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B978-3-437-58705-4.00009-2

10.1016/B978-3-437-58705-4.00009-2

978-3-437-58705-4

Lidödeme beim nephrotischen Syndrom.

[ M537 ]

Palpation der Nieren.

[ K116 ]

Perkussion der Nierenlager.

[ L143 ]

Schüttelschaum bei Proteinurie.

[ E426 ]

Differenzialdiagnostik bei Oligurie und Anurie.

Tab. 9.1
Ursache Differenzialdiagnosen
Prärenal
  • Schock

  • Exsikkose

Intrarenal
  • Nierenverletzungen

  • Gifte

  • Vaskulitis

Postrenal
  • Steinleiden

  • Prostatahyperplasie

  • Urologische, gynäkologische Tumoren

Differenzialdiagnostik bei Polyurie.

Tab. 9.2
Ursachen Differenzialdiagnosen
Polydipsie
  • Idiopatisch

  • Psychogen

Endokrin, metabolisch
  • Diabetes mellitus

  • Diabetes insipidus

  • Hyperkalzämie

Renal
  • Chronische Niereninsuffizienz

  • Akutes Nierenversagen

Differenzialdiagnostik bei Hämaturie.

Tab. 9.3
Ursachen Differenzialdiagnosen
Intrarenal
  • Trauma

  • Nephrolithiasis

  • Nierenzellkarzinom

  • Pyelonephritis

  • Glomerulonephritis

  • Niereninfarkt, Nierenvenenthrombose

Extrarenal
  • Nephrolithiasis

  • Katheter

  • Trauma

  • Infektionen: Zystitis, Prostatitis

  • Marcumartherapie, Gerinnungsstörung

  • Tumoren

Definitionen der Urinausscheidung.

Tab. 9.4
Begriff Urinmenge [ml/Tag] Ursachen
Normalbefund
  • Männer: 800–1.800

  • Frauen: 600–1.600

Oligurie < 400
  • Dehydratation

  • Nierenerkrankung

Anurie < 100
  • Nierenversagen

  • Harnabflussstörung

Polyurie > 2500
  • Nierenerkrankung

  • Stoffwechselerkrankung

Nykturie Mehrmaliges nächtliches Wasserlassen
  • Herzinsuffizienz

  • Nierenerkrankung

  • Prostataerkrankung

Pollakisurie Häufiges Wasserlassen in kleinen Portionen
  • Harnwegsinfekt

  • Blasentumor

  • Prostataerkrankung

Beurteilung der Sedimentuntersuchung.

Tab. 9.5
Parameter Referenzwert Pathologische Werte
Erythrozyten Bis 2/Gesichtsfeld Erhöht bei>
  • Glomerulonephritis mit dysformen Erythrozyten

  • Tumoren der Niere und Harnwege

  • Nieren- und Blasensteine

Leukozyten Bis 5/Gesichtsfeld Erhöht bei>
  • Zystitis

  • Pyelonephritis

  • Prostatitis

  • Urethritis

Epithelien Vereinzelt Plattenepithelien
  • Nierenepithelien erhöht: bei Pyelonephritis, nach akutem Nierenversagen, bei Glomerulonephritis

  • Urothelzellen erhöht: bei Tumoren der ableitenden Harnwege, Steinleiden

Kristalle Vereinzelt Massenhaft vorhandene Kristalle: bei Steinbildung in der Niere
Zylinder (Ausgüsse der distalen Tubuli und Sammelrohre) Hyaline Zylinder
  • Erythrozytenzylinder: Aggregation von Erythrozyten bei glomerulärer Hämaturie

  • Leukozytenzylinder: Aggregation von Leukozyten bei Pyelonephritis

  • Epithelzylinder: Aggregation aus Tubuluszellen bei Glomerulonephritis, Pyelonephritis, nach akutem Nierenversagen

Übersicht über die harnpflichtigen Substanzen.> Phosphat Natrium Kreatinin Kalium Harnstoff Harnsäure

Tab. 9.6
Parameter Referenzwert Bedeutung, Besonderheiten
Kreatinin
  • Männer < 1,1 mg/dl

  • Frauen < 0,9 mg/dl

Kreatinin entsteht aus dem Muskelstoffwechsel aus Kreatin und ist ein wichtiger Parameter der glomerulären Filtrationsleistung. Der Kreatinin-Wert erhöht sich im Serum erst dann, wenn die Nieren über 50 % ihrer Funktion verloren haben.
Harnstoff < 50 mg/dl Harnstoff entsteht in der Leber aus Ammoniak und CO> 2 und ist ein Endprodukt des Aminosäurestoffwechsels. Der Harnstoffspiegel ist nicht nur von der Nierenfunktion, sondern auch von der externen Proteinzufuhr abhängig.
Phosphat 0,8–1,5 mmol/l Phosphat befindet sich zum größten Teil in Knochen, Zähnen und dem Interzellularraum. Die Regulation erfolgt hormonell über das Parathormon, die Ausscheidung über die Niere.
Harnsäure
  • Männer 3,8–8,2 mg/dl

  • Frauen 2,3–6,0 mg/dl

Harnsäure entsteht in der Leber aus dem Purinstoffwechsel. Eine Erhöhung kann neben Hinweisen auf eine eingeschränkte Nierenfunktion auch auf erhöhte externe Zufuhr oder einen Tumorzerfall hinweisen.
Natrium 135–145 mmol/l Natrium (Na> + ) findet sich in großen Mengen im extrazellulären Raum, in geringen Mengen in der Zelle. Natrium wird als Begleitparameter und Verlaufsparameter bei allen Störungen des Wasserhaushalts, v. a. bei Durchfall, Verbrennungen oder Erbrechen bestimmt, ferner bei Nieren-, Herzinsuffizienz, Diabetes insipidus und endokrinen Störungen, die sich auf den Natriumhaushalt auswirken (z. B. Hyperaldosteronismus).
Kalium 3,5–5,0 mmol/l Kalium (K> + ) findet sich zu 98 % in den Zellen und zu 2 % im Extrazellularraum. Täglich werden ca. 50–100 mmol aufgenommen, der größte Teil wird über den Urin ausgeschieden. Der Kaliumhaushalt wird u. a. hormonell reguliert, z. B. über Aldosteron, Insulin, Adrenalin.

Ausgewählte Differenzialdiagnosen von Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege sowie deren Befunde.> Pyelonephritis Nierenversagen Niereninsuffizienz nephrotisches Syndrom Nephrolithiasis Glomerulonephritis Zystitis

Tab. 9.7
Differenzialdiagnosen Inspektion Palpation und Perkussion Funktionsprüfung
Akutes Nierenversagen
  • Symmetrische Ödeme

  • Dyspnoe durch Lungenödem

  • Bewusstseinsstörung und neurologische Ausfälle durch Hirnödem und Anstieg der harnpflichtigen Substanzen

  • Nieren evtl. vergrößert oder ohne Befund

  • Evtl. druckdolente Nierenlager

  • Urinuntersuchung:>

    • Anurische Phase: nicht möglich

    • Polyurische Phase: je nach Ursache pH-Verschiebung, niedriges spezifisches Gewicht, Leukozyten, Nitrit, Erythrozyten positiv

  • Blutuntersuchung: harnpflichtige Substanzen ↑

Chronische Niereninsuffizienz
  • Graues Hautkolorit

  • Kratzspuren

  • Foetor uraemicus

  • Symmetrische Ödeme, je nach Nierenleistung

  • Nieren evtl. vergrößert oder nicht tastbar

  • Evtl. druckdolente Nierenlager

  • Urinuntersuchung:>

    • Isosthenurie, Proteine, Leukozyten positiv, pH-Verschiebung

    • 24-Stunden-Urin: reduzierte Urinmenge und Kreatinin-Clearance

  • Blutuntersuchung: harnpflichtige Substanzen ↑

Glomerulonephritis Je nach Nierenleistung:>
  • Graues Hautkolorit

  • Kratzspuren

  • Foetor uraemicus

  • Symmetrische Ödeme

  • Nieren evtl. vergrößert oder nicht tastbar

  • Evtl. druckdolente Nierenlager

  • Urinuntersuchung:>

    • Proteinurie < 3,5 g/Tag

    • Hämaturie

    • Sedimentuntersuchung: Erythrozytenzylinder und dysmorphe Erythrozyten

  • Blutuntersuchung: je nach Nierenleistung harnpflichtige Substanzen ↑

Nephrotisches Syndrom Stark ausgeprägte symmetrische Ödeme oder Anasarka
  • Nieren evtl. vergrößert oder nicht tastbar

  • Evtl. druckdolente Nierenlager

  • Urinuntersuchung:>

    • Schaumiger Urin

    • Starke Proteinurie > 3,5 g/Tag

  • Blutuntersuchung: je nach Nierenleistung harnpflichtige Substanzen ↑, AT III ↓, γ-Globuline ↓ in der Elektrophorese

Nephrolithiasis
  • Keine besonderen äußeren Zeichen

  • Wandernde, kolikartige Schmerzen

  • Nieren evtl. vergrößert oder nicht tastbar

  • Meist einseitig klopfdolente Nierenlager

Urinuntersuchung:>
  • Hämaturie

  • Sedimentuntersuchung: massenhaft Kristalle

  • Bei sekundärer Infektion Leukozyturie, Nitrit positiv, pH-Alkalisierung

Zystitis Suprapubische Schmerzen Ohne pathologischen Befund
  • Urinuntersuchung: pH-Alkalisierung, Leukozyturie, evtl. Nitrit positiv

  • Blutuntersuchung: keine systemischen Entzündungszeichen

Pyelonephritis
  • Fieber

  • Deutlich reduzierter Allgemeinzustand

  • Nieren evtl. vergrößert oder nicht tastbar

  • Stark druckdolente Nierenlager

  • Urinuntersuchung:>

    • pH-Alkalisierung, Leukozyturie, evtl. Nitrit positiv

    • Sedimentuntersuchung: Leukozytenzylinder

  • Blutuntersuchung: systemische Entzündungszeichen ↑ (Leukozyten ↑, CRP ↑, BSG ↑)

Untersuchung der Nieren und ableitenden Harnwege

  • 9.1

    Erster Eindruck 79

  • 9.2

    Ausschluss eines Notfalls 79

  • 9.3

    Anamnestische Anhaltspunkte 80

  • 9.4

    Inspektion 80

  • 9.5

    Palpation 80

  • 9.6

    Perkussion 81

  • 9.7

    Auskultation 81

  • 9.8

    Funktionsprüfung 81

    • 9.8.1

      Urinuntersuchung 81

    • 9.8.2

      Blutuntersuchung der nierenpflichtigen Substanzen 84

  • 9.9

    Differenzialdiagnostik 85

Untersuchung:Niere und ableitende Harnwege Niere:Untersuchung

HINWEIS PRÜFUNG

Die Urinuntersuchung ist prüfungsrelevant und sollte im Hinblick auf Durchführung und Interpretation der Befunde sicher beherrscht werden.

Erster Eindruck

erster Eindruck:Niere und ableitende Harnwege Der erste Eindruck vom Patienten kann bereits Hinweise auf potenziell vorhandene Erkrankungen der Niere und ableitenden Harnwege liefern. Besonders zu beachten sind die Hautveränderungen:>
  • Hautkolorit: grau-schmutzig bei Niereninsuffizienz

  • Kratzspuren: bei mangelnder Giftelimination aus dem Körper, Niereninsuffizienz

  • Ödem Ödeme: symmetrische Ödeme an Unterschenkeln und Lidödeme (v. a. morgendliche Ödeme) bei Nierenerkrankungen, u. a. Glomerulonephritis oder nephrotischem Syndrom (> Abb. 9.1 )

  • Geruch: Geruch nach Urin bei mangelnder Pflege, Harnwegsinfekten, Urämie

Ausschluss eines Notfalls

Notfall:Niere und ableitende Harnwege Die wichtigsten und häufigsten urologischen Notfälle sind:>
  • Oligurie Oligurie und > Anurie Anurie (> Tab. 9.1 )

  • Polyurie Polyurie (> Tab. 9.2 )

  • Hämaturie Hämaturie (> Tab. 9.3 )

  • Kolikartige Schmerzen

  • Zeichen einer Urosepsis

Anamnestische Anhaltspunkte

Im Rahmen der > Anamnese:Niere und ableitende Harnwege Anamnese können folgende Angaben auf Nierenerkrankunkungen oder Erkrankungen der ableitenden Harnwege hinweisen:>
  • Miktionsstörungen Miktionsstörungen:

    • Nykturie Nykturie: bei Nierenerkrankungen, Prostatahyperplasie, Herzinsuffizienz

    • Pollakisurie Pollakisurie: Hinweis auf Zystitis, Restharnmenge, neurogene Blase

    • Dysurie Dysurie (Algurie, Strangurie): bei Zystitis, Urethritis, Prostatitis

    • Harnstrahlveränderungen: bei Prostatahyperplasie

    • Harninkontinenz Harninkontinenz: bei Beckenbodenschwäche, Sphinkterinsuffizienz, Entzündungen im Abflussgebiet

    • Harnverhalt Harnverhalt: bei Prostatahyperplasie, Strikturen in der Urethra

  • Erektile > erektile Dysfunktion Dysfunktion: bei Diabetes mellitus, Alkoholismus, Neuropathien anderer Genese, psychogen

  • Geschlechtskrankheiten: Hinweise auf Vernarbungen im Bereich der Harnröhre?

  • Schmerzanamnese:

    • Suprapubische Schmerzen: bei Zystitis

    • Kolikartige, wandernde Schmerzen: bei Urolithiasis; die Schmerzen sind meist einseitig, beginnen in den Flanken, ziehen dann in den Unterbauch und von dort in den Bereich des Genitale

    • Dumpfe Flanken- und Rückenschmerzen: bei Pyelonephritis

  • Gynäkologische Anamnese: erste Periode, letzte Periode, Schwangerschaften und Geburten, Zyklusanomalien

  • Noxen: Nikotinabusus, Analgetikaabusus begünstigt die Entstehung von Urothelkarzinomen

Inspektion

Neben den Befunden, die man schon aus dem ersten Eindruck des Patienten gewonnen hat, ist die Inspektion des Urins von großer Bedeutung (9.8.1).

Palpation

Die Palpation der > Niere:Palpation Nierenlager ist wegen der schlechten Zugänglichkeit der Organe kaum möglich.
Durchführung
Der Patient liegt mit entspannter Abdomen- und Rückenmuskulatur in Rückenlage. Die Nieren werden bimanuell untersucht (> Abb. 9.2 ). Bei der Untersuchung der rechten Niere steht der Therapeut rechts vom Patienten. Mit der linken Hand die Lendenregion bauchwärts drücken, die Finger der rechten Hand kaudal des Rippenbogens auflegen. Den Patienten auffordern, tief einzuatmen. Während der Inspiration die unter dem Rippenbogen liegende rechte Hand mit den Fingerkuppen nach dorsal drücken. Die Untersuchung der linken Niere erfolgt analog, wobei der Untersucher auf der linken Patientenseite steht.
Normalbefund
Bei schlanken Patienten ist meist der untere rechte Nierenpol tastbar. Die linke Niere ist meist nicht zu tasten.
Pathologische Befunde
  • Leicht zu erreichende Nieren: bei Senk- oder Wandernieren

  • Vergrößerung der Nieren: bei Zystennieren, Nierenzysten, Tumoren

Perkussion

Bei der > Niere:Perkussion Perkussion werden die Nieren auf > Klopfschmerzhaftigkeit geprüft.
Durchführung
Die Perkussion erfolgt am sitzenden oder stehenden Patienten. Die Flanken mit der Handkante oder Faust zunächst vorsichtig orientierend perkutieren (> Abb. 9.3 ). Sind keine Schmerzen vorhanden, kann die Perkussion etwas stärker wiederholt werden.
Normalbefund
Kein Klopfschmerz über den Nierenlagern.
Pathologische Befunde
Klopfschmerzhafte Nierenlager bei Pyelonephritis, Abszessen oder Harnstau.

Auskultation

Auskultiert werden mögliche periumbilikale Strömungsgeräusche über den > Aa. renales . Die Strömungsgeräusche geben Hinweise auf eine Stenose dieser Gefäße.

Funktionsprüfung

Bei der > Niere:Funktionsprüfung Funktionsprüfung kann der Urin zunächst makroskopisch beurteilt werden. Ferner ist eine Teststreifenuntersuchung möglich. Zusätzlich können eine Sedimentuntersuchung, 24-Stunden-Sammelurin und eine laborchemische Blutuntersuchung durchgeführt werden. Innerhalb der weiterführenden Verfahren ist die Sonografie besonders wichtig.

Urinuntersuchung

Gewinnungsarten
  • Urin:Untersuchung Urin:Gewinnung Untersuchung:Urin > Spontanurin: Urin in sauberem Gefäß auffangen. Bei Frauen kann die Untersuchung falsch positiv Leukozyten durch Fluorbeimengung oder Erythrozyten durch Menstruationsblut anzeigen.

  • Mittelstrahlurin: Am häufigsten für die Urinuntersuchung verwendet. Den Genitalbereich vor der Entnahme gründlich reinigen. Im Anschluss die zweite Harnportion auffangen, wobei der Urinstrahl nicht unterbrochen werden sollte.

  • Morgenurin: Für die Sedimentuntersuchung, weil die Verweildauer des Urins in der Blase meist lang war.

  • 24-Stunden-Sammelurin: Bestimmung von Harnmenge und chemischer Beschaffenheit.

Allgemeine Empfehlungen zur Uringewinnung
  • Urin sofort bis spätestens 4 Stunden nach Gewinnung untersuchen. Zeitverzögerungen führen zu bakterieller Vermehrung, Zerfall von Erythrozyten und Leukozyten.

  • Bei der Teststreifenuntersuchung den Urin im Kühlschrank lagern, sofern er nicht gleich untersucht werden kann. Zu beachten ist, dass die Uro-Sticks nicht länger als 6 Wochen geöffnet sein dürfen, weil alte Teststäbchen falsche Befunde liefern.

Definitionen (> Tab. 9.4 )
Makroskopische Beurteilung
  • Urin:Inspektion Polyurie Pollakisurie Oligurie Nykturie Anurie Klar, hellgelb: Normalbefund

  • Hell bis farblos: hohe Trinkmenge, Diabetes insipidus

  • Dunkelgelb: geringe Trinkmenge, Schwitzen, Fieber

  • Graue Trübung: Pyurie durch Beimengung von Eiweiß, Leukozyten, Bakterien

  • Makrohämaturie: Blutungen aus dem Urogenitaltrakt, Tumoren

  • Schaumig: Proteinurie

  • Braun: Bilirubinurie im Rahmen eines intra- oder posthepatischen Ikterus

Geruch
  • Urin:Geruch Obstartig: Ketonurie (z. B. bei Diabetes mellitus, Fastenkuren)

  • Nach Ammoniak: Infektionen der Harnwege und bakterielle Zersetzung von Harnstoff

  • Nach Nahrungsmitteln: Genuss von Spargel, Zwiebel, Knoblauch, tropischen Früchten

  • Nach bitteren Mandeln: Intoxikation mit Zyaniden

  • Mäuseartig: Phenylketonurie

Dreigläserprobe
Dreigläserprobe Die Dreigläserprobe kann bei Makrohämaturie durchgeführt werden und gibt grobe Anhaltspunkte über den Ort der Blutung.
Durchführung
Die gesamte Urinmenge wird in drei Gefäßen aufgefangen, wobei diese nacheinander befüllt werden.
Normalbefund
In allen drei Gefäßen klarer, hellgelber Urin.
Pathologische Befunde
  • Die erste Portion ist blutig verfärbt, die zwei darauf folgenden Proben sind heller bzw. klar: bei tief liegender Blutung (Urethralbereich, Prostata)

  • Die beiden ersten Portionen sind blutig verfärbt und die dritte Probe ist heller: bei Blutungen im Blasenbereich

  • Alle Portionen sind blutig verfärbt: bei Blutungen aus höher gelegenen Strukturen (Ureter, Nierenbecken, Niere)

Teststreifenuntersuchung
  • Urin:Teststreifenuntersuchung Teststreifenuntersuchung Teststreifenbehälter sofort nach Entnahme eines Teststreifens wieder verschließen.

  • Streifen nur ca. 1 Sekunde in den Urin eintauchen, da sonst die Reagenzien ausgespült werden.

  • Überschüssigen Urin abstreifen.

  • Unterschiedliche Reaktionszeiten beachten.

  • Teststreifen ablesen: Farbumschläge gemäß Farbskala des Röhrchens deuten.

Merke

Eine Merkhilfe für die erfassten Parameter beim Urinteststreifentest ist „GELENKBUSS“.

Glukose
Glukose erscheint dann im Urin, wenn der Serumglukosespiegel 160–180 mg/dl (Nierenschwelle) übersteigt. Die Nierenschwelle steigt im Alter und bei Niereninsuffizienz.
Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • Glukosurie Glukosurie: bei Diabetes mellitus, renaler Glukosurie, Morbus Wilson, interstitieller Nephritis

  • Falsch negative Befunde: bei Einnahme von Ascorbinsäure

  • Falsch positive Befunde: bei Vorhandensein von Peroxiden (Desinfektionsmittel)

Erythrozyten
Erythrozyten im Urin können eine Makrohämaturie (sichtbar blutiger Urin) oder eine Mikrohämaturie (Urinfarbe normal) hervorrufen.
Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • Prärenale > Hämaturie Hämaturie: durch Einnahme von Antikoagulantien, hämorrhagische Diathese, Infektionskrankheiten

  • Intrarenale Hämaturie: durch Glomerulonephritis, Nierenzellkarzinom, Niereninfarkt, Nephrolithiasis

  • Postrenale Hämaturie: durch Zystitis, Prostatitis, Blasensteine, Blasenkarzinom

  • Marschhämaturie bzw. Marschmyoglobinurie: durch starke körperliche Belastung

Leukozyten
Leukozyten im Urin sind ein Hinweis auf entzündliche Erkrankungen der Nieren und der ableitenden Harnwege.
Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • Leukozyturie Leukozyturie: bei Infektionen der ableitenden Harnwege, z. B. Zystitis, Pyelonephritis, Prostatitis

  • Falsch positive Befunde: bei Kontamination des Urins durch Fluor vaginalis oder Material aus dem Präputium, Einnahme von Antibiotika

  • Falsch negative Befunde: durch Einwirkung von Desinfektionsmitteln oder Ascorbinsäure, bei Einnahme von Antibiotika

Merke

Bei rezidivierender Leukozyturie empfehlen sich eine Sedimentuntersuchung, Anzüchtung von Bakterienkulturen aus dem Urin und die Prüfung der Nierenfunktionsparameter.

Bei Leukozyturie ohne Keimnachweis (sterile Leukozyturie) auch an das Vorliegen einer Urogenitaltuberkulose, Gonorrhö, eines Reiter-Syndroms und Analgetika-Nephropathie denken.

Eiweiß
Eiweiß im Urin kann dann nachgewiesen werden, wenn entweder die glomeruläre Permeabilität erhöht ist und/oder die tubuläre Rückresorption insuffizient ist. Beim Schütteln schäumt der Urin bei > Proteinurie Proteinurie (> Abb. 9.4 ).
Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • Eiweiß positiv bei>

    • Nierenerkrankungen, z. B. Glomerulonephritis, nephrotisches Syndrom

    • Herzinsuffizienz

    • Fieberhaften Infektionen

    • Harnwegsinfekten

    • Schwangerschaft: Hinweis auf EPH-Gestose

  • Falsch positive Befunde: bei körperlicher Anstrengung, Unterkühlung, Erhitzung, Stress, Urin-Alkalisierung

Merke

Bence-Jones-Proteine beim Plasmozytom sind über die Teststreifenuntersuchung nicht nachweisbar.

Nitrit
Nitrit im Urin ist ein Hinweis auf eine bakterielle Besiedlung der ableitenden Harnwege mit nitritbildenden Bakterien, z. B. Escherichia coli, Proteus mirabilis, Klebsiellen oder Citrobacter. Dabei wandeln die Bakterien Nitrat in Nitrit um. Jede noch so dezente Verfärbung des Nitritfensters im Teststreifen muss als verdächtig angesehen werden.
Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • Positiv: Infektionen der ableitenden Harnwege, z. B. Zystitis, Pyelonephritis, Prostatitis

  • Falsch positive Befunde: bei Untersuchung von abgestandenem Urin

  • Falsch negative Befunde: bei zu kurzer Verweildauer des Urins in der Blase (→ bestes Untersuchungsmaterial ist der Morgenurin), mangelnde Zufuhr nitratreicher Nahrung (→ vor der Nitrituntersuchung Gemüse verzehren)

Merke

Negative Befunde schließen eine Harnwegsinfektion nicht aus. Eine Infektion mit nicht nitritbildenden Bakterien, z. B. Chlamydien, Mykoplasmen, ist immer noch möglich.

Ketone
Ketone entstehen im Körper aus dem Fettsäureabbau (Lipolyse). Ketone werden teils über den Urin ausgeschieden, teils über die Lunge abgeatmet und über die Haut ausgeschieden.
Normwert
Negativ
Pathologische Befunde
  • Diabetes mellitus Typ 1: der absolute Insulinmangel führt zur ungehemmten Lipolyse

  • Fastenkuren mit Mobilisierung des Fettgewebes

  • Schwangerschaftsgestose

Bilirubin und Urobilinogen
Bilirubin ist ein Abbauprodukt des Häms, das an Albumin gebunden zur Leber transportiert wird und dort zu wasserlöslichem, konjugiertem Bilirubin verestert wird. Dann wird es über die Gallengänge in den Darm ausgeschleust. Im Darm entsteht aus Bilirubin u. a. Urobilinogen, das auch wasserlöslich ist und ebenfalls über den Urin ausgeschieden werden kann. Bilirubin färbt den Urin dunkel.
Urobilirubin erscheint in geringen Mengen im Urin. Der größte Teil des zirkulierenden Urobilinogens wird über den enterohepatischen Kreislauf wieder in der Leber aufgenommen. Bei einer Hämolyse oder Einschränkung der Leberleistung wird Urobilinogen vermehrt über den Urin ausgeschieden.
Normwerte
  • Bilirubin negativ

  • Urobilinogen Spuren

Pathologische Befunde
  • Bilirubinurie Bilirubinurie: Bei Lebererkrankungen (z. B. Hepatitis, Leberzirrhose), die mit einem Rückstau des konjugierten Bilirubins ins Blut einhergehen. Das konjugierte, wasserlösliche Bilirubin wird dann über die Niere mit dem Harn ausgeschieden. Ferner bei Verschluss des Ductus choledochus, der zur Störung des Galleabflusses führt.

  • Urobilinogenurie Urobilinogenurie: Bei gesteigertem Bilirubinabbau, z. B. bei hämolytischer Anämie oder Leberfunktionsstörungen, die mit mangelnder Resorption in der Leber einhergehen.

Spezifisches Gewicht
Das spezifische Gewicht beschreibt die Menge der gelösten Teilchen pro Volumeneinheit Urin und gibt Auskünfte über die Tubulusfunktion, wo die Konzentrierung des Harns erfolgt. Die Messung des spezifischen Gewichts erfolgt mit Hilfe des Urometers.
Normwert
  • 1.001–1.040 g/l

  • Morgenurin 1.025–1.040 g/l

Pathologische Befunde
  • Hyposthenurie Hyposthenurie (1.001–1.010 g/l): durch beeinträchtigte Konzentrationsfähigkeit der Niere

  • Isosthenurie Isosthenurie (1.010–1.012 g/l): Harnstarre bei deutlicher Funktionseinschränkung und mangelnder Konzentrationsfähigkeit der Niere

  • Asthenurie Asthenurie (1.001 g/l): bei Diabetes insipidus, wenn die Niere gar nicht in der Lage ist, den Harn zu konzentrieren

Säure (pH-Wert)
Der pH-Wert des Urins unterliegt physiologischen Tagesschwankungen. Die tiefsten Werte werden in der Nacht und am frühen Morgen gemessen. Nach Mahlzeiten steigt der pH-Wert an.
Normwert
pH 4,9–7,4
Pathologische Befunde
  • pH-Wert-Erhöhung (Alkalisierung): bei vegetarischer Ernährung, Medikamenteneinnahme, (z. B. Carboanhydrasehemmer), Harnwegsinfekten durch Harnstoff spaltende Bakterien (z. B. Escherichia coli), Alkalose

  • pH-Wert-Erniedrigung: bei fleischreicher Kost, Gicht, malignen Erkrankungen, Azidose

Harnsediment
Harnsediment Bei der Sedimentuntersuchung werden organische und anorganische feste Bestandteile untersucht, die sich nach dem Zentrifugieren des Urins auf dem Boden absetzen. Danach wird der Überstand verworfen, der Rückstand auf einem Objektträger ausgestrichen, ggf. gefärbt und unter dem Mikroskop mit einem 40er Objektiv untersucht und beurteilt (> Tab. 9.5 ).

Blutuntersuchung der nierenpflichtigen Substanzen

nierenpflichtige Substanzen Neben der Urinuntersuchung ist die Untersuchung der harnpflichtigen Substanzen im Blut im Rahmen der Nierenfunktionsprüfung wichtig. Die Standardparameter, deren Bedeutung und Besonderheiten werden in > Tabelle 9.6 beschrieben.>

Merke

Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion steigen alle nierenpflichtigen Substanzen an.

Differenzialdiagnostik (> Tab. 9.7 )

Niere und ableitende Harnwege:Differenzialdiagnostik Differenzialdiagnostik:Niere und ableitende Harnwege

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