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B978-3-437-58705-4.00002-X

10.1016/B978-3-437-58705-4.00002-X

978-3-437-58705-4

Allgemeines zur körperlichen Untersuchung

  • 2.1

    Hände7

    • 2.1.1

      Händedesinfektion7

    • 2.1.2

      Händehygiene7

  • 2.2

    Räumliche Voraussetzungen7

  • 2.3

    Ablauf der Untersuchung7

    • 2.3.1

      Inhalt der Untersuchung7

    • 2.3.2

      Reihenfolge der Untersuchung8

    • 2.3.3

      Untersuchungsutensilien8

Untersuchung:körperlicheDie körperliche Untersuchung ist das erste diagnostische Mittel für die Diagnosestellung. Nachfolgend werden die wichtigsten Grundsätze beschrieben.

Hände

Händedesinfektion

Hände:DesinfektionVor jeder körperlichen Untersuchung muss eine hygienische Händedesinfektion erfolgen. Dabei werden die Anflugkeime (transiente Flora) der Haut eliminiert. Bei starken Verschmutzungen werden die Hände zunächst desinfiziert, dann gewaschen. Beim Waschen werden Keime verschleppt, aber nicht inaktiviert. Das Waschen dient der Beseitigung von groben Verunreinigungen. Die hygienische Händedesinfektion reduziert die Keimzahl um den Faktor 105. Händedesinfektionsmittel enthalten rückfettende Substanzen (im Gegensatz zu Hautdesinfektionsmitteln).
Durchführung
  • Mindestens 3 ml Desinfektionsmittel auf trockenen Händen verreiben. Wasserrückstände verdünnen das Desinfektionsmittel, Seifenreste inaktivieren das Desinfektionsmittel.

  • Mindesteinwirkzeit von 30 Sekunden beachten.

  • Nagelfalzen, Fingerzwischenräumen und Daumen besondere Beachtung schenken.

  • Die Desinfektion erfolgt bis über die Handgelenke.

Händehygiene

Hände:HygieneDie Hände sollten warm sein und die Nägel kurz. Das Tragen von künstlichen oder lackierten Nägeln hat in einer Praxis nichts verloren. Zum einen bringt eine hygienische Händedesinfektion nicht die gewünschte Keimreduktion mit sich, zum anderen besteht Verletzungsgefahr. Ausgefallener Schmuck darf im privaten Leben zum Einsatz kommen, ist aber beim Umgang mit Patienten eher unangebracht.

Räumliche Voraussetzungen

  • Die körperliche Untersuchung: VoraussetzungenUntersuchung im warmen, ruhigen Raum durchführen.

  • Telefonklingeln abstellen und sonstige Gespräche nicht während der Untersuchung führen, um die Untersuchungsdauer nicht künstlich auszudehnen, da der Patient zumindest z. T. entkleidet ist.

  • Auf eine gute Beleuchtung achten, die den Patienten aber nicht blendet.

  • Eine Untersuchungsliege anschaffen.

  • Für die Visusprüfung sollte der Raum mindestens 6 m lang sein.

Ablauf der Untersuchung

Inhalt der Untersuchung

Untersuchung:InhaltUntersuchung:AblaufDie körperliche Untersuchung sollte nach der Anamnese erfolgen. Sie trägt neben der genauen Anamnese maßgeblich zur Diagnosestellung bei. Bei der Erstkonsultation erfasst man am besten einen Ganzkörperstatus. Zu beachten ist, dass die Untersuchung immer am entkleideten Patienten erfolgt. Diese beinhaltet:
  • Untersuchung von Kopf, Mundhöhle und -schleimhäuten

  • Untersuchung des Halses mit Palpation der Schilddrüse und der Lymphknoten

  • Untersuchung des Thorax' mit Herz- und Lungenuntersuchung

  • Untersuchung der Bauchorgane

  • Untersuchung des Rückens mit Wirbelsäule und Nierenlager, ggf. Urinuntersuchung

  • Untersuchung der Beine, insbesondere des arteriellen und venösen Systems sowie der Kniegelenke

  • Orientierende neurologische Untersuchung

  • Orientierende Hautinspektion

Reihenfolge der Untersuchung

Untersuchung:Reihenfolge

HINWEIS PRÜFUNG

Insbesondere die Reihenfolge ist in der Prüfung, bei der neben der Technik auch ein gewisses Schema geprüft wird, wichtig.

Die körperliche Untersuchung sollte einen bestimmten Ablauf haben. Die empfohlene Reihenfolge ist das IPPAF-IPPAF-SchemaSchema:
  • InspektionInspektion: Auf gute Lichtverhältnisse achten, insbesondere bei der Begutachtung der Haut.

  • PalpationPalpation: Mit den Kuppen der Finger palpieren bzw. mit der flachen Hand, aber nicht mit dem Daumen.

  • PerkussionPerkussion: Sie kann als direkte Perkussion (selten) oder indirekte (häufiger verwendet) erfolgen. Bei der indirekten Perkussion dient ein Finger (bei Rechtshändern ein Finger der linken Hand) als Plessimeterfinger, der an der zu untersuchenden Körperregion fest angelegt wird. Mit der Kuppe des Mittelfingers und/oder Zeigefingers der rechten Hand dann den Plessimeterfinger beklopfen. Die Bewegung erfolgt aus dem Handgelenk. Bei der Perkussion können unterschiedliche Klangqualitäten in Abhängigkeit von dem darunter liegenden Gewebe gehört werden.

  • AuskultationAuskultation: Mit dem Stethoskop Geräusche erfassen, die z. B. durch die Herzaktion, Lungendehnung oder Darmbewegungen entstehen.

  • FunktionsprüfungFunktionsprüfung: Erfolgen im Anschluss, u. a. Laboruntersuchung, Otoskopie usw.

Eine Ausnahme ist die Untersuchung des Abdomens. Hier folgt auf die Inspektion zunächst die Auskultation, danach folgen Perkussion und Palpation. Zunächst müssen die Darmgeräusche abgehört werden, um eine eventuelle Darmparalyse nicht zu übersehen. Palpiert man davor, sind immer Darmgeräusche hörbar, weil der Darm mechanisch durch die Palpation angeregt wurde. Tatsächlich sind diese Darmbewegungen aber gar nicht zu verzeichnen.
In den nachfolgenden Kapiteln (Kap. 3–15)Kap. 3Kap. 4Kap. 5Kap. 6Kap. 7Kap. 8Kap. 9Kap. 10Kap. 11Kap. 12Kap. 13Kap. 14Kap. 15 werden die jeweiligen Untersuchungstechniken der einzelnen Organsysteme beschrieben, wobei die Reihenfolge der Untersuchung immer eingehalten wird („IPPAF“). Ist eine Auskultation nicht möglich, z. B. bei der orthopädischen Untersuchung, folgt direkt die Beschreibung der Funktionsprüfung.

Untersuchungsutensilien

Untersuchung:UtensilienDas wichtigste Instrumentarium für die körperliche Untersuchung sind die Augen, Hände, Ohren, Nase und ein gesunder Verstand des Untersuchers. Zusätzlich werden einige wenige Hilfsmittel benötigt. Zu achten ist bei den Geräten auf Unversehrtheit, regelmäßige Eichung und ggf. eine Einweisung nach dem Medizinproduktegesetz. Ferner dürfen ausschließlich desinfizierte Geräte verwendet werden oder ggf. sterile, wenn sie einer invasiven Untersuchung dienen.
Standardhilfsmittel
  • Standardhilfsmittel FieberthermometerFieberthermometer zur Ermittlung der Körpertemperatur. Die Messungen können im Gehörgang, sublingual, axillär oder rektal erfolgen. Die rektale Temperaturmessung ist die genaueste. Vor jeder Verwendung eine Überzughülle verwenden.

  • MaßbandMaßband zur Messung der LWS- und BWS-Dehnung beim Schober- und Ott-Zeichen, des Bauch- oder Beinumfangs oder einer Beinumfangsdifferenz.

  • StablampeStablampe zur Prüfung des Pupillenreflexes und für die Racheninspektion.

  • ReflexhammerReflexhammer zur Prüfung der Reflexe. Dabei darauf achten, dass der Reflexhammer ein Gewicht von > 200 g hat (optimal sind 220 g). Leichtere Reflexhammer sehen meist eleganter aus, sind aber für den Anfang schwieriger hinsichtlich der Bedienung.

  • StethoskopStethoskop für die Auskultation von Geräuschen. Empfehlenswert sind Stethoskope mit einem Schlauch, der so kurz wie möglich sein sollte. Günstig sind weiche Oliven, die für den Untersucher komfortabel sind.

  • BlutdruckmanschetteBlutdruckmanschette zur Blutdruckmessung. Eine Standardmanschette mit einer Manschettenbreite von 12–13 cm ist empfehlenswert. Ist die Praxis v. a. auf Kinder ausgelegt, zusätzlich kleinere Kindermanschetten mit 5–8 cm bereithalten. Für sehr adipöse Arme müssen XL-Manschetten mit 15–18 cm bereitliegen.

  • HolzspatelHolzspatel (Einmalartikel) zur Untersuchung des Rachens und für die Leberkratzauskultation.

  • VibrationsgabelVibrationsgabel nach Rydel-Seifer mit 128 Hz zur Prüfung der Tiefensensibilität und eine 440 Hz-Gabel zur Prüfung des Gehörs beim Rinne- und Weber-Versuch.

  • WaageWaage und MeßlatteMeßlatte zur Bestimmung des Gewichts und der Körpergröße.

  • Einweghandschuhe.

Fakultative Utensilien
Zusätzliche, sinnvolle Utensilien sind:
  • OtoskopOtoskop zur Untersuchung des äußeren Gehörgangs und des Trommelfells

  • DermatoskopDermatoskop zur Untersuchung von Hauteffloreszenzen

  • GlasspatelGlasspatel zur Untersuchung von Hauteffloreszenzen

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