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Intramuskuläre Injektion: Punktionsort am Oberarm.

Intramuskuläre Injektion: Ventroglutealer Punktionsort nach von Hochstetter.

Intramuskuläre Injektion: Punktionsort am Oberschenkel.

Für eine i. m.-Injektion benötigte Utensilien.

Das Punktionsareal desinfizieren.

Die sterile Kompresse an der vorgesehenen Lasche öffnen.

Den Punktionsort nach Einwirkzeit des Desinfektionsmittels einmal abwischen.

Die Handschuhe überziehen.

Die Haut leicht spannen und im Winkel von 90° in die Haut einstechen.

Die Kanüle bis in den Muskel vorschieben.

Die korrekte Kanülenlage durch Aspiration kontrollieren. Dabei die Position der Kanüle nicht ändern. Dann das Medikament applizieren.

Die Kanüle langsam herausziehen.

Die Punktionsstelle mit einem sterilen Tupfer leicht komprimieren.

Die Injektionskanüle im Sharps Container entsorgen.

Komplikationen bei i. m.-Injektionen und Maßnahmen.

Tab. 4.1
Komplikation Maßnahmen
Schmerzen beim Einstechen u. a. durch
  • Desinfektionsmittelreste

  • Falschen Einstichwinkel

  • Langsames Einstechen

  • Desinfektionsmittel muss abgetrocknet sein, Haut sollte nicht glänzen

  • Einstichwinkel beachten

  • Zügig in die Haut einstechen

Punktion eines Nervs (Schmerzen und Parästhesien im Innervationsgebiet)
  • Präventiv: Punktionsort exakt aufsuchen

  • Injektion stoppen

  • Notruf absetzen

  • Großlumigen periphervenösen Zugang legen

Punktion von Gefäßen (sichtbar durch Blutaspiration)
  • Präventiv immer aspirieren

  • Injektion stoppen

  • Spritze und Kanüle verwerfen

  • Injektion an anderer Stelle durchführen

Periostale Reizung
  • Kanüle ca. 1 cm zurückziehen

  • Erneut aspirieren

  • Injektion setzen

Abbrechen der Kanüle
  • Sehr seltene Komplikation

  • Sichtbare Kanüle sofort entfernen

  • Bei nicht sichtbarer Kanüle: Patienten ruhig liegen lassen, Feld markieren, Notruf absetzen und Vorstellung beim Arzt

Allergische bzw. anaphylaktische Reaktion
  • Injektion stoppen

  • Notruf absetzen

  • Großlumigen periphervenösen Zugang legen

  • Nacl 0,9 % 1.000 ml oder Ringer-Lösung und 1 Ampulle Tavegil i. v. applizieren

  • Falls vorhanden Sauerstoff verabreichen

Infektion im Punktionsgebiet (Spritzenabszess)
  • Lokal kühlen

  • Zum Arzt verweisen

Intramuskuläre Injektion

  • 4.1

    Anwendungsbereiche und Applikationsorte27

  • 4.2

    Kontraindikationen28

  • 4.3

    Vorbereitung28

  • 4.4

    Durchführung28

  • 4.5

    Komplikationen und Maßnahmen31

intramuskuläre Injektion Injektion:intramuskuläre i.m.-Injektion

HINWEIS PRÜFUNG

Die i. m.-Injektion wird im mündlich-praktischen Teil der Heilpraktikerüberprüfung häufig abgefragt und muss dann am Phantom demonstriert werden. Wichtig ist das korrekte Aufsuchen des Injektionspunktes nach von Hochstetter.

Anwendungsbereiche und Applikationsorte

Diese Injektionsart ist eine Technik, bei der kleinere Arzneimengen mit Depotwirkung in den Muskel verabreicht werden. Mit dieser Art der Applikation wird ein verzögerter Wirkungseintritt erreicht. Geeignet für diese Injektionsart sind am besten wässrige und isotone Lösungen.
Anwendungsbereiche
  • intramuskuläre Injektion:Anwendungsbereiche Vitaminpräparate

  • Eigenbluttherapie

  • Impfungen (Ärzten vorbehalten)

  • Depot-Neuroleptika (Ärzten vorbehalten)

Applikationsorte
  • M. deltoideus: ca. 5 cm unterhalb des Akromion (Abb. 4.1a)

  • intramuskuläre Injektion:ApplikationsorteM. glutaeus medius und minimus: Dreieck zwischen Spina iliaca anterior superior, Crista iliaca und Trochanter major (Abb. 4.1b)

  • M. vastus lateralis: im Bereich von ca. einer Handbreit unterhalb des Trochanter major und einer Handbreit über der Patella bei Kindern (Abb. 4.1c)

Kontraindikationen

intramuskuläre Injektion:KontraindikationenVor der geplanten Injektion empfiehlt es sich, den Hautbereich genau zu inspizieren. Folgende Kriterien bzw. Erkrankungen stellen eine Kontraindikation für die intramuskuläre Injektion dar:
  • Einnahme von Antikoagulanzien wie Marcumar®, ASS, Heparin

  • Hämophilie oder sonstige Erkrankungen mit hämorrhagischer Diathese

  • Thromboembolische Erkrankungen, die eine therapeutische Lysetherapie erfordern, z. B. Lungenembolie, Herzinfarkt, Apoplex

  • Schockgeschehen

  • Entzündliche und sonstige Hautveränderungen, inkl. Narbenbildung, Tätowierung und Schwellung

  • Paretische Gliedmaße

  • Bekannte allergische Reaktion gegen das zu applizierende Medikament

  • Keine Zulassung des Medikaments für i. m.-Injektionen

  • Fehlendes Einverständnis des Patienten

Vorbereitung

intramuskuläre Injektion:VorbereitungVor der geplanten Injektion sollten die Vorbereitungsmaßnahmen sowohl am Patienten als auch im Hinblick auf die Zusammenstellung der Materialien getroffen worden sein. Folgendes Schema kann zum Einsatz kommen:
  • Zunächst die Injektionsanamnese erheben (2.1.4).

  • Ferner den Patienten über Wirkungen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen des Medikaments informieren und sein Einverständnis zur Injektion einholen.

  • Die kontaminierten Gegenstände wie Abwurf und Kanülenabwurfbehälter (Medibox oder Sharp Container) in Reichweite, aber nicht auf der desinfizierten Ablagefläche bereitstellen.

  • Danach erfolgt die Händedesinfektion.

  • Auf einem desinfizierten Ablagetablett Folgendes Materialien:i.m.-Injektionbereitlegen (Abb. 4.2):

    • Aufziehkanüle

    • Sterile Applikationskanüle

    • Sterile Einmalspritze

    • Sterilen Tupfer

    • Hautdesinfektionsmittel

    • Handschuhe

    • Medikament zur Applikation

    • Pflaster

Durchführung

intramuskuläre Injektion:DurchführungNachfolgend werden die Technik und der Ablauf der i. m.-Injektion beschrieben. Es empfiehlt sich, den gesamten Ablauf konzentriert und ohne Ablenkung durchzuführen.
  • Vorbereitetes Material am Arbeitsplatz abstellen.

  • Medikament mit Aufziehkanüle aufziehen, Spritze entlüften, Aufziehkanüle abziehen und verwerfen, danach die Injektionskanüle aufsetzen (2.2.2). Hier empfiehlt es sich, die Kappe der Aufziehkanüle nicht zu verwerfen, weil sie zur Markierung des Injektionspunktes verwendet werden kann.

  • Den Patienten seitlich lagern und die Knie leicht beugen.

  • Zum Aufsuchen der Injektionsstelle:nach von HofstetterInjektionsstelle bei der intramuskuläre Injektion:ventroglutealeventroglutealen i. m.-Injektion nach von Hochstetter sind drei Markierungspunkte zu beachten: Der vordere obere Darmbeinstachel (Spina iliaca anterior superior), der Darmbeinkamm (Crista iliaca) und der große Rollhügel (Trochanter major). Liegt der Patient auf der linken Seite, mit dem Zeigefinger der linken Hand den vorderen oberen Darmbeinstachel aufsuchen und palpieren. Mit dem Mittelfinger der linken Hand den Darmbeinkamm palpieren, wobei Zeige- und Mittelfinger maximal gespreizt werden. Danach die Hand nach distal verschieben, bis der große Rollhügel unter dem Handballen tastbar wird. Der Zeigefinger bleibt während der Drehung an der ursprünglichen Position. Die Injektionsstelle liegt nun im unteren Drittel zwischen Zeige- und Mittelfinger und kann mit der Kanülenkappe markiert werden (Abb. 4.1a).

  • An

    dieser Stelle empfiehlt sich, noch einmal das Gewebe zu betasten, um die Sicherheit zu haben, dass unter dem gedachten Punktionsort auch genügend Muskulatur liegt. Die ventrogluteale Injektion nach von Hochstetter wird nur bei Erwachsenen angewendet.

  • Als nächstes die Haut über dem Punktionsareal desinfizieren (Abb. 4.3a). Die Einwirkzeit muss abgewartet werden.

  • Danach einen sterilen Tupfer öffnen (Abb. 4.3b), an einer Ecke fassen und über das desinfizierte Punktionsareal einmal wischen (Abb. 4.3c).

  • Im Anschluss die Haut erneut desinfizieren und die Einwirkzeit abwarten (Abb. 4.3a).

  • In der Zwischenzeit die Handschuhe überziehen (Abb. 4.3d).

  • Im nächsten Schritt die Kanülenkappe abziehen, die Haut leicht spannen und die Kanüle im Winkel von 90° zur Haut einstechen (Abb. 4.3e). Dabei rasch durch die Haut stechen und langsam beim Durchtritt durch die Subkutis und die Muskulatur. Bei normalgewichtigen Patienten beträgt die Eindringtiefe in die Glutealmuskulatur bis zu 4 cm (Abb. 4.3f).

  • Zur Lagekontrolle muss eine Aspiration erfolgen (Abb. 4.3g). Es darf kein Blut in der Kanüle bzw. Spritze sichtbar sein.

  • Erst danach das Medikament langsam injizieren.

  • Nach der Injektion die Kanüle langsam herausziehen (Abb. 4.3h) und die Injektionsstelle mit einem sterilen Tupfer abdecken und leicht komprimieren (Abb. 4.3i). Nicht massieren und keine kreisenden Bewegungen ausführen.

  • Die Kanüle ohne Recapping im Abwurfbehälter entsorgen (Abb. 4.3j).

  • Ein Pflaster auf die Punktionsstelle kleben.

  • Die Injektion dokumentieren.

Bildstrecke intramuskuläre Injektion
Tipps und Tricks
  • Bei adipösen Patienten eine längere Kanüle (70 mm) wählen, um bis zum Muskel zu gelangen. Sollte auch diese Kanüle zu kurz sein, entweder einen anderen Ort für die Applikation oder eine andere Applikationsart wählen.

  • Bei Injektionen in den M. deltoideus nur kleine Mengen (1–2 ml) applizieren. Das Muskelvolumen ist relativ klein, sodass größere Injektionsmengen nicht resorbiert werden oder Nekrosen zur Folge haben können.

  • Bei Injektionen in den Glutealmuskel nicht mehr als max. 5 ml applizieren. Die Glutealmuskulatur ist zwar voluminöser als der M. deltoideus, Mengen über 5 ml überschreiten aber auch die Resorptionskapazität dieses Muskels. Nekrosen, Granulome und Abszesse können in der Folge auftreten.

  • Ölige Lösungen nicht intramuskulär applizieren. Sie sind schwer resorbierbar und fördern die Nekrosebildung.

Komplikationen und Maßnahmen

intramuskuläre Injektion:KomplikationenDie intramuskuläre Injektion ist eine Injektionsart, die mit unterschiedlichsten Komplikationen einhergehen kann (Tab. 4.1). Die so häufig und gerne verwendete Methode, Medikamente i. m. zu applizieren, muss sehr kritisch hinterfragt werden, wenn auch die Möglichkeit der z. B. peroralen Gabe besteht. Wählen Sie immer die Medikamenten-Applikationsart, die mit dem geringsten Risiko für den Patienten einhergeht.
Das Nicolau-Nicolau-SyndromSyndrom ist eine seltene Nebenwirkung nach i. m.-Injektion in den Glutealmuskel. Sie geht mit großen Nekrosen am Injektionsort einher. Die Ursache ist meist eine Embolie im arteriellen Gefäßbereich. Nach der Injektion treten heftige, stechende Schmerzen auf. Es zeichnet sich ein livides, netzartiges Erythem auf der Haut ab, das sich innerhalb von Tagen bis Wochen zu einer aseptischen Nekrose ausdehnt. Die Heilung bedarf mehrerer Monate.
Notizen

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