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B978-3-437-58745-0.00001-X

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Ausreichend Desinfektionsmittel in die Hohlhand aufnehmen, die Fingerkuppen und alle übrigen Hautpartien satt benetzen.

Daumen erfassen und das Desinfektionsmittel einreiben.

Wirkungsbereiche und Desinfektionsverfahren.Desinfektion:Verfahren

Tab. 1.1
Wirkungsbereich Effekt Geeignetes Physikalisches Verfahren
A Abtötung von vegetativen bakteriellen Keimen einschließlich Mykobakterien (Tuberkulose) sowie von Pilzen und Sporen Kochen mit Wasser mit einer Temperatur von 100 °C über mindestens 3 Minuten
B (=AB) Inaktivierung von Viren Kochen mit Wasser mit einer Temperatur von 100 °C über mindestens 3 Minuten
C (=ABC) Abtötung von bakteriellen Sporen bis zur Resistenzstufe des Erregers des Milzbrandes Kochen mit Wasser mit einer Temperatur von 100 °C über mindestens 15 Minuten
D (=ABCD) Abtötung bakterieller Sporen der Erreger von Wundinfektionen wie Gasbrand und Wundstarrkrampf Abtötung nativer Sporen (Erdsporen) in gespanntem, gesättigtem Wasserdampf bei 121 °C in 5–20 Minuten

Chemische Desinfektionsverfahren.

Tab. 1.2
Substanzklasse Anwendungsbereiche Besonderheiten
Alkohole (z. B. Ethanol, Propanol; Sterilium®, Spitacid®, Desderman N®)
  • Händedesinfektion

  • Hautdesinfektion

  • Kleine Flächen

  • Wirkungsspektrum A

  • Nur begrenzt viruzid wirksam

  • Wirken entfettend und ätzend

  • Evtl. Explosionsgefahr

Aldehyde (z. B. Formaldehyd; Incidin perfekt®, Sekusept forte S®)
  • Flächendesinfektion

  • Instrumentendesinfektion

  • Raumdesinfektion

Wirkungsbereich AB
Phenolderivate (z. B. Chlorkresol; Gevisol®)
  • Flächendesinfektion

  • Wäschedesinfektion

  • Instrumentendesinfektion

Wirkungsbereich A
Halogene (z. B. Brom, Jod, Chlor; Betaisodona®)
  • Chlor: für Trink-, Schwimmbaddesinfektion

  • Jod: Schleimhausdesinfektion, Wunddesinfektion

  • Wirkungsspektrum A, z. T. AB

  • Wirkstoffverlust bei Eiweiß- und Blutverunreinigungen

Oxidationsmittel (z. B. Ozon, H2O2, Kaliumpermanganat; Perform)
  • Ozon: Wasserdesinfektion

  • H2O2 und Kaliumpermanganat: Wund-, Rachenspülung

Wirkungsbereich A
Oberflächenaktive Substanzen (z. B. Ammoniumverbindungen, Amphotenside; Incidin plus®, Sekusept plus®, Octenisept®)
  • Flächendesinfektion

  • Haut

  • Schleimhaut

Wirkungsbereich A

Physikalische Sterilisationsverfahren.StrahlenHeißluftsterilisation

Tab. 1.3
Sterilisationsverfahren Sterilisationswirkung Anwendung
Dampfsterilisation (feuchte Hitze, Autoklav)
  • 121 °C bei 2 bar für 20 Minuten

  • 134 °C bei 3 bar für 5 Minuten

  • Instrumente

  • Wäsche

  • Glas

  • Verbände

Heißluftsterilisation (trockene Hitze)
  • 160 °C für mindestens 200 Minuten

  • 180 °C für mindestens 30 Minuten

  • Metalle

  • Glas

  • Porzellan

  • Kein brennbares Material

Ionisierende Strahlen, z. B. Gamma, Beta- und Röntgenstrahlen Industrielles Verfahren
  • Einwegartikel aus Kunststoff, Latex

  • Verbände

  • Nahtmaterial

Hygiene

  • 1.1

    Definitionen3

  • 1.2

    Infektionsquellen und Übertragungswege3

  • 1.3

    Desinfektion3

  • 1.4

    Hygiene der Hände4

    • 1.4.1

      Grundlagen4

    • 1.4.2

      Händewaschung4

    • 1.4.3

      Hygienische Händedesinfektion4

    • 1.4.4

      Chirurgische Händedesinfektion5

  • 1.5

    Hautdesinfektion5

    • 1.5.1

      Risikogruppe I (geringes Infektionsrisiko)5

    • 1.5.2

      Risikogruppe II (mittleres Infektionsrisiko)6

    • 1.5.3

      Risikogruppe III (hohes Infektionsrisiko)6

    • 1.5.4

      Risikogruppe IV (sehr hohes Infektionsrisiko)6

  • 1.6

    Schutzkleidung6

    • 1.6.1

      Handschuhe6

    • 1.6.2

      Mund-Nasen-Schutz6

  • 1.7

    Sterilisation6

    • 1.7.1

      Physikalische Sterilisationsmethoden7

    • 1.7.2

      Chemische Sterilisationsverfahren7

    • 1.7.3

      Instrumentenaufbereitung7

  • 1.8

    Praxisabfälle7

Definitionen

  • Hygiene ist die Lehre von der Gesundheit und der Verhütung von Krankheiten mit dem Ziel, Gesundheit zu erhalten und Krankheiten zu verhindern.Hygiene

  • PraxishygienePraxishygiene dient der Vorbeugung der Krankheitsübertragung durch Erreger und sorgt somit für den Schutz des Patienten.

  • KrankenhaushygieneKrankenhaushygiene dient der Verhütung von Krankenhausinfektionen (nosokomiale Infektionen).

Infektionsquellen und Übertragungswege

InfektionsquellenInfektionsquellen können Lebewesen oder Materialien sein und werden als Erregerreservoire bezeichnet. Man unterscheidet:
  • Belebte Infektionsquellen: Mensch und Tier

  • Unbelebte Infektionsquellen: z. B. Wasser, Luft, Abfälle, Gase, Textilien

Erreger Übertragungswegekönnen
  • Direkt übertragen werden, z. B. durch Tröpfcheninfektion (aerogen) wie Tuberkulose, Kontakt- bzw. Schmierinfektion (fäkal-oral) wie Madenwurminfektionen bei Kindern, über den Blutweg (parenteral) wie Hepatitis B, HIV

  • Indirekt übertragen werden, z. B. über Nahrungsmittel und Wasser (alimentär) wie Salmonellen, Hepatitis A, über Zwischenwirte (Vektoren) wie Malaria, FSME, Borreliose

Merke

Die wichtigste Infektionsquelle in der Praxis sind die Hände.

Desinfektion

DesinfektionVerfahren zur gezielten, aber nicht zuverlässig vollständigen Abtötung bzw. Inaktivierung pathogener Keime, z. B. auf Händen, Hautflächen oder Materialien. Der Desinfektionsvorgang reduziert die Keimzahl um den Faktor 105. Der Sinn der Desinfektion besteht in der Unterbrechung der Infektkette.
In der Praxis verwendete Desinfektionsmittel müssen den Wirkungsbereich AB beinhalten (Tab. 1.1). Alle gültigen Desinfektionsmittel müssen in der Liste des Robert-Koch-Robert-Koch-InstitutInstituts (RKI) oder dem Verbund für angewandte Verbund für angewandte HygieneHygiene (VAH) gelistet sein. Die RKI-Liste stellt höhere Anforderungen an die Keimelimination, da sie sich an der Seuchenbekämpfung nach § 18 IfSG orientiert. Durch deutlich wirksamere Mittel steigt jedoch auch die Toxizität der Desinifizienzien. Die VAH-Liste orientiert sich an der Anwendung zur Keimelimination in Krankenhaus und Praxis, sodass für den ambulanten Bereich die Anforderungen der VAH-Liste genügen.
Chemische Desinfektion:chemischeDesinfektionsmittel sind die gängigsten in der Praxis (Tab. 1.2). Sie dienen v. a. der Desinfektion der Haut (v. a. Hände) und Schleimhäute. Ferner können Instrumente, Wäsche, Flächen, Luft, Räume und Wasser chemisch desinfiziert werden.
Der Erfolg der Desinfektion:ErfolgDesinfektion hängt von verschiedenen Faktoren ab:
  • Ausgangskeimzahl: Je weniger Keime vorhanden, umso schneller ist der Desinfektionserfolg erreicht.

  • Temperatur: Bei chemischen Desinfektionsverfahren können die Stoffe in die Gasphase übergehen und evtl. toxische Wirkungen entfalten.

  • Einwirkzeit: Je länger die Einwirkzeit, desto sicherer der Erfolg.

  • Eindringungsvermögen und Schutz der Mikroorganismen: Mikroorganismen können durch Schmutz und Kristalle geschützt sein, in denen sie vorliegen. Desinfektionsmittel wirken umso besser (bzw. nur), wenn sie gut dort eindringen und damit bis zu den Erregern vordringen können. Dies gilt z. B. für Wasser und Aldehyde.

  • Eiweiß- und Seifenfehler: Desinfektionsmittel können durch Reaktion mit Eiweiß und Seifen inaktiviert werden. Daher nie Desinfektionsmittel und Seifen (Reinigungsmittel) mischen, außer wenn von den Herstellern ausdrücklich (schriftlich!) erlaubt.

Hygiene der Hände

Grundlagen

Hände:HygieneDesinfektion:HändeDie Hände sind unser wichtigstes Werkzeug. Sie sollten daher immer in gutem Zustand gehalten werden. Im Praxisalltag sind folgende Empfehlungen zu beachten:
  • Fingernägel kurz halten und nicht lackieren, da Nagellack mehrfacher Desinfektion nicht standhält.

  • Hände regelmäßig eincremen. Trockene Haut neigt zu Läsionen, deren Wundsekret Nährmedium für Mikroorganismen ist.

  • Infektionen der Haut behandeln.

  • Eitrige Wunden keimdicht verschließen.

  • Die Händedesinfektion muss immer vor einer Tätigkeit mit hohen antiseptischen Anforderungen erfolgen und immer nach einer Tätigkeit, bei der die Hände kontaminiert wurden oder sein könnten. Ringe und anderer Schmuck zur Desinfektion ablegen.

Händewaschung

Hände:WaschungDie Händewaschung ist der Hautdesinfektion deutlich unterlegen. Sie dient der Beseitigung grober Verschmutzungen und hat keine keimreduzierenden Eigenschaften, im Gegenteil, Keime werden eher verschleppt. Die Händewaschung sollte vor Arbeitsbeginn und nach Arbeitsende erfolgen.

Hygienische Händedesinfektion

Händedesinfektion:hygienischeBei der hygienischen Händedesinfektion werden die AnflugkeimeAnflugkeime (transiente Flora:transienteFlora) der Haut eliminiert. Bei starken Verschmutzungen werden die Hände zunächst desinfiziert, dann gewaschen. Die hygienische Händedesinfektion reduziert die Keimzahl um den Faktor 105. Händedesinfektionsmittel enthalten rückfettende Substanzen (im Gegensatz zu Hautdesinfektionsmitteln).
Durchführung
  • Mindestens 3–5 ml zertifiziertes Desinfektionsmittel auf den trockenen Händen bis über die Handgelenke verteilen. Die Handflächen 5-mal gegeneinander reiben.

  • Die Fingerkuppen in der Hohlhand der anderen Hand mit Desinfektionsmittel gut benetzen und einreiben. Die Fingerkuppen zählen zu den besonders kontaminierten Bereichen.

  • Im Anschluss das Desinfektionsmittel in den Fingerzwischenräumen verteilen. Dabei die Handfläche an den Handrücken legen und die Desinfektionslösung ebenfalls 5-mal verreiben.

  • Finger im „Hackengriff“ verschränken und 5-mal öffnen und schließen.

  • Den Daumen der linken Hand mit den Fingern der rechten Hand umschließen und 5-mal kreisende Bewegungen ausführen, dann den Daumen der rechten Hand mit den Fingern der linken Hand umschließen und 5-mal kreisende Bewegungen ausführen.

Inzwischen zeigen Studien, dass das oben beschriebene Schema der Händedesinfektion nicht immer zu der gewünschten Keimreduktion führt. Vielmehr wird die eigenverantwortliche Händedesinfektion:eigenverantwortlicheEinreibemethode propagiert, die die gleichen bzw. sogar bessere Ergebnisse vorweist.
Ein bestimmtes Schema muss dabei nicht eingehalten werden. Zu achten ist auf eine ausreichende Aufnahme des Desinfektionsmittels in die Hohlhand, satte Benetzung aller Hautpartien, besonders der Fingerkuppen und Daumen (Abb. 1.1a und Abb. 1.1b). Die Einreibezeit sollte 30 Sekunden betragen.

Merke

  • Die Mindesteinwirkzeit von 30 Sekunden beachten.

  • Desinfektionsmittel nur in trockene Hände verreiben. Wasserrückstände verdünnen das Desinfektionsmittel, Seifenreste inaktivieren es.

  • Ausreichend Desinfektionsmittel in die Hohlhand aufnehmen.

  • Alle Hautpartien (besonders Fingerkuppen und Daumen) satt benetzen.

Indikationen
  • Vor und nach jedem Patientenkontakt

  • Kontamination der Hände

  • Vor Medikamentenaufbereitung und Injektion

  • Vor und nach Kontakt mit Wunden

  • Vor und nach Kontakt mit potenziell kontaminierten Gegenständen

  • Nach Toilettenbenutzung

  • Nach dem Naseputzen oder Niesen

Chirurgische Händedesinfektion

Händedesinfektion:chirurgischeDie chirurgische Händedesinfektion spielt in der Heilpraktikerpraxis eine untergeordnete Rolle. Neben der transienten Hautflora werden bei der chirurgischen Händedesinfektion auch die Keime der residenten Flora:residenteHautflora beseitigt. Im Gegensatz zur hygienischen Händedesinfektion werden die Hände zunächst gewaschen, dann desinfiziert.
  • Hände bis einschließlich Ellenbogen waschen (mindestens 2,5 Minuten oder nach Herstellerangaben), Abtropfrichtung Ellenbogen.

  • Fingernägel und Nagelfalze beachten.

  • Mit Wasser abspülen, mit sterilen Einmalhandtüchern gut abtrocknen.

  • Hände bis einschließlich Ellenbogen desinfizieren und über die vorgeschriebene Einwirkzeit feucht halten (2,5 bzw. 5 Minuten, je nach Desinfektionsmittel).

  • Alkohol verdunsten lassen, nicht abtrocknen.

  • Sterile Handschuhe überziehen.

Indikationen
  • Operation

  • Punktion von sterilen Körperhöhlen

Hautdesinfektion

HautdesinfektionDesinfektion:HautVor jeder invasiven Maßnahme am Patienten wird eine prophylaktische Hautantiseptik vorgenommen. Bei alkoholischen Lösungen beträgt die Einwirkzeit 30–60 Sekunden (evtl. auch kürzer oder länger, je nach Herstellerangaben), in talgdrüsenreichen Arealen verlängert sich die Einwirkzeit auf mindestens 5 Minuten.
Die Risikoabschätzung einer Injektion und das geeignete Desinfektionsverfahren sollten im Hygieneplan festgehalten werden.

Risikogruppe I (geringes Infektionsrisiko)

Nach den Empfehlungen des RKI (Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen, Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim RKI, Bundesgesundheitsblatt 2011, 54: 1.135–1.144) sind eine Sprühdesinfektion und eine Wischdesinfektion mit einem alkoholgetränkten Tupfer gleichwertig. Das Hautdesinfektionsmittel mit einem Spray oder mittels Tupfer auftragen. Die Mindesteinwirkzeit muss abgewartet werden, je nach Präparat dauert das zwischen 30 Sekunden und 1 Minute. An desinfizierten Stellen nicht mehr nachpalpieren.
Indikationen
  • Blutentnahme

  • Intra-, subkutane und intravenöse Injektion

  • Lanzettenblutentnahme

  • Intramuskuläre Injektion bei Nichtrisikopatienten

Risikogruppe II (mittleres Infektionsrisiko)

Das Hautdesinfektionsmittel mit einem Spray auftragen und nach 30 Sekunden mit einem sterilen Tupfer abwischen. Danach das Hautdesinfektionsmittel erneut auftragen und 30 Sekunden trocknen lassen.
Indikationen
  • Intravenöse Verweilkanüle

  • Intramuskuläre Injektion bei Risikopatienten, z. B. bei Patienten mit Diabetes mellitus

  • Blutkultur (nicht in der Heilpraktikerpraxis)

Risikogruppe III (hohes Infektionsrisiko)

Die Haut reinigen, enthaaren und entfetten. Zweimalig das Hautdesinfektionsmittel über je 2,5 Minuten auftragen. Die Gesamteinwirkzeit beträgt 5 Minuten. Der Arzt bzw. Heilpraktiker muss sterile Handschuhe und Mundschutz tragen.
Indikationen
  • Operation

  • Punktion von Körperhöhlen, insbesondere Gelenkpunktion

Risikogruppe IV (sehr hohes Infektionsrisiko)

Punktionen mit sehr hohem Infektionsrisiko sind z. B. die Anlage einer PEG (perkutanen endoskopischen Gastrostomie). Sie zählen nicht zum Tätigkeitsgebiet des Heilpraktikers.

Merke

Sterilisierte Tupfer sind Tupfer:sterilisierteTupfer, die meist in großer Menge abgepackt sind, z. B. Purzelline®-Tupfer. In der Originalpackung vor dem Öffnen sind diese Tupfer steril, nach dem Öffnen werden sie in Tupferboxen gelagert und unterliegen einer sekundären Kontamination aus der Luft, über Hände usw. Sie sind bei Benutzung also nicht steril. Besonders ist darauf zu achten, dass Boxen mit sterilisierten Tupfer nach Entnahme von Tupfern immer geschlossen sind.

Sterile Tupfer:sterileTupfer sind doppelt verpackt (Folie und Papier) und keimfrei. Hier muss jeder einzelne Tupfer aus der sterilen Verpackung entnommen werden.

Schutzkleidung

SchutzkleidungDer Heilpraktiker ist verpflichtet, Schutzkleidung zu tragen. Zur Schutzkleidung gehören Mund-Nasen-Schutz, Haarschutz und Schutzbrille. Handschuhe werden grundsätzlich empfohlen, um das Risiko einer Übertragung einer Infektionskrankheit über den Blutweg auszuschließen bzw. zu vermindern.
Berufskleidung mindestens 2-mal wöchentlich, bei stärkeren Verschmutzungen täglich wechseln.

Handschuhe

HandschuheSchutzhandschuhe dienen v. a. dem Eigenschutz
Indikationen
  • Alle invasiven Maßnahmen (Injektionen, Punktionen)

  • Wahrscheinlicher Kontakt mit Erregern

  • Kontakt mit Sekreten, z. B. Wundsekreten oder Körperausscheidungen

  • Reinigungsarbeiten

Mund-Nasen-Schutz

Mund-Nasen-SchutzDer Mund-Nasen-Schutz dient dem Eigenschutz und dem Schutz anderer Patienten.
Indikationen
  • Punktion von Gelenkhöhlen

  • Operation

  • Bluthusten

  • Spritzende Blutung

  • Influenza (hier stehen besondere Masken zur Verfügung) und MRSA-Träger

Sterilisation

SterilisationVerfahren zur Abtötung bzw. irreversiblen Schädigung sämtlicher an und in einem Objekt vorhandenen Mikroorganismen einschließlich ihrer Dauerformen (Sporen) und Viren. Voraussetzungen zur Sterilisation:
  • Sterilisationsgut muss frei von grober Verschmutzung und trocken sein

  • Geräte müssen so weit wie möglich zerlegt sein

  • Sterilgutcontainer dürfen nicht überfüllt sein

Merke

Die gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich der Anforderungen an Sterilisationsverfahren, die in Praxen eingesetzt werden dürfen, orientieren sich an den Richtlinien des RKI sowie den Hygiene-Verordnungen der einzelnen Bundesländer.

Physikalische Sterilisationsmethoden

Sterilisation:physikalische Tab. 1.3
Die DampfsterilisationDampfsterilisation (AutoklavAutoklav) ist das sicherste Verfahren in Krankenhaus und Praxis und allen anderen Methoden vorzuziehen.

Chemische Sterilisationsverfahren

Sterilisation:chemischeChemische Sterilisationsverfahren kommen nur bei thermolabilen Stoffen zur Anwendung. Zu den verwendeten Stoffen gehören z. B. Ethylenoxidgas, Formaldehydgas.
Nachteile
  • Toxisch

  • Ausgaszeit muss beachtet werden

  • Spezielle Ausbildung der Mitarbeiter

  • Verbunden mit hohen Auflagen im Hinblick auf Umweltschutz, Betreiber (Genehmigungspflicht, Kontrollen, Anzeigepflicht) und Betriebssicherheit

Kontrolle des Sterilisationseffektes
  • BioindikatorenBioindikatoren: Sporenerdepäckchen werden in bestimmten Zeitabständen autoklaviert und anschließend 10–14 Tage bebrütet. Zeigt sich kein Wachstum, ist davon auszugehen, dass kein Erreger das Autoklavieren überlebt hat. Wegen der langen Bebrütungszeit eignet sich das Verfahren nicht für Routinekontrollen.

  • Thermische Messungen: Ungenaues Verfahren, bei dem ein Thermometer das Erreichen der Maximaltemperatur zeigt, aber nicht die Dauer der einwirkenden Temperatur.

  • Sichtkontrolle: Mit Farbindikatoren wird routinemäßig der Erfolg der Sterilisation überprüft.

Instrumentenaufbereitung

InstrumentenaufbereitungInstrumente, die in ein Gewebe eingebracht werden sollen oder bei Verwendung Haut oder Schleimhaut verletzen, müssen nach der Hygieneverordnung sterilisiert werden und dürfen nur in diesem Zustand verwendet werden.
Procedere
Nach Gebrauch die Instrumente so weit wie möglich zerlegen. Grobe Verschmutzungen müssen abgebürstet werden, bis sie makroskopisch frei von Verunreinigungen sind. Es gibt keinen „sterilen Dreck“. Im Anschluss die Instrumente in eine spezielle Desinfektionslösung oder Reinigungslösung einlegen. Dabei ist zu beachten, dass alle Oberflächen benetzt werden. Die Reinigungslösungen sind der RKI- oder der DGHM-Liste zu entnehmen.
Nach der Desinfektion die Instrumente mit kaltem Wasser abspülen, lufttrocknen und im Anschluss verpacken und sterilisieren. Dabei ist zu beachten, dass kleine Packungseinheiten hergestellt werden; der Sterilgutcontainer darf nicht überfüllt sein.
Lagerung des Sterilguts
SterilgutDas Verfallsdatum des Sterilgutes bezieht sich auf trockene, staubdichte Lagerung und unbeschädigte Verpackung. Sterilgut sollte im Aufbewahrungsschrank hinten einsortiert und vorne entnommen werden. Für die Sterilität durch korrekte Lagerung haftet der Anwender und nicht der Hersteller oder die Sterilisationsabteilung.

Praxisabfälle

PraxisabfälleDie rechtliche Grundlage für Praxisabfälle stellen die „Richtlinie zur Krankenhaushygiene und Infektionsprävention des Robert-Koch-Instituts“, die Hygiene Verordnungen der Länder sowie die Unfallverhütungsvorschriften.
  • Praxisabfälle in verschließbaren Behältern sammeln.

  • Tupfer, Handschuhe, Kompressen, Einmalauflagen in einem nicht-zerreißbaren Plastiksack sammeln und im Hausmüll entsorgen.

  • Spitze, scharfe und fragile Gegenstände in stabilen (blickdichten und säurefesten) Boxen sammeln, gebrauchte Kanülen im Sharp-Container. Fest verschlossen dürfen diese Boxen im Hausmüll entsorgt werden.

  • Altpapier und Glasflaschen trennen.

  • Batterien nicht im Hausmüll entsorgen.

  • Infektiöses Material im sog. gelben Sack sammeln und als Sondermüll betrachten, dessen Entsorgung länderspezifisch geregelt ist.

  • Alte Medikamente nicht in der Toilette entsorgen, sondern in Apotheken abgeben oder kenntlich im Hausmüll entsorgen.

Notizen

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