem eigenen Atemrhythmus (entspricht ca. 12-mal pro Minute beim Erwachsenen) fort.

Besonderheiten bei Säuglingen und Kleinkindern
Bei Kindern werden sofort nach Feststellung des Atemstillstands fünf Atemspenden gegeben. Jede Serie der danach begonnenen Thoraxkompression wird wie beim Erwachsenen von zwei AtemspendenBeatmung/Atemspende:Säuglinge unterbrochen.
Prinzipiell entspricht die Atemspende bei Beatmung/Atemspende:KleinkinderSäuglingen und Kleinkindern derjenigen bei Erwachsenen. Allerdings wird der Kopf des Kindes nicht oder nur gering überstreckt, da sonst die oberen Atemwege abgedrückt werden. Der Helfer umschließt bei sehr kleinen Kindern Mund und Nase des Kindes mit seinem Mund (Abb. 30.15), bei älteren Kindern wird die Mund-zu-Mund-Beatmung bevorzugt (die Nase wird dabei mit den Fingern zugedrückt). Säuglinge und Kleinkinder können zur Beatmung auf den Arm genommen werden.
Die Beatmungen müssen etwas länger gegeben werden – ein bis eineinhalb Sekunden anstatt einer Sekunde beim Erwachsenen – und auch leichter sein, um einer Überblähung der Lunge vorzubeugen (je kleiner das Kind ist, desto weniger Luft wird eingeblasen).
Die Häufigkeit der Atemspende ist altersabhängig (Säuglinge 25–30 pro Minute, Kleinkinder 20–25 pro Minute, Schulkinder 15–20 pro Minute). Je kleiner das Kind ist, desto weniger Luft wird außerdem pro Atemzug insuffliert (eingeblasen).
Beutel-Masken-Beatmung
Bei dieser Form der Beatmung wird die Atemluft aus einem Beutel über ein Atemventil in die Atemwege des Patienten gepresst. Eine luftdicht abschließende Maske verhindert ein Entweichen der Luft. An den Beatmungsbeutel kann eine Sauerstoffflasche Beatmung/Atemspende:Beutel-Masen-Beatmungangeschlossen werden: möglichst 100-prozentige Sauerstoffzufuhr und ca. 1 l pro 10 kg KG pro Minute, also z. B. 7 l pro Minute bei 70 kg KG.
Bei der Beatmung wird der Patient mit leicht überstrecktem Kopf auf einem Kopfkissen („Schnüffelstellung“) gelagert, Kinder bis ca. drei Jahre jedoch ohne Überstreckung. Mit dem Esmarch-Handgriff (Abb. 30.8) wird der Unterkiefer vorgezogen (nicht bei Kindern unter 2–3 Jahren). Anschließend wird der Kiefer des Patienten mit dem III.–V. Finger und die Maske mit dem Zeigefinger und Daumen fixiert („C-Griff“ Abb. 30.16). Die künstliche Beatmung beginnt durch Kompression des Beatmungsbeutels.

Achtung

Da immer mehr Menschen allergisch auf Latex (Naturkautschuk) reagieren, sollten Sie grundsätzlich nur latexfreie Beatmungsbeutel benutzen.

Ein Teil der eingeblasenen Luft gerät zwangsläufig über die Speiseröhre in den Magen und bläht diesen auf. Dies geschieht besonders bei ungeübten Helfern, die den Beutel zu schnell und mit zu hohem Druck zusammenpressen. Durch die ballonartige Magenfüllung wird zum einen das Zwerchfell nach oben gedrückt, was die Lungenausdehnung und damit die Atemfunktion behindert. Zum anderen wird der Mageninhalt in die Speiseröhre gepresst, was eine Aspiration begünstigt. Viele moderne Beatmungsbeutel verfügen deshalb über Druckventile, die einen zu hohen Beatmungsdruck verhindern.
Beenden der Beatmung
Die Beatmung muss so lange fortgeführt werden, bis sie entweder erfolgreich ist, d. h., der Patient wieder selber atmet, oder der Notarzt eintrifft.

D = Defibrillation

Der Notarzt zeichnet so bald wie möglich ein EKG auf, da es in vielen Fällen Auskunft über Form und Ursache des Kreislaufstillstands gibt (Kammerflimmern 10.8.2) und auch eine Kontrolle der Therapiebemühungen ermöglicht. Stellt der Notarzt im EKG ein Kammerflimmern fest, mussDefibrillation unverzüglich defibrilliert werden. Bei der äußerlichen elektrischen Defibrillation wird über zwei an der Thoraxwand angelegte Elektroden ein Stromstoß durch den Brustkorb des Bewusstlosen geleitet. Dabei soll ein elektrischer Stromschlag die Herzmuskelerregungen wieder koordinieren (Abb. 30.17).
Heutzutage befinden sich immer häufiger an öffentlichen Orten (z. B. U-Bahn-Station, Einkaufszentrum) allgemein zugängliche und von jedem Ersthelfer nutzbare automatische externe Defibrillatoren (AED). Wenn möglich, sollte dieses Gerät durch einen weiteren Helfer geholt und sobald als möglich eingesetzt werden. Deren Anwendung wird mittels einer gut zu deutenden Gebrauchsanweisung demonstriert. Außerdem wird nach dem Öffnen sehr gut ablesbar dargestellt, welche Handgriffe als nächste erfolgen müssen, z. B. zum Anlegen der Elektroden. Es wird dann automatisch festgestellt, ob ein Kammerflimmern besteht. Daraufhin wird angesagt, dass der Elektroschock per Knopfdruck ausgelöst wird.

Achtung

Während des Elektroschocks darf niemand den Patienten berühren!

Die Reanimation darf nicht auf nassem Boden stattfinden, weil der Strom dann durch Weiterleitung die Helfer gefährden könnte.

Nach dem Elektroschock erfolgen weitere Anweisungen und ein akustisches Signal gibt den korrekten Rhythmus der 30:2-Herzdruckmassage vor. Gegebenenfalls erfolgt automatisch aufgrund der Messung der Herzströme und mit vorheriger Ankündigung und entsprechenden Anweisungen ein zweiter Elektroschock.

D = Drugs = Medikamente für die kardiopulmonale Reanimation

Um rasch Medikamente geben zu können, legt der Arzt einen venösen Zugang. Einige Notfallmedikamente (z. B. Adrenalin, Lidocain, Atropin) können mithilfe spezieller Kanülen auch in einen Knochen (intraossär) verabreicht werden. Dieses Vorgehen ist auch bei Kindern bis zum Alter von 10 Jahren angezeigt, wenn eine Venenpunktion nicht gelingt. Bis zum 6. Lebensjahr wird die proximale Tibia etwas unterhalb der Tuberositas tibiae, ab dem 6. Lebensjahr die distale Tibia dirket oberhalb des Knöchels punktiert.
Die Applikation über den Beatmungstubus (möglich z. B. bei Adrenalin, Amiodaron, Atropin) ist nach der ERC-Richtlinie nur die zweite Wahl.
Notfallmedikamente
Die wichtigsten Notfallmedikamente sind:
  • Sauerstoff: Er kann bei einem durch Ausfall der Lungenfunktion bedingten Sauerstoffmangel die Überlebenszeit verlängern. O2 sollte deshalb so rasch wie möglich eingesetzt werden, auch in der Heilpraktikerpraxis! Vorsicht ist allerdings bei spontan atmenden Notfälle:MediamentePatienten mit chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen gegeben.

  • Rp Adrenalin i. v. (1 mg auf 10 ml verdünnt): Es stimuliert das sympathische Nervensystem und fördert dadurch die Schlagkraft, die Schlagfrequenz, die Reizleitung und die Erregbarkeit des Herzens. Alle diese Effekte sind erwünscht, um das Herzmaximal zu stimulieren.

  • Rp Atropin i. v. (0,5 mg): Bei langsamem Herzschlag (Bradykardie) oder hochgradigem AV-Block wird Atropin gegeben, das den dämpfenden Einfluss des Parasympathikus vermindert. Es steigert dadurch die Erregungsüberleitung vom Herzvorhof zur Herzkammer. Außerdem erhöht es die Frequenz im Sinusknoten, macht das Herz aber auch für Herzrhythmusstörungen empfindlicher.

  • Rp Amiodaron und Lidocain i. v. (0,5–1 mg/kg KG): Ergibt das EKG die Diagnose eines Kammerflimmerns oder Kammerflatterns, so wird Amiodaron eingesetzt, falls eine dreimalige Defibrillation erfolglos bleibt. Es dämpft die Erregungsleitung und die Bildung von Extrasystolen in der Herzkammer. Der Herzschlag wird dadurch normalisiert. Lidocain wird nur eingesetzt, falls Amiodaron nicht verfügbar ist.

Merke

Grundsätzlich ist es immer günstig, vor Eintreffen des Notarztes einen sicheren venösen Zugang (oder mehrere) zu legen. Die jeweils sinnvollen weiteren Maßnahmen hängen von der Ursache der Erkrankung ab.

Abbruch der Reanimation
Der Abbruch der Reanimationsbemühungen kann grundsätzlich nur von einem Arzt angeordnet werden. Sie als Heilpraktiker müssen die Reanimation so lange durchführen, wie es Ihnen aufgrund der Situation (z. B. drohende Gefahr für das eigene Leben, Erliegen der eigenen physischen Kräfte) nur Reanimation:Abbruchirgend möglich ist. Abbruch-Kriterien können für einen Arzt sein:
  • Es besteht länger als 30 Minuten nach Beginn einer ordnungsgemäß durchgeführten Reanimation ein zerebraler Kreislaufstillstand (weite, lichtstarre Pupillen, Bewusstlosigkeit, fehlende Spontanatmung); Ausnahme ist die Reanimation bei Unterkühlung oder Intoxikation, da hier die Überlebenszeit des Körpers länger ist.

  • Im EKG gibt es länger als 15 Minuten bestehende Zeichen des Herztods (Asystolie).

  • Zwischenzeitliches Auftreten sicherer Todeszeichen

  • Während der Reanimation ergeben sich aus der Vorgeschichte Hinweise auf die Sinnlosigkeit der Bemühungen

Lagerungen

Übersicht (Abb. 30.18, Tab. 30.4)

Stabile Seitenlagerung

Alle Bewusstseinsstörungen, seien sie durch Krampfanfälle oder durch Störungen der Atmung und des LagerungenKreislaufs bedingt, bergen für den Betroffenen die Gefahr des Erstickens, da durch Einatmen (Aspiration) oderLagerungen:stabile Seitenlagerung Verschlucken von Fremdkörpern, Erbrochenem oder durch Zurücksinken der Seitenlagerung, stabileZunge die Atemwege verlegt werden.
Diese Gefahr rührt daher, dass bei zunehmender Bewusstlosigkeit die Schutzreflexe, wie z. B. der Würgereflex, schwinden. Daher können z. B. Speisereste oder Mageninhalt beim Erbrechen sowie Blut bei Mundblutungen oder Nasenbluten tief in die Luftröhre oder die Bronchien gelangen und dort die Belüftung der Lungenbläschen verhindern. Die Folge hiervon wäre ein Atemstillstand oder – später – eine Aspirationspneumonie (12.5.6).
Alle bewusstlosen Patienten mit ausreichender Eigenatmung und Herztätigkeit werden deshalb in die sog. stabile Seitenlage (Abb. 30.19) gebracht. Dadurch wird verhindert, dass z. B. Erbrochenes aspiriert wird: Das Erbrochene fließt bei dieser Lagerung seitlich aus dem Mundraum heraus.
Es wird – v. a. in Erste-Hilfe-Seminaren für Laien – auch eine zweite Variante der stabilen Seitenlage (sog. „Erholungsposition“) gelehrt. Hierbei wird der Bewusstlose über einen seitlich angewinkelten Arm gerollt. Diese Version gilt als leichter zu lernen und schneller durchzuführen. Allerdings führt diese Lagerung häufig zu Durchblutungsstörungen im unten liegenden Arm und dazu, dass sich der Patient aus eigener Kraft zurückrollt. Medizinisches Fachpersonal sollte die abgebildete Methode wählen.
Die stabile Seitenlage, die dazu dient die Atmung zu erhalten, ist schnell, aber vorsichtig in folgenden Schritten (Abb. 30.19) durchzuführen:
  • Bei Brillenträgern ist die Brille abzunehmen.

  • Der Helfer tritt seitlich an den Bewusstlosen heran, hebt ihn in Hüfthöhe an und schiebt dessen einen Arm so weit wie möglich unter die Hüfte. Dabei ist darauf zu achten, dass der Arm gestreckt und die Hand flach ist, um dem Bewusstlosen keine Finger zu brechen.

  • Danach beugt er das auf derselben Seite liegende Bein des Bewusstlosen und stellt den Fuß an das Gesäß des Bewusstlosen.

  • Daraufhin fasst der Helfer die ihm abgewandte Schulter des Patienten zusammen mit dessen Hüftgegend und zieht den ganzen Patienten zu sich herüber. Die auf seiner Seite gelegene Schulter und Hüfte des Patienten sind hierbei Drehpunkte des Rumpfes. Bei dieser Drehbewegung stützt der Helfer den Körper des Patienten mit seinem Bein ab und achtet auch darauf, dass dessen Kopf nicht auf den Boden fällt.

  • Nun zieht er den Arm, der unter dem Körper des Bewusstlosen liegt, behutsam am Ellenbogen etwas hervor. Dadurch liegt der Verletzte nicht mehr auf dem Oberarm, sondern auf der Schulter. Dies stabilisiert seine Lage.

  • Anschließend fasst der Helfer den Kopf des Patienten an Kinn und Stirn und beugt ihn nackenwärts. Dabei wendet sich das Gesicht des Patienten zur Erde.

  • Zur Stabilisierung der Kopflage schiebt er die Finger der auf Helferseite liegenden Patientenhand unter dessen Wange. Dabei ist darauf zu achten, dass die Handfläche nach unten zeigt. Andernfalls könnte sich in der entstehenden „Napfform“ Erbrochenes sammeln, das der Notfallpatient trotz Seitenlage aspirieren könnte.

  • Atmung und Bewusstsein sind ständig zu überwachen und bei Änderung entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Tipp

Eine Rettungsdecke aus aluminiumbedampfter PET-Folie, die sich in jedem neuen Erste-Hilfe-Kasten befindet, schützt Patienten vor Nässe, Kälte und Hitze.

Bewusstseinsstörungen

Bei Bewusstseinsstörungen sind Wahrnehmung und Reaktion auf Reize, Handeln und Denken, Schutzreflexe, Sensibilität und Mobilität verändert, verlangsamt oder fehlen völlig.
Bewusstseinsstörungen sind Zeichen primär Bewusstseinsstörungen:Erstmaßnahmengeschädigter bzw. gestörter Hirnfunktionen (organische Notfälle:BewusstseinsstörungenHirnkrankheiten, Intoxikationen) oder entwickeln sich sekundär bei Allgemeinkrankheiten. Da die verschiedenen Stadien ineinander übergehen können, ist eine fortschreitende Bewusstseinstrübung Zeichen einer Zuspitzung der Grundkrankheit.
Je nach Schweregrad werden folgende Störungen des Bewusstseins unterschieden:
  • Benommenheit: Die leichteste Form der Bewusstseinsstörung geht einher mit verlangsamtem Denken und Handeln. Der Patient ist relativ wach und örtlich, zeitlich und zur eigenen Person (Name, Wohnort, Geburtstag) orientiert.

  • Somnolenz: Darunter versteht man eine abnorme Schläfrigkeit. Der Patient istBenommenheit für kurze Zeit weckbar und gerade noch zu Ort, Zeit und Person orientiert, vermag aber nur noch einfache Fragen zu beantworten.

  • Sopor: Es handelt sich umKoma:Somnolenz einen schlafähnlichen Zustand. Der Patient ist Somnolenzdurch Ansprache nicht mehr weckbar, wohl aber durch Schmerzreize (z. B. Kneifen in die Oberarm- oder Oberschenkelinnenseiten). Er ist dann allerdings nicht Koma:Sopororientiert.

  • Koma: So wird die tiefe Bewusstlosigkeit bezeichnet. Der SoporKranke ist auch durch Schmerzreize nicht weckbar; je nach Komatiefe sind allerdings noch motorische Reaktionen auf Schmerzreize möglich. Bei einem Koma liegt die Ursache nur bei 50 % der Patienten im zentralen Nervensystem selbst. Bei den übrigen 50 %Koma der Kranken sind Vergiftungen (30.13), Stoffwechselentgleisungen oder Schockzustände (11.5.3) für die Bewusstlosigkeit verantwortlich. Tabelle 30.5 fasst die metabolisch (stoffwechsel-)bedingten Formen des Komas zusammen. Neben der Schocksymptomatik (11.5.3) zeigt der Patient oft Symptome, die auf die Ursache des Komas hinweisen. Hilfreich ist häufig auch die Fremdanamnese.

Zur exakten Einstufung quantitativer Bewusstseinsstörungen im Notfall und zur kurzfristigen Verlaufsbeobachtung wird meist die Glasgow-Coma-Skala (Tab. 30.5a) eingesetzt, bei der sprachliche und motorische Reaktionen sowie das Augenöffnen des Patienten „benotet“ werden. Der Schweregrad der Bewusstseinsstörung ergibt sich aus der Summe aller Punkte (Coma-Score): je weniger Punkte, desto schwerer ist die Glasgow-Coma-SkalaBewusstseinsstörung.

Schock

Schock: akuter, anhaltender (persistierender) Sauerstoffmangel in allen Organen mit Mikrozirkulationsstörungen; je nach Ursache können zu den allgemeinen Schockzeichen noch spezifische Symptome und körperliche Befunde (Tab. 30.6) hinzukommen.

Für alle Schockformen gilt folgende Notfalltherapie (zusätzliche Erstmaßnahmen Tab. 30.6):
  • Patienten beruhigen und entsprechend der Schockursache lagern (Tab. 30.4) bzw. bei SchockBewusstlosigkeit stabile Seitenlage.

  • Notarzt Notfälle:Schockbenachrichtigen (lassen).

  • Mehrere großlumige venöse Zugänge legen.

  • Wenn vorhanden, Sauerstoff über Maske oder Nasensonde (4–6 l/Min.) geben.

  • Vitalzeichen engmaschig kontrollieren, v. a. Bewusstseinszustand, RR, Puls, Atmung, aber auch Hautfarbe und Körpertemperatur.

  • Patienten warm zudecken.

belsäulen-/Rückenmarksverletzungen nicht angewandt werden. Bei Bewusstlosigkeit des Patienten hat, ungeachtet der zugrunde liegenden Ursache, Autotransfusiondie stabile Seitenlagerung Vorrang, um einer Aspiration (Einatmung) von Erbrochenem vorzubeugen. Besteht durch den Unfallhergang (z. B. Motorradunfall) Verdacht auf eine Verletzung der Halswirbelsäule, sollte die Halswirbelsäule zuvor stabilisiert werden (z. B. mit einer Halskrawatte – sofern vorhanden – oder mit einem eng zusammengerollten Kleidungsstück). Bei Verletzungen des Brustkorbs wird der Verunglückte auf die verletzte Seite gelagert, um die Atmung auf der gesunden Seite nicht zusätzlich zu beeinträchtigen. Im Idealfall, z. B. in der Praxis, sollte – wenn möglich – die gesamte Liegenfläche schräg gestellt werden, damit der bewusstlose Patient im Schock gleichzeitig in die stabile Seitenlage sowie in die Beinhochlagerung gebracht werden kann. Beim kopfverletzten Patienten oder bei Verdacht auf kardiogenen Schock kann die stabile Seitenlagerung entsprechend mit der Oberkörperhochlagerung kombiniert werden.

Tipp

Bei allen Schockformen (Ausnahme: kardiogener Schock!) ist eine großzügige Volumensubstitution erforderlich, z. B. 1.000–1.500 ml NaCl 0,9 % oder Ringer-Lösung, die über einen (evtl. auch mehrere) i. v.-Zugang mit max. Tropfgeschwindigkeit infundiert wird (evtl. Plastikinfusionsflasche durch Helfer oder mittels Blutdruckmanschette komprimieren).

Sauerstoffgabe bei Schock oder Atemnot

Achtung

Atemlähmung durch Sauerstoffgabe!

Vorsicht ist bei Patienten mit chronisch-ob-struktiven Lungenerkrankungen geboten. Ihr Körper ist an den ständig erhöhten CO2-Gehalt im Blut „gewöhnt“. Den einzigen Atemantrieb stellt der Sauerstoffmangel im Blut dar. Wird dieser durch die O2-Gabe behoben, entfällt der letzte Atemanreiz. Dies kann zu einem extremen CO2-Anstieg und damit zur Atemlähmung führen. Trübt ein Patient unter O2-Therapie zunehmend ein, O2 sofort abstellen!
Umgang mit Sauerstoffflaschen
Sauerstoffflaschen gibt es in unterschiedlichen Größen. VolumensubstitutionTritt in der Atemnot:SauerstoffgabeHeilpraktikerpraxis ein Notfall auf, können an eine große Sauerstoffflasche, die z. B. für die Sauerstofftherapie verwendet wird, dieAtemlähmung:bei Sauerstoffgabe entsprechende Sauerstoffmaske oder der Beatmungsbeutel angeschlossen werden. Wer
  • Bei Herz-Kreislauf-Stillstand Reanimation vornehmen (30.4).

Die Schocklagerung (Abb. 30.18) des bewusstseinsklaren Patienten besteht in der Hochlagerung der Beine und der Tieflagerung von Kopf und Oberkörper. Ziel ist die Autotransfusion, d. h. ein Blutrückfluss aus der Körperperipherie zu Körperstamm und Gehirn. Diese Schocklagerung darf beim kardiogenen Schock und bei Verdacht auf Wir
den in der Praxis Sauerstoffflaschenkeine solchen Therapien durchgeführt, empfiehlt sich die Anschaffung eines „Notfall-Sauerstoff-Sets“, das aus einer Sauerstoffmaske und zwei kleinen Sauerstoff-Einwegpatronen besteht und in einem größeren Notfallkoffer Platz hat.
Beim Umgang mit Sauerstoff(-flaschen) müssen einige Sicherheitsmaßnahmen beachtet werden:
  • Flaschen dürfen nicht fallen! Volle Flaschen liegend oder stehendSauerstoff-Sets:Notfall fixieren (z. B. anketten).

  • Vorsicht vor Feuer! Rauchverbot! Sauerstoff selbst ist zwar nicht brennbar, fördert aber die Verbrennung. Nur in Räumen mit Fenster, nicht aber in explosionsgefährdeten Räumen oder unter Sonneneinstrahlung (Fenster) bzw. Wärmeeinwirkung (Heizung) lagern.

  • Vorsicht vor Fett! Die Ventile dürfen nicht mit Fett (z. B. durch eingecremte Hände) oder Öl (z. B. zum „Schmieren“ der Mechanik) in Berührung kommen (Explosionsgefahr!).

  • Nur mit geschlossenem Ventil und befestigter Schutzkappe transportieren.

  • Beim Öffnen der Flaschen keine Gewalt anwenden.

  • Bei Störungen keine Selbstreparatur versuchen, Reparaturservice anfordern.

O2-Nasensonde
Im Praxisalltag, z. B. bei der Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie (4.2.39), wird am häufigsten Sauerstoff über eine O2-Nasensonde mit Schaumgummipolster gegeben. Die Sonde wird ca. 1 cm in das Nasenloch vorgeschoben und ist durch das Schaumgummipolster fixiert. Über eine Nasensonde können 4–6 l O2 pro Minute O2-Nasensondegegeben werden, wodurch Sauerstoffkonzentrationen der Einatmungsluft von 30–40 % erreicht werden.
O2-Brille
Mit Sauerstoffbrillen können 4–8 l O2 pro Minute gegeben werden, wodurch eine Sauerstoffkonzentration der Einatmungsluft von 30–50 % erreicht wird. Die 1 bis 2 cm langen Einflussstutzen werden beidseits in die Nasenlöcher des Patienten eingeführt, die Schlaufen der O2-Brille (dienen gleichzeitig als O2-zuführende O2-BrilleSchläuche) liegen wie Brillenbügel hinter dem Ohr und werden unter dem Kinn wieder zusammengeführt (Abb. 30.20). Der Patient kann durch Mund und Nase atmen.
Sauerstoffmaske
In Notfallsituationen sollte eine Sauerstoffmaske an die Sauerstoffflasche angeschlossen werden. Eine einfache O2-Maske ermöglicht eine hohe O2-Dosierung von 6–10 l pro Minute (Sauerstoffkonzentration der Einatmungsluft 50 bis 80 %). Im Notfall erfolgt eine möglichst 100-prozentige Sauerstoffzufuhr; SauerstoffmaskeDosierung: ca. 1 l pro 10 kg KG pro Minute, also z. B. 7 l pro Minute bei 70 kg KG.
Die Maske wird locker auf Nase und Mund aufgesetzt und mit einem Gummiband am Hinterkopf befestigt (Abb. 30.21). Die Ausatmungsluft entweicht durch die seitlichen Löcher in der Maske. An den Beatmungsbeutel kann eine Sauerstoffflasche angeschlossen werden: möglichst 100-prozentige Sauerstoffzufuhr und ca. 1 l pro 10 kg KG pro Minute, also z. B. 7 l pro Minute bei 70 kg KG.
Viele Patienten haben Angst, sind verunsichert und fühlen sich eingeengt, da das Sprechen behindert ist und sie ein Beklemmungsgefühl verspüren. Beruhigen Sie den Patienten, und erklären Sie – wenn möglich – den Vorgang.
Sauerstoffkonzentrationen bis annähernd 100 % sind nur durch O2-Masken mit Ventil und Reservoirbeutel zu erzielen.

Achtung

Bei der O2-Gabe über die Maske kann der Patient – im Gegensatz zur Beatmung über die Sauerstoffnasensonde oder -brille – weder zusätzlich Frischluft einatmen noch CO2-abatmen. Deshalb darf der Sauerstofffluss bei der Gabe über die Sauerstoffmaske nicht unter 5 l pro Minute absinken, da sonst ein CO2-Stau in der Maske auftreten kann und infolgedessen auch die O2-Zufuhr viel zu gering ist.

Akute neurologische Symptome

Neurologische Notfälle (Tab. 30.7 bis >Tab. 30.10) gehen in vielen Fällen mit folgenden Symptomen einher:
  • Bewegungsstörungen (Hyperkinesie, Akinesie)

  • Bewusstseinsstörungen

  • akutem Kopfschmerz

  • Krampfanfall

  • Lähmung (z. B. akute Hemiparese, generalisierte periphere Lähmung)

  • Meningismus

  • Schwindel (evtl. mit Übelkeit und Erbrechen)

  • akuten Sehstörungen (mit oder ohne Augenschmerzen)

Akute Brustschmerzen (Tab. 30.11)

Akute Atemnot

Erkrankungen der Lunge, aber auch anderer Organe (Tab. 30.12) Notfälle:neurologische Symptomekönnen zu Schmerz(en):Brust, DifferenzialdiagnoseNotfälle:Brustschmerzen, akutelebensbedrohlicher Atemnot führen, die ein schnelles Eingreifen erfordert:
  • Kontrolle der Atemnot:ErstmaßnahmenVitalfunktionen (30.3)

  • Alarmieren des Notarztes

  • Notfälle:Brustschmerzen, akuteatemunterstützende Lagerung, meist erhöhter Oberkörper

  • Atemnot:Erstmaßnahmenbeengende Kleider entfernen, evtl. Fenster öffnen

  • wenn vorhanden, Sauerstoffgabe über Maske oder Nasensonde (6 l pro Minute, Gefahr der Atemlähmung bedenken, dann besser nur 2–4 l pro Minute über Nasensonde)

  • i. v.-Zugang legen

  • Vitalzeichen kontrollieren, evtl. Reanimation (30.4)

Akute Bauchschmerzen (akutes Abdomen)

Akute Bauchschmerzen gehen oft mit Abwehrspannung und schlechtem Allgemeinzustand des Patienten einher und werden dann auchBauchschmerz(en):akute, Differenzialdiagnose als akutes Abdomen bezeichnet. Somatische (körperliche) und viszerale (von Schmerz(en):Bauch, Differenzialdiagnoseden Eingeweiden ausgehende) Schmerzen werden unterschieden (Tab. 30.13). Erste Hinweise auf das Vorliegen eines akuten Abdomens gibt die Anamnese:
  • Schmerzanamnese: Schmerzbeginn, -charakter, -lokalisation, -ausstrahlung

  • bestehende Erkrankungen des Bauches, des Herzens oder des Stoffwechsels (z. B. Diabetes mellitus)

  • Medikamentenanamnese und Alkoholkonsum

  • Fieber

  • (letzter) Stuhlgang und (letzte) Miktion (Blasenentleerung)

  • bei Frauen: Zyklus und letzte Regel

Bei der körperlichen Untersuchung sollten Sie keine Zeit verlieren und z. B. so vorgehen:
  • Blutdruck und Puls messen, auf Schockzeichen achten

  • Inspektion: Lage des Patienten (ruhig/unruhig), Facies abdominalis (blasse Gesichtsfarbe, eingefallene Wangen, spitze Nase, halonierte Augen), Bauchnarben, Mund- oder Körpergeruch (12.4.5), Prellmarken, Hämatome in Leber- oder Milzgegend

  • Auskultation des Abdomens, evtl. auch gleich Herz und Lunge

  • Palpation: Schmerzort vom Patienten zeigen lassen, mit warmen Händen vorsichtig zum Schmerzzentrum vortasten, Untersuchung der Bruchpforten nicht vergessen

  • Perkussion

  • rektale Untersuchung

  • Temperatur rektal und axillär

Tipp

Bei akuten Bauchschmerzen gilt generell:

  • Patienten nichts essen und trinken lassen.

  • Vor Diagnosesicherung keine Schmerzmittel geben.

  • Oberkörper flach lagern mit Knierolle (Abb. 30.18)

  • I. v.-Zugang legen und Volumensubstitution bei drohendem Schock.

Achtung

Überweisen Sie den Patienten bei akuten Bauchschmerzen unklarer Ursache sofort zum Arzt, oder fordern Sie bei älteren Patienten, Kindern oder Säuglingen den Notarzt an. Auch undramatisch erscheinende Bauchschmerzen können lebensbedrohlich sein!

Die Ursache für akute Bauchschmerzen kann inner-, aber auch außerhalb des Bauchraums liegen.
Die Tab. 30.14 führt die wichtigsten Differenzialdiagnosen auf, ausgehend von der Schmerzlokalisation. Die angegebenen Schmerzlokalisationen sind die typischsten, aber auch andere Lokalisationen sind möglich und schließen die Diagnose natürlich nicht aus, z. B. bei Appendizitis sind die Schmerzen typischerweise im rechten Unterbauch lokalisiert, aber v. a. anfangs auch oft im rechten Oberbauch.

Tipp

Denken Sie bei Frauen im gebärfähigen Alter immer an eine Schwangerschaft (auch Extrauteringravidität) – sogar bei bestehender „Regelblutung“!

Unfälle und Verletzungen

Suche nach Verletzungen

Verletzungen können sichtbar sein, aber auch unter der Kleidung verborgen oder ganz verdeckt. So ist z. B. der geschlossene Schenkelhalsbruch von außen oft nur an einer Fehlstellung der betroffenen Gliedmaße oder an einer Schwellung über Notfälle:Unfälle\bdem Bruch zu erkennen.

Tipp

Bei der Suche nach Verletzungen muss immer der ganze Körper abgesucht und dazu evtl. Kleidung entfernt werden.

Innere Blutungen, z. B. beim Verletzungenstumpfen Bauchtrauma, sind ohne technische Notfälle:Verletzungen\bUntersuchungsmöglichkeiten oft nur durch Zeichen des hypovolämischen Schocks (11.5.3) zu erkennen.

Blutstillung und Wundverband

Entstehung von Wunden

Wunde: Verletzung, bei der die Haut- bzw. Schleimhautoberfläche zerstört ist.

Wunden entstehen durch:
  • äußere Gewalteinwirkung, mechanische Wunden (Tab. 30.15)

  • Einwirkung Blutung(en):Erstversorgungextremer Temperaturen (VerbrennungenBlutstillung, bedingt durch offene Flammen oder heiße Gegenstände; Verbrühungen, verursacht durch Verletzungen:Blutungenheiße Flüssigkeiten; Erfrierungen)

  • Chemikalien, v. a. WundverbandVerätzungen durch Säuren oder Laugen (30.14)

  • WundformenRöntgenstrahlung, radioaktive Substanzen und durch zu starke Einwirkung von UVStrahlen

In der Praxis ist davon auszugehen, dass sog. akzidentielle Wunden (unfallbedingte Wunden, lat. accidere = zufällig vorkommen) nahezu immer mit KeimenVerätzungen besiedelt sind.
In besonderem Maße keimbesiedelt und damit infektionsgefährdet sind septische Wunden wie Bisswunden, Metzgerverletzungen und tiefe, verschmutzte Stichwunden.
Kaum blutende Wunden
Wundreinigung und Verbandswechsel 5.4.5.
Bei nicht oder kaum blutenden Wunden legen Sie in der Praxis oder am Unfallort einen gut sitzenden, sauberen und möglichst sterilen Verband an. Dabei darf die Wunde nicht mit bloßen Fingern berührt werden, um eine weitere Keimeinschleppung zu vermeiden.
Falls die Möglichkeit dazu besteht (evtl. am Unfallort nicht Wundversorgungmöglich), entfernen Sie den groben Schmutz um die Wunde (von innen nach außen), spülen sie mit Ringer-Lösung und desinfizieren mit z. B. Kodan® Tinktur. Bei oberflächlichen Schürfwunden ist meist kein Verband erforderlich. Bei tiefen Schürfwunden ist ein Verband mit Fettgaze (z. B. Oleo-tüll®) erforderlich. Zur weiteren Wundversorgung überweisen Sie den Patienten zum Arzt oder ins Krankenhaus.

Tipp

Wegen Schwellneigung bei Verletzungen von Fingern und Hand immer Ringe, Armreifen und Uhren sofort entfernen!

Achtung

In jedem Fall müssen Sie – auch bei kleineren Verletzungen – den Tetanusschutz (22.5.5) des Patienten erfragen (Impfbuch). Ist dieser nicht ausreichend, müssen Sie den Patienten umgehend zur Durchführung der Tetanusprophylaxe zum Arzt überweisen.

Blutende Wunden und -Gefäßverletzungen
Gefäßverletzungen 11.8
Gefäßverletzungen oder stark blutende Wunden erfordern ein rasches Handeln (Tab. 30.16). Arterielle Verletzungen haben eine größere Bedeutung als venöse Verletzungen, da sich in Folge des DrucksWunden:blutende, Erstmaßnahmen rasch ein erheblicher Blutverlust entwickeln kann. Scharfe Gefäßverletzungen, Erstmaßnahmenarterielle Verletzungen (11.8) sind durch hellrote pulsierende Verletzungen:GefäßeBlutungen gekennzeichnet, venöse Verletzungen hingegen durch langsames, kontinuierliches Austreten von dunkelrotem Blut.

Merke

Für alle blutenden Verletzungen gilt:

  • verletzte Körperstelle nach Möglichkeit über Herzniveau lagern (Abb. 30.23)

  • bei stärkerer Blutung Sauerstoffgabe (falls vorhanden), i. v.-Zugang legen mit Infusion und ggf. weitere Schocktherapie (30.7)

Augenverletzungen

Augenverletzungen: durch tränende Augen, Schmerzen, Lidkrampf (Blepharospasmus), blutende Lider bzw. Augen oder offene Wunden charakterisierte Schädigungen am Auge.

Diagnostik
Häufig berichtet der Patient von einem Schädeltrauma (z. B. Kopf durch die Windschutzscheibe bei Autounfall) oder von Fremdkörperverletzung bei handwerklichen Arbeiten (z. B.: „Beim Schleifen, Hämmern oder Sägen ist mir etwas ins AugeAuge(n):Verletzungen geflogen“).
Ein Fremdkörper kann evtl. als schwarzer Punkt gesehen werden.Verletzungen:Augen Eine schwere Augenverletzung besteht auf jeden Fall bei entrundeter, reaktionsloser oder -armer Pupille.
Vorgehen bei Augenverletzungen

Achtung

Bei jeder noch so kleinen, harmlos erscheinenden Augenverletzung oder -prellung muss eine augenärztliche Abklärung erfolgen. Bei Verdacht auf Perforation, Tränenwegsverletzung und größerer Lidverletzung ist eine sofortige Überweisung in eine Augenklinik erforderlich.

Die Erstmaßnahmen sind von der Schwere und Symptomatik der Augenverletzung abhängig.
Sonderfall: Verätzung der Augen
Nach einer Verätzung durch Kalk, Säuren oder Laugen wird das Auge noch am Unfallort mit Wasser, zur Not auch mit Bier oder Sprudel gespült. Die möglichst rasche Entfernung der schädigenden Substanz ist entscheidend für eine günstige Prognose. Dann wird der Verletzte in die nächste Augenklinik gebracht.
Durchführung der Augenspülung:
  • Im Verätzung(en):AugeLiegen oder Sitzen Kopf zur betroffenen Seite neigen (lassenAugenverätzung), damit die Spülflüssigkeit (z. B. Isogutt® oder NaCl 0,9 %) nicht ins andere Auge läuft.

  • Zum Eigenschutz Handschuhe anziehen.

  • Augenlider ektropionieren oder mit Daumen und Zeigefinger spreizen.

  • Festsitzende Partikel vorsichtig mit einem (sterilen) Watteträger entfernen.

  • Auge(n):-spülungSpülflüssigkeit aus ca. 10 cm Entfernung von nasal nach temporal über das Auge und den Bindehautsack laufen lassen (Abb. 30.24).

  • Patienten während der Spülung auffordern, nacheinander nach oben, unten, links und rechts zu schauen, die Spülung erfolgt mit mehreren Litern Flüssigkeit und dauert mindestens 20 Min.

  • Evtl. anschließend Augenverband anlegen.

Kanülenstichverletzung

Eine Kanülenstichverletzung an sich führt zu kleineren, meist harmlosen Schnitt- oder Stichwunden. Die eigentliche Gefahr einer Kanülenstichverletzung besteht darin, dass über eine bereits gebrauchte Kanüle Infektionen übertragen werden können. V. a. droht eine Übertragung von Hepatitis B (häufig) oder HIV (selten). Kanülenstichverletzung:MaßnahmenDeshalb dürfen Kanülen nie in die Schutzkappe zurückgesetzt Verletzungen:Kanülenstichwerden (Recapping). Die Verletzung und ihre Versorgung müssen in das Verbandbuch (2.9.3) eingetragen werden.
In jedem Falle ist sofort nach der Verletzung beim Betroffenen und beim Patienten eine Blutuntersuchung zur Feststellung des Hepatitis-B- bzw. HIV-Antikörperstatus durchzuführen. Diese Antikörperbestimmung wird beim Verletzten nach ca. sechs Wochen und nach 3–6 Monaten wiederholt. Hierdurch lässt sich später feststellen, ob eine evtl. Infektion tatsächlich auf die Kanülenstichverletzung zurückzuführen ist.
Ist der Antikörpertiter zunächst negativ bzw. (bei Hepatitis B) niedrig und steigt nach sechs Wochen an, so muss eine Infektion im Zusammenhang mit dem Nadelstich angenommen werden.

Verletzung durch Tiere

Insektenstich
Symptome und Diagnostik
Nach einem Insektenstich sehen Sie eine zentrale Einstichstelle auf geröteter und geschwollener Haut. Der Patient klagt über Juckreiz.
Allergische Reaktionen auf Insektenstiche (22.6.1) sind durch eine übermäßige Hautreaktion, Übelkeit, Verletzungen:Tiere, durchAtemnot und evtl. Schockzeichen gekennzeichnet.
Bei einem InsektenstichStich in den Mund-Rachen-Raum oder beim WespenstichVerschlucken eines Insekts kommt es zu BienenstichSchluckbeschwerden, kloßiger Sprache und in seltenen Fällen zu Atemnot und Kreislaufreaktionen.

Erstmaßnahmen bei Augenverletzungen

  • Oberkörper hoch lagern.

  • I. v.-Zugang mit Infusion (z. B. Ringer-Lösung) legen, damit ggf. bei auftretender Schocksymptomatik rasch Volumen substituiert werden kann.

  • Notfälle:AugenverletzungSterilen Verband über das ganze Auge, ggf. beidseitig Augenverletzungen, Erstmaßnahmenzur Ruhigstellung anbringen; Verband so locker anlegen, dass kein Druck auf den Augapfel entsteht (Perforationsgefahr).

  • Bei Fremdkörper (v. a. Kalkpartikel, Verätzungsgefahr) Augenspülung (Abb. 30.24) vornehmen.

  • Keine Salben ins Auge bringen.

Erstmaßnahmen bei Kanülenstichverletzung

  • Stichkanal 1–2 Minuten bluten lassen (vorsichtig auf Wunde drücken, Extremität nach unten halten).

  • Gründlich desinfizieren (3–5 Minuten Fingerbad, z. B. in Betaisodona®).

  • Durchgangsarzt (2.9.2) aufsuchen.

  • Notfälle:KanülenstichverletzungHIV- und Hepatitis-B-Serologie beim Patienten und beim Verletzten durchführen lassen.

Erstmaßnahmen bei Stich in den Mund-Rachen-Raum

Bei allergischer Reaktion oder bei Stich in den Mund-Rachen-Raum alarmieren Sie den Notarzt und leiten eine entsprechende Schocktherapie (30.7) ein.

  • Oberkörper hoch lagern.

  • Falls vorhanden, O2-Gabe verabreichen.

  • I. v.-Zugang legen mit Infusion.

  • Falls möglich, Kühlung mit „Eiskrawatte“ oder nassem Tuch vornehmen.

  • Sollte der Patient ein Sympathomimetikum (z. B. Adrenalin) oder Glukokortikoidspray bei sich tragen, sollte er 2–4 Hübe inhalieren.

  • Falls ein Gefährdeter ein Anaphylaxie-Set (Adrenalin und Dexamethason zur Injektion) für den Notfall bei sich trägt oder der Heilpraktiker es legal besitzt (22.6.2), wird es angewendet.

  • Bei allergischer Reaktion Vorgehen wie beim anaphylaktischen Schock (22.6.2).

Vorgehen bei Insektenstich
Nach jedem Insektenstich kühlen Sie die Haut und tragen ein Antihistaminikum-Gel auf (z. B. Tavegil®-Gel, möglichst vorher im Kühlschrank lagern). Überprüfen Sie beim Patienten auch den Tetanusschutz, und überweisen Sie ihn ggf. zum Hausarzt. Bei Bienenstichen extrahieren Sie den Stachel und desinfizieren die Haut.
Zeckenbiss
Meist sitzt die Zecke (ein bis mehrere Millimeter großes, gräulich- oder braunschwarzes Spinnentier) ohne weitere Hautreizung an der Hautoberfläche (Abb. 30.25). Gelegentlich klagt der Patient über Juckreiz oder Schmerzen, und die Haut ist entzündet.
Die Zecke wird mit einer speziellen, in der Apotheke erhältlichen Zeckenpinzette möglichst hautnah erfasst und gegen den Uhrzeigersinn unter leichtem Zug herausgedreht. Das Auftropfen von Öl, damit die Zecke „loslässt“, ist zu unterlassen, da eine Zecke in diesem Fall besonders viel Speichel in die Bissstelle fließen lässt, was eine evtl. Übertragung von Borrelien (25.16.2) begünstigt. Die Bissstelle wird desinfiziert und der Tetanusschutz überprüft (22.5.5). Nach Entfernen der Zecke reinigen Sie sich gründlich die Hände.
Bei Komplikationen wie Schwellung, Rötung, Infekt oder Gelenkentzündung (Lyme-Borreliose 25.16.2), aber auch bei Fieber und starken Kopfschmerzen (FSME 25.16.2), muss sich der Patient in den nachfolgenden Wochen bei seinem Hausarzt zur Abklärung vorstellen.
In Endemiegebieten (Gebieten, in denen eine Erkrankung ständig vorkommt) ist eine passive Immunisierung gegen FSME von (exponierten) Erwachsenen sinnvoll, ggf. Überweisung zur Impfung.

Tipp

Richtiges Verhalten in gefährdeten (Wald-)Gebieten verringert das Risiko für Zeckenbisse erheblich (25.16.2).

Tierbiss
Bei Tierbissen überweisen Sie den Patienten nach der Erstversorgung (30.12.2) zur weiteren Behandlung zu seinem Hausarzt oder zu einem Chirurgen. Die oft tiefen Gewebsquetschungen bei eher geringfügigen Hautverletzungen bilden den Boden für Wundinfektionen.
Der Arzt überprüft den Tetanusschutz (22.5.5) und klärt bei einem Haustier den Tollwutimpfstatus. Bei jedem Tollwutverdacht (25.16.4) wirdBissverletzung eine Tollwutimmunisierung begonnen.

Unfälle mit elektrischem Strom

Zu Stromverletzungen kann es kommen, wenn Strom durch den menschlichen Körper fließt. Das Ausmaß der Schädigung hängt ab von:
  • Stromart: Wechselstrom ist gefährlicher als Gleichstrom

  • Stromspannung: Hochspannung ist gefährlicher als Niederspannung

  • Stromstärke

  • Einwirkzeit

  • Hautwiderstand: feuchte Haut leitet Strom besser

  • Stromweg: der Stromfluss von Hand zu StromunfallHand ist weitaus gefährlicher als der Stromfluss von Hand zu Fuß

Der Strom führt entweder zur direkten elektrischen Schädigung (Störungen der Reizleitung im Körper) oder durch Umwandlung der Stromenergie in Hitze zur thermischen Schädigung (Verbrennung). Folgen sind:
  • Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand: Herzrhythmusstörungen können sich noch Tage nach dem Stromunfall entwickeln!

  • Muskelverkrampfungen (besonders bei Wechselstrom): Hierdurch ist das Opfer oft nicht in der Lage, die Stromquelle loszulassen, sodass es zur verlängerten Stromeinwirkung kommt; plötzliche Muskelverkrampfungen können so stark sein, dass es zu Muskelrissen oder Knochenbrüchen kommt.

  • Zentralnervöse Schädigungen: Verwirrung, gestörte Atemregulation, Koma.

  • Atemstillstand: durch Lähmung des Atemzentrums im Gehirn oder durch Muskelverkrampfungen der Atemmuskulatur.

  • Verbrennungen: insbesondere an den Ein- und Austrittsstellen des Stroms kommt es zur Hitzeentwicklung mit entsprechenden Strommarken.

Merke

Hämodynamisch relevante Herzrhythmusstörungen können noch nach Tagen eintreten, ein eventuelles Kammerflimmern kann nur durch möglichst frühe Defibrillation behandelt werden. Deshalb muss jeder Stromunfallpatient stationär vorgestellt werden.

Beim Blitzschlag treten extrem hohe Spannungen (10–30 Megavolt!) und Stromstärken auf. Der Stromfluss geht hauptsächlich über die Körperoberfläche und weniger durch den Körper, deshalb sind Hautverbrennungen häufiger als innere Verletzungen.
Die Schädigung ist vom Stromweg im Körper abhängig, z. B. sofortige Bewusstlosigkeit bei Durchströmung des Kopfes oder Kreislaufstillstand bei Beteiligung des Herzens.

Schädelbasisfraktur

BlitzschlagunfallSchädel-Hirn-Trauma 23.9.1
Die Schädelbasisfraktur ist gekennzeichnet durch:
  • Brillen- oder Monokelhämatom (beid- oder einseitiger Bluterguss im Augenbereich)

  • Blut und/oder Liquor aus Mund, Nase oder Ohr

  • Hirnbreiaustritt Schädelbasisfrakturaus Ohr oder Nase

  • Verletzungen:SchädelbasisfraturMinderung des Hörvermögens (evtl. nur einseitig)

  • Schwindel

  • evtl. Hirnnervenlähmungen

Stumpfes Bauchtrauma

Am häufigsten istBrillenhämatom ein stumpfes Bauchtrauma Folge eines Verkehrsunfalls. MonokelhämatomDabei sind 70 % aller Betroffenen mit einem stumpfen Bauchtrauma polytraumatisiert, d. h. mehrfach verletzt (23.7).
Die Gefahr besteht in der Verletzung innerer Organe. Eine Milzruptur, einNotfälle:Bauchtrauma, stumpfes Leberriss oder ein abgerissenes Mesenterialgefäß können innerhalb Bauchtrauma, stumpfeskürzester Zeit zum lebensbedrohlichen Blutverlust führen.
Verletzungen:BauchtraumaBei der klinischen Untersuchung sind häufig oberflächliche Schürfungen, Prellmarken und Hämatome zu beobachten. Eine offene Wunde zur Bauchhöhle fehlt definitionsgemäß.
Diagnostisch folgen eine Sonografie des Abdomens, Röntgenaufnahmen und evtl. Kontrastmitteldarstellungen des Magen-Darm-Trakts zum Rupturnachweis.
Bei weiter unklarem Befund können ein CT, eine Peritoneallavage, Angiografie oder Laparoskopie/Laparotomie erforderlich sein.
Der dringende Verdacht auf eine Verletzung intraabdomineller Organe indiziert eine Laparotomie mit genauer Inspektion aller Abdominalorgane. Die weitere Behandlung hängt von Art und Ausmaß der dabei diagnostizierten intraabdominellen Verletzungen ab.

Polytrauma

Polytrauma (Mehrfachverletzung): gleichzeitig entstandene Verletzung mehrerer Organe oder Organsysteme, wobei eine der Verletzungen oder die Kombination der Verletzungen lebensbedrohlich ist.

Hauptursache von Polytraumen sind Verkehrsunfälle. Die Versorgung eines Polytraumatisierten läuft nach einem Stufenplan mit genauer Aufgabenteilung ab. Wichtig ist dabei die erste Stunde unmittelbar nach dem Unfallgeschehen: Fehler oder Unterlassungen in dieser Zeit können zu irreversiblen Schäden führen.
PolytraumaDer Verletzte wird im Krankenhaus fachgerecht Verletzungen:Polytraumaversorgt, z. B. erhält er Infusionen und wird ggf. intubiert, der Kreislauf wird stabilisiert, gebrochene Extremitäten werden ruhig gestellt und offene Wunden steril abgedeckt. Im Krankenhaus legt der verantwortliche Chirurg nach der Erstuntersuchung die diagnostische Reihenfolge fest und entscheidet, welche Ärzte anderer Fachrichtungen hinzugezogen werden müssen. Möglichst zeitgleich prüft ein anderer Chirurg mittels Sonografie des Abdomens und des Thorax, ob freie Flüssigkeit als Hinweis auf eine Blutung oder Organperforation vorliegt. Dieser Teil der klinischen Maßnahmen darf höchstens 15–20 Min. dauern.
In kritischen Situationen muss der Patient ohne weitere Diagnostik notfallmäßig operiert werden (Akutchirurgie, z. B. Schädel-Hirn-Trauma; Organ- und Gefäßverletzungen), bei Stabilisierung des Zustands kann die operative Versorgung nicht lebensbedrohlicher Verletzungen vorgenommen werden.

Erstmaßnahmen bei Elektrounfall/Blitzschlag

  • Notarzt alarmieren – auch bei ”harmlos“ aussehendem Elektrounfall, denn lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen können jederzeit, auch nach Stunden, einsetzen. Eigensicherung (Abb. 30.26) vornehmen.

  • Verunglückten in Ruhelage Notfälle:Elektrounfallbringen, evtl. kardiopulmonale Reanimation und Schocktherapie (O2-Gabe, i. v.-Zugang mit Infusion).

  • Verbrennungen (Strommarken) steril abdecken.

Erstmaßnahmen bei Schädelbasisfraktur

  • Notarzt alarmieren.

  • Patienten lagern:

    • Kopfhochlagerung zur Vermeidung eines Sekretstaus beim wachen Patienten.

    • stabile Seitenlagerung beim Notfälle:Schädelbasisfrakturbewusstlosen Patienten.

  • Schocktherapie (30.7) Schädelbasisfraktur:Erstmaßnahmeneinleiten.

  • Vitalfunktionen überwachen.

  • Gegebenenfalls kardiopulmonale Reanimation (30.4) vornehmen.

Erstmaßnahmen bei stumpfem Bauchtrauma

  • Bei allen Polytraumatisierten auf die Leitsymptome eines Bauchtraumas achten (Schmerzen, Abwehrspannung der Bauchdecke, Schocksymptome).

  • Umgehend Notarzt informieren (lassen) und Verlegung in ein Krankenhaus vorbereiten.

  • Bauchtrauma, stumpfes:ErstmaßnahmenVitalzeichen engmaschig kontrollieren.

  • Oberkörper leicht erhöht lagern, bei Dyspnoe wird Sauerstoff verabreicht.

  • Traumatisierten beruhigen, ihn nicht alleine lassen.

  • Gegebenenfalls Materialien reichen zum Legen eines i. v.-Zugangs, Infusionstherapie überwachen.

Erstmaßnahmen bei Frakturen und Luxationen

  • Notarzt oder Rettungswagens benachrichtigen je nach Situation (bei geschlossenen Frakturen Notfälle:Frakturenkleiner Knochen, z. B. Finger, genügt Überweisung zum Notfälle:LuxationenChirurgen).

  • Möglichst großlumigen i. v.-Frakturen:ErstmaßnahmenZugang legen bzw. mehrere bei Beckenverletzungen, Frakturen der Luxationen:Erstmaßnahmengroßen Röhrenknochen oder Mehrfachverletzungen.

  • Keine unnötigen Bewegungen und keine Repositionsversuche durchführen.

  • Oberarm-, Unterarmfraktur, Fraktur im Bereich der Hand und Schulterluxation mit einem oder mehreren um den Hals geknoteten Dreieckstüchern (Abb. 30.27) ruhigstellen.

  • Beinfrakturen, Hüftgelenk- und Kniegelenkluxationen durch Umpolsterung von z. B. fest gerollten Kleidungsstücken, Decken oder Kissen ruhigstellen. Bei Verdacht auf Schädigung des Rückenmarks (23.11.3) oder Wirbelfrakturen Körperlage nicht verändern – außer bei unvermeidbarem Transport aus Gefahrenzone oder bei Bewusstlosigkeit (stabile Seitenlage erforderlich).

  • Achtung: Umlagerung nur vornehmen, wenn keine Nerven oder Gefäße verletzt sind, keine mechanischen Widerstände vorhanden sind und der Patient keine besonderen Schmerzäußerungen von sich gibt.

  • Bei größeren Frakturen Schocktherapie (30.7) vornehmen.

Erstmaßnahmen bei Amputation

  • Notarzt alarmieren.

  • Blutstillung und Wundversorgung vornehmen: In der Regel reicht es aus, einen stabilen Druckverband anzulegen; selten muss das Gefäß abgebunden werden, wodurch aber auch die Versorgung des Notfälle:AmputationRestgewebes hinter der Stelle, an der abgebunden wurde, Amputationgefährdet ist.

  • Schocktherapie einleiten (30.7).

  • Gegebenenfalls kardiopulmonale Reanimation (30.4) vornehmen.

  • Amputat versorgen bei vollständiger Abtrennung einer Gliedmaße (Abb. 30.28):

    • Amputat in sterile Kompressen wickeln

    • in Plastikbeutel legen und verschließen

    • diesen dann in einen zweiten Plastikbeutel mit Eiswürfeln und Wasser legen und verschließen

    • Achtung: auf keinen Fall direkter Kontakt des Amputats mit dem Eis!

Erstversorgung bei Amputationsverletzungen

Amputationsverletzung: traumatische Abtrennung einer Gliedmaße, meist nur unvollständig (subtotal).

Amputationsverletzungen entstehen durch schwere Quetschung durch umgefallene Gegenstände (z. B. Maschine, Balken), Scherkräfte oder scharfe Gewalteinwirkung (z. B. Messer). Neben einer Weichteilverletzung sind Knochen, Nerven- und Gefäßbündel durchtrennt.
Sind Körperteile, wie z. B. Ohr, Hand oder große Hautbezirke abgetrennt, kann die moderne AmputationsverletzungenReplantationschirurgie häufig gute Ergebnisse bei der Wiederherstellung erzielen. Voraussetzung ist die optimale Erstversorgung des Patienten und der sachgemäße Umgang mit dem Amputat.
Trotz wichtigem und richtigem Aktionismus muss unbedingt auch an die Betreuung und „psychologische Erste Hilfe“ des Verletzten gedacht werden.

Versorgung von Frakturen und Luxationen

Traumatische Frakturen (Knochenbrüche 9.5.7) und Luxationen (Verrenkungen 9.6.4) entstehen durch direkte (z. B. Schlag, Stoß, Schuss) oder indirekte (z. B. Biegung, Drehung, Abscherung) Gewalteinwirkungen (Erstversorgung Abb. 30.27). Es werden unsichere und sichere Fraktur- und Luxationszeichen (Tab. 30.17) unterschieden.

Vergiftungen und Rauschzustände

Überblick

Frakturen:Versorgung Luxationen:Versorgung

Merke

Gift kann über die Verdauungswege (sogenannte Ingestionsgifte), über die Atemwege (Inhalationsgifte) oder über die Haut (perkutane Gifte) aufgenommen werden. Auf allen drei Wegen gelangt die giftige Substanz in das Blut, sodass eine Schädigung des gesamten Organismus möglich ist (Abb. 30.29).

Das „Gift“ wird entweder in Selbsttötungsabsicht (ca. 80 % der Fälle), versehentlich, bei Kindern aus Neugier (12 % der Fälle) oder aberVergiftungen bei einem Arbeitsunfall (ca. 5 % der Fälle) Notfälle:Vergiftungen\baufgenommen.
Eine Gefahrenquelle stellen auch unsachgemäß Notfälle:Rauschzustände\bgelagerte Giftstoffe im Haushalt dar. Die Substanzen sollten in ihrer RauschzuständeOriginalverpackung (meist mit Sicherheitsverschluss) belassen und an einem für Kinder unzugänglichen IngestionsgiftOrt aufbewahrt werden.
Häufig sind Vergiftungen auch durch Überdosierung von Rausch- und Genussmitteln (z. B. Alkohol) bedingt.
Symptome einer akuten Vergiftung
Folgende Symptome weisen auf eine Vergiftung hin:
  • zentrale Störungen: Erregungszustand oder Bewusstseinstrübung bis hin zum Koma, Krämpfe, Lähmungen, Kopfschmerzen, Schwindel

  • psychische Störungen: Aggressivität, Fantasieren, Depressionen, Gefühl des „High-Seins“

  • gastrointestinale Störungen: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall

  • Leberschädigung: Symptome einer (toxischen) Hepatitis oderVergiftungen:akute sogar eines (tödlichen) Leberzerfalls (14.5.4)

  • Atem- und Kreislaufstörungen: Schock, Kreislaufstillstand, Atemlähmung, Pulsbeschleunigung oder -verlangsamung

Hinzu treten lokale Schäden durch die toxische Substanz wie z. B. eine Speiseröhrenverätzung nach oraler Aufnahme von Säuren (30.14).

Achtung

Die Kombination von Bewusstseinsstörungen und Erbrechen kann für den Vergifteten gefährlich werden: Durch die Bewusstlosigkeit und die gleichzeitige Verminderung der Schutzreflexe kann es zur Aspiration (Einatmung) von Erbrochenem kommen.

Es drohen zentrale (hirnbedingte) oder periphere (durch Verlegung der Atemwege bedingte) Atemstörungen, evtl. sogar ein Atemstillstand. Durch die toxische Wirkung der Substanzen können neben der akuten Störung der Vitalfunktionen oft auch Spätschäden (z. B. an Leber, Nieren) auftreten.
Schweregrad einer Vergiftung
Vor allem die Abschätzung der Komatiefe, also des Grades des Bewusstseinsverlusts, erlaubt eine Beurteilung des aktuellen Stadiums einer Vergiftung. Man unterscheidet vier Schweregrade (Tab. 30.18).
Vorgehen bei Vergiftungen

Achtung

Während früher generell zum Auslösen von Erbrechen geraten wurde, wird diese Maßnahme heute sehr kritisch betrachtet: Besonders bei Bewusstlosigkeit, Vergiftungen mit Säuren, Laugen, fettlöslichen Substanzen oder Schaumbildnern ist das induzierte Erbrechen absolut kontraindiziert.

Im Einzelfall ordnet der Arzt das induzierte Erbrechen an, z. B. durch mechanische Reizung der Rachenhinterwand Intoxikation(„Finger in den Hals Vergiftungen:Schweregradestecken“). Auch das Trinken von Salzwasser reizt zum Erbrechen. Bei Kindern darf diese Methode jedoch möglichst nicht angewendet werden, da der kindliche Organismus mit der hohen Salzkonzentration überfordert ist. Bei ihnen wird Erbrechen am besten mit Ipecacuanha-Sirup (Rp) induziert.
Schulmedizinische Therapie
Bei Vergiftungen hat sich die Elementartherapie bewährt:
  • Sicherung der Vitalfunktionen, evtl. kardiopulmonale Reanimation (30.4)

  • Anruf bei der Giftinformationszentrale

  • Diagnosesicherung (Sicherstellung von Material wie z. B. Tablettenresten, Gläsern, Urin oder Erbrochenem)

  • Im Krankenhaus evtl. Verringerung der Giftresorption durch induziertes Erbrechen, Magenspülung oder Gabe von Absorbenzien wie Aktivkohle

  • Gabe von Antidoten (Gegengiften)

  • Beschleunigung der Giftausscheidung (z. B. durch Hämofiltration oder Hämodialyse 16.5.1), Blutaustauschtransfusion oder medikamentös forcierte Diurese

Alkoholvergiftung

Alkoholvergiftungen sind häufig und führen oft zum Tode, wenn sie nicht oder zu spät behandelt werden.

Achtung

Eine häufige Todesursache bei Alkoholvergiftung ist die Hypoglykämie, die leicht übersehen wird, bzw. an die oft nicht gedacht wird.

Symptome
Der alkoholvergiftete Patient ist an folgenden Zeichen zu erkennen:
  • bei mäßiger Vergiftung erhöhtes Selbstbewusstsein, das dann (bei weiterer Alkoholzufuhr) in eine Bewusstseinstrübung bis zum narkotischen Stadium übergehen kann

  • Alkoholvergiftung:ErstmaßnahmenStörung der motorischen Koordination, Verschlechterung der Konzentrationsfähigkeit, verlangsamte Reaktionen, Gedächtnisverlust für die zurückliegenden Stunden

  • Geruch nach Alkohol (Alkoholfötor)

  • erhöhte Wärmeabgabe durch Erweiterung der peripheren Gefäße (gerötetes Gesicht), häufig mit nachfolgender Unterkühlung

  • Erbrechen, erhöhter Harnfluss (Polyurie, Folge der durch Alkohol gehemmten ADH-Sekretion 16.4.2).

Schulmedizinische Therapie
Die Behandlung von alkoholvergifteten Patienten ist abhängig von den zusätzlichen Störungen besonders Hypoglykämien (Unterzuckerungen 15.6.5), Mischintoxikationen (z. B. mit Tbl. oder Rauschgift), Hirnblutungen oder Hirnhautentzündungen (Meningitiden 23.7.1) kommen vor. Besteht nicht nur eine akute Alkoholvergiftung, sondern zugleich eine Alkoholabhängigkeit, entstehen innerhalb von Stunden die Symptome des Alkoholentzugsdelirs (26.14.1).

Benzodiazepinvergiftung

Benzodiazepine wie Rp Valium® und Rp Adumbran® gehören zu den meistverordneten Medikamenten in der Allgemeinmedizin und der Psychiatrie. Sie werden nicht selten in Suizidabsicht überdosiert eingenommen.
Der Patient erscheint benommen, seine Muskeln sind schlaff und entspannt, er läuft (soweit noch möglich) ataktisch (also unkoordiniert, schlacksig). Bei starker Überdosierung treten Bewusstlosigkeit, Atemdepression und BenzodiazepinvergiftungBlutdruckabfall hinzu.

Drogenintoxikation und Entzugssyndrome

Drogenintoxikationen, die infolge einer Überdosierung (26.13.2) entstehen, zeichnen sich Benzodiazepinvergiftung:Erstmaßnahmendurch körperliche und psychische Symptome aus (Notfälle:BenzodiazepinvergiftungTab. 30.19). Art und Dosis der eingenommenen Droge bestimmen das Symptomenbild der Intoxikation. Die große Anzahl neuer Designerdrogen macht die Drogenabhängigkeit:IntoxikationDifferenzialdiagnostik schwierig, denn durch sie Drogenabhängigkeit:Entzugssyndromeentstehen völlig neue Symptomenbilder.

Erstmaßnahmen bei Verdacht auf Vergiftung

  • Notarzt alarmieren.

  • Evtl. bei beschwerdefreien Patienten oder Patienten in gutem Allgemeinzustand zunächst Information für weiteres Vorgehen über Vergiftungszentrale einholen.

  • Vitalfunktionen Vergiftungen:Erstmaßnahmenüberwachen.

  • Schocktherapie einleiten (30.7).Notfälle:Vergiftung

  • Evtl. kardiopulmonale Reanimation vornehmen (30.4).

  • Evtl. Giftreste und Erbrochenes für eine spätere Untersuchung im Labor aufbewahren.

  • Patienten warm halten.

Erstmaßnahmen bei Alkoholvergiftung

  • Notarzt alarmieren (bei Bewusstlosigkeit) bzw. des Rettungswagens (bei Bewusstseinstrübung/Verwirrtheit).

  • Bewusstlose in stabile Seitenlage bringen (Schutz vor Aspiration).

  • Vor Alkoholvergiftung:ErstmaßnahmenAuskühlung schützen.

  • Schocktherapie einleiten (30.7), Notfälle:Aloholvergiftungevtl. bei Verdacht auf Unterzuckerung (wenn möglich, Blutzucker-Stick-Test durchführen) eine Infusion mit 5-prozentiger Glukoselösung durchführen.

  • Überwachung der Vitalfunktionen.

  • Evtl. kardiopulmonale Reanimation (30.4) vornehmen.

Erstmaßnahmen bei Benzodiazepinvergiftung

  • Notarzt alarmieren.

  • Schocktherapie einleiten (30.7).

  • Vitalfunktionen überwachen.

  • Evtl. kardiopulmonale Reanimation vornehmen (30.4).

Das Entzugssyndrom (26.13.2) Entzugssyndromeberuht auf körperlichen Störungen, die dann auftreten, wenn ein Drogensüchtiger mit körperlicher Abhängigkeit die gewohnte Droge nicht mehr zu sich nimmt oder die Einnahme vermindert.
Bei Drogennotfällen unterscheidet man
  • vorwiegend drogenbedingte Störungen in Form von Intoxikations- und Entzugssyndromen,

  • vorwiegend psychogen bedingte Fehlreaktionen. Diese können während der Entzug:DrogenDrogeneinwirkung zu abnormen Rauscherlebnissen führen oder als sog. Spätrausch (flashback) erscheinen. Dies ist ein Zustand, bei dem sich psychiatrische Symptome erst Tage, Wochen oder gar Monate nach Drogenkonsum und ohne erneute Drogenzufuhr einstellen.

Weitere Vergiftungen (Tab. 30.20)

Verätzungen

Säurenverätzung: Koagulationsnekrose (8.5.2), d. h. oberflächliche, scharf begrenzte Schädigung der Haut bzw. Schleimhaut; tritt selten auf.

Laugenverätzung: Kolliquationsnekrose (8.5.2), d. h. tiefgehende Schädigung von Haut und Schleimhaut mit diffuser Ausbreitung; Mehrzahl der Verätzungsunfälle in Haushalt und Betrieben.

Verätzungen werden durch Laugen und Säuren (Abb. 30.30) hervorgerufen. Sie treten v. a. im Bereich des Mundes, der Speiseröhre und des Magens sowie an den Augen und an der VerätzungenHaut auf.
Symptome

Tipp

Die Verätzung durch Laugen ist eher durch dumpfe oder in die Tiefe bohrende Schmerzen charakterisiert, die Verätzung durch Säuren durch sehr starke brennende oder stechende Schmerzen.

Je Notfälle:Verätzungen\bnach Schweregrad der Hautverätzung kommt es zu:
  • Schwellung, SäurenverätzungRötung und Schmerzen

  • Ulzerationen, Flüssigkeitsaustritt und LaugenverätzungSchorfbildung

  • Nekrosen aller VerätzungenHautschichten mit Schädigung von Nerven und Blutgefäßen.

Beim Trinken einer ätzenden Substanz kommt es zu heftigen Schmerzen sowie zu Speichelfluss. Zudem sind Schleimhäute durch Beläge, Verquellungen oder Blutungen verändert. Werden ätzende Gase oder Dämpfe eingeatmet oder ätzende Stoffe, wie z. B. Zement, können Entzündungen der Atemwege, Lungenblutungen sowie ein Lungenödem auftreten. Möglicherweise kann sich als Folgeerkrankung eine Pneumonie entwickeln.
Bei Verätzungen können folgende Komplikationen auftreten:
  • Vergiftungserscheinungen des Gesamtorganismus, die mit Herz-Kreislauf-, Nierenversagen und Gerinnungsstörungen einhergehen (selten, aber hohe Letalität)

  • Bildung von Stenosen und Strikturen (Hohlorganverengungen)

  • maligne Entartung

Achtung

Fehlende sichtbare Verätzungen im Mund schließen diese im Ösophagus nicht aus!

Erstmaßnahmen bei Verätzungen

Haut

  • Je nach Schweregrad Notarzt benachrichtigen oder Überweisung in chirurgische Klinik. Achtung: das Ausmaß der Verätzung kann zunächst schlecht eingeschätzt werden!

  • Eigenschutz beachten: Handschuhe und ggf. Notfälle:VerätzungenSchutzbrille tragen.

  • Einwirken der Substanz beenden, z.Verätzungen:Erstmaßnahmen B. alle benetzten Kleider entfernen.

  • Betroffenen Bereich unter fließendem Wasser spülen, ist kein Wasser vorhanden, Schadstoff abtupfen.

  • I. v.-Zugang legen.

  • Vitalfunktionen überwachen (30.3).

  • Evtl. Schocktherapie einleiten (30.7).

Mundbereich

  • Notarzt alarmieren.

  • Mund ausspülen.

  • Flüssigkeit, z. B. Leitungswasser oder Tee, in kleinen Schlucken zu trinken geben, aber nicht mehr als 100 ml bei Kindern und 200 ml bei Erwachsenen (wegen Risiko des Erbrechens).

  • Achtung: niemals den Betroffenen zum Erbrechen bringen, dies würde die Schleimhautschädigung, insbesondere der Speiseröhre, nur verschlimmern.

  • I. v.-Zugang legen.

  • Vitalfunktionen überwachen (30.3).

  • evtl. Schocktherapie einleiten (30.7).

Hitze- und kältebedingte Notfälle

Sonnenstich

Beim Sonnenstich (VerätzungenInsolation) kommt es durch längere und direkte SonneneinstrahlungVerätzung(en):Komplikationen auf den ungeschützten Kopf und Nacken zu einer Reizung der Hirnhaut. Dies führt zu den Symptomen:
  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • hochroter, heißer Kopf

  • Nackensteifigkeit

  • Notfälle:hitzebedingte\bSchwindel

  • Abgeschlagenheit

  • bei Kleinkindern Notfälle:kältebedingte\bhohes Fieber, oft erst nach längerer Zeit, z. SonnenstichB. am Abend

  • evtl. Bewusstlosigkeit, InsolationKrampfanfälle

Besonders gefährdet sind Personen, die keinen natürlichen Schutz gegen direkte Sonneneinstrahlung haben, wie z. B. Kleinkinder und Erwachsene mit wenig Kopfhaar.
Tritt bei Kleinkindern mit Verzögerung, also einige Stunden nach der Sonneneinwirkung, Fieber auf, ist eine sofortige Arztbehandlung erforderlich, da sich eine Meningitis entwickeln kann.

Hitzschlag

Bei Störung der Wärmeregulation kommt es nach längerer Hitzeexposition und unzureichender Wärmeabgabe zum so genannten Hitzschlag mit den Symptomen:
  • Kopfschmerzen

  • Übelkeit und Erbrechen

  • Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit

  • Tachykardie bei zunächst normalem und später niedrigem Blutdruck

  • verstärkte Atmung

  • Temperatur über 40 °C

  • rote, heiße, trockene Haut

Besonders gefährdetHitzschlag sind chronisch kranke Patienten (z. B. Diabetes mellitus) sowie alkoholisierte oder unter Drogeneinfluss stehende Menschen. Auch der Aufenthalt in Menschenmassen (z. B. Fußballstadion) bei höheren Temperaturen stellt eine Gefahr dar.

Achtung

Beim Hitzschlag besteht Lebensgefahr!

Die häufigsten Ursachen sind: zu lange Sonnenbestrahlung, zu warme Kleidung, hoher Flüssigkeitsverlust, z. B. durch zu geringe Flüssigkeitsaufnahme bei starkem Schwitzen oder bei Durchfall, körperliche Anstrengung in sehr heißer Umgebung, ungewohnt hohe Luftfeuchtigkeit und geringe Luftumwälzung. Zudem können Medikamente (z. B. Antihistaminika) das Risiko für einen Wärmestau mit Hitzschlag erhöhen.

Verbrennungen

Verbrennung: lokaler Gewebeschaden durch Einwirken von thermischer Energie (Feuer, heißes Wasser, Wasserdampf); bei Gewebeschädigung durch heiße Flüssigkeiten spricht man von Verbrühung.

Bei einer Verbrennung wird die Haut durch Hitze oder chemische Einwirkung oder durch elektrischen Strom geschädigt. Bei Gewebeschädigung durch heiße Flüssigkeiten spricht man auch von Verbrühungen.
Oft sieht eine Verbrennung zunächst undramatisch aus: Blasen bilden sich erst nach einer gewissen Zeit, Gewebedefekte sind anfänglich noch schwer einzuschätzen, z. T. Verbrennungensind Verbrennungen auch noch unter Kleidern verborgen.
Entscheidend für den Verlauf und die VerbrühungPrognose einer Verbrennung sind:
  • Flächenausdehnung

  • Tiefenausdehnung

  • Alter des Patienten

Erstmaßnahmen bei Sonnenstich

  • Bei Bewusstlosigkeit oder Krämpfen Notarzt verständigen, ansonsten nach Erster Hilfe Arztbesuch veranlassen!

  • Betroffenen schnell an einen kühlen Ort bringen und ihn dort mit erhöhtem Kopf lagern (bei Notfälle:SonnenstichBewusstlosigkeit stabile Seitenlage).

  • Kopf mit nassen Sonnenstich, ErstmaßnahmenTüchern kühlen.

  • Bis zum Eintreffen des Notarztes die Vitalzeichen (30.3) kontrollieren.

Erstmaßnahmen bei Hitzschlag

  • Notarzt alarmieren.

  • Patienten an einen kühlen Ort bringen, Oberkörper hoch lagern.

  • Kühlen des Patienten, z. B. durch kühle Umschläge, Kleidung weit öffnen.

  • I. v.-Zugang und Infusion legen (z. B. 0,9 % NaCl, Ringer-Lösung).

  • Wenn Hitzschlag, Notfälle:Hitzschlagvorhanden, O2-Gabe.

Flächenausdehnung
Je größer der verbrannte Hautanteil, desto bedrohlicher die Verbrennung. Sind mehr als 10–15 % der Hautoberfläche betroffen, so droht ein Volumenmangelschock, da große Mengen an Körperwasser über die geschädigte Haut verloren gehen. Verbrennungen über 50 % der Körperoberfläche sind häufig tödlich.
Zur Abschätzung des verbrannten Hautanteils hat sich die Neunerregel bewährt: Beim Erwachsenen lässt sich die Köperoberfläche in elf „Neun-Prozent-Stückchen“ aufteilen. Bei Kindern – und v. a. Säuglingen – mit ihrem relativ großen Kopf gelten modifizierte Regeln (Abb. 30.31).
Tiefenausdehnung
Je tiefer der Verbrennungsdefekt reicht, desto größer sind die zu erwartenden Wasserverluste und toxinvermittelten Allgemeinschäden (unten).
Man unterscheidet drei bzw. vier Schweregrade (auch 8.2.1):
  • Verbrennung 30. Grades: Es bestehen eine lokale Schwellung und Rötung, ähnlich einem Sonnenbrand (Hyperämie), mit Schmerzen; der Wundgrund ist trocken. Die Schädigung ist auf die Oberhaut (Epidermis) beschränkt. Die Haut schuppt später ab; es bleiben keine Narben.

  • Verbrennung 2. Grades: Zusätzlich bilden sich Brandblasen mit starken Schmerzen (oberflächliche Verbrennung 2. Grades). Die Haut kann auch zerfetzt wirken, die Hautrötung nur gering ausgeprägt sein und der Wundgrund feucht (tiefe Verbrennung 2. Grades). Neben der Oberhaut ist auch die Lederhaut betroffen. Je nach Tiefenausdehnung erfolgt die Abheilung ohne oder mit Narbenbildung.

  • Verbrennung 3. Grades: Es handelt sich um eine komplette Zerstörung (Nekrose) der Haut samt den Hautanhangsgebilden – sog. Verkohlung. BrandblasenAls Befund zeigen sich eine derbe, nicht verschiebliche Haut sowie ein weißlicher Wundgrund, Schmerzen bestehen nicht. Eine Selbstheilung ist nicht mehr möglich.

  • Die schwere Verbrennung 3. Grades kann auch Unterhaut, Knochen, Sehnen und Muskulatur betreffen und wird dann mitunter als Verbrennung 4. Grades bezeichnet.

Erstmaßnahmen bei Verbrennungen

  • Kleiderbrände sofort löschen: hierzu die brennende Person, die aus Panik meist davonläuft, in jedem Fall aufhalten.

  • Brennende Person mit Wasser übergießen oder in Wasser eintauchen (15–20 °C, kein Eiswasser!); Notfälle:Verbrennungensteht kein Wasser zur Verfügung, die Flammen mit Tüchern Verbrennungen, Erstmaßnahmenersticken oder den Brennenden in Wolldecken einhüllen oder auf dem Boden wälzen; auch Feuerlöscher können eingesetzt werden, dabei aber nicht auf das Gesicht richten

  • Bei tief reichenden Verbrennungen, Verbrennungen des Gesichts oder einer verbrannten Körperoberfläche über 9 % (Kinder: 5 %) sofort Notarzt verständigen (lassen).

  • Alle Verbrennungen nach dem Löschen rasch und nachhaltig kühlen; dazu die betroffenen Stellen mit kaltem Wasser (ca. 6–12 °C für 10 bis 20 Min.) übergießen, ggf. die betroffenen Personen (z. B. Kinder) 15 Minuten lauwarm abduschen.

  • Bei Verbrennungen der Extremitäten diese sofort für mindestens 15 Minuten in kaltes (nicht eiskaltes!) Wasser tauchen.

  • Brandwunden mit keimfreiem Verbandstuch abdecken; steht kein Verbandstuch zur Verfügung, muss die Wunde unbedeckt bleiben.

  • Keinesfalls irgendwelche Salben, Puder oder Sprays verwenden (Ausnahme: kleinere Verbrennung 1. Grades); auch in die Haut eingebrannte Materialien wie z. B. Teer nicht entfernen.

  • Vitalfunktionen überwachen.

  • Schockbekämpfung (30.7) mit i. v.-Zugang und Volumenzufuhr.

  • Evtl. kardiopulmonale Reanimation (30.4) beginnen.

Achtung

Bei der Verbrennung 3. Grades werden die Hautanhangsgebilde (Haare, Schweißdrüsen) und die Schmerzrezeptoren der Haut zerstört. Je geringer die Schmerzangaben bei Verbrennungen, desto schwerer ist möglicherweise die Schädigung!

Verbrennungskrankheit
Bei ausgedehnten Verbrennungen bleibt das Krankheitsgeschehen nicht auf die unmittelbar betroffenen Hautbereiche beschränkt. Durch die Wirkung von Eiweißzerfallsprodukten sowie durch Flüssigkeits- und Salzverluste kommt es zu schwersten Allgemein- und Organschädigungen, der Verbrennungskrankheit. Hierbei drohen Schock, Organversagen (v. a. der Nieren und Lunge) und Infektionen.

Achtung

Eine sofortige Klinikeinweisung und Flüssigkeitssubstitution i. v. ist bei Verbrennungen > 9 % der Hautoberfläche und bei Verbrennungen im Gesicht erforderlich. Kinder müssen schon bei Verbrennungen > 5 % stationär aufgenommen werden.

Überweisen Sie den Patienten auch bei geringer Flächenausdehnung der Verbrennung, aber Verbrennungsgrad 2–3 zum Arzt.
Vorgehen bei Verbrennungen
Eine Verbrennung 3. Grades wird mit kaltem Wasser gekühlt (15–20 °C, kein Eiswasser!) und evtl. mit kühlenden Wundgels oder freiverkäuflichen Glukokortikoidcremes (z. B. VerbrennungskrankheitHydrocort® mild) lokal behandelt.
Bei kleinen Verbrennungen 2.–3. Grades wird die Wunde steril abgedeckt, und der Arzt trägt ebenfalls eine Glukokortikoidcreme auf, evtl. entfernt er Nekrosen.

Achtung

Besonders bei Explosionen oder Brand in geschlossenen Räumen sowie bei Brandmarkierungen im Gesicht an eine Lungenbeteiligung denken (Inhalationsschaden mit Schleimhautschwellung und Lungenödem). Die Schädigung des Respirationstrakts (Reizgasinhalation) äußert sich durch Heiserkeit, Husten, Ruß im Sputum und Atemnot. Der Inhalationsschaden kann bis zum Lungenversagen führen.

Erfrierung und Unterkühlung

Erfrierung: lokale, meist auf die Haut beschränkte Kälteschädigung (auch 8.2.1) ohne Absinken der Körperkerntemperatur.

Unterkühlung (Hypothermie): Absinken der Körperkerntemperatur < 35 °C, akute Lebensgefahr besteht bei Körpertemperaturen < 27 bis 30 °C.

Erfrierung
Erfrierungen treten besonders an den Akren (Zehen, Finger, Ohrläppchen, Nasenspitze) auf. Ähnlich wie bei Verbrennungen ist der Heilungsverlauf von der Tiefenausdehnung abhängig. Man unterscheidet drei Schweregrade. Wie bei der Verbrennung sind die Grade 1 und 2 auf UnterkühlungEpidermis und Dermis beschränkt und heilen zumeist folgenlos ab.
  • Erfrierung 1. Grades: Es Erfrierungzeigt sich eine Verfärbung der Haut. Zunächst ist dieUnterkühlung Haut durch den kältebedingten Gefäßkrampf weiß, kalt Hypothermieund gefühllos. Später färbt sie sich blau-rot und wird äußerst schmerzhaft.

  • Erfrierung 2. Grades: Typisch sind Blasenbildung (frühestens nach einem Tag) und ausgeprägte Schwellungen („Frostbeulen“ Abb. 30.32). Die Schmerzempfindlichkeit ist erhalten.

  • Erfrierung 3. Grades: Es entwickelt sich eine Nekrose. Die gesamte Haut und evtl. tiefere Weichteilschichten sind durch die kältebedingte Minderdurchblutung zerstört und verfärben sich schwarzblau (frühestens nach einer Woche).

Merke

Betroffene Körperteile dürfen nicht durch Ein- und Abreiben (z. B. mit Schnee) zusätzlich geschädigt werden!

Unterkühlung
Die Unterkühlung (Hypothermie) betrifft größere Körperregionen oder den gesamten Organismus. Der Körper besitzt wirksame Gegenmaßnahmen, um sich vor FrostbeulenKälte zu schützen; er kann z. B. durch Muskelzittern die Wärmeproduktion steigern oder durch Engstellung der Hautgefäße die Wärmeverluste vermindern (Zentralisierung).
Versagen diese Kompensationsmechanismen, kommt es zum Absinken der Körperkerntemperatur (also der „Betriebstemperatur“ der wichtigsten Organe) mit gefährlichen Folgen:
  • UnterkühlungVerlangsamung des Stoffwechsels mit resultierender Schläfrigkeit und Bewusstseinsveränderung

  • Verlangsamung des Herzschlags (Bradykardie)

  • Nachlassen der Schmerzempfindung.

Achtung

Bei Unterkühlung besteht Lebensgefahr!

Bei etwa 27 °C sind die sichtbaren Lebensäußerungen so stark eingeschränkt, dass man vom Scheintod spricht. Bei einem weiteren Absinken der Körpertemperatur tritt Kammerflimmern und später Herzstillstand (Asystolie) auf.
Man unterscheidet 3 Stadien der Unterkühlung (Tab. 30.21).
Unterkühlung tritt gehäuft auf:
  • bei Bewusstlosen (keine angemessene Wärmeproduktion)

  • im Wasser (Wasser leitet Kälte 20-mal besser als Luft)

  • bei Wind (rasche Unterkühlung:WärmezufuhrWärmeverluste über die Haut)

  • unter Alkohol- und Medikamentenwirkung (Hypnotika, Tranquilizer) – besonders ScheintodAlkohol führt durch Weitstellung der Hautgefäße zu raschen Wärmeverlusten

  • bei alten Menschen (eingeschränkte Wärmeproduktion)

  • bei kleinen Kindern (relativ große Körperoberfläche mit raschen Wärmeverlusten)

Erstmaßnahmen bei Erfrierung

  • Der betroffene Körperteil wird langsam erwärmt, z. B. im Wasserbad. Bei leichten, wenig ausgedehnten Erfrierungen wird dem Patienten nach Durchführung der Erstmaßnahmen ein Arztbesuch empfohlen.

  • Liegt eine schwere Erfrierung mit Unterkühlung Erfrierung:Erstmaßnahmeneiner Extremität vor, sollte keine Wärmeapplikation erfolgen, Notfälle:Erfrierenda hierdurch der Sauerstoffbedarf des geschädigten Gewebes rasch ansteigen würde – die wegen der Kälte eingeschränkte Durchblutung wäre nicht in der Lage, den benötigten Sauerstoff „anzuliefern“. In diesem Fall wird der gesamte Körper langsam erwärmt (Erwärmung von „innen nach außen“ wie bei Unterkühlung). Dazu wird der Betroffene mit dem Rettungswagen in die nächste chirurgische Klinik gebracht.

  • Die Hautschäden werden, ähnlich wie bei Verbrennungen, steril abgedeckt.

  • Bei allen Erfrierungen muss an eine gleichzeitig vorliegende Unterkühlung gedacht werden. Diese muss vorrangig behandelt werden, ggf. durch den Notarzt.

Erstmaßnahmen bei Unterkühlung

  • Bei Kreislaufstillstand rasch kardiopulmonale Reanimation (30.4) durchführen und Notarzt alarmieren; da der Herzschlag extrem verlangsamt sein kann, Puls bei der Erstuntersuchung über mindestens 30 Sek. messen.

  • Weitere Kälteverluste Unterühlung:Erstmaßnahmenverhindern: nasse Kleider entfernen sowie den Unterkühlten gut Notfälle:Unterkühlenbedeckt und windgeschützt (!) lagern; falls verfügbar, den Betroffenen in einen warmen Raum bringen.

  • Nur bei leichter Unterkühlung mit erhaltenem Bewusstsein aktive Erwärmungsmaßnahmen ergreifen.

  • Achtung:Bei allen schweren Fällen von Unterkühlung drohen bei der aktiven Wiedererwärmung schwerwiegende Komplikationen, z. B. Herzflimmern und Schock!

  • Wärmezufuhr bei Körperkerntemperatur ≥ 32 °C: externe Wärmezufuhr durch Verabreichung warmer Getränke, warme Packungen im Bereich des Körperstamms (Nacken, Achselhöhlen, Leisten) oder durch Decken.

  • Wärmezufuhr bei Körperkerntemperatur ≤ 32 °C: interne Wärmezufuhr durch Aufwärmen der Atemluft und Infusionslösungen auf 40–43 °C. Bei externer Wärmezufuhr kommt es zur Gefäßerweiterung in der Peripherie, wodurch die Gefahr besteht, dass noch „mehr“ Blut auskühlt und nicht ausreichend erwärmt ins Körperinnere zurückfließt. Dies könnte zu einem weiteren Absinken der Kerntemperatur, Blutdruckabfall und lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen führen.

  • Achtung:Niemals die Extremitäten isoliert erwärmen (drohendes „Versacken“ des Blutes mit nachfolgendem Volumenmangelschock 11.5.3)!

  • Keine Schocklagerung, weil durch die Autotransfusion zu viel kaltes Blut in den Kreislauf gelangt und zu schweren Rhythmusstörungen (Herzstillstand) führen kann.

Beinaheertrinken

Beinaheertrinken: Überleben des Ertrinkungsunfalls um mehr als 24 Stunden.

Beim Ertrinken füllt sich die Lunge durch reflektorische Atembewegungen rasch mit Wasser, das die lebensnotwendige Atemluft verdrängt. Selten verhindert ein Krampf der Kehlkopfmuskulatur (Laryngospasmus) das Eindringen von Wasser (trockenes Ertrinken).
Ursachen des Ertrinkens oder Beinaheertrinkens sind fehlende Schwimmkenntnisse, Erschöpfung, Unterkühlung, aber auch IntoxikationenNotfälle:Beinaheertrinen\b (oft Alkohol), Trauma (Sprung ins flache Wasser mit Schädelverletzung), seltener epileptische Anfälle Ertrinkungsunfalloder Herzinfarkt.
Der Beinaheertrunkene ist in der Regel bewusstlos und zyanotisch. Meist besteht Atemstillstand, selten ist noch eine Schnappatmung (12.4.6) zu beobachten. Anfänglich ist evtl. noch ein schneller Herzschlag vorhanden, der bei längerem Untertauchen langsamer wird und schwindet (Asystolie). Durch den Sauerstoffmangel kommt es nicht selten zu Krampfanfällen. Erbrechen ist wegen der großen verschluckten Wassermengen häufig. Typisch ist ein weißlicher bis blutiger Schaum vor Mund und Nase. Die inhalierten Wassermengen sind in jedem Fall gering und spielen für die Notfalltherapie keine Rolle.

Erstmaßnahmen beim Ertrinkungsunfall

  • Opfer aus dem Wasser bergen: Das Opfer sollte dabei stets horizontal liegen, um eine weitere Einschränkung der Hirndurchblutung zu verhindern.

  • Bei Tauchunfällen an das evtl. Vorliegen einer Wirbelsäulenverletzung denken. Der Kopf darf dann Notfälle:Ertrinkenkeinesfalls gebeugt oder gestreckt werden, und Kopf und Ertrinken:ErstmaßnahmenRumpf müssen stets im Ganzen bewegt werden.

  • Schnellstmöglich Atemwege freimachen, Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen und Notarzt alarmieren.

  • Keinesfalls versuchen, „das Wasser aus der Lunge zu entfernen“, etwa, wie früher üblich, indem das Opfer mit dem Kopf nach unten „ausgeschüttelt“ wird. Das in der Lunge verbliebene Wasser wird ohne weitere Maßnahmen rasch in den Körper aufgenommen.

  • Heimlich-Handgriff (Abb. 30.9) nur anwenden, wenn eine Fremdkörperobstruktion der Atemwege vermutet wird.

  • Vitalfunktionen überwachen.

  • Bei Pulslosigkeit kardiopulmonale Reanimation durchführen (30.4).

  • Meist besteht bei Ertrunkenen gleichzeitig eine Unterkühlung. Sie sind deshalb wie Unterkühlungsopfer zu versorgen (z. B. Schutz vor Wind, Entfernung nasser Kleider 30.15.4).

Geburtshilfe im Notfall

Geburt, physiologischer Verlauf 27.3.1
Zur Geburtshilfe sind nur Ärzte und Hebammen (bzw. Entbindungspfleger) berechtigt (2.2.4). In seltenen Fällen können Sie zufälligerweise (z. B. auf der Straße) mit einer beginnenden Geburt konfrontiert sein.

Merke

  • Die Geburt:Not-Geburt hat begonnen, wenn

  • regelmäßige Wehen mindestens alle 10 Minuten kommen oder mindestens über eine halbe Stunde bestehen

  • die Fruchtblase gesprungen ist

  • blutig tingierter Schleim abgegangen ist.

Die Austreibungsphase der Geburt erkennen Sie an dem starken Pressdrang der Gebärenden. Falls die Geburt nicht mehr aufgehalten werden kann (z. B. durch Verhecheln Geburtshilfe:Notfallder Wehen), Notfälle:Geburtshilfe\bempfiehlt sich folgendes Vorgehen:
  • Alarmieren Sie den Notarzt, und/oder benachrichtigen Sie eine Hebamme.

  • Wichtig ist es, die Gebärende zu beruhigen und in den Wehenpausen tief in den Bauch atmen zu lassen; falls vorhanden, O2-Gabe.

  • Wenn möglich, einen geschützten Raum aufsuchen (z. B. nächstliegendes Haus); ist der kindliche Kopf bereits in der Vulva zu sehen, darf die Gebärende nicht mehr transportiert werden. Die Umgebung muss möglichst ruhig (keine Schaulustigen) und sauber sein. Die Gebärende sollte sich mit erhöhtem Oberkörper hinlegen (Abb. 30.33).

  • Wenn Pressdrang besteht, Wehe bis zur vollen Höhe kommen lassen, Beine anziehen und Oberschenkel von außen umfassen lassen, Mund schließen, Kinn auf die Brust senken und fest wie beim Stuhlgang nach unten pressen lassen.

  • Beim Austritt des kindlichen Köpfchens muss der Dammschutz durchgeführt werden: linke Hand auf Köpfchen legen; mit der rechten Hand sauberes (wenn vorhanden: steriles) Tuch auf den Damm legen, sodass der Dammrand noch sichtbar bleibt; mit Daumen rechts am Damm und Fingern links am Damm diesen zusammenziehen, um ein Einreißen zu verhindern und Kopfaustritt zu bremsen (Abb. 30.34).

  • Das Köpfchen sich erst um die Symphyse, dann über den Damm entwickeln lassen (Abb. 27.15).

  • Nach einer kurzen Presspause von max. 1 Minute wird das Gesicht des Kindes mit einem sauberen (wenn vorhanden: sterilen) Tuch abgewischt; wenn möglich, Schleim absaugen.

  • Dann vorsichtig weiterpressen lassen (Köpfchen dreht sich von selbst mit weiterem Tiefertreten des Körpers in die richtige Richtung).

  • Den Kopf des Kindes zwischen die flachen Hände nehmen und zunächst nach unten in Richtung Unterlage ziehen, bis die vordere Schulter unter der Symphyse erscheint, dann nach oben in Richtung Symphyse, um die hintere Schulter über den Damm zu entwickeln (Abb. 27.15). Diese Bewegungen dürfen nicht zu kräftig oder gar gewaltsam durchgeführt werden.

  • Das Kind unter leichtem Pressen kommen lassen.

  • Das Kind wird evtl. noch einmal abgesaugt und trockengerieben (aber die Käseschmiere unbedingt belassen!).

  • Setzt nach ein bis eineinhalb Min. keine Spontanatmung ein, muss das Kind beatmet werden (30.4.2).

  • Atmet das Kind gut und stabil oder hat es geschrien, wird es nackt auf den Bauch der Mutter gelegt. Mutter und Kind warm zudecken.

  • Bei der Abnabelung ist zu beachten, dass die Nabelschnurlänge zum Kind hin noch etwa 8–10 cm beträgt: Zwei fest sitzende Fäden ca. 3 cm voneinander entfernt anbringen und die Nabelschnur mit einer Schere durchtrennen.

  • Gegebenenfalls die spontane Nachgeburt abwarten und keinesfalls an der Nabelschnur ziehen!

  • Wöchnerin und Kind müssen schnellstmöglich in die Betreuung eines professionellen Geburtshelfers bzw. einer Hebamme gelangen. Die Plazenta muss zur Beurteilung auf Vollständigkeit mitgenommen werden. Wenn sich die Plazenta (vorerst) nicht löst und keine weitere Blutung besteht, ist während des Transports kein weiteres Eingreifen notwendig.

Tipp

Üblicherweise laufen Geburtsvorgänge, die so rapide geschehen, dass sie die Geburt zum Notfall machen, komplikationslos ab.

Die Tab. 30.22 fasst akute Notfälle in der Schwangerschaft zusammen.
Bei Notfällen in der Schwangerschaft:
  • Alarmieren Sie den Notarzt.

  • Lagern Sie die Schwangere entsprechend (Tab. 30.22).

  • Leiten Sie eine Schocktherapie (30.7) ein.

Psychiatrische Notfälle

Ein psychiatrischer Notfall ist ein Zustand, der häufig durch eine psychiatrische Krankheit bedingt ist und einen unmittelbaren Handlungszwang zur Abwendung von Lebensgefahr oder von anderen schwerwiegenden Folgen mit sich bringt. Er erfordert eine sofortige, an der akuten Symptomatik orientierte, gezielte Therapie, um eine Gefahr für die Gesundheit des Patienten und evtl. anderer Personen abzuwenden. Zu unterscheiden ist die psychiatrische Krise. Diese ist weniger durch direkte vitale Bedrohung gekennzeichnet, Notfälle:psychiatrischevielmehr steht hier im Vordergrund das Fehlen oder das Zusammenbrechen individueller und sozialer Bewältigungsstrategien durch die belastenden Krankheitsbedingungen.
Obwohl psychiatrische Notfälle das Einsatzgebiet psychiatrischer Krisenintervention sind, ist es wichtig die relevantesten Notfälle – Suizidalität, Erregungszustände, Bewusstseinsstörungen – zu kennen.
Gründe für die Konsultation eines psychiatrischen Notfall- und Krisendienstes:
  • Auswirkungen einer bestehenden psychiatrischen Erkrankung, v. a. Schizophrenie und Suchterkrankungen (57 %)

  • zwischenmenschliche Konflikte (25 %)

  • Alkoholmissbrauch (23 %)

  • „seelische Krise“ (22 %)

  • Zustand nach Suizidversuch (17 %)

  • Suizidalität (13 %)

Aufgabe der psychiatrischen Krisenintervention ist es, in mehreren Schritten, innerhalb von Tagen oder Wochen, eine auch ursächliche Veränderung der zugrunde liegenden Bedingungen zu erreichen (Tab. 30.23).

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