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B978-3-437-58745-0.00002-1

10.1016/B978-3-437-58745-0.00002-1

978-3-437-58745-0

Injektionsformen und deren Eindringtiefe.

Öffnen des Flip-off-Verschlusses. Dabei die Gummimembran nicht berühren.

Desinfektion der Gummimembran.

Spritze an der vorgesehenen Lasche öffnen und die Spritzenverpackung auseinander ziehen.

Aufziehkanüle an der vorgesehenen Lasche öffnen und Kanülenverpackung auseinander ziehen.

Spritze aus der Verpackung entnehmen.

Spritze und Aufziehkanüle fest verbinden.

Die Kanülenkappe abziehen.

Die Kanüle senkrecht in die Ampulle einstechen.

Die Ampulle kippen und die gewünschte Menge durch Zurückziehen des Kolbens aufziehen.

Entlüftung der Luftblasen und Entfernung der überschüssigen Menge des Medikaments.

Aufziehkanüle am Ansatz der blauen Markierung fassen und abziehen.

Aufziehkanüle in den Sharps Container werfen, dabei den Abwurf nicht berühren.

Injektionskanüle an der vorgesehenen Lasche öffnen.

Spritze und Injektionskanüle fest verbinden.

Den Ampullenkopf mit einem Tupfer umfassen und an der Sollbruchstelle vom Anwender weg aufbrechen.

Das Medikament aufziehen und dabei den Ampullenhals nicht berühren.

Injektionstechniken

  • 2.1

    Allgemeine Regeln11

    • 2.1.1

      Vorteile von Injektionen11

    • 2.1.2

      Komplikationen bei Injektionen11

    • 2.1.3

      Wichtige Regeln11

    • 2.1.4

      Injektionsanamnese12

  • 2.2

    Vorbereitung einer Injektion12

    • 2.2.1

      Vorbereitung der Materialien12

    • 2.2.2

      Aufziehen des Medikaments12

Allgemeine Regeln

Injektion:TechnikDie Applikation von Injektionen hat viele Vorteile, birgt jedoch auch Nachteile und Komplikationen. Um unerwünschte Wirkungen und Komplikationen auf das absolute Minimum zu reduzieren, ist die Beachtung der allgemeinen Regeln, die nachfolgend beschrieben werden von großer Bedeutung.

Vorteile von Injektionen

  • Injektion:VorteileInjizierte Medikamente haben meist einen schnellen Wirkungseintritt: bei der i. v.-Injektion nach Minuten, bei der i. m.-Injektion innerhalb von 10–15 Minuten, bei der s. c.-Injektion innerhalb ½ Stunde

  • Die parenterale Injektion schließt Wirkungsverluste durch Störungen im gastrointestinalen Trakt aus (z. B. im Rahmen einer Zöliakie, Pankreasinsuffizienz oder bei Durchfall) und ist in der Regel gut verträglich

  • Bessere Möglichkeit der Dosierung im Vergleich zur peroralen Gabe

  • Mit i. c.-Injektionen können lokale Wirkungen erzielt werden

  • Einsatzmöglichkeit in der Notfallmedizin z. B. bei Bewusstlosen

Injektionsformen und Eindringtiefe
Injektion:Formen Injektion:Eindringtiefe Abb. 2.1
  • Intrakutan (i. c.): Lederhaut (Korium)

  • Subkutan (s. c.): Unterhautgewebe (Subkutis)

  • Intramuskulär (i. m.): Muskulatur

  • Intravenös (i. v.): Venen

  • Intraarteriell (i. a.): Arterien

  • Intraossär: Knochenmark des proximalen Unterschenkels (Notfallzugang bei Säuglingen und Kleinkindern bis zum 6. Lebensjahr)

Merke

Intraarterielle und intraossäre Injektionen sollten Ärzten vorbehalten sein.

Komplikationen bei Injektionen

  • Injektion:Komplikationen Unsachgemäße Injektion: zu schnell, Missachtung der Hygieneregeln, falsche Dosis, falscher Patient, falsche Applikationsart

  • Missachtung von Kontraindikationen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

  • Allergische Reaktion und Unverträglichkeit

  • Schmerzhafte Injektion und Hämatombildung

  • Nervenverletzung, Gewebeschädigung und Spritzenabszess

  • Übertragung von Infektionskrankheiten

Wichtige Regeln

Injektion:RegelnFolgende allgemeine Regeln sollten verinnerlicht werden:
  • Vor jedem Patientenkontakt die Hände desinfizieren.

  • Vor jeder Injektion den Patienten über Wirkung und Nebenwirkung der Medikamente informieren und das Einverständnis zur Injektion einholen.

  • Ferner muss man sich über die Vorerkrankungen, Medikamente, Allergien im Klaren sein, will man unnötige Risiken ausschließen.

  • Vor jeder Injektion das benötigte Arbeitsmaterial auf ein desinfiziertes Tablett legen und einen Abwurfbehälter bereitstellen.

  • Vor jeder Injektion Medikamente und Tupfer im Hinblick auf Verfallsdaten kontrollieren und Medikamenteninformation am Beipackzettel beachten.

  • Vor jeder Injektion an die 5 R-Regel denken.

Merke

5-R-5-R-RegelRegel:

  • 1.

    Richtiger Patient

  • 2.

    Richtiges Medikament

  • 3.

    Richtige Dosierung

  • 4.

    Richtige Applikation

  • 5.

    Richtiger Zeitpunkt

  • Vor der Punktion das entsprechende Hautareal desinfizieren und die desinfizierte Stelle nicht mehr berühren.

  • Bei jeder Injektion Schutzhandschuhe tragen.

  • Injektionen immer am liegenden Patienten durchführen.

  • Schmerzhafte Injektionen abbrechen.

  • Keine Injektionen in Hautgebieten mit Ödem, Hämatom, Narbe oder lokaler Infektion durchführen.

  • Sorgfältige Dokumentation über Medikamentenart, Dosis, Ort der Applikation und mögliche Reaktionen.

  • Bei Blutentnahme Laborröhrchen mit Name, Geburtsdatum und Abnahmedatum kennzeichnen.

  • Nach durchgeführter Injektion die Punktionsstelle auf Blutung, Rötung, allergische Reaktion o. ä. überprüfen.

Injektionsanamnese

InjektionsanamneseVor jeder Injektion muss eine Injektionsanamnese durchgeführt werden. Sie umfasst folgende Punkte:
  • Informationen über Wirkung und Nebenwirkung des Medikaments und den therapeutischen Sinn der Injektion.

  • Einverständnis zur Injektion einholen.

  • Arzneimittelanamnese: Besonders wichtig wegen möglicher Wechselwirkungen der Pharmaka untereinander. So darf ein digitalisierter Patient niemals Kalzium i. v. erhalten. Die Folge kann ein plötzlicher Herzstillstand sein. Patienten mit Dauereinnahme von Antikoagulantien (ASS, Heparin oder Marcumar®) dürfen keine i. m.-Injektionen erhalten wegen einer unkontrollierten Hämatom- und Nekrosebildung im Injektionsgebiet.

  • Allergien und Unverträglichkeiten, anaphylaktische Schockreaktionen in der Vorgeschichte erfragen, ggf. vorhandenen Allergiepass einsehen.

  • Infektiöse Erkrankungen des Patienten erfragen, falls noch unbekannt.

Vorbereitung einer Injektion

Vorbereitung der Materialien

Materialien:InjektionInjektion:VorbereitungInjektion:MaterialienFür jede Injektionsart werden benötigt:
  • Desinfiziertes Ablagetablett

  • Spritze

  • Kanülen (Aufzieh-, Injektionskanüle): Grundsätzlich wird für das Aufziehen des Medikaments eine separate, meist engerlumige Kanüle verwendet. Diese nach dem Aufziehen des Medikaments verwerfen. Die Injektion erfolgt mit einer zweiten, größerlumigeren Kanüle.

  • Tupfer: je nach Injektionsart sterile oder sterilisierte (1.5.4)

  • Medikament

  • Pflaster

  • Hautdesinfektionsmittel

  • Handschuhe

  • Staubinde

  • Abfallbehälter und Kanülenabwurf (Sharps Container)

Eine Kanüle besteht aus Kanülenansatz, Kanülenschaft und Kanülenspitze mit Anschliff. Je nach Verwendungszweck gibt es Kanülen unterschiedlicher Länge und mit einem unterschiedlichen Lumen. Sie sind farbkodiert.
Spritzen bestehen aus Kolben, Zylinder und Konus. Der Konus kann zwei Varianten zeigen: einen Luer-Steckansatz und einen Luer-Lockansatz. Die Größe der Spritze orientiert sich an der Menge des zu applizierenden Medikaments. Die gängigsten Größen sind 2 ml-, 5 ml-, 10 ml- und 20 ml-Spritzen.

Merke

Alle Materialien auf Verfallsdatum, das Medikament auf makroskopische Trübungen oder Ausflockungen hin prüfen.

Aufziehen des Medikaments

Medikament:AufziehenAufziehen des MedikamentsIn der naturheilkundlichen Praxis werden grundsätzlich rezeptfreie Medikamente appliziert, die in der Regel keine Toxizität aufweisen. Für das Aufziehen des Medikaments ist das Tragen von Schutzhandschuhen nicht unbedingt nötig, es sei denn, der Therapeut ist gegen das Medikament allergisch oder weist Hautverletzungen auf.
Im Krankenhaus ist auch beim Aufziehen des Medikaments das Tragen von Schutzhandschuhen grundsätzlich empfohlen, weil das Medikamenten-, Patienten-, und Keimspektrum völlig anders sind. Bei den Medikamenten handelt es sich meist um parenterale Ernährung, Antibiotika oder Chemotherapeutika.
Die Hygieneregeln müssen unabhängig davon, ob man Schutzhandschuhe trägt oder nicht, immer eingehalten werden.

Merke

Die Zubereitung und Verabreichung von Zytostatika sollten Ärzten vorbehalten bleiben. Diese Medikamente müssen unter einem Abzug vorbereitet werden, um keine giftigen Dämpfe zu inhalieren.

Durchführung
  • Nach der Händedesinfektion und Überprüfung des zu applizierenden Medikaments nach der 5R-Regel kann das Medikament aufgezogen werden.

  • Zunächst die Metallfolie oder den Flip-Off-Verschluss der MedikamentenampulleMedikamentenampulle abziehen. Die linke Hand umfasst und stabilisiert die Ampulle, mit dem Daumen und dem Zeigefinger der anderen Hand kann der Verschluss geöffnet werden. Die Finger sollten dabei die Gummimembran nicht berühren (Abb. 2.2a).

  • Als nächsten Schritt die Gummimembran desinfizieren, es sei denn, der Hersteller garantiert die Sterilität (Abb. 2.2b). Die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels abwarten.

  • Die sterile Spritze öffnen und noch in der Packung belassen. Beachten Sie, dass das Sterilgut an der vorgesehenen Lasche geöffnet wird. Mit beiden Daumen an der vorgesehenen Lasche fassen und auseinander ziehen (Abb. 2.2c). Danach auf dem desinfizierten Tablett ablegen. Das Durchdrücken des Stempels durch die Papierverpackung ist nicht hygienisch und auch nicht zulässig.

  • Die sterile Aufziehkanüle öffnen und noch in der Verpackung belassen. Auch die Kanüle an der vorgesehenen Lasche öffnen (Abb. 2.2d).

  • Spritze aus der Verpackung entnehmen (Abb. 2.2e) und dann mit der Aufziehkanüle fest verbinden (Abb. 2.2f). Beachten Sie, dass weder der Kanülenansatz noch der Spritzenkonus angefasst werden und auch mit sonst nichts in Berührung kommen.

  • Kanülenkappe abziehen (Abb. 2.2g) und senkrecht in die Ampulle einstechen (Abb. 2.2h).

  • Die Ampulle kippen und die gewünschte Menge der zu injizierenden Substanz aufziehen (Abb. 2.2i). Es empfiehlt sich, etwas mehr aufzuziehen, um eventuell vorhandene Blasen im nächsten Schritt zu entlüften. Beim Aufziehen des Medikaments aus der Ampulle fassen Daumen und Mittelfinger den Kolbenansatz, der Zeigefinger den Zylinderansatz. Daumen und Mittelfinger führen einen Zug nach unten aus, der Zeigefinger einen Druck nach oben. Der gesamte Kolben sollte nicht angefasst bzw. umfasst werden. Die Spritze wird ausschließlich zum einmaligen Gebrauch verwendet. Während des Aufziehen und der Injektion werden der Kolben und Zylinder verformt, sodass es zur Kontamination der Innenseite des Zylinders kommen kann. In die sterile Ampulle keine Raumluft aufziehen, um das Medikament leichter aspirieren zu können.

  • In einem weiteren Schritt werden eventuell vorhandene Luftblasen entlüftet und die überschüssige Menge des Medikaments entfernt (Abb. 2.2j). Dazu die Spritze mit der Kanüle nach oben positionieren. Beim exzentrischen Konus muss die Spritze leicht gekippt werden, sodass der Konus den höchsten Punkt erreicht und die Luftblase zum Konus zeigt. Ist der Konus zentrisch, die Spritze senkrecht positionieren. Im Anschluss einen sterilisierten Tupfer an das Kanülenende halten, die Spritze entlüften und die überschüssige Menge des Medikaments aus dem Spritzenzylinder entlassen. Sollten Luftblasen an der Zylinderwand haften, kann leicht gegen die Spritzenwand geklopft werden. Damit lösen sich die Bläschen, steigen nach oben und können problemlos entlüftet werden.

  • Aufziehkanüle ohne Recapping mit den Fingern abziehen (Abb. 2.2k). Dabei mit den Fingern den Spritzenkonus nicht berühren. Die Kanüle in den Sharps Container entsorgen, ohne den Container zu berühren (Abb. 2.2l).

  • Die Spritze nicht ablegen, sondern in der Hand behalten, während die Injektionskanüle geöffnet (Abb. 2.2m) und mit der Spritze verbunden wird (Abb. 2.2n).

  • Die mit der Kanüle konnektierte Spritze am desinfizierten Ablagetablett deponieren.

Merke

  • Medikamente direkt vor der Injektion aufziehen; eine längerfristige Vorbereitung ist nicht zulässig.

  • Nach Medikamentenentnahme aus einer Mehrfachampulle die Ampulle mit Datum und Uhrzeit beschriften. Der Inhalt der Ampulle kann meist weitere 24 Stunden gelagert und verwendet werden, vorausgesetzt, die Ampulle enthält Konservierungsstoffe und der Hersteller macht keine anderen Angaben über Lagerung und Haltbarkeit.

Bildstrecke Vorbereitung einer Injektion
Durchführung bei Glasampullen
GlasampulleDie Technik der Medikamentenentnahme aus einer Glasampulle ist grundsätzlich die gleiche: Das Öffnen der Spritze, Aufziehkanüle und Injektionskanüle, die Verbindung beider Komponenten, die Entlüftung von Blasen und das Abwerfen der Aufziehkanüle im Sharps-Container gleichen den bereits beschriebenen Schritten. Die Verwendung einer Glasampulle unterscheidet sich nur in folgenden Schritten:
  • Zunächst sicherstellen, dass sich der Lösungsinhalt gänzlich im Glaskörper und nichts im Ampullenkopf befindet. Ein Beklopfen der Ampulle oder ein schwungvolles Herunterschütteln aus dem Handgelenk können Lösungsrückstände in den Ampullenkorpus transferieren.

  • Den Ampullenhals nicht desinfizieren.

  • Die Sollbruchstelle ist mit einem farbigen Ring am Ampullenhals oder durch einen Punkt am Ampullenköpfchen markiert. Die Punkte müssen zum Anwender zeigen, die Bruchrichtung geht vom Anwender weg.

  • Den Ampullenkopf mit einem Tupfer umfassen (Abb. 2.3a), vom Anwender weg brechen und im Kanülenabwurf entsorgen.

  • In einem weiteren Schritt das Medikament aufziehen, wobei die Aufziehkanüle den Ampullenhals nicht berühren darf. Die Ampulle muss meist gekippt werden, um den gesamten Inhalt entnehmen zu können (Abb. 2.3b).

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