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B978-3-437-55244-1.00013-8

10.1016/B978-3-437-55244-1.00013-8

978-3-437-55244-1

Übersicht über die Verdauungsorgane.

[L190]

Aufbau der Wandschichten in verschiedenen Abschnitten des Verdauungstrakts. Vom untersten Abschnitt der Speiseröhre bis zum Dickdarm findet man den gleichen Wandaufbau mit Mukosa, Submukosa, Muskularis und Serosa bzw. Adventitia. Im Dünndarm ist die Mukosa besonders stark gefaltet, um die Oberfläche zu vergrößern und dadurch die Nährstoffresorption zu erleichtern.

[L190]

Blick in die Mundhöhle.

[L190]

Längsschnitt durch einen Backenzahn. Jede Wurzel durchziehen Blutgefäße, Nerven und Lymphgefäße.

[L190]

Die großen Speicheldrüsen und ihre Ausführungsgänge.

[L190]

Verlauf der Speiseröhre und ihre drei natürlichen Engstellen. Hiatus oesophageus wird die Lücke genannt, durch die die Speiseröhre in den Bauchraum tritt.

[L190]

Die Peristaltik:SpeiseröhrePeristaltik der Speiseröhre.

[L190]

Die arterielle Versorgung der Bauchorgane. Rechts die Arterien zusammen mit den zugehörigen Organen; links sind bis auf die Nieren alle Organe entfernt, um die Gefäßverläufe besser darstellen zu können.

[L190]

Das venöse System im Bauchraum. Die Pfortader nimmt das venöse Blut aus dem Magen, der Milz, der Bauchspeicheldrüse, dem Dünndarm und dem größten Teil des Dickdarms auf und leitet es zur Leber, wo es sich in einem Kapillarsystem verteilt.

[L190]

Der Magen im Längsschnitt. Man erkennt die Abschnitte Kardia, Fundus, Korpus, Antrum und Pylorus sowie die große und die kleine Kurvatur des Magens.

[L190]

Der Aufbau der Magenschleimhaut. Die schlauchförmigen Drüsen bestehen aus Haupt-, Beleg- und Nebenzellen.

[L190]

Die verschiedenen Dünndarmabschnitte.

[L190]

Kerckring-Falten, Zotten, Krypten und Mikrovilli vergrößern die Resorptionsfläche des Dünndarms.

[L190]

Zotten und Krypten im Zwölffingerdarm (rasterelektronenmikroskopische Aufnahme).

[E353]

Anfangs- und Endteil des Dickdarms (Appendix und Colon sigmoideum, kurz „Sigma“) sowie Rektum in der Vorderansicht (Übersichtsdarstellung Abb. 13.1). Man erkennt zwei der drei Tänien, die durch Bündelung der Längsmuskulatur entstanden sind. Außerdem sieht man Haustren, die durch Einschnürung der Ringmuskulatur gebildet werden. Bei einer peristaltischen Welle zieht sich nacheinander Haustra für Haustra zusammen, sodass der Kot geformt und dabei immer weiter Richtung Anus geschoben wird. Oft ist also die Form des Stuhls ein Abbild der Arbeit des Dickdarms.

[L190]

Modell für die Beziehung zwischen Bauchorganen und Bauchfell. Die Bauchorgane schieben sich in die Bauchhöhle vor, so wie ein Gegenstand in einen aufgeblasenen Luftballon hinein geschoben wird. Der äußere Teil des Bauchfells liegt der Bauchwand eng an und ist sehr gut mit schmerzempfindlichen Nervenfasern versorgt. Der innere Teil des Peritoneums legt sich um die Baucheingeweide. Die Verschiebeschicht zwischen den beiden Blättern des Bauchfells ermöglicht die Beweglichkeit v. a. des Darms.

[L190]

Längsschnitt durch den Bauchraum. Das Bauchfell überzieht Leber, Magen und den größten Teil des Darms. Nieren, Teile des Zwölffingerdarms und Bauchspeicheldrüse sind vom Peritoneum nur teilweise bedeckt; sie liegen retroperitoneal. Zwischen Magen und Bauchspeicheldrüse liegt ein Hohlraum (Bursa Bursa(ae):omentalisomentalis), der Verbindung zur Bauchhöhle hat. Seine Wände verkleben zum großen Netz (Omentum majus), das sich über die Dünndarmschlingen legt.

[L190]

Die vier Bauchquadranten und das Epigastrium. 1: rechts oben, 2: links oben, 3. rechts unten, 4. links unten, 5. Epigastrium.

[L190]

Die drei nach den Ärzten McBurney, Lanz und Blumberg benannten Druckpunkte bei der Appendizitis.

[L190]

Die ausgewölbte Krausenzone zwischen 10 Min. und 25 Min. und die Herzlakune bei 15 Min. zeigen eine Neigung zu gastrokardialen Symptomen (Roemheld-Syndrom). Das aufgehellte Magenfeld kann auf einen Reizzustand bzw. auf eine Gastritis hinweisen.

[O210]

Zentrale Heterochromie (linke Iris) als Zeichen für einen anlagebedingten schwachen Magen-Darm-Trakt.

[O220]

Dermatome und Head-Zonen des Magens. Bei Erkrankungen des Magens sind die Head-Zonen häufig berührungs- und schmerzempfindlich.

[L190]

Dermatome und Head-Zonen des Dünn- und Dickdarms. Bei Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms sind die Head-Zonen häufig berührungs- und schmerzempfindlich.

[L190]

Patienten mit chronischer Gastritis haben oft eine weiß belegte Zunge.

[E660]

Diese Doppelkontrast-Aufnahme zeigt einen Normalbefund des Darms. Die Doppelkontrasttechnik bietet den Vorteil, dass man durch die Darmschlingen hindurchsieht und überlagernde Schlingen die Sicht nicht verdecken. So können auch wenige Millimeter große Wucherungen und entzündliche Geschwüre verlässlich gefunden werden.

[M419]

Testbrief für okkultes Blut im Stuhl: Mit dem Spatel wird wenig Stuhl auf das Testfeld aufgetragen. Anschließend wird eine Indikatorlösung darauf gegeben. Enthält der Stuhl Blut, kommt es zu einer Farbreaktion: Das Testfeld wird blau. Solche Tests können leicht regelmäßig durchgeführt werden, etwa zur Kontrolle einer bekannten Darmerkrankung.

[U237]

Heilerde kann in Form von Kapseln (3 × tgl. 1) oder aufgelöst in Wasser (2 × tgl. 2 TL auf 1/2 Glas Wasser) eingenommen werden.

[K103]

Die weißen Blüten des Anis (Pimpinella anisum) sind in einer großen Dolde angeordnet. Anis hat fein gerillte und behaarte Stängel. Verwendet werden, wie auch bei den anderen Doldengewächsen (Fenchel, Kümmel), die Früchte.

[V512]

Kümmel (Carum carvi) blüht weiß oder rötlich. Der aufrechte Stängel ist kahl, kantig gerillt und von unten her verzweigt. Kümmel ist auch als Gewürz bekannt, das blähenden Speisen zugesetzt wird.

[V512]

Fenchel (Foeniculum vulgare) wird 1–2 m hoch, hat gelbe Blüten und die typischen fein zerteilten und auffallend lange Blätter. Als Gewürz- und Heilpflanze fand er bereits in den Hochkulturen Ägyptens, Arabiens und Chinas Verwendung.

[O216]

Senna (Cassia angustifolia) wächst als 1–2 m hoher Halbstrauch. Verwendet werden die Blätter und die Früchte.

[O430]

Faulbaumrinde (Frangulae cortex) muss vor ihrer Verwendung ein Jahr gelagert werden, da sie in frischem Zustand Brechreiz auslöst.

[O216]

Bei Reisen in fremde Länder mit geringem Hygienestandard und anderen Essgewohnheiten sind Durchfälle ein häufiges Übel. Zur Vorbeugung sollte die Regel „Sied' es, koch' es, schäl' es oder vergiss es!“ (25.14.4) für rohes Obst oder Gemüse unbedingt eingehalten werden.

[J787]

Mit einem Gerbstoffgehalt von 15–20 % ist die Blutwurz (Potentilla tormentilla) eine der wichtigsten einheimischen Gerbstoffdrogen. Sie enthält auch Saponine.

[O562]

Getrocknete Heidelbeeren wirken antidiarrhöisch, frische Heidelbeeren jedoch abführend. Bei Durchfallerkrankungen können getrocknete Heidelbeeren gekaut werden (1 TL bis 1 EL). Da die Kerne der Beeren in den Darm gelangen und die Schleimhaut reizen können, wird oft die Abkochung bevorzugt. Hierzu werden 1–2 EL Heidelbeeren in ca. 150 ml Wasser etwa 10 Min. gekocht und noch heiß durch ein Teesieb gegeben. Bis zum Abklingen der Durchfälle mehrmals täglich 1 Tasse frisch zubereitet trinken.

[J787]

Häufige Ursachen des paralytischen und mechanischen Ileus.

[L190]

Zahnschema.

[L190]

Physiologische Magenlage und Formen der Hiatushernie; bei der normalen Magenlage tritt der Ösophagus durch das Zwerchfell hindurch, der Sphinkter schließt regelrecht. Bei der axialen Hernie hat der Ösophagus keine direkte Nachbarschaft mit dem Zwerchfell mehr, sondern ist samt der Kardia nach oben geglitten.

[L190]

Kamillenblüten (Matricariae flos) wirken entzündungshemmend, krampflösend und wundheilungsfördernd. Zudem hemmen sie das Wachstum von Bakterien und Pilzen.

[O216]

Melissenblätter (Melissae folium) enthalten Bitterstoffe, die die Magen- und Gallensaftsekretion fördern und ätherisches Öl, das spasmolytisch und beruhigend wirkt.

[O216]

Tausendgüldenkraut (Centaurium minus) gehört zu der Familie der Enziangewächse. Es wird ebenso wie Enzian (Gentiana lutea) aufgrund der deutlichen Bitterstoffwirkung (Bitterwert. 1 : 3.500) als Amara klassifiziert.

[O216]

Zu den Amara aromatica zählt Wermut (Artemisia absinthium), der durch das ätherische Öl auch eine aromatische Komponente besitzt. Somit wirkt Wermut appetitanregend und tonisierend, aber auch krampflösend.

[O216]

Schematische Darstellung eines Ulkus. Der Gewebedefekt in dieser Abbildung reicht tief und hat die Submukosa und die innere Ringmuskulatur erfasst.

[L190]

Faktoren, die zur Entstehung eines Magengeschwürs beitragen oder die Magenschleimhaut davor schützen.

[A400]

Ein holländischer Apotheker beobachtete im Jahr 1946, dass eine aus Süßholzextrakt bestehende Hustenrezeptur bei Magenkranken eine deutliche Besserung der Beschwerden verursachte. Dadurch eingeleitete Untersuchungen führten zum Einsatz der Süßholzwurzel bei der Ulkustherapie.

[V512]

Enzian (Gentiana lutea) hat den höchsten Bitterwert der einheimischen Bitterstoffdrogen. Er wird sogar in einer Verdünnung von 1:20.000 als bitter empfunden.

[O430]

Komplikationen des Morbus Crohn.

[L190]

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa im histologischen Vergleich. Während die Ulzerationen bei der Colitis ulcerosa auf Mukosa und Submukosa begrenzt sind, ergreifen sie bei Morbus Crohn alle Wandschichten und führen häufig zur Fistelbildung. Bei beiden Erkrankungen findet man rundliche, granulomatöse Entzündungsherde, d. h. Granulationsgewebe als Reaktion auf die chronische Entzündung.

[L190]

Das ätherische Öl der Pfefferminzblätter (Menthae piperita folium) wirkt spasmolytisch auf die glatte Muskulatur und lindert krampfartige Beschwerden im Magen-Darmbereich sowie im Bereich der Gallenblase und Gallenwege.

[O209]

Echte und falsche Kolondivertikel. Bei den echten Divertikeln stülpt sich die gesamte Darmwand aus, bei den falschen Divertikeln nur Mukosa und Submukosa. Besonders schwach ist die Darmwand an den Eintrittsstellen von Blutgefäßen.

[L190]

Baunscheidtieren des unteren Rückens fördert durch die Reizung der Haut die Durchblutung und reflektorisch den Ausgleich vegetativer Fehlfunktionen der Bauchorgane.

[K167]

Leinsamen (Lini semen) enthält saure und neutrale Schleime, die mit Wasser aufquellen und durch den Dehnungsreiz die Motilität des Darms anregen. Gleichzeitig schützen sie im Gegensatz zu den abführenden Anthranoiddrogen die Schleimhaut.

[O216]

Unterschiedliche Wuchsformen von Dickdarmpolypen. Das Entartungsrisiko ist bei breitbasig wachsenden Polypen höher als bei gestielten Polypen.

[L190]

Prozentuale Verteilung der Dickdarm- und Rektumkarzinome auf die einzelnen Abschnitte. Ca. 30 % der Karzinome können bereits durch die rektale Untersuchung entdeckt werden.

[L190]

Adenokarzinom (OP-Präparat). Der große, blumenkohlartig wachsende Tumor hat das Darmlumen eingeengt und zu einem Ileus geführt.

[E661]

Die kleinen gelben Blüten der Hamamelis (Hamamelis virginiana) stehen in Knäuel an den Blattachseln. Hamamelis wächst als baumartiger Strauch und wird bis zu 10 m hoch.

[O430]

Entzündlich geschwollene Hämorrhoiden.

[F283]

Anal- und Rektumprolaps.

[L190]

Analfisteln und Analabszesse.

[L190]

Topografie des Anorektums. Der Plexus haemorrhoidalis internus oberhalb der Linea dentata ist Teil des Verschlussorgans.

[L190]

Ursachen der Stuhlinkontinenz.

[L190]

Hernie, Gleithernie und Prolaps.

[L190]

Lokalisation wichtiger äußerer Hernien (13.10.2).

[L190]

Komplett inkarzerierte Hernie mit Störung der Durchblutung und Darmpassage (oben) und inkomplett inkarzerierte Hernie (unten) mit lokaler Durchblutungsstörung ohne gestörte Darmpassage.

[L190]

Linksseitige Leistenhernie.

[E438]

Links: Indirekte Leistenhernie. Sie tritt durch den inneren Leistenring lateral der epigastrischen Gefäße in den Leistenkanal ein. Rechts: Direkte Leistenhernie. Sie tritt nicht durch den inneren Leistenring ein, sondern wölbt sich z. B. bei hohem intraperitonealem Druck medial der epigastrischen Gefäße durch die hier sehr dünne Faszie des M. transversus abdominis in den Leistenkanal.

[L190]

Differenzialdiagnose bei Gewichtsverlust.Tumoren:GewichtsverlustPankreatitis,chronische: GewichtsverlustLeberzirrhose:GewichtsverlustInfektionskrankheiten:GewichtsverlustHernia:umbilicalis

Tab. 13.1
Erkrankungen der Verdauungsorgane Begleitsymptome
Entzündung oder Tumor in Mund, Rachen, Speiseröhre Schluckbeschwerden (13.4.1)
Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür (13.7.4) „Sofortschmerz“ nach Nahrungszufuhr bei Magen-, „Nüchternschmerz“ bei Zwölffingerdarmgeschwür
Tumoren evtl. Blutbeimengung im Stuhl, Symptome je nach Lokalisation unterschiedlich
Morbus Crohn/Colitis ulcerosa (13.8.3), Infektionen (25.14), z. B. Cholera, Enteritis infectiosa, Paratyphus, Shigellenruhr, Typhus abdominalis, Hepatitis (25.13), Parasiten Durchfälle, evtl. mit Blut, Schleim, Fieber, krampfartige Bauchschmerzen
Chronische Pankreatitis (14.7.2) Fettstühle, oft gürtelförmige Oberbauchschmerzen, Zeichen endokriner und exokriner Pankreasinsuffizienz
Malassimilations-Syndrom (13.8.1) voluminöse, fettglänzende Stühle, Blähungen, Zeichen von Eiweiß- und Vitaminmangel
Leberzirrhose (14.5.7) Leberhautzeichen, Pfortaderstau, derbe Leber, typische Veränderung der Blutwerte, z. B. Transaminasen (alle 14.5.7), ggf. Aszites (14.4.2)
sonstige Ursachen
endokrine Störungen z. B. Hyperthyreose (19.6.2), Diabetes mellitus Typ 1 (15.6.5), Phäochromozytom (19.8.3)
psychische Störungen z. B. Magersucht (26.11.1), Depressionen (26.6.1), Schizophrenie (26.5.1), Medikamenten- und Drogenabhängigkeit (26.13.2)
Infektionskrankheiten (außerhalb des Verdauungstrakts) z. B. Tuberkulose (25.18.9), Endokarditis (10.9.1), Aids (25.19.1), Brucellose (25.18.1)
andere Erkrankungen z. B. bösartige Tumoren in fortgeschrittenen Stadien, Leukämie (20.6.1), malignes Lyphom (21.6), gelegentlich bei Kollagenosen (9.12.3)

Differenzialdiagnose bei Übelkeit und Erbrechen.Übelkeit:DifferenzialdiagnoseErbrechen:Differenzialdiagnose

Tab. 13.2
Art der Erkrankung Begleitsymptome/Anamnese
Verdauungsorgane
Passagehindernis im Ösophagus, z. B. durch Tumor (13.6.5), Divertikel
(13.6.3), Entzündung (13.6.1), Achalasie (13.6.4)
Schluckbeschwerden
Infektiöse Gastroenteritis (25.14.2) häufig zusätzlich Diarrhö, ggf. Exsikkose (16.4.11)
Gastritis (13.7.2) Medikamenteneinnahme, Alkoholkonsum
Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür
(13.7.4)
„Sofortschmerz“ bzw. „Nüchternschmerz“
Appendizitis (13.8.4) typische Schmerzen im rechten Unterbauch, Punkte McBurney und Lanz druckschmerzhaft, Blumberg-Zeichen, oft auch symptomarm
Akutes Abdomen (13.4.8) je nach Ursache
Akute Pankreatitis (14.7.1) oft „löffelartiges“ Erbrechen, gürtelförmige Schmerzen, „Gummibauch“, Blähungen, Pankreasdruckpunkt schmerzt
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herzinfarkt (10.6.2) retrosternaler Brustschmerz, Vernichtungsgefühl, kalter Schweiß; Übelkeit und Erbrechen gelegentlich als einziges Symptom
Hypertensive Krise (11.5.1) Bluthochdruck, zusätzlich evtl. Kopfschmerzen, Sehstörungen
Sonstige Ursachen
Psychische Störungen psychische Belastungen, Hinweise auf Essstörungen
Schwangerschaft häufig morgendliches Erbrechen, EPH-Gestose (27.2.3)
Hirndrucksteigerung (23.10), z. B. bei Hirnödem oder raumfordernden Prozessen (Tumor) Nüchternerbrechen, Kopfschmerz, Bradykardie, Atemstörungen, Bewusstseinsstörung
Migräne (23.15.1) Kopfschmerzen, Aura, Lichtempfindlichkeit
Glaukomanfall (24.5.6) Kopfschmerzen, Nebel- und Farbensehen, Bulbusdruck erhöht, lichtstarre Pupille
Morbus Menière (24.9.8) Drehschwindel, einseitige Ohrgeräusche und Schwerhörigkeit
Nierenkolik (16.8) krampfartige Schmerzen
Medikamente z. B. Antibiotika, NSAR, Zytostatika, Glukokortikoide, Glykoside, Theophyllin
Vergiftung z. B. Alkohol, Nikotin, Pilze. Bei Verdacht Erbrochenes für toxikologische Analyse aufheben
Coma diabeticum, Coma uraemicum, Coma hepaticum je nach Erkrankung
Bei Kindern: azetonämisches Erbrechen (28.5.4), Dreimonatskoliken (28.6.3) acetonämisches Erbrechen: Erbrechen bis 50-mal tgl., Zeichen der Dehydratation Dreimonatskolik: Alter des Kindes < 3 Monate, Blähungen
Infektionskrankheiten, z. B. Botulismus, Enteritis infectiosa, Meningitis/Enzephalitis, Virushepatitis, Influenza, Keuchhusten und viele andere unterschiedliche Anamnese und Symptome

Differenzialdiagnose bei Diarrhö. Diarrhö:Differenzialdiagnose

Tab. 13.3
Ursachen Anamnese, weitere Symptome (Beispiele)
infektiös Lebensmittelvergiftung, Auslandsaufenthalt, Gruppenerkrankung, plötzlicher Beginn mit Fieber und Übelkeit oder Erbrechen
medikamentös Laxanzien, Antibiotika, Herzglykoside
Nahrungsmittelunverträglichkeit, -allergie Laktasemangel (13.8.1) bzw. Allergie gegen Zuckerersatzstoffe (z. B. Sorbitol), Auftreten der Diarrhö nach bestimmten Nahrungsmitteln
psychisch, Colon irritabile (13.8.6) Angst, Stress, psychische Konflikte
Morbus Crohn/Colitis ulcerosa
(13.8.3)
Stuhl mit Schleim- oder Blutauflagerungen, Darmkrämpfe, evtl. Fieber
Malabsorptions-Syndrom (13.8.1) Fettglänzende oder übel riechende Stühle, Symptome von Vitamin- und Mineralstoffmangel, Gewichtsverlust, Ödeme (Wassereinlagerungen)
Toxine Alkohol-, Kaffee-, Nikotinabusus, (chronische) Vergiftung, z. B. mit Schwermetallen
hormonelle Ursachen Hyperthyreose (19.6.2)
Tumoren Diarrhö auch im Wechsel mit Obstipation, Gewichtsabnahme, okkultes Blut im Stuhl, Leistungsknick

Differenzialdiagnose bei Ileus.OkklusionsileusIleus:mechanischerIleus:DifferenzialdiagnoseStrangulationsileusIleus:paralytischerIleus:KombinationsileusIleus:spastischerIleus:Neugeborenenileus

Tab. 13.4
Ileusart Ursachen
mechanischer Ileus durch Verlegung des Darmlumens (Okklusionsileus)
  • Verstopfung (Obturation): z. B. Polyp, Kotballen, Würmer, Fremdkörper, Gallenstein

  • Verengung (Stenose): z. B. angeboren, Tumor oder Entzündung

  • Verdichtung (Kompression): z. B. Verwachsungen (Bridenileus), Abknickung von Darmteilen (Adhäsionsileus), Tumoren in Nachbarorganen

mechanischer Ileus durch Verlegung des Darmlumens mit zusätzlicher Durchblutungsstörung der Mesenterialgefäße (Strangulationsileus)
  • Brucheinklemmung (inkarzerierte Hernie 13.10)

  • Stieldrehung (Volvulus)

  • Einstülpung (Invagination) bei Säuglingen und Kleinkindern

  • bei Meckel-Divertikel

paralytischer Ileus (funktioneller Ileus, Darmlähmung)
  • entzündlich, z. B. bei Appendizitis (13.8.4), Divertikulitis, Darmdurchbruch (Perforation, z. B. bei Divertikulitis oder Morbus Crohn), Bauchfellentzündung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Gallenblasenentzündung

  • reflektorisch, z. B. bei Nierenkolik, Gallenkolik bzw. Gallenblasenperforation (z. B. bei Steindurchbruch), Wirbelkörperbrüchen, Bauch-OP, Blutungen

  • metabolisch, z. B. bei Urämie (16.5.1), Hyperglykämie (15.5.3), Hypokaliämie (16.4.11)

  • vaskulär, z. B. bei Mesenterialinfarkt (11.6.3)

  • toxisch, z. B. durch Medikamente (Opiate, Antidepressiva)

Sonderformen
  • Kombinationsileus: Bei länger bestehendem (unbehandeltem) mechanischem Ileus kann sich ein paralytischer Ileus entwickeln

  • spastischer Ileus, z. B. durch Bleivergiftung, Askariasis (25.14.11)

  • Neugeborenenileus, z. B. durch Fehlbildungen des Darms, Mekonium (28.2.2)

Unterscheidung von mechanischem und paralytischem Ileus.Ileus:paralytischerIleus:mechanischer

Tab. 13.5
Mechanischer Ileus Paralytischer Ileus
krampfartige Schmerzen durch verstärkte Peristaltik (Hyperperistaltik) meist nur Druckgefühl
Stuhl-/Windverhalt bei Dickdarm- und tiefem Dünndarmileus Stuhl-/Windverhalt
  • bei Auskultation Stenoseperistaltik (Darmmuskulatur kämpft gegen die Stenose an): „metallische“, „spritzende“, „hochgestellte“ oder „klingende“ Darmgeräusche

  • nach Stunden bis Tagen Fehlen von Darmgeräuschen (Ermüdung der Darmmuskulatur)

bei Auskultation Fehlen von Darmgeräuschen („Totenstille im Abdomen“)

Vergleichende Übersicht Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Tab. 13.6
Morbus Crohn Colitis ulcerosa
Lokalisation abschnittsweiser Befall vom letzten Abschnitt des Ileums mit Übergang zum Dickdarm, selten Befall des gesamten Magen-Darm-Trakts Beginn im Rektum, kontinuierliche Ausbreitung nach proximal, äußerst selten bis zum Ileum
Symptome Gewichtsverlust, adominelle Schmerzen im re. Unterbauch (ähnlich dem Appendizitisschmerz), 3–6 Durchfälle pro Tag, selten blutig. evtl. Anämiezeichen, perianale Läsionen (z. B. Fisteln, Fissuren, Abszesse) häufig schubweiser Verlauf ohne richtige Ausheilung bis zu 30 blutig-schleimige Durchfälle pro Tag, adominelle Schmerzen (hauptsächlich li.), seltener Gewichtsverlust, evtl. Fieber. Extraintestinale Manifestationen Darmkrämpfe, Leibschmerzen, Temperaturerhöhung. Meist chronisch-rezidivierender Verlauf mit zwischenzeitlicher Abheilung
Komplikationen Stenosen, Fistelbildung, Abszesse, Malabsorption mit Gewichtsverlust, evtl. Konglomerattumor, selten Perforation und maligne Entartung Ulzerationen mit Blutungen, Abszesse, toxisches Megakolon mit septischem Krankheitsbild, stark erhöhtes Dickdarmkarzinomrisiko

Übersicht: Analabszess und Analfistel

Tab. 13.7
Analabszess Analfistel
Klinik ständige Schmerzen beim Stuhlgang und Sitzen, mit der Zeit zunehmend, Rötung, schmerzhafter Tumor, Fieber, Schüttelfrost eitrige Sekretion, Juckreiz, selten Schmerzen beim Stuhlgang
Diagnostik druckschmerzhafte, überwärmte Schwellung perianal oder intraanal, Facharztüberweisung zum Chirurgen/Proktologen: Abszesseröffnung, Ausschluss eines Durchbruchs in Nachbarorgane sichtbare äußere Fistelöffnung, fadenförmige subkutane Verhärtung (Fistelgang); Facharztüberweisung zur Proktoskopie: Fistelsondierung
Therapie Inzision oder Exzision, Sanierung oder Fadendrainage einer Fistel operative Fistelspaltung ggf. mit Verschiebelappenplastik der Analhaut, alternativ: Einlage einer Fadendrainage
Komplikationen Rezidiv (v. a. bei Fisteln), Inkontinenz (selten) Rezidiv (v. a. bei hohen Fisteln), Inkontinenz (bei OP sofort oder nach Jahren)
Differenzialdiagnose Anal- oder Rektumkarzinom (13.9.4), Analfissur, perianale Thrombose, V. a. Morbus Crohn (13.8.3)

Verdauungstrakt

  • 13.1

    Ganzheitliche Aspekte565

  • 13.2

    Anatomie und Physiologie566

    • 13.2.1

      Organe des Verdauungstrakts566

    • 13.2.2

      Feinbau des Verdauungskanals567

    • 13.2.3

      Verdauung567

    • 13.2.4

      Flüssigkeitsumsatz567

    • 13.2.5

      Mundhöhle568

    • 13.2.6

      Zähne568

    • 13.2.7

      Zunge569

    • 13.2.8

      Speicheldrüsen569

    • 13.2.9

      Gaumen570

    • 13.2.10

      Speiseröhre570

    • 13.2.11

      Gefäßversorgung des Bauchraums571

    • 13.2.12

      Magen572

    • 13.2.13

      Dünndarm573

    • 13.2.14

      Dickdarm574

    • 13.2.15

      Bauchfell576

  • 13.3

    Untersuchung und Diagnostik577

    • 13.3.1

      Anamnese577

    • 13.3.2

      Körperliche Untersuchung578

    • 13.3.3

      Naturheilkundliche Diagnostik579

    • 13.3.4

      Schulmedizinische Diagnostik581

  • 13.4

    Leitsymptome und Differenzialdiagnose584

    • 13.4.1

      Schluckbeschwerden584

    • 13.4.2

      Gewichtsveränderungen584

    • 13.4.3

      Übelkeit und Erbrechen585

    • 13.4.4

      Blähungen586

    • 13.4.5

      Obstipation588

    • 13.4.6

      Diarrhö590

    • 13.4.7

      Hämatemesis, Teerstuhl und Blut im Stuhl592

    • 13.4.8

      Schmerzen, akutes Abdomen592

    • 13.4.9

      Ileus593

    • 13.4.10

      Peritonitis594

  • 13.5

    Erkrankungen des Mundraums595

    • 13.5.1

      Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleischs595

    • 13.5.2

      Stomatitis595

    • 13.5.3

      Speichelsteinkrankheit596

  • 13.6

    Erkrankungen der Speiseröhre597

    • 13.6.1

      Gastroösophageale Refluxkrankheit, Refluxösophagitis597

    • 13.6.2

      Fremdkörper in der Speiseröhre598

    • 13.6.3

      Ösophagusdivertikel598

    • 13.6.4

      Ösophagusmotilitätsstörungen598

    • 13.6.5

      Ösophaguskarzinom599

    • 13.6.6

      Hiatushernie600

  • 13.7

    Erkrankungen des Magens601

    • 13.7.1

      Dyspepsie601

    • 13.7.2

      Gastritis601

    • 13.7.3

      Gastroduodenale Ulkuskrankheit604

    • 13.7.4

      Magenkarzinom607

  • 13.8

    Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms608

    • 13.8.1

      Malassimilations-Syndrom608

    • 13.8.2

      Glutensensitive Enteropathie608

    • 13.8.3

      Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen610

    • 13.8.4

      Appendizitis613

    • 13.8.5

      Dickdarmdivertikulose und Dickdarmdivertikulitis614

    • 13.8.6

      Reizdarmsyndrom614

    • 13.8.7

      Dickdarmpolypen616

    • 13.8.8

      Kolorektales Karzinom616

  • 13.9

    Erkrankungen der Analregion617

    • 13.9.1

      Hämorrhoiden617

    • 13.9.2

      Anal- und Rektumprolaps619

    • 13.9.3

      Analabszess und Analfistel619

    • 13.9.4

      Analkarzinom620

    • 13.9.5

      Stuhlinkontinenz620

    • 13.9.6

      Weitere anorektale Erkrankungen621

  • 13.10

    Hernien621

    • 13.10.1

      Übersicht621

    • 13.10.2

      Spezielle Hernien623

Ganzheitliche Aspekte

Bereits im Altertum war Heilkundigen bekannt, dass Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich eine wesentliche Ursache für eine Vielzahl von Allgemeinerkrankungen sind. Hippokrates empfahl Diäten und Darmreinigungen und Paracelsus erklärte im 16. Jahrhundert: „Der Tod sitzt im Darm“.

Auch heute spielt der Verdauungstrakt aus Sicht der Naturheilkunde eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Krankheiten und bei ihrer Behandlung. Der Verdauungstrakt ist ein bedeutendes immunologisches Organ und gilt als „Wiege des Immunsystems“. Ein großer Teil der immunologischen Vorgänge finden im Darm statt, z. B. die Reifung eines Großteils der B-Lymphozyten sowie wichtige Antigen-Antikörper-Reaktionen. Deshalb behandeln erfahrene Naturheilkundige z. B. bei Allergien und Immunschwächen häufig zuerst Erkrankungen von Magen und Darm. Nicht zu unterschätzen ist die wechselseitige Beeinflussung von Magen, Darm, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse.

Bedeutung der physiologischen Darmflora

Ohne eine intakte Bakterienflora im Darm kann unser Immunsystem nicht wirkungsvoll funktionieren. Sowohl Fehlernährung als auch die Behandlung mit Antibiotika stören die physiologische Zusammensetzung der Darmflora, was sich evtl. erst nach langer Zeit durch eine Erkrankung bemerkbar machen kann. Die Erfahrung zeigt, dass bei den meisten Patienten mit chronischen Magen-Darm-Erkrankungen, aber z. B. auch bei vielen Allergikern oder Rheumatikern eine Darmdysbiose vorliegt.

Wie kann Fehlernährung krank machen?

Langjährige Fehlernährung kann zu einer so genannten Autointoxikation („Selbstvergiftung“) führen, bei der durch Gärung und Fäulnis im Darm gebildete Toxine die Darmwand durchdringen und in den Organismus aufgenommen werden. Aus Sicht der Naturheilkunde ist dies der Ursprung zahlreicher chronischer Erkrankungen.
Eine weitere wichtige naturheilkundliche Theorie im Zusammenhang mit Ernährung und Magen-Darm-Erkrankungen ist die „Übersäuerung“ des Interstitiums (Zwischenzellraums), die für eine Entstehung chronischer Krankheiten mitverantwortlich sein soll. Danach führt eine erhöhte Zufuhr säurebildender Nahrungsmittel, z. B. Fleisch, Wurst, Zucker, Kaffee und Alkohol, zu einer Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichts im Bindegewebe in den sauren Bereich, insbesondere wenn zu wenig basenreiche Nahrungsmittel wie Gemüse oder Salate gegessen werden.

Naturheilkundliche Therapie

Die Naturheilkunde bietet eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten bei Magen-Darm-Störungen. Traditionell spielen die Ernährungstherapie und die Phytotherapie eine wichtige Rolle. Weitere Therapieschwerpunkte sind u. a. Homöopathie, Physikalische Therapie, Akupunktur und Ordnungstherapie, die in vielen Fällen mit einer mikrobiologischen Therapie (Darmsanierung) verknüpft werden. Ziel einer mikrobiologischen Therapie ist die Wiederherstellung einer gesunden Verdauungsfunktion und eines funktionierenden darmspezifischen Immunsystems.

Heilfasten bei Magen-Darm-Erkrankungen

Freiwilliges und zeitlich begrenztes Fasten hat eine lange Tradition in der Naturheilkunde und wurde als Therapie von berühmten Ärzten wie Bircher-Benner und Buchinger gefördert. Auf der Basis alter Erkenntnisse und eigener Erfahrungen entwickelte der österreichische Arzt Dr. F. X. Mayr eine eigenständige Diagnostik und Therapie, die in der Naturheilkunde bis heute eine wichtige Rolle spielt: die so genannte Mayr-Diät (4.2.28), eine spezielle Kur zur Entgiftung und Reinigung des Darms mit anschließender Ernährungsumstellung.

Verdauung und Psyche

Bei Magen-Darm-Erkrankungen handelt es sich – wie die Praxis immer wieder bestätigt – selten um einen rein organischen Prozess, sondern häufig um den Ausdruck eines engen Zusammenspiels zwischen seelischem Befinden und körperlicher Reaktion. Die bildlichen Redewendungen „es schlägt mir auf den Magen“ oder „das macht mir Bauchweh“, „das ist mir sauer aufgestoßen“, und „etwas in sich hineinfressen“ zeigen, dass bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich häufig Konflikte wie z. B. ungelöste Probleme, Aggressionen und (teilweise unbewusster) Kummer eine Rolle spielen. Seelische Belastungen zeigen sich häufig in Verdauungsstörungen, z. B. Obstipation und Diarrhö, oder in Schmerzen, für die keine organischen Ursachen gefunden werden. Der rechte Oberbauch unter dem Rippenbogen (Hypochondrium) wird auch als „Wetterwinkel der Seele“ bezeichnet.

Verbindung von Innen und Außen

Der Verdauungstrakt gehört zu den Organen mit der größten inneren Oberfläche. Er steht mit der Außenwelt in direktem Kontakt und stellt damit eine Verbindung von Innen und Außen her.
Psychologische Themen bei Magen-Darm-Patienten sind häufig (Selbst-)Aggression, Überforderung und die Abgrenzung zur Umwelt. Werden mögliche seelische Aspekte in die Behandlung einbezogen, kann dies die naturheilkundliche Therapie unterstützen und zu einer rascheren Heilung führen. Zum Abbau von psychischen Spannungen empfehlen sich viel Bewegung, Sport, Entspannungsverfahren wie die Muskelrelaxation nach Jacobson und ggf. eine psychotherapeutische Unterstützung.

Anatomie und Physiologie

Organe des Verdauungstrakts

Verdauungstrakt:Organe Der Verdauungstrakt (Abb. 13.1) zieht sich als „Schlauch“ (Verdauungskanal) vom Mund bis zum After und umfasst die Anteile, die die Nahrung auf ihrem natürlichen Weg passiert.
Dazu gehören der Mund (Os), der Rachen (Pharynx), die Speiseröhre (Ösophagus), der Magen (Gaster, Ventriculus) sowie der Dünndarm (Intestinum tenue) und der Dickdarm (Intestinum crassum) bis hin zum After (Anus).
Im Mund kann die Zunge (Lingua) die zugeführte Nahrung auf Geschmack und Temperatur prüfen. Durch das Kauen wird die Nahrung mechanisch grob zerkleinert.
Das Zusammenziehen der Muskulatur (Muskelkontraktion) in der Wand des Magen-Darm-Trakts fördert die mechanische Zerkleinerung und die ständige intensive Durchmischung des Nahrungsbreis. Da diese Muskelkontraktionen, die man sich als ringförmige Einschnürungen vorstellen kann, oft wellenförmig wandern (Peristaltik), Peristaltiksorgen sie außerdem für den Weitertransport des Darminhalts.
Verschiedene Organe entlang des Verdauungstrakts stellen Sekrete für die chemische Verdauung, also die Aufspaltung von Eiweißen, Kohlenhydraten und Fetten bereit. Zu diesen sekretproduzierenden Organen gehören die Speicheldrüsen, die Leber (Hepar) und die Gallenblase (Vesica fellea) sowie auch die Bauchspeicheldrüse (Pankreas).
Der Verdauungstrakt ist neben der Haut dasjenige Organsystem, das sich am meisten mit der Außenwelt bzw. mit fremden Substanzen auseinandersetzen muss. Daher sind die Organe der Abwehr, z. B. die Gaumenmandel, der lymphatische Rachenring oder die Peyer-Plaques dem Verdauungskanal räumlich eng zugeordnet.

Feinbau des Verdauungskanals

Verdauungstrakt:Feinbau Die Wand des Verdauungskanals besteht überwiegend aus vier, wie Zwiebelschalen übereinander liegenden Schichten, die allerdings an verschiedenen Abschnitten, entsprechend ihrer spezifischen Aufgaben, unterschiedlich aufgebaut sind (Abb. 13.2).
Von innen nach außen sind dies:
  • Die Mukosa:VerdauungstraktMukosa, eine Schleimhautschicht, bildet die innere Wand des Verdauungskanals. In dieser Schicht liegen Drüsenzellen. Sie bilden den Schleim, der den „Schlauch“ des Magen-Darm-Trakts für die Nahrung gleitfähig macht. Die Mukosa ist insbesondere im Dünndarm stark gefaltet. Dadurch vergrößert sich die Resorptionsoberfläche, und die Nahrungsaufnahme wird erleichtert. Eine Teilschicht der Schleimhaut, die Lamina muscularis Lamina:muscularis mucosaemucosae, dient der Feineinstellung der Schleimhaut und schützt vor Verletzungen, z. B. durch spitze Fremdkörper.

  • Die Submukosa:VerdauungstraktSubmukosa ist eine schmale Bindegewebsschicht. In dieser liegen sowohl Nerven als auch Blut- und Lymphgefäße, die die Submukosa selbst und die Mukosa versorgen.

  • Die Muskularis:VerdauungstraktMuskularis, eine Muskelschicht, besteht im Mund, Rachen, im oberen Teil der Speiseröhre und am Anus aus quergestreiften Muskelfasern, die z. B. beim Schlucken oder bei der Stuhlentleerung willkürlich angespannt werden können. Im übrigen Teil des Verdauungskanals besteht sie aus glatter Muskulatur, die nicht der willkürlichen Kontrolle unterliegt. Die Muskelfasern sind sowohl ringförmig (innere Schicht) als auch längs (äußere Schicht) angeordnet, damit sich der Verdauungskanal längs und quer zusammenziehen kann. In der Muskularis liegt neben Blutgefäßen auch das versorgende Nervengeflecht.

  • Die Serosa:VerdauungstraktSerosa bildet die äußerste Gewebsschicht des Magen-Darm-Trakts an den Stellen, wo dieser innerhalb des Bauchfells liegt. Sie ist eine sehr dünne Membran, die Schleimstoffe absondert und damit das leichte Übereinandergleiten mit anderen Organen ermöglicht.

  • Die Adventitia:VerdauungstraktAdventitia besteht aus Bindegewebe und umhüllt die Muskularis in den Bereichen, in denen der Verdauungskanal nicht vom Bauchfell überzogen wird. Dadurch werden Speiseröhre und Teile des Darms elastisch in ihrer Umgebung verankert.

Verdauung

Verdauung Der Mensch ist auf die regelmäßige Zufuhr des Energierohstoffs Nahrung angewiesen. Um aus Nahrungsmitteln Energie zu gewinnen, muss die Nahrung mechanisch zerkleinert und durch Einwirkung von Enzymen chemisch zerlegt werden. Man spricht deshalb von einer mechanischen und einer chemischen Verdauung. Die mechanische Verdauung Verdauung:mechanischewird von der Peristaltik des Magen-Darm-Trakts getragen, einem rhythmischen Zusammenziehen und Erschlaffen des Verdauungskanals, das den Transport des Nahrungsbreis afterwärts garantiert. Die chemische Verdauung Verdauung:chemischeübernehmen spezialisierte Eiweißmoleküle:Enzyme

Enzyme (Fermente): Eiweiße (Proteine), die dieSchenkelhernien im Körper ablaufenden chemischen Reaktionen hundert- bis millionenfach beschleunigen, ohne dabei selbst verändert zu werden (Biokatalysatoren).

Coenzyme: unterstützen die Enzyme bei ihrer Arbeit; meist sehr kompliziert aufgebaute organische Moleküle; keine Proteine; häufig Vitaminabkömmlinge. Coenzyme werden durch die chemische Reaktion verändert.

Nach Abschluss der Verdauung sind die Nährstoffe in Moleküle zerlegt, die die Mukosa des Verdauungstrakts passieren und über die kleinen Blut- und Lymphgefäße der Submukosa in den Blutkreislauf gelangen können. Diesen Vorgang bezeichnet man als Resorption.
ResorptionDie resorbierten Nährstoffmoleküle gelangen über den Blutkreislauf zu allen Zellen und können dort z. B. in den Mitochondrien „verbrannt“, also zur Energiegewinnung herangezogen werden. Teilweise werden sie aber auch im Baustoffwechsel zum Auf- und Umbau der körpereigenen Gewebe verwendet.

Flüssigkeitsumsatz

Flüssigkeitsumsatz Pro Tag nimmt der Mensch von außen etwa 2 Liter Flüssigkeit (Getränke bzw. Wassergehalt fester Nahrung) auf. Dies ist jedoch nur ein kleiner Teil der insgesamt etwa 9 Liter Flüssigkeit, die täglich im Verdauungstrakt umgesetzt werden.
Der mit etwa 7 Litern weitaus größte Teil stammt aus den körpereigenen Sekreten von Speicheldrüsen, Magen, Leber, Galle, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Von diesem zugeführten Flüssigkeitsvolumen werden über 95 % hauptsächlich im Dünndarm, geringfügig auch im Dickdarm wieder in den Körperkreislauf aufgenommen (rückresorbiert). Der Rest, etwa 150 ml, wird mit dem Stuhl ausgeschieden.

Mundhöhle

Die Mundhöhle (MundhöhleCavum oris) ist Cavum:orisder Anfangsteil des Verdauungskanals. Ihre Aufgabe ist die Aufnahme und Vorbereitung der Nahrung für die weitere Verdauung im Magen-Darm-Trakt. Sie besteht aus dem Mundhöhlenvorhof, Mundhöhlenvorhofalso dem Raum außerhalb der Zahnreihen zwischen Wangen und Lippen, sowie der Mundhöhle im engeren Sinne, dem Raum innerhalb der Zahnreihen (Abb. 13.3). Diese eigentliche Mundhöhle wird begrenzt durch:
  • oben: harten und weichen Gaumen (Palatum)

  • unten: Mundbodenmuskulatur zwischen beiden Unterkieferästen

  • seitlich: Zahnreihen des Ober- und Unterkiefers

  • hinten: Rachen

  • vorne: Schneide- und Eckzähne

Die Mundhöhle ist mit Schleimhaut ausgekleidet, die aus einem mehrschichtigen Plattenepithel mit zahlreichen schleimabsondernden Drüsen aufgebaut ist.
An den Zahnfortsätzen von Ober- und Unterkiefer ist die Mundschleimhaut fest mit der Knochenhaut verwachsen. Sie bildet dort das Zahnfleisch.

Zähne

Zahn/Zähne Entwicklung der Zähne 28.2.2
Die Zähne (lat. dens = Zahn) sorgen für die mechanische Zerkleinerung der Nahrung. Während das Milchgebiss nur 20 Zähne umfasst, besteht das Gebiss des Erwachsenen aus 32 Zähnen, die in zwei Zahnreihen angeordnet sind.
In der Mitte liegen in Ober- und Unterkiefer jeweils vier scharfkantige Schneidezähne, an die sich rechts und links je ein Eckzahn anschließt. Es folgen auf beiden Seiten je zwei Backenzähne und drei Mahlzähne. Die hintersten Mahlzähne heißen Weisheitszähne, da sie meist erst nach dem 17. Lebensjahr auswachsen.
Um Zahnärzten die Dokumentation von Behandlungen zu erleichtern, wird durch die Zahnformel jedem ZahnformelZahn eine bestimmte Nummer zugeordnet (Abb. 13.37). Dazu werden die Zähne einer Kieferhälfte beginnend mit dem vordersten Schneidezahn bis zum Weisheitszahn von 1 bis 8 durchnummeriert. Zusätzlich stellt man, entsprechend den Quadranten, den Zähnen des rechten Oberkiefers eine 1, denen des linken Oberkiefers eine 2, denen des linken Unterkiefers eine 3 und denen des rechten Unterkiefers eine 4 voran. Zum Beispiel ist der Zahn 43 der Eckzahn (3. Zahn von der Mittellinie aus) im rechten Unterkiefer (4).
Zahnaufbau
Zahn/Zähne:AufbauJeder Zahn besteht aus der Krone, dem Zahnhals und einer oder mehreren Zahnwurzeln (Abb. 13.4).
Die Zähne befinden sich in einer vom Kieferknochen gebildeten Zahnhöhle. Die Zahnkrone ist der sichtbare Teil des Zahns, der aus dem Zahnfleisch (ZahnfleischGingiva) herausragt. Über die Zahnwurzel wird der Zahn mit Blut- und Lymphgefäßen sowie mit Nerven versorgt. Das gefäß- und nervenreiche Bindegewebe, das die Zahnhöhle auskleidet, heißt Pulpa.
Hartsubstanzen der Zähne
Pulpa:ZahnZahn/Zähne:SubstanzenZähne bestehen aus drei sehr harten Baustoffen.
  • Das knochenähnliche Zahnbein (ZahnbeinDentinum) bildet die Hauptmasse des Zahns.

  • Über dem Zahnbein liegt der Zahnschmelz, Zahnschmelzder härteste und widerstandsfähigste Stoff des menschlichen Körpers.

  • Der Zahnzement Zahnzementüberzieht die Zahnwurzel.

Zunge

Naturheilkundliche Zungendiagnose 3.7.8, Geschmackssinn 24.2.3
Die Zunge (Lingua, Glossa) besteht aus quergestreifter Muskulatur und ist von Schleimhaut überzogen. Sie
  • hilft bei Kau- und Saugbewegungen

  • formt einen schluckbaren Bissen und leitet die Schluckbewegungen ein

  • dient dem Geschmacks- und Tastempfinden

  • ist maßgeblich an der Lautbildung beim Sprechen beteiligt

  • unterstützt mit lymphatischen Zellen die Immunabwehr.

Der hintere Teil der Zunge heißt Zungenwurzel oder Zungengrund; er ist fest mit dem Mundboden verwachsen. Die restliche Zunge ist frei beweglich und besteht aus dem Zungenkörper und aus der Zungenspitze. In der Mitte der Zungenunterseite liegt das Zungenbändchen, das die Zunge am Mundboden festhält.
Die Schleimhaut der Zungenwurzel enthält viele lymphatische Zellen, die zusammenfassend Zungenmandel (Tonsilla lingualis) Tonsilla(-ae):lingualisgenannt werden, zum lymphatischen Rachenring gehören und der Infektabwehr dienen.

Tipp

Arzneimittel, die sublingual (unter der Zunge) verabreicht werden, wirken sehr rasch, denn sie werden von der Mundschleimhaut in kürzester Zeit fast vollständig resorbiert, z. B. Rp Nitro-Spray bei akuter Angina pectoris oder homöopathische Medikamente.

Die Oberfläche der Zunge bildet, wie in der übrigen Mundhöhle, eine Schleimhaut mit mehrschichtigem Plattenepithel.
Zusätzlich finden sich in der Schleimhaut am Zungenrücken und an den Zungenrändern zahlreiche warzenförmige Erhebungen, die die raue Oberfläche der Zunge bewirken. Diese werden als Papillen (Papillen:ZungePapillae linguales) bezeichnet.
Nach ihrer Form unterscheidet man fadenförmige, pilzförmige, warzenförmige und blattförmige Papillen. Die fadenförmigen Papillen dienen der Tastempfindung, die pilzförmigen als Temperaturfühler; die übrigen Papillen enthalten überwiegend Geschmacksknospen zum Schmecken der Speisen.

Achtung

Bei Bewusstlosigkeit erschlaffen die Muskeln der Zunge. In Rückenlage kann die Zunge in den Rachenraum zurückfallen. Erbricht der Patient, kann das Erbrochene aus dem Rachenraum nicht abfließen und gelangt in die Luftröhre. Der Patient erstickt. Deshalb Bewusstlose, die nicht reanimiert werden müssen, immer in stabile Seitenlage (30.5.2) mit Überstreckung des Kopfes bringen.

Speicheldrüsen

Für die SpeicheldrüsenSpeichelbildung sorgen neben den vielen winzigen Drüsen der Mundschleimhaut (Glandulae salivariae minores) drei Glandula(-ae):salivariae minoresgroße Speicheldrüsen (Glandulae salivariae majores) auf jeder Glandula(-ae):salivariae majoresKörperseite (Abb. 13.5). Sie liegen außerhalb des Mundraums und geben ihr Sekret über Ausführungsgänge in den Mundraum ab. Nach der Art des produzierten Sekrets werden seröse Drüsen:seröseDrüsen (dünnflüssiges Sekret) und muköse Drüsen (Drüsen:mukösedickflüssiges Sekret) unterschieden.
Spezielle Speicheldrüsen
Die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) liegt unter Glandula(-ae):parotisder Haut auf dem Kaumuskel (M. masseter). Ihr Ausführungsgang durchquert den Trompetermuskel (M. buccinator) und endet gegenüber dem zweiten oberen Mahlzahn im Mundhöhlenvorhof. Die Ohrspeicheldrüse ist eine rein seröse Drüse.
Die Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis) liegt Glandula(-ae):submandibularisunterhalb des Mundbodens an der Innenseite des Unterkiefers. Der Ausführungsgang mündet unter der Zunge an einer kleinen Erhebung nahe dem Zungenbändchen. Sie ist eine gemischte seromuköse Drüse mit überwiegend serösen Anteilen.
Die Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) liegt direkt Glandula(-ae):sublinguinalisauf der Mundbodenmuskulatur. Sie ist nicht selten in zahlreiche kleinere Drüsen aufgeteilt und wölbt die Schleimhaut des Mundbodens als Plica sublingualis vor, aufPlica(-ae):sublingualis der mehrere Ausführungsgänge eine eigene Öffnung besitzen. Ein größerer Ausführungsgang mündet gemeinsam mit dem der Unterkieferspeicheldrüse am Zungenbändchen. Sie ist eine gemischte, überwiegend muköse Drüse.
Speichel
Die Speicheldrüsen werden Speichelsowohl parasympathisch als auch sympathisch innerviert. Unter Einfluss des Parasympathikus wird insbesondere seröses (dünnflüssiges) Sekret vermehrt gebildet, während der Sympathikus die Speichelsekretion überwiegend hemmt (trockener Mund bei Aufregung, z. B. in Prüfungssituationen 23.2.11). Beim Menschen wird ununterbrochen Speichel produziert; täglich sind dies etwa 1 bis 2 Liter. Diese Produktion wird vor der Nahrungsaufnahme durch psychische Faktoren wie eine positive Erwartungshaltung (bedingter Reflex), durch die Erregung von Geruchsrezeptoren und beim Kauen durch die mechanische Reizung von Geschmacksrezeptoren (unbedingter Reflex) gesteigert.
Der Speichel besteht zu 99,5 % aus Wasser. Der Rest setzt sich zusammen aus den gelösten Anteilen von Schleimstoffen, Enzymen, Fluoriden, Bikarbonaten und dem Immunglobulin IgA mit antibakterieller Wirkung. Mit der α-Amylase (Ptyalin), die Ptyalin<03B1>-AmylaseKohlenhydrate aufspaltet, beginnt die chemische Verdauung schon in der Mundhöhle.
Außerdem macht Speichel die Nahrung gleitfähig und bringt die Geschmacksstoffe in wässrige Lösung, denn nur in dieser Form können sie von den Geschmacksrezeptoren wahrgenommen werden.

Gaumen

Gaumen Der Gaumen (Palatum) ist gleichzeitig das Dach der Mundhöhle und der Boden der Nasenhöhle. Man unterscheidet zwei Teile:
  • Der harte Gaumen (Palatum Gaumen:harterdurum) bildet die vorderen ⅔ der Palatum:durumMundhöhle. Er besteht aus Fortsätzen des Oberkieferknochens.

  • Der weiche Gaumen (Palatum Gaumen:weichermolle; Gaumensegel) ist eine Sehnen-Muskel-Platte Palatum:molleund umfasst das hintere Drittel des Gaumens. In der Mitte des weichen Gaumens liegt das Zäpfchen (Uvula), in das längs verlaufende Muskelfasern ziehen, die die Uvula verkürzen können.

Das Gaumensegel verlagert sich bei Kontraktion seiner Muskulatur nach oben, wodurch der Nasenrachenraum von der Mundhöhle getrennt wird (Gaumenschluss). Schlucken wird so der Übertritt von Nahrungsbrei in die Nasenhöhle verhindert. Die seitlichen Ränder des weichen Gaumens bilden zwei Schleimhautfalten, die bogenförmig zum Zungengrund und zur seitlichen Rachenwand führen. Sie heißen vorderer bzw. hinterer Gaumenbogen. In derGaumenbogen, vorderer/hinterer Grube dazwischen liegen rechts und links die Gaumenmandeln (Abb. 13.3).Gaumenmandeln

Speiseröhre

Speiseröhre Die Speiseröhre (Ösophagus) verbindet als ein etwaÖsophagus 25 cm langer Muskelschlauch Rachen und Magen. Sie dient dem Nahrungstransport. Der Ösophagus hat eine eigene Peristaltik und kann den Nahrungsbrei aktiv in den Magen schieben.

Merke

Die Speiseröhre ist entsprechend den anderen Abschnitten des Verdauungstrakts wie folgt aufgebaut:

  • Mukosa

  • Submukosa

  • Muskularis

  • Adventitia

Die Speiseröhre liegt zwischen der Luftröhre und der Wirbelsäule. Sie beginnt hinter dem Ringknorpel des Kehlkopfs in Höhe des 6. Halswirbelkörpers und verläuft vor der Wirbelsäule nach unten. Nach dem Durchtritt durch die Zwerchfellöffnung Hiatus oesophageus geht sie nach kurzem Verlauf Hiatus:oesophageusim Bauchraum in den Magen über.
Engstellen
Die enorme Dehnbarkeit undSpeiseröhre:Engstellen Elastizität der Speiseröhre ist anatomisch bedingt an drei Passagen begrenzt. Diese werden als die drei natürlichen Engstellen der Speiseröhre bezeichnet (Abb. 13.6):
  • die Ringknorpelenge

  • die Aortenenge

  • die Zwerchfellenge

Zu große Bissen bleiben an diesen Engstellen, besonders der Ringknorpelenge, stecken. Auch Entzündungen und Tumoren entwickeln sich bevorzugt in diesen Abschnitten.
Am Hiatus oesophageus durchtritt die Speiseröhre das Zwerchfell, ohne mit ihm verwachsen zu sein. Deshalb können hier Bauchorgane, z. B. Teile des Magens und des Dickdarms, in den Brustraum nach oben rutschen. Man spricht dann von Hiatushernien.
Nahrungspassage in der Speiseröhre
Hernien:HiatushernienHiatushernienBeim Schlucken Speiseröhre:Nahrungspassageöffnet sich der spaltförmige Ösophagusmund Schluckenund lässt den Bissen passieren; gleichzeitig werden die Atemwege durch den Kehldeckel verschlossen (12.2.4). Jetzt wird der Bissen in wenigen Sekunden durch den oberen (2–3 Sek.), mittleren und unteren (7–10 Sek.) Ösophagusabschnitt transportiert. Dann öffnet sich kurz das untere Verschlusssegment und lässt den Bissen in den Magen übertreten.
Damit kein Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt (Reflux), gibt es im Bereich der dritten Ösophagusenge das Verschlusssegment, dessen Muskelschichten spiralförmig angeordnet sind. Steht der Ösophagus unter starker Längsspannung (wenn ihn keine Speisen passieren), ist das Lumen geschlossen. Es wird geöffnet (schluckreflektorische Erschlaffung), wenn sich wie beim Schlucken die Längsmuskelschicht zusammenzieht (Abb. 13.7). Dieser Mechanismus heißt auch Wringverschluss (verdrillt wie gewrungene Wäsche).

Gefäßversorgung des Bauchraums

Arterien
Die Bauchraum:ArterienVerdauungsorgane des Bauchraums Bauchraumwerden über drei große, bauchwärts aus der Aorta abzweigende Arterienstämme versorgt (Abb. 13.8).
Die erste Abzweigung der Bauchaorta, unmittelbar nach deren Zwerchfelldurchtritt, ist der Truncus coeliacus mit drei Abzweigungen und zwar der A. gastrica sinistra (versorgt untere Teile der Speiseröhre), der A. hepatica communis (versorgt Leber, Gallenblase, Magen und Zwölffingerdarm) und der A. lienalis (versorgt Bauchspeicheldrüse, Magen und Milz).
Unmittelbar unterhalb des Truncus coeliacus entspringt die A. mesenterica superior. Von ihr gehen Äste zum Zwölffingerdarm, Magen und zur Bauchspeicheldrüse ab. Anschließend zweigt sie sich bogenförmig auf und versorgt den ganzen Dünndarm sowie etwa die Hälfte des Dickdarms mit sauerstoffreichem Blut.
Einige Zentimeter unterhalb der A. mesenterica superior entspringt die A. mesenterica inferior. Auch sie zweigt sich bogenförmig auf und versorgt die untere Hälfte des Dickdarms und den größten Teil des Rektums.
Venen
Die von den drei ArterienstämmenBauchraum:Venen versorgten Bauchorgane sammeln ihr venöses Blut in einem gemeinsamen System, aus dem die Pfortader (Vena portae) hervorgeht. PfortaderDiese bringt das Blut direkt zur Leber, wo es erneut in ein Kapillarsystem mündet und gereinigt und entgiftet wird (Abb. 13.9).
Lymphgefäße und Lymphknoten
Die im Vergleich zu den Arterien Bauchraum:Lymphgefäßeund Venen wesentlich feineren Lymphgefäße des Bauchraums halten sich im Wesentlichen an den Verlauf der Arterien. Die Lymphe fließt schließlich, nachdem sie die verstreut liegenden Lymphknoten passiert hat, in ein um den Truncus coeliacus gelegenes gemeinsames Sammelbecken, die Cisterna chyli. Von dieser geht der Ductus Cisterna chylithoracicus (zentraler Lymphstamm) ab,Ductus:thoracicus verläuft nach oben und mündet im linken Venenwinkel in den Blutkreislauf. (21.2.3).

Magen

An die MagenSpeiseröhre schließt sich als sackartige Erweiterung des Verdauungskanals der Magen (Gaster, Ventriculus) an. In ihm wird die bereits in der Mundhöhle begonnene Verdauung fortgesetzt. Das VerdauungFassungsvermögen beträgt etwa 1,5 l. Je nach Füllungszustand variiert die Form des Magens erheblich. Er erfüllt im Wesentlichen drei Aufgaben:
  • Nahrungsspeicherung: Die Verweildauer der Nahrung im Magen Verdauung:Nahrungsspeicherungschwankt je nach Zusammensetzung zwischen 2 und 7 Stunden.

  • Nahrungszerkleinerung: Durch mechanische Bewegungen beginnen die Verdauung:NahrungszerkleinerungVerflüssigung von Fetten sowie die Eiweißverdauung. Die Nahrung wird zerkleinert, vermengt und so der Speisebrei (Chymus) gebildet.

  • Salzsäurebildung: Sie dient dem Beginn der SalzsäurebildungEiweißverdauung und der „Verdauung:SalzsäurebildungDesinfektion“ der Nahrung.

Abschnitte und Topografie des Magens
Den Mageneingang, also den Übergang Magen:Abschnittevon der Speiseröhre zum Magen, bezeichnet man als Kardia (Magenmund Abb. 13.10). Seitlich Kardiadavon, unmittelbar unter dem Zwerchfell, liegt die kuppelförmige Erweiterung des Magens, der Fundus (Magengrund). Beim stehenden Fundus (Magengrund)Menschen ist dies die höchstgelegene Region des Magens. Hier sammelt sich die beim Essen zwangsläufig mitgeschluckte Luft. Diese Luftblase ist in der Röntgenuntersuchung (Abdomenübersicht) meist gut erkennbar.
An den Fundus schließt sich der größte Teil des Magens, der Korpus (Magenkörper) an. Dieser geht in den „Vorraum Korpus (Magenkörper)des Pförtners“ (Antrum pyloricum), meist kurz als Antrum bezeichnet, über. Den Abschluss Antrum (Magen)des Magens, bzw. den Übergang zum Dünndarm stellt der Pylorus (Pförtner) her. Außerdem werden am Magen zwei Pylorus (Pförtner)Krümmungen unterschieden: eine große und eine kleine Kurvatur (Curvatura majorKurvatur, kleine/große (Magen), Curvatura minor).
Der größte Teil des Magens liegt versteckt hinter dem linken Rippenbogen und wird vorne rechts von der Leber überdeckt. Die Hinterwand des Magens hat eine Berührungsfläche mit der Bauchspeicheldrüse, die große Kurvatur berührt den quer verlaufenden Teil des Dickdarms, und links schiebt sich die Milz zwischen Magen und Zwerchfell.
Feinbau der Magenwand
Der Aufbau der Magenwand entspricht Magenwandprinzipiell dem des Verdauungsrohrs (Abb. 13.2). Es gibt jedoch einige Besonderheiten. Die Muskelschicht der Magenwand (Muskularis) besteht in Abweichung zum übrigen Muskularis:MagenVerdauungskanal aus drei übereinander gelegten Schichten von Muskelfasern. Unterschieden werden:
  • die äußere Längsmuskelschicht

  • die mittlere Ringmuskelschicht

  • die innere Schrägmuskelschicht

Diese Anordnung erlaubt es dem Magen, sich auf vielfältige Weise zusammenzuziehen und dadurch die Magengröße der jeweiligen Füllung anzupassen, den Nahrungsbrei mit dem Magensaft zu vermischen und durch peristaltische Wellen zum Magenausgang weiterzuleiten.Peristaltik:Magen Die ständige Durchmischung der Nahrung dient insbesondere der mechanischen Zerkleinerung.
Der Magen ist vom Bauchfell überzogen, d. h., er liegt intraperitoneal in der Bauchhöhle. Seine Serosa entspricht somit dem Peritoneum viscerale (Eingeweidebauchfell 13.2.15).

Merke

Der Übergang von der Speiseröhre zum Magen stellt in anatomischer Hinsicht eine funktionelle Schwäche dar. Da es keinen eigentlichen Schließmuskel an dieser Stelle gibt, kann es verhältnismäßig einfach zu einem Zurückfließen (Reflux) von Mageninhalt in die Speiseröhre kommen. Dadurch wird das sog. Sodbrennen verursacht.

Magenschleimhaut
SodbrennenDie rötlich-graue Magenschleimhaut (MagenschleimhautMukosa) ist beim entleerten Magen in ausgedehnte Längsfalten (Plicae gastricae) gelegt, welche am Pylorus Plic(-ae) gastricaezusammenlaufen. Durch diese Falten kann sich der Magen bei starker Füllung ausdehnen.
Die Oberfläche der Magenschleimhaut besteht aus einem einreihigen Zylinderepithel; darunter liegt Bindegewebe. Das Zylinderepithel ist in tiefe Falten gelegt, wodurch unzählige, schlauchförmige Drüsen entstehen, die den Magensaft produzieren. Man unterscheidet drei Zellarten der Magendrüsen (Abb. 13.11):
  • Belegzellen: Sie liegen überwiegend im mittleren BelegzellenAbschnitt der Drüsenschläuche. Ihre Hauptaufgabe ist die Herstellung von Salzsäure und Intrinsic-Faktor.

  • Hauptzellen: Sie befinden sich in der Tiefe der HauptzellenDrüsenschläuche und sind auf die Bildung eiweißspaltender Enzyme (Pepsinogen bzw. in der aktiven Form Pepsin) spezialisiert.

  • Nebenzellen: Sie bilden wie die zylinderförmigen NebenzellenOberflächenzellen des Magens muzinhaltigen Magenschleim, der die Aufgabe hat, die innere Oberfläche des Magens vor der aggressiven Salzsäure zu schützen.

Der Magensaft wird nur im Fundus und Korpus produziert; die übrigen Regionen des Magens sondern ausschließlich den schützenden Magenschleim ab.
Im Antrum und v. a. auch im Schleimhautabschnitt des Pylorus findet man noch eine vierte Zellart, die sog. G-Zellen. Diese stellen das Hormon Gastrin her, welches auf dem Blutweg die GastrinMagenbeweglichkeit steigert sowie die Haupt- und Belegzellen von Fundus und Korpus anregt, Salzsäure und Verdauungsenzyme zu bilden.
Magensaft
Alle Drüsen des Fundus- und Korpusbereichs Magensaftbilden zusammen, in Abhängigkeit von der Nahrungsaufnahme, durchschnittlich 2 l Magensaft pro Tag. Seine Bestandteile sind:
  • Salzsäure (HCl): Die HCl-Sekretion findet in den SalzsäureBelegzellen statt. Der pH-Wert des Magensafts erreicht einen Wert von 1–2 und greift allein durch seinen Säuregrad alle Eiweißmoleküle an. Weiterhin wirkt die Salzsäure keimreduzierend gegen die mit der Nahrung aufgenommen Bakterien und Viren.

  • Pepsinogene und Pepsin: Die Pepsinogene Pepsinogenewerden in den Hauptzellen Pepsingebildet. Nachdem sie durch die Magensäure in aktive Pepsine umgewandelt sind, können sie Eiweißmoleküle spalten.

  • Magenschleim: Der muzinhaltige Magenschleim wird Magenschleimvon allen Oberflächenzellen der Magenschleimhaut sowie den Nebenzellen der Magendrüsen gebildet. Das zähe Muzin haftet intensiv auf der Oberfläche der Zellen und bildet einen geschlossenen Film, der den gesamten Innenraum des Magens auskleidet. Seine wesentliche Aufgabe ist der Schutz der Schleimhaut vor der Selbstverdauung, d. h. vor dem Angriff der Salzsäure und des Pepsins. Ein gestörtes Gleichgewicht zwischen schützendem Magenschleim und aggressiver Säure ist häufig für die Entstehung eines Magengeschwürs (13.7.4) verantwortlich.

  • Intrinsic-Faktor: Die säurebildenden Belegzellen der Intrinsic-FaktorMagenschleimhaut produzieren auch den Intrinsic-Faktor. Er wird benötigt, um das Vitamin B12 im Dünndarm aufzunehmen. Die ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 ist für mehrere Gewebe unverzichtbar, insbesondere für die Bildung der roten Blutkörperchen im Knochenmark. Bei länger dauernder Unterversorgung durch mangelnde Resorption kommt es unter anderem zur Blutarmut (perniziöse Anämie 20.5.2).

Dünndarm

Dem Magen folgt im DünndarmVerdauungskanal der Dünndarm (Intestinum tenue). Hauptaufgabe des Dünndarms ist es, den im Mund und Magen angedauten Speisebrei zu Ende zu verdauen und die dabei entstehenden Moleküle über das Epithel der Dünndarmschleimhaut in den Kreislauf aufzunehmen. Zudem werden ungefähr 7 Liter Verdauungssäfte (Speichel, Magensaft, Galle, Bauchspeicheldrüsensekret, Dünndarmsekret), die im Verlauf eines Tages in den Verdauungskanal gelangen, größtenteils im Dünndarm über das Schleimhautepithel rückresorbiert. Weil dazu eine besonders große innere Oberfläche erforderlich ist, ist die Dünndarmschleimhaut im Vergleich zu anderen Abschnitten des Verdauungstrakts am stärksten aufgefaltet.
Abschnitte des Dünndarms
Der Dünndarm mit seiner Gesamtlänge von Dünndarm:Abschnitteetwa 4 Metern besteht aus drei Abschnitten (Abb. 13.12):
  • Duodenum (Zwölffingerdarm)

  • Jejunum (Leerdarm)

  • Ileum (Krummdarm)

Unmittelbar auf den Magen folgt als erster Abschnitt des Dünndarms der etwa 25 cm lange (entspricht etwa der Breite von 12 Fingern) C-förmige Zwölffingerdarm. Das „C“ umschließt den Kopf der Bauchspeicheldrüse, deren Ausführungsgang in ca. 80 % der Fälle gemeinsam mit dem Gallengang in der Papilla Vateri in den Zwölffingerdarm mündet. Seltener liegen die Mündungen beider Gänge getrennt nebeneinander.
An den Zwölffingerdarm schließt sich das frei bewegliche und wesentlich längere Jejunum an, das seinerseits ohne scharfe Begrenzung in das Ileum übergeht. An der Bauhin-Klappe mündet schließlich das Ileum in den Dickdarm.
Die Bauhin-Klappe wirkt wie ein Ventil, d. h. der Darminhalt kann nur in Richtung Dickdarm passieren. Dadurch wird verhindert, dass sich Dickdarmbakterien im Dünndarm verteilen.
Durch rhythmische Bewegungen mit Einschnürungen der Ringmuskulatur und Pendelbewegungen der Längsmuskulatur wird der Speisebrei im Dünndarm durchmischt. Der Weitertransport des Darminhalts erfolgt durch die wellenförmige Peristaltik der DarmwandmuskulaturPeristaltik:Dünndarm.
Aufbau der Dünndarmwand
Der allgemeine Aufbau der Dünndarmwand Dünndarm:Schleimhautentspricht dem des übrigen Verdauungstrakts, zeigt jedoch folgende Besonderheiten:
  • In der Submukosa liegt ein Teil des Dünndarm-Submukosa:DünndarmNervensystems, der Plexus submucosus (Meißner-Plexus), der die Schleimhaut innerviert.

  • Meißner-PlexusDie Muskularis aus glatter Muskulatur ist in Muskularis:DünndarmForm einer inneren Ringmuskelschicht und äußeren Längsmuskulatur angeordnet. Zwischen diesen beiden Muskelschichten liegt ein weiteres Geflecht von Nervenzellen, das als Plexus myentericus (Auerbach-Plexus) bezeichnet wird. Es innerviert die Auerbach-PlexusMuskelwand des Darms und reguliert die Produktion der exokrinen und endokrinen Darmdrüsen.

  • Die Mukosa (Dünndarmschleimhaut) mit den Kerckring-Mukosa:DünndarmFalten, den Zotten und Krypten und den Mikrovilli.

Aufbau der Dünndarmschleimhaut
Der spezialisierte Aufbau der Dünndarmschleimhaut ermöglicht es, dass sich seine innere Oberfläche auf insgesamt etwa 200 Quadratmeter vergrößert (Abb. 13.13). Dadurch wird die Resorption erheblich erleichtert. Dies geschieht durch:
  • Kerckring-Falten: ringförmig Kerckring-Falten, Dünndarmverlaufende, bis 1 cm hohe Falten der Schleimhaut

  • Zotten und Krypten: fadenförmige, Zotten, Dünndarmetwa 1 mm hohe Krypten, DünndarmAusstülpungen (Zotten) sowie etwas kürzere Einstülpungen (Krypten), die sich auf den Kerckring-Falten befinden (Abb. 13.14).

  • Mikrovilli: dicht beieinander Mikrovilli, Dünndarmstehende Zellfortsätze (Stäbchensaum) auf den einzelnen Schleimhautzellen. Auf einer einzigen Zelle können sich bis zu 3.000 Mikrovilli befinden.

Die etwa 4 Millionen Zotten sind während des Verdauungsvorgangs in ständiger Bewegung. Sie saugen aus dem Speisebrei Moleküle auf, die dann über die Kapillaren bzw. über das in jeder Zotte gelegene zentrale Lymphgefäß abtransportiert werden.
Am Ende des Ileums (terminales Ileum) befinden sich zahlreiche Lymphfollikel, kleinste Lymphknotenstationen, deren Aufgabe es ist, eingedrungene Krankheitserreger unschädlich zu machen. Man bezeichnet diese Lymphfollikel als Peyer-Plaques.
Exokrine und endokrine Funktion der Dünndarmdrüsen
Peyer-PlaquesVerschiedene exokrine Drüsen bilden die Inhaltsstoffe des Dünndarmsekrets, die eine erleichterte Kontaktaufnahme der resorbierenden Mikrovilli mit den im Darm gelösten Substanzen ermöglichen:
  • Lieberkühn-Drüsen: Sie befinden sich in den Krypten derLieberkühn-Drüsen Schleimhaut und bilden ein alkalisches Verdauungssekret, das dem Speisebrei zugemischt wird. Damit wird der vom Magen kommende saure Speisebrei wieder neutralisiert.

  • Brunner-Drüsen: Sie sind ausschließlich im Brunner-DrüsenZwölffingerdarm zu finden. Sie liegen tief in der Darmwand, meistens in der Submukosa, und sind reich an schleimbildenden Becherzellen. Zusammen mit anderen schleimbildenden Zellen produzieren sie eine Schutzschicht für die Darmoberfläche, die mit teils toxischen Substanzen in Berührung kommt.

Endokrine Drüsen der Darmschleimhaut produzieren hingegen verschiedene Peptidhormone, die bei der Aufspaltung und Resorption der Nahrung mitwirken, indem sie unter anderem die Magen- und Darmmotorik oder die Produktion von Magensäure steigern bzw. hemmen. Zu diesen Gewebshormonen gehören z. B. Secretin, GIP (gastric inhibitory polypeptide), Motilin, Enteroglucagon, Enteropeptidase und Villikinin.

Dickdarm

Der Dickdarm Dickdarm(Intestinum crassum) hat vorrangig die Aufgabe, aus dem verbleibenden Speisebrei die Elektrolyte und Wasser zu resorbieren. Dadurch wird der Brei auf etwa 30 % seines Volumens eingedickt. Darüber hinaus spalten die im Dickdarm reichlich vorhandenen Bakterien die bislang nicht verdauten Eiweiße und Kohlenhydrate durch Gärung und Fäulnisvorgänge weiter auf. Der eingedickte Stuhl wird nach der Speicherung im Rektum als halbfester Stuhl (Kot, Fäzes) schließlich über den After ausgeschieden.
Abschnitte des Dickdarms
Folgende Dickdarm:AbschnitteDickdarmarmabschnitte, die ohne deutliche Begrenzung ineinander übergehen, werden unterschieden (Abb. 13.15):
  • Blinddarm (Caecum, Zäkum) mit dem Wurmfortsatz (Appendix vermiformis)

  • Kolon (Grimmdarm) mit seinen vier Abschnitten

    • Colon ascendens (aufsteigender Grimmdarm)

    • Colon transversum (quer verlaufender Grimmdarm)

    • Colon descendens (absteigender Grimmdarm)

    • Colon sigmoideum (S-förmiger Grimmdarm; Sigma)

  • Mastdarm (Rektum)

Der Aufbau der Dickdarmwand mit seinen vier Schichten entspricht dem des übrigen Verdauungstrakts, zeigt aber ebenfalls einige Besonderheiten.
Dickdarmschleimhaut
An der Dickdarm:SchleimhautDickdarmschleimhaut findet man keine Zotten mehr, sondern ausschließlich tiefe Einstülpungen, die Dickdarmkrypten. Das Kryptenepithel besteht vorwiegend aus schleimbildenden Becherzellen, deren abgesonderter Schleim die Dickdarmschleimhaut für den sich zunehmend verfestigenden Stuhl gleitfähig macht. Zusätzlich finden sich resorbierende Epithelzellen, die Wasser und Elektrolyte rückresorbieren.
Tänien und Haustren
Charakteristisch für den Dickdarm ist die äußere Längsmuskelschicht: Sie verläuft nicht gleichmäßig um den ganzen Darm, sondern ist zu drei bandförmigen Streifen zusammengebündelt, den Tänien. Durch den Spannungszustand dieser Tänien und Täniendie Anspannung der Ringmuskelschicht entstehen im Abstand von einigen Zentimetern peristaltisch Einschnürungen, zwischen denen dann Haustren als Ausbuchtungen deutlich hervortreten (HaustrenAbb. 13.15).
Blinddarm und Appendix
Der erste, vor der rechten Darmbeinschaufel gelegene Abschnitt des Dickdarms ist der Blinddarm (Caecum, Zäkum; aber: zökal). Er stellt mit Blinddarmnur 6–8 cm Länge den kürzesten Abschnitt des Dickdarms dar. In den Blinddarm stülpt sich von links an der Bauhin-Klappe der Dünndarm.
Am unteren Ende hängtBauhin-Klappe als wurmförmiges Anhangsgebilde die Appendix vermiformis (Wurmfortsatz). Sie ist ein rudimentäres Stück des Blinddarms. Die Länge schwankt zwischen 2 und 15 cm. Die Lage ist sehr variabel. Ihre Schleimhaut ist ähnlich aufgebaut wie die des Dickdarms, in die Wand sind jedoch zahlreiche Lymphfollikel eingelagert, die insbesondere im Kindesalter der Infektabwehr dienen.
Da die Appendix eine „Sackgasse“ für den Speisebrei bildet, können sich Keime rasch ausbreiten, und es kommt besonders bei Kindern und Jugendlichen verhältnismäßig oft zu Entzündungen (Appendizitis 13.8.4). Der enge Kanal von nur wenigen Millimetern Durchmesser kann sich nicht ausweiten, sodass rasch eine Perforation mit Austritt des Darminhalts in die Bauchhöhle droht. Die Bezeichnung „Blinddarmentzündung“ ist in terminologisch strengem Sinne nicht korrekt, da ja nur das Anhängsel des Zäkums betroffen ist.
Kolon
An den Blinddarm schließt sich als nächster KolonDickdarmabschnitt das Colon ascendens (aufsteigender Grimmdarm) an. Es Colon:ascendensverläuft an der rechten Bauchwand anliegend nach oben bis zur Leber.
Hier macht es eine scharfe Biegung (Flexura coli dextra, rechte Kolonflexur) und verläuft dann als Colon transversum (querliegender Grimmdarm) zum linken Oberbauch bis in die Nähe der Milz. Colon:transversumHier macht das Kolon wieder einen scharfen Knick (Flexura coli sinistra, linke Kolonflexur) und verläuft als Colon descendens (Colon:descendensabsteigender Grimmdarm) an der seitlichen Bauchwand abwärts.
In Höhe der linken Darmbeinschaufel löst sich das Kolon von der seitlichen Bauchwand und geht in einer S-förmigen Krümmung in den letzten Kolonabschnitt, das Sigma (Colon sigmoideum), über. Das Sigma verlässtSigma den Bauchraum, tritt Colon:sigmoideumins kleine Becken ein und wird zum Rektum (Mast- oder Enddarm).
Rektum
Das Rektum (Mast- oder Enddarm), der letzte RektumDarmabschnitt, liegt im kleinen Becken. Das obere Drittel hat nur an der Vorderseite Kontakt zum Peritoneum, das untere Drittel liegt völlig außerhalb des Peritonealraums. Die dickdarmtypischen Tänien und Haustren fehlen im Rektum. Das etwa 15 cm lange Rektum hat eine S-Form und endet im After. Es wird in zwei Abschnitte unterteilt:
  • Die Ampulle (Ampulla recti) ist die obere „Etage“ des Rektums. Sie speichert den Stuhl vor der Ausscheidung.

  • Der After (Anus, Canalis analis) ist die Öffnung, durch dieAfter der Darm an der Körperoberfläche mündet.

Der After wird durch zwei unterschiedliche Muskeln verschlossen:
  • Der innere Schließmuskel (M. sphincter ani internus) ist eine Musculus(-i):M. sphincter ani internusVerdickung der Ringmuskelschicht (glatte Muskulatur) und kann nicht willkürlich beeinflusst werden.

  • Der äußere Schließmuskel (M. sphincter ani externus) gehört zur quergestreiften Musculus(-i):M. sphincter ani externusBeckenbodenmuskulatur und kann willkürlich zusammengezogen werden.

Die Schleimhaut entspricht im oberen Abschnitt noch der Dickdarmschleimhaut, geht aber dann zunehmend in die äußere Haut des Afters mit Haaren und Talg- bzw. Schweißdrüsen über. In der Hämorrhoidalzone liegt unter der Schleimhaut des Rektums ein Venengeflecht, das mit der oberen Mastdarmarterie (A. rectalis superior) verbunden ist. Arteria(-ae):rectalis superiorDieser arteriovenöse Schwellkörper trägt neben den beiden beschriebenen Muskeln maßgeblich zum Verschluss des Afters bei. Knotige Erweiterungen in diesem Bereich werden als Hämorrhoiden bezeichnet (13.9.1).

Merke

Die Lehre von den Rektumerkrankungen wird als Proktologie bezeichnet (griech. proktos = After).

Stuhl
Der HämorrhoidenStuhl (Kot, Fäzes) ist der eingedickte und durch Bakterien zersetzte, Stuhlunverdauliche Rest des Speisebreis. Er besteht zu 75 % aus Wasser, der Rest setzt sich zusammen aus:
  • unverdaulichen, teilweise zersetzten Nahrungsbestandteilen (vorwiegend Zellulose)

  • abgestoßenen Epithelzellen der Darmschleimhaut

  • Schleim

  • Bakterien (pro Gramm Stuhl etwa 10 Millionen)

  • Gärungs- und Fäulnisprodukten, die für den charakteristischen Geruch des Stuhls verantwortlich sind; z. B. entstehen bei der Eiweißfäulnis Indol und Skatol

  • IndolEntgiftungsprodukten aus der Leber (14.2.1)

  • SkatolSterkobilin, das im Darm durch Umwandlung des Gallenfarbstoffs SterkobilinBilirubin gebildet wurde. Es verleiht dem Stuhl seine bräunliche Farbe.

Darmflora
Bei der Geburt eines Menschen ist sein Darmtrakt steril. Im DarmfloraLaufe der ersten zwei Lebensjahre besiedeln jedoch über die Nahrungsaufnahme zwischen 100 und 400 verschiedene Bakterienarten, zu mehr als 99,9 % Anaerobier (25.5.1), den Verdauungstrakt. Je nach biologischer Notwendigkeit verändert sich die Zusammensetzung der Darmflora im Laufe des Lebens.
Die Bakterien der physiologischen Darmflora leben in Symbiose mit ihrem Wirt, dem Menschen: Einerseits leben sie von seinem Darminhalt, andererseits nutzen sie ihm auf vielfältige Weise.
  • Sie bilden eine Barriere, die die Ansiedelung pathologischer Keime im Darm verhindert.

  • Sie produzieren aufgrund ihrer als Antigen wirkenden Zellwandstrukturen eine „physiologische Entzündung“. Dadurch aktivieren sie das darmspezifische Immunsystem und letztlich die Körperabwehr.

  • Sie führen, wie bei einem Recycling, bereits verwendete Gallensalze und Sexualhormone wieder in den enterohepatischen Kreislauf (14.2.1) zurück.

  • Sie wandeln nicht absorbierte Disaccharide zu kurzkettigen, absorbierbaren Fettsäuren um.

  • Sie produzieren bei ihren eigenen Stoffwechselprozessen die Vitamine K, B2, B12, Folsäure und Biotin.

Physiologische Darmbakterien
In Mund und Ösophagus finden sich v. a. Darmbakterien:physiologischeNahrungskeime. Der Magen und der obere Dünndarm sind keineswegs steril, allerdings keimarm. Es gibt hier etwa 101–104 Keime pro ml Inhalt, vorwiegend Laktobazillen und Streptokokken sowie Enterobakterien und verschiedene Bacteroides-Stämme. Die unteren Dünndarmabschnitte enthalten physiologisch die gleichen Bakterienarten, nur in anderer Zusammensetzung. Im Dickdarm und Rektum steigt die Keimzahl auf etwa 1010–1012 pro ml Darminhalt an. Die größte Gruppe bilden Bifidobakterien und Bacteroides, es folgen Enterobakterien, Enterokokken und Laktobazillen, ferner Clostridien, Fusobakterien und Veillonellen.
Pathologische Darmbakterien
Pathologische Keime sind z. B. Darmbakterien:pathologischeSalmonellen (25.14.2), Shigellen (25.14.3), enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC 25.5.4), Campylobacter jejuni bzw. coli, Yersinia enterocolitica oder Clostridium difficile (alle drei 25.14.2).

Bauchfell

Der Bauchraum wird Bauchfellringsum von der Muskulatur der Bauchwand und des Rückens, oben vom Zwerchfell und unten von der Beckenbodenmuskulatur begrenzt. Der ganze Bauchraum ist innen von einer spiegelglatten Haut ausgekleidet, dem Bauchfell (Peritoneum). Das Bauchfell umschließt die so gebildete Bauchhöhle,Peritoneum die auch Peritonealraum genannt wird. Der BauchhöhleRaum, der hinter der BauchhöhlePeritonealraum liegt, wird entsprechend als Retroperitonealraum bezeichnet (lat. retro = hinter).
Die RetroperitonealraumBauchorgane entwickeln sich in der Embryonalzeit zunächst im Retroperitonealraum, schieben sich aber dann in die Bauchhöhle vor. Dabei umkleiden sie sich mit dem Bauchfell und liegen dann intraperitoneal (im Peritonealraum).
Das Peritoneum parietale („wandnahes IntraperitonealraumBauchfell“) bedeckt die Wand der Bauch- und Beckenhöhle, das Peritoneum:parietalePeritoneum viscerale („Eingeweidebauchfell“) bedeckt einen großen Teil der Bauch- und Beckenorgane. Peritoneum:viszeraleModellhaft lässt sich das gut mit einem aufgeblasenen Luftballon vergleichen, in den ein Gegenstand geschoben wird (Abb. 13.16). Der Luftballon entspricht dabei der Bauchhöhle mit dem umgebenden Bauchfell, der Gegenstand den Bauchorganen. Die Haut des Ballons legt sich um den Gegenstand. An der Stelle, wo sich alle Schichten des Luftballons wieder berühren, entsteht eine Duplikatur, die dem Mesenterium (Dünndarmgekröse) bzw. dem Mesokolon (MesenteriumDickdarmgekröse) entspricht.
  • Das Gekröse heftetMesocolon den Dünn- bzw. Dickdarm an die hintere Bauchwand. Gleichzeitig verlaufen in diesen elastischen Aufhängebändern die Lymph- und Blutgefäße sowie die Nerven, die die intraperitoneal gelegenen Organe versorgen.

  • Von einem retroperitoneal gelegenen Organ spricht man, wenn das Organ nur z. T. in die Bauchhöhle vorgeschoben wurde. Dann ist es auch nur teilweise – an der Vorderseite – von Bauchfell überzogen.

  • Liegt ein Organ extraperitoneal, so besteht keinerlei Kontakt zum Bauchfell. Dies ist z. B. bei der Prostata der Fall.

An einigen Stellen, an denen das Bauchfell Gekröse oder Organe umhüllt, bildet es verschieden große, sackartige Bauchfelltaschen. Die zwei wichtigsten sind die ausgedehnte BauchfelltaschenBursa omentalis (Netzbeutel Abb. 13.17) und der Bursa(ae):omentalisDouglas-Raum, der bei der Frau zwischen Gebärmutter und Douglas-RaumRektum liegt (Excavatio rectouterina) und beim Mann zwischen Harnblase Excavatio:rectouterinaund Rektum (Excavatio rectovesicalis). Der Douglas-Raum bildet den tiefsten Punkt des Bauchraums,Excavatio:rectovesicalis weshalb sich z. B. Blut oder Eiter hier zuerst sammeln.

Merke

Intraperitoneal gelegene Organe

  • Intraperitonealraumim Oberbauch: Leber, Gallenblase, Milz, Magen, oberer Teil des Zwölffingerdarms

  • im Unterbauch: Jejunum (Leerdarm), Ileum (Krummdarm), Blinddarm (Appendix), quer verlaufender Grimmdarm, Sigma; aufsteigender Grimmdarm und absteigender Grimmdarm sind von der Anlage her intraperitoneal, später verwachsen sie teilweise mit der Bauchwand und liegen dann sozusagen „sekundär“ retroperitoneal

Retroperitoneal gelegene Organe

  • Retroperitonealraumim Oberbauch: Teile des Zwölffingerdarms, Bauchspeicheldrüse

  • im Unterbauch: Teil des Rektums, Niere, Nebenniere, Harnblase, Harnleiter, große Leitungsbahnen (Bauchschlagader, untere Hohlvene, Lymphgefäße, Nervengeflechte)

Das große Netz (Omentum majus) und das kleine Netz (Omentum minus) sind Bindegewebsplatten, die Omentum:majusauf beiden Seiten vom Bauchfell umhüllt sind. InOmentum:minus ihnen verläuft ein großer Teil der Blut- und Lymphgefäße, die die Bauchorgane versorgen; den größten Teil an Masse macht jedoch (Speicher-)Fett aus.
Das große Netz ist an der großen Kurvatur des Magens befestigt und liegt schürzenartig vor dem Darm. Es ist reich an Makrophagen und Lymphozyten, mit denen es die körpereigene Abwehr unterstützt. Als eine Art Fettpolster schützt es den Darm vor Stößen.
Das kleine Netz ist zwischen der Leber und der kleinen Kurvatur des Magens ausgespannt. In ihm verlaufen die Blut- und Lymphgefäße, die die Leber versorgen, sowie der Ductus choledochus.

Untersuchung und Diagnostik

Anamnese

Auch wenn bei Patienten Verdauungstrakt:Anamneseder Verdacht auf eine Erkrankung des Verdauungstrakts besteht, gehören Fragen zur Krankheitsvorgeschichte, zu früheren oder chronischen Erkrankungen, zu Operationen, zu Fernreisen innerhalb der letzten Monate und zum Alkoholkonsum zum Standard. Ebenso wichtig sind Informationen über Medikamenteneinnahme, Ernährung, Ess- und Trinkgewohnheiten. Frauen sollten darüber hinaus nach der Menstruation sowie nach der Möglichkeit einer Schwangerschaft befragt werden. Ebenfalls wichtig sind Auskünfte über den sozialen Hintergrund und die psychische Situation des Patienten. Fragen Sie gezielt nach Beschwerden und Leitsymptomen, v. a. nach:
  • Änderungen des Appetits und der Verträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel

  • Gewichtsentwicklung (13.4.2)

  • Schluckbeschwerden (13.4.1)

  • Übelkeit und Erbrechen (13.4.3), Regurgitation (Nahrungsrückfluss)

  • Blähungen (13.4.4)

  • Obstipation (13.4.5), Diarrhö (13.4.6) oder beides im Wechsel, Stuhlfarbe, -konsistenz, -geruch, -beimengungen

  • Hämatemesis (blutiges Erbrechen), Teerstuhl, Blut im Stuhl (13.4.7): frisches, helles Blut, auf dem Stuhl aufliegend (spricht eher für weiter unten liegenden Prozess aus dem Rektum oder Analkanal, z. B. Hämorrhoiden, Fissuren, Karzinom) oder vermischt?

  • Lokalisation, Charakter und Ausstrahlung von Schmerzen sowie zeitliche Abhängigkeit von Nahrungsaufnahme, Sodbrennen.

Bitten Sie den Patienten immer, konkret anzugeben, wie lange die Beschwerden schon anhalten (z. B. lebenslang oder erst seit 2 Tagen?), ob sie in Zusammenhang mit bestimmten Speisen stehen (z. B. Milch, Milchprodukte bei Laktoseintoleranz). Warum kommt der Patient z. B. bei lebenslang bestehenden Blähungen gerade jetzt? Sind evtl. psychische Konflikte oder Belastungen aufgetreten, die das bisher erträgliche Symptom plötzlich unerträglich machen? Bedenken Sie auch, dass das Thema „Blut im Stuhl“ oft angstbesetzt ist und nicht sofort genannt wird. Fragen Sie gezielt nach Blut im Stuhl.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung beginnt mit der Inspektion des Mund- und Rachenraums und der Zunge (Abb. 13.24). Die Untersuchung des Bauchs umfasst Inspektion, Auskultation, Perkussion und Palpation.
In manchen Fällen ist auch eine Austastung des Rektums, die rektale Untersuchung, erforderlich. Bei der körperlichen Untersuchung sollte generell die Blase des Patienten entleert sein, da die Spannung, die eine gefüllte Blase auf die Bauchwand ausübt, eine objektive Beurteilung erschwert. Auch empfindet der Patient eine Palpation bei voller Blase als unangenehm.
Flache Rückenlage des Patienten mit an den Körper angelegten Armen, angewärmte Untersuchungsgeräte und warme Hände des Untersuchers vermeiden eine Anspannung der Bauchmuskulatur.
Einteilung des Bauchraums
Zur besseren Orientierung und Zuordnung von auffälligen Befunden wird der Bauch in der Aufsicht in vier Quadranten aufgeteilt (Abb. 13.18). Ausgehend vom Bauchnabel unterscheidet man den rechten und den linken Oberbauch sowie den rechten und den linken Unterbauch. Zusätzlich wird häufig das Dreieck zwischen den Rippenbögen als Epigastrium bezeichnet.
Zur Orientierung dienen neben dem Bauchnabel folgende EpigastriumPunkte (Abb. 13.19):
  • der McBurney-Punkt in der Mitte einer gedachten Verbindungslinie McBurney-Punkt:Appendizitiszwischen dem rechten vorderen oberen Darmbeinstachel und dem Bauchnabel

  • der Lanz-Punkt am rechten Drittelpunkt der Verbindungslinie zwischen Lanz-Punkt, Appendizitisbeiden vorderen oberen Darmbeinstacheln

  • der Blumberg-Punkt linksseitig in Höhe des McBurney-Punkts

Druck- oder Loslassschmerz anBlumberg-Punkt den drei Punkten erhärten den Verdacht auf eine Appendizitis (13.8.4).
Inspektion
Bei der Inspektion des Bauchs Inspektion:BauchBauch:Inspektionachten Sie auf Exantheme (18.4.2Verdauungstrakt:Inspektion), Petechien (18.4.1) und Striae (19.3.2) ebenso wie auf ungewöhnliche Behaarungsmuster, z. B. Bauchglatze beim Mann (14.5.5). Tumoren oder eine vergrößerte Leber können direkt sichtbar sein oder durch eine Asymmetrie des Bauchs auf sich aufmerksam machen. Hernien (13.10) und Rektusdiastasen (Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskeln, z. B. nach RektusdiastasenGeburten oder Bauch-OP) können als Vorwölbungen der Bauchhaut erkennbar sein. Auch eine ausgeprägte Darmperistaltik kann man sehen, besonders bei sehr schlanken Patienten.
Ein aufgetriebener Bauch kann durch Fettleibigkeit oder Schwangerschaft entstanden sein, aber auch auf starke Darmgasentwicklung, auf eine große Tumormasse (z. B. bei Ovarialtumor 17.11.3) oder auf einen Aszites (14.4.2) hinweisen. Achten Sie auf Zeichen eines Pfortaderhochdrucks (14.5.7), z. B. auf das Caput medusae. Ein feines, venöses Netzwerk kann hingegen ein normaler Befund sein.
Narben zeigen alte Operationen an, die auch Jahrzehnte später noch durch bindegewebige Verwachsungen innerhalb der Bauchhöhle (Bridenbildung) zu Schmerzen und Darmverschlingungen bis hin zum Ileus (13.4.9) führen können. Briden können auch durch Infektionen oder Laparoskopien ausgelöst werden.

Merke

Die sog. Fünf-Finger-Regel als fünf Ursachen für einen aufgetriebenen Bauch lautet:

  • Bauch:aufgetriebener, Fünf-Finger-RegelFäzes (Kotmassen)

  • Fett (Übergewicht)

  • Fetus (Schwangerschaft)

  • Flatus (Blähungen)

  • Flüssigkeit (Aszites)

Auskultation
Die Auskultation des Bauchs, Verdauungstrakt:AuskultationAuskultation:Bauchmöglichst mit einem handwarmen Stethoskop durchgeführt, Bauch:Auskultationgibt Hinweise auf die Darmtätigkeit. Je nach Auskultationsgebiet sind deutlich 3–25 Geräusche pro Minute zu hören. Durch ein leichtes Beklopfen der Bauchdecke sind peristaltische Wellen auslösbar. Bei dünnen Menschen können Strömungsgeräusche der Bauchaorta gehört werden. Auffällig sind:
  • laute, in schneller Folge wellenförmig ablaufende, metallisch klingende Darmgeräusche, die mit kolikartigen Schmerzen einhergehen; sie deuten auf eine Darmstenose oder einen mechanischen Ileus (13.4.9)

  • Darmgeräusche auch durch Beklopfen Ileus:Auskultationsbefundder Bauchwand nicht auslösbar: paralytischer Ileus

  • Totenstille – völliges Erlöschen aller Darmgeräusche und Hinweis auf einen paralytischen Ileus (13.4.9)

  • Strömungsgeräusche – deuten auf eine Gefäßverengung, z. B. der Strömungsgeräusche, BauchauskultationNierenarterie (16.5.7)

Perkussion
Eine Perkussion erfolgt insbesondere Perkussion:Bauchbei V. a. Blähungen und Aszites. Die laterale Bauch:PerkussionFlüssigkeitsmenge wird in Rückenlage, die ventral gesammelte in Knie-Ellenbogen-Lage Perkussion perkutiert. Die Perkussion der Leber erfolgt in der Medioklavikularlinie (MCL, gedachte Linie ausgehend von der Schlüsselmitte) von kranial nach kaudal. Normalgröße ca. 12 cm.
Der rechtshändige Untersucher legt die mittleren drei Finger der linken Hand auf das zu untersuchende Gebiet. Mit dem Mittelfinger der rechten Hand wird schwungvoll aus ca. 15 cm Abstand der Mittelfinger der anderen Hand beklopft. Alternativ kann die Bauchdecke mit den Fingerspitzen der drei mittleren Finger aus einem Abstand von 20 bis 30 cm direkt beklopft werden. Der Nachweis von Organgröße, Flüssigkeits- oder Luftansammlungen erfolgt anhand folgender Klopfschalltypen:
  • tympanitisch: lufthaltige Darmabschnitte, Blähungen

  • Klopfschall:tympanitischDämpfung (Schenkelschall): solide Organe, Flüssigkeitsansammlungen, Aszites

Palpation
Wegen der möglichen Auslösung von Verdauungstrakt:PalpationSchmerzen und einer Abwehrspannung sollte bei der Bauch:Palpationkörperlichen Untersuchung des Bauchs die Palpation zuletzt erfolgen. Die Untersuchung beginnt immer im Bereich der nicht schmerzenden Areale. Als erster Schritt wird nur leicht mit einer Hand palpiert. Der Untersucher wird dabei alle Schmerz- und Abwehrreaktionen des Patienten bewusst registrieren. Areale, die der Patient als schmerzhaft erlebt hat, sollten erst zum Schluss der Untersuchung erneut palpiert werden, da eine einmal aufgebaute Abwehrspannung über Stunden anhalten kann.
Im zweiten Schritt wird die Untersuchung kräftiger durchgeführt, auch werden jetzt beide Hände benutzt. Die linke Hand des rechtshändigen Untersuchers wird dabei entspannt auf den Bauch des Patienten gelegt. Die rechte Hand übt alleine den erforderlichen Druck auf die linke Hand aus, während diese entspannt und feinfühlig tastet.
Überprüfen Sie mögliche Bruchpforten, z. B. Nabel, Zwerchfellregion oder OP-Narben. Getastet werden sollten auch der Leberrand (3.5.9), der Dickdarmverlauf sowie die Punkte nach Lanz und McBurney. Eine tastbare Milz ist immer pathologisch. Wichtig sind Größe der Organe, Konsistenz, Organoberfläche (z. B. glatte oder höckerige Oberfläche der Leber), Hinweise auf Tumoren (z. B. lokale Verhärtungen) sowie Druckschmerz, Loslassschmerz und Abwehrspannung. Achten Sie auch auf die Mimik des Patienten.
Verschiedene Befunde bei der Palpation des Bauchs

Merke

Achten Sie bei der Palpation des Bauchs auf Druckschmerz, Loslassschmerz und Abwehrspannung.

  • Druckschmerz: Schmerzhaftigkeit bei Palpation eines Organs oder einer Region; ein Druckschmerz kann viele verschiedene Ursachen haben, insbesondere jedoch auf Entzündungen hinweisen.

  • Loslassschmerz: Die Finger werden langsam, aber fest in die Bauchdecke gedrückt, dort ca. 30 Loslassschmerz (Abdomen)Sek. belassen und dann sehr schnell zurückgezogen, wodurch die Bauchwand zurückschnellt. Entsteht dabei auf der kontralateralen Seite ein Loslass- oder Erschütterungsschmerz, ist dies ein Zeichen auf Peritonitis (13.4.10) oder Appendizitis (Blumberg-Zeichen 13.8.4).

  • Abwehrspannung: Unwillkürliche oder willkürliche Kontraktion der Bauchmuskulatur, mit der Abwehrspannung (Abdomen)sich ein Patient vor schmerzhafter Palpation des Bauchs schützen will. Willkürliche Abwehrspannung ist nicht pathologisch. Sie tritt nicht auf, wenn der Patient sich bei der Untersuchung sicher und entspannt fühlt, ggf. die Beine angewinkelt aufstellt und durch den offenen Mund atmet. Bleibt die Abwehrspannung trotzdem erhalten, ist sie wahrscheinlich unwillkürlich herbeigeführt und somit Zeichen entzündlicher Prozesse im Bauchraum, v. a. Peritonitis und Appendizitis.

Rektale Untersuchung
Bei manchen Patienten ist auch eine rektaleRektale Untersuchung Untersuchung erforderlich.

Achtung

Bei Blut im Stuhl muss eine rektale Untersuchung vorgenommen werden. Auch vor einer Kolon-Hydrotherapie ist dies erforderlich.

NotwendigeUntersuchung:rektale Hilfsmittel sind Handschuhe und Gleitmittel (z. B. weiße Vaseline). Sorgen Sie für eine ruhige, entspannte Atmosphäre, und nehmen Sie dem Patienten die Scheu, indem Sie Sicherheit vermitteln und ihm ggf. die Untersuchung erklären.
Bei der Untersuchung liegt der Patient seitlich mit angewinkelten Knien und vorgebeugtem Oberkörper („Embryostellung“) auf einer Liege. Zunächst wird der Anus inspiziert. Dadurch lassen sich äußere Hämorrhoiden (13.9.1), Ekzeme, Entzündungen und außen sitzende Tumoren oder Warzen (z. B. Condyloma acuminatum 25.11.14) erkennen.
Bitten Sie den Patienten zu pressen. Legen Sie dabei den behandschuhten und eingecremten Zeigefinger auf den Anus. Erschlafft der Schließmuskel, führen Sie den Zeigefinger vorsichtig in Richtung Nabel ein und tasten das Rektum von innen aus. Beurteilt werden der Tonus des Schließmuskels und die Oberfläche der Ampulle.
Tasten Sie systematisch alle erreichbaren Regionen ab. Druckschmerzhaftigkeit deutet auf entzündliche Prozesse hin, z. B. Appendizitis, Peritonitis oder Abszess im Douglas-Raum; Unregelmäßigkeiten bzw. Knoten können z. B. Zeichen von Hämorrhoiden, Tumoren, Fisteln, Metastasen im Douglas-Raum oder Veränderungen der Prostata (Adenom, Karzinom) sein.
Ziehen Sie den Finger sanft zurück. Nach der rektalen Austastung geben Sie dem Patienten ein Papiertuch, damit er sich den Anus abwischen kann. Untersuchen Sie den Handschuhfinger auf Blutauflagerungen, die auf blutende Hämorrhoiden oder Tumoren hinweisen können.
Ist die Ampulle mit Stuhl gefüllt, lässt sich auch dieser nach Farbe und Beschaffenheit beurteilen. Sehr oft findet sich bei abdominalen Beschwerden ein harter Stuhl, der auf eine massive Obstipation hinweist.

Naturheilkundliche Diagnostik

Antlitzdiagnose

Nach Ferronato befindet sich die Ausdruckszone der kleinen Kurvatur rechts neben den Lippen und verläuft parallel zur Nasolabialfalte, links ist die große Kurvatur entsprechend lokalisiert. Achten Sie auch auf den Zustand der Lippen: So spiegelt die Oberlippe den Zustand des Dünndarms, die Unterlippe den des Dickdarms wider.
Ist die Oberlippe sehr schmal, kann im Dünndarm Säuremangel und eine mangelnde Verdauungskraft vorliegen; dies gilt auch, wenn beide Lippen sich verschmälern. Stellen Sie fest, dass die Abschlusslinien der Lippen ohne deutliche Farbänderung ins Gesicht übergehen, kann dies ein Hinweis auf Störungen der Dünndarm- und Dickdarmschleimhaut sein.

Fußreflexzonen

Die Fußreflexzonen des Verdauungstrakts liegen auf der Fußsohle (Abb. 3.68). Farbveränderungen im Magen-Darm-Bereich, Warzen und druckschmerzhafte Zonen deuten auf eine Störung hin. Beachten Sie auch Auffälligkeiten und Reizzeichen im Bereich von Leber, Galle und Pankreas. Belastete Zonen lassen sich an Schmerzhaftigkeit und vegetativen (Über-)Reaktionen (Schweiß, kalte Füße) während der Untersuchung erkennen.

F. X. Mayr-Diagnostik

Beachten Sie auch Diagnostik, Haut und Haltung nach F. X. Mayr (4.2.28).

Iridologie

Topografisch ist der Verdauungstrakt in der Iris genau zu lokalisieren: Kreisförmig um die Pupille liegt die Krausenzone (Abb. 13.20), innen die Magenzone, an die sich die Darmzone anschließt. Die beiden Zonen werden von der Krause umrandet. Häufig sind Ausbuchtungen der Krausenzone zu erkennen, die eine Schwäche und Erweiterung des Darms anzeigen können.
Eine Aufhellung der Magenregion kann eine Hyperazidität (Abb. 13.20), eine Abdunklung hypoazide oder anazide Verhältnisse anzeigen. Kleine weiße oder schwarze Punkte sowie Defektzeichen (z. B. Lakunen) lenken den Verdacht auf Schleimhautdefekte.
Bei intensiver Pigmentierung der Krausenzone (zentrale Heterochromie Abb. 13.21) ist die Faserstruktur nicht immer deutlich erkennbar. Bei Vergröberung des Reliefs ist mit unterschiedlicher Säfteproduktion und einer daraus folgenden Dysbakterie zu rechnen. Aufhellungen in dieser Zone sind Überreizungs- und Entzündungszeichen und zeigen sich bei brauner Iris als gelbliche Verfärbung.

Segmentdiagnose

Die Head-Zonen der Verdauungsorgane (Abb. 13.22, Abb. 13.23) liegen in folgenden Segmenten: Speiseröhre Th 5, Magen C 3–4 li., Th 2, 7–9 li., Dünndarm Th 9–11 und Dickdarm re. bzw. li. Th 11–L1. Sind diese Zonen berührungs- oder schmerzempfindlich (hypersensibel bzw. hyperalgetisch), lässt dies auf eine Störung der entsprechenden inneren Organe schließen.

Störfelddiagnose

Bei chronischen Erkrankungen sollte immer eine Störfeldsuche durchgeführt werden. Potenzielle Störfelder sind z. B. chronisch entzündete Zähne (13.2.6), Nasennebenhöhlen, Tonsillen (21.2.6) und Narben. Die oberen Backenzähne links (26, 27) stehen in einer Wechselbeziehung zu Magen und Darm. Beachten Sie außerdem, dass auch der Darm selbst als Störfeld wirken kann, z. B. bei Dysbiose.

Zungendiagnose

Form, Farbe und Beläge der Zunge sind besonders bei Störungen des Verdauungstrakts aussagekräftig. Eine weiß belegte Zunge, wie auch eine stark gerötete Zungenspitze, finden Sie häufig bei Patienten mit einer Gastritis (Abb. 13.24). Bei einer Ulkuskrankheit dagegen werden Sie selten hinweisdiagnostisch relevante Zungenbeläge finden. Bräunliche Beläge im hinteren Teil der Zunge lenken den Verdacht auf eine Darmerkrankung bzw. eine Darmdysbiose. Leber-Gallen-Erkrankungen können durch einen gelblichen und gelb-grünen Belag angezeigt werden. Bei Magenerkrankungen haben die Patienten außerdem häufig einen sauren oder sauer-fauligen Mundgeruch.

Schulmedizinische Diagnostik

Abdominale Sonografie
schulmedizinischenaturheilkundliche Diagnostik:Verdauungstrakt\"\iVerdauungstrakt:naturheilkundliche Diagnostik\"\iDie abdominale Sonografie (Ultraschalluntersuchung des Bauchs) wird v. a.Diagnostik, schulmedizinische:Verdauungstrakt zur Beurteilung von Leber, Gallenblase und Pankreas eingesetzt. Dabei werden deren Größe, Kontur und Binnenstruktur beurteilt. Aber auch Flüssigkeitsansammlungen wie Blut, Eiter und Aszites in der Bauchhöhle können damit nachgewiesen werden. Häufig ist sie der erste apparativ-diagnostische Schritt vor weiteren Untersuchungen. Mit Hilfe sonografischer Zusatzgeräte (Doppler-/Duplexsonografie 3.8.2) können auch Gefäßerkrankungen im Bauchraum erkannt werden.
Röntgenuntersuchungen
Eine Abdomen-Leeraufnahme (3.8.2) ist u. a. bei Verdacht auf eine Magen-Darm-Erkrankungen:SonografieMagen-Darm-Perforation („Durchbruch“) angezeigt. Abdomen-LeeraufnahmeErkennbar wären in solch einem Fall sichelförmige Luftblasen unter dem Zwerchfell. Einen Ileus (Darmverschluss) erkennt man an typischen „Spiegeln“ in den Darmschlingen an der Grenze zwischen Flüssigkeit und Luft.
Um bei Röntgenaufnahmen des Magen-Darm-Kanals Tumoren, Geschwüre, Fisteln und Divertikel (Schleimhautausstülpungen) darzustellen sowie um die Beweglichkeit der einzelnen Organe und das Wandrelief des Magen-Darm-Kanals zu beurteilen, wird ein Kontrastmittel verwendet (Abb. 13.25).
Es wird bei der Untersuchung von Speiseröhre (Ösophagus-Breischluck) oder Magen und Dünndarm (Magen-Darm-Passage) oral durch Trinken verabreicht, bei Untersuchungen des Dickdarms durch einen Einlauf (Kolonkontrasteinlauf).
Endoskopie
Die Untersuchung erfolgt mit flexiblen schlauchförmigen oder starren rohrförmigen Magen-Darm-Erkrankungen:EndoskopieApparaten, an deren Spitze ein optisches System, eine Beleuchtungseinrichtung und häufig Vorrichtungen zum Absaugen und Instrumente zur Entnahme von Gewebeproben (Biopsie) angebracht sind. Umgangssprachlich wird häufig vom „Spiegeln“ (z. B. Magenspiegelung) gesprochen.
Unterschieden werden bei der Untersuchung des Magen-Darm-Trakts:
  • die Ösophagoskopie zur Untersuchung der Speiseröhre

  • die Gastro- und Duodenoskopie zur Untersuchung von Magen bzw. ÖsophagoskopieZwölffingerdarm

  • Duodenoskopie die Koloskopie zur Untersuchung des Dickdarms

  • Gastroskopiedie Rektoskopie zur Untersuchung des Mastdarms

  • Koloskopiedie Proktoskopie zur Untersuchung des anusnahen RektoskopieDarmabschnitts.

Endoskopien des Magen-Darm-Trakts können sowohl diagnostisch Proktoskopie(Entzündung? Ulkus? Tumor?) als auch therapeutisch, z. B. zur Blutstillung oder Abtragung von Polypen, eingesetzt werden.
Hauptkomplikationen dieser gastroenterologischen Untersuchungen sind Blutungen und Perforationen. Deshalb wird nach der Untersuchung auf das Allgemeinbefinden des Patienten sowie Veränderungen des Bauchs und der Stuhlausscheidung geachtet.
Computertomografie
Das Computertomogramm (CT 3.8.2) dient in erster Linie der Tumor- und Magen-Darm-Erkrankungen:ComputertomografieMetastasensuche.
Das Spiral-CT Abdomen ist ein leistungsgesteigertes CT zugunsten einer kürzeren Untersuchungszeit, das bei der Notfalldiagnostik des Abdomens, z. B. bei V. a. Organverletzung, Pankreatitis eingesetzt wird.
Funktionsdiagnostik
Verschiedene Tests helfen, die Funktionsfähigkeit des Verdauungstrakts zu Funktionsdiagnostik/prüfungen:Verdauungstraktbeurteilen:
  • Ösophago-Manometrie: Mit einer Magensonde wird der Druck in Speiseröhre und Magen an verschiedenen Stellen gemessen. Ösophago-ManometrieBewertung des Verschlussmechanismus zwischen Magen und Speiseröhre.

  • D-Xylose-Test: Xylose wird normalerweise gut resorbiert, aber kaum verstoffwechselt, erscheint also nach oraler D-Xylose-TestAufnahme unverändert im Harn. Nachweis der Kohlenhydrat-Resorptionskapazität des Dünndarms. Verminderte Resorption bei Malabsorptions-Syndrom (13.8.1).

  • H2-Atemtest: fehlende Verwertung der Laktase (laktosespaltendes Enzym; Laktose = Milchzucker) oder eines anderen H2-AtemtestDisaccharids wird durch einen Anstieg der H2-Konzentration in der Atemluft angezeigt.

  • Helicobacter-Atemtest: Nachweis des Bakteriums Helicobacter pylori im Magen (13.7.2).

  • Laktose-Toleranztest: Helicobacter-AtemtestNachweis eines Laktase-Mangels (z. B. bei Blähungen, Durchfall nach Verzehr von Milch Laktose-Toleranztestund Milchprodukten), indem nach Gabe von 50 g Laktose der Blutzuckerspiegel nur gering oder gar nicht ansteigt.

Stuhluntersuchung
Gewinnen und Versenden von Stuhlproben ( 31.2.2 ) Stuhluntersuchung
Die einfachste Stuhluntersuchung ist die Stuhl:UntersuchungBetrachtung des Stuhls mit bloßem Auge. Wichtige Befunde sind Konsistenz (geformt, ungeformt), Farbe, Blut-, Schleim- oder Eiterbeimengungen sowie Parasiten und unverdaute Nahrungsreste.

Achtung

Die Stuhlgewohnheiten sind von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Eine Veränderung der Stuhlgewohnheiten unter sonst gleichen Bedingungen kann Zeichen einer Erkrankung sein.

Beobachtung von Stuhlveränderungen
Farbveränderungen
  • durch Nahrungsmittel:

    • braun-schwarz: Blaubeeren, Rotwein, hoher FleischkonsumStuhluntersuchung:Farbveränderungen

    • grün-braun: chlorophyllhaltige Kost (Salat, Spinat)

    • rot-braun: rote Beete (verfärbt auch den Urin)

  • durch Medikamente:

    • schwarz: Eisen-, Kohletabletten

    • weiß: Röntgenkontrastmittel

  • sonstige Ursachen:

    • grau, lehmfarben: sog. acholischer Stuhl bei fehlender Gallenausscheidung (Acholie)

    • gelb-hellbraun: Diarrhö (13.4.6)

    • rotbraun bis dunkelrot: mit Blut durchmischter Stuhl bei Blutungen im oberen Dickdarmbereich

    • hellrote Blutauflagerungen: z. B. Hämorrhoiden (13.9.1), Rektumkarzinom (13.8.8)

    • schwarz: z. B. Teerstuhl (13.4.7) bei Magenblutungen, Mekonium („Kindspech“, erster Stuhl des Neugeborenen)

    • grünlich, flüssig: z. B. Salmonellosen (25.14.2)

    • goldgelb, salbenartig, dünn: Muttermilchstuhl bei Säuglingen

Konsistenz
  • normal: weiche, homogene Masse

  • fest: eiweißreiche Kost, überwiegende Fleischernährung

  • Stuhluntersuchung:Konsistenzweich, breiig: zellulose- und kohlenhydratreiche Kost

  • extrem eingedickter Kot: Kotstein bei Obstipation

Hinweise auf Erkrankungen
  • dünnflüssig, schaumig: Gärungsdyspepsie (krankhafte Kohlenhydratgärung im Darm mit Oberbauchbeschwerden, Blähungen, Durchfall und evtl. Erbrechen)

  • erbsensuppenähnlich: z. B. Typhus abdominalis (25.14.2)

  • reiswasserähnlich: z. B. Cholera (25.14.1)

  • schleimig, schleimig-blutig: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn (13.8.3), bakterielle Ruhr

  • himbeergeleeartig: Amöbenruhr (25.14.5)

  • bleistiftförmig, bandartig: Stenosen (Verengungen) z. B. durch Tumoren im unteren Dickdarm

  • salbenartig, voluminös, glänzend, klebrig, scharf riechend: Fettresorptionsstörung, z. B. bei Pankreasinsuffizienz (14.7.2) oder Malassimilations-Syndrom (13.8.1); Volumen des Stuhls > 300 g, Fettgehalt > 7 g täglich = Steatorrhö (Fettstuhl)

  • schafskotähnlich, hart und trocken, evtl. mit Schleim: z. B. Reizkolon (13.8.6)

Geruch
  • aashaft stinkend: evtl. Rektumkarzinom

  • stechend sauer: Gärungsdyspepsie

Beimengungen
  • Stuhluntersuchung:Geruch Schleim: z. B. Reizkolon (13.8.6), Colitis ulcerosa (13.8.3)

  • Eiter: z. B. bei Stuhluntersuchung:BeimengungenAbszessen im Rektum

  • Blut: z. B. bei gutartigen und bösartigen Tumoren und Entzündungen des Darms, Divertikelblutung und Hämorrhoiden

  • Würmer (25.14.11, 25.14.12), häufig als weißliche, teils bewegliche Einsprengsel erkennbar

Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl
Die sicherlich häufigste Stuhluntersuchung ist die Stuhl:Blut, okkultesUntersuchung auf okkultes (d. h. mit dem bloßen Blut:okkultes im StuhlAuge nicht sichtbares, „verstecktes“) Blut zur Früherkennung von Karzinomen des Dickdarms und Rektums. Die Untersuchung kann sowohl vom Heilpraktiker in der eigenen Praxis durchgeführt werden, als auch in spezialisierten ärztlichen Laborinstituten. Verwendet werden so genannte Testbriefe (z. B. Hämoccult®, Colon-Albumin® Abb. 13.26). Auf ihnen befinden sich in der Regel zwei Felder. Auf diese Felder trägt der Patient mit den beigefügten Spateln Proben aus verschiedenen Stuhlabschnitten auf und verschließt den Testbrief. Die Felder werden dann vom Untersucher mit der entsprechenden Testlösung beträufelt, worauf sich diese bei einem Nachweis von Blut verfärben. Ein positiver Befund, d. h. also das Vorliegen von verstecktem Blut im Stuhl, muss immer eine gründliche fachärztliche Untersuchung nach sich ziehen. Diese beinhaltet zunächst neben gründlicher Anamnese und körperlicher Untersuchung mindestens eine Rektoskopie, besser noch eine Koloskopie, bei der der Arzt mit einem flexiblen Endoskop den Darm vom Anus bis zur Ileozäkalklappe begutachtet und ggf. auch Gewebeproben aus verdächtigen Stellen der Darmschleimhaut entnimmt.

Achtung

Verschiedene Substanzen und Nahrungsmittel, wie z. B. Vitamin C, rohes Fleisch, Rote Beete, Tomaten, Salate und Eisenpräparate, können zu einem falsch positiven Ergebnis führen.

Laboruntersuchungen von Stuhlproben
Neben der Untersuchung auf okkultes Blut werden folgende Stuhluntersuchungen im Labor durchgeführt:
  • Stuhluntersuchung:ProbenMikrobiologische Diagnostik: Der Stuhl wird auf pathologische Bakterien (z. B. infektiöse Durchfallerkrankung) und Parasiten (z. B. Wurmeier, Amöben) untersucht.

  • Fettausscheidung im Stuhl: Vermehrte Fettausscheidung bei Störung der Fettverdauung (Maldigestion), z. B. bei Pankreasinsuffizienz oder Stuhluntersuchung:Fettausscheidungeinem Gallensäuremangel, der durch einen Gallengangsverschluss oder eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms bedingt ist. Auch bei gestörter Fettresorption (Malabsorption), z. B. bei Sprue/Zöliakie, entzündlichen Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn) ist die Fettausscheidung vermehrt. Zur Unterscheidung von Malabsorption und Maldigestion sind weitere Untersuchungen notwendig, z. B. D-Xylose-Test (13.3.4).

  • Chymotrypsinbestimmung: Ist dieses Pankreasenzym im Stuhl erniedrigt, deutet das auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz (14.7.2) hin.

  • Pankreatische Elastase 1: Das Verdauungsenzym wird vom Pankreas in den Darm abgegeben. Eine Erniedrigung dieses pankreatische Elastase 1:Stuhluntersuchungpankreasspezifischen Enzyms zeigt ebenfalls eine Pankreasinsuffizienz an, dient aber auch der Früherkennung der Mukoviszidose (12.12.2). Wegen höherer Spezifität und Sensivität ist die Bestimmung der Pankreaselastase im Stuhl der Stuhlfettbestimmung zur Diagnose der Pankreasinsuffizienz überlegen.

Checkliste zur Anamnese und Untersuchung bei Verdacht auf Erkrankungen des Verdauungstrakts

  • Verdauungstrakt:Checkliste zur Anamnese und UntersuchungAnamnese: Sozialanamnese, Checkliste, Anamnese und Untersuchung:VerdauungstraktKrankheitsvorgeschichte, OP, Auslandsreisen, Alkoholkonsum, Medikamente, Schwangerschaft, psychische Situation, Ernährung, Ess- und Trinkgewohnheiten, Änderungen von Appetit bzw. Verträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel, Gewichtsentwicklung, Zahnerkrankungen, Schluckbeschwerden, Übelkeit/Erbrechen, Regurgitation, Blähungen, Obstipation, Diarrhö, Stuhlfarbe, -konsistenz, -geruch, -beimengungen, Hämatemesis, Teerstuhl, Blut im Stuhl, Lokalisation, Charakter und Ausstrahlung von Schmerzen sowie zeitliche Abhängigkeit von Nahrungsaufnahme, Sodbrennen

  • allgemeine Inspektion: Mund, Rachenraum und Zunge, dabei auf Mundgeruch achten, Inspektion des Bauchraums: Exanthem, Petechien, Striae, ungewöhnliche Behaarung (z. B. Bauchglatze), Vorwölbung oder Asymmetrie z. B. durch Tumor, aufgetriebener Bauch, Pfortaderhochdruck-Zeichen, Hernie, Rektusdiastase, Narben, evtl. Facies abdominalis als Peritonitiszeichen

  • körperliche Untersuchung: Auskultation, Perkussion, oberflächliche und tiefe Palpation einschließlich Überprüfung der Bruchpforten, Lanz-Punkt, McBurney-Punkt, dabei achten auf Druckschmerz, Loslassschmerz (Blumberg-Zeichen), Abwehrspannung, Palpation von Leber und Gallenblase, evtl. rektale Untersuchung, Fiebermessung, Messung von Blutdruck und Puls

  • Blutlabor: BSG, Leukozytose, Anämie, Tumormarker, Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen, Eiweiß

  • Harnlabor: Bilirubin, Urobilinogen bei Verdacht auf Leberbeteiligung

  • Stuhluntersuchung: Beobachtung von Stuhlveränderungen, wie Farbe, Konsistenz, Geruch, Beimengung, Untersuchung auf okkultes Blut, Labordiagnostik wie z. B. Darmflora, Verdauungsrückstände, Gallensäure, Chymotrypsin, Pankreatische Elastase 1, Gesamtfett, Stickstoff, immunologische Untersuchungen wie PMN-Elastase, Lysozym oder fäkalsekretorisches Immunglobulin A (Maß für die immunologische Leistung der Darmschleimhaut)

  • Antlitzdiagnose: Nach Ferronato Ausdruckszone Magen neben den Lippen parallel zur Nasolabialfalte. Oberlippe entspricht der Zone des Dünndarms, Unterlippe der des Dickdarms

  • Fußreflexzonen: Farbveränderungen, Warzen oder Druckschmerz im Magen-Darm-Bereich

  • Iridologie: Aufhellung der Magenzone bei Hyperazidität, Abdunkelung bei Hypoazidität oder Anazidität, kleine weiße oder schwarze Punkte bei Schleimhautdefekten, intensive Pigmentierung der Krausenzone (zentrale Heterochromie) kann Dysbakterie anzeigen

  • Segmentdiagnose: erhöhte Sensibilität oder Schmerzempfindung im Bereich der Head-Zonen der jeweiligen Organe

  • Zungendiagnose: weiße Zunge oder stark gerötete Zungenspitze bei Gastritis, braune Beläge bei Darmerkrankung, Leber-Galle-Erkrankungen bei gelben und gelb-grünen Belägen.

  • Stuhlgewicht: Das Stuhlgewicht ist bei chronischer Pankreatitis häufig erhöht.

  • α1-Antitrypsin im Stuhl: Die Menge des Stuhluntersuchung:Stuhlgewichtnormalerweise nur in geringsten Mengen im Stuhl Stuhluntersuchung:<03B1>1-Antitrypsinvorhandenen α1-Antitrypsin, einem Akut-Phase-<03B1>1-Antitrypsin:StuhluntersuchungProtein des Serums, wird bestimmt. Bei entzündlichen Darmerkrankungen und v. a. bei exsudativer Enteropathie (enterales Eiweißverlustsyndrom) wird aus Stuhl- und Serumproben sowie aus dem Stuhlgewicht die α1-Antitrypsin-Clearance berechnet.

  • Immunologische Untersuchungen: Erhöhte Werte von PMN-Elastase 1 oder Lysozym im Stuhl deuten auf infektiöse Gastroenteritis (25.14.2), Morbus Crohn bzw. Colitis ulcerosa (13.8.3) oder Darmtumoren hin. Das fäkal-sekretorische IgA kann bei Beeinträchtigungen des darmspezifischen Immunsystems erniedrigt sein; oft z. B. bei Neurodermitis (18.6), Allergien oder erhöhter Infektanfälligkeit.

Einige dieser Untersuchungen sollten mehrfach an verschiedenen Tagen durchgeführt werden. Die Labors geben auf Anfrage weitere Informationen und veranstalten z. T. auch Fortbildungslehrgänge.

Leitsymptome und Differenzialdiagnose

Schluckbeschwerden

Schluckbeschwerden (Dysphagie): Schluckstörung, auch mit Druckgefühl oder Schmerzen hinter dem Brustbein (Sternum) oder im Oberbauch.

Bei Schluckbeschwerden beschreiben Patienten das Gefühl Dysphagiedes „Steckenbleibens“ von Nahrung in der Speiseröhre. Als Schluckbeschwerdenhäufigste Ursachen gelten mechanische Behinderungen in der Speiseröhre. Während bei Kindern oft ein verschluckter Fremdkörper (13.6.2) die Ursache ist, muss im Erwachsenenalter immer an ein Kehlkopf- oder Speiseröhrenkarzinom gedacht werden.

Achtung

Jede Form von Schluckbeschwerden ist ein Alarmsymptom und muss vom Facharzt abgeklärt werden. Bis zum Beweis des Gegenteils besteht Karzinomverdacht!

Als Ursachen kommen ebenfalls infrage: akute Mandel- oder Rachenentzündung, Tumor im Rachenraum, Speiseröhrendivertikel (13.6.3), Lähmung oder Spasmus (Krampf) der Speiseröhrenmuskulatur, z. B. durch neurologische oder muskuläre Erkrankungen, Verengung der Speiseröhre durch Struma, nach Ösophagitis (13.6.1), Verätzung oder Verletzung der Speiseröhre sowie Mediastinitis. Ein „Kloßgefühl“ (Globusgefühl), im Schlundbereich kommt vor bei allen Raumforderungen in oder um die Speiseröhre (Tumoren, Divertikel), es kann aber auch psychogen bedingt sein und z. B. bei Angststörungen (26.7.3) auftreten.

Gewichtsveränderungen

Gewichtsveränderung: Zu- oder Abnahme des Körpergewichts. Relevant sind v. a. massive Gewichtsveränderungen (über ca. 2 kg) innerhalb kurzer Zeit (4 Wochen) bei unverändertem Essverhalten

Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht): Übergewicht bei Body-Mass-Index > 30 kg/m2 (15.3.2).

Kachexie (Auszehrung): Abnahme des Körpergewichts um mehr als 20 % des Sollgewichts.

Diagnostisch bedeutsam sind v. a. Gewichtsschwankungen AdipositasvonKachexie mehr als plus/minus zwei Kilogramm pro Monat, die nicht eindeutig auf gesteigerte Gewichtsveränderungenoder gedrosselte Nahrungszufuhr zurückzuführen sind.
Eine Gewichtszunahme – wenn sie nicht durch Wassereinlagerungen (Ödeme) oder Schwangerschaft erfolgt – deutet in erster Linie auf ein gestörtes Essverhalten mit einer übermäßigen Zufuhr von Kalorien in Form von Speisen oder häufig auch Alkohol hin.

Tipp

1 g Alkohol liefert 7,1 kcal Energie. Trinkt man z. B. zu einer ansonsten ausgewogenen Ernährung jeden Abend zusätzlich eine Flasche Bier (0,5 l, Alkoholgehalt 5 %), so ergibt sich rechnerisch nach 12 Monaten eine Erhöhung des Körpergewichts von rund 9 kg.

Nur zu ca. 5 % ist die Gewichtszunahme durch hormonelle Erkrankungen bedingt, z. B. durch das Cushing-Syndrom oder Hypothyreose. Auch während der Pubertät und des Klimakteriums kann es zur Gewichtszunahme kommen.
Ein Gewichtsverlust, der nicht auf die bewusste Einhaltung einer Diät zurückzuführen ist, kann Ausdruck einer schweren Erkrankung sein (Tab. 13.1). Eine gründliche Diagnostik ist in solchen Fällen erforderlich.
Unterschieden werden bei der Gewichtsabnahme der Verlust an Körpermasse, z. B. bei Ernährungsmangel, bei Tumorerkrankungen oder schweren Infektionen, und der Verlust an Körperwasser bei Diarrhö und Aszites.

Übelkeit und Erbrechen

Übelkeit und Erbrechen Übelkeittreten bei Erwachsenen meist im Rahmen gastroenterologischer ErbrechenErkrankungen (einschließlich der Gastroenteritis) auf. Sie können jedoch auch zahlreiche Ursachen außerhalb des Magen-Darm-Trakts haben, z. B.:
  • Herzinsuffizienz, Stauungsgastritis (10.7.2) oder Herzinfarkt (10.6.2)

  • Stoffwechselerkrankungen und -entgleisungen, z. B. diabetische Ketoazidose (15.5.5)

  • StauungsgastritisMedikamenteneinnahme, etwa Zytostatika, Opioide, seltener z. B. Antibiotika, Glykoside, nichtsteroidale Antirheumatika

  • Vergiftungen, z. B. durch Alkohol

  • Erkrankungen des Gleichgewichtsorgans

  • neurologische Erkrankungen, z. B. erhöhter Hirndruck, Meningitis (25.16.1)

  • psychisch als Reaktion auf Ekelgefühle, Schmerzen, Angst und Aufregung

  • Frühschwangerschaft

Bei Kindern sind Übelkeit und Erbrechen meist die Folge von Infektionen, die nicht nur den Verdauungsapparat, sondern auch andere Stellen des Körpers betreffen, z. B. Mittelohrentzündungen (24.9.5) oder Harnwegsinfekte (16.6.1).
Wegweisende Nebensymptome von Übelkeit und Erbrechen sind Bauchschmerzen, Fieber, Diarrhö, Schwindel und Störungen des Bewusstseins (Tab. 13.2).
Bei lang andauerndem Erbrechen drohen, besonders bei Kleinkindern und alten Menschen, Dehydratation und Elektrolytverschiebungen (16.2.6). Dies ist begründet v. a. im Verlust von H+- und Cl-Ionen und kann im Extremfall zu Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand führen.

Erstmaßnahmen bei anhaltendem Erbrechen

Droht eine Erbrechen:ErstmaßnahmenDehydratation mit Volumenmangel sind folgende Maßnahmen angezeigt.

  • Notfall:Erbrechen, anhaltendesSofort den Notarzt benachrichtigen.

  • Den Patienten in Schocklage (30.5.1) bringen und zudecken.

  • Dem Patienten physiologische Kochsalzlösung infundieren, zunächst 500 ml.

  • Blutdruck und Puls überwachen.

Schulmedizinische Therapie
Hauptpfeiler der symptomatischen Therapie bei Erbrechen ist der (evtl. intravenöse) Flüssigkeits- und Elektrolytersatz. So wird oft eine medikamentöse Behandlung mit Antieemetika eingeleitet. Besonders häufig werden Metoclopramid (z. B. Rp Paspertin®) Antieemetika:Übelkeitund Dimenhydrinat (z. B. Vomex®) verwendet. Letzteres hemmt die Antieemetika:ErbrechenBrechauslösung ebenfalls zentral über Histamin-Rezeptoren im Gehirn.

Naturheilkundliche Therapie bei Übelkeit und Erbrechen

Ernährungstherapie

Um einen möglichen Mineral- und naturheilkundliche Therapie:ÜbelkeitFlüssigkeitsverlust auszugleichen, sollte – wenn die Übelkeit nachgelassen hat – ausreichend getrunken werden (stilles Mineralwasser, ungesüßter Tee). Zum langsamen Nahrungsaufbau haben sich als leichte Aufbaukost Zwieback und schwach gewürzte Suppen bewährt. Zu empfehlen ist z. B. eine Haferschleimsuppe, die gut magenverträglich ist: Hierzu werden 20 g Haferflocken in ¼ l Gemüsebrühe etwa 5–10 Min. gekocht.

Homöopathie

Da es sich um ein akutes Geschehen handelt, ist oft ein organotropes Mittel hilfreich. Häufig eingesetzte Mittel sind: Ipecacuanha (bei ständiger Übelkeit, wenn Erbrechen nicht bessert), Nux vomica (bei Brechneigung nach schwerem Essen, Durcheinanderessen und Alkohol) oder Okoubaka als homöopathisches Entgiftungsmittel. Ebenfalls gute Erfolge sind mit einem Komplexmittel zu erzielen (z. B. Apomorphinum N Oligoplex®, als Tropfen oder Injektion). Häufig ist auch ein Konstitutionsmittel das Mittel der Wahl: Antimonium crudum, Arsenicum album, Belladonna, Ipecacuanha, Nux vomica, Phosphorus, Pulsatilla, Sepia, Veratrum album. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch zu einem anderen konstitutionellen Mittel führen.

Physikalische Therapie

Feucht-warme Auflagen auf den rechten Oberbauch (Leberzone) wirken beruhigend und krampflösend.

Phytotherapie

Zu empfehlen ist Teefasten mit Heilpflanzen, die Bitterstoffe enthalten wie beispielsweise Tausendgüldenkraut (Centaurii herba Abb. 13.41) und Wermutkraut (Absinthii herba Abb. 13.42), die mit beruhigend wirkenden Pflanzen, z. B. Melissenblätter (Melissae folium Abb. 13.40) oder Fenchelfrüchten (Foeniculi fructus Abb. 13.30) kombiniert werden. Der Tee sollte langsam und in kleinen Schlucken getrunken werden. Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma) ist eine altbewährte Pflanze, die bei Übelkeit hilft. Die Wurzel kann frisch gekaut oder als Fertigpräparat (z. B. Zintona® Kapseln) eingenommen werden. Kalmuswurzelstock (Calami rhizoma) wird auch als „deutscher Ingwer“ bezeichnet. Das Kauen der frischen Wurzel wirkt ebenfalls beruhigend auf den Magen.

Blähungen

Blähungen (Flatulenz): Bauchschmerzen durch eine übermäßige Füllung von Magen und Darm mit Luft oder anderen Gasen; evtl. Schmerzprojektion bis in den Thorax.

Meteorismus: Blähbauch.

Therapie
Die häufigste Ursache ist einseitige Ernährung mit Blähungeneinem hohen Anteil nicht Meteorismusresorbierbarer Kohlenhydrate (z. B. Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Kohl) sowie kohlensäurehaltige Getränke. Ebenfalls kann das Verschlucken von Luft (Aerophagie) eine Rolle spielen. Starke Blähungen können einen Zwerchfellhochstand verursachen und dadurch zum Roemheld-Syndrom mit Brustschmerzen ähnlich einer Angina Aerophagiepectoris (10.6.1) führen.
Mögliche organische Erkrankungen, die starke Blähungen auslösen können, Roemheld-Syndromsind z. B. das Malassimilations-Syndrom, eine Leberzirrhose, Darminfektionen wie Darmmykosen, Störungen der Magen-Darm-Flora sowie Einengungen (Stenosen) im Magen-Darm-Trakt. Beim Malassimilations-Syndrom oder anderen Erkrankungen mit verminderter Verdauungsfunktion (z. B. fehlen Enzyme) geraten Bestandteile der Nahrung z. T. unverdaut in Bereiche des Darms, die nicht in der Lage sind, sie entsprechend weiterzuverarbeiten. Die dort physiologischerweise lebenden Bakterien spalten die großen Moleküle dann unter Gasbildung.
Therapie
Entsprechend der Ursachen hilft bei „normalen“ Blähungen eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten. Kleine Bissen sowie langsames und gründliches Kauen verhindern übermäßiges Luftschlucken. Blähende Nahrungsmittel sollten gemieden und nur kohlensäurefreie Getränke getrunken werden. Von Schulmedizinern wird außer Phytotherapie gelegentlich das „Antischaummittel“ Simethicon (z. B. Lefax®) verordnet.

Achtung

Bei akutem, stark ausgeprägtem Meteorismus sollten Sie immer auch an einen Ileus (13.4.9) oder einen Durchbruch der Wand des Verdauungskanals (Perforation) denken!

Naturheilkundliche Therapie bei Blähungen

Handbuch für die Naturheilpraxis 6.4.1

Ernährungstherapie

Blähungen:naturheilkundliche TherapieRaten Sie dem Patienten zu einer laktovegetabilen Vollwert-Ernährung, die viel Frischkost, leicht verdauliche Fette (kalt gepresste Pflanzenöle) und ausreichend Ballaststoffe mit fein geschroteten Vollkornprodukten enthält. Zuckerhaltige Nahrungsmittel sollten gemieden werden, um Gärungsprozesse zu reduzieren. Einige Fastentage (4.2.20) zu Therapiebeginn haben sich als günstig erwiesen. Zwischenmahlzeiten sowie Getränke beim Essen sollten möglichst vermieden werden, ebenso wie kohlensäurehaltige Flüssigkeiten. Langsames Essen und Kauen reduziert die Beschwerden.
Klären Sie den Patienten u. a. darüber auf, welche Faktoren die Entstehung von Blähungen begünstigen. Bei ständigen Beschwerden sollten Sie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, wie z. B. Intoleranz auf Laktose, und Fruktose oder eine Glutenunverträglichkeit abklären.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Bei Blähungen sind z. B. folgende Konstitutionsmittel hilfreich: Argentum nitricum, Calcium carbonicum, Carbo vegetabilis, Chamomilla, China officinalis, Lycopodium, Natrium sulfuricum, Nux vomica, Sulfur, Veratrum album. Da charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome die Mittelwahl bestimmen, kann auch ein anderes Konstitutionsmittel angezeigt sein.
Werden Komplexmittel (z. B. Carbo vegetabilis Pentarkan® H, Spasmovowen®) eingesetzt, enthalten diese häufig Nux vomica (bei Blähungskoliken mit Neigung zu Verstopfung, ständigem, aber erfolglosem Stuhldrang), Carbo vegetabilis (bei Roemheld-Syndrom, reichlicher Gasbildung mit Bauchschmerzen, Blähungsabgang und Aufstoßen bessern, große Schwäche) oder Lycopodium (bei stark aufgetriebenem Leib, Aufstoßen oder Blähungsabgang bessern nur vorübergehend).

Mikrobiologische Therapie

Häufig ist eine Darmdysbiose die Ursache für Blähungen. Besteht eine Dysbakterie oder eine Darmmykose, helfen mikrobiologische Präparate bzw. eine antimykotische Therapie (4.2.27) beim Aufbau einer physiologischen Darmflora. Die Einnahme von Heilerde (Abb. 13.27) ist zusätzlich zu empfehlen, da diese sowohl Luft als auch Bakterien und Toxine bindet und somit die Beschwerden verringert.

Phytotherapie

Bewährte Heilpflanzen, die als Karminativa blähungstreibend wirken, sind folgende Doldengewächse: Anisfrüchte (Anisi fructus Abb. 13.28), Kümmelfrüchte (Carvi fructus Abb. 13.29) und Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus Abb. 13.30) die v. a. ätherische Öle enthalten. Als pflanzliches Kombinationspräparat ist z. B. Iberogast® zu empfehlen.
Kümmel hat neben seiner karminativen auch eine krampflösende Wirkung und fördert zusätzlich die Durchblutung der Schleimhäute. Er wird seit jeher beim Kochen blähenden Speisen, z. B. Kohlgerichten, zugesetzt, um deren Verträglichkeit zu verbessern.
Fenchel fördert zusätzlich die Beweglichkeit der glatten Muskulatur des Verdauungstrakts, Als Tee wird er aufgrund seines milden Geschmacks auch von Kindern gern getrunken, weshalb man ihn auch bei Blähungen im Säuglingsalter (Dreimonatskoliken 28.6.3) verordnet. Eine speziell für Säuglinge und Kleinkinder entwickelte Salbe ist die Bäuchlein-Salbe® Babynos.
Anis hat neben seiner blähungstreibenden Wirkung auch einen krampflösenden und antibakteriellen Effekt.
Zur Anregung und Stärkung von Leber und Galle werden häufig Artischockenblätter (Cynarae folium Abb. 14.19) und Mariendistelfrüchte (Cardui mariae fructus Abb. 14.18), bei einer Enzymschwäche der Bauchspeicheldrüse Boldoblätter (Boldo folium) eingesetzt.

Obstipation

Obstipation (Konstipation, Stuhlverstopfung): verzögerte Darmentleerung mit geringer Stuhlfrequenz (< als 3 Defäkationen/Woche), harter oder klumpiger Stuhlkonsistenz und damit verbundenen Beschwerden (heftiges Pressen, Gefühl unvollständiger Entleerung).

Viele Patienten haben falsche Vorstellungen über die Häufigkeit einer „normalen“ Stuhlfrequenz. Eine entsprechende ObstipationAufklärung ist oft erforderlich: Eine Norm für die Stuhlfrequenz gibt es nicht. Wichtig sind Veränderungen, die dem Patienten im Vergleich zu den Jahren vorher auffallen, und die unbedingt in der Anamnese erfragt werden sollten.
Ursachen
Die Obstipation ist das Resultat funktioneller und/oder psychisch bedingter Transitstörungen des Darminhalts mit sehr unterschiedlichen Ursachen.
Die häufigsten Ursachen für eine Obstipation sind funktionelle Störungen (psychische oder Körperbeschwerden ohne Schädigung eines Körperorgans, bei denen „nur“ die Funktion des Organs gestört ist) sowie die Kombination aus ballaststoffarmer Ernährung, zu geringer Trinkmenge und Bewegungsmangel.

Achtung

Hinter einer akut aufgetretenen Obstipation kann sich immer auch eine organische Ursache verbergen. Gewichtsverlust, Wechsel mit Diarrhö, sehr dünne Stühle („Bleistiftstuhl“) und Blutauflagerungen sollten Sie an ein Karzinom denken lassen.

Organische Ursachen einer akuten Obstipation sind z. B.:
  • BleistiftstuhlDickdarmkarzinome oder -polypen (13.8.7, 13.8.8), Stuhl:Bleistiftstuhldie das Darmlumen einengen

  • Ileus (13.4.9)

  • Erkrankungen der Analregion (z. B. Obstipation:akuteAnalfissuren), sodass der Stuhlgang (Defäkation) schmerzhaft ist und deswegen unterdrückt wird

  • Entzündungen im Bauch- und Beckenraum, wie z. B. Adnexitis (17.11.1), Pankreatitis (14.7.1), Peritonitis (13.4.10), Appendizitis (13.8.4)

  • fieberhafte Erkrankungen

  • reflektorische Peristaltikstörungen bei oder nach Koliken oder postoperativ.

Eine chronisch-habituelle (gewohnheitsmäßige) Obstipation ist v. a. bedingt durch Unterdrückung des Stuhlgangs aufgrund von Zeitmangel, ballaststoffarme Kost, Mangel an körperlicher Bewegung und unzureichende Trinkmenge. Eine chronische Obstipation aufgrund organischer Ursachen tritt v. a. bei Schwangerschaft (wegen hormoneller Umstellung) und endokrinologischen Erkrankungen auf (z. B. Diabetes mellitus, Hypothyreose) oder als Obstipation:chronischeNebenwirkung bei Einnahme von Opioiden, Sedativa oder Diuretika. Am häufigsten ist aber ein Laxanzienabusus, der sehr oft auch auf mehrfaches Befragen von den Patienten nicht zugegeben wird. Ein solcher Missbrauch von Abführmitteln führt seinerseits ebenfalls zur chronischen Obstipation.
Begleitend können krampfartige Schmerzen bei der Stuhlentleerung (Tenesmen), Völlegefühl, Appetitlosigkeit und ein aufgeblähter Bauch sowie leichte Bauchschmerzen hinzutreten.

Achtung

Bei jeder plötzlich einsetzenden Obstipation beim Erwachsenen besteht der Verdacht auf ein Dickdarmkarzinom, insbesondere wenn ein Wechsel von Obstipation und Diarrhö, Blutauflagerungen auf dem Stuhl und/oder unfreiwilliger Stuhlabgang mit Winden hinzutreten. Sie muss immer durch Koloskopie (13.3.4) abgeklärt werden.

Schulmedizinische Therapie
Bei organisch bedingter Obstipation steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund, in anderen Fällen körperliche Bewegung und eine Ernährungsumstellung mit ausreichender Menge an Flüssigkeit. Laxanzien (Abführmittel Pharma-Info), die vielfach rezeptfrei zu erhalten sind, dürfen nur für kurze Zeit verabreicht werden, da in der Regel ein Gewöhnungseffekt eintritt. Eine Obstipation:Laxanziennach längerer Einnahmedauer auftretende Hypokaliämie (16.4.11) führt zur Darmträgheit. Langjähriger Abusus hat ein sog. Laxanzienkolon (Weitstellung des Kolons) zur Folge. Dadurch kann es zu einem „Teufelskreis“ aus Laxanzieneinnahme und Obstipation kommen.
Vorübergehend schaffen Klistiere oder Darmeinläufe bzw. LaxanzienkolonDarmspülungen dem Betroffenen Erleichterung.

Pharma-Info: Laxanzien

Laxanzien (Laxanzien, Abführmittel): Mittel zur Förderung Laxanzienund Erleichterung der Darmentleerung, v. a. Pharma-Info:Laxanzienzur Steigerung der Darmperistaltik.

Osmotische Abführmittel (z. B. Magnesiumsulfat = Bittersalz; Natriumsulfat = Glaubersalz, Lactulose, Sorbitol und Polyethylenglykol PEG z. B. Movicol®) enthalten schwer resorbierbare Substanzen, die osmotisch Wasser im Darm zurückhalten und so die Peristaltik steigern. Sie müssen oral mit reichlich Flüssigkeit gegeben werden. Polyethylenglykol und Lactulose (z. B. Bifiteral®) eignen sich insbesondere zur längerfristigen Behandlung einer hartnäckigen Obstipation, da sie weniger die Peristaltik anregen als vielmehr den Stuhl durch osmotische Wirkung weich halten; zudem kann die Dosis recht gut gesteuert werden.

  • Schleimhautreizende Laxanzien hemmen über eine Irritation der Darmschleimhaut die Resorption von Natrium und Flüssigkeit und fördern Laxanzien:schleimhautreizendegleichzeitig die Absonderung von Kalium und Kalzium in den Darm. Außerdem erhöhen sie die Darmperistaltik. Am bekanntesten sind Anthrachinone, die etwa in Aloe und Sennesblättern (z. B. Agiolax®) enthalten sind. Weitere Substanzen sind Rizinusöl, Bisacodyl (z. B. Dulcolax®) und Natriumpicosulfat (z. B. Laxoberal®). Bei Dauereinnahme drohen schwerwiegende Nebenwirkungen wie Hypokaliämie mit Verstärkung der Obstipation, Osteoporose durch Kalziummangel, Darmatrophie, Melanosis coli (Schwarzpigmentierung der Dickdarmschleimhaut) und Leberschäden. Daher sollten sie nur kurzfristig und unter strenger Kontrolle der Elektrolyte angewendet werden.

  • Quellmittel (Füllmittel, Ballaststoffe) sind nicht resorbierbare Substanzen, die im Magen durch Flüssigkeit aufquellen, dadurch Quellmitteldie Darmwand dehnen und reflektorisch die Darmperistaltik anregen. Die wichtigsten Vertreter sind Agar-Agar, Weizenkleie und Leinsamen (z. B. Linusit®). Quellmittel müssen immer mit reichlich Flüssigkeit eingenommen werden, da sie sonst im Darm verkleben und im Extremfall zu einem mechanischen Ileus führen können.

  • Gleitmittel wirken durch ihren „Schmiereffekt“. Paraffinöl (z. B. Obstinol® M) wird oral verabreicht. Glyzerinpräparate als GleitmittelZäpfchen oder Klysma (Klistier, z. B. Glycilax®) erleichtern die Stuhlentleerung, wenn sich harter Stuhl im Rektum angesammelt hat.

Streng Klistiergenommen sind Quell- und Gleitmittel keine Laxanzien.

Naturheilkundliche Therapie bei Obstipation

Handbuch für naturheilkundliche Therapie:Obstipationdie Naturheilpraxis 6.4.2

In der naturheilkundlichen Therapie muss Obstipation:naturheilkundliche Therapieunterschieden werden zwischen spastischer und atonischer Obstipation. Bei spastischer Obstipation besteht die Behandlung darin, beruhigend auf das Vegativum einzuwirken und keine stimulierenden Therapiemaßnamen durchzuführen. Angezeigt sind salinische Laxanzien und warme Einläufe, die Ernährung sollte nur langsam umgestellt werden.

Die atonische Obstipation erfordert vorrangig stoffwechselanregende Maßnahmen. Die Patienten sprechen gut an auf pflanzliche Laxanzien und kalte Einläufe. Sie sollten sich außerdem viel und regelmäßig bewegen.

Ernährungstherapie

Unverzichtbar ist eine Umstellung der Ernährung auf Vollwertkost mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen, die v. a. in Vollkornprodukten, Gemüse, Nüssen, Kartoffeln und Hülsenfrüchten enthalten sind, und Frischkost. Die Umstellung sollte allmählich mit täglich steigendem Ballaststoffanteil erfolgen, um Blähungen, Druck- und Völlegefühl zu vermeiden. Raten Sie dem Patienten unbedingt zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr (tgl. 2–3 l), da Ballaststoffe sehr quellfähig sind und daher bei Mangel an Flüssigkeit die Obstipation verstärkt werden könnte. Ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist jede Therapie gegen Verstopfung sinnlos.
Günstig sind zudem magnesiumreiche Lebensmittel (z. B. Salat, grünes Blattgemüse). Gegebenenfalls ist auch eine zeitweilige Nahrungsergänzung sinnvoll, z. B. Magnesium Diasporal®. Magnesium wirkt entkrampfend und laxierend (je nach Dosis). Durch Heilfasten sind dauerhafte Erfolge nur möglich, wenn anschließend die Ernährungsgewohnheiten umgestellt werden.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Häufig sind folgende Konstitutionsmittel angezeigt: Alumina, Ambra grisea, Anacardium, Barium carbonicum, Bryonia, Calcium carbonicum, Causticum, Graphites, Hepar sulfuris, Lycopodium, Magnesium carbonicum, Magnesium muriaticum, Nux moschata, Nux vomica, Platina, Psorinum, Sepia, Silicea, Staphisagria, Sulfur, Thuja. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel hinweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Podophyllum Synergon Nr. 7a oder Alumina Synergon Nr. 7b) eingesetzt, enthalten diese häufig Nux vomica (bei spastischer Obstipation, vergeblichem Stuhldrang), Graphites (bei atonischem Darm, trockenen Stühlen), Bryonia (bei trockenem, hartem Stuhl bei Leber-Galle-Störungen) oder Carduus marianus (bei Koliken, Völlegefühl und geschwächter Leberfunktion).

Mikrobiologische Therapie

Auch eine geschädigte Darmflora, die z. B. durch regelmäßige Laxanzieneinnahme, Leber-Galle-Erkrankungen, chronische Gastritiden oder durch Darmmykosen hervorgerufen wird, kann eine chronische Obstipation verursachen. Um den Aufbau einer physiologischen, verdauungsfördernden Darmflora zu begünstigen, ist die Verordnung mikrobiologischer Präparate, z. B. Symbioflor® bzw. bei entsprechendem Befund eine antimykotische Therapie (4.2.27) sinnvoll.

Ordnungstherapie

Klären Sie den Patienten auf, dass Stuhlgang 3-mal tgl. bis 1-mal in 3 Tagen durchaus normal und zu tolerieren ist. So können Sie eine evtl. bestehende Fixierung und Fehlerwartung bewusst machen.
Empfehlen Sie ausreichend Bewegung und zeigen Sie dem Patienten, wie er zusätzlich durch Massage des Bauchs im Verlauf des Dickdarms die Darmperistaltik anregen kann. Die Wirkung der Massage wird durch eine vertiefte Atmung verstärkt.
Da psychische Faktoren die Entstehung der Obstipation begünstigen, sollten Sie während der Anamnese folgende Aspekte berücksichtigen: Gibt es unbewältigte Konflikte? Steht der Patient unter Stress, sodass es keinen entspannenden Ausgleich zu den Phasen ständiger Anspannung gibt?

Phytotherapie

Anthranoidhaltige Pflanzen wie Sennesblätter/-früchte (Sennae folium/-fructus Abb. 13.31) oder auch Faulbaumrinde (Frangulae cortex Abb. 13.32) wirken abführend, indem sie die Darmperistaltik anregen und die Passagezeit verkürzen. Anthranoiddrogen sind jedoch nur zur kurzfristigen Behandlung einer akuten Obstipation angezeigt; es gelten Anwendungsbeschränkungen (max. 1–2 Wo.). Berücksichtigen Sie ebenfalls die Nebenwirkungen (Leibschmerzen, Koliken, Kaliumverluste) und Gegenanzeigen.
Traditionell werden Holunderblüten (Sambuci flos) sowie die leicht abführend wirkenden Schlehenfrüchte (Pruni spinosae fructus) eingesetzt.

Segmenttherapie

Untersuchen Sie, ob Dysfunktionen der Wirbelgelenke in den Segmenten Th 11–L 1 vorliegen, die häufig eine Obstipation mitverursachen können. In diesem Fall sind Anwendungen der manuellen Therapie oder Neuraltherapie sinnvoll.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome wie z. B. eine Leber-Qi-Depression oder auch Yin- oder Yang-Mangel können Ursachen einer Obstipation sein. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Farbe und Feuchtigkeit des Stuhls sowie nach Begleitsymptomen. Gute Erfolge erzielt man mit einer Kombinationstherapie aus Kräutern und Akupunktur, v. a. bei habitueller Obstipation.

Diarrhö

Diarrhö (Durchfall): mehr als drei ungeformte, dünnflüssige Stühle täglich; je nach zeitlichem Verlauf Unterscheidung zwischen akuter und chronischer (länger als einen Monat anhaltender) Diarrhö.

Ursachen
Eine Diarrhö entsteht durch die Unfähigkeit des Darms, Wasser und Elektrolyte aus dem Kot wieder aufzunehmen (ResorptionsstörungDiarrhö). Die Ursachen dafür sind vielfältig.
Häufige Ursachen für akute Diarrhöen sind (Tab. 13.3):
  • bakterielle oder virale (ggf. meldepflichtige 25.14) Magen-Darm-Infektionen

  • Lebensmittelvergiftungen

  • Einnahme von Medikamenten mit Diarrhö:akuteabführender Wirkung (z. B. Laxanzien, Antibiotika)

  • psychische Einflüsse (z. B. Angst).

Achtung

Bei Verdacht auf infektiöse Erkrankungen sollten Sie immer nach vorausgegangenen Auslandsaufenthalten (Abb. 13.33) oder nach Erkrankung von Familienmitgliedern fragen.

Chronische Diarrhöen (Tab. 13.3) können z. B. durch die chronischen Darmentzündungen Morbus Crohn (13.8.3) und Colitis ulcerosa (13.8.3), durch Nahrungsmittelunverträglichkeiten und allergien (eher bei Kindern) oder eine Malabsorption (13.8.1) bedingt sein. Wird Diarrhö:chronischetrotz Diagnostik keine Ursache gefunden und liegen keine sog. Warnsymptome (z. B. ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, Blutbeimengungen) vor, spricht man von einer „funktionell bedingten“ Diarrhö.
Begleitsymptome der Diarrhö sind u. a. krampfartige Bauchschmerzen, Dehydratation (v. a. bei Kindern), Elektrolytverlust, körperliche Schwäche, Appetitlosigkeit, evtl. Fieber und insbesondere bei älteren Menschen auch Stuhlinkontinenz.
Blutige Diarrhöen beginnen oft akut, ziehen sich aber unbehandelt – je nach Ursache – oft über Wochen hin. Ursachen hierfür sind:
  • schwere meldepflichtige Magen-Darm-Infektionen, z. B. mit Shigellen, Salmonellen

  • Divertikulitis oder Morbus Crohn/Colitis ulcerosa

  • einengende Karzinome und Polypen (13.8.7), die zuerst eine Obstipation und dann aufgrund einer toxischen Reaktion eine Diarrhö verursachen

  • Als Arzneimittel-Nebenwirkung (z. B. Antibiotika) kann auch eine pseudomembranöse Kolitis auftreten, bei der das Bakterium Clostridium difficile die Darmflora überwuchert.

  • alle übrigen Ursachen des blutigen Stuhls.

Symptome und Diagnostik
Diarrhöen sollten nach der Kolitis:pseudomembranöseFrequenz, der Konsistenz, dem Zeitpunkt des Auftretens, dem Geruch und der Farbe unterschieden werden. Ein großes Stuhlvolumen bei verhältnismäßig wenigen Stühlen kann auf eine Krankheitsursache im Dünndarm oder der Bauchspeicheldrüse hindeuten, wohingegen geringe Volumen bei hoher Frequenz ihre Ursachen im Dickdarm haben können. Helle, schaumige Stühle sind Hinweis auf eine Dünndarmerkrankung, während dunkle Stühle mit Schleim- und Blutauflagerungen auf Dickdarmerkrankungen (z. B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen 13.8.3, Karzinom) hinweisen.

Achtung

Könnte eine meldepflichtige Infektionskrankheit vorliegen, überweisen Sie den Patienten zum Arzt bzw. ins Krankenhaus. Dort wird die mikrobiologische Stuhluntersuchung veranlasst. Denken Sie daran, dass Sie nach dem IfSG bestimmte Erkrankungen oder Verdachtsfälle dem Gesundheitsamt melden müssen.

Schulmedizinische Therapie
An erster Stelle steht die Wahrung eines ausgewogenen Flüssigkeitshaushalts. Symptomatisch gibt man deshalb bei Kindern z. B. Oralpädon 240, bei Erwachsenen z. B. Elotrans®. In schweren Fällen muss Flüssigkeits- und Elektrolytersatz infundiert werden. Antidiarrhoika wie z. B. Tannacomp® oder Loperamid-Präparate wie Imodium® akut vermindern in vielen Fällen recht schnell den Durchfall, zählen jedoch ebenfallsAntidiarrhoika als symptomatische Therapie. Die eigentliche Diarrhö:AntidiarrhoikaTherapie ist abhängig von der Grunderkrankung.
Bei einer pseudomembranösen Kolitis (Erreger Clostridium difficile), die nach Antibiotikatherapie auftreten kann, wird das Antibiotikum Vancomycin eingesetzt.

Naturheilkundliche Therapie bei Diarrhö

Handbuch für die naturheilkundliche Therapie:DiarrhöNaturheilpraxis 6.4.3

Wenn ausgeschlossen ist, dass es sich um eine meldepflichtige Diarrhö:naturheilkundliche TherapieInfektionskrankheit handelt oder eine schwere Grunderkrankung vorliegt, kann Diarrhö unter Berücksichtigung naturheilkundlicher Therapieprinzipien behandelt werden.

Vorsicht:Bei Blut im Stuhl müssen Sie immer an ein Karzinom denken! Lassen Sie deshalb die Blutungsquelle durch einen Facharzt abklären.

Ernährungstherapie

Bei akuter Diarrhö ist eine kurzfristige Nahrungskarenz mit erhöhter Flüssigkeitszufuhr bzw. eine Diät mit dünnem Kamillen- oder Pfefferminztee und Zwieback sinnvoll, um die geschädigte Schleimhaut nicht weiter zu reizen. Mögliche Mineralverluste können durch frische Gemüsebrühe (sog. Basensuppe) wieder ausgeglichen werden.
Empfehlen Sie dem Patienten die Einnahme von Heilerde (Abb. 13.27), die vorhandene Darmtoxine bindet und der Ausscheidung zuführt. Ein bewährtes und auch von Kindern akzeptiertes Hausmittel sind geriebene Äpfel. Diese enthalten Pektin, das Wasser und Krankheitsstoffe im Darm bindet: Die Äpfel werden gut gewaschen und mit der Schale gerieben, für die Dauer von 2 Tagen tgl. 1–2 Äpfel auf fünf Mahlzeiten verteilen. Alternativ gibt es auch Fertigpräparate mit Pektin, z. B. Diarrhoesan®.
Bewährt haben sich auch getrocknete Heidelbeeren (tägl. 1 EL), die sehr gut gekaut werden müssen.

Homöopathie

Da es sich um ein akutes Geschehen handelt, ist oft ein organotropes Mittel hilfreich: z. B. Okoubaka (allgemein bei Durchfall), Argentum nitricum (bei Durchfall vor Prüfungen), Ferrum phosphoricum (bei Durchfall mit Fieber), Zincum metallicum (bei Durchfall aufgrund psychischer Daueranspannung). Alternativ kann auch ein Komplexmittel eingesetzt werden, z. B. Diarrheel® SN Tbl.
Da psychische Faktoren Durchfallerkrankungen mitverursachen können, ist oft eine konstitutionelle Behandlung mit folgenden Mitteln sinnvoll: Acidum phosphoricum, Aethusa cynapium, Antimonium crudum, Calcium carbonicum, Calcium phosphoricum, Chamomilla, Cina, Dulcamara, Gelsemium, Jodum, Lachesis, Magnesium carbonicum, Mercurius solubilis, Natrium sulfuricum, Nux moschata, Petroleum, Phosphorus, Podophyllum, Psorinum, Pulsatilla, Sulfur, Thuja, Tuberkulinum. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können jedoch auch auf ein anderes Mittel verweisen.

Mikrobiologische Therapie

Bei chronischem Durchfall liegt oft eine Darmdysbiose vor. Mikrobiologische Präparate – je nach Stuhlbefund z. B. Yomogi® oder Mutaflor® – helfen die physiologische Darmflora wieder aufzubauen.

Ordnungstherapie

Da akuter und chronischer Durchfall Ausdruck seelischer Belastungen sein können, sollten in einem Gespräch belastende Lebenssituationen und innere Konflikte zur Sprache kommen können. In der Psychosomatik wird Diarrhö als Zeichen einer Giving-Up-Strategie gesehen, d. h. Menschen, die auf Belastungen mit der Aufgabe ihrer Bemühungen reagieren, neigen verstärkt zu Durchfallerkrankungen. Der Patient sollte ferner auf Nikotin und Kaffee verzichten, um die bereits geschädigte Schleimhaut nicht weiter zu reizen.

Phytotherapie

Gerbstoffhaltige Pflanzen, z. B. Tormentillwurzelstock (Tormentillae rhizoma Abb. 13.34) oder Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus Abb. 13.35), die adstringierend wirken, also die Schleimhaut schützen und abdichten, haben sich bei der Behandlung der Diarrhö bewährt. Da die Blutwurz aufgrund der Gerbstoffe zum Trinken eher ungeeignet ist, kann sie als Tinktur (tgl. 4 × 20 Tr.) oder der Tee als Einlauf verordnet werden.
Uzarawurzel (Uzarae radix) enthält Glykoside, die die physiologischen Mechanismen unterstützen, indem sie die Darmperistaltik und Darmpassagezeit normalisieren und so die Darmflora schonen, z. B. Uzara® Drg. oder Tropfen. Mit Myrrhe (Myrrha, z. B. Myrrhinil-Intest®), die adstringierend und antiseptisch wirkt, sind ebenso gute Erfolge zu erzielen.

Erstmaßnahmen bei anhaltender Diarrhö

Bei drohendem Volumenmangelschock (11.5.3) aufgrund andauernder Diarrhö müssen Sie folgende Maßnahmen ergreifen.

  • Diarrhö:ErstmaßnahmenSofort den Notarzt benachrichtigen.

  • Den Patienten in Schocklage (30.5.1) bringen und zudecken.

  • Dem Patienten physiologische Kochsalzlösung infundieren, zunächst 500 ml.

  • Blutdruck und Puls überwachen.

Bei Kleinkindern, die anhaltenden Durchfall haben, besteht eine besonders ausgeprägte Exsikkosegefahr (16.4.11). Sie müssen deshalb sofort in eine Klinik eingewiesen werden.

Hämatemesis, Teerstuhl und Blut im Stuhl

Hämatemesis: Bluterbrechen infolge oberer Gastrointestinalblutung mit Blutungsquelle in Ösophagus, Magen oder Duodenum. Entweder „kaffeesatzartig“ (braun-schwarz) durch Kontakt des Blutes mit der Salzsäure des Magens oder hellrot (frisches Blut) bei sehr starker Blutung oder Blutungsquelle in der Speiseröhre (Ösophagusvarizenblutung 14.5.5).

Teerstuhl (Meläna): durch Hämoglobinabbauprodukte schwarz gefärbter, glänzender Stuhl mit klebriger Konsistenz. Auftreten 5–10 Std. nach einer Blutung in Magen oder oberen Darmabschnitten.

Blutstuhl (rote Darmblutung, Hämatochezie): sichtbare oder unsichtbare Blutbeimengungen im Stuhl. Leitsymptom der unteren Gastrointestinalblutung, aber auch bei massiver oberer Gastrointestinalblutung möglich.

Bei einer Blutungsquelle im oberen Gastrointestinaltrakt (Mund bis TeerstuhlHämatemesisZwölffingerdarm) undBlutstuhl mehr als ca. 100 ml setztMeläna Hämatochezieder Patient einige Stunden danach einen schwarz gefärbten, glänzenden, klebrigen Stuhl ab, den sog. TeerstuhlBlutungen:Verdauungstrakt oberer/unterer.
Eine sichtbare Blutbeimischung zum Stuhl oder die Auflagerung von Blut auf den Stuhl weist auf eine Blutung im unteren Verdauungstrakt hin, etwa ab Jejunum bis After (z. B. Hämorrhoiden).
Okkultes Blut (lat. okkultus = verborgen) im Stuhl ist mit bloßem Auge nicht sichtbar. Die Blutung ist so gering, dass man das Blut nur mit speziellen Verfahren okkultes Blutnachweisen kann (13.3.3). Die Blutungsquelle kannBlut:okkultes im Stuhl dabei im gesamten Verdauungstrakt liegen.

Tipp

Nicht jeder dunkel oder schwarz gefärbte Stuhl ist durch eine Blutung bedingt. Zu einer Verfärbung des Stuhls kommt es auch durch Medikamente (Eisen- und Wismutpräparate) oder Nahrungsmittel (z. B. Blaubeeren, Rote Beete).

Ursachen
Hämatemesis Stuhl:okkultes Blutund Teerstuhl sind Leitsymptome oberer gastrointestinaler Blutungen. Die häufigsten Ursachen dafür sind Geschwüre (13.7.3), erosive Gastritis (13.7.2), Ösophagusvarizen (14.5.5), Meckel-Divertikel oder Mallory-Blutungen:Verdauungstrakt oberer/untererWeiss-Syndrom (Längseinrisse der Speiseröhrenschleimhaut nach starkem Erbrechen).
Bei unteren gastrointestinalen Blutungen, z. B. bei Hämorrhoiden (13.9.1), Darmpolypen (13.8.7), -karzinomen (13.8.8) oder -entzündungen (13.8.3), zeigen sich dagegen dunkle oder hellrote Blutauflagerungen bzw. -beimischungen.

Schmerzen, akutes Abdomen

Schmerzen beim Stuhlgang
Differenzialdiagnostisch ist an Hämorrhoiden (13.9.1), Analfissur, Tumor im Rektum bzw. Anus oder an Obstipation (Stuhlgang, Schmerzen13.4.5) zu denken. Auch eine Proktitis (Schmerzen:StuhlgangMastdarmentzündung, meist Folge/Symptom entzündlicher akutes AbdomenDarmerkrankungen, evtl. mit Blut oder Eiterauflagerungen auf dem Stuhl) ist in Betracht zu Proktitis, Schmerzen beim Stuhlgangziehen.
Schmerzhafter Stuhldrang
Ein beständiger schmerzhafter Stuhldrang (Tenesmus)Tenesmus deutet auf MastdarmentzündungColitis ulcerosa/Morbus Crohn (13.8.3), Abszess im Douglas-Raum, Proktitis oder bakterielle Ruhr (25.14.3) hin.
Bauchschmerzen
Wenn der Patient Bauchschmerzen angibt, sollte nach Stärke, Schmerzcharakter (z. B. dumpf, stechend, plötzlich, sich langsam entwickelnd, kolikartig), Dauer, Ort und Zusammenhang Bauchschmerzenmit anderen Faktoren (z. B. fettreiche Nahrung, Schmerzen:BauchAlkoholexzess) gefragt werden.

Achtung

Schmerzen im Oberbauch können auch Folge eines Herzinfarkts (10.6.2) sein!

Schmerzcharakter und Schmerzverlauf geben oft Hinweise auf die mögliche Ursache:
  • kontinuierlich zunehmender Schmerz bei Entzündung, z. B. Appendizitis

  • kolikartiger Schmerz mit schmerzfreien Intervallen bei Hohlorganverlegung, z. B. eingeklemmte Gallensteine

  • Perforationsschmerz: hochakuter Beginn, später zusätzlich Peritonitiszeichen

  • Darmischämieschmerz: hochakuter Beginn bei Mesenterialinfarkt (11.6.4), dann für Stunden relative Schmerzbesserung („fauler Friede“, „fatale Pause“), später zusätzlich paralytischer Ileus und Peritonitis

  • Schmerzausstrahlung, z. B. in die rechte Schulter bei Erkrankungen der Gallenwege (Cholezystitis 14.6), gürtelförmige Schmerzen um den Leib deuten auf eine Pankreatitis (14.7.1) hin.

Akutes Abdomen
Unter einem akuten Abdomen (30.11) versteht man starke Bauchschmerzen, die mit einer massiven Abwehrspannung (13.3.2) und einem schlechten Allgemeinzustand einhergehen. Der Begriff stellt noch keine Schmerzen:akutes AbdomenDiagnose dar, sondern beschreibt nur den Zustand des Patienten. Erkrankungen verschiedenster Organe können zu dieser Abwehrspannung, Abdomen akutesSymptomatik führen. Oft liegt eine lebensbedrohliche Erkrankung zugrunde.

Erstmaßnahmen bei akutem Abdomen

Überweisen Sie den Patienten bei Notfall:akutes Abdomen\bVerdacht auf ein akutes Abdomen sofort zum Arzt. Bei älteren Patienten, Kindern oder Säuglingen sowie bei schlechtem Allgemeinzustand des Patienten verständigen Sie den Notarzt. Bis zu seinem Eintreffen führen Sie folgende Maßnahmen durch.

  • Patienten nichts essen und trinken lassen.

  • Geben Sie keine Schmerzmittel.

  • Oberkörper flach lagern, Knierolle (30.5).

  • Großlumigen i. v.-Zugang legen.

  • Bei drohendem Schock erfolgt eine Volumensubstitution.

Ileus

Ileus (Darmverschluss): lebensbedrohliches Krankheitsbild mit Unterbrechung der Dünn- oder Dickdarmpassage durch ein mechanisches Hindernis (mechanischer Ileus) oder eine Darmlähmung (paralytischer Ileus).

Subileus: langsam zunehmende Symptome eines Ileus oder unvollständiger Ileus.

Ursachen
Ein Ileus kann viele verschiedene Ursachen haben (Tab. 13.4, Abb. 13.36). Der Ileusmechanische Ileus entsteht Subileusdurch eine Verlegung des Darmlumens. Eine DarmverschlussSonderform des mechanischen Ileus ist der Strangulationsileus, bei dem zusätzlich die Blutversorgung der Darmwand durch eine Abschnürung oder Verdrehung der Mesenterialgefäße unterbrochen ist. Beim paralytischen Ileus (Darmlähmung) erlischt die Darmmotilität.
Symptome und Untersuchungsbefunde
Mechanischer und paralytischer Ileus sind nicht immer klinisch zu unterscheiden (Tab. 13.5). Gemeinsame Symptome und Untersuchungsbefunde beider Ileusformen sind:
  • Übelkeit und Erbrechen, bei fortgeschrittenem, unbehandeltem Ileus auch kotiges Erbrechen durch Stauung des Dünndarminhalts in den Magen (Miserere)

  • Blähbauch (Meteorismus)

  • Volumenmangel/-schock (11.5.3): durch fehlende Rückresorption von Verdauungssäften bleiben mehrere Liter Flüssigkeit im Darm, zusätzliche Flüssigkeitsverluste durch Erbrechen

  • Miserere"\bevtl. Fieber, Tachykardie (10.4.1), Leukozytose (20.4.3)

Außer der Ileussymptomatik liegen Symptome der Grunderkrankung vor.
Diagnostik
Die Röntgenaufnahme des Bauchraums zeigt typisch aufgeblähte Darmschlingen mit Flüssigkeitsspiegeln. Durch Sonografie sowie evtl. eine Kontrastmitteluntersuchung des Darms oder – bei Dickdarmileus – Endoskopie wird die Ursache abgeklärt.
Therapie und Prognose
Ein mechanischer Ileus erfordert stets eine rasche Operation. Der paralytische Ileus wird unter Berücksichtigung der Grunderkrankung meist konservativ behandelt.
Die Letalität liegt bei ca. 10–25 %. Sie ist im Wesentlichen von der Ursache des Ileus und dem Zeitpunkt der Diagnosestellung abhängig. Der Darm reagiert auf eine Passagebehinderung mit Erweiterung und später mit Paralyse. Dadurch vermindert sich die Durchblutung, Giftstoffe aus Gewebs- und Bakterienstoffwechsel werden nicht mehr weiter transportiert, sodass es letztlich zum Absterben des betroffenen Darmstücks kommt. Gleichzeitig können weite Teile des benachbarten Darms ihre Barrierefunktion nicht mehr aufrechterhalten. Der Patient verliert innerhalb kürzester Zeit große Mengen Flüssigkeit und Elektrolyte in das Darmlumen und zeigt mit Tachykardie, Hypotonie und metabolischer Azidose Zeichen des Volumenmangelschocks, der schließlich tödlich enden kann.

Erstmaßnahmen bei Ileus

Bei Ileusverdacht verständigen Sie sofort den Notarzt. Notfall:Ileus\bBis zum Eintreffen führen Sie folgende Maßnahmen durch.

  • Ileus:ErstmaßnahmenPatienten nichts essen und trinken lassen.

  • Führen Sie keine Einläufe durch und geben Sie keine Abführmittel.

  • Geben Sie keine Schmerzmittel.

  • Oberkörper flach lagern, Knierolle unterlegen.

  • Großlumigen i. v. Zugang legen.

  • Bei drohendem Schock erfolgt eine Volumensubstitution.

Fallbeispiel „Ileus“

Eine Heilpraktikerin unterhält sich an ihrem Urlaubsort an der Nordsee mit dem Zimmernachbarn. Sie fragt ihn nach dem Befinden seiner Frau, die sie an diesem Morgen noch nicht gesehen hatte. „Ach, der geht es gar nicht gut“, erzählt der Mann. „Es ist zwar etwas peinlich, aber Ihnen kann ich es ja sagen: Seitdem wir unterwegs sind, konnte sie nicht recht zur Toilette, und die letzten drei Tage ging's gar nicht. Wahrscheinlich die ungewohnte Kost. Jedenfalls hat sie jetzt ganz furchtbare Bauchschmerzen – ich habe ihr gerade Abführtee aus der Apotheke geholt.“ Die Heilpraktikerin bietet dem Mann an, nach seiner Ehefrau zu sehen, was dieser gerne annimmt. Die Frau sieht sehr elend aus; gerade hat sie sich übergeben, das Erbrochene habe sehr streng gerochen. Sie berichtet, dass sie seit dem Vortag keine „Winde“ lassen könne, egal wie sehr sie sich bemühe. Sie habe einen aufgeblähten Bauch und heftige Leibkrämpfe. Die Heilpraktikerin hat kein Stethoskop dabei, dennoch hört sie bereits bei der Palpation des vorgewölbten Bauchs deutlich heftige Darmgeräusche. Der Puls der Patientin ist an den Handgelenken gut zu tasten, jedoch ist er flach und schnell (110 Schläge/Min.). Die Heilpraktikerin lässt die Patientin sofort in die Klinik bringen, denn es besteht dringender Verdacht auf einen mechanischen Ileus, was sich dort bestätigt. Die Ursache war ein großer, bislang symptomloser Darmpolyp.

Peritonitis

Peritonitis (Bauchfellentzündung): lebensbedrohliches Krankheitsbild mit einer Letalität bis zu 50 %.

Peritonismen: Symptome einer Peritonitis. Es besteht keine Entzündung; die Bauchfellreizung ist toxisch bedingt, z. B. bei Infektionskrankheiten.

Ursache
Die Einteilung der Peritonitis ist nicht einheitlich. Man unterscheidet:
  • Primäre Peritonitis: tritt selten auf; Peritonitisdurch hämatogene Streuung, z. B. von Tuberkulose-Erregern, oder durch aufsteigende Infektion durch die Tuben in das Peritoneum, z. B. mit Peritonitis:EinteilungGonokokken.

  • Sekundäre Peritonitis: diese häufigste Peritonitisform entsteht durch Erkrankungen oder Verletzungen der Bauchorgane, hierzu zählt auch die postoperative Peritonitis.

  • Perforationsperitonitis: bei einer bakteriellen Peritonitis (eitrige Peritonitis) perforiert ein bakteriell verunreinigtes Hohlorgan, z. B. eine entzündete Appendix (13.8.4), bei einer abakteriellen Peritonitis kann z. B. Galle bei Perforation der Gallenblase oder Gallenwege in die Bauchhöhle fließen. Letztere wird auch als chemisch-toxische Peritonitis bezeichnet.

  • Durchwanderungsperitonitis: zwar perforiert die Darmwand nicht, aber sie ist z. B. durch Entzündung oder Ischämie so stark geschädigt, dass Keime „hindurchwandern“ können.

Lokalisation und Symptomatik
Ist die Peritonitis örtlich begrenzt, spricht man von einer lokalen Peritonitis. Betrifft sie das gesamte Peritoneum, handelt es sich um eine diffuse (generalisierte) Peritonitis. Immer besteht das Bild des akuten Abdomens (30.11), das v. a. von der massiven Schmerzsymptomatik und der daraus resultierenden Abwehrspannung bestimmt wird:
  • lokale Peritonitis: starker, aber örtlich eingegrenzter, bewegungsabhängiger Bauchschmerz

  • diffuse (generalisierte) Peritonitis: neben starken, bewegungsabhängigen Bauchschmerzen zunehmende Abwehrspannung (13.3.2) der gesamten Bauchmuskulatur, die sich bis zum „brettharten“ Bauch steigern kann; paralytischer Ileus (13.4.9).

Weitere Symptome sind z. B. das Facies abdominalis (verfallener, ängstlicher Gesichtsausdruck bei Peritonitispatienten), ein zuerst eingezogener, später aufgetriebener Bauch, Blähungen oder Stuhl- und Windverhaltung, Übelkeit, Erbrechen und Schluckauf (Singultus) bei zwerchfellnaher Peritonitis. Außerdem bestehen ggf. Fieber, Schocksymptomatik (11.5.3) sowie Symptome der Grunderkrankung.
Diagnostik und Therapie
Bei der Untersuchung fallen außer der Abwehrspannung, Druck- und Klopfempfindlichkeit des Bauchs, Loslassschmerz (13.3.2), klingende oder fehlende Darmgeräusche, Hypotonie (11.5.2) und Tachykardie (10.4.1) auf.
Im Krankenhaus werden je nach Vorgeschichte und vermuteter Ursache sehr unterschiedliche diagnostische Methoden angewendet, z. B. Röntgen-Abdomenleeraufnahme, Ultraschalldiagnostik, CT oder Laparoskopie.
Bei einer Peritonitis wird meist operiert und möglichst die ursächliche Erkrankung behandelt. Eine antibiotische Behandlung schließt sich an.

Fallbeispiel „Peritonitis“

Am späten Abend wird ein Heilpraktiker zu einer 69 Jahre alten, sehr rüstigen Rentnerin gerufen. Er findet sie in einem besorgniserregenden Allgemeinzustand vor: Sie sieht blass und eingefallen aus, das Gesicht ist schweißnass. In den letzten Tagen hätte sie Blähungen und leichte Übelkeit sowie mitunter leichte Schmerzen im rechten Unterbauch gehabt, die sich an diesem Morgen allerdings gebessert hätten. Im Laufe des Tages fühlte sie sich immer schwächer und erbrach mehrfach. Aufgrund starker Bauchschmerzen vermeidet sie nun jede Bewegung.

Der RR beträgt 100/70 mmHg, der Puls (90/Min.) ist flach. Bei der vorsichtigen Palpation zieht sie scharf Luft ein; es zeigt sich außerdem ein insgesamt sehr harter Bauch mit Abwehrspannung besonders im rechten Unterbauch.

Der Heilpraktiker verzichtet auf weitere Diagnostik und ruft sofort den Notarzt; es besteht dringender Verdacht auf eine Peritonitis, wahrscheinlich aufgrund einer Appendixperforation. Bis zum Eintreffen des Notarztes legt der Heilpraktiker einen sicheren venösen Zugang und beruhigt die Patientin. Der Verdacht bestätigt sich in der Klinik; die Patientin wird sofort operiert und intensiv-medizinisch betreut. Glücklicherweise überlebt sie wegen ihrer robusten Konstitution, jedoch dauert ihre Rekonvaleszenz sehr lange.

Erstmaßnahmen bei Peritonitis

Bei Verdacht auf Peritonitis verständigen Sie sofort den Notarzt. Bis zum Eintreffen Notfall:Peritonitis\bführen Sie folgende Maßnahmen durch.

  • Patienten Peritonitis:Erstmaßnahmennichts essen und trinken lassen.

  • Führen Sie keine Einläufe durch und geben Sie keine Abführmittel.

  • Geben Sie keine Schmerzmittel.

  • Oberkörper flach lagern, Knierolle unterlegen (30.5).

  • Großlumigen i. v.-Zugang legen.

  • Bei drohendem Schock erfolgt eine Volumensubstitution.

Erkrankungen des Mundraums

Achtung

Erkrankungen der Zähne und der Mundhöhle dürfen entsprechend den gesetzlichen Regelungen nicht vom Heilpraktiker behandelt werden (Heilpraktikergesetz § 6 2.1.1 und Gesetz zur Ausübung der Zahnheilkunde 2.2.3).

Erkrankungen der Zähne und des Zahnfleischs

Parodontose
Unter einer Parodontose versteht man Erkrankungen des Zahnhalteapparats, bei denen sich der Zahn aus seiner festen Verankerung im Kieferknochen löst. Es handelt sich um einen ParodontoseSammelbegriff für nicht entzündliche Zahnerkrankungen, die Zahn/Zähnebis zum Zahnausfall führen können. Die genaue Ursache ist häufig unbekannt.
Karies
Karies (Zahnfäule) ist eine Erweichung der harten Baustoffe des Zahns durch Entkalkung. Bakterien im Zahnbelag bauen durch Nahrung zugeführten Zucker ab. Dabei entstehen Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Erreicht der Zahnzerfall die Pulpa (13.2.6) mit den Nerven im KariesInneren des Zahns, kommt es zu heftigen Zahnschmerzen. Wird der Zahnarzt nicht rechtzeitig aufgesucht, droht eine Entzündung der Pulpa (Pulpitis). Wegen der Schmerzen und um einer Ausbreitung der Entzündung in umliegendes Gewebe vorzubeugen, muss der Zahn dann entweder gezogen oder eine Wurzelbehandlung durchgeführt werden, bei der der Nerv abgetötet wird.
Zur Kariesvorsorge sind folgende Maßnahmen Pulpitisdurchzuführen:
  • gute Zahnpflege – mindestens zweimal täglich Zähneputzen

  • wenig oder gar keine zuckerhaltigen Speisen essen

  • regelmäßig alle sechs Monate zum Zahnarzt gehen

  • Schulmedizinisch wird die Einnahme von Fluoridtabletten empfohlen. Fluoride härten den Zahnschmelz und schützen so gegen die von Mundbakterien gebildeten Säuren. Von naturheilkundlich ausgerichteten Therapeuten wird diese Maßnahme oft abgelehnt, da in ihren Augen die Folgen einer Dauereinnahme hinsichtlich einer Gesundheitsschädigung nicht einschätzbar sind.

Zahnstein
Mineralische Substanzen des Speichels, z. B. Kalziumphosphat, bilden zusammen mit Mikroorganismen und kleinsten Nahrungsresten harte Ablagerungen an den Zähnen. Zahnstein hat eine raue Oberfläche, wodurch sich Bakterien schneller ansiedeln und Plaque (bakterieller ZahnsteinZahnbelag) bilden können. Da dies die Bildung von Karies begünstigt, sollte Zahnstein halbjährlich vom Zahnarzt entfernt werden.

Stomatitis

Stomatitis: schmerzhafte Entzündungen der Mundschleimhaut. Verschiedene Ursachen sind möglich.

Aphthen: entzündliche Schleimhautveränderung im Mund, bis linsengroß, rundlich, gerötet und schmerzhaft mit zentraler Erosion und fest haftendem Belag (Pseudomembran). Treten einzeln (rezidivierend) oder in Gruppen auf. Oft harmlos, verschiedenste Ursachen, z. B. Verletzungen, Nahrungsmittelinfektionen.

Einer hartnäckigen Mundschleimhautentzündung sollte immer auf den Grund gegangen werden, da nicht selten ernsthafte bis bedrohliche Krankheiten zugrunde liegen.
Nach AphthenErscheinungsbild und Ursache werden folgende Krankheitsbilder unterschieden:
  • Stomatitis aphthosa (StomatitisGingivostomatitis herpetica): durch Herpes-simplex-Viren (25.11.7) verursacht; zahlreiche, wenige Millimeter große Erosionen und schmerzhafte Entzündung der Mundschleimhaut mit folgenden Symptomen: Mundgeruch, Gingivostomatitis herpeticavermehrte Speichelbildung, erschwerte Nahrungsaufnahme.

  • Bei Säuglingen und Stomatitis:aphtosaKleinkindern führt die Stomatitis oft zur Nahrungsverweigerung. Es besteht kein Fieber.

  • Stomatitis angularis (Perlèche, Mundwinkelrhagade, Faulecke): schlecht verheilende, schmerzende Einrisse in den Mundwinkeln. Ursache können sein: anatomische Besonderheiten, Speichelfluss, PerlècheTrockenheit, Kokken-, Candida-albicans- oder Herpes-Virusinfektion, Stoffwechselstörung (z. BFaulecke. Diabetes mellitus, Eisenmangel, megalozytäre Anämie).

  • Stomatitis:angularisStomatitis ulcerosa (lat. ulcerosa = geschwürig): schmerzhafte Rötung der Mund- und Zungenschleimhaut mit Geschwürsbildung. Typisch sind auch ausgeprägter Mundgeruch, Fieber und Schwellung der regionären Lymphknoten. Sie tritt z. B. auf bei Plaut-Vincent-Angina, Leukämie, Agranulozytose, Sepsis.

  • Eine Soorstomatitis, durch Candida Stomatitis:ulcerosaalbicans hervorgerufen, tritt v. a. bei abwehrgeschwächten Patienten (z. B. HIV-Infizierte, Patienten unter Strahlen- und/oder Chemotherapie) auf. Typisch sind mäßig fest haftende, weiße Beläge auf geröteter Schleimhaut.

Im bakteriellen Abstrich werdenStomatitis:Soorstomatitis häufig Erreger wie Spirillen und fusiforme Stäbchen gefunden. In anderen Fällen sind Mykosen (Pilzbefall), Lues, Tuberkulose, Aids und weitere Erkrankungen mit geschwächter Abwehr (z. B. Agranulozytose) die Ursache.
Eine Mykose der Mundschleimhaut kann auch durch die (lokale) Gabe von Antibiotika oder Glukokortikoiden ausgelöst werden.

Speichelsteinkrankheit

Speichelsteinkrankheit (Sialolithiasis): Bildung von Speichelsteinen (Sialolith) durch gestörte Speichelzusammensetzung. Vorkommen zu 80 % in einer der beiden Unterkieferspeicheldrüsen (Glandula submandibularis); zu 20 % in der Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) und Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis).

Ursache der Speichelsteinbildung – ein Stein kann wenige Millimeter, aber auch bis zu 2 cm groß sein – ist eine Sekretionsstörung von Speichelelektrolyten.
SpeichelsteinkrankheitSpeichelsteine verursachen durch den verhinderten Speichelfluss SialolithiasisSchmerzen beim Essen und eine Schwellung der betroffenen Speicheldrüse. Die Steine sind oft als harte Verdickungen im Mundboden tastbar. Normalerweise kommen mehrere Steine gleichzeitig vor. Kommt es erstmals zu Problemen oder liegt der Stein ganz am Ende des Gangs, wird versucht durch so genannte Speichellocker den Stein auszuschwemmen. Bei tief sitzenden Steinen ist die extrakorporale Stoßwellenlithotripsie angezeigt, bei bereits entzündeter Speicheldrüse sollten sowohl Antibiotika als auch entzündungshemmende sowie schmerzstillende Medikamente verordnet werden.

Naturheilkundliche Zahnmedizin

Handbuch für die Naturheilpraxis 1.1.15

Zwischen Zähnen (Abb. 13.37), Kiefer und Körperorganen bestehen enge Wechselbeziehungen, die wissenschaftlich zwar (noch) nicht alle beweisbar sind, jedoch in der Praxis immer wieder beobachtet werden. Etwa 10–30 % aller Patienten reagieren sensibel auf Störzonen (Herde) im Zahn- und Kieferbereich. Umgekehrt sind ein Großteil der Herdgeschehen, die andere Organe negativ beeinflussen, hier begründet. Beherdete Zähne können zum einen den Energiefluss des Körpers negativ beeinflussen, wenn sie in Verbindung zu einem Meridian (4.2.3) stehen. Zum anderen können chronische Entzündungen oder toxische Dauerbelastungen das Immunsystem überreizen und zu seiner Erschöpfung (Immunschwäche) oder Überreaktionen (Allergie) führen.

Als potenzielle Störfaktoren gelten v. a. Zahn- oder Zahnersatzmaterialien wie Amalgam, Palladium, Nickel, Kupfer sowie bestimmte Kunststofffüllungen und Klebersorten, ferner die Kombination verschiedener Zahnmetalle (z. B. Gold und Amalgam) ebenso wie Legierungen mit ungünstigen Metallkombinationen, alle wurzeltoten Zähne (durch „Leichengift“, Ptomaine) und Wurzelfüllungen, Parodontopathien, Zahnreste nach Zahn-OP, Zahnfleischtaschen, chronische Pulpitis, mitunter auch Implantate oder überkronte Zähne.

Besonders bei Patienten mit unklaren chronischen Beschwerden und bei therapieresistenten Patienten („Therapieblockade“) sollte eine Beherdung des Zahn- und Kieferbereichs von einem naturheilkundlich arbeitenden Zahnarzt ausgeschlossen werden, z. B. mit der Elektroakupunktur (3.7.3). Nach der zahnärztlichen Behandlung (Zahnsanierung) sind Schadstoffe aus dem Bindegewebe durch die Verordnung von Kräutertees und phytotherapeutischen Präparaten, Nosoden und Nährstoffergänzungspräparaten (orthomolekulare Therapie) auszuleiten.

Erkrankungen der Speiseröhre

Gastroösophageale Refluxkrankheit, Refluxösophagitis

Gastroösophagealer Reflux: Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre.

Gastroösophageale Refluxkrankheit: Beschwerden oder Komplikationen durch Zurückfließen (Reflux) von Mageninhalt in den Ösophagus, z. B. Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhrenschleimhaut infolge eines gastroösophagealen Refluxes), Blutverluste, Gedeih-, Atemstörungen.

Unterschieden werden die endoskopisch negative (NERD = non-erosive reflux disease) und endoskopisch positive Refluxkrankheit (ERD = erosiveRefluxkrankheit, gastroösophageale reflux disease). 20–30 % der „gesunden“ Bevölkerung Speiseröhre:ErkrankungenÖsophagus:Erkrankungenleiden gelegentlich unter refluxtypischen Beschwerden. Selbstmedikation ist non-erosive reflux disease (NERD)NERD (non-erosive reflux disease)stark verbreitet.
Krankheitsentstehung
Für die Entstehung einer Refluxösophagitis sind meistERD (erosive reflux disease) mehrere Faktoren ursächlich:
  • erosive reflux disease (ERD)Kardiainsuffizienz (unzureichender Verschluss am Übergang von der Speiseröhre zum Magen), z. B. bei Hiatushernie

  • verzögerte Peristaltik

  • aggressiver Rückfluss (Säure, Galle, Bauchspeicheldrüsenenzyme)

  • Refluxösophagitisverminderte Schleimhautresistenz (Widerstandskraft)

  • begünstigende Faktoren (Nikotin, Alkohol, Adipositas, Aszites, Medikamente, Schwangerschaft).

In der Folge fließt aggressiver, säurehaltiger Magensaft zurück in die Speiseröhre und greift dort die Schleimhaut an. Es entsteht eine (chronische) Entzündung, z. T. mit Geschwürsbildung. Bei Fortschreiten des Refluxes kommt es zu einer Umbildung der Speiseröhrenschleimhaut in eine atypische Schleimhautform (Barrett-Ösophagus), die als Wegbereiter eines Ösophaguskarzinoms gilt (Präkanzerose).
Symptome und Diagnostik
Typische Beschwerden des Patienten sind Sodbrennen (brennende Schmerzen hinter dem Brustbein) und (saures) Aufstoßen, das v. a. beim Bücken, im Liegen und Ösophagus:Barrett-Ösophagusnach der Nahrungsaufnahme auftritt. Die meist schon lange bestehenden Schmerzen bessern sich tagsüber, sie treten meist schubweise auf. In späteren Stadien kommen noch Sodbrennen:RefluxösophagitisSchmerzen und Brennen beim Schlucken hinzu.

Tipp

Die gastroösophageale Refluxkrankheit ist bei Erwachsenen eine nach wie vor unterschätzte Volkskrankheit und durch ihre Komplikationen, insbesondere das Ösophaguskarzinom, von großer Bedeutung.

Zur Diagnose werden die Endoskopie, eine Röntgen-Kontrastmitteluntersuchung („Breischluck“) sowie auch die Ösophagus-Manometrie durchgeführt.
Komplikationen
Gefährliche Komplikationen sind Blutungen aus Geschwüren, narbige Verengungen (Strikturen, Stenosen) der Speiseröhre oder die Bildung von Karzinomen der chronisch entzündeten Schleimhaut.
Schulmedizinische Therapie
Die schulmedizinische Therapie umfasst neben der Änderung von Ernährungsgewohnheiten und Verhalten die medikamentöse Behandlung, heute meist mit Protonenpumpenhemmern (13.7.2, Pharma-Info). Weitgehend verdrängt worden sind durch diese Präparate Antazida (13.7.2, Pharma-Info), H2-Antagonisten (13.7.2, Pharma-Info) und Medikamente zur Förderung der Magenentleerung (z. B. Rp Paspertin®). Bei Erfolglosigkeit oder beim Auftreten schwerer Komplikationen wird der Mageneingang operativ eingeengt (Fundoplicatio). Bereits entstandene narbige Verengungen werden mit Hilfe einer Sonde aufgedehnt (Bougierung).

Naturheilkundliche Therapie bei Refluxösophagitis

Handbuch für die Naturheilpraxis 6.2.1

Geben Sie dem naturheilkundliche Therapie:RefluxösophagitisPatienten die unter „Allgemeine Maßnahmen“ angeführten Tipps. Raten Sie bei akuten Refluxösophagitis:naturheilkundliche TherapieBeschwerden zusätzlich zur kurzfristigen Einnahme von Heilerde (Abb. 13.27) oder Basenpulver (z. B. Alkala®), um die Säure zu neutralisieren. Von einer langfristigen Einnahme ist abzusehen, da die Säureproduktion reaktiv gesteigert wird.

Biochemie nach Schüßler

Das biochemische Mittel Nr. 9 Natrium phosphoricum löst und bindet Säuren und hilft bei akuten Beschwerden, die durch aufsteigende Magensäure verursacht werden. Nr. 10 Natrium sulfuricum unterstützt die Ausscheidung der Säuren, während bei Krämpfen und Schmerzen an Nr. 7 Magnesium phosphoricum zu denken ist.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Eine konstitutionelle Behandlung mit folgenden Mitteln ist oft sinnvoll: z. B. Acidum phosphoricum, Argentum nitricum, Carbo vegetabilis, China, Ferrum metallicum, Natrium muriaticum, Phosphorus, Pulsatilla, Sulfur. Ausgeprägte Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auf ein anderes Konstitutionsmittel verweisen. Werden Komplexmittel (z. B. Entzündungstropfen N Cosmochema) eingesetzt, enthalten diese häufig Argentum nitricum (Zuckerunverträglichkeit), Lycopodium (saures Erbrechen) oder Phosphorus (Sodbrennen und brennende Magenschmerzen).

Phytotherapie

Schleimhaltige und gerbstoffhaltige Heilpflanzen, wie z. B. Leinsamen (Lini semen Abb. 13.52) und Spitzwegerichkraut (Plantaginins lanceolatae herba Abb. 12.31), schützen und stabilisieren die gereizte Schleimhaut. Kamillenblüten (Matricariae flos Abb. 13.39) und Schafgarbenkraut/-blüten (Millefolii herba/-flos) wirken zudem entzündungshemmend.
Die Hildegard-Medizin empfiehlt bei Sodbrennen Fenchelsamen-Tabletten, 3–5 Tabletten vor dem Essen.
Manchen Patienten hilft auch das Trinken von Kartoffelsaft (1/8 l, morgens). Kartoffelsaft, frisch zubereitet oder aus dem Reformhaus, wirkt beruhigend und schleimhautschützend.

Tipp

Geben Sie dem Refluxösophagitis-Patienten folgende Empfehlungen.

  • Nur im Sitzen essen.

  • Häufige kleine Mahlzeiten einnehmen, dabei „Säurelocker“ wie Kaffee, Alkohol und Süßspeisen meiden und kohlenhydrat- und fettarme, aber eiweißreiche Nahrungsmittel bevorzugen; Eiweiß führt zu einer vermehrten Produktion von Gastrin und dadurch zu einem gesteigerten Tonus des Ösophagussphinkters.

  • Kaugummi kauen nach dem Essen – dies erhöht den Speichelfluss und damit die Spülwirkung in der Speiseröhre.

  • Nach den Mahlzeiten nicht hinlegen.

  • In den letzten drei Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr essen.

  • Mit leicht erhöhtem Oberkörper schlafen.

  • Bei Übergewicht Gewicht reduzieren; dies senkt den Druck auf den unteren Ösophagussphinkter (70 % der unter Refluxsymptomen leidenden Patienten sind übergewichtig).

  • Nicht so bücken, dass der Oberkörper nach vorne oder unten hängt, sondern in die Hocke gehen.

  • Keine einschneidende Kleidung anziehen, z. B. Gürtel, Mieder.

  • Obstipationsprophylaxe durchführen; ein voller Darm und Pressen bei der Defäkation erhöhen den abdominalen Druck.

  • Auf höherprozentige Alkoholika generell verzichten.

  • Rauchen einstellen. Nikotin führt über eine Vasokonstriktion zu einer Verschlechterung der Schleimhautdurchblutung und vermindert so den Schutz vor der Magensäure.

Fremdkörper in der Speiseröhre

Ein Fremdkörper (Bolus) bleibt meist im unteren Abschnitt des Rachens oder in der obersten physiologischen Engstelle des Ösophagus (Abb. 13.6) stecken. Am häufigsten sind Speiseröhre:FremdkörperKinder oder ältere Patienten betroffen. InsbesondereÖsophagus:Fremdkörper Patienten mit einer Oberkiefervollprothese sind gefährdet, da durch die Prothese die Empfindsamkeit im Bereich des hartenBolus Gaumens eingeschränkt ist.
Kinder verschlucken am häufigsten Münzen, kleine Spielzeugteile und Nüsse, bei Erwachsenen finden sich eher zu große Fleischbrocken, Gebissteile, Knochen (Hühnchen) und Gräten.
Wichtigster Grundsatz ist, dass „über einem Fremdkörper in der Speiseröhre die Sonne nicht auf- oder untergehen soll“. Jeder Verdacht auf einen Fremdkörper muss demnach schnell durch Ösophagoskopie abgeklärt werden, um eine Perforation der Speiseröhre auszuschließen, die zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen kann, wie z. B. zu einer Mediastinitis (Entzündung des Mittelfellraums mit Fieber, retrosternalen Schmerzen, Schluckbeschwerden, Husten, evtl. Schluckauf). Der Fremdkörper wird endoskopisch entfernt.

Ösophagusdivertikel

Divertikel: angeborene oder erworbene, sackartige Ausstülpung umschriebener Wandbezirke in Speiseröhre, Magen (selten), Dünndarm (selten) oder Dickdarm.

Ösophagusdivertikel: Ausstülpungen der Speiseröhrenwand. Sie entstehen entweder durch ein Missverhältnis von Innendruck und Wandstabilität (Pulsionsdivertikel) oder Zug von außen (Traktionsdivertikel), z. B. durch Narben nach Entzündungen.

Unterschieden werden echte Divertikel mit Ausstülpung aller Mediastinitis:ÖsophagusfremdkörperWandschichten und falsche Divertikel (Pseudodivertikel), die als erworbene DivertikelDivertikel:ÖsophagusSchleimhauthernien durch Lücken der Muskulatur dringen, z. B. an Ösophagus:DivertikelDurchtrittsstellen von Gefäßen.
Am häufigsten (60 %) Ösophagus:Divertikelkommen die sog. Zenker-Pulsionsdivertikel im Halsbereich vor. Es sind meist falsche Divertikel, die sich durch Schluckbeschwerden (Dysphagie) und Divertikel:PseudodivertikelFremdkörpergefühl im Hals bemerkbar machen. Dazu kommen Schmerzen hinter dem Brustbein. Typisch ist das nächtliche Zurückströmen (Regurgitation) von unverdauten Speiseresten, sichtbar an den morgendlichen Flecken auf dem Zenker-DvertikelKopfkissen. Durch die bakterielle Besiedlung der im Divertikel befindlichen Speisereste kommt es zu fauligem Mundgeruch. Komplikationen entstehen durch das Eindringen der zurückströmenden Speisereste in die Atemwege (Aspiration) mit der Gefahr einer Lungenentzündung (Aspirationspneumonie). Außerdem droht eine Entzündung (Divertikulitis) mit Perforationsneigung.
Die Diagnose wird durch Ösophagusbreischluck und Endoskopie gestellt.
Die meisten Divertikel bleiben unbemerkt und sind nicht behandlungsbedürftig. Haben die Patienten Beschwerden, werden die AspirationAussackungen operativ entfernt. Bei kleineren Divertikeln ist auch eine endoskopische Therapie möglich.

Ösophagusmotilitätsstörungen

Bei den Ösophagusmotilitätsstörungen ist die Beweglichkeit der Speiseröhre entweder erniedrigt oder erhöht. Im Folgenden werden die häufigsten Formen dargestellt.
Achalasie

Ösophagus-Achalasie: Unfähigkeit des unteren Ösophagussphinkters zu erschlaffen. Ungeordnete Peristaltik im unteren und Erschlaffung der Muskulatur im mittleren Ösophagusanteil. Seltene Erkrankung des mittleren Lebensalters.

Durch die Störung der Muskelkontraktion fehlt die schluckreflektorische Erschlaffung des unteren Ösophagus:MotilitätsstörungenSpeiseröhrenschließmuskels; es kommt oberhalb davon zu einer übermäßigen Kontraktion. Es folgt eine ungeordnete Bewegung im unteren und Erschlaffung der Muskulatur im mittleren Achalasie:ÖsophagusAbschnitt der Speiseröhre. Der Speisebrei wird nicht Ösophagus:Achalasieregelrecht aus der Speiseröhre in den Magen entleert (Entleerungsstörung).
Die Entstehung einer Achalasie ist nicht eindeutig geklärt. Teils durch chronisch-entzündliche Vorgänge werden Nervenganglienzellen im Auerbach-Plexus zerstört, der zum speziellen Nervensystem des Verdauungstrakts gehört. Dadurch bricht die Koordination der Speiseröhrenperistaltik zusammen; der magennahe Anteil der Speiseröhre kontrahiert nur schwach und zudem in allen Abschnitten gleichzeitig, sodass ein funktioneller Verschluss resultiert. Außerdem erschlafft der untere Ösophagussphinkter nur unvollständig, was die Passage der Nahrung noch weiter verzögert. Über die Jahre werden daher die oberen Abschnitte der Speiseröhre immer mehr gedehnt, sodass sich dann bei einer Röntgendarstellung mit Kontrastmittel die typische Sektglasform der Speiseröhre darstellt.
Die Erkrankung ist selten und tritt v. a. im mittleren Lebensalter auf. Sie ist ein Risikofaktor für die Entstehung des Ösophaguskarzinoms.
Symptome und Diagnose
Die Patienten klagen über krampfartige Brustschmerzen und zunehmende Schluckbeschwerden (Dysphagie: Gefühl einer Schluckstörung ohne Schmerzen in Folge Passagestörung geschluckter Speisen), die oft zum Nachtrinken zwingen. Typisch ist auch das nächtliche Zurückfließen unverdauter Speisen in die Mundhöhle (Regurgitation) sowie Gewichtsverlust. Die Diagnose wird durch Ösophagusbreischluck, Manometrie und endoskopische Untersuchung Dysphagiegesichert.
Schulmedizinische Therapie
Die Therapie besteht in der mehrmaligen Aufweitung des unteren Speiseröhrenschließmuskels durch einen in die Speiseröhre eingeführten Ballonkatheter (Bougierung). Die RegurgitationBehandlung muss in der Regel nach Monaten bis Jahren wiederholt werden. Bei anhaltenden Rezidiven wird operiert.
Ösophagusspasmus

Ösophagusspasmus (idiopathischer diffuser Ösophagusspasmus, Speiseröhrenkrampf): übermäßige Muskelkontraktionen der Speiseröhre; betroffen sind v. a. die mittleren und unteren Speiseröhrenabschnitte. Die Funktion des unteren Ösophagussphinkters ist erhalten.

Symptome und Diagnose
Die Patienten haben krampfartige Brustschmerzen ähnlich denen einer Angina pectoris sowie Schluckstörungen. Die DiagnoseBougierung wird durch Manometrie und Ösophagus-Breischluck gestellt.
Therapie
Als therapeutische Allgemeinmaßnahmen werden langsames Essen, gutes Kauen und das Meiden schlecht verträglicher Speisen empfohlen. In der ÖsophagusspasmusSchulmedizin werden medikamentös v. a. Kalziumantagonisten (z. B. Rp Adalat®) eingesetzt.

Naturheilkundliche Therapie bei Ösophagusspasmus

Bei Achalasie können durch vegetativ beruhigende und naturheilkundliche Therapie:Ösophagusspasmusspasmolytische (entkrampfende) Maßnahmen die Beschwerden gelindert werden.

Homöopathie

Ösophagusspasmus:naturheilkundliche TherapieEine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Häufig eingesetzte Konstitutionsmittel sind Cicuta virosa (bei Ösophagusspasmen durch Berührung und Speisen) oder Ignatia (bei neurotischem Globusgefühl). Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf Alumina, Barium carbonicum, Calcium carbonicum, Natrium muriaticum oder andere konstitutionelle Mittel verweisen. Als Alternative empfiehlt sich ein Komplexmittel, z. B. dysto-loges® S.

Ordnungstherapie

Alkoholkarenz kann in manchen Fällen innerhalb von kurzer Zeit die Beschwerden erheblich reduzieren. Empfehlen Sie dem Patienten, langsam zu essen und gründlich zu kauen. Abends sollte die Nahrungszufuhr eingeschränkt werden. Grundsätzlich werden von Patienten mit Achalasie Entspannungsverfahren, wie z. B. das Autogene Training (26.15.8) als hilfreich erlebt.

Phytotherapie

Pflanzen, die beruhigend wirken, z. B. Baldrianwurzel (Valerianae radix Abb. 29.8), Hopfenzapfen (Lupuli strobulus Abb. 29.10) und Melissenblätter (Melissae folium 13.40), können die Beschwerden günstig beeinflussen.

Ösophaguskarzinom

Ösophaguskarzinom (Speiseröhrenkrebs): bösartiger Speiseröhrentumor (in 95 % Plattenepithelkarzinom), der meist früh das lokale Bindegewebe infiltriert und Metastasen bildet. Vorwiegend an den drei physiologischen Engstellen der Speiseröhre lokalisiert (Abb. 13.6). Betrifft v. a. männliche Raucher und Alkoholiker > 50 Jahre.

Etwa 5 % der Tumoren des Verdauungstrakts sind Ösophaguskarzinome (Speiseröhrenkrebs). Sie treten gehäuft an den drei physiologischen Engstellen (Ösophaguseingang 20 %, Aortenenge 40 %, Zwerchfellenge 40 %) auf. Der ErkrankungsgipfelÖsophaguskarzinom liegt im 6. Lebensjahrzehnt, Männer sind bevorzugt Tumor(en):Ösophagusbetroffen.
99 % aller Ösophagustumoren sind bösartig (maligne).
Krankheitsentstehung
SpeiseröhrenkarzinomRisikofaktoren sind langjähriger Konsum hochprozentiger Alkoholika, Nikotinabusus sowie Achalasie und andere (chronische) Erkrankungen der Speiseröhre. Auch besonders heiße und scharf gewürzte Speisen sowie bestimmte chemische Substanzen (v. a. Nitrosamine) spielen evtl. eine Rolle. Allen Faktoren gemeinsam ist die chronische Reizung und Schädigung der Ösophagusschleimhaut.
Symptome
Beim Auftreten erster Beschwerden verlegt das Karzinom oft schon 2/3 des Durchmessers der Speiseröhre. Die Patienten klagen zunächst nur bei festen Speisen über Schluckbeschwerden (Dysphagie), später auch bei weicher Nahrung und Flüssigkeit. Folge ist eine unzureichende Nahrungszufuhr mit massivem Gewichtsverlust. Durch den Verschluss der Speiseröhre kommt es zum Zurückfließen der Nahrung in die Mundhöhle (Regurgitation) und fauligem Aufstoßen. Eine Ausbreitung des Karzinoms in die Umgebung führt zu Schmerzen hinter dem Brustbein, Heiserkeit, Stimmlosigkeit (Aphonie), Husten und Atemnot. Das Ösophaguskarzinom metastasiert meist zuerst lymphogen in die Umgebung (z. B. Mediastinum, Halslymphknoten), später hämatogen in Leber, Lunge und Knochen.

Fallbeispiel „Ösophaguskarzinom“

Als ein 72 Jahre alter Rentner nach längerer Zeit wieder einmal in die Sprechstunde kommt, muss die Heilpraktikerin sich sehr beherrschen, um ihre Bestürzung über sein Aussehen zu verbergen: Der ehemals adipöse Patient hat extrem abgenommen und sieht eingefallen aus. Auf Nachfrage berichtet er, dass seit etwa acht Monaten trockene und größere Bissen „hinter dem Brustbein stecken bleiben“, weshalb er vorwiegend breiige Nahrung zu sich genommen habe. Einige Monate lang sei das auch gut gegangen, doch jetzt könne er nur noch Suppen essen. Nach dem Aufstoßen habe er oft einen widerlich-fauligen Geschmack im Mund. Auf die Frage, warum er nicht früher gekommen sei, antwortet er: „Irgendwie weiß ich, dass das was ganz Übles ist – ich wollte es nicht auch noch hören müssen.“

Die Heilpraktikerin hegt den Verdacht auf ein Ösophaguskarzinom, der sich noch verdichtet, als sie am Hals zwei harte, geschwollene Lymphknoten tastet. Sie empfiehlt dem Patienten, umgehend zur Diagnostik zum Arzt bzw. in die Klinik zu gehen und danach – wenn nötig – zu ihr zurückzukommen, um über weitere Schritte zu sprechen. Das CT zeigt einen Tumor, der bereits in die Umgebung eingebrochen und metastasiert ist. Nach der palliativen Therapie (Erweiterung der Speiseröhre und Strahlenbehandlung) fühlt sich der Patient subjektiv besser und nimmt sogar etwas zu. Die Heilpraktikerin begleitet ihn mit Gesprächen und naturheilkundlichen Therapiemaßnahmen, bis er nach 14 Monaten an den Folgen der Erkrankung stirbt.

Diagnostik
Entscheidend sind der Ösophagus-Breischluck und die Endoskopie mit Gewebeentnahme. Weitere Untersuchungen umfassen (Endo-)Sonografie, Röntgen-Thorax und CT. Bei Diagnosestellung ist das Ösophaguskarzinom häufig bereits in die örtlichen Lymphknotenstationen metastasiert.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Der Tumor wird radikal operativ entfernt, jedoch ist diese OP meist nur bei Karzinomen im mittleren und unteren Speiseröhrendrittel möglich. Meist wird eine Laser-, Strahlen- oder Zytostatikatherapie angeschlossen. Ist der Tumor bereits sehr groß, kann vor der OP durch Chemotherapie und Bestrahlung versucht werden, den Tumor zu verkleinern (Downstaging), um die Operationsbedingungen zu verbessern. Bis zu 50 % der Patienten sind bei Diagnosestellung bereits inoperabel. Dann sollen Eingriffe zum Offenhalten der Speiseröhre wie z. B. das Einlegen eines Kunststofftubus oder einer PEG (perkutane endoskopische Gastrostomie), Chemotherapie, Bestrahlungen oder Lasertherapie die Lebensqualität verbessern.
Die Prognose des Ösophaguskarzinoms ist mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von unter 10 % schlecht. Die meisten Patienten sterben bereits nach wenigen Monaten.

Hiatushernie

Hiatushernie (lat. hiatus = Spalt): Zwerchfellbruch mit teilweiser oder kompletter Verlagerung des Magens in den Brustraum ohne Einstülpung der Speiseröhre. Ursache ist meist eine erworbene Erweiterung des Hiatus oesophageus.

Folgende Formen werden unterschieden (Abb. 13.38):
  • Hiatus-Gleithernie (axiale Hernie): Dies ist die mit 80 % häufigste Form. Kardia und Fundus des Magens liegen zeitweise oder ständig oberhalb des Zwerchfells.

  • paraösophageale Hernie: Der Hiatus:oesophageusMagenfundus drängt sich neben der Speiseröhre in den Brustraum.

  • Mischformen beider Hernien kommen vor.

  • Upside-Down-Magen: der gesamte Magen ist in Hernien:axialeden Brustraum verlagert und steht gewissermaßen auf dem Kopf.

Die Hernienbildung wird begünstigt durch altersbedingten Hernien:paraösophagealeVerlust der Bindegewebselastizität oder erhöhten Druck im Bauchraum, z. B. bei verstärkter Bauchpresse bei chronischer Upside-down-MagenObstipation, chronischem Husten, Adipositas oder Schwangerschaft.
Gleithernien bereiten den Magen:Upside-down-MagenPatienten meist keine Beschwerden und werden daher oft nur zufällig entdeckt. Mitunter tritt eine Refluxösophagitis auf. Paraösophageale Hernien betreffen meist Patienten im mittleren Lebensalter und führen zu Völlegefühl, Druckgefühl in der Herzgegend, Schluckbeschwerden oder Luftnot. Eine Refluxösophagitis tritt dagegen nur selten auf.
Insbesondere bei der paraösophagealen Hernie drohen Komplikationen wie z. B. Einklemmung des Magens mit Strangulation der Blutzufuhr, Stieldrehung des Magens (Magenvolvulus) oder Speiseröhreneinklemmung (Ösophagusinkarzeration).
Die Diagnose wird durch Endoskopie und Röntgenbreischluck gestellt. Die Gleithernien bedürfen meist keiner Therapie; eine begleitende Refluxösophagitis wird konservativ behandelt. Paraösophageale Hernien werden wegen Magenvolvulusder möglichen Komplikationen auch bei beschwerdefreiem Verlauf operiert.

Erkrankungen des Magens

Dyspepsie

Ösophagus:Inkazeration

Dyspeptische Beschwerden (Dyspepsie): Sammelbegriff für unspezifische, mit der Nahrungsaufnahme verbundene Oberbauchbeschwerden, 5 % der Deutschen befinden sich wegen dyspeptischer Beschwerden in ärztlicher Behandlung.

An dsypeptischen Beschwerden leiden etwa 15–20 % der Bevölkerung der westlichen Industrieländer, davon liegt bei > 50 % eine funktionelle Dyspepsie vor.
Krankheitsentstehung
Bei etwa 50 % der Patienten können organische Erkrankungen als Ursachen gefunden werden, hauptsächlich ein gastroösophagealer Reflux, ösophageale Motilitätsstörungen,Magen:Erkrankungen Gastritis, Gallensteine, Ulkuskrankheit, aber auch Magenkrebs.
Bei der anderen Hälfte können keine Organkrankheiten festgestellt werden (sog. funktionelle Dyspepsie). Als auslösende Faktoren werden v. a. Funktionsstörungen des Magens vermutet: So sammelt sich z. B. der Speisebrei bei Patienten mit funktioneller Dyspepsie sehr rasch im Antrum, während er bei Gesunden zunächst im proximalen Magen aufgehalten wird. Daneben werden Nahrungsmittelintoleranzen sowie psychische Ursachen diskutiert. Wie beim Reizdarmsyndrom konnte auch für die funktionelle Dyspepsie eine gesteigerte Empfindlichkeit der Patienten gegenüber Dehnungsreizen nachgewiesen werden (enterische Hyperalgesie).

Merke

Die nicht mit Organerkrankungen einhergehenden dyspeptischen Beschwerden werden häufig auch als „funktionelle Oberbauchbeschwerden“ oder „Reizmagen“ bezeichnet

Symptome
Die Beschwerden mit wechselndem Charakter bestehen häufig seit Jahren oder Monaten.
  • Völle- und Druckgefühl oder Krampfbeschwerden im Epigastrium, die eventuell von Übelkeit oder Schluckauf begleitet werden

  • frühzeitiges Sättigungsgefühl, Meteorismus

  • oft zusätzlich zur Dyspepsie Symptome einer Refluxerkrankung oder eines Reizdarms

Typisch ist, dass die Beschwerden am Abend zurückgehen, es besteht kein nächtliches Erwachen, der Schmerz nimmt im Stehen zu.
Diagnostik
  • Anamnese: Art und Dauer der Beschwerden, Besserung im Urlaub, Zunahme bei Stress; Begleitsymptome (gehäuft Migräne, Palpitationen, Globusgefühl, Atembeklemmungen); Medikamente (z. B. NSAR, ASS), gastrointestinale Vorerkrankungen, familiäre und berufliche Situation (Konfliktsituationen, ungelöste Trauerreaktionen), Psyche (depressive Grundstimmung)

  • Ganzkörperstatus, v. a. Abdomen

  • BSG, BB, γ-GT, AP, GPT, Krea, BZ, wiederholt Haemoccult-Test®, evtl. Laktosetoleranztest und Sonografie

  • Je nach Schweregrad und Dauer der Symptome Facharztüberweisung zur Ösophagogastroduodenoskopie, Koloskopie oder Dünndarm-Doppelkontrast

Therapie
Die Therapie kann schwierig und langwierig sein. Da sich auch unter Placebo 50 % der Fälle bessern, sollten Therapiemaßnahmen zurückhaltend bewertet werden. Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten können individuell angepasste Diätvorschriften versucht werden; Nikotin und Alkohol sollten stets eingeschränkt werden. Sind Allgemeinmaßnahmen erfolglos, kann eine medikamentöse Therapie versucht werden: bei eher „refluxartigen“ Beschwerden mit Protonenpumpeninhibitoren, bei epigastrischem Völle- und Druckgefühl mit Prokinetika.

Gastritis

Gastritis: akute oder chronische Magenschleimhautentzündung ohne Beteiligung der Lamina muscularis mucosae.

Erosive Gastritis (lat. erodere = abnagen): Gastritis mit fleckförmigen, oberflächlichen Schleimhautdefekten, verläuft meist asymptomatisch, bisweilen treten dyspeptische Beschwerden auf.

Akute Gastritis
Die akute Gastritis ist eine häufige Verlegenheitsdiagnose bei Patienten mit Oberbauchbeschwerden. Eine sichere Diagnose ist nur histologisch möglich.
Krankheitsentstehung
Die akute Gastritis:erosiveGastritis („Magenverstimmung“) entsteht meist durch akut auf die Schleimhaut einwirkende Schadstoffe, z. B. durch übermäßigen Alkohol- und GastritisNikotingenuss, Medikamente (z. B. NSAR 9.12.4Gastritis:akute, Pharma-Info) sowie durch virale und bakterielle Infektionen oder bakterielle Toxine (Gifte; „Lebensmittelvergiftung“ 25.14.2). Sie kann auch stressbedingt sein und z. B. nach schweren Verbrennungen, Traumen oder einer OP auftreten.
Symptome und Diagnostik
Die Patienten leiden unter Druckgefühl in der Magengegend, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Bei erosiver Gastritis treten bei schwerer Schleimhautschädigung Symptome wie Teerstuhl oder Bluterbrechen (Hämatemesis) hinzu (13.4.7). Die Diagnose wird meist klinisch gestellt, d. h. anhand der vorliegenden Symptome. Sie kann aber nur durch eine Gastroskopie mit Gewebeentnahme gesichert werden.

Naturheilkundliche Therapie bei akuter Gastritis

Hämatemesis:GastritisHandbuch für die Naturheilpraxis 6.2.2

Biochemie nach Schüßler

Bei akuten Schmerzen nach dem Essen und Fieber kann Nr. 3 Ferrum phosphoricum, bei krampfartigen Schmerzen mit Übelkeit Gastritis:naturheilkundliche Therapieund Erbrechen Nr. 7 Magnesium phosphoricum verordnet werden. Bei saurem Aufstoßen, Erbrechen und Sodbrennen ist Nr. 9 Natrium phosphoricum das Mittel der Wahl.

Ernährungstherapie

Bei akuter Gastritis sind Kaffee, Tee, Alkohol, zuckerhaltige Nahrungsmittel sowie Milch und bestimmte, die Säurebildung anregende Gewürze (z. B. Pfeffer, Meerrettich, scharfer Senf) unbedingt zu meiden. Medikamente, die nicht unbedingt notwendig sind, sollten abgesetzt werden (s. schulmedizinische Therapie). Um die Magenschleimhaut zu beruhigen, sollte der Patient während der akuten Beschwerden nur Tee und Zwieback/Reiswaffeln zu sich nehmen. Ist die Akutphase überstanden, empfiehlt sich eine basenreiche Ernährung (z. B. Gemüse, Kartoffeln).
Einige Patienten entwickeln nach dem Abklingen der akuten Gastritis eine reaktive Obstipation, die mit Acidophilus- und Bifiduskulturen erfolgreich zu behandeln ist, z. B. Acidophilus-Jura, Eugalan Töpfer plus 3.

Homöopathie

Bei akuter Gastritis ist oft ein organotropes Mittel hilfreich: Nux vomica (Schmerz 1–2 Stunden nach den Mahlzeiten, oft nach übermäßigem Essen, bei Druck- und Völlegefühl), Bryonia (bei Magendrücken „wie ein Stein“, bei zornigen, ärgerlichen Patienten), Ignatia (bei nervös bedingten Magenschmerzen, wenn „alles auf den Magen schlägt“) oder Argentum nitricum (bei drückendem, brennendem Magenschmerz, Splitterschmerz) oder Okoubaka (bei Infektionen, Lebensmittelvergiftung). Wenn keine eindeutige Mittelwahl möglich scheint, sind mit einem Komplexmittel ebenfalls gute Erfolge zu erzielen (z. B. Gastriselect® N Tropfen, Nux vomica N Oligoplex).

Ordnungstherapie

Körperliche Schonung und Entspannung fördern den Heilungsverlauf. Auslösende Noxen, wie Alkohol, Nikotin oder Kaffee, sollten gemieden werden.

Physikalische Therapie

Feucht-warme Auflagen auf den Oberbauch, wie z. B. ein Heublumensack oder eine Bauchkompresse, wirken im akuten Stadium beruhigend und entspannend. Die Heublumenpackung wird möglichst heiß auf den Bauch oder auf die dorsale Reflexzone gelegt und mit einem Baumwolltuch abgedeckt. Die Anwendung dauert ca. 30 Min.
Für die Bauchkompresse wird z. B. Melissenöl mit einem Pflanzenöl im Verhältnis 1:10 gemischt, die auf der Heizung oder Wärmflasche angewärmte Kompresse wird mit dem Öl beträufelt und mit einem Baumwolltuch auf den Oberbauch gelegt. Ein Wolltuch und eine Wärmflasche garantieren die notwendige Wärme. Der Patient sollte sich während der Anwendung bewusst entspannen.

Phytotherapie

Zur Behandlung von Magenbeschwerden eignen sich v. a. Pflanzen mit entzündungshemmenden Eigenschaften, wie z. B. Kamillenblüten (Matricariae flos Abb. 13.39) und Schafgarbenkraut/-blüten (Millefolii herba/-flos). Melissenblätter (Melissae folium Abb. 13.40) wirkt durch ihre sedativen und krampflösenden Eigenschaften günstig bei nervösen und stressbedingten Magenschmerzen. Auch Leinsamen (Lini semen Abb. 13.52) wirkt sedativ auf die Magenschleimhaut, da sich die darin enthaltenen Schleimstoffe wie ein Schutzfilm über die geschädigte Schleimhaut legen. Hierfür wird Leinsamen über einige Stunden kalt angesetzt. Anschließend wird die Flüssigkeit durchgesiebt und langsam getrunken. Eine Rollkur (13.7.4) mit Kamillentee beruhigt ebenfalls die Schleimhäute. Heilerde (Abb. 13.27), mehrmals täglich 1 TL in Wasser gelöst eingenommen, neutralisiert die Magensäure und wirkt schleimhautschützend.
Schulmedizinische Therapie
Bei akuter Gastritis soll der Patient über 24 bis 36 Stunden fasten oder ausschließlich Tee und Zwieback zu sich nehmen. Ferner wird mit lokaler Wärmeanwendung sowie ggf. mit Antazida (z. B. Maaloxan®) behandelt. Alle nicht unbedingt notwendigen Medikamente (insbesondere NSAR, ASS) werden abgesetzt, um den Magen nicht weiter zu belasten. Auf Kaffee, Alkohol, Nikotin und scharf gewürzte Speisen muss der Patient verzichten.
Bei der erosiven Gastritis ist der Substanzdefekt auf die Bindegewebsschicht (Lamina propria) beschränkt. Die erosive Gastritis kann jedoch in schweren Fällen in ein Magengeschwür übergehen. Bei Schleimhauterosionen entspricht die Therapie der des Magengeschwürs bzw. der gastrointestinalen Blutung.
Prognose
Die akute Gastritis heilt meist nach einigen Tagen ohne Folgeschäden aus. Entscheidend für die Prognose sind allerdings die Grunderkrankung und die Effektivität der Ursachenbeseitigung.
Chronische Gastritis
Die chronische Gastritis verläuft meist asymptomatisch und wird als Zufallsbefund, z. B. bei 50 % der 50-Jährigen entdeckt.
Krankheitsentstehung und Einteilung
Die chronische Gastritis kommt relativ häufig vor. Sie wird durch verschiedene Ursachen hervorgerufen, deren Anfangsbuchstaben die so genannte ABC-Klassifikation ergeben:
  • Typ A: Autoimmungastritis. Seltene Erkrankungsform (< 5 %) mit Autoantikörperbildung gegen die salzsäureproduzierenden Zellen und den Intrinsic-Faktor. Infolgedessen SalzsäuremangelGastritis:chronische im Magensaft (Anazidität) und perniziöse Anämie (20.5.2). Lokalisation v. a. im Korpus; erhöhtes Magenkarzinomrisiko.

  • Typ B (am häufigsten, ca. 85 %): Bakterielle Gastritis, meist Besiedelung des Magens (primär im Antrum) mit Helicobacter pylori. Mit zunehmendem Alter ansteigende Erkrankungshäufigkeit (Faustregel: 25 % der 25-Jährigen, 50 % derAnazidität, Gastritis 50-Jährigen, 75 % der 75-Jährigen). Es ist umstritten, ob Helicobacter pylori auch zu einer Atrophie der Magendrüsenkörper führen kann.

  • Typ C (10 %): Chemisch-toxische Gastritis durch einen Reflux von Gallensaft, durch die Einnahme von Medikamenten (z. B. NSAR, ASS) oder durch Noxen (z. B. Alkohol, Nikotin).

Es gibt auch Sonderformen der chronischen Gastritis jeweils spezifischen endoskopischen oder histologischen Befunde, wie z. B. die nichtinfektiöse granulomatöse Gastritis, z. B. bei Morbus Crohn, Sarkoidose oder die eosinophile Gastritis, z. B. bei Nahrungsmittelallergie, anderen Allergenen.
Symptome und Diagnostik
Die chronische Gastritis verläuft häufig über Jahre symptomlos. Nur eine Minderheit der Patienten (meist Typ B) leidet unter Oberbauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit und Brechreiz. Scheinbar unabhängige Symptome fallen oft spät auf, so wird z. B. eine Anämie bei Frauen vorschnell auf andere Ursachen zurückgeführt.
Therapeutisch und prognostisch wichtig ist die Diagnosesicherung durch Gastroskopie und Gewebeentnahme sowie durch den Nachweis von Helicobacter pylori.

Achtung

Die Diagnose „chronische Gastritis“ darf nur gestellt werden, wenn ein Magenkarzinom durch endoskopische und histologische Untersuchung ausgeschlossen ist.

Naturheilkundliche Behandlung bei chronischer Gastritis

Handbuch für die Naturheilpraxis 6.2.3

Biochemie nach Schüßler

Bei chronischer Gastritis können folgende Mittel eingesetzt werden: Nr. 6 Kalium sulfuricum bei chronischem Magenkatarrh mit Gastritis:naturheilkundliche TherapieSchmerzen und Schwergefühl in der Leber; Nr. 2 Calcium phosphoricum, wenn schon nach der kleinsten Speise oder nach kalten Getränken Schmerzen auftreten. Nr. 9 Natrium phosphoricum ist angezeigt bei Übersäuerung, saurem Aufstoßen und Widerwillen gegen Fett, Nr. 8 Natrium chloratum bei Säuremangel.

Ernährungstherapie

Empfehlen Sie dem Patienten mit chronischer Gastritis eine leichte Vollwertkost. Dabei ist zusätzlich auf ausreichend Ballaststoffe, Frischkost, wenig Zucker und auf einen gemäßigten Umgang mit Fett und Eiweiß zu achten. Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt sind vorteilhaft.

Homöopathie

Bei chronischer Gastritis ist eine Konstitutionsbehandlung sinnvoll, z. B. mit einem der folgenden Mittel: Acidum nitricum, Anacardium, Antimonium crudum, Argentum nitricum, Arsenicum album, Bryonia, Colocynthis, China, Ferrum metallicum, Graphites, Ignatia, Ipecacuanha, Kalium bichromicum, Kalium carbonicum, Lac caninum, Magnesium carbonicum, Natrium carbonicum, Natrium muriaticum, Nux vomica, Phosphorus, Sepia. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes Mittel verweisen. Als Komplexmittel können, z. B. Magen-Darmtropfen N Cosmochema, Gastro-Pasc® SL, eingesetzt werden.

Mikrobiologische Therapie

Bei chronischer Gastritis liegt nicht selten eine Darmdysbiose vor. In diesen Fällen helfen mikrobiologische Präparate – je nach Stuhlbefund z. B. Colibiogen®, Mutaflor® – die physiologische, verdauungsfördernd wirkende Schleimhaut wieder aufzubauen.

Neuraltherapie

Zur reflektorischen Beeinflussung und zur Schmerzlinderung werden Quaddeln am linken Rippenrand, in die Oberbauchmeridiane sowie am Rücken paravertebral im thorakolumbalen bzw. lumbalen Bereich gesetzt. Zusätzlich kann der Magenalarmpunkt (KG 12) gequaddelt werden, z. B. mit Obatri-Injektopas ® SL, gastri-loges® N.

Ordnungstherapie

Von Bedeutung für den Therapieverlauf ist die Berücksichtigung psychologischer Aspekte. Prüfen Sie, ob sich der Patient stressbedingt in einer angespannten Lebenssituation befindet und inwiefern unbewältigte Lebenskonflikte vorliegen. Auf Noxen wie Alkohol und Nikotin sollte grundsätzlich verzichtet werden.

Phytotherapie

Tausendgüldenkraut (Centaurii herba Abb. 13.41), Enzianwurzel (Gentianae radix Abb. 13.46) und Wermutkraut (Absinthii herba Abb. 13.42) enthalten Bitterstoffe, die die Magensaftsekretion anregen und die Durchblutung der Magenschleimhaut fördern. Bitterstoffhaltige Pflanzen bewirken zudem eine allgemeine Tonisierung des Verdauungstrakts (Leber und Galle), z. B. Gastritol® Dr. Klein. Eine Rollkur (13.7.3) mit Kamillentee oder die Einnahme von Leinsamen (akute Gastritis) wirken ebenfalls beruhigend auf die Schleimhäute.

Traditionelle Chinesische Medizin

Verschiedene Syndrome wie z. B. Milz-Qi- und Magen-Qi-Mangel oder ein Angriff des Leber-Qi auf den Magen können Ursache einer chronischen Gastritis sein. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Schmerzqualität, Zungenbelag sowie nach Begleitsymptomen. Bei chronischem Verlauf ist eine Kombinationstherapie aus Akupunktur und Kräutern zu empfehlen.
Schulmedizinische Therapie
Die Beschwerden des Patienten werden wie bei der akuten Gastritis symptomatisch behandelt.
Patienten mit einer Typ-A-Gastritis erhalten wegen der Gefahr einer perniziösen Anämie außerdem lebenslang alle drei Monate das fehlende Vitamin B12 parenteral verabreicht. Wegen der erhöhten Gefahr der malignen Entartung sind jährlich Kontrollendoskopien erforderlich.
Bei der Typ-B-Gastritis wird die Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori kombiniert antibiotisch und säurehemmend behandelt (13.7.3).
Reizmagen
Beim Reizmagen leidet der Patient unter wiederkehrenden Beschwerden im mittleren Oberbauch: Völle- und Druckgefühl, Magenkrämpfe, evtl. auch Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. In der Regel findet sich kein pathologischer Befund, gelegentlich ist die Salzsäureproduktion erhöht. Ein Zusammenhang mit einer Infektion durch ReizmagenHelicobacter pylori und einer chronischen Magen:ReizmagenGastritis wird diskutiert. In einigen Fällen sind Intoleranzen oder Allergien gegen Nahrungsmittel zu vermuten oder sogar nachzuweisen. Meist handelt es sich aber um eine funktionelle Störung, die sehr oft in zeitlichem Zusammenhang mit Ärger oder Stress auftritt und auf die psychovegetative und hormonelle Stressreaktion zurückzuführen ist.

Achtung

Auch die Diagnose „Reizmagen“ darf nur ausschlussdiagnostisch gestellt werden!

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Ulkus (lat. ulcus = Geschwür): Defekt von Haut oder Schleimhaut (durchdringt im Gegensatz zur Erosion die Muscularis mucosa und betrifft meist auch tiefere Wandschichten) mit schlechter Selbstheilungstendenz (Abb. 13.43). Es entsteht meist auf vorgeschädigtem Gewebe.

Im Verdauungstrakt treten am häufigsten Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre auf (Ulcus ventriculi bzw. duodeni), selten entsteht ein Ulkus in der Speiseröhre (durch gastroösophagealen Reflux) oder im Jejunum (v. a. bei Magenoperierten). Von der Ulkusgastroduodenalen Ulkuskrankheit sind 10 % der Bevölkerung betroffen. Das Ulcus duodeni ist 5-mal Ulkuskrankheit, gastroduodenalehäufiger als das Ulcus ventriculi. Die Rezidivrate beträgt > 80 %.
  • Ulcus ventriculi: Bevorzugt betroffen sind 50–60-Jährige, bei 10–20 % der Fälle besteht ein zusätzliches Ulcus duodeni, bei 75 % eine Helicobacter-pylori-Besiedelung. Cave: Bis 5 % aller Magenulzera sind exulzerierte Magenkarzinome!

  • Ulcus duodeni: Meist jüngere Menschen und Männer. Familiäre Disposition. Meist Hyperazidität. In 95 % Helicobacter-pylori-Besiedlung des Antrums. Hohe Ulcus:ventriculiRezidivneigung (80 %).

Als Sonderform wird das Stressulkus abgegrenzt, das bei Intensivpatienten durch die akute physische und psychische Stresssituation auftritt und meist ein einmaliges Ereignis bleibt.
Entstehen über Ulcus:duodeniJahre immer wieder Geschwüre des Verdauungstrakts, handelt es sich um die chronisch-rezidivierende (gastroduodenale) Ulkuskrankheit.
Krankheitsentstehung
Der Ulkusbildung liegt ein Ungleichgewicht zwischen aggressiven (die Schleimhaut Stressulkusangreifenden) und defensiven (die Schleimhaut schützenden) Faktoren zugrunde (Abb. 13.44).
Die drei wichtigsten aggressiven Faktoren bei der Ulkusentstehung sind die Salzsäure, eine Besiedelung des Magens mit dem gramnegativen Bakterium Helicobacter pylori (kurz Hp) und die Einnahme nichtsteroidaler Antiphlogistika, selten Glukokortikoide; ihre Kombination erhöht das Risiko. Selten verursacht das Zollinger-Ellison-Syndrom eine Gastritis: Hier führt ein gastrinproduzierender Tumor (Gastrinom) über eine massive Steigerung der Magensäuresekretion zu rezidivierenden Ulzera auch in tiefen Dünndarmabschnitten.

Merke

Tests zum Nachweis von Helicobacter pylori

  • Ureaseschnelltest aus Magenbiopsaten: Helicobacter-pylori-Infektionen:UraseschnelltestNach wie vor bevorzugtes Verfahren zur Routinediagnostik

  • histologische Sicherung aus Biopsaten

  • 13C- oder 14C-Atemtest: Zum nichtinvasiven Helicobacter-pylori-Infektionen:13C/-14C-AtemtestScreening, zur Erstdiagnostik bei jungen Menschen und zur Erfolgskontrolle nach Eradikationstherapie (ersetzt nicht die Endoskopie und Biopsie!)

  • serologische Untersuchungen: praktisch nur Helicobacter-pylori-Infektionen:serologische Untersuchungfür epidemiologische Zwecke

  • Helicobacter-Stuhl-Antigen-Test: Indikationen Helicobacter-pylori-Infektionen:Helicobacter-Stuhl-Antigen-Testwie bei Atemtest

Symptome

Achtung

Ca. ⅓ aller Ulkus-Patienten verspüren erst bei Komplikationen Beschwerden.

Im Vordergrund stehen episodisch auftretende, epigastrische oder paraumbilikale Schmerzen, beim Ulcus duodeni häufig nachts. Der „klassische Schmerz“ (Nüchternschmerz beim Ulcus duodeni und Sofortschmerz nach dem Essen beim Ulcus Helicobacter-pylori-Infektionenventriculi) ist eher selten. Zudem bestehen Druck-, Völlegefühl, Helicobacter-pylori-Infektionen:UlkuskrankheitInappetenz, Brechreiz.

Merke

Es gibt keine für die Ulkuskrankheit spezifischen Symptome; die Differenzierung zwischen Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni anhand der Beschwerden ist nur selten möglich.

Diagnostik
Die Diagnose wird durch Endoskopie (Ösophagogastroduodenoskopie) mit Gewebeprobe gesichert. Ein Karzinom muss sicher ausgeschlossen werden. Eine Infektion mit Helicobacter pylori kann durch verschiedene Tests nachgewiesen werden, z. B. Ureaseschnelltest (bevorzugtes Verfahren, durchgeführt nach Magenbiopsie), 13C- oder 14C-Atemtest (hauptsächlich zur Erfolgskontrolle nach Therapie) und seit Kurzem durch Helicobacter-Stuhl-Antigen-Test. Die Bestimmung des Gastrinspiegels dient dem Ausschluss eines Zollinger-Ellison-Syndroms.

Achtung

  • Da die Prognose des fortgeschrittenen Magenkarzinoms (13.7.4) schlecht ist, gilt für die Frühdiagnose: Wenn ein Patient drei Wochen nach Therapiebeginn immer noch über Magenbeschwerden klagt, muss die Diagnose gastroskopisch geklärt werden; jeder weitere Therapieversuch unterbleibt.

  • Die Diagnose „Magengeschwür“ darf nur gestellt werden, wenn ein Magenkarzinom durch endoskopische und histologische Untersuchung ausgeschlossen ist.

Komplikationen
Weil viele Patienten kaum oder gar keine Beschwerden haben, wird das Magen-Darm-Geschwür oft erst nach Auftreten von Komplikationen erkannt:
  • Blutung (bei ca. 25 % der Magen-Darm-Geschwüre): Teerstuhl, Hämatemesis, Eisenmangelanämie

  • Perforation (Durchbruch des Ulkus in die Bauchhöhle): akutes Abdomen

  • Penetration (Einbrechen des Ulkus in benachbarte Organe): Rückenschmerzen, Oberbauchschmerzen

  • Pylorusstenose (narbige Verengung des Magenausgangs): schwallartiges Blutung(en):Ulkuskrankheit, gastroduodenaleErbrechen, Gewichtsabnahme

  • maligne Entartung: Die Häufigkeit dieser Komplikation ist umstritten.

Naturheilkundliche Therapie bei gastroduodenaler Ulkuskrankheit

Handbuch für die Naturheilpraxis 6.2.4

Geben Sie dem Patienten die unter „Allgemeine Maßnahmen“ aufgeführten Empfehlungen.

Biochemie nach Schüßler

naturheilkundliche Therapie:Ulkuskrankheit, gastroduodenaleBei schlechter Heilungstendenz eines Geschwürs kann Nr. 1 Calcium fluoratum, bei Übelkeit:naturheilkundliche TherapieKrampfschmerzen Nr. 7 Magnesium phosphoricum eingesetzt werden. Nr. 5 Kalium phosphoricum ist hilfreich bei Erschöpfungszuständen und Kräfteverfall.

Ernährungstherapie

Günstig ist eine basenüberschüssige und individuell verträgliche Ernährung. Bei akuten Beschwerden sind Zucker, Kaffee, „saure“ Tees wie Früchte- oder Hagebuttentee sowie rohes saures Obst und Rohkost zu meiden.
Da die Beschwerden in der akuten Phase durch Heilfasten evtl. verstärkt werden können, ist davon abzuraten. Patienten, die bereits ein Geschwür hatten, sollten nur mit Magenschutz (z. B. Heilerde oder Kamillentee) fasten. Schleimhautschützend wirken auch Haferschleim und Leinsamen.
Achtung:Heilfasten ist im akuten Stadium eines Magen- oder Darmgeschwürs kontraindiziert.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Häufig eingesetzte Konstitutionsmittel sind: Acidum nitricum, Anacardium, Antimonium crudum, Arsenicum album, Carbo vegetabilis, Graphites, Ignatia, Kalium bichromicum, Kalium carbonicum, Lachesis, Lycopodium, Medorrhinum, Natrium carbonicum, Nux vomica, Phosphorus, Sepia, Staphisagria, Sulfur. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Argentum N Oligoplex®) eingesetzt, enthalten diese häufig Argentum nitricum (bei drückendem, brennendem Magenschmerz, Splitterschmerz) oder Anacardium (bei Nüchternschmerz und wenn Essen die Beschwerden lindert).

Neuraltherapie

Eine Quaddelung des linken Rippenbogens wirkt häufig schmerzlindernd und führt zur reflektorischen Beeinflussung des Magen-Darm-Bereichs, ebenso wie eine mediale Quaddelreihe. Zusätzlich sollten auch paravertebral Quaddeln – je nach Symptomatik – im thorakolumbalen Übergang oder Lumbalbereich gesetzt werden.

Ordnungstherapie

Empfehlen Sie dem Patienten Entspannungsverfahren, z. B. Atemübungen oder Autogenes Training, die die Therapie sinnvoll unterstützen können. Berücksichtigen Sie, dass psychische Faktoren (z. B. Stress, Konflikte, Ehrgeiz, Streben nach Anerkennung) die Krankheit mitverursachen können.
Geben Sie dem Patienten deshalb die Möglichkeit, die ihn belastenden Situationen zu schildern, und suchen Sie gemeinsam nach Möglichkeiten, wie er mit den Problemen besser umgehen könnte.

Phytotherapie

Eine Trinkkur mit frischem Weißkohlsaft unterstützt die Ausheilung des Ulkus und lindert die Beschwerden. Günstig sind ¼ l täglich.
Die Rollkur wirkt beruhigend auf die Schleimhaut. Sie wird etwa eine Woche lang ein- bis zweimal tgl. durchgeführt. Der Patient trinkt im Bett eine halbe Tasse Kamillentee aus der Thermoskanne und legt sich 10 Min. auf den Rücken. Dann trinkt er wieder eine halbe Tasse Tee, nimmt für 10 Min. die Seitenlage ein und so fort. In 40 Minuten „rollt“ er folglich einmal um seine Achse und trinkt zwei Tassen Tee.
Bewährt hat sich auch die Süßholzwurzel (Liquiritiae radix Abb. 13.45), die entzündungshemmend und krampflösend wirkt. Sie darf jedoch nur in einer bestimmten Dosierung und für eine begrenzte Zeit eingesetzt werden, da es bei längerer Anwendung zu Wassereinlagerungen und einer Blutdruckerhöhung kommen kann.
Zur vegetativen Harmonisierung sind zusätzlich ggf. Heilpflanzen wie Baldrianwurzel (Valerianae radix), Passionsblumenkraut (Passiflorae herba) und Johanniskraut (Hyperici herba), z. B. als Fertigpräparat Neurapas® balance sinnvoll.

Traditionelle Chinesische Medizin

Nach der TCM liegt ein Magen- und Milz-Qi-Mangel mit einer Schädigung durch den pathogenen (energetischen) Faktor Kälte vor. Die Differenzierung erfolgt u. a. nach Schmerzqualität und Begleitsymptomen.
Bei chronischem Verlauf werden Akupunktur und Kräuter unterstützend zur Schulmedizin eingesetzt.
Schulmedizinische Therapie
Bei vielen Perforation:Ulkuskrankheit, gastroduodenalePatienten reicht eine medikamentöse Therapie aus. Sind Helicobacter pylori nachweisbar (positiver Hp-Perforation:Ulkuskrankheit, gastroduodenaleStatus) ist eine Helicobacter-Eradikationstherapie angezeigt (Eradikation = Ausrottung). Gängig ist heute die einwöchige Therapie mit Protonenpumpenhemmern (Pharma-Info) und Antibiotika. Ist der Hp-Status negativ, stützt sich die Behandlung auf die mehrwöchige Gabe von Protonenpumpenhemmern (Hemmung der Säuresekretion) oder auf die Gabe von H2-Antagonisten (Pharma-Info), evtl. in Kombination mit anderen Ulkustherapeutika. Ulkusbegünstigende Helicobacter-EradikationstherapieMedikamente, z. B. Antirheumatika oder Glukokortikoide, werden möglichst abgesetzt.
Heute wird ein Magen-Darm-Geschwür zunehmend seltener operiert, z. B. bei Rezidiven oder Komplikationen. Es gibt verschiedene operative Techniken, den Magen teilweise zu entfernen und anschließend die Magen-Darm-Passage wiederherzustellen. Am üblichsten sind die Techniken nach dem Chirurgen Billroth. Bei der OP Billroth I wird eine gastroduodenale Verbindung geschaffen; bei Billroth II eine gastrojejunale.
Als Spätkomplikation nach Magenteilresektion beobachtet man ein erhöhtes Karzinomrisiko im Magenstumpf, weshalb ab dem 15. postoperativen Jahr alle 2 Jahre gastroskopiert werden sollte.
Trotz hoher Rezidivrate ohne Entfernung der Magenschleimhaut-Besiedlung durch Helicobacter pylori (Eradikation) ist Billroth I/II-Operation, Magenkarzinomdie Prognose für die Mehrzahl der Patienten dank der Fortschritte der konservativen Therapie gut.

Pharma-Info: Ulkustherapeutika

Die Heilungsrate bei Ulkuskrankheit nimmt mit dem Grad der Säureunterdrückung zu. Die schwach wirkenden säuresenkenden Medikamente aus der Gruppe der Antazida sind deshalb allenfalls Mittel der zweiten Wahl. Schleimhautprotektive Substanzen mit ihrem langsamen Pharma-Info:UlkustherapeutikaWirkungseintritt werden heute nur noch selten angewandt. Protonenpumpenhemmer sind den H2-Antagonisten für die meisten Indikationen überlegen.

Protonenpumpenhemmer

Protonenpumpenhemmer, z. B. Omeprazol (z. B. Rp Antra®), Lansoprazol (Agopton®) oder Pantoprazol (Pantozol®, Rifun®), vermindern die Säuresekretion durch Hemmung eines Enzyms, das für den Protonentransport der Magenschleimhaut-Belegzellen Protonenpumpenhemmer:Ulkustherapieverantwortlich ist. Protonenpumpenhemmer werden besonders bei Refluxösophagitis, zur Eradikation von Helicobacter pylori, bei der Behandlung von Ulkuskrankheit sowie beim Zollinger-Ellison-Syndrom eingesetzt. NW: gastrointestinale Symptome (z. B. Diarrhö, Obstipation), Blutbildveränderungen, Sehrstörungen.

H2-Antagonisten

H2-Antagonisten (H2-Blocker, H2-Rezeptor-Antagonisten, Histamin-H2-Antagonisten) reduzieren die Magensäuresekretion über eine Blockade der Histamin-Rezeptoren im Magen (H2-Rezeptoren). Als weniger potente „Säurehemmer“ werden sie heute bei akuten H2-Antagonisten:UlkustherapieUlzera und zur Rezidivpophylaxe seltener eingesetzt. Vorteilhaft ist die Möglichkeit der Einmalgabe zur Nacht. Die wichtigsten Substanzen sind z. B. Ranitidin (z. B. Rp Zantic®), Famotidin (z. B. Rp Famotidin ratiopharm®), und Roxatidin (z. B. Rp Roxit®). NW: allergische Reaktionen, gastrointestinale Symptome (z. B. Diarrhö), Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel, bei Männern nach längerer Einnahme Libidostörungen und Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie).

Antazida und Anticholinergika

  • Antazida, z. B. Magnesium- oder Aluminiumhydroxyd (z. B. Maaloxan®), neutralisieren die Magensäure und werden bei chronischer Gastritis gegeben. Andere Medikamente sollten in Antazida:Ulkustherapiemindestens einstündigem Sicherheitsabstand gegeben werden, da sonst die Anticholinergika:UlkustherapieResorption beeinträchtigt wird. NW: gastrointestinale Störungen, z. B. Obstipation, abführende Wirkung.

  • Anticholinergika wie Pirenzepin (Gastrozepin®, Ulcoprotect®) wirken ebenfalls säuresenkend.

Schutzfilmbildner

Schutzfilmbildner (schleimhautschützende Substanzen): z. B. Sucralfat (etwa Rp Ulcogant®), überziehen die Magenschleimhaut mit einem dünnen Film, der vor der aggressiven Magensäure schützt und etwa 6 Std. auf dem Ulkusgrund haftet. NW: Obstipation.

Antibiotika

SchutzfilmbildnerAntibiotika (25.5.2, Pharma-Info) bekämpfen die Helicobacter-pylori-Besiedlung im Rahmen der Ulkustherapie. Eingesetzt werden Penicillinabkömmlinge wie Amoxicillin (z. B. Rp Amoxypen®), Clarithromycin (z. B. Rp Klacid®) oder Metronidazol (z. B. Rp Antibiotika:UlkustherapieClont®).

Fallbeispiel „Ulcus ventriculi“

Eine 52 Jahre alte Bürokauffrau, die seit einiger Zeit aufgrund ihrer Trigeminusneuralgie behandelt wird, kommt am Morgen zusammen mit ihrem Ehemann aufgeregt in die Praxis. Sie habe gestern Abend und heute Morgen pechschwarzen Stuhl gehabt. Aus der Erstanamnese ist bekannt, dass die Patientin viele Jahre regelmäßig Schmerzmittel eingenommen hat. Die Frage, ob sie gestern eisen-, kohle- oder wismuthaltige Medikamente genommen bzw. Blaubeeren gegessen habe, verneint sie. Sie beschreibt, dass ihr in letzter Zeit oft etwas übel gewesen sei und sie häufiger Magenschmerzen gehabt hätte, besonders nach dem Essen. Doch im Gegensatz zu den Trigeminus-Schmerzen seien diese ein „Klacks“ und nicht weiter erwähnenswert gewesen, zumal sie sie anfangs noch auf Streitereien mit der Schwiegertochter zurückgeführt hätte. Im Moment habe sie ein leichtes Druckgefühl im Oberbauch, jedoch keinen Schmerz, erbrochen hätte sie nicht.

Der RR beträgt 110/70 mmHg, der Puls 90/min. Wenngleich sich die Patientin relativ wohl fühlt, lässt die Heilpraktikerin sie von ihrem Ehemann in die Klinik bringen, da sie den Verdacht auf ein blutendes Magengeschwür hat. Obwohl die Heilpraktikerin weiß, dass viele Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre lange Zeit symptomlos bleiben, wird sie ein wenig von ihrem Gewissen geplagt, weil sie in der Erstanamnese nicht noch genauer nach Symptomen des Verdauungstrakts gefragt hatte. Die Klinikeinweisung erweist sich als richtig: Dort wird eine Sickerblutung aus einem Ulcus ventriculi diagnostiziert; es liegen zahlreiche Erosionen der Magenschleimhaut vor.

Tipp

Geben Sie dem Patienten folgende Empfehlungen. Ernährung: Eine spezielle Ulkusdiät ist nicht erforderlich, da der Patient meist von selbst weglässt, was er nicht verträgt. Sinnvoller ist eine ausgewogene Ernährung unter Berücksichtigung individueller Unverträglichkeiten:

  • häufige kleine Mahlzeiten

  • auf sehr heißes, stark gewürztes und hastiges Essen verzichten

  • auf spätes Essen verzichten

  • nach den Mahlzeiten nicht hinlegen

  • ausreichend Zeit zum Essen nehmen mit gründlichem Kauen bei geregeltem Tagesablauf

  • Kaffee und Alkohol nie auf nüchternen Magen trinken, insgesamt möglichst meiden

Weitere Maßnahmen umfassen:

  • Nikotinverzicht

  • Oberkörper beim Liegen hoch lagern

  • Ruhe und Entspannung; Stress und Hektik wirken sich i. d. R. ungünstig aus

Magenkarzinom

Magenkarzinom (Magen-Ca, Magen-Neoplasma, Magenkrebs): Maligner Tumor (derzeit ca. 7 % aller Krebserkrankungen), der von den Drüsen (Adenokarzinom) oder dem Zylinderepithel der Magenschleimhaut ausgeht und v. a. Männer im 50.–70. Lebensjahr betrifft.

Krankheitsentstehung
Bekannte Risikofaktoren sind:
  • genetische Faktoren

  • Nitrosamine in der Nahrung, z. B. in Fleisch- und Wurstwaren; Asbestexposition, Nikotin-, Alkoholabusus und Adipositas für Kardia-Ca. Erhöhes Ca-Risiko bei: Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori; dies erhöht das Risiko für Magen-Ca um ca. das 6-fache mit Ausnahme des Kardia-Ca, Magenvorerkrankungen, z. B. chronische Gastritis vom Typ A oder MagenkarzinomB (5–13 %, 13.7.2), Zustand nach operativer Tumoren:MagenkarzinomMagenteilentfernung (Billroth II), Riesenfaltenmagen (Morbus Ménétrier)

  • Tabakrauch

  • Nationalität (hohes Vorkommen in China, Japan, Finnland, Chile, Kolumbien, Venezuela, möglicherweise auch ernährungsbedingt).

Insgesamt hat die Häufigkeit des Magenkarzinoms in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen.
Symptome und Untersuchungsbefund

Achtung

Typische Magenkarzinomsymptome gibt es nicht! Alle Symptome des Magenkarzinoms entsprechen denen gutartiger Magenleiden.

Das Magenkarzinom bereitet dem Patienten lange Zeit keine oder kaum Beschwerden („empfindlicher Magen“). Meist klagen die Kranken erst in späten Stadien über Gewichtsabnahme, Leistungsknick, Schmerzen, Übelkeit und evtl. Abneigung gegenüber bestimmten Speisen (häufig Fleisch und Wurst).
Chronische Blutverluste (Teerstuhl) können zu einer Anämie mit entsprechender Symptomatik führen. Ebenfalls können als unspezifische Hinweise eine erhöhte BSG sowie in späteren Stadien auch Lymphknotenschwellungen durch Metastasen vorliegen.
Diagnostik
An erster Stelle der Diagnostik steht die Gastroduodenoskopie mit Gewebeentnahme (Biopsie), Treffsicherheit > 98 %: Endosonografie, Oberbauch-Sonografie, CT des Abdomens, Knochenszintigramm und Röntgenaufnahme des Thorax dienen der Bestimmung der Tumorausdehnung (Staging) und der Metastasensuche. Als Tumormarker dienen CEA und CA 19-9.
Formen, Metastasierung und Prognose
  • Frühkarzinom: auf Mukosa und Submukosa beschränkt; sehr gute Prognose (5-Jahres-Überlebensrate > 90 %)

  • fortgeschrittenes Karzinom: über die Submukosa hinausgehend; meist im Antrum an der kleinen Kurvatur gelegen; schlechte Prognose (5-Jahres-Überlebensrate ca. 25 %)

  • Metastasierung: hämatogen v. a. in Leber, Lunge, Knochen und Gehirn; lymphogene Sonderlokalisation im sog. Virchow-Lymphknoten, tastbar oberhalb des linken Schlüsselbeins; ist dieser bereits tastbar, gilt die Prognose als infaust (unheilbar).

Therapie
Das Magenkarzinom wird operativ behandelt. Meist muss der gesamte Magen entfernt werden (Gastrektomie). Danach wird die Magen-Darm-Passage üblicherweise durch Bildung eines Ersatzmagens aus dem Dünndarm wieder hergestellt.
Eine Strahlentherapie ist wirkungslos, eine Chemotherapie bisher ebenfalls Magenkarzinom:Virchow-Lymphknotenwenig erfolgversprechend.
Palliativmaßnahmen zur Verbesserung der Nahrungspassage sind z. B. die endoskopische Abtragung des Tumors mit einer Diathermieschlinge (Hochfrequenzwärme), die Lasertherapie und die Einlage einer Ernährungssonde.
Folgezustände nach Magenoperationen
Die Folgezustände nach Magen-OP sind bedingt durch die veränderte anatomische Situation und betreffen ca. 15 % aller magenoperierten Patienten.

Fallbeispiel „Magenkarzinom“

Eine 44 Jahre alte GastrektomieChefsekretärin kommt in die Praxis, weil sie schon seit Monaten an einem „empfindlichen Magen“ leide. Sie wirkt müde und resigniert, als sie erzählt, dass sie vor Stress nicht mehr ein noch aus wisse. Ihre Ehe sei zerrüttet, und sie habe viel Streit mit einer intriganten Kollegin. „Der ganze Ärger bringt mich noch um!“ sagt sie. Fast nach jeder Mahlzeit verspüre sie krampfartige Oberbauchschmerzen, manchmal müsse sie sich unter Schmerzen übergeben, das Erbrochene sei letztens sogar leicht blutig gewesen. Appetit habe sie schon gar nicht. Allein der Gedanke an Essen verursache meist Übelkeit. Sarkastisch meint sie, dass ihr sogar die Zigaretten nicht mehr schmecken würden. In den letzten Monaten habe sie 7 Kilogramm abgenommen.

Vor Jahren sei sie bereits wegen einer chronischen Gastritis behandelt worden. Die Frage nach auffälligen Veränderungen des Stuhls oder der Stuhlgewohnheiten verläuft genauso ergebnislos wie weitere anamnestische Fragen. Die gründliche körperliche Untersuchung ergibt bis auf einen leichten Druckschmerz im Epigastrium und einen reduzierten Allgemeinzustand keine weiteren Auffälligkeiten. Die Heilpraktikerin besteht darauf, dass die Patientin sich einer Gastroskopie unterzieht, bevor sie von ihr behandelt wird und empfiehlt ihr einen guten Arzt. Insgeheim befürchtet sie, dass die Patientin an einem Magenkarzinom erkrankt ist. Leider wird dieser Verdacht bestätigt.

Das Frühdumpingsyndrom ist Folge zu rascher Nahrungspassage in das Jejunum und tritt meist nach Billroth-II-Resektionen auf. Besonders nach flüssiger Kost mit reichlich freien Kohlenhydraten strömt osmotisch bedingt Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in das Darmlumen. Dies zieht einen Volumenmangel im Gefäßsystem nach sich, was etwa 10–20 Min. nach Beginn der Mahlzeit zu Übelkeit, Erbrechen, Hitzegefühl, Schwitzen, Hypotonie, Kollapsneigung und Durchfall führt. Meist bessern sich die Beschwerden durch FrühdumpingsyndromEinhalten diätetischer Maßnahmen.
Das Spätdumpingsyndrom entsteht ebenfalls durch zu rasche Nahrungspassage nach Magenresektion oder Gastrektomie. Als Folge wird überschießend Insulin freigesetzt, was als Gegenreaktion zur Hypoglykämie (15.6.5) und ihren Symptomen führt.
Bei einem zu kleinen Restmagen treten Völle- und Druckgefühl bei und nach dem Essen und Gewichtsverlust auf. Evtl. muss erneut operiert werden.
Längerfristig kommt es bei Patienten mit Magenresektion häufig zu Vitaminmangelerscheinungen, Osteomalazie (9.5.3), SpätdumpingsyndromEisenmangelanämie (20.5.1) oder Mangel an Vitamin B12 (perniziöse Anämie 20.5.2).

Erkrankungen des Dünn- und Dickdarms

Malassimilations-Syndrom

Malassimilation: verminderte (lat. malus = schlecht) Ausnutzung der in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe durch Störungen in der Verdauung oder in der Aufnahme aus dem Darm; bei langer Krankheitsdauer Folgen wie bei Mangelernährung. Der aus der Malassimilation resultierende Symptomkomplex heißt Malassimilations-Syndrom (MAS).

Krankheitsentstehung
Ursachen der Malassimilation sind:
  • Maldigestion: unzureichende Verdauung der Nahrung, meist durch einen Mangel an Verdauungsenzymen bedingt, z. B. bei chronischer Pankreatitis, nach Magenoperationen

  • Malabsorption: Resorptionsstörung der bereits aufgespaltenen Nährstoffe in Folge chronischer Malassimilations-SyndromDünndarmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn), Darmoperation oder durch Dünndarm:Erkrankungenangeborenen Enzymmangel (z. B. Dickdarm:ErkrankungenLaktasemangel)

Symptome und Untersuchungsbefunde
Eine MaldigestionMalassimilation zeigt sich durch voluminöse Durchfälle, evtl. Fettstühle (Steatorrhö: lehmartige, klebrige, glänzende, scharf riechende Stühle, Volumen > 300 g, Fettgehalt > 7 g täglich), Gewichtsabnahme bis hin zur Kachexie (13.4.2).
Im RahmenMalabsorption eines Mangelsyndroms können auftreten:
  • Mineralstoffmangelsymptome, z. B. Knochenschmerzen bei Osteoporose, Schwächegefühl, Krämpfe (15.9.2)

  • Eiweißmangelsymptome (16.4.1), z. B. Ödeme

  • Vitaminmangelsymptome (15.9.1) v. a. an fettlöslichen Vitaminen

    • z. B. Nachtblindheit, verminderte Tränensekretion bei Vitamin-A-Mangel

    • Rachitis (bei Säuglingen und Kleinkindern), Osteomalazie (zu weiche Knochen bei Erwachsenen) bei Vitamin-D-Mangel

    • neurologische Störungen, Anämie bei Vitamin-B12-Mangel

    • Blutungsneigung bei Vitamin-K-Mangel

  • Mundwinkelrhagaden, Entzündung der Zunge (Glossitis) und Stomatitis (13.5.2)

  • Darmbeschwerden, Gärungsstühle und Blähungen bei Kohlenhydratmangel

  • Wachstumsstörungen im Kindesalter

Diagnostik
Mit Hilfe von Laboruntersuchungen kann der bestehende Mangel an Nährstoffen, Vitaminen und Mineralien nachgewiesen werden. Die Ursachenklärung der Malassimilation wird meist möglich durch Stuhluntersuchungen (13.3.4), Endoskopie mit Darmschleimhautbiopsie, Funktionstests wie D-Xylose- und Laktosetoleranz-Test, Schilling-Test und H2-Atemtest sowie weiteren Untersuchungen bis hin zum CT. Es ist auch an eine Haaranalyse zu denken.
Schulmedizinische Therapie
Die Therapie orientiert sich an der Grunderkrankung. Außerdem müssen im Rahmen einer symptomatischen Therapie der Wasser- und Elektrolythaushalt reguliert, der bestehende Mangel an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen ausgeglichen und Antidiarrhoika eingesetzt werden. Evtl. ist eine Ernährung mit Hilfe von Infusionen erforderlich.

Glutensensitive Enteropathie

Glutensensitive Enteropathie (gluteninduzierte Enteropathie): durch Glutenunverträglichkeit bedingte Schädigung der Dünndarmzotten mit Resorptionsstörungen und Malabsorptionssyndrom. Manifestation oft bereits im Kindesalter, dann als Zöliakie bezeichnet, bei Erwachsenen „einheimische Sprue“ genannt. Vollbild bei ca. 0,2 % der deutschen Bevölkerung, leichtere Formen häufiger (ca. 0,5 %). Bei konsequent glutenfreier Diät gute Prognose.

Krankheitsentstehung
Die glutensensitive Enteropathie ist eine Autoimmunerkrankung. Genetische Faktoren spielen eine Rolle (familiär gehäuftes Auftreten), auslösende Umweltfaktoren sind möglich, aber nicht gesichert.

Merke

Gluten ist das Klebereiweiß der Getreidesorten Weizen, Dinkel, Gerste, Roggen, Grünkern und Hafer.

Das Enzym Gewebstransglutaminase (tTGA) vernetzt bei glutensensitiven Menschen Gliadin (alkohollösliche Form von Gluten) mit Sprue, einheimischeBindegewebsproteinen, die antigene Strukturen darstellen. Von antigenpräsentierenden Zellen wird z. B. Gliadin zusammen mit HLA-Enteropathie, glutensensitiveKlasse-II-Antigenen präsentiert und dadurch eine T-Zell-Antwort vermittelt, die u. a. gegen die tTGA gerichtet ist. Es kommt zu einem Autoimmunprozess mit Gewebszerstörung und chronischer Entzündung.
Symptome und Untersuchungsbefunde
Die Nahrung junger Säuglinge ist in der Regel glutenfrei. Typischerweise setzen die Symptome deshalb erst mit einer gewissen Verzögerung nach Beginn der Zufütterung um den 4.–8. Lebensmonat ein.
Das Ausmaß der Beschwerden hängt von der Länge des betroffenen Darmabschnitts ab. Im Vordergrund stehen die Störung des Allgemeinbefindens, Stuhlveränderungen und Meteorismus:
  • Störung des Allgemeinbefindens: Die Patienten fühlen sich oft „schlichtweg schlecht“, mit einer z. T. ausgeprägten Neigung zur Übellaunigkeit; Schwäche und Gewichtsverlust sind häufig.

  • Stuhlveränderungen: Der Stuhlgang ist breiig, voluminös, vergoren und faul riechend. Wässrige Durchfälle kommen vor, bei schwerem Krankheitsbild evtl. auch Fettstühle.

  • Meteorismus: Durch die Kohlenhydratmalabsorption entsteht ein „Blähbauch“ (Meteorismus); Flatulenz und Abdominalschmerzen sind häufig.

Im Laufe der Zeit kommt es zu den Spätzeichen des Malassimilations-Syndroms: Ödeme, Tetanie, Blutungsneigung, Rhagaden der Stuhlveränderungen:Enteropathie, glutensensitiveMundwinkel, Zungenbrennen, rachitische Deformierungen oder Neuropathien.
Bei leichteren Verläufen beginnen die Beschwerden später und sind weniger charakteristisch, z. B. mit wiederholten Bauchschmerzen, Wachstumsverminderung, Pubertätsverzögerung und sogar Obstipation.
Ist eine Meteorismus:Enteropathie, glutensensitiveglutensensitive Enteropathie möglich, das Bild aber nicht typisch, können im Blut die Antikörper gegen Gliadin (Bestandteil des Glutens), Endomysium und Gewebstransglutaminase bestimmt werden. Diese Untersuchungen werden auch beim Screening von beschwerdefreien Familienangehörigen durchgeführt.

Naturheilkundliche Therapie bei Malassimilations-Syndrom

Ernährungstherapie und orthomolekulare Therapie

GewebstransglutaminaseDer Verzicht auf unverträgliche Nahrungsmittel ist Voraussetzung einer sinnvollen Behandlung. Oft empfiehlt sich die parenterale Substitution fehlender Mineralstoffe und Vitamine. naturheilkundliche Therapie:Malassimilations-SyndromLiegt eine Enzymschwäche vor, ist eine Enzymsubstitution indiziert.

Homöopathie

Malassimilations-Syndrom:naturheilkundliche TherapieEine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Oft ist eine konstitutionelle Behandlung mit einem der folgenden Mittel sinnvoll: Calcium carbonicum, China, Lycopodium, Magnesium carbonicum, Magnesium muriaticum, Mercurius solubilis, Natrium carbonicum, Nux vomica, Pulsatilla, Sulfur. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auch auf ein anderes Mittel verweisen. Werden Komplexmittel (z. B. Payagastron®) eingesetzt, enthalten diese häufig Aethusa (bei Milchunverträglichkeit) oder Leptandra (bei Versagen der Verdauungssäfte).

Mikrobiologische Therapie

Erfahrungsgemäß liegt häufig eine Darmdysbiose vor, die eine mikrobiologische Therapie erforderlich macht. Eine geschädigte Darmflora, die z. B. durch regelmäßige Laxanzieneinnahme, Leber- Gallenerkrankungen, chronische Gastritiden oder durch Darmmykosen hervorgerufen wird, kann die Entstehung der Malassimilation begünstigen. Um den Aufbau einer physiologischen, verdauungsfördernden Darmflora zu unterstützen, ist die Verordnung mikrobiologischer Präparate, z. B. Symbioflor®, bzw. eine antimykotische Therapie (4.2.27) sinnvoll.

Phytotherapie

Tonisierende, bitterstoffhaltige Pflanzen wie z. B. Enzianwurzel (Gentianae radix Abb. 13.46) und Tausendgüldenkraut (Centaurii herba Abb. 13.41) fördern die Sekretion der Verdauungssäfte und wirken allgemein tonisierend auf den Magen-Darm-Trakt. Man verwendet sie als Tinktur bzw. Tee oder wählt ein Fertigpräparat, z. B. Iberogast®, Gastritol®.
Diagnostik
Erhärtet sich aufgrund der Blutuntersuchungen der Verdacht auf eine glutensensitive Enteropathie oder bestehen die Symptome des Vollbilds der Erkrankung, wird eine Dünndarmbiopsie durchgeführt, die bei gleichzeitigem Ansprechen auf eine glutenfreie Diät die Diagnose sichert.
Therapie
Die einzig wirksame Behandlung besteht in einer lebenslangen glutenfreien Diät. Hierunter bildet sich die Zottenatrophie im Dünndarm bei über 90 % der Kranken zurück, und die meisten Patienten werden völlig beschwerdefrei. Zusätzlich werden in den Anfangsmonaten fehlende Vitamine, Elektrolyte und Eisen parenteral verabreicht.

Fallbeispiel „Glutensensitive Enteropathie“

Eine Mutter kommt mit ihrem achtjährigen Sohn in die Praxis. Der Junge mache ihr in letzter Zeit große Sorgen. Zwar sei er immer „anfällig“ gewesen, aber nun habe er an Enteropathie, glutensensitive:LebensmittelGewicht verloren (3 Kilogramm), sei erschreckend oft müde und fast ständig erkältet. Am auffälligsten seien die übel riechenden Durchfälle. Der Junge beschreibt seinen Stuhl als „komisch glänzend“. Er erzählt, dass seine Zunge häufig brenne; außerdem leide er an starken Blähungen und habe gelegentlich unangenehme Wadenkrämpfe. Der Junge wirkt schmal und blass, er hat Mundwinkelrhagaden, und die Konjunktiven sind blass. Die gründliche körperliche Untersuchung ergibt keine neuen Hinweise – es fallen lediglich mehrere Hämatome an Armen und Beinen auf, auch die Stick-Untersuchung des Urins ist ohne Befund. Aufgrund der typischen Symptome empfiehlt der Heilpraktiker der Mutter die Konsultation des Hausarztes, damit dieser eine umfangreiche Stuhluntersuchung veranlassen kann, um dadurch ein Malabsorptionssyndrom, z. B. aufgrund einer glutensensitiven Enteropathie (Zöliakie), auszuschließen oder zu bestätigen. Tatsächlich wird einige Tage später diese Diagnose gestellt. Der Junge muss sich in Zukunft völlig glutenfrei ernähren, was für die Familie anfangs eine große Umstellung bedeutet. Anfänglich hat der Junge erhebliche Probleme mit der neuen Situation: Die unbekannten Nahrungsmittel schmecken ihm nicht, von seinen Klassenkameraden wird er gehänselt, weil er die üblichen Speisen nicht essen darf, und er fühlt sich gegenüber seinen Geschwistern benachteiligt. Er erfährt viel Zuwendung durch seine Eltern, wodurch es ihm nach und nach gelingt, besser mit seiner Erkrankung umzugehen. Außerdem geht es ihm bald spürbar besser, was ihm ebenfalls das „Durchhalten“ leichter macht.

Tipp

Lebensmittel bei glutensensitiver Enteropathie

Bei Betroffenen ist die Aufklärung über geeignete und nicht geeignete Lebensmittel wichtig.
  • Alle „normalen“ Brot- und Backwaren, Nudeln, Bier und Malzgetränke sind für die Patienten tabu. Milchzucker sollte zunächst auch gemieden werden, da meist gleichzeitig eine Laktoseintoleranz besteht.

  • Da Gluten auch „versteckt“ in vielen anderen Produkten vorhanden ist, ist eine Kontaktaufnahme mit der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft (32.1.8) empfehlenswert, die Listen glutenfreier Nahrungsmittel herausgibt.

  • Erlaubt sind Mais, Reis, Johannisbrot, Hirse, Buchweizen, Kartoffeln und Soja sowie daraus hergestellte Produkte. Heutzutage sind viele glutenfreie Mehle, Brote und andere Lebensmittel speziell gekennzeichnet im Handel erhältlich.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Als chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) werden die unspezifischen chronischen Magen-Darm-Trakt-Entzündungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa bezeichnet Charakteristisch sind der oft schubweise Verlauf sowie die Leitsymptome Bauchschmerzen, Durchfälle und beeinträchtigtes Allgemeinbefinden. Die Erstmanifestation erfolgt meist im 15.–30. Lebensjahr. Eine Manifestation außerhalb des Magen-Darm-chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED)Trakts ist möglich.
Nach heutigem Kenntnisstand sind CED bedingt durch ein Zusammenspiel von (CED) chronisch-entzündliche Darmerkrankungenmehreren genetischen und exogenen Faktoren (deutlicher Anstieg in den Industrieländern in den letzten Jahrzehnten) und nicht psychisch verursacht: Möglicherweise durch Ernährung, häufigere Antibiotikagabe und bessere Hygiene veränderte Darmflora und gestörte Barrierefunktion der Darmschleimhaut, die zum Eindringen von an sich harmlosen Bakterien der Darmflora mit nachfolgender, zu starker Immunreaktion führt.
Morbus Crohn

Morbus Crohn (sklerosierende chronische Enteritis, Ileitis terminalis, Enteritis regionalis): chronische Entzündung unklarer Ursache, die im ganzen Verdauungstrakt vom Mund (selten) bis zum After auftreten kann. In etwa 80 % der Fälle ist der letzte Dünndarmabschnitt betrof-

fen, oft auch zusätzlich der angrenzende Dickdarmteil.

Die Entzündung umfasst alle Schichten der Organwand, die sich in Folge einer Vermehrung des Bindegewebes (Granulationsgewebe) zunehmend verdickt (Abb 13.48). Dies führt zur Einengung des Verdauungskanals.
Symptome und Untersuchungsbefund
Die Erkrankung beginnt meist allmählich und verläuft typischerweise in Schüben. Die Patienten haben chronische Durchfälle (drei- bis sechsmal täglich), krampfartige Bauchschmerzen und im akutenEnteritis regionalis Schub auch gelegentlich leichte Temperaturen. Folge einer unzureichenden Nährstoffresorption im Darm und Morbus:Crohneiner unzureichenden Nahrungsaufnahme aus Angst vor Schmerzen nach dem Essen kann ein Gewichtsverlust sein.
Bei der körperlichen Untersuchung lässt sich die Verdickung des Darms evtl. als druckschmerzhafte Resistenz (Widerstand) im Bauch tasten. Bei der Inspektion der Analregion können Fistelausgänge sichtbar sein.
Möglicherweise kommen auch Haut-, Augen-, Gelenk- und Lebererkrankungen als extraintestinale Symptome dazu.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Die Diagnose wird durch Koloskopie mit Gewebeentnahme und Kolonkontrasteinlauf gesichert. Im Röntgenkontrastbild zeigen sich meist typische Veränderungen der Schleimhaut.
Differenzialdiagnose zur Colitis ulcerosa Tab. 13.6. Bei der akuten Symptomatik müssen Sie außerdem differenzialdiagnostisch immer auch an eine Appendizitis denken.
Schulmedizinische Therapie
Die Erkrankung wird so lange wie möglich konservativ behandelt. Im akuten Schub sind Glukokortikoide (Prednisolon) am wirksamsten (19.8.1, Pharma-Info) zur Entzündungshemmung und zur Abschwächung der immunologischen Reaktion. Weiterhin werden zur lokalen Entzündungshemmung Mesalazin (5-Aminosalizylsäure, kurz 5-ASA, z. B. Rp Claversal®) und Sulfasalazin (z. B. Rp Azulfidine®) eingesetzt. Bei vielen Patienten ist eine medikamentöse Rezidivprophylaxe erforderlich.
Bleibt diese Behandlung erfolglos, ist die Gabe von Immunsuppressiva (22.7) wie Azathioprin (z. B. Rp Imurek®) angezeigt.
Bei Laktoseintoleranz (30 %) bessert milchfreie Kost und Meiden von Speisen, die der Patient nicht verträgt.
Bei schwereren Resorptionsstörungen müssen v. a. Vitamine, Folsäure, Eisen und Zink zugeführt werden.
Um den Darm zu schonen, wird im akuten Schub entweder parenteral, d. h. durch Infusionen, ernährt oder eine niedermolekulare Diät („Astronautenkost“) gegeben, die vollständig im oberen Dünndarm resorbiert wird, sodass die tiefer liegenden Darmabschnitte entlastet werden.
Manche Komplikationen wie Stenosen, Perforation, Ileus, Blutungen, Abszesse, ausgedehnte Fisteln oder schwere Resorptionsstörungen müssen operativ behandelt werden. Die Operation wird auch nach langjährigem Krankheitsverlauf angeraten, um einem Kolonkarzinom zuvorzukommen.
Naturheilkundliche Therapie Colitis ulcerosa.
Komplikationen und Prognose
Häufige Komplikationen (Abb. 13.47) sind Stenosen, Perforation, Ileus, Blutungen, Abszesse, ausgedehnte Fisteln, schwere Resorptionsstörungen oder ein Konglomerattumor (Verklebung oder Verwachsung eines Organs, die sich bei Palpation wie ein Tumor anfühlt).
Der Morbus Crohn zeigt über Jahrzehnte hinweg eine hohe Rezidivneigung und ist nur in Ausnahmefällen heilbar. Mit zunehmendem Alter kann die Krankheitsaktivität abnehmen.
Bei optimaler Therapie hat die Mehrzahl der Patienten eine normale Lebenserwartung; heilbar ist der Morbus Crohn bislang nicht.
Colitis ulcerosa

Colitis ulcerosa: chronische Dickdarmentzündung, beginnt meist im Rektum und schreitet in Richtung Dünndarm fort. Nicht selten isolierter Rektumbefall, in 30 % Befall des gesamten Dickdarms.

Die Entzündung ist auf die Schleimhaut und die Submukosa begrenzt, wo sie zu Ulzerationen und Abszessen führen kann (Abb. 13.48).

Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Nach langjähriger Erkrankung erhöhtes Entartungsrisiko.

Symptome und Untersuchungsbefund
Die blutig-schleimigen Durchfälle treten bis zu 30-mal täglich auf und sind von Konglomerattumorkrampfartigen Schmerzen (Tenesmen) begleitet. Bei schwerer Entzündung kommen Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Gewichtsabnahme hinzu.
Diagnostik und Differenzialdiagnose
Genau wie beim Morbus Crohn wird die Diagnose durch eine komplette Koloskopie mit Gewebeentnahme und ggf. einen Kolonkontrasteinlauf gesichert. Die wichtigste Differenzialdiagnose (Tab. 13.6) ist der Morbus Crohn, man muss aber auch an eine infektiöse Gastroenteritis (25.14Colitis ulcerosa.2), eine Durchblutungsstörung im Bereich des Dickdarms (ischämische Kolitis) und eine Divertikulitis (13.8.5) denken.
Komplikationen
Gefährlichste Komplikation ist das toxische Megakolon, eine massive Erweiterung des Darmlumens durch Schädigung der Darmwandnerven.
Symptome sind Erbrechen, hohes Fieber, ein aufgetriebener, gespannter Bauch und Schockzeichen (11.5.3). Es stellt wegen der Perforations- und Peritonitisgefahr eine absolute Operationsindikation dar (Noteingriff).

Naturheilkundliche Therapie bei Colitis ulcerosa und Morbus Crohn

Handbuch für die Naturheilpraxis 6.3.1

Mit einer naturheilkundlichen Behandlung lassen sich oftmals gute Erfolge in dem Sinne erzielen, dass Schübe seltener und das Allgemeinbefinden besser werden. Im akuten Stadium naturheilkundliche Therapie:Colitis ulcerosaund in schweren Fällen werden naturheilkundliche Maßnahmen lediglich unterstützend naturheilkundliche Therapie:Hypertonieeingesetzt. Insgesamt ist bei einer ganzheitlichen Behandlung die Berücksichtigung psychologischer Aspekte sehr wichtig.

Ernährungstherapie

Im beschwerdefreien Intervall eignet sich bei Normgewicht als Therapieeinstieg die milde Ableitungsdiät oder Heilfasten, um den Darm zu beruhigen. Erfahrungsgemäß liegt häufig eine Milchunverträglichkeit vor. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollten abgeklärt werden. Zur Linderung der Symptomatik werden häufig Fertigpräparate eingesetzt, z. B. Allergolact Syxyl®.
Im akuten Stadium muss der Darm geschont werden, d. h., der Patient sollte keine Nahrung zu sich nehmen.
Empfehlen Sie dem Patienten – vorausgesetzt es liegen keine Stenosen vor – eine ballaststoffreiche Vollwerternährung, die langfristig angestrebt werden sollte.
Da isolierte Zucker, gehärtete Margarine (Trans-Fettsäuren), Kuhmilch und Weizen als begünstigende Faktoren bei der Entstehung des Morbus Crohn diskutiert werden, sind diese Nahrungsmittel zu meiden. Ungünstig sind auch Schweinefleisch und Wurst.

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Da psychische Faktoren stark im Vordergrund stehen, ist eine konstitutionelle Behandlung – z. B. mit einem der folgenden Mittel – sinnvoll: Aloe, Argentum nitricum, Arsenicum album, Cantharis, Carcinosinum, Helleborus, Ignatia, Kalium nitricum, Lachesis, Lilium tigrinum, Lycopodium, Mercurius solubilis, Mercurius corrosivus, Natrium muriaticum, Natrium sulfuricum, Nitricum acidum, Nux vomixca, Phosphoricum acidum, Sulfur, Zincum. Da charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome die Mittelwahl bestimmen, kann auch ein anderes Mittel angezeigt sein.
Werden Komplexmittel (z. B. Aloe Synergon N Nr. 77 oder Mercurius solubilis N Oligoplex®) eingesetzt, enthalten diese häufig Aloe (bei morgendlichen Durchfällen mit Blutabgang und großer Schwäche) oder Quecksilbersalze (bei Colitis ulcerosa).

Mikrobiologische Therapie

Erfahrungsgemäß liegen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa häufig Darmdysbiosen vor. Durch die mikrobiologische Therapie werden nach eingehender Diagnostik mittels entsprechender Präparate die pathologischen Keime reduziert und die physiologische Darmflora wieder hergestellt.

Orthomolekulare Therapie

Berücksichtigen Sie auch, dass aufgrund der gestörten Resorption in vielen Fällen eine Substitution von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen erforderlich ist. Dies betrifft v. a. die fettlöslichen Vitamine A, D, E, und K, die im akuten Stadium, wenn es zu den durchfallbedingten Verlusten kommt, zu ersetzen sind. Ebenso sind verstärkt Vitamin B12, Zink und Selen zuzuführen. Bewährt hat sich auch der Einsatz von Enzymen, die aus Ananas, Papaya oder Mango hergestellt werden, zum Abbau von Immunkomplexen.

Phytotherapie

Mithilfe gerbstoffhaltiger Heilpflanzen wie z. B. Blutwurzwurzelstock (Tormentillae rhizoma Abb. 13.34) können die Durchfälle gelindert und der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst werden. Aufgrund des hohen Gerbstoffanteils ist die orale Einnahme als Tinktur zu bevorzugen, während sich die Zubereitung als Tee für Einläufe eignet.
Weihrauch (Boswellia serrata) enthält Boswelliasäuren mit ausgeprägt antiphlogistischen Wirkeigenschaften. Die Heilpflanze kommt bei entzündlichen Darmerkrankungen als Fertigpräparat zum Einsatz, z. B. Olibanum RA Weihrauch Tbl.
Um die Krämpfe zu lindern, sind spasmolytisch wirkende Pflanzen wie Pfefferminzblätter (Menthae piperita folium Abb. 13.49) und Schöllkraut (Chelidonii herba Abb. 14.32) einzusetzen. Gute Ergebnisse gibt es auch mit Myrrhe (Myrrha, z. B. Myrrhinil-Intest®) und Kohletabletten.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der chinesischen Medizin existiert keine vergleichbare Diagnose. Entzündliche Darmerkrankungen werden nach symptomatischen Gesichtspunkten wie Durchfall, Blut im Stuhl oder Schmerzen unterschieden. Gute Erfolge erzielt man bei leichtem bis mittelschweren Verlauf mit einer Kombinationstherapie aus Akupunktur und Kräutern.
Bei chronischer Colitis ulcerosa kann sich nach ca. 20- bis 30-jähriger Krankheitsdauer ein Dickdarmkarzinom entwickeln.
Schulmedizinische Therapie und Prognose
Die medikamentöse Therapie ähnelt der des Morbus Crohn. Sulfasalazin (z. B. Rp Azulfidine®) und Mesalazin (z. B. Rp Megakolon, toxischesSalofalk®) können bei alleinigem Befall des Rektums und tiefer Dickdarmabschnitte auch als Zäpfchen oder Klysma (Klistier) gegeben werden.
Im akuten Schub helfen Glukokortikoide zusätzlich zu den Salizylaten; auch Ciclosporin kann gegeben werden. Außerdem müssen durchfallbedingte Elektrolyt- und Flüssigkeitsverluste ausgeglichen werden.

Fallbeispiel „Colitis ulcerosa“

Ein 32 Jahre alter ProktokolektomieRechtsanwalt sucht einen Heilpraktiker auf, weil er seit etwa drei Wochen zunehmende Schmerzen im Unterbauch und Durchfälle hat, auf denen immer wieder geringe Mengen Blut zu sehen sind. Gestern habe er richtig Angst bekommen, weil er über fünfzehn leicht blutige Durchfälle gehabt habe. Auf Nachfrage erzählt der Patient, dass er vor etwa einem halben Jahr bereits einmal Blutauflagerungen auf seinem Stuhl festgestellt habe, allerdings sei damals der Stuhl selbst nicht verändert gewesen. Mit „Hämorrhoiden-Zäpfchen“ und Sitzbädern, die er sich selbst verordnet hätte, habe er die Beschwerden damals recht schnell „in den Griff bekommen“. Diesmal seien solche Maßnahmen jedoch erfolglos gewesen. Der Patient ist blass; der RR ist normal, der Puls beträgt 90 Schläge/Minute. Der linke Unterbauch ist leicht druckschmerzhaft; auf die rektale Untersuchung verzichtet der Heilpraktiker, da er bereits die Notwendigkeit schulmedizinischer Abklärung sieht und dem Patienten diesen Untersuchungsgang ersparen möchte. Die zwischenzeitlich durchgeführte Schnellsenkung zeigt eine deutliche BSG-Erhöhung. Der Heilpraktiker stellt die Verdachtsdiagnose Colitis ulcerosa. Infektionskrankheiten mit blutigen Durchfällen scheiden aufgrund der Anamnese und des rezidivierenden Verlaufs eher aus, dennoch müssen sie ausgeschlossen werden, ebenso Morbus Crohn und Dickdarmtumoren. Deshalb überweist der Heilpraktiker den Patienten zum Arzt. Koloskopie und Biopsie bestätigen den Verdacht des Heilpraktikers.

Die Ernährung gleicht der beim Morbus Crohn. Eine ballaststoffreiche Ernährung zur Anregung der Darmperistaltik hat sich allerdings nicht bewährt.
Bei der relativ häufigen Milchunverträglichkeit müssen Milch und Milchprodukte gemieden werden.
Versagt die konservative Therapie oder treten Komplikationen auf, ist eine Operation erforderlich. Dabei wird der gesamte Dickdarm einschließlich des Rektums entfernt (Proktokolektomie). Dabei ist das Ziel, die Kontinenz möglichst zu erhalten. Das Kolon muss allerdings komplett entfernt werden, da sonst mit einem Rezidiv zu rechnen ist.
Die Colitis ulcerosa ist durch Proktokolektomie beherrschbar.

Appendizitis

Akute Appendizitis (Wurmfortsatzentzündung, umgangssprachlich fälschlicherweise auch Blinddarmentzündung): akute (bakterielle) Entzündung der Appendix vermiformis; betrifft v. a. Kinder ab dem Grundschulalter und jüngere Erwachsene.

Krankheitsentstehung
Ursache der akuten Appendizitis ist meist eine Infektion bei Verschluss des Appendixlumens, z. B. durch Narbenstränge aufgrund chronischer Entzündung oder Kotsteine. Das gestaute Sekret schädigt durch Druck die Appendixwand und bildet einen optimalen Nährboden für Bakterien.
Symptome
Die „klassischen“ Symptome der Appendizitis sind:
  • Appetitlosigkeit (bei Kindern oft der entscheidende Hinweis)

  • zunächst ziehende, oft kolikartige Schmerzen in der Nabelgegend oder im Epigastrium. Nach Appendizitis:akuteeinigen Stunden Schmerzverlagerung in den Appendizitisrechten Unterbauch. Dauerschmerz mit Verstärkung beim Gehen und Schmerzlinderung bei Beugen des rechten Beins

  • Übelkeit und Erbrechen

  • mäßiges Fieber, rektal-axilläre Temperaturdifferenz > 0,8 °C.

Achtung

Nur etwa die Hälfte der Patienten zeigt die „klassische“ Symptomkonstellation.

Untersuchungsbefund
Bei der körperlichen Untersuchung fallen eine belegte Zunge und Tachykardie auf sowie bei Temperaturmessung häufig eine Differenz zwischen axillär und rektal gemessenem Wert von > 0,8 °C. Die häufigsten Befunde bei der Untersuchung des Bauchs sind:
  • lokaler Druck- und Klopfschmerz im rechten Unterbauch am McBurney- und Lanz-Punkt (13.3.2)

  • Loslassschmerz am McBurney- und Lanz-Punkt: Schmerzen im rechten Unterbauch bei plötzlichem Loslassen des eingedrückten Bauchs auf der rechten Seite

  • gekreuzter Loslassschmerz (kontralateraler Loslassschmerz, Blumberg-Zeichen): Schmerzen im rechten Unterbauch bei plötzlichem Loslassen des eingedrückten Bauchs auf der linken Seite (13.3.2)

  • lokale Abwehrspannung

  • Klopfschmerz:AppendizitisDouglas-Schmerz: Druckschmerz bei rektaler Untersuchung

  • Psoas-Zeichen: ein Unterbauchschmerz rechts beim Heben des gestreckten rechten Beins gegen Widerstand

Diagnostik und Differenzialdiagnose
Loslassschmerz:AppendizitisDie Verdachtsdiagnose wird klinisch gestellt, d. h. aufgrund der Symptome. Obwohl die akute Appendizitis sehr häufig ist, ist die frühzeitige Diagnose schwierig, da einerseits zahlreiche Lageanomalien der Appendix die verschiedensten Schmerzlokalisationen Douglas-Schmerz:Appendizitishervorrufen, andererseits die Symptomatik je nach Alter des Patienten variiert.
So haben kleine Kinder häufig einen geblähten Bauch und fast immer Psoas-Zeichen:AppendizitisFieber und Appetitlosigkeit. Alte Menschen dagegen haben oft nur geringe Beschwerden, weil ihre körperlichen Reaktionen auf die Entzündung abgeschwächt sind (Altersappendizitis).
Besonders schwierig ist das rechtzeitige Erkennen einer akuten Appendizitis in der Schwangerschaft, weil hier die anatomischen Veränderungen auch das typische klinische Bild verändern (Schwangerschaftsappendizitis).
Die Blutuntersuchung zeigt fast immer eine Leukozytose. Weitere Laborwertbestimmungen dienen v. a. dem Ausschluss anderer Ursachen, z. B. einer akuten Pankreatitis (14.7.1), Pyelonephritis (16.6.2) oder einer Adnexitis (17.11.1).
Die Differenzialdiagnose der Appendizitis:im AlterAppendizitis ist schwierig. Alle Ursachen eines akuten Abdomens (13.4.8) sowie die Entzündung eines Meckel-Divertikels sind in Betracht zu ziehen.
Komplikationen
Hauptkomplikation der Appendizitis ist die Perforation.
Bei der offenen Perforation fließt eitriges Sekret Appendizitis:Schwangerschaftin die freie Bauchhöhle und führt zu einer lebensbedrohlichen diffusen Peritonitis. Von einer gedeckten Perforation spricht man, wenn sich durch vorherige Entzündungen Adhäsionen (Verwachsungen) gebildet haben, die eine Verbreitung des eitrigen Sekrets im Abdomen verhindern, oder wenn z. B. das große Netz die Perforation abdeckt. Dann kommt es zu einer begrenzten lokalen Peritonitis mit Eiteransammlung im rechten Unterbauch (perityphlitischer Abszess).

Fallbeispiel „Appendizitis“

Eine 19 Jahre alte Schülerin kommt zum Heilpraktiker, weil sie diesmal ungewöhnlich starke Menstruationsschmerzen habe. Da sie für eine Klausur am nächsten Tag „fit“ sein will, ihre Gynäkologin jedoch zur Fortbildung ist, kommt sie zu ihm. Der Heilpraktiker fragt Abszess:perityphlitischerals erstes nach den Begleitumständen, um andere mögliche Ursachen der Schmerzen nicht zu übersehen. Tatsächlich leidet die Patientin seit Stunden nicht nur unter zunehmenden Schmerzen im rechten Unterbauch, sondern auch unter Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Sie hat rektal 38,2 °C Fieber. Der Lanz-Punkt und der McBurney-Punkt sind druckschmerzhaft, das Blumberg-Zeichen positiv. Der Heilpraktiker teilt der Patientin mit, dass sie höchstwahrscheinlich ihre Klausur am nächsten Tag verpassen werde. Er müsse sie umgehend ins Krankenhaus einweisen, denn er habe den dringenden Verdacht auf eine akute Appendizitis.

Therapie
Kann eine Appendizitis vom Facharzt nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, erfolgt die operative Entfernung der Appendix (Appendektomie), da diese ungefährlicher ist als die Komplikationen der Appendizitis.

Achtung

Bei Verdacht auf Appendizitis muss der Patient sofort in ein Krankenhaus überwiesen werden.

Chronische Appendizitis
Eine chronische Appendizitis entwickelt sich meist aus einer (verschleppten) akuten Appendizitis. Sie äußert sich mit unspezifischen Symptomen im rechten Unterbauch, bildet aus naturheilkundlicher Sicht ein Störfeld und kann sich jederzeit wieder zum akuten Krankheitsbild zurückentwickeln.

Dickdarmdivertikulose und Dickdarmdivertikulitis

Divertikel: umschriebene Ausstülpung von Wandteilen eines Hohlorgans.

(Dickdarm-)Divertikulose: zahlreiche, meist falsche Divertikel (Abb. 13.50) v. a. in Colon descendens und Sigma.

Divertikulitis: Entzündung der Wand und meist auch der Umgebung eines Divertikels.

Echte AppendektomieDivertikel (Ausstülpung der gesamten Darmwand) sind selten. Meist treten Pseudodivertikel (Ausstülpung der Darmschleimhaut durch Lücken in der Darmmuskulatur)Appendizitis:chronische auf. Prinzipiell im ganzen GIT möglich; in 80 % der Fälle ausschließlich Sigma betroffen.
Krankheitsentstehung
Dickdarmdivertikel entstehen durch eine DarmwandschwächeDivertikel (konstitutionell,Divertikulitis im Alter) in Kombination mit erhöhtem Darminnendruck. Begünstigend wirken sich also ballaststoffarme Ernährung, Obstipation, Divertikel:echteÜbergewicht und Bewegungsmangel aus.
Ursache einer Divertikulitis ist in der Aussackung Divertikel:Pseudodivertikelgestauter Darminhalt, der die Divertikelwand reizt und schließlich zur Entzündung führt.
Symptome und Untersuchungsbefunde
PseudodivertikelDie Divertikulose bleibt in der Regel symptomlos. Bei einer Divertikulitis klagen die Patienten typischerweise über krampfartige Schmerzen im linken Unterbauch, die oft nach dem Essen zu- und nach erfolgtem Stuhlgang abnehmen, über Stuhlunregelmäßigkeiten (Obstipationen oder Durchfälle) und Blähungen. Die Symptome ähneln denen einer akuten Appendizitis (13.8.4). Da die Schmerzen im linken Unterbauch lokalisiert sind, wird die Divertikulitis häufig auch als „Linksappendizitis“ bezeichnet. Blut- und Schleimbeimengungen im Stuhl sowie Fieber sind möglich. Bei der Untersuchung lässt sich mitunter eine walzenförmige Resistenz im linken Unterbauch tasten.
Diagnostik
Eine Divertikulose wird durch Kolonkontrasteinlauf oder Koloskopie (13.3.4) diagnostiziert, oft als Nebenbefund anderer Erkrankungen. Bei Verdacht auf akute Divertikulitis sind diese Untersuchungen kontraindiziert. Die Blutuntersuchung zeigt bei einer Divertikulitis die typischen Entzündungszeichen, z. B. Leukozytose, erhöhte BSG.
Komplikationen der Divertikulitis
Appendizitis:LinksappendizitisHauptkomplikationen der Divertikulitis sind gedeckte Perforation (evtl. mit Abszessbildung), offene Perforation (ggf. mit diffuser Peritonitis), Fistelbildung zu Harnblase und Vagina, Divertikelblutung durch Arrosion („Anfressen“) umliegender Blutgefäße sowie insbesondere bei chronischem Verlauf recht häufig narbige Einengungen (Stenosierungen) des Darms, die zu einem mechanischen Ileus (13.4.9) führen können.
Therapie
Divertikel, die keine Beschwerden machen, müssen in der Regel nicht behandelt werden. Zur Prophylaxe einer Divertikulitis reicht eine Ernährungsumstellung mit Perforation:gedeckteballaststoffreicher Kost und reichlicher Flüssigkeitszufuhr. Zur Behandlung einer leichten Perforation:offeneDivertikulitis wird eine spezielle Kost (niedermolekulare Formeldiät = leicht verdauliche „Astronautennahrung“) verabreicht. Patienten mit schweren Verläufen und ausgeprägter Symptomatik gehören in stationäre Behandlung, wo sie i. v.-Antibiotikatherapie und parenterale Ernährung verordnet bekommen. Bei rezidivierendem Auftreten erfolgt die operative Entfernung des betroffenen Darmabschnitts, meist des Sigmas.

Reizdarmsyndrom

Reizdarmsyndrom (Colon irritabile, spastisches Kolon): häufige funktionelle Darmstörung ohne fassbare organische Ursache; psychische Ursachen stehen dabei meist im Vordergrund. Altersgipfel 30 bis 40 Jahre, Frauen häufiger betroffen als Männer.

Etwa die Hälfte der Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden und ca. 20 % der Gesamtbevölkerung leiden an einem Reizdarm-Syndrom, das neben der Dyspepsie (13.7.1) die häufigste gastrointestinale Störung ist.
Krankheitsentstehung
Die Ursache des Reizdarmsyndroms ist unklar, diskutiert werden z. B. eine veränderte Darmbeweglichkeit, eine zu starke Schmerzempfindlichkeit des Darms und psychosomatische Faktoren.
Symptome und Untersuchungsbefund
Das Colon irritabileKrankheitsbild äußert sich vielgestaltig in der Kombination folgender Symptome:
  • variable, oft krampfartige ReizdarmsyndromUnterbauchschmerzen, die sich typischerweise nach Stuhlentleerung bessern sowie durch Stress verschlimmern

  • Druck- und Spannungsgefühl im Unterbauch, die meist als „Blähungen“ oder „Völlegefühl“ bezeichnet werden

  • Obstipation oder Diarrhö oder aber ein Wechsel von Obstipation und Diarrhö, häufig mit Schleimabgang. Breiige Stühle können insbesondere die Schmerzepisoden begleiten.

  • Depressive Verstimmungen oder Angstgefühle sind häufig, und oft bestehen gleichzeitig Oberbauchbeschwerden (funktionelle Dyspepsie), Müdigkeit sowie urologische und gynäkologische Beschwerden.

Merke

Der Schmerz beeinträchtigt den Nachtschlaf in der Regel nicht.

Der körperliche Untersuchungsbefund ist unergiebig. Auffällig ist der trotz der chronischen Beschwerden gute Allgemeinzustand des Patienten.
Diagnostik
Die Diagnose eines Reizdarmsyndroms ist eine Ausschlussdiagnose, meist sind gezielte und evtl. belastende Untersuchungen notwendig, z. B. eine Koloskopie.

Je kürzer die Vorgeschichte und je älter der Patient ist, desto unwahrscheinlicher ist ein Reizkolon. Fieber, nächtliche Schmerzen, Gewichtsverlust, Blut im Stuhl und Leukozytose schließen ein Reizkolon aus.

Schulmedizinische Therapie
Eine kausale Therapie zur Behandlung des Reizdarmsyndroms gibt es nicht. Kostveränderung wie kleinere, ballaststoffreichere Mahlzeiten, Meiden nicht verträglicher Lebensmittel und kohlensäurehaltiger Getränke, langsames Essen mit gutem Kauen, Hausmittel (z. B. warmes Bad), regelmäßige Lebensweise mit körperlicher Bewegung und psychotherapeutische Beratung können langfristig helfen. Arzneimittel können zur Symptomlinderung (zurückhaltend) verabreicht werden.
Wegen der häufigen Obstipationen neigen die Patienten zum Laxanzienabusus. Deshalb sind diese Medikamente (13.4.5, Pharma-Info) zu vermeiden. Sie werden höchstens zur kurzfristigen Darmreinigung unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt. Die gleichzeitig angestrebte Kostveränderung setzt Einsicht der Patienten voraus, die umfassend über das Krankheitsbild aufgeklärt werden müssen.

Naturheilkundliche Therapie des Reizdarmsyndroms

Handbuch für die Naturheilpraxis 6.3.3

Die naturheilkundliche Behandlung des Colon irritabile ist oft langwierig, aber erfolgversprechend.

Ab- und Ausleitungsverfahren

Baunscheidtieren (Abb. 13.51) naturheilkundliche Therapie:Reizdarmsyndromdes unteren Rückens, v. a. der Reflexzonen von Th 10–L 3 hat sich als sehr Reizdarm-Syndrom:naturheilkundliche Therapiewirksam erwiesen. Die Behandlung sollte allerdings öfter wiederholt werden. Sie können die Reflexzonen auch trocken schröpfen.

Ernährungstherapie

Durch Heilfasten wird ein starker Umstimmungsreiz gesetzt, der die Beschwerden günstig beeinflusst. Sie können dem Patienten aber auch eine milde Ableitungsdiät empfehlen. Danach sollte der Frischkostanteil allmählich gesteigert und langfristig eine leichte Vollwertkost mit nicht zu hohem Ballaststoffanteil angestrebt werden. Unverträgliche Nahrungsmittel sollte der Patient meiden. Liegt eine Darmdysbiose vor, helfen mikrobiologische Präparate (4.2.27).

Homöopathie

Eine ausführliche Anamnese und sorgfältige Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Folgende Konstitutionsmittel können zur Behandlung des Reizkolons angezeigt sein: Agaricus muscarius, Argentum nitricum, Natrium carbonicum, Natrium muriaticum, Nux vomica. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können auch auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Plumbum aceticum N Oligoplex®) eingesetzt, enthalten diese häufig Belladonna (bei plötzlichem Kommen und Gehen der Beschwerden, bei häufigen Stühlen im Wechsel mit Obstipation) oder Colocynthis (bei Kolikschmerzen, dünnen Stühlen).

Ordnungstherapie

Seelische Konflikte stehen oft im Zusammenhang mit einem Reizkolon und erfordern eine psychologische Unterstützung. Geben Sie dem Patienten die Möglichkeit, die ihn belastenden Konflikte zu schildern. Empfehlen Sie Entspannungsverfahren (z. B. AutogenesTraining, Yoga), Atem- oder Körpertherapien, die den Kontakt zum eigenen Körper verbessern helfen. Sinnvoll ist es auch, die Essgewohnheiten zu überprüfen und ggf. die körperliche Bewegung zu steigern.

Phytotherapie

Pflanzen mit spasmolytischen Eigenschaften, z. B. Pfefferminzblätter (Menthae piperita folium Abb. 13.49), und karminativ wirkende Pflanzen, z. B. Fenchelfrüchte (Foeniculi fructus vulgare Abb. 13.30) oder Kümmelfrüchte (Carvi fructus Abb. 13.29), gegen die auftretenden Blähungen haben sich zur Behandlung des Reizdarms bewährt. Pfefferminzöl (z. B. Medacalm® Kapseln) wirkt entspannend und reguliert die verkrampfte Muskulatur. Es empfiehlt sich, zusätzlich beruhigend wirkende Pflanzen wie Baldrianwurzel (Valerianae radix Abb. 29.8) und Melissenblätter (Melissae folium Abb. 13.40) einzusetzen.
Bei Patienten mit überwiegender Obstipation ist die Einnahme von Quellstoffpräparaten, z. B. Leinsamen (Lini semen Abb. 13.52) oder Indischem Flohsamen bzw. -schalen (Plantaginis ovatae semen/-testa), sinnvoll. Die enthaltenen Schleime quellen im Darm auf ein Mehrfaches ihres ursprünglichen Volumens auf. Dadurch wirken sie nicht schleimhautreizend, sondern auf physiologischem Wege stuhlregulierend.

Traditionelle Chinesische Medizin

Die chinesische Medizin kennt keine vergleichbare Diagnose. Die Behandlung erfolgt nach symptomatischen Gesichtspunkten wie Schmerzen, Obstipation, Durchfall oder Blähungen. Ursache kann eine dauernde emotionale Anspannung sein, die zu einer Leber-Qi-Depression führt. Günstig ist eine Kombinationstherapie aus Akupunktur und Kräutern.

Dickdarmpolypen

Dickdarmpolyp: gutartiger (benigner) Tumor, der meist von der Darmschleimhaut ausgeht (Adenom) und bei 10 % der Erwachsenen auftritt; in 50 % der Fälle handelt es sich um Rektumpolypen.

Polyposis intestinalis: mehr als 100 Polypen im Darm; eine Sonderform ist die erbliche familiäre Polypose (Adenomatosis coli), bei der die Kolonschleimhaut von Adenomen förmlich übersät ist.

Krankheitsentstehung
Bei der Entstehung spielen wahrscheinlich die Ernährungsgewohnheiten in den hoch entwickelten Industrieländern (viel Fleisch und tierische Fette, wenig Ballaststoffe) eine Rolle. Dafür spricht, dass Polypen v. a. in Europa und Nordamerika und gehäuft im höheren Lebensalter auftreten.
Symptome
Meist führen die Adenome nicht zu Beschwerden und werden dann erst bei einer Dickdarmuntersuchung aus anderen Gründen als Zufallsbefund diagnostiziert. Mitunter können Polyposis intestinaliskleinere Mengen Blut (Nachweis okkulten Blutes im Stuhl) abgesetzt werden. Einige Adenomformen können große Mengen Schleim absondern und so zu einem DickdarmpolypenKalium- und Eiweißmangel führen. Bei großen Polypen kommt es zu Passagestörungen evtl. mit Ileus oder mit Malabsorption, zu abdominalen Schmerzen und Koliken.
Komplikationen
Alle Dickdarmpolypen haben ein Entartungsrisiko (Abb. 13.53). Bei einer familiären Polypose entwickelt praktisch jeder Patient früher oder später ein Karzinom, meist nach ca. 15 bis 20 Jahren.
Diagnostik und Therapie
Wegen des Entartungsrisikos der Adenome wird jeder Polyp endoskopisch abgetragen und histologisch beurteilt. Der Patient sollte in regelmäßigen Abständen mittels einer Darmspiegelung nachuntersucht werden, auch wenn eine bereits durchgeführte feingewebliche Untersuchung keinen bösartigen Befund ergeben hat, da Dickdarmpolypen dazu neigen, immer wieder aufzutreten. Das Risiko für die Entstehung eines Dickdarmkarzinoms bleibt also auch nach einer solchen Polypenabtragung bestehen.
Bei größeren Adenomen und Passagestörungen kann eine operative Entfernung von Teilen des Dickdarms erforderlich sein, bei Polyposis intestinalis ist dies aufgrund des Entartungsrisikos immer angezeigt.

Kolorektales Karzinom

Kolorektales Karzinom (Dickdarm- bzw. Mastdarmkarzinom, Kolon-Rektum-Karzinom):

Zweithäufigster bösartiger Tumor in industrialisierten Ländern (Lebenszeitrisiko 6 %). Histologisch meist Adenokarzinom. Altersgipfel 55.–75. Lebensjahr, Männer: Frauen = 3:2. Frühzeitig behandelt gute Prognose.

Krankheitsentstehung
Die Entstehung eines kolorektalen Karzinoms scheint verschiedene Ursachen zu haben, die – alle zusammengenommen – zu einer bösartigen Veränderung v. a. der Drüsenkörper des Darms führen. Dazu gehören tumorfördernde Stoffwechselprodukte im Darminhalt, aber auch genetische Veränderungen in den Zellen der Darmschleimhaut.
Wie die gutartigen Dickdarmpolypen kommt das kolorektale Karzinom in Ländern, in denen ballaststoffreiche Nahrungsmittel (ungeschälter Reis, Vollkornmehl) verzehrt werden, wesentlich seltener vor als in Ländern, in denen die kolorektales KarzinomBallaststoffe aus der Nahrung entfernt werden. Eine Tumoren:kolorektales Karzinomfamiliäre Häufung weist auf genetische Einflüsse hin.
Als Karzinomvorstufen (Präkanzerosen) gelten Polypen – besonders die familiäre Polyposis (13.8.7) – und die Colitis ulcerosa (13.8.3).
Symptome und Untersuchungsbefunde
Symptome treten in der Regel erst spät auf. Jeder Wechsel von Stuhlgewohnheiten ohne erklärbare Ursache, z. B. Obstipation und/oder Diarrhö (auch abwechselnd auftretend), ist bei Menschen ab dem 40. Lebensjahr verdächtig auf ein kolorektales Karzinom. Da die Patienten diesem Symptom aber oft lange Zeit keine Beachtung schenken, kommen sie erst bei weiteren Beschwerden wie Blut im Stuhl, Gewichtsabnahme, krampfartigen Schmerzen und Ileussymptomen (durch die PräkanzerosenTumorstenose) in die Praxis. Durch die chronischen, oft unbemerkten Blutverluste entsteht eine Anämie (20.4.1).
Die Metastasierung erfolgt je nach Lokalisation des Karzinoms. Hämatogene Metastasen befallen v. a. die Leber aber auch die Lunge oder das Skelett, und hier besonders die Wirbelsäule. Lymphogene Metastasen treten relativ spät auf, z. B. in den Mesenterial-, Becken- oder Leistenlymphknoten.

Merke

Symptome bei Kolon-/Rektumkarzinom sind:

  • Obstipation/Diarrhö (auch wechselnd)

  • Blut im Stuhl

  • Gewichtsabnahme

  • diffuse „Kreuzschmerzen“ (bei Metastasierung in die Wirbelsäule)

  • weitere Symptome: reduzierter Allgemeinzustand, chronische Blutungsanämie, Schmerzen, evtl. tastbarer Tumor, im Spätstadium Ileus

Diagnostik
Ergibt sich aus Anamnese und körperlicher Untersuchung (Abb. 13.54) der Verdacht auf ein Kolon-/Rektumkarzinom, muss die weitere Diagnostik durch einen Facharzt erfolgen (Abb. 13.55). Hierfür werden in erster Linie Koloskopie mit Gewebeprobe, Kontrastmitteluntersuchungen sowie Sonografie des Abdomens eingesetzt. Die Blutuntersuchung zeigt evtl. eine Anämie sowie BSG- und Tumormarker-Erhöhung. Wiederholte Bestimmungen der Tumormarker ermöglichen eine Verlaufskontrolle.

Achtung

Bei sichtbarem oder okkultem („verstecktem“) Blut im Stuhl müssen Sie immer an ein Karzinom im Verdauungskanal denken. Ein besonders häufiger Fehler in diesem Zusammenhang ist die Dauerdiagnose „Hämorrhoiden“.

Therapie
Kolorektale Karzinome werden nach Möglichkeit operiert. Dabei werden so viele benachbarte Lymphknoten entfernt wie möglich. Am Darm selbst wird ein Sicherheitsabstand von je 5 cm nach beiden Seiten angestrebt. Der Anus wird möglichst erhalten. Bei tief sitzendem Rektumkarzinom erhält der Patient einen künstlichen Darmausgang (Anus praeter).
Eine adjuvante Chemotherapie und eine lokale Bestrahlung nach der Operation scheinen zu einer Verlängerung der Überlebenszeit führen zu können.
In fortgeschrittenen Stadien können palliative OP drohende Komplikationen wie Blutung, Stenose mit Ileus und Schmerzen verhindern. Ist eine Darmresektion nicht mehr möglich, kann eine Umgehungs-OP ohne Entfernung des Tumors die Darmpassage wieder herstellen und dem drohenden mechanischen Ileus vorbeugen.
Prognose
Die Prognose von kolorektalen Karzinomen könnte entscheidend verbessert werden, wenn mehr Menschen die kostenlosen Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch nehmen würden.
Das Anus praeterkolorektale Karzinom hat mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 50 %, bei Operationen im frühen Stadium ohne Metastasen von 80 %, eine relativ günstige Prognose. Regelmäßige Kontrollen, anfangs vierteljährlich, sind zur Früherkennung von Rezidiven und Metastasen notwendig.

Erkrankungen der Analregion

Hämorrhoiden

Hämorrhoiden: krampfaderähnliche, knotige Erweiterungen des submukösen arteriovenösen Schwellkörpers im Analkanal; sehr häufige Erkrankung: 70 % der über 30-Jährigen haben Hämorrhoiden, aber nur bei einem geringen Prozentsatz treten Beschwerden auf.

Krankheitsentstehung
Wichtig scheint eine familiäre Disposition zu einer Bindegewebsschwäche zu sein. Begünstigende Faktoren für die Entwicklung von Hämorrhoiden sind Entzündungen der Analregion, chronische Obstipation, Schwangerschaft und eine vorwiegend sitzende Tätigkeit, weil hierdurch das Blut im Gefäßgeflecht gestaut wird.
Symptome und Untersuchungsbefund
Aufgrund der anatomischen Gefäßsituation sind Hämorrhoiden bevorzugt bei 3, 7 und 11 Uhr in Steinschnittlage zu finden. Diese bedeutet: der Patient liegt auf dem Rücken mit angewinkelten und gespreizten Beinen. Für den Patienten ist jedoch meist die „Embryolage“ – der Patient liegt mit Hämorrhoidenangewinkelten Beinen seitlich auf einer Untersuchungsliege – sehr viel angenehmer.
Hämorrhoiden lassen sich in vier Schweregrade einteilen:
  • Stadium I: Die Patienten haben keine Schmerzen. Gelegentlich finden sich hellrote Blutauflagerungen auf dem Stuhl, manchmal juckt der After (Pruritus ani).

  • Stadium II: Größere Knoten fallen bei der Stuhlentleerung durch Pressen vor (Prolaps) und schmerzen. Nach dem Stuhlgang (Defäkation) schieben sich die Knoten aber wieder von alleine in Steinschnittlage, Hämorrhoidenden Analkanal zurück (spontane Reposition). Dieses weitere Stadium ruft durch begleitende Entzündungserscheinungen zusätzliche Beschwerden wie Brennen, Nässen, Hitzegefühl, selten auch geringe Blutauflagerungen auf dem Stuhl hervor.

  • Stadium III: Der Prolaps bildet sich nicht von alleine zurück, er lässt sich aber manuell zurückschieben. Entzündungen, ödematöse Schwellung, starke Schmerzen bei und nach jedem Stuhlgang und auch beim Sitzen sowie quälender Juckreiz und Schleimabsonderungen kommen hinzu.

  • Stadium IV: Im vierten Stadium sind die ständig vorgefallenen Hämorrhoidalknoten eingeklemmt (inkarzeriert) und lassen sich nicht mehr in den Analkanal zurückdrücken (nicht reponibel). Diese eingeklemmten Knoten führen zu heftigsten Schmerzen.

Naturheilkundliche Therapie bei Hämorrhoiden

Handbuch für die Naturheilpraxis 6.3.4

Naturheilkundliche Verfahren führen v. a. in den frühen Stadien (I und II) zu einer Beschwerdebesserung.

Ernährungstherapie und Darmsanierung

Um den Stuhl weich zu halten und dadurch Schmerzen und Blutungen beim Stuhlgang naturheilkundliche Therapie:Hämorrhoidenzu vermeiden, sollte der Patient auf eine ballaststoffreiche Ernährung achten: Hämorrhoiden:naturheilkundliche TherapieDurch Vollkornprodukte, Rohkost und frisches Obst wird der Faserstoffgehalt der Nahrung erhöht. Raten Sie dem Patienten unbedingt zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr (tgl. 2–3 l), da Ballaststoffe sehr quellfähig sind und durch einen Mangel an Flüssigkeit eine Obstipation verstärkt werden könnte. Finden sich Hinweise auf Darmstörungen, Meteorismus, Flatulenz oder Obstipation ist eine entsprechende Behandlung erforderlich, ggf. mit mikrobiologischen Präparaten. Denn ein erhöhter Druck im Bauchraum belastet die Gefäße in der Analregion und verschlechtert die Symptomatik.

Homöopathie

Eine sorgfältige Anamnese und Repertorisation führen zum Mittel der Wahl. Als Konstitutionsmittel sind oft angezeigt: Abrotanum, Acidum nitricum, Anacardium, Antimonium crudum, Arsenicum album, Calcium phosphoricum, Capsicum, Graphites, Kalium carbonicum, Lachesis, Lycopodium, Nux vomica, Staphisagria, Sulfur. Charakteristische Allgemein- und Gemütssymptome können allerdings auf ein anderes konstitutionelles Mittel verweisen.
Werden Komplexmittel (z. B. Aesculus-Heel® Tropfen) eingesetzt, enthalten diese häufig Aesculus (bei brennenden, blutenden Hämorrhoiden) oder Nux vomica (bei schmerzhaften inneren Hämorrhoiden und spastischer Obstipation).

Phytotherapie

Die bewährteste Heilpflanze zur Behandlung von Hämorrhoiden ist die auch als virginische Zaubernuss bekannte Hamamelis (Hamamelis virginiana Abb. 13.56). Zubereitungen aus Zauberstrauchblättern/-rinde (Hamamelidis folium et cortex) werden äußerlich als Salbe oder Zäpfchen und innerlich als Tropfen angewendet wird. Die spezifischen Inhaltsstoffe, v. a. die verschiedenen Gerbstoffe, wirken gefäßverengend, adstringierend und entzündungshemmend.

Physikalische Therapie

Empfehlen Sie dem Patienten warme Sitzbäder mit Kamillenblüten (Matricariae flos Abb. 13.39) und einem Dekokt aus Eichenrinde (Quercus cortex), um den Juckreiz zu stillen und die Heilung zu fördern. Es werden 50–100 g Kamille und 100–300 g Eichenrinde benötigt. Die Eichenrinde wird mit ½ l Wasser angesetzt und 30 Min. gekocht, die Kamille mit ½ l Wasser übergossen, danach 30 Min. ziehen lassen. Dem Badewasser zufügen, auf ca. 38 °C erwärmen, Badedauer: ca. 10–15 Min.
Diagnostik
Die Diagnosesicherung erfolgt durch die Analinspektion, wobei der Patient aufgefordert wird, wie zum Stuhlgang zu pressen, ferner durch die rektale Untersuchung (3.5.9) und schließlich beim Arzt durch die Rektoskopie, die gleichzeitig dem Karzinomausschluss dient.
Komplikationen
Komplikationen sind massive Blutungen, Ausbildung von Nekrosen und Geschwüren (Ulzerationen) bei permanentem Prolaps der Knoten, Infektion und die schmerzhafte Thrombosierung (lokale Bildung eines Blutgerinnsels mit Entzündung).
Schulmedizinische Therapie
Zu den allgemeinen Maßnahmen beim Hämorrhoidalleiden gehören die Gewichtsreduktion bei Übergewicht, die Stuhlregulierung bei Obstipation und das Waschen der Analregion nach jedem Stuhlgang.
In früheren Stadien kann mit lokaler Applikation von schmerzstillenden und entzündungshemmenden Salben und Zäpfchen (z. B. Faktu®, Anusol® Supp.) sowie durch Sitzbäder mit entzündungshemmenden Zusätzen (z. B. Kamille) eine Linderung der Beschwerden erreicht werden (Abb. 13.57). Kalte feuchte Umschläge ermöglichen manchmal durch ihre abschwellende Wirkung ein Hineindrücken von vorher nicht reponiblen vorgefallenen (prolabierten) Knoten in den Analkanal.
Bei stärkeren Beschwerden im Stadium I und II können die Hämorrhoiden verödet (sklerosiert) werden. Dabei wird ein Verödungsmittel, z. B. Polidocanol oder Phenolöl, in Höhe der Knoten unter die Rektumschleimhaut gespritzt, sodass die Knoten vernarben und sich innerhalb weniger Wochen zurückbilden. Eine andere Möglichkeit ist das Anlegen einer Gummiligatur (Abschnürung), wodurch die Knoten nekrotisieren und nach ca. einer Woche abfallen. Komplikationen treten bei der Gummibandligatur selten auf. Es kann aber, wie bei jedem Eingriff, zuweilen zu stärkeren Blutungen kommen. Auch eine Infektion mit nachfolgender Sepsis ist nicht ausgeschlossen. Eine weitere Methode ist die Koagulation der Knoten mithilfe einer Infrarotsonde, die eine hohe Erfolgsrate hat.
Bei Hämorrhoiden im Stadium III und IV ist die operative Entfernung in Vollnarkose angezeigt (Hämorrhoidektomie).

Anal- und Rektumprolaps

Analprolaps: Vorfallen und äußerliches Sichtbarwerden der Analschleimhaut.

Rektumprolaps: Vorfallen und äußerliches Sichtbarwerden des Rektums.

Häufigste Ursache des Analprolaps (Abb. 13.58) sind Hämorrhoiden. Der Schließmuskel (Sphinkter) ist meist intakt, der Muskeltonus jedoch vermindert. Hauptbeschwerden des Patienten sind wiederholte Blutungen und evtl. eine leichte Inkontinenz (verschmutzte Wäsche). Die Diagnose wird durch Inspektion (Patienten pressen lassen) gestellt. Die HämorrhoidektomieBehandlung besteht vornehmlich in der Beseitigung der Hämorrhoiden durch den Arzt.
Der Rektumprolaps (Abb. 13.58) ist Analprolapsdurch eine Schwäche des Beckenbodens bedingt.
Demzufolge Rektumprolapssind meist ältere Frauen betroffen und Frauen, die mehrere Geburten hatten. Der Schließmuskel ist geschädigt. Leitsymptom des Rektumprolaps ist die Prolaps:AnalprolapsInkontinenz. Blut- und Schleimabgang, Nässen sowie ein Schleimhautödem und Druckgeschwüre sind möglich. Auch hier wird die Diagnose durch Inspektion gestellt. Therapeutisch ist nach manueller Reposition meist eine operative Befestigung nötig.

Analabszess und Analfistel

Analabszess (anorektaler Abszess): Abszess im Analbereich.

Analfistel: krankhafte, röhrenförmige Verbindung zwischen der äußeren Analregion (äußere Fistelöffnung) und dem Analkanal/Rektum (innere Fistelöffnung). Über den Fistelkanal entleert sich eitriges Sekret, evtl. mit Stuhl vermischt, nach außen. Gehäuftes Auftreten bei Morbus Crohn (13.8.3).

Krankheitsentstehung
Am Beginn des Krankheitsgeschehens steht fast immer eine Entzündung der um den inneren Schließmuskel herum gelegenen sog. Proktodealdrüsen. Von Prolaps:Rektumprolapshier aus breitet sich die Entzündung weiter aus (Periproktitis), und es kommt zur Abszessbildung. Abszesse können spontan perforieren, sodass Fisteln entstehen. Bei langjähriger Krankheitsdauer kann sich ein ganzes Gangsystem aus Fisteln bilden.
Eingeteilt Analabszesswerden die Fisteln und Abszesse der Analregion entsprechend Analfistelihres Bezugs zur Abszess:AnalabszessSchließmuskulatur. Abb. 13.59 Fistel:Analfistelgibt einen Überblick.
Symptome und Diagnostik
Analabszesse sind (Tab. 13.7) sehr schmerzhaft und gehen mit Schwellung, Rötung und evtl. Fieber einher. Hat sich eine Fistel (Tab. 13.7) geöffnet, verschwinden die Schmerzen. Die äußere Fistelöffnung macht sich durch entsprechend verschmutzte Unterwäsche bemerkbar und ist bei der Inspektion sichtbarPeriproktitis. Die innere Fistelöffnung lässt sich bei der rektalen Untersuchung manchmal als kleines Knötchen mit dem Finger tasten.
Therapie und Prognose
Die einzig wirksame Behandlung ist die chirurgische Spaltung der Abszesse und das Ausschneiden der bindegewebigen Fistelgänge.
Obwohl 99 % der Analabszesse und -fisteln durch die Behandlung über kurz oder lang ausheilen, ist das Leiden für die Patienten langwierig und unangenehm.

Analkarzinom

Analkarzinom: seltenes Karzinom im Analkanal oder am Analrand; macht 1–3 % aller Dickdarmtumoren aus.

Symptome und Diagnostik
Leitsymptome des Analkarzinoms sind:
  • Schmerzen

  • Fremdkörpergefühl

  • Juckreiz im Analbereich (Pruritus ani)

  • Veränderungen der Stuhlgewohnheiten

  • Blutauflagerungen auf dem Stuhl

  • Kontinenzstörungen

Das Analkarzinom infiltriert die angrenzenden Organe (Sphinkter, Vagina etc.). Metastasen bilden sich insbesondere in den Lymphknoten sowie in der Leber, Niere und im Skelett.
Die Diagnosestellung erfolgt wie beim Kolon-/Rektumkarzinom.
Therapie und Prognose
Therapeutisch wird das Analkarzinom in der Regel durch eine kombinierte Strahlen- und AnalkarzinomChemotherapie angegangen, anschließend wird je nach Befund Tumoren:Analkarzinomoperiert.
Bei Fehlen inguinaler Lymphknotenmetastasen 5-Jahres-Überlebensrate ca. 50 %.

Stuhlinkontinenz

Stuhlinkontinenz: (Darminkontinenz, anorektale Inkontinenz): Unfähigkeit den Stuhl willkürlich zurückzuhalten.

Die Stuhlinkontinenz wird je nach Klinik und Anamnese in 4 Schweregrade eingeteilt:
  • Schweregrad I: Stressinkontinenz, Verschmutzung der Wäsche

  • Schweregrad II: Kontrollverlust für Winde und flüssigen Stuhl

  • Schweregrad III: Kontrollverlust für breiigen Stuhl

  • Schweregrad IV: komplette Inkontinenz für alle Stuhlformen

Symptome und Krankheitsentstehung
Normalerweise wird der After außerhalb der Defäkation durch einen komplizierten Schließmuskelapparat (Abb. 13.60) verschlossen. Zahlreiche Faktoren können das komplexe Zusammenspiel der verschiedenen Muskeln allerdings stören. Die Stuhlinkontinenz ist für den StuhlinkontinenzBetroffenen psychisch und sozial noch ungleich belastender als die Harninkontinenz.
Sie wird oft durch schwerwiegende Erkrankungen (Abb. 13.61) ausgelöst:
  • neurologische Störungen: Störungen der Impulsverarbeitung (Schlaganfall, [Alzheimer-]Demenz, Multiple Sklerose, Gehirnturmor) sowie Störungen der Impulsüberleitung (Querschnittslähmung, Multiple Sklerose)

  • sensorische Störungen: Diarrhö, Rektumprolaps, Dickdarmentzündung

  • muskuläre Störungen: Tumoren, schwere Fistelbildung bei Morbus Crohn, nachlassende Verschlusskraft im Alter

Eine Obstipation kann sekundär zu dünnflüssiger Inkontinenz führen: hinter dem Kotpfropf bildet sich durch bakterielle Prozesse dünnflüssiger Stuhl, der am Hindernis vorbeilaufen kann (Überlauf-Enkopresis, häufig beim alten Menschen). Durch die chronische Dehnung der Ampulle kann in schweren Fällen der Defäkationsreiz nicht mehr wahrgenommen werden, sodass ein Teufelskreis aus Obstipation und Defäkationsstörung entsteht.
Diagnostik
Die klinische Untersuchung, insbesondere mit Überprüfung des Sphinktertonus, sichert die Diagnose. Bei besonderen Fragestellungen, v. a. bei neurogenen Störungen, wird eine Sphinktermanometrie durchgeführt.
Therapie
Je nach Ursache und Verlauf kommen konservative oder operative Verfahren zur Anwendung.
  • Die konservative Therapie zielt auf eine muskuläre Stärkung der Sphinkteren, z. B. durch aktives Muskeltraining, Elektrostimulation der Sphinkteren, Biofeedback-Training: darüber hinaus Stuhlregulation, Gewichtsreduktion (insbesondere bei Rektumprolaps), allgemeine muskuläre Kräftigung, Betätigung sowie besondere Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens.

  • Bei konservativ nicht änderbarer schwerer Inkontinenz wird die operative Therapie angestrebt; z. B. die Rekonstruktion der Sphinktermuskulatur durch eine Sphinkterplastik; bei Rektumprolaps erfolgt die Verbesserung der Angulation und die Straffung des Beckenbodens.

Fallbeispiel „Perianale Thrombose“

Eine 61 Jahre alte Hausfrau kommt in die Sprechstunde. Nach starkem Pressen beim Stuhlgang habe sie am Darmausgang Schmerzen verspürt, die stündlich zugenommen hätten, und dann dort einen Knoten getastet. Die Stelle schmerzt und brennt jetzt so stark, dass die Patientin kaum sitzen kann. Sie ist voller Sorge, denn ihre Mutter starb vor Jahren an Darmkrebs. Die Inspektion zeigt einen prall-elastischen, bläulichen Knoten von ca. 2,5 cm Durchmesser perianal links, der auf Druck schmerzt. Die Diagnose: Perianalthrombose. Der Heilpraktiker überweist die Patientin zum Arzt. Unter Lokalanästhesie wird ein großes Koagulum (Blutgerinnsel) entfernt, wodurch die Patientin sofort annähernd schmerzfrei ist.

Weitere anorektale Erkrankungen

Perianale Thrombose: sehr schmerzhafter, bläulicher, prall gespannter und nicht verschiebbarer Knoten im Analbereich.

Analfissur: hochroter, schmerzhafter, längs verlaufender Einriss der Haut im Analkanal, häufig als Folge eines erhöhten Sphinktertonus.

Marisken: schlaffe Hautfalten um den Anus herum, meist Überbleibsel einer perianalen Thrombose.

Strahlenproktitis: Entzündung der Perianalregion nach Bestrahlung eines Rektumkarzinoms.

Symptome und Diagnostik
Die perianale Thrombose sowie die Analfissur sind sehr schmerzhaft. Die drei häufigsten Symptome bei der Analfissur sind:
  • Schmerzen beim und nach dem Stuhlgang

  • Blutung

  • Krampf des Sphinkters (Schließmuskels)

Häufig kommt es zur schmerzbedingten chronischen Obstipation.
Marisken machen in der Regel allenfalls Probleme bei der Analhygiene, bzw. können einThrombose:perianale Ekzem oder Juckreiz verursachen. Meist sind sie Analfissurvöllig symptomlos.
Die Strahlenproktitis äußertMarisken sich durch Tenesmen, häufigen perianale ThromboseStuhldrang mit Diarrhöen, Blut- und Schleimabgang.
Therapie und Prognose
Strahlenproktitis
  • Perianale Thrombose: Einstich in örtlicher Betäubung und Ausräumung des Hämatoms.

  • Analfissur: schmerzstillende Salben, bei Bedarf wird ein Lokalanästhetikum eingespritzt. Weichhalten des Stuhlgangs. Auch anästhesierende Salben werden eingesetzt. Eine chronische Fissur wird operiert (Sphinktermyotomie).

  • Marisken: In der Regel keine Therapie, bei Ekzem oder Juckreiz können sie in örtlicher Betäubung entfernt werden.

  • Strahlenproktitis: schlecht beeinflussbar; zuweilen helfen Glukokortikoide oder Mesalazin als Suppositorium; evtl. wird eine Resektion notwendig.

Hernien

Leistenkanal 9.2.9

Übersicht

Hernie (Bruch): Eingeweide- oder Weichteilbruch mit sackartiger Ausstülpung des Peritoneums (Bruchsack) durch eine Bauchwandlücke (Bruchpforte, -ring) und Hervortreten von Eingeweiden oder Organteilen in den Bruchsack.

Einteilungen
Man unterscheidet nach Entstehung, Lokalisation, Komplikation und Lage im Bauchfell (Abb. 13.62):
  • angeborene und erworbene Hernien

  • äußere und innere Hernien

  • reponible („zurückschiebbare“), irreponible und inkarzerierte (eingeklemmte) Hernien

  • Gleithernien: der peritoneale Bruchsack fehlt ganz oder teilweise; die vorgefallenen Eingeweide bilden selbst einen Teil des Bruchsacks (z. B. bei Leistenhernien)

  • echte Hernie: immer vollständig von Peritoneum überzogen

  • HernienProlaps (Eingeweidevorfall): vorgefallene Eingeweide nach offenen Verletzungen oder OP. Sie sind nicht von Peritoneum bedeckt.

Krankheitsentstehung
Angeborene Hernien sind selten. Zu den angeborenen Hernien gehören z. B. die kindlichen Nabelhernien und ein Teil der indirekten Leistenhernien.
Die häufigeren erworbenen Hernien sind durch anlagebedingte Schwächen der Bauchwand hervorgerufen, etwa Durchtrittsstellen von Gefäßen, Nerven oder des Samenstrangs, oder z. B. durch Verletzung erworbene Bauchwandschwächen. Begünstigend wirken unter anderem Adipositas oder chronische Obstipation.
Symptome und Untersuchungsbefund
Äußere Hernien (z. B. Leisten-, Schenkel-, Nabel- und Narbenhernien Abb. 13.63) treten durch die Bauchwand nach außen. Im Bereich der Bruchpforte findet sich in Abhängigkeit von der Hernien:angeboreneBruchsackgröße eine sicht- oder nur tastbare Vorwölbung. Diese Vorwölbung kann normalerweise in den Bauchraum zurückgedrückt werden (reponible Hernie) und stülpt sich bei Erhöhung des intraabdominalen Hernien:erworbeneDrucks (z. B. durch Husten, Niesen, Schreien, Pressen) wieder aus. Bei einer irreponiblen Hernie, z. B. durch Verwachsungen zwischen Bruchinhalt und Bruchsack, kann die Hernie nicht mehr zurückgedrängt werden. Die Bruchregion ist häufig mäßig schmerzhaft, insbesondere bei Belastung. Befinden sich im Bruchsack Darmanteile, können über der Vorwölbung Darmgeräusche Hernien:äußeregehört werden.
Innere Hernien sind von außen nicht sichtbar.
Am häufigsten ist die Hiatushernie (13.6.6). Diese ist die einzige innere Hernie, die dem Betroffenen früh Beschwerden bereitet. Innere Hernien, die sich in den Peritonealtaschen gebildet haben (z. B. in der Bursa omentalisHernien:reponible/irreponible), führen in der Regel erst bei auftretenden Komplikationen, z. B. einem Ileus, zu Symptomen. Aus diesem Grund fallen innere Hernien entweder erst bei Abklärung eines akuten Abdomens oder als Zufallsdiagnose im Rahmen anderer Untersuchungen auf.
Komplikationen
Drohende Komplikation jeder Hernie ist die Inkarzeration (Einklemmung), bei der der Bruchinhalt, häufig der Darm, in der Bruchpforte stranguliert wird (Abb. 13.64). Die komplette Inkarzeration führt einerseits zu einer Unterbrechung der Stuhlpassage mit Hiatusherniemechanischem Ileus (13.4.9), andererseits zu einer Ischämie (Durchblutungsstörung) der Darmwand mit lebensbedrohlichem Absterben von Darmgewebe (Darmgangrän) und nachfolgender Durchwanderungsperitonitis (13.4.10). Die Region des Bruchs ist hochschmerzhaft und mitunter gerötet. Der Patient entwickelt die Symptome des akuten Abdomens (13.4.8).

Achtung

Veranlassen Sie bei Verdacht auf inkarzerierte Hernie die sofortige Einlieferung ins Krankenhaus. (Merkspruch: „Über einem eingeklemmten Bruch darf die Sonne weder auf- noch untergehen!“

Therapie
Hernien:KomplikationenReponible Hernien können meist leicht manuell reponiert werden. Diese Maßnahme hilft jedoch Inkarzeration:Hernienicht auf Dauer, und es kann außerdem jederzeit zu einer Inkarzeration kommen. Deswegen müssen auch reponible Hernien wie alle anderen Hernien operiert werden. Dabei wird die Bruchpforte durch eine Übernähung des DarmgangränLeistenbands mit Bauchwandmuskel gesichert, sodass sich keine Gangrän:DarmEingeweideanteile mehr vorschieben können. Auch ist es möglich, Netze vor der Bruchpforte zu befestigen, die diese verschließen.
Bei inoperablen Patienten kann bei nicht eingeklemmten Hernien zur Inkarzerationsprophylaxe das ansonsten obsolete (veraltete) Bruchband angelegt werden. Hierbei wird durch eine mechanische Kompression von außen versucht, ein Ausstülpen des Bruchsacks und dadurch eine mögliche Einklemmung zu vermeiden.

Spezielle Hernien

Hiatushernie 13.6.6
Leistenhernien

Leistenhernie (Hernia inguinalis): mit ca. 75 % aller Hernien häufigste Hernie überhaupt; betrifft zu 90 % Männer. Häufigkeitsgipfel: Kindesalter (meist angeboren, indirekt); jüngeres Erwachsenenalter (größte sportliche Aktivität); Rentenalter (meist direkt).

Leistenhernien (Abb. 13.65), die am inneren Leistenring lateral der epigastrischen Gefäße in den Leistenkanal eintreten (9.2.9, Abb. 13.66), werden als indirekte Hernien bezeichnet. Sie können bis in den Hodensack reichen (Skrotalhernie). Bei Leistenhernien, die sich medial der epigastrischen Gefäße in den Leistenkanal hineinwölben, handelt es sich um direkte Leistenhernien (Abb. 13.66).
Eine ernste Spätkomplikation einer Leistenbruch-Operation bei Männern ist die Hodenatrophie, d. h. der Hoden „verkümmert“ (bei 2–3 % aller operierten Hernia:inguinalisMänner).
Schenkelhernien

Schenkelhernien (Femoralhernie, Hernia femoralis):femoralis mit insgesamt 10 % aller Hernien zweithäufigste Hernie nach der Leistenhernie. Immer erworben; tritt bevorzugt bei Frauen zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr auf; wegen enger Bruchpforte hohe Inkarzerationgefahr!

Die Bruchpforte liegt unmittelbar unter dem LeistenbandLeistenhernien und medial der Femoralgefäße. Da meist nur uncharakteristische Beschwerden bestehen (z. B. Leistenschmerz, Stuhlunregelmäßigkeiten, Schmerzen beim Gehen), werden Schenkelhernien häufig erst im Stadium der Inkarzeration erkannt. Skrotalhernie
Nabelhernien

Nabelhernien (Hernia umbilicalis): Vorwölbung der Baucheingeweide an der Nabelöffnung vor der Bauchdecke. Angeboren oder erworben; ungefähr 5 % der Hernien bei Erwachsenen, z. B. durch Schwangerschaft, schwere körperliche Arbeit, Adipositas; im Anfangsstadium hohes Inkarzerationsrisiko.

Bei kleinen Hernien von Säuglingen wird bis zum Ende des 1. Lebensjahrs auf den Spontanverschluss gewartet und nur bei einer Einklemmung operiert. Beim Erwachsenen muss jeder Nabelbruch, der Kirschkerngröße überschreitet, operiert werden, da hier ein relevantes FemoralhernieEinklemmungsrisiko besteht.

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