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B978-3-437-58705-4.00003-1

10.1016/B978-3-437-58705-4.00003-1

978-3-437-58705-4

Rechtskonvexe BWS-Skoliose.

[L190]

Fixierter Rundrücken bei Zustand nach Morbus Scheuermann.

[M537]

Morbus Bechterew im fortgeschrittenen Stadium mit fixiertem Rundrücken.

[M537]

Tannenbaumphänomen

[M537]

Untersuchung der Wirbelsäule nach der Neutral-Null-Methode.

[L143]

Schober- und Ott-Zeichen.

[L190]

Bewegungsausmaße ausgewählter Gelenke.

[L106]

Schürzengriff.

[L143]

Nackengriff.

[L143]

Painful arc.

[L106]

Untersuchung der Außen- (a) und Innenrotation (b) des Hüftgelenks.

[E508]

Positives Trendelenburg-Zeichen rechts.

[L141]

Tanzende Patella bei Kniegelenkerguss.

[L106]

Untersuchung des medialen Seitenbandes.

[E508]

Steinmann-Zeichen.

[L190]

Payr-Zeichen.

[L106]

a Intakte Kreuzbänder. b Riss des vorderen Kreuzbandes (→ vordere Schublade). c Riss des hinteren Kreuzbandes (→ hintere Schublade).

[L157]

Ausgewählte Differenzialdiagnosen der orthopädisch-rheumatischen Erkrankungen und deren Befunde.rheumatoide ArthritisOsteoporoseMorbus BechterewKoxarthroseFraktur

Tab. 3.1
Differenzialdiagnosen Schmerzcharakter und Inspektion Palpation und Perkussion Funktionsprüfung
Morbus Bechterew
  • Tief sitzende nächtliche Kreuzschmerzen

  • Kyphotische Haltung

  • Evtl. Hüftbeugekontraktur

Schmerzhafte Palpation und Perkussion der Dornfortsätze
  • Eingeschränkte Beweglichkeit bei der Neutral-Null-Methode

  • Schober- und Ott-Zeichen pathologisch vermindert

  • Finger-Boden-Abstand vergrößert

  • Kinn-Jugulum-Abstand vergrößert

  • Okzipitum-Wandabstand vergrößert

  • Evtl. HLA B27 positiv, im Schub CRP ↑, BSG ↑, Leukozyten ↑

Osteoporose
  • Diffuse Rückenschmerzen

  • Abnahme der Körpergröße

  • Rundrückenbildung, v. a. der oberen BWS

  • Tannenbaumphänomen

Schmerzhafte Palpation und Perkussion der Dornfortsätze
  • Eingeschränkte Beweglichkeit bei der Neutral-Null-Methode

  • Je nach Ausprägung gleiche Befunde wie beim Morbus Bechterew bis auf die Laborbefunde

Koxarthrose
  • Belastungs-, Anlauf- und Ruheschmerzen

  • Schmerzen in der Leiste, Hüfte oder Knieschmerzen als Projektionsschmerzen

  • Hüftbeugekontraktur durch Schonhaltung

  • Evtl. Beckenkippung nach vorne und Hyperlordosierung der LWS

Evtl. schmerzhafte Palpation der Leiste (bei aktivierter Koxarthrose) Eingeschränkte Beweglichkeit bei der Neutral-Null-Methode, v. a. von Innenrotation, Ab- und Adduktion
Rheumatoide Arthritis
  • Ruheschmerzen

  • Beteiligung der kleinen Gelenke (Grund- und Mittelgelenke der Finger, HWS-Gelenke)

  • Symmetrischer Befall

  • Knopflochdeformität

  • Schwanenhalsdeformität

  • Ulnare Deviation

  • Druckschmerzhaftigkeit der betroffenen Gelenke

  • Positives Gaensslen-Zeichen

  • Muskelatrophie

  • Eingeschränkte Beweglichkeit bei der Neutral-Null-Methode

  • Positive Rheumafaktoren, evtl. positive ANA, CRP ↑, BSG ↑, Leukozyten ↑, sekundäre Anämie

Fraktur
  • Sichere Frakturzeichen: sichtbare Knochenfragmente, Achsenabweichung, abnorme Beweglichkeit

  • Unsichere Frakturzeichen: Schwellung, Schmerzen, Hämatom

Schmerzhafte Palpation Röntgenologischer Frakturnachweis

Untersuchung des Bewegungsapparates

  • 3.1

    Erster Eindruck9

  • 3.2

    Ausschluss eines Notfalls9

  • 3.3

    Anamnestische Anhaltspunkte9

  • 3.4

    Untersuchung der Wirbelsäule10

    • 3.4.1

      Inspektion10

    • 3.4.2

      Palpation11

    • 3.4.3

      Perkussion11

    • 3.4.4

      Funktionsprüfung11

  • 3.5

    Untersuchung der Schulter14

    • 3.5.1

      Inspektion14

    • 3.5.2

      Palpation14

    • 3.5.3

      Funktionsprüfung14

  • 3.6

    Untersuchung der Hüfte16

    • 3.6.1

      Inspektion16

    • 3.6.2

      Palpation16

    • 3.6.3

      Funktionsprüfung16

  • 3.7

    Untersuchung des Knies17

    • 3.7.1

      Inspektion17

    • 3.7.2

      Palpation17

    • 3.7.3

      Funktionsprüfung18

  • 3.8

    Differenzialdiagnostik20

Untersuchung:Bewegungsapparat Bewegungsapparat

HINWEIS PRÜFUNG

Prüfungsrelevant sind die Untersuchungstechniken der Wirbelsäule und des Knies. Sie sollten im Hinblick auf Durchführung und Interpretation der Befunde sicher beherrscht werden.

Erster Eindruck

erster Eindruck:BewegungsapparatBei der allgemeinen Inspektion des Bewegungsapparates soll ein erster Eindruck von der Konstitution des Menschen gewonnen werden. Ferner dient sie der groben Orientierung und Erhebung erster auffälliger Befunde, z. B.
  • Fuß- und Beinachsen bzw. Abweichungen: können als O- oder X-Beine auffallen

  • Beckenstand: ungleicher Beckenstand z. B. im Rahmen einer Beinlängendifferenz oder bei Skoliose

  • Schulterstand: ungleicher Schulterstand bei Skoliose

  • Kopfhaltung: gerade, vornüber gebeugt, z. B. bei Morbus Bechterew, ausgeprägter Osteoporose oder Morbus Scheuermann

  • GangartGangart:

    • Hinkend, z. B. schmerzbedingt bei fortgeschrittener Arthrose

    • Ataktisch, z. B. bei multipler Sklerose

    • Kleinschrittig, z. B. beim Morbus Parkinson

    • Watschelnd, z. B. durch Insuffizienz der Glutealmuskulatur

  • Wirbelsäule: Kyphosierung

Ausschluss eines Notfalls

Notfall:BewegungsapparatDie wichtigsten und häufigsten Notfälle am Bewegungsapparat sind:
  • FrakturFraktur: Leitsymptome sind Achsenabweichung, abnorme Beweglichkeit, sichtbare Knochenfragmente und Krepitation.

  • BandscheibenvorfallBandscheibenvorfall: Leitsymptome sind plötzliche, starke radikuläre Schmerzen (bis zu den Zehen ausstrahlend) und neurologischer Ausfälle, u. a. Sensibilitätsverlust im Deratom, Schwäche der Kennmuskeln und erloschene Eigenreflexe.

  • Septische Arthritis:s∗eptische∗Arthritis: Leitsymptome sind plötzliche Entwicklung von Entzündungssymptomen (starke Rötung, Schwellung, Schmerzen, Überwärmung und eingeschränkte Beweglichkeit).

Anamnestische Anhaltspunkte

Im Rahmen der Anamnese:BewegungsapparatAnamnese können folgende Angaben Hinweise auf Erkrankungen des Bewegungsapparates liefern:
  • Persistierende, rezidivierende oder nächtliche Rückenschmerzen

  • Schulterschmerzen beim Ankleiden, Kämmen

  • Anlauf- und Belastungsschmerzen der Gelenke

  • Lokale Entzündungsreaktionen

Untersuchung der Wirbelsäule

Inspektion

Die Wirbelsäule:InspektionWirbelsäule wird von hinten und von der Seite am aufrecht stehenden, entkleideten Patienten inspiziert. Man steht zunächst hinter dem Patienten und beurteilt die Symmetrie des Stamms, den Schulterstand, die Taillendreiecke, den Beckenstand und eventuelle Verkrümmungen der Wirbelsäule. Im Anschluss betrachtet man die Wirbelsäule von lateral und achtet besonders auf die physiologischen Krümmungen (Lordose im Hals- und Lendenbereich, Kyphose im Brust- und Sakralbereich) der Wirbelsäule. Folgende wichtigen Symptome können erhoben werden:
  • Symmetrie des RumpfRumpfes: Unter physiologischen Bedingungen ist der Rumpf annähernd symmetrisch. Pathologische Veränderungen sind im Rahmen von angeborenen Erkrankungen, chronischen Fehlhaltungen, Traumata oder entzündlicher Prozesse zu finden und können sich manifestieren als

    • Achsenabweichungen

    • Ungerade Beckenstellung

    • Ungleiche Schulterstellung.

  • SkolioseSkoliose: Ist entweder am gerade stehenden Patienten von hinten an der S-förmigen Krümmung sowie ungleichen Schulter- und Beckenständen erkennbar oder bei einer ausgeprägten Skoliose an einem Rippenbuckel oder Lendenwulst (Abb. 3.1). Im Vorbeugetest wird der Rippenbuckel sehr deutlich sichtbar.

  • TaillendreieckTaillendreieck: Asymmetrische Taillendreiecke bei Skoliose.

  • FlachrückenFlachrücken: Kann als funktionelle Haltungsanomalie angesehen werden.

  • Gebeugte Haltung:g∗ebeugte∗Haltung: Kann u. a. durch Veränderungen der Wirbelkörperhöhe oder Wirbelkörperstruktur im Rahmen einer Osteoporose, eines Morbus Scheuermann (Abb. 3.2) oder Morbus Bechterew (Abb. 3.3) auftreten.

  • GibbusGibbus: Umschriebene, spitzwinklige Kyphose, die häufig nach entzündlichen Prozessen an den Wirbelkörpern mit anschließender Frakturierung (Höhenminderung und Deformierung) auftritt, z. B. im Rahmen einer Spondylarthritis.

  • TannenbaumphänomenTannenbaumphänomen: Ist gekennzeichnet durch schräg nach unten verlaufende Hautfalten (Abb. 3.4). Dieses Phänomen resultiert aus der Sinterung der Wirbelkörper bei Osteoporose.

Palpation

Bei der Palpation der Wirbelsäule:PalpationWirbelsäule werden Dornfortsätze und die paravertebrale Muskulatur untersucht.
Dornfortsätze
Durchführung
DornfortsätzeDie Dornfortsätze palpiert man mit den Fingerkuppen und achtet dabei auf Schmerzhaftigkeit und die Stellung. Empfehlenswert ist es, am Übergang zwischen der Hals- und Brustwirbelsäule zu beginnen, wo die Dornfortsätze deutlich sichtbar und auch meist sehr gut tastbar sind. Von dort palpiert man zunächst nach kranial, dann nach kaudal.
Normalbefund
Reizfreie Dornfortsätze.
Pathologische Befunde
Druckschmerzhafte Dornfortsätze bei degenerativen und/oder entzündlichen und/oder tumorösen Prozessen.
Paravertebrale Muskulatur
Durchführung
paravertebrale MuskulaturDie paravertebrale Muskulatur untersucht man analog zur Palpation der Dornfortsätze an der gesamten Wirbelsäule. Zu achten ist auf Schmerzhaftigkeit und Verhärtungen.
Normalbefund
Keine tastbaren Verhärtungen, keine Schmerzhaftigkeit der Muskulatur.
Pathologische Befunde
Verhärtungen und schmerzhafte Muskulatur im Rahmen einer Schonhaltung oder bei Myogelosen (Muskelhartspann).

Perkussion

Bei der Wirbelsäule:PerkussionPerkussion werden die Dornfortsätze mit Fingerkuppen beklopft. Vorgehen, Normalbefunde und pathologische Befunde entsprechen der Palpation (3.4.2).

Funktionsprüfung

Bei der Wirbelsäule:FunktionsprüfungFunktionsprüfung wird die Dehnungsfähigkeit der Wirbelsäule bzw. der einzelnen Abschnitte untersucht.
Neutral-Null-Methode
Durchführung
Neutral-Null-Methode:WirbelsäuleFür die Prüfung der Flexion und Extension der Wirbelsäule fordert man den Patienten auf, sich maximal nach vorne und hinten zu beugen. Dabei sollte das Becken fixiert werden, damit die Beweglichkeit nicht vom Hüftgelenk durchgeführt wird. Im Anschluss soll sich der Patient drehen und dann zu beiden Seiten neigen. Die jeweiligen Ausmaße werden in Gradzahlen angegeben (Abb. 3.5).
Normalbefund
  • Flexion/Extension 125–0–125

  • Rotation 140–0–140

  • Seitneigung 75–0–75

Pathologische Befunde
Alle Bewegungsgrade sind bei degenerativen oder entzündlichen Erkrankungen eingeschränkt.
Schober-Zeichen
Schober-ZeichenMit dem Schober-Zeichen wird die Dehnungsfähigkeit der LendenwirbelsäuleLendenwirbelsäule überprüft (Abb. 3.6).
Durchführung
Zunächst markiert man am gerade stehenden Patienten den Dornfortsatz S1. Um den Dornfortsatz S1 zu finden, sucht man zunächst auf der Verbindungslinie der beiden Cristae iliacae den Dornfortsatz L4 auf und palpiert von dort zwei Dornfortsätze nach kaudal. Danach misst man mit einem Maßband von S1 10 cm nach kranial und markiert diese Stelle ebenfalls. Im Anschluss wird der Patient aufgefordert, sich so weit wie möglich nach vorne zu bücken (Inklination). Dabei wird die zuvor gekennzeichnete Strecke nochmal abgemessen.
Normalbefund
Die im geraden Stand gemessene Strecke verlängert sich bei maximaler Inklination um 5–6 cm.
Pathologische Befunde
Bei unbeweglicher oder gar versteifter Wirbelsäule ist keine oder eine reduzierte Dehnung feststellbar. Das eingeschränkte Schober-Zeichen ist ein typischer Befund beim Morbus Bechterew oder bei Spondylosen im LWS-Bereich.
Ott-Zeichen
Ott-ZeichenMit dem Ott-Zeichen wird die Dehnungsfähigkeit der BrustwirbelsäuleBrustwirbelsäule überprüft (Abb. 3.6).
Durchführung
Zunächst sucht man am gerade stehenden Patienten den Dornfortsatz C7 und markiert ihn. Danach misst man mit einem Maßband vom C7 30 cm nach kaudal und markiert diese Stelle ebenfalls. Im Anschluss wird der Patient aufgefordert, sich so weit wie möglich nach vorne zu bücken (Inklination). Dabei wird die zuvor gekennzeichnete Strecke nochmal abgemessen.
Normalbefund
Die im geraden Stand gemessene Strecke verlängert sich bei maximaler Inklination um 3–5 cm.
Pathologische Befunde
Bei einer unbeweglichen Brustwirbelsäule ist keine oder eine reduzierte Dehnung feststellbar. Das eingeschränkte Schober-Zeichen ist ein typischer Befund beim Morbus Bechterew, bei Skoliose, Morbus Scheuermann oder Spondylosen.
Mennell-Zeichen
Mit dem Mennell-Zeichen wird die Beweglichkeit des IliosakralgelenkIliosakralgelenks geprüft. Die Durchführung des Menell-Zeichens kann in Rückenlage oder in Bauchlage erfolgen. Nachfolgend wird die Untersuchung in Bauchlage beschrieben.
Durchführung
Der Patient liegt auf dem Bauch, der Therapeut steht auf der linken Seite. Die linke Handfläche wird am ISG aufgelegt, die rechte Hand wird unter den Oberschenkel des Patienten gelegt und im Hüftgelenk eine Extension herbeigeführt. Dabei ist eine Beweglichkeit im ISG spürbar.
Normalbefund
Während der Extension im Hüftgelenk ist das Iliosakralgelenk schmerzlos beweglich.
Pathologische Befunde
Das Iliosakralgelenk ist schmerzhaft in seiner Beweglichkeit eingeschränkt. Dies ist ein typischer Befund beim Morbus Bechterew, aber auch im Rahmen von ISG-Verschiebungen.
Finger-Boden-Abstand
Finger-Boden-AbstandMit der Messung des Finger-Boden-Abstandes wird die Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule und des Hüftgelenks gemessen. Die Ergebnisse sind nicht nur von der Dehnungsfähigkeit der Wirbelsäule abhängig, sondern auch vom Trainingszustand des Patienten.
Durchführung
Der Patient wird aufgefordert, aus dem geraden Stand in eine Vorwärtsbeugung zu gehen.
Normalbefund
Die Finger erreichen den Boden, der Abstand beträgt 0 cm.
Pathologische Befunde
Ein vergrößerter Finger-Boden-Abstand kann Hinweise auf Wirbelsäulenerkrankungen geben.
Kinn-Jugulum-Abstand
Kinn-Jugulum-AbstandMit dem Kinn-Jugulum-Abstand wird die Beweglichkeit der Halswirbelsäule überprüft.
Durchführung
Der Patient wird im geraden Stand aufgefordert, das Kinn zum Brustbein zu führen.
Normalbefund
Bei normaler Beweglichkeit der Halswirbelsäule beträgt der Abstand 0 cm.
Pathologische Befunde
Erkrankungen (z. B. Morbus Bechterew, rheumatoide Arthritis) oder Affektionen der Halswirbelsäule führen zum vergrößerten den Kinn-Jugulum-Abstand.
Okzipitum-Wand-Abstand
Okzipitum-Wand-AbstandMit dem Okzipitum-Wand-Abstand wird die Beweglichkeit der Halswirbelsäule überprüft.
Durchführung
Der Patient steht im geraden Stand mit dem Rücken zur Wand und wird aufgefordert, das Okzipitum an der Wand anzulehnen.
Normalbefund
Das Okzipitum erreicht die Wand, der Abstand beträgt 0 cm.
Pathologische Befunde
Ein vergrößerter Hinterhaupt-Wand-Abstand kann u. a. bei Morbus Bechterew oder rheumatoider Arthritis bei entzündlicher Beteiligung der Halswirbelsäule zu verzeichnen sein.

Untersuchung der Schulter

Inspektion

SchulterSchulter:InspektionDie Inspektion des Schultergürtels erfolgt von vorne und von hinten. Dabei werden die knöchernen und muskulären Strukturen beurteilt:
  • Klavikula

  • Akromion

  • Skapula

  • Schultermuskulatur

Man achtet v. a. auf die Symmetrie der Strukturen, Abweichungen von der Achse (z. B. bei einer Klavikulafraktur), Ausprägung der Muskulatur und lokale entzündliche Veränderungen. Eine eventuell vorhandene Schonhaltung durch persistierende Schmerzen oder Innervationsanomalitäten können ebenfalls erfasst werden.

Palpation

Bei der Schulter:PalpationPalpation werden Klavikula, Bizepssehnenrinne, Akromion, Skapula und die Muskulatur betastet. Dabei wird insbesondere auf Schmerzhaftigkeit und eventuelle Verhärtungen der einzelnen Strukturen geachtet.

Funktionsprüfung

Bei der Schulter:FunktionsprüfungFunktionsprüfung werden die Bewegungsausmaße untersucht.
Neutral-Null-Methode
Neutral-Null-Methode:SchulterBei der Neutral-Null-Methode werden die natürlichen Bewegungsausmaße beurteilt. Geprüft werden:
  • Abduktion und Adduktion

  • Anterversion und Retroversion

  • Innenrotation und Außenrotation

Durchführung (Abb. 3.7)
Die natürlichen Ausmaße werden aktiv und passiv durchgeführt. Den Patienten auffordern, den Arm seitlich so weit wie möglich zu heben (Abduktion), danach bei leicht gebeugtem Oberkörper so weit wie möglich zum Körper zu führen (Adduktion). Danach wird der Arm maximal nach vorne geführt (Anteversion), im Anschluss maximal nach hinten (Retroversion). Zum Schluss wird das Schultergelenk 90° abduziert, im Ellenbogen 90° gebeugt. Aus dieser Stellung heraus wird der Patient aufgefordert den Unterarm nach innen (Innenrotation) und nach außen zu drehen (Außenrotation), wobei die Hand als Zeiger fungiert.
Normalbefund
  • Abduktion 180°, Adduktion 20–40°

  • Anterversion150–170°, Retroversion 40°

  • Innenrotation 70°, Außenrotation 70°

  • Keine Schmerzen, keine Krepitation bei Bewegung

Pathologische Befunde
Einschränkungen der Bewegungsausmaße, z. B. bei Affektionen der Sehnenansätze, Bursae, Kapsel, arthrotischen Veränderungen oder Polymyalgia rheumatica.
Schürzengriff
Durchführung
SchürzengriffDer Patient führt die Hände auf den Rücken, als ob er eine Schürze zuknoten würde (Abb. 3.8). Während dieser Bewegung wird gleichzeitig eine Adduktion, Innenrotation und Retroversion im Schultergelenk ausgeführt.
Normalbefund
Schmerzfreie Durchführung ohne Krepitation.
Pathologische Befunde
Schmerzhafte Bewegungen können Hinweise auf Irritationen der Sehnenansätze, Bursae, Kapsel oder arthrotische Veränderungen geben.
Nackengriff
Durchführung
NackengriffDer Patient führt die Hände in den Nacken (Abb. 3.9). Dabei werden gleichzeitig eine Außenrotation, Abduktion und Elevation durchgeführt.
Normalbefund
Schmerzfreie Durchführung ohne Krepitation.
Pathologische Befunde
Schmerzhafte Bewegungen können Hinweise auf Irritationen der Sehnenansätze, Bursae, Kapsel oder arthrotische Veränderungen geben.
Painful Arc (schmerzhafter Bogen)
Durchführung
schmerzhafter BogenPainful ArcDer Patient wird aufgefordert, den Arm maximal zu abduzieren.
Normalbefund
Schmerzfreie Abduktion des Armes ohne Krepitation.
Pathologische Befunde
Bei Erkrankungen der Rotatorenmanschette oder der Bursa subacromialis tritt ein Schmerz zwischen 45° und ca. 150° auf (Abb. 3.10).

Untersuchung der Hüfte

Inspektion

HüfteDie Hüfte:InspektionInspektion erfolgt am stehenden Patienten. Beurteilt werden:
  • Beckenstellung

  • Symmetrie der beiden Beckenschaufeln

  • Beinlängendifferenzen

  • Beugekontrakturen

Im Liegen können beim Neugeborenen inspektorisch Hinweise auf eine Hüftgelenkdysplasie über asymmetrische Falten sichtbar sein.

Palpation

Bei der Hüfte:PalpationPalpation werden Trochanteren, Symphyse sowie Spinae iliacae anteriores superiores und posteriores superiores betastet. Dabei wird insbesondere auf Schmerzhaftigkeit geachtet.

Funktionsprüfung

Neutral-Null-Methode
Neutral-Null-Methode:HüfteHüfte:FunktionsprüfungBei der Neutral-Null-Methode werden die natürlichen Bewegungsausmaße beurteilt. Geprüft werden:
  • Abduktion und Adduktion

  • Flexion und Extension

  • Innenrotation und Außenrotation

Durchführung
Die Prüfung erfolgt am liegenden Patienten. Für die Abduktion wird das Bein weg vom Körper bewegt; dabei sollte das Becken fixiert werden. Bei der Adduktion wird das Bein zum Körper hin geführt, das andere Bein sollte über von der Untersuchungsliege herabhängen.
Bei der Flexion das Bein im Hüftgelenk beugen. Die Streckung im Hüftgelenk muss in Bauchlage durchgeführt werden. Dabei steht der Therapeut seitlich vom Patienten. Eine Hand wird am Hüftgelenk angelegt, die andere wird unter den Oberschenkel gelegt und eine Extension herbeigeführt.
Die Prüfung der Rotation im Hüftgelenk erfolgt bei 90° Beugung im Knie und im Hüftgelenk (Abb. 3.11). Aus dieser Position wird im Oberschenkel innenrotiert, wobei der Fuß des Patienten wie ein Zeiger nach außen zeigt, danach außenrotiert, sodass der Fuß des Patienten nach innen zeigt.
Normalbefund
  • Abduktion 20–30°, Adduktion 20–30°

  • Flexion 120–140°, Extension 15°

  • Innenrotation 35–45°, Außenrotation 40–50°

  • Keine Schmerzen, keine Krepitation bei Bewegung

Pathologische Befunde
Bewegungseinschränkung, insbesondere der Innenrotation bei Koxarthrose.
Trendelenburg-Zeichen
Trendelenburg-ZeichenDas Trendelenburg-Zeichen dient der Überprüfung der evtl. insuffizienten GlutealmuskulaturGlutealmuskulatur.
Durchführung
Der Patient wird aufgefordert, zunächst auf einem Bein zu stehen, dann auf dem anderen Bein. Geachtet wird auf den Beckenstand.
Normalbefund
Gerader Beckenstand im Einbeinstand.
Pathologische Befunde
Bei insuffizienter Muskulatur kann das Becken im Einbeinstand nicht gehalten werden. Das Becken sinkt zur Spielbeinseite ab (Abb. 3.12).

Untersuchung des Knies

Inspektion

KnieKnie:InspektionDie Inspektion erfolgt im Stehen. Es wird geachtet auf:
  • Beinachse: O-Beine oder X-Beine

  • Hautfarbe und Schwellungen: Hinweis auf entzündliche Geschehen, Gelenkerguss, Kapselschwellung oder Tumoren

Palpation

Knie:PalpationBei der Palpation werden Temperatur, Patella mit Patellarsehne, Gelenkspalt, Kniekehle, Fibulaköpfchen und die Epikondylen des distalen Oberschenkels betastet. Zu achten ist dabei auf Schmerzhaftigkeit, Schwellungen und Überwärmung.
Tanzende Patella
tanzende PatellaMit dieser Untersuchung können größere KniegelenksergussErgüsse im Kniegelenk erfasst werden.
Durchführung
Die Untersuchung erfolgt im Liegen am gestreckten Knie (Abb. 3.13). Beide Hände kranial und kaudal der Patella auflegen und mit den Fingern der einen Hand die Patella palpieren.
Normalbefund
Keine besondere Verschieblichkeit der Patella nach lateral und in dorsoventrale Richtung.
Pathologische Befunde
Starke Verschieblichkeit und „Tanzen“ der Patella nach dorsal und ventral.

Funktionsprüfung

Neutral-Null-Methode
Neutral-Null-Methode:KnieKnie:FunktionsprüfungBei der Neutral-Null-Methode werden die physiologischen Bewegungsausmaße geprüft:
  • Flexion und Extension

  • Innenrotation und Außenrotation

Durchführung
Die Prüfung erfolgt am liegenden Patienten. Dabei wird das Kniegelenk gebeugt und gestreckt. Im Anschluss wird im Kniegelenk innen- und außenrotiert. Die Rotation im Kniegelenk sollte bei ca. 20° angewinkelten Knie erfolgen.
Normalbefund
  • Flexion120–150°, Extension 5–10°

  • Innenrotation 10°, Außenrotation 30°

  • Keine Schmerzen, keine Krepitation bei Bewegung

Pathologische Befunde
Bewegungseinschränkung, z. B. bei Gonarthrose, Meniskus-, Kreuzbandschäden oder Affektionen der lateralen Bänder.
Varus-, Valgusstress
VarusstressValgusstressDamit werden die Stabilität der Seitenbänder KnieSeitenbänder und die MeniskusMenisci geprüft.
Durchführung
Die Untersuchung wird bei leichter Kniebeugung durchgeführt. Den Unterschenkel gegen den Oberschenkel abduzieren (Valgusstress) und damit das Innenband dehnen und den lateralen Meniskus komprimieren (Abb. 3.14). Im Anschluss den Unterschenkel gegen den Oberschenkel adduzieren (Varusstress) und damit das laterale Seitenband prüfen und den medialen Meniskus komprimieren.
Normalbefund
Keine Schmerzhaftigkeit während der Abduktion und Adduktion, keine Aufklappbarkeit im Kniegelenk.
Pathologische Befunde
  • Schmerzhaftigkeit kann auf einen Meniskusschaden hinweisen.

  • Eine Aufklappbarkeit im Gelenk ist ein Hinweis auf eine Seitenbandschädigung.

Steinmann I
Steinmann:IDas Steinmann-Zeichen I dient der Untersuchung der MeniskusMenisci.
Durchführung
Die Untersuchung erfolgt im Liegen bei 30° gebeugtem Kniegelenk. Eine Hand stabilisiert den Oberschenkel, die andere Hand rotiert im Kniegelenk nach innen und außen (Abb. 3.15).
Normalbefund
Schmerzfreie Rotation.
Pathologische Befunde
Bei Schädigung des Innenmeniskus ist die Außenrotation schmerzhaft, Schädigungen des Außenmeniskus führen zur schmerzhaften Innenrotation.
Steinmann II
Steinmann:IIDas Steinmann-Zeichen II dient der Beurteilung der MeniskusMenisci.
Durchführung
Beugung im Kniegelenk (Abb. 3.15).
Normalbefund
Keine Schmerzhaftigkeit während der Kniebeugung.
Pathologische Befunde
Wandernde Schmerzen von vorne nach hinten in Richtung Kniekehle bei Beugung im Kniegelenk sind Hinweis auf eine Hinterhornschädigung.
Payr-Zeichen
Payr-ZeichenDas Payr-Zeichen dient der MeniskusMeniskusprüfung.
Durchführung
Der Patient sitzt im Schneidersitz, der Untersucher drückt auf den medialen Kniegelenkspalt (Abb. 3.16).
Normalbefund
Keine Schmerzhaftigkeit während der Prüfung.
Pathologische Befunde
Schmerzen am inneren Gelenkspalt bei Varusstress (O-Bein-Stellung) im Schneidersitz sind ein Hinweis auf Innenmeniskusschäden.
Vorderes und hinteres Schubladenphänomen
SchubladenphänomenSchublade:vordereSchublade:hintereMit dem Schubladenphänomen wird die Stabilität der KreuzbänderKreuzbänder geprüft.
Durchführung
Die Untersuchung erfolgt am liegenden Patienten, dabei ist das Kniegelenk 90° gebeugt. Der Therapeut sitzt seitlich auf dem Fuß des Patienten und fixiert damit die 90°-Stellung. Mit beiden Händen das Kniegelenk umfassen, wobei die Fingerkuppen in der Kniekehle aufgelegt werden und die Daumen auf der Tuberositas tibiae liegen. Danach eine kräftige Bewegung des Unterschenkels nach vorne und dann nach hinten ausführen.
Normalbefund
Mimimale Beweglichkeit des Unterschenkels gegen den Oberschenkel beim Zug nach vorne und hinten.
Pathologische Befunde
Eine abnorme Beweglichkeit nach vorne ist ein Hinweis auf eine Vorderbandruptur, eine abnorme Beweglichkeit nach hinten auf eine Hinterbandruptur (Abb. 3.17).

Differenzialdiagnostik (Tab. 3.1)

Differenzialdiagnostik:Bewegungsapparat Bewegungsapparat:Differenzialdiagnostik

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