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B978-3-437-55244-1.00027-8

10.1016/B978-3-437-55244-1.00027-8

978-3-437-55244-1

Entwicklung des Keims von der Zygote (a) über das über das Zwei- (b), Vier-Zell-Stadium (d) und die Morula (maulbeerähnliche Zellkugel) bis zur Blastozyste, die sich in das Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) einnistet. Das untere linke Bild (c) zeigt eine spätere Entwicklungstufe, bei der sich gerade die Neuralrinne ausbildet, aus der später Gehirn und Rückenmark entstehen.

[L190/E745]

Die Entwicklung der Keimblätter. Aus der zunächst zweischichtigen Keimscheibe (oben) entwickelt sich durch das Einwandern von Mesodermzellen die dreischichtige Keimscheibe (unten).

[L190]

15–20 Wochen alter Fetus. Alle Organsysteme sind angelegt. Die Nabelschnur mit ihren Gefäßen stellt die Verbindung zwischen Plazenta und Fetus her. Eine Vene leitet das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut zum Embryo, zwei Arterien transportieren das sauerstoffarme, mit Stoffwechselendprodukten angereicherte Blut vom Fetus ab.

[E746]

Der Schwerpunkt des Körpers einer Schwangeren verlagert sich mit zunehmendem Leibesumfang nach vorn. Diese Veränderungen führen zu erhöhter Beanspruchung der Wirbelsäule, der Muskeln und Bänder.

[L190]

Sonografiebild des Fetus im Uterus im ersten Schwangerschaftsdrittel (11. SSW). Gut zu sehen sind Kopf, Bauch und ein Bein.

[J787]

Stabile Seitenlagerung bei Schwangeren. Grundsätzlich sollten Schwangere in Linksseitenlage gebracht werden, damit es zu keiner Kompression der Vena cava kommt.

[L157]

Bei bestehender Hypertonie sollte gleichzeitig der Oberkörper in Linksseitenlage hochgelagert werden.

[L157]

Mögliche Lokalisationen einer Extrauteringravidität. Am häufigsten sind Eileiterschwangerschaften.

[L190]

Tubarabort bei Extrauteringravidität im weiten, ovarnahen Abschnitt des Eileiters und Tubarruptur bei Extrauteringravidität im engen, uterusnahen Abschnitt der Tube.

[L190]

Die drei Formen der Placenta praevia. Die Gefahr einer lebensbedrohlichen Blutung besteht bei allen drei Formen.

[L190]

Vorzeitige partielle Plazentalösung ohne und mit Blutung aus dem Muttermund.

[L190]

Aufdehnung des Gebärmutterhalses während der Eröffnungsperiode im oberen Bild. Das untere Bild zeigt den Beginn der Austreibungsperiode.

[L190]

Durchtritt des Kindes durch den Geburtskanal bei der vorderen Hinterhauptslage.

[L190]

Die letzten Stadien der normal verlaufenden Austreibungsphase. Die Unterstützung des letzten Stadiums, das Heben des Kopfes, gab dem Beruf der Hebamme seinen Namen.

[L190]

Lageangaben des Kindes im Uterus. Längs-, Quer- und Schräglage beziehen sich nur auf die Längsachse des Kindes, unabhängig davon, in welche Richtung der Kopf zeigt; Schädel- und Beckenendlage beziehen sich auf den Körperteil des Kindes, der dem Geburtskanal am nächsten ist.

[L190]

a+b: Bei jeder 200. Geburt kommt es zu einem Nabelschnurvorfall, evtl. ist die Nabelschnur dann im Scheideneingang sichtbar. Die Gefahr ist besonders groß, wenn die Fruchtblase platzt, bevor der kindliche Kopf in das kleine Becken eingetreten ist, außerdem bei Beckenend- oder Querlage des Kindes.

[L190]

a+b: Möglichkeiten der Kopftief- und Beckenhochlagerung bei einer Schwangeren

[L190]

Vakuumextraktion bei Schädellage. Es wird ein Unterdruck erzeugt und das Kind bei der nächsten Wehe vorsichtig herausgezogen.

[L190]

Mit der folgenden Wehe wird das Kind durch Zug an der vorher ohne Kraftanwendung geschlossenen Zange aus dem Geburtskanal gezogen.

[L190]

Hormonelle Regulation von Brustdrüsenentwicklung, Milchbildung und -entleerung im Überblick.

[L190]

Stillen in Wiegengriff: Das Kind liegt der Mutter zugewandt auf der Seite mit dem Kopf in der Ellenbeuge der Mutter. Auf einem Kissen befindet sich das Kind auf Brusthöhe (immer das Kind zur Brust bringen – nicht umgekehrt!). Die Mutter stützt mit ihrem Unterarm den Rücken des Kindes.

[K115]

Stillen im Liegen: Mutter und Kind liegen einander zugewandt auf der Seite, der Kopf der Mutter wird durch ein Kissen abgestützt und zwischen den Knien der Frau ein Kissen eingebracht. Ein weiteres Kissen im Rücken der Frau verleiht insbesondere im frühen Wochenbett mehr Stabilität.

[K115]

Fußballhaltung: Insbesondere nach einer Sectio, aber auch bei unruhigen Kindern oder extrem großer Brust hat sich die Fußballhaltung bewährt. Die Mutter legt ihr Kind dazu neben sich auf ein (Still-)Kissen und hält den Kopf des Babys in ihrer Hand, wobei der Unterarm auf dem Kissen aufliegt und den kindlichen Rücken stützt.

[K115]

Aus der Wiesenanemone oder Küchenschelle wird das homöopathische Mittel Pulsatilla aufbereitet, das bei charakteristischen Allgemein- und Gemütssymptomen zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Obstipation, Varikosis sowie starken Stimmungsschwankungen eingesetzt wird.

[O562]

Aus den drei Keimblättern entwickeln sich die verschiedenen Organe und Gewebe.MesodermEntodermEktoderm

Tab. 27.1
Keimblatt Organe
Ektoderm (äußere Schicht) Nervensystem, Sinnesorgane, Haut
Mesoderm (mittlere Schicht) Herz, Muskeln, die meisten Binde- und Stützgewebe, Geschlechtsorgane, Skelett, Blutkörperchen, lymphatische Organe, Unterhaut, Nieren
Entoderm (innere Schicht) Schilddrüse, Leber, Pankreas, Epithelien der Atmungs- und Verdauungsorgane, ableitende Harnwege

Pränatale Entwicklungsstörungen in verschiedenen Entwicklungsstadien des Kindes. In Anlehnung an die verschiedenen vorgeburtlichen Entwicklungsstadien unterscheidet man vier Störungstypen, die mit jeweils „typischen“ Fehlbildungen einhergehen. Die Nennung einer Substanz in nur einer Zeile bedeutet nicht, dass sie während der übrigen Phasen ungefährlich ist! Beispielsweise sind bei dem in der Regel länger andauernden Alkoholabusus embryo- und fetopathische Schäden kaum voneinander zu trennen.Lippen-Kiefer-GaumenspalteGametopathieFetopathieEntwicklungsstörungen, pränataleEmbryopathieBlastopathie

Tab. 27.2
Störungstyp(Zeitpunkt der Störung) Biologische Vorgänge zum Zeitpunkt der Störung Resultierende Entwicklungsstörungen
Gametopathie
(vor der Befruchtung)
Bildung der männlichen und weiblichen Geschlechtszellen (Samen- bzw. Eizellen) strukturelle oder numerische (zahlenmäßige) Chromosomenaberrationen, z. B. Trisomie 21; meist Keimtod (unbemerkt oder Frühabort), bei Überleben in der Regel mit komplexen und typischen Fehlbildungsmustern einhergehend
Blastopathie
(0.–18. Tag nach der Befruchtung)
erste Teilungen der Zygote, Entwicklung der Blastozyste, Differenzierung in Embryo- und Trophoblast meist Keimtod mit Frühabort, selten Doppelfehlbildungen (z. B. doppelter Steiß), sehr selten siamesische Zwillinge (d. h. die Zwillinge sind z. B. an Kopf, Brust oder Bauch miteinander verwachsen)
Embryopathie
(18. Tag–8. SSW p. c.= 10. SSW p. m.)
Bildung der Organe und Organsysteme, Organdifferenzierung. Anschluss an den mütterlichen Kreislauf, Ausdifferenzierung der Plazenta Einzelfehlbildungen, z. B. Fehlbildungen des ZNS, Spina bifida (23.11.1), Herz- und Gefäßanomalien (10.11.5), Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (ein- oder beidseitige Spaltbildung im Bereich von Lippen, Kiefer und Gaumen). Hohes Risiko kindlicher Schäden bei mütterlichen Virusinfektionen (z. B. Rötelnembryopathie 25.17.6), durch Arznei- oder „Genussmittel“ (z. B. Alkoholembryopathie). Art der Fehlbildung hochgradig abhängig vom Zeitpunkt der Schädigung
Fetopathie
(ab 9. SSW p. c.= 11. SSW p. m.)
Abschluss der Organdifferenzierung, Wachstum und Ausreifung v. a. Ausreifungsstörungen mit funktionellen Defekten. Zahlenmäßig am wichtigsten: Infektionen, z. B. Zytomegalie (25.19.11), Toxoplasmose
(25.20.3).

Rechtzeitiger Blasensprung und Abweichungen vom rechtzeitigen Blasensprung.

Tab. 27.3
Vorzeitiger Blasensprung Blasensprung vor Beginn der Eröffnungsperiode mit der Gefahr einer aufsteigenden Infektion
Frühzeitiger Blasensprung Blasensprung während der Eröffnungsperiode
Rechtzeitiger Blasensprung Blasensprung am Ende der Eröffnungsperiode
Verspäteter Blasensprung Blasensprung nach vollständiger Eröffnung des Muttermunds

Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit

  • 27.1

    Ganzheitliche Aspekte1249

  • 27.2

    Die Schwangerschaft1250

    • 27.2.1

      Physiologischer Verlauf1250

    • 27.2.2

      Schulmedizinische Diagnostik1253

    • 27.2.3

      Schwangerschaftsbedingte Erkrankungen (Gestosen)1254

    • 27.2.4

      Vorgeburtliche Schädigung des Kindes1256

    • 27.2.5

      Extrauteringravidität1258

    • 27.2.6

      Abort1259

    • 27.2.7

      Schwangerschaftsabbruch1259

    • 27.2.8

      Veränderungen des Trophoblasten und der Plazenta1260

  • 27.3

    Die Geburt und das Wochenbett1261

    • 27.3.1

      Physiologischer Geburtsverlauf1261

    • 27.3.2

      Komplikationen und geburtshilfliche Operationen1263

    • 27.3.3

      Wochenbett und Stillzeit1266

  • 27.4

    Schwangere und Stillende in der Praxis1268

    • 27.4.1

      Beratung der Schwangeren und Stillenden1268

    • 27.4.2

      Diagnostik: Besonderheiten bei Schwangeren und Stillenden1272

    • 27.4.3

      Medikamentöse Therapie: Besonderheiten bei Schwangeren und Stillenden1272

Ganzheitliche Aspekte

Schon immer gab es heilkundige Frauen, die als „Nabelschneiderinnen“, „Hineintastende“ oder „Hebammen“ bezeichnet wurden. Sie massierten den Unterleib zur Verbesserung der Kindslage, verabreichten Arzneien und stimmten heilige Gesänge bei der Geburt an. Auch im Mittelalter lag die Geburtshilfe fast ausschließlich in den Händen von Hebammen sowie weisen Frauen. Die Heilkundige und Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179 4.2.21) gab in ihrem Buch „Causae et curae“ bereits konkrete Empfehlungen: So sollten der Frau während der Zeit der Schwangerschaft keine Medikamente gegeben oder die Milchbildung bei der Mutter durch den Saugreflex des Säuglings angeregt werden.

Geburt früher und heute

Jahrhundertelang verfügten ausschließlich Frauen über das Wissen um Schwangerschaft, Geburtsvorgänge und Geburtenregelung. Hebammen führten auch komplizierte Operationen durch, nahmen dem heutigen Kaiserschnitt ähnliche Eingriffe vor und nähten die Dammnaht, denn für die Kirche war es undenkbar, dass ein Mann die Genitalien einer Frau berührte. Bis ins 17. Jahrhundert war die Geburtshilfe eine Domäne der Hebammen, obwohl ihre Rechte durch Verordnungen immer wieder eingeschränkt wurden, indem z. B. ab dem 16. Jahrhundert nur Ärzte Arzneien verabreichen und chirurgische Eingriffe (Kaiserschnitt) vornehmen durften.
1847 erkannte der Frauenarzt Ignaz Philipp Semmelweis (1818–1865) die Kontaktinfektion aufgrund mangelnder Hygiene als Ursache des Wochenbettfiebers. In manchen Kliniken starben daran über 90 % der Wöchnerinnen. Semmelweis führte die Desinfektion der Hände und Instrumente – damals mit Chlorkalklösung – ein und reduzierte damit die Zahl der Erkrankungen drastisch. Seine Fachkollegen würdigten diese Leistung keinesfalls, sondern waren ihm eher feindlich gesonnen. Ihre Ablehnung war verständlich: Hatten sie sich doch gerade erst die Geburtshilfe aus den Händen der Frauen erobert, konnte es nicht angehen, dass ausgerechnet sie für ihren Tod verantwortlich sein sollten.
Im 20. Jahrhundert wurden Geburtshilfe und Frauenheilkunde im Zuge der Entwicklung der Apparatemedizin in den Bereich hochmoderner Kliniken und steriler Kreißsäle verlegt. Schon bald mehrten sich kritische Stimmen, die sich gegen eine übertechnisierte Geburtshilfe wandten und stattdessen auf die Stärkung der natürlichen Geburtskräfte setzten. Ein Wegbereiter war Frédérick Leboyer, Frauenarzt und Geburtshelfer in einer Pariser Klinik. Angeregt durch die Psychoanalyse und betroffen von der Entwicklung der Medizin, die er als zunehmend technokratisch und immer weniger menschlich empfand, hatte er intensiv nach neuen Impulsen gesucht. In Indien erhielt er wesentliche Anregungen für eine neue Sichtweise von Geburt und Mutterschaft und propagierte ab 1970 die sanfte Geburt.

Sanfte Geburt

Der Übergang von drinnen – aus der Welt der Einheit – nach draußen – in die Welt der Gegensätze – kann einem Menschen bei seiner Geburt nicht erspart werden. Durch die Wehen und den engen Geburtskanal wirken massive Kräfte auf das noch Ungeborene ein, die die Lebensfunktionen aktivieren. Der „Weg in die Welt“, unter diesen Vorzeichen begonnen, macht deutlich, dass eine Veränderung stattgefunden hat, von dem Einssein mit der Mutter zum selbstständigen Dasein, das mit dem ersten Atemzug beginnt.
Eine sanfte Geburt will diesen Übergang vom Mutterleib in unsere Welt so wenig belastend wie möglich gestalten: Eine angenehme Atmosphäre mit gedämpftem Licht, Wärme sowie ein langsames und behutsames Vorgehen bei der Entbindung, das dem Kind Zeit lässt, auf der Welt anzukommen, mildern den Geburtsschock. Trotz freundlicher Rahmenbedingungen erleben Frauen die zu leistende Geburtsarbeit selten als sanfte Geburt. Auch sie sind massiven und tief greifenden Veränderungen ausgesetzt, die als eigenes Geburtstrauma erlebt, mit dem zeitlichen Abstand jedoch nicht mehr so relevant sind. Sobald das Baby gut atmet, sollten Eltern und Kind Zeit und Muße haben, sich gegenseitig kennenzulernen. So ist inzwischen bewiesen, dass Neugeborene, die unter diesen Bedingungen zur Welt kommen und z. B. in der ersten Stunde auf dem Bauch der Mutter liegen, anstatt gemessen, gewogen und gebadet zu werden, seelisch ausgeglichener und körperlich widerstandfähiger sind.
Heutzutage wird dieses Wissen in vielen Kliniken umgesetzt: Farben, Pflanzen, Musik und Düfte schaffen eine warme, freundliche Atmosphäre, die Art der Entbindung (z. B. Wassergeburt) kann gewählt, die Abnabelung durch den Vater vorgenommen werden.

Naturheilkundliche Therapie

Die Betreuung in der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine Domäne der naturheilkundlichen Therapie. Auch bei Frauen, die ansonsten gesund sind, können während dieser Zeit spezifische Beschwerden auftreten, wie Übelkeit, depressive Verstimmungen oder Laktationsstörungen, die mit naturheilkundlichen Therapieverfahren (z. B. Phytotherapie, Homöopathie) erfolgreich behandelt werden können. In einigen Fällen sollten naturheilkundliche Verfahren allerdings nur mit äußerster Vorsicht eingesetzt werden (27.4.2).
Während der Schwangerschaft treten innerhalb kurzer Zeit körperliche und seelische Veränderungen auf, die für jede Frau belastend sind, u. a. da in diesen Phasen das Selbstbild in Hinsicht auf die eigene Weiblichkeit immer wieder ausbalanciert sein will. Im Rahmen einer ganzheitlich ausgerichteten Behandlung sollten diese Themen zur Sprache kommen können. Dies betrifft auch Fragen danach, wie sich Frauen zwischen den gesellschaftlich geprägten Leitbildern definieren: zwischen dem Bild der karriereorientierten Frau einerseits, die Beruf, Haushalt, und Kinder in das Leben integriert, und dem Bild einer Frau andererseits, die sich v. a. dem Haushalt und der Erziehung des Kindes widmet.

Die Schwangerschaft

Physiologischer Verlauf

Schwangerschaftsdauer
SchwangerschaftGeburtSchwangerschaftSchwangerschaft:DauerDie durchschnittliche Dauer einer normalen Schwangerschaft (GraviditätGravidität) beträgt:
  • 266 Tage (38 Wochen = 9 ½ Mondmonate) ab dem Zeitpunkt der Befruchtung

  • 280 Tage (40 Wochen = 10 Mondmonate) ab dem ersten Tag der letzten Menstruation

Die zweite Zählweise ist in Kliniken und Arztpraxen gebräuchlicher, da der Zeitpunkt der letzten Menstruation meist erfragt werden kann, der Zeitpunkt der Befruchtung in den meisten Fällen oft unbekannt ist.
Je nach der verwendeten Zählweise wird die Angabe der Schwangerschaftsdauer in Wochen mit dem Zusatz p. c. (post p.c (post conceptionem)conceptionem = nach der Befruchtung) oder p. m. (post p.m. (post menstruationem)menstruationem = nach Menstruationsbeginn) versehen. Die Berechnung des voraussichtlichen Geburtstermins ist anhand der Naegele-Naegele-RegelRegel möglich.Naegele-Regel

Merke

Naegele-Regel

Entbindungstermin = Datum des 1. Tages der letzten normal starken Regelblutung + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr ± x
x = Abweichung vom 28-tägigen Zyklus in Tagen.
Beispiel für die Anwendung der Naegele-Regel: War der 1. November 2008 der 1. Tag der letzten Regelblutung und hatte die Frau eine durchschnittliche Zyklusdauer von 30 Tagen, so ist der voraussichtliche Entbindungstermin:
1. November 2008 + 7 Tage =
8. November 2008
8. November 2008–3 Monate =
8. August 2008
8. August 2008 + 1 Jahr =
8. August 2009
8. August 2009 + 2 Tage =
10. August 2009
Die meisten Kinder werden aber nicht genau am errechneten Tag, sondern in den letzten zehn Tagen vor oder den ersten zehn Tagen nach dem errechneten Termin geboren.
Die Schwangerschaft wird in drei Abschnitte aufgeteilt:
  • 1. Trimenon (TrimenonFrühschwangerschaft): 1Frühschwangerschaft.–3. Monat bzw. 1.–12. Schwangerschaftswoche (kurz SSW)

  • 2. Trimenon: 4.–6. Monat oder 13.–26. SSW

  • 3. Trimenon (Spätschwangerschaft): 7Spätschwangerschaft. Monat bzw. 27. SSW bis zur Geburt

Entwicklung des Kindes im 1. Trimenon

OrganogeneseTrimenon:erstesZygote: befruchtete Eizelle.

Embryo: Frucht vom Stadium der Zygote bis zum Abschluss der Organogenese (Organbildung) am Ende der 8. SSW p. c. (= 10. SSW p. m.).

BereitsEmbryo wenige Stunden nachdem sich die Kerne von Ei- und Samenzelle zur Zygote vereinigt haben, beginnen die ersten Zellteilungen, die Furchungsteilungen. In diesem Stadium bezeichnet man die Frucht als Morula (maulbeerähnliche Zellkugel). Am 5.–6. Tag nach der Befruchtung ist ein hohler Zellball entstanden, die Blastozyste, die Blastozystesich an das Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) anlagert. In der Blastozyste ist eine Verdickung erkennbar, welche die eigentliche Embryonalanlage enthält und Embryoblast Embryoblastgenannt wird (Abb. 27.1). Die Zellwand der umgebenden Blase, der Trophoblast, dientTrophoblast nach der Einnistung (Nidation) der NidationErnährung des Embryos. Gewebsauflösende (proteolytische) Enzyme unterstützen das Eindringen des Keims in das Endometrium.
Etwa 8–10 Tage nach der Befruchtung differenziert sich der Embryoblast in zwei verschiedene Keimschichten. Diese gruppieren sich schließlich in der 3. Woche zu drei Schichten, den drei Keimblättern (KeimblätterAbb. 27.2, Tab. 27.1).
Das im Trophoblasten gebildete Schwangerschaftshormon Hormon(e):ChoriongonadotropinChoriongonadotropin (HCG)Choriongonadotropin, humanes (HCG) HCG (humanes Choriongonadotropin)verhindert die Abstoßung der oberen Endometriumschicht, es kommt also nicht zur Menstruationsblutung. Am 13. Tag, d. h. kurz vor dem Ausbleiben der Menstruation, ist der Keim schon vollständig vom Endometrium umgeben und die Einnistungsstelle wieder abgeheilt.
In den Folgetagen und -wochen differenzieren sich die Gewebe außerordentlich rasch (Abb. 27.3). In den ersten acht Wochen nach der Empfängnis werden alle lebenswichtigen Organe angelegt. Beispielsweise sind schon in der achten Schwangerschaftswoche durch das EEG (3.8.1) Hirnströme registrierbar, und auch das Herz des Embryos schlägt bereits. Während dieser Organogenese rufen z. B. (virale) Infektionen, viele Arten von Medikamenten oder Röntgenstrahlen schwere Fehlbildungen hervor. Da sich die einzelnen Organe während bestimmter Zeiten besonders schnell entwickeln, ist für die Fehlbildung v. a. der Zeitpunkt und weniger die Art der Schädigung entscheidend.
Entwicklung des Kindes im 2. und 3. Trimenon

Fetus (Fet, Foetus): Ungeborenes nach Abschluss der Organogenese, d. h. ab der 9. SSW p. c. bzw. der 11. SSW p. m. bis zum Ende der Schwangerschaft.

Trimenon:zweitesTrimenon:drittesFoetusFetusIm 2. und 3. Trimenon stehen das Wachstum des Kindes und die Feindifferenzierung der Gewebe im Vordergrund. Die Organe reifen aus und nehmen ihre Funktion auf. Das Ungeborene „übt“ immer mehr für das Leben in der Außenwelt: Es bewegt sich, trinkt Fruchtwasser, lässt Urin, schläft und hat manchmal Schluckauf.

Tipp

Ungefähr ab der 20. SSW kann die Mutter Kindsbewegungen spüren.

Entwicklung der Plazenta
Während die PlazentaBlastozyste zunächst noch von Sekreten aus der Uteruswand ernährt werden kann, ist dies ab der zweiten Lebenswoche des Embryos nicht mehr möglich. Die Ernährung des immer größer werdenden Embryos übernimmt dann der Trophoblast, der um den 12. Tag nach der Empfängnis die Verbindung zum mütterlichen Blut herstellt.
Durch Zottenwachstum und weitere Differenzierung entsteht die Plazenta (Mutterkuchen), die aus Mutterkuchenkindlichen und mütterlichen Anteilen besteht und durch die Nabelschnur mit dem NabelschnurKind verbunden ist. Sie ermöglicht einen Stoffaustausch zwischen mütterlichem und kindlichem Blut und gewährleistet so die Ernährung und die Sauerstoffversorgung des Ungeborenen. Außerdem produziert die Plazenta schwangerschaftserhaltende Hormone.
Mit zunehmender Reifung der Plazenta bildet sich der Gelbkörper zurück, der bis dahin durch seine Progesteronproduktion die Schwangerschaft (mit-)aufrechterhalten hat. Die Plazenta wird nach Geburt des Kindes aus der Gebärmutter ausgestoßen („Nachgeburt“). Zum Zeitpunkt der Geburt ist sie ein scheibenförmiges Organ von etwa 18 cm Durchmesser, 2 cm Dicke und 500 g Gewicht.
Mütterliches und kindliches Blut werden während der gesamten Schwangerschaft durch eine dünne Gewebeschicht in den Plazentazotten getrennt. Diese PlazentaschrankePlazentaschranke stellt die immunologische Barriere zwischen dem kindlichen („fremden“) und dem mütterlichen („eigenen“) Organismus dar.
Während z. B. Sauerstoff, Kohlendioxid, Elektrolyte und Nährstoffe bzw. Stoffwechselprodukte ungehindert ausgetauscht werden können, werden viele große Moleküle und auch Blutkörperchen zurückgehalten. Nur dadurch vermögen zwei immunologisch verschiedene Individuen (z. B. mit unterschiedlichen Blutgruppen) ohne Abstoßungsreaktionen in engstem Kontakt miteinander zu leben. Zahlreiche Medikamente und manche Mikroorganismen (v. a. Viren) können ebenfalls die Plazentaschranke überwinden und zu kindlichen Schäden führen.
Veränderungen des mütterlichen Organismus in der Schwangerschaft
Im 1. Schwangerschaft:mütterlicher Organismus, VeränderungenTrimenon ist den meisten Frauen äußerlich noch nichts von der Schwangerschaft anzumerken. Manche Frauen bekommen jedoch durch die hormonelle Umstellung ein volleres Gesicht. Gleichzeitig setzen oft die typischen Beschwerden einer Frühschwangerschaft ein: z. B. Müdigkeit, Spannen der Brüste, Geruchsempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen. Viele Frauen müssen sich auch erst an den Gedanken gewöhnen, (wieder) Mutter zu werden. Sie fragen sich, ob sie den Anforderungen der Mutterschaft gewachsen sind und wie sie die völlige Umstellung ihres täglichen Lebens verkraften werden.

Merke

Hauptprobleme im 1. Trimeneon

  • Schwangerschaftserbrechen (27.2.3)

  • Extrauteringravidität (27.2.5)

  • frühe Fehlgeburten (27.2.6)

Patientinnen, die an Übelkeit und Erbrechen leiden, sollten mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nehmen. Bei morgendlicher Übelkeit empfiehlt es sich sehr, bereits am Vorabend Zwieback und eine Thermoskanne mit Kräutertee ans Bett zu stellen und vor dem Aufstehen ein erstes Frühstück einzunehmen.
Das 2. Trimenon ist insgesamt weniger mit Komplikationen behaftet, und die werdende Mutter fühlt sich meist recht wohl. Folgende Veränderungen sind am mütterlichen Organismus zu beobachten:
  • Um ausreichend Sauerstoff zum Kind transportieren zu können, nimmt das Blutvolumen um 1–1,5 l zu. Da die Hämoglobinbildung nicht im gleichen Maße steigt, wird das Blut verdünnt, und es kommt zur sog. „physiologischen Schwangerschaftsanämie“ mit einer Anämie:SchwangerschaftAbnahme des Hämoglobins auf ca. 12 g/dl. Gleichzeitig steigt das Herzminutenvolumen bei unverändertem Blutdruck an.

  • Der Tonus der gesamten glatten Muskulatur nimmt ab. Dies begünstigt Obstipation (durch verminderte Kolonperistaltik), Harnwegsinfekte (durch Harnleiteratonie und Neigung zur Restharnbildung), Krampfadern (Varizen 11.7.1) und Hämorrhoiden (13.9.1).

Die körperlichen Veränderungen sind nun auch äußerlich erkennbar. Die Brüste werden voller, der Bauch wächst. Hautpigmentierungen treten besonders an den Brustwarzen und in der Mittellinie des Bauchs auf. Dunkle Flecken im Gesicht werden Chloasma gravidarum genannt und Chloasma gravidarumbleiben manchmal auch nach der Geburt bestehen. Infolge der hormonellen Veränderungen und der starken Hautdehnung durch den zunehmenden Leibesumfang entstehen v. a. bei Frauen mit Bindegewebsschwäche Schwangerschaftsstreifen (Striae).Schwangerschaftsstreifen

Merke

Hauptprobleme im 2. Trimenon

  • späte Fehlgeburten (Abort 27.2.6)

  • Frühgeburten (27.3.2)

Eine Striae:SchwangerschaftGewichtszunahme von 1,5 kg pro Monat ist jetzt normal. Die Gesamtzunahme von ca. 11 kg bis zum Ende der Schwangerschaft verteilt sich im Durchschnitt so:
  • Kind: 3,5 kg

  • Fruchtwasser: 0,8 kg

  • Plazenta: 0,5 kg

  • Uterus: 1,2 kg

  • Wasseranreicherung: 2,5 kg

  • Fettanreicherung: 2,5 kg

Das 3. Trimenon ist für die werdende Mutter oft beschwerlich. Viele Frauen haben Sodbrennen, und der dicke Bauch stört nicht nur beim Arbeiten, sondern häufig auch beim Schlafen, Sitzen und Laufen. Außerdem verlagert sich der Schwerpunkt des Körpers mit zunehmendem Leibesumfang nach vorn, was zu einer erhöhten Beanspruchung von Wirbelsäule, Muskeln und Bändern führt (Abb. 27.4). Die Leistungsfähigkeit der Frau ist vermindert, ihre Unfallgefährdung erhöht.
Um der Frau die in den letzten Schwangerschaftswochen notwendige Schonung zu ermöglichen und sie vor Betriebsunfällen oder anderen berufsbedingten Gefahren zu schützen, hat der Gesetzgeber der Frau die Möglichkeit gegeben, sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin in den Mutterschutz zu gehen. Während Mutterschutzdieser Zeit ist die Schwangere von der Erwerbstätigkeit völlig befreit. Das Mutterschutzgesetz schreibt aber auch Verbote bestimmter Arbeitsbedingungen (z. B. Nachtarbeit, Überstunden) für die gesamte Schwangerschaft vor.

Merke

Hauptprobleme im 3. Trimenon

  • Spätgestosen (schwangerschaftsbedingter Hochdruck 27.2.3)

  • Frühgeburten (27.3.2)

  • Plazenta-Komplikationen (27.2.8)

Schulmedizinische Diagnostik

Tipp

Lassen Sie sich, wenn eine Schwangere Ihre Praxis aufsucht, den Mutterpass zeigen. Er enthält alle wichtigen Fakten.

Die ärztliche Diagnostik, schulmedizinische:SchwangerschaftSchwangerenvorsorge sieht regelmäßige Schwangerschaft:VorsorgeRoutineuntersuchungen der Schwangeren vor. Die Befunde werden in den Mutterpass eingetragen, den die Frau nach MutterpaßFeststellung der Schwangerschaft vom Arzt erhält. Bei einer Risikoschwangerschaft mit erhöhter Gefährdung für Schwangerschaft:RisikoschwangerschaftRisikoschwangerschaftMutter und/oder Kind sind zusätzliche Untersuchungen indiziert. Risikofaktoren können bereits zu Beginn einer Schwangerschaft bestehen (z. B. Diabetes mellitus, Hypertonie der Mutter, Schwangerschaft nach mehreren Fehlgeburten und nach Sterilitätsbehandlung) oder sich erst während der Schwangerschaft herausstellen (z. B. Mehrlingsschwangerschaft, Infektionen).
Die ärztliche Routineuntersuchung umfasst:
  • Anamnese: bei der Erstuntersuchung Feststellung der Schwangerschaft, allgemeine und gynäkologische Anamnese sowie Errechnen des voraussichtlichen Geburtstermins nach der Naegele-Regel.

  • Körperliche Untersuchung: Inspektion (Varizen? Ödeme?), Kontrolle des Fundusstands (Stand des Gebärmuttergrunds), vaginale Untersuchung, Feststellung des Körpergewichts und Blutdruckmessung.

  • Laboruntersuchungen: Urinuntersuchung mit Teststreifen zur Erfassung eines Harnwegsinfekts, einer Proteinurie und einer erhöhten Glukose-Ausscheidung, Hämoglobin-Bestimmung im mütterlichen Blut. Zu Beginn der Schwangerschaft sollten eine Bestimmung der Blutgruppe und des Rhesusfaktors sowie die Durchführung eines Antikörpersuchtests der Schwangeren erfolgen, um ggf. eine Blutgruppenunverträglichkeit zwischen ihr und ihrem Kind festzustellen.

  • Weitere serologische Untersuchungen sind anzuraten, z. B. auf Syphilis, Röteln, Toxoplasmose, ggf. HIV-Infektion, Hepatitis B.

  • Zusätzlich sind während einer normal verlaufenden Schwangerschaft drei Sonografieuntersuchungen Ultraschall:Schwangerschaftvorgesehen (10., 20. und 30. SSW). Die Sonografie erlaubt unter anderem die Feststellung der Schwangerschaft, Abschätzung des Entbindungstermins anhand bestimmter Größenparameter von Embryo bzw. Fetus, Diagnose von Mehrlingsschwangerschaften, Screening auf kindliche Fehlbildungen, Beurteilung der Plazenta, des kindlichen Wachstums und der Fruchtwassermenge (Abb. 27.5).

Schwangerschaftszeichen
Unterschieden werden nach ihrer SchwangerschaftszeichenAussagekraft sichere, wahrscheinliche und unsichere Schwangerschaftszeichen sowie nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens frühe und späte Schwangerschaftszeichen.
Sichere Schwangerschaftszeichen gehen vom Kind aus.
  • Frühe sichere Schwangerschaftszeichen:sichereSchwangerschaftszeichen:

    • sonografischer Nachweis von Fruchtblase und Dottersackstrukturen (ab 5. SSW)

    • Nachweis der Herzaktionen (ab 6. SSW)

  • Zu den späten sicheren Schwangerschaftszeichen zählt man:

    • Tasten von Kindsteilen (ab etwa 18. SSW)

    • Fühlen der Kindsbewegungen (ab 20. SSW)

    • Hören von fetalen Herztönen

Sind wahrscheinliche Schwangerschaftszeichen vorhanden, ist die Frau erfahrungsgemäß meist tatsächlich schwanger. DieSchwangerschaftszeichen:wahrscheinliche wahrscheinlichen Schwangerschaftszeichen sind jedoch nicht durch das Ungeborene selbst bedingt, sondern z. B. Folge der hormonellen Veränderungen des mütterlichen Organismus. Sie können also auch bei anderen physiologischen oder pathologischen Zuständen auftreten, die mit entsprechenden Hormonveränderungen einhergehen. Zu den wichtigsten frühen wahrscheinlichen Schwangerschaftszeichen zählt zusätzlich zum Ausbleiben der Menstruation der Choriongonadotropin-Nachweis (HCG-Nachweis), der durch freiverkäufliche HCG (humanes Choriongonadotropin):NachweisSchwangerschaftstests meist ab dem ersten Tag nach Schwangerschaft:TestAusbleiben der Menstruation gelingt. Da es jedoch – wenn auch selten – HCG-produzierende Tumoren gibt, ist der HCG-Nachweis kein sicheres Schwangerschaftszeichen.
Zu den unsicheren Schwangerschaftszeichen gehören die z. T. erst nur subjektiv von der Schwangeren wahrnehmbaren Veränderungen in der Frühschwangerschaft, z. B. morgendliche Übelkeit und Erbrechen, Spannungsgefühl und Vergrößerung der Brüste, verstärkte Pigmentierung der Warzenhöfe.
Weitere wichtige Untersuchungen
Vor und während der Geburt haben folgende Untersuchungsmethoden große Bedeutung:
  • Kardiotokografie (Wehenschreiber, Kardiotokografie (CTG)Cardiotokografie, kurz CTG): Kontinuierliche Cardiotokografie (CTG)AufzeichnungCTG (Cardiotokografie) von kindlichen Herztönen und Wehentätigkeit. Wird zur Überwachung des kindlichen Befindens in der Spätschwangerschaft und unter der Geburt sowie zur Objektivierung der Wehentätigkeit eingesetzt.

  • Mikroblutuntersuchung (Fetalblutuntersuchung): Mikroblutuntersuchung, FetusBlutentnahme unter der GeburtFetalblutuntersuchung aus der Kopfhaut des Kindes zur Blutgasanalyse und pH-Wert-Bestimmung. Indiziert zur Abschätzung der fetalen Gefährdung bei zweifelhaftem CTG.

Eines der ethisch meistdiskutierten Gebiete der Medizin ist die pränatale (vorgeburtliche) Diagnostik. Hierunter versteht man alle Untersuchungen, die an der Schwangeren oder dem Ungeborenen mit dem Ziel durchgeführt werden, (schwere) angeborene Erkrankungen oder Gefährdungen des Ungeborenen vor der Geburt zu diagnostizieren.
Für Mutter und Kind am wenigsten belastend sind Untersuchungen des Blutes der Schwangeren und die Sonografie des Kindes. Beim Ersttrimenon-Screening werden die kindliche Nackenfalte gemessen und aus dem Blut des Mutter das freie β-HCG sowie das PAPP-A (Pregnancy Associated Plasma Protein) bestimmt. Nach langjährigen statistischen Untersuchungen dieser so gewonnenen Werte kann die prozentuale Wahrscheinlichkeit bestimmter Fehlbildungen ermittelt werden.
Die Triple-Diagnostik (Serumbestimmung von α-Fetoprotein HCG und Östriol) wird nur noch bei speziellen Fragestellungen eingesetzt.
Mit Hilfe der Amniozentese (Fruchtwasserpunktion) und AmniozenteseChorionzottenbiopsie (FruchtwasserpunktionGewinnung von Chorionzotten, Chorionzottenbiopsiealso kindlichem Gewebe) werden kindliche Zellen zur Erbgutanalyse (z. B. normale Chromosomenzahl?) gewonnen. Bei der Amniozentese wird unter Sonografiekontrolle eine Nadel durch die mütterliche Bauchdecke in die Fruchtwasserhöhle eingeführt und Fruchtwasser entnommen. Nach der Punktion wird das Fruchtwasser in ein genetisches Labor geschickt. Bei der meist vaginal durchgeführten Chorionzottenbiopsie führt der Arzt einen Katheter mit aufgesetzter Spritze in den Zervikalkanal, punktiert das Chorion (kindlicher Anteil der Plazenta) und saugt etwas Gewebe ab, die Chorionzotten. Die Chorionzellen werden ebenfalls in einem genetischen Labor untersucht.
Bei der Nabelschnurpunktion entnimmt man mit einer dünnen Nabelschnur:–punktionNadel unter sonografischer Sicht durch die mütterliche Bauchwand hindurch kindliches Blut aus der Nabelschnurvene. Die Nabelschnurpunktion wird bei Verdacht auf Blutgruppenunverträglichkeit oder Infektionskrankheiten des Fetus durchgeführt.

Tipp

Es ist wichtig, dass die Eltern vor einer genetischen Untersuchung umfassend informiert werden (z. B. durch Beratungsstellen, Arzt), damit sie sich über die Konsequenzen klar werden und zu einer wohlüberlegten Entscheidung kommen können.

Schwangerschaftsbedingte Erkrankungen (Gestosen)

Schwangerschaftsbedingte Schwangerschaft:ErkrankungenGestosenErkrankungen sind Erkrankungen der Schwangeren, deren Ursachen in der Schwangerschaft liegen (früher Gestosen genannt): z. B. übermäßiges GestoseSchwangerschaftserbrechen, schwangerschaftsinduzierte Hypertonie und ihre Komplikationen (Präeklampsie, Eklampsie, HELLP-Syndrom), Vena-cava-Kompressionssyndrom. Nach dem Zeitpunkt ihres Auftretens wurden die Gestosen unterteilt in Früh- und Spätgestosen.
Von den SpätgestoseFrühgestoseschwangerschaftsinduzierten Erkrankungen abzugrenzen sind die Dekompensation bereits vorgeschädigter Organe infolge der schwangerschaftsbedingten Mehrbelastung und das zufällige (zeitliche) Zusammentreffen von Schwangerschaft und Erkrankung.
Übermäßiges Schwangerschaftserbrechen

Übermäßiges Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum): massives Erbrechen im 1. Trimenon der Schwangerschaft mit erhöhter Gefährdung von Mutter und Kind; häufige sog. Frühgestose; abzugrenzen von der leichten – geradezu typischen – morgendlichen Übelkeit mit Erbrechen (Emesis gravidarum) in der Frühschwangerschaft (30–60 % aller Schwangeren), die bis zur 16. Schwangerschaftswoche (SSW) von selbst aufhört.

Krankheitsentstehung
Die Schwangerschaft:ErbrechenSchwangerschaft:ErbrechenHyperemesis gravidarumErbrechen:Schwangerschaftgenaue Emesis gravidarumEntstehung des Schwangerschaftserbrechens ist unklar. Vermutlich spielen hormonelle Faktoren eine Rolle, da es z. B. bei Mehrlingsschwangerschaften oder einer Blasenmole (27.2.8), die mit erhöhten Hormonspiegeln einhergehen, häufiger zu einer Hyperemesis kommt. Auf der anderen Seite kann das Erbrechen durch psychische Belastungen (ungeplante Schwangerschaft, private oder berufliche Probleme) verstärkt werden.
Symptome und Diagnostik
Bei der Hyperemesis kommt es ca. ab der 6. SSW zu unstillbarem Erbrechen unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Die Frau nimmt an Gewicht ab; der Flüssigkeitsmangel führt zu deutlichen Kreislaufsymptomen (Tachykardie, Hypotonie), evtl. zu Fieber („Durstfieber“) und allgemeiner Austrocknung (Durstfieber:SchwangerschaftserbrechenExsikkose) mit schlechtem Exsikkose:SchwangerschaftserbrechenAllgemeinzustand. In Extremfällen treten Leberschäden mit Ikterus auf, oder die Schwangere wird als Zeichen einer ZNS-Beteiligung benommen und verwirrt.
Die Diagnose ergibt sich aus der Anamnese. Blutuntersuchungen sowie Urinuntersuchungen sind erforderlich, um das Ausmaß der Gefährdung für Mutter und Kind abzuschätzen. Auch die Schilddrüsenwerte werden bestimmt, da eine Schilddrüsenüberfunktion die Beschwerden verstärkt. Eine sonografische Untersuchung ermöglicht die Abgrenzung von der Blasenmole.

Achtung

Bei übermäßigem Erbrechen in der Schwangerschaft, das sich nicht durch naturheilkundliche Maßnahmen (27.4.2) bessert, verweisen Sie die Patientin an ihren Gynäkologen. Die Erkrankung kann lebensbedrohlich sein.

Schulmedizinische Therapie
Vorrangig ist bei der üblicherweise stationären Therapie der Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolythaushalts durch Infusionen. Anfangs ist meist eine vollständige parenterale Ernährung angezeigt.
Eine medikamentöse Behandlung der Übelkeit erfolgt, wenn es notwendig ist. Bei psychischen Belastungen kann eine Psychotherapie hilfreich sein.
Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie

Schwangerschaftsinduzierte Hypertonie (kurz SIH, auch schwangerschaftsinduzierter Bluthochdruck, früher EPH-Gestose, Schwangerschaftsnephropathie, Schwangerschaftstoxikose): Spätgestose mit den Hauptsymptomen Hypertonie, Ödemen und Proteinurie. Mit einer Häufigkeit von 5–7 % aller Schwangeren eine der häufigsten Schwangerschaftskomplikationen überhaupt. Gefährdung für Mutter und Kind abhängig vom Schweregrad der Erkrankung, perinatale Sterblichkeit bei ausgeprägten Formen bis zu 30 %.

Krankheitsentstehung
Die genaueHypertonie:schwangerschaftsinduzierteSchwangerschaft:Hypertonie SIH (schwangerschaftsinduzierte Hypertonie)SchwangerschaftstoxikoseSchwangerschaftsnephropathieEPH-GestoseBluthochdruck:schwangerschaftsinduzierterUrsache der schwangerschaftsinduzierten Hypertonie ist bis heute unklar. Diskutiert wird v. a. eine gestörte Endothelfunktion mit der Folge pathologischer Veränderungen im Prostaglandinstoffwechsel und im Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (19.2.7). Auch immunologische Faktoren werden diskutiert. Risikogruppen sind Erstgebärende und Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften, Diabetes mellitus oder Nierenerkrankungen.
Es kommt zu einer Vasokonstriktion mit Blutdrucksteigerung und Durchblutungsminderung der Organe, wobei praktisch alle Organe betroffen sein können. Auch die Plazenta wird durch die Gefäßengstellung mangeldurchblutet, wodurch das Kind im Extremfall sterben kann.
Symptome und Krankheitsverlauf
Die Hauptsymptome der Erkrankung entsprechen den Anfangsbuchstaben der früheren Bezeichnung EPH-Gestose (Edema, dt. Ödem, Proteinurie, Hypertonie):EPH-Gestose
  • generalisierte Ödeme und eine abnorme Gewichtszunahme vonÖdeme:Schwangerschaft über 500 g/Woche durch die Wassereinlagerung; nicht zu verwechseln mit peripheren Ödemen in den Beinen, die auch bei gesunden Schwangeren auftreten.

  • Proteinurie: Eiweißausscheidung im 24-StdProteinurie:Schwangerschaft.-Sammelurin > 0,3 g/l.

  • Hypertonie, laut Klassifizierung: Hypertonie:SchwangerschaftGestationshypertonie, arterieller Blutdruck von >140/90 mmHg ohne Proteinurie, die erstmalig nach der 20. SSW bei zuvor normotensiven Blutdruckwerten auftritt und sich 12 Wochen nach der Geburt wieder normalisiert.Chronische Hypertonie, arterieller Hypertonus >140/90 mmHg, die bereits präkonzeptionell bestand oder vor der 20. SSW auftritt und 12 Wochen post partum weiter persisiert. Bei Blutdruckwerten >165/105 mmHg sind mütterliche (hypertensive kardiovaskuläre Komplikationen) und kindliche (Wachstumsretardierung, erhöhte Rate vorzeitiger Plazentalösungen, intrauteriner Fruchttod [IUFT], Totgeburt) erhöht.

Im Frühstadium der Erkrankung ist nur der Blutdruck erhöht (schwangerschaftsinduzierte Hypertonie, SIH), was von der Schwangeren, ebenso wie die hinzutretende Eiweißausscheidung, selten früh bemerkt wird. Daher sind regelmäßige Blutdruckkontrollen und Urinuntersuchungen im Rahmen der Schwangerenbetreuung besonders wichtig.
Präeklampsie und Eklampsie
Deutliche Beschwerden hat die Schwangere erst im Stadium der Präeklampsie, wenn durch Beeinträchtigung der PräeklampsieGefäßregulation im ZNS Schwindel, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Augenflimmern, Sehstörungen (z. B. Doppelsehen), Übelkeit, Erbrechen oder eine Reflexsteigerung (verbreiterte, lebhafte Reflexe) auftreten.
Ein Notfall sowie für Mutter und Kind lebensgefährlich ist die schwerste Verlaufsform, die Eklampsie, bei der es zu tonisch-klonischen EklampsieKrämpfen und Bewusstlosigkeit kommt.

Merke

Eine alleinige, nach der 20. SSW auftretende und nach der Geburt wieder verschwindende Hypertonie heißt auch Schwangerschafts- oder Gestationshypertonie, während die Schwangerschaftshypertonie mit Proteinurie auch als leichte Präeklampsie bezeichnet wird und die schwere Präeklampsie durch zusätzliches Auftreten deutlicher Organsymptome, z. B. des ZNS, gekennzeichnet ist.

HELLP-Syndrom
Eine Sonderform der EPH-Gestose ist das HELLP-HELLP-SyndromSyndrom, das mit Hämolyse, erhöhten Leberwerten und HELLP-SyndromThrombozytopenie (engl. low platelets) Thrombozytopenie:Schwangerschafteinhergeht und auf eine durch Gefäßspasmen bedingte Leberschädigung zurückzuführen ist.
Komplikationen sind:
  • vorzeitige Plazentalösung (27.2.8)

  • Nierenversagen

  • teils massive postoperative Blutungen

  • Leberruptur

  • neurologische Spätschäden nach einem Status eclampticus, d. h. einem längere Zeit andauernden, nichtStatus:eclampticus zu unterbrechenden eklamptischen Anfall mit tonisch-klonischen Krämpfen und evtl. Bewusstseinsverlust

Achtung

Überweisen Sie eine schwangere Patientin beim erstmaligen Auftreten von Hypertonie und/oder Proteinurie zu ihrem Gynäkologen.

Diagnostik und Differenzialdiagnose
Die Diagnose ergibt sich aus dem erstmaligen Auftreten von Hypertonie und Proteinurie im letzten Trimenon.
Die beim Gynäkologen bzw. in der Klinik durchgeführten technischen Untersuchungen (Labor, CTG, Doppler-Sonografie und abdominale Sonografie) dienen besonders der Verlaufskontrolle und der Risikoabschätzung für Mutter und Kind.
Bei der Pfropfgestose lagert sich die Präeklampsiesymptomatik auf Pfropfgestoseeine Gestose:Pfropfgestosebestehende Hypertonie, einen Diabetes mellitus oder eine chronische Nierenschädigung auf. Die Symptome setzen in der Regel vor der 20. Schwangerschaftswoche ein. Auch eine Erstmanifestation der Epilepsie ist in der Schwangerschaft möglich.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere des Krankheitsbilds und umfasst blutdrucksenkende Medikamente, Magnesium zur Krampfprophylaxe und evtl. medikamentöse Sedierung.

Fallbeispiel „Präeklampsie“

Eine 27 Jahre alte Erzieherin kommt zum ersten Mal in eine Heilpraktikerpraxis. Sie sei in der 35. SSW und habe seit drei Tagen zunehmend Kopfschmerzen. In den letzten zwei Wochen habe sie 6 kg an Gewicht zugenommen. Seit heute morgen sei ihr außerdem übel, und es flimmere ihr vor den Augen. Da sie keine Kopfschmerztabletten einnehmen wolle, sei sie nicht zu ihrem Gynäkologen gegangen, sondern auf Anraten ihrer Schwester zum Heilpraktiker.

Dieser misst sofort den Blutdruck der Patientin; er beträgt 155/100 mmHg. Auf Nachfrage erklärt sie, dass sie die letzte Kontrolluntersuchung nicht wahrgenommen habe, weil sie und ihr Mann verreist wären. Das Gesicht und die Hände der Patientin sehen sehr aufgeschwemmt aus; auch an den Schienbeinkanten und Knöcheln hat sie starke Ödeme. „Ich trage bereits die Sandalen meines Mannes, denn in meine eigenen Schuhe komme ich schon längere Zeit nicht mehr hinein. Seit einigen Tagen trinke ich Brennnesseltee, doch das hat nichts geändert, die Beine sind sogar noch dicker geworden“, erzählt sie. Der Heilpraktiker bittet die Patientin um eine Urinprobe: Das Farbfeld des Stick-Tests zeigt, dass eine deutliche Proteinurie vorliegt.

Sofort ruft er den Notarztwagen, denn alle Anzeichen deuten auf eine Präeklampsie mit drohender Eklampsie hin. Er lagert die Patientin in einem abgedunkelten, ruhigen Raum in Linksseitenlage mit leicht erhöhtem Oberkörper und beruhigt sie. In der Klinik wird die Patientin auf der Intensivstation untersucht und behandelt, um einem Krampfanfall (Eklampsie) vorzubeugen. Wegen der erhöhten Gefährdung von Mutter und Kind erfolgt die vorzeitige Entbindung durch Kaiserschnitt. Der Junge ist zwar sehr zart, aber gesund.

Die kausale Therapie ist die Beendigung der Schwangerschaft. Dies ist jedoch wegen der in der Regel noch bestehenden Unreife des Kindes oft nicht sofort möglich. Immer ist abzuwägen, ob das Kind stärker durch die Minderdurchblutung oder durch eine Frühgeburt gefährdet ist, ferner wie hoch das Risiko für die Mutter ist. Bei drohender oder manifester Eklampsie muss die Schwangerschaft unabhängig von der Reife des Kinds beendet werden, meist mit Kaiserschnitt.
In leichten Fällen ist die Prognose gut. In schweren Fällen oder bei Eklampsie verschlechtert sie sich erheblich. Die Müttersterblichkeit liegt bereits bei nur einem eklamptischen Anfall bei 5 %. Die perinatale Sterblichkeit beträgt je nach Schwere der Erkrankung bis zu 30 %.
Vena-cava-Kompressionssyndrom

Vena-cava-Kompressionssyndrom: Kompression der Vena cava inferior (untere Hohlvene) durch die schwere Gebärmutter in Rückenlage; dadurch verminderter venöser Rückfluss zum Herzen; tritt meist in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf.

Die Schwangere klagt über Übelkeit, Vena-cava-KompressionssyndromSchwindel und kalten Schweißausbruch im Liegen. Die Anamnese ergibt, dass die Beschwerden ausschließlich in Rückenlage auftreten. Nur dann kommt es zu Blutdruckabfall, Tachykardie, Blässe und Zyanose; ein mütterlicher Volumenmangelschock und kindlicher Sauerstoffmangel sind möglich. Tritt bei Linksseitenlage (Abb. 27.6, Abb. 27.7) umgehend Besserung ein, bestätigt dies die Diagnose. Je nach Symptomatik müssen andere Diagnosen ausgeschlossen werden, z. B. eine Präeklampsie. Der Patientin werden entsprechende Verhaltenstips gegeben: Schlafen ist nur in Linksseitenlage erlaubt (Merkspruch: „Schwangere links liegen lassen“).

Vorgeburtliche Schädigung des Kindes

Zahlreiche Faktoren können das Ungeborene schädigen. Einen Überblick über die verschiedenen Störungstypen gibt Tab. 27.2. Manche Schäden sind so schwerwiegend oder auffällig, dass sie sofort nach der Geburt erkannt werden. Andere dagegen machen – wenn überhaupt – erst im späteren Leben Beschwerden.
Art und Schweregrad vorgeburtlicher Schädigungen sind nicht so sehr von der auslösenden Ursache abhängig, eine viel größere Rolle spielen der Zeitpunkt sowie die Stärke der einwirkenden Noxe. Schwerwiegende Folgen haben Schädigungen v. a. in den ersten drei Monaten, in denen sich die Organe entwickeln. Man spricht von der sog. vulnerablen (verletzlich, empfindlich) Phase. Aus diesem Grund sollen Frauen in diesen ersten Monaten auf Alkohol und andere Genussgifte ganz verzichten, auch mögliche Strahlenquellen sollen sie meiden (z. B. Flugreisen).

Erstmaßnahmen bei drohender Eklampsie

Bestehen bereits Symptome der drohenden Eklampsie, müssen Sie unverzüglich – abhängig vom Zustand der Patientin – den Rettungs- oder Notarztwagen rufen! Das weitere Vorgehen:

  • Patientin in Linksseitenlage und mit erhöhtem Oberkörper lagern.

  • Patientin beruhigen.

  • Sicheren venösen Zugang legen.

  • Patientin vor äußeren optischen und akustischen Reizen abschirmen, also vor Licht und Lärm, da diese ggf. Krämpfe auslösen können.

Im eklamptischen Anfall grundsätzlich Notarztwagen anfordern. Erstmaßnahmen wie beim Status epilepticus (23.6.2). Lagerung möglichst auf der linken Seite (Abb. 27.6).

Fallbeispiel „Vena-cava-Kompressionssyndrom“

Eine Heilpraktikeranwärterin erwartet ihr erstes Kind; sie ist in der 31. SSW. Bereits in der Frühschwangerschaft litt sie unter starkem morgendlichen Erbrechen, das etwa in der 14. SSW aufhörte. Seit einigen Tagen wacht sie jedoch in den frühen Morgenstunden mit Übelkeitsgefühlen und Schwindel auf. Als eines Tages die Symptome besonders heftig sind und ihr zusätzlich noch kalter Schweiß ausbricht, fühlt sie ihren Puls: 95 Schläge/Min. Sie denkt sofort an eine Präeklampsie, ruft in heller Aufregung eine Freundin an, die bereits Heilpraktikerin und Mutter ist, und schildert ihr die Symptome. Die Freundin bleibt gelassen. „Hast Du auch schon mal an ein Vena-cava-Kompressionssyndrom gedacht? Wahrscheinlich ist Dir jetzt schon besser als vor einigen Minuten, als Du noch im Bett lagst, oder?“ Etwas kleinlaut muss die werdende Mutter zugeben, diese Möglichkeit völlig übersehen zu haben … Tatsächlich gehe es ihr bereits etwas besser, und auch an den vorherigen Tagen seien die Beschwerden immer recht schnell zurückgegangen, sobald sie aufgestanden sei. Die Freundin rät ihr, trotz der relativ eindeutigen Symptomatik ihren Blutdruck und den Urin beim Arzt oder bei ihr kontrollieren zu lassen – und in Zukunft nur noch auf der linken Seite zu schlafen. Ferner empfiehlt sie ihr, sich eine fest gewickelte, dicke Kissenrolle dicht an den Rücken zu legen, die einerseits das Umdrehen verhindert, andererseits angenehm den Rücken stützt.

Blutgruppenunverträglichkeit
Bestehen Blutgruppenunverträglichkeiten zwischen Mutter und Kind, kann das Ungeborene durch Antikörper der Mutter geschädigt werden. Daher wird in der Frühschwangerschaft ein Antikörpersuchtest gegen die häufigsten Blutgruppenantigene im mütterlichen Blut durchgeführt. Bei negativem Testergebnis wird diese zwischen der 24. und 28. SSW wiederholt, um zu überprüfen, ob in der Zwischenzeit eine Blutgruppenunverträglichkeit aufgetreten ist.
Rhesus-Antikörper
Am häufigsten sind Rhesus-Antikörper (Rh-Schwangerschaft:Rhesus-AntikörperRhesus-Antikörper:SchwangerschaftAntikörper 20.2.3), die gebildet werden, wenn z. B. durch Transfusion, Fehlgeburt oder Geburt Rh-positives kindliches bzw. Spenderblut in den Kreislauf einer Rh-negativen Frau gelangt. In nachfolgenden Schwangerschaften mit einem Rh-positiven Kind führen die Antikörper bereits in der Gebärmutter zum Abbau der kindlichen Blutkörperchen, da sie die Plazentaschranke passieren können. Anämie, Ikterus und Ödeme des Ungeborenen können in schweren Fällen zum Tod des Kindes führen (Morbus haemolyticus fetalis et neonatorum) und machen deshalb eine intensive Überwachung Morbus:haemolyticus fetalis et neonatorumdes Kindes durch regelmäßige Sonografie und Doppleruntersuchungen der Arterie cerebri media des Fetus notwendig.
Durch i. m.-Injektion von Antikörpern gegen den Rhesusfaktor D (Anti-D-Immunglobulin) in den ersten 72 Stunden nach dem Kontakt mit dem Rh-positiven Blut wird die Antikörperbildung bei der Mutter und damit die Erkrankung der Kinder späterer Schwangerschaften verhindert (Rhesusprophylaxe, Anti-D-Prophylaxe). Rh-negative Schwangere, die Rhesusprophylaxekeine Antikörper Anti-D-Prophylaxeaufweisen, erhalten zwischen der 29. und 31. SSW routinemäßig eine Rhesusprophylaxe; ferner in jeder Situation, die ggf. zum Übertritt Rh-positiven Blutes in die mütterliche Blutbahn führen könnte, z. B. Amniozentese oder Blutungen in der Schwangerschaft.
Weitere Blutgruppenunverträglichkeiten
Auch die übrigen Blutgruppenmerkmale können Ursache einer Unverträglichkeitsreaktion sein, so z. B. das AB0-System (20.2.3). Hierbei sind vorgeburtliche Schädigungen des Kindes aber sehr selten, da sich die Merkmale des AB0-Systems erst nach der Geburt voll ausbilden. Nach der Geburt ist das Kind durch Hämolyse (Blutkörperchenzerfall) mit nachfolgendem Anstieg des Bilirubinspiegels im Blut gefährdet. Im Unterschied zu einer Rhesus-Unverträglichkeit kann eine AB0-Unverträglichkeit bereits während der ersten Schwangerschaft AB0-Unverträglichkeit:Schwangerschaftentstehen, da die Antikörper ohne vorherigen Kontakt mit dem Antigen vorhanden sind.
Trisomie 21

Trisomie 21 (Down-Syndrom, Morbus Langdon-Down, früher Mongolismus): numerische Chromosomenanomalie (7.4.9) mit dreifachem Chromosom 21 in jeder Körperzelle; geht einher mit typischen Fehlbildungen und geistiger Retardierung (Entwicklungsverlangsamung). Häufigkeit: 1 : 650 Lebendgeborene, damit häufigste Chromosomenanomalie.

Die Kinder sind meist schon als Down-SyndromNeugeborene Trisomie 21Syndrom:Down-SyndromMorbus:Langdon-DownMongolismusan ihrem typischen Aussehen zu erkennen. Der Schädel ist kurz mit abgeflachtem Hinterkopf, das Gesicht flach. Die Augen stehen weit auseinander (Hypertelorismus), die Lidachsen verlaufen schräg nach seitlich oben (Hypertelorismusmongoloide Lidachsenstellung). Die Ohren sind klein, die Zunge groß, der Mund steht oft offen. Die Hände der Kinder sind kurz und wirken plump, und im Bereich der Zehen fällt ein großer Abstand zwischen der ersten und zweiten Zehe auf. Die Muskelspannung (Muskeltonus) ist erniedrigt.
Begleitend bestehen bei ca. 50 % der Kinder Fehlbildungen der inneren Organe, v. a. Herzfehler und Stenosen oder Verschlüsse im Bereich des Darms. Das Immunsystem ist gestört, was sich durch die erhöhte Infektanfälligkeit und Leukämierate zeigt.
Die geistige Entwicklung der Kinder ist gestört (IQ meist < 50) und das abstrakte Denken wenig entwickelt. In der Regel sind die Betroffenen freundlich und anschmiegsam.
Eine kausale Behandlung der Erkrankung ist nicht möglich. Wesentlicher Bestandteil der symptomatischen Therapie ist die individuell angepasste Frühförderung des Kindes, z. B. in speziellen Tageskindergärten und Schulen. Es hat sich gezeigt, dass Förderung und intensive Kontakte zu anderen, nicht behinderten Kindern und Erwachsenen den Betroffenen zu einem wesentlich höheren Maß an Selbstständigkeit verhelfen, als man es noch bis vor wenigen Jahren für möglich hielt.
Die Prognose ist abhängig von der Schwere der inneren Fehlbildungen und der Immunschwäche. Schätzungsweise 40 % der Betroffenen erreichen das 40. Lebensjahr.
Turner- und Klinefelter-Syndrom
Durch vorgeburtliche Schädigung kann es auch zu Turner-SyndromSyndrom:Turner-SyndromSyndrom:Klinefelter-SyndromKlinefelter-Syndromeiner zahlenmäßigen Chromosomen-Anomalie der Geschlechtschromosomen (7.4.9) kommen. Die wichtigsten sind das Turner- und Klinefelter-Syndrom.
Das Fehlen eines X-Chromosoms löst bei Mädchen das Turner-Syndrom (Ullrich-Turner-Syndrom, Monosomie X0) aus, welches zu Kleinwuchs, fehlenden sekundären Monosomie X0Geschlechtsmerkmalen und Unfruchtbarkeit führt. Die Häufigkeit beträgt 1:2.500 Geburten, der Anteil an Schwangerschaften ist aber wesentlich höher, da 95 % der Embryonen mit dieser Chromosomen-Anomalie versterben.
Männer mit Klinefelter-Syndrom (Trisomie 47 XXY) besitzen neben ihren normalen X- und Y-Trisomie 47 XXYGeschlechtschromosomen ein oder mehrere zusätzliche X-Chromosomen. Typischerweise weisen diese Männer kleine Hoden und Hochwuchs auf. Sie sind unfruchtbar und oft minderbegabt. Die Häufigkeit beträgt 1:1.200 Geburten.
Embryofetales Alkoholsyndrom

Embryofetales Alkoholsyndrom (Alkoholembryofetopathie): Schädigung des Ungeborenen durch Alkoholkonsum der Mutter. Eine der häufigsten Ursachen angeborener geistiger Retardierung (ca. 2.500 Kinder/Jahr in Deutschland).

Signifikanter Alkoholkonsum der Mutter Syndrom:embryofetales AlkoholsyndromAlkoholsyndrom, embryofetalesAlkoholabhängigkeit:SchwangerschaftwährendAlkoholembryofetopathie der Schwangerschaft führt nicht nur zu einer gesteigerten Fehlgeburtsrate, sondern auch zu teils erheblichen Schädigungen des Kindes.
Schwer betroffene Kinder sind bei der Geburt zu klein und zu leicht. Äußerlich fallen die Kinder durch Mikrozephalie, kurze Lidspalten, schmales Lippenrot, verstrichenes Philtrum (Einbuchtung zwischen Nase und Oberlippe), kurzen Nasenrücken und fliehendes Kinn auf. Fehlbildungen innerer Organe, v. a. des Herzens, der Niere und der Genitalien, sind häufig. Die geistige Entwicklung der Kinder ist verzögert. An Verhaltensauffälligkeiten sind besonders Hyperaktivität (28.7.3), Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen zu nennen.
Keines der genannten Einzelsymptome ist für die Alkoholembryofetopathie spezifisch, sondern jedes kann auch bei zahlreichen anderen Störungen sowie als Normvariante beobachtet werden.

Extrauteringravidität

Extrauteringravidität (ektope Gravidität): Einnistung des befruchteten Eis außerhalb des Uterus (Abb. 27.8). In über 95 % der Fälle Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität), selten Eierstockschwangerschaft (Ovarialgravidität) oder Bauchhöhlenschwangerschaft (Abdominalgravidität) mit Einnistung des Eis in das Bauchfell. Häufigkeit: ca. 1–2 auf 100 intrauterine Schwangerschaften.

Krankheitsentstehung
Die genaue Ursache für TubargraviditätExtrauteringraviditätdieEileiterschwangerschaftOvarialgravidität EierstockschwangerschaftBauchhöhlenschwangerschaftAbdominalgraviditätFehleinnistung des befruchteten Eis bleibt meist unklar. Oft bestehen aber begünstigende Faktoren, z. B. vorangegangene Adnexitiden (Eileiter- und/oder Eierstockentzündung), die zu Verklebungen und gestörter Beweglichkeit der Tube führen. Weitere Risikofaktoren sind eine Sterilitätsbehandlung, frühere Extrauteringravidität, Endometriose oder das Tragen eines Intrauterinpessars („Spirale“).
Symptome
Die Symptome einer Tubargravidität sind davon abhängig, ob sich die Eizelle im relativ weiten, ovarnahen oder im engen, uterusnahen Eileiterabschnitt eingenistet hat.
Bei Einnistung im weiten Abschnitt der Tube hat die Frucht zunächst Platz zum Wachsen. Die Periode bleibt aus, der Schwangerschaftstest wird positiv, die Frau verspürt Brustspannen und Übelkeit, also die üblichen subjektiven Schwangerschaftszeichen. Ungefähr zwei Wochen nach Ausbleiben der Menstruation (ca. 6.–7. SSW) stirbt der Keim durch Mangelernährung ab, der Hormonspiegel sinkt, es kommt zu einer vaginalen Blutung und meist zu einem Tubarabort (Ausstoßung der Frucht in die Bauchhöhle Abb. 27.9). Die Frau Tubarabortverspürt zunehmende, wehen- bis krampfartige, einseitig betonte oder einseitige Unterbauchschmerzen. Eine Tubarruptur (Platzen der Tube Abb. 27.9) mit einseitig betonten TubarrupturUnterbauchschmerzen ist selten. Durch die Blutung in die Bauchhöhle kann es zum Schock kommen.
Bei Einnistung des Keims im engen Abschnitt der Tube sind die Beschwerden ungleich heftiger. Da nur wenig Platz ist, kann die Tube bereits ab der 5. SSW platzen. Die Frau weiß oft noch nichts von der Schwangerschaft. Sie hat plötzlich heftigste Schmerzen im Unterbauch und gerät evtl. schnell in einen Blutungsschock.
Bei einer Bauchhöhlenschwangerschaft sind die Symptome uncharakteristisch, da (zunächst) genügend Raum vorhanden ist. In der Regel stirbt die Frucht aber nach einer gewissen Zeit infolge Ernährungsstörungen ab. Das Gewebe wird resorbiert.
Diagnostik und schulmedizinische Therapie
Bei Frauen im gebärfähigen Alter müssen Sie bei Bauchschmerzen immer an eine Extrauteringravidität denken. Differenzialdiagnostisch kommen v. a. die Appendizitis (13.8.4), Adnexitis (17.11.1) oder eine Nierenbeckenentzündung in Frage.
Der Schwangerschaftstest im Blut ist häufig positiv, das Choriongonadotropin (HCG) liegt jedoch meist niedriger, als es der Schwangerschaftsdauer entspricht.

Achtung

Bei Verdacht auf Tubarabort oder Tubarruptur veranlassen Sie sofort den Transport der Patientin in die nächste Klinik, bei Schocksymptomatik mit Notarztbegleitung. Leiten Sie ggf. die Schocktherapie (30.7) ein.

Entscheidend für die Diagnose ist die vaginale Sonografie, β-hCG-Spiegel im Blut und dessen Verlauf. In der Regel erfolgt anschließend die Laparoskopie (Bauchspiegelung), welche die Diagnose sichertLaparoskopie:Extrauteringravidität und gleichzeitig die Entfernung der Frucht unter Erhalt der betroffenen Tube ermöglicht. In Spätstadien oder im Schock erfolgt eine Laparotomie (operative Eröffnung der Bauchhöhle), häufig mit Entfernung der gesamten Tube.
Bei der konservativen (nicht chirurgischen) Behandlung wird Methotrexat (22.8.2, Pharma-Info) intramuskulär verabreicht. Allerdings wird diese Methode nur für Eileiterschwangerschaften unter 3 cm, bei denen es noch nicht zum Riss des Eileiters gekommen ist, empfohlen.
Die Prognose ist bei rechtzeitiger Diagnosestellung gut. Allerdings ist das Risiko einer Extrauteringravidität nach einer eileitererhaltenden Operation bei einer erneuten Schwangerschaft auf ca. 30 % erhöht.

Abort

Abort (Fehlgeburt): vorzeitige Ausstoßung des Embryos oder Fetus bei einem Gewicht von unter 500 g und Fehlen aller Lebenszeichen. Auf 100 ausgetragene Schwangerschaften kommen ca. 10–15 Fehlgeburten.

Krankheitsentstehung
Etwa 30 % aller Konzeptionen Abortgehen Fehlgeburtspontan zugrunde. Nur etwa 10–15 %, bezogen auf die Anzahl der Geburten, sind klinisch als Abort erkennbar.
Häufig ist der Embryo z. B. infolge von Chromosomenstörungen nicht entwicklungsfähig, oder mütterliche Faktoren wie Uterusmyome, vorzeitige Öffnung des Muttermunds (Zervixinsuffizienz) oder Infektionen führen zur Fehlgeburt. Oft bleibt die Ursache des Aborts unklar.
Symptome und Diagnostik
Die Frau bemerkt die drohende oder beginnende Fehlgeburt meist durch eine schmerzlose vaginale Blutung. Im weiteren Verlauf wird die Blutung stärker, und es treten wehenartige, ziehende Unterbauchschmerzen hinzu.

Achtung

Überweisen Sie jede Schwangere mit Blutungen umgehend – je nach Zustand – zu ihrem Gynäkologen oder in die nächste Klinik.

Hauptziel der ärztlichen Diagnostik (Sonografie) ist es, festzustellen, ob der Embryo noch lebt und daher ein Versuch gerechtfertigt ist, die Schwangerschaft zu erhalten.

Fallbeispiel „Extrauteringravidität“

Spät abends bittet die Nachbarin eines Heilpraktikers diesen, zu ihr in die Wohnung zu kommen. Ihre 15 Jahre alte Tochter habe sehr starke Bauchschmerzen, und sie wisse nicht, ob sie den Arzt rufen solle. Die junge Frau liegt auf dem Sofa; sie sieht blass aus, und ihr Gesicht ist schweißnass. Stuhlgang und Wasserlassen seien tagsüber normal gewesen. Die Bauchschmerzen seien ganz plötzlich so heftig geworden, am schlimmsten sei es im rechten Unterbauch. Bei der Untersuchung bemerkt der Heilpraktiker dort eine feine Narbe; die Mutter erzählt auf Nachfrage, ihrer Tochter sei im Alter von etwa zwölf Jahren der Blinddarm entfernt worden. Die Bauchdecke zeigt eine deutliche Abwehrspannung. Der Blutdruck der Patientin beträgt 90/60 mmHg, der Puls ist flach und sehr schnell (100/Min.). Der Heilpraktiker ruft sofort den Notarztwagen. Er schildert, dass es sich um eine Peritonitis unbekannter Ursache handele und die Patientin bereits deutliche Symptome eines Schocks zeige. Während er einen sicheren venösen Zugang legt – die Mutter hat er auf die Straße geschickt, um dem Notarzt den Weg zu zeigen – fragt er die Patientin, wann ihre letzte Menstruation gewesen sei und ob die Möglichkeit einer Schwangerschaft bestünde. Die junge Frau sieht ihn so schockiert an, dass er zunächst glaubt, er habe sie gekränkt. Doch dann nickt sie und weint leise vor sich hin. Ihre letzte Periode habe sie vor etwa 7 Wochen gehabt. Sie habe nicht gewagt, mit ihrer Mutter über „das alles“ zu sprechen … Nun besteht dringender Verdacht auf eine Tubarruptur. Der Heilpraktiker schließt die Infusionsflasche an, deckt die Patientin zu und versucht, sie zu beruhigen. Gerade als er einen zweiten Zugang legen will, kommt der Notarzt und führt die eingeleitete Schocktherapie fort. In der Klinik wird die Verdachtsdiagnose bestätigt und bei einer Laparotomie die gesamte Tube entfernt. Der Heilpraktiker führt unterdessen – mit Einverständnis der Patientin – ein langes Gespräch mit seiner Nachbarin, die über die Schwangerschaft ihrer Tochter genauso entsetzt ist wie über deren schwere Erkrankung. Letztendlich überwiegt jedoch die Erleichterung, dass ihre Tochter wieder gesund werden wird.

Erstmaßnahmen bei Blutungen in der Schwangerschaft

Bei Blutungen in der Schwangerschaft überweisen Sie die Patientin immer umgehend zu ihrem Gynäkologen oder gleich in die Klinik (ggf. mit Notarztbegleitung). Bei stärkeren Blutungen führen Sie bis zum Eintreffen von Notarzt oder Rettungswagen folgende Maßnahmen durch:

  • Patientin Linksseitenlage mit erhöhtem Becken einnehmen lassen.

  • Patientin beruhigen und dafür sorgen, dass sie absolute Ruhe einhält.

  • Puls und RR regelmäßig kontrollieren.

  • Großlumigen Zugang legen (6.5.3).

  • Gegebenenfalls Schocktherapie (30.7) durchführen.

Schulmedizinische Therapie und Prognose
Bei einer drohenden Fehlgeburt mit (noch) lebendem Embryo ist die Behandlung konservativ: absolute Bettruhe und ggf. Wehenhemmung durch Magnesium oder durch Wehenhemmer, wenn das Kind in der Phase der Überlebensfähigkeit (24. SSW) ist (27.3.2, Pharma-Info).
Steht fest, dass der Embryo/Fetus abgestorben ist, muss sichergestellt werden, dass der Uterus völlig entleert wird, da Gewebereste u. a. zu Infektionen, Blutungen und Polypen führen können. Bei einem Abort bis zur 16. Schwangerschaftswoche erfolgt eine Kürettage (Ausschabung), und bei schon größerem Fetus wird medikamentös eine Geburt eingeleitet.
Nach einer Fehlgeburt ist das Risiko einer wiederholten Fehlgeburt bei erneuter Schwangerschaft auf ca. 25 % erhöht. Die Wiederholungsgefahr hängt auch von der Ursache ab.

Schwangerschaftsabbruch

Rechtlicher Rahmen
Für einen Schwangerschaftsabbruch (Abtreibung, Abruptio, fälschlich auch SchwangerschaftsabbruchInterruptio = Schwangerschaftsunterbrechung Abtreibunggenannt) gilt in AbruptioDeutschland derzeit die eingeschränkte Fristenregelung. Danach ist der Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Schwangerschaftswoche nach der Befruchtung (bis zur 14. Schwangerschaftswoche nach der Menstruation) zwar rechtswidrig, aber straffrei, wenn nach dem Beratungskonzept vorgegangen wurde. Für den Abbruch der Schwangerschaft auf Wunsch der Frau (ca. 80–90 % der Fälle) muss die Schwangere die Kosten meist selbst tragen, bei niedrigem Einkommen ggf. das Sozialamt. Bei den übrigen Indikationen für einen Schwangerschaftsabbruch wird der Abbruch von der Krankenkasse bezahlt:
  • Besteht durch die Schwangerschaft ein hohes Gesundheitsrisiko für die Frau, ist ein Schwangerschaftsabbruch unbefristet möglich: z. B. bei einer schweren Herzerkrankung oder wenn während der Schwangerschaft eine bösartige Erkrankung diagnostiziert wird. Die Gefährdung kann auch psychisch bedingt sein. Auch bei einer schweren Fehlbildung der Frucht (z. B. Trisomie 21) ist aus diesem Grund ein Abbruch möglich.

  • Bei einer Schwangerschaft infolge eines Notzuchtdelikts ist der Schwanger schaftsabbruch bis zur 12. Woche nach Befruchtung erlaubt.

Durchführung
Die Vorgehensweise beim Schwangerschaftsabbruch ist vom Alter der Schwangerschaft und von der Größe des Embryos abhängig.

Tipp

Grundsätzlich gilt, dass die Gefahr von Komplikationen bei einem Schwangerschaftsabbruch umso größer ist, je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist.

Bei einem Schwangerschaftsabbruch vor der 12. SSW wird die Zervix mit Metallstiften so weit aufgedehnt, dass eine stumpfe Kürette oder eine Saugkürette (Absaug-Methode) eingeführt werden kann. Bei einem Schwangerschaftsabbruch nach der 12. SSW muss mit Medikamenten eine geburtsähnliche Fruchtausstoßung eingeleitet werden.
Umstritten ist nach wie vor der Schwangerschaftsabbruch mittels eines Antiprogesterons (Rp Mifegyne®, früher RU 486). Das Medikament wird in Tablettenform eingenommen und Mifegynebewirkt ein Absterben des Embryos. RU 486Am Folgetag wird zusätzlich ein Prostaglandinpräparat in die Scheide eingeführt, das bewirkt, dass die Frucht ausgestoßen wird. Um einen Missbrauch auszuschließen, kann das Medikament vom Arzt nur direkt beim Produzenten bezogen werden, nicht über den Großhandel oder Apotheken. Außerdem werden die Verpackungen (ähnlich wie bei Betäubungsmitteln) durchnummeriert, und die Anwendung muss lückenlos dokumentiert werden.

Veränderungen des Trophoblasten und der Plazenta

Blasenmole und Chorionkarzinom

Blasenmole: blasenartige Degeneration der Plazentazotten im ersten Schwangerschaftsdrittel. Die Embryonalanlage geht entweder sekundär zugrunde oder war nie entwicklungsfähig.

Die Blasenmole kann zu Blutungen bei der Schwangeren führen. BlasenmoleDer ChorionkarzinomGynäkologe stellt einen für die Schwangerschaftsdauer zu großen Uterus fest und kann keine kindlichen Herztöne nachweisen. Die Therapie besteht in der medikamentösen Austreibung mit nachfolgender vorsichtiger Abrasio.
Aus der Blasenmole (auch aus Resten, die im Uterus verblieben sind) kann sich das sehr bösartige Chorionkarzinom (Chorionepitheliom) entwickeln, das frühzeitig auf dem Blutweg metastasiert.
Plazentainsuffizienz

Plazentainsuffizienz: Funktionseinschränkung der Plazenta, die dadurch keinen ausreichenden Stoffaustausch zwischen Mutter und Kind mehr gewährleisten kann.

ChorionepitheliomDie Ursachen für die Plazentainsuffizienz sind vielfältig. Besonders Plazentainsuffizienzhäufig betroffen sind Frauen mit Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen, schwangerschaftsinduzierter Hypertonie oder Mehrlingsschwangerschaften sowie Raucherinnen. Eine Plazentainsuffizienz kann auch bei Überschreitung des Geburtstermins auftreten, da die Plazentafunktion mit zunehmender Übertragungsdauer nachlässt.
Bei einer chronischen Plazentainsuffizienz bleibt das Ungeborene im Wachstum zurück. Unter zusätzlichen Belastungen, z. B. der Geburt, ist die Gefahr einer akuten (Sauerstoff-)Mangelsituation bis hin zum Kindstod erhöht. Eine akute Plazentainsuffizienz kann aber nicht nur auf dem Boden einer chronischen Plazentainsuffizienz entstehen, sondern z. B. auch durch eine vorzeitige Plazentalösung (s. u.) bedingt sein.
Die Therapie hängt von der Ursache der Plazentainsuffizienz ab. Wichtig sind das Einhalten von Bettruhe, die Behandlung von mütterlichen Grunderkrankungen sowie die engmaschige ärztliche Überwachung des Kindes. Gegebenenfalls ist eine vorzeitige Geburtseinleitung notwendig.
Placenta praevia

Placenta praevia: abnorme Plazentalokalisation im unteren Teil der Gebärmutter. Sie kann den inneren Muttermund ganz (total), teilweise (partial) oder nur am Rand (marginal) verdecken (Abb. 27.10). Häufigkeit ca. 0,5 % aller Geburten.

Eine Placenta praevia tritt gehäuft nach früherer Schädigung der Placenta praeviaGebärmutterschleimhaut (z. B. durch Entzündungen oder Abrasio), bei Mehr- oder Vielgebärenden und bei schnell aufeinanderfolgenden Schwangerschaften auf.
Leitsymptom ist eine schmerzlose Blutung ohne Blasensprung im letzten Schwangerschaftsdrittel oder während der Geburt. Das Blut ist zumeist mütterlichen Ursprungs. Nur bei den seltenen Zottenabrissen verliert auch das Ungeborene Blut. Bei einer starken Blutung verschlechtert sich das Allgemeinbefinden der Schwangeren entsprechend der äußerlich sichtbaren Blutung.

Achtung

Es besteht die Gefahr eines hypovolämischen Schocks (30.7)!

Durch Zunahme der sonografischen Untersuchungen in den letzten Jahren wird die Placenta praevia immer häufiger bei Routineuntersuchungen diagnostiziert, bevor die Schwangere Beschwerden hat.
Die Diagnosesicherung erfolgt durch Sonografie und vorsichtige Spekulumuntersuchung. Vaginale Tastuntersuchungen sind kontraindiziert, da sie eine Blutung auslösen können.
Bei noch unreifem Kind und leichter Blutung kann unter engmaschiger Kontrolle eine medikamentöse Wehenhemmung versucht werden. Bei reifem Kind und/oder starker Blutung wird eine zügige Entbindung angestrebt.
Die kindliche Mortalität liegt um 10 %, die mütterliche unter 1 % (bei optimaler ärztlicher Versorgung!).
Vorzeitige Plazentalösung

Vorzeitige Plazentalösung (Ablatio placentae, Abruptio placentae): teilweise oder vollständige Ablösung der normal sitzenden Plazenta, meist nach der 29. SSW, dadurch Blutung aus mütterlichen und teilweise auch aus kindlichen Gefäßen im Bereich der Haftfläche. Hohes Risiko für Mutter und Kind.

Erstmaßnahmen bei vorzeitiger Plazentalösung

  • Notarztwagen anfordern (lassen).Plazentalösung:Erstmaßnahmen

  • Erstmaßnahmen:PlazentalösungPatientin in Linksseitenlage lagern.

  • Patientin beruhigen.

  • Großlumigen venösen Zugang legen.

  • Gegebenenfalls Schocktherapie beginnen (30.7).

Als Ursachen der vorzeitigen Plazentalösung werden Traumen (Sturz, Plazentaösung, vorzeitigeAblatio placentaeUnfall), Abruptio placentaePräeklampsie oder plötzliche Druckentlastungen in der Gebärmutter (z. B. nach der Geburt des ersten Zwillings) angenommen. In ca. 60 % der Fälle bleibt die Ursache unklar.
Da es bei einer vorzeitigen Plazentalösung zunächst zwischen Uterus und Plazenta blutet (Ausbildung eines retroplazentaren Hämatoms Abb. 27.11), geht es der Mutter wesentlich schlechter, als man aufgrund der Hämatom:retroplazentaresevtl. sichtbaren Blutung annehmen würde. Oft besteht eine Schocksymptomatik (30.7). Außerdem hat die Schwangere starke Unterbauchschmerzen (Leitsymptom!).
Der Verbrauch von Gerinnungsfaktoren in dem retroplazentaren Hämatom kann zu einer lebensbedrohlichen Gerinnungsstörung bei der Mutter führen (DIC 20.7.2).
Lebt das Kind noch, ist eine sofortige Kaiserschnittentbindung erforderlich. Ist der Fetus hingegen bereits abgestorben, sollte eine vaginale Entbindung angestrebt werden, um die Mutter nicht noch zusätzlich durch eine Operation zu belasten.
Die kindliche Mortalität ist bei einer vollständigen vorzeitigen Plazentalösung mit 70–90 % sehr hoch. Die Sterblichkeit auf mütterlicher Seite liegt bei ungefähr 0,5 %.

Die Geburt und das Wochenbett

Physiologischer Geburtsverlauf

Physiologische Geburt (normale Geburt, regelhafte Geburt): spontane Entbindung der Schwangeren von einem reifen, normalgewichtigen Kind aus vorderer Hinterhauptslage (Abb. 27.13) nach einer Schwangerschaftsdauer von 38–42 Wochen (ca. 80 % aller Geburten).

Der Geburtsverlauf wird in Eröffnungsperiode, Austreibungsperiode und WochenbettGeburtNachgeburtsperiode unterteilt.
Geburtsmechanismen
EntbindungenTreibende Geburtskraft sind die Wehen. Dies sind Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur besonders während Geburt:Gebutsmechanismender letzten Wochen der Schwangerschaft Wehenund während der Geburt, die das Kind nach unten drücken.
Schwangerschaftswehen sind unregelmäßig auftretende, schmerzlose Uteruskontraktionen, die von der Schwangeren als Verhärtung empfunden werden und gegen Ende der Schwangerschaft an Häufigkeit zunehmen.
Senkwehen sind unregelmäßige Wehen während der letzten vier Schwangerschaftswochen, die das Kind tiefer treten Senkwehenlassen und seinen Kopf fest in den mütterlichen Beckeneingang drücken. Sie können leicht schmerzhaft und krampfartig sein und sind deshalb unter Umständen schwer von beginnenden Geburtswehen zu unterscheiden.
Viele Schwangere bemerken die nahende Geburt aufgrund immer noch unregelmäßiger, aber in ihrer Intensität zunehmender Vorwehen in den letzten Tagen vor der Geburt.
Die eigentliche Geburt beginnt mit den Eröffnungswehen, regelmäßigen, stärker und schmerzhafter werdenden Wehen, die zur Eröffnung des Muttermunds führen. Eine Wehe dauert ca. 20–60 Sek. Die Wehenpause zwischen zwei Wehen beträgt zu Beginn der Geburt ungefähr 5–10 Min. und nimmt im Laufe der Geburt stetig ab.
Nach der vollständigen Eröffnung des Muttermunds wird das Kind durch Austreibungs- und Presswehen geboren. Presswehen sind Austreibungswehen, unterstützt durch die Bauchpresse als weiterer Geburtskraft.
Nachgeburtswehen führen zur Lösung und Abstoßung der Plazenta nach der Geburt des Kindes. Nachwehen im Wochenbett treten bei der Rückbildung des Uterus auf.
Um das Licht der Welt zu erblicken, muss das Kind dasNachwehen knöcherne Becken der Mutter und einen Weichteilkanal aus unteren Anteilen des Uterus, der Vagina, der Vulva und der Beckenbodenmuskulatur passieren. Diese Strukturen werden zusammenfassend als Geburtskanal bezeichnet. Folgende Besonderheiten zeichnen den Geburtskanal aus:
  • Der Beckeneingang ist bei der GeburtskanalFrau quer oval.

  • Die Beckenmitte ist nahezu kreisförmig.

  • Der Beckenausgang ist längs oval.

Das Kind muss also unter der Geburt mehrere Drehungen ausführen. Den kindlichen Weg durch den Geburtskanal bei vorderer Hinterhauptslage (ca. 92 % aller Geburten) zeigt Abbildung 27.13.

Merke

Folgende Wehenformen sind zu unterscheiden:

  • Schwangerschaftswehen

  • Senkwehen

  • Vorwehen

  • Eröffnungswehen

  • Austreibungs-/Presswehen

  • Nachgeburtswehen

  • Nachwehen

Eröffnungsperiode

Eröffnungsperiode: Phase ab dem Einsetzen regelmäßiger Wehen (ca. alle 3–10 Min.) oder ab Blasensprung bis zur vollständigen Eröffnung des Muttermunds. Dauer bei Erstgebärenden ca. 7–10 Std., bei Mehrgebärenden ca. 4 Std.

Während der Eröffnungsperiode wird der kindliche Kopf tiefer in das Becken gedrängt und Geburt:Eröffnungsperiodepasst sich durch Drehen und Beugen der Beckenhöhle an. Unterer Uterusabschnitt, Zervix und Muttermund werden bis zur Kopfdurchlässigkeit (d. h. auf ca. 10–12 cm Durchmesser) gedehnt (Abb. 27.12).

Achtung

Mit Einsetzen der Eröffnungswehen oder bei Abgang von Fruchtwasser oder blutig tingiertem Schleim beginnt auch aus juristischer Sicht die Geburt. Deshalb darf der Heilpraktiker ab diesem Zeitpunkt gemäß § 4 des Hebammengesetzes nur noch in Notfallsituationen Hilfe leisten.

Am Ende der Eröffnungsperiode wölbt sich die Fruchtblase in den erweiterten Zervikalkanal vor (Vorblase) und platzt bei ca. ⅔ aller Geburten. Man spricht von einem rechtzeitigen Blasensprung (Tab. 27.3). Danach kommt es zum Abgang blutig tingierten Schleims (sog. „Zeichnen“).
Austreibungsperiode

Austreibungsperiode: Phase von der vollständigen Muttermunderöffnung bis zur Geburt des Kindes. Dauer bei Erstgebärenden bis zu 3 Std., bei Mehrgebärenden 30–60 Min.

Pressperiode: letzte Phase der Austreibungsperiode. Dauer bei Erstgebärenden ca. 30 Min., bei Mehrgebärenden meist wesentlich weniger.

Mit der Blasensprungvollständigen Muttermunderöffnung beginnt der Durchtritt des kindlichen Kopfes durch das Geburt:AustreibungsperiodeeBecken (Abb. 27.13, Abb. 27.14), und sowohl Wehenintensität als auch häufigkeit nehmen stark zu. Mit dem Tiefertreten des kindlichen Kopfes verspürt die Gebärende einen starken Pressdrang (Presswehen). Als Einschneiden des Kopfes bezeichnet man das Sichtbarwerden des kindlichen Kopfes in der Vulva. Während des Durchschneidens streckt sich der Presswehenkindliche Kopf, Stirn und Gesicht erscheinen in der Vulva.
Um ein schonendes und langsames Herausgleiten des kindlichen Kopfes zu ermöglichen und um zu verhindern, dass mütterliches Gewebe (Damm) zwischen Vagina und Anus reißt, schützt die Hebamme den Damm mit der Hand (Dammschutz). Bei absehbarem Einreißen des Damms (Blasswerden der Dammhaut) und zur Verkürzung der Pressperiode bei bedenklicher Kardiotokografie wird ein DammschutzDammschnitt (Episiotomie) durchgeführt.
Nachgeburtsperiode und Postplazentarperiode

Nachgeburtsperiode: Phase vom Abnabeln des Kindes bis zur Ausstoßung der Plazenta. Dauer bis zu 1 Std.

Postplazentarperiode: Umfasst die ersten zwei Stunden nach Ausstoßung der Plazenta und den Beginn des Wochenbetts. In diesen zwei Stunden kommen die meisten Komplikationen vor.

Wenige Minuten nach der Geburt des Kindes setzen die Nachwehen ein. Sie verkleinern den UterusGeburt:Nachgeburtsperiode und Geburt:Postplazentarperiodedamit die Plazentahaftfläche. Bei dieser Abscherung bildet sich ein retroplazentares Hämatom, und die Plazenta wird nach vollständiger Lösung ausgestoßen. Danach versorgt der Geburtshelfer Geburtsverletzungen und/oder den Dammschnitt.

Erstmaßnahmen bei Einsetzen der Eröffnungswehen

Zeichnen, GeburtWenn die Eröffnungswehen regelmäßig ca. alle 10 Minuten auftreten, sollte die Patientin in die Klinik gefahren werden. Normalerweise genügt hierzu ein Taxi. Bis zum Eintreffen des Taxis kann die Schwangere je nach Bedürfnis umhergehen oder sich hinlegen.

Wichtig: Falls die Fruchtblase bereits gesprungen ist (Abgang von Fruchtwasser), sollten Sie umgehend einen Krankenwagen rufen. Die Schwangere sollte bis der Wagen eintrifft in jedem Fall liegen, am besten auf der linken Seite.

Komplikationen und geburtshilfliche Operationen

Maßnahmen bei außerklinischer Geburt 30.17
Frühgeburt

Frühgeburt: Lebendgeburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche; in Deutschland ca. 5–8 % aller Geburten.

Ab Vollendung der 23. SSW ist ein Überleben möglich. Je unreifer ein Kind geboren wird, desto niedriger ist seine Wahrscheinlichkeit, zu überleben und desto höher sein Risiko, unter Umständen einen bleibenden Schaden davonzutragen.

Früher wurde eine Frühgeburt als eine Geburt nach der 29., aber vor Vollendung der 37. SSW Frühgeburtdefiniert. Geburt:FrühgeburtDurch moderne intensivmedizinische Möglichkeiten liegt die Grenze der Lebensfähigkeit heute schon bei einer Schwangerschaftsdauer von unter 25. SSW (23.–24. SSW), sodass diese Definition heute überholt ist. 60–70 % der perinatalen Todesfälle betreffen Frühgeborene.
Krankheitsentstehung
Die Ursachen für eine Frühgeburt sind:
  • Lebensalter der Mutter unter 18 Jahren und älter als 35 Jahre: Erstgebärende, schlechter Ernährungszustand oder niedriges Körpergewicht der Schwangeren, vorbestehende Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Nieren- oder Schildrüsenerkrankungen, starker Nikotin- oder Alkoholkonsum, Uterusfehlbildungen oder -myome, Präeklampsie, vorangegangene Fehl- oder Frühgeburten, oder Infektionen, vorausgegangene Schwangerschaftsabbrüche.

Erstmaßnahmen bei drohender Frühgeburt

Bei Bauch- oder Rückenschmerzen in der Frühgeburt:ErstmaßnahmenSchwangerschaft kann es sich immer um Wehen handeln. Es kann eine Frühgeburt drohen.

  • Überweisen Sie die Schwangere – je nach Zustand – umgehend zu ihrem Gynäkologen oder in eine Klinik zur Diagnostik (z. B. Kardiotokografie) und Therapie.

  • Alarmieren Sie bei starken Wehen und/oder vorzeitigem Blasensprung den Notarzt.

  • Lagern Sie bis zu dessen Eintreffen die Patientin in Linksseitenlage mit erhöhtem Becken (Abb. 27.17).

  • Beruhigen Sie die Schwangere.

  • Fragen Sie nach dem Mutterpass, und geben Sie diesen unbedingt in die Klinik mit.

Pharma-Info: Uterusmittel

Wehenhemmer

Pharma-Info:UterusmittelBei Wehenhemmeranhaltender Wehentätigkeit in der zweiten Pharma-Info:TokolytikaSchwangerschaftshälfte, bei Operationen am schwangeren Uterus sowie bei mütterlicher und/oder kindlicher Gefährdung durch die Wehentätigkeit ist die Gabe von Wehenhemmern (Tokolytika) angezeigt. Diese führen über eine direkte Stimulation der Tokolytikaβ2-Rezeptoren des Uterus zur Erschlaffung der glatten Uterusmuskulatur und damit zur Wehenhemmung. Ihre Nebenwirkungen, besonders Tachykardien, ergeben sich größtenteils aus der Wirkung dieser β-Sympathomimetika auch an den β-Rezeptoren anderer Organe. Zur Tokolyse werden z. B. die β2-Sympathomimetika Fenoterol (z. B. TokolysePartusisten®) angewendet. Neuerdings wird auch Atosiban, z. B. Tractocile® eingesetzt, ein Oxytocin-Rezeptorantagonist mit hoher uteriner Spezifität: häufigste Nebenwirkungen sind Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden.

Wehenfördernde Substanzen

Wehenfördernde Substanzen steigern die Kontraktionsbereitschaft des schwangeren Uterus. Je nach Anwendung werden sie unterteilt in:
  • Wehenmittel zur Geburtseinleitung oder bei Wehenmittel:Pharma-InfoWehenschwäche unter der Geburt

  • Kontraktionsmittel zur Einleitung eines Schwangerschaftsabbruchs, zur KontraktionsmittelFörderung der Plazentaablösung nach der Geburt, zur Blutungsstillung nach Plazentaausstoßung, zur Förderung der Uterusrückbildung im Wochenbett, bei einem Kaiserschnitt nach Entwicklung des Kindes oder nach einer Abrasio.

Merke:Durch die Gabe wehenfördernder Mittel kann es generell zu einem unphysiologischen Geburtsverlauf kommen, so dass die Indikation zurückhaltend zu stellen ist.
Das Hypophysenhinterlappenhormon Oxytocin löst physiologischerweise die Geburtswehen aus und vermittelt die Milchentleerung beim Stillen. Kurz vor, während und nach der Geburt ist die Empfindlichkeit des Uterus auf Oxytocin am höchsten.
Therapeutisch wird Oxytocin (z. B. Rp Orasthin®) zur Geburtseinleitung, bei Wehenschwäche, zur Förderung der Plazentaentwicklung oder bei Uterusatonie nach der Geburt eingesetzt. Neuerdings kommt Oxytocin auch als Nasenspray (Syntocinon®) zur Unterstützung bei Stillstörungen und zur Mastitisprophylaxe zum Einsatz, die Indikation ist jedoch umstritten.
Prostaglandine wirken direkt auf die glatte Prostaglandine:Pharma-InfoUterusmuskulatur und auf die Gefäße. Während Dinoproston (z. B. Cerviprost®, Minprostin® E2) unter intensiver Überwachung von Mutter und Kind auch lokal an der Zervix oder (selten) i. v. zur Zervixerweichung und Geburtseinleitung eingesetzt wird, dürfen andere Prostaglandine (z. B. Cergem® , Nalador®) nur zur Einleitung eines Schwangerschaftsabbruchs im 2. Trimenon, zur Geburtseinleitung bei intrauterinem Fruchttod oder bei atonischen Blutungen in der Nachgeburtsphase verwendet werden.
Secale-Alkaloide (Mutterkornalkaloide, z. B. Methylergometrin) wirken Secalealkaloideebenfalls direkt auf die glatte Uterusmuskulatur. In der Geburtshilfe werden sie zur Förderung der Plazentalösung, bei Uterusatonie, bei einer verzögerten Uterusrückbildung im Wochenbett oder nach einem Kaiserschnitt oder einer Abrasio gegeben. Sie dürfen nicht zur Geburtseinleitung verabreicht werden.
  • Psychosozialer Stress der Schwangeren kann zu einer vermehrten Ausschüttung von körpereigenen Botenstoffen führen, die Wehen oder einen vorzeitigen Blasensprung verursachen können.

  • Durch Mehrlingsschwangerschaften oder Schwangerschaften mit vermehrtem Fruchtwasser (Polyhydramnion) kann die Gebärmutterwand dermaßen gedehnt werden, dass bestimmte Hormone (z. B. Oxytocin) vermehrt ausgeschüttet werden, die Wehen verursachen.

Symptome und Diagnostik
Die Schwangere erkennt eine drohende Frühgeburt am vorzeitigen Einsetzen regelmäßiger Wehen, die sich erst als uncharakteristische Rückenschmerzen äußern können.
Manchmal bemerkt die Schwangere nichts, und der Arzt stellt die vorzeitige Öffnung des Muttermunds bei einer Kontrolluntersuchung fest. Ein zu früher Sprung der Fruchtblase mit Abgang von Fruchtwasser (vorzeitiger Blasensprung Tab. 27.3) ist bereits Zeichen einer beginnenden Frühgeburt.
Schulmedizinische Therapie
Die Behandlungsstrategie ist abhängig von der Schwangerschaftsdauer und der Notfall:FrühgeburtUrsache der drohenden Frühgeburt.
Es ist nicht immer möglich vorzeitige Wehen zu hemmen bzw. aufzuhalten. Es gibt mehrere medikamentöse Möglichkeiten, die Kontraktionen der Gebärmutter zu stoppen. Das oberste Ziel der Behandlung ist, die Geburt möglichst lange hinauszuzögern, sodass Kortikosteroide der Mutter verabreicht werden können, um die kindlichen Lungen zur vorzeitigen Reifung zu bringen. Ab der abgeschlossenen 34. SSW ist eine diesbezügliche Behandlung (Wehenhemmung, Lungenreifung) nicht mehr notwendig, da ab diesem Zeitpunkt die Kinder üblicherweise keine Probleme mehr durch eine Frühgeburt haben.
In seltenen Fällen muss eine Entbindung aktiv noch vor der 34. SSW durchgeführt werden (Verdacht auf kindliche Infektion, Blutung oder Präeklampsie).
Lageanomalien des Fetus

Lageanomalie (kindliche Fehllage): Abweichung von der normalen Schädellage des Fetus. Häufigkeit von Beckenendlagen (Abb. 27.15) ca. 3–5 %, von Querlagen ca. 0,7 % aller Geburten.

Bis zum Ende des zweiten Schwangerschaftsdrittels kann sich das Kind im Mutterleib noch frei bewegen, Lageanomalien, Fetusd. h. Fehllage, kindlicheunterschiedliche Lagen einnehmen. In dieser Zeit ist die Beckenendlage (Abb. 27.15) physiologisch. Zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche kommt es aber zur „Selbstwendung des Kindes“ und damit zur regelrechten Schädellage. Der Auslöser hierfür ist unklar. Erfolgt diese Selbstwendung nicht, spricht man von einer Lageanomalie.
Meist bleibt die Ursache der Lageanomalie unklar. Das Risiko der Beckenendlagen besteht darin, dass Füße und Steiß den Geburtskanal nicht so weit vordehnen, dass der (umfangsgrößere) Kopf rasch folgen kann. Ab einem bestimmten Zeitpunkt drückt der nachfolgende Kopf jedoch die Nabelschnur zusammen, die ja mit dem Nabel des Kindes vorangeht. Die Verbindung zur Plazenta wird so also unterbrochen, und die Sauerstoffversorgung des Kindes ist nicht mehr gewährleistet. Damit das Kind keinen Schaden erleidet, muss das Köpfchen innerhalb der nächsten Minuten entwickelt werden.

Achtung

Bei der Querlage ist eine vaginale Geburt überhaupt nicht möglich; sie ist evtl. durch eine eher quer ovale Bauchkontur der Mutter schon von außen erkennbar.

In beiden Fällen ist das Risiko eines Nabelschnurvorfalls (Abb. 27.16a, Abb. 27.16b) beim Blasensprung erhöht, da der Kopf die Muttermundöffnung nicht abdichtet und sie deshalb am führenden Kindsteil Nabelschnurvorfallvorbei nach außen rutschen kann. In Schädellagen besteht die Gefahr auch, v. a. wenn die Fruchtblase springt und der Kopf noch nicht fest in das kleine Becken eingetreten ist. Kopf oder Körper des Kindes klemmen dann beim Tiefertreten die Nabelschnur mit den lebenswichtigen Blutgefäßen ab, was zu einem lebensbedrohlichen Sauerstoffmangel des Kindes führt.

Achtung

Bei Beckenend- oder Querlage und vorzeitigem Blasensprung sowie bei Nabelschnurvorfall muss die Schwangere unter Beckenhochlagerung (Abb. 27.17a, Abb. 27.17b) sofort und mit Notarzt in eine gynäkologische Klinik überwiesen werden.

Liegt das Kind einer Erstgebärenden in Beckenendlage, wird meistens ein Kaiserschnitt durchgeführt.
Bei einer Frau, die bereits Kinder geboren hat, ist unter Umständen eine vaginale Geburt möglich, da die Geburtswege schon einmal durch die früheren Geburten vorgedehnt waren.
Mütterliche Geburtsverletzungen
Dammriss
Die häufigsten mütterlichen Geburtsverletzungen sind Dammrisse, genauer Scheidendammrisse, die durch Überdehnung des Damms Geburtsverletzungenentstehen. Je nach Schwere der Verletzung sind z. B. DammrissHauteinrisse, die Verletzung der Dammmuskulatur oder sogar des After-Schließmuskels möglich.
Uterusruptur
Für Mutter und Kind sehr gefährlich ist die Uterusruptur, d. h. das Zerreißen der Gebärmutter. Dabei kann es sich um ein Aufplatzen der Narbe nach vorangegangenen Uterusoperationen Uterusrupturhandeln. Jedoch vermag auch ein intakter Uterus zu reißen, z. B. bei Querlage des Kindes.
Geburtshilfliche Operationen
Episiotomie
Die häufigste geburtshilfliche Operation ist der Dammschnitt (Episiotomie). Dabei wird der Damm mit einer speziellen Episiotomieschere gespalten. Nach der Geburt der Plazenta Episiotomiewerden die Vaginalschleimhaut, die tieferen DammschichtenDammschnitt und die Haut in getrennten Schichten wieder verschlossen.
Vaginal-operative Entbindungen
Als vaginal-operative Entbindungen werden Saugglockenentbindung (Vakuum-Extraktion Abb. 27.18) und Zangenentbindung (Forzeps-Entbindung, lat. forceps = Entbindungen:vaginal-operativeZange Abb. 27.19) bezeichnet. Sie sindSaugglockenentbindung notwendig, wenn esVakuum-Extraktion während der Austreibungsperiode zu Zangenentbindungeinem Geburtsstillstand kommt. Bei der Forzeps-EntbindungVakuum-Extraktion wird eine Saugglocke auf den kindlichen Kopf aufgesetzt und nach Erzeugung eines Unterdrucks das Kind mit der Wehe vorsichtig herausgezogen (Abb. 27.18). Bei der Forzeps-Entbindung umfasst der Geburtshelfer mit einer speziellen Zange den Kopf des Kindes und entwickelt das Kind durch Zug an den Zangengriffen (Abb. 27.19).
Kaiserschnitt
Ein Kaiserschnitt (Sectio caesarea, kurz Sectio, Schnittentbindung) ist indiziert, wenn die Geburt aufgrund Kaiserschnittmütterlicher oder kindlicher GefährdungEntbindungen:Kaiserschnitt schnell beendet werden muss, Sectio caesareaeine vaginal-operative Geburt aber nicht durchgeführt werden Schnittentbindungkann, weil das Kind noch nicht tief genug in den Geburtskanal eingetreten ist.
Außerdem wird eine elektive (geplante) Sectio durchgeführt, wenn die vaginale Geburt für Mutter oder Kind ein unverantwortlich hohes Risiko bedeuten würde oder ein relatives Missverhältnis zwischen mütterlichem Becken und kindlichem Kopf besteht.
Nach Eröffnung der Bauchdecken über einen queren Hautschnitt unmittelbar oberhalb der Schamhaargrenze und Eröffnung der Gebärmutter wird das Kind entwickelt, abgenabelt, abgesaugt und der Hebamme oder dem Kinderarzt übergeben. Anschließend verschließt das Operationsteam sorgfältig alle durchtrennten Schichten der mütterlichen Bauchwunde. Heute wird der Schnitt i. d. R. so gesetzt, dass die Narbe bei normaler Kleidung meist nicht zu sehen ist.

Wochenbett und Stillzeit

Achtung

Die Überwachung des Wochenbettverlaufs ist Heilpraktikern untersagt, da diese Tätigkeit nach dem Hebammengesetz zur Geburtshilfe zählt.

Physiologisches Wochenbett

Wochenbett (Puerperium, Kindbett): Zeit unmittelbar nach Ausstoßung der Plazenta bis zur Rückbildung aller Schwangerschaftsveränderungen. Dauer etwa 6–8 Wochen.

Nach Ablösung der Plazenta besteht in der Gebärmutterhöhle eine große Wunde, die unter Einwanderung Wochenbettvon LeukozytenWochenbett:physiologisches Puerperiumabheilt. Zellreste, Wundsekret, Leukozyten und Blut gelangen als Lochien (KindbettWochenfluss) nach außen. Nach 4–6 Wochen versiegen die Lochien.
In den Tagen und Wochen nach der Geburt bildet sich der Uterus rasch zurück (LochienUterusinvolution). Dies beruht auf dem Wegfall der WochenflussPlazentahormone und der dadurch verringerten Uterusdurchblutung, die zum Abbau von Gewebe führt. Kontraktionen unterstützen die Uterusinvolution.
Auch Uterusinvolutiondie übrigen Schwangerschaftsveränderungen bilden sich in den Tagen bis Monaten nach der Geburt in unterschiedlichem Tempo zurück. Durch den Abfall der Plazentahormone im mütterlichen Blut kommt es zum Anstieg der hypophysären Hormone, besonders des Prolaktins, die während der Schwangerschaft unterdrückt waren (19.2.1). Zwei für das Stillen wesentliche Hormone können nun ihre Wirkung entfalten (Abb. 27.20):
  • Prolaktin, das die Milchbildung (Laktogenese) fördert,

  • Oxytocin, das die Milchentleerung (Galaktokinese) vermittelt.

Der sog. Milcheinschuss erfolgt in der Regel am 2.–4. Tag nach der Geburt.

Tipp

Stress kann die Bildung von Prolaktin und Oxytocin hemmen. Die Frauen brauchen daher viel Ruhe.

Durch die Laktogeneseendokrine Umstellung im Wochenbett ist auch eine Galaktokinesephysiologische Stimmungslabilität bedingt, die sog. MilcheinschussWochenbettdepression („Heultage“, „Maternity Blues“), die bevorzugt am 2.–4. Tag nach der Geburt auftritt. Sie betrifft ca. 50 % aller Depression:WochenbettWöchnerinnen.
Erkrankungen im Wochenbett und in der Stillzeit
Zu Wochenbettdepressionden wichtigsten Erkrankungen im Wochenbett gehören:
  • Brustdrüsenentzündung (Mastitis puerperalis 17.14.3)

  • Stillen:Erkrankungen in der StillzeitLochialstau

  • Entzündung der Uterusschleimhaut und -Wochenbett:Erkrankungenmuskulatur (Endo- und Myometritis)

  • Wochenbettpsychose und -neurose

Lochialstau

Lochialstau (Lochiometra): Stauung der Lochien in der Uterushöhle.

Ist der Muttermund im Wochenbett verschlossen oder z. B. durch Blutkoagel verlegt, können die Lochien nicht abfließen und Lochialstausammeln sich in der LochiometraUterushöhle an.
Typischerweise bekommt die Patientin ½–1 Woche nach der Entbindung hohes Fieber. Der Uterus ist für den Wochenbetttag zu groß, zu weich und stark druckschmerzhaft. Die Lochien sind (fast) versiegt.
Die schulmedizinische Behandlung besteht in der Gabe von Kontraktionsmitteln, ggf. auch in der Erweiterung des Muttermunds.
Endometritis und Myometritis

Endometritis: Entzündung der Uterusschleimhaut.

Myometritis: Entzündung der Uterusmuskulatur, fast immer mit gleichzeitiger Endometritis (Endo-Myometritis); außerhalb des Wochenbetts sehr seltene Erkrankungen.

Endometritis und Myometritis im Wochenbett werden meist durch eine Infektion der Plazentahaftstelle mit StreptokokkenEndometritis,Myometritis Staphylokokken und/oder Uterus:SchleimhautentzündungE. coli verursacht. Sie zeigen sich durch verzögerte Rückbildung des Uterus mit Druckschmerz, übel riechende Lochien und Allgemeinerscheinungen wie Fieber und Kopfschmerzen.

Fallbeispiel „Postpartale neurotische Reaktion“

Ein langjähriger Patient kommt diesmal wegen seiner Frau in die Sprechstunde und bittet um Rat. Er ist vor fünf Monaten Vater geworden. Erst stockend, später immer wortreicher erzählt er, dass anfangs alles wunderbar gewesen sei, doch nach etwa zwei Monaten habe sich seine noch sehr junge Frau erschreckend verändert. Er mache sich Sorgen um sie und um das Kind – und auch um sich und seine Ehe. Seine Frau stehe morgens schon lange nicht mehr auf, es sei denn, jemand fordere sie massiv dazu auf. Sonst läge sie den ganzen Tag mit dem Kind im Bett. Beim geringsten Anlass fange sie an zu weinen. Ihre Stimme sei nur noch ein „jammernder Singsang“ und ihre stereotype Antwort auf alle Fragen oder Ermutigungen sei entweder „Ich kann einfach keine gute Mutter sein; es ist besser, ihr seht das ein.“ oder „Ich habe keine Kraft.“ Manchmal scheine sie das Kind abzulehnen, dann wiederum werde sie „hysterisch“ vor Angst, es könne etwas passieren, wenn er mit der Tochter mal an die frische Luft wolle. Mitunter sei seine Frau jedoch auch „einfach nur unerträglich schlecht gelaunt“. Er wisse überhaupt nicht mehr, wie er sich auf seine Arbeit konzentrieren solle. Anfangs habe seine Schwiegermutter noch oft versucht, die kleine Familie zu unterstützen. Doch auch ihr wachse die Situation langsam über den Kopf. Die ganze Familie sei ratlos und verstört. „Wenn das so weitergeht, drehen wir noch alle durch!“ Auf Nachfrage gibt er an, dass er bei seiner Frau keine Anzeichen für Halluzinationen bemerkt habe. Die Heilpraktikerin erklärt dem Patienten, dass es sich bei seiner Frau um eine postpartale Psychose oder um eine postpartale neurotische Reaktion handeln könne. Sie rät ihm dringend, baldmöglichst mit seiner Frau zu einem Psychiater zu gehen, damit dieser die Diagnose stelle und die Behandlung einleite, und empfiehlt ihm einen guten Arzt. Auch der Leidensdruck der Frau ist mittlerweile so groß, dass sie die Notwendigkeit einer Behandlung einsieht. Nach einigen Tagen geht das Ehepaar zum Arzt, der nach einem längeren Gespräch die Diagnose stellt: Es handelt sich um eine postpartale neurotische Reaktion. Die Frau wird ambulant zunächst ausschließlich medikamentös behandelt; nach einigen Tagen zusätzlich psychotherapeutisch. Während der gesamten Zeit wird sie von der Heilpraktikerin mit einer homöopathischen (Konstitutions-)Behandlung unterstützt. Zur Entlastung bei der täglichen Arbeit kommt in den ersten Monaten eine Haushaltshilfe. Nach gut sechs Monaten hat sich der Zustand der Patientin stabilisiert. Sie hat Freude an ihrer kleinen Tochter und schafft ihr tägliches Arbeitspensum, ohne sich ständig überfordert zu fühlen. Die Behandlungsmaßnahmen müssen jedoch noch weitergeführt werden.

Zunächst wird der Arzt Medikamente zur Uteruskontraktion verordnen. Bei fortschreitender Erkrankung und v. a. bei Auftreten von hohem Fieber sind Antibiotika indiziert.
Die Prognose ist insgesamt gut, doch besteht stets die Gefahr der Puerperalsepsis (früher Kindbettfieber genannt 25.18.7), bei der die Erreger von der Gebärmutter aus in die Blutbahn gelangt sind. Deshalb muss die Patientin in der Klinik engmaschig überwacht und betreut werden.Puerperalsepsis

Achtung

Überweisen Sie jede Wöchnerin mit unklarem Fieber sofort zu ihrem Gynäkologen zur weiteren Abklärung.

Psychiatrische Erkrankungen im Wochenbett
Im Gegensatz zur depressiven Verstimmung im Wochenbett handelt es sich bei der postpartalen Psychose und der postpartalen Neurose Wochenbett:psychiatrische Erkrankungenum „echte“ psychiatrische Erkrankungen, die fachärztlicher psychiatrische Erkrankungen:WochenbettBehandlung bedürfen. Oft machen sie sich erst nach der Entlassung aus dem Krankenhaus bemerkbar:
  • Bei einer postpartalen (puerperalen) Psychose ist die Patientin unruhig und verwirrt. Weitere Leitsymptome sind Kopfschmerzen, starke Stimmungsschwankungen, Depressionen, Halluzinationen und evtl. Wahn. Die Suizidgefahr ist groß, ebenfalls Psychose:postpartaleist auch das Kindstötungsrisiko erhöht. Die Behandlung erfolgt stationär durch einen Psychiater.

  • Frauen mit einer postpartalen neurotischen Reaktion weinen viel, sind außergewöhnlich müde und haben Angst, bei der Betreuung des Kindes zu versagen. Betroffen sind v. a. Erstgebärende. Suizidgefahr und Kindstötungsrisiko sindNeurosen: postpartale neurotische Reaktion gering. Die psychiatrische Behandlung erfolgt ambulant, bei ausgeprägten Depressionen auch stationär.

Schwangere und Stillende in der Praxis

Beratung der Schwangeren und Stillenden

Schwangerschaft, Geburt und Mutterschaft sind einschneidende Ereignisse im Leben einer Frau. Nicht wenige Frauen fühlen sich mit der damit verbundenen Schwangere/Stillendepsychischen Umstellung und Verantwortung überfordert oder Stillen:Beratungsehen sich großen sozialen Problemen (z. B. finanziellen Schwierigkeiten) gegenüber. Daher steht bei der Betreuung von Schwangeren immer auch die psychische Begleitung der Frau im Vordergrund, ggf. gekoppelt mit der Organisation entsprechender sozialer Hilfen.
Besonders Frauen, die ihr erstes Kind erwarten, sind oft unsicher, was sie sich und dem Ungeborenen während der Schwangerschaft zumuten dürfen.

Merke

Als Faustregel kann gelten, dass eine „gesunde und maßhaltende“ Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und regelmäßigem Lebensrhythmus am besten für Mutter und Kind ist. Die Schwangere sollte sich nicht bis an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit belasten; es gibt aber auf der anderen Seite für gesunde Frauen mit komplikationslos verlaufender Schwangerschaft nur wenige Dinge, die verboten sind.

Ernährung
Ratsam ist es, schon vor der Empfängnis mit gesunder Ernährung zu beginnen. Besonders wichtig ist es, in der Schwangerschaft auf die Qualität der Nahrung und auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Obst, Schwangere/Stillende:ErnährungGemüse, Vollkorn- und Milchprodukten zu achten. Der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen ist erhöht. Zur Deckung des Jodbedarfs sind zwei Fischmahlzeiten pro Woche empfehlenswert. Ein knapper halber Liter Milch tgl., alternativ auch Käse oder – wenn Empfindlichkeit gegen tierisches Eiweiß besteht – Blatt- und Wurzelgemüse, sorgen für ausreichend Kalzium.
Eine zentrale Rolle spielt schon vor dem Zeitpunkt der Empfängnis die Folsäure.
Sie ist ein Vitamin der B-Gruppe und für das Zellwachstum, die Entwicklung der Organe und des ZNS unerlässlich.

Achtung

Vitaminpräparate, v. a. Vitamin-A-Präparate, sollten nur nach Rücksprache mit dem Behandler eingenommen werden, da zuviel Vitamin A fruchtschädigend wirken kann.

Durch das Wachstum des Fetus ist der Folsäurebedarf v. a. in den ersten Schwangerschaftswochen erhöht. Um die Gefahr von Fehl- und Frühgeburten auszuschließen sowie das Risiko von Plazentalösungen und Störungen der Entwicklung des zentralen Folsäure:Bedarf i.d. Schwangerschaftund peripheren Nervensystems (z. B. Neuralrohrdefekt) zu minimieren, sind eine folsäurereiche Ernährung und die Gabe von Folsäure notwendig. Frauen mit Kinderwunsch und Schwangere sollten vorsorglich 0,4 mg Folsäure zur normalen Ernährung aufnehmen.
Ballaststoffreiche Kost mit viel frischem Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten kann einer Obstipation vorbeugen, die in der Schwangerschaft häufig ist. Die Flüssigkeitszufuhr soll tgl. mindestens 1,5–2 l betragen, da dies auch die Gefahr der häufig bei Schwangeren auftretenden Harnwegsinfekte vermindert. Geeignet sind v. a. Mineralwasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees.
Kaffee ist nur in Maßen zuzuführen, da dieser die Aufnahme von Eisen, Zink und anderen Mineralien hemmt.
Eine vegetarische Ernährung mit Milch, Milch- oder Sojaprodukten, Eiern und Vollkorngetreide, Obst und Gemüse ist bei sorgfältiger Auswahl der Lebensmittel möglich. Die Gefahr einer Eisenmangelanämie ist aber erhöht. Günstig ist eine ausgewogene vollwertige Mischkost, die reichlich pflanzliche und mäßig tierische Lebensmittel enthält. Trotzdem muss sich die gesunde Schwangere nicht kasteien, wenn sie den in der Frühschwangerschaft sprichwörtlichen Heißhunger etwa auf eine saure Gurke mit Honig verspürt. Solchem Heißhunger kann sie – in Maßen – durchaus nachgeben.

Merke

  • Wegen der Gefahr einer Infektion mit Listerien bzw. Toxoplasmose sollten Schwangere auf den Verzehr von rohem oder nur halb durchgegartem Fleisch sowie rohem Fisch unbedingt verzichten.

  • Rohmilch und Rohmilchprodukte wie Weichkäse können ebenfalls mit Listerien verseucht sein.

  • Eier sollten zur Vorbeugung einer Infektion mit Salmonellen nur gut durchgegart gegessen werden.

Tipp

Im Gegensatz zur landläufigen Vorstellung, dass „das Kind viel verbraucht“, ist der Kalorienbedarf in der Schwangerschaft nur gering erhöht.

Das notwendige „Mehr“ von ca. 300 kcal tgl. wird schon durch eine Scheibe Vollkornbrot mit Belag oder eine Portion Müsli mit Obst erreicht. Die Schwangere sollte also nicht „für zwei“ essen. Andererseits sind Abmagerungskuren in Schwangerschaft und Stillzeit zu vermeiden, da die Gefahr einer kindlichen Unterversorgung besteht und die Schadstoffbelastung des Kindes durch die Mobilisierung von im Fett gespeicherten Schadstoffen steigen kann.
Das in der Spätschwangerschaft häufige Sodbrennen bessert sich oft, wenn die Schwangere von drei großen auf 5–6 kleine Mahlzeiten umsteigt.
Auch für stillende Frauen ist eine ausgewogene Mischkost am günstigsten. Ansonsten müssen die stillenden Mütter selbst ausprobieren, was ihnen und ihrem Baby gut tut: Blähende Speisen (z. B. Hülsenfrüchte, Kraut, Zwiebeln) und stopfende Speisen (z. B. Stillen:ErnährungSchokolade) sind oft ungünstig, da diese auch beim Kind Blähungen und Verstopfung hervorrufen können. Von Obst, v. a. Zitrusfrüchten, und von Obstsäften bekommen viele Kinder Durchfall und werden wund. Nach der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung sollten stillende Frauen pro 100 ml gebildeter Milch zusätzlich zum normalen Bedarf 120 kcal und 5 g Eiweiß zu sich nehmen.

Merke

Trinkmenge beeinflusst Milchmenge!

Die stillende Mutter soll 2,3–3 l tgl. trinken, um ausreichend Milch zu bilden. Hat sie jedoch zuviel Milch, ist eine Einschränkung der Trinkmenge der einfachste Weg, die Milchmenge zu reduzieren. Ideal sind ungesüßte Tees, Mineralwasser ohne Kohlensäure, Milch, Malzkaffee oder -bier.
Genussmittel
Kaffee, schwarzer Tee und Colagetränke enthalten Koffein und sollten nur in geringen Mengen getrunken werden. Mehr als 3 Tassen tgl. sollten es nicht Schwangere/Stillende:Trinkmengesein, da das Fehlbildungsrisiko für das Kind sonst erhöht ist. Bei Colagetränken istSchwangere/Stillende:Genussmittel zusätzlich der Kaloriengehalt zu berücksichtigen.
Dagegen sollte eine Schwangere auf Alkohol in der Frühschwangerschaft völlig und in der Spätschwangerschaft weitestgehend verzichten. In Deutschland werden jährlich 2.500 Kinder mit alkoholbedingten Schäden geboren. Alkohol führt schon ab ca. 60 g Alkohol/Woche (entspricht ca. 100 ml Wein/Tag oder 200 ml Bier/Tag) zu einem typischen embryofetalen Alkoholsyndrom (27.2.4) und steigert die Fehl- und Frühgeburtsrate. Aber auch bei geringeren Dosen ist eine toxische Wirkung des Alkohols nicht ausgeschlossen! Die Befürchtung vieler Frauen, dass die Drinks der letzten Party (als die Frau bereits schwanger war, dies aber noch nicht wusste) dem Kind geschadet haben könnten, ist aber unbegründet. In diesem frühen Schwangerschaftsstadium gilt noch das „Alles-oder-nichts“-Prinzip: Entweder entwickelt sich das Kind normal oder gar nicht.
Im Interesse ihres Kindes sollte die Frau unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Durch jeden Zigarettenzug verengen sich die Gefäße, die zur Plazenta ziehen und das Kind mit Sauerstoff versorgen. Raucherinnen gebären deshalb häufig untergewichtige Kinder, die zudem besonders anfällig für Atemwegserkrankungen sind.
Ein besonderes Problem sind Schwangerschaften bei Drogenabhängigkeit der Mutter. Da ein Entzug während der Schwangerschaft ein sehr hohes Risiko darstellt, rät der Arzt bei Abhängigkeit von Opiat-Drogen (z. B. Heroin) in der Regel zur Methadonsubstitution.
Hautpflege
In der Schwangerschaft wirdDrogenabhängigkeit:Schwangerschaft die Haut der Frau oft schöner. Kleine Fältchen oder Unregelmäßigkeiten verschwinden durch die Wassereinlagerung, und eine Akne kann sich bessern. Durch die Veränderungen des Hormonhaushalts und die Schwangere/Stillende:Hautpflegestarke Hautdehnung im Bauchbereich wird die Haut aber auch belastet. Bürstenmassagen, kalte Güsse und leichte Knet- und Zupfmassagen der Bauchhaut mit einem geeigneten Körperöl können die gefürchteten Schwangerschaftsstreifen (Striae) evtl. mildern. Die Mamillen (Brustwarzen) brauchen nicht, wie früher angenommen, auf das Stillen vorbereitet zu werden. Durch starkes Reiben oder anderweitige Reizung der Mamille können kleine Hautrisse entstehen, durch die Infektionen begünstigt werden. Werden bereits kleine Milchmengen sezerniert, können diese zur Hautpflege der Brust genutzt werden.
Arzneimittel
Medikamentöse Therapie: Besonderheiten bei Schwangeren und Stillenden Kap. 27.4.3.
Beruf
Das Mutterschutzgesetz schränkt die Berufstätigkeit Schwangerer aber dort ein, wo Mutter und/oder Kind durch die Berufstätigkeit gefährdet würden. So dürfen Schwangere z. BSchwangere/Stillende:Beruf. nicht mit Mutterschutzgesetzgesundheitsgefährdenden Stoffen (etwa Zytostatika) oder in der Nähe Gesetz(e):Mutterschutzgesetzionisierender Strahlung (etwa zur Strahlendiagnostik und -therapie) arbeiten. Sie dürfen keine schweren Lasten heben und müssen Gelegenheit zu regelmäßigen Ruhepausen haben. Nacht- und Feiertagsarbeit sowie Überstunden sind nicht zulässig. In den letzten sechs Wochen vor und den ersten acht Wochen nach der Entbindung (bei Frühgeburten und Mehrlingen zwölf Wochen) ist die Frau völlig von der Erwerbstätigkeit befreit.
Reisen
Prinzipiell braucht eine gesunde Schwangere nicht auf Urlaub zu verzichten. Kann die Reise längere Zeit vorher geplant werden, ist besonders das stabile zweite Schwangerschaftsdrittel für einen Urlaub empfehlenswert. Die geeignetsten Schwangere/Stillende:ReisenVerkehrsmittel sind die Bahn und das Flugzeug (bis vier Wochen vor der Entbindung), da sich die Schwangere bewegen kann. Längere Autofahrten sind wegen des ununterbrochenen Sitzens zu vermeiden.
Reisen mit starkem Milieu- und Klimawechsel, in Länder mit schlechter medizinischer Versorgung, in die Tropen oder ins Gebirge über 2.500 m Höhe sollte die Schwangere auf später verschieben.
Sexualität
Bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft bestehen keine Bedenken gegen Geschlechtsverkehr. Treten jedoch Komplikationen wie vaginale Blutungen auf, ist davon Sexualität:Schwangerschaftabzuraten. In den letzten Tagen vor der Entbindung kann Schwangere/Stillende:SexualitätGeschlechtsverkehr die Geburt (vorzeitig) einleiten. Nach der Geburt des Kindes ist Geschlechtsverkehr erst nach dem Versiegen der Lochien wieder erlaubt. Vorher besteht die Gefahr von Infektionen und Wundheilungsstörungen nach Dammschnitt. Auch wenn die Mutter stillt, muss sie unbedingt empfängnisverhütende Maßnahmen ergreifen (nach Beratung durch ihren Gynäkologen), da auch volles Stillen keinen sicheren Schutz vor einer Schwangerschaft bietet.
Sport
Mindestens 20 Min. Bewegung am Tag tun der Schwangeren gut. Nicht geeignet sind jedoch Leistungssport, Kraftsportarten und Sportarten, bei denen die Frau starken Erschütterungen ausgesetzt ist (z. B. Reiten, Squash, Tennis). Sportarten, Schwangere/Stillende:Sportdie ohne Begleitung in einsamer Umgebung ausgeübt werden (Waldlauf) oder nicht spontan unterbrochen werden können (Bergsteigen, Fliegen), sind ebenfalls ungünstig. Am besten sind Schwimmen, Fahrradfahren und Wandern. Mit neuen Sportarten sollte die Schwangere möglichst nicht beginnen. Außerdem sollte sie sich nicht bis zur völligen Erschöpfung belasten, sondern stets eine „Reserve“ lassen.
Gymnastische Übungen sind ebenfalls erlaubt, jedoch sollte auf eine intensive Anspannung der Bauchmuskulatur verzichtet werden. Sehr zu empfehlen ist hingegen eine spezielle Schwangerschaftsgymnastik, die für die Geburtsvorbereitung sehr hilfreich sein kann.
Geburtsvorbereitungskurse
Ab der 25.–31. Schwangerschaftswoche sollte die Schwangere einen Geburtsvorbereitungskurs (Schwangerschaftskurs) besuchen. Diese werden z. B. von Krankenhäusern, Familienbildungsstätten und niedergelassenen Hebammen angeboten.
Bei Geburtsvorbereitungunterschiedlicher Gestaltung beinhalten die Kurse:
  • Stärkung des Selbstvertrauens der Schwangeren durch Information und Vermittlung von Verhaltensweisen für die Geburt

  • Schwangerschaftsgymnastik einschließlich Atemübungen

  • Entspannungsübungen, z. B. wehenerleichternde und geburtsfördernde Körperhaltungen

Technik des Stillens
Der Milcheinschuss erfolgt in der Regel am 2.–4. Tag nach der Geburt. Bis zu einem gewissen Grad ist eine Brustdrüsenschwellung im Rahmen des Milcheinschusses als physiologisch anzusehen. Bei gutem Stillmanagement lassen sich eine pathologische Stillen:TechnikBrustdrüsenschwellung und Fieber vermeiden. Gegen die Beschwerden helfen Kühlen der Brust z. B. mit Quarkumschlägen, häufiges Anlegen des Kindes und evtl. das Ausstreichen der überschüssigen Milch sowie Tiefdruckmassage und Lymphdrainage durch die Physiotherapie oder eine andere Fachkraft. Vor dem Stillen wäscht sich die Mutter und nimmt eine bequeme Haltung (Abb. 27.21, Abb. 27.22, Abb. 27.23) ein.
  • Das Kind sollte bereits in der ersten Stunde nach der Geburt angelegt werden. Dies ist meist auch nach einem Kaiserschnitt möglich.

  • Uneingeschränktes Stillen nach Bedarf (Füttern ad libitum) ist der Grundstein für eine erfolgreiche Stillbeziehung und beugt zudem Problemen beim Milcheinschuss vor. In den ersten Wochen ist damit zur rechnen, dass das Kind etwa 8- bis 12-mal in 24 Std. nach der Brust verlangt.

  • Normale Körperhygiene reicht aus. Insbesondere ist es nicht notwendig, die Hände oder gar die Brust zu desinfizieren.

  • Das Tragen eines Still-BHs ist nicht zwingend und sollte vom Empfinden der Mutter abhängig gemacht werden. In den ersten Wochen sind Stilleinlagen empfehlenswert, nach einiger Zeit können viele Frauen darauf verzichten.

  • Das Kind sollte zeitlich uneingeschränkt an der Brust trinken dürfen. Die früher empfohlene Beschränkung des Anlegens auf eine bestimmte Zeit zur „Schonung“ der Mamillen ist überholt. Wunde Mamillen entstehen nicht durch zu langes Anlegen, sondern in über 80 % durch eine falsche Anlegetechnik. Deshalb wird die Frau von Anfang an zu korrektem Anlegen und einer guten und gleichzeitig bequemen Stillposition angeleitet.

  • Bis sich die Stillbeziehung gut eingespielt hat, ist es ratsam, bei jeder Stillmahlzeit beide Brüste anzubieten. Das nächste Stillen wird in der Regel an der Brust begonnen, an der das letzte Stillen beendet wurde.

  • Wesentlich für den Stillerfolg ist das Einsetzen des Milchspendereflexes. Entspannungsübungen können der Mutter helfen, wenn der Milchspendereflex nur schwer einsetzt. In besonderen Situationen steht Oxytocin als Nasenspray zur Verfügung (z. B. ein Hub Syntocinon® Nasenspray 2–3 Min. vor dem Anlegen).

  • Beim Abnehmen des Kindes von der Brust zieht die Mutter die Mamille nicht aus dem Mund des Kindes heraus (begünstigt Rhagadenbildung), sondern schiebt zuerst einen Finger in seinen Mundwinkel und löst auf diese Weise das Vakuum.

  • Nach dem Stillen lässt die Frau die Milchreste an der Brust trocknen. Bilden sich Rhagaden, werden als erstes Anlegetechnik, Stillposition und Saugverhalten des Kindes überprüft und ggf. korrigiert. Der Heilungsprozess kann durch die Verwendung von hochgereinigtem Lanolin, z. B. Lansinoh®, beschleunigt werden. Bei anhaltend wunden Mamillen muss eine Soorinfektion ausgeschlossen werden.

Nicht nur Erstgebärende haben anfangs Probleme beim Stillen und bedürfen der psychischen Unterstützung. Hierzu gehört auch Ruhe während der Stillzeiten.
Das früher übliche Wiegen des Kindes vor und nach jeder Mahlzeit ist bei gesunden Säuglingen nicht erforderlich und verunsichert die Mutter nur unnötig, da Schwankungen in der Trinkmenge normal sind.
Stillhindernisse
Es gibt nur sehr wenige Erkrankungen, die eine Kontraindikation für das Stillen darstellen. Die meisten Infektionskrankheiten erlauben das Stillen bzw. Weiterstillen, solange die Mutter sich dazu in der Lage fühlt. Dies gilt bei entsprechenden Stillen:StillhindernisseVorsorgemaßnahmen (z. B. Impfung des Kindes) bzw. Behandlung auch für Hepatitis und Tuberkulose. Eine Mastitis ist keine Kontraindikation zum Stillen, im Gegenteil: Weiterstillen fördert die Heilung.
  • absolute mütterliche Stillhindernisse:

    • Frauen mit HIV-Infektion und HTLV-I-positive Frauen (Human-T-Zell-Leukämievirus Typ 1)

    • medikamentöse Behandlung der Mutter, z. B. mit Zytostatika oder radioaktiven Substanzen, sowie Medikamenten- und Drogenmissbrauch

  • absolute kindliche Stillhindernisse: Erkrankungen des Galaktosestoffwechsels (Galaktosämie). Bei einigen anderen Stoffwechselerkrankungen ist unter Umständen das Stillen nur eingeschränkt möglich (z. B. Phenylketonurie)

  • relative kindliche Stillhindernisse:

    • Trinkschwäche bei unreifen Kindern oder Säuglingen mit Herzfehlern, Pneumonie, Neuropathien

    • Fehlbildungen, z. B. eine schwere Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder ein abnorm kleiner Unterkiefer

    • Mundkrankheiten, z. B. Mundsoor oder Aphthen

Bei relativen Stillhindernissen pumpt die Mutter die Milch ab. Diese kann dem Baby dann mittels alternativer Fütterungsmethoden (z. B. Brusternährungssets, Fingerfeeding) oder Flasche gegeben werden. So bleiben dem Kind wenigstens einige Vorteile der Muttermilchernährung erhalten.
Abstillen
Möchte oder darf die Frau nicht stillen oder wurde das Kind tot geboren, wird die Mutter über die verschiedenen Möglichkeiten des Abstillens informiert. Aufgrund der nicht unbeträchtlichen Nebenwirkungen der Prolaktinhemmer (z. B. Dostinex®) sollteStillen:Abstillen dem natürlichen Abstillen Vorrang eingeräumt werden. Dazu wird die Brust bei Bedarf gerade so weit entleert wie unbedingt notwendig und anschließend gekühlt. Ein gut stützender, aber keinesfalls einengender BH wird unter Umständen als angenehm empfunden. Hochbinden der Brust und Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr sind obsolet. Unterstützend kann z. B. Salbeitee wirken.

Naturheilkundliche Begleitung in Schwangerschaft und Stillzeit

Beratung der Schwangeren und Stillenden 27.4.1, Diagnostik 27.4.3.Stillzeit:naturheilkundliche Therapie

Einige naturheilkundliche Therapieverfahren sind in der Schwangerschaft nur mit Vorsicht anzuwenden bzw. kontraindiziert. Für viele Pflanzen ist die Wirkung auf den Embryo noch nicht geklärt. Verordnen Sie aus diesem Grund nur Heilpflanzen, deren Unbedenklichkeit eindeutig nachgewiesen ist.

Biochemie nach Schüßler

In der Schwangerschaft kommen v. a. die folgenden biochemischen Salze infrage: Nr. 1 Calcium fluoratum für Knochen- und Zahnbildung, Nr. 3 Ferrum phosphoricum für die Sauerstoffversorgung sowie Nr. 11 Silicea für Bindegewebe, Haut und Haare. Empfehlenswert sind zudem leichte Einreibungen des Bauchs mit Calcium-fluoratum-Salbe oder Silicea-Salbe.

Homöopathie

Bei Schwangerschaftserbrechen können nach ausführlicher Anamnese und gründlicher Repertorisation folgende Konstitutionsmittel die Beschwerden lindern: Arsenicum album, Ferrum metallicum, Conium, Ipecacuanha, Natrium muriaticum, Nux moschata, Nux vomica, Pulsatilla (Abb. 27.24), Sepia, Sulfur. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Vomistop® Tabletten) eingesetzt, enthalten diese häufig Apomorphinum (Übelkeit, heftiges Schwangerschaftserbrechen, Kitzelhusten mit Brechreiz), Nux vomica (bei morgendlicher Übelkeit und Brechneigung, bei Erregung und Reizbarkeit) oder Tabacum (bei „tödlicher“ Übelkeit mit kaltem Schweiß und krampfartigen Schmerzen im Magen-Darm-Bereich).
Einige Therapeuten verordnen zur Geburtsvorbereitung homöopathische Mittel mit bewährter Indikation, z. B. Pulsatilla (zur Geburtsvorbereitung, bei launenhafter Stimmung, Krampfadern) oder Caulophyllum (zur Erleichterung der Geburt, Öffnung des Muttermunds). Bewährt haben sich auch Komplexmittel, wie z. B. Caulophyllum Pentarkan®.

Ordnungstherapie

Erläutern Sie Ihren Patientinnen bei Bedarf die Bedeutung eines gesunden Zahnfleischs und gesunder Zähne in der Schwangerschaft. So können Infektionen in der Mundhöhle und Parodontopathien das Risiko für Frühgeburten erhöhen.
Auch Infektionen im Vaginalbereich, die häufig unbemerkt bleiben, sind ein Risikofaktor für Früh- und Fehlgeburten. So verschiebt sich bei Infektionen der saure pH-Wert der Vagina; höhere Werte legen den Verdacht auf eine Störung der Vaginalflora nahe. Mit einem einfachen Selbsttest aus der Apotheke kann Ihre Patientin bei Bedarf den pH-Wert regelmäßig bestimmen und bei veränderten Werten den Frauenarzt frühzeitig aufsuchen.

Orthomolekulare Therapie

Frauen mit Kinderwunsch sollten schon vor Eintritt der Schwangerschaft auf eine ausreichende Folsäureversorgung achten.
In der Schwangerschaft ist der Bedarf an Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen, v. a. an Folsäure, Eisen, Jod, Kalzium und Magnesium erhöht. Besonders bei untergewichtigen oder stark übergewichtigen Frauen, bei Frauen, die zu Genussmittelabusus neigen oder deren Vorgeschichte Komplikationen (z. B. Frühgeburt) aufweist, ist mit einem erhöhten Bedarf an Nährstoffen zu rechnen. Ob eine Substitution (z. B. Femibion®) erforderlich ist, muss im Einzelfall entschieden werden.
Vitamin B6 kann bei Übelkeit versuchsweise verordnet werden, wenn durch Phytotherapie oder Homöopathie keine Besserung zu erreichen ist.
In der Schwangerschaft wird empfohlen, zweimal in der Woche Kaltwasserfische (z. B. Makrele, Wildlachs, Hering) zu essen. Es gibt Hinweise, dass die darin enthaltenen Omega-3-Fettsäuren die Entwicklung des kindlichen Gehirns und das Sehvermögen fördern. Alternativ werden auch Fertigpräparate angeboten.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie bei Schwangerschaftserbrechen feucht-warme Leberwickel oder Heublumensäcke. Wassertreten und kalte Güsse sind hilfreich bei Stauungen und Venenleiden.
Raten Sie Ihren Patientinnen, frühzeitig mit der Pflege des Damms zu beginnen. Günstig ist eine tägliche Einreibung z. B. mit Vitamin-E-Öl oder Nachtkerzenöl, um diesen Bereich zu kräftigen und möglichst einem Dammschnitt vorzubeugen, da eine Narbe den Energiefluss im Meridianverlauf stört.

Phytotherapie

Heilpflanzen sind während der Schwangerschaft nur bei entsprechender Indikation und auch dann nur für eine begrenzte Zeit einzusetzen. Prüfen Sie vor jeder Verordnung, ob die Pflanze auf ihre Unbedenklichkeit hin untersucht wurde.
Zur Behandlung von Übelkeit und krampfartigen Magenbeschwerden eignen sich Kamillenblüten (Matricariae flos Abb. 13.39), Pfefferminzblätter (Menthae piperitae folium Abb. 13.49), Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma), Tausendgüldenkraut (Centaurii herba Abb. 13.41) und Himbeerblätter (Rubi idaei folium).
Bei Blähungen sind Kümmelfrüchte (Carvi fructus Abb. 13.29), Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus Abb. 13.30) und Anisfrüchte (Anisi fructus Abb. 13.28) hilfreich.
Zur Anregung der Milchbildung sind Galactagoca (Milchbildungsmittel) wie z. B. Anisfrüchte (Anisi fructus Abb. 13.28), Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus Abb. 13.30), Korianderfrüchte (Coriandri fructus), Dillfrüchte (Anethi fructus), Mönchspfefferfrüchte (Agni casti fructus Abb. 17.23), Frauenmantelkraut (Alchemillae herba Abb. 17.30) oder Brennnesselkraut/-blätter (Urticae herba/-folium Abb. 20.28) zu verordnen, die oft auch in Teemischungen (z. B. Milchbildungstee Weleda) enthalten sind.

Frischer Ingwer eignet sich gut für die Behandlung von Übelkeit.

[J787]

Salbeiblätter (Salviae folium Abb. 12.28) hingegen hemmen die Milchbildung und können zum Abstillen begleitend eingesetzt werden.
Achtung:Berücksichtigen Sie, dass einige Pflanzen, wie z. B. Wacholderbeeren (Juniperi fructus), Rosmarinblätter (Rosmarini folium) und Lebensbaumspitzen (Thujae summitates) in Überdosierung einen Abort auslösen können. Auch Pflanzen mit abführender Wirkung wie Sennesblätter/-früchte (Sennae folium/-fructus) und Aloe-Extrakt (Extractum aloes) sind während der Schwangerschaft kontraindiziert.

Traditionelle Chinesische Medizin

Richtig eingesetzt kann Akupunktur Begleitscheinungen der Schwangerschaft wie Übelkeit oder Kopfweh lindern sowie die Geburt erleichtern. Akupunktur in der Schwangerschaft bieten immer mehr Kliniken für Geburtshilfe an. Vorausgesetzt, Mutter und Kind sind beide gesund, es handelt sich nicht um eine Risikoschwangerschaft, und die Schwangerschaft verläuft unproblematisch. Verboten sind mechanische Manipulation und regionale Elektrostimulation an Nah- und Fernpunkten, die Einfluss auf die Gebärmutter haben.
Bei Schwangerschaftserbrechen bzw. Übelkeit ist ein Versuch mit Akupressur (Pe 6, Ma 36, Ren Mai 12 und Du Mai 20) sinnvoll.

Diagnostik: Besonderheiten bei Schwangeren und Stillenden

Die Schwangerenvorsorge nach den Mutterschaftsrichtlinien führt i. d. R. der Gynäkologe und Geburtshelfer durch, gelegentlich auch eine freie Hebamme oder selten der Hausarzt. Raten Sie Ihrer Patientin, die Diagnostik, schulmedizinische:SchwangerschaftVorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen und den Mutterpass immer bei sich zu führen.
Bei der Betreuung von Patientinnen in der Schwangerschaft sind u. a. folgende diagnostische Parameter von besonderer Bedeutung:
  • Bei der körperlichen Untersuchung:

    • Blutdruckwerte wegen der Gefahr der schwangerschaftsinduzierten Hypertonie und der Präeklampsie (27.2.3)

    • Gewichtszunahme, z. B. abnorme Gewichtszunahme bei Wassereinlagerungen

    • Ödeme (16.4.10)

    • Varikosis (11.7.1)

    • Größe und Kontur des Bauchs

  • Bei Blutuntersuchungen ist besonders der Hämoglobinwert von Bedeutung (Anämie?). Einige andere Laborwerte zeigen physiologischerweise während einer Schwangerschaft Abweichungen von der Norm, z. B. die Leukozytenwerte können bis auf 15.000/mm3 steigen, oder auch der Fibrinogenspiegel kann erhöht sein.

  • Bei zwei (und mehr) Nüchternblutzuckerwerten über 92 mg/dl innerhalb von 4 Wochen liegt ein Gestationsdiabetes (Schwangerendiabetes 15.6.1) vor. Dieser tritt besonders auf bei über 30-jährigen Frauen, familiärer Belastung, Hypertonie und Proteinurie.

  • Die Urinuntersuchung hat einen hohen Stellenwert bei der Erkennung der häufig auftretenden Harnwegsinfekte oder einer schwangerschaftsinduzierten Proteinurie (16.4.6). Eine Glukosurie hingegen kann physiologisch sein, ist jedoch bei wiederholtem Auftreten ebenfalls als Hinweis auf einen Gestationsdiabetes zu werten.

Bei der Betreuung der Wöchnerin muss auf erhöhte Temperaturen als Zeichen einer beginnenden Endo- und Myometritis (17.12.5) oder einer Mastitis (17.14.3) geachtet werden.

Tipp

Lassen Sie sich den Mutterpass zeigen, denn er kann für Sie eine wichtige Informationsquelle darstellen. In ihm werden alle für die Betreuung der Schwangeren relevanten Daten zusammengefasst.

Medikamentöse Therapie: Besonderheiten bei Schwangeren und Stillenden

Naturheilkundliche Begleitung in Schwangerschaft und Stillzeit 27.4.2
Fast alle Arzneistoffe passieren die Plazenta. Dadurch wirken sie nicht nur auf die Mutter, sondern auch auf das Kind. Das kann schwere Schädigungen des Schwangere/Stillende:medikamentöse TherapieEmbryos verursachen. Zudem können manche Pharmaka zum vorzeitigen Einsetzen von Wehen oder gar zum Abort führen. Daher sollte eine Schwangere keinerlei Medikamente eigenmächtig einnehmen. Ebenso gefährlich kann aber auch das Unterlassen einer notwendigen Behandlung sein. So sind unbehandelte Infektionen häufig Ursache von Fehl- und Frühgeburten oder kindlichen Schädigungen. Ebenso wie in der Schwangerschaft Medikamente über die Plazenta in den kindlichen Organismus gelangen, geschieht dies nach der Geburt über die Muttermilch.

Achtung

Denken Sie immer daran, dass jeder Arzneistoff, den Sie einer schwangeren oder stillenden Frau verabreichen, immer auch Auswirkungen auf das Kind haben kann. Dies gilt natürlich auch für naturheilkundliche Substanzen (27.4.2).

In der Roten Liste (2.5.1) sind alle Medikamente, die in Schwangerschaft oder Stillzeit kontraindiziert sind oder nur unter Anwendungsbeschränkung eingesetzt werden dürfen, aufgeführt. Die Angaben dienen lediglich der Orientierung; es fehlen Hinweise auf Art und Ausmaß der Gefährdung und den Wahrscheinlichkeitsgrad des Auftretens einer Schädigung.
Weitere Hinweise können Sie den Herstellerangaben auf dem Beipackzettel der zu verordnenden Medikamente entnehmen. Wenn pflanzliche Drogen lose, z. B. als Tee, verordnet werden sollen, befinden sich in den entsprechenden Arzneipflanzen-Monografien Angaben zu Kontraindikationen in Schwangerschaft und Stillzeit. Ferner gibt es spezielle Beratungsstellen, z. B. an den Universitätsfrauenkliniken Tübingen, Ulm und Jena.

Tipp

Der Arzneistoffwechsel verläuft in der Schwangerschaft teilweise langsamer als außerhalb der Schwangerschaft. Deshalb sollten Sie immer die Dosierung überprüfen und ggf. anpassen.

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